Kaiserreich - Weimarer Republik - Drittes Reich

1868 

  1. Feb. Konferenz zur Anlage des Kurparkes (MER C48Ii Nr. 776V).

Der Vorsitzende der Badekommission Landrat von Danneil und der Regierungspräsident Rothe begutachteten die vom  Ehrenmitglied der Badedirektion dem Domänenpächter von Kukulau Schmidt vorgelegten Pläne. 

 

  1. Mär. Todestag von Johann Christoph Nette (Sterbereg.)

Der Sattlermeister war von 1832 bis 1844 Ortsrichter und wohnte in der Lindenstraße 21.

 

  1. Apr. Abschluss des Soleliefervertrages mit Dr. Groddeck (MER C48Ii Nr.782 Bd.1).

Anhand des Fassungsvermögens der 21 Wannen und des Mischungsverhälnisse wurde die menge Sole errechnet und dafür eine Pauschale von 300 Talern zahlbar in  vier Raten vereinbart. Die  Röhrenfahrt vom oberen Schacht bezahlte Groddeck selbst. Die Badedirektion behielt sich die Kontrolle der Anstalt und die sofortige Aussetzung der Lieferung bei Verstößen oder Zahlungsverzug vor.

 

  1. Mai Pachtvereinbarung zwischen der Badedirektion und dem Hotelier Kurzhals (MER C48).

Dieser gewährte der Stadt ein Wegerecht, denn bisher mußten Fußgänger vom Bahnhof zur Promenade die Ladestraße nehmen. Dafür wurde ihm die Nutzung des Platzes am  Schwanenteich als Gartenlokal genehmigt.

 

  1. Juni Amtliche Bekanntmachung (NZ).

3 Taler Belohnung versprach die Badedirektion demjenigen, der die Schuldigen an dem ausufernden Vandalismus im Ort und auf den Wanderwegen zur Anzeige bringt.

 

  1. Juni Entdeckung der Johannisquelle (NZ).

Zwei Kurgäste hatten an  dem zu dieser Zeit noch unwegsamen rechten Saaleufer an der Krümme eine Mineralquelle entdeckt, die sich erstmals im  Oktober 1867  zeigte.  Der Tag der Entdeckung gab der Quelle den Namen.

 

  1. Juni Übergabe der Kukulauer Wiese (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Anwesend waren der Prokurator Schwimmer, der Amtsrat Jäger, der Domänenpächter von Fränkenau Amtmann Wernicke, Dr. Rosenberger als Vertreter der Badedirektion, der Pachtmüller Roßner und der Schulförster Voigt.  Die bisher zu Kukulau gehörende Wiese östlich des Eisenbahndammes (11 Morgen) sollte Kurpark werden.  Die Unterhaltung des Mühlenwegs übernahm die Badedirektion, dafür verpflichtete sich der Müller, die öffentliche Nutzung nicht zu behindern.

Westlich vom Bahndamm unterhalb der Hausgärten von der Apotheke bis zum Bahnhof erwarb man einen Streifen für eine Promenade vom Bahnhof zur Lindenstraße, die dann durch eine Hecke oder einem Zaun von der restlichen Wiese abzutrennen war. Die restliche Wiese kam  dann zur  Domäne  Fränkenau, nun  Fränkenauer Wiese genannt.

 

  1. Juli Anweisung an den Prov.-Steuer-Direktor zur Brückengelderhebung (St.-A. Nr. 550)

„Unter Bezugnahme auf den Erlaß vom 25. Juli 1864 die Brückengeld-Erhebung an der Saalebrücke bei Kösen betreffend, eröffne ich Euer Hochwohlgeboren, daß der Herr Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten in den abschrftl. beigefügten  Schreiben v. 3. v. M. sich nunmehr auf Grund der dargestellten Ermittlungen dahin ausgesprochen hat, daß die früher den unmittelbaren Ortschaften der Justizämter zu Pforte und Eckartsberga obgelegene Frohndienstpflichtigkeit in Betreff der gedachten Brücke gegenwärtig bedeutungslos geworden ist.  Unter diesen Umständen erscheint es gerechtfertigt, die betreffenden Ortschaften fortan zur Entrichtung der Brückengeldabgabe  anzuhalten, da denselben kein besonderer Rechtstitel für die bisher genossene Befreiung zur Seite steht, letztere vielmehr ausschließlich in der ehemaligen sächsischen Gerichtsverfassung ihren Grund hat.

Bei der anderweiten Regelung des Brückengeld-Tarifs im Jahr 1832 ist zwar ausgesprochen, daß diejenigen Passanten, welchen die Befreiung rechtlich zugestanden habe, auch ferner befreit blieben sollen. Es unterliegt jedoch keinen Bedenken, daß hiermit nur solche Befreiungen gemeint sind, welche auf einen gültigen speziellen Titel beruhen, nicht aber solche, die aus früheren allgemeinen Landeseinrichtungen, namentlich aus der Gebietsverfassung abgeleitet werden.

Euer Hochwohlgeboren wollen deshalb das Erforderliche veranlassen, damit die in rede stehenden 21 Ortschaften von einen Ihrerseits zu bestimmenden Termin ab zur Entrichtung der Brückengeldabgabe  herangezogen werden und gleichzeitig dafür Sorge tragen, daß die Ortschaften diese Anordnung in geeigneter Weise vor deren Ausführung zur Kenntniß gebracht werde. Mit Rücksicht hierauf empfiehlt es sich, die Frist nicht zu kurz zu bemessen. Es bleibt Ihnen überlassen, der Kgl. Regierung zu Merseburg eine entsprechende Mitteilung zu machen und derselben einheimstellen, durch die zuständigen Landraths-Ämter auf eine angemessene Belehrung der betreffenden Ortschaften über die Begründung der getroffenen Anordnung hinwirken zu lassen.

Was die der Landesschule Pforta, beziehungsweise deren Beamten und Vorwerken zustehende Befreiung anlangt, so ist die Voraussetzung, daß dieselbe sich auf die früher geleisteten Brückenbaudienste gründet, nicht zutreffend. Nach den früheren Verhandlungen ist vielmehr zu vermuthen, daß diese Befreiung auf der Eigenschaft der genannten Landesschule als Grund- und Gerichtsherr beruhe. In Berücksichtigung der früher erfolgten ausdrücklichen Anerkenntnis der in Rede stehenden Befreiung ist für jetzt deren Fortdauer nicht zu beanstanden.

Der Finanzminster v. d. Heydt.“

 

  1. Aug. 18. Sängerfest des „Sängerbundes an der Saale“ (NZ).

Das Festkomitee hatte dazu aufgerufen, die Häuser festlich zu schmücken. Am Morgen versammelten sich die Bundesvereine und zahlreiche Gäste im Kursaal zur Begrüßung, dann ging es über die „Katze“ zur Rudelsburg und von da aus zur Buchenhalle, wo das eigentliche Chorkonzert mit rund 5.000 Teilnehmern stattfand. Der Tag endete im Kuchengarten mit  Festmahl und „Regimentsmusik“. Daneben bot die „Katze“ Ballmusik, „einfach gute Speisen“  boten C. Zeidler, Wirt der Rost`schen Restauration (Lindenstr. 8) oder die „Heimat“ von E. Höfer. Tilebein der Wirt der „Tanne“ warb mit einem neuen  Stall  für 30 Pferde. Um 23 Uhr brachte ein Sonderzug die Teilnehmer zurück. Die Veranstaltung wurde auch in der   überregionalen Presse gewürdigt.  

  

  1. Aug. Verleihung des Stadtrechts (Mascher).

Mittels „Allerhöchster Ordre“ wurde der Landgemeinde Kösen gemäß der Städte-Ordnung vom 30. Mai 1853 das Stadtrecht verliehen. Kösen, nun die jüngste Stadt Preußens und Deutschlands, ohne kommunales Vermögen, war aber von einem Tag zum anderen für die Polizei, die Schule. die Infrastruktur und das Gewerbe zuständig.

 

  1. Aug. Amtliche Bekanntmachung (NZ).

Die Einwohner wurden wegen der anhaltenden Trockenheit angewiesen, die Wege vor ihren Häusern täglich zu bewässern.

 

  1. Aug. Publikation über die Johannisquelle (NZ).

Hofrat Dr. F. W. Pauli war Badearzt und praktizierte im Baumbachschen Haus (heute Lindenstraße 1 u. 2). Seine Erfahrungen auf dem Gebiet der Heilquellen hatte er bei seiner ärztlichen Tätigkeit in Homburg v. d. H. gewonnen. Die chemische Analyse, die Prof. Dr. Reichardt in Jena vornahm, ergab einen Gehalt von 1,6 bis 1,7 Gramm fester Bestandteile, hauptsächlich Kochsalz. Der Kreisphysikus Dr. Hartmann veröffentlichte die Ergebnisse in einer Broschüre, deren Erlös für die Finanzierung einer Brunnenfassung verwendet werden sollte.

 

      Sep. Veröffentlichung der letzten Kurliste (NZ).

Prominenester unter den  1.987 Gästen war mit der Nr. 353 Theodor Fontane (1819 bis 1898). Außerdem weilten hier die Gattin des Berliner Polizeipräsidenten v. Wurmb und die Professoren Felix v. Niemeyer (1820 bis 1871) Leibarzt des Königs von Würrtemberg, der Philosoph Hermann Ulrici (1806-1884)  und D. A. W. Both aus Göttingen.

 

  1. Nov. Auftragserteilung an den Domänenpächter Schmidt (MER C48Ii Nr. 776V).

Die Badedirektion hatte sich für seine einfache und daher preiswerte Parkgestaltung entschieden. Die symmetrisch über die Wiese liefen auf eine mit Blumen bepflanzes Rondell zu. Ansonst sollten verschieden Baumanpflanzungen erfolgen. Wirtschaftzlich sinnvoll wäre die Verpachtung des Graswuchses, womit man die Pacht bezahlen könnte. Auf Hecken wurde verzichtet, weil diese  Kindern Versteck- und Spielmöglichkeit boten. Im Frühjahr 1869 ließ Schmidt die ersten  Platanen pflanzen.

 

  1. Nov. Wahl der Stadtverordnetenversammlung (Mascher).

Entsprechend der Bevölkerungszahl wurden 12 Stadtverordneten nach der preußischen Klassenwahl gewählt: in Abt. I Hotelier Weber, Kaufmann A. Krüger, Brauereibesitzer Schultz, Kaufmann Siebold, in Abt. II Apotheker Gause, Restaurateur Teichgräber, Kaufmann Geyer, Maurermeister Werner, in Abt. III Badearzt Dr. Groddeck, Tischlermeister Vogel, Bäckermeister Hasenritter und Postvorsteher Müller. Kommissarischer Gemeindevorsteher war Geyer sen.

Zur Abt. I (Kösen-Süd) gehörte das Dorf Neu-Kösen mit der Eckartsbergaer und der Bahnhofstraße, zur Abteilung II (Kösen-Nord) das Viertel nördlich der Eckartsbergaer Chaussee und zur Abt. III  der Teil rechts der Saale.

Nach der Wahl wurde über die Einführunge eines Wochenmarktes, die  Einrichtung eines Krankenhauses und einer Sparkasse, sowie die Erarbeitung eine Konzeption für die zukünftige Entwicklung beraten.

Darüber hinaus wurden die Anwesenden informiert, dass mit Einrichtung der  Chausseegeldeinnahmestelle die Befreiung der Amtsdörfer von Pforte und Eckartsberga vom Brückengeld aufgehoben wird.  

 

              Adolf von Menzel malt das Ölbild „ Gottesdienst in der Buchenhalle“.

Vorlage war die Gustav-Adolph Feier“ der er persönlich bewohnte. Auch das  Bild „Badende Knaben in der Saale bei Kösen“ (Staatl. Museen zu Berlin) entstand als Reminiszens seines Kuraufenthaltes. 

 

              „Alterthümer und Kunstdenkmale des Cistercienserklosters St. Marien zu Pforte...“ 

Verfasser der im Sieling Verlag gedruckten Schrift  war Wilhelm Paul Corssen (1820-1875), seit 1856 Lateinlehrer an der Landesschule  und mit deren Geschichte bestens vertraut. Er setzte  die von C. P. Lepsius begonnene wissenschaftliche Erforschung der Heimatgeschichte fort.

 

  1. Dez. Gründung des Männergesangsvereins „Anakreon“.

 

  1. Dez. Beschwerde der Badeverwaltung (MER C 48 Li Nr. 776)

Schmidt, Pächter der Domäne Kukulau, Ehrenmitglied der Badedirektion hatte den Hangwald  zwischen der Buchenhalle und der „Katze“ abgeholzt. Der Kahlschlag in einem von den Kurgästen gern besuchten Gelände führte zu Unmut bei Gästen und Einwohnern.

 

1869

 

  1. Jan. Inkraftsetzung der neuen Brückengeldeinnahme (St.-A. 550).

 

  1. Jan. Konstituierende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung (Mascher).

Beschlossen wurde die Ausschreibung der  Stelle des Bürgermeisters mit einem  Jahresgehalt von 500 Talern.

 

  1. Feb. Baugenehmigung für die Soleleitung zur Rosenbergerschen Anstalt.

Nach Hartung und Groddeck erhielt auch Dr. Rosenberger die Erlaubnis, auf eigene Kosten eine gußeiserne Röhrenfahrt vom oberen Schacht über die Brücke zu verlegen.

 

  1. Feb. Feier zum Stiftungstag des König Wilhelm Krieger Vereins (NZ).

 

  1. Feb. Bekanntmachung zum Ausschank der Johannisquelle (NZ).

Täglich von 6 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags wurde der Trinkbrunnen an der Quelle abgegeben.

 

  1. Feb. Bietertermin für die Verpachtung der Chausseegeld-Einnahmestelle (NZ).

Bewerben konnten sich alle „dispositionsfähigen“ Personen, die bei Gebotsabgabe eine Kaution von 200 Talern hinterlegten. Das Kgl. Hauptsteueramt bezifferte die durchschnittliche Jahreseinnahme für den Pächter auf 1000 Taler.

 

  1. Feb. Fr. Sträuber eröffnet die Restauration „Zur Loreley“ (NZ).

Rund 100 Jahre früher hatte die Floßmeisterin Sophia Hartig neben dem alten Rechenwärterhaus hier einen „Felsenkeller“ gebaut, der nun zum Sträuberschen Anwesen gehörte. Die Entdeckung der Johannisquelle, die überregionale Publikation sowie die Absicht, die Quelle zu fassen und den Uferweg  bis dorthin zu verlängern, ließen einen regen Besucherstrom erwarten.  Sträuber bekam eine Schankkonzession, richtete eine Restauration ein und erzählte dann den Gästen, dass er die Johannisquelle entdeckt habe. 

 

  1. Feb. Mitteilung der Landesschule (St.-A.)

Dem Verschönerungsverein wurde der Hang zwischen der alten Heer- und der Dorfstraße zum Nießbrauch überlassen. Der Hang wurde mit Mauern befestigt, mit Wegen versehen und bepflanzt. .

 

  1. Mär. Ernennung des neuen Feuerpolizeikommissars (NZ).

Nachfolger Struves wurde Zimmermeister Fr. Toepfer. Der hatte gerade seinen Firmensitz „an frequentester Lage“ gegenüber dem Bahnhof  eingerichtet (Rudelsburgpromenade 6/7).  

 

  1. Mär. Wahl des ersten Bürgermeisters (Mascher; NZ).

Dr. Heinrich Anton Mascher (geb. 1824 in Könnern), bisher Kreissekretär beim Landkreis Naumburg wurde einstimmig gewählt. Zum Magistrat gehörten die unbesoldete Ratsschöffen Dr. Groddeck und der Kaufmann Siebold. Zum Amt des Bürgermeisters  eghörten die Polizeiaufsicht in Straf- und Bausachen, das Badedirektorat und die Schulaufsicht. Zur Bewältigung dieser Aufgaben wurde ein Expeditionsgehilfe eingestellt.

 

  1. Mär. Wohltätigkeitskonzert des Gesangsvereins „Anakreon“ in Zeidlers Wirtshaus (NZ).

 

  1. Apr. Geschäfteröffnung der Fa. Fr. Sänger & Hertel (NZ).

Der Firmensitz befand sich in der Lengefelder Flur, direkt an der Stadtgrenze und verarbeitete Floßholz zu Schnittholzsortimenten..

 

  1. Apr. Antrag Rosenbergers an die Badedirektion (MER C48 Ii 784I).

Rosenberger beantragte wie Dr. Groddeck  eine Pauschale für den jährlichen Solebezug.

 

  1. Mai Das Provinzialschulkollegium billigt die Fassung der Johannesquelle (St.-A.).

Außerdem wurde die Anlage einer Uferpromenade vom ehemaligen Rechenwärterhaus (Loreleypromenade 7) bis zur Quelle genehmigt.

 

  1. Mai Pfingstfeiertage (NZ).

Dem Publikum wurden geboten, im Kursaal (Kunitz) ein „Table de hòte“, im „Kuchengarten“ (Teichgräber) ein Konzert mit Ballmusik, im „Mutigen Ritter“ (Weber) ein Abendkonzert, in der „Katze“ (Wölbeling) Tanzmusik mit der Badekapelle, in den Saalhäuser (Schumann) Tanz und Tilebein gab die Eröffnung einer Kegelbahn in der „Tanne“ bekannt.

 

  1. Mai Todestag der Eva Eleonore Clementine von Zedtwitz geb. v. Klafs (Sterbereg.)

Da sie Jahrgang 1802 war, könnte sie die Mutter des Oberst a. D. Bruno von Zedtwitz gewesen sein. Familiäre Verbindungen gab es auch zum ehemaligen Oberfloßkommissar. Namensgeber der Familie war das fränkische Dorf Zedtwitz bei  Feilitzsch in der Nähe von Hof. Von dort stammte auch der Rittergutsbesitzer von Stendorf und Landrat Freiherr v. Feilitzsch.    

 

  1. Mai Amtliche Bekanntmachung des Landrates zur Meldepflicht (NZ).

Unter Verweis auf die 1866 erlassene Meldeordnung wurden die Hauswirte angehalten die  Ankunft eines Badegastes binnen 24 Stunden anzuzeigen. Außerdem hatten die Gastwirte und Restaurateure ihre Preislisten amtlich bestätigt und gut sichtbar auszuhängen. Angekündigt wurde die regelmäßige Prüfung der Melde- und Aushangpflicht seitens der Badedirektion.

 

  1. Juni Soleliefervertrag mit Dr. Rosenberger (MER C48li Nr. 782 Bd. 1)

Für die sieben Wannen wurde eine Pauschale von 140 Talern, zahlbar in vier Raten, vereinbart.

 

  1. Juni Schreiben Danneils an die Regierung in Merseburg (MER C48Ii Nr. 782 Bd. 1).

Anlass war ein Antrag der Kommanditgesellschaft Hartung & Co., den Solepreis für ihre Badeanstalt ebenfalls zu pauschalieren. Offenbar erhoffte man sich dabei eine Kostensenkung. Danneil begrüßte dies, verwies allerdings darauf, dass die Anstalt seither nur die Hälfte gegenüber den Badewirten zahlte. Außerdem würde bei einer Pauschalierung Rosenberger und Groddeck Beschwerde einlegen. 

 

  1. Juni Genehmigung zum Einbau von Turbinen an der Mühle (Roßner 1932).

Für die geplante Mehrproduktion wurde noch im gleichen Jahr der Grundsteion für ein modernes   viergeschossigen Mühlengebäude gelegt (Inschrift).

 

  1. Juni Geschäftsanzeige (NZ).
  2. Wagner aus Naumburg bot Transportleistung mit dem Handwagen zwischen Naumburg und Kösen an.

 

  1. Juli Amtseinführung des Bürgermeisters und der Ratsschöffen (NZ).

Dem Magistrat (Bürgermeister, 2 Ratsschöffen) oblag die Stadtentwicklung, der städtische Haushalt, die  Umsetzung von Anordnungen der Oberbehörde, die Genehmigung ggf. Ablehnung der Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung undd eren Umsetzung, keine leichte Aufgabe in Anbetracht der zahlreichen Probleme.

Gleichzeitig veröffentlichte Dr. Mascher seine Denkschrift „Kösen als jüngste Stadt Preußens und Deutschlands“. Nach der Schilderung des Istzustandes mit Hilfe der  Statistik des Jahres 1867 legte er seine Ziele  zur Entwicklung der Stadt und des Bades fest. 1. Die Bürger sollten sich klar werden, dass mit dem  Bürgerrecht das Vertrauen und die Treue  zur Obrigkeit wieder hergestellt und befestigt würde, wankende Ordnung und gestörter Frieden wieder hergestellt werden. 2. Die städtische Verfassung eine freie, geregelte und humane sowie energische Kommunalverfassung erfordert. 3.  Die Einrichtung einer effektiven örtlichen Polizeiverwaltung, die nun vom Bürgermeister wahrgenommen wird. 4. die Vertretung auf dem Kreistag durch einen Abgeordneten. 5. die angemessene Vertretung der Stadt in der Badedirektion, zunächst in Personalunion verbunden mit der Badepolizei, wenn möglich aber die Übertragung des Bades auf die Gemeinde. 6. die Einrichtung eines regelmäßigen Bürodienstes durch Anstellung eines Expeditionsgehilfen.7. Der Anschluss der Volksschule an ein Institut, dass es allen Bürgern gestattet ihre Kinder ohne unerschwinglich zu sein, den bestmöglichen Unterricht zu gewähren. 9. die geordnete Wohnbebauung entsprechend den wirtschaftlichen Interessen der Stadt. 10. die Einrichtung einer Darlehenskasse anstelle der Spar- und Vorschussvereine  11. die Einrichtung von Jahrmärkten nur wenn diese passend und vorteilhaft wären 11. Gründung eines Verschönerungsvereins.    

Der Erlös der Denkschrift bildete den Grundstock für einen  Rathausbaufond.

Mascher, ein typischer Verwaltungsbeamter,  versuchte mit einer Vielzahl von Verfügungen und Erlassen die Struktur des Badeortes zu verbessern und das Eigenleben der Badewirte und Hauswirte in geordnete bahnen zu lenken.. 

 

  1. Juli Sitzung des Brunnenfestausschusses (St.-A. Nr. 447)

10 Tage vor dem Fest trafen sich die Badedirektion (Landrat v. Danneil, Dr. Rosenberger, Oberamtmann Schmidt), der Magistrat, Pastor Barthold,  die Lehrer Zeiger, Greßler I und II, der Bergrat Backs und der Stadtverordnetenvorsteher Postmeister Müller und beschlossen das Festprogramm. 

 

  1. Juli Dr. Maschner beantragt die Genehmigung für ein Flussbad.

Dieses sollte an der Mündung des Scheitbachs in die Stromsaale angelegt werden, damit auch die  Schüler der Landesschule dort baden konnten. Flußbäder kamen in Mode nachdem der Schwimmunterricht beim preußischen Militär eingeführt wurde und nach und nach Einzug in den Schulen hielt. Dennoch sollte  die Badestelle möglichst den Blicken der Weiblichkeit verborgen bleiben, auf die der Anblick freizügig Badender abschreckend wirkte.

 

  1. Juli Zwangsversteigerung der Hartungschen Badeanstalt (NZ).

Der Kommanditgesellschaft Hartung & Co. war es nicht gelungen, den Badebetrieb wirtschaftlich zu gestalten. Mit der Versteigerung wollte man zumindest einen Teil der Einlagen sichern. 12.770 m² Grundstück mit 23 Badezellen, 11 Zimmern, 13 Kammern, 2 Küchen samt Dampfbad, Maschinen-und Kesselhaus, Wagenremise, Park- und Gartenanlagen standen zum Verkauf.

 

  1. Juli Brunnenfest (NZ).

Am Festumzug beteiligten sich die Schuljugend, die städtischen Behörden, die Schützengilde und der Kriegerverein, die Turnervereine und das Badedirektorat. Unter Glockengeläut zog man vom Marktplatz zum Solschacht, wo der Pfarrer die  Festrede hielt. Dann gab es Brezeln für die Jugend. Gleich anmehreren Stellen gab es ein Feuerwerke, oberhalb der Johannisquelle, auf der Rudelsburg und auf dem Nikolausberg. Am Montagnachmittag spielte die Badekapelle im Kuchengarten (Eintritt 1¼ Sgr.) anschließend ein Souper mit Ball bei Teichgräber für die  Honoratioren. Dafür sollten 12 Silbergroschen in Vorkasse erhoben werden, weshalb sich nur wenige meldeten und das essen ausfiel. Für Kinder gab es noch einen Fackelumzug und dann Tanz in allen Gasthäusern.

 

  1. Juli Ernennung des Bürgermeisters zum „Vorsitzenden der Direktion des Kgl. Soolbades.“

Damit erhielt die städtische Verwaltung ein größeres Mitspracherecht beim Badebetrieb. Landrat v. Danneil, der bisher dem badedirektorat vorstand,  blieb als Vertreter  der Kgl. Regierung.

 

  1. Aug. Bekanntmachung einer Veranstaltung im Kuchengarten (NZ).

Dafür warb diesmal nichtz nur Pächter sondern die Badedirektion, die auf die Refinanzierung ihres Anteils an den Baukosten des Saales bedacht war.

 

  1. Aug. „Aus und über Kösen (NZ)

Seit dieser Saison erscheien wöchentlich der „Badmoniteur“ der zur Information der Badegäste gedacht war. Bislang waren 1.871 kurtaxzahlende Gäste angemeldet, dazu  „Gäste auf Besuch“ und „badesteuerscheue“ Gäste, so dass man von insgesamt 2.200 Besuchern ausging. Damit gehörte der Ort nicht zu den Welt- und Luxusbädern, was aber als positiv vermerkt wurde.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Neben der Besetzung der städtischen Kommissionen für Feuer-, Sanitäts-, Kassen-, Bau- und Schulwesen standen die Vermietung von Wohnungen im Armenhaus, die Bepflanzung der Eckartsbergaer Chaussee mit Bäumen, der Verkauf des alten und der Neubau eines neuen Armen- bzw.  Krankenhauses auf dem Programm. Beschlossen wurde die Umbenennung von Straßen  (Dorfstraße in Borlachstraße und Petersiliengasse in Burgstraße).  Das Verbot zum Befahren der Grünen Gasse wurde aufgehoben.

 

  1. Aug. Schreiben des Camburger Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 879).

Die Planungen für den Bau der Saaletalbahn von Unterneusulza über Jena nach Saalefeld hatten konkrete Formen angenommen. Als Umsteigmöglichkeit von und zur Thüringer Bahn war  Unterneusulza im Gespräch, doch es wäre auch sinnvoll, in Naumburg oder Kösen von der Thüringer- auf die Saalebahn zu wechseln. Dazu müßte aber die Saalebahn AG einen Teil der Gleise der Thüringer Bahn benutzen. Zwischen  Klein- und Großheringen könnte dann ein Anschlußgleis zur Saalebahn abzweigen. Kösen wurde aufgefordert, im Interesse  der Stadt und des Fremdenverkehrs sich hierfür mit einzusetzen.       

 

  1. Aug. Stellenausschreibung für die Stadtkämmerei-Rendantenstelle (NZ).

 

  1. Sep. Gartenfest und italienische Nacht im „Tivoli am Kuchengarten“ (NZ).

 

  1. Sep. Antrag der Stadtverwaltung auf ganzjährige Abhaltung des Marktes (St.-A. Nr. 488).

Innerhalb von 20 Jahren war die Zahl der Einwohner von 1.200 auf 1.800 und die der Badegäste von 300 auf 2.000 gestiegen. Dabei hatte sich die Wohnbebauung zu Lasten der Hausgärten  verdichtet. Um dem Mangel an Gemüse, Obst und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen abzuhelfen, sollte der Wochenmarkt nicht nur in der Badesaison stattfinden. Die Kgl. Regierung genehmigte den Antrag sechs  Wochen später .

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Da mit dem Stadtrecht auch die Einquartierungspflicht bei Übungen und im Kriegsfall kam, wurde der Gastwirt Weber zum Einquartierungskommissar ernannt. Besetzt wurden die  Klassensteuerveranlagungs- und die Armenkommission sowie der Schulvorstand. Geplant war die Aufstellung von Gaslaternen an den frequentiertesten Stellen. Weil sich niemand für die Stelle des Kämmerers bewarb, wurde das Salär von 125 auf 180 Taler angehoben.

 

  1. Sep. Verkaufsanzeige im Naumburger Kreisblatt.

Angeboten wurde ein Gasthof mit Kegelbahn und drei neu gebaute Wohnhäuser, möglicherweise  der spätere  „Lindenhof“ und   drei der nach 1857 in der  Querstraße errichteten Häuser.

 

  1. Sep. Amtliche Bekanntgabe des örtlichen Schulvorstandes (NZ).

Neben dem Bürgermeister und den Pfarrer gehörten Maurermeister Werner, die Kaufleute Mothes und Koch und der Postsekretär Müller dem Vorstand an.

 

  1. Sep. Bekanntgabe der Feuerstättenschau (NZ).

Alle Hausbesitzer hatten die Kontrolle ihrer Feuerstätten durch die Feuerpolizei zu dulden und deren Auflagen umgehend nachzukommen.

 

      Sep. Letzte Kurliste der Saison (NZ).

Unter den 2.056 Gäste waren Sr. Exzell. Baron v. Maltitz,  Oberbürgermeister Groddeck aus Stettin, Freiherr von Feilitzsch aus Kassel, der Solotänzer Toni Stullmüller, Berlin, Paul v. Smitten aus Tiflis und der Gen.-Adjutant des russischen Kaisers v. Tastischeff.

 

  1. Okt. Gründung des Verschönerungsvereins (Röblitz, Heimatbuch 1930, BLK-A. Nr. 390).

Zum ersten Vorstand gehörten der Oberst v. Zedtwitz, der Lehrer Zeiger, der Mühlenbesitzer Roßner, der ehemalige Ortsrichter Schleicher und der Drogist Struve. Zweck des Vereins lt. Statut war  die Verschönerung der öffentlichen Promenaden und Plätze in der Stadt und der nächsten Umgebung und die Erhaltung der vorhandenen Werke der Natur und der Kunst. Am Ende des Jahres zählte der Verein 92 Mitglieder, darunter Hämmerling, Großmann, Papst und Dr. Rosenberger. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NZ).

Beschlossen wurde die Aufstellung von zwei Laternen links und rechts der Brücke und am Winterschen Grundstück (Eckartsbergaer Str. 5) und der Bau eines Trinkwasserbrunnens am Gradierwerk.

 

  1. Okt. Anordnung der Polizeiverwaltung (NZ).

Verboten und unter Strafe gestellt wurde die Nutzung des Fußweges zwischen  der Möllerschen Gärtnerei und dem Bahndamm durch Fuhrwerke, Handkarren und Reiter.

 

  1. Okt. Genehmigung der ganzjährigen Abhaltung des Wochenmarktes (NZ).

 

  1. Okt. Bildung eines Lokal-Saale-Bahn-Comitees (BLK-A. Nr. 879)

Zur Hebung des Badeverkehrs sollte sich das Komitee um den direkten Anschluss an die Saaletalbahn, aber auch um den Anschluss an die Saale-Unstrut Bahn von Unterneusulza nach Straußfurt kümmern. Dazu besuchte man Sulza und Eckartsberga und kam zu der Ansicht, dass die Strecke bis Kösen reichen sollte.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (St.-A. Nr. 148, BLK-A. Nr. 686)

Auf Anordnung des Ministeriums vom 18. Februar wurde das Turnen als obligatorischer Unterricht eingeführt. Zeiger, der 1. Lehrer der städtischen Schule schlug vor, den Schulgarten für „Frei- und Ordnungsübungen“ herzurichten. Für die Einzäunung wurden 136 Taler und für die Anschaffung von Turngeräten (1 Klettergerüst, 1 Reck, 1 Barren) 33 Taler bewilligt. Außerdem wurde die Pflasterung unter der Bahnbrücke und des Weges am Kunstgestänge beschlossen.

 

  1. Nov. Bestellung des Schuhmachermeisters Becker zum amtlichen Auktionator (NZ).

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (NZ)

Auf der Tagesordnung standen die Anschaffung von Feuerlösch-, Turn- und Leichengerät und eine Klage des Zimmermeisters Neubauer gegen die Stadt.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Kgl. Regierung sollte Grenzen zwischen Stadtbezirk und Gutsbezirk eindeutig festlegen. Die dazu erforderlichen Pläne und Vermessungen sollte die Behörde beauftragen. Festgelegt wurde die Installation einer Gaslaterne auf der Brücke.

 

  1. Dez. Neubesetzung der Badedirektion (NZ).

Nach dem Ausscheiden des  Ortsrichters Schleicher wurden die  Ratsschöffen  Dr. Groddeck und Siebold zu ordentlichen Mitgliedern und der Oberst a. D. Bruno v. Zedtwitz zum Ehrenmitglied ernannt. Bruno v- Zedtlitz und sein Ehefrau Helene (1840-1878) kauften in den Hinterbergen ein Grundstück und bauten hier ein Landhaus (Saalstraße 28).

 

  1. Dez. Aufruf des Landrates zu Spenden für den Erhalt der Rudelsburg (NZ).

Im Jahr 1868 war ein Teil des Giebels eingestürzt. Weil weitere Abbrüche drohten, hatte sich die Kgl. Regierung an das Kgl. Kultusministerium um finanzielle Hilfe gewandt. Der Antrag wurde vom preußischen Staatskonservator Ferdinand v. Quast unterstützt. In der Begründung hieß es:„…an sich zeichnet sich die Rudelsburg durch ihre fortifikatorische  Anlage nicht minder wie durch malerische Schönheit aus und (ich) kann daher dem Antrage der Kgl. Regierung um Bewilligung der Summe zur Erhaltung beistimmen“, wurde wegen fehlender Mittel abgelehnt. Nun erließ der Landrat v. Danneil einen Spendenaufruf „um das allmähliche Verschwinden jener Zierde einer der schönsten Gegenden Norddeutschlands zu verhüten“. Neben  der Badedirektion hatte die  Direktion der Thüringer Eisenbahn finanzielle Hilfe zugesagt und der Rittergutsbesitzer versprach die kostenlose Bereitstellung von Bauholz, Sand, Kalk und Steinen.

 

1870

 

  1. Jan. Konferenz der Holzhändler (NZ).

In der „Katze“ berieten die Holzhändler über eine Modifizierung der Floßordnung auf der Saale.

 

  1. Jan. Amtliche Festlegung zum Stadtwappen (NZ).

Über einer nur fünfbogigen Brücke mit dem Salzkorb schwebte der preußische Adler. Die Stadtfarben entsprachen denen des Norddeutschen Bundes schwarz-weiß-rot.

 

  1. Jan. Gemeindebeschluß zum Kauf des Fürstenhauptschen Anwesens (BLK-A. Nr. 686)

 

  1. Feb. Sitzung der Badekommission (St.-A. Nr. 360)

Ein salomonischer Spruch beendete den Streit um die Bezahlung eines Schutzgeländers vor dem Heckenberg`schen Grundstück. Das hatte der Ortsvorsteher Geyer 1868 anbringen lassen, nachdem der Fußweg von der großen Promenade zur Brücke gepflastert worden war. Doch die Stadtverordnetenversammlung als auch die Chausseebaubehörde lehnten die Bezahlung ab, weshalb der Zimmermeister Neubauer mit einer Klage drohte. Nun erklärte sich die Badedirektion zur Kostenübernahme bereit, allerdings musste das Geländer ab- und am Gradierwerk wieder aufgebaut werden.  

 

  1. Feb. Sitzung des Badedirektion (St.-A. Nr. 348)

In der letzten Saison hatte Teichgräber den Naumburger Stadtmusikus Seidenglanz für den Kuchengarten  engagiert. Daraufhin beschwerte sich Musikdirektor Carl Julius Heyne, dessen 1837 aufgestelltes Musik-Chor zu allen von der  Badedirektion organisierten Konzerten und Tanzmusiken spielen durfte und dafür eine Jahrespauschale erhielt. Darüber hinaus waren alle Restaurateure angehalten, das Musik-Chor  auch zu den eigenen Veranstaltungen spielen zu lassen. Doch bei der geringen Entlohnung fehlten geeignete Musiker, wobei die meisten nur recht laienhaft spielten, und nach Abgabe einer Probe meist genommen wurden. Es lag dann am Geschick des Musikdirektors, dem verwöhnten Publikum etwas Hörenswertes  zu bieten.

Teichgräbers Angabe, dass durch mangelnde Disziplin der Kapelle der Ruf des Bades gelitten habe, musste Heyne zugeben. Die Badedirektion legte nun für die bevorstehende Saison fest, dass Heyne für die Konzerte mindestens 16 Musiker aufzubieten hatte (4-5 Violinen, 1 Viola, 1 Cello, 1 Kontrabaß, 1-2 Flöten, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Trompeten, 1 Posaune, 1-2 „Janitscharentrommeln“) und die Kapelle unter Aufsicht des Magistrats gestellt wird.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NZ).

Genehmigt wurde die Polizeiordnung zur Eindämmung des „Plakatierunwesens“ sowie die beiden Ratsschöffen zu Mitgliedern der Badedirektion ernannt. Diskussion rief der Antrag des Gastwirts Weber hervor. Der wollte den „Saalbau“ an der kleinen  Saale abreißen und hier ein Logierhaus errichten und hatte bei der Landesschule den Erwerb des Uferweges an der kleinen Saale beantragt.

 

  1. Feb. Bekanntmachung zur Einquartierung (NZ).

Dem Verteilerschlüssel zufolge sollten in den 198 Wohnhäusern 2 Generäle, 18 Stabsoffiziere, 35 Rittmeister und 670 Mannschaftsdienstgrade untergebracht sowie 140 Pferde eingestellt werden.

 

  1. Feb. Konferenz zur Saale-Unstrut- und Saalebahn in Weimar (BLK-A. Nr. 879)

Die Vertreter der drei Bahnbetriebe, der Oberingenieur der Saalebahn und die Vertreter von Städten und Bahnkomitees sprachen sich für Unterneusulza als Vereinigungspunkt der Bahnen aus. 1874 mit Inbetriebnahme der Saalebahn war eine die direkte Verbindung nach Jena sowohl von Naumburg als auch von Weimar möglich. In Unterneusulza (nun Bahnhof Großheringen) endete die Saale-Unstrutbahn, der Pfefferminzbahn.      

 

  1. Feb. Erklärung der Mitglieder der Kurkapelle (St.-A. Nr. 348)

„Wir Unterzeichnende, bisherige Mitglieder der hiesigen Badekapelle erkennen von heute ab Herrn Bruno Heyne, Sohn des seit 1837 bis dato gewesenen Dirigenten Carl Julius Heyne als seinen Nachfolger resp. unseren weiteren Direktoren und räumen ihm obengemäß alle Rechte und Pflichten ein, so weit sie die Königliche Badedirektion evt. die Magistratur anordnet und versichern ihm unserer musikalischen sowie moralische Pünktlichkeit.“ Unterschrieben hatten Carl Julius Heyne, P. G. Geyer sen, August Otto, Ernst Höfer, August Matthes, Constantin Matthes, Ernst Saalborn, Karl Braune, Adalbert Hafermann, Ernst Otto und Friedrich Reinhardt.

Gleichzeitig stellte  Bruno Heyne ein „Reglement für die Bad- und Stadtkapelle Kösen“ auf. Er unterstellte die Kapelle der unmittelbaren Aufsicht der Badedirektion und des Magistrats. Mit  24 Paragrafen wurden die Rechte und Pflichten der Mitglieder, insbesondere deren  Bezahlung und der Einhaltung der Disziplin geregelt. Zum Reglement gehört noch das Statut einer Pensionskasse . Heyne jun. hoffte,  damit das Konzertmonopol zu sichern.

 

  1. Feb. Bietertermin für kommunale Bauarbeiten (NZ).

Vergeben wurde die Errichtung von Abzugskanälen in der Neu- und der Querstraße.

 

  1. Mär. Protokoll der Badedirektion (MER C48Ii Nr.776 V,St.-A. Nr. 348).

Die Badedirektion (Bürgermeister Richter, Ratsschöffen Siebold und Dr. Groddeck, Dr. Rosenberger,  Oberst a. D. v. Zedtwitz) befasste sich mit einem Schreiben des Domänenpächters Schmidt, der sich beschwerte, dass der von ihm geplante Park an der großen Promenade geändert wurde. Da sich die Mehrheit der Badedirektion für die Änderung aussprach, verließ Schmidt die Badedirektion. Siebold und v. Zedtwitz wurden ermächtigt, die Änderungen umzusetzen.

Darüber hinaus wurde empfohlen, den  Besuchern der Johannisquelle die Benutzung der Abortanlagen in der Sträuberschen Gaststätte zu gestatten und erst bei einer höheren Frequenz der Quelle, eine öffentliche Bedürfnisanstalt einzurichten.  Ein Zuschuss  für den Ausbau des Fußweges zu den Saalhäusern wurden genehmigt und eine Publikation über die örtlichen Heilmittel in 10 überregionalen Zeitschriften beschlossen. Der Vorsitzende informierte über seine  erfolgreiche Vermittlung zur Beilegung des Konfliktes zwischen  Teichgräber und Heyne.

 

  1. Mär. Tod von Karl August Koberstein (Sterbereg.).

1820 war er als Adjunktus und seit 1824 Professor an der landesschule, Fr. Nietzsche und K. Fr. Lepsius gehörten zu seinen Schülern. Überregional bekannt wurde er als Leiter der Volksversammlung in der Buchenhalle im Revolutionsjahr 1848 und als Alterspräsident der Kösener Vogelweiden.

 

  1. Mär. Amtliche Verfügung zur Plakatierung (NZ).

Um die wilde Plakatierung einzudämmen, wurden 8 Anzeigekästen im Stadtgebiet angebracht in denen man nach vorheriger Genehmigung private Aushänge veröffentlichen konnte.

 

  1. Mär. Vertrag zwischen der Landesschule und dem Verschönerungsverein (St.-A).

Der Verein erhielt die Erlaubnis, den Hang zwischen dem Wernerschen Stadtgut und der alten Heerstraße als  Anlage herzurichten. Der Hang wurde terrassiert, Wege angelegt, Flieder und Schneebeeren sowie Platanen  und die Borlachkastanie gepflanzt. Die Mittel dazu kamen aus der Badekasse.

 

  1. Mär. Geburt von Ernst Hertel

Der Sohn des Apothekers promovierte 1895 in Jena zum Dr. med., erhielt 1910 die Professur für Augenheilkunde an der Universität Straßburg, ging nach Berlin und dann nach Leipzig. Hier leitete er die  Universitätsaugenklinik bis 1935. 1929 wurde er Mitglied der Leopoldina. Nach ihm wurden das  Verfahren der  Exophtalmometrie und die Stilling-Hertelsche Farbtafel benannt. Er starb 1943 in Leipzig

 

  1. Mär. Veröffentlichung der Jahresstatistik 1870 (St.-A. Nr. 418)

Demnach gab es in der Stadt folgende Gewerbe-und Handwerksbetriebe: 3 Bäcker, 2 Konditoren, 2 Gärtner, 3 Barbiere, 6 Badeaufseher, 2 Glaser, 1 Maurermeister, 2 Zimmermeister,1 Schornsteinfegermeister, 2 Stellmacher, 1 Grob-und Nagelschmied, 4 Schlosser, 1 Klempner, 1 Uhrmacher, 3 Seiler, 1 Förster, 9 Schuhmacher, 3 Sattler und Polsterer, 8 Schneider, 4 Weber, 1 Putzmacherin, 3 Böttcher, 3 Korbmacher, 3 Buchbinder, 1 Kupferstecher, 1 Musikmeister, 3 Fleischer, 1 Müller, 1 Brauer und 1 Brennmeister. Die Jahresausgaben einer vierköpfigen Arbeiterfamilie lagen bei 175 Talern (Lebensmittel 100, Wohnung 24, Brennmaterial 10, Kleidung 16, Miete 5, Hausrat 4, Abgaben 16). Die Wochenlöhne betrugen bei einem Handwerksgesellen 1 bis 2 Taler, ein Knecht erhielt jährlich 40 bis 50 Taler, die Magd 18 bis 40 Taler(bei freier Unterkunft und Kost), ein Bauwerksgehilfe verdiente am Tag 20 bis 22 Silbergroschen, ein Gartenarbeiter 20, ein Handarbeiter 15 und die Frauen 10 bis 12 Silbergroschen. Angemerkt wurde, dass sich die Lage der arbeitenden Klasse in den letzte sieben Jahren in Folge der steigenden Frequenz des Bades und des Zuzugs bemittelter Personen wesentlich verbessert hatte.  

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 686, NZ).

Bewilligt wurden die Mittel für einen Trinkwasserbrunnen vor dem Pfarrhaus und der Antrag Webers auf Überbauung der der Loreleypromenade bis an die kleine Saale abgelehnt.

 

  1. Apr. Vereinbarung zwischen der Badedirektion und Teichgräber (St.-A. Nr. 348).

Der Badekapelle wurde erlaubt, wie bisher am Dienstag, Mittwoch und Sonnabend zu konzertieren und  dafür auch den Eintritt zu kassieren und Teichgräber durfte nun auch offiziell  für außerordentliche Konzerte auswärtige Kapellen  engagieren.

 

  1. Apr. Verhandlungsprotokoll der Badedirektion (MER C48Ii Nr.776V).

Der Garteninspektor Niemeyer aus Magdeburg, mit der Begutachtung der Pläne des Domänenpächters beauftragt, bezeichnete diese als unzweckmäßig und unschön und bot einen neuen Plan an.

 

  1. Mai Bekanntgabe des Magistrats (NZ).

Dieser gab die Eröffnung des Magistratsbüros und der Kämmerei im Schulhaus bekannt.

 

  1. Apr. Versammlung des „Kösener Comitees“ auf der Rudelsburg (NZ).

Der Förderverein beriet mit dem Regierungsbaurat Mothes über Maßnahmen und Kosten für die weitere Sicherung der Rudelsburg.

 

  1. Mai Wiedereröffnung der großen Badeanstalt (NZ).

Neuer Besitzer war Dr. Wahn, der die Hartungsche Badeanstalt bei der Zwangsversteigerung  erwarb.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Informiert wurde über die Verlegung der Chausseegeld-Hebestelle und der Zimmermann Struve zum Ratstechniker ernannt.

 

  1. Juni Der „Tauftag“ der Johannisquelle wird mit Fackelzug und Feuerwerk gefeiert (NZ).

 

  1. Juni Bericht des Bürgermeisters (MER C48Ii 784I).

Nach einer Überprüfung der Badeanstalten erklärte der Kreisarzt San.-Rat Hartmann, dass die  kleinen Anstalten wegen mangelnder Hygiene und fehlendem Komfort sofort geschlossen werden müssen. Mascher lehnte ab, und verwies darauf, dass es dem Publikum überlassen sein sollte, welchen Standard sie sich leisten wollten.

 

  1. Juli Tagung der Ritterschaftlichen Stände Altthüringens (NZ).

Die im „Mutigen Ritter“ versammelten Stände bekundeten in einem offenen Brief an den preußischen König ihre volle Unterstützung bei der Mobilmachung. 

 

  1. Juli Aufruf des Vereins patriotischer Frauen (NZ).

Frl. v. Schmettau, Frau Rosenberger und Frau Mascher riefen die Einwohner zu Sachspenden wie Unterzeug und Verbandsmaterial auf.

 

     Aug. Verfügung zur Erstellung eines regelmäßigen Jahresberichtes über die Badesaison.

 

               Gründung der „Höheren Lehr- u. Erziehungsanstalt für Knaben“ (NZ).

Die Wohnung des „Salinen-Dirigenten“, zuletzt wohnte hier der Bergrat Backs, hatte Dr. Raabe von der Landesschule erworben und richtete eine Pädagogium ein, wo Knaben auf den Besuch der Landesschule vorbereitet wurden. Für auswärtige Schüler gab es auch einige Internatszimmer. 

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Auf Anfrage wurde mitgeteilt, dass die Einquartierungsregularien auch im Kriegsfall gelten und  Lazaretträume im Anwesen der Frau Knorr (Friedrich-Ebert-Str. 22) sowie im städtischen Armenhaus (Burgstraße 16) zur Verfügung stehen

 

  1. Okt. Letzte Badeliste des Jahres (NZ, St.-A. Nr. 583).

Nur 1.591 Personen, ein Viertel weniger als in den letzten Jahren wurden registriert, was sich nachteilig auf die Badekasse auswirkte. Prominente Kurgäste waren der Berliner Kirchenmusikdirektor Prof. Emil Naumann, der Bildhauer Alexander Calandrelli (1834-1903)  Professsor und Senatsmitglied der Akademie der Künste (Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III).  und die Sängerin Anna Worgitzka. Dazu kamen 200 internierte französische Offiziere, die sich aber im Ort frei bewegten.

 

  1. Okt. Vertrag zur Instandsetzung des Eiswehres (MER C48Ii Nr, 776V).

Das befand sich am Einfall der kleinen Saale und bestand aus einer Grundschwelle und beweglichen Pfählen, die Treibeis aufhalten und so die Radkünste schützen sollten. Als Rechtsnachfolger der Saline wurde nun die Badeverwaltung zur Mitfinanzierung der desolaten Anlage aufgefordert.

 

  1. Nov. Antrag auf Erweiterung des neuen Friedhofes (St.-A.).

Auch der neue Gottesacker am Gradierwerk war nun vollständig belegt und die Kirchengemeinde musste den Gottesacker erweitern.

 

  1. Dez. Antrag der Badedirektion auf Ausgleich der Badekasse

Wegen dem Ausbleiben der Gäste infolge des Krieges mit Frankreich schloss das bad mit einem Minus ab. Da auch die kommende Saison keine Besserung verhieß, beantragte die Direktion vorsorglich einen Vorschuss von 200 Talern, was von der Kgl. Regierung mit dem Verweis auf  Sparmaßnahmen abgelehnt wurde.

 

1871

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde eine Steuer für „Luxushunde“ von 1 Taler und 10 Silbergroschen, sowie die Besteuerung öffentlicher Lustbarkeiten.

 

  1. Feb. Rüge der Kgl. Regierungsabteilung (St.-A. Nr. 360)

Der Kukulauer Domänenpächter Schmidt, damals noch Ehrenmitglied der Badedirektion, hatte im Jahr 1868 den Maurermeister Werner beauftragt über einen Erosionsgraben am Weg vom Nikolausholz zur Ilske eine steinerne Brücke zu bauen, ohne allerdings dazu die Genehmigung der Oberbehörden einzuholen. Diese sollte aus rohen unbehauenen Steinen mit einer Erdfüllung aufgeführt werden und 30 Taler Kosten. Werner verwendete jedoch Hausteine und berechnete 78 Taler. Die Mehrkosten wurden abgelehnt und  angewiesen, dass sich Schmidt mit Werner einigen sollte.   

 

  1. Mär. Die Provinzialregierung prüft die Badekasse.

Nach einer erneuten Intervention und der Einstellung der Gehaltszahlungen wurden nach der Prüfung die fehlenden Mittel aus dem Staatshaushalt gewährt.

 

  1. Mär. Patriotische Theateraufführung im Kuchengarten (NZ).

Die „Liebhaber Theatergesellschaft“ lud zu Ehren der heimkehrenden Krieger zu einer thea-tralischen Abendunterhaltung ein.

 

  1. Mär. Vertrag zur Unterhaltung des Eiswehres (St.-A. Nr. 164)

Die  Unterhaltskosten der Anlage teilten sich seit 1833 Salinenfiskus und Landesschule. 1861  übernahm die Kgl. Badedirektion die Radkünste vom Salinenfiskus, sah sich aber nicht in der Pflicht. Nun wurde unter Hinzuziehung des Bauinspektors Werner vereinbart, dass die Erneuerung noch im laufenden Jahr erfolgt und die Kosten zwischen der Landesschule und der Kgl. Regierung geteilt werden. Das Eiswehr bleibt gemeinschaftliches Eigentum, eigenmächtige Veränderungen wären unzulässig. Den Ein- und Ausbau sowie die Einlagerung der Eispfähle übernahm der Kreisbaubeamte. 

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Wahnschen Badeanstalt (MER C 48Ii 782 Bd 1).

Nach der Übernahme der Hartungschen Badeanstalt wurde mit ihm eine Jahrespauschale von 400 Talern vereinbart. Außerdem wurde er von der Verpflichtung entbunden, Freibäder für ehemalige Salinenarbeiter und Ortsarme abzugeben.

 

  1. Apr. Erstausgabe des „Kösener Anzeigers“ (NZ).

Herausgeber des „Unterhaltungs- und Anzeigenblattes für Kösen und Umgebung“ war der Drucker C. G. Weidel, später  K. Maschke (1872 -1874) und  Th. Hering (1874 bis 1880), dann ging die Druckerei und damit die Zeitung ein. Das Blatt war neben dem Naumburger Kreisblatt  Amtsblatt des Magistrats.

 

  1. Apr. Amtliche Bekanntmachung der Badedirektion (NZ).

Die Badewirte und Vermieter wurden auf die Einhaltung der Polizeiverordnung zur Melde- und Aushangpflicht   hingewiesen

 

  1. Apr. Danksagung des „Vereins zur Erquickung der Kösen passierenden Krieger“ (NZ).

Wie in anderen Städten auch, hatten sich in den Orten, die an den Hauptdurchzugsstraßen lagen Vereine gebildet, die die Marschkolonnen empfingen und mit Essen und Trinken versorgten. Dazu wurden nicht nur vor Ort sondern auch in den umliegenden Dörfern Spenden gesammelt, wofür sich die Organisatoren bedankten.

 

      Apr. Theodor Fontane: „Wanderungen durch Frankreich 1871“

Auf seiner Fahrt von Berlin nach Paris, zu seinem dort stationierten Sohn, schilderte er seine Bahnfahrt: „Eine Stunde später fuhren wir in die sächsisch-thüringische Ebene ein,…., bis die Burgen „an der Saale hellem Strande“ uns freundlich grüßten. Kösen war noch intakt: Jung Berlin, die ganze Armee der kranken Augenwimpern, fehlte noch:“ Aus eigener Erfahrung, die er bei seinen Kuraufenthalten hier gesammelt hatte, wußte er von der „Kinderstube Berlins“ und der erfolgreichen Behandlung von Kinderkrankheiten.

 

  1. Mai Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zum Turnunterricht (St.-A. Nr. 148)

Lehrer Zeiger bekam 15 Taler als Gratifikation, die er aber jedes Jahr neu beantragen musste.

 

  1. Mai Änderung der Verwaltungsvorschrift für das Solbad (NZ).

Alle Besucher, die sich während der Badesaison vom Mai bis September länger als 7 Tage hier aufhielten und nicht nachweisen konnten, dass der Aufenthalt nicht ihrer Gesundheit diente, galten als Kurgast und waren kurtaxpflichtig. Die persönliche Eintragung im Badejournal bei Ankunft war Pflicht und wurde streng kontrolliert.

 

  1. Juni Hochwasser

Tausende Floßhölzer stauten sich an den Brückenpfeilern ohne größeren Schaden anzurichten.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NZ).

Für Dr. Mascher, der nach Hörde ging,  wurde die Nachfolge  mit 500 Talern Jahresgehalt und 180 Talern für die Leitung des Badedirektorats ausgeschrieben. Veröffentlichungen erfolgten in der Hallischen, der Magdeburgischen, der Naumburgischen und der National-Zeitung

 

  1. Juli Kriegerfest aus Anlass des Friedensschlusses mit Frankreich (NZ).

Der Festzug mit den Honoratioren und Vereinen führte von der Neuen Promenade durch  die Borlach- und die Lindenstraße zur Friedenseiche vor dem Wahnschen Badehaus. Dort wurde die Festansprache gehalten. Der Tag endete mit einem Festbankett im Kuchengarten. Aus diesem Anlass wurden dann auch die Friedenssteine an der Fränkenauer Hohle oberhalb der „Schönen Aussicht“ gestiftet, die an den Frieden von 1815, 1864, 1866 und 1871 erinnern.

 

  1. Juli Verkaufsanzeige für den Gasthof „Zum Adler“ (NZ).

Die Witwe Lindig verkaufte die ehemalige Rostsche Restauration in der Lindenstraße bestehend  aus  8 Stuben, 7 Kammern, 3 Küchen, 3 Keller und  Nebengelass.

 

  1. Sep. Sitzung der Badekommission (St.-A. Nr. 360)

Beschlossen wurde der Bau einer hölzernen Brücke über die kleine Saale zu den Wellenbäder auf der Radinsel. Nach der Begutachtung durch den Königl. Kreisbau-Inspektor Schmidt wurde der Zimmermeister Töpfer beauftragt eine Holzbrücke von 29 ½ Fuß Länge, 8 ½ Fuß Breite für 401 Taler zu errichten. Die alte Brücke wurde abgerissen und vom Polizeisergeanten das Material meistbietend verkauft. 

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Berichtet wurde über den Stand der Verhandlungen zwischen dem Prokurator und  der Kirchengemeinde unter Federführung der Kgl. Regierung wegen der Erweiterung des Friedhofs.  Dann wurde eine Kommission gebildet, die den Kanalbau  vorbereiten sollte.

 

  1. Sep. Tagung des Gesamtvereins der Deutschen Geschichts- und Altertumsforscher (NZ).

Zum Abschluss begaben sich die Teilnehmer zur Rudelsburg, wo sie von Baurat Mothes und Rittergutsbesitzer v. Schönberg über die laufenden Sanierungsarbeiten und den im Bau befindlichen Rittersaal informiert wurden. Bewundert wurde eine französische Kanone, die man vor der Burg aufgestellt hatte. Nach der Besichtigung einer Waffensammlung in der Saalecksburg endete der Tag mit einem Souper im „Mutigen Ritter“.

 

     Okt.  Kurliste (NZ).

Die Besucherzahl betrug 2.575,, darunter zwei Japaner aber auch ein paar einfache Soldaten, die ihre Wunden aus dem Frankreichfeldzug kurierten. Das Publikum war zumeist gutbürgerlich. Klangvolle Namen preußischer und sächsischer Adelsfamilien waren selten, denn diese zog es nun in  die Modebäder wie Ems, Pyrmont, Baden oder Kissingen.           

 

  1. Okt. Schreiben des Bauinspektors Werner (MER C48Ii Nr. 776 V).

Werner meldete die Fertigstellung des Eiswehres. Weil er zur besseren Handhabung beim Setzen und Ziehen der Eispfähle einen Steg installiert hatte,  erhob die Badedirektion Einspruch und der  Steg wurde mit einer Tür versehen, und der Übergang nur den Flößern gestattet.    

 

  1. Okt. Einführung von Bürgermeister Ernst Richter (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Richter, geb. 1831 in Hedersleben, war vorher Bürgermeister in Bleicherode und blieb bis 1888 im Amt. Er starb 1892 in Kösen.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Aufstellung einer Gaslaterne in der Burgstraße und Privatleuten insbesondere Restaurateure gestattet  Lampen auf eigene Kosten aufzustellen.

 

  1. Nov. Auftrags für die Anlage des Kurparkes (MER C 48li Nr. 776 V).

Garten-Inspektor Niemeyer wurde mit der Umsetzung seines Planes beauftragt und dafür 1.200 Taler bewilligt.

 

  1. Nov. Berechnung des Solepreises für die Wahnsche Anstalt (MER 48CIi Nr. 782/1).

Gegen die zwischen Wahn und der Badedirektion vereinbarte Pauschalsumme für die Badesole intervenierten Rosenberger und Groddeck. Daher erfolgte eine Neuberechnug der Pauschalen. Für Rosenbergers 8 Wannen mit 66 Kubikfuß Inhalt wurden 150 Taler, für Groddecks 21 Wannen mit 156 Kubikfuß Inhalt 300 Taler vereoinbart.  Daraus ergab sich für die 24 Wannen der Wahnschen Anstalt mit 208 Kubikfuß Inhalt eine Pauschale von 400 Taler, 50 Taler mehr als ursprünglich vereinbart.

 

  1. Dez. Volkszählung (KÖZ).

Es gab 1.780 Einwohner in  461 Haushalten und 223 Wohnhäuser.

 

  1. Dez. Genehmigung der Kgl. Regierung für eine Anleihe (MER C48Ii Nr. 776V).

Damit sollten die Fußgängerbrücke zum Wellenbad finanziert werden. 

 

             Aufhebung des Floßzolls (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Die Reichseinigung erübrigte die Zollerhebung von Langholzflößen aus den thüringischen Herzogtümern. Das Amtshaus (Loreleypromenade 7) wurde geschlossen und verkauft.

 

1872

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Umlage eines Teils der Kosten bei der Erschließung auf die anliegenden Hauswirte.

 

  1. Jan. Außerordentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Für die Erweiterung des Friedhofes hatte der Prokurator den brachliegenden „Aschenberg“ zwischen dem Scheitbach und der kleinen Saale  angeboten und die Gemeinde war in Anbetracht der geringen Erwerbskosten darauf eingegangen. Das stieß bei einem Teil der Einwohnerschaft auf Unverständnis, weshalb eine Sondersitzung anberaumt wurde. Der Kirchenrat wurde ersucht,  anstelle des Aschedammes, 2 Morgen Land an der Südseite des derzeitigen Friedhofes zu kaufen. Dafür stimmten Krüger, Leuschner, Struve, Müller, Geyer, Haasenritter und Heckenberg, dagegen waren Dr. Groddeck, Gause, Werner und Mathes. 

 

  1. Jan. Festsetzung der Kostenumlage beim Kanalbau in der Lindenstraße (BLK-A. Nr. 792)

Jeweils  1/3 trugen die Stadt, die Badedirektion und die Hauswirte Geyer (Nr. 12), Großmann (Nr. 14), Scheuffler (Nr. 16), Schmidt (Nr. 18), Koch (Nr. 20 u. 21), Sträuber (Nr. 22), Schmidt (Nr. 24) und Heyne (Nr. 25).

 

  1. Feb. Vermächtnis des Appellationsgerichtsrats Otto Friedrich Senff (Röblitz, Heimatbuch).

Der Sohn des Salineninspektors Erdmann Friedrich Senff jr., der nach dem Besuch der Landesschule eine juristische Laufbahn eingeschlagen hatte, vermachte der Stadt 6.000 Mark für ein städtisches  Armen- und Krankenhauses.

 

  1. Feb. Sitzung der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776 V).

Beschlossen wurde die Beteiligung an den Kosten der Kanalisation, da man „die Beseitigung der offen liegenden Gossen und Ausflüsse zur Erzielung einer gesunden Luft als erstes Bedürfnis für unseren Badeort“ ständig gefordert habe. Allerdings war die Badekasse leer und man musste bereits die zugesagte Beteiligung bei der Anlage des Kurparks auf das nächste Jahr verschieben. 

 

  1. Feb. Bietertermin für kommunale Bauleistungen (BLK-A. Nr. 686, NZ).

Den Kanalbau in der Lindenstraße übernahm  Werner, den in der Borlachstraße Transchel.

 

  1. Mär. Antrag der Badedirektion bei der Kgl. Regierung (MER C48Ii 776V).

Weil sich die Kosten erhöhten, wurde ein weitere Zuschuss und ein Darlehen von 200 Taler für die Fertigstellung der Parkanlage beantragt. Außerdem 700 Taler für den Erwerb eines Musikpavillons. Den hatte Ferdinand Lesseps bei der Einsiedelschen Eisengießerei in Lauchhammer bestellt, als Geschenk für den Vizekönig von Ägypten anlässlich der Eröffnung des Suezkanals, hatte ihn aber nicht  abgeholt. Daraufhin hatte die Badedirekion den Pavillon erworben, allerdings ohne die Genehmigung der Behörde einmzuholen. Das Geld hatte Oberst a. D. von Zedtwitz vorgeschossen und erwartete nun die Rückzahlung. Der gußeiserne Pavillon im maurischen Stil sollte im Kurpark für die Kurkapelle aufgestellt werden.  

 

  1. Mär. Schreiben der Kgl. Regierung an die Badedirektion (dto).

Wegen der bisherigen Bewillligung und unter Berücksichtigung der Kassenlage wurden weitere Mittel nicht gewährt. Die Direktion sollte  eine genaue Aufstellung der bislang angefallenen Ausgaben und den ungenehmigten Ankauf des Musikpavillons begründen.

 

  1. Mär. Ausschreibungen der Kgl. Regierung (NZ).

Das betraf die  Aufstellung von Anbindepfählen für Langflöße an der Saale zwischen Saaleck und den Saalhäusern und die Lieferung von Pflastersteinen den Ausbau der Chaussee. 

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Wahnschen Badeanstalt (MER C48Ii Nr. 782/1).

Wahn widersprach der Erhöhung der Pauschale. Daraufhin wurde diese auf die bisherige Höhe reduziert, unter der Bedingung, den Mitgliedern der Badedirektion, ehemaligen Salinenbeamten und Knappschaftsangehörigen sowie den Ortsarmen Bäder auf ärztliches Attest kostenlos abzugeben. Die übrigen Klauseln  entsprachen den  mit Rosenberger und Groddeck abgeschlossenen Verträgen.

 

  1. Apr. Bauantrag für das Wohnhaus Gerstenbergkpromenade 3 (St.-A.)

Zimmermeister Struve baute ein zweigeschossiges Wohnhaus mit Mitteleingang und Satteldach. Im Hof richtete er die Werkstatt ein. 1913 wurde es von Förster aufgestockt und entlang der     Grünen Gasse durch einen Seitenflügel ergänzt.

 

  1. Apr. Sitzung der Badedirektion (St. A. Nr. 348)

Auch unter dem Kapellmeister Heyne jun. war keine Verbesserung der Badekapelle erfolgt,  weshalb die Stelle des Dirigenten ausgeschrieben wurde.  

 

  1. Mai Vertrag mit Musikdirektor Karl Hermann Seidenglanz (St.-A. Nr. 348)

Mit dem naumburger wurde vereinbart, dass bei der Auswahl Mitglieder zunächst die bisherigen Musiker zu berücksichtigen sind , soweit sie geeignet sind. Bei den Konzerten sollten es 16 Musiker sein. Seidenglanz selbst durfte seinen Verpflichtungen bei der Naumburger Kirchenmusik nachgehen, soweit  sich kein Nachteil ergibt. Auch mit Teichgräber  gab es nun einen Konsens: „Betreffs der in meinen Locale während der nächste Saison abzuhaltenden Concerte und sonstiger musikalischer Aufführungen bin ich damit einverstanden, daß das zwischen der Königl. Badedirektion und mir unterm 21. April getroffene Abkommen auch bei Übernahme der Direction des Herrn Seidenglanz über die hiesige Badekapelle seine volle Gültigkeit hat.“   

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Verpachtung der städtischen Verkaufsläden an der kleinen Saale während der Saison für 10 Taler. Sollte sich kein Interessent für diesen Betrag finden, würde nicht vermietet.

 

  1. Mai Einweihung des Denkmals für die gefallenen Corpsstudenten auf der Rudelsburg (NZ).

Bereits zwei Monate nach dem förmlichen Beschluss wurde das nach dem Entwurf des Baurates Mothes aus Leipzig errichtete Denkmal eingeweiht. Der Wirt Samiel hatte in Erwartung der zahlreichen Gäste ein großes Festzelt errichtet. Zur gleichen Zeit veröffentlichte der Lehrer Karl Zeiger das „Rudelsburg-Album“ eine Sammlung von Liedern und Gedichten aus dem Gästebuch der Burg.

 

      Juni Geschäftsanzeige des Konditors Furcht aus Naumburg (NZ).

Bekanntmachung der Eröffnung einer „Commandite“ seiner Konditorei im Kuchengarten.

 

  1. Juni Erlass zur Hundehaltung (NZ).

Außerhalb vom Grundstücke wurden Beißkörbe vorgeschrieben, ausgenommen Schäfer- und Jagdhunde im Dienst.

 

  1. Juli Dank der Königl. Regierung für Spenden zur Erhaltung der Rudelsburg (NZ).

Zu den Spendern gehörten Kaiser Wilhelm I. mit einem Gnadengeschenk von 280 Talern, die  Badedirektion gab 50 Taler und der Landrat, dessen Aufruf 661 Taler eingebracht hatte. 100 Taler kamen von der Thüringer Eisenbahn, 50 Taler von der Landeschule  und 66 Taler vom präsidierenden Corps „Brunsviga“ zu Göttingen. Der Rittergutsbesitzer v. Schönberg hatte das  Baumaterial gespendet. Die fachliche Aufsicht der Sanierung hatten der Regierungs-Baurat Treuding und der Bauinspektor Werner aus Naumburg. Dabei ging es zunächst um die Sicherung der Außenmauern.

Um weitere Spenden für den Ausbau der Burg, insbesondere zur Bequemlichkeit der Besucher vor Witterungsunbilden  bat des „Central Comite für die Restaurirung der Rudelsburg“, eine Vereinigung von Studenten und Absolventen der Universitäten von Halle, Jena und Leipzig. Einer von ihnen, Dr. Friedrich Hoffmann verfaßte das Gedicht „Hoch unsere Rudelsburg!“

 

  1. Aug. Todestag der Albertine Amalie Louise Henriette von Schorlemer Jg. 1802 (Sterbereg.)

Sie stammte aus der altpreußischen Linie v. Oppen und war Witwe des Majors Wilhelm von Scholemer, ebenfalls alter brandenburgischer Adel.

 

  1. Sep. Beschluss der Badedirektion zum Gehaltsantrag des Badedieners (MER C 48 li 776 V)

Neben einem Fixum wurde  ihm eine Provision von 1 Silbergroschen  bei Einzelgästen bzw. 2  Sgr. bei Familien für die Kassierung der Kurtaxe bewilligt. Damit ging die Zahl kurtaxscheuer“ Badegäste  deutlich zurück.

 

  1. Sep. Kaufvertrag des Fußweges zur „Katze“ (MER C48Ii Nr.776 V).

Die Badedirektion erwarb von den Landwirten Judersleben aus Gernstedt und Bäßler aus Kösen den Weg entlang der Bahn vom Bahnhof bis zur Lengefelder Flurgrenze, für die Anlage einer Promenade zur „Katze“.

 

      Okt. Badestatistik der diesjährigen Saison (NZ).

2.529 Kurgäste wurden registriert, darunter der Schriftsteller H. Trojan, der Ägyptologe Georg Ebers (1837-1898), Ihre Durchlaucht die Fürstin von Hatzfeld und Exzellenz General d. Inf.  Gustav v. Alvensleben (1803 bis 1881), Generaladjutant Wilhelms I.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Eisenbahnverwaltung hatte die Ladestraße angeboten. Damit wäre die Verlegung des Lengefelder Fahrweges vom Jochenberg auf die Ostseite des Bahndammes in Verbindung mit der Promenade zur „Katze“ möglich. Mit dem Verweis auf leere Kassen kam der Erwerb nicht zustande..

 

  1. Nov. Anzeige des Badekommissars Rüdiger (St.-A. Nr. 360).

Schüler der Stadtschule und des Pädagogiums hatten die Maulbeerhecke an der Promenade zerstört.

 

1873

 

  1. Jan. Eröffnung einer „Amtlichen Verkaufsstelle“ für Postwertzeichen (KÖZ)

 

              Gründung des Komitees zur Einrichtung eines Modebades (Hoppe, Heimatbuch).

Der Stettiner Kaufmann Marchand, der das Bad und die örtlichen Verhältnisse von mehreren Kuraufenthalten kannte, warb für ein neues Bad an der Ilske. Zwischen der Främkenauer Hohle und der Neuen Straße sollten moderne Kureinrichtungen, Sanatorien, attraktive Parkanlagen und Gesellschafträume entstehen, da die inzwischen veralteten Badeeinrichten nicht mehr den Zeitgeschmack entsprachen. Mit dem Badearzt Dr.  K. T. Groddeck  und drem Ehrenmitglied der Badedirektion Oberst a. D. Bruno v. Zedtwitz gründete er eine Gesellschaft, das Komitee, zur Realisierung des Projektes. Zunächst mussten die erforderlichen Grundstücke angekauft werden, denn das Groddeck`sche Anwesen reichte bei Weitem nicht aus. In erster Linie waren das die Nachbargrundstücke vom Chemiker Heun und dem Restaurateur Teichgräber, die als stille Teilhabermit ihren Grundstücken als Einlage beteiligten. Außerdem erwarb das Komitee den Furcht`schen Kursaal für etliche aufgelassene Weinberge an der Ilske bis zu den Vorderbergen. Hier sollten dann Villen gebaut werden. Der alte Kursaal wurde abgerissen und ein neuer Saal gebaut. Für die Bau- und Erwerbskosten hatten die Gesellschafter ihre Grundstücke mit Hypotheken belastet, ebenso wie einige Einwohner die mit Schuldverschreibungen für das komitee bürgte. Indessen bemühte sich Marchand um Geldgeber für das millionenschwere Vorhaben. Doch noch im gleichen Jahr erlag er beim Besuch der Pariser Weltausstellung der Cholera. Trotz des Ausfalls versuchten Groddeck und v. Zedtwitz das Vorhaben weiterzuführen. Als zur gleichen Zeit, die Hausse im Gefolge des Deutsch-Französischen Krieges im  „Gründerkrach“ endete, brach das spekulative Unternehmen zusammen. 

 

  1. Jan. Genehmigung der Kgl. Regierung (Sta.-A.).

Die Provision des Badedieners wurde bewilligt und sollte in der Jahresabrechnung 1872   unter „unvorhergesehen Ausgaben“, zukünftig unter den Lohnkosten verbucht werden. 1872 belief sich die Provision auf 41 Taler,  von 512 Familien und 208 Einzelpersonen, wie Bürgermeister Richter anmerkte.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Kgl. Regierung hatte die Mittel für den seitlichen Anbau von Fußwegen an der Brücke bewilligt, nachdem man sich überzeugt hatte, dass „die Benutzung für Fußgänger lebensgefährlich“ und die 5 Rondeaus, die vor Jahren angebaut wurden, die Sicherheit nur unwesentlich verbesserten, da der Aufenthalt und die niedrige Brüstung Schwindel erzeugten.

 

  1. Mär. Gutachten zum Zustand der Brücke (St.-A. Nr. 550)

Die Fahrbahn sollte auf 15 Fuß (5 Meter) verbreitert und die Brüstung auf 2 Fuß, 5 Zoll (0,8 Meter) erhöht werden, um die Paasant vor Absturz ibzw. Von durchgehenden Zugtieren zu schützen..

 

  1. Mär. Antrag des Musikdirektors Seidenglanz (St.-A. Nr. 348)

Der erklärte sich bereit, auch in der bevorstehende Saison die Badekapelle zu leiten, vorausgesetzt, es würden mindestens 5.000 Taler zugesichert. Nur so wären die vom Deutschen Musikerverband vorgegebenen Tarife zahlbar. Das lehnte die Badedirektion ab, da etwaige  Mindereinnahmen beim wetterbedingten Ausfall zu lasten der Badekasse ging. Daraufhin lehnte Seidenglanz ab.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Hauswirte, die sich weigerten, die Kostenumlage für den Kanal zu bezahlen, sollten exemplarisch ein Strafgeld zahlen. Gewählt wurde eine Kommission für die Einführung der neuen Hausnummerierung, denn durch die Bebauung des ehemaligen Salinengeländes, neue Straßenzüghe und die Verdichtung der vorhandenen Bebauung war die durchgehende Nummerierung wie sie noch Wibels  Stadtplan der steuerpflichtigen Wohnhäuser von 1857 zeigt nicht mehr anwendbar.

 

  1. Apr. Wasserversorgungsvertrag mit der Dr. Wahn (MER C48Ii 784I).

Die Badeanstalt erhielt das Brauchwasser für die Wannen aus einem Brunnen, deseen Pumpe von der unteren Wasserkunst abgetrieben wurde.

 

  1. Apr. Vereinbarung zwischen Kurzhals und der Badedirektion (MER C48 Ii 776 VIII).

Kurzhals beantragte die Überdachung für sein Gartenlokal am Schwanenteich. Unter der Massgabe, dass hier auch Badegäste die nichts verzehrten, hier ausruhen dürfen, erfolgte die Genehmigung.

 

  1. Mai Geschäftseröffnungsanzeige (KÖZ)

Berthold Koch gab die Eröffnung eines Kolonial- und Schnittwarengeschäfts mit Wein- und Frühstücksstube in der Lindenstraße 69b bekannt. Die Nr. 69 die Rost`sche Restauration war demszufolge aufgeteilt und wurde einzeln verkauft (Lindenstraße 5, 6 und  7).

 

  1. Mai. Letzte Beerdigung auf dem unteren Teil des Friedhofs (NZ).

Nach der Intervention des Magistrats erwarb die Kirchengemeinde weitere Morgen direkt am bisherigen Friedhof. Eine Beerdigung gab es dann doch noch auf dem unteren  Teil, obwohl alle Grabstellen belegt waren. Das betraf ein Ehepaar, dass Selbstmord begangen hatte und die Gemeinde es als schlechtes Vorzeichen ansah, diese auf dem gerade geweihten Teil  zu bestatten.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Ein Schreiben der Kgl. Regierung bestätigte der Stadt die Annahme des Wölkschen Legats. Die Witwe hatte im April 1868 der Stadt eine nennenswerte Summe hinterlassen, wogegen die Erben Einspruch erhoben. Nun hatte man sich dahingehend geeinigt, dass die Erben aus dem nachlass 2000 Taler erhielten, wenn sie die Schenkung nicht mehr anfechten würden.

 

  1. Mai Bau einer Feldziegelei in der Ilske (NZ).

Dr. Groddeck und v. Zedwitz gaben bekannt, das in ihren Weinberg eine entsprechende Produktionsstätte eingerichtet wird.

 

  1. Juni Vereinbarung zwischen der Badedirektion und Heyne (St.-A. Nr. 348)

Nach der Absage von Seidenglanz  kam der Vertrag zustande. Der sah eine Mindestbesetzung von 15 Musikern zu den Konzerten der Badedirektion vor. Das Honorar betrug für die Rèunions 12 Taler, für jede Stunde nach Mitternacht weitere drei Taler, für Konzerte  im Ort  pro Stunde 3 Taler, für die musikalische Begleitung zur Rudelsburg, der Buchenhalle und den Saalhäusern zwischen 16 und 22 Uhr 10 Taler, für weitere Konzerte außerhalb des Ortes 3 Taler die Stunde und für das Choralblasen am Gradierwerk 2 Taler. Der Fuhrlohn wurde extra vergütet.  Darüber hinaus durfte Heyne auch gegen Bezahlung bei privaten Gesellschaften aufspielen.

 

  1. Juni Wechsel in der Verlagsanstalt des Kösener Anzeigers.

Im Februar hatte die Fa. Mersalis & Werner die Druckerei Marschke übernommen und teilte nun das Ausscheiden von Mersalis mit. Emil Werner, der auch als Versicherungsvertreter tätig war, führte die Druckerei  allein weiter.

 

  1. Juli Plan zur Erweiterung ders Bahnhofs (WEI RBD Erfurt).

Die Bahn verhandelte mit der Landesschule über den Erwerb eines Teils der Fränkenauer Wiese für ein Anschlussgleis mit Verladerampe.

 

  1. Aug. Die Kgl. Regierung genehmigt den Promenadenweg zur „Katze“ (MER C48Ii 784I).

Zimmerermeister Töpfer hatte die Uferwiese oberhalb der Krümme erworben und gegenüber vom Bahnhof bis zu den Schranken südlich des Bahnhofs die ersten Wohnhäuser errichtet. Den weiterführende Weg hatte die Badedirektion bereits erworben. Der Rittergutsbesitzer zu Kreipitzsch, Besitzer der Lengefelder Flur, hatte wegen der Anbindung der „Katze“ und der Fähre ebenfalls zugestimmt und letztlich sollte der Lengefelder Fahrweg hierher verlegt werden, eine vorteilhafte Lösung für alle Beteiligten.  

 

  1. Sep. Letzte Badeliste der Saison (NZ).

Insgesamt gab es  905 Nummern, d.s. 2.653 Personen.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Beschlossen wurde die Erhöhung der Gehälter der städtischen Angestellten, Bürgermeister Richter (500 auf 600 Mark), Kämmerer Silber (216 auf 260 Mark), Polizeisergeant Fürstenhaupt (144 auf 180 Mark), Nachtwächter Törpsch (60 auf 72 Mark), Nachtwächter Streuber (48 auf 60 Mark), Lehrer Zeiger (350 auf 375 Mark) Lehrer Giesler (225 auf 250 Mark)

 

  1. Okt. Beim Läuten reißt eine aus französischem Kanonenmetall gegossene Glocke ab.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde eine Kommission für die Einrichtung einer städtischen Gefängniszelle.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Vergütung für den „weiblichen Handarbeitsunterricht“ wurde auf jährlich 50 Mark bei 4 Stunden wöchentlich festgesetzt.

 

1874                 

 

  1. Jan. Mitteilung der Kgl. Regierung zur Saalebrücke (St.-A. Nr. 550)

Bauinspektor Werner sollte den Kostenvoranschlag für die Verbreiterung der Brücken nach den Vorschlägen  der Stadtverordnetenversammlung erstellen. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NZ)

Beschlossen wurde der Bau eines Abwasserkanals von der Burgstraße bis zur (alten) Matthes`schen Fleischerei (Grüne Gasse 4/5). Die Angebotsaufforderung wurde zwei Tage später veröffentlicht und am 17. Februar der Auftrag erteilt. Beschlossen wurde auch die Mittel für die Gefängniszelle, das Magistratsbüro, eine Lehrerwohnungen und eine weitere Schulklasse.

 

  1. Feb. Antrag der Stadt an die Bahndirektion Erfurt. (WEI RBD K 161/1).

Der Abwasserkanal sollte vor dem Matthes`schen Anwesen in den von der Mausa kommenden Flutkanal eingeleitet werden. Dazu war die Genehmigung der Bahnverwaltung erforderlich, die den Graben beim Bau der Bahntrasse ausgebaut hatte, der dann über eine Kaskade unter dem Gleiskörper zur Saale führte. Damit sollten die Bahnanlagen vor den bei Starkregen oder Schneeschmelze vom Kösener Berg durch die  Mausa kommenden Wassermassen geschützt werden.  

 

  1. Mär. Tod des Kupferstechers Eduard Wibel (Sterbereg.)

Sein „Grundriß von Kösen“ aus dem Jahr 1857 bietet eine detaillierte Übersicht über die Gebäude der Stadt und deren besitzer.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Verpachtung einer Verkaufsstandes neben dem Schulhaus an die Modistin Anna Jacobi für 20 Taler. Bezüglich der Hausnummern wurde festgelegt, dass es wieder eine durchgehende Nummerierung geben sollte, allerdings unter Einbeziehung aller Grundstücke ob bebaut oder unbebaut. 

 

  1. Mär. Außerordentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Es stank zum Himmel, daher wurde die sofortige Reinigung und die Reparatur des Abwasserkanals in der Borlachstraße beschlossen.

 

  1. Apr. Genehmigung der Eisenbahnverwaltung (BLK-A. Nr. 544)

Der Stadt wurde die Einleitung der Abwässer in den Abzugsgraben gestattet, mit der Auflage, dass die Stadt die Reinigung der Kaskade und des Kanals unter dem Gleiskörper übernimmt.  Allerdings wußte man dort nicht, dass vor allem die Abwässer der Matthesschen Fleischerei dem Graben zugeführt wurden, vonj dem im Sommer nicht nur Geruchsbelästigungen sondern auch eine Infektionsgefahr ausging.

 

  1. Apr. Plan der Thüringer Eisenbahnverwaltung (WEI RBD Erfurt).

Zum Bahnhof gehörten das Stationsgebäude mit Personen-Perron und Retirade, einen Lade-Perron und einen Güterschuppen mit zwei Anschlußgleisen, eine Verweis auf einen ansehnlichen Güterumschlag, neben Holzwaren, Mühlenprodukten und Kalkstein waren das zunehmend  landwirtschaftliche Erzeugnisse aus den  Domänen, Rittergütern und Ökonomien.

 

  1. Mai Saisonvertrag mit dem Dirigenten Heyne (St.-A. Nr. 348)

Neu war eine Konventionalstrafe von 3 bis 5 Talern,  falls die Kapelle bzw. Heyne den  Verpflichtungen nicht nachkämen. Überarbeitet wurde auch die Paragrafen 2 und 18 des Reglements der Badekapelle.

 

  1. Mai Eröffnung des Hotels „Zum Preußischen Hof“ (NZ).

 

  1. Juni Gründung des „Kösener Anzeigers (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Das Lokalblättchen  erschien zweimal wöchentlich.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

In Anbetracht leerer Kassen wurden alle städtischen Bauvorhaben auf das kommende Jahr verschoben.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Zustimmung fand der Antrag des Zimmermeisters Toepfer, der von ihm in der Nähe des Bahnhofs erbauten Häuserreihe die amtliche Bezeichnung „Rudelsburgpromenade“ zu geben. Außerdem sollte der Gehweg bis zum Wirtschaftsgebäude des Bahnhofsrestaurateurs verlängert werden,  nachdem die Bahnverwaltung dazu ihre Einwilligung gegeben hatte.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde der Bau eines öffentlichen Trinkwasserbrunnens in der Burgstraße und die Anschaffung von Straßenschildern mit blauem Grund und weißer Schrift.

 

  1. Aug. Die erste Ansichtskarte mit der Rudelsburg (NZ 1889)

Das war ein Vorläufer der illustrierten Postkarten. Sie zeichnete sich durch künstlerische Gestaltung aus. Kurz darauf erschienen im Naumburger Verlag Sieling auch Postkarten mit dem Bild des legendären  Rudelsburgwirts Samiel und vom „Himmelreich“.

 

  1. Sep. Veröffentlichung der letzten Kurliste der Saison (NZ).

Gegenüber dem Vorjahr gab es nur 830 Einträge d. h. 2.155 Personen.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Zum Ankauf eines Grundstücks am Jochenberg für ein städtisches Schlachthauses sollte mit dem Stiftungsprokurator verhandelt werden.

 

  1. Nov. Sitzung der Badedirektion (St.-A. Nr. 348)

Musikdirektor Heyne erhielt wegen ausbleibender Besucher durch die ungünstige Witterung während der Saison eine Sonderzahlung von 50 Talern.

 

  1. Dez. „Instruction für die Geschäftsführung der Königlichen Bade-Direction“(St.-A.)

Damit wurde die seit 1864 geltende Vorschrift aktualisiert. Die Badedirektion sollte einmal monatlich während der Saison (1. Mai bis 1.Oktober) zusammentreten. Die Beschlüsse konnten mit einfacher Mehrheit gefasst werden, bei gleicher Stimmenzahl entschied der Vorsitzende, dem auch ein Berufungsrecht zustand.  Der Stellvertreter blieb der Badearzt. Bei Angelegenheiten, die das persönliche Interesse von  Kommissionsmitgliedern betrafen, waren  diese von der Beratung und der Beschlussfassung ausgeschlossen. Der Badekassenrendant musste eine Kaution hinterlegen und hatte den Jahresbericht  und den Jahresplan zu erstellen. Alle Anweisungen des Direktors an die Kasse bedurften einer zweiten Unterschrift.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Eingemeindung verschiedener Grundstücke, darunter die von Dr. Groddeck und v. Zedtwitz, sowie von Dr. Rosenberger, Christian Törpsch und A. Krüger, alle an der Ilske und in den Vorderbergen die zum Gutsbezirk gehörten.

 

  1. Dez. Mitteilung des Provinzial-Obersteueramts zum Brückengeld (St.-A. Nr. 550)

Nach dem Gesetz vom 27. Mai über die Neuregelung der Chaussee- und Brückengeldabgabe stellt die Behörde fest, dass nach den Festlegungen vom 16. Juli und 04. August 1868 den Einwohnern seit dem 1. Januar 1869 kein Recht auf eine Befreiung vom Brückengeld zusteht, abgesehen von der gesetzlichen Befreiung vom Chausseegeld entsprechend der Kabinettsorder vom 14. Februar 1832.

 

  1. Dez. Licitationsermin zur Lieferung von Schwarzdorn (St.-A. Nr. 4)

Gebraucht wurden 50 Schock 7 Fuß lange Schwarzdornwellen. Der Bieter musste nachweisen,  dass diese vom eigenen Grundstück stammten und dass die Anlieferung bis zum 23. Februar beim Gradiermeister Quarg erfolgt. Es gab einen Bieter mit dem 1 Taler, 20 Silbergroschen pro Schock vereinbart wurden.

  

1875

 

  1. Jan. Dienstanweisung für den Kunstwärter Törpsch (St.-A. Nr. 171).

Zu seinen Aufgaben gehörten die Wartung der Pumpen, der Kunstgestänge und der Röhrenfahrten, die Abgabe von Badesole an die Badewirte, die Sauberhaltung der Wellenbäder, und der Toilettenräume, der Außenanlagen und Wege sowie die Reinigung der Rechen. 

 

  1. Jan. Anfrage des Magistrats bei der Kgl. Regierung (St.-A. 550)

Der Gastwirt Weber und der Müller Roßner hatten sich beschwert, weil auch von ihren Geschirrführer das Brückengeld erhoben wurden, zumal in einer Verordnung aus dem Vorjahr die Kabinettsorder von 1832 wonach ortsansässige Geschirrführer von der Abgabe befreit sind, bestätigt wurde. Dem Magistrat war die Order nicht bekannt war, bat man bei Reg.- Abteilung d. Inneren um eine Abschrift. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Für den Kanal- und den Sttraßenbau in der Burgstraße wurde eine Kommission  (Siebold, Toepfer, Werne, Roßner, v. Zedtwitz) eingesetzt.. Bezüglich der Antrages auf Errichtung eines Schlachthauses machte der Prokurator Schwimmer die Zusage der Landesschule davon abhängig, dass die Kinder aus den Fränkenauer Arbeiterhäusern an der Chaussee in der Stadtschule aufgenommen werden. Das wurde einstimmig abgelehnt.

 

  1. Jan. Antrag zur Wasserversorgung (MER C48Ii Nr.782I).

Bislang erhielten der Gasthof, das Brauhaus, die Wahnsche Badeanstalt und einige private Hauswirte rechts der Saale ihr Brauchwasser durch ein an der Wasserkunst angeschlossenes Pumpwerk. Weil im Sommer die Pumpe immer öfter ausfiel, forderte Dr. Wahn von der Badedirektion ein neues Pumpwerk. Daraufhin beantragten auch die übrigen Anwohner den Anschluss.   

 

  1. Jan. Schreiben der Kgl. Regierung an den Magistrat (St.-A. 550)

„In Betreff des vom Magistrat erstatteten Berichts v. 5. d. M. wegen des an der Hebestelle in Koesen von den dortigen Einwohnern zu entrichtenden Brückengeldes sind wir mit der Königl. Steuer-Direktion zu Magdeburg in Verbindung getreten und übersenden dem Magistrat hierbei deren Schreiben v. 24. d. M. Unter abschrftl. Beifügung der darin erwähnten Order v. 24. 2. 1832 nebst dem Verzeichnis sämtlicher Befreiungen, in welchen auch das Geschirr und Vieh aller Einwohner des Orts Koesen aufgeführt sind, Abschrift des Finanz-Ministerial-Reskripts v. 16. Juli 1868 worin bestimmt ist, daß die früher den unmittelbaren Ortschaften der Justizämter Pforta und Eckartsberga oblegene Frohndienstpflichtigkeit in Betreff der Koesener Brücke in Folge Chaussierung    der darüber hin führenden Straße bedeutungslos geworden sei, weshalb ferner die in Rede stehenden frohndienstpflichtigen Ortschaften zur Entrichtung der Brückengeldabgabe angehalten werden sollen. Dem vorerwähnten Ministerialreskript liegt die Voraussetzung zum Grunde, daß Koesen früher Frohndienste zu der Brücke geleistet habe, und ist in Annahme seitens des Hauptsteueramtes  zu Naumburg als zutreffend bezeichnet worden, weshalb die Kgl. Privinzial-Steuer-Direktion untrm 31. Dz. v. J. sich genötigt gesehen hat, die Heranziehung des Ortes Koesen zur Entrichtung der Brückengeldes zu verfügen , obgleich dieselbe in dem Schreiben vo,m 24. d. M. Einräumt, daß ihr diese Verfügung nicht ganz zweifellos erscheint, weshalb es jetzt darauf ankomme, um bedingte gewißheit darüber zu erlangen, ob Koesen zu den unmittelbaren Ortschaften des vormaligen Justiz-Amtes Pforta und Eckartsberga gehört hat, denen früher  die Verpflichtung zur Leistung von Frohndiensten  an der dortigen Brücke und welchen  aus diesem Grunde die Befreiung von der Brückengeldabgabe zugestanden war, eventuell fragt  es sich ob Koesen einen besonderen Rechtsgrund für die beanspruchte Befreiung nachzuweisen im Stande ist.“ 

 

  1. Feb. Beschluss des Kreisausschusses zur Eingemeindung (St.-A. Amtsblatt 1875).

Das betraf die zum Gutsbezirk Altflemmingen gehörenden Weinberge von der Fränkenauer Hohle über die Ilske und die Vorderberge oberhalb der Saalstraße bis in die Saalberge. Die Parzellierung und Bebauung erfolgte in mehreren Abschnitten. Die Grundstücke der Saalstraße Nr. 44 bis 53 wurden ab 1842, die Grundstücke Nr. 54  bis 62 ab 1860 und die Grundstücke Nr. 63 bis 76 ab 1870 bebaut..

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

In der Burgstraße sollte auf der einen Seite ein Gehweg angelegt und auf der anderen Seite ein Streifen für Vorgärten belassen werden.

 

  1. Mär. Sitzung der Badedirektion (St.-A. Nr. 360)

„Frevlerhände“ hatten die Barriere an der kleinen Saale gegenüber vom Weber`schen Gasthof zerstört. Als Ersatz sollte ein leichtes Holzgeländer errichtet und dahinter eine Weißdornhecke gepflanzt werden, die beim Heranwachsen als Ersatz für die „ständiger Zerstörung anheim-fallender Barriere“ dienen sollte.

 

  1. Apr. Holzmesse (NKZ).

Wegen des langen Winters musste die Ostermesse  verschoben werden. Durch Eisgang wurde die  Brücke über die kleine Saale zum Wellenbad beschädigt. Eine Sanierung war zu teuer, daher wurde der Zimmermeister Struve mit der Notreparatur beauftragt. 

 

  1. Apr. Aussagen von Einwohnern zur Brückengelderhebung (St.-A. Nr. 550)

Der Ökonom Friedrich August Werner, geb. am 21. Juli 1796, erklärte, dass ihm seit frühester Jugend nicht bekannt sei, dass Geschirr haltende Einwohner Frondienste zur Brücke zu leisten hatten. 1820 habe er selbst die väterliche Wirtschaft übernommen (Stadtgut) und keine derartigen Dienste geleistet, wie auch die anderen Geschirr haltenden Einwohner. Der ehemalige Ortsrichter Christian Schleicher, der 1822 im Alter von 14 Jahren beim Brückeneinnehmer Döring in Arbeit gekommen und 1847 Ortsrichter geworden war, bestätigte die Erklärung Werners, dass die Einwohnerschaft weder zur Brückenfron, noch zur Brücken- oder Chaussegeldeinnahme herangezogen wurde. 

 

  1. Apr. Vertrag zur Einleitung der Quelle in den Schwanenteich (WEI RBD).

Die Quelle, die früher im Anwesen des Chemikers Heun austrat, und  dann über die Mühlwiese zur Saale lief, war beim Bau der Bahnlinie überbaut worden. Ebenfalls beim Bau der Bahnstrecke hatte man auf der Mühlwiese Erde für den Bahnbau abgebaut. In dem Ausstich hatte sich ein   Teich gebildet, der ohne natürlichen Zu-und Ablauf im Sommer zur stinkende Kloake verkam.  Durch die Einleitung der Quelle konnte ständig Frischwasser zugeführt werden.  Die Kosten für Einleitung und die Anlage eines neuen Ablaufes übernahm die Badekasse.

 

  1. Mai Schweres Unwetter auf der Fränkenauer Höhe (NZ).

Wasser- und Schlamm kamen durch die Hohle, setzten den Theatersaal unter Wasser, überschwemmten den Kuchengarten und ergossen sich in die Gärtnerei, wo die Wohnung und die Treibhäuser zerstört wurden. 

 

  1. Mai Mitteilung des Königl. Hauptsteueramtes (St.-A. Nr. 550)

„Den Magistrat benachrichtigen wir hierdurch ergebenst, daß in Folge höherer Entscheidung das Geschirr und Vieh der Einwohner der Stadt Koesen beim Passieren der dortigen Saalebrücke vom Brückengeld freigelassen wird. Die dortige Brückengeldhebestelle ist mit entsprechender Anweisung versehen.“

 

  1. Mai Todestag von Ferdinande von Schmettau (Sterbereg, Heimatbuch 1930).

Die Ikone der Befreiungskriege, die 1853 als Ehrenstiftsdame ernannte und mit einer kleinen Rente bedachte Jungfrau war 1861 zu ihrem Bruder Major a. D. Theodor von Schmettau und dessen Ehefrau Mathilde gezogen. Diese hatten in der Saalstraße ein Grundstück erworben und ein Haus gebaut (Nr. 16). Die Familie aus der Ferdinande stammte, lebte in bescheidenen Verhältnissen, gehörte aber zu einer der bekanntesten kurbrandenburgisch-preußischen Offiziersfamilien. So kommandierte Friedrich Wilhelm Carl v. Schmettau die 3. Divison in der Doppelschlacht von Jena-Auerstädt. Er wurde schwer verwundet, kam nach Weimar, zunächst in das Haus der Frau von Stein, dann in das Stadtschloss, wo er verstarb.  

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Genehmigt wurde die Polizeiordnung zur Grubenberäumung und Dungabfuhr, die Mittel für die Fertigstellung des Brunnens in der Burgstraße. Zur Kenntnis nahm man eine Verfügung der Kgl. Regierung zum Anbinden von Flößen und beschloss, alle  Häuser mit einerm Nummernschild zu versehen. 

 

  1. Juni Genehmigung für den Bau eines Wandelsgangs am Gradierwerk (St.-A. Nr. 58).

Damit war nun auch die Freiluftinhalation bei ungünstigen Witterungsbedingungen möglich.

 

  1. Juli Genehmigung für ein Militärmusikkorps (St.-A. Nr. 348).

Heyne jun. inzwischen Kapellmeister des  4. Magdeburgischen Jägerbataillons in Naumburg  erhielt vom Kommandeur die Genehmigung, mit der Kapelle auch  regelmäßige Konzerte im zivilen Bereich zu geben, wenn keine dienstlichen Interessen dagegen sprechen.

 

  1. Aug. Telegramm von Jenny v. Gerstenbergk (GSA Wei. 21/312)

Das bei der hiesigen Telegrafenstation aufgegebene Schreiben war an den Oberbibliothekar der Jenaer Universität gerichtet und somit der erste authentische Nachweis ihres  Aufenthalts. 

 

  1. Aug. Entscheidung des Handelsministeriums zur Verbreiterung der Brücke (St.-A. Nr. 550)

„Die von der Kgl. Reg. Unter dem 5 Mai d. J. anderweit vorgelegte Nachweisung der extraordinairen Bedürfnisse zu Wasserbauten für 1876 hat mir Veranlassung  gegeben, wegen Verbreiterung der Saalebrücke zu Kösen (.) mit dem Herrn Finanzminister in Verbindung zu treten. Nach dem Ergebnis desselben wird davon abzusehen sein, den auf 57.000 Mark bemessenen  Bedarf  für den (zuerst) gedachten Brückenbau in das Extraordinaire der Bau-Verwaltung für 1876 aufzunehmen. Da bei der Unterhaltung jener im Zuge der Halle-Weißenfels-Eckartsbergaer Chaussee belegenen Brücke  nicht bloß Wasserbaufonds, sondern auch und zwar in Betreff der Fahrbahn derselben der Chaussee-Unterhaltungs-Fond beteiligt ist, der der letzteren Fonds  aber vom 1. Januar v. J. Ab auf die Provinz übergeht, so wird von diesem Zeitpunkt ab  ein Bau an der Brücke, welcher  zugleich eine Verbreiterung der Fahrbahn bezweckt nicht ohne vorherige Kommunikation mit den künftigen Organen der Provinzial-Chaussee-Verwaltung in Angriff genommen werden können...“   

 

  1. Sep. Letzte Kurliste der Saison (NZ).

Insgesamt 2.094 Badegäste wurden registriert, darunter auch ein prominenter Gast der Schriftsteller, Journalist und Theaterdirektor in Meiningen und Berlin Paul Lindau (1839-1919).

 

      Dez. Veröffentlichung der Ergebnisse der Volkszählung (NZ).

In der Stadt lebten 2.108 Einwohner, 887 Männer und 1.221 Frauen. Es gab 554 Haushalte und  238 Wohnhäuser.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Genehmigt wurde der Antrag des Prokurators auf finanzielle beteiligung bei der Anlage eines Knabenbadeplatzes an der Mündung des Scheitbachs.

 

  1. Dez. Statut der Floßgemeinde an der oberen Saale (Stadtarchiv Jena, Abt. III Nr. 102).

Modifizierung der  Statuten der Flößergenossenschaft Kahla aus dem Jahr 1846.

 

      Dez. Werbung des Gasthauses „Zur Tanne“ (NZ).

Wirt Tilebein warb mit neuen Stallungen, einem französischen Billard, beheizbarer Kegelbahn und einem freundlichen Saal.

 

1876

 

  1. Jan. Konstituierende Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Ratsschöffen waren Dr. Groddeck und Oberförster a. D. Leuschner,  Stadtverordnete der Rentier Siebold, Oberst a.D. von Zedtwitz, Mauermeister Werner, Kaufmann Heckenberg, Mühlenbesitzer Roßner, Zimmermeister Toepfer, San.-Rat Dr. Rosenberger, Postmeister Müller, Apotheker Gause und Schuhmachermeister Becker.

Der Antrag des Gastwirts Weber für die Erweiterung des Gasthofs,  den Fahrweg an der kleinen Saale zu überbauen, wurde zurückgestellt um zunächst die Auswirkungen zu prüfen.

 

  1. Jan. Kaiserliche Kabinettsorder (Kurzeitung 17/1927, KÖZ 107/1925)

Der 1866 gegründete Kriegerverein „König Wilhelm“ erhielt die Erlaubnis das neue  Vereinshaus auf dem Nikolausberg „ Kaiser-Wilhelms-Burg“ zu nennen. Auf dem von Thielitz (Borlachstr. 1a)  erworbenen Platz auf dem Nikolausberg neben dem „Fähnchen“ hatte der 80 Mitglieder zählende Verein im Jahr zuvor den Bau begonnen. Die Gastwirtschaft wurde vom  Vereinsvorsitzenden Wolf gepachtet. Der Verein löste sich 1917 wegen Mitgliedermangel auf.

 

  1. Feb. Magistrat und Landesschule regeln die Wegerechte zum Knabenbad.

 

              Gründung des Turnvereins (KÖZ).

  1. Händler und B. Schimpfermann gehörten zum Vorstand des 30 Mitglieder zählenden Vereins, der sich in der „Post“  traf und im dahinter liegenden Garten die ersten noch selbst gebauten Turngeräte aufstellte.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Der Antrag Webers auf Überbauung des Weges an der kleinen Saale wurde mit 8 zu 3 Stimmen unter bestimmten Auflagen (Erhalt und Unterhaltung des Weges zu den Wellenbädern und zum Wehr) befürwortet. Dr. Groddeck, Apotheker Gause und Oberst v. Zedtwitz protestierten vergeblich.

 

  1. Apr. Schreiben des Prokurators an die Badedirektion (St.-A. Nr. 360).

Die Badedirektion hatte 1874 auf dem Weg zum Wehrdamm zwischen dem Weberschen Gasthof und der kleinen Saale einen Zaun zur Sicherheit der Besucher der Wellenbädern errichtet, deren Entfernung der Prokurator verlangte. Das lehnte die Badedirektion ab und beschwerte sich beim Provinzialschulkollegium.

 

  1. Mai Sitzung der Badedirektion (St.-A. Nr. 348)

Carl Julius Heyne sen. der seit der Absage von Seidenglanz die Kurkapelle wieder dirigierte, legte sein Amt nach fast 40jährigen Dienst aus gesundheitlichen Gründen nieder. Da man für die städtische Kurkapelle erst einen geeigneten  Dirigenten gewinnen musste, beschloss die Badedirektion, gegebenenfalls auch auswärtigen oder  Militärkapellen  die Spielerlaubnis zu erteilen, wobei man wohl das Angebot von Heyne jr.  Berücksichtigte. Heyne sen. verstarb im Dezember 1883.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde der Verkauf des „Stadthauses“ (?) zum Höchstgebot von 6.300 Mark an den Klempner Krause.

 

  1. Juni Erklärung des Prokurators (St.-A. Nr. 360)

Der teilte mit, dass die Klage Weber wegen der Eigentumsrechte an dem Fahrweg zwischen Gasthof und kleiner Saale zugunsten der Landesschule entschieden wurde und dass diese die öffentliche Nutzung  bis auf Widerruf gestattete.

 

  1. Juli Hochseilakt über der Saale (NZ).

Ein Artist balancierte  zwischen dem Krügerschen Holzplatz und der Loreley über die Saale. zahlreiche Schaulustige wohnten dem Ereignis für 20 Pfg. Eintritt bei.

 

  1. Juli Vertrag mit dem Musikdirektor H. Göring aus Ronneburg (St.-A. Nr. 348)

Die Badedirektion vereinbarte mit Göring bis zum Saisonende  5 Konzerte im Kurgarten, vier in der Katze, zwei  Promenadenkonzerte, jeweils ein Konzert in der Buchenhalle auf der Wilhelmsburg und der Johannisquelle und 5 Rèunions. 

 

      Sep. Kurliste

Prominente Gäste waren der Historiker des Hauses Hohenzollern Heinrich v. Treitzschke und der Reorganisator der türkischen Militärwesens General von der Goltz.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Beschlossen wurde die verbindliche Festlegung der Grenzen des Stadtbezirks. Dabei ging es um den Geltungsbereich der Polizeigewalt und die Unterhaltungspflicht der öffentlichen Straßen und Plätze, die der Landesschule gehörten und beie einer möglichen Rückforderung in den früheren Zustand versetzt werden mussten. Daher wurde die Eingemeindung des Jackenberges und der Vorderberge genehmigt, die  Übernahme des „Kommunikationsweges“ nach Lengefeld und des Wirtschaftsweges nach den Saalhäusern  wegen nicht absehbarer Kosten bei der Unterhaltung abgelehnt.

 

  1. Sep. Eröffnung des Konkursverfahrens über den Kurgarten (NZ).

Der  „Kuchengarten“ war von Teichgräber verpachtet. Als der Pächter den Offenbarungseid leistete,, nahm Teichgräber das Anwesen zurück.   

 

  1. Okt. Bergrat Friedrich August Backs verstirbt (Sterbereg. Röblitz, 1930).

Er verstarb an Altersschwäche. Zwei Jahre später errichteten die Bürger ihm zu Ehren einen Gedenkstein an der auf seine Initiative zurückgehenden großen Promenade.

 

  1. Okt. Erklärung der Badedirektion zur Abzäunung an der kleinen Saale (St.-A. Nr. 360)

Nach mehrmaliger Ermahnung durch den Prokurator wurde erklärt, dass der Zaun  „prevario“ d. h. „vorübergehend“ war.

 

  1. Dez. Verhandlungen mit der Naumburger Gasanstalt (NZ).

Um auch hier eine derartige Anstalt einzurichten, musste eine Mindestzahl an Brennstellen gewährleistet sein. Dafür wurden Listen ausgelegt. Allerdings  kamen mit der Straßenbeleuchtung nur 500 Brennstellen zusammen, was  für eine wirtschaftlichen Betrieb einer Gasanstalt und dem Aufbau des Leitungsnetzes nicht reichte.

 

  1. Dez. Oberst a.D. v. Zedtwitz scheidet als Stadtverordneter aus (Heimatbuch 1930)

Dr. Groddeck und Oberst a. D von Zedtwitz hatten alles versucht, nach dem Tod Marchands  das Projekt „Modebad“ doch noch umzusetzen, waren aber letztendlich gescheitert, nachdem sich keine weitere Geldgeber fanden. Beide standen vor dem finanziellen und gesellschaftlichen Ruin. Die Gläubiger verlangten ihr Geld und ihre Wechsel zurück. Da es für die auf Pump erworbenen Grundstücke keine Interessenten gab, die bereit waren, einen Preis zu zahlen, mit dem die Hypothekenschulden  abgelöst und die Gläubiger abgefunden werden konnten, folgte die Subhastation. Unter den Hammer kamen alle von den Gesellschaftern eingebrachten bzw. mit Hypotheken belasteteten Grundstücke und Bauplätze, darunter der anstelle des Furcht`schen Kursaals für 264.000 Mark  neu gebaute Saal an der Ecke Querstraße/Neue Straße, sowie die  mit Hypotheken und Schuldverschreibungen überzeichneten Grundstücke der beiden Gesellschafter, schließlich auch die stillen Teilhaber und Wechselgeber.

Leider gibt es über diesen Vorgang keine zeitgenössischen Nachrichten, was wohl der Verwicklung namhafter Kösener Bürger geschuldet war. Erst 1896 erschien im  Naumburger Kreisblatt ein Bericht über die Hintergründe des Debakels.  Doch der  wurde in neuerer Zeit aus dem Jahrgangsbuch im Stadtarchiv Naumburg sorgfältig heraus getrennt. Recht dürftig  sind die Anmerkungen des Naumburger Stadtarchivars Fr. Hoppe im Heimatbuch 1930 und ein Artikel im Naumburger Kreisblatt von 1938. 

 

1877    

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Der Badedirektion wurde ein Darlehen von 8.000 Mark bewilligt, um deren  Schuld-verschreibungen vom Bankhaus Gebr. Niedlich zu Berlin zurück zu kaufen. Offenbar hatten Groddeck und v. Zedtwitz nicht nur das eigene Vermögen in das Unternehmen gesteckt, sondern auch das Kapital der Badedirektion als Sicherheit verpfändet. Die Stadt wollte den betrag vorschießen, um dem vom Bankhaus angekündigten öffentlichen Verkauf der Papiere zuvorzukommen und die Angelegenheit nicht öffentlich werden zu lassen. Trotz aller Bemühungen um Schadensbegrenzung war der Zusammenbruch des Unternehmens nun doch nicht zu verheimlichen und bald darauf beschäftigten sich auch die Oberbehörden damit.  

 

  1. Feb. „Narrhalla“ lautete der Titel der ersten Karnevalszeitung (NZ Jan. 1995).

Der Untertitel „Das Leib- und Regierungsorgan Sr. närr. Hoheit Prinz Carneval II. von Kösen“.

 

    Mär. Eröffnung des „Kuchengartens“ (NZ).

Eduard Kormann war der neue Pächter des „Kuchengartens“ . Er warb mit einem umgestalteten Saal und einer modernen Gasbeleuchtung. Gleichzeitig verhandelten Bürgermeister Richter und Dr. Groddeck mit Kornmann über die Wieterführung des Vertrages mit der Badekapelle. Allerdings hatte die Badedirektion noch keine Entscheidung bezüglich des Engagements getroffen (St.-A. Nr. 348) 

 

  1. Mär. Dirigent der Badekapelle wird Schirow (St.-A. Nr. 348)

In Eisleben leitete er die dortige Berg- und Stadtkapelle. Schirow war gerade 27 Jahre alt und blieb hier bis 1889..

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Eingemeindung der Herrenwiese gegenüber vom Bahnhof, falls diese von der  Landesschule verkauft würde und die Befreiung der Landesschule von der Unterhaltspflicht  des dortigen Weges, sofern dieser nicht bis an die Saale verlängert würde und auch die Bahnverwaltung keine Ansprüche erheben würde.

Abgelehnt wurde der Antrag des Gastwirts Weber. Der hatte das Logierhaus errichtet, ohne Einbeziehung des Weges an der kleinen Saale. Nun bat er um die Aufhebung seiner Verpflichtung, die  Zustimmung der Stadtverordneten bei einer Überbauung des Weges einzuholen. Das wurde abgelehnt.

 

      Juni  Einrichtung eines Sonderhalts für D-Züge.

Während der Pfingsfeiertage und dem Kösener Kongresses hielten hier auch D-Züge.

 

  1. Juli Der Wirt der Rudelsburg Samiel begeht sein „Goldenes Burgvogt-Jubiläum“.

Allerdings hatte Caspar Waldhausen die Restauration seit 1876 für 2.500 Mark gepachtet.

 

             Wilhelm Bauer errichtet die „Schöne Aussicht“ (Jahreszahl).

 

  1. Okt. Zwangsversteigerung der Heun`schen Badeanstalt (NZ).

Das Anwesen war in die Gesellschaft eingebracht und mit Hypotheken belegt worden, die, nachdem das Unternehmen geplatzt war, nur imit einer Zwangssubastation abgelöst werden konnten.

 

  1. Dez. Ausschreibung der Pacht der Pfortaer Kiesgrube am „Göttersitz“(NZ).

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Angenommen wurden die Ortsstatuten der gewerblichen Hilfskasse der Gesellen-, Gehilfen-, Fabrikarbeiter- und Baugewerbegesellenkasse. 45 Mark wurden als Zuschuss für einen Gedenkstein für den Bergrat Backs bewilligt.

 

1878      

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Bei der Bebauung des Weges vom Bahnhof zur Saale (Parkstr.) sollte ein Streifen als Vorgarten bleiben. Die städtische Lehmgrube wurde dem Polizeisergeanten Fürstenhaupt auf drei Jahre für 5 Mark verpachtet

 

  1. Feb. Dr. Groddeck legt sein Stadtverordnetenmandat nieder (Röblitz, Heimatbuch 1930).

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Dabei ging es um die öffentliche Nutzung des Mühlenweges, den Roßner 1866 zusammen mit der  Mühle erworben hatte. Er verlangte von der Stadt die beteiligung an den Unterhaltungskosten, andernfalls würde er den Weg sperren. Hier fuhren die Gespannführer zur Saale zur Wagenwäsche und Pferdeschwemme. Da die Stadt auf ihr Benutzungsrecht beharrte und  die Unterhaltung ablehnte, versperrte  Roßner die Zufahrt mit einem Damm. Der  Regierungspräsidiums empfahl eine Klärung vor Gericht. Das gab Roßner Recht aber damit war die Angelegenheit nicht beendet. 1880 begann der Streit erneut, der  beim Kreisausschuss und dem Bezirksverwaltungsgericht ausgetragen wurde und erst 1885 mit einem Vergleich beigelegt wurde.

 

  1. Mai Schreiben des Landrates an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782/1).

Nach dem Ausscheiden Dr. Groddecks und v. Zedtwitz aus der Badedirektion musste der Landrat, der die Aufsicht über die Badedirektion führte, bericht erstatten. Er meinte, dass bei einer Neubesetzung möglichst jüngere, mit den örtlichen Gegebenheiten vertraute aber unabhängige Personen denen am Gedeihen des Bades gelegen ist, zu bevorzugen sind. Auf pensionierte Beamte oder Offiziere sollte man in Zukunft verzichten. Die beiden neu in die Badedirektion gewählten Mitglieder, der Rentier Siebold und der Geheime Justizrat a. D. Förster, waren dann zumindest mit den Gegebenheiten vertraut und unabhängig.

 

  1. Mai Verträge zum Weiterbetrieb der Groddeckschen Anstalt (MER C48Ii Nr. 782 /1).

Groddeck hatte seine 21 Kupferwannen seiner Nachbarin Wilhelmine v. Movath verpfändet. Die hatte zwar eine Pension, konnte die Wannen aber nicht benutzen. Damit fiel fast ein Drittel der im Ort vorhandenen Solewannen aus, mit erheblichen Nachteilen für den Ruf des Bades. Als Ausweg bot die Badedirektion Dr. Groddeck an, die Anstalt übergangsweise von einem Treuhänder betreiben zu lassen. Groddeck stimmte zu, als ihm versichert wurde, dass ihm keine Kosten entstehen werden,  er im Haus wohnen und den Garten benutzen könne. Nach dem Abzug der Betriebskosten, der Kosten für die Sole und des Kaufpreises für die Wannen, würde ihm der überschießende Betrag am Ende der Saison zustehen. Die Nachbarin erklärte ebenfalls ihre Zustimmung, als ihr von der Badedirektion angeboten wurde, die Wannen zu kaufen.  Allerdings versagte die  Kgl. Regierung beiden Vereinbarungen ihre Zustimmung..

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Eine Kommission (Toepfer, Werner, Müller, Siebold) zur Nutzung der uneren Wasserkunst wurde gebildet und die Anschaffung einheitlicher Hausnummernschilder beschlossen. Bei der Hausnummerierung ergaben sich etliche Änderungen. So erhielt die Mühle die Nr. 137 (1857 Nr. 65), das Krügersche Anwesen die  Nr. 138 (1857 noch nicht gebaut), die Häuser des Kaufmanns Koch in der Lindenstraße die Nr. 17 und 18 (1857 Nr. 56/57), der Seilermeister Schmidt die Nr. 14 (1857 Nr. 58) und der Sattlermeister Scheufler die Nr. 15 (1857 Nr. 59).  Die Matthessche Fleischerei bekam die Nr. 60I (1857: Nr. 27, heute Grüne Gasse 4). Die Häuser an der Westseite der Neuen Straße bekamen die Nummern 11, 12, 14, 18, 20, 22 (1857: 83, 84, 85, 86, 87 - heute Fr. Ebert Str.  3, 5, 7, 9, 11, 13).

Wegen der nachfolgenden Bebauung von Lücken und verschiedener Grundstücksteilungen erwies sich dieses System schon bald unübersichtlich und musste  dreißig Jahre später erneut geändert werden.

 

  1. Mai Schreiben des Bürgermeisters an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr.782I).

Richter schilderte die Gründe, die die Badedirektion zum Abschluss der beiden Verträge bewogen  hatten. Das Fiasko des Marchand`schen Unternehmens an dem auch etliche Honoratioren der Stadt beteiligt waren und das Aufsehen hätten dem Image des Bades erheblichen Schaden zugefügt. Die Groddecksche Badeanstalt, die „bequemste“ im Ort, war geschlossen, Groddeck  den „Manifestations-Eid“ geleistet, das „Mobiliar-Vermögen“ im Wege der „Execution verauktioniert“. Dennoch hoffte er immer noch auf einen Käufer für die  Badeanstalt, was bei der Höhe der Schulden wohl illusorisch sei. Nach dieser Erklärung genehmigte die Kgl. Regierung die Verträge im Hinblick auf die Absicherung der Kursaison und meinte: „unter den ….vorgetragenen Umständen sehen wir davon ab, den mit dem Dr. Groddeck … abgeschlossenen Vertrag weiter zu beanstanden.“

 

  1. Juni Wiedereröffnung der Groddeck`schen Badanstalt (MER C48Ii Nr. 782I).

Wieder Erwarten hatte sich nun doch noch ein Interessent für die Groddecksche Badeanstalt gefunden, ein allem Anschein nach honoriges Ehepaar namens Knorr. Er war Stabsarzt a. D. also auch vom medizinischen Standpunkt gut geeignet, die Leitung der Badeanstalt überließ er dagegen seiner Ehefrau. Sowohl mit den Gläubigern als auch mit der Badedirektion kam es schnell zu einer Einigung. Die Ersteren, weil sie glaubten wieder an ihr Geld zu kommen und  das Badedirektorat war  froh, die Anstalt nicht selbst zu betreiben. So wurde auch der Soleliefervertrag mit der Luise Wilhemine Knorr abgeschlossen und die Witwe von Movath verkaufte ihr die Wannen. Auch der bereits für den 17. Dezember   angesetzte Termin der  Zwangsversteigerung der Groddeckschen Badeanstalt samt Kesselanlage, Maschinenhaus und Brunnenanlage wurde aufgehoben.

 

  1. Juni Bericht der Badedirektion an die Regierung (dto).

Diese wurde über den Besitzwechsel der Anstalt informiert und dass seitens eines „nicht genannten Kreditinstitutes“ alle von der Badedirektion geleisteten Vorschüsse sowie die Wannen bezahlt wurden. Das Institut war der Wetzdorfer Kreditverein, der Geld auch in riskanten Unternehmen steckte, wenn hohe Zinsen in Aussicht standen.

 

  1. Juni Gründung der „Wilhelm und Augusta Stiftung“ (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Anlässlich der goldenen Hochzeit Kaiser Wilhelms und der Kaiserin Augusta  wurde auf Anregung des Ratsschöffen Leuschner die Stiftung zur Unterstützung hilfsbedürftiger älterer und kranker Gemeindemitglieder eingerichtet.

 

     Juni  Veranstaltungsmarathon zu Pfingsten (NZ).

Um zahlreiche Gäste warben der Kuchengarten (Kormann), die Rudelsburg (Samiel), die Saalhäuser (Schumann), die Katze (Waldhausen) und der Rektorberg (Schleicher).       

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Für die Neuanlage Anlage des Weges zwischen dem Lengefelder Fahrweg und der Thüringischen Eisenbahn vom Wapplerschen Grundstück zur Borlachstraße wurde eine Mindestbreite von 10 Metern  festgelegt.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Kosten für die Kanalisation der Burgstraße wurden mit 1/3 auf die Hauswirte umgelegt. Im Weigerungsfall würde der Kanal verfüllt und der alte Zustand wieder hergestellt.

 

  1. Aug. Mitteilung der Kgl. Regierung zur Brückenerweiterung (St.-A. Nr. 550).

Das Projekt lag beim Minister und sollte im nächsten Jahr zur Ausführung kommen.

 

  1. Sep. Ankündigung der Zwangsversteigerung des Kuchengartens (NZ).

Auch Teichgräber musste wegen der aufgenommenen Hypotheken sein Anwesen mit dem Fest-, und dem Theatersaal sowie dem „Waldschlößchen“  zur Subhastation bringen.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Die Stadt wollte für die Wiese unterhalb des Kuchengartens bis zu 6.000 Mark mitbieten. Allerdings war das Mindestgebot wegen der abzulösenden Schulden weit höher. Weil sich gar kein Bieter fand, konnte Teichgräber das Anwesen einlösen und im Interesse des Bades die Lokalität weiter betreiben bzw. verpachten, getreu dem früheren Motto „Der Kuchengarten ist Kösen und Kösen ist der Kuchengarten“.

 

  1. Sep. Gründung des Kösener Bürger-Schützenkorps (NZ).

Da das ältere Schützengesellschaft von 1832 keime Handwerker zuließ, gründeten diese ein eigenes Korps. Durch ihre Uniform unterschieden sie sich deutlich von den „Zylinderschützen“.. 

 

  1. Sep. Antrag des Prokurators bei der Badeverwaltung (St.-A. Nr. 360)

Da die Eisenbahngesellschaft die Zufahrt zur Fränkenauer Wiese von der Grünen Gasse mit einer Barriere versperrt hatte, beantragte die Landesschule die Genehmigung, dass der Pächter  sein Heu über das Kochschen Anwesen abfahren darf.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Maurermeister Werner wurde mit dem Bau eines gemauerten Abzugskanal in der Burgstraße für 820 Mark beauftragt.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des Gartens unterhalb des Kuchengartens (NZ).

Den uschlag erhielt G.  Teichgräber, der das Grundstück  später P. Kersten verkaufte.

 

  1. Okt. Gottlieb Wagner, gen. Samiel der erste Wirt der Rudelsburg verstirbt.

Sein Wunsch, ihn im  Burggelände beizusetzen, wo er 50 Jahre die Schankwirtschaft betrieben hatte, konnte nicht erfüllt werden. Er wurde in Tultewitz beerdigt.,

 

  1. Okt. Vereinbarung des Gasthofbesitzers mit der Landeschule (BLK-A. Nr. 868).

Weber verpflichtete sich zur Unterhaltung des Uferweges an der kleinen Saale vom Logierhaus bis zur westlichen Ecke seines Anwesens

 

  1. Okt. Zwangsversteigerung des Theatersaales in der Neuen Straße (NZ).

Den hinteren Teil  erwarb der Kunstmeister Törpsch (heute Friedrich Ebert Str. 19) der das Anwesen zum Wohnhaus umbaute. Der vordere Teil wurde als Kindersanatorium genutzt (heute Schmettaustraße 13).

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung eines Wohnhauses in der Burgstraße (NZ).

Zum Aufruf kam das Haus des Zimmermeisters A. Neubauer, der vermutlich auch dem Komitee Wechsel bzw. Schuldverschreibungen gezeichnet und dafür sein  Anwesen als Sicherheit gestellt hatte. 

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Vertagt wurde die Schlachthausangelegenheit und für den ausgeschiedenen Bruno v. Zedtwitz  Major  von Schmettau zum Waisenrat ernannt.

 

               Insolvenz des Mauerermeisters Wilhelm Werner (WER D 34/12/1699).

Aufgeboten wurde das Stadtgut, dass seit 1797 der Familie gehörte.  Johann Gottlieb Werner, der mit der Nichte des Baumeisters Schröter verheiratet war, hatte das Anwesen aus dem Nachlass Borlachs mit  Feld und Weide auf dem Jackenberg und am Äbtischen Holz nach dem Tof seines Schwiegervaters geerbt. Wilhelm Werner, der den neuen Kursaal gebaut hatte, blieb auch nach  der Zwangsversteigerung auf seinen Forderungen sitzen. Er war zahlungsunfähig und schied infolgedessen am  09. Dezember als Stadtverordneter aus.

 

1879

 

  1. Jan. Gesuch des Oberbergamtes bei der Königl. Regierung (MER. C48 Ii 782).

Das OBA reklamierte, dass nach der Übernahme der Hartungschen Badeanstalt  durch Dr.   Wahn keine Freibäder an die verbliebenen Knappschaftsangehörigen verabreicht werden.

 

  1. Apr. Genehmigung der Kgl. Regierung (St.-A. Nr. 348)

Musikdirektor Schirow hatte bei der Badedirektion 200 Mark als Zuschuss beantragt, weil die Einnahmen der Badekapelle wegen der schlechten Besucherresonanz nicht ausreichten.

 

  1. Mai Tod des Geheimen Regierungsrats Carl Martin Lepsius (Sterbereg.)

Der Bruder von Carl Richard Lepsius verstarb hier während eines Kuraufenthalts und wurde in das Familiebegräbnis nach naumburg überführt.

 

  1. Mai Zwangsversteigerung des Varchmin`schen Wohnhauses in der Saalstraße (NZ).

Auguste Amalie Henriette von Varchmin, eine geborene von Schmettau verstarb 1871. Ihr Mann der Garnisionsdirektor Premier-Leutnant Adolph von Varchmin, war kurze Zeit Mitglied des Badedirektorats und verstarb 1876. 

 

  1. Mai Amtliche Veröffentlichung eines Wasserbauvorhabens (NZ).

Die  Anlieger der Uferwiesen oberhalb des Wehres,  der Zimmerermeister Fr. Töpfer, die Inhaber der Holzfirma H. Graf und W. Döhler  sowie die Holzhändler A. und G. Krüger beantragten die Anlage eines Dammes zum Schutz ihrer Lagerplätze und Werkstätten.

 

  1. Mai Soleliefervertrag mit der Freytagschen Badeanstalt (MER C48 Ii 782).

Die Frau Staatsanwältin Freytag hatte das ehemalige, gegenüber vom Borlachschacht gelegene Anwesen (einst Wohnung des Kunst- bzw. Gradiermeisters Törpsch), von der Landesschule erworben und hier eine Pension  und drei Wannenbäder eingerichtet. Gegen die unliebsame Konkurrenz protestierten Dr.  Wahn, Dr. Rosenberger und Dr. Knorr.

  1. Juni Zwangsversteigerung des Wohnhauses von Götze in der Saalstraße (NZ).

 

      Juni Pfingstfeiertage (NZ).

  1. Waldhausen, der Nachfolger Samiels warb für die Rudelsburg, B. Koch für den Kurgarten, Kirchhof für die Bahnhofsrestauration, Schumann für die Saalhäuser, Schleicher für den Rektorberg, außerdem die Groetzsche Restauration und der Pächter der Zeidlerschen Restauration R. Braun.

 

  1. Juni Bürgerversammlung im Hotels Kurzhals (St.- A. Nr. 226, NZ).

Der Rückgang von Gästen machte sich nach dem Zusammenbruch des Komitees und wegen des schlechten Rufs bemerkbar. Um dies aufzuhalten wollten die Gastwirte und Vermieter die  „Badeverhältnisse“ deutlich verbessern. Dazu sollte Kurtaxe dem Niveau von Sulza angepaßt werden und dafür eine Abgabe vom Vermieter auf Grundlage der Beherbergungsnachweise erhoben werden. Außerdem sollte bei der Bahnverwaltung eine Verlängerung der Geltungsdauer von verbilligten Rückfahrkarten erwirkt werden.

 

  1. Juni Schreiben des Bürgermeisters (MER C48 Ii 782).

Wegen der Beschwerde Dr. Wahns wegen des Soleliefervertrages für die Freytagsche Badeanstalt wurde Richter zur Stellungnahme aufgefordert. Noch am gleichen Tag verfasste er ein Schreiben. Darin verwies er auf die ministerielle Erklärung von 1845 und das Regulativ von 1864, demzufolge die Freytagsche Badeanstalt mit drei Wannen als Hausbadeanstalt gelte und nirgendwo festgelegt sei, dass Bäder nicht auch an Fremde abgegeben werden könnten. Damit würde den drei großen Anstalten keine Konkurrenz entstehen sondern die sollten sich am Komfort orientieren und diesem zum Wohle des Ortes nacheifern. Daher bestünde keine Veranlassung vom Vertrag zurückzutreten, die Beschwerde wäre abzuweisen.

 

  1. Juli Zwangsversteigerung des Kurgartens (NZ).

Erst am Jahresanfang hatte Teichgräber den Kurgarten an Bertold  Koch verpachtet, der schon nach wenigen Monaten den Offenbarungseid leistete. Da sich kein Bieter fand übernahm teichgräber den Kurgarten wieder selbst und behielt ihn bis 1890 (nach Hoppe, 1930).

  

  1. Juli Zwangsversteigerung von 16 Bauplätzen (NZ).

Die Grundstücke Nr. 204 bis Nr. 218 Kartenblatt 11 von 700 bis 1000 m²  hatte das Komitee (Dr. K. T. Groddeck, B. v. Zedtwitz) um das geplante Modebad mit attraktiven Wohnungen zu umgeben. Die Bauplätze befanden sich zumeist am Fuß der Ilske.

     

  1. Juli Hoffmann`sche Stiftung (Röblitz 1930)

Frl. Johanna Juliane Hoffmann vermachte ihren Geburtsort 1443 Mark. Die Zinsen der Stiftung sollte  Waisenkindern den Besuch der Schule erleichtern.

 

  1. Juli Antrag des Bürgermeister bei der Kgl. Regierung (MER C 48Ii 784 I).

Wahn hatte die Bezahlung der Badesole eingestellt, aus Verärgerung darüber, dass seine Beschwerde bei der Kgl. Regierung erfolglos geblieben war. Dabei verstieß er gegen den Soleliefervertrag und Richter wollte nun seinerseits Wahn verklagen.

 

  1. Aug. Antrag des Prokurators an die Badedirektion (St.-A. Nr. 360)

Die Besitzerin der Freytagschen Badeanstalt hatte sich über die Unterhaltspflicht bei der  Einleitung ihres Abwassers in den Abzugsgraben an der Kukulauer Straße erkundigt. Da der  aber der Badedirektion gehörte, wurde die Anfrage weitergeleitet.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des Hauses der Witwe Minna Knorr in der Borlachstraße (NZ).

Das war Wohnhaus Neue Straße 89, der spätere Damenstift (Friedrich-Ebert Str. 22).

 

  1. Sep. Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhaus (NZ).

Dr. Wahn, Pfarrer Barthold, Zimmermeister Töpfer, Hotelier Apel, Posthalter Müller, Ratsschöffe Siebold, Rektor Zeiger und Kaufmann Apitzsch wurden als Wahlmänner aufgestellt.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerungstermin der Grundstücke des Mauermeisters Fr. W. Werner (NZ).

Dazu gehörten das Stadtgut in der Borlachstraße, ein Wohnhaus in der Rudelsburgpromenade und eines in Lengefeld. Das Stadtgut fand keinen Käufer und blieb im Wernerschen Besitz.

 

  1. Sep. Hauptmann Paul von Hindenburg heiratet in Stettin Gertrud v. Sperling.

Ihr Vater der General Oskar v. Sperling hatte 1871 in der Saalstraße ein Landhaus  (Nr. 29) gebaut, um seinen Lebensabend hier zu verbringen. Er verstarb schon am 1. Mai 1872 und wurde im Erbbegräbnis der Familien Sperling/Manstein beigesetzt. Hindenburg hielt sich mehrmals hier auf und verlobte sich hier..

 

  1. Nov. Dienstantritt des Polizeisergeanten Amelang (MER C 48 Ih, Nr.921)

Er erhielt 600 Mark Jahresgehlat, bei freier Wohnung und Feuerung, sowie garantierte Nebeneinkünfte von 200 Mark.

 

  1. Dez. Kaufvertrag über den Schulhof (BLK-A. Nr. 875)

Die Stadt erwarb von der Landesschule den Platz zwischen dem alten Friedhof, dem Gasthof „Börse“, der Großmannschen Bäckerei  (Lindenstr. 14) und dem Mühlweg. Hier stand seit 1862 das Spritzenhaus, mit dem von der Saline übernommene Löschgerät. Als Preis wurde 1 Mark für den Quadratmeter vereinbart. Die Stadt trat in den 1863 mit dem Bäckermeister Friedrich Hermann Franz Großmann geschlossenen Pachtvertrag. Am 12. August 1880 genehmigte das Ministerium für geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten den Vertrag, der am 19. Okt. vor dem Kgl. Amtsgericht zu Naumburg beglaubigt wurde.

 

1880

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung des Zeidlerschen Anwesens in der Lindenstraße (NZ).

 

  1. Jan. Dr. Wahn kündigt den Solevertrag aus dem Jahr 1872 (MER C 48Ii Nr. 782).

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (St.-A- Nr. 226, NZ).

Nach heftigen Kontroversen wurde ein Steuerzuschlag von 10% auf die Gebäudesteuer und 10 % auf  die klassifizierte Einkommenssteuer beschlossen. Um die Mehreinnahmen auch direkt für  die  Hebung des Badeverkehrs verwenden wollte, wurde eine Kommission (Bürgermeister Richter,  Oberförster Leuschner, San.-Rat Dr. Rosenberger, P. Krüger, Gastwirt Haasenritter)  gebildet.

 

  1. Mär. Beginn des Kalksteinabbaus an der Ilske, unterhalb Fränkenau (KÖZ 1925).

Paul Kersten (geb. 1848 in Dürrenberg) war Prokurist in der 1876 in Dürrenberg von seinen beiden älteren Brüder gegründeten Kalkwerk. Der Kalkstein kam mit Lastkähnen aus Freyburg.  Wegen des ständig wechselnden Wasserstandes der Saale konnte man kaum planen und so wurde P. Kersten beauftragt, Lagerstätten zu suchen, die möglichst nahe an der Eisenbahn lagen und die man erwerben konnte. Am 17. Februar schloss Kersten mit der Landesschule einen Vertrag zur Anlage eines Steinbruchs bei der Domäne Fränkenau ab. Wegen der ständig steigenden Nachfrage, insbesondere durch die Zuckerindustrie,  wurden weitere abbauwürdige Vorkommen gesucht. Kersten kaufte den Steinbruch des Maurermeisters Werner am Äbtischen Holz und einen weiteren am Himmelreich. Die Steine wurden von ortsansässigen Fuhrunternehmern (u.a. Pabst u. Bäßler) zur Bahnverladung gebracht. In den ersten drei Jahren 2000 Doppelwaggons. (s. Festschrift z. 25jährigem Betriebsjubiläum 1905).

 

  Umbau und Erweiterung  des Gasthofs „Mutiger Ritter“ (Heimatbuch 1930)

Nach Abbruch des alten Saale und dem Bau des Logierhauses ließ Weber die Ställe und Schuppen an der Ostseite abreißen. Im Erdgeschoss des Neubaus befanden sich die Gesellschafträume, im Ober-und Dachgeschoß Gästezimmer. Auch der eigentliche  Gasthof wurde aufgestockt. Der Verbinder zum Ostflügel hatte ein geräumiges Foyer mit Kamin und einen attraktiven Treppenaufgang. Anstelle der Gestängerösche befand sich hier noch ein Treppenaufgang und daher noch keine direkte Verbindung zum Logierhaus. Der „Mutiger Ritter“ war nun erstes Haus am Platz, auch wenn ein geräumiger Saal fehlte.

 

  1. Mär. Soleliefervertrag mit der Knorrschen Badeanstalt (MER C 48Ii Nr.782/1).

Die Badedirektion hatte eine Pauschale von 900 Mark festgelegt, die von der Kgl. Regierung zu genehmigen waren. Im Antrag teilte Bürgermeister Richter mit,  dass die Anstalt im abgelaufenen Jahr keine Zahlung geleiste habe.

 

  1. Apr. Schwerer Wolkenbruch über der Fränkenauer Höhe (NZ).

Erneut ergießen sich die Wassermassen durch die Hohle trotz des Flugrabens in den Stadtteil links der Saale.

 

  1. Apr. Öffentlicher Nachlassversteigerung ( NZ).

Bei einem alleinstehenden Fräulein, dass in der Wohnung erfroren aufgefunden wurde, fanden sich in einem Unterkleid 140.000 Mark.

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung des Wohnhauses Eckartsbergaer Straße 8 (NZ).

Das Haus erwarb der Glasermeister C. A. Hamann.

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Wahnschen Badeanstalt (MER C48Ii Nr.782/1).

Wegen der bevorstehenden Saison einigte man sich auf eine Pauschale von 682 Mark für die 18 Erwachsenen- und 3 Kinderwannen. Die Kosten für die Abgabe von Bädern an   Knappschafts-angehörige und Ortsarme übernahm  die Badedirektion.

 

  1. Mai Saisonauftakt und Veranstaltungen zu den Pfingsttagen (NZ).

Zu den altbekannten Restaurationen warben W. Dix für die „Katze“, Viehweg für die „Erholung“, A. Waldshausen, der das Zeidlerschen Restaurants in der Lindenstraße  übernommen hatte und August Hämmerling. 

Dr. Eydam ein seit Jahresanfang praktizierender Badearzt hatte ein kleine Broschüre „Soolbad Kösen an der Thüringer Bahn“ veröffentlicht. Besonders Erkrankungen wie „Scrophulose, Hautkrankheiten, Störungen des Digestionsapparates, chronischen Erkrankungen der Sexualorgane, Frauenkrankheiten, Reizungen der Luftwege und Asthma“ hätten hier Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung. Dazu dienten Gradierwerk, Inhalationsanstalt, Sole- und Wellenbäder, Waldenburg-Apparate, Elektrotherapie, Massagen, salinische und eisenhaltige Quellen, Molke, Kräutersäfte und Traubenkuren. Nicht nur die geschütze Lage sondern auch der Salzgehalt der Sole, der den von Nauheim, Homburg und Kreuznach übertrifft, würden zum Kurerfolg beitragen.

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurde die Einschulung eines nicht im Stadtbezirk wohnenden Knaben und die Erneuerung eines Ofens in einer Schulklasse. Weiter Punkte waren eine Mitteilung  der Handelskammer zur Verbreiterung der Saalebrücke, ein Schreiben der Kgl. Regierung zur Zugehörigkeit des Bahnhofs zum Stadtbezirk, die Reinigung der „Localitäten“ auf dem Schulhof, eine Erklärung zur zukünftigen Nutzung des Platzes vor dem alten Friedhof, die Wahl der Mitglieder der Kommission zur Hebung des Badeverkehrs sowie der Antrag des Rendanten Stiller zur Aushändigung seiner Bestallungsurkunde. Im vertraulichen Teil wurde der Antrag Friedrich Toepfers zum Ankauf der vor seinem Grundstück stehenden Obstbäume beschieden sowie die Festsetzung der vom Gastwirt Weber zu zahlende Entschädigung für  die Überbauung der Loreleypromenade.

 

  1. Mai Revision der Knorrschen Badeanstalt (MER C48Ii Nr. 782/1)

Nach einer Anzeige beim Kreisarzt Hartmann über Unregelmäßigkeiten und Verstöße gegen die Gewerbeordnung besichtigten der Ob.-Reg. Rat Bötticher, der Landrat Barth und Dr. Hartmann die Anstalt und stellten fest, dass die Anzeige in dieser Beziehung unbegründet war. Allerdings blieben die Gerüchte über das Ehepaar Knorr und ihre keineswegs saubere Vergangenheit, so dass die Kgl. Regierung den  Landrat mit einer gründlichen Recherche beauftragte.

 

  1. Mai Bericht des Landrates an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782/1).

Der Bericht des Landrates trug die Überschrift: „Über den Lebenswandel des jetzigen Dirigenten der früheren Groddeckschen Badeanstalt zu Kösen Stabsarzt a. D. Knorr“. Der aus der Nähe von Posen stammende Knorr war von 1856 bis 1862 beim 3. Brandenburgischen Infanterie-Regiment   Assistenzarzt und in den Feldzügen 1866 und 1870 Stabsarzt  bei der Landwehr.  Nach  Auskunft  der Staatsanwaltschaft wurde das Ehepaar 1875 vom Kgl. Sächsischen Bezirksgericht in Dresden zu einer fünfmonatigen Haftstrafe wegen Betrug verurteilt wurde. Das hatte Knorr bei seiner Vereidigung zum Sachverständigen verschwiegen.

Im letzten Jahr wurde Knorr wegen verschiedener Anzeigen wegen Wechselbetrugs verhaftet,  wurde aber wieder entlassen, nachdem Teichgräber der Staatsanwaltschaft eine Kaution in beliebiger Höhe angeboten hatte und der Strafanstaltsdirektor a. D. von Stuckrad, der Appellationsgerichtsrat a. D. v. Leipziger und anderen Einwohnern ihre bei der ersten Vernehmung erhobenen  Betrugsvorwürfe widerriefen und die Anzeige zurücknahmen. Das Verfahren wurde eingestellt. Lakonisch meinte der Landrat: „Man sieht daraus, bis in welche Kreise die Beteiligung am „Gründungsschwindel“ gedrungen war, und wie man sich nicht scheute, eine Persönlichkeit, deren Bleiben in Kösen offenbar dem Ruf des Bades Schaden bringen mußte, in Schutz zu nehmen, um sich seiner Tätigkeit bei der Fortführung der Groddeckschen Badeanstalt zu bedienen....Allein der Brauereibesitzer Brückner hatte 8.000 Mark auf Wechsel akzeptiert, nachdem Knorr den Offenbarungseid geleistet hatte“.

Danach hätte sich Knorr in die Schweiz abgesetzt. Schließlich erwähnte der Landrat,  dass Knorr bereits Berlin wegen Schulden verlassen musste und auch in Magdeburg in das Visier von Ermittlungen geraten war. Das Gerücht, Frau Knorr würde honorige Herren empfangen, sich recht freizügig geben und dann ihren Gatten rufen, wies er als grundlos ab. Dagegen hielt er es für denkbar, dass Knorr versucht hatte auch von Schwerkranken Wechsel zu erschleichen. Abschließend  forderte der Landrat erneut, dass bei einer Neubesetzung der „Kur-Commission“ jüngere Personen  gewonnen und man auf hochgestellte  pensionierte Beamte verzichten sollte.

Die Badeanstalt blieb aber noch bis Saisonende geöffnet.

 

  1. Mai Beschluss der Stadtverordneten zur Anschaffung neuer Turngeräte (St.-A. Nr. 148).

Außerdem sollte die Umzäunung des Turnplatzes erneuert werden.

 

  1. Juni Schreiben der Kgl. Regierung zu Merseburg (St.-A. Nr. 226)

Genehmigt wurde die Kommission zur Hebung des Bades.

 

  1. Juni Neuauflage des „Kösener Anzeigers“ (NZ).

Herausgeber nach einem Jahr Unterbrechung war die Naumburger Druckerei Heyner & Co. Das Blatt erschien zweimal wöchentlich, musste aber 1883 wegen mangelnder Nachfrage wieder eingestellt. 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (St.-A. Nr. 226, BLK-A. Nr. 774)

150 Jahre waren seit der Erschließung der Solequelle vergangen, dass sollte würdig begangen werden. Dazu wurde ein Komitee eingesetzt und  200 Mark bewilligt. Der Gastwirt Weber wurde von der  Verpflichtung hinsichtlich des Weges zur Wehrdamm bei Zahlung von 300 Mark entbunden.

 

  1. Juni Ankunft von Sonderzügen mit Tagesausflüglern (NZ).

Die hatte ein Leipziger Reiseveranstalter organisiert und da die Preise moderat waren, waren es fast 1.500 Mitreisende, ein lukratives Geschäft für die Bahn, den Veranstalter und die Gastronomie. 

 

  1. Juni Straßensammlung zur Finanzierung des Brunnenfestes (St.-A. Nr. 498)

364 Mark kamen zusammen, Roßner gab 30 Mark, Sträuber 10 Pfg.

 

  1. Juli 150 Jahrfeier der Erschließung der Solequelle (St.-A. Nr. 498)

Das Festkomitee (W. Becker, Fr. Toepfer, G. Sträuber, E. Roßner, A. Haasenritter, Postmeister Müller, Rektor Zeiger, Bürgermeister Richter und A. Krüger ) hatte dreimal getagt und das Programm aufgestellt: Sonntag früh Choralmusik, nachmittags Festumzug vom Markt zum Borlachschacht, abends, Illumination, bengalisches Feuer und Feuerwerk sowie Tanz in mehreren Gasthäusern. Am  Montag gab es das Kinderfest mit Karussell, Sternstechen und einem Fackelzug. Die Erwachsenen durften sich am Abend beim Ball vergnügen.   

 

  1. Aug. Zwangsversteigerung des Wohnhauses Lindenstr. 69 b (NZ).

Dezeitiger besitzer war der Konditor C. W. Bennemann.

 

  1. Aug. Brunnenfestauswertung bei Kurzhals (St.-A. Nr. 498)

Erfreulich war, dass das Geld gereicht hatte. Die Laternen und Lichtkaskaden wurden dem Magistrat zur Aufbewahrung übergeben, mit der Auflage, diese nicht für private Veranstaltungen zu verleihen. Der Nachtwächter Sträuber erhielt  3 Mark Extrazuwendung für den Nachtdienst während des Festes.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurde die Festsetzung der Grenzen des Stadtbezirks zum Gutsbezirk, ein an die Eisenbahnverwaltung zu richtendes Schreiben zur Abstellung verschiedener Übel und die Kostenübernahme zur Anfertigung der revidierten Gebäudesteuerrolle. Dann folgte  die Vorstellung für die Einrichtung einer städtischen Sparkasse.

 

  1. Aug. Erster Zwangsversteigerungstermin der Knorrschen Badeanstalt (NZ).

Beim ersten Aufruf fand sich kein Interessent. Die Einrichtung schloss zum  Saisonende, ein neuer Bietertermin wurde anberaumt.

 

  1. Dez. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurde die Eingemeindung einer Parzelle am Jackenberg. Die gehörte Weber und war als Bauplatz für das städtische Schlachthaus gedacht. Bewilligt wurden die Mittel für die Reparatur des Kanals in der  Borlachstraße und die Einrichtung einer Bürgerwache vorgeschlagen.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des v. Zedwitz`schen Wohnhauses Saalstraße 28 (NZ).

Von Zedtwitz war in Konstanz verstorbenen und sein mit Hypotheken belastetes Anwesen kam unter dem Hammer. Dazu gehörte auch der „Zschackwitz`sche Garten“. Zschackwitz war im 18. Jahrhundert Floßmeister. Sein Sohn Johann Ehrenfried Zschackwitz (1669 in Kösen-1744 in Halle), zuletzt ordentlicher Professor für Reichsgeschichte und Recht in Halle war  einer der namhafter Heraldiker seiner Zeit. Das Haus erwarb das  Ehepaar v. Manstein. Die Ehefrau war eine Tochter des Generals v. Sperling und wurde die Schwägerin des späteren Generalfeldmarschalls und Reichskanzlers v. Hindenburg.

 

  1. Sep. Vereinbarung über die Holzmesse (NZ).

Die Flößerkompanie einigte sich mit den Holzhändlern darauf, die Holzmesse weiterhin hier abzuhalten und nicht nach Unterneusulza zu verlegen.

Der Rittergutsbesitzer von Kreipitzsch gestattete die Anlage eines Floßgrabens von der Saale zum Holzwerk von Graf & Döhler und der Eisenbahnverewaltung die Anlage eines Anschlussgleises, womit der Holzumschlag aus dem Thüringer Oberland befördert wurde, zumindest bis zur  Fertigstellung der Saalebahn.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurden die Zahlungsmodalitäten für den Ankauf der Parzelle vor dem alten Friedhof und der Statutenentwurf der Wilhelm- und Augusta Stiftung. Informiert wurde über den Stand der Verhandlungen zur Umverlegung des Verbindungsweges nach Lengefeld.  Problematisch war die Lage im Überschwemmungsgebiet der Saale.

 

  1. Okt. Sitzung der Badedirektion (MER C48Ii 782/1).

Die Kgl. Regierung hatte auf Grund des Berichts des Landrates und eigener Recherchen das Badedirektorium angewiesen, den Soleliefervertrag mit der Knorrschen Anstalt zu kündigen. Das Badedirektorat hatte dies bis zum Ende der Saison hinausgezögert, weil man eine Schließung in der laufenden Saison als schädlich für das Bad ansah.

 

  1. Okt. Zwangsversteigerung des Wohnhauses Querstraße 93a (Schmettaustr. 4) (NZ)

 

  1. Nov. Todestag von Emilie Charlotte von Lewitzka, Jg. 1823 (Sterbereg.).

Die aus evangelischen schlesischen Adel stammende Jungfrau, Stiftsdame in Zehdenick, war hier zur Kur, wo sie erkrankte. Sie verstarb und wurde hier bestattet.

 

  1. Nov. Dr. Wahn wird zum Sanitätsrat ernannt (NZ).

 

  1. Dez. Das Kreisblatt meldet 2.130 Einwohner, 100 mehr als im Vorjahr.

 

  1. Dez. Schreiben des Bürgermeisters an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782/1).

Gegen die Kündigung des Soleliefervertrages hatte Louise Knorr am 22. November Beschwerde eingelegt und in einer Petition hatten etliche Einwohner den Weiterbetrieb der Badeanstalt gefordert. Der Bürgermeister nahm dazu Stellung und verwies darauf, dass die Kgl. Regierung die Kündigung angeordnet habe. Allerdings wären ihm die Gründe dafür nicht mitgeteilt worden und da er sich nicht von den Gerüchten leiten ließe, wäre die Kündigung des Vertrages erst nach Ablauf der Saison erfolgt, da er als Badedirektor nicht nur die Anweisungen seiner vorgesetzten Dienststelle zu erfüllen habe, sondern im Interesse des Bades handeln müsse. Die Einstellung der Solelieferung für die attraktivste und modernste Badeanstalt während der Saison,  hätte nur dazu geführt, dass etliche Gäste abgereist wären.

Einer Petition der Einwohner maß er keine sonderliche Bedeutung bei, da die meisten Unterzeichner auch Gläubiger von Knorr waren, die mit dem Weiterbetrieb der Badeanstalt  darauf hofften, einen Teil ihres Geldes wieder zu erlangen.

In einem zweiten Schreiben berichtete Richter, dass der Hauptgläubiger des im „vollständigen Vermögensverfalls geratenen“ Dr. Knorr, der Landwirtschaftliche Kreditverein Wetzdorf war. Dieser hatte ein Darlehen von 75.000 Mark ausgereicht, dass mit einer Hypothek auf der Badeanstalt gesichert war. Der Vorstand an der Spitze der Gutsbesitzer Zweigler zu Mertendorf, intervenierte bei der Badedirektion, die Solelieferung nicht einzustellen und erklärte man wolle die Frau Knorr entfernen und eine qualifizierte Person mit der Weiterführung des Bades einstellen. Allerdings erwähnte er nicht, dass die Großherzogliche Staatsanwaltschaft in Weimar gegen den Verein wegen dubioser Geldgeschäfte ermittelte. Am 10. August 1881 wurde dann das  Konkursverfahren eröffnet.

Weitere 45.000 Mark Hypothekendarlehen wären zugunsten des verstorbenen Konsuls Marchand im Grundbuch eingetragen wofür seine Erbin  die  Subhastation beantragt habe. Richter meinte abschließend, er hoffe, dass die Badeanstalt dabei an denjenigen käme, der  bereits den Park neben der Badeanstalt und  mehrere umliegende Grundstücke besaß (Heun) und der dann im eigenem Interesse einen passenden Betreiber einsetzen würde.

 

1881      

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Wie üblich wurden bei der ersten Sitzung des Jahres die (wieder)-gewählten Stadtverordneten eingeführt und die Kommissionen und Deputationen besetzt.  Beschlossen wurde eine Petition an das Haus der Abgeordneten, um das Projekt zur Verbreiterung der Saalebrücke zu beschleunigen und die Einstellung des Polizeisergeanten Amelung.

 

  1. Jan. Schreiben der Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782 Bd. 1)

Die Rechtmäßigkeit der Kündigung des Soleliefervertrages mit der Knorrschen Badeanstalt seitens der Badedirektion wurde bestätigt, der Einspruch abgewiesen. Auch Frau Knorr verließ dann den Ort.

 

  1. Feb. 3. Versteigerung des „Kurgartens“ (NZ, Hoppe, Heimatbuch).

Gustav Teichgräber erhielt das Anwesen lastenfrei  zurück.

 

  1. Feb. Mitteilung der Kgl. Regierung zur Brückenverbreiterung (St.-A. 550)

„Das Haus der Abgeordneten ist in seiner Plenarsitzung am 7. Februar dem Beschluß der Budgetkommission beigetreten, die vom Magistrat eingebrachte Petition vom 8. Januar 1818 zur weiteren Erörterung im Plenum für nicht geeignet zu erachten; weil von den Vertretern der Kgl. Staatsregierung die Erklärung abgegeben, daß das Bedürfnis der Erweiterung der Saalebrücke in Kösen anerkannt wurde, die Ausführung für das Etatsjahr 1881/82 aber mit Rücksicht auf die allgemeine Finanzlage habe ausgesetzt werden müssen, daß jedoch seitens des Arbeitsministeriums die Aufnahme einer entspr. Position in den Etat für das Jahr 182/83 von Neuem beantragt wurde...“

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Rosenberger`schen Anstalt (MER C48i Nr.782/1).

Die Jahrespauschale für seine 8 Wannen betrug 360 Mark.

 

  1. Apr. Stadtverordenetensitzung (BLK-A. Nr. 774).

Informiert wurde über den Protest der Thüringer Eisenbahnverwaltung über die Veranlagung des Bahnhofs zur Kommunalsteuer, beschlossen wurde die Regulierung und die Pflasterung der Gosse in der Lindenstraße.

 

  1. Apr. Kösener Holzmesse (NZ).

Letztmalig kam die Oberländer Flößerkompanie  aus Kahla zur Messe.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 774)

Im vertraulichen Teil wurde erneut der Ankauf des unterhalb des Kurgartens gelegenen Parks beschlossen, der zusammen mit der Knorrschen Badeanstalt versteigert wurde.

 

  1. Apr. Versteigerung der Groddeckschen bzw. Knorrschen Badeanstalt (NZ).

Erwerber war der Strafanstaltsdirektor a. D. v. Stuckradt, seine Ehefrau war eine geborene Marchand, die Tochter des Stettiner Konsuls Der erste Aufruf erfolgte in Höhe der auf dem Grundstück lastenden Hypothekenschulden, dafür gab es keinen Bieter. Der zweite Aufruf erfolgte zur Hälfte des Verkehrswertes und Stuckradt war der einzige Bieter. Nach Abug des Hypothekendarlehens zu Gunsten seiner Ehefrau war der Kaufpreis erträglich, allerdings gingen die übrigen Gläubiger meist leer aus. Die Badeanstalt war unbelastet und die Stuckradt wagten einen  neuen Anfang.

 

  1. Mai Eröffnung der Stuckradtschen Badeanstalt (dto).

Da die Zeit drängte, wurde umgehend der Soleliefervertrag abgeschlossen.

 

  1. Mai Zwangsversteigerung des Höroldschen Wohnhauses in der Burgstraße (NZ).

 

  1. Mai Appell des Bürgermeisters an den Stadtverordnetenvorsteher (St.-A. Nr. 348)

Da die Besucher bei den Kurkonzerten ausblieben, gingen auch die Einnahmen der badekapelle zurück. Um die Kapelle aufrecht zu halten erging „die ernste Mahnung nicht nur an jeden einzelnen Bürger sondern auch an die maßgebenden Persönlichkeiten, opferwillig für die Förderung und Hebung der Badeangelegenheiten einzutreten...“ 

 

  1. Juni Pfingstfeiertage (NZ).

Mit Konzerten und Bällen warben G. Teichgräber (Kurgarten), Schleicher (Rektorberg), Schumann (Saalhäuser) und  Andrä (Wilhelmsburg). Waldhausen verzichtete auf Werbung, da der KSCV die Rudelsburg  in Beschlag genommen hatte.

 

  1. Juni Amtliche Bekanntmachung zur Errichtung eines Schlachthauses (NZ).

Der Kaufmann Uthpadel hatte die Errichtung in seinem Grundstück Querstraße 99 (Schmettau-straße 5) beantragt, dass er dem  Musiker Saalborn abgekauft hatte.

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (St.-A. Nr. 226, BLK-A. Nr. 774).

Im vertraulichen Teil wurde erneut der Ankauf des Gartens unterhalb des Kuchengartens behandelt. Bürgermeister Richter sollte nun bei v. Stuckrads nachfragen, ob ein Erwerb nach Klärung der verwickelten Eigentumsverhältnisse möglich wäre.

 

  1. Juli. Bau einer Brauchwasserleitung nach Fränkenau (NZ).

Die Leitung war 3 km lang und musste einen Höhenunterschied von rd. 100 Metern überwinden. Die Wasserentnahme erfolgte aus der Saale, die Pumpe wurde durch einen Göpel angetrieben. Außerhalb der Domäne am höchsten Geländepunkt wurde eine Sammelbehälter eingerichtet errichtet. Bisher wurde Wasser mit Fuhrwerken von Kösen geholt. Doch nach einem Großbrand, der wegen fehlenden Löschwassers erheblichen Schaden anrichtete, war es dringend geboten, einen Wasservorrat  anzulegen.

 

  1. Juli Besichtigung der Badeeinrichtungen durch den Oberregierungsrat v. Bötticher (BLK-A.)

 

  1. Aug. Meldung über die Einrichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule (NZ).

Der Besuch war für alle im Ort in einem Lehrverhältnis im Handwerk oder Gewerbe stehenden Jugendlichen Pflicht. Neben dem Magistrat beteiligten sich die Lehrmeister per Umlage an den Kosten. Der Fiskus bewilligte einen Zuschuss von 150 Mark jährlich. Dagegen lehnte die Stadtverordnetenversammlung die Schaffung einer 4. Klasse für die 248 Schüler und die Einstellung eines 4. Lehrers ab. Dafür sollte die dritte Klasse geteilt und jeweils am Vor- und Nachmittag Unterricht gehalten werden.

 

  1. Okt. 50jähriges Berufsjubiläum des Apothekers Manasse Gause (NZ).

Gause, der 1845 die Konzession erhielt, bekam das Ehrendiplom des Pharmazeutischen Vereins.

 

  1. Okt. Versammlung der oberländischen Floßkommune Kahla (NZ).

Mit 72 gegen 57 Stimmen wurde beschlossen, ab dem kommenden Jahr die Kösener Holzmesse nicht mehr zu belegen, sondern die Messe in Camburg abzuhalten. Grund war die Verweigerung der erforderlichen Anbindeplätze bzw. zu hohe Gebühren.

 

  1. Okt. Wahlversammlung der National-Liberalen Partei (NZ).

Vor 60 Zuhörern stellte Graf Fleming das Parteiprogramm zur Reichstagswahl vor.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NZ)

Beschlossen wurden die Mittel für die Anschaffung von Feuerlöschgerätschaften. Informiert wurde über die bevorstehende die Einrichtung der städtischen Sparkasse zum 01. 01. 1884 und   über die beabsichtigte Übernahme  und dem Umbau der unteren Radkunst zur Stromerzeugung für die Straßenbeleuchtung. 

 

1882

 

  1. Jan. Ausschreibung der Verpachtung der Pfortenser Steinbrüche (NZ).

Dies betraf die an die Lengefelder Flur grenzenden Steinbrüche am Äbtischen Holz.

 

             Weber übergibt den  „Mutigen Ritter“ seinem Sohn Hermann.

 

  1. Jan. Ernst Roßner jun. tritt in den Mühlenbetrieb seines Vaters als Gesellschafter ein (NZ).

 

  1. Jan. Todestag der Susanne Louise Amalie Fournier, geb. Gillet (Sterbereg.)

Die Witwe eines Stettiner Kaufmanns hatte die Borlachsche Kellerei gekauft und als Wohnung eingerichtet. Als Hugenottin aus Stettin gab es eine enge Verbindung zur Ehefrau  Dr. Rosenbergers.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, St.-A. Nr. 2 St.-A. 550).

Wie üblich erfolgte die Besetzung Stadtverordnetenämter. Schriftführer wurde Dr. Raabe, sein Vertreter der Postmeister Müller. Anstelle des altershalber ausgeschiedenen Apothekers Gause wurde der Zimmermeister Fr. Toepfer in die Kommissionen berufen, außer  der Sanitätskommission die der Rentner Apitzsch beitrat. Beschlossen wurde ein 85%iger Zuschlag  zur klassifizierten Einkommenssteuer und ein 10%  zur Gebäudesteuer, beides direkte Steuern für die Stadtkasse. Bezüglich des Promenadenbaus nach Lengefeld wurde die Übernahme der Unterhaltspflicht vom Bahnhof bis zur „Katze“ beschlossen. Im vertraulichen Teil wurde über einen Vorschlag von v . Stuckrad beraten. Der hatte angeregt, die fiskalischen Kuranlagen (Wellenbäder, Kurpark, Soleförderungs- und Gradieranlagen) in eine Aktiengesellschaft einzubringen, und privaten Interessenten, vornehmlich den Badeanstaltbesitzern eine Beteiligung zu ermöglichen. Allerdings war dazu die Entscheidung der Behörde abzuwarten.

Da sich die Brückenverbreiterung verzögerte, sollte dem Abgeordnetenhaus eine Petition zugeleitet werden: „..hat sich schon seit einer Reihe von Jahren dem wachsenden Verkehr wegen ihrer kaum 14-15 Fuß betragenden Breite für die Passage der Fußgänger als gefahrbringend erwiesen . Zwei auf derselben sich begegnenden Wirtschaftswagen können sich nicht ausweichen. Aber auch wenn nur ein wagen die Brücke passiert, sind die Fußgänger, welche ausschließlich auf die Benützung der fast immer  entweder staubigen oder rutschigen, nach beiden Seiten schräg abgepflasterten Fahrbahn angewiesen sind, auf das äußerste gefährdet, wenn es ihnen nicht gelingt in den wenigen auf den Brückenpfeilern hergestellten Seitennischen notdürftigen Schutz zu finden. Diese Gefahr wird wesentlich vermehrt 1.) Durch die in unmittelbarer Nähe der Brücke stündlich vorüber brausenden Dampfzüge, welche nur zu oft ein Scheuwerden der Pferde veranlassen, 2.) Durch vermehrte Zufuhr landwirtschaftlicher  und gewerblicher Erzeugnisse nach und von dem Bahnhofe, welche nicht selten lange Reihen von Gespannen den Brückenraum einnehmen und für den Fußgänger jede Möglichkeit  ausschließen, die Brücke zu passieren, 3.) Durch den von Jahr zu Jahr wachsenden Fußgängerverkehr (Touristen, Kurgäste, vorzugsweise Kinder, Kirchgänger, Leichenzüge usw.). Die hierdurch in früheren Zeiten herbeigeführten Unglücksfälle haben wir bei unsern an die Kgl. Reg. gerichteten Gesuchen um Verbreiterung der Brücke zur Sprache gebracht und ist von dort aus, nach vorgängiger Untersuchung der Übelstände die Notwendigkeit des Erweiterungsbaues wiederholt anerkannt und die Ausführung desselben in den beiden hier in beglaubigter Abschrift beigefügten Reskripten und zwar durch das Ministerial-Reskript v. 17. August 1875 und die Benachrichtigung der Kgl. Regierung v. 1878 in Aussicht gestellt worden...“

 

  1. Jan. Tod der Majorswitwe Marie v. Kleist (Sterbereg.)

Ihr Mann gehörte einer der weitverzeigten hinterpommerschen Linie derer von Kleist an, aus  der namhafte preußische Militärs und Verwaltungsbeamte hervorgingen.

 

  1. Mär. Sitzung des Abgeordnetenhauses (St.-A. Nr. 550)

Die Mittel für die „fiskalischen Saalebrücke“ wurden in den Etat 1882/83 eingestellt.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde das Defizit der Badekasse, wie bisher aus der Stadtkasse auszugleichen.

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB).

Trotz des Ausbleibens der Oberländer Floßkommune kamen etliche Flöße und zahlreiche Holzhändler.  In der  „Katze“ gastierte die Couplet-Sängergesellschaft aus Leipzig.

 

  1. Apr. Karl Luft eröffnet die Restauration „Zur Erholung“ Eckartsbergaer Str. 12 (NZ).

Fr. Werner eröffnete die „Zufriedenheit“.

 

  1. Apr. Bericht des Bürgermeisters an den Regierungspräsidenten (MER C48Ii Nr.782).

Wegen der Querelen beim Solepreis hatte v. Diest im August 1881 eine verbindliche und einvernehmliche Regulierung des Soleabgabepreises verlangt. Dem Badedirektor war es nach „langen, mühevollen Verhandlungen, bei denen  die Berücksichtigung der Interessen der Inhaber der ältesten hiesigen Badeanstalten, die Sanitätsräte Dr. Wahn und Dr. Rosenberger die größten Schwierigkeiten boten“ gelungen, vergleichbare Jahrespauschalen zu ermitteln. Der finanzielle  Aufwand für die Bereitstellung der Badesole betrug 2.690 Mark im Jahr. Davon fielen auf v.  Stuckradts 23 große und 10 kleine Wannen 1.200 Mark,  auf  Dr. Wahns 20 Wannen 750 Mark, auf Dr. Rosenbergers 9 Wannen  390 Mark und auf die 4 Wannen der Freytagschen Anstalt 350 Mark. Die unterschiedlichen Beträge begründete Richter, dass die Freitagsche Badeanstalt wesentlich mehr Bäder abgeben und wie die v. Stuckradt wegen ihrer Ausstattung und der zeitgemäßen Therapie wesentlich besser angenommen würde, als die Anstalten von Wahn und Rosenberger. Dies wurde der Kgl. Regierung vorgelegt unnd am 20. Juni mit kleinen Korrekturen genehmigt.  

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Ökonomie von Moritz Koch in der Borlachstraße (NZ).

 

  1. Mai Zwangsversteigerung vom Haus der Witwe Bösel, Salinenstraße (NZ).

 

  1. Juni Protokoll des Oberregierungsrates v. Bötticher (MER C48Ii Nr. 782/1).

Bei einer Revision der Badeverwaltung hatten v.  Stuckradt und der Sanitätsrat Hartmann aus Naumburg  dem Beamten die Umwandlung des Bades in eine Aktiengesellschaft erläutert. Die sollte die fiskalischen Badeeinrichtungen und die vier öffentlichen Privatbadeanstalten zusammenfassen. Die Verhandlungen mit Dr. Wahn waren erfolgversprechend, Dr. Rosenbergers Preisvorstellungen jedoch zu hoch, so dass v. Stuckradt das Vorhaben aufgab.

Dann wurde die Einrichtung eines Kindergartens für die Kinder der Badegäste erörtert. Während der Magistrat ablehnte, erwog die Badedirektion eine Kostenbeteiligung im Interesse der Gästefrequenz, zumal eine tüchtige Kindergärtnerin, ein geeignetes Lokal und Spielplätze vorhanden waren. Dann widmete man sich der Trinkwasserversorgung. Erwogen wurde die Nutzung der Quelle oder die Niederbringung eines Brunnens. Dann ging es um die Unterbindung des „Schlepperunwesen“ vor dem Bahnhof und zum Schluss wurde vorgeschlagen, v. Stuckradt zum Ehrenmitglied der Badedirektion zu ernennen.

 

  1. Juni Einweihung des neuen Saales am Kurgarten (NZ).

Teichgräber ließ die nur für den Sommerbetrieb geeignete und ohnehin desolate Baulichkleit abreißen und einen massiven Saale errichten, der ganzjährig nutzbar war. 

 

  1. Juli Reskript der Kgl. Regierung zur Solepauschale (MER C48Ii 782/I).

Trotz der Genehmigung seitens der Behörde, verweigerte v. Stuckrad die Unterschrift unter dem Soleliefervertrag. Die Badedirektion wurde angewiesen, mit ihm darüber neu zu verhandeln. Auch die Witwe Freytag sah sich benachteiligt. Umgerechnet bezahlte sie 100 Mark  pro Wanne während  v. Stuckrad 35 Mark, Dr. Wahn 39 Mark und Dr. Rosenberger 48 Mark zahlte. Sie  beantragte die Reduzierung ihrer Pauschale.

 

  1. Juli Pressemitteilung zum Kirchenbaufond (NZ).

Der war inzwischen auf 48.000 Mark angewachsen.

 

  1. Aug. Festwoche zum 50jährigen Bestehen des Schützenvereins 1832 e.V. (NB).

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des Wohnhauses des Sattlermeisters Nette, Lindenstraße 21 (NZ)

Nach dem Tod des ehemaligen Ortsrichters kam das Anwesen unter den Hammer.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde die Kostenumlage von 1/3 auf die Hauswirte Dittmann, Weise und Jürgens bei der Pflasterung des Weges von der Loreleypromenade zum Gradierwerk.

 

  1. Sep. Ernennung Rosenbergers zum „Geheimen Sanitätsrat“ (St.-A, Röblitz Heimatbuch).

Anlässlich seines 50jährigen Jubiläums als Knappschafts- und Badearzt erhielt er das kaiserliche Patent „Geheimer Sanitätsrath“ Für die amtliche Beglaubigung hatte der Geehrte 1.50 Mark Stempelgebühr zu zahlen. Gleichzeitig erhielt er die Ehrenbürgerurkunde in Anerkennung seiner Verdienste um das Bad in den 48 Jahren seines Wirkens.

 

  1. Okt. Vollversammlung des Sächsisch-Thüringischen Vereins für Erdkunde (NZ).

 

  1. Okt. Zwangsversteigerung vom Haus des Mehlhändlers Schuster, Eckartsb.Chaussee (NZ).

 

  1. Nov. Schreiben des Magistrats an den Landrat wegen der Brücke (St.-A. Nr. 550)

Der Landrat wurde gebeten, sich beim Minister dafür zu verwenden, dass die vom Abgeordnetenhaus bewilligten 75.000 Mark seinerseits bestätigt werden.

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung vom Haus des Schlossers K. Hädicke, Lindenstraße 12 (NZ).

 

  1. Dez. Jahresbericht des Badearztes Rosenberger (MER C48Ii Nr.776VIII).

Demnach brachte der Borlachschacht einen Kochsalzanteil von 4,3% und  wurde zum Baden und mit Wasser verschnitten zum Trinken gebraucht. Die Johannisquelle hatte eine Mineralisation von 2,2% und wurde unverdünnt abgegeben. Der Mühlbrunnen fand keine Erwähnung, wurde demzufolge auch nicht benutzt. In der Saison vom 15. Mai bis 15. September wurden nur  1.897 Badegäste gezählt, zumeist Berliner dazu 21 Ausländer. Schuld daran waren die kalte und regnerische Witterung und eine Überschwemmung am 31. Juli, wo die Wellenbäder und  die Johannisquelle nicht zu gebrauchen waren. Trotz dieser Witterung blieb der Ort von den im Umland grassierenden Krankheiten wie Diphterie, Scharlach und Masern verschont.

 

  1. Dez. Besitzwechsel der Freytagschen Badeanstalt (MER C48Ii 782/I).

Frau Freytag verkaufte ihren Besitz dem Premierleutnant a. D. v. Zehl aus Dresden.

 

  1. Dez. Schreiben der Badedirektion an die Kgl. Regierung (MER C48Ii 782/I).

Wegen der Einsprüche von v. Stuckradt und Fr. Freytag hatte die Badedirektion einen neuen Umlageschlüssel erarbeitet, dem nun alle im laufenden Jahr abgegebenen Bäder zu Grunde lagen und nach deren Verhältnis die Jahreskosten der Soleabgabe verteilt wurden. Die 2.690 Mark Gesamtkosten verteilten sich auf Dr. Wahn mit 4180 Vollbäder und 803 Mark, Dr. Rosenberger mit 2562 Vollbäder, 492 Mark, v. Stuckrad mit 5482 Vollbäder, 1053 Mark, Frau Freyitag mit 1802 Vollbäder und 346 Mark. Stuckrad zahlte weitere 47 Mark für den Bezug von Inhalationssole.

Der „Verein gegen das Bettelunwesen“ hatte binnen Jahresfrist 4.740 sog. „Fechtbrüder“ mit einem Geldbetrag das Weiterziehen erleichter (NZ).

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Informiert wurde, dass die Mittel für die Verbreiterung der Brücke bewilligt wurden. Für die beiden Nachtwächter wurden 15 Mark Gratifikation und die Anschaffung von Wachmänteln bewillligt und die Fuhren Dritter bei ausbrechenden Feuer sollten künftig bezahlt werden.  Dem Buchdrucker Schiller wurden 15 Mark vierteljährlich in Aussicht gestellt, wenn er den Kösener Anzeiger wieder drucken würde.

 

1883

 

  1. Jan. Konstituierende Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Neu eingeführt bzw. wiedergewählt wurden Dr. Raabe, die Gastwirte Weber und Becker sowie der Rentner Apitzsch. Die Kassenrevision übernahmen Krüger und Becker, die Revision der Jahresrechnung Heckenberg, Krüger und Apitzsch. In die Klassensteuer-Kommission wurden gewählt Becker, Apitzsch, Schleicher, Vogel, Baer und Koch, in die Kommunalsteuerkommission Bgmstr. Richter, Weber, Krüger, Apitzsch, Schleicher  und Becker, die Kommission für Unterhaltung und Ordnung übernahm Siebold, das Beleuchtungswesen Leuschner und die Baudeputation bestand aus Siebold, Toepfer und Weber. Informiert wurde dass Reg.-Präsident v. Diest mitgeteilt hat, dass die Mittel für die Erweiterung der Saalebrücke bewilligt und im April mit den Arbeiten begonnen werden soll (St.-A. Nr. 360, 550). Dazu sollte hatte die Kgl. Reg. den Landesbaudirektor der Provinz Graf v. Wilzingerode  beauftragt, sich mit dem Wasserbau-Inspektor Böes ins Benehmen zu setzten.

 

  1. Feb. Die Anschaffung einer Nationalfahne wird abgelehnt (MER C48Ii 776/VIII).

Das patriotische Vorhaben auf dem Gradierwerk den preußischen Adler weithin sichtbar wehen zu lassen, musste wegen fehlender Mittel bei allseitigem Bedauern aufgegeben werden.

 

  1. Feb. Neufestsetzung der Kurtaxe (MER C 48 Ii Nr. 776 VIII).

Die Kurtaxe wurde auf 9 Mark für eine Person, 12 Mark für zwei und 18 Mark für 3 bzw. 4 Personen, 20 Mark bei mehr als 4 Personen festgesetzt.  Kinder erhielten teilweise Ermäßigung, Dienstboten waren befreit. Ab Mitte August wurde die Taxe halbiert. Eine Reduzierung der Kurtaxe wurde im Hinblick auf den unausgeglichenen Haushalt und  notwendige Investitionen abgelehnt.

 

  1. Feb. Die Badedirektion bietet drei Schwäne zum Verkauf an (NZ).

Ein Jäger hatte die Schwäne bei Großheringen erlegt, in der Annahme es seien Wildschwäne. Dieser Untat folgten eine Anzeige und eine  Schadensersatzforderung.  

 

  1. Feb. Ankündigung der Holzmessen (NZ).

Die Flößervereinigung Kahla hatte sich für eine Neuorganisation der Holzmessen ausgesprochen. Demnach sollte die Holzmesse für die Oberländischen Holzhändler Mitte April in Camburg abgehalten werden, die für die Unterländischen Händler wie gewohnt zu Palmarum in Kösen, an der aber auch zahlreiche Oberländer teilnehmen wollten. Die Eisdecke der Saale in Thüringen verhinderte jedoch den rechtzeitigen Beginn der Flöße, so dass hier nur 150 bis 200 Flöße ankamen.

 

  1. Mär. Wahl des Bürgermeisters Richter für weitere 12 Jahre (NZ).

 

  1. Mär. Festlegung zum Preis für die Badesole (MER C48Ii 784/1).

Zukünftig sollten grundsätzlich die Gesamtkosten aus dem Vorjahr im Verhältnis der abgegebenen Bäder aufgeteilt werden. Das setzte allerdings eine wahrheitsgemäße Meldung der Bäder voraus, was allerdings nur schwer zu überprüfen war.

 

  1. Mär. Beschwerde Wahns bei der Kgl. Regierung (MER C48Ii 784/1).

Obwohl Dr. Wahn als Mitglied der Badekommission für diese Form der Umlageberechnung gestimmt hatte, beschwerte er sich nun darüber.

 

  1. Apr. Hotelier Kurzhals setzt 14.000 Jungforellen in den Schwanenteich (NZ).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Bildung einer Kommission zum Projekt der Trinkwasserleitung.

 

  1. Mai Beschwerde des Bürgermeisters bei der Bahnverwaltung (St.-A. Nr. 360)

Die Straße zwischen dem Bahnhof und dem Wärterhäuschen hatten die  schweren Fuhrwerke vom Kalkwerk völlig zerfahren. Wäre „nicht im Interesse der hiesigen Kurgäste nicht mit viel Aufwand die sog. Rudelsburgpromenade hergestellt worden, so würden die mit Extrazügen von Leipzig, Halle und anderen Städten nach Kösen kommenden Touristen kaum den vom Stationsgebäude nach der Rudelsburg über das Bahnhofsterrain führenden Fußweg passieren können“, schrieb Richter und forderte die Bahnverwaltung auf, den Weg in ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen.

 

  1. Mai Revision der Badeanstalt durch die Kgl. Regierung (MER C48Ii 776/VIII).

Unter dem Vorsitz des Ob.-Reg. Rates v. Bötticher beschäftigte man sich mit der Einrichtung eines Kindergartens für Kinder von Kurgästen, der Trinkwasserversorgung der Stadt und dem Antrag mehrere Einwohner ein Vergnügungskomitee zu gründen. Unter Punkt 6 wurde lakonisch festgestellt, dass der „berüchtigte“ Dr. Groddeck die Stadt verlassen habe.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, St.-A. Nr. 550).

Beschlossen wurde, bei der Verbreiterung der Brücke auf Kosten der Stadt, 2 Leerrohre von mind. 12 Zoll auf beiden Seiten der Brücke zu verlegen. Darin könnten dann Sole- bzw. Trinkwasserleitungen eingezogen werden. 

 

  1. Juni Baubeginn zur Verbreiterung der Saalebrücke (NZ).

Damit ergaben sich erheblichen Behinderungen, weil die Brücke nicht mehr im Gegenverkehr zu befahren war. Landrat und Ortspolizei drohten denjenigen empfindlichen Strafen an, die  sich nicht rechtzeitig von der freien Überfahrt überzeugten und dann auf Gegenverkehr trafen.

 

  1. Juli Zwangsversteigerung des Rittergutes Stendorf (NZ).

Zur Auflösung einer Eigentümergemeinschaft (Geh. Reg.-Rat K. J. L. W. Köhler; Freiherr Fr. v. Feilitzsch, Thusnelda v. Römer, geb. v. Feilitzsch) war diese Termin anberaumt worden, bei dem v. Feilitzsch, der spätere Landrat, den gesamten  Besitz übernahm.

 

  1. Juli Stellungnahme des Bürgermeisters (MER C 48Ii 776 VIII).

Der Hotelier Kurzhals hatte sich beschwert, dass die Badedirektion sein Haus als Spielstätte für die Kurkapelle nicht berücksichtigte, war aber damit abgewiesen worden. Richter begründete das damit, dass der Platz vor dem Hotel als Konzertplatz ungeeignet sei. Es hätten nur 100 Personen Platz, außerdem führte hier der Fahr- und Fußweg von der Mühle zum Bahnhof und die unmittelbare Nähe zur Bahn wäre äußerst störend.

Den „Kurgarten“ der für Konzerte ausreichend und attraktiven Platz hatte, könnte die Badedirektion überhaupt nicht nutzen, denn der alte und neue Besitzer (Teichgräber) dem man mit 1000 Taler beim Bau des Saales unter die Arme gegriffen habe, würde „bei allen denkbaren Gelegenheiten die  Mitglieder der Badedirektion und die Kurgäste  rücksichtslos, um nicht zu sagen verletzend behandeln“. So nutzte man die „geschmackvollen Anlagen“ und  den „schön dekorierten Saal“ des „Mutigen Ritters“ für die Konzerte, auch wenn hier noch weniger Platz war. Weber stellte den Saal kostenlos zur Verfügung, während Teichgräber Miete und Beleuchtungskosten verlangte.  Dennoch seien im laufenden Jahr auch Konzerte im Kurgarten und bei Kurzhals gegeben worden.

Die Randnotiz des Reg.-Präsidenten besagt, dass er die Gründe zwar anerkenne, doch würde das Hotel stark frequentiert, läge an der „schönsten Promenade“ und die Badedirektion solle soweit keine gegenteiligen Äußerungen von Badegästen vorlägen, Konzerte im angemessenen Umfang hier abzuhalten.

 

  1. Juli Die Kgl. Regierung weist eine Beschwerde Roßners ab (MER C48Ii 776VIII).

Der Mühlenbesitzer hatte sich beschwert, dass die Badedirektion bei Hochwasser zum Schutz der Ufermauer zwischen den beiden Wasserrädern diese mit einem Bretteraufsatz versehen hätte. Nach Anhörung mehrerer Zeugen u.a. des früheren Kunstmeisters Törpsch wurde die Beschwerde als unbegründet abgewiesen.

 

  1. Aug. Submission in Pforte zur Generalinstandsetzung des Wehrdammes (NZ).

 

  1. Aug. Stellungnahme des Bürgermeisters zu einer Beschwerde (MER C48Ii 776 VIII).

Eine Einwohnerin hatte sich bei der Kgl. Regierung beschwert, dass sie nicht, wie bisher üblich eine Einladung zu den Rèunions der Badeverwaltung erhalten habe und daher nicht eingelassen wurde, obwohl die Familie aus wohlhabenden und standesgemäßen Bürgern bestehe. Die Begründung des Bürgermeisters war sinngemäß diese: „Die Einladungen von Einwohnern zu den Rèunions, die die Badedirektion für die Badegäste veranstalte, erfolge nur an diejenigen, die durch Stand und Stellung der besseren Gesellschaft zugerechnet werden können, und nicht jeder, der auf Grund seines Vermögens sich dazu zähle, sei geeignet, wenn der Bildungsgrad zu wünschen übrig ließe“. Die Regierung gab ihm darin Recht.

 

  1. Aug. Polizeiverordnung wegen der laufenden Brückenarbeiten (St.-A. Nr. 550)

„Wegen des Umbaus der fiskalischen Straßen-Brücke über die Saale in Kösen ist die Fahrbahn derselben zur Zeit derart eingeengt, daß ein Begegnen zweier Fuhrwerke auf der Brücke zu schweren Unfällen Veranlassung geben kann. Es haben sich deshalb die Wagenführer bevor sie auf die Brücke fahren zu überzeugen, daß ihnen auf derselben kein Fuhrwerk entgegen kommt und beim Fahren die größte Vorsicht zu beobachten, da die Brüstungsmauern größtenteils entfernt und durch Notbarrieren ersetzt sind.“

 

  1. Okt. Eröffnung einer privaten Kinderbewahranstalt (St.-A. Nr. 383).

Die examinierte Kindergärtnerin Anna Rönnecke aus Halle betreute 20 Kinder zahlungskräftiger Kurgäste.

 

  1. Okt. Gründung der Fa. Gebr. Kersten (NZ; KÖZ 1925).

Laut der Handelsregistereintrag Nr. 229 war Paul Kersten alleiniger Geschäftsführer und hielt  1/3 der Anteile, seine  Brüder Franz und Hermann behielten 2/3. Die Firma lag in der Lengefelder Flur, die zum Gericht des Rittergutes Kreipitzsch gehörte. Von Vorteil war die Nähe der Bahn. Man konzentrierte sich auf die Erschließung des unmittelbar angrenzenden Tagebaus und gab schon bald die Steinbrüche an der Fränkenauer Hohle und am Himmelreich auf. Man verkaufte den Kalkstein vorzugsweise für die Kalkbrennerei aber zunehmend auch an    Zuckerfabriken und chemische Betriebe.

 

  1. Okt. Hauptversammlung des Provinzialverbandes der Lehrer (St.-A. Nr. 180/NZ).

Den ca. 1.000  avisierten Teilnehmern wurde ein reichhaltiges Programm geboten, allerdings  gab es bei der Bereitstellung von Betten erhebliche Probleme. Am Montag nach dem Empfang war eine Delegiertenversammlung im Hotel Kurzhals, am Abend geselliges Beisammensein im Kursaal. Am zweiten Tag traf sich der Pestalozzivereins  im Kursaal, dazwischen wurden Ausflüge zur Rudelsburg  und der Wilhelmsburg angeboten. Am Abend gab es ein Fim Kursaale. Am Mittwoch fanden die Delegiertenversammlungen statt, daneben Ausflüge zum Fischhaus  und Schulpforte. Am letzten Tag standen Ausflüge per Bahn nach Jena, Dornburg und Weimar  auf dem Programm. Die Stadt beteiligte sich mit einem Zuschuss von 672 Mark.

 

  1. Okt. Die Kirchengemeinde beschließt den Bau eines Gotteshauses (NZ).

Obwohl sich im Kirchenbaufond erst 50.000 Mark angesammelt hatten und mindestens das Doppelte erforderlich war, wollte die Gemeinde dem „kirchenlosen“ Zustand ein Ende machen.  Immer wieder wurde von den Kurgästen kritisiert, dass es in einer  Stadt mit inzwischen 2.000 Einwohnern und jährlich  2000 Badegästen kein Gotteshaus gibt und man sich mit einem desolaten ehemaligen Zimmerer- und Tanzschuppen begnügen müsse. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Eine Anfrage des Gemeindekirchenrates wegen eines bauplatzes neben dem Schulhaus wurde abschläögig beschieden. Genehmigt wurde die kommissarische Amtsführung von Stendorf durch den Bürgermeister.

 

  1. Nov. Die Nachtwächter erhalten Kontrolluhren (NZ).

Bezweifelt wurde allerdings, ob diese es schaffen, innerhalb einer Stunde den ihnen zugewiesenen Bereich abzulaufen, da sich das Stadtgebiet weiter ausgedehnt hatte.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Der Fußweg von der Brücke vor dem Heckenbergschen Grundstück bis zum Mühlweg sowie von der großen Promenade zum Haasenritterschen Anwesen sollten gepflastert werden.

 

  1. Dez. Übergabe der verbreiterten Brücke (NZ, St.-A. 550).

Anstelle der 1856 auf den Strompfeilern aufgesetzten Rondeau, kam ein Entwurf des Baurats Boe aus Naumburg zur Ausführung. Unter Aufsicht  des Regierungsbaumeister Bothe errichteten die  Firmen Toepfer und Werner eine vorgesetzte Eisenkonstruktion für den Gehweg. Die niedrige Steinbrüstung trennt gfahrbahn und Gehweg, der mit einem sicheren Geländer versehen war.  Die Einweihung war würdevoll und Baumeister Bothe erklärte: „Dem verehrlichen Magistrat und Stadtverordnezten-Collegium gegenüber fühle ich die angenehme Verpflichtung im Namen der Arbeiter, Arbeitgeber und der Bauverwaltung meinen herzlichen Dank auszusprechen für die freigiebige Spende zur Bewirtung der Arbeiter bei Gelegenheit der Brückeneinweihung. Ich füge diesen allgemeinen Dank meinen persönlichen bei, für das freundliche Entgegenkommen seitens der Stadtverwaltung bei allen  die Bauleitung betreffenden Angelegenheiten und zugleich den Wunsch, daß der vom Staat geschaffene Bau dem Gemeinwesen Kösen zum Wohle gereichen möge“. Das sollte änderte sich aber 1890 schlagartig, als sich bei der Hochwasserwelle hunderte von Floßhölzern in der Konstruktion verfingen und schließlich deren Einsturz herbei führten.   

 

               Sattlermeister Gustav Soff  eröffnet seinen Betrieb (KÖZ).

 

1884

 

  1. Feb. Anpassung der Brückenauffahrt (St.-A. Nr. 550)

Für den regen Fahrverkehr zur Mühle, zum Bahnhof und zur Lindenstraße erwies sich die Brückenauffahrt als Engstelle . Daher sollte der Fahrweg vor dem Heckenbergschen Grundstück  von 3 auf 5 Meter verbreitert werden, damit Gespanne im Gegenverkehr passieren konnten und die steile Auffahrt möglichst angepasst werden. Dazu brauchte man einen Streifen vom  Heckenbergschen Anwesen, dass aufgefüllt und mit einer Stützmauer versehen, die Auffahrt bequemer machen sollte.

 

  1. Mär. Schreiben der Kgl. Regierung zur Ausgestaltung der Brücke (St.-A. Nr. 550)

Dem Magistrat wurden mitgeteilt, dass für 2480 Mark die Verblendung der Schutzböcke vor den Flußpfeilern bewilligt werden, die Installation von Kandelabern aber nur mit einer finanziellen Beteiligung der Stadt möglich sei.

 

  1. Mär. Antrag des Bürgermeisters beim Landesbaudirektor (St.-A. Nr. 550)

Der Magistrat war der Ansicht, dass die Verbreiterung der Brückenauffahrt eine Folge der Verbreiterung sei und demzufolge vom Fiscus finanziert werden muss. Doch dieses Stück gehörte seit 1827 nach der Fertigstellung der Chaussee der Gemeinde und war außerdem beim Bau der  Bahntrasse weiter eingeengt worden. Daher beantragte der Magistrat die Kostenübernahme zumal noch disponible Mittel vorhanden waren. 

 

  1. Apr. Wiedereröffnung der Zehl`schen Badeanstalt am Gradierwerk (NZ).

 

  1. Apr. Schreiben des Reg.-Präsidiums an die Wasserbau-Behörde (St.-A. Nr. 550)

Die Mittel für die Anschaffung von 6 Kandelabern für die Brücke wurden unter der Maßgabe bewilligt, dass die Stadt  die Leuchtmittel und die Unterhaltung übernimmt.

 

  1. Apr. Schreiben des Magistrats an den Landesdirektor (St.-A. Nr. 550)

Dieser hatte mitgeteilt, dass die Mittel aus dem Brückenbaufond bereits zurückgezahlt wurden, bevor der Antrag der Stadt auf Verbreiterung der Auffahrtrampe eingegangen war, weshalb die Stadt ihrerseits nun für die Bereitstellung aus einem anderen Fond nachsuchte. 

 

  1. Apr. Schreiben der Eisenbahnverwaltung an den Magistrat (St.-A. Nr. 550)

Ein Antrag zur Beseitigung der „scharfen Ecke“ von der Brücke über den Schrankenübergang  zu den Saalbergen, der für Fuhrwerke zu spitz war und zum Rangieren nötigte, wurde genehmigt unter der maßgabe, dass „1.) die Verbreiterung der südlichen Rampe von dem über die Bahn gehenden Übergangs nach den Saalbergen, daß an Stelle  des spitzen Winkels, welcher die Flucht des Übergangs bildet, ein stumpfwinkliger Anschluß mit bogenförmigen Übergang hergestellt wird und 2.) daß das dazu kostenlos zur Verfügung gestellte Gelände  von der Stadt übernommen wird.“

 

  1. Apr. Verhandlung der Badedirektion mit der Kindergärtnerin (MER C 48Ii 776 VIII).

Die Kindergärtnerin erklärte sich bereit, weitere Kinder aufzunehmen, da der Platz vorhanden und ihre Schwester ebenfalls  Kindergärtnerin für die fachgerechte Betreuung verfügbar war.

 

  1. Mai Sitzung der Badekommission (MER C48Ii 784/1).

Die Umlage für die Badesole in der  bevorstehenden Saison wurde festgesetzt,  v. Stuckrad zahlte 1.142 Mark, Dr. Wahn 752 Mark, Zehl 451 Mark und Dr. Rosenberger 354 Mark. Auf dieser Sitzung kündigte Dr. Rosenberger die Schließung seiner Anstalt an, falls sich kein Käufer dafür finden würde.

 

  1. Mär. Gründungskongress des Thüringer Bäderverbandes in Erfurt (NZ 1893).

Auch eine Abordnung der Stadt und der Badedirektion nahm daran teil und Dr. Rosenberger beteiligte sich ab der Ausarbeitung der Satzung.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Beschlossen wurde die Anschaffung von Torfballen für die Desinfektion der Schulaborte, die Beauftragung des Apothekers Chop mit der Untersuchung der öffentlichen Trinkwasserbrunnen und die Anschaffung von Holzkohle als Filtermaterial. In die Kommission zur Hebung des Badeverkehrs wurde Chop und Leutnant Zehl berufen und der Erwerb des Streifens vor dem Heckenbergschen Grundstück genehmigt.

 

  1. Mai Jahresrevision der Badeanstalten (MER C48Ii 776VIII).

Die Vertreter der Kgl. Regierung erklärten, dass der Kindergarten für wohlhabenden Kurgästen nicht zugemutetbar sei. Die hygienischen Verhältnisse erhöhten die Ansteckungsgefahr bei Krankheiten wie Diphterie und  Scharlach.

 

  1. Juni Einrichtung einer Drahtseilbahn zum Kalkwerk (Festschrift).
  2. Kersten hatte Steinbrüche bei Freiroda gepachtet. Für den Transport ließ er eine Drahtseilbahn über die Saale und die Bahnstrecke bis zum neuen Anschlussgleis im Betriebsgelände errichten. Die Bauzeit für die 1.200 m lange Bahn betrug 4 Monate, die Bahn hatte ein Gefälle von 30%, die freie Spannweite betrug bis zu 100 Meter. Die Anlage arbeitete ohne Antrieb, da die Last der bergab gehenden vollen Loren, die leeren nach oben zog. Die vollen Loren wurden direkt in die bereitstehenden Waggons entleert. Auch die Arbeiter und Kersten selbst benutzten die Loren, obwohl diese öfters abstürzten. Die Bahn war ein viel bestauntes technisches Meisterstück.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Beschlossen wurde die Niederschlagung von Steuer- und Schulgeldresten der Frau Funcel, der Witwe Goetze und des Maurers Serfling.  Die Nichtzahlung von  Schulgeld seitens der ärmeren Familien war an der Tagesordnung und wurde zumeist wegen Nichtbeitreibbarkeit  niedergeschlagen.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A: Nr. 776).

Genehmigt wurde das vom Oberpräsidenten bestätigte Sparkassenstatut, abgelehnt wurde eine Offerte des Prokurators, den Weg von der Schäferei  zur Therkornschen Schmiede der Stadt zur Anlage eine Promenade zu überlassen.

 

  1. Juni Entwürfe für den Kirchebau (NZ).

Der Gemeindekirchenrat hatte Kaiser Wilhelm I. drei Entwürfe zur Begutachtung und Entscheidung zugesandt, nicht ohne auf die noch fehlenden Mittel hinzuweisen. Unter den Entwürfen war auch der des Oberhofbaurates Stüler, der bereits König Friedrich Wilhelm IV. Vorgelegen hatte und von diesem eigenhändig ergänzt wurde.

 

  1. Juli Mittelbewilligung Verbreiterung der Brückenauffahrt (St.-A. Nr. 550)

Der Landesausschuss bewilligte eine Beihilfe von 4.000 Mark unter der Maßgabe, dass der Bau nach dem Entwurf des Reg.-Baumeisters Bothe ausgeführt wird und die Stadt die dauerhafte Unterhaltung übernimmt. Am 25. 08. beschloss die Stadt die Beauftragung des Maurermeisters Werner, am 01. Oktober erfolgte die Bauabnahme und am 30. Oktober gab die Stadt ihre Verpflichtungserklärung ab, worauf am 27. November die Mittel freigegeben wurden. Der Grenztermin zur Überlassung der, für die von der Stadt zu übernehmenden Flächen am Knoten  Schrankenübergang/Brücke erfolgte im Juni 1885.

 

  1. Juni Eröffnung einer Fechtschule durch den Hauptmann v. Assinant (NZ).

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766)

Eine Eingemeindung der Bergschmiede und vom Chaussee-Einnehmerhaus wurde abgelehnt,  zugestimmt der Einrichtung einer Ortskrankenkasse, weil die Zahl der im Stadtbezirk beschäftigten versicherungspflichtigen Personen die Zahl von 100 überschritten hatte und diese nach dem Gesetz vom 15. Juni 1883 dem Versicherungszwang unterlagen. 

 

  1. Aug. Beschwerde des Maurermeisters Transchel (St.-A. Nr. 550).

Der fühlte sich bei der Auftragsvergabe ungerecht behandelt.

 

  1. Sep. Konkurs des Bäckermeister E. Lützkendorf (NZ).

Das Verfahren konnte durch einen Vergleich beendet werden und Lützkendorf behielt die  Bäckerei in der  Borlachstraße.

 

  1. Sep. Antrag des Badedirektion bei der Kgl. Regierung (NZ).

Beantragt wurde die Genehmigung zum Beitritt zum „Thüringer Bäderverband“, dem sich inzwischen zahlreiche Bäder der preußischen Provinz Thüringen, des Großherzogtums Weimar sowie des Herzogtums Sachsen-Meiningen angeschlossen hatten. Damit wollte man dem Rückgang der Kurgäste und einer zunehmenden aber ungerechtfertigten Kritik an der Heilwirkung der Sole, die sich auf den Zulauf aus Berlin, Leipzig  und anderen Großstädten negativ auswirkte, entgegentreten.

Die Zeitung veröffentlichte in diesem Zusammenhang die Besucherzahlen der letzten 10 Jahre: 1874: 2.155, 1875: 1.729, 1876: 2.063, 1877: 1.825, 1878: 1.875, 1879: 1.641, 1880: 1.735, 1881: 1.846, 1882: 1.911 und  1883: 1.830.

 

  1. Sep. Festsetzung einer Zigeunertruppe (NKB).

Die hatte sich mit Gemüse und Kartoffeln aus den Gärten der Einwohner versorgt, wurde daraufhin in Pforte gestellt und nach Zahlung von Schadenersatz durfte „das Gesindel lustig weiterziehen“.

 

  1. Okt. Todestag von Friedrich Carl Schleicher (Sterbereg.)

Der Kaufmann wohnte in der Borlachstraße  (Nr. 19/21) hatte dort ein Kolonialwarenhandlung, die bis in die 1960er Jahr im Familienbesitz war.

 

  1. Okt. Wahlveranstaltungen in Vorbereitung der Reichstagswahlen (NKB).

Im Hotel Kurzhals sprach der Kandidat der Freikonservativen, Landrat Barth, im „Mutigen Ritter, ein Vertreter der Fortschrittspartei, der Rittergutsbesitzer Rohland aus Etzoldshausen.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Für die Einrichtung einer weiteren Klasse sollte entweder das Büro des Magistrats oder eine der Lehrerwohnungen verwendet werden. Der Platz vor dem alten Friedhof wo das Spritzenhaus stand ,wurde für ein weiteres Jahr an Großmann und Radenacker verpachtet.

 

  1. Nov. Schreiben der „Commission zur Hebung des Badeverkehrs“ (MER C48Ii Nr. 776) .

Dargelegt wurden die Vorteile einer derartigen Mitgliedschaft in dem bereits 22 Mitglieder zählenden Verband. Das betraf die überregionale Verteilung der Bäderzeitung „Union“ sowie des Verbandsblatts der ärztlichen Vereins die den Jahresbeitrag von 56 Mark bei Weitem aufwiegen würde.  Bei einem Nichtbeitritt befürchtete man einen erheblichen Imageverlust für das bis dahin meistbesuchte thüringische Solebad.  Unterzeichner waren u. a. Krüger, Zehl, Postmeister Müller und A. Haasenritter. Daraufhin  genehmigte die Kgl. Regierung den Beitritt.

 

  1. Dez. Geburt von Franz Georg Freiherr von Rechenberg (Taufregister)

Er war der Sohn des späteren Generalleutnants Georg Freiherr von Rechenberg.

 

  1. Dez. Jahresbericht des Badearztes (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Erfreulicherweise hatte die Anzahl der Badegäste wieder die 2000er Grenze überschritten. Insgesamt wurden 2.173 Badegäste registriert unter denen die Berliner erneut am stärksten vertreten waren. Von den 54 Ausländern waren 24 aus Rußland, 14 aus Amerika und 3 aus Asien.

Die privaten Badeanstalten verbrauchten 14.570 Kubikfuß Sole für Bäder (ca. 480 m³). Außerdem wurden 475 Wellenbäder abgegeben. Zum Personal des Bades gehörten ein Kassenrendant, ein Gradierer, ein Kunstwärter und ein Bürodiener. Dr. Rosenberger verwies zum wiederholten Mal auf den „Mangel an zuverlässigen guten Trinkwasser“. In der ganzen Hauptstraße (Lindenstraße) gäbe es nur einen einzigen brauchbaren Brunnen, der sich noch dazu auf seinem eigenen Grundstück befindet, aber allen Anwohnern zur Verfügung steht. Alle übrigen Hausbrunnen wären durch Fäkalien der daneben liegenden Senkgruben kontaminiert, was zu Typhus führen könnte. Nachdrücklich forderte er eine umgehende Verbesserung, in Anbetracht der Konkurrenz vieler neuer Kur- und Badeorte.

Unter dem Titel „Soolbad Kösen in Thüringen - ein Auszug aus der Badeschrift Dr. Rosenbergers veröffentlichte die Badedirektion eine kleine Broschüre „Zur Mitgabe und Erinnerung für die Badegäste“. Sie informierte den Gast über die Anmeldung, Kurtaxe und Preise für Verpflegung, Unterkunft und Kurmittel.

 

1885

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NZ)

Zum Vorsitzenden wurde der Buchbinder Wolf gewählt. Der Haushalt 1885/1886 hatte ein Budget von 15.323 Mark. Beschlossen wurde die Bezahlung des Mitgliedsbeitrag für den Thüringer Bäder-Verband.

 

  1. Mär. Gründungsversammlung der Feuerwehr (Archiv der FFW, NZ 1910, Röblitz 1930).

Die erfolgte im Grötz`schen Restaurant, dem späteren Gasthof „Zur Post“ in der Lindenstraße 14.  Initiator war der Premierleutnant a.D. Zehl,  Inhaber der Badeanstalt am Gradierwerk.  In die Listen trugen sich 33 Einwohner ein. Die Ausbildung übernahmen der zum Kommandeur gewählte Apotheker Lagemann, sein Stellvertreter der Badediener Becker und der Schuhmacher Holzweissig. Drei Tage später traf man sich erneut, um mit Hilfe des Naumburger Schlauchwagenführers Hasenritter die Anschaffung der Ausrüstung zu beraten. 

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurden die Einstellung des Sparkassenrendanten Dittmann und die Übergabe der städtischen Spritze an die Feuerwehr für Übungszwecke. Im Brandfall stand die Feuerwehr noch  unter dem Kommando des städtischen Feuerwehrkommissars Toepfer.

 

  1. Mär. Antrag des Verschönerungsvereins (MER C48Ii 776VIII).

Für den Bau eines Musikpavillons am Gradierwerk beantragte der Verein einen Zuschuss aus der Badekasse. Der Regierungspräsident genehmigte 100 Mark.

 

  1. Apr. Aufmarsch der Feuerwehr mit ihrer neuen Ausrüstung (NZ).

Obwohl der Magistrat hartnäckig eine Beteiligung an der Finanzierung der Ausrüstung verweigerte, war es den Gründungsmitgliedern gelungen, mit Unterstützung der Provinzial-Feuerversicherung und mit eigenen Mitteln die Grundausrüstung anzuschaffen, zumal einige Brände in der zurückliegenden Zeit Einwohner und Gewerbetreibende von der Notwendigkeit einer einsatzbereiten Brandbekämpfungstruppe überzeugt hatten 

 

  1. Apr. Nr. 1, 1. Jahrgang der „Kösener Zeitung“ (St.-A. Nr. 655)

Nach der Einstellung im Jahr 1883 wegen des zu geringen Abonnements, wagte der Heyne Verlag einen zweiten  Anlauf, allerdings ebenso erfolglos.

 

  1. Mai Die Kirchengemeinde feiert das 25jährige Bestehen (NZ).

Nachdem der Magistrat den Antrag der Gemeinde für einen Bauplatz neben der Schule abgelehnt hatte, waren weitere Kaufbemühungen ebenfalls erfolglos. Das betraf die Schäferwiese vor dem  Raabeschen Pädagogium (K.-Kruse-Str.). Die hatte die Landesschule dem   Zimmerermeister Töpfer verkauft, der hier mit dem bau von Villen begann (Käthe-Kruse Str.)

 

  1. Mai Revision der Badeanstalten (MER C48Ii 776VIII).

Die ehemalige Groddeckschen Badeanstalt hatte Dr. Löffler für 104.000 Mark von v. Stuckrad erworben und nannte sie nun „Wilhelmsbad“. Dazu erwarb er die Pensionshäuser der Witwe Movat (Eckarstbergaer Str. 1) und der Witwe Gräser (Fr. Ebert Str. 1) und richtete hier sanatorien für Frauen- und Nervenkrankheiten ein.  

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Der Antrag des Verschönerungvereins, anstelle von Obstbäumen Zierbäume entlang der Fahrwege zu pflanzen wurde genehmigt, allerdings erst nach dem Eingehen der Obstbäume.

 

  1. Juni Dr. Löffler und Leutnant a. D. Zehl werden Ehrenmitglieder der Badedirektion.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Eine Beteiligung an einer Pferdebahn zwischen Kösen und Naumburg wurde zurückgestellt, bis die Naumburger Bahn in Betrieb genommen sei.

 

  1. Juli Neuverpachtung der Domäne Kukulau (NZ).

Premierleutnant Schütze erhielt den Zuschlag für  jährlich 22 500 Mark auf  18 Jahre.

 

  1. Juli Eröffnung der städtischen Sparkasse (NZ, BLK-A. Nr. 776)

Die ursprünglich für den 1. Januar 1884 geplante Eröffnung hatte sich verschoben. Nun war das  Statut genehmigt, ein Rendant eingestellt und ein raum in der Schule eingerichtet. Da es noch an einem Geldschrank fehlte, gab es nur wenige Interessenten, trotz einer Mindesteinlage von 1  Mark. Für die Spareinlagen sollten Staatspapiere erworben, deren Zinsen teilweise den Sparern weitergegeben wurde, außerdem konnten Kredite für kommunale Vorhaben bis zu einer bestimmten Höhe ohne vorherige Genehmigung der Aufsichtsbehörden ausgereicht werden. 

 

  1. Juli Zeitungsmeldung zur Ausbaggerung der Saale (NZ).

Unterhalb der Brücke hatte die Kgl. Wasserbauinspektion mit der Entfernung der die  Langholzflöße behindernden Sandbänke begonnen.

 

  1. Juli Meldung über die Abreise der Gräfin Czapka-Romrod (NZ).

Die geschiedene Ehefrau des Großherzogs von Hessen war hierher gezogen, um in der Nähe ihres in Weimar studierenden Sohnes zu sein. Nun begab sie sich auf ihre Güter bei Warschau.

 

  1. Juli Schreiben des Kirchengemeinde die Badedirektion (MER C48Ii 776VIII).

Pfarrer Barthold beabsichtigte hier eine „Ferienkolonie“ eine von der Kirche getragene  Wohlfahrtseinrichtung für kranke Kinder bedürftiger Familien aus den Großstädten einzurichten. Die Kur sollte möglichst kostenfrei sein. Zwar sagten die Badedirektion und die Badeärzte die kostenlose Abgabe  der Sole und der medizinische Betreuung zu, doch die Hauswirte verlangten  1,25 Mark pro Tag für Unterkunft und Verpflegung. Damit scheiterte das Vorhaben.

 

  1. Aug. Bericht der Badedirektion zur „Ferienkolonie“ (MER C48Ii 776 VIII).

Auf Nachfrage teilte die Badedirektion der Kgl. Regierung mit, dass nicht allein die Forderung der Hauswirte die Ferienkolonie verhindert hätte, sondern eine Diphtherieepidemie, an der 6 einheimische Kinder verstarben.

Dennoch sollte die „Ferienkolonie“ eingerichtet werden, wenn Mittel und Wege gefunden würden, um den Kindern kostenfreie Unterkunft und Verpflegung zu gewähren.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Genehmigt wurde die Polizeiverordnung zur Freiwilligen Feuerwehr, abgelehnt wurde der Antrag des Ingenieurs Frohwein auf Beteiligung an der Pferdebahn. Allerdings erging eine Empfehlung, eine Genehmigung zu erteilen, wenn diese privat finanziert wird. In die Kommission für den Wasserleitungsbau wurden Toepfer, Krüger, Wolf, Leuschner und Heun berufen.

Der Magistrat gab abschließend bekannt, dass eine „ungenannten Person“ der Stadt ein Geschenk in Höhe von 12.000 Mark für den Bau einer Trauerhalle gemacht habe. Das Geschenk wurde angenommen und mit der Kirchengemeinde die erforderlichen Absprachen getroffen.

 

  1. Nov. Bietertermin für die Ökonomie der Landesschule in Pforte (NZ).

Die Neuverpachtung erfolgte  ab 1886 für 18 Jahre. Höchstbietender war der Oberamtmann Köster mit über 36.000 Mark.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde der Straßennname Friedrichstraße vom Raabeschen Pädagogium bis zum  Friedhof, wo  Friedrich Toepfer mit den bau von Villen begonnen hatte. Angenommen wurde ein Geschenk Rosenbergers von 500 Mark zur Neuanlage eines Trinkwasserbrunnens auf dem Marktplatz, gegenüber seiner Badeanstalt.

 

  1. Nov. Die Lansdesschule bietet Gartenparzellen auf dem Aschedamm an (NZ).

 

  1. Dez. Amtliche Volkszählung (NKB).

Es gab 257 bewohnte und 10 unbewohnte Häuser, 633 Haushalte und 3 Gemeinschaftsanstalten. Von den 2.337 Einwohnern waren 1001 Männer und 1336 Frauen.

 

               Jahresbericht Dr. Rosenbergers (MER C48 Ii Nr. 776 VIII).

Die Qualität und der Chemismus der Solequellen hatten sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Zur Badedirektion gehörten vier ordentliche Mitglieder (Bgmstr. Richter, Dr. Rosenberger, die Ratsschöffen Oberförster Leuschner  und Kaufmann Siebold) und vier Ehrenmitglieder (v. Stuckradt, Dr. Wahn, Ltn. Zehl, Dr. Löffler)

2.023 Badegäste wurden registriert, darunter 55 Ausländer davon 22 Russen und 12 Österreicher. Gegen die Diphterie hätte die Verwaltung „medizinalpolizeiliche Anordnungen“ erlassen und Desinfektionsmaßnahmen angeordnet. Deren Erfolg sei aber sehr widersprüchlich, denn „Familien, deren Wohnungs- und Lebensverhältnisse … äußerst ungünstig erscheinen, von der Krankheit verschont (blieben), während in besser situierten Hausständen die größte Achtsamkeit, Sorge und Pflege einen delateren Ausgang nicht verhindern konnten.“

 

1886 

             

  1. Jan. B. Völckel pachtet die „Wilhelmsburg“ (NZ).

Der bisherige Pächter Andrä übernahm von Heinrich Lucas den „Preußischen Hof“.  Völckel selber war bisher Kellner im „Mutigen Ritter“ gewesen.

 

  1. Jan. Das erste Langholzfloß passierte das Wehr (NZ).

Ein heftiger Wintereinbruch bringt die Flößerei jedoch kurz danach wieder zum Erliegen.

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung von Grundstücken in der Neuen Straße (NZ).

3 Wohnhäuser und der Garten unterhalb des Kurgartens kamen zum Aufruf. Doch beim ersten Termin fand sich kein Bieter, zu hoch waren die Hypotheken für die Darlehen die den Gesellschaftern für das „Modebad“ ausgereicht wurden, und das sich nun als „Gründungsschwindel“ entpuppte.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766).

Der Magistrat wurde ermächtigt mit der Kirchengemeinde über den Bau der Leichenhalle zu verhandeln, da der Friedhof der Kirchengemeinde gehörte, die Berbigsche Spende aber der Gemeinde gestiftet wurde.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NZ, MER C48 Ih Nr. 920).

Beschlossen wurde die Einführung einer Biersteuer. Das betraf  einheimisches und bezogenes Bier gleichermaßen. Damit sollten höhere Einnahmen für die Verbesserung des Bades erzielt und so die Stadtkasse entlastet werden. Dagegen protestierten die Gastwirte, Brauer und Verleger und riefen die Vermittlung des Landrates und des Bezirksausschusses an.

Beschlossen wurde auch ein Regulativ zur Gemeinde-Einkommenssteuer. Personen mit einem Einkommen unter 420 Mark/jahr, die nicht der öffentlichen Armenpflege unterlagen, wurde mit  ½ % des steuerpflichtigen Einkommens, max. 1,50 Mark belegt. Alle Übrigen wurden mit dem gesetzlich geltenden Höchstsatz. Die Genehmigung erteilt der Bezirksausschuss am 12. März.

Beschlossen wurde auch die Reparatur der Wohnung eines „geisteskranken“ Einwohners.

 

  1. Mär. Beschwerde Roßners bei der Polizeiverwaltung (St.-A. Nr. 360)

Der Mühlenweg vom Hotelk Kurzhals quer über die Mühlenwiese war Privatweg und durfte nur von der Mühle und den Mahlgästen befahren werden. Fuhrwerke, die den Weg nahmen, um den  Bauplatz der Krügerschen Villa anzufahren, hatten Schäden verursacht, deren Beseitigung  Roßner verlangte.

 

  1. Apr. Ehrung für Sanitätsrat Dr. Rosenberger (St.-A.).

Nach seiner Entbindung als Badearzt, wurde er wegen  seiner  Verdienste um „die stete Entwicklung und das Aufblühen des Bades“ mit dem preußischen  Kronenorden 3. Klasse geehrt. Die Nachfolge als Badearzt trat  San.-Rat Dr. Wahn an.

 

  1. Apr. Vertrag mit Musikdirektor Schirow (St.-A. Nr. 348)

Vereinbart wurden für Mai und September wöchentlich 4 Konzerte, in den übrigen Monaten an den Wochentagen jeweils 7 Konzerte, dazu die von der Badedirektion veranstalteten Réunions, an  Sonn- und Feiertagen ein Choral und die musikalische Umrahmung des Brunnenfestes. Die vertragssumme belief sich auf 1.925 Mark.

  

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 776).

Der Magistrat wurde beauftragt, bei der Kgl. Regierung die kostenlose Überlassung der bisher zur Badedirektion gehörenden unteren Wasserkunst zum Zweck der Stromgewinnung zu beantragen. Außerdem sollten in Jena, Ruhla und Weißenfels Erkundigungen über den Ingenieur Henoch eingeholt werden, der sich um den Bau der Wasserleitung beworben hatte. Für die Voruntersuchungen wurden zunächst 100 Mark bewilligt, würden die Auskünfte positiv sein, sollte der Ingenieur eine Probebohrung auf der Radinsel niederbringen, Bodenproben entnehmen und Kostenanschläge für den Brunnen, den Umbau der Wasserkunst zum Antrieb elektrischer Pumpen  und das Rohrleitungsnetz einholen, dafür wurden 800 Mark bewilligt.

Beschlossen wurde die Nutzung der Gefängniszelle im Schulhaus als Waschküche für die Familien der Lehrer und des Polizeisergeanten.

 

  1. Mai Inspektion der Feuerwehr durch den Oberbrandinspektor (NZ 1910).

Nach Überwindung finanzieller Probleme bei der Anschaffung von Ausrüstung und Bekleidung, trat die Wehr erstmals in voller Montur allerdings noch mit einer völlig veralteten Spritze vor dem Inspektor Schultze aus Delitzsch an.

 

             Einweihung der Trauerhalle auf dem Friedhof (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Inzwischen war bekannt, dass Therese Berbig geb. Streuber, verw. Heinicke  die Spenderin war. Sie wohnte in der Lindenstraße 25 wo sie eine kleine Pension betrieb. Anlass war der Tod ihres Ehemannes im September des vorigen Jahres gewesen, wo sich das Fehlen  einer angemessenen Trauerhalle schmerzhaft bemerkt machte.

 

  1. Mai Plan zur Errichtung einer Kinderheilstätte (MER C48Ii 766 VIII).

Nachdem der Plan für eine Ferienkolonie gescheitert war, schlug Dr. Löffler und v. Stuckradt, die sich zu einem Komitee zusammengefunden hatten, dem Reg.-Präsidenten die Einrichtung einer Kinderheilstätte für den Regierungsbezirk Merseburg vor. Nach dem Vorbild bereits bestehender Kinderheilanstalten war ein „festes Heim“ geplant, für die Anschaffung und Unterhaltung sollten Spendenaufrufe, Sammlungen und Wohltätigkeitsbasare genutzt werden. Dr. Löffler wollte die medizinische Betreuung kostenlos übernehmen.

 

  1. Juni Revision der städtischen Badeeinrichtungen (MER C48Ii 766 VIII).

Dabei wurden  die positiven Auswirkungen auf den Badebetrieb nach dem Beitritt zum Thüringer Bäderverband hervorgehoben.

 

  1. Juni Zeitungsbericht über die Pläne eines Unternehmers (NZ).

Der Berliner Unternehmer Bechstein plante den Bau einer Zahnradbahn zur Rudelsburg und hatte dazu bereits die ersten Vermessungen durchführen lassen.

 

  1. Juli Berichterstattung des Bürgermeisters (MER C48Ii 776 VIII).

Dieser stand in der Kritik, nach anonymen Beschwerden bei der Kgl. Regierung u.a. wegen des „geräuschvollen Treibens“ in den Lotteriebuden, der Geruchsbelästigung bei der Jaucheabfuhr aus den Sammelgruben  und der musikalisch nicht überzeugenden Badekapelle.

 

  1. Aug. Statut der „Gesamt-Innung geprüfter Gewerksmeister zu Kösen“ (priv).

Außer den Bäckern, die eine eigene Innung hatten, traten alle übrigen Handwerker  bei. Da sich der Innungsbezirk im Umkreis von 15 Kilometer erstreckte, konnten auch Meister aus anderen Orten beitreten, wenn dort keine eigene Innung bestand. So gehörten  auch Naumburger Handwerker zu den 89 Mitgliedern. Der Innungs-Vorstand bestand aus dem Obermeister Fr. Toepfer, dem Sattler G. Sträuber, den Maurermeistern Transchel und Hübner, den Buchbinder Wolf, den Schumacher W. Becker und dem Tischler Vogel. Das Statut wurde 1886 vom Bezirksausschuß genehmigt. 

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurden 300 Mark für eine Ehrenpforte zum Handwerkertag und die Eingemeindung des Fahrweges vom Raabeschen Pädagogium zum Pfarrhaus.

 

  1. Aug 1. Sommerfest der Feuerwehr im „Kurgarten“ (NZ 1910).

 

  1. Sep. Durchreise des Kronprinzen nach Süddeutschland (NZ).

 

  1. Sep. Deutscher Handwerkertag (NZ).

Auf dem dreitägigen Kongress wurden Beschlüsse zur Bewahrung der handwerklichen Eigenständigkeit gefasst.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde die Sperrung des Wernerschen Privatweges von der Mausabrücke zum Stadtgut für Fuhrwerke. Abgelehnt wurde der Bauantrag für eine steinerne Brücke über den Schwanenteich und die Reparatur der hölzernen Brücke empfohlen.  Beschlossen wurde die Pflasterung des Platzes vor der Mälzerei (Loreleypr. 3a), weil hier aus dem Brunnenhaus der städtische Sprengwagen befüllt wurde.

 

  1. Nov. Jahresbericht des der Kgl. Badedirektion (MER C48Ii Nr.776 VIII).

Die „Balneologische Statistik“ wies 2.225 Gäste aus, darunter 21 Russen, 10 Amerikaner, 10 Engländer und 11 Afrikaner. Abgegeben wurden 19.542 Solebäder, 1.158 Wasserbäder, 2.586 Wellenbäder und 1.249 Inhalationen am Gradierwerk. Die Löfflerschen Badeanstalt verabreichte dazu noch 1.468 „warme Inhalationen“. Neu waren „elektrische“ Bäder. Die Einwohnerzahl betrug 2.335 wie Dr. Wahn in seinem bericht vermeldete.

 

  1. Dez. Anträge von Dr. Rosenberger und Paul Kersten (MER C48Ii Nr. 782/1).

Dr. Rosenberger teilte der Kgl. Badedirektion mit, dass er wegen seines Alters die Badeanstalt  verpachten oder verkaufen möchte. Interessent wäre Paul Kersten, es aber vorziehen würde, anstatt die in die Jahre gekommene Anstalt weiter zu führen, auf seinem eigenen, unmittelbar angrenzenden Grundstück eine größere und moderne Anstalt einzurichten, wenn er die Sole bekäme. P. Kersten erklärte, dass diese„allen Comfort und sonstigen Ansprüchen der Neuzeit innerlich und äußerlich Rechnung trägt“. Sie würde im Garten oberhalb der kleinen Promenade stehen, die „äußere Facon“ würde eine Form erhalten, die von allen Seiten, besonders von der Eisenbahn gesehen werden kann. Für die Abwässer wollte er einen gedeckten Abzugsgraben entlang der Promenade bis zum Bahndamm verlegen, an den sich alle übrigen Grundstückseigentümer anschließen könnten. Damit wäre auch die Geruchsbelästigung, die von dem offenen Fäkalgerinnen bislang ausging, beseitigt.

Kersten hatte das frühere Borlachschen Anwesen an der Ostseite der Lindenstraße erworben, darunter auch die „Kellerei“ von der Witwe Louise Fournier, die hier  eine kleine Pension  betrieb. Louise Fournier (gest. 5. Sep. 1895) stammte aus der Hugenottenfamilie du Bois-Dumont und von daher mit der Gattin Dr. Rosenbergers verwandt.  

 

  1. Dez. Schreiben des Bürgermeisters an den Reg.- Präsidenten (MER C48Ii Nr. 782/1).

Als Vorsitzender der Badedirektion bat Richter v. Diest um die Genehmigung der in den Schreiben von Dr. Rosenberger und dem Steinbruchbesitzer P. Kersten gemachten Vorstellungen. Bei einer Ablehnung würde inzwischen veraltete Badeanstalt ganz geschlossen, was in Anbetracht der Kapazität der übrigen Anstalten eine erhebliche Einbuße für das Bad bedeuten würde.

 

  1. Dez. Stadtverordnetensitzung (St.-A. Nr. 226, BLK-A. Nr. 776).

Der Weg vom Bahnhof über die Herrenwiese zur Saale erhielt den Namen Parkstraße. Im vertraulichen Teil wurde beschlossen, für den erneut zur Subhastation stehenden Garten   unterhalb des Kurgartens zu bieten.  Den hatte Heun dem Marchandschen Konsistorium verkauft  und sich einige Rechte gesichert, die er an die Stadt abtreten wollte. Doch die gebotenen 6.600 Mark waren bei der am 6. Januar erfolgten Versteigerung zu wenig und der Garten fiel an den Hauptgläubiger zurück.

 

1887

  1. Jan. Der Regierungspräsident genehmigt den Antrag Kerstens (St.-A).
  2. Kersten durfte auf seinem Grundstücke eine Badeanstalt errichten und einen Soleliefervertrag beschließen. Das Bad sollte der speziellen Aufsicht eines von der Badedirektion zu bestimmenden Arztes unterstellt und nach den neuesten therapeutischen Gesichtspunkten eingerichtet werden. Die  Erwärmung des Badewassers erfolgte über eine Dampfheizung, die Soleleitung zur  Rosenbergerschen Anstalt wurde verlängert und ein Abwasserkanal zur kleinen Promenade  gebaut werden.

 

  1. Jan. Verfügung des Bezirksausschusses zur Erweiterung des Stadtbezirks (NZ Nr. 69).

Dazu zählten 102 bebaute und unbebaute Parzellen, wie die 1875 aus dem Stadtbezirk Naumburg und der Flur Altflemmingen eingemeindeten Grundstücke von der Fränkenauer Hohle über die Ilske, die Saalstraße, die Saalberge bsi zu den Saalhäusern. Außerdem aus dem Gutsbezirk Schulpforte die Grundstücke 98-100 (Am Jochenberg), 82 -91 (Rudelsburgprom.), 79 (Hotel Kurzhals), 138 (Krüger) 2 und 3 (An der Chaussee unterhalb der Wilhelmsburg), weiterhin die 40 (Zehl`sches Badehaus), 9 (Dr. Wahn),10 (Superintendent Möller) und vom ehemalihgen Salinengelände die 16 (Pfarrhaus), 17 (Schuhmacher Fritzsche), 18 (Rentier Zeitzschel), 19 (Zimmerermeister Struve), 20 (Kaufmann Siebold), 21 (Witwe Meißner), 22 (Rentier Heller), 23 (Rentier Hoffmann) 10 (Jacobi),  24 (Kirchengemeinde) und 25 (Dr. Raabe).   

 

  1. Jan. Erster auswärtiger Einsatz der freiwilligen Feuerwehr (NZ 1910).

22 Mann rückten zur Brandbekämpfung eines Schafstalls in  Kukulau aus.

 

  1. Feb. Plan der Solezu- und Ableitung für die Kerstensche Badeanstalt (St.-A. Nr. 212)

 

  1. Feb. Der Knecht W. R. Judersleben wird steckbrieflich gesucht (NZ).

Der hatte sich durch unerlaubte Auswanderung dem Militärdienst entzogen, was durchaus häufig vorkam. Diejenigen, denen man habhaft wurde, wurden hart bestraft.   

 

  1. Mär. Bruno Schmidt pachtet die Bewirtschaftung der Rudelsburg (NZ).

 

  1. Mär. Antrag des Verschönerungsvereins (BLK-A. Nr. 390)

Diesmal beantragte der Verein die Genehmigung, die kleine Promenade an der Fränkenauer Wiese mit schattenspendenden Bäumen zu bepflanzen. Da für die Anschaffung und Pflege Vereinsmittel verwendet wurden, genehmigte man das Vorhaben. 

 

  1. Apr. Holzmesse (NZ).

Nur noch 500 bis 600 Flöße, anstelle des üblichen 1000 bis 1500 Stück wurden hier verkauft, womit die Nachfrage nicht mehr befriedigt werden konnte.

 

  1. Apr. Veranstaltungen zu Ostern (NZ).

Teichgräber warb für den „Kurgarten, Völckel für die „Wilhelmsburg“, Schumann für die „Saalhäuser“, Schleicher für den „Rektorberg“ und Naumann für die „Katze“. Das Grötz‘sche Restaurant (später Gasthof „Zur Post“) hatte einen neuen Pächter, der sich auch nicht lange hielt, denn im ein Jahr später war  A. Waldhausen Pächter. 

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Der Ingenieur Henoch erhielt 100 Mark für seine Voruntersuchungen für eine städtische Wasserversorgung. Mit der Ausführung wurde ein Weißenfelser Ingenieur beauftragt. Zur Unterbindung des Fangs von Wildvögeln wurden 5 Mark Belohnung für die Erfassung von „Nachtigallenfängern“ ausgelobt. Die Polizeiverwaltung wurde angewiesen, die Instandsetzung der kleinen Promenade zu veranlassen, die bei den Bauarbeiten für die Kerstensche Badeanstalt gelitten hatte. 

 

  1. Juni Weber reklamierte die Instandsetzung des Weges hinter der Mälzerei (St.-A. Nr. 360).

 

      Juni  Feierliche  Namensgebung  der  „Friedrichstraße“ (NZ).

Auf dem ehemaligen Schäfereifeld hatte Friedrich Toepfer eine ganze 11 attraktive und gut verkäuflicher Einzel- bzw. Doppelhäuser gebaut, die nun mit Hausnummern versehen zur Friedrichstraße gehörten: Ohm (Nr. 57), Toepfer (Nr. 58), Hohorst (Nr. 59), v. Alvensleben (Nr. 60), Platzer (Nr. 61), Schilling (Nr. 62), Voigt (Nr. 63), Hänsgen (Nr. 64), Axthelm (Nr. 65), Biel (Nr. 66), Enge (Nr. 67), Trauerhalle (Nr. 68).

 

  1. Juli Arbeitsbesuch des Regierungspräsidenten v. Diest (NZ).

Dieser besichtigte die fiskalischen Badeeinrichtungen und drang auf die Verbesserung der Ortshygiene, insbesondere beim Trink- und Abwasser.

 

  1. Juli Einquartierung beim Manöver des 96. Infanterieregiments (NZ).

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766, NZ)

Bewilligt wurden 2.500 Mark für die vom Ingenieur Pfeffer vorgeschlagenen Probebohrungen  nach Trinkwasser auf der  Radinsel. Der Vorschlag Kerstens, die Pumpe mitels Dampfmaschine anzutreiben wurde abgelehnt, da man für die Pumpe die Wasserkunst nutzen wollte.Außerdem sollte Pfeffer prüfen, ob die Quelle am Bahnhof zur Trinkwasserversorgung am linken Saaleufer fassen könnte.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Die Kgl. Regierung sollte sich bei der bahnverwaltung verwenden, dass der Lärm bei der Bahnverladung eingedämmt wird, worüber sich die Gäste der umliegenden Hotels und Pensionen zunehend beschwerten. Außerdem sollte die Jauche- und Dungfuhren der Domänen durch die Stadt am Tag untersagt werden.

 

  1. Sep. Dr. Risse eröffnet sein Arztpraxis in der Villa Viktoria, Lindenstr.15.

 

  1. Sep. Reichspostminister Dr. Heinrich v. Stephan besichtigt die Poststelle (NZ).

Die entsprach in keiner Weise dem Aufkommen vor Ort, weshalb man eine geeignetes Anwesen suchte.

 

  1. Sep. Amtliche Mitteilung zum Auftreten der Reblaus (Weinbaugesellschaft).

Der Schädling, der mit französischen Reben eingeschleppt wurde, hatte zunächst das Gebiet der  Unstrut befallen und breitete sich nun an der Saale  zwischen Jena und Weißenfels aus.  Da alle Bekämpfungsmittel versagten, wurde eine „Reblauskommission“ gebildet, um  wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Beschlossen wurde die Inanspruchnahme des Gerichts, bei der Rückforderung von Unterstützungen aus der Armenkasse für die Emilie Kotte. Die hatte sie bekommen, obwohl ihre Mutter und ihr Onkel der Kohlenhändler Hase in erster Linie zur Unterstützung beizutragen hatten. Außerdem sollte der Magistrat bei der Bahnverwaltung die uneingeschränkte Benutzung der Ladestraße zwischen dem Mühlenweg und dem Bahnhof beantragen. Die Promenade war für den öffentlichen Fahrverkehr außer dem zur Mühle gesperrt. Wer von der Brücke zum Bahnhof und weiter nach lengefeld wollte, musste entweder den Weg über die Fränkenauer Wiese oder  durch die Linden- und Borlachstraße fahren, 

Die Stadtverordneten erklärten außerdem die Annahme des Senffschen Nachlasses. Das Senffsche Anwesen (Lindenstraße Nr. 3) kauften dann die  Geschwister Puttrich, Nachkommen des früheren Floßmeisters, und richteten hier eine kleine Pension ein.  

 

  1. Okt. Postmeister Müller geht nach 40 Dienstjahren in den Ruhestand (NZ).

Sein Nachfolger wurde Postmeister Eckleben.

 

      Okt. Fertigstellung des Kanals von der Saale zum Holzwerk von Graf & Döhler (NTB).

Der begann unterhalb der Fähre am Gasthof „Zur Katze“ war 100 Meter lang und 8 bis 10 Meter breit, so daß ganze Flöße bis in das Betriebsgeläönde bzw zum Anschlußgleis geflößt wurden. Die Promenade nach Lengefeld führte über eine kleine eiserne Brücke.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766)

Bewilligt wurden die Mittel für zwei weitere Bohrungen auf der Radinsel und die Aufnahme von Verhandlungen mit Weber  über den Ankauf  einer Parzelle für den Trinkwasserbrunnen und das Pumpenhäuschen. Im Dezember hatte man eine Quelle erschlossen, die allerdings noch in Jena auf Keime untersucht werden musste.

 

  1. Nov. Gründung des Verbandes Alter Corpsstudenten in München (Archiv VAC).

 

               Bau der Kerstenschen Warmbadeanstalt (MER  C48 Ii Nr.782).

Nach den Plänen Baumeisters Hasse aus Halle wurde die „Alte Kellerei, die 1723 der  Floßmeisters Hartig gebaut hatte, aufgestockt und mit einen Seitenflügel erweitert (bis 1987 Lindenstr.  bzw. Karl-Marx Str. 19b, dann  Borlachstr. 1). Hier wurden die Pensionszimmer eingerichtet. Auf dem noch unbebauten Teil an der Lindenstraße entsstand ein attraktives  Gebäude für die Wannenabteilung und die Gesellschaftsräume (Lindenstr. 19). Dazwischen wurde ein  Park angelegt, der mit einer großzügigen Terrasse bis zur kleinen Promenade reichte. Das Sanatorium besaß die modernsten therapeutischen Einrichtungen, darunter 16 Badezellen  mit 18 Wannen.  Neben zahlreichen therapeutischen Angeboten, bildeten sportliche Ertüchtigung und leibliches Wohl den Rahmen  einer ganzheitlichen Behandlung. Die Anstalt malerisch über der noch unbebauten Fränkenauer Wiese gelegen, bot  Bahnreisenden einen werbewirksamen Anblick. Erster ärztlicher Leiter war der Kommunalarzt Dr. Risse

 

             Jahresbericht der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Der entstammte der Feder vom Ratsschöffen Leuschner und verwies auf 2.138 Kurgäste währenddessen die in der Zeitung veröffentlichte Badeliste 2.253 angab. Darüber hinaus waren auf  1000 Einwohner nur 16 Sterbefälle gekommen, und daher hätte man die geringste Sterblichkeitsrate in Deutschland.

 

1888

 

  1. Jan. Dr. Risse wird kassenarzt der Ortskrankenkasse (NZ 1904).

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Ratsschöffe Oberförster Leuschner informierte, dass der Bürgermeister wegen einer Erkrankung den Dienst quittieren möchte.

 

  1. Jan. Ortstermin mit der Eisenbahngesellschaft (NZ).

Die Bahnverwaltung wollte den Güterbahnhof auf die Fränkenauer Wiese verlegen. Dazu war eine Auffüllung auf das Niveau des Bahndammes erforderlich, um die Rangier- und Anschlussgleise zu verlegen. Der Magistrat widersprach, da man um den Ruf  Bades  fürchtete.

 

  1. Mär. Gründung des „Vereins zur Förderung der Interessen des Bades“ (MER C48Ii 776 VIII).

Zweck des Vereins war die  Hebung des Bades „indem er seine Vorzügen in der Öffentlichkeit volle Anerkennung verschaffen, dagegen seine etwaigen Mißstände im Innern beseitigen suchte“. Die Einwohnerschaft wurde per Flugblatt zur Mitwirkung aufgerufen. Gründungsmitglieder waren u. a. Hämmerling, Kersten, Dr. Risse, Saalborn, Soff, Techow, Törpsch und Weber.

 

  1. Mär. Sitzung der Kommission zur Hebung des Badebetriebes (St.-A. Nr. 226).

Die Herren Müller, Dr. Risse, Weber und Leuschner erklärten, dass neben den aufstrebenden  thüringischen Bäder und Luftkurorte  auch die überalterte Infrastruktur für eine spürbaren Rückgang der Besucher sorgten. Grund waren umfangreiche Investitionen in diesen Orten, überregionale Werbung für ortstypische Heilmittel und intensive Kontakte zu den Ärzten in den Großstädten. Da hier die Grundbesitzverhältnisse verwickelt und  größeren Investitionen im Wege stünden, und Lösungen nur beschränkt möglich waren, sollte zunächst zur Gebäudesteuer erhobenen Abgabe ausschließlich für die Hebung des Bades verwendet werden. Weitere Mittel sollten durch Kürzung der Gehälter und den Ausgaben des Magistrats erzielt und die Arbeiten an Wegen und Promenaden besser überwacht werden. Gefordert wurde die strenge  Kontrolle der Sauberkeit  durch die Orts-Polizei, die regelmäßige Besprengung der Straßen, die Vermeidung von Unterbrechungen der Soleförderung und Gradierung während der Saison, Verbesserung des Straßenbelags, Verstärkung der Badekapelle und Verbesserung des Repertoirs, Gewinnung der Aufmerksamkeit auswärtiger Ärzte und Verbesserung der hygienischen Bedingungen zur Verhinderung von Infektionskrankheiten.

   

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde die Kanalisierung und Pflasterung der Grünen Gasse. Die Hauswirte sollten 15 Mark beitragen und die Einbindung ihrer Abflüsse bezahlen. Dem erkrankten  Bürgermeister wurde eine Pension von 900 Mark bewilligt.

 

  1. Mär. Vertrag zwischen Kurzhals und der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Kurzhals, die Badedirektion, die Eisenbahnverwaltung und der Mühlenbesitzer einigten sich auf eine Umverlegung des Mühlenweges.  Da nun  der Wagenverkehr von und zur Mühle nicht mehr störte, konnte der Platz an der Nordseite des Kurzhalsschen Hotels, wo auch eine Sommerhalle stand, für Konzerte genutzt werden. Am 31. März erfolgte die Veröffentlichung im Amtsblatt.

 

  1. Apr. Konstituierende Versammlung des VAC in München (Handbuch KSCV).

 

  1. Apr. Holzmesse zu Palmarum (NZ).

Wegen ungünstiger Wasserverhältnisse waren nur 200 bis 250 Flöße eingetroffen.  Das Gros  traf erst zur Johannismesse ein.

 

  1. Apr. Zwangsversteigerungstermin des Therkornschen Nachlasses (NZ).

Die Erben des Dürrenberger Schmiedemeisters versteigerten die neben dem Borlachschacht gelegene Salinenschmiede, auch Bergschmiede  genannt  (Rudolf-Breitscheid Str. 8/10) und  einen Weinberg am   „Eulengeschrei“.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, St.-A. Nr. 226/NZ)

Beschlossen wurde die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle für 1.800 Mark Jahresgehalt und 450 Mark für die Badedirektion.

 

  1. Apr. Regulativ zur Brau- und Biersteuer (MER C48 Ih Nr. 920)

Zur Erhöhung der Einnahmen wurde ein Zuschlag von 50 % zur staaliche Biersteuer und ein Zuschlag von 65 Pfg. für jeden Hektoliter auswärtigen Bieres, der im Stadtbezirk ausgeschenkt wurde,festgelegt. Abgabepflichtig waren alle Schankbetriebe sowie die Bierhändler. Im August genehmigte das Innenminsterium die Abgabe.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Man befaßte sich mit dem Antrag des Verschönerungsvereins, am linken Saaleufer vom Hoffmanschen  bis  zum Pönicke`schen Grundstück  einen Promenadenweg anzulegen und den des Vereins zur Förderung der Interessen des Bades, Anschlagsäulen am Marktplatz, an der Kreuzung Neue Straße-Querstraße und an der Saalebrücke neben der unteren Wasserkunst aufzustellen.

 

  1. Mai Schreiben des Magistrats an die Eisenbahnverwaltung (St.-A. Nr. 226)

Badegäste die sich schriftlich bei der Badedirektion anmeldeten, wurden am Bahnhof abgeholt und in die reservierten Quartiere gebracht.  Aber es kamen auch viele auf „Gut Glück“ . Daher warteten auch immer Einwohner, Kutscher und Hausknechte mit Handkarren am Bahnhof auf das Eintreffen eines Zuges, um den Gast ein Quartier anzubieten. Doch dieser Service artete aus, wenn mehr „Schlepper“ am Bahnhof warteten, als Reisende ankamen. Dann entwickelte sich ein regelrechter Kampf um den Gast, der oft als Nötigung empfunden wurde. Um dieser Unsitte ein Ende zu machen, beantragte man bei der Bahnverwaltung die Aufstellung einer Informationstafel mit dem Verzeichnis aller Vermieter, damit sich die Ankommenden selbst ihr Quartier aussuchen könnten. Die Bahnverwaltung genehmigte das, aber das Schlepperunwesen konnte damit nicht unterbunden werden, denn für den Gepäcktransport mußte man sich zwangsläufig auch eines  „Schleppers“ bedienen.

 

  1. Mai Wahl des Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 324)

Zur Wahl standen der Premierleutnant Rudolph, der Oberbürgermeister von Naumburg Gockel und ein Dr. jur Straus aus Aichendorf. Da die letzteren die gleichen Stimmen hatten entschied zwischen ihnen das Los. In der Stichwahl bekam Rudolph 9 Stimmen und Straus 3.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde die Übernahme der von Toepfer angelegten Trinkwasserbrunnen an der Kukulauer und der Friedrichstraße. Von der Kgl. Regierung sollte eine Anordnung erlassen werden, mit der Ökonomen und Domänenpächtern angehalten werden, Jauche, Dünger und andere übelriechenden Stoffen in der Saison nur von Mitternacht bis früh 6 Uhr durch die Stadt zu transportieren.

  

  1. Juli Amtsantritt des Bürgermeisters Albert Rudolph (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Von einem Premierleutnant d. L. (1858 - 1903) erhoffte man sich, dass nach den peinlichen Ereignissen des letzten Jahrzehnts  wieder für Ordnung und Moral gesorgt würde.

 

  1. Juli Spendenaufruf für die Einrichtung eines städtischen Krankenhaus (priv).

Pfarrer Barthold, Bürgermeister Rudolph, die Stadtverordneten Becker, Leuschner, Müller, Dr. Raabe, Siebold, Töpfer und Weber sen. sowie Roßner, Dr. Risse, San.-Rat Dr. Wahn und Weber jun. unterzeichneten den Aufruf.

 

  1. Aug. Inkraftsetzung der Polizeiverordnung zum Betrieb von Abort- und Abfallanlagen (NZ).

 

  1. Aug. Eröffnung der Kinderheilstätte in der Villa Jacobi (Mer C48Ii Nr. 776 VIII).

Im Juli hatte der Vorstand der Kinderheilstätte (Landrat Barth und Gattin, Hauptmann a.d. von Stuckradt, Dr. med Löffler, Frl. v. Gerstenbergk, Frl. Freytag) dem Oberregierungsrat von Bötticher eine Denkschrift übergeben. Darin wurde die Notwendigkeit für eine solche  Einrichtung dargelegt. An „Scrophulose“ erkrankte Kinder sollten vorzugsweise mit Sole geheilt werden. Diese Krankheit, die bei der ärmeren Bevölkerung stark verbreitet war, lastete auch auf den städtischen Armenkassen. Daher war es vom „nationalökonomischen Standpunkt“ geboten, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, um „die Arbeitskraft, die der bürgerlichen Gesellschaft alljährlich durch vernachlässigte Scrophulose verloren geht“ zu erhalten.

Zu diesem Zweck habe man Dank großzügiger Spenden ein „stattliches Haus mit großen, luftigen Räumen  in gesunder Lage“ erworben und zur Aufnahme von 12 Kindern hergerichtet. In der Zeit vom 1. Mai bis 15 September sollten sie in drei Durchgängen für  jeweils 6 Wochen hier unterkommen. Die kostenlose medizinische Betreuung übernahm Dr. Löffler. Betreut wurden die  Kinder von Pflegerinnen. Die Kosten betrugen 60 Mark und wurden für Kinder aus  unbemittelten Familien aus Spenden aufgebracht, bemittelte Eltern zahlten 75 Mark, die vor Kurbeginn bei Frl. v. Gerstenbergk einzuzahlen waren. Aufgenommen wurden Mädchen und Jungen aller Konfessionen zwischen 3 und 14 Jahren, die an  Scrophulose, Rachitis und körperlicher Schwäche litten.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Der Magistrat wurde beauftragt, mit Weber bzw. der Landesschule über den Ankauf einer Parzelle hinter dem Köhlerschen Garten (Borlachstraße 34a) zu verhandeln. Hier sollte der Trinkwasserbrunnen abgeteuft und daneben das Wasserwerk errichtet werden. Demzufolge  hatte man die Probebohrung auf der Radinsel eingestellt, obwohl hier der Pumpenantrieb über das  Gestänge der obere Radkunst möglich gewesen wäre. Inzwischen liefen die ersten Gespräche über einen Umbau der unteren Radkunst zur Stromerzeugung, womit der Standort für die mit Strom betriebenen Pumpen flexibel war. Außerdem erschien die Erschließung von Trinkwasser am linken Saaleufer in Anbetracht der bereits vorhandenen Quelle als erfolgreich und nicht zuletzt bot der Nikolausberg auch die Höhe für einen Sammelbehälter, von wo aus mit natürlichen Druck das gesamt damals bebaute Stadtgebiet versorgt werden konnte. 

 

  1. Sep. Ernennung des Kreiswundarztes Dr. Risse zum Ehrenmitglied der Badedirektion (NZ).

 

  1. Sep. Gründung der Fleisch- und Wurstfabrik der Gebrüder Matthes (NZ).

Nachdem sich der Plan eines städtischen Schlachthauses erledigt hatte, wollten die    Brüder Matthes ihre seit 1809 in der Grünen Gasse (4/5) betrieben Fleischerei durch einen Neubau erweitern.

 

  1. Sep. Pensionierung des 1. Lehrers an der Stadtschule (NZ).

Zeiger war auch der Verfasser des Rudelsburg-Albums, einer Sammlung von Liedern und Gedichten. Nachfolger wurde der bisher in Steigra wirkende Kantor Mönchheimer.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Zur Erfüllung einer ministeriellen Anordnung wurde der Leipziger Apotheker Siebold mit der regelmäßigen  Kontrole der Trinkwasserbrunnen beauftragt. Darüber hinaus wurde eine Kommission berufen (Siebold, Müller, Toepfer, Dr. Risse, Dr. Löffler) die   einen geeigneten Standort für ein städtisches Krankenhaus suchen sollten. Insgesamt standen jetzt 4.297 Mark zur Verfügung, die vom Komitee für den Krankenhausbau gesammelt wurden.

 

  1. Sep. Einweihung des neuen Denkmals für den Herzog von Braunschweig (NZ).

Der bisherige Gedenkstein in der Hassenhausener Flur wurde durch ein vom Zimmermeister Toepfer entworfen gedenkstein ersetzt. Die Ausführung hatte der Maurermeister Werner.

 

            „Die Rudelsburg und der Hohe Kösener“- ein Beitrag in der Zeitschrift „Daheim“ (priv).

 

  1. Sep. Amtliche Bekanntgabe des Regulativs über die Biersteuer (NZ).

Nach langen Hin und Her hatten sich Magistrat und Stadtverordnetenversammlung durchgesetzt. Auf das hier gebraute Bier wurde ein Zuschlag von 50 % der Brausteuer erhoben und jeder Hektoliter hier ausgeschenktes Bier mit 65 Pfg. belegt.

 

  1. Sep. Kostenvoranschlag für die Fußgängerbrücke über die kleine Saale (St.-A. Nr. 360)

Die schäden waren nun so offensichtlich, dass man sich für die vom Maurermeister Werner offerierte Variante 1 aussprach. Der Prokurator genehmigte den Einbau eines Dammes in der kleinen Saale während der Bauzeit für 8 Tage und unbeschadet etwaiger Ansprüche der Müller in Pforte und Almrich.  Allerdings wurde das Vorhaben erneut zurückgestellt.

 

  1. Sep. Bereinigung des Therkornschen Grundstücks (St.-A. Nr. 360)

Michael Therkorn, der Besitzer der ehemalige Salinenschmiede (R.-Breitscheid Str. 10), hatte  1884 den Platz vor dem Solschacht von der Landesschule erworben. Nun verlangte er die Beseitigung der auf der Grenze stehenden Linde, der zum Schacht gehörenden Schuppen und Ställe, die Verlegung der Röhrenfahrt die über sein Grundstück führte  und letztlich die Begradigung der Grenzen. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewillligt wurde eine Lohnerhöhung für die Laternenanzünder (Nachtwächter). Pro Lampe wurden nun 2,50 Mark anstelle  von 1,50 Mark gezahlt. Beschlossen wurde der Ankauf des Anwesens des Posthilfsboten Dagobert Kamprad (Burgstraße 14) für 16.800 Mark und die Herrichtung als  Kranken- und Siechenanstalt.  Kamprad baute dann das Hausgrundstück Eckartsbergaer Straße 10.

 

  1. Okt. Aufstellung der Wahlmänner zu den Landtagswahlen (NZ).

In den Urwahlbezirken kandidierten in der II. Klasse Zimmermeister Töpfer, Sattlermeister Sträuber, und Oberförster a. D. Leuschner, in der II. Klasse Rentier Heun, Kaufmann F. A. Koch und Dr. Rabe und in der I. Klasse Postmeister a. D. Müller, Hotelier Kurzhals und Direktor a. D. v. Stuckradt.  

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Nachdem die Stadtgemeinde der Kirchengemeinde den Schulplatz für den Bau einer Kirche unter der Maßgabe der Überlassung eines geeigneten Platzes für den Bau der neuen Schule offeriert hatte und die Kirchengemeinde beschloss, den alten Friedhof herzugeben, stimmten 7 Stadtverordnete für diesen Plan. Als Nachfolger für Dittmann, der in Pension ging, wurde Törpsch zum Kämmerer und Sparkassenrendant  ernannt.

 

  1. Dez. Der Kaufmann Albert Saalborn übernimmt das Geschäft J. G. Lehmann Nachf. (NZ).

 

  1. Dez. C. Pagels pachtet die Restauration der „Kaiser Wilhelmsburg“ (NZ).

 

               Max Liebermanns Gemälde  „Gedächtnisfeier für Kaiser Friedrich in Kösen“.

Die Anregung dazu entsprang dem  Trauergottesdienst für Friedrich III. in der Buchenhalle.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324).

Mit einigen Verbesserungen wurde der Plan für den Neubau der Schule angenommen. Das  Angebot der Landesfeuersozietät für die städtische Wasserleitung 2000 Mark beizusteuern, wenn die Einrichtung von Hydranten berücksichtigt wird war dann Anlass das Projekt eines städtischen Wasserwerkes wieder aufzunehmen, nachdem die bisherigen Versuche ergebnislos blieben, die Kosten für den Neubau von Brunnen in den Straßen sowie deren Unterhaltung immer weiter stiegen und die hygieneische Situation des Bades alles andere als zuträglich war.

 

             Jahresbericht der Badedirektion (MER  C48 Ii Nr. 776 VIII).

Die Anzahl der Kurgäste betrug 2.253. Insgesamt wurden  21.223 Sole-, 2.065 Wasser -, 354 elektrische und 1.422 Wellenbäder verabreicht.

 

1889

 

  1. Jan. Memorial von Direktor P. Kersten (St.-A.)

Die Stadt sollte fiskalischen Badeeinrichtungen und die Solequelle übernehmen und die  Genehmigung zur Salzherstellung beantragen. Aus dem Verkauf könnte man die dringend notwendigen Mittel für die Verbesserung des Bades erhalten.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Zur ersten Sitzung des Jahres wurden die neuen Stadtverordneten eingeführt und die städtischen Kommissionen besetzt. Anwesend waren die Ratsschöffen Leuschner und Siebold, sowie Sträuber, Wolf, Matthes, Kersten, Weber jun. Krüger und Dr. Raabe. Es fehlten Kurzhals, Müller und Toepfer.

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (St.-A. Nr. 226, BLK-A. Nr. 324).

Genehmigt wurde die Aufnahme einer Anleihe von 55.000 Mark für den Neubau der Schule, der  Antrag Kerstens auf Übernahme des Bades mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

 

  1. Feb. Beschwerde des Gastwirts Weber (St.-A. Nr. 226)

Verschiedene Hauswirte vermieteten nicht nur an Badegäste, sondern verköstigten sie auch. Allerdings ohne Konzession und ohne steuerliche Berücksichtigung. Außerdem waren sie eine unliebsame Konkurrenz für die Gastwirte. Weber forderte die Unterbindung  „im Interesse der Gewerbesteuereinnahme der Stadt“.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 222, St.-A. Nr. 342, Röblitz 1930).

Beschlossen wurde der Umbau der unteren Wasserkunst für die städtische Stromversorgung. Dafür war eine  Anleihe von 28.000 Mark erforderlich. Doch zunächst sollte eine Kommission (Siebold, Toepfer, Kersten, Weber, Rudolph) über die  Überlassung der unteren Wasserkunst mit der Badedirektion verhandeln. Neben der Installation einer elektrischen Straßenbeleuchtung hatten auch Privatleute und Unternehmen ihr Interesse an einem Anschluss bekundet, womit die  Auslastung und die Refinanzierung gewährleistet wurde. Den Auftrag für die Elektroinstallation erhielt die Fa. Wacker & Schuckert, Nürnberg, den Umbau der Wasserkunst der  Mühlenbaumeister Grunert zu Jena.

 

      Mär. Gründung des „jüngeren“ Kriegervereins „Kronprinz Friedrich Wilhelm“.

 

  1. Apr. Vertrag zur Überlassung der unteren Radkunst (St.-A. Nr. 4, BLK-A. Nr. 222).

Der Vertrag galt für 10 Jahre und wurde am 29. April vom Regierungspräsidenten genehmigt. Dagegen protestierte die Landesschule, die sich übergangen fühlte und befürchtete, dass der kleinen Saale zuviel Wasser entzogen und das Gerinne trocken fallen würde.

 

  1. Apr.Soleliefervertrag mit der Kinderheilstätte (MER C48II 766 VIII).

Die Badedirektion wurde angewiesen, für die hier eingerichteten Wannen die Badesole unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Im laufenden Jahr waren drei Durchgänge mit  jeweils 24 Kinder geplant. Durch die Einrichtung eines Anbaus die „Berliner Ferienkolonie“ waren es dann rund 200 Kinder in der Saison (St.-A. Nr. 284).

 

  1. Apr. Beschluss zum Ankauf der kleinen Promenade (BLK-A. Nr. 669, 324, St.-A. 163).

1868 hatte die Stadt die „kleine Promenade“ entlang der Fränkenauer Wiese gepachtet und hergerichtet. Da die Zeitpacht der Fränkenauer Domäne endete und eine neuverpachtung bevorstand, war der Zeitpunkt günstig die Promenade der Landesschule abzukaufen. Da die Stadtkasse leer war, sollte die Badedirektion als Käufer auftreten. Am 12. Juli erteilte die Kgl. Regierung die genehmigung.

 

  1. Mai Angebot der Fa. Ludwig Juncker & Co-Mechanische Werkstätten (St.-A. Nr. 360)

Die in Rheydt ansässige Firma bot der Stadt eine Brücke an, die die Fa. Rühmann & Törpsch aus Leipzig gebaut hatte und die bisher über die Bergisch-Märkische Eisenbahn führte. Da hier ein weiteres Gleis verlegt wurde, musste die Brücke weichen. Verlangt wurden 1.800 Mark dazu kamen die Kosten für die Demontage und den Transport. 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Therese Berbig wurde in Anbetracht ihrer testamentarischen Verfügung weiterhin mit 3,50 Mark zur Klassensteuer veranlagt, der übrige betrag ging zu Lasten der Kämmereikasse.

 

  1. Juli Eröffnung des Inhalatoriums im Kurpark (Hinsche, Heimatbuch, St.-A. 278).

Für die Bequemlichkeit für die Gäste und zur Verbesserung der Attraktivität des Bades hatte man die Kgl. Regierung davon überzeugen können, die Mittel für eine derartige Einrichtung zu bewilligen. Der eingeschossige Fachwerkbau hatte einen Lese- und Liegeraum und das eigentlichen Inhalatorium. Die Sole kam vom Borlachschacht, wo auf Empfehlung des Bergmeisters Fürer zwei eiserne Saug-Druckpumpen auf der 2. Fahrt eingebaut wurden, die die die Sole direkt in die Behälter auf dem Oberdeck des Gradierwerks förderten. Um diesen Höhenunterschied zu überwinden wurden die restlichen Pumpensätze demontiert, damit das  Gestänge vollkommen ausgenutzt werden konnte. Der Höhenunterschied zwischen dem Gradierwerk und den Vernebelungsdüsen im Inhalatorium gewährten einen natürlichen Druck von fast 50 mWS. Die Leitung war 300 Meter lang und und ging durch die Saale. Die Solevernebelung erfolgte über eine Fontäne, hergestellt von der Charlottenburger Fa. Ernst March und Söhne. Die bestand aus einem  auf Säulen ruhenden Becken von 2,4 Metern Durchmesser. In dessen Mitte erhob sich eine Säule mit Najaden und Löwenköpfen, aus deren Mäulern ein feiner Solestrahl in das Becken lief. Im Kapitell, das die Form einer flachen Schale hatte, waren  die Vernebelungsdüsen installiert. Gekrönt wurde das ganze von einem Triton, dessen Mundstück die Fontäne erzeugte. Die Düsen lieferte die Firma Gebr. Körting, Hannover, wie aus dem regen Schriftverkehr mit der Badedirektion hervorgeht. Das übrige Mobiliar lieferten die Gebr. Thonet aus Wien. Die Baukosten betrugen rund 20.000 Mark.

Für die Betreuung wurde eine Badefrau mit einem Jahresgehalt von 75 Mark eingestellt.

Gleichzeitig wurde eine 142 Meter lange Wandelhalle am Gradierwerk in Betrieb genommen und eine  ansprechende Werbeschrift „Königliches Soolbad Kösen in Thüringen“ (MER C48Ii Nr. 776 VIII) veröffentlicht.

 

  1. Juli Inbetriebnahme des Elektrizitätswerks (Röblitz, Heimatbuch).

Nur sechs Monate waren seit Beschlussfassung vergangen und anstelle des alten Staberrades hatte der Mühlenbaumeister ein Rad Bauart „Zuppinger“ eingerichtet.. Die gebogenen Speichen mit einer vollflächigen Beplankung gewährten die optimale Ausnutzung des Aufschlagwassers. An die Welle war über ein Vorgelege eine Gleichstrom-Generator angeschlossen. Mit der Inbetriebnahme der Freileitungen wurden 400 private und 105 öffentliche Brennstellen angeschlossen, darunter die Straßenbeleuchtung, übrigens die zweite deutsche Stadt die diese mit elektrischem Strom aus Wasserkraft betrieb. Allerdings war die gesamte Anlage äußerst störanfällig, denn der wechselnde Wasserstand, Eisgang und starker Frost sowie häufige Defekte führten zu ständigen Unterbrechungen.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Im vertraulichen Teil wurde beschlossen, die Begräbniskosten für den verstorbenen Ratsschöffen, Oberförster a. D. Leuschner von der Kämmereikasse zu übernehmen und Dr. Wahn die ärztliche Betreuung des städtischen Krankenhauses anzutragen.

 

  1. Aug. Kersten verkauft die Badeanstalt an Dr. Carl Schütze (Festschrift 125 J. Kalkwerk).

Schütze (geb. 1861 in Gelsenkirchen), hatte nach seiner Promotion als Schiffsarzt angeheuert, was ihn um die halbe Welt führte. Wie er hierher kam, ist nicht näher bekannt, möglicherweise suchte P. Kersten per Inserat einen tüchtigen Anstaltsleiter. Schütze übernahm zunächst die ärztliche Leitung von Dr. Risse, und kaufte schließlich das Bad. Die Badedirektion genehmigte die Übertragung des Soleliefervertrages am 11. Juli und am 30. Juli nahm Dr. Schütze den Vertrag an. Schütze nannte die Wasserheilanstalt „Borlachbad“, nach dem einstigen Besitzer des Anwesens, dem Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen  Bergrat Johann Gottfried Borlach.

 

  1. Sep. Wahl des Ratsschöffen Krüger in die Badedirektion.

Diese bestand nun aus 8 Mitgliedern, Bürgermeister Rudolph (Vorsitzender), San.-Rat Dr. Wahn (Badearzt), Dr. Rosenberger, Dr. Risse, Dr. Löffler,  v. Stuckradt und dem Ratsschöffen Siebold.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Die Kirchengemeinde und der Magistrat hatten inzwischen die Verhandlungen zum  Tausch des alten Friedhofes gegen das Schulgebäude aufgenommen. Das Ergebnis wurde den Stadtverordneten zur Entscheidung vorgelegt. Doch die erklärten: „In Anbetracht, daß die Ausführung der elektrischen Beleuchtung den Erwartungen der Stadt nicht entsprochen hat und nicht abzusehen ist, wie weit die Stadt hierdurch noch belastet  wird, halten wir unterzeichnende Vertreter der Stadt es für angezeigt, sowohl den vorliegenden Vertrag als auch jede weitere Mehrbelastung der Stadt vor der Hand zu weisen. Die Verhandlungen zwischen der Stadt- und der Kirchengemeinde wegen Austauschs der zum Bau der neuen Kirche und Schule bestimmten Bauplätze sollen daher bis auf Weiteres ausgesetzt werden.“ Hintergrund dieser Entscheidung waren nicht nur die exorbitanten Kosten (28.000 Mark bewilligt und 85.000 Mark Kosten nach Röblitz 1930 ?) sondern auch die häufigen Störungen.

Genehmigt wurden dann die Einstellung des Schornsteinfeger Popp als Nachtwächter und Hausmann für das Krankenhaus.

 

  1. Sep. Fahnenweihe des Kriegervereins „ Kronprinz Friedrich Wilhelm“.

 

  1. Sep. Vorstandswahl bei der Feuerwehr (NZ 1910).

Paul Kersten war wegen Differenzen mit seinem Vize, dem Malermeister Leschke zurückgetreten. Der wurde nun zum Kommandeur gewählt, E. Reichenbach zum Vize und  G. Noack zum Spritzenmeister.

 

  1. Okt. Mitgliederversammlung des Thüringer Bäderverbandes (in MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Als Vertreter der Kgl. Regierung nahm der Oberregierungsrat v. Bötticher teil. Die Badedirektion sorgte dafür „den Aufenthalt in Kösen auf das Angenehmste zu gestalten“  und hoffte „daß diese in jeder Hinsicht einen günstigen Eindruck gewonnen haben.“

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde nun doch der Bau Grundstückstausch mit der Kirchengemeinde. Damit war der Weg frei für den Neubau der Schule auf dem alten Gottesacker. Im Schulgebäude sollte auch die städtische Verwaltung (Polizei, Sparkasse) unterkommen. Der Bau sollte 1890 beginnen, vorausgesetzt, das Kgl. Konsistorium würde dem Bau der Kirche auf dem alten  Schulplatz zustimmen. Damit würde der unwürdige Zustand im  ehemaligen Zimmererschuppen der Saline   enden.

 

  1. Okt. Jahresbericht des Badearztes Dr. Wahn (MER C48 Ii Nr. 776 VIII).

Neben dem Inhalatorium waren am Gradierwerk Durchgänge eingerichtet, derWandelgang verbreitert, eine bequemen Treppe angelegt und Umkleiderkabinen eingerichtet. Im Borlachsschacht wurden eiserne Steigröhren anstelle der hölzernen installiert, das obere Kunstrad und das Gestänge instand gesetzt und die hölzerne Röhrenfahrt zum Wellenbad durch Glasröhren ersetzt. Die Johannisquelle hatte nun einen „geschmackvollen eisernen Überbau“, mit Glasdach, welches aber vor mutwilliger Beschädigung mit einer Bretterverschalung geschützt werden mußte umd im Park stand eine „Wettersäule“. Dafür hatte die Badedirektion mit  Genehmigung der Kgl. Regierung eine Anleihe aufgenommen.

2.275 Badegäste wurden registriert, davon 1.637 Preußen und 80 Ausländer darunter 25 Russen .

 

  1. Okt. Kahlschlag der Weinberge an Saale und Unstrut (Weinbaugesellschaft).

Die von der „Reblauskommission“ ergriffenen Maßnahmen waren zwar wirksam verbunden mit verheerenden Folgen, da man den Schädling mit Petroleum und Kohlenwasserstoff bekämpfte. Danach war der Boden völlig verseucht und nach drei Jahren zeigte sich erstes Grün und erst nach 8 Jahren hatte sich der Boden von selbst gereinigt, so dass eine landwirtschaftliche Nutzung wieder möglich war.

 

  1. Nov. Einstellung einer Aufwartefrau für das Inhalatorium (MER C48Ii.).

Es hatte sich gezeigt, dass hier eine Aufsicht nötig war, gleichzeitig war es ein Versuch,  das Inhalatorium ganzjährig zu öffnen.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurde der Ankauf des Mobiliars der bisherigen Ortskrankenstube für das neue Krankenhaus. Informiert wurde über sie Klage des Mühlenbaumeister wegen offener Rechnungen, die der Magistrat wegen der Mängel an der unteren Wasserkunst nicht angewiesen hatte.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Abgelehnt wurde der Antrag von Weber, Kersten, Matthes, Wolf, Sträuber und Dittmann, das gebrochene Wasserrad nicht zu reparieren und  erst das Urteil des Schiedsgerichts abzuwarten. Die Mehrheit beschloss eine Notreparatur auf Kosten der Kämmereikasse.

 

              Teichgräber verkauft den Garten unterhalb des Kurgartens an Paul Kersten (KÖZ).

Die Stadt kam hier nicht zum Zuge. Allerdings musste Kersten Teichgräber ein Wegerecht einräumen, damit die Gäste auf  direkten Wege von der Querstraße zum Kurgarten gelangten.

Im Garten baute Kersten dann sein Wohnhaus (Schmettaustr. 14). Kurz danach verkaufte der bereits hochbetagte Teichgräber auch den  Kurgarten an O. Melzer aus Gera. 

 

1890

  1. Jan. Todestag von Thekla Auguste von Pflugk geb. von Zedtwitz (Sterbereg.)

Sie var mit dem Oberleutnants Fritz v. Pflugk, geb. 1810 in Udersleben verheiratet und  Schwester des Oberst Bruno v. Zedtwitz, ehemaliger Stadtverordneter und Mitglied der Badedirektion .

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde der Bau eines Trinkwasserbrunnens in der Lindenstraße. Von den Anwohnern wurden 500 Mark erwartet, die Stadt gab 350 Mark, dazu kam die Spende Rosenbergers. Beschlossen wurde die Pflasterung der Gosse im südlichen (oberen) Bereich der Lindenstraße wozu ein Teil des Gehweges am Borlachbad für die Verbreiterung der Fahrbahn gebraucht wurde, dafür auf der Hangseite ein neuer Gehsteig angelegt wurde. Dann lehnte die Versammlung die Errichtung von zwei Kalkbrennöfen im Kalkwerk ab. Das gehörte zwar zur Lengefelder Flur unddamit nicht im stadtoischen Porlizeibezirk, aber wegen der zu erwartenden Beeinträchtigungen des Bades sollte der Magistrat beim Landrat bzw. dem Bezirksausschuss Einspruch erheben. Dafür waren Krüger, Siebold, Eckleben, Müller, Toepfer, Dittmann und Weber, dagegen das Kerstensche Klientel Sträuber, Wolf und Matthes.  

 

  1. Feb. Soleliefervertrag mit dem Borlachbad (St.-A).

Für 15 große und 3 Kinderwannen betrug die Jahrespauschale 375 Mark, dazu weitere 10 Pfg. von jedem abgegebenen Erwachsenenbad und 5 Pfg. vom Kinderbad. Außerdem waren  Freibäder an Ortsarme abzugeben, wofür die Badekasse 50 Pfg. zahlte, wobei diese die Summe von 150 Mark übersteigen durfte.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Die Bahnverwaltung hatte die öffentliche Nutzung der Ladestraße zwischen der Bahn und der Promenade genehmigt und die Stadt übernahm die Unterhaltung vom Tunnel bis zum Bahnhof. Außerdem beabsichtigte die Bahnverwaltung die Beseitigung des Schrankenübergangs an der Grünen Gasse (Station 52,0+80) und Anlegung eines befestigten Fahrweges von der Borlachstraße bis zum Schrankenübergang an der Rudelsburgpromenade (Station 52,8+80)

 

  1. Mär. Bauantrag der Brüder Matthes für die „Wurstfabrik“ (St.-A.)

Gegenüber ihres Anwesens hatten sie vom Gastwirt Weber einen Bauplatz neben dem Mausaflutgraben erworben. Zur Fabrikanlage mit ihren U-förmigen Grundriß gehörten ein  Schlachthaus, Kühl- und Räucheranlagen, eine Dampfkesselanlage, Lager und Wagenremisen. Abgeschlossen wurde das Fabrikgelände mit einem  viergeschossiges Wohngebäude mit einer dekorativen Fassade für die Verwaltung und die Wohnungen der Inhaber. Im Hof wurde ein  Brunnen angelegt. Das Abwasser sollte in den Kanal von der Burgstraße geleitet werden, allerdings mündete der im offenen Mausaflutkanal, denn die Kanalisierung der Grünen Gasse bis zur kleinen Promenade stand noch aus. Nicht nur die Abwässer, sondern auch die üblichen Geruchsbelästigungen, der Schornsteinqualm und nicht zuletzt das Verkehrsaufkommen von und zur Fabrik sorgten für erhebliche Beeinträchtigungen und schreckten Badegäste ab, sich in der Nähe eine Wunterkunft zu mieten.

 

  1. Mär. Vertrag mit Musikdirektor Fischenbeck (St.-A. Nr. 348)

Kapellmeister Schirow hatte sein Amt nach 12jährigen Dienst niedergelegt. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger war schwierig. Nachdem der Musikdirektor  H. Th. Henning  aus Nordhausen aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt hatte, wurde der Vertrag mit dem Köthener Musikdirektor geschlossen. Die Anzahl der Konzerte wurde belassen, das Jahreshonorar betrug 2.000 Mark für 18 Musiker.  

 

  1. Mär. Genehmigung für den Einbau neuer Dampfkessel im Wilhelmsbad (St.-A. Nr. 241).

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, 792)

Diejenigen, die sich an das städtische E-Werk anschließen wollten, sollten bis zum 31. März  die Hälfte der vereinbarten Jahrespauschale bezahlen. Bewilligt wurde die Aufnahme einer Anleihe von 6.000 Mark für den chausseemäßigen Ausbau der Lindenstraße auf 400 Metern Länghe von der Bahnunterführung bis zur  Borlachstraße. 

 

  1. Apr. Sitzung der Badedirektion (BLK-A. Nr. 669).

Nachdem von der Königlichen Regierung der Badedirektion den Ankauf der kleinen Promenade untersagt hatte und die Stadt trotz leerer Kasse bereit war zu kaufen, bot die Badedirektion den Verbindungsweg von der kleinen Promenade zur Lindenstraße zum Kauf an.

 

     Apr. Verkauf des Geländes vom unteren Solschacht.

Nach dem Abbruch des Schachtes gehörte der Platz der Landesschule , die ihn nun dem Gastwirt Weber verkaufte. Damit war der Weg frei für eine bequeme Zufahrt dirket  bis zum Eingang des Gasthofs. Den Gasthof und das Logierhaus trennte aber immer noch die alte Gestängerösche.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324).

Für den Kauf der kleinen Promenade wurden 496 Mark und für den Verbindungsweg 1.000 Mark bewilligt.

 

  1. Mai Einweihung des Obelisken zum Gedenken an Kaiser Wilhelm I. (Handbuch KSCV).

Das „Zentralkomitee des VAC“ hatte den Bildhauer Ernst Paul aus Dresden damit beauftragt.

 

  1. Mai Antrag der Berliner Beamten Vereinigung (MER C48Ii 776VIII).

Die von ihnen beantragte Ermäßigung der Kurtaxe für ihre Mitglieder, wurde umgehend genehmigt, woraufhin auch der preußische Beamtenverein eine Ermäßigung beantragte.

 

  1. Juni Grundstücksverkauf (MER 48Ii 776VIII).

Die Stadt kaufte der Badedirektion den Verbindungsweg zwischen der Lindenstraße und der Fränkenauer Wiese neben der Apotheke ab.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde die Eingemeindung der  Matthessche Wurtsfabrik.

 

  1. Juni Todestag von Constanze von Nicolovius (Todesregister)

Die Witwe des Geh. Justizrates Heinrich von Nicolovius, geboren 1809 in Königsberg war die Schwiegertochter von Georg Heinrich Nicolovius (1767-1839) ein bekannter preußischer Beamte für Schul- und Kirchenangelegenheiten.

 

  1. Juni Antrag des Musikdirektors an die Badedirektion (St.-A. Nr. 348)

Schon nach kurzer Zeit, stellte Fischenbeck fest, dass die in Aussicht gestellten Einnahmen ausblieben und die Pauschale nicht aussreichte, um die Musiker zu entlohnen. Er beantragte 1000 Mark Zuschuss, die Badedirektion lehnte ab.

 

  1. Juni Konzession für den Zigarrenfabrikanten Hecklau (MER C48Ii 776VIII).

Der durfte neben der Brücke einen Verkaufsstand einrichten.

 

  1. Juni Pachtvertrag mit dem Gastwirt Weber (dto).

Die Stadt verpachtete ihm die Gestängerösche. .Nach der Auffüllung des Heländes baute Weber einen Wintergarten der den Gasthof mit dem Logierhaus verband.

 

  1. Juli Schreiben des Magistrats an den Kapellmeister Fischerbeck (St.-A. Nr. 226).

In Anbetracht der geringen Besucherfrequenz schlug Kersten vor, die vom Kapellmeister Fischerbeck beantragten 1000 Mark aus der Stadtkasse zu nehmen, unter der Maßgabe, dass die Kapelle einige Konzerte gibt, bei denen die Einwohner keinen Eintritt bezahlen sollten. Dafür  sollten die Gastwirte 15 Pfg. je ausgeschenkten Liter  und 25 Pfg. bei Sekt an die Stadtkasse abführen. Dagegen protestierten die Gastwirte Andrae, Kurzhals, Kleinschmidt, Schleicher, Haun, Hämmerling Völkel, Melzer und Kettner und der Magistrat bewilligte eine einmalige  Unterstützung mit 300 Mark und Fischerbeck wollte zwei eintrittsfreie Konzert geben.

 

  1. Sep. Schlußrechnung über die Pflasterarbeiten in der Lindenstraße (BLK-A. Nr. 792)

Nach der Abnahme  durch den Chausseeaufseher berechnete der Bauunternehmer Große aus Breitenworbis nach Aufmaß zum Einheitspreis insgesamt 6.565 Mark. Davon wurden als Sicherheit 300 Mark einbehalten.

 

  1. Sep. Mitteilung des Musikdirektors Fischenbeck (St.-A. Nr. 348)

Inzwischen hatten 7 Musiker die Badekapelle verlassenund die letzten Konzerte fielen aus.  Dennoch erfolgte mit Fischenbeck bei fast unveränderten Konditionen eine Vertragsverlängerung bis 1894. 

 

  1. Okt. Kaufvertrag über die kleine Promenade (BLK-A. Nr. 669)

Für den unbefestigten Weg und einen Abzugsgraben erhielt die Landesschule 500 Mark. Den Abzugsgraben hatte Kersten im Zusammenhang mit dem Bau des Borlachbades verrohrt und den Anliegern der Lindenstraße gestattet, sich ebenfalls anzuschließen. Am 10. Nov. genehmigte das Provinzialschulkollegium den Vertrag.

 

     Okt. Jahresbericht der Kinderheilstätte (St.-A.)

Behandelt wurden 56 Kinder die an „Skrophulose“, Augen- und Ohren-, Gelenk- und Knochenerkrankungen, sowie Blutarmut litten.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurden 13.000 Mark für die Anschaffung von Akkumulatoren und  Batterien für das E-Werk, die bei Ausfall des Rades der Notstromversorgung dienten sowie weiteren 10.000 Mark für die beim Schulneubau angefallenen Mehrkosten, die Pflasterung des Gehwegs und Einbindung des Kanals in der Burgstraße.

 

  1. Nov. Eine Hochwasserflut zerstört die Brücke (St.-A Nr. 286, Zeitzeugenberichte).

Nach heftigen Regenfällen am Mittellauf von Saale und Ilm stieg das Wasser  innerhalb weniger Stunden um mehrere Meter. Die Flutwelle, für die Experten 1.300 m³/sek. errechneten,  riss   alles mit sich, darunter rund 100 oberhalb des Wehrdammes liegende Bauholzflöße und einige hundert Ölfässer. Diese stauten sich vor Brücke und erzeugten einen gewaltigen Druck. Zuerst brachen die erst 1885 aufgeführten Eispfeiler, gegen Mittag stürzten die übrigen Pfeiler und Bogen in sich zusammen. Durch die Fluten wurden mehrere Wohnhäuser in der Saalstraße von Grund auf zerstört. Die Mühle, die über 4 Meter im Wasser stand, sowie das Holzwerk und die Gärtnerei Möller erlitten erhebliche Schäden. 16 mit Steinen beladene Bahnwaggons, die im Kalkwerk zum Versand bereit standen, wurden zum Schutz der Pfeiler der Eisenbahnbrücke eingebaut. Wie durch ein Wunder waren keine Menschenleben zu beklagen. Fast unversehrt  blieben aber auch das Inhalatorium und der Kurpark obwohl dieser völlig  überflutet wurde. 19 Gebäude die meisten davon in der in der Saalstraße waren eingestürzt, 40 Familien obdachlos. Schlimmer traf es Lengefeld. Hier hatte es 15 der 54 Wohngebäude getroffen, 68 Familien hatten keine Wohnung. Noch am gleichen Tag trafen  der Regierungspräsident v. Diest und der Landrat ein und leitetet die ersten Hilfsmaßnahmen.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde die Kostenübernahme für alle Aufräumungsarbeiten nach dem Hochwasser  und 250 Mark für den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr 

 

  1. Dez. Bau einer Schiffsbrücke (Hinsche. Heimatbuch 1930)

Eine Woche lang war der Verkehr zwischen den Stadtteilen unterbrochen, Fußgänger durften die Bahnbrücke benutzen, Verstorbene vom linken Ufer wurden in Eisenbahnwagen auf die andere Seite gebracht. Pioniere aus Magdeburg bauten trotz Schneetreibens und starker Kälte innerhalb von 12 Stunden  eine 250 Fuß (77,5 m) lange Pontonbrücke, die sich auch bei stärksten Wagenverkehr bewährte.

 

  1. Dez. Bau einer hölzernen Notbrücke (Hinsche Heimatbuch 1930).

Unter Leitung des Baurates Boe aus Naumburg begann der Schiffsbaumeister Röttig aus Nebra mit dem Bau der Notbrücke. Zur Betreuung der Schiffsbrücke wurde gleichzeitig eine Einheit von Pionieren ins Winterquartier gelegt. Die Brücke blieb bis zur Einweihung der neuen Steinbrücke.

 

              Einrichtung eines „Dampf-Steinsägewerks“ (Festschrift, KÖZ 1925).

Paul Kersten hatte einen auf Ponton montierten Dampfbagger angeschafft, der Kies aus der Saale für die Kgl. Bahnverwaltung förderte. Die Vertiefung des Flußbettes schütze die Fundamente der Futtermauer vor Unterspälung und war dann schließlich die Voraussetzung für den Bootsverkehr zur Rudelsburg. Da man im Steinbruch inzwischen Schaumkalkbänke freigelegt hatte, die sich als Fassadenverkleidung eigneten, erwarb Kersten eine Dampfsäge. Diese Natursteinplatten zierten dann eine ganze Reihe von Gebäuden wie die Lutherkirche, die Stadtschule, die Berbigsche Kinderbewahranstalt, die Kerstensche Villa, aber auch Kirchen  in Magdeburg, Beichlingen, Vieselbach und Roßla. Die Technik wurde 1894 auf der Gewerbeausstellung in Erfurt ausgezeichnet.

 

              Personenstandaufnahme (NZ)

Die Stadt hatte 2.521 Einwohner, davon waren 2.453 evangelisch, 67 katholisch und einer Jude.

 

1891

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Der neu einzustellene Hausmanns für das städtischen Krankenhaus sollte anstelle eines Gehalts,  mietfrei wohnen und den Garten zu nutzen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

In Anbetracht leerer Kassen musste eine weitere Anleihe aufgenommenn werden. 10.000 Mark Mehrkosten   beim Schulbau, 23.000 Mark Akkumulatoren-Batterien, 7.000 Mark Erwerb der kleinen Promenade und Pflasterung der Lindenstraße, 10.000 Mark Beseitigung des Hochwasserschäden summierten sich auf 50.000 Mark., wozu allerdings noch die Genehmigung der Aufsichtsbehörde ausstand.

Beigelegt wurde auch ein Streit mit dem Bürgermeister. Dem gehörte das Grundstück  Borlachstraße  (Nr. 44) über das der Flutgraben von der Mausa zur Kaskade führte. Rudolph hatte hier ohne Genehmigung seine Hausentwässerung angeschlossen. Als gegenleistung bot er an, den Teil des über sein Grundstück führenden Grabens zu unterhalten.

 

  1. Feb. Angebote für den Neubau der Holzbrücke am Wellenbad (St.-A. Nr. 360).

Den 1871 gebauten Übergang hatte das Hochwasser ebenfalls zerstört.  Toepfer und Werner gaben hierzu ihre Angebote ab.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurden Mehrkosten von 6.000 Mark für die Verblendung der Schule mit Kalksteinplatten. Festgelegt wurde die Bauflucht in der Saalstraße und den Anwohnern die für die Anlage des Fußweges einen Teil ihres Grundstücks abgegeben mussten 2 Mark Entschädigung für den Meter bewilligt und weil diese durch das Hochwassser schon erg geschädigt waren, die Kostenumlage am Fußweg erlassen. Der Diakonissin wurde die Miete für die Wohnung im städtischen Krankenhaus erlassen und eine Polizeivorschrift zum Mitführen von  Hunden in öffentlichen Lokalen genehmigt.

 

  1. Apr. Umbindung der Soletransportleitungen der Badeanstalten.

Vom Einsturz der Brücke waren auch die Soleleitungen von Dr. Löffler und Dr. Schütze betroffen. Daher beantragten sie, sich an die Leitung vom Gradierwerk zum Inhalatorium anzuschließen, zumal hier auch der Druck wesentlich besser war.

 

  1. Apr. Ehrung der Feuerwehr für den Einsatz beim Jahrhunderthochwasser (NZ 1910).

Dem Korps erhielt von der Kgl. Regierung 200 Mark zur Ersatzbeschaffung von Ausrüstungsteilen und weitere 300 Mark für die Anschaffung einheitlicher Uniformen. Der Zulauf zur Feuerwehr nahm zu, Förderer wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.

 

     Mai    Gründung der Diakonissenstation (Heimatbuch 1930)

Initiatorin war das Freifräulein Jenny v. Gerstenbergk, Ordensdame des Theresienordens. Geboren 1828 in Weimar geboren. Ihr Vater war der großherzogl.- weimarischen Regierungsrat Georg Friedrich Müller (1780-1838), der von seinem Onkel adoptiert wurde und sich nach ihm „von Gerstenbergk“  nannte. In Weimar war er seit 1813 mit   Johanna Schopenhauer (1768-1838) liiert, die i hier einen „Literarischen Salon“ führte, wo  u. a. auch der Staatminister Goethe und dessen Frau Christine verkehrten. 1825 heiratete er Amalie v. Häseler, eine Tochter des Grafen A. F. v. Häseler, deren Mutter wiederum eine geborene Gräfin v. Beust auf Neu- und Bergsulza war. Aus der Ehe gingen  drei Kinder hervor. Neben Jenny, die unverheiratet blieb, ihre Schwester Therese (geb. 1835) die 1858 den Grafen H. K. v. Helldorf auf Bergsulza heiratete.

Als Begründer der Diakonie gilt Johann Hinrich Wichern (1808-1881), der in Hamburg die innere Mission und das Rauhe Haus ins Leben rief. Sein Sohn der Pfarrer Johannes Wichern heiratete 1874  die Tochter Dr. Rosenbergers, Elisabeth (1844-1911).

Neben J. v. Gerstenbergk gehörten der Gemeindepfarrer, der Badearzt Dr. Schütze und die Johanniter-Schwester Constanze von Schmettau zu den Gründungsmitgliedern, einer Einrichtung zur Armen-und Krankenpflege in der Gemeinde. Die erste Gemeindeschwester war Gertrud Karras.  Das erste Domizil befand sich in der Neuen Straße.

 

  1. Mai Dr. Carl Schütze wird Ehrenmitglied der Badedirektion.

Dr. Risse war wegen Unstimmigkeiten mit dem Badediener ausgetreten und  v. Stuckradt aus Altersgründen ausgeschieden.

 

  1. Aug. Baubeginn für die städtische Schule (Hinsche Heimatbauch 1930)

Der Gemeindekirchenrat und die Stadtgemeinde  hatten den Grundstückstausch vollzogen. Die beiden Grundstücke waren fast gleich groß, womit ein Wertausgleich entfiel. Die Stadt verkaufte das Schulgebäude dem Zementwerk auf Abbruch, wo es wieder aufgebaut und bis in die 30er Jahre bestand. Die Planung und Bauüberwachung für den Schulbau übernahm der Weißenfelser Architekt Meienberg, die Kosten hatten sich inzwischen auf 64.400 Mark erhöht.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324).

Beschlossen wurde der chausseemäßige Ausbau der Neuen- und der Querstraße für 5.400 Mark.

 

  1. Aug. Erlass des Ministeriums für Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten (St.-A.).

Der Königl. Regierung zu Merseburg wurden die Modalitäten für die  Übertragung des Badebetriebes auf die Stadt mitgeteilt und angewiesen, diese auf Durchführbarkeit zu prüfen.

 

  1. Sep. Statut der „Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte“ (priv).

Nach der Genehmigung der Kaiserin, die Heilstätte nach ihr zu benennen, beschloss der Verein eine Satzung, die bei der Behörde zur Genehmigung der Gemeinnützigkeit eingereicht wurde. Das Grundvermögen bestand aus dem  Grundstück, das mit 39.000 Mark zu Buche stand, wovon 9.000 Mark als Anzahlung geleistet waren,  und einem Barvermögen von über 7.000 Mark. Die laufenden Kosten sollten aus den Beiträgen (30 Mark je Mitglied), den Aufnahmevergütungen und Erlösen aus Konzerten, Sammlungen und Basaren bestritten werden. Zum ersten Vorstand gehörten Bürgermeister  Rudolph, Landrat Freiherr v. Feilitzsch, Strafanstaltsdirektor a. D. v. Stuckrad, Baurat a. D. v. Stuckrad, Dr. Löffler und Frl. Freytag.

 

              Gründung des Jungfrauenvereins (Röblitz, Chron.).

Die Gründung stand im engen Zusammenhang mit der Diakonie, deren Schwestern die 24 Mädchen, ausnahmslos  „Angehörige des dienenden Standes“ , betreuten.

 

  1. Okt. Beschluss zur Eingemeindung des Bahnhofs (BLK-A. Nr. 324).

 

              Ernst Roßner (1819 bis 1893) wird Ehrenbürger (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Der Besitzer der Mühle wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt geehrt.

 

  1. Nov. Gründung des Konsum-Vereins im Saal der „Post“ (NZ).

Dagegen  protestierten die ortsansässigen 20 Einzelhändler.

 

  1. Dez. Eröffnung des Wintergartens des „Mutigen Ritters“ (NZ).

Dieser war auf der Höhe der Zeit mit Zentralheizung und elektrischer Beleuchtung.

 

               Jahresbericht der Badedirektion (MER C48Ii Nr.776 VIII).

Die Schäden die das Hochwasser an den Badeeinrichtungen und im Stadtgebiet angerichtet hatten, konnten größtenteils  vor Saisonbeginn beseitigt werden, hatten aber ein großes Loch in die Badekasse gerissen. Diese Mittel fehlten für die notwendigen Verbesserungen zur kommenden Saison.

Insgesamt 2.235 Badegäste wurden registriert, 40 mehr als 1890. Dazu kamen 1.968 Passanten, 600 mehr als im Vorjahr. In der  Kinderheilstätte wurden 194 Kinder aus den Ferienkolonien Berlin und Leipzig sowie 98 weitere Kinder aufgenommen. Die chemische Zusammensetzung der Solequelle war unverändert, die Johannisquelle war gut frequentiert, wobei hier eine Kabine für die Bedienung und warems wasser wünschenswert wären. Der Mühlbrunnen wurde wegen seiner  ungüstigen Lage kaum noch frequentiert. Insgesamt wurden 15.072 Solebäder, 990 Wellenbäder und 1449 Inhalationskarten abgegeben.  

 

  1. Dez. Todestag des Badeanstaltsbesitzers Jacob Heinrich v. Stuckradt, JG 1820 (Sterbereg.)

Die v. Stuckradts hatten hier ihr Familienbegräbnis eingerichtet- Major Heinrich v. Stuckradt (1808-1884), Generalmajor Ernst v. Stuckradt (1830-1892), Generaleutnant A. v. Stuckradt (1813-1895), Mathilde v. Stuckradt geb. Marchand (1826-1896)

 

1892  

 

  1. Jan. Geburt von Sylvester Eduard Carl Ferdinand Schütze (Taufregister)

Er war der Sohn von Dr. Carl Schütze.

 

  1. Jan. Zimmermeister Fr. Töpfer wird Kommandeur der Freiwilligen Feuerwehr (NZ).

Malermeister Leschke hatte sein Amt niedergelegt und aus dem Korps ausgetreten, sein Vize lehnte das Amt ab. Töpfer machte aus der Wehr eine  „Musterfeuerwehr“.

 

      Jan.   H. Weber jun. erwirbt die Hartungsche Badeanstalt (NZ).

1889 hatte San.-Rat Dr. Wahn die Anstalt einer Frau Wagner aus Leipzig verkauft, die diese unter dem Namen „Germaniabad“ zwei Jahre führte und nun an Weber verkaufte. Der unterzog die Einrichtung einer umfangreichen Modernisierung und eröffnete sie unter dem Namen „Ritterbad“, im Verbund mit dem Gatshof und Hotel „Mutiger Ritter“ .

 

  1. Jan. „Cabinets Order“ zur Kinderheilstätte (priv).

Neben der Bestätigung der Satzung wurde der „Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte“ die Rechte einer juristischen Person verliehen. Gleichzeitig wurde die Badedirektion angewiesen, dem Kinderheim die Badesole kostenlos zur Verfügung zu stellen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Erneut musste eine Anleihe in Höhe von 20.000 Mark für die Mehrkosten für die Schule und den Straßenbau, diesmal bei der Sparkasse Naumburg aufgenommen werden.

 

  1. Mär. Schreiben der Kgl. Regierung an das Berliner Ministerium (St.-A.).

In ihrer Stellungnahme zur Übertragung des Badebetriebes wurde auf die unzureichende Verwaltungsstruktur und die bedenkliche Kassenlage hingewiesen, wobei die Zinsen und die Amortisation für die zur Verbesserung der Infrastruktur aufgenommenen Kredite und Anleihen  den städtischen Haushalt bereits überstrapazierten. Vorgeschlagen wurde, als Anreiz für die Übernahme des Bades, der Gemeinde ein  „Gnadengeschenk“ von 30.000 Mark in Aussicht zu stellen.

 

  1. Apr. Baugenehmigung für den Weinbergbesitzer W. Heinze (St.-A.)

Auf seinem Weinberg an der Ilske baute er eine Villa (Fr. Ebert Str. 23)

 

  1. Apr. Auftrag zur Pflasterung der Fußwege in der Lindenstraße (BLK-A. Nr. 792)

Der Unternehmer Arnold aus Naumburg hatte binnen 8 Tage anzufangen und sollte innerhalb 4 Wochen fertig sein. Die Vertragsstrafe betrug 10 Mark für jeden Tag darüber. Das Mosaikpflaster stellte die Stadt. Am 31. Mai erfolgte die Abnahme.  

 

  1. Apr. Gründung des „Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes“ (Archiv DHV).

Dr. Schütze gehörte zu dem Komitee der 69 Balneologen, Badeärzten und Verwaltungsbeamten von Bädern, die sich zur konstituierenden Sitzung des ADBV in Leipzig einfanden. Von den thüringischen Bädern waren neben Kösen Rudolstadt, Liebenstein, Ilmenau, Salzungen, Köstritz und Berka vertreten.

 

  1. Juli Schreiben des Ministeriums für Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten (St.-A.).

Nach Rücksprache mit dem Finanzministerium wurde das Gnadengeschenk bewilligt, mit der Auflage, dass dieses zur Ablösung von Anleihen zu verwenden ist. Danach wäre der städtische Haushalt sehr wohl in der Lage aus den Einnahmen den laufenden Betrieb  und die Instandhaltungen zu finanzieren sowie  eine Rücklage zu bilden. Durch die Besetzung der Badedirektion mit geeigneten Personen und die gegenseitige Kontrolle würde möglichen Missbrauch verhindern. Abschließend bemerkte der Verfasser, dass wenn die Stadt nicht auf die Vorschläge eingeht, des fiskalische Bad eingestellt wird.

Der Reg.-Präsident wurde angewiesen, eine entsprechende Beschlussfassung der Gemeinde herbeizuführen und mit dem Kgl. Provinzial-Schulkollegium bezüglich der von dieser Seite erforderlichen Zustimmung zur Übertragung der Rechte und Pflichten aus dem Auseinandersetzungsvertrag von 1861 zu verhandeln. 

 

  1. Aug. Geburt von Georg Jüterbock ? (Wikipedia, im Taufregister nicht erfasst)

Als Werksflieger bei Junckers  stellte er mehrere Strecken-, Höhen- und Geschwindigkeitsrekorde auf.  Ging dann für Junckers 1925 nach Persien und 1939 nach Bolivien, wo er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. 

 

  1. Aug. Festschrift zur Einweihung der neuen Schule.

Es gab sechs Klassen, von denen zunächst vier für die 327 Schüler reichen mussten. Dafür gab es Dienstwohnungen, für die Lehrer de Maizier, Mönnigheim und Knechtel. Im Dachgeschoß waren die Wohnungen für den Schuldiener und den Polizeisergeanten, im Erdgeschoss die Dienstlokale des Sparkassenrendanten, des Kämmerers und des Magistrats, im Untergeschoss das Wachlokal und eine Arrestzelle unter der Freitreppe zum EG. 

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde die Eingemeindung der Saalstraße, 500 Mark Zuschuss für die Erneuerung der oberen Wassewrkunst und 200 Mark für den Thüringer Bädertag.

 

  1. Sep. Baubeginn für die Lutherkirche (Abriß der Geschichte der Kirchengemeinde).

Nach dem Abbruch des Schulgebäudes erfolgte der erste Spatenstich für den dreischiffigen Bau im neoklassizistischen Stil. Pfarrer Barthold trat am gleichen Tag nach 32 Dienstjahren in den Ruhestand. Der Hauptauftragnehmer der Architekt Fahro aus Halle, hatte  die Baukosten mit 100.000 Mark veranschlagt, wovon rund die Hälfte aus dem seit 30 Jahren angesparten Kirchenbaufond kam.

 

      Okt. Jahresbericht der Kinderheilstätte (St.A).

Insgesamt kamen 120 Kinder der Berliner Ferienkolonie im Seitenflügel unter, weitere 98 im Hauptgebäude.

 

  1. Okt. 1. Bädertag des Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes“ in Kösen (Archiv DHV).

Dr. Schütze der bereits aktiv bei der Gründung beteiligt war, hatte die Teilnehmer zur ersten öffentlichen Jahresversammlung nach Kösen eingeladen. Hier wurde die Satzung von den anwesenden 93 Balneologen, Badeärzten und Badedirektoren beschlossen. Die satzungsgemäßen Aufgaben des Verbandes galten bis 1999 in kaum veränderter Form. Dr. Schütze wurde Mitglied des Vorstandes des ADBV. 

 

  1. Nov. Anschaffung einer neuen Feuerwehrspritze (NZ 1910).

Dank seiner guten Verbindungen gelang es Töpfer, das Geld dafür bei der Generaldirektion der Landesfeuersozität locker zu machen.

 

  1. Nov. Grundsteinlegung für die neue Saalebrücke (NZ).

In der Einladung für die Stadtverordneten hieß es: „ Nach einer Mitteilung des Reg.-Baumeisters Kniehahn hat der Herr Reg.-Präsident angeordnet, daß die Teilnehmer zu der  (.) Grundstein-legung der neuen Saalebrücke im Frack zu erscheinen haben.“

Im Beisein der Ratsschöffen Krüger und Siebold sowie der Stadtverordneten (Arendt, Dittmann, Kersten, Lucas, Müller, Roßner, Sträuber, Weber jun. Wolf, Toepfer, Dr. Löffler, Dr. Rosenberger, Dr. Schütze, Dr. Wahn) legten Reg.-Präsident v. Diest und  Landrat Freiherr v. Feilitzsch eine Kassette mit Urkunden in das mittleren Pfeilerfundament. Die Bauaufsicht über die vom Baumeister Kniehahn projektierte Brücke hatte der Baurats Boe aus Naumburg. Die Bauausführung übernahm die Firma Reichenbach.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Der Weg von der Lindenstraße zur Schule wurde nun als Schulstraße bezeichnet und der Weg von der Eckartsbergaer Chaussee zur Unterführung Kirchstraße. Beschlossen wurde die Verpflichtung zur Unterhaltung der alten Friedhofsmauer durch die Anlieger der Lindenstraße 15-17 (F. A. Koch, C.A. Schmidt, J. Scheufler) aus dem Grundbuch zu löschen, nachdem sie ihre  Türen in der Mauer vermauert hatten.

 

  1. Dez. Amtseinführung von Pastor Diederich (NZ, MER C 48 Iib 2028 I).

Gleichzeitig erhielt er die Berufungsurkunde als Ortsschulinspektor

 

               Jahresstatistik

Es gab 3 Maurermeister, 4 Sandlieferanten, 9 Tischler, 3 Schneider, 13 Schuhmacher, 4 Sattler, 6 Fleischer, 7 Bäcker, 5 Ärzte, 8 Droschkenbesitzer und 3 Friseure.

2.461 Einwohner in 644 Hauhalten und 292 Schulkinder wurden im Nachweis der Steuer- und Nahrungsverhältnisse der Schulgemeinde erfasst (MER C48 IIb 2028 I)

 

1893

 

  1. Feb. Anfrage des Reg.-Baumeisters betreff des Stadtwappens (St.-A. Nr. 550)

Der bat um Muster mit der heraldisch richtigen Darstellung des Stadtwappens, das an der Brüstung der neuen  Brücke angebracht werden sollte.

 

  1. Feb. Oberstleutnant a. D. Helmuth Begas verstirbt. (Sterbereg. MZ 1993).

Begas wohnte in der Fr. Ebert Str. 17. Sein Bruder, der Bildhauer Reinhold Begas (1831-1911, u.a. Berliner Neptunbrunnen) schuf das Relief für den Grabobelisken, der neben der Trauerhalle steht.

 

  1. Feb. Treibeis bedroht die neuen Brückenpfeiler (NZ).

Die bis zur Rudelsburg angestauten und gefrorenen Eismassen wurden von Pionieren gesprengt. Beim Übergang über das Wehr brachen die Schollen und verursachten an der Behhelfsbrücke sowie an der Brückenbaustelle keine größeren Schäden.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, NZ).

Alle Hauseigentümer in der Lindenstraße sollten sich an den Kosten des Mosaikpflasters der  Gehwege mit 3 Mark pro Quadratmeter beteiligen. Außerdem sollte anstelle der Obstbäume Linden gepflanzt werden. In Bezug auf den Antrag, ein Kirchenfenster zu stiften, dass die  Wappen der hier  ansässigen adligen Familien zeigt, wurde abgelehnt und dem Gemeindekircherat empfohlen: „die Schenkung dahingehend abzuändern, daß solche nur angenommen werden solle, falls die Fenster lediglich bildliche Darstellungen enthalten. Die Versammlung hält diese Forderung aus prinzipiellen Gründen für durchaus erforderlich, um Mißstimmungen in der Bevölkerung für Jetzt und Später sowie ähnlichen Anerbieten vorzubeugen.“ 

 

      Mär. Der Orgelbauer Emil Heerwagen läßt sich in der Borlachstraße nieder (NTB 1993).

Heerwagen, am 5.12.1857 in Klosterhäseler als Sohn des Orgelbauers Wilhelm Heerwagen geboren, übernahm nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1875 als Achtzehnjähriger das Geschäft und verlegte den Sitz wegen der besseren Bahnverbindung hierher. Zahlreiche Orgeln in Thüringen und Brandenburg entstammen der Werkstatt Heerwagens. 1896 ging er nach Weimar, wo er am 28 Januar 1935 verstarb.   

 

  1. Mär. Die Badedirektion beteiligt sich an einer überregionalen Petition (NZ).

Der Reichstag wurde ersucht, in den Kurorten und Bädern den Handel mit Andenken auch an Sonntagen zu gestatten.

 

  1. Apr. San.-Rat Wahn wird von der Funktion des Badearztes entbunden

 

  1. Apr. Einweihung des Ratskellers am Restaurant „Zur Post“ (NZ).

Gelobt wurde die kunstsinnige und farbenfrohe Dekorationsmalerei im Saal.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 669).

Dem Gastwirt der „Tanne“ wurde die Benutzung der kleinen Promenade für Materiallagerung beim Bau eines „Tanzsaales“ bei Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 200 Mark genehmigt.

 

     Mai   Einweihung der Gedenktafel für Franz Kugler auf der Rudelsburg

Das Relief schuf der Bildhauer Ernst Paul.

 

      Juni  350-Jahr Feier der Landesschule Pforte (NZ).

Für die 1.000 Gäste hatte Zimmermeister Toepfer ein Festzelt mit Bühne und Orchesterbalkon errichtet. Die Bewirtung übernahmen der Gasthofbesitzer Weber und der Konditor Furcht.

 

  1. Aug. Der Geh. Sanitätsrat Dr. Otto Th. Rosenberger verstirbt im Alter von 86 Jahren (NZ).

Er hinter ließ drei Töchter, Eugenie (1838-1931 Kösen), Magdalena (1848-1939 Kösen) und Elisabeth (1844-1911 Hamburg). Eugenie, die mit ihrem Cousin dem Kapitän Georg Rosenberger verheiratet iund inzwischen verwitwet war, und Magdalena blieben im elterlichen Haus. In den Thüringer Saisonnachrichten erschien im September ein Nachruf und später wurde an der Rosenbergerschen Badeanstalt (Lindenstraße 9) eine Erinnerungstafel angebracht. Eine Straße in der Eigenheimsiedlung erhielt 1995 seinen Namen.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Zum Anschluss des linken Ufers sollte ein Elektrokabel in der Brücke verlegt werden. Bezüglich des Kirchenfensters wurde nach Intervention des Landrates und des Pfarrers das  Gerstenbergk`sche Wappen genehmigt. 

 

  1. Sep. Todestag von Mühlenbesitzer E. Roßner (Jg. 1819) (Sterbereg.).

Roßner, seit 1891 Ehrenbürger war von 1871 bis 1876 Stadtverordneter. Die Mühle erbte sein gleichnamiger Sohn. 

 

  1. Sep. Anfrage des Kreisausschusses (St.-A. Nr. 550)

Im Zusammenhang mit dem Neubau der Saalebrücke hatte sich der Landkreis mit der Eisenbahnverwaltung über die Übernahme der Ladestraße und deren chaussemäßigen Ausbau verständigt. Nun wurde beim Magistrat angefragt, ob man die im kommunalen Besitz befindliche  Brückenauffahrt dem Kreis kostenlos überlassen würde.

 

  1. Okt. Einweihung des Schießstandes des Bürgerschützenkorps (NZ).

Der befand sich in der Ilske im Weinberg vom Kaufmann Hädicke. Die  Schützenfeste fanden im „Kurgarten“ statt. 

 

  1. Nov. Richtfest der Kirche (100 Jahre Lutherkirche)

 

  1. Nov. Einweihung der Saalebrücke (St.-A. 550, Heimatbuch 1930).

Das Programm sah folgendermaßen aus 1.) 12.47 Uhr Ankunft des Ministers (v. d. Heydt), 2.) Zug vom Bahnhof zur Brücke (Anzug, Überrock), 3.) Übergabe seitens der Spezial-Bauverwaltung an den Minister 4.) Übergabe der Fahrbahn vom Minister an den Landeshauptmann 5.) Eröffnung und Besichtigung 6.) 14.30 Uhr Mittagessen im „Mutigen Ritter2, 7.) 18.00 Uhr besuch des festes der Arbeiter.  

Die Benutzung der Staatsbrücke war kostenpflichtig. Die Brückengeldeinnahme wurde  verpachtet, das Zolleinnahmehäuschen stand neben der Brücke über die kleine Saale. Auf einer 1973 gefundenen Brückengeldtafel (s. LDZ) wurden folgende Gebühren erhoben: für Großvieh 10 Pfg./St., Jungtiere, Schafe Ziegen Schweine und Hunde 3 Pfg., ein Fuhrwerk oder eine Kutsche 10 Pfg. , Radfahrer 2 Pfg.  und Handkarren, Handschlitten u. dgl. 2 Pfg.

 

  1. Nov. Schreiben des Ministeriums für Unterricht- u. Medicinal-Angelegenheiten (St.-A. 275).

Der Magistrat hatte für die Übernahme des Bades in die städtische Verwaltung um Aufstockung des Gnadengeschenks auf 40.000 Mark gebeten, was nach Rücksprache mit dem Finanzminister auch bewilligt wurde. Abgelehnt wurde die Bitte der Stadt, sich weiterhin „Königliches Soolbad“ zu nennen, sowie die Bitte, die Mitglieder der Badedirektion durch die Regierung zu ernennen. In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass der Staat vom Zeitpunkt der Übertragung von jeglicher Haftung  freigestellt ist und nur noch als Aufsichtsbehörde tätig wird.

 

                Anschaffung einer neuen Feuerwehrausrüstung (Röblitz, Heimatbuch).

Dazu gehörten eine transportable Saug-Druck Spritze, Schlauchwagen, Schlauchbrücken, Leitern und ein Wasserwagen. Weil das alte Spritzenhaus dem Neubau der Schule weichen mußte, wurde ein neues Spritzenhaus hinter dem Schulgebäude errichtet.

 

       Dez.  Personenstandaufnahme (NZ).

Erfasst wurden 2.666 Einwohner in 763 Haushalten und 343 Schüler die von 4 Lehreren unterrichtet wurden. 41 Knaben besuchten das Pädagogium, 34 Mädchen die höhere Töchterschule.  75 Geburten, davon 5 uneheliche, standen 51 Sterbefälle gegenüber, darunter aber auch 20 Kinder.

 

1894

            Neuauflage der „Kösener Zeitung“ Verlag C. A. E. Heyner (NZ).

Nach mehrjähriger Unterbrechung erschien das Lokalblatt wieder, doch nun als Amtsblatt mit einem Zuschuss aus der Stadtkasse. Dies und die Selbstgefälligkeit des Herausgebers, führten in der Folge zu heftigen  Kontroversen zwischen Heyner und verschiedenen Stadtverordneten, insbesondere mit Paul Kersten und dessen Parteigängern. Das Blatt erschien jeweils Dienstag, Donnerstags und Samstags  und kostete bei vierteljährlichen Bezug 1.30 Mark, bei Postzustellung 1,50 Mark.

 

  1. Jan. Jahresbericht der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Im abgelaufenen Jahr wurden 2.090 Inländer und 37 Ausländer registriert. 14.091 Bäder aller Art wurden verabreicht und 1125 Inhalationskarten verkauft. Dazu 22.000 Flaschen der Johannisquelle, 4000 mehr als im Vorjahr. Die Kinderheilstätte meldete 225 Kinder, allein 120  der  „Ferienkolonie“ Berlin.

Erwähnt wurde außerdem, dass der Hotelier  Weber die frühere Hartungsche Badeanstalt vollständig neu eingerichtet habe und Dr. Löffler zwei weitere Hausgrundstücke (Friedrich Ebert Str. 1 u. Eckartsbergaer Str. 1) erworben habe, wo bestimmte Leiden operativer  bzw. besonderer ärztlicher  Behandlung bedurften. Auch die von Dr. Schütze  im Borlachbad eingerichtete Nervenheilanstalt  erfreute sich einer guten Frequenz.Der Verschömnerungsverein hatte an der Johannisquelle eine kleine Trinkhalle errichtet.

Als mitten in der Saison der Wasserstand der Saale einen Tiefpunkt erreichte, fiel das  Wasserrad und damit die Stromversorgung aus. Als Notlösung hatte man ein Vorgelege besorgt, um das Rad mit einer Lokomobile anzutreiben.

 

  1. Jan. Bietertermin für den Teilabbruch des Gradierwerkes (NZ).

Der marode Zustand und fehlende Mittel waren der Grund, dass die Badedirektion den Abbruch eines Teils des Gradierwerkes erwog. Nach heftigen Proteste kam zu einer Bürgerversammlung im „Kurgarten“, die eine Petition beschloss, dass in Anbetracht der bevorstehenden Übertragung des Bades der Abbruch aufzuschieben sei. In diesem Zusammenhang schlug Kersten erneut die beantragung der Siedesalzherstellung vor, um aus dem Verkauf die Unterhaltung zu finanzieren.

 

  1. Mär. Gutachten zum Zustand des Wehrdammes (St.-A. Nr. 550)

Der wurde in den 50er Jahren repariert, wobei dazu Droyßiger Sandstein eingebaut wurde. Das Hochwasser 1890  hatte  keine Schäden verursacht.  

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Die Straßenordnung v. 05. Jan. 1855 wurde dahingehend geändert, dass Hauswirte nur noch den Gehsteig und den Rinnstein reinigen musste, die Straßenreinigung von der Stadt erfolgt. Dem Kämmerer und Sparkassenrendanten Röblitz wurde die Anrechnung seiner Dienstzeit ab dem 01. April als „pensionsfähig“ bewilligt.

 

  1. Mai Gemeinsamer Kongress im „Mutigen Ritter“ (Handbuch KSCV).

Der Kongress des KSCV und der Delegiertentag fanden nacheinander statt und mit einem festlichen Kommers beendet. Der VAC beschloss die Bildung eines „Gesamtausschusses“, dessen Vorsitz alle fünf Jahre zwischen den Bezirksverbänden wechselte. Den ersten Vorsitz übernahm Berlin, dessen AH vorschlugen, dem Reichskanzler von Bismarck (Hannoverae) anläßlich seines 80. Geburtstags ein Denkmal an der Rudelsburg zu setzen. 

 

  1. Mai Bericht des Regierungspräsidiums an den Minister (St.-A. Nr. 275, 298).

Präsident v. Diest teilte mit, dass der Magistrat in Anbetracht des auf 40.000 Mark erhöhten „Gnadengeschenks“, die entsprechenden Beschlüsse zur Übernahme des Badebetriebes treffen werde. Dann bat er auch im Namen des Landrates v. Feilitzsch um die Beibehaltung der Bezeichnung „Königliches Bad“  um der Konkurrenz keine Argumente, die den Ruf des Bades schädigen in die Hand zu geben.  Die städtische Badedirektion sollte aus dem Bürgermeister als Vorsitzender, den beiden Ratsschöffen, zwei Stadtverordnete und vier Bürger, darunter zwei Ärzten bestehen. Wegen des herrschenden „kleinlichen Parteigetriebes“ und der Überwachung der sachgerechten Verwendung der Sole schlug der Landrat vor,  ihm  als staatlichen Kommissar die Aufsicht zu übertragen.

Außerdem erinnerte v. Dienst an die Bestandssicherung der Kinderheilanstalt und dass die Stadt  auch zukünftig die Badesole kostenlos zu liefern hat.

 

  1. Juni Schreiben des Ministeriums für Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten (St.-A).

Unmißverständlich wurde die Weiterführung der Bezeichnung „Königliches Solbad“ und die Beaufsichtigung des Bades durch den  Landrat unter Verweis auf die städtische Selbstverwaltung abgelehnt. Allerdings wurde auch die Verpflichtung der Stadt zur kostenlosen Abgabe von Badesole für die Kinderheilstätte abgelehnt.

 

  1. Juli Auflösung des Vertrages mit Musikdirektor Fischenbeck (St.-A. Nr. 348)

Als der sich weigerte, ein Konzert im „Mutigen Ritter“ zu geben, wurde er entlassen. Bis zum Ende der Saison leitete Konzertmeister Förster die Kurkapelle.

 

  1. Aug. Tagung des Thüringer Ärztevereins (BLK-A. Nr. 324)

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde das Ortsstatut zur Anlage und Vermietung von Wegen und Plätzen. Beschlossen wurde die Übernahme des fiskalischen Bades auf eigene Rechnung bei Gewährung eines Geschenks von 40.000 Mark ab dem 01. April 1895. Dem anwesenden Landrat Freiherr v. Feilitzsch wurde für seine Bemühungen bei der Übertragung des Bades gedankt. 

 

  1. Sep. Einweihung der Lutherkirche (Röblitz Heimatbuch, NTB 1994, 100 Jahre Lutherkirche).

Nach der Fest-Ordnung (St.-A.) traf man sich am alten Gotteshaus, wo die Gäste vom Superintendenten Professor Witte – Pforta begrüßt wurden. Dann zog man unter Glockengeläut über die Brücke. Hier erfolgte die  Schlüsselübergabe, daran anschließend ein Festgottesdienst . Dfür das abendliche Festessen im „Mutigen Ritter“ wurde  ein Unkostenbeitrag von 2,50 Mark erhoben. wurde.

Die Orgel hatte der Zörbiger Orgelbaumeister W. Rühlmann gebaut, die Glasmalerei der Chorfenster  kamen vom Institut für Glasmalerei Franke & Dusberger, Naumburg, die drei Bronzeglocken waren der Gemeinde bereits 1873 von Kaiser Wilhelm geschenkt worden und stammten von  französischer Beutegeschützen. Insegsamt kostete der Kirchenbau 120.000 Mark.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Informiert wurde über den Stand der Verhandlungen mit der Landesschule über den Ausbau des Weges vom Pfarrhaus bis zum Pädagogium. Dem Bürgermeister wurde die Teilnahme an einem 14tägigen Kursus des Hygiene Institut in Berlin bewilligt 

 

  1. Okt. Einkommensverhältnisse der Volksschullehrer (MER C 48 Iib 2028I)

Der 1. Lehrer Mönnigheim bekam 1.425 Mark ohne kirchliche Appidenzien, der 2. Lehrer Dietzsch, gleichzeitig Kantor und Küster  erhielt 1.360 Mark, der 3. Lehrer Knechtel 1.220 und der 4. Lehrer Braune 1.170 Mark. Alle hatten Anspruch auf kostenfreie Wohnung und Heizmaterial bzw. erhielten eine finaziellen Zuschuss.

 

  1. Nov. Gutachten zur Wertminderung des Wohnhauses an der Brücke (St.-A. Nr. 550)

Durch den Neubau der Brücke war auch am rechten Ufer die Auffahrt und die Einmündung der Uferstraße erhöht worden. Das Erdgeschoß der Häuser lag nun unter dem Straßenniveau, weshalb Hauwirt Albert Beyer (Uferstr. 5) eine Entschädigung für Mietminderung der Parterrewohnung verlangte.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Von der Oberpostdirektion wurde der Antrag des Postamtes abgelehnt, Briefträgern in deren Familien Infektionskrankheiten herrschten, vom Dienst frei zustellen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Der Kirchengemeinde wurde die Aufstellung der kleinen Orgel aus der alten Kirche in der Trauerhalle gestattet.

 

              Dr. C. Schütze ist Redakteur der Monatszeitschrift für Balneologie des ADBV.

 

              Personenstandaufnahme (KÖZ).

An Einwohnern zählte man 2.521, Geburten 78, Todesfälle 73, davon 4 eines unnatürlichen Todes, so auch der Restaurateur der „Schönen Aussicht“ Wilhelm Bauer.

 

1895

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Informiert wurde darüber, dass die Kirchengemeinde den Gebetsschuppen dem Zimmerermeister Töpfer verkauft habe. Nach einigen Änderungen der Grundstücksgrenzen im Interesse der Stadt, verkaufte es Toepfer dem Pelzhändler Carl Corpus aus Sankt Petersburg. Corpus, der hier  mehrmals zur Kur weilte, baute dann eine zeitgenössische Villa im Jugendstil, mit aufwändig gestalteten Gesellschaftsräumen. Das Anwesen wurde dann als „Russenvilla“ bezeichnet.

Außerdem wurde die Ordnung zur Biersteuer von 1888 unverändert bestätigt.

 

  1. Feb. Todestag von Carl Theodor v. Schmettau (Sterbereg.)

Der Bruder von Ferdinande v. Schmettau starb im Alter von 86 Jahren. Sein Gattin Mathilde geb. v. Pöppinghausen folgte 1908 im Alter von 92 Jahren.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurden Satzungsänderungen der Gewerbe-, Lustbarkeits- und  Hundesteuer sowie der Kurtaxordnung wegen der geänderten Bestimmungen des Kommunalabgabegesetzes. Der  Etat  1895/96  sah 37.700 Mark für die Kämmerei, 10.640 Mark für die Schule, 1.900 Mark für die Armen- und 13.500 Mark für die Badekasse vor. Genehmigt wurden 400 Mark für einen Trinkwasserbrunnen in der Saalstraße.

 

  1. Feb. Brand des Krankenhauses in der Landesschule (NZ 1910).

Beteiligt war auch die Kösener Feuerwehr. Erst am anderen Morgen war der Brand unter Kontrolle. Für den Einsatz gab es ein Dankschreiben des Landrates v. Feilitzsch, einen Ehrendolch für den Kommandeur  und 500 Mark für die Mannschaft.

 

  1. Feb. Therese Berbig verstirbt in Freyburg (Röblitz Heimatbuch 1930, BLK-A. Nr. 324).

Bereits am 26. September 1885 hatte sie festgelegt „Nach meinem Tod soll innerhalb von neun Monaten der Stadtgemeinde 20.000 Mark für die Errichtung einer Kleinkinderbewahranstalt ausgezahlt werden, diese hat den Namen „Berbigsche Kinderbewahranstalt“ zu führen“ (BLK-A. Nr.72). Darüber hinaus vermachte sie der Stadt 5.000 Mark für die Armenfürsorge, 3.500 Mark für ein Krankenhaus, 3.000 für die Schule und 1.200 Mark für die Pflege ihres Grabes. Im Mai nahm die Stadtverordnetenversammlung das Testament an. Aus Dankbarkeit setzte ihr die Stadt im Jahr 1900 vor ihrem Wohnhaus (Lindenstraße 25) einen Gedenkstein und benannte eine  Straße. 

 

  1. Mär. Vertrag zur Übertragung des Bades (MER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 5)

Zwischen dem preußischen Fiskus, vertreten durch die Königliche Regierung in Merseburg und dem Magistrat wurde die Übernahme des Bades zum 01. April vereinbart. Die Stadt erhielt ein  Gnadengeschenk von 40.000 Mark, alle für den Badebetrieb erforderlichen Grundstücke und Gebäude mit allen darauf ruhenden Lasten und Verpflichtungen. Das Provinzialschulkollegium Magdeburg als Vertreter der Landesschule genehmigte die Übertragung. Der Fiskus behielt nur noch die Eigentumsrechte an den Solequellen. Am 13. August wurde der Vertrag vom Finanz-, Innen-  und Unterrichtsministerium genehmigt.

Am gleichen Tag erwarb die Stadt das Grundstück für das künftige Wasserwerk von der Landesschule (Röblitz Heimatbuch).

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde die Errichtung einer Stützmauer an der Ostseite der Borlachstraße und ein Zuschuß von 150 Mark für eine offizielle Feier anläßlich des 80. Geburtstages Bismarks im Kurgarten.

 

  1. Mär. Ordnung über die Erhebung von Lustbarkeitssteuern (MER C48 Ih Nr. 920)

Besteuert wurden „Tanzbelustigungen“ je nachdem wann sie endeten, Kunstreitervorstellungen prozentual nach der Höhe des Eintritts, Konzert- und Theatervorstellungen mit 1 Mark, Gesangs- und Rezitationsvorträge mit 5 Mark, Einzelunterhaltungen mit Instrumenten je nach Dauer, gymnastische Übungen und Ballett mit 3 bis 5 Mark. Karussell-, Schieß- und Würfelbudenbesitzer zahlten pro Tag 3 Mark..

 

  1. Apr. Einweihung des „Kunosteins“ an der Rudelsburg (KÖZ, St.-A. Nr. 779).

Der Naumburger Kunoverein,  der älteste regionale Verein zur Heimatpflege, hatte den Findling zu Ehren des Reichskanzlers Bismarck aufgestellt. Gleichzeitig wurde die Schlucht zwischen der Rudelsburg und Burg Saaleck durch Anlage von Stufen begehbar gemacht, der sog. Kunoklamm.

 

  1. Apr. Übernahme des Bades durch die Stadt (in MER Rep. F 23 Ii Nr. 21 Bd. 5)

Der Fiskus hatte das Risiko der ohnehin in ständigen Geldverlegenheiten befindlichen Gemeinde überlassen, , auch wenn ein etliche Verbindlichkeiten aus dem Geschenk getilgt werden konnten, belastete die  Badekasse nun den städtischen Haushalt, der das Minus aus dem laufenden Betrieb ausgleichen und Mittel für Investitionen bereitstellen mußte.

 

  1. Apr. Einrichtung einer Postagentur auf der Rudelsburg (NZ).

Die Agentur, die die bisherige Posthilfsstelle ersetzte, erhielt im Burghof einen Anbau.

 

  1. Apr. Vertrag mit dem Musikdirektor Albert Wernicke aus Schmölln (St.-A. Nr. 348)

Die Vertragsbedingungen änderten sich geneüber den Vorjahr nicht, die Anzahl der Musiker wurde mit mindestens 16 und das Honorar auf 2000 Mark festgesetzt.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde eine Vereinbarung zwischen der Stadt- und der Kirchengemeinde, wonach die Stadt die Reparatur der Leichenhalle übernahm und die Kirche im Gegenzug der Stadt ein unbeschränktes Übergangsrecht einräumt.

 

  1. Juli Bestätigung des Vertrags zur Übertragung des Bades (St.-A.).

Der Kaiser bestätigte an Bord seiner Yacht „Hohenzollern“ die vor Stockholm lag, die Überlassung und das Gnadengeschenk aus seinem Dispositionsfond bei der Generals-Staatskasse. 

 

  1. Aug. Beschwerde des Musikdirektors (St.-A. Nr. 348).

Weil hier „fremde Kapelle, fast wöchentlich  konzertieren und von der einheimischen Bevölkerung besucht werden und die Wirte Extrakonzerte ablehnen und ihre Gäste lieber zu den kostenlosen Kurkonzerten schicken“, wären die Nebeneinnahmen der Badekapelle ausgefallen. Damit könnte die Gage  nicht mehr bezahlt werden. Die Badedirektion bewilligte eine Sonderzahlung von 300 Mark.

 

  1. Aug. „Statut der evangelischen Diakonissen-Station zu Kösen“ (priv).

Das Statut der der Armen- und Krankenpflege dienenden Institution wurde von der Behörde genehmigt und der Vorstand, Pfarrer Diederich, Frl. Jenny von Gerstenbergk (ehrenhalber auf Lebenszeit), Frl. Constanze von Schmettau, Generalleutnant v. Strantz und Dr. Schütze, bestätigt.

 

  1. Sep. Übergabe des Bades (priv).

Bürgermeister Rudolph, die Ratsschöffen Krüger und Siebold sowie der Landrat v. Feilitzsch und der Regierungspräsident  Graf von Stolberg-Wernigerode protokollierten im „Geschäftslokal der Kgl. Badedirektion“ die Übergabe der Badekasse, der Badeakten, des Dienstsiegels und der Schlüssel. Übergeben wurden der obere Solschacht mit Pumpwerk und Schachtgebäude,  die Gestänge zum und vom Solschacht, beide Wasserräder mit Radhaus, zbeide Wellenbäder, das Umkleidekabinett auf der Radinsel, zwei Brücken über die kleine Saale, das Gradierwerk mit Pumpenturm, die Inhalierhalle mit Garderobe, der Pavillon am Gradierwerk, die Davison-Halle, zwei Schuppen an der Friedhofsmauer, eine Wasserleitung, die Inhalierhalle mit der Soleleitung und der gußeisernen Musiktempel. Nach der Kassenprüfung und der Bestätigung des Kassenjournals besichtigten der Regierungspräsident und der Landrat das Kalkwerk, während der Bürgermeister noch rasch ein Festessen im „Mutigen Ritter“ organisierte.

 

  1. Sep. Vermächtnis des Frl. Louise Fournier (Röblitz 1930, BLK-A. Nr. 324)

 

  1. Sep. Kurzhals verkauft seine Restauration an der großen Promenade (KÖZ).

Neuer Besitzer war ein gewisser Neßmann, der die Veranda an der Südseite errichten ließ.

 

      Okt. A. Bahse übernimmt die Badeanstalt an der Saline von Zehl (NZ 1945).

      

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Informiert wurde über erfolgte Übernahme des Bades. Bewilligt wurden 1.144 Mark für die Verlegung einer neuen Soleleitung vom Gradierwerk zum Inhalatorium und die zeitweise Verpachtung des Platzes neben der neuen Schule an Frau Großmann zu Restaurationszwecken, die sich im Gegenzug verpflichtete, den Holzvorbau vor dem Haus in der Lindenstraße zu entfernen. 

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, KÖZ).

Beschlossen wurde, entsprechend den Bestimmungen Therese Berbigs aus den Geldern für die  Schule, die  Grabpflege und die Armenhilfe in jährlich zinsbaren Fonds und die Mittel für das Krankenhaus und die Kinderbewahranstalt fest anzulegen, bis geeignete Grundstücke zur Verfügung stünden.

Außerdem nahm die Einrichtung eiens Wasserwerkes konkrete Formen an. Ausgeschrieben wurde Variante a: alleinige Rechnung der Stadt, Variante b: auf Rechnung eines Unternehmers mit Übernahme des Betriebes.

 

  1. Nov. Jahresbericht der Badedirektion (MER C 48 Ii Nr. 776 VIII).

Es war der letzte Bericht dieser Art, der zur Kgl. Regierung in Merseburg ging. Im laufenden Jahr besuchten 2.170 Gäste das Bad, 225 Kinder waren in der Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte. Abgegeben wurden 15.252 Solbäder, 2.226 Wasserbäder, 360 elektrische Bäder und 1.796 Wellenbäder. 3.594 Inhalationskarten und 16.968 Flaschen mit Kohlensäure versetzte Sole der Johannisquelle verkauft.

 

              Paul Hämmerling richtet ein Gartenlokal ein (Hoppe, Heimatbuch).

Nach dem Tod A. Hämmerlings gab der Sohn die Landwirtschaft auf, ließ die Scheune an der Naumburger Chaussee abbrechen und richtete hier ein Gartenlokal ein.

 

  1. Dez. Antrag der kaiserlichen Postverwaltung (BLK-A. Nr. 669).

Beantragt wurde die Einrichtung einer Postexpedition gegenüber vom Bahnhof.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324).

Beschlossen die Zusammensetzung der Badedirektion, zu der der  Bürgermeister (Richter), die beiden Ratsschöffen (Siebold, Krüger), drei  3 Stadtverordnete (Kersten, Dr. Gehrke, Müller) und der Badearzt (Dr. Löffler) gehörten.

 

      Dez. Die Volkszählung ergibt 2.786 Einwohner (KÖZ/NZ). 

Es wurden 15 Ehen geschlossen, geboren wurden 37 Jungen und 43 Mädchen, es starben 36 Männer und 32 Frauen, darunter 27 Kinder im Alter bis 10 Jahren.

Die Bahnverwaltung erweiterte das Betriebsgelände, um den zunehmenden Güter- und Personenverkehr gerecht zu werden. Täglich mußten 35 Waggons aus dem Kalkwerk abgefertigt werden. Für den Umschlag von landwirtschaftlichen Gütern wurde eine Ladestraße mit Schuppen neben dem Schrankenübergang errichtet und das Bahnhofsgebäude durch eine Sommerhalle erweitert, damit die Reisenden vor Witterungsunbilden geschützt waren.

 

            Erweiterung des Friedhofes (Abriß der Geschichte der Kirchengemeinde)

 

1896

 

  1. Jan. Todestag Therese Emilie Senff (Sterbereg. Röblitz, Heimatbuch).

Die Tochter des Salineninspektors Erdmann Friedrich Senff jr. vermachte der Stadt 1.200 Mark für den Bau eines Krankenhauses. Sie wurde im Senffschen Familienbegräbnis beigesetzt, wie  ihre Schwestern Agnes (1812-1879) und Clara Louise (1810-1897).

 

  1. Jan. Ordnung betreffend die Erhebung einer Kurtaxe (MER C48 Ih Nr. 920)

Nach der Übernahme des Bades oblag es nun der Gemeinde die Kurtaxsatzung zu beschließen.  Für die Saison 1896 vom Mai bis September wurden für Personen die sich länger als drei Tage zum  Zwecke der Gesundheit aufhielten festgesetzt: 1 Person 9 Mark, Familien mit 2 Personen 12 Mark, mit 3 Personen 15 Mark, mit 4 Personen 18 Mark und über 5 Personen 20 Mark. Kinder bis 2 Jahre waren befreit, 50% Ermäßigung gab es für die begleitenden Dienstboten und bedürftige Personen.. Die Kurtaxe hatte der Gast binnen 9 Tagen bei der Badekasse zu entrichten. 

 

  1. Jan. Polizeiverordnung zur Flößerei auf der oberen Saale (Stadtarchiv Jena, Abt. III, Nr. 102)

Der Geltungsbereich erstreckte sich bis zur Mündung der Unstrut.

 

  1. Jan. Amtliche Zulassung von Dr. Risse als Arzt der Gemeinde-Krankenkasse (NZ).

Sein Bereich erstreckte sich auf die Kassenmitglieder in Kösen, Kukulau, Fränkenau, Hassenhausen, Niedermöllern, Pomnitz, Flemmingen, Kreipitzsch, Kleinheringen, Lengefeld, Saaleck, Stendorf, Rödigen, Löbschütz, Schieben, Tultewitz, Freiroda, Heiligenkreutz und Crölpa.

 

  1. Jan. Eröffnung einer Milchhalle im Haus des Sattlermeisters Scheufler (NZ).

In der Lindenstraße (heute Nr. 16) boten die Domänen Kukulau und Fränkenau Milch an. Außerdem fuhr  täglich ein Milchwagen von Haus zu Haus.

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Bergschmiede am Borlachschacht (NZ).

Der letzte Besitzer der Salinenschmiede, der diese von den Therkornschen Erben erworben hatte war Wilhelm Schmidt. Die Licitation erfolgte im „Preußischen Hof“. Danach wurden die  Gebäude abgebrochen und das Grundstück mit Wohnhäusern bebaut (R. Breitscheid Str. 8/10)

 

  1. Feb. Inkrafttreten einer neuen Polizei-Verordnung zur Bauholzflöße (Stadtarchiv Jena).

Der Großherzog von Weimar erließ nach Abstimmung mit den übrigen  Anrainern (Preußen, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt und Reuß) diese Anordnung, die die Breite, die Bemannung, das Verhalten im Unglücksfall und die Kennzeichnung der Bauholzflöße festlegte. Die Verordnung galt auf der Saale bis zur Unstrutmündung und hob alle seit 1819 getroffenen Bestimmungen auf.

 

  1. Feb. Große humoristische Soirée im Festsaal von Fellers „Tanne“ (NZ).

 

  1. Feb. Geschäftsanzeige der Witwe des Bäckermeisters Lützkendorf (NZ)

Sie teilte mit, dass sie das Geschäft weiterführt und darum, alle offenen Rechnungen zu bezahlen.

 

  1. Feb. Anzeige über den Konkurs des Buchdruckereibesitzers Oskar Lange (NZ)

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Als der Kongress der Badeärzte in Berlin ankündige, alle Bäder, die über kein gutes Trinkwasser verfügten aus der Liste der „besuchswürdigen“ Bäder zu streichen, sollte nun endgültig mit dem Bau der Wasserleitung begonnen und die acht öffentlichen, zumeist unzureichenden sowie hygienisch bedenklichen Brunnen geschlossen werden. 

 

  1. Mär. Ausschreibung für den Bau des Gehwegs und des Kanals in der Burgstraße (NZ)

 

  1. Mär. Geschäftsanzeige (NZ).

Louise Krause eröffnete eine Geschäft mit Klempnerwaren, Haus- und Küchengeräten in der Lindenstraße, während ihr Ehemann Eduard Krause weiterhin ein Geschäft für Öfen und Eisenwaren fortführte.

 

  1. Apr. Geschäftsanzeige von Heerwagen (NZ).

Der Orgelbaumeister zeigte in der „Tanne“ zur Kundenwerbung eine Musterorgel.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324 Röblitz, Heimatbuch).

Beschlossen wurde die Aufnahme einer Anleihe von 70.000 Mark für das städtische Wasserwerk, allerdings mit der Option für den Bau und Betrieb doch noch einen privaten Investor zu finden. Beschlossen wurde außerdem die Eingemeindung der Fränkenauer Wiese, wenn sich die  Erwerber der Grundstücke verpflichteten, Villen zu bauen. Bewilligt wurde außerdem eine Spende für den Bau eines Völkerschlachtdenkmals  bei Leipzig.

 

  1. Apr. Änderung der Lehrerbesoldung (MER C 48 Iib 2028 I)

Das Grundgehalt wurde auf 1000 Mark festgesetzt und staffelte sich nach den Dienstjahren in Stufen von 100 Mark. Für das Heizmaterial wurden dem Hauptlehrer 90 Mark, den übrigen 75 Mark gewährt. Für die Dienstwohnung erhielt der Hauptlehrer 300 Mark, die unverheirateten Lehrer 200 Mark, die verheirateten 250 Mark. Der zweite Lhere bekam für die Tätigkeit sla Küster und Kantor  eine Zulage von der Kirchengemeinde von 294 Mark.

 

  1. Apr. C. Friedrich beantragt die Errichtung eines Flussbades (NZ).

Die von der Stadt eingerichtete Fähre zur Johannisquelle war bereits an Friedrich verpachtet. Unmittelbar daneben, am rechten Ufer sollte nun eine Flußbadeanstalt entstehen. Der Plan des Zimmermeisters Toepfer zeigt eine 27 x 11 Meter messende   Holzkonstruktion, die von einer 3,5 Meter hohen Bretterwand umgeben ist. Darin befand sich das eigentliche Becken (5 x 18 m) mit Sprungbrett, Ankleideräumen, mehrere Einzelkabinen und einem Kassenhäuschen. Vom Ufer gelang man über eine kleine Brücke in die Anstalt.

 

  1. Mai Vertrag mit Musikdirektor Wernicke (St.-A. Nr. 348)

Die Jahrespauschale für die geforderten 16 Musiker wurde auf 3.000 Mark erhöht.

 

  1. Mai Eröffnung der Postagentur auf der Rudelsburg (NZ).

Von Mai bis September war die Agentur an den Wochentagen von 8 bis 11 und 13 bis 19 Uhr, an Sonn- und Feiertagen  von 8 bis 9 und 17 bis 18 Uhr geöffnet.

 

  1. Mai Hans Fischer wird geboren (Vita).

Der Sohn des Prokuristen der Zementfabrik, nannte sich später Fischer-Kösen (gest. 23.4.73 im Rheinland), und war einer der erfolgreichsten Produzenten von Trick- und Werbefilmen in der Mitte des 20. Jahrhunderts, auch als der  deutsche Walt Disney bezeichnet.

 

  1. Mai Einweihung des Bismarckdenkmals auf der Rudelsburg (Das neue Blatt Nr. 39).

In Anwesenheit der Corps des KSCV, zahlreicher Honoratioren, Einwohner und Gäste enthüllte Zimmermeister Fr. Töpfer sen. den vom Berliner Bildhauer Norbert von Pfretzschner entworfenen und vom VAC finanzierten Bronzeguss des jungen Bismarck als Corpsstudent.

 

  1. Juni Unwetter über Fränkenau (NZ).

Die zu Tal stürzenden Wassermassen richteten erhebliche Schäden im Stadtgut, am Flutgraben,  an der Bahnunterführung und in den Weinbergen an. Am Sonntag trafen  „Katastrophentouristen“ ein, sehr zur Freude der Restaurateure. Der Magistrat gewährte bedürftigen Weinbergsbesitzern eine einmalige Hilfe von 300 Mark.

 

  1. Juni Beginn der Bohrarbeiten für den Trinkwasserbrunnen (NZ).

Die Stadt  hatte eine Firma aus Halle mit dem Bau der Leitungen für 273 Anschließer beaiftragt. Der 200 m³ fassende Speicher am Fußstieg kam an eine Kösener Firma. Der Brunnen (heute Borlachstr. 48) war 9,6 Meter tief und wurde von der Fa. Anger aus Hannover abgeteuft. Die Fördermenge betrug 20 m³/Std, der Tagesbedarf der Stadt bei 100 m³. Kritisiert wurde die Trasse durch die Saale, weil eine Leitung über die Brücke  einfacher  zu bewerkstelligen und für Reparaturen leichter zugänglich war. Allerdings gehörte die Brücke dem Fiskus und die Genehmigung dafür war sehr zeitaufwändig. Der Hausanschluss kostete 9.50 Mark für das Anbohren und 2.75 Mark für den Meter Bleirohr. Der Wasserzähler sollte 35 Mark kosten,  der Kubikmeter Wasser 20 bis 30 Pfennige.

 

  1. Juni Kabinettsorder zur Diakonissenstation (NZ).

Kaiser Wilhelm II. verlieh der Diakonissenstation den Status einer  juristischen Person.. Die Beglaubigung erfolgte im  Juli durch den Geh.-Kanzleirat Reich.

 

  1. Juni Trauerfeier für den Gastwirt Fr. W. Andrä (NZ).

Andrä, der Schwiegersohn des legendären Samiel, hatte 1876 die Wilhelmsburg gepachtet und 1885 den „Preußischen Hof“ erworben.

 

  1. Juli Ankunft prominenter Badegäste (NZ).

Major a. D. Graf Henckel von Donnersmarck mit Gattin geb. von Prittwitz-Gaffron aus Berlin.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Abgelehnt wurde die Einrichtung einer Stadtfernsprechanlage  und dem ausgeschiedenen Polizeisergeanten Amelang 455 Mark Pension bewilligt.

 

  1. Juli Polizeianordnung zur Langholzflöße (NZ)

Kurz vor der Fertigstellung der Brücke zwischen Saaleck und Stendorf erfolgte die Anordnung, dass Flöße nur die mittlere Öffnung durchflößen durften.

 

  1. Juli Brunnenfest auf der Parkwiese (NZ).

Seit 1894 wurden die Ausgaben und Einnahmen vom Brunnenfest gesondert aufgeführt (St.-A. Nr. 448). In diesem Jahr waren es 206 Mark Ausgaben und 80 Mark an Einnahmen. Auch in den Folgejahren (bis 1907) musste die Stadt jeweils 100 zuschießen.

 

  1. Juli Pensionierung des Polizeisergeanten Amelang (MER C 48 Ih Nr. 921)

Amelang war seit 1897 im Dienst und nach einem Schlaganfall nicht mehr diensttauglich. Das Angebot ihn zu pensionieren, lehnte er ab. Ein amtsärztliches Gutachten  bescheinigte seine Dienstuntauglichkeit, nun lehnte er die Pension von 455 mark ab, da er zuletzt 1223 Mark erhalten habe. Doch bevor es zu einer Einigung kam, verstarb Amelang am 21. September.

 

  1. Juli Konzert der ungarischen Sängerin Silvany (NZ).

 

  1. Aug. Beitrag zur Stadtgeschichte im Naumburger Kreisblatt Nr. 201.

Der Autor W. Faust aus Auerstedt gab fast wörtlich eine gekürzte Fassung der 1826 von Lepsius verfassten „Ortskunde“ wieder.

 

      Aug. Inbetriebnahme des Südflügels des Gradierwerkes (NZ).

 

  1. Aug. Tragischer Todesfall an der Windlücke (NZ).

Ein junger Mann hatte seine Geliebte erschossen, weil sie einen anderen Mann geheiratet hatte und dann sich selbst, wie aus seinem Abschiedsbrief hervorging.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurden 700 Mark Jahresgehalt für den neuen Polizeisergeanten, dazu 130 Mark für die Kontrolle der Biersteuer, 45 Mark Kleidergeld, 60 Mark für die Marktaufsicht und freie Wohnung. Da für den Polizeidienst ausgeschiedene Unteroffiziersdienstgrade eingestellt wurden, sollte die Dienstzeit bei der Pensionierung nicht angerechnet werden. Außerdem wurden 15.000 Mark Mehrkosten für die Wasserleitung sowie der Kauf der Parzelle an der Eckartsbergaer Chaussee für den Hochbehälter bewilligt. Dem Grundstückseigentümer Eckhard, durch dessen Grundstück die Wasserleitung zum anderen Saaleufer verlegt werden sollte, wurden 100 Kubikmeter Wasser jährlich als Entschädigung angeboten.

  

  1. Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NZ).

Insgesamt  besuchten 2.055 Gäste das Bad.

 

  1. Sept. Zwangsversteigerung des Kurgartens (NZ).

Auch Otto Friedrich Melzer war es nicht gelungen die Restauration rentabel zu gestalten. Das  gesamte Anwesen mit Wohnhaus, Hof, Garten und 32 a Wald an der Fränkenauer Hohle kam erneut unter den Hammer. 

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige des Kunstmalers E. Koch (NZ).

Koch, der das Malergeschäft von Leschke in der Borlachstraße (43) übernommen hatte, zog nun in die Rudelsburgpromenade (16).

 

  1. Okt. Einweihung der Saaleck-Stendorfer Brücke (NZ).

Die Pläne stammten vom Baurat Rose, die Ausführung oblag der Fa. Reichenbach. Die Initiative ging vom Stendorfer Rittergutsbesitzer dem Landrat Freiherrn v. Feilitzsch aus. Die Bauzeit betrug sechs Monate.

 

  1. Nov. Eintrag in das amtliche Firmenregister (NZ).

Unter der Nr. 299 wurden der „Mutiger Ritter mit Ritterbad“  von  Hermann Weber eingetragen.

 

  1. Okt. Bürgerversammlung zur „Kurgartenfrage“ (NZ St.-A. Nr. 60).

Die zunehmende Verlagerung der Geschäfte und der Wohnungen auf das rechte Saaleufer  erfüllte Vermieter und Restaurateure mit Besorgnis. Um die Attraktivität des inzwischen älteren Stadtteils wieder zu heben, schlug P. Kersten vor, dass die Stadt den zur Versteigerung stehenden Kurgarten erwerben und hier ein modernes Kurhaus und ein zweites  Gradierwerk errichten sollte. Dabei könne man die bereits bestehende Soleleitung nutzen. Kerstens Vorschlag  wurde mehrheitlich befürwortet und er bevollmächtigt diese Idee in der Stadtverordnetenversammlung dem Magistrat vorzutragen.

 

  1. Okt. Verlegung der Trinkwasserleitung durch die Saale.(NZ)

Unterhalb der Bahnbrücke wurde nach Überwindung erheblicher Hindernisse die 10 cm starke und 80 Meter lange Stahlrohrleitung  in den Flußgrund versenkt.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 324, NZ).

Genehmigt wurde die Eingemeindung der  letzten Parzellen des Jackenbergs. Bewilligt wurden 5.000 Mark aus dem Geldgeschenk für die Neubedornung der Ostseite des Gradierwerks und die Erneuerung der Soleleitung. Abgelehnt wurde der von den Erben angebotene Kauf der Rosenbergerschen Grundstücke für insgesamt 80.000 Mark.

  1. Kerstens beangtragte den Erwerb des Kuchengartens bei der Zwangsversteigerung und die Mehrheit der Stadtverordneten schloss sich dem an. Der Magistrat lehnte wegen fehlender Mittel ab. Da sich bei der Versteigerung des gesamten Anwesens kein bieter fand , wurden nun einzelne Teile verkauft. Eine Parzelle an der Ilske erwarb der Privatier Schlunk und baute hier die Villa „Waldfrieden“ (Fr.- Ebert Str. 24).

 

  1. Nov. Herbstkontrolle im „Mutigen Ritter“ (NZ)

Das betraf alle  Reservisten und Urlauber der Landwehr.

 

      Nov. Badebericht (MER  C48Ii).

Im gekürzten Bericht an die Kgl. Regierung wurden im Durchschnitt der letzten vier Jahre 2.140 Erwachsenen Kurgäste und 220 Kinder registriert.

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  1. Dez. Polizeiverordnung zur Flößerei auf der oberen Saale (NZ)

Diese Verordnung galt auf der Saale bis zur Mündung der Unstrut und ersetzte die  Verordnung vom 22. Juni 1872. Die Flöße durften nicht breiter als 8 Meter sein. Mindestens 2 Mann Besatzung waren vorgeschrieben bei 2 Gelenken mit Schneidholz und Mastbäumen, bei 3 Gelenken mir Schachtholz und Hängebäumen oder bei kurzen Gelenken mit Klöppeln, Pflöcken, Brettern oder Latten. Jedes Floß mußte mit einer Tafel versehen sein, die Kennzeichnung hatte entspr. den Bestimmungen des Herzogl. Altenburgischen Steueramt zu Kahla zu erfolgen.   Flöße durften nur dort anlegen wo entsprechen Anbindepflöcke am Ufer standen. Außerdem wurde das Verhältnis zwischen den Flößern und den „Triebwerksbesitzern“ geregelt, deren Wehre mit Floßfahrten bzw. Schleusen versehen waren. Lose Floßhölzer galten nicht als Strandgut sondern mußten gemeldet werden.

 

  1. Dez. Presseerklärung von Stadtverordneten (NZ).

Die Differenzen zwischen den Befürwortern des Erwerbs des insolventen Kurgartens und der Anlage von Kureinrichtungen am linken Ufer der Saale und dem Magistrat verschärften sich. Auf einer Bürgerversammlung in der „Tanne“ erklärten Kersten und Wolff, dass der Magistrat den Willen der Mehrheit der Stadtverordneten negiert, obwohl diese die Mehrheit der Bürger vertreten, die wollten, daß „auch ein Gradierwerk auf dem linken Saaleufer errichtet“ wird.

  

              Personenstanderfassung (KÖZ).

Die Einwohnerzahl betrug 2.706, davon 1.135 Männer und 1.571 Frauen, Geburten gab es 79, davon 6 uneheliche, Todesfälle 58, darunter waren drei Kinder einer Familie, die bei einem Wohnungsbrand umkamen.

 

1897

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NZ).

Beschlossen wurde, die amtliche Zulassung der „Kösener Zeitung“ und dafür 150 Mark  bereitzustellen, wobei es dem Magistrat überlassen blieb, bestimmte Bekanntmachungen auch im Kreisblatt zu veröffentlichen. Danach wurde ein Antrag der Einwohner von Lengefeld und Saaleck verlesen, wo die Stadt aufgefordert wurde, den Einspruch gegen die Kalköfen im Kalkwerk zurück zu nehmen, da hier zahlreiche Einwohner beschäftigt. Die Kösener Bade- und Gastwirte waren wegen der geplanten 80 Meter hohen Schornsteine dagegen, weil deren Qualm Richtung Stadt ziehen würde Gegen die Anlage stimmten Schuhmachermeister Becker, Schulvorsteher Dr. Gehrke, Kaufmann O. Koch, Ratsschöffe Krüger Rentier Lucas, Postmeister a.D. Müller, Mühlenbesitzer Roßner, Ratsschöffe Siebold, Zimmermeister Töpfer, Hotelbesitzer Weber. Dafür waren Fabrikbesitzer Kersten und Buchbindermeister Wolf.

 

  1. Jan. Gebührenordnung für das städtische Trinkwasser (St.-A. 60).

Der Abgabepreis betrug 20 Pfg./Kubikmeter zuzüglich der Zählergebühr. Darüber hinaus wurden die Rechte und Pflichten der angeschlossenen Hausbesitzer geregelt.

 

  1. Mär. Vertrag mit dem Provinzialschulkollegium (St.-A. Nr. 360)

Die Landesschule überließ der Stadt einen Streifen in der Weniger Aue zur Anlage einer „Wandelbahn“ von der Johannisquelle zur Fähre an der „Katze“ zum Preis von 1,50 Mark/m². Im Gegenzug  verpflichtete sich  die Stadt, umgehend die Eigentums- und Nutzungsrechte in der Loreleypromenade so zu ordnen, dass diese eingemeindet werden kann,  zur Unterhaltung des Saaleufers, die Wahrung des Zugangs zur Weniger Aue und den Abhang des Rechenberges, in der  Loreleypromenade den forstwirtschaftlichen Verkehr der Schule weiterhin zu dulden und auf eine Jagdpachtgeld zu verzichten. Danach beantragte die Badedirektion bei der Wasserbauinspektion den Wegebau im Überschwemmungsgebiet.

 

  1. Apr. Der Chausseeeinnehmer Axthelm pachte den „Göttersitz“ (NZ).

 

  1. Mai Wiedereröffnung des „Kurgartens“ (NZ).

Das Anwesen hatte ein Lübecker aus der Versteigerung erworben.

 

  1. Juni Inbetriebnahme des städtischen Wasserwerkes (Röblitz Heimatbuch, St.-A. Nr. 144).

Nach dem Anschluß der elektrischen Pumpen an das städtische E-Werk wurde das Leitungsnetz gefüllt. Im Pumpenhaus wurde dann noch ein Lager für die Ersatzteile und die Wasserzähler sowie eine Wohnung für den Maschinenwärter eingerichtet und der übrige Streifen an der Bahn mit 80 Obstbäume bepflanzt, deren Behang jährlich neu verpachtet wurde.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544/NZ).

Beraten wurde über einen Vertragsentwurf mit der Landesschule zur Erschließung  von Bauland östlich der Friedrichstraße. Geplant waren drei Straßenzüge, an denen die Landesschule Grundstücke parzellieren und an Bauwillige verkaufen wollte. Die Stadt ihrerseits verpflichtete sich zur Eingemeindung. Widerstand kam von P. Kersten, der auf  Leerstand links der Saale hinwies und dem Zimmermeister Toepfer persönliche Vorteilsnahme unterstellte, nicht ganz zu Unrecht, denn dieser hatte als Bauunternehmer seine Finger im Spiel. Problematisch erwies sich der Vertrag in anderer Hinsicht. Da die Eingemeindung der einzelnen Grundstücke erst nach deren Bebauung erfolgen sollte, galten hier noch die baupolizeilichen Vorschriften für den Gutsbezirk, der mit denen der Stadt nicht übereinstimmte. Außerdem strich  die Landesschule auch die Steuern und Gebühren ein.

 

  1. Juli Baugenehmigung für das Postgebäude in der Lindenstraße 13 (St.-A.).

Die kaiserliche Poststelle  im Rosenbergerschen Wohnhaus (Lindenstraße 11) reichte nicht mehr aus und der Bau in der kleinen Promenade hatte sich auch zerschlagen. Daher ging die Kaiserliche Postverwaltung auf das Angebot des Baurates Eberhardt aus Apolda ein, der das Grundstück  aus dem Konkurs des Buchdruckers Lange erworben hatte und hier ein Postamt bauen und der Postverwaltung vermieten wollte. Das Langesche Wohnhaus wurde abgebrochen und ein dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechendes Amtsgebäude errichtet, in das auch die Vermittlungsstelle der projektierten Fernsprechleitung untergebracht werden konnte. Später kaufte die Reichspost das Anwesen.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544).

Genehmigt wurde die Überlassung einer Parzelle zwischen den Grundstück Leschke (Borlachstr. 43) und dem städtischen Wasserwerk an die Bahnverwaltung unter der Maßgabe, dass diese wieder die Unterhaltung der Kaskade und des Kanals übernimmt und den Anschluss weiterer Entwässerungskanäle sowie den Überlauf des Brunnens vom Wasserwerk gestattet. Die BahnAG wollte hier eine Fußgängerbrücke errichten als Ersatz für den in Wegfall kommenden Schrankenübergang.

 

  1. Aug. Brand im Hecklauschen Grundstück in der Grünen Gasse (NZ 1910).

Erstmals bewährten sich die an der städtischen Wasserleitung angeschlossenen und von der Landesfeuersozietät finanzierten Hydranten. Kurze Zeit später wurde den Kreisdirektoren der Feuersozietät die Vorteile und die Wirkung der Hydranten im Rahmen einer Übung demonstriert.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Bewilligt wurde der Kauf der ehemaligen Rosenbergerschen Badeanstalt (Lindenstr. 9) und der Umbau zum Rathaus.

Der Drogist Jacob kaufte das Pensionshaus (Lindenstraße 8). Das Wohnhaus Lindenstraße Nr. 11 blieb im Besitz von Rosenbergers Töchtern. Magdalena  veröffentlichte unter dem Pseudonym Rose Berger Gedichte und Feuilletons und starb hier 1939. Eugenie Auguste, die mit ihrem Cousin dem Kapitän Georg Rosenberger verheiratet war, brachte hier die Vita der Familie ihrer Mutter einer geborenen du Bois-Reymond zu Papier. Sie starb 1931.  Das Haus zierte die Inschrift „Fallen Anker“ .    

 

  1. Sep. Projekt zur Erweiterung des Bahnhofgeländes. (WEI RBD K 161/5).

Dazu gehörten die Fußgängerbrücke, die Verbreiterung der Unterführung und die Erweiterung des Güterbahnhofs an der Fränkenauer Wiese.

 

  1. Okt. Pächterwechsel auf der „Wilhelmsburg“ (NZ).

Nach dem plötzlichen Tod des Pächters Barthel verpachtete der König-Wilhelm Kriegerverein die Bewirtschaftung zunächst auf zwei Jahre an eine kaufmann aus.

 

  1. Nov. Kaufvertrag mit den Rosenbergerschen Erben (Röblitz, Heimatbuch, St.-A. Nr. 143).

Die Stadt zahlte 43.000 Mark für die ehemalige Badeanstalt und richtete hier die Diensträumen des Magistrats, die Kämmerei, die Polizeiwache, die Feuerwehr und die Sparkasse ein. Damit wurden  Räume in der Schule frei, die für 2 Klassen und eine Lehrerwohnung reichten.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurden die Lehrergehälter. Vollbeschäftigte Lehrer erhielten 1.050 Mark, eine Alterszulage von 150 Mark und freie Wohnung bzw. einen Mietzuschuss  von 270 Mark. Lehrerinnen bekamen 800 Mark, 100 Mark Alterszulage und  freie Wohnung im Wert von 200 Mark. Hauptlehrer ohne Kirchendienst bekamen 1.200 Mark, ebenso Lehrer mit Kantor- und Küsterstelle. Bewilligt wurden die Mittel für den Umbau des Rathauses und die Aufnahme einer Anleihe bei der Landesfeuersozietät für den Kaufpreis der Rosenbergerschen Badeanstalt.

 

1898 

 

  1. Jan. Todestag von Cäcilie Redtel (Sterbereg.)

Die Tochter vom Bergrat Backs war mit dem Geh. Oberberg- und Baurat August Heinrich Redtel verheiratet. Ihr Sohn August (1849-1875) war als Schüler in Pforte Nietzsche´s „Unterer“, die  Tochter Anna mit dem  späteren Philosophen befreundet (s. Ns. Schriftwechsel) 

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. 544)

Wie üblich wurden auf der ersten Sitzung des Jahres die Kommissionen besetzt. Schriftführer: Weber, sein Stellvertreter Roßner, Kassenrevision Krüger und Koch, Baudeputation: Siebold, Töpfer, Krüger Roßner, Wegebaukommission: Siebold, Müller, Töpfer, Weber, Becker, Röblitz, Armen-Kommission: Pfarrer Diederichs, Dr. Schütze, Müller, Töpfer, Becker, Kfm. Apitzsch, Röblitz, Ökonom Bäßler, Schumacher Schubert, Gärtner Köhler, Sanitätskommission: Dr. Risse, Dr. Schütze, Dr. Löffler, Dr. Riemann, Rößler, Badedirektion: Bgm. Rudolph, Krüger, Siebold, Baurat a. d. Mertens, Dr. Löffler, Dr. Gehrke, Roßner.

 

  1. Mär. Schankkonzession für das Gasthaus „Zur Erholung“ (St.-A).

Das Anwesen an der Eckartsbergaer Chaussee gehörte dem Landwirt Steinbeck, die Schankwirtschaft war dem Gastwirt Völker verpachtet. 1899 übernahm Steinbeck selbst die Bewirtschaftung, gab dann wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Landwirtschaft auf,  teilte das Anwesen und verkaufte einzelne Flächen. Dazu gehörten das Wohnhaus Eckartsbergaer Straße 12 c (Kaufmann Timmler) und die Nr. 12d, wo der Kaufmann W. Becker kurz vor dem 1. WK ein zweigeschossiges Lagerhaus baute. Oskar Steinbeck fiel 1918, sein Sohn Walter Steinbeck betrieb dann eine Käsefabrik (12a) und verpachtete die „Erholung“ (12b) 1935 an  Hermann  Klenzig und nach dessen Tod 1937, an dessen Witwe bzw. die Tochter. 1941 hieß der Pächter Müller. Die “Erholung“ bestand noch in den 50er Jahren.

 

  1. Mär. Friedrich Freiherr v. Feilitzsch wird Ehrenbürger (BLK-A. Nr. 544, Röblitz, 1930).

In vertraulicher Sitzung wurde die Ernennung des Fürstlich Schaumburg-Lippesche Staatsministers, Besitzer des Rittergutes Stendorf und  Landrat des Kreises Naumburg für sein Engagement bei der Übertragung des Bades auf die Stadt beschlossen.

 

  1. Mai Kabinettsorder (Handbuch KSCV).

Dem VAC wurden die Rechte einer juristischen Person verliehen. Zum VAC gehörten 35 Bezirksverbände mit 3000 Alten Herren.

 

  1. Juni Konzession für ein Theaterunternehmen (MER C 48 Ii Nr.776 IX).

Das Ensemble des Kurgartentheaters, dass sich nach der Trennung vom Direktor „Theater-Republik“ nannte, hatte aus den eigenen Reihen einen neuen Direktor (v. Schiffner) gewählt, der von der Badedirektion für die laufende Saison engagiert wurde  Doch der zog es vor, mit dem Honorar zu verschwinden. Zurück blieben die um ihre Gage betrogene Schauspieler und Einwohner, die im guten Glauben dem Direktor Geld für die Kaution geliehen hatten.

Zwangsläufig erteilte man dem Merseburger Theaterunternehmer F. W. Bennecke für die restliche Saison bis September eine Spielerlaubnis für „Schauspiele, Lustspiele und Possen“. Die  Kaution von 1.500 Mark mußte er bar oder in Reichs-Papieren bei der örtlichen Polizeiverwaltung hinterlegen.    

 

  1. Juni Erste Stadtverordnetenversammlung im neuen Rathaus (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurden 50 Pfennig pro Hektoliter  für die Abgabe von Badesole  an private und auswärtige Interessenten.   

 

  1. Juli Vertrag mit Musikdirektor Wernicke zum Kinderfest (St.-A. Nr. 348)

Die Badekapelle hatte im schwarzen Rock mit Zylinder aufzutreten. Dafür gab es eine Sonderzahlung von 100 Mark.

 

  1. Juli Schankerlaubnis für den Hausdiener E. Abrecht, Burgstr. 8 (Sta.-Ar).

 

  1. Juli Bauerlaubnis für die Eckartsbergaer Str. Nr. 15 (St.-A.).

Als Folge der Reblaus wurde die Weinlage am Nikolausberg aufgelassen, die Weinbergsbesitzer verkauften an Bauwillige. Zwischen dem Steinbeckschen Anwesen (Nr. 12) und dem Fränkenauer Fronhäusern (Nr. 19) entstanden nach einem Entwurf von Fr. Toepfer mehrere Wohnhäuser  (Eckartsbergaer Str. 13 bis 18)

 

  1. Sep. Vertrag mit der RBD Erfurt und dem Kreisausschuss (WEI RBD K161/6).

Die der Bahn gehörende Ladestraße an der Ostseite des Bahndammes sollte vom Landkreis übernommen und als Landstraße ausgebaut werden. Dazu sollte hinter dem Gasthaus „Zur Katze“ ein neuer Schrankenübergang gebaut werden, an dem sich die  Bahnverwaltung mit 22.000 RM beteiligte. Damit erübrigte sich der erst wenige Jahre zuvor vom Jochenberg an die westliche Seite der Bahnstrecke in Verlängerung der Borlachstraße verlegte Fahrweg. Das Gelände erwarb das Kalkwerk für den Bau von Betriebswohnungen.

 

               Umwandlung der Kalkwerke der Gebrüder  Kersten (Festschrift 1905).

Eigentümer war die Sächsisch-Thüringischen Aktiengesellschaft für Kalksteinverwertung. Paul Kersten wurde zum Generaldirektor berufen. Im gleichen Jahr wurden die Brennöfen der Dampfziegelei und eine Kalkbrennerei in Freiroda in Betrieb genommen.

     

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Verzichtet wurde auf das Vorkaufsrecht für einen Streifen der Weberschen Wiese gegenüber vom Bahnhof zugunsten der Straßenbehörde für den Bau der Kreisstraße. Zugestimmt wurde dem Antrag des neuen Besitzers des Hotels Kurzhals, Naßmann, den Weg vom Schrankenübergang zur Promenade über das Hotelgelände für die Öffentlichkeit zu sperren.

 

  1. Nov. Wiederentdeckung des Überlaufstollens des alten Wildwasserschachts (NZ).

Bei der Auffüllung einer Bodensenke in der Loreleypromenadtrafen entdeckten Arbeiter den Überlaufstollen unter der Mälzerei („Zum Wehrdamm“). 

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Der Einspruch der Stadt gegen die Brennöfen im Kalkwerk war vom Kreis- und Bezirksausschuss abgewiesen worden und Kersten hatte zugesichert, dass sich die Staubbelastung in engen Grenzen halten würde. Die Stadtverordneten stimmten nun auf Widerruf der Konzession zu.

 

      Dez. Personenstanderfassung (NKB).

Die Stadtschule zählte 390 Schüler und 5 Lehrer. Die höhere Knabenschule (Dr. Gehrke) besuchten 56 Jungen, die höhere Töchterschule (Vorwerk) 52 Mädchen. Geburten gab es 78 davon 8 unehelich und 50 Sterbefälle darunter 14 Kinder und Säuglinge.

 

               Chr. Fr. A. Törpsch verstirbt im 83. Lebensjahr (Sterbereg.)

Törpsch wurde in Dürrenberg als Salineneleve ausgebildet. Die  anstrengende und vielseitige Ausbildung hat er in einem über zwei Jahre geführten Tagebuch festgehalten (St.-A. Nr. 173). Er durchlief alle zur Saline gehörenden Einrichtungen wie Bauhof, Siedekot, Gradierung und Pumpenturm. Zur Siederei gehörte das Tragen der Salzlasten, bei der Gradierung war Schichtdienst zu leisten. Zum theoretischen Teil, den er ausschließlich allein bewältigte gehörten Modellbau, Geometrie, Arithmetik, Kalligraphie und Deutsche Sprache. Dazu kamen Vorträge über Mechanik, Zimmererkunst und technisches Vokabular. An bestimmten Sonntagen und an den Feiertagen besuchte er seinen Heimatort und ging regelmäßig in die Kirche zu Pforte. Ebenfalls aus seiner Hand kommt eine Abhandlung zur Salzwerkskunde (St.-A. Nr. 11), mit der er wohl seine Lehrzeit abschloss. Unter Zugrundelegung seines Geburtsjahres (1815) wurde er wohl zwischen 1835 und 1840 als Unterbeamter auf der Saline eingesetzt. 1849 wurde er in der Kösener Lohnliste neben Zedel als Gradiermeister geführt.  Nach der Einstellung der Saline wurde er noch für die Versiedung der letzten Solevorräte gebraucht.  Die  Entscheidung, den Badebetrieb doch weiterzuführen bewahrte ihn vor einer Versetzung. Er wurde vom Badedirektorat übernommen und war nun verantwortlich für die Soleförderung, Gradierung und Abgabe an die Badewirte sowie die  Wellenbäder, wie aus seiner Dienstinstruktion von 1874 hervorgeht. Nach dem  Verzeichnis  des Salzdeputats von 1860 hatte Törpsch 5 Kinder.    

       

1899

 

              Gründung der Staatlichen Weinbauverwaltung (Weinbaugesellschaft).

Die zur Wiedererhebung des hiesigen Weinbaues eingerichtete Verwaltung kam in die  Saalhäuser.  Für die Aufzucht und Veredlung resistenter Reben wurden in Freyburg und Naumburg Rebschulen eingerichtet. Zuerst wurden die Saalhäuser aufgerebt und als Musterberge eingerichtet. Zehn Jahre später begann wieder eine umfassende Aufrebung der Steillagen an Saale und Unstrut.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde die Straße an der Schlunkschen Villa über dem Kurgarten „Bergstraße“ zu nennen und für die Anschaffung von Stromzählern 5000 Mark aus dem Krankenhausbaufond entnommen werden, die mit 15% zu verzinsen waren.

 

  1. Feb. Genehmigung zum Bau von Zement-Ringöfen (BLK-A. Nr. 72)

Nach der Ablehnung diverser Einsprüche genehmigte der Kreistag den Antrag der Sächsisch-Thüringischen Gesellschaft für Kalksteinverwertung.

 

  1. Feb. Brand des Saals des Kurgartens (NZ 1910).

Die hölzerne Konstruktion des Theatersaales und der Bühne brannten völlig nieder, nur das Haupthaus blieb verschont. Der Schaden wurde auf 60.000 Mark beziffert.

 

  1. Feb. Vertrag mit dem Musikdirektor Hermann Matthes (St.-A. Nr. 348)

 

  1. Mär. Antrag zur Einrichtung des Motorbootverkehrs zur Rudelsburg (BLK-A. Nr. 879).

Bootsbauer K. Friedrich meldete das Gewerbe an, nachdem er die Genehmigung der Kgl. Wasserbaudirektion erhalten hatte.

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung des „Waldschlößchens“ (NZ).

Für 8.200 Mark erwarb es der Musikdirektor W. F. Müller und ließ  es zur Villa umbauen.

 

  1. Apr. Der Kriegerverein verkauft das Vereinslokal der Witwe Barthel (NZ).

Für 33.000 Mark kam  die „Wilhelmsburg“ in den  Besitz der Ehefrau des früheren Pächters. Diese waren überregional bekannt geworden, weil sie eine Afrikanerin als Kind bei sich aufgenommen hatten. Killymane wurde im Februar 1895 getauft.  Als „Exotin“ zog Neugierige an und wurde auch als   Postkartenmotiv werbewirksam verbreitet. 

 

      Apr. Fertigstellung der Kreisstraße zwischen der Saalebrücke und Großheringen (NZ). 

 

  1. Mai Aufnahme des Motorbootverkehrs (NZ).

Das erste selbstgebaute Boot von Karl Friedrich war die „Loreley“. Das Holzboot war 12 Meter lang und 2,2 Meter breit, fasste 30-40 Personen und wurde von einem 3 PS starken Daimler-Petrol-Benzinmotor angetrieben. Zunächst verkehrte es zwischen der Loreleypromenade und der Rudelsburg. Später kamen dann Haltepunkte am „Deutschen Haus, an der „Katze“ und in Lengefeld dazu. Bereits im Mai 1900 wurde die „Rudelsburg“ in Betrieb gestellt.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Beschlossen wurde ein Zuschuss für die Einrichtung einer öffentlichen Fernsprechstelle.

 

  1. Juni Antrag des Kapellmeisters Franz Schulze (St.-A. Nr. 348)

Der hatte  seit 1884 eine kleine Kapelle, die mit Verstärkung auch größere Konzerte und Ballmusiken gab und für die er als „Kösener Stadtkapelle“ warb. Als ihm das vom Bürgermeister und dem Leiter der Kurkapelle untersagt wurde, beschwerte er sich beim Landrat.

  

      Juni  Fertigstellung des Fußgängertunnels am Bahnhof (NZ).

 

  1. Juni Todestag des Oberstleutnants Eugen Cäsar Waldemar v. Neindorff (Sterbereg.)

Der Stammbaum derer von Neindorff reicht zurück bis ins Hochmittelalter, wo sie zum  Hofstaat Heinrich des Löwen gehörten.

 

  1. Juni Zimmermeister Friedrich Toepfer verstirbt (NZ).

Toepfer kam 1868 nach Kösen, war seit 1872 Kirchenältester, seit 1874 Stadtverordneter, Innungsobermeister und Hauptmann der Feuerwehr und hatte wesentlichen Anteil am Aufbau des Badeortes. Rund 30 Villen, die noch heute ganze Straßenzüge prägen, stammen aus seiner Firma. 

 

  1. Juli Installation von Stromzähler (NZ).

Dafür hatte der Magistrat ein Darlehen aufgenommen, zu dessen Refinanzierung der Preis für die die Kilowattstunde auf 50 Pfennige erhöht wurde. Gleichzeitig wurde mit der Modernisierung des Freileitungsnetzes begonnen.

 

  1. Juli Verkauf des Kurgartens (NZ)

Hey verkaufte das Haus dem Restaurateur Schwarze, der bisher Pächter der „Katze“ für 46.000 Mark. Schwarze begann umgehend mit dem Wiederaufbau des abgebrannten Saales und der Anlage eines neuen Sommertheaters.

 

  1. Aug. Sitzung des Schöffengerichts wegen der „Kösener Stadtkapelle“ (St.-A. Nr. 348)

Inzwischen hatte auch die Ortspolizeiverwaltung die Bezeichnung untersagt und der Bürgermeister diese Maßnahme damit begründet, dass es nur vier  Musiker sind und somit die Bezeichnung Kapelle irreführend wäre. Der Streit kam vor das Amtsgericht und der Magistrat wurde aufgefordert, darzulegen, warum man Schulze die Bezeichnung „Stadtkapelle“ untersagt. Da sich die Aussagen widersprachen, ordnete das Gericht die Vorladung der von Schulze namentlich angeführten 14 Musiker samt Instrumenten und einen Musiksachverständigen an.

 

  1. Aug. 60jähriges Bestehen der „Liedertafel“ (NZ).

Dabei wurde eine Vereinsfahne aus schwerer Seide, mit Germania und dem Spruch „Im Liede stark, deutsch bis ins Mark – 1839-1899“ geweiht.

 

     Aug. Verpachtung der „Katze“ und der Bahnhofswirtschaft (NZ).

Der Rittergutsbesitzer Hauptmann v. Schönburg suchte für das Gasthaus und die Fähre einen  Pächter und kündigte an, das Anwesen, dass nun verkehrsgünstig an der Kreisstraße nach Thüringen lag, zu einem  modernen Hotel mit Restaurant auszubauen. Die Pacht betrug 4.500 Mark.

Die Kgl. Eisenbahnverwaltung suchte einen Pächter für 3.000 Mark Jahrespacht. 

 

  1. Aug. Wahl des Feuerwehrkommandeurs (NZ 1910).
  2. Töpfer der Sohn von Fr. Töpfer hatte abgelehnt, nun wurde der Kaufmann K. Koch gewählt.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde die Erhebung von Gebühren für die baupolizeiliche Prüfung und Genehmigung von Bauanträgen und der Beitritt zum Städteverband der Provinz Sachsen. Der zurückgetretene Ratsschöffe Siebold (geb. 1820) wurde für sein über dreißigjährige Tätigkeit zum Stadtältesten ernannt. Er starb nur 4 Tage später.

 

      Okt. Badestatistik (NZ).

Erfasst wurden 2.552 Kurgäste und 1.984 Passanten sowie 290 Kinder.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung zur Wahl des Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 544)

Rudolph war seit Juli 1888 Bürgermeister, nun sollte entschieden werden, ob er für weitere 12 Jahre das Amt bekleiden sollte. Anwesend waren 10 der 12 Stadtverordneten. Bei einer Geheimabstimmung waren 2 Stimmen für Rudoph, 8 dagegen. Daraufhin wurde die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle für 2000 Mark und freier Wohnung beschlossen. Weil ein Ratsschöffenamt nicht besetzt und der zweite Ratsschöffe (Krüger) fehlte, erhob Rudoph Einspruch. Seine Beschwerde beim Landrat hatte Erfolg, die Abstimmung wurde für ungültig erklärt.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Ratsschöffe A. Krüger legte das Schöffenamt nieder und als Nachfolger von Heinrich  Siebold  wurde der Kaufmann Otto Koch von Landrat von Dalwigk als Ratsschöffe vereidigt: „Ich Otto Koch schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß nachdem ich zum Ratsschöffen der Stadtgemeinde Kösen gewählt worden bin, ich Sr. Kgl. Majestät, von Preußen meinem allergnädigsten Herrn untertänig, treu und gehorsam sein werde und alle mir vermöge meines Amtes obliegenden Pflichten nach meinem besten Wissen und Gewissen genau erfüllen, auch die Verfassung gewissenhaft beobachten will, so wahr mir Gott helfe.“.

 

  1. Nov. Albert Krüger wird zum Stadtältesten ernannt (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Der Holzhändler (Jg. 1836) wurde damit für seine 27jährige Tätigkeit geehrt. Er starb im März 1900 in Meran.

 

           San.-Rat C. Schütze wird Generalsekretär des Allg. Deutschen Heilbäderverbandes.

 

           Einbau von zwei modernen Francisturbinen an der Mühle (Roßner 1932).

Diese dienten als Antrieb der gesamten Maschinerie, eine kleinere Turbine mit einem Generator lieferte den Strom für das Anwesen.

 

           Bau der Zementfabrik im Kalkwerk (Festschrift Kalkwerk 1905).

Die Zementfabrik war die modernste Anlage der Zeit und mit einer der ersten Entstaubungsanlagen ausgerüstet. Ingenieure und Kaufleute aus vielen Ländern besichtigten das  Werk. Die Zementfabrik brachte es dann auf einen Jahresproduktion von 300.000 Faß. Mustergültig waren auch die Wohlfahrtseinrichtungen für die im Werk beschäftigten Arbeiter und Angestellten.

 

           Internationale Postkartenausstellung in Nizza (LDZ v. 12.8.1970).

Hier erhielt die erste  Ansichtskarte, die die Rudelsburg zeigte eine Silbermedaille.

  1. Dez. Postmeister a.D. K. Müller erhält die Ehrenbürgerwürde (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Müller (geb. 1820 in Freyburg, gest. 1901) war von 1869 bis 1899 ununterbrochen als Stadtverordneter tätig.

 

1900

 

  1. Jan. Gastwirt Schwarze eröffnet den „Kurgarten“ (KÖZ).

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Wiederholt wurde die Abstimmung über eine zweite Amtszeit für den Bürgermeister. Von den 12 Stadtverordneten waren 11 anwesend (die Schöffen Koch und Rabenalt, Wolf, Kersten, Hämmerling, Hädicke, v. Hohorst, Becker, Roßner, Dr. Löffler, Weber). Alle stimmten geschlossen gegen Rudolph. Rudolph blieb nominell im Amt, nahm aber nicht mehr an den Sitzungen teil. Den Magistrat vertrat der Ratsschöffen Rabenalt. Befürwortet wurde der Antrag von C. Friedrich die Fähre nach der Johannisquelle für weitere fünf Jahre zu pachten.

 

  1. Apr. Stiftung der Schwesternstation (NKB, Röblitz).

Leontine und Constanze v. Schmettau, die Nichten von Ferdinande von Schmettau überließen ihr Anwesen (Saalstraße 6) der Diakonie.  Jenny v. Gerstenbergk teilte im Februar der Oberin des Eisenacher Mutterhauses mit, dass „betreffs des fraglichen Hauses (.) der erste Anfang dazu gemacht  werde“. Im Vereinsraum traf sich der Jungfrauenverein zur „belehrenden Geselligkeit mit Gesang, Vorlesen guter Schriften usw.“, Mädchen erlernten das Nähen und Stricken, Weihnachstfeiern und Konfirmandenunterricht fanden statt. Die Wohnräume der Schwestern waren im Obergeschoss über eine Galerie erreichbar. Auch für auswärtige Lazarusschwestern, die sich hier erholten gab es einige Betten.

  

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544).

Nach dem aktualisierten Ortsstatut wurde neben den beiden unbesoldete Ratsschöffen auch ein Stadtverordnetenvorsteher (Roßner) und ein Stellvertreter (Dr. Löffler) gewählt, womit der Einfluß des Parlaments auf die Verwaltung gestärkt werden sollte.

 

  1. Mai Vertrag mit dem Musikdirektor Moritz Hermann aus Halle (St.-A. Nr. 348)

Vereinbart wurden 2.000 Mark für 20 Musiker. Als Zusatzverdienst wurden morgendliche Ständchen und Sonderkonzerte in geeigneten Restaurationen gestattet.  

 

  1. Juni Erich Töpfer wird neuer Feuerwehrkommandeur (Festschrift 125 Jahre).

Der Vize-Kommandeur Reichenbach konnte Töpfer zur Übernahme des Postens überreden.

 

      Juni  Eröffnung der städtischen Flußbadeanstalt in der Rudelsburgpromenade.

Der Aufwand für den Auf- und Abbau und Beschwerden der Besucher der Johannisquelle über die badenden Knaben,  veranlaßten Carl Friedrich das Flußbad an der Krümme aufzugeben.  Die Teile kaufte die Stadt und pachtete am andren Ufer in der Nähe des Holzwerks von Graf & Döhler eine Wiese. Trotz Badehosenzwang für Knaben (Mädchen spielten hier noch keine Rolle), und eine hohen Sichtschutz, kam es auch hier zu Beschwerden der hier entlang promenierenden Gäste. Diese Flußbadanstalt bestand bis 1913.

 

  1. Juni Erklärung des Kapellmeisters Hermann (St.-A. Nr. 348)

„Meine Mitglieder der Badekapelle haben am heutigen Tage beschlossen, für den Preis von 2.000 Mark nicht mehr zu spielen....“ Bei zwei Konzerten täglich und durchschnittlich 15 Musiker bekam jeder nur 75 Pfennige pro Konzert. Daraufhin wurden 3.000 Mark bewilligt.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Abgelehnt wurde der Antrag der Landesschule, den Pachtvertrag mit dem Gastwirt Weber über den Uferstreifen an der kleinen Saale zu übernehmen.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Die unterirdische Verlegung der „Reichstelegrafenleitung“ sollte möglichst nicht in der Lindenstraße und die Arbeiten nicht während der Saison erfolgen.

 

  1. Okt. Abfertigung des ersten Zementwaggons (KÖZ 1925).

 

               Gründung des Radfahrervereins „Rudelsburg“ e.V. (NZ).

Der Verein schloss sich dem Gau 16 „Thüringen“ an.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurden Mittel für die Gedenktafel für Therese Berbig und der Anschluss des  Rathauses an das Telefonnetz.

 

  1. Nov. Kaufantrag an die Bahndirektion (BLK-A. Nr. 294)

Für die gegenüber vom städtischen Wasserwerk errichteten Häuser sollte der nun nicht mehr benötigte Lengefelder Fahrweg, entsprechend den baupolizeilichen Vorschriften auf  16 Meter verbreitert werden. Neben einem Stück Land beantragt man die Erlaubnis, den von der Mausebrücke  kommenden Flutkanal zu überbauen. Die Verwaltung in Erfurt lehnte den Antrag ab, was aber den magisrrat nicht davon abhielt , den Flutgraben zu verrohren.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 544).

Im Streit um eine Baugenehmigung, die ohne vorherige Zustimmung der Baukommission (Kersten, Wolf) erteilt wurde, schloß der Stadtverordnetenvorsteher Roßner die Sitzung wegen „ungehörigen Tons“ und verlegte sie auf den 8. Dezember.  

 

  1. Dez. Todestag des Rentier Friedrich Heun (Sterbereg. Röblitz, Heimatbuch).

Heun wurde 1814 in Teuditz geboren. Sein Vater der Chemiker Georg Heun war Pächter der chemische Fabrik der Saline und betrieb hier die erste Badeanstalt an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 3). Heun beteiligte sich als stiller Teilhaber am Kösener Komitèe, überstand aber das spekulative Unternehmen ohne größere finanziellen Einbußen. Er war von 1876 bis 1886 Stadtverordneter und  stiftete der Stadt 18.000 Mark für die Schule und 3.000 Mark für das Krankenhaus. Im Februar wurde das Vermächtnis angenommen und das Anbringen einer Gedenktafel im Rathaus beschlossen.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Zum Erhalt des Pädagogiums nach dem plötzlichen Tod des Dr. Gehrke am 23. 11. 1899 im Alter von 51 Jahren, wurde im vertraulichen Teil beschlossen, potentielle Interessenten die Unterstützung der Stadt beim Erwerb und der Weiterführung in Aussicht zu stellen und die Witwe sollte eine notariell beglaubigte Zusicherung abgeben, dass sie nur an einen Interessenten verkauft, der das Pädagogium weiterführt. Beschlossen wurde außerdem, dem stv. Bürgermeister Rabenalt die nachgewiesenen Repräsentationskosten und Dienstauslagen zu erstatten, eine Pauschale wurde abgelehnt. Für die Neueinstellung eines Bürgermeisters wurde ein Jahresgehalt von 3000 Mark bewilligt.

 

              Personenstandstatistik (NZ).

Zur Jahrhundertwende betrug die Einwohnerzahl 2.904.

 

1901

 

  1. Jan. Schreiben des Geh. Bergrats Prof. Beyschlag (Die Solequellen …IHU 1992).

Der Magistrat beauftragte den Präsidenten der Preußischen Geologischen Landessanstalt mit einem Gutachten zur qualitativen und quantitativen Verbesserung der Solezuflüsse in den beiden Schächten, da sich die Sole im oberen Schacht ständig verschlechterte. Beyschlag verwies darauf, dass durch die Auslaugung des Gewinnungshorizonts keine Verbesserung zu erreichen sei und empfahl die Niederbringung einer Tiefbohrung in das Röt  am Westufer.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Vorgestellt wurde die Offerte des Sächsisch-Thüringischen Dampfkessel-Revisonsvereins Halle zur Revision der elektrischen Anlagen, denn der Generator und die Akkumulatoren  zeigten erhebliche Verschleißerscheinungen. Ein weiterer Ausfall würde einer Katastrophe gleichkommen, da Sole- und Trinkwasserförderung davon abhingen. Informiert wurde, dass sich für das Pädagogium ein Pfarrer  aus Rudersdorf beworben habe.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Mit allen Stimmen wurde Otto Lünzner (Jg. 1853) aus Sömmerda gewählt, bislang  Bürgermeister in Weißensee und Kindelbrück und am 22. April in sein Amt eingeführt. In vertraulicher Sitzung wurde beschlossen, dem derzeitigen Interessenten für das Pädagogium den Verzicht nahe zu legen und einen anderen Interessenten zu suchen. Erkundigungen hatten ergeben, dass er dafür nicht geeignet war.

 

25 Apr. Baugenehmigung für die Eckartsbergaer Straße 17/18 (St.-A.).

Bauherrin war Eugenie Toepfer, die ledige Tochter von Friedrich Toepfer, die das Doppelgrundstück erworben und hier das „Rote Schlößchen“ nach dem Entwurf ihres Vater baute.

 

  1. Mai Sanitätsrat Dr. Johann Christian August Wahn verstirbt (Röblitz, Heimatbuch).

Das Ehrenmitglied der Badedirektion, Badearzt und Besitzer der ehemaligen Hartungschen Badeanstalt  vermachte der Stadt 1000 Mark, die als Stiftung für die Schulkindern gedacht war.   (St.-A. Nr. 280). Magistrat und Stadtverordnete würdigten seine Verdienst mit einem Nachruf.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde die Einrichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule für alle Lehrjungen und Lehrmädchen der örtlichen Handwerks- und Gewerbebetriebe. Den unterricht übernahmen die Lehrer der Stadschule. Die Kosten wurden auf die ausbildenden Betriebe umgelegt.

Die Abgabe von Badesole erfolgte nur noch an ortsansässige Badewirte, die über eine ärztliche Befürwortung  verfügten. Der Abgabepreis erhöhtte sich auf eine Mark pro Hektoliter. Die Gastwirte und Restaurateure mußten eine Gebühr bezahlen, wenn sie die Badekapelle in ihren Etablissement spielen ließen. Die Kurkarte für Einheimische, die zum Besuch der Kurkonzerte berechtigte, wurde für Einzelpersonen auf 4 Mark und für Familien auf 6 Mark erhöht. Da zeigt, dass 5 Jahre nach der Übernahme das Bad für die Stadt ein reines Zuschussobjekt war. Genehmigt  wurde die Verpachtung der Johannisquelle an den Kaufmann Scholvien.

 

  1. Mai Jenny v. Gerstenbergk erwirbt ein Grundstück in den Hinterbergen (BLK-A. Nr. 72).

Der Molkereibesitzer Alwin Holliger und seine Ehefrau Anna Antonie geb. Schiedt verkauften Jenny v. Gerstenbergk das Flurstück 355/99 in den Hinterbergen rd. 10.000 qm für 11.000 Mark, verbunden mit einem Wegerecht für sich und ihre Besucher über das Grundstück des Verkäufers.    Den  Vertrag beurkundete der Stadtinspektor Röblitz. In ihrem Häuschen oberhalb des Holligerschen Grundstücks wohnte sie dann zusammen mit einer Wirtschafterin und dem Gärtner. Außergewöhnlich war ihr Wunsch hier auch beerdigt zu werden. Landrat Dalwig und Bürgermeister Lünzner stimmten in Anbetracht ihrer Reputation aus ihrer Weimarer Zeit und ihre Verdienste um die Diakonissenstation und die Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte im Einverständnis mit dem Pfarrer zu. . 

 

      Mai  Auf dem Geiersberg wird die  „Bismarckeiche“ gepflanzt (NZ).

Eigentlich sollte hier ein „Bismarckturm“ errichtet werden.

 

  1. Mai Verpachtung des Brückenhäuschens (St.-A. Nr. 550)

Die Kgl. Regierung genehmigte den Antrag, hier einen Verkaufsstand einzurichten, unter der Maßgabe, dass der Kaufmann Hecklau „ein ordentlicher und zuverlässiger Mann sei“. Das war nicht der Fall. Hecklau, der bislang neben dem Wellenbad einen Andenkenhandel betrieb hatte den Offenbarungseid geleistet und das Gewerbe auf seine Ehefrau übertragen.

 

  1. Juni Ausfall der Soleversorgung (MER. C XVII).

Die gußeiserne Röhrenfahrt zum Gradierwerk war defekt. Damit fiel nicht nur die Freiluftinhalation aus, sondern auch die Soleversorgung des Inhalatoriums im unteren Park. Nicht betroffen waren die privaten Badeanstalten (St.-A. Nr. 394,414). Außerdem sank die Solekonzentration da immer mehr Wildwasser aus dem defekten Verbau des unteren Schachtes über den Querstollen in den oberen Schacht kam und den Austritt der Quellsole unterband.

 

  1. Juni Apotheker Höfer bietet den Versand des „Mühlbrunnens“ an.

Höfer hatte die Adler-Drogerie, eine Filiale des Naumburger Drogisten Töpfer an der Ecke Saalstraße /Schmettaustraße erworben und diese in die Uferstraße 5 verlegt. Die Drogerie kam dann in den Besitz des Drogisten Felix Kühn, bevor sie Gewies übernahm.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544).

Den Kaufantrag für einen Weg von der Johannisquelle zur Fähre an der „Katze“hatte die Landesschule abgelehnt, dafür aber die Wiese an der Westseite des Gradierwerks angeboten. Beschlossen wurde der Erwerb eines Streifens vor dem Köttnitzschen Grundstück (Borlachstr. 38) zur Verbreiterung der Straße, ebenso wie vor dem Grundstück der alten Matthesschen Wurstfabrik (Grüne Gasse 4/5). Der Soleabgabepreis wurde auf 75 Pfennige pro Hektoliter gesenkt und eine strengere Kontrolle der privaten Badewirte  angekündigt. In den Badelisten sollten die Gäste darauf hingewiesen werden, dass eine ordnungsgemäße Abgabe von Solebädern nur in den öffentlichen Badeanstalten (Borlachbad, Wilhelmsbad, Ritterbad) gewährleistet wird.

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       Aug. Geschäftseröffnung des Buchbinders M. Tobias in der Lindenstraße (KÖZ 1941).

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Einstellung des Mechanikers Max Buchholz für das Elektrizitäts- und Wasserwerk. Bewilligt wurde der Antrag der Frau Geh. Regierungsrätin Simon geb. Senff aus Berlin, die Grabpflege ihrer hier beerdigten Geschwister aus deren Stiftung zu finanzieren. 

 

  1. Sep. Antrag des Musikdirektors Hermann (St.-A. Nr. 348)

Der beantragte eine finanzielle Unterstützung während des Winterhalbjahres, weil die Einnahmen aus der Saison nicht reichten, ihn und seine Familie zu ernähren. Der Antrag wurde abgelehnt ebenso eine Wiederwahl als Leiter der Kurkapelle.   

 

  1. Nov. Todestag von Carl von Mühlenfels (Sterbereg.)

Bekannt wurde seine aus dem Rheinland stammende Schwiegertochter Hedwig geb. Rathgeber (geb. 1874). Die begleitete ihren Gatten der als Militär-Instrukteur nach Chile ging. Dort zerbrach die  Ehe, sie zog in das Haus ihrer Schwiegereltern (Loreleypromenade 5). Hier begann sie sich schriftstellerisch zu betätigen. Unter dem Pseudonym Helene von Mühlau veröffentlichte sie den  Roman „Das Liebeserlebnis der Ellinor Fandor“. Es folgten der Roman „Frau Dr. Breuer“ und im  Roman „Das Frauenhaus“ schilderte ihre Kösener Zeit (KÖZ 1923). H. v. Mühlenfels starb 1923 in Dresden.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544).

Die Erben Heuns hatten gegen das Vermächtnis Einspruch erhoben. Man einigte sich, dass die Erben von den 21.000 Mark einen Anteil erhalten sollten, jeweils 500 Mark erhielten  Anna sowie Margarethe Heun in Zwenkau, Helene Krumsdorf, geb. Heun in Leipzig und die drei Kinder der verstorbenen Clara Mossdorf geb. Heun. Für die Teilnahme an den Tagungen des ADHV in Colberg und des Thüringer Bäderverbandes in Friedrichroda wurden Bürgermeister Lünzer und Dr. Schütze die Reisekosten bewilligt. 

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde ein Kaufantrag für den Steilhang am Rechenberg (ca. 2-3 Hektar) für 100 Mark. Für die Bebauung der Parzellen zwischen der Burgstraße und der Chaussee wurde die Breite des Verbindungsweges auf  14 Meter, die der übrigen Wege auf 12 Meter festgelegt. Bewilligt wurden 15.000 Mark zur Wältigung der Solschächte, um die Ursache der Verschlechterung der Sole zu ergründen. Eingebürgert wurde der kaiserliche Bezirksamtmann v. Strantz.  

 

       Nov. Gründung des Hausbesitzervereins (NZ).

Der Verein zählte bei Gründung 76 Mitglieder.

           

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (St.-A. Nr. 226, BLK-A. Nr. 544).

Der Antrag von  Dr. Schütze, dem „Verein zur Bekämpfung der Lungenschwindsucht“ die Einrichtung einer Kinderheilstätte zu gestatten, wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Eine derartige Anstalt und die potentielle Gefahr die davon ausgehen könnte, würde nur die Badegäste abschrecken. Genehmigt wurde der Bebauungsplan des Gartens zwischen der Neuen Straße, der Chaussee, der Schlunkschen und der Heinzeschen Villa. Unter der Maßgabe, dass hinter den Hausgrundstücken Neue Straße 11, 12, 14, 18, 20, 22 und 23 (Fr. Ebert Str. 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15) ein 10 Meter breiter Weg bleibt, davon zwei Meter als Privatweg für Paul Kersten. Der Hebamme Rosalie Wächtler wurden 60 Mark  als Anerkennung für 40 Jahre Dienst bewilligt. 

 

                 Paul-Schultze-Naumburg läßt sich in Saaleck nieder (Schriftenreihe Stiftung 1999).

PaulSchultze, geboren 1869 in Naumburg, hatte nach dem Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe zunächst in München und ab 1897 in Berlin gewirkt, wo er mit den „Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk“ sowie der Berliner Sezession in Kontakt kam. Saaleck lernte er im Zusammenhang mit einem Lehrauftrag an der Weimarer Kunstschule im Fach Maltechnik kennen. Er erwarb das Anwesen und begann hier die Arbeit an seiner neunbändigen  „Kulturarbeit".

 

                 Personenstanderfassung (NZ).

Insgesamt 404 Schüler besuchten die Stadtschule. Es gab 102 Geburten und 58 Sterbefälle darunter in den Monaten September und Oktober 14 Kinder unter einem Jahr, aber auch bekannte Einwohner wie der Sanitätsrat Dr. J. Chr. A. Wahn, der erste Postmeister Fr. C. A. Müller und der Rentier C. A. von Mühlenfels. 2.394 Badegäste wurde gezählt, die Passanten und Tagesausflügler konnten nur geschätzt werden, denn allein am 18. August trafen 2.000 Mitglieder des Vereins der Eisenbahnbeamten mit Sonderzügen ein.

           

1902

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NZ, St.-A. Nr. 211).

Im Mittelpunkt stand das Problem mit der Sole, der Ausfall  würde dem Bad das „Aus“ bescheren. Bergmeister Bazcko aus Eisleben schlug zur Abdämmung des aus dem unteren Schcht eindringenden Wildwassers vor, den Stollenmund am unteren Schacht zu verschließen. Dazu mussten beide Schächte bis zum Sumpf gewältigt werden. Dazu sollte der untere Schacht soweit abgepumpt werden, dass Solespiegel des oberen Schachtes unter dem Mundloch des Stollen gehalten werden kann. Dann könnte des Mundloch im unteren Solschacht mit einer Trockenmauer verschlossen werden. Der Schacht selbst sollte 10 Meter hoch mit Steinen angefüllt werden, dann eine drei Meter starke Tonschicht und endlich 4 Meter Beton aufgebracht werden. Damit wäre der sichere Verschluss des Stollen gewährleistet.

Da sich der 1860 aufgelassene untere Schacht auf dem Weber`schen  Grundstück lag, gestattete dieser die unentgeltliche Benutzung des Platze, befristet bis zum Saisonbeginn und unter der Maßgabe den Garten wieder herzurichten. Mit der Wältigung sollte eine Dortmunder Firma beauftragt und eine Anleihe von 60.000 Mark bei der Sparkasse Naumburg aufgenommen werden. Für den Antrieb der elektrischen Pumpen hoffte man, dass die Leistung des städtischen E-Werkes reichen würde, verhandelte aber auch mit der Bahnverwaltung über die Bereitstellung einer Lokomobile. 

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Bewilligt wurden 5000 Mark zum Bau von zwei Bedürfnisanstalten noch vor Saisonbeginn.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Abgelehnt wurde der Antrag des Kukulauer Domänenpächters Brand,  4 Kinder aus Kukulau in der Stadtschule einzuschulen. Die besuchten wie die Kindern der Domäne Pforte die Schule in  Flemmingen, die Kinder der Domäne Fränkenau gingen nach Hassenhausen. Der Antrag der Diakonissenstation auf Befreiung von der Grund- und Gebäudesteuer  wurde genehmigt und dem Badediener gestattet, weiterhin als Fremdenführer tätig zu sein, wobei es den Hauswirten untersagt wurde, ihm die Vermittlung von Gästen zu honorieren. 

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (St.-A. Nr. 348, BLK-A. Nr. 544).

Kerstens Antrag, den Vertrag mit dem Musikdirektor Wernicke zu verlängern und das Honorar auf  4.000 Mark zu erhöhen, wurde abgelehnt, dafür der Antrag von Strantz angenommen,  mit dem Musikdirektor Herzog aus Erfurt über eine Pauschale von 3.200 Mark verbunden mit der  Leitung der „Theaterkapelle“ zu verhandeln. Herzog hatte wie der Musikdirektor Brandt aus Kölleda hier vorspielen müssen. 

 

      Mär. Zwangsversteigerung des Hausgrundstücks Salinenstraße 6  (NZ).

1899 hatte ein Arzt aus Dresden das Grundstück erworben und ein Sanatorium für Naturheilkunde eingerichtet. Das Anwesen ersteigerte eine Leipzigerin für 20.500 Mark.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Der Magistrat gab bekannt, dass der Versuch den unteren Schacht zu wältigen, abgebrochen wurde, da die Pumpen das eindringende Wildwasser nicht wältigten. Als man dann noch heraus kam, dass die Sparkasse die Anleihe in Anbetracht der übrigen Verbindlichkeiten nicht bewilligte und dennoch der Auftrag von der Badedirektion ohne Finanzierungszusage vergeben wurde, kam es zum Eklat. Die Begründung, dass man in Anbetracht der bevorstehenden Saison unter Handlungsdruck stand, half da wenig. Für die angefallenen 34.600 Mark fehlten die Mittel.  

Weiter Beschlüsse betrafen die Einrichtung einer Freibank für Fleisch, um das Preismonopol der ortsansässigen Fleischer einzugrenzen. Befürwortet wurde auch ein Vorschlag der Badekommission, versuchsweise die „Winterkur“ einzuführen (BLK-A. Nr. 544, Röblitz 1930). 

 

  1. Sep. Erbohrung einer gesättigten Solequelle im Naumburger Blütengrund .

Die von einem Ingenieur erschlossene „Ilsenquelle“, die mit 26 % Kochsalzgehalt und einer Schüttung von 9000 l/Std. austrat, ließen ein „Bad Naumburg“ möglich erscheinen. Das führte zu erheblicher Aufregung in Bad Kösen.

 

  1. Sep. Statut der Berbigschen Stiftung (BLK-A. Nr. 72)

Zur ordnungsgemäßen Verwaltung der Mittel wurde festgelgt: „Das Kapital wird zur Errichtung einer Kleinkinderschule im eigenen Gebäude unter dem Namen „Berbigsche“ verwandt. Bis dieses Kapital durch Zinszuwachs die nötige Höhe erreicht hat, um den Neubau zu schaffen, wird die Kleinkinderschule mit Genehmigung des Testamentsvollstreckers in Naumburg eingemietet“.

     

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (St.-A. Nr. 226)

Beschlossen wurde die Entsendung von Dr. Schütze und Bürgermeister Richter zur Jahreshauptversammlung des  ADHV in Bad Nauheim. Schütze reiste auf eigene Kosten, Richter wurden 65 RM bewilligt.

 

  1. Nov. Genehmigung der Bahnverwaltung zur Überwölbung des Flutkanals (BLK-A. Nr. 294)

Obwohl das eigenmächtige Handel der Stadt gerügt wurde, verkaufte die Bahnverwaltung, die in Anspruch genommene Fläche  von 213 Quadratmetern zum Preis von 3 Mark.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Inzwischen lag eine neues Gutachten zur Abdämmung des unteren Schachtes vor. Doch wegen fehlender Mittel musste die Sache aufgeschoben werden. Dafür wurde der Vorschlag Kerstens angenommen, sobald als möglich eine Bohrung auf hochprozentige Sole niederzubringen um die alte Schächte außer Betrieb zu nehmen.

 

  1. Dez. Bauvertrag zur Verwahrung des unteren Schachts (St.-A. Nr. 211).

Der Bergbauexperte Fürer hatte vorgeschlagen, unterhalb des Wildwasserhorizonts, ca. 60 Meter unter der Hängebank den unteren Schacht mir eine  wasserdichten Gewölbe zu verschließen, da eine Sümpfung beider Schachte wegen der starken Zuflüsse nich möglich war. Allerdings würden die vorhandenen Pumpen ausreichen, den Schacht bis auf eine Tiefe von  80 Metern zu wältigen.

Mit der Fa. Blumentritt wurden  3.000 Mark und eine B auzeit von sechs Wochen vereinbart. Die Kosten der Wasserhaltung streckte die Stadt der Badekasse vor.      

  

      Dez. Personenstanderfassung (NZ).

Die höhere Knabenschule mit 50 Schülern leitete Oberlehrer Geiling, ebenso viele Mädchen besuchten die höhere Töchterschule von Frl. Piper. Den 95 Geburten standen 55 Todesfällen gegenüber. Auffallend  ist die Kindersterblichkeit aber immerhin 11 Einwohner starben im Alter von über 80 Jahren.

   

1903

 

  1. Jan. Festessen zum Geburtstag des Kaisers (NZ).

Wegen der Differenzen unter den Stadtverordneten, gab es getrennte Feiern, Bürgermeister Lünzner  und einige Stadtverordneten trafen sich im „Kurgarten“, die Parteigänger des Generals a. D. v. Strantz im „Mutigen Ritter“ und die  „unabhängigen“ Stadtverordneten im „Ratskeller“.

 

  1. Feb. Suspendierung des Bürgermeisters Lünzner (BLK-A. Nr. 544, NZ).

Bei der Sondersitzung wurde auf Anordnung der Königl. Regierung der Regierungsreferendar Schulz als amtierender Bürgermeister eingeführt. Lünzner stand unter dem Verdacht der Urkundenfälschung in seinem früheren Wirkungskreis, wurde dann bei der Gerichtsverhandlung  aus Mangel an Beweisen freigesprochen und am 25. April wieder im Amt eingesetzt.

 

  1. Feb. Todestag von Generalmajor Carl Rudolf Jacobi (Sterbereg.)

Er war der Sohn des Pfortaer Professors für Mathematik.

 

  1. Feb. Kanonenböller verkünden den Verschluss des unteren Schachtes (NZ).

Der Einbau des Gewölbes im unteren Schacht war geglückt, wenn auch nicht in der optimalen  Tiefe sondern schon bei 45 Meter ab Hängebank. Dass das Wildwasser abgedämmt war, zeigte  die chemische Analyse der Sole des oberen Schachtes. Der Jenaer Chemiker Dr. Jul. Herz ermittelte einen konstanten Gehalt von 5,47 % (LHASA MER C 48Ii Nr. 776 IX). Die gleichzeitig entnommene Probe der Johannisquelle ergab  1,5 % NaCl.

 

  1. Mär. Antrag des Verschönerungsvereins (BLK-A. Nr. 390)

Man wollte an der Kukulauer-, der Linden- und der Borlachstraße sowie am Bahnhof Bäume anflanzen.

 

     Mär. Letzter Bericht über die Lachswanderung (LDZ 1969).

Ein Zeitgenosse berichtete, dass der Fischhauspächter Mende am Wehrdamm mehrere große Lachse gefangen habe, die er in der Landesschule ablieferte. In den folgenden Jahren registrierte man nur noch  vereinzelte Exemplare.

 

  1. Apr. Die städtische Schule wird „siebenstufig“ und ein sechster Lehrer eingestellt (NZ).

 

  1. Apr. Otto Schoppe übernimmt die Hämmerlingsche Konditorei (KÖZ).

Eine der Bedingungen war, dass der Name Hämmerling beibehalten wird. Im gleichen Jahr erwarb Karl Apel das ehemalige Kurzhalssche  Hotel am Bahnhof. 

 

      Mai Einrichtung eines zweiten Motorbootbetriebes (Burgenlandjournal)

Otto Friedrich machte mit dem Boot „Ekkehardt I.“ Karl Friedrich Konkurrenz, hielt sich aber nur zwei Jahre.

 

  1. Mai Schreiben des Stadtverordnetenvorsitzenden an den Magistrat (BLK-A. Nr. 544)

Dr. Löffler und der Mühlenbesitzer Roßner drohten die Niederlegung ihre Ämter an und verlangten vom Bürgermeister, die Stadtverordneten Kersten und Wolf wegen unentschuldigten Fehlens bei der Sitzung mit einer Geldstrafe zu belegen. Außerdem erklärte der Stadtverordnetenvorsitzende Roßner, dass er sich bis Ende Juni auf Reisen befand und  demzufolge keine Sitzungen stattfinden können.

 

  1. Juni Beschwerde von Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 544)

Weil Roßner abwesend war, hatte der Stadtverordnete Wolf als Ältester zu einer öffentlichen Sitzung eingeladen. Dagegen protestierten wiederum Hämmerling, Siebold, Ohm, Weber, Schumann und Dr. Risse. Die Sitzung fiel aus, weil die o.g. Stadtverordneten fernblieben und damit keine Beschlussfähigkeit bestand. Daraufhin lud Wolf für den 13. Juni erneut ein, mit dem Hinweis, dass nun Beschlüsse auch gefaßt von den Anwesenden gefasst werden können. Der Einspruch wurde vom Bürgermeister abgewiesen. Am 17. Juni fand die Sitzung statt. Einer der Tagesordnungspunkte den Lünzner nun mit Hilfe von Kersten, Wolf und Naumann durchwinkte, war die Genehmigung der vorjährigen Etatsüberschreitung wegen der Kosten des mißglückten Versuchs der Trockenlegung der Solschächte. Daraufhin erfolgte eine Beschwerde beim Regierungspräsidenten.  Der Landrat, der zur Stellungnahme aufgefordert wurde, machte hatte Bedenken und letztlich erklärte der Regierungspräsident die Beschwerde als zulässig und kassierte den Beschluss.

  

  1. Aug. Großer Festumzug zum 25. Jahrestag des (jüngeren) Bürgerschützenkorps (NZ).

Der Umzug stand unter keinem guten Stern. Das ältere Schützenkorps hatte gerade  eine Klage gegen den Rittergutsbesitzer v. Schönburg und gegen die Sächsisch-Thüringischen Zementwerke wegen der Entfernung des Schützenstandes auf der Wiese an der „Katze“eingereicht. Die Klage  wurde abgewiesen und Kersten der die Räumung angeordnet hatte, zum Schadensersatz verurteilt. Daraufhin vereigerte ein Teil der Mitglieder eine Teilnahme. Auch bei beiden Kriegervereine gingen die Meinungen auseinader. Während der ältere Verein „König Wilhelm“  trotz Freibier und ermäßigten Tanzgeld beim Schützenball die Teilnahme ablehnte, beteiligte sich der Verein  „Kronprinz Fr. Wilhelm“ mit den Generälen a. D.  v. Strantz und Stieler v. Heydekampf.. Die Stimmung verschärfte sich durch gegeseitige Beschuldigungen und Unterstellungen und in den Stadtverordnetenversammlungen kam es zu heftigen verbalen Auseinandersetzungen.  

 

  1. Aug. Ortsstatut zur Quartierleistungsklasseneinteilung (ST.-A. Nr. 171)

Die Anzahl der Einzuquartierenden war an die Gebäudesteuer gebunden,  jeweils 8 Mark bedeuteten einen Mann. Mussten mehr als 1200 Militärpersonen untergebracht werden, so wurde die Einquartierung auch auf  Mieter mit eigenem Hausstand ausgedehnt.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NZ).

Bürgermeister Lünzner war wegen gesundheitlicher Probleme beurlaubt. Den Magistrat vertrat der Bankier Ratsschöffe Krüger. Es fehlten entschuldigt Kersten und Wolf, Dr. Schütze unentschuldigt. Krüger und der Stadtverordnetenvorsteher erklärten die Versammlung für beschlussfähig und hoben weisungsgemäß den Beschluss über den Nachtragshaushalt auf.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NZ).

Die anwesenden Stadtverordneten wählten den Gastwirt Weber jun. zum zweiten Ratsschöffen. Nun beschwerten sich Kersten und Wolf beim Regierungspräsidenten wegen „unzulässiger Manipulation der Mehrheiten, um Beschlußfähigkeit herzustellen“. In Anwesenheit der Stadtverordneten Roßner, Hädicke, Hämmerling, Ohm, Siebold, Weber und Dr. Risse bestätigte die Königl. Regierung die Richtigkeit der Wahl und wies die Beschwerde ab.

 

  1. Sep. Schwerer Unfall am Schrankenübergang (NZ).

Ein Motorwagen mit 4 Personen durchbrach die Schranke, wobei ein Insasse starb. Der Zug konnte noch rechtzeitig gestoppt werden.

 

  1. Sep. Todestag von Sophie von Boetticher (Sterbereg.)

Die Ehefrau des Oberregierungspräsidenten der Provinz Sachsen Karl-Heinrich v. Boetticher (1833-1907) verstarb im Alter von 58 Jahren.

 

  1. Okt. Verpachtung der Rudelsburg (NZ).

Das Höchstgebot von 8.000 Mark hatte der Wirt des Bibraer Ratskellers abgegeben.  Doch der   Rittergutsbesitzer entschied sich für den Pächter des Naumburger Schützenhauses Adolf Büchner, nachdem der sein Gebot auf  8.500 Mark erhöhte. Die Pachtzeit betrug sechs Jahre.

 

  1. Okt. Wechsel in der Leitung des Pädagogiums (NZ).

Neuer Anstaltsleiter war  Rektor Freymark aus Erfurt. Da er  die Einrichtung mit seiner in Erfurt befindlichen höheren Handelsschule  zusammen legen wollte, wurde ihm die Leitung wieder entzogen.

 

              Stiftung des chinesischen Pavillons am Gradierwerk (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Stifter war der Ratsschöffe und Bankier Paul Krüger.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Bürgermeister Lünzner war am 18. Oktober im Alter von 50 Jahren verstorben, was aber in der Sitzung überhaupt kein Rolle spielte. Roßner legte nach wenigen Monaten sein Amt als Ratsschöffe nieder. Ihm folgte der Kaufmann Theodor Siebold als Stadtverordnetenvorsteher.

 

  1. Dez. Erlass der Polizei-Verwaltung (St.-A.).

Dank der Trinkwasserleitung war nun auch der Einbau von Wasserklosetts möglich geworden. Doch die Fäkalien kamen mit dem übrigen Spülwasser in den öffentlichen Kanal und sorgten  für Verstopfungen und üble Gerüche. Daraufhin wurde eine Vorschrift erlassen, wonach alle WC-Anlagen nur noch über eine Dreikammerklärgrube mit Be- und Entlüftung an die Abwasserkanäle angeschlossen  weden dürfen.

 

1904

 

             Gründung der Saalecker Werkstätten GmbH (NTB 1999, Schriftenreihe Stiftung 1999).

Prof. Paul Schultze-Naumburg und sein Intimus Fritz Koegel gründeten ein Architekturbüro für Haus- und Gartenbau sowie Möbel- und Innendekoration. Während sich die Bauhausbewegung der Moderne und der industriellen Formmgestaltung widmete, orientierten sich die Entwürfe der Saalecker Werkstätten an historischen und naturverbundenen Gedankengut.

Fritz Koegel (1860-1904), war eigentlich ein Literaturwissenschaftler und war Bearbeiter des  Gesamtwerks von Friedrich Nietzsche, dass seit 1896  in 12 Bänden vom Weimarer Nietzsche Archiv herausgegeben wurde. Sein Wohnhaus wurde nach dem Entwurf von Schulze-Naumburg unterhalb der Burg Saaleckerrichtet.

Schultze-Naumburg war inzwischen 1. Vorsitzender des „Deutschen Bundes Heimatschutz“ den er mitbegründete. 

 

  1. Jan. Beschluss der Stadtverordneten zur Überwölbung der Kaskade (BLK-A. Nr. 294).

Anstelle einer Bezahlung der für den Ausbai der verlängerten Borlachstraße benötigten Flächen, bot die Stadt der Bahnverwaltung die Übernahme der Unterhaltung der Kaskade an. Das wurde abgelehnt und auf Zahlung von 639 Mark bestanden. Daraufhin sollten diejenigen  Stadtverordneten in Regress genommen werden, die vor zwei Jahren die Baumaßnahme ohne die Zustimmung der Bahnverwaltung abzuwarten, beauftragt hatten.

 

  1. Jan. Amtseinführung des neuen Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 600, NZ, Röblitz 1930).

Dr. R. Beyendorff (Jahrgang 1876) kam aus Dessau und war der  jüngste Bürgermeister Deutschlands. Er erklärte, die offenen Gräben zwischen den  zerstrittenen Parteien zu schließen  und sich mit allen Kräften der Entwicklung des Bades zu widmen.

 

  1. Feb. Die Merseburger Stadtbrauerei übernimmt den „Rektorberg“ (NZ).

 

  1. Feb. Mitteilung des Vorstandes der Ortskrankenkasse (NZ).

Ein von der Generalversammlung in Auftrag gegebenes Gutachten beanstandete die vom Kassenarzt Risse ausgestellten Rezepten. Dr. Risse wurde daraufhin die Kassenzulassung entzogen, gegen ihn Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet und Dr.  Schütze und Dr. Löffler die Kassenzulassung erteilt. Als die Klage abgewiesen wurde, verklagte Risse den Vorstand der Ortskrankenkasse, nahm aber kurz vor dem Termin der Zeugenvernehmung die Klage zurück.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A.Nr. 600; NZ).

Beyendorff wurde vom Vorsteher Siebold als „Dirigent des Magistrats“ zur ersten Sitzung  begrüßt. Doch schon der erste Tagesordnungspunkt war ein heißes Eisen. Den Antrag des Magistrats eine Anleihe von 50.000 Mark zum Ausgleich des desolaten Haushaltes 1902 und für weitere Investitionen in die Sanierung der Soleförderanlagen aufzunehmen, lehnten die Stadtverordneten ab. Statt dessen schlug Direktor Kersten, der nun wieder an den Sitzungen teilnahm, vor, die Genehmigung zur Herstellung medizinischer Produkte aus der Sole zu beantragen, um der Stadt weitere Einnahmequellen zu ermöglichen, um damit das Haushaltsdefizit ohne neue Kreditaufnahme auszugleichen.

 

  1. Apr. Besitzer- und Pächterwechsel (NZ).

Hertel verkaufte die Burg-Apotheke dem Apotheker Steuer aus Berlin und die „Katze“ pachtete Hieronymus Drese.

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (BLK- A. Nr. 600, NZ).

Erneut wurde die Anleihe abgelehnt und der Magistrat beantragte zur Sanierung des städtischen Haushalts, entweder die Erhöhung der Kurtaxe oder den Vermietern eine Sondersteuer aufzuerlegen bzw. die Grundsteuern anzuheben. Das führte zu heftigen Kontroversen mit den Stadtverordneten, insbesondere zwischen Beyendorff und Siebold, worauf der Bürgermeister und die Ratsschöffen Krüger und Weber die Versammlung verließen.

 

  1. Apr. Bauabnahme der „Villa Eden“, Bauherr K. Körner (Sta.-Ar).

Die Villa „Eden“ erwarb  Hermann Weber, der sie an die F. A. Koch KG veräußerte.

 

  1. Mai Satzungsergänzung der Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte (BLK-A. Nr. 843)

Das Vermögen bestand aus dem Hauptgebäude mit Seitengebäude, Wandelhalle und Garten (Versicherungswert 80.000 Mark), der Ausstattung im Wert von 18.750 Mark und rund 4.000 Mark Barvermögen. Der Zweck „armen, kranken und schwächlichen Kindern Solbäder, ärztliche Hilfe, Wohnung und Verpflegung zu gewähren.“ hatte sich nicht geändert.  Aufgenommen wurden Kinder von 3 bis 14 Jahren mit Scrophulose, englischer Krankheit, Blutarmut  und mangelhafter Ernährung für sechs Wochen. Auch die von den Eltern erhobenen Beiträge waren gleich geblieben. Zu Vorstand gehörten: Superintendent Dr. phil Zschimmer, Landrat Freiherr von Dalwigk, Dr. med. Joseph Löffler, Pfarrer Ernst Johannes Diederichs und Kaufmann Otto Koch. Die Änderungen wurden am 12. Juli  vom Reg.-Präsidenten Freiherr v. d. Recke genehmigt.

 

  1. Mai Dr. Levinson übernimmt die Leitung des Borlachbades.

 

  1. Mai Schreiben des Vorstehers Siebolds an den Magistrat (BLK-A. Nr. 2)

Wegen der strikten Ablehnung aller zur Sanierung des Haushaltes vom Magistrat beantragten  Maßnahmen, hatte Beyendorff pflichtgemäß die  Oberbehörden informiert und dem  Stadtverordnetenvorsteher mitgeteilt, dass der Magistrat bis auf Weiters den Sitzungen fernbleiben werde. Die öffentliche Meinung veranlasste Siebold zu einer Stellungnahme „Die Kösener Zeitung, welche den Titel Organ der städtischen Behörden führt, bringt in dem Leitartikel meine Besprechung über die Differenzen zwischen dem Magistrat und den Stadtverordneten, welche neben Wahrem auch Unrichtiges enthält. Da es wohl im Interesse der Verwaltung liegt, derartige Auslassungen mit Entschiedenheit entgegenzutreten, frage ich hierdurch an, was der Magistrat in dieser Angelegenheit zu tun gedenkt, damit ich meine Maßnahmen danach einrichten kann...“ 

 

      Mai Indienststellung des Motorbootes „Kösen“ (Burgenlandjournal)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 2, NZ)

Die Stadtverordnetenversammlung beschloss einstimmig, dem Vorsteher Siebold eine Missbilligung auszusprechen und mit Mehrheit ihm zur Niederlegung seines Amtes zu bewegen.

 

  1. Juni Revision der Fährkähne durch die Ortspolizei und die Strommeisterei (St.-A. 550)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Die in Abwesenheit des Magistrat gefassten Beschlüsse wurden protokolliert und dem Magistrat zur Kenntnis gegeben. Entsprachen sie den geltenden Rechtsnormen, wurden sie von Beyendorff bestätigt.

 

      Juli. Eröffnung des Erholungsheims „Villa Quisisana“ (NZ).

Das „Erholungsheim für Kinder besserer Stände“ in den Saalbergen gehörte Dr. Risse, der es aber 1908 wieder aufgab, weil der Weg zum Inhalatorium und zur Saline für die Kinder zu weit war. Risse verkaufte die Immobilie dem  Musikdirektor Hohenstein, dem Leiter der Badekapelle und verlgte das Heim unter dem gleichen Namen  in die Salinenstraße 7.

 

  1. Aug. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Im Juli war die Saale nur noch ein Rinnsal, die Wasserräder standen still, das E-Werk fiel aus und damit auch die  Pumpen für die Sole- und die Trinkwasserversorgung. Als Notlösung hatte P. Kersten eine Dampflokomobile bereit gestellt. Den Dank  der  Stadtverordneten,  lehnte er unter Verweis auf die nach seiner Meinung ungerechtfertigte Behandlung als Stadtverordneter, ab.

Auf dem trockenen Wehr ließen sich die Badekapelle und das Bürgerschützenkorps vom Fotografen Krause ablichten.

 

  1. Aug. Schreiben Siebolds an den Magistrat (BLK-A. Nr. 2)

„Den Empfang Ihres Schreibens vom 23. August an die Stadtverordnetenversammlung bestätigend, nehme ich hiermit Gelegenheit zu erklären, daß es mir weder als Stadtverordneter noch als  einfacher Bürger in den Sinn kommen kann, nach den mit dem Magistrat gemachten Erfahrungen, irgend etwas von dem zurückzunehmen, was ich über das Vorgehen des Magistrats namentlich seines Dirigenten gegen mich gesagt habe. Mein Ausfall, wie Sie sich auszudrücken belieben, hat mir mit Recht meine Handlung untermauert, über die die öffentliche Meinung und jedes Ehrengericht den Stab bricht.“

 

  1. Sep. Die „Tanne“ kommt zur Sequestration (NZ).

 

  1. Okt. Verkauf des „Rektorbergs“ für 36.500 Mark (NZ).

 

  1. Okt. Verhandlung vor dem Bezirksausschuss (BLK-A. Nr. 600)

In der Klage Magistrat gegen die Stadtverordnetenversammlung wurde die Stadtverordneten vorgeladen, mit dem Hinweis, dass beim Ausbleiben eines Vertreters nach Lage der Verhandlungen entschieden wird.

 

  1. Okt. Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NZ).

Dr. Risse wurde offiziell rehabilitiert. Das Fehlen des Bürgermeisters, als Dienstaufsicht der Ortskrankenkasse, wurde heftig kritisiert.

 

      Okt. Erteilung der Schankkonzession für die „Mälzerei“ in der Loreleypromenade 3 (NZ).

Der bisherige Nutzer der Verein „Zur Erholung“ der hier einen Ausschank von billigen Fassbier betrieb, aufgelöst.

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NZ).

Nach der Beilegung der Differenzen zwischen Magistrat und Stadtverordneten vor dem Bezirksausschuss hatte der Stadtverordnetenvorsteher auf Anordnung des Reg.-Präsident  die Sitzung einberufen. Beyendorff jedoch lehnte die Teilnahme ab, weil Siebold eine öffentliche  Entschuldigung verweigerte.

 

     Nov. Bekanntmachung der Polizeiverwaltung zu den Straßen (NZ).

Zu den bisherigen Straße kamen der Kirchplatz, der Flemminger Weg und die berbigstraße, wo die ersten Häuser gebaut wurden (Nr. 1 Körner, Nr. 2 Hermann). Umbenannt wurden „Gegenüber dem Bahnhof“ in Bahnhofstraße,  „An der Saale“ in Uferstraße, „An dem Badehaus“ und „An der Chaussee“ in Naumburger Straße „An dem Rechenberg“ und „Nach dem Gradierwerk“ in Kukulauer Straße, „Übern Wehrdamm“ in  Loreleypromenade und die Petersiliengasse in Burgstraße.

 

     Dez.  Resümee zur Kursaison. (NZ).

2.728 Badegäste und 2.973 Urlauber wurden gezählt, insgesamt 18.500 Solbäder abgegeben. Die Bevölkerung zählte 2.974 Köpfe. Erwähnt wurde die „Wiedergründung“ einer städtischen Kurkapelle, die am 04. Dezember ihr erstes Platzkonzert gab. Damit erübrigte sich die alljährliche Neuverpflichtung  auswärtiger Kapellen. Die Einwohnerzahl betrug 2.974.

      

1905

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Diesmal waren auch Bürgermeister und Ratsschöffen wieder anwesend. Bestätigt wurde die  Gültigkeit der letzten Stadtverordnetenwahl, nachdem hier Bedenken geäußert wurden.

 

  1. Jan. Nichtöffentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Abgelehnt wurde der Antrag des Magistrats, den Rechtsstreit mit der Landesschule wegen des Verkaufs des Geländes am unteren Schacht einzustellen. Die Landesschule, der das Gelände nach dem Rezess von 1861 wieder gehörte, hatte es dem Gasthofbesitzer Weber verkauft, ohne  der Stadt ein Zugangsrecht zum unteren Solschacht einzuräumen. Das zeigte sich erst, als man  den unteren Schacht sichern musste und auf die  Kulanz Webers angewiesen war, um den Schachthals zu erreichen. Die Stadt hatte daraufhin die Landesschule verklagt und die Landesschule verklagte die Stadt wegen eigenmächtigen Vorgehens auf ihrem  Grund und Boden. Der Magistrat wurde ermächtigt „mit dem Minister zu verhandeln, daß der Prozeß der Landesschule gegen die Stadt zurück genommen und der Platz an die Stadt verkauft wird. Dabei wollte die Stadtgemeinde die  Verpflichtung eingehen, daß jegliche von der Landesschule vermutete Schikane gegen Hotelbesitzer Weber gegen eine Konventionalstrafe unterbleibt.“

 

  1. Jan. Denkschrift des Bürgermeisters (St.-A. Nr. 60).

Ursache für den desolaten Haushalt (die Schulden von 391.153 Mark überstiegen den Wert der städtischen Liegenschaften von 273.000 Mark) war der unrentable Badebetrieb. Dr. Beyendorff schlug daher die Umwandlung des Bades in eine Aktiengesellschaft vor. Das erforderliche Kapital bezifferte er mit 500.000 Mark, wovon die Stadt als Sacheinlage die zum Badebetrieb gehörenden Immobilien und Grundstücke im Wert von 75.000 Mark beisteuern könnte. Der Großteil sollte durch Aktionäre, vornehmlich von denjenigen, die vom Badebetrieb profitierten aufgebracht werden. Die Mittel wurden dringend zur Verbesserung der Badeeinrichtungen gebaraucht. Das Inhalatorium, die Johannisquelle und die Wellenbäder  waren veraltet und mußten erneuert werden, um mit der in- und ausländischen Konkurrenz mitzuhalten. Es fehlte an Terrainwegen, Sportplätzen und einem Luft- und Sonnenbad. Außerdem fehlte ein Kurmittelhaus, die es inzwischen in allen namhaften Bädern gab. Auch die örtliche Infrastruktur müsste  verbessert werden, vornehmlich die Kanalisation, die Straßen und die allgemeine Ortshygiene. Es herrschten unter dem Strich „vorsündflutliche Verhältnisse“. Für Investitionen bestünden keine  finanziellen Spielräume und man müsse den städtischen Badebetrieb aufgeben, was zumindest den städtischen Haushalt auf Dauer konsolidieren würde. Beyendorff schlug außerdem vor, für die Leitung des Badebetriebes  einen renommierten und namhaften  Mediziner zu gewinnen.  

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung des Gasthofs „Zur Tanne“ (NZ).

Da sich kein Interessent fand, fiel die Schankewirtschaft an den Hauptgläubiger die Gürth- Brauerei, die dann eine Pächter suchte.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Als Stadtverordneter wurde der Generalleutnant a.D. Arthur Stieler v. Heydekampf eingeführt, beschlossen wurde die Eingemeindung der zum Gemeindebezirk Alt-Flemmingen gehörenden Parzellen in den Saalbergen.

 

      Feb. Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NZ).

Das Gremium beschloss, Dr. Risse sein volles Gehalt nachzuzahlen und ihm die kassenärztliche Zulassung zuzuerkennen. Dagegen klagten Dr. Schütze und Dr. Löffler, denen die  Kassenzulassung erteilt wurde. Sie bekamen recht und behielten ihre Kassenzulassung. All das bescherte der  Ortskrankenkasse finanziellen Schaden und man beschloss, den Vorstand dafür in Haftung zu nehmen. Auch dieser Krach sorgte in der Öffentlichkeit für Spott und Kopfschütteln.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Beschlossen wurde der Verkauf einer Fläche am Wasserwerk für ein Anschlussgleis zur Sächsisch-Thüringische AG für Kalksteinverwertung.. C. Friedrich erhielt den Pachtvertrag über die Fähre für weitere fünf Jahre mit einer Jahrespauschale von 110 Mark.

 

  1. Mär. Beilegung des Streites mit der Eisenbahnverwaltung (BLK-A. Nr. 294).

Nach Prüfung der rechtlichen Möglichkeiten, hatte sich die Stadt bereit erklärt, den von der Eisenbahnverwaltung festgesetzten Kaufpreis zu bezahlen und wurde nun als Eigentümer des Fl.-St.  653/55 eingetragen.

 

  1. März. 25jähriges Geschäftsjubiläum von Direktor P. Kersten (Festschrift).

Die Festschrift würdigte die Verdienste Kerstens zum Wohle des Ortes und der Einwohner. Demzufolge hatte allein die Landesschule mehrere hundertausend Mark für den Verkauf von landwirtschaftlich nicht nutzbaren Flächen erhalten. Mit den Lengefelder Bauern und dem Rittergutsbesitzer von Kreipitzsch bestanden langfristige Pachtverträge, was letztlich auch den bestand der  „Katze“ und die Fähre sicherte. Außerdem fanden zahlreiche Menschen Arbeit, von denen wiederum die Landwirte und Geschäftsleute der Umgebung profitierten. Ebenso wie die Kgl. Eisenbahnverwaltung durch den Bahnversand, wobei sich der Güterbahnhof zu einem der bedeutendsten Versandstationen zwischen Halle und Frankfurt entwickelt hatte.

  

  1. Mär. Prof. Dr. Posseldt übernimmt die Leitung des Pädagogiums (NZ).

Das Kuratorium hatte sich unter den eingegangenen Bewerbungen für den aus  Herzberg/Elster stammenden Pädagogen entschieden.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Der Bürgermeister hatte eine finanzielle Beteiligung der Stadt am Hochzeitsgeschenk für den Kronprinzen wegen der desolaten Haushaltslage abgelehnt, ohne die Stadtverordnetenversammlung zu informieren. Diese „spricht einstimmig ihre Entrüstung aus über das eigenmächtige Verfahren des Magistrats (.) welches geeignet ist nicht nur die durch unser Collegium vertretenen Rechte der Gemeinde zu verletzten, sondern auch die patriotische Gesinnung der Bürger  zu verdächtigen.“ Beschlossen wurde, den Vorgang dem Reg.-Präsidenten zur Kenntnis zu geben und sich statt mit 30 mit 60 Mark zu beteiligen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NZ).

Die Eisenbahnverwaltung hatte festgestellt, dass die Pfeiler der Bahnbrücke gerissen waren  und sperrte aus Sicherheitsgründen die Durchfahrt bei jeder Überfahrt.  Der Magistrat sollte bei der Eisenbahnverwaltung vorstellig werden, dass bei der bevorstehenden Erneuerung der Pfeiler, die Unterführung auf  mindestens 11 Meter verbreitert wird, um die Gefahren für Fußgänger und Gespanne zu verringern. Außerdem sollten Lärmschutzmaßnahmen im Bereich des  Kurparks erfolgen. Zur Verbesserung der Badekasse sollten nun auch Einheimische Jahreskarten für den Besuch von Kurkonzerten für 6 Mark und für Rèunions für 10 Mark erwerben.

Außerdem wurde die Erneuerung der Hausnummerierung beschlossen. Demnach wurden alle bebauten und unbebauten Grundstückauf der linken Seite ungerade auf der andern Seite gerade durchnummeriert. Bei einseitig bebaute Straßen (z. B. Saalstraße, Saalberge, Uferstraße, Loreley- und Rudelsburgpromenade) erfolgte die durchgehende Nummerierung. Außer in den Saalbergen gilt diese Nummerierung bis heute.   

 

  1. Apr. Schreiben des Vorstehers an den Magistrat (BLK-A. Nr. 2)

Eine Anordnung der Ortspolizeibehörde, um das  „Plakatierunwesen“ einzudämmen, brachte den  Verschönerungsverein in Rage und der Vorsitzende, Exzellenz  von Heydekampf drohte sogar, sein Amt als Stadtverordneter niederzulegen. Beyendorff wurde aufgefordert, die Verfügung aufzuheben, dem Verein das Plakatierwesen sowie die uneingeschränkte und kostenlose Benutzung der Anschlagsäulen zu belassen. Außerdem forderten Siebold, Wolff, Roßner, Ohm, Hämmerling, Kersten, Schumann und Toepfer, dass Beyendorff die „verletzenden Passagen“ in seinem Schreiben öffentlich zurücknehmen soll.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Hier stellte sich der neue Landrat Freiherr von Dalwigk vor. Beschlossen wurde der Ladenschluss von November bis März ab 20 Uhr. 

 

  1. Mai 25-jähriges Dienstjubiläum des Badedieners Wilhelm Becker jun. (KÖZ).

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, Denkschrift).

Im Streit über die Zugänglichkeit des unteren Schachts wurde beschlossen, die Klage zurück zu nehmen und den derzeitgen Zustand zu belassen, wenn der Gastwirt Weber der Stadt ein notariell gesichertes Zugangsrecht einräumt.

Davon unberührt war der Rechtsstreit der Stadt mit der  Landesschule wegen der öffentlichen Nutzung des weges zwischen dem „Mutigen Ritter“ und der kleinen Saale.

Außerdem wurde eine zeitweise Kommission (Kersten, Roßner, Siebold, Stieler v. Heydekamp, Töpfer) gebildet, die die Verkehrsverhältnisse analysieren und Vorschläge zur Beseitigung der Mißstände erarbeiten sollte. 

 

  1. Mai Schreiben von Dr. Schütze an die Badedirektion (priv).

Darin widersprach er dem etwas abstrusen Vorschlag der Badeverwaltung, das Sonnenbad auf dem Oberdeck des Gradierwerkes einzurichten und empfahl die „Sonnenterrasse“ am  Borlachbad. Das wurde abgelehnt aber wegen seiner nachvollziehbaren Begründung wählte man dann einen geschützten Platz an der  Nordseite des Friedhofes.

 

  1. Juni 50- jähriges Gründungsjubiläum des KSCV.

 

  1. Juni Denkschrift zur örtlichen Verkehrssituation (priv).

Der vollständige Titel lautete „Über den nachteiligen Einfluß, der Kösen durchschneidenden Eisenbahn und der Art ihres Betriebes auf den sonstigen Verkehr und die Entwicklung dieser Stadt und ihres Bades“. Die Kreuzungspunkte der Bahn mit dem Straßenverkehr waren mit der steigenden Verkehrsdichte zum Hemmnis geworden. 8 bis 10 Zugdurchfahrten pro Stunde tagsüber  erlaubten nur noch Öffnungszeiten der Schranken  von 2 bis 3 Minuten, denn der Schrankenwärter hatte die beiden Übergänge an der Brücke und am Bahnhof zu bedienen. Dazu kam der Rangierverkehr beim Bahnhof. Das waren 13.000 Waggons pro Jahr vom  Kalkwerk und 900 von der Mühle. Während das Kalkwerk einen Anschlussgleis hatte, waren es 3.000 Fuhrwerke die auf der Ladestraße von der Mühle kamen und sich vor dem Schrankenübergang am Bahnhof stauten. Im Herbst begann die Rübenkampagne. Zunächst kamen die Rüben  zur Verladung, dann wurden Rübenschnitzel entladen. Das waren mehrere tausend Gespanne. Die Fa. Koch schlug  jährlich 140.000 Zentner landwirtschaftliche Güter um, die Fa. Becker und Hasse 100.000 Zentner Kohle. Das führte zu langen Staus auf der Brücke und der Eckartsbergaer Chaussee. Am meisten betroffen war die Bahnhofsstraße, wo alle Fuhrwerke die zur Ladestraße an der Fränkenauer Wiese wollten, den Schrankenübergang neben dem Bahnhof benutzen. Die Zufahrt über die Grüne Gasse war zu steil, die Gerstenbergkpromenade eine Sackgasse, der Kirchberg abschüssig,  der Tunnel zu eng und die Einmündung in die Bahnhofstraße unübersichtlich. Daher benutzten die meisten Fuhrwerke den Schrankenübergang im Zuge der Reichsstraße, wobei Langholzfuhren von oder zum Holzwerk in der Rudelsburgpromenade  rangierten, um die Spitzkehre zu bewältigen.

Die Lösung des Problems sah man in der Beseitigung der  drei Schrankenübergänge. Dazu sollte der Chausseedamm zwischen dem Kurgarten und der Brücke abgerissen, die Unterführung verbreitert und die Bahnhofstraße ein Stück weit  abgesenkt werden. Somit wäre ein bequeme und ungehinderte Passage für den außer- und innerörtlichen Fahr und Fußgängerverkehr möglich. Am nördlichen Ende der Gerstenbergkpromenade sollte der Bahndamm nochmals untertunnelt werden und die Promenade bis zur hinteren Borlachstraße verlängert werden. Von hier sollte ein Fahrweg über den Jochenberg zur Eckartsbergaer Chaussee angelegt werden. Dann würde auch ein großer Teil der landwirtschaftlichen Transporte nicht mehr das Stadtgebiet berühren.

 

      Juni  Kuraufenthalt der Baronin v. Branken (NZ).

Hinter dem Pseudonym verbarg sich Nataly v. Knobelsdorff, die unter ihren Mädchennamen Nataly  von Eschstruth zahlreiche triviale  Frauenromane und Novellen veröffentlichte, die in der wilhelminischen Adelsgesellschaft spielten und sich einer großen Beliebtheit erfreuten.  Sie gestattete ihrem Pensionswirt Körner seine Pension (Berbigstr. 1) Villa Eschstruth zu nennen. 

 

  1. Juli Sondersitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 600)

Grund war ein dringliche Anfrage: „Warum beseitigt der Magistrat nicht sofort die Vergiftungsgefahr des städtischen Leitungswassers, obwohl demselben diese Gefahr hinlänglich bekannt ist“. Ein Wolkenbruch sorgte dafür dass die vom „Jochenberg herab stürzenden Tagewässer, welche Felddünger mit sich führen, sich in den Brunnen ergossen haben und den Brunnen und den Hochbehälter verschlammt haben“. Beschlossen wurde, den Brunnen durch eine Erhöhung des Brunnenhalses zuküftig zu schützen und das Brunnenwasser regelmäßig auf Nitrat, organische Substanzen und pathogene Keime zu überprüfen.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Abgelehnt wurde die Einrichtung einer Fleischfreibank, weil weder für die ortsansässigen Fleischer noch für die Stadt Vorteile erkennbar waren, sondern eher Schaden für das Bad.

 

  1. Juli Beschwerde des Magistrats wegen der Ferienregelung (MER C Iib 2028 II)

Grund war ein Erlass, dass die Schulferien auf dem Land und in Städten mit ländlichen Verhältnisse nicht mehr von der Gemeindevertretung sondern vom Landrat festgelegt werden. Das sah man hier als Eingriff in die Selbstverwaltung zumal es kaum Landwirte gab. Die beschwerde wurde abgewiesen,, mit der begründung, dass hier Schüler der Domäne Fränkenau eingeschult waren und daher Kösen unter den Erlass fiel. 

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Eine am Vortag anberaumte Beraung über die Denkschrift zur Verkehrssituation zwischen Magistrat und Bürgermeister, hatte wegen der ablehnenden Haltung  Beyendorffs im Hinblickj auf die zu erwartenden Klosten zu keinem Ergebnis geführt. Daher wurde sie den Stadtverordneten vorgelegt,  von diesen befürwortet und der Magistrat mit der  weiteren Veranlassung beauftragt.  Außerdem wurde Hämmerling zum 1. Ratsschöffen gewählt.

 

  1. Juli Brunnenfest (priv).

Der musikalische Auftakt am Sonntagmorgen erfolgte an der Davison Halle, am Nachmittag fplgte der Festzug durch die Stadt  zum Borlachschacht. Am Montagvormittag gab es das  Bürgerfrühstück, am Nachmittag war Kinderfest  und am Abend der Lampionzug.

 

  1. Aug. 95. Geburtstag des Geh. Sanitätsrates Dr. Carl August Zimmermann (NZ).

Zimmermann, ein Sohn des Dürrenberger Knappschaftsarztes war zunächst in Berlin tätig  und ab 1856 bis zu seiner Pensionierung 1882 Schularzt in Pforte.

 

  1. Aug. Ersatzwahlen zur Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Als 8 Stadtverordnete zumeist wegen persönlicher Diskrepanzen untereinander bzw. mit dem Magistrat ihr Mandat niederlegten, machte sich eine Ersatzwahl erforderlich. Ein  Flugblatt forderte die Wähler der III. Abteilung auf, gegen die „Despotengelüste  Einzelner“ (P. Kersten, Fr. Wolf, T. Siebold) und für die Kandidaten Emrich, Haußner und Seiffert zu stimmen, die die „Gesamtinteressen unserer lieben Vaterstadt und des idyllischen Bades“ vertraten. Die Wahlbeteiligung hielt sich in Grenzen. Von den 284 Wahlberechtigten der III. Klasse erschienen nur 114 und die meisten Stimmen erhielten Kersten (108), Wolf (109) und Siebold (109). In der II. Klasse wählten von 48 nur 19 und  nur in der I. Klasse beteiligten sich von den 11 Wahlberechtigten 10.

 

  1. Okt. Chr. Krüger übergibt seine Holzhandlung an K. Körner & M. Rabenalt (NZ).

Krüger widmete sich nun dem Aufbau seiner Privatbank, betätigte sich in der Kommunalpolitik, wurde zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt und 1917 durch den Landrat zum kommissarischen Bürgermeister berufen.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Mehrheitlich wurde ein Dringlichkeitsantrag verabschiedet, wegen der Differenzen mit der Kgl. Bahnverwaltung eine Deputation zur Eisenbahnverwaltung nach Erfurt, notfalls nach Berlin zu entsenden.

 

  1. Nov. Antrag des Lehrerkollegiums auf Gehaltszulage (MER C 48 Iib 2028 II)

Beamtragt wurden 150 Zulage zum Grundgehalt, 10 Mark Alterzulage für die sechs Lehrer, sowie die Erhöhung der Mietentschädigung von 270 auf 350 Mark, für die beiden Lehrer, die keine  Beamtenwohnung hatten. Als Grund wurde die Teuerungsrate von Lebensmitteln und der Mieten angegeben. Der Antrag wurde abgelehnt, weil die Teuerung vorübergehend sei, die Lehrer Nebenverdienst hätten und die Vorteile in einem Badeort angestellt zu sein, die örtlichen Nachteile aufwiegen.

 

  1. Dez. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891)

Gezählt wurden 355 bewohnte Häuser (1900: 332), 12 unbewohnte Häuser (9), 10 sonstige Gebäude (11). Es gab 697 Zwei- und Mehrpersonenhaushalte (1900: 656) 114 Einzelhaushalte (109). Im Ort anwesend waren 1318 Männer (1900: 1234) und 1672 Frauen (1667). 2898 Einwohner waren evangelisch, 85 katholisch und 5 Juden.

Die später noch geänderte Nummerierung der rechten Straßenseite in den Saalbergen  begann bei Nr 1 (Knüppel-heute Dressel)), 2 u. 3 (Bauplätze), 4 (J. v. Gerstenbergk), 5 u. 6 (Bauplätze) bis zur Nr. 25 den Saalhäusern (heute Nr. 73).   

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600).

Im vertraulichen Teil wurde über den Kauf aller in Lasspacht und Niessbrauch befindlichen öffentlichen Flächen von der Landesschule beraten, angesichts dere zu erwartenden Kaufpreises aber zunächst nicht weiter verfolgt.

 

  1. Dez. Ermittlungen gegen den Polizeisergeanten August Richter (MER C 48 Ih Nr. 922)

Richter  erschien in der  „Tanne“ wegen der Einhaltung der Polizeistunde. Da er aber in Zivil war, kamen man dem nicht nach. Mit einem der Gäste kam es zu Handgreiflichkeiten, woraufhin er diesen vom hinzukommenden Nachtwächter arretieren ließ. Der erstattete daraufhin Anzeige wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Da alle Zeugen gegen Richter aussagten wurde er zu 2 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt. Dazu kam ein Disziplinar-verfahren das wegen einiger anderer Verfehlungen mit der Dienstenthebung endete, obwohl der Bürgemmeister in Anbetracht der vier minderjährigen Kinder um Nachsicht bat. Die ganze Angelegenheit wurde im Oktober dann in Berlin entschieden. Der Justizminister teilte dem Innenminsiter mit: „ Mit Rücksicht auf die erschwerenden Umstände habe ich davon abgesehen, auch nur den Erlaß der Geldstrafe zu befürworten... und den ersten Staatsanwalt in Naumburg beauftragt, den Verurteilten auf sein Immediatsgesuch ...ablehnend zu bescheiden. Gleichzeitig habe ich jedoch den genannten 1. Staatsanwalt angewiesen, bei der Strafvollstreckung auf die bedrängte wirtschaftliche Lage der Familie... tunliche Rücksicht zu nehmen.“ Daraufhin zog  Richter noch vor das Oberverwaltungsgericht, dass aber im Februar 1908 das Urteil bestätigte.  

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NZ, BLK-A. Nr. 2).

Die Ankündigung erfolgte im Amtsblatt, der Kösener Zeitung in der Nr. 151 des 11. Jahrgangs. Dr. Schütze wurde zum Ratsschöffen gewählt. Beschlossen wurde eine „Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung“

 

               Spende der Juliane Sophia Katharine Wilhelmina Kumbruch (Heimatbuch 1930)

Die 3000 Mark waren für die Einrichtung eines  Operationszimmers im Krankenhaus bestimmt.

               Bau des Getreidesilos am Nordgiebel der Roßnerschen Mühle.

 

               Meldung zur Poststelle Rudelsburg.

Sie war der kleinste Postort im Oberpostbezirk Halle, mit 11 Einwohnern.  Aufgegeben wurden allerdings 98.000 Postsendungen.

 

1906    

              

  1. Jan. Kaufmann Theodor Siebold wird Stadtverordnetenvorsteher (BLK-A. Nr. 600)

Er war seit 1903 Stadtverordneter und sollte sich in seiner Amtszeit als kritischer aber auch recht selbstgefälliger Gegenspieler des Magistrats erweisen. 

 

  1. Feb. Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Jochenberg (St.-Ar).

Das betraf das Feld zwischen Fränkenauer Trift, Eckartsbergaer Chaussee und Äbtischen Holz. Für die beim Kgl. Landratsamt als Genehmigungsbehörde einmzureichenden Pläne, wurden keine Mittel bewilligt, so daß dieser Plan nicht weiter verfolgt wurde.

 

  1. Feb. Aufhebung des Dienstvertrages mit Bürgermeister v. Beyendorff (BLK-A. Nr. 600)

Beyendorff hatte sich in Steglitz bei Berlin als Gemeindesyndikus beworben, wohl auch in Anbetracht der ständigen Differenzen. 1908 wurde er Gemeindevorsteher in Lankwitz (bis 1918), wo er sich um die dortige Gartenstadt verdient machte. 2003 wurde im Lankwitzer Kurfürstenviertel der Rudolf- Beyendorff-Ring nach ihm benannt.

Beschlossen wurde die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle mit einem Jahresgehalt von 3000 Mark und 500 Mark Mietzuschuss, was  der Bezirksausschuss genehmigte.

 

  1. Feb. Schreiben des Bergrates Engelcke an das OBA in Halle (MER Rep. F 23 I/21).

Der Kösener Magistrat hatte den Chef des Salzamtes Dürrenberg beauftragt, ein Gutachten zur Einrichtung eines Werkes zur Fabrikation von Badesalz zu  erstellen. Bei dem Gespräch vor Ort hatte sich aber herausgestellt, dass man es auch auf die Herstellung von Kochsalz abgesehen hatte, um damit die Einküfte der zu verbessern. Da dies den vertraglich vereinbarten Verzicht auf jegliche Salzproduktion widersprach, nahm der Gutachter Rücksprache bei der Bergbehörde.

Denn eine fabrikation wäre durchaus möglich, denn mit den Pumpen und dem Gradierwerk, dass inzwischen in drei Fälle eingeteilt war, wäre es möglich wöchentlich 70 Zentner Kochsalz herzustellen. Das würde sich rentieren zumal man dafür nur eine kleine Pfanne und keine weiteren aufwändigen Anlagen brauchen würde. Die Pumpenleistung könnte jedoch auf das zehnfache gesteigert werden, allerdings müsste man wegen des niedrigen Salzgehalts (4.5 %) große Menge Steinsalz dazu kaufen und auflösen. Dazu wären Investitionen von 700.000 Mark erforderlich.

 

  1. Mär. Kuraufenthalt von Edvard Munch

Munch (1863-1944) der bedeutendste norwegische Maler, suchte hier während seines Weimarer Aufenthalts Erholung für seine zerrütteten Nerven. Das führte ihn zu Dr. Lehmann,  der in der heutigen K.-Kruse Straße 16/18 eine Nervenheilanstalt betrieb. Umstritten ist, ob er dort  Quartier nahm oder bei der Familie Puttrich  (Lindenstraße 3) wohnte, in den Kurlisten wird er allerding nicht erwähnt. Fest steht, dass er im „Mutigen Ritter“ einen atelierartigen Raum angemietet hatte, wo ihn Elisabeth Förster-Nietzsche, die Schwester des Philosophen Fr. Nietzsche besuchte, um mit ihm die in Auftrag gegebenen Porträts  ihres Bruders zu besprechen. Munch hielt sich mit Unterbrechungen bis 1907 hier auf. In dieser Zeit entstanden die Bilder  „Park in Kösen (Stallburg Galerie Wien) und „Allee im Schnee“, das die Promenade zeigt. (Quelle: „E. Munchs Thüringer Aufenthalt“ in „Jena als Kunststadt“, V. Wahl, Seemann Verlag Leipzig 1888, NTB 1993).

 

  1. Mär. Emil Hamel erhält die Schankkonzession für den „Preußischen Hof“ (Sta.-Ar).

Hamel hatte den Gasthof von Oswald Becker übernommen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NZ).

In Anbetracht der Differenzen zwischen dem Magistrat und den Stadtverordneten führte   Landrat Freiherr v. Scheele auf Anweisung des Regierungspräsidenten für den ausscheidenden Beyendorff bis zur Wahl eines Nachfolgers den Regierungsreferendar Tellemann als kommissarisch ein. Danach wurde die Anschaffung eines „Saug-Abfuhrwagens für Fäkalien“ beschlossen, aber nach Einspruch des Magistrats wegen fehlender Finanzen aufgehoben.

 

  1. Apr. Beschluss zum Verkauf aller noch gebrauchsfähiger Brunnen (BLK-A. Nr. 600)

 

  1. Apr. Geheime Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600).

Die Anzahl der Ratsschöffen sollte verdoppelt werden, nicht zuletzt, weil die Stadverordneten  damit ihre Position im Magistrat stärkten und dies möglichst noch vor der Einführung des neuen Bürgermeisters. Dazu wurde der § 1 des Ortsstatuts geändert „Der kollegialische Gemeindevorstand wird von fünf Mitglieder bestehend aus dem Bürgermeister und vier Ratsschöffen gebildet“ , gewählt wurden Dr. Schütze, Roßner, Saalborn und Siebold.

 

  1. Mai Vorauswahl der kandidaten für das Bürgermeisteramt (BLK-A. Nr. 600)

Von 13 Bewerbern kamen 5 in die engere Wahl und wurden zu einer persönlichen Vorstellung eingeladen. Drei Bewerber kamen, darunter der Stadtverordnetenvorsteher Siebold. Ein  Bewerber schied aus und  im 2. Wahlgang wurde Dr. Kretzschmar mit 7 Stimmen gewählt, Siebold hatte 5 Stimmen.

 

  1. Mai Sitzung der Badekommission (BLK-A. Nr. 390).

Regierungsreferent Tellemann, Dr. Schütze, Direktor Kersten, Fabrikant Roßner, Zimmermeister Töpfer, Buchdruckermeister Wolf, Kaufmann Siebold und Gastwirt Weber befassten sich mit einem Antrag des Verschönerungsvereins. Dieser hatte in den vergangenen Jahren aiuf eigene Kosten  Bäume und Hecken gepflanzt, Beete angelegt, Schutzhütten, Bänke und Wegweiser errichtet und für deren Unterhaltung und Pflege gesorgt. Nun überstiegen die Unterhaltungskosten die finanziellen Mittel des Vereins und man bot der Stadt die Überlassung all dieser Dinge an. Die Badekommission befürwortete die Übernahme, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. 

 

  1. Mai Amtsantritt des Bürgermeisters Felix Kretschmar (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Kretzschmar (Jg. 1875) stammte aus Leopoldshall (OT v. Bernburg) und war Intendantur-Assessor. Er wurde für 12 Jahre gewählt. Seine Amtszeit währte dann 14 Jahre.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 600)

Beschlossen wurde die Solelieferverträge mit den Badeanstalten von Weber, Dr. Löffler und Bahse mit einer Mindestabnahmeverpflichtung zu ergänzen.  Die Aufwartefrau der Wellenbäder wurde angewiesen, den Mitglieder und Beauftragten des Magistrats mit Bescheidenheit und Gehorsam entgegenzutreten.

 

  1. Juni Ankunft der Teilnehmer des 34. Deutschen Ärztetages in Halle (NZ).

Die 300 Teilnehmer trafen per Sonderzug ein, begaben sich zum Frühschoppen auf die Rudelsburg, wo sie von Dr. Schütze begrüßt wurden. Über die Buchenhalle wanderte man zum  Gradierwerk, besichtigte den Solschacht und das Gestänge. Abschließend folgte ein gemeinsames Abendessen im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Das Brunnenfest sollte künftig an drei Tagen  (Sonntag bis Dienstag) stattfinden und dabei der Salzgehalt der Schachtsole öffentlich bestimmt werden. Darüber hinaus wurde beschlossen, dem Bürgermeister als Hochzeitsgeschenk in seiner Wohnung auf Kosten der Stadt die Lichtleitung zu installieren. Die Lampen musste er selber besorgen. 

 

  1. Aug. Nichtöffentliche Sitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 600, NZ).

Das Protokoll vermerkte: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von dem Angebot der Diakonissen-Anstalt v. 19. a.c. welches von dem Vorstand unterzeichnet ist und beschließt, daß das lt. Kaufvertrag zwischen der Stadt Kösen und Fr. Arndt erworbene Hausgrundstück (Vertrag v. 01. 08. a.c) mit allen Rechten und Pflichten wie es die Stadt von Fr. Arndt erworben hat, zu indieren, mit der Bedingung, daß bei Auflassung hypothekarisch eingetragen wird, daß niemals ein Krankenhaus auf diesem Grundstück errichtet werden darf....Die Anschaffung soll damit von Fr. Arndt auf die Diakonissen-Anstalt möglichst binnen 8 Tagen erfolgen. Die St.V.V. beschließt, das Angebot der Fr. Arndt vom 19. 08. a.c. ihre Rentenansprüche von 1000 Mark auf 800 Mark zu reduzieren, anzunehmen, welches aus dem Kaufvertrag v. 1. Aug. resultieren“ . Bei dem Anwesen handelte es sich um die Grundstück  Neue Straße 22 (Fr.-Ebert Str.) , allerdings dauerte die Übergabe wegen der noch einzuholenden Genehmigungen der vorgesetzten Behörde bzw. des Mutterhauses noch fast ein Jahr. Luise Arndt starb im Mai 1906, damit endete auch die Leibrente.

Beschlossen wurde der Abbruch des Armenhauses (Burgstraße 16), um hier die  Kinderbewahranstalt zu errichten, um den verfügungen der Therese Berbigendlich nachzukommen. Das  Kranken- und Siechenhaus (Burgstraße 14) sollte dann Armenhaus werden und im Garten an der Fränkenauer Trift das neue Krankenhaus gebaut werden.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-Nr. 600)

Beschlossen wurde der Verbleib im Thüringer Bäderverband und die Kostenübernahme für den  Fernsprechanschluss in der Wohnung des Bürgermeisters. Zur Kenntnis gegeben wurde eine Mitteilung der „Unterstützungskasse für im Feuerlöschdienst Verunglückte“. Diese hatte sich bereit erklärt, einen Teil der Kurkosten eines Mitgliedes der freiwilligen Feuerwehr zu übernehmen, der die Stadt auf Zahlung verklagt hatte.

Wegen der Differenzen unter den Stadtverordneten legte Siebold das Amt als Vorsteher mit sofortiger Wirkung nieder. Das Amt ging an den Stellvertreter Bahnhofswirt Emrich.

 

  1. Okt. Vertrauliche Sitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 3)

Beraten wurde über die Gründung einer Bad Kösen AG, in die neben den städtischen Badeeinrichtungen, auch der  „Mutige Ritter“ das Ritterbad und das Borlachbad eingebracht werden sollten.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Beschlossen wurde die Aufstockung des Wasserwerkes in der Borlachstraße. Neu war, dass  inzwischen als Bauplatz für die Kinderbewahranstalt der Garten (650 m²) am Rathaus vorgesehen war. Festgelegt wurde,  dass der Quadratmeter nicht mehr als 15 Mark kosten darf. Da der Kaufpreis aus der Berbigschen Stiftung kam, hätte die Stadt eine Zusatzeinnahme von 9.750 Mark gehabt, was in Anbetracht des desolaten Haushaltes willkommen war.

 

  1. Nov. Stadtverordneten-Ergänzungswahl (priv).

Die Stadtverordneten Töpfer, Ohm und Roßner hatten ihr Mandat niedergelegt. Als Nachfolger für Roßner warben P. Kersten und der Buchbinder Wolf mit einem Flugblatt unter den Wählern der 2. Klasse für den Bahnhofswirt Emrich. Dieser habe sich nicht an den „nichtswürdigen Stänkereien und Intrigen gegen den neugewählten, arbeitsfreudigen Bürgermeister“ beteiligt, lebt in geordneten Verhältnissen und habe „reges Interesse am Emporblühen des Bades“. Anders bei der 3. Abteilung. Hier wurde mit einem Flugblatt für den Maurermeister Blumentritt geworben. Dessen Unabhängigkeit, wäre  Garant für die Weiterentwicklung des Bades und würde verhindern, „dass große industrielle Unternehmen sich in der Nachbargemeinde niederließen, der Stadt die reichen Steuern vor der Nase weg nähmen und mit der von ihren rauchenden Schornsteinen verpesteten Luft  die Badegäste  zum Nachteil des kleinen Mannes vertreiben würden“.  

 

  1. Nov. Königlicher Besuch aus Sachsen (NZ).

Mit großen öffentlichen Interesse wurden der Thronfolger Johann Georg von Sachsen und seine  Gemahlin die Prinzessin Maria von Sizilien und Bourbon mit Gefolge von Stuttgart kommend am Bahnhof empfangen und zum „Mutigen Ritter“ geleitet, wo sie zu Abend aßen, übernachteten und am anderen Tag weiter nach Dresden reisten. 

 

  1. Dez. Wahl der Schuldeputation (MER C48 Iib 2028 II)

Dazu gehörten drei Stadtverordnete (Kfm. Siebold, Kfm. Haußner, Rentier Ohm), drei sachkundige Einwohner (Prof. Dr. Posseldt, Hauptlehrer Mönnigmeier, Postmeister  a.D. Eckleben) sowie der Pfarrer Diederichs.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NZ, BLK-A. Nr. 600).

Zur Einschulung von Fränkenauer Kindern wurde empfohlen, dass zunächst diejenigen übernommen werden, die in den Fronhäusern an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 19) wohnten.

Wegen fehlender Beschlussfähigkeit, wurde diese Versammlung vertagt und auch die nachfolgenden Termine immer wieder verschoben.

 

              Dr. Levinson leistet den Offenbarungseid.

Das Borlachbad fiel unter Sequestration. Der als Zwangsverwalter eingesetzte Hämmerling rechnete noch 611 Bäder für Erwachsene, 220 Kinderbäder sowie 834 ermäßigte Bäder ab.

 

              Bauerlaubnis für das Wohnhaus Berbigstr. 3 (Kotte).

 

              Statistik der öffentlichen Badeanstalten seit 1897 (BLK-A. Nr. 820)

Innerhalb der letzten 10 Jahre wurden von den öffentlichen Badeanstalten (Borlachbad, Ritterbad, Wilhelmsbad, Kaiserin-Auguste-Viktoria) im Jahresdurchschnitt 9700 Solebäder für Erwachsene und 3600 für Kinder abgegeben. Dazu kamen 1.330 Solebäder zu ermäßigten Preisen und 1700 Wasserbäder.   

 

1907

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Diesmal war man beschlussfähig und Siebold war wieder Vorsteher. Der Magistrat lehnte den Verkauf des Rathausgartens an die berbigsche Stiftung ab. Die Empfehlung zur Einschulung der  Fränkenauer Kindern wurde dahingehend erweitert, dass man maximal 20 Kinder kostenlos einschulen würde, wenn sich die Landesschule verpflichtet, auf die dauerhafte oder zeitweilige Unterbringung ihrer Bediensteten im Stadtgebiet zu verzichten.

 

  1. Mär. Antrag des Kukulauer Domänenpächters Wolf (BLK-A. Nr. 3)

Das betraf die Aufnahme der dortigen Kinder in die Stadtschule, wobei es sich nur um den Sohn des Gärtners handelte. Später würde es  6 bis 10 Kinder betreffen.

 

  1. Mär. Beschwerde der Erben des Heller`schen Hauses (BLK-A. Nr. 3)

In das nebenstehende Körner`sche Haus in der „neu angelegten“ Salinenstraße hatte sich der Musikdirektor eingemietet und übte hier mit der Kurkapelle, worüber sich  die ünbrigen Mieter beschwerten und die Ortspolizeibehörde aufforderten, derartige Belästigungen zu unterbinden.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. 600).

Die Fa. Körting aus Körtingsdorf wurde beauftragt, im Inhalatorium  eine neue Inhalieranlage bis zu Saisonbeginn zu installieren.

 

  1. Apr. Die Kgl. Bahndirektion genehmigt die Bezeichnung „Station Bad Kösen“ (NZ).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

„Die Herren Kersten, Naumann, Seiffert, Wolff verlassen vor Eintritt der Tagesordnung die Versammlung, ebenfalls der Hr. Bürgermeister, weil die St.V.V. die Herren Kretschmar und Kersten wegen in der Sitzung vom 18. März  gebrauchten Bemerkungen gegen außerhalb des Kollegiums stehende Personen, die als ungehörig und  als einen erheblichen Verstoß gegen die Ordnung bezeichnet, nachträglich zur Ordnung rief. Beide Herren protestierten gegen den Ordnungsruf und erklärt Hr. Kersten das Vorgehen der Vorstehers als Vertrauensbruch. Die Sitzung wurde, da nur noch 6 St.V. anwesend sind, geschlossen“ gez. Heckenberg.

In der darauf folgenden Sitzung erklärten Kretschmar und Kersten, dass keine Beleidigung beabsichtigt war und Siebold nahm den Ordnungsruf zurück. 

 

  1. Apr. H. Weber beantragt eine Bohrung auf Sole vor seinem Gasthof.

Das Oberbergamt lehnte dies rundweg ab.

 

  1. Apr. Erstes Schaussieden (NZ).

Fast 50 Jahre nach der Einstellung des industriellen Siedebetriebes erteilte das Oberbergamt die Erlaubnis, unter der Aufsicht des Salzamtes und unter strengen Auflagen wieder eine begrenztes Quantum Sole des Borlachschachtes zu versieden. Einmal im Jahr wurde mit einer kleinen Pfanne ein Schausieden durchgeführt. Das gewonnene Salz (2.250 kg) wurde als Badesalz verkauft und die Mutterlauge als Heilmittel verkauft.

Gleichzeitig eröffneten zwei Andenkenläden, die Balnea-Halle am Bahnhof (heute Buswartehalle) und die Hohenzollern-Halle zwischen der Brücke und dem „Mutigen Ritter“(abgebrochen im Zuge der Begradigung der Naumburger Chaussee). Verkauft wurden Ansichtskarten, Reiseandenken, Spiel- und Rauchwaren.     

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Bei der Installation der neuen Inhalieranlage, zeigte sich erhebliche Schäden an der Bauhülle. Die Fa. Blumentritt wurde beauftragt nur gut gebrannte Steine ohne Kalkeinschlüsse zu verwenden. Die Zimmererarbeiten übernahm die Fa. Toepfer. Beiden wurde 30 Mark Vertragsstrafe für jeden Tag, der über drei Wochen Bauzeit ging, angedroht.

Da ging es um die Eingemeindung der Fränkenauer Wiese, falls die Differenzen wegen der Bauflucht und der Straßenbreite der kleinen Promenade beigelegt würden, sowie die Ausführung des Kanals wenn die Schule die Finanzierung zusagt.

 

  1. Mai Übernahme des Arndt`schen Anwesens durch die Diakonissen-Station (Röblitz, 1930).

Bereits 1904 hatte Jenny v. Gerstenbergk bestimmte Verfügungen „über die zukünftige Verwendung ihres wundervollen Besitztums“ getroffen  (Lazarus-Freundesbrief 1991). Nun konnte im Arndt`schen Haus ein Damenstift eingerichtet werden, nachdem auch die Aufsichtsbehörden einer Übernahme zugestimmt hatten.

Pastor Dr. Johannes Wichern, der Schwiegersohn von Dr. Rosenberger wurde in den Vorstand der Diakonissenstation berufen, wo inzwischen zwei Schwestern (Auguste Karras und Caroline Lukas) tätig waren.

     

  1. Mai Antrag Kerstens zur Soleversorgung des gesamten Stadtgebiet (BLK-A. Nr. 3)

Lange Wartezeiten bei den vier öffentlichen Warmbadeanstalten sorgten immer wieder für Unmut unter den Badegästen. Viele äußerten auch den Wunsch, wegen der Bequemlichkeit gleich in ihren Quartieren zu baden.

 

  1. Mai Änderung der Kurtaxordnung (NZ).

Um auch Besucher aus dem Umland zu werben, wurden  Kurkarten zu ermäßigten Preisen den Einwohnern der Landgemeinden im 6 km Umkreis einschließlich der Stadt Naumburg offeriert.

 

  1. Mai Konzert zu Himmelfahrt auf der Rudelsburg (priv).

Es spielte das Musikkorps  des 2. Thüringische Feld-Artillerie-Regiments Nr. 55.

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NZ)

Der Vorschlag Ohms die Soleleitung auf Kosten der Stadt zu verlegen, wurde wegen der aufzwendenden 20.000 Mark von den übrigen Stadtverordneten einstimmig abgelehnt. Ein Antrag Kerstens, jedem Bürger zu gestatten, auf eigene Kosten eine derartige Rohrleitung zu errichten wurde mit 8 zu 4 Stimmen abgelehnt. Der Antrag von Dr. Risse, diese Angelegenheit von einer Kommission prüfen zu lassen, wurde mit 7 zu 5 Stimmen angenommen. Beschlossen wurde eine Verringerung Soleabgabepreis um 15 Pfennig für den Hektoliter für diejenigen, die ihre Sole am Schacht abholten. Sollte  dem der Magistrat nicht zustimmen, wollte man den Bezirksausschuss anrufen.

 

  1. Mai Veröffentlichung einer neuen Kurtaxordnung (NZ).

Die ersetzte die 1895 beschlossene und mit mehreren Nachträgen versehene Regelung.

 

  1. Mai Vorschlag der „Soleleitungskommission“ (BLK-A. Nr. 3)

Demnach könnte jeder Hausbesitzer allein oder mit weitern Interessenten auf eigene Kosten eine Soleleitung errichten. Dafür würde eine jährliche Nutzungsgebühr von 5 Mark für jeden Einzelanschluss erhoben.

 

  1. Juni Amtliche Personenstanderfassung (NZB).

Am Stichtag gab es 806 Haushalte und 3.799 Personen erfasst, darunter rund 800 Kurgäste. Erfasst wurden 158 Landwirtschaftskarten und 260 gewerbliche Einrichtungen.

 

  1. Juni Vertrauliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Behandelt wurde ein von Direktor Kersten und seinen Parteigängern eingebrachte Antrag zur Eingemeindung des Äbtischen Holzes und der Zementfabrik. Auf Antrag wurde die Geheimhaltung aufgehoben und  die Prüfung der Eingemeindung von ganz Lengefeld beschlossen.

 

  1. Juni Wiedereröffnung des Inhalatoriums nach Umbauarbeiten (NZ).

Dabei wurde das auf den natürlichen Höhendruck beruhende Zerstäubungssystem von einer modernen durch einen Kompressor betriebene Druckluftzerstäubung ersetzt. Dieses Patent der Fa. Körting die „temperierte Trockeninhalation“ bestand in der komplexen Verbindung der Solezerstäubung mit einem sinnvollen  Heizungs- und Lüftungssystem.

 

  1. Juni Mitteilung des Magistrats an den Vorsteher (BLK-A. Nr. 3)

Die Königl. Regierung hatte die Übertragung des Arndtschen Hauses an die Diakonissenanstalt und den Preis für den Quadratmeter  Rathausgartens von 8 Mark genehmigt.

 

  1. Juli Wiedereröffnung des „Borlachbades“ (NZ).

Die Anstalt firmierte nun als „Dr. Karl Schützes Sanatorium Borlachbad GmbH“ unter wurde von einer Oberin geleitet.

 

  1. Juli Aufenthalt des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (NZ).

Anläßlich einer Stabsübung nahm der Thronfolger samt Gefolge Quartier im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Juli Einweihung eines Gedenksteines für den Feuerwehrmann A. Kuppi (NZ).

Dieser hatte am 24. Januar bei Eisgang ein Kind aus der Saale gerettet und selbst umgekommen.

 

  1. Juli Durchführung des ersten Bezirksturnfestes (BLK-A. Nr. 3, NZ 1910).

700 Teilnehmer aus 22 Vereinen trafen sich an der „Katze“ zu sportlichen Freiübungen. Nach dem Mittagessen ging ein Umzug zum Festplatz. Am Nachmittag heulte die Sirene. Im Grundstück des Bankiers Krüger brannten zwei Holzschuppen, die Flammen gefährdeten das daneben liegende Inhalatorium. Mit Hilfe der Turner konnte ein Übergreifen verhindert werden.

 

  1. Juli Erneuter Zwangsversteigerungstermin der Gaststätte „Rektorberg“(NZ).

 

  1. Juli Gutachten zum Zustand des städtischen Stromnetzes (BLK-A. Nr. 3)

Das war in einem „äußerst vernachlässigten“ Zustand.  Die Akkumulatorenbatterien waren defekt, die Isolatoren von auslaufender Säure zerfressen, in die Freileitungen war das Geäst der Straßenbäume gewachsen,  die 44 im Jahr 1889 gesetzten Holzmasten waren verfault, das Porzellan der Isolatoren zerbrochen. Alle 200 Sicherungsisolatoren waren oxydiert, die Straßenlampen verrostet, durchhängende Freileitungen berührten sich bei Wind, bei den Hausanschlüssen fehlten die Sicherungen, durch Erdschlüsse war der Stromverlust hoch. Die reparaturkosten überstiegen die Möglichkeiten der Stadtkasse.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der Vorstellung zur Beseitigung des Schrankenüberganges (NZ).

Der Magistrat und Bürgermeister Kretzschmar erklärten die Bereitsschaft der Stadt, unter bestimmten Bedingungen die Vorschläge der Kommission zu unterstützen. Die sahen vor, die Eisenbahnbrücke so zu verbreitern, dass der gesamte Fuß- und Fahrverkehr von und zur Saalstraße, Eckartsbergaer Straße, Lindenstraße und Gerstenbergkpromenade  darunter hinweg geht. Anstelle  des Schienenübergangs am Bahnhof müsse ein Überweg von der hinteren Borlachstraße zur Lengefelder Landstraße gebaut werden. Voraussetzung war, dass der Stadt keine Kosten entsstehen und die Ausführung von der Kgl. Bahnverwaltung übernommen wird.

 

  1. Aug. Nachtrag zur Kurtaxordnung (MER C48 Ih Nr. 920)

Kurkarten mußten nun schon bei einem Aufenthalt, länger als drei aufeinander folgende Tage erworben werden. Daher wurden Wochenkarten bis zu 6 Tage für 3 Mark für Einzelpersonen bzw. 6 Mark für Familien, 2-Wochen- und Saisonkarten eingeführt  .

 

  1. Sep. Letzte Vorstellung des Kurtheaters (NZ).

Die Saison begann mit „Käthchen von Heilbronn“ und endete mit „Minna von Barnhelm“. Insgesamt gab es 50 Vorstellungen,  darunter waren 24 Erstaufführungen.

 

  1. Sep. Schreiben einer Dame aus Forst an den Vorsteher Haußner (BLK-A. Nr, 3)

„Auf Ihr wertes Schreiben teile ich Ihnen mit, daß sich der Herr Kersten mir gegenüber seiner Zeit im Inhahatorium höflich benommen hat, möchte aber, da ich voraussichtlich Bad Kösen im kommenden Jahr wieder aufsuchen werde, mit betreffenden Herrn keine Auseinandersetzung haben.“

 

  1. Sep. Beschwerde beim Bezirksausschusses wegen der Soleversorgung (BLK-A. Nr. 3)

Die an einem Anschluss ihrer Häuser interessierten Einwohner (Rutschmann, Kniesche, Toepfer, Meissner, Eckhardt, Weise, Ohm  und Dittmann) beklagten sich, weil der von Ohm im Mai eingebrachte Antrag und die nachfolgende Empfehlung der Kommission „Die Zuführung der Soleleitung wird jedem Bewohner von Bad Kösen unter Zugrundelegung einer zivilrechtlichen Vereinbarung freigegeben“  zwar von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, vom Magistrat abgelehnt wurde, mit der Begründung dass damit die bestehenden öffentlichen Badeanstalten geschädigt würden, jeder hätte die Möglichkeit die Sole am Schacht abzuholen, außerdem gibt es Mutterlauge und Badesalz zur Bereitung häuslicher Bäder in ausreichender Menge und im Übrigen würden sich derartige Bäder der Kontrolle der Badedirektion entziehen. Die Beschwerdeführer verlangten vom Bezirksausschuss den Einspruch des Magistrats aufzuheben und den der Versammlung zu bestätigen, zumal der Magistrats-Beschluß keine Rechtskraft besitzt, weil er unter Mitwirkung der beiden Magistratsmitglieder gefasst wurde, die selbst Badeanstalten besitzen (Weber, Dr. Schütze). Laut Städte-Ordnung könnten alle Einwohner öffentliche Gemeindeanstalten benutzen, was demzufolge auch für die Soleförderungsanlagen gelte und außerdem müsse der Gleichheitsgrundsatz gelten. Daraus folgt, der Magistrat unterdrückt das Gemeinwohl zu Gunsten der vier Badeanstaltsbesitzer, bestätigt zwar, dass der Bedarf weiterer Badeanstalten bestünde weil es lange Wartezeiten gab weil es immer weniger Wannen geworden waren, will aber Konkurrenz verhindern. Auch die Ablehnung der Senkung des Solepreises wurde vorgebracht. Der Bezirksausschuss lehnte ab er sei dafür nicht zuständig.

 

  1. Nov. Gebührenordnung für die städtische Leichenhalle (MER C 48 Ih Nr. 920)

Die Aufbewahrung der leiche kostet 2 Mark/Tag, die Leichenfeier 5 Mark und die Aufbahrung  von Leichen 8 Mark.

 

  1. Nov. Beschluss der Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 3)

Eine Anfrage auf Ausrichtung des nächsten Thüringer Bädertages wurde mit Verweis auf leere Kassen abgelehnt.

 

  1. Nov. Diskussion über den Bau einer Straßenbahnverbindung (NZ, St.-A. 285).

Den Städten Naumburg und Kösen lag ein Angebot der Firma Kontinentale Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Berlin vor, zwischen beiden Orten eine elektrische Bahn zu errichten. Es wurde ein Ausschuss mit Vertretern aus Naumburg, Altenburg, Pforte und Kösen gebildet.

 

  1. Dez. Erhebung zum Rettungswesen auf Binnengewässern (BLK-A. Nr. 879).

Hier betraf es die Badeanstalt von Gräfe in der Rudelsburgpromenade, Fähre, Ruderstation und Wintereisbahn von K. Friedrich, die Fähre an den Saalhäusern (Schumann). Die Fähre an der „Katze“ gehörte zum Gerichtsbezirk von Kreipitzsch, die am Fischhaus zum Gutsbezirk Pforte. 

 

  1. Dez. F. Faust erwirbt die „Schöne Aussicht“ für 35.000 Mark (NZ).

 

  1. Dez. Beschlussvorlage des Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 3)

„Zum Zwecke der baldmöglichsten Enteignung des zwischen den Grundstücken Blumentritt und Haußner liegende Verbindungswegs von der Borlachstraße zur Burgstraße“ ein im öffentliche dringend gebotene Entscheidung, weil hier der Verbindungsweg zum Jochenberg entstehen sollte. Auch wenn für die Erarbeitung des Bebauungsplanes noch geraume Zeit vergeht, so hatte die Schließung des Weges durch Herrn Haußner bereits  erheblichen Protest der Anwohner hervorgerufen, was seitens des Magistrats nicht ganz unberücksichtigt bleiben könne.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Die Kgl. Landesschule hatte die Verpachtung einer Fläche am Gradierwerk zur Anlage einer Promenade abgelehnt, weil die Stadt die Aufnahme der Kinder aus Fränkenau in die städtische Schule an bestimmte Bedingungen geknüpft hatte. Beschlossen wurde die Eingemeindung von 5 bebauten Grundstücken entlang der kleinen Promenade (F. A. Koch, Magistrat, Papst, Becker u. Blaufuß) Bletzteren gab es Probleme wegen der Nichteinhaltung der Städtebauordnung. Abgelehnt wurde die von Bgm. Kretschmar und P. Kersten angestrebte Herauslösung der Zementfabrik aus dem Landgemeindebezirk Lengefeld und deren Eingemeindung, was der Stadt natürlich erhebliche Steuereinnahmen beschert hätte.

           

      Dez. Verwaltungsbericht nach § 61 der Städteordnung (NZ).

Das Stadtgebiet erstreckte sich auf 158,7 ha und war mit 546 Wohn- und Gewerbegebäuden bebaut. Die 136 Gewerbetreibenden zahlten 3.515 Mark Steuern, 35 Gewerbetreibende waren geneüber dem Kreis steuerpflichtig. Die Poststelle registrierte 492.000 eingegangene und 451.000 aufgegebene Briefsendungen in den 12 Briefkästen. Die Bahnverwaltung verkaufte 201.000 Fahrkarten. An der 7-klassigen Stadtschule  unterrichteten die 6 Lehrer 393 Kinder. Der Magistrat brachte es auf 55 Sitzungen,  die Stadtverordneten auf 28.

Das Bad besuchten 3.105 Kurgäste und 2.954 Passanten, 16.700 Solebäder und 8.500 Inhalationen wurden abgegeben.  

 

             Wilhelm Bröker übersiedelt nach Kösen (Wikipedia).

Der 1848 in Berlin geborene Bröker studierte in Berlin Holzschnitt und kam über die Lithographie zur Malerei, vorzugsweise der Landschaftsmalerei. Er war seit 1870 auf den Ausstellungen der Berliner Akademie vertreten und Mitglied der dortigen Künstlervereinigung.  1912 starb seine unverheiratete Tochter im Alter von 37. 1930 seine Ehefrau und 1933 Bröker selbst. Das Grab befindet sich noch auf dem Friedhof. Brökers Werke sind im Besitz der Nationalgalerie, Bilder aus der Kösener Zeit hinterließ er der Stadt (s. St.-A. Nr. 465)

 

1908

 

  1. Jan. Einweihung des Hospiz der Diakonissenstation (Lazarus-Freundesbrief 1991, NZ).

Leiterin wurde Schwester Auguste, an ihre Stelle trat eine zweite Gemeindeschwester. Aufgenommen wurden „alleinstehende, pflegebedürftige, altersschwache und genesende Damen“ zeitweilig oder dauern. Das Zimmer kostete zwischen 3 und 5 Mark, zwei Zimmer 6 Mark pro Tag. Darin eingeschlossen waren die komplette Verpflegung (5x am Tag), Heizung und Beleuchtung, die Reinigung der Bettwäsche und Handtücher sowie die Pflege durch die Schwester. Die durch Miete nicht gedeckten Kosten sollten aus der Gerstenbergk`schen Stiftung ausgeglichen werden. Drei Monate später kamen die ersten vier Bewohnerinnen.     

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Als Vorsteher Siebold dem Ratsschöffen Dr. Schütze das Wort entzog, verließ dieser die Versammlung. Wegen der dem Bürgermeister unterstellte eigenmächtige Änderung der Wahllisten kam es zu erheblichen  Differenzen zwischen Magistrat und Stadtverordneten.

 

  1. Feb. Erklärung des Verschönerungsvereins (BLK-A. Nr. 390)

Man erklärte sich zur Kostenübernahme der Pflege der Waldwege und Bänke, wenn diese jährlich 175 Mark übersteigen würden.

 

  1. Feb. 2. Nachtrag zum Ortsstatut (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Die Zahl der Stadtverordneten wurde auf 18 erhöht.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Diesmal fehlten die beiden Ratsschöffen und der Bürgermeister geriet mit dem Vorsteher wegen einiger Vorlagen erneut in heftigen Streit. Kretschmar verließ daraufhin die Versammlung, vor ihm waren bereits drei Stadtverordnete gegangen, womit die Versammlung beschlussunfähig war.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Auch diesmal verließ Kretzschmar die Versammlung. Ihm schlossen sich 4 Stadtverordnete an.

 

  1. Mär. Veröffentlichung der Bestimmungen zur Wohnungskontrolle (NZ).

Polizeiverwaltung und Gesundheitskommission war es erlaubt, Wohnungen auf die Einhaltung der baurechtlichen, der hygienischen- und sicherheitstechnischen Bestimmungen zu kontrollieren und  Auflagen zur Mängelbeseitigung zu erteilen 

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Diese beschloss den Beitritt zum Heimatschutzbund der sich dem Naturschutz und dem Erhalt der kulturellen Tradition widmete. Der Aufnahme der Kinder der Domäne Fränkenau in der Stadtschule stimmte man unter Vorbehalt des Abbruchs der Frohnhäuser an der Eckartsbergaer Chaussee (heute Nr. 19) zu.  Außerdem beschloss man „eine durchgreifende Vergrößerung und Verbesserung  des elektrischen Werkes“.

 

  1. Mär. Protest der Hotelbesitzer und Restaurateure (NZ).

Gastwirt Weber hatte verlauten lassen, im Souterrain des „Mutigen Ritters“ eine Restauration einzurichten, woraufhin mehrere Konkurrenten verlenngten, ihm keine Konzession zu erteilen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Landrat Frh. v. Schele sollte hier im Streit zwischen Magistrat und Stadtverordneten wegen der Besetzung der Schuldeputation zu vermitteln. Doch gleich zu Beginn gerieten Kretschmar und der Vorsteher in Streit, worauf der Bürgermeister die Versammlung verließ, ohne das Erscheinen des Landrates abzuwarten.

 

  1. Apr. Neuer Pächter des „Himmelreichs“ ist der Müller H. Kleinschmidt (NZ).

 

  1. Apr. Ausstellung der Saalecker Werkstätten im Kurgarten (NZ).

Präsentiert wurden Möbel, die in den Saalecker Werkstätten entworfen und hergestellt wurden. In  Berlin wurde eine Dauerausstellung eingerichtet.

 

  1. Mai Plan eines Luft- und Sonnenbades am Gradierwerk (NZ).

Der Entwurf vom Baurat Schmidt sah zwei getrennte und mit Sichtschutz versehenen Abteilungen für Damen und Herren mit Rasenfläche, Liege- und Sitzgelegenheiten sowie Ankleidekabinen vor. Die Kasse mit Lager war massiv und steht heute noch heute.

Gleichzeitig wurde am Gradierwerk eine 80 Meter lange überdachte Wandelhalle gebaut (Röblitz 1930)

 

  1. Mai Ein Unwetter entlädt sich über der Fränkenauer Höhe und den Saalbergen (NZ).

Der Hagel vernichtete fast die gesamten Fruchtansätze bei Obst und Wein. Die Fränkenauer Hohle und der Weg zu den Saalhäusern mussten wegen des angeschwemmten Gerölls gesperrt werden. Am 17. Juni folgte erneut ein Unwetter, das nun auch bei den Feldfrüchten Schaden anrichtete. Zur Linderung der Not der betroffenenen ärmeren Anliegern wurde eine Sammlung organisiert.

 

              Die Konsumgenossenschaft eröffnet in der Burgstraße 31eine Verkaufsstelle.

 

  1. Juni Landtagswahl (NKB).

Die beiden Wahlbezirke hatten 2.990 „Seelen“.

 

  1. Juli Verhandlung der Strafkammer des Kgl. Landgerichts Naumburg (NZ).

Bürgermeister Kretschmar hatte sich angeblich bei einer Feierlichkeit im Kurgarten mit einer Dame in eine Kammer eingeschlossen und sei dort zudringlich geworden. Das hatten die Stadtverordneten Haußner und Körner öffentlich gemacht, worauf Kretschmar die beiden  verklagte. Nach der Beweisaufnahme und  der Vernehmung von rund 40 Zeugen wurden Haußner wegen Verleumdung zu 2 Monaten Gefängnis und Körner zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt.

 

  1. Juli Aufführung der „Rabensteinerin“ von Wildenbruch auf der Rudelsburg (NZ).

Nach  der Uraufführungen im Kurgarten  mit dem Kösener Kurtheater unter Leitung des Hofschauspielers Ernst  Albert folgten Freilichtaufführungen auf der Rudelsburg.

 

  1. Aug. Protestbrief des Stadtverordnetenvorstehers Siebold (NZ).

Unter der Überschrift „Zementindustrie oder Bad“ ging es um die vom Magistrat und Kersten betriebene Eingemeindung des Kalkwerks.

 

21.Aug. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Erneut eskalierte der Streit, da der Magistrat eine Beschlussvorlage zur Eingemeindung des Kalkwerks einbrachte. Zu Siebold  Partei gehörten Ohm, Körner, Blumentritt, Haußner, Dr. Risse, Toepfer, Kerstens parteigänger waren  Dr. Schütze  und der Buchbinder Wolf. Die verließen die Versammlung, womit die Beschlussfähigkeit fehlte.                            

 

  1. Aug. Kuraufenthalt „Ihrer Königlichen Hoheit“ der Herzogin von Württemberg (NZ).

Bürgermeister Kretschmar erhielt eine längere Audienz im „Mutigen Ritter“. Die Dame blieb bis Ende Oktober

 

  1. Aug. Letzte Saisonvorstellung des Kurtheaters (NZ).

Insgesamt wurden 48 Vorstellungen von 19 verschiednenen Stücken unter Leitung des Direktors Albert gegeben, darunter Neuaufführunge wie Shakespeares „Richard III.“

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Nach einem heftigen Schlagabtausch zwischen Dr. Risse und P. Kersten verließ letzterer gemeinsam mit seinen Parteigängern die Sitzung, womit diese erneut nicht beschlussfähig war. Daraufhin berief der Stadtverordnetenvorsteher Siebold am nächsten Tag eine dringende öffentliche Sitzung ein. Diesmal blieb auch der Magistrat fern. Allerdings waren nach Ansicht des Vorsitzenden die 5 anwesenden Stadtverordneten beschlussfähig, die dann wunschgemäß den  Antrag auf Eingemeindung des Zementwerkes ablehnten. Danach kam es zu einer scharfen und polemischen Auseinandersetzung  zwischen Siebold und Kersten in der Presse.

 

  1. Sep. Ende der Kursaison (NZ).

Registriert wurden  3.350 Kurgäste (1907: 3.100). Die Kurtaxeinnahme betrug 12.400 Mark. Die Nachfrage bei den Motorbooten war so groß, dass Friedrich mit dem Bau eines dritten Bootes begann.

 

  1. Okt. Die Leitung der höheren Töchterschule übernimmt Frl. Possart (NZ).

Sie war die Tochter des Berliner Kunstmalers Possart (1837-1928), der für die Lutherkirche zwei Ölgemälde „Grablegung“ und „Auferstehung“ stiftete.

 

  1. Okt. „Über Inhalationen und das neue Inhalatorium -Patent Körting- zu Bad Kösen“ (NZ).

Das war der Nachdruck eines von Dr. Schütze für das Fachblatt des ADBV verfassten Artikels. Darin ging er auf die Vorteile der Rauminhalation gegenüber der Freiluftinhalation ein. Die   hatte den Nachteil, dass die Umgebungsluft durch die Verdunstung stark abkühlte und Erkältungen Vorschub leistete. Das wäre beim Rauminhalatorium ausgeschlossen. Dazu klam, dass anstelle der bisher üblichen Methode die Sole unter natürlichen Druck im Raum zu zerstäuben, inzwischen ein Kompressor die Sole in feinste Teilchen zerstäubt und ihr dabei fast vollständig die flüssigen Bestandteile entzieht und die Aerolsole bis in die Lungenbläschen eindringen könnten. Durch eine sinnvolle Kombination von Lüftungs- und Heizungssystem wäre eine ganzjährige Nutzung ohne nachteile gegeben. Allerdings würde die bauliche Hülle des Inhalatoriums in keiner Weise den Erfordernissen dieser Körtingschen Technik entsprechen.    

 

  1. Okt. Vorschlag des Bürgermeisters zum Bau des Krankenhauses (BLK-A. Nr. 72)

Kretschmar schlug eine Lösung vor, von der er glaubte mehrere Probleme gleichzeitig zu lösen Demnach sollte das desolate Armenhaus in der Burgstraße (16) abgebrochen werden und die bewohner in das angrenzend Kranken- und Siechenhaus untergebracht werden. Anstelle des Armenhauses sollte die Kinderbewahranstalt gebaut werden, um nun das Vermächtnis der Therese Berbig zu erfüllen. Das Krankenhaus sollte wegen der von solchen Einrichtungen ausgehenden Infektionsgefahr möglichst außerhalb des Stadtbezirks gebaut werden.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Von den 12 Stadtverordneten waren 8 und der Magistrat anwesend.

 

  1. Okt. Studie zur Erweiterung des städtischen E-Werkes (NZ, St.-A. Nr. 550).

Wegen der ständigen Ausfälle und der geringen Leistungsfähigkeit hatte man einen Gutachter beauftragt. Die Untersuchungen des Ingenieurs Wilhelm Kurz ergaben, dass bei einer Erhöhung des Wehrdammes um 18 cm und dem Einbau von Francisturbinen in den beiden Radhäusern die Leistung von derzeit 70 PS auf 277 PS erhöht werden könnte, ohne das Aufschlagwasser für die Mühle und die Landesschule zu vermindern. Voraussetzung waren die die verbreiterung des Einfalls der kleinen Saale und die verlängerung der Untergerinne bis hinter die Bahnbrücke . Von Vorteil wäre auch, dass beim Umbau der oberen Wasserkunst, die untere Wasserkunst weiter betrieben werden kann. Allerdings muss das Kunstgestänge abgehängt werden. Die Schachtpumpen könnten übergangsweise von einer Lokomobile angetrieben werden, dann wäre der Anschluss an das E-Werk möglich. Für den Umbau rechnete er mit 114.000 Mark, wesentlich günstiger als  eine Dampfturbine, für deren Antrieb ein separates Heizwerk gebaut werden müsse, dessen jährliche Betriebskosten mindestens doppelt so hoch waren. Zu berücksischtigen wäre außerdem, dass die am Oberlauf der Saale geplanten Talsperren einen wesentlich konstanteren Wasserzulauf über das Jahr gewährleisten.

 

  1. Okt. Urteil der Kgl. Wasserbaudirektion zum Wehraufsatz (St.-A. Nr. 550)

Zur Stabilisierung des Aufschlagwassers für das städtische E-Werk hatte die Stadt einen Aufsatz auf dem Wehrdamm errichtet und erst im Nachgang die Genehmigung beantragt, mit der Begründung, dass sich die Wehrkrone gesenkt habe und die Ufer von den Anwohner akls blageplätze benutzt wurden, womit der Zulauf zur kleinen Saale behindert sei. Die Behörde verwies aber darauf, dass sie hierfür nicht zuständig sei: „Die Saale von der Unstrutmündung aufwärts ist kein öffentlicher  sondern ein privater Fluß und unterliegt nicht der Kgl. Wasserbauverwaltung sondern der Ortspolizeibehörde (Gesetz v. 1843). Diese ist daher auch dafür zuständig, daß die Anwohner keinen Abfall und Schutt am Ufer lagern, der z. B. den Zufluß der kleinen Saale behindert“. 

 

  1. Nov. Die Gastwirtschaft „Rudelsburg“ erhält die Gast- und Schankkonzession (NZ).

Die befand sich in der Rudelsburgpromemade 9. Zunächst hatte der Kreisausschuss die  Genehmigung verweigert, daraufhin klagte die Inhaberin vor dem Bezirksausschuss und bekam die Genehmigung.

 

               Auf der Brücke werden  4 Kandelaber installiert (NZ).

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Erneut kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Bürgermeister und dem Vorsteher diesmal auf Grund der eigenmächtigen Einstellung eines Polizeikommissars durch den Magistrat.

 

  1. Nov. Vorstandssitzung des Hausbesitzervereins (NZ).

Durch einige Anmerkungen von Kersten wegen der Tagesordnung, fühlten sich einige  Vorstandmitglieder brüskiert und verließen bis auf einen die Versammlung. Daraufhin erklärte sich Kersten zum Versammlungsleiter und ließ die Presse zu.

Auf der Tagesordnung stand der Neubau eines Kurhauses in Verbindung mit einer neuen Solequelle. Nach dem Gutachten von Prof. Beyschlag wäre die Erschließung im unteren Kurpark am sichersten. Dagegen stand eine Verfügung, im Überflutungsgebiet keine Bauten zu errichten. Daher wurde vorgeschlagen, die den „Mutigen Ritter“ und die Schäferei zu erwerben und dort das Kurhaus zu errichten. Für Landkauf und Bau wurden 875.000 Mark veranschlagt. Der magistrat wurde beauftragt die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen.

 

  1. Nov. Wahlen für die Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Die Wahl der turnusmäßig ausgeschiedenen Mitglieder wurde bestätigt, ebenso die Wahl  der neuen Stadtverordneten, womit die  Stadtverordnetenversammlung auf 18 Mitglieder stieg. In der I. Abt. waren es der Brauereidirektor Rutschmann und der Schneider Troll, in der II. Abteilung Landwirt Genth und Rentier Gibhardt und in der III. Abt. Gen.-Ltn. Stieler v. Heydekampf und Postmeister i. R. Eckleben. Die neuen Stadtverordneten gehörten zum Großteil nicht zu den Parteigängern P. Kerstens, weshalb dessen Einfluss auf die Kommunalpolitik schwand. Bei der Ergänzungswahl der Ratsschöffen löste Siebold Dr. Schütze ab und Roßner wurde wiedergewählt.

 

      Nov. Untersuchung der Quellsole (Führer durch Bad Kösen 1910).

Die Kgl. Versuchs- und Prüfungsanstalt für Wasserversorgung in Berlin wies die Radioaktivität der  Quellsole nach. Damit war die zu der Zeit in Mode kommende Einrichtung eines „Emanatoriums“ möglich.

 

  1. Dez. Studie zum Zustand des städtischen E-Werkes (BLK-A. Nr. 670)

Den Zeitungsartikel zum Anlass nehmend, legte Bürgermeister Kretschmar der Stadtverordnetenversammlung eine Analyse vor. Das Ergebnis war ernüchternd. Die tatsächliche Leistung des Wasserrades betrug nur noch 18 PS von einstmals 40 PS, der Reservebenzinmotor brachte es auf 13 PS. Die Akkumulatorenbatterien waren wegen Erdschluss vollständig ausgefallen. Angeschlossen waren noch die 140 Birnen der Straßenbeleuchtung, 350 Birnen  in Privathäusern von einst 1.100, 25 Birnen in städtischen Einrichtungen von ehemals 60, ein 6 PS Motor beim Glaser Faust und ein 15 PS Motor im Inhalatorium, der aber nur tagsüber in Betrieb war.  Kretschmar prognostizierte den Bedarf für weitere 700 Lampen in den Privathäusern, 9  Straßenlampen, 10 Motorenbetriebe mit 55 PS und 200 Anschlüsse für Kraftzwecke, wofür die Wasserkraft nicht ausreichen würde. Als Alternative schlug er einen Dampferzeuger vor.  

  1. Dez. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Schwerpunkt der Sitzung war das „Erweiterungsprojekt für das Elektrizitätswerk“. Zur Diskussion standen die Vorschläge des Ingenieurs Kurz und des Bürgermeisters. Die  Stadtverordnetenversammlung  plädierten dann für eine Dampfanlage mit einer Leistung von 150 PS zur Stromerzeugung. Zur Finanzierung sollte eine Anleihe von 115.000 Mark mit 4 Prozent Verzinsung bei der Landesversicherungsanstalt aufgenommen werden.  Als Standort wurde trotz einiger Bedenken die Fränkenauer Wiese favorisiert. Die lag zentral, was Spannungsverluste durch lange Freileitungen verminderte, hier konnte die erforderliche Kohle direkt per Bahn angefahren werden und die Verwaltung war in Sichtweite. Für den Ankauf der Wiese sollten der Landesschule Pforta  10.000 Mark angeboten werden. Für die Anlage sollte ein Werkmeister eingestellt werden, dem man freie Wohnung, Feuerung, Heizung sowie ein Jahresgehalt von 1.800 Mark bewilligte. Mit den Stromkunden sollten künftig die Lieferbedingungen vertraglich fest vereinbart werden. Die Mehrheit der Stadtverordneten stimmte zu, obwohl die Wahl des Platzes erhebliche Nachteile für das Bad wegen der Lärm- und Rauchbelästigung mit sich gebracht hätte. Aber man sah auch die Möglichkeit, unmittelbar daneben  ein Gewächshaus für die Stadtgärtnerei und später ein Volksbad zu errichten. Die Abstimmung wurde jedoch verschoben, da 8 Stadtverordnete nicht anwesend waren.

 

            Verwaltungsbericht des Magistrats (NZ).

Das Stadtgebiet umfasste 159 Hektar, 16 Hektar mehr als 1898. Die Anzahl der Wohn- und Geschäftsgebäude der höheren Steuerklasse betrug 550, die Einwohnerzahl 2.993, davon 914 Männer, 1.274 Frauen und 805 Kinder unter 14 Jahren. In den 4 Steuerklassen wurden 136 Betriebe erfasst, davon  35 Gast- bzw. Schankwirtschaften. 15 Almosenempfänger  waren auf die städtische Armenpflege angewiesen.  An Veranstaltungen wurden aufgelistet: 42 Vereinsfeiern, 64 öffentliche Tanzveranstaltungen, 50 Theatervorstellungen, 10 Konzerte, 7 Schaustellerrummel.

 

1909

 

  1. Jan. Die Rentnerin Juliane Sophia Katharina Wilhelmina Kumbruch verstirbt (Röblitz 1930)

Sie wurde 87 Jahre. Der Familie gehörte das „Lange Haus“ (R.-Breitscheid Str. 1) dass sie vom Hotelier Weber erworben hatte. Hier wohnten auch ihr Sohn Richard (1848-1906) und dessen Ehefrau Maria Auguste 1853-1904) sowie ihre 1848 geborene Tochter Juliane Sophie Kumbruch, die das Anwesen erbte.

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Die 18 Stadtverordneten trafen sich im neuen Sitzungssaal. Neben dem Bürgermeister gab es nun 4 Ratsschöffen (Siebold, Weber jun,  Roßner, Saalborn). Dr. Löffler wurde zum Vorsteher gewählt,  die Kommissionen besetzt und die Anstellung eines Stadtgärtners mit einem Jahresgehalt von 1.200 Mark beschlossen.

 

  1. Jan. Beschwerde des Magistrats beim Innenministerium (MER C 48 Iib 2028 II)

Grund war eine Verfügung den gesamten Schriftverkehr mit den Oberbehörden zunächst beim Landratsamt einzureichen, durch die man sich in der Selbstverwaltung beeinträchtigt sah. Die Beschwerde wurde abgewiesn.  

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Die Besetzung der städtischen Kommissionen führt erneut zu heftigen Differenzen.

 

  1. Feb. H. Eckardt, der letzte noch lebende Salinenbeamte verstirbt (NZ).

 

  1. Feb. P. Kersten wirbz für ein städtisches Wasserkraftwerk (NZ).

Da die Bedenken über ein mitten im Ort gelegenes E-Werk auf Kohlenbasis nicht ausgeräumt werden konnten und die Zeit drängte, schlug Kersten vor, am der oberen Wasserkunst einen Generator anzuschließen, allerdings müßte das Gestänge abgehängt werden, um die Stromversorgung zu stabilisieren. Kersten verwies auch auf die Möglichkeit, durch Erhöhung des Wehrdamm der kleinen Saale mehr Wasser zuzuführen und an der Mündung in die Stromsaale eine Turbinenanlage einzurichten, die ausreicht Kösen, Pforte und Almrich mit Strom zu versorgen.

 

  1. Mär. Todestag von General-Leutnant Friedrich Leberecht von Strantz (Sterbereg.)

Strantz gehörte zum alten brandenburgischen Adel, aus dem namhafte Militärs hervorgegangen waren. Nach seiner Pensionierung nahm er hier seinen Wohnsitz. Verheiratet war er mit Clementine geb. Gräfin v. Reichenbach (1838-1924). Zur Familie gehörte auch der von 1901 bis 1903 hier zum Stadtverordneten gewählte Bezirksamtmann Kurt von Strantz.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Zwischen P. Kersten und dem Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Löffler kam es wegen einer vom Landrat angeordneten Rücknahme einer Beschwerde des Bürgermeisters über den damaligen  Stadtverordneten-Vorsteher Siebold  beim  Regierungspräsidenten zum Wortgefecht.

Diese besonderen „Kösener Verhältnisse“, standen dann bei einer Abgeordnetensitzung des preußischen Landtages auf der Tagesordnung. Der Abgeordnete Fischbeck meinte dazu „…der Landrat (habe) den neuen Bürgermeister (aufgefordert), fleißig den „Mutigen Ritter“ zu besuchen, denn die Kommunalpolitik werde in der Hauptsache dort am Stammtisch gemacht“. Auch das Oberverwaltungsgericht Charlottenburg beschäftigte sich mit dieser Angelegenheit.

 

  1. Mär. Besprechung zur Erhöhung des Wehrdammes (St.-A. Nr. 550)

Teilnehmer waren der Baurat Weber von der Wasserbaubehörde, Direktor Kracht, Stadt Naumburg, Bürgermeister Kretschmar, Ratsschöffe Weber, Prokurator Irmer, Mühlenbesitzer Roßner, der Altenburger Müller, der Fischereipächter Mende und der Holzhändler Graf. Vorgeschlagen wurde, einen Wehraufsatz mit einem beweglichen Mittelteil zum Durchlassen der Flöße einzurichten. 

 

  1. Mär. Angebote von Überlandzentralen zur Stromversorgung (BLK-A. Nr. 670)

Camburg und Vitzenburg bewarben sich für die Stromlieferung einschl. der Zuleitung und einer Umwandlerstation von Hoch- in Niederspannung. 

 

  1. Apr. Die höhere Töchterschule bezieht die Villa „Waldfrieden“ (NZ).

Zum Kollegium gehörten neben der Vorsteherin Margarethe Possart, zwei wissenschaftliche Lehrerinnen, ein Lehrer für Mathematik und Naturkunde sowie eine Handarbeitslehrerin

 

  1. Apr. Lokaltermin der Baupolizei am Hausgrundstück Parkstraße 12 (NZ).

Das Anwesen von Amalie Kranert war entgegen der Baugenehmigung mit drei Vollgeschossen und  einer Mansarde errichtet worden. Sie musste eine Geldstrafe zahlen, der Rückbau bleib ihr erspart, dafür die weitere Erhöhung des Seitenflügels untersagt.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Einleitend erklärte der Bürgermeister, den Ratsschöffen Siebold erst ins Amt einzuführen, wenn die Aufsichtsbehörde in seinem Klageverfahren entschieden hätte. Dann ginmg es um die Stromversorgung. Da das städtische E-Werk immer öfter ausfiel und damit die Entwicklung des bades gefährdet war, entschied man sich letztlich, mit dem Überlandwerk Camburg eine Stromliefervertrag abzuschließen. Ausschlaggeben war die Nähe und der Preis von 15 Pfennig/kWh. Außerdem wurden 20.000 Mark für die Schaffung der erforderlichen Ansachlüsse an das städtische Netz bewilligt.

 

  1. Apr. Besichtigung des städtischen Armenhauses (BLK-A. Nr. 72)

Die Gesundheitskommission (Kreisarzt MR. Dr. Steinkopf, Baurat Schmidt, Polizei-Kommissar Schipke, Bgm. Kretschmar, Siebold) stellten fest, dass der 100jährige Bau nicht für den Aufenthalt  von Menschen geeignet sei. Beleuchtung, Raumhöhen und Beheizung  entsprächen nicht den bescheidensten Anforderungen.  Eine Zeichnung von Reichenbach zeigt ein eingeschossiges Anwesen an der Fränkenauer Trift , dass  7 x 13 Meter maß, mit schmalen Hof und einigen Schuppen (Burgst. 16)  

 

  1. Apr. Kapitalnachweis für den Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72)

Für den Bau eines neuen städtischen Krankenhauses standen Mittel aus einem Fond sowie aus Vermächtnissen und Stiftungen zur Verfügung, insgesamt rund 27.200 Mark (14.400 Mark Senffsche Stiftung, 5100 Mark Berbigsche Stiftung, 3400 Mark Kumbruchsche Stiftung, 720 Mark Heunsche Stiftung, 3500 Mark Krankenhausbaufond). Doch das reichte nicht für Grunderwerb und Baukosten. Doch ein Neubau war unumgänglich geworden, da auch der ADHV eine für ein Bad angemessene Einrichtung drang.

Im städtischen Krankenhaus (Burgstraße 14) gab es fünf Plätze für Männer und drei für Frauen. Im Jahresdurchschnitt kamen hier 25 Männer und 8 Frauen unter, die  Männer durchschnittlich 15 Tage, die Frauen 20 Tage.       

 

            Apr. Die Witwe Groll aus Petersburg erwirbt die „Russische Villa“ (NZ).

Die Schwester des Bauherrn Corpus zog in die Villa.

 

  1. Apr. Beginn der Kursaison (NZ).

Erstmals öffneten die Badeeinrichtungen bereits zu Ostern und der Saison wurde auf den 1. Mai vorverlegt. Neben der neuen rund 1.000 m² großen Wandelhalle konnte auch der 100 Meter lange Wandelgang genutzt werden. Die tägliche Soleförderung von 60.000 Litern wurde zum größten teil dem Gtradierwerk zugeführt, das inzwischen in  4 Repetierfälle hatte, die eine Aufkonzentration auf 18 bis 20 % ermöglichte..

Gleichzeitig bekam der Bäcker Seiffert die Schankkonzession für sein Geschäft in der Querstraße. 

 

  1. Mai Einsatz eines Schulzuges von Camburg nach Naumburg (NZ).

Dieser wurde vor allem von Schülern   der höheren Klassen in Naumburg genutzt.

 

  1. Juni 16.000 Fahrgäste treffen zu Pfingsten auf dem Bahnhof ein (NZ).

Auch mit dem gerade in Dienst gestellten 3. Motorboot konnte K. Friedrich den Andrang kaum bewältigen.

 

  1. Sep. Vertrag zwischen dem Magistrat und der Landesschule (BLK-A. Nr. 381).

Die Landesschule verpflichtete sich, das zur Domäne Fränkenau gehörende  „Arbeiterhaus“ an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 19) nicht mehr zu vermieten bzw. es zu verkaufen. Im Gegenzug erklärte sich der Magistrat bereit, bis zu 17 Kinder aus dem Vorwerk Fränkenau  26 Jahre lang unentgeltlich in der Stadtschule aufzunehmen. Würden es mehr, mußte ein  „Fremdschulgeld“ gezahlt werden. Den Vertrag genehmigten das Kgl. Provinzial-Schulkollegium und die Kgl.-Reg. Abt. für Kirchen- und Schulwesen. Das Asnwesen kaufte dann der Dachdeckermeister Fritzsche und verlegte seinen Firmensitz hierher.   

 

  1. Okt. Auswertung der Kursaison (NZ).

Innerhalb von 10 Jahren war die Anzahl der Kurgäste und Passanten von 4.536 auf 10.629 gestiegen, die Kurtaxeinnahmen von 8.806 auf 15.720 Mark und bei den Kurmitteln wurden  14.045 Mark gegenüber 5.644 Mark im Jahr 1899 eingenommen. Beklagt wurden die starke Lärmbelästigung durch den Zugverkehr und die ungenügende Pflege der Parkanlage. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Der Stromliefervertrag mit der Überlandzentrale in Camburg mit einer Laufzeit von 20 Jahren  wurde mehrheitlich beschlossen.

 

      Okt. Erste Weinlese in den  Saalhäusern (NZ). 

Nach drei Jahren brachten die auf reblausresistenten amerikanischen Unterlagen gezogenen Stöcke aus der Rebschule der Staatlichen Weinbauverwaltung den ersten nennenswerten Ertrag  womit der Weinbau an Saale und Unstrut von neuem begann. 

 

  1. Okt. Vorschlag des Bürgermeisters zum Bau eines neuen Krankenhauses (BLK-A. Nr. 72)

Kretschmar wollte die Insassen des Armenhauses (Burgstr. 16) im Kranken- und Siechenhaus (Burgstr. 14) einquartieren, da desolate Anwesen abbrechen und  an dessen Stelle die  Kinderbewahranstalt bauen. Einerseits würde man damit das Vermächtnis von Therese Berbig erfüllen und andererseits käme die Anstalt dorthin, wo es die meisten Kinder aus unbemittelten Arbeiterfamilien gab. Das Krankenhaus sollte außerhalb der Ortslage gebaut werden, weil hier der Grund und Boden billiger war und  die Ansteckungsgefahr die davon ausgeht, verringert wird. Dazu wäre am besten ein Grundstück nördlich des Äbtischen Holzes, westlich des Jochenberges geeignet, das von der Haarnadelkurve  der Chaussee umschlossen war und zur Domäne Fränkenau gehörte. Die Lage wäre verkehrsgünstig und die Wasserversorgung vom Hochbehälter  mittels einer Pumpe unproblematisch. Man bräuchte lediglich eine Fläche von  1200 m² die nicht mehr als 25.000 Mark kosten sollte und die nachfolgende Umgemeindung aus dem Gutsbezirk.    

 

  1. Okt. Abschluss des Stromliefervertrages (Röblitz,1930).

Die Fernleitung von Camburg ging über Tultewitz, Freiroda und  Kukulau und endete am Transormatorenhaus an der Herrenwiese. Von hier wurde dann das städtische Netzt gespeist  

 

  1. Okt. Ablehnung des Kaufgesuchs für das Krankenhausgrundstück (BLK-A. Nr. 72)

Der Prokurator erklärte, dass damit eine städtische Exklave im Gutsbezirk entssteht und bot statt dessen ein Grundstück an der Fränkenauer Trift neben dem Fronhaus der Domäne  (Eckartsbergaer Str. 19) an, dass direkt an den Stadtbezirk grenzte. Hier wäre eine Eingemeindung möglich, sowie die Ver- und Entsorgung aus dem  städtischen Netz einfacher zu bewerkstelligen.

 

  1. Nov. Gutachten zur Radioaktivität der Brunnensole.

Die Radioaktivität der Schachtsole wurde nachgewiesen und reichte für ein Emanatorium.

 

  1. Dez. Bruch der Wasserradwelle des städtischen E-Werkes (NZ).

Beim unsachgemäßen Wechsel der Schaufeln kam es zum Bruch, die Stromversorgung fiel aus, für die Reparatur rechnte man mit mindestens 2 Wochen. Zur Aufrechterhaltung der Trinkwasserversorgung wurde für die Pumpe im Wasserwerk ein  Benzinmotor eingesetzt. 

 

  1. Dez. Außerordentliche öffentliche Stadtverordnetensitzung (NZ).

Beim Schein von Petroleumlampen kam es zu gegenseitigen Schuldzuweisungen, bis Kersten anbot, eine Lokomobile für den Antrieb des Generators zu besorgen, unter der Bedingung, dass man sich wieder dem Umbau der oberen Radkunst zum E-Werk zuwendet.  Der Not gehorchend, ging der Magistrat darauf ein. Zwei Tage später war die  Lokomobile an den Generator angekoppelt, die Pumpen vom Wasserwerk und die Straßenbeleuchtung funktionierten.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Diesmal rief die Erhöhung der Bezüge der städtischen Angestellten Empörung hervor. Trotz  leerer Kasse sollten die städtischen Bediensteten (Rendant, Stadtsekretär, Kassenkontrolleur, Polizeikommissar, zwei Polizeisergeanten, Kalkulator, Registrator, Vollzugsbeamter und zwei Schutzmänner) mehr Geld erhalten.

 

      Dez. Die Poststelle auf der Rudelsburg meldet 101.200 Postsendungen im Jahr.

 

               Der Magistrat schafft sich die erste Schreibmaschine an (St.-A).

 

   Bauantrag für ein „Brückengelderhebungshaus“ (St.-A.)

Die seit dem Neubau eingeführte Benutzungsgebühr wurde vom Einnahmepächter an der am rechten Ufer befindlichen Schranke erhoben. Bei ungünstiger Witterung und im Winter fehlte aber jeder Schutz, so dass die Steuerverwaltung den Bau eines kleinen Fachwerkhauses unmittelbar neben der Schranke beantragte. Hier würde der Pächter Tag und Nacht präsent sein.

 

1910

 

  1. Jan. Zuweisung einer Dienstwohnung in der Schule (MER C48 IIb 2028 II)

Durch Auszug war eine der vier Lehrerwohnungen frei geworden und  sollte einem der vier privat wohnenden Lehrern bezogen werden, zumal dann auch der Mietzuschuss wegfiel. Nach Prüfung der persönlichen Umstände sollte der Lehrer Hinsche hier einziehen, doch der weigerte sich vehement.Zur begründung führte er an, dass die Wohnung nur über das Schulgebäude zugänglich sei, die großen Fenster eine ausreichende Erwärmung im Winter unmöglich machten, die Lage der Stuben  nach Norden kaum Licht hereinließen und die Kellerwände von Pilzen überwuchert sind. Größtes Manko war der Abort auf dem Schulhof neben den der Schüler und „das Nachtgeschirr muß an sämtlichen Klassenräumen vorbei über den Schulhof getragen werden“ der außerdem noch von den Nachbarhäusern einsehbar war, klagte Hinsche. Als er dann ein Attest für seine Frau und seinen Sohn vorlegte, nahm der Magistrat Abstand von der Einweisung.

 

  1. Jan. Schreiben des Königl. Schulforstamtes (BLK-A. Nr. 72)

Inzwischen hatte der Magistrat der Landesschule angeboten, den gesamte Hanges von der Mausa-Schlucht bis zur Haarnadelkurve zu erwerben, gegenüber dem zum Stadtbezirk gehörenden Jochenberg. Da der Hang nur forstwirtschaftlich nutzbar und wenig ertragreich war, stimmte die Forstverwaltung zu. Daraufhin erfolgte die ministerielle Genehmigung mit der Einschränkung, dass hier nur städtische Anlagen für sanitäre und medizinische Zwecke gebaut werden dürfen.

 

  1. Jan. Vertrag mit Paul Krüger und dem Schulforstamt (BLK-A. Nr. 670)

Sie genehmigten der Stadt die Verlegung der Soleleitung von der Johannisquelle über ihre Grundstücke zur Trinkhalle im Kurpark.

 

  1. Jan. Finanzierungszusage von Fräulein Kumbruch (BLK-A. Nr. 72, 670).

„Auf die mir vorgetragene Bitte des Hr. Bürgermeister Kretschmar mache ich der Stadt Koesen folgende Stiftung zum Besten ihrer Armen und Kranken. Ich übernehme für mich und meinen Rechtsnachfolger die Verzinßung und Amortisation der Kosten zum Ankauf des Bauplatzes für ein neues Krankenhaus an der Eckartsbergaer Chaussee in der Schleife vor dem Ebtischen Holze in einer Größe von ca. 5000 qm zu 2 ½ Mark, das Kaufgeld zu 3,5% Zinßen und 1,5% Amortisation gerechnet. Im Falle des Verkaufs meines Hauses  Kukulauer Str. 1 soll der Stadt aus dem Erlös soviel zukommen, als zum Zwecke der Ablösung entstehender Zinßen und Amortisation erforderlich ist.“ Für den Bau selber standen die inzwischen auf 30.000 Mark angewachsenen Mittel der privaten Stiftungen und des Baufond zur Verfügung.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Die Stadtverordneten Kersten und Wolf lehnten den vom Bürgermeister vorgeschlagnenen Bauplatz für das Krankenhaus außerhalb der Ortslage rundweg ab. Das Wortgefecht wurde dann persönlich und endete mit Angriffen auf den Bürgermeister wegen dessen Betätigung  als Förderer der Heilsarmee. Als dies durch die Presse ging, stellte der Regierungspräsident einen Strafantrag gegen Kersten und Wolf beim Naumburger Staatsanwalt wegen Beamtenbeleidigung. Kersten nahm vor dem Regierungspräsidenten die Beleidigungen zurück und entschuldigte sich mit Verweis auf die Hitze des Gefechts. Wolf lehnte eine Entschuldigung ab.   

 

  1. Feb. Mitteilung des Bürgermeisters an den Stadtverordnetenvorsteher Krüger (BLK-A. Nr. 2)

Wegen „groben Verstoß gegen die Geschäftsordnung und unausgesetzter schwerer Beleidigung des Magistrats durch den Stadtverordneten Wolf“ lehnte der Magistrat die Teilnahme an den Sitzungen bis zur Abstellung derartiger Ausschreitungen ggf. die Entziehung des Mandats ab. Weil keine Reaktion erfolgte, zeigte Kretschmar den Buchbindermeister Wolf (Jg. 1842) wegen Beleidigung an und der Staatsanwalt forderte die Protokolle der diesbezüglichen Sitzungen vom September 1909 bis Januar 1910 an.  Im Oktober wurde Wolf zu einer Geldstrafe von 50 Mark, ersatzweise 10 Tage Haft verurteilt. Urteil und Begründung sollten in der Zeitung veröffentlicht werden.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 670)

Bewilligt wurden die Mittel für die Reparatur der Radwelle (3.500 Mark) und weitere 23.000 Mark für einen neuen  Generator, drei Transformatorenstationen im Stadtgebiet und 150 neue Freileitungsmasten aus Stahl bzw. Beton. Dazu kamen noch die Kosten für die Lokomobile.

Der Verwaltungsbericht für das Rechnungsjahr 1909 verzeichnete 634 Wohngebäude (1908: 550), 394  sonstige Baulichkeiten (1908: 387) und 86 steuerfreie Gebäude (1908: 56). Zählte die Einwohnerschaft 1871 noch 1.763 Personen, war sie bis 1905 auf 2.990 angewachsen.

 

  1. Feb. Besichtigung der Krankenhausbauplätze (BLK-A. Nr. 72)

Die Platz der Fronhäuser sei ungeeignet, schwierige Erschließung, Bergrutschgefahr und die Verbreitung von Krankheitserregern über den angerenzenden Trinkwasserhochbehälter, waren die Gründe. Der Standort „Haarnadelkurve“ wurde dagegen favorisiert.

 

  1. Feb. Beschlussvorlage zum Ankauf der Laßpachtgrundstücke (BLK-A. Nr. 670)

Das betraf den Ankauf der Freiflächen am Gradierwerk, der Loreleypromenade und der Parkwiese. Dafür sollten gegebenenfalls 24.000 Mark bereit gestellt werden.

 

  1. Mär. Stellungnahme Dr. Wagner zum Standort des Krankenhauses (BLK-A. Nr. 72/670)

Aus der Sicht des Kommunalarztes war die Haarnadelkurve wegen der Entfernung von der Stadt für Kranke, Ärzte und Besucher denkbar ungünstig. Erplädierte für das Grundstück des Armenhauses, und hatte wegen der Nähe und des „schlechten Geruchs aus der Wurstfabrik“ keine Bedenken.

 

  1. Mär. Gutachten Prof. Beyschlags zur Erschließung einer neuer Solequelle (NZ).

Der empfahl, entweder in der städtischen Lehmgrube an der Fränkenauer Trift oder in der Aue eine Bohrung  bis in den Zechstein in rund  750 m Tiefe abzuteufen. Beyschlag befürchtete aber,  dass man bereits in  geringerer Tiefe im Röt auf ein Salzlager stoßen könnte und dass dann ein Einbrechen des Deckgebirges möglich wäre,  wie in Staßfurt und Eisleben.  

 

  1. Mär. Vertrag mit dem Kapellmeister Hohenstein (BLK-A. Nr. 670)

 

  1. Apr. Festsetzung des Soleabgabepreises für Selbstabholer (BLK- A. Nr. 670)

Der Hektoliter 5%ige Sole kostete 15 Pfennig, je 1% höhere Konzentration 3 Pfennig mehr.

 

  1. Apr. Vorstellung des Projektes Kurmittelhaus (BLK-A. Nr. 670)

Die Stadtverordneten wurden von Prof. Schulze-Naumburg und dem Ing. Löbel von der Fa. Körting über den baulichen und technischen Entwurf in Kenntnis gesetzt.

 

  1. Apr. Inbetriebnahme der Überlandleitung vom Camburger Elektrizitätswerk (NZ).

Der Bahnhof wurde als erste und wichtigste Einrichtung an die Übergabestation im Park angeschlossen. Der im städtischen E-Werk installierte neue 30 kVA- Drehstromgenerator (Mende 1963) und betrieb tagsüber die Pumpen des Wasserwerks und des Solschachts und in nachts die   Straßenbeleuchtung. In den nächsten Jahren kamen drei weitere Trafostationen hinzu, die  Holzmasten durch Betonmasten ersetzt und die Freileitungen bis in die  Saalberge verlängert (Röblitz, Heimatbuch).

 

  1. Mai Baugenehmigung für das Krankenhaus (BLK-A. Nr. 72)

Die Kreisdeputation genehmigte den Bau an der Haarnadelkurve unter der Maßgabe dass die Umgemeindung und der Anschluss an das städtische Ver- und Entsorgungssystem gewährleistet sind.

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (NZ).

Den Beschluss der Stadtverordneten, die Solebohrung in der städtischen Lehmgrube am Jochenberg niederzubringen, lehnte der magistrat ab.

 

  1. Mai Beschlussvorlage zur Änderung der Biersteuer (BLK-A. Nr. 670)

 

  1. Mai Einweihung der Herzog-Georg-Trinkhalle (KÖZ, St.-A. Nr. 24 u. 250).

Das Bauwerk nach dem Entwurf des Kgl. Baurates Pomme war ein Werbeobjekt für die  Leipziger  Baumaterialienausstellung und wurde dann von P. Kersten der Stadt geschenkt. Die Namensgebung erfolgte zu Ehren des Herzogs von Sachsen-Meiningen, auf dessen Gebiet der zur Grafschaft Camburg gehörende Steinbruch Freiroda lag. Die Trinkhalle erhielt Ausschankstellen für die vom Mühlbrunnen und der Johannisquelle durch eine  Druckleitung geförderte Sole. Die Abgabe der Sole an den Brunnen und in der  Trinkhalle sowie den Flaschenversand pachtete J. Risse, der Sohn des Badearztes Dr. Risse.

 

  1. Mai Verkaufsofferte für das Krankenhausgrundstück (BLK-A. Nr. 72).

Das Ministerium hatte den Kaufvertrag dahingehend abgeändert, dass die Stadt das Grunstück ohne Einschränkung bebauen durfte, allerdings für 3 Mark den Quadratmeter. Dafür reichten natürlich die von Frl. Kumbruch zugesagten Mittel nicht. Der Bürgermeister teilte dem Landrat am 10. Juni mit, dass man von einem Kaufvertrag mit der Landesschule Abstand nehmen muss.   

 

  1. Juni Einweihung des Licht- und Sonnenbades (NZ).

Die Anlage auf der Wiese östlich vom Gradierwerk bestand aus einer Umzäunung mit  Sichtschutz und einer Kasse mit Ausleihe für Liegestühle und Decken und kostete 10.000  Mark. Der Eintritt betrug 30 Pfg. für Erwachsene. Kinder zahlten 15 Pfg. Dutzend- und Monatskarten waren ermäßigt. Auch Massagen wurden angeboten und kosteten zwischen 50 Pfg. und 1,75 Mark.

 

  1. Juli Das Haus Saalstraße 28 erwirbt die Freifrau v. Massenbach (NZ).

 

  1. Juli Stellungnahme von Prof. Beyschlag (BLK-A. Nr. 670)

Der plädierte für die Solebohrung im unteren Kurpark, weil hier der hydraulische Druck günstiger war als an der Lehmgrube. Damit könnte die in der projektierten Tiefe erwartete Sole besser aufsteigen. Druck- und Schichtenwasser bzw. Überflutungen bei Hochwasser  sollte die  wasserdichte Auskleidung des Bohrloches und des brunnenkopfes verhindern.

 

  1. Juli Prof. Schultze-Naumburg gründet die Baugesellschaft mbH (KÖZ).

Geschäftsführer waren Dr. Carstanjen und Ernst Töpfer. Zweck der Gesellschaft war der Erwerb, die Erschließung und die Bebauung des Geländes östlich des Friedhofes mit Ein- und Zweifamilienhäusern. Damit wollte man die Nachfrage nach attraktiven Wohnraum erfüllen.

Dr. phil. Carstanjen war Schweizer Staatsbürger und wohnte in der Rudelsburgpromenade 12. 1926 wurde er in Bremen vermutlich wegen eines Ehestreits auf offener Straße erschossen.  

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Für den ausgeschiedenen P. Krüger wurde S. Exzellenz  General a. D. Stieler v. Heydekampf zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Beschlossen wurde, eine Anleihe von 55.500 Mark für die Solebohrung und die Beauftragung der Fa. Kontinentale Tiefbohrgesellschaft.

 

  1. Juli Schreiben der Kgl. Regierung zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Der Magistrat wurde hier nochmals eindringlich darauf hingewiesen, das Krankenhaus zu bauen,  andernfalls drohte die Einstellung des Badebetriebes. Die Behörde verlangte, umgehende alternative Bauplätze zu prüfen, wie z. B. am Friedhof oder in den Saalbergen.

 

  1. Juli Einweihung des Schießstandes der „Schützengesellschaft 1832“ an den Saalhäusern.

 

  1. Aug. Stellungnahme des Bürgermeisters zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Inzwischen hatte Paul Kersten bei der Gewerbe-Inspektion Widerspruch gegen den Standort am Jochenberg bzw. an der Haarnadelkurve  eingelegt. Grund dafür war die bereits 1899 erteilte Genehmigung für die (noch nicht erfolgte) Errichtung zweier Zement-Ringöfen. Mit den bereits bestehenden Schornsteinen der Lengefelder Ziegelfabriken und des Holzwerkes würden dann 6 Schlote in unmittelbarer Nähe zum geplanten Krankenhaus stehen und Konflikte durch die Rauchbelästigung absehbar wären. Daraufhin gab dr Bürgermeister den von ihm favorisierten Standort auf. 

 

  1. Aug. Schenkungsvereinbarung mit Julia Kumbruch (BLK-A. Nr. 72)

Da die  Zweckbestimmung der Kumbruchschen Erklärung für Kauf des Grundstücks an der  Haarnadelkurve hinfällig war, wurde die am 13. April zwischen ihr und dem Magistrat getroffene Vereinbarung aufgehoben. Luise Kumbruch bestimmte nun,  dass sie der Stadt die 12.500 Mark für den Ankauf eines anderen Grundstücks überlassen würde, wenn bis September ein verbindlicher Beschluss zum Krankenhausbau zustande käme. Ab dem 1. Oktober könnte das Geld in vierteljährlichen Raten ausgezahlt werden.

 

  1. Aug. Stadtverordnetensitzung (KÖZ, St.-A. Nr. 219, 222).

Im nichtöffentlichen Teil beschloss die Versammlung den Bau des Kurmittelhauses, nach dem technischen Vorgaben  der Fa. Körting  und die Aufnahme einer Anleihe von 250.000 Mark. Außerdem gab man den Erwerb der Flächen für die  Straße zu den Saalhäusern bekannt. 

 

  1. Aug. Antrag des Kurtheaterdirektors Ernst Albert (BLK-A. Nr. 670)

Im Vertrag mit der Badedirektion war vereinbart, dass an den Dienstagen und Donnerstagen und während der Hochsaison auch an den Freitagen keine weiteren Veranstaltungen im Bad außer den Aufführungen des Kurtheaters zugelassen werden. Nun hatte es am Dienstag eine „Italienische Nacht“ gegeben, wobei dem Theater durch ausbleibende Zuschauer ein finanzieller Schaden entsstanden sei, weswegen der magistrat um  eine einmalige Subvention von 150 M  ersucht wurde.

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  1. Aug. Empfehlung der städtischen Gesundheitskommission (BLK-A. Nr. 72)

Die von Frl. Kumbruch gestellten Bedingung trieb zur Eile. Die Kommission (Siebold, Dr. Schütze, Kersten, Dr. Wagner, Kretschmar und der Kreisarzt) empfahl dem Magistrat: Der Krankenhausneubau wird nach den Plänen des Baurates Schmidt auf dem Grundstück Burgstraße 16/ Fränkenauer Trift errichtet. Das Armenhaus wird niedergelegt. Das jetzige Krankenhaus wird nach Bezug des Neubaus zu Armenhauszwecken überwiesen. Für den schlüsselfertigen Neubau stehen zur Verfügung: 37.500 Mark sowie weitere 2.400 Mark abzügl. 135 Mark für die Bauleitung von Baurat Schmidt. Die Mittel werden den diversen Stiftungen entnommen, die je nach Bedarf zu flüssig gemacht werden sollten. Dazu kämen noch 12.500 Mark von Frl. Kumbruch.

 

  1. Aug. Beschluss der Stadtverordneten zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Die Empfehlung der Gesundheitskommission wurde abgewiesen. Die Angst vor einer möglichen Seuchengefahr überwog. Dr. Löffler und der Baurat Schmidt die zur fachlichen Begutachtung hinzu gezogen wurden, empfahlen, das Krankenhaus in den Hinterbergen zu errichten und mit den dortigen Grundstücksbesitzern (Albin Knüppel, Paul Hämmerling, Reinhard) über einen Ankauf zu verhandeln. 

 

  1. Aug. Kaufverträge über die Grundstücke in den Hinterbergen (BLK-A. Nr. 72)

Überraschend schnell war man sich einig geworden, nicht zuletzt wegen des Termins den Frl. Kumbruch gesetzt hatte. Unter Vorbehalt des Rücktritt erwarb die Stadt von Albin Knüppel Weinbergs- und Molkereibesitzer  für 26.000 Mark die Flurstücke 313/99, 356/99 und 357/155, von Hämmerling  für 8000 Mark einen Weinberg in den Hinterbergen und vom Ehepaar Reinhard für 18.000 Mark für die Flurstücke 303/124, 304/125, 232/125 und  122/123. Bis zur Ertei,ung der Baugenehmigung seitens der Oberbehörden wurde der Hämmerlingsche Weinberg vom Magistrat in Jahrespacht gegeben. 

 

  1. Sep. Stiftungsfest zum 25jährigen Bestehen der Feuerwehr (KÖZ).

Auf dem Töpferschen Holzplatz fand eine Übung statt, dann ging es mit den Schützen und Turnern und den Wehren der umliegenden Städte und Gemeinden im Zug zu den Saalhäusern zum

geselligen Treiben. In der Zeitung wurden der Aufbau und die Einsätze der Wehr gewürdigt.

 

  1. Sep. Mitgliederversammlung des Verbandes mitteldeutscher Verkehrsvereine (NZ).

Vertreten waren mitteldeutsche und thüringische Großstädte, Kurorte und die Harzgemeinden.

 

      Sep. Baubeginn für die  Gartenstadt am Rechenberg (Röblitz, Heimatbuch).

Die Entwurfsplanung lag bei Prof. Schultze-Naumburg, die Ausführung von der Erschließung bis zur schlüsselfertigen Übergabe die  Baugesellschaft mbH von Direktor Dr. Friedrich Carstanjen.  Diese erwarb  die zum Gutsbezirk gehörenden Grundstücke von der Landesschule und legte die Trassen der mit A, B und C bezeichneten Erschließungsstraßen östlich des Friedhofes an.

Zielgruppe für die gartenstadt waren vornehmlich pensionierte Beamte und Rentiers. Geworben wurde mit der zentralen und verkehrstechnisch günstigen Lage der Kurstadt im Herzen Deutschlands, die kurze und bequeme Anbindung zu den Kulturstätten  Weimar, Jena, Halle und Leipzig, der angenehmen und gesunden Umgebung, ausreichend Bildungseinrichtungen, günstigen Steuern, preiswerten Lebensmitteln und geselligen Veranstaltungen für Offiziere und Beamte sowie deren Witwen und Töchtern. Für Interessenten aus Offizierskreisen stand der pensionierte Generalleutnant Exzellenz Stieler v. Heydekampf , für Beamte  Dr. J. Wichern und für Damen die Ehefrauen des Bürgermeisters Kretschmar sowie des Pfarrers Diederichs als Ansprechpartner zur Verfügung. 

Eine der ersten bezugsfertigen Villen war das „Haus von Ehrenberg“, so genannt nach dem ersten Besitzer, das heutige Konrad Martin Haus.

 

  1. Sep. Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Im geheimen Teil wurde die Bildung eines städtischen Bauamtes, für die Überwachung aller kommunalen Bauvorhaben beschlossen. Die künstlerisch-architektonische Leitung sollte der   Kgl. Baurat Schmidt übernehmen.

 

  1. Sep. Zeitungsbeitrag „Zur Solebohrung“ (NZ).

Die Leser wurden über die bevorstehende Niederbringung einer Tiefbohrung auf Sole auf Grundlage des hydrogeologischen Gutachtens vom Prof. Beyschlag.

 

  1. Okt. Beginn der Solebohrung (KÖZ).

Die Fa. Kontinentale Bohrgesellschaft Halle errichtete einen 22 Meter hoher Bohrturm. Der Antrieb des Nassmeißels erfolgte durch Dampf, der in einer Lokomobile erzeugt wurde. Die Arbeiten liefen im Schichtbetrieb. In der ersten Woche erreichte man bereits eine Tiefe von 59 Metern.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Die Versammlung beschloss den Bau der Kinderbewahranstalt anstelle des Armenhauses.   

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Die Versammlung beschloss einen Grundstückstausch mit dem Gastwirt Weber. Dabei erhielt Weber die Gestängerösche zwischen dem Logierhaus und den Gasthof und die Stadt einen Streifen zur Verbreiterung des unteren Teils der Kukulauer Straße am „Langen Haus“.

 

  1. Nov. Erster Erfolg bei der Solebohrung (KÖZ, IHU 1992).

In 280 m Tiefe erschloß man eine 6 %ige Sole mit einer Schüttung von rund 2500 l/h. Die war  kohlensäurehaltig und drückte fast 2 m aus dem Bohrloch. Bis zur Begutachtung durch Prof. Beyschlag ruhten die Arbeiten. Seine Verprobungen ergaben eine ausreichende und dauerhafte Schüttung bei gleichbleibender Konzentration. Damit war der Weg frei zum Bau des Kurmittelhauses. Die Quelle wurde zunächst Viktoriasprudel später als Hufelandsprudel bezeichnet. Nach der Fassung der Quelle und den Einbau einer Gummimanschette wurde die Bohrung auf den  Zechstein weiter getrieben..

 

  1. Nov. Im „Lindenhof“ steht der erste Kinematograph für „lebende Bilder“ (KÖZ 1935).

 

  1. Nov. Geschäftsordnung der Schuldeputation (MER C 48 IIb 2018 II)

Ihr oblage die allgemeine Verwaltung der städtischen Volksschule, ausgenommen den Schulhaushalt, die Mittelbewilligung, das Schulvermögen und die Einstellung von Beamten.

 

  1. Dez. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891, Adressbuch 1911).

Es gab 372 bewohnte und 11 unbewohnte Häuser, 701 Haushalte mit zwei und mehr Personen und 104 Einpersonenhaushalte. Die ortsanwesende Bevölkerung zählte 3.006 Köpfe, davon 1.358 Männer und 1.648 Frauen. Konfessionell überwog die evangelische Bevölkerung mit 2.928 Gemeindemitgliedern, gefolgt von 80 Katholiken und 5 Einwohnern jüdischen Glaubens. Die Stadtschule besuchten 380 Schüler, die in  7 Klassen von 6 Lehrern unterrichtet wurden.  Die höhere Knabenschule (Prof. Posseldt) mit 6 Lehrern besuchten 50 Schüler und in der Mädchenschule (Frl. Possart) unterrichteten 5 Lehrerinnen 38 Kinder.Es gab ein (Zwangs)-Innung der Bäcker, 29 Vereine und Kassen, darunter drei Schützenvereine (Schützengesellschaft 1832, Bürger-Schützenkorps, Bad Kösener Schützengesellschaft „Auf der Katze“) sowie 10 Feuermeldestellen.

 

  1. Dez. Der Bezirks-Ausschuss genehmigt den Bau des Kurmittelhauses (St.-A).

Obwohl die Parkwiese als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen war, erhielt die Stadt ohne weitere Auflagen die Baugenehmigung nach dem Entwurf des Reg.-Baumeisters Menge.

 

  1. Dez. Grundsteinlegung für das Kurmittelhauses (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Die Baugenehmigung der Provinzialverwaltung wurde unter der Auflage erteilt, den Deich zwischen dem Töpferschen und Krügerschen Grundstücken wieder herzustellen. Die Firmen Blumentritt und Reichenbach wurden mit dem Hochbau, die Fa. Fritzsche mit der Dacheindeckung und die Fa. Ertle mit der Installation beauftragt..

 

             Meldung vom kleinsten Postbezirk der OPD Halle (NZ).

Die  Rudelsburg mit ihren 7 Bewohnern verzeichnete 130.000 aufgegebene Postsendungen.

 

1911

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Im nichtöffentlichen Teil kam es wegen der am Geburtstag des Kaisers vom Bürgermeister zu haltenden Festrede zum Streit. Der Stadtverordnetenvorsteher Stieler v. Heydekamp hielt Kretschmar dafür als nicht geeignet und spielte dabei auf dessen Tätigkeit bei der Heilsarmee und seine pazifistische Gesinnung an, was wiederum einige Stadtverordneten empörte.

Beschlossen wurde der Ankauf eines geländestreifen zur Verlängerung der Promenade vom Schwaneteich zum Bahnhof.

 

  1. Jan. Schreiben des Reg.- Präsidenten zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Die Stadt sollte die Pläne für den Anschluss des Krankenhauses an die städtischen Ver- und Entsorgungseinrichtungen einreichen.

 

  1. Jan. Stieler v. Heydekampf legt sein Amt nieder (BLK-A. Nr. 2)

Im Streit um die Kaiserrede legten der Stadtverordnete Stollberg und Eckleben ihre Ämter aus Protest gegen den Vorsteher nieder. Draufhin trat v. Heydekampf zurück. Nachfolger wurde der Kaufmann Haußner, die Kaiserrede hielt der Rektor Posseldt.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Der Bürgermeister ließ sich wegen dringender persönlicher Angelegenheiten entschuldigen. Er nahm in Leipzig am Kongress der Heilsarmee teil, wo er als Redner auftrat. Das bestätigten zwei  Stadtverordnete, die ihm gefolgt waren.  Damit zog er sich den Unwillen der meisten Stadtverordneten und zahlreicher Bürger zu.

 

  1. Mär. Aufbau einer hölzernen Brücke an der „Katze“ (NZ).

Die von P. Kersten finanzierte Konstruktion stand auf Pontons und konnte von den Motobooten passierte werden. Im Winter wurde sie abgebaut und im Kalkwerk eingelagert. Der Übergang diente in erster Linie als Verbindung zum Freirodaer Steinbruch aber wurde auch von den Spaziergängern zur Rudelsburg benutzt.

 

  1. Mär. Anerkennung des Hufelandprudels nach dem preußischen Quellenschutzgesetz (NZ).

Die Erklärung verhinderte Konkurrenzbohrungen, insbesondere im Hinblick auf die  Bohrversuche in Naumburg (Dechantengrund und Ziegelgraben) und der näheren Umgebung. Gleichzeitgh überließ der Fiskus der Stadt die Gewinnungsrechte an der Sole.

 

  1. Mär. Erlass einer neuen Kurtaxordnung (St.-A, MER Rep.C 48 Ih Nr. 920).

In 18 Paragrafen wurden alle im Zusammenhang mit der Zahlungspflicht bestehenden Regelungen erfasst. Kurtaxpflichtig waren alle Fremden, die sich zwischen dem 1. Mai bis Ende September mehr als 5 Tage hier aufhielten. Das galt auch für diejenigen, die nicht im Stadtbezirk  wohnten, aber das Bad nutzten. Kinder, Einheimische und Hilfsbedürftige erhielten ermäßigte Kurkarten. Mit Tageskarte konnten auch Passanten die Kuranlagen und die Konzerte besuchen. Gäste mit augenscheinlich und nachweislich ansteckenden Krankheiten wurden verwiesen. Das Betreten der Kuranlagen war nur reinlich und anständig gekleideten Personen gestattet.  Die Kurtaxordnung wurde am 5. Mai vom Bezirksausschuss  genehmigt.

 

      Apr. Einweihung des zweiten Tennisplatzes am Gradierwerk.

 

      Apr. Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin (NZ).

In der Abteilung Thüringen präsentierte sich das Bad mit einer repräsentativen Ausstellung und einem Modell des neuen Kurmittelhauses, was beim Publikum reges Interesse  fand.

 

      Mai P. Tiel „Führer durch Bad Kösen“ (priv).

Hier warben die großen Badeanstalten, das  Wilhelmsbad mit 30 Wannen, Borlachbad (9), Ritterbad (20), Bahse (6) und Haus „Rheingold (7) sowie die Sanatorien von Dr. Löffler, Dr. Schütze, Dr. Risse (Villa Victoria, Villa Quisisana) und die Kinderheilstätte. Geworben wurde als Wohnsitz für Pensionäre wie Offiziere und Beamte oder deren Witwen. Gleichzeitig erschien das Adressbuch der Stadt. Es gab 4 Bauhandwerker, 3 Glaser, 3 Klempner, 8 Maler, 5 Sattler, 3 Schlosser, 9 Schneider, 14 Schneiderinnen, 8 Tischler und 12 Schuhmacher. Für die  Versorgung standen u.a.  21 Material- und Kolonialwarenhandlungen, 6 Drogerien, 7 Fleischereien, 9 Bäcker, 7 Gemüsehändler und 13 Wäschereien zur Verfügung.  Zur Unterbringung der zahlreichen Gäste gab es neben den Badehäusern Apels Hotel am Bahnhof, Friedrichs „Loreley“, Hamels „Preußischer Hof , Kellners „Börse“, Kochs „Tanne“, Schwarzes „Kurgarten“, Steinbecks „Erholung“, Webers „Kurhaus“ sowie weitere konzessionierte  Pensionen (Ohm, Villa Meißner, das spätere Haus Hertha). Die Gasthöfe gehörten Albrecht (Burgstr. 8), Eckard (Breitscheidstr. 8), Geitner (Schmettaustr. 12 - Lindenhof), Noack (Loreleyprom. 4), Schneider und Häun (An der Brücke 2), Seiffert (Schmettausstr. 1), Völkel (Lindenstr, 14- Zur Post), Wolfram (Rudelsburgprom. 9) sowie die Konditoren Bär (Borlachstr. 12) und  Schoppe, dazu kamen die Ausflugslokale wie die „Schöne Aussicht“(Faust), der „Rektorberg“(Hofmann), die „Saalhäuser“(Schumann), die  „Wilhelmsburg“(Seydig),  das „Himmelreich“ (H. Kleinschmidt), die „Rudelsburg“ (Büchner) und die „Katze“ (O. Drese).

 

  1. Juni Soleliefervertrag mit dem Logierhaus von Ferdinand Weise (St.-A. Nr. 242)

Weise der die Sole am Schacht abholte, durfte 1,50 Mark für ein Erwachsenenbad und 1 Mark für ein Kinderbad berechnen, eine Dutzendkarten verringerte den Preis. Je abgegebenen Bad zahlte er  35 Pfg. an die Badekasse. Der gleiche Vertrag wurde mit Elisabeth Kniesche (Rheingold) abgeschlossen.

 

  1. Juni Schreiben der Kgl. Eisenbahndirektion an den Magistrat (St.-A.):

Der Antrag auf Einführung von Sonntagsrückfahrkarten wurde abgelehnt mit der Begründung, dass diese nur für Orte eingeführt würden, wo Fahrgäste  ausspannen und sich in gesunder, freier Luft  erholen könnten.

 

      Juni  Die Solebohrung erreicht eine Tiefe von 682 m (NZ).

Im Zechstein stieß man auf  hochkonzentrierte schwefelhaltige Salzsole (25%) mit einer Temperatur von 22°. Die Pumpversuche ergaben eine Schüttung  von 12 bis 15 m³/Stunde.  Doch beim Rückbau des Meißels und der Auskleidung der Bohrung löste sich ein  Fremdkörper und verschloss das Bohrloch, die Versuche das Bohrloch freizubekommen, scheiterte. 

Die Solebohrung wurde nach dem Geologen Franz Beyschlag benannt, der das Erkundungsgutachten erstellte. Beyschlag (1856 bis 1937) studierte in Halle und Berlin, promovierte 1883 bei Dr. v. Frisch und wurde noch im gleichen Jahr bei der Preußischen Landesanstalt f. Geologie angenommen, deren Direktor er 1907 wurde und  der er seit 1918 als Präsident vorstand.

 

  1. Aug. Prüfbericht der Kgl. Regierung zum Krankenhausplan (BLK-A. Nr. 72).

Die Stadt wurde aufgefordert, die erforderlichen Desinfektionseinrichtungen für Typhus und Cholerafälle sowie die Maßnahmen zur Abwasserableitung zu konkretisieren.

 

  1. Aug. Die Badedirektion stellt die Soleversorgung für das Borlachbad ein.

Vorausgegangen waren zahlreiche Beschwerden von Gästen über die  unzumutbaren hygienischen Zustände in der Anstalt.

 

     Aug. Aufnahmen einer englischen Filmgesellschaft auf der Rudelsburg (KÖZ).

Gefilmt wurde die Freilichtaufführung des Theaterstückes „Hie Rudelsburg – hie Naumburg oder Die Erstürmung der Rudelsburg“ aus der Feder des Naumburger Theaterdirektors M. Günther.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Das Straßenbahnprojekt wird erneut im Stadtrat hinsichtlich Nutzen, Kosten, Rentabilität und  Linienführung diskutiert. Man verständigte sich darauf, keine privaten Unternehmer damit zu beauftragen sondern das Vorhaben der Stadt Naumburg zu überlassen und sich mit einem Viertel an den Kosten zu beteiligen. Auf der gegen Ende des Jahres stattfindenden Sitzung der Naumburger Stadtverordneten wurde eine Beteiligung an dem ca. 625.000 Mark kostenden Projekt ebenfalls abgelehnt und empfohlen, den Bau einer privaten Gesellschaft zu überlassen

 

  1. Okt. Genehmigung für den Bau des Krankenhauses in den Saalbergen (BLK-A. Nr. 72).

Das Regierungspräsidium bestätigte den Standort vorbehaltlich der Erteilung der baupolizeilichen Genehmigung.

 

      Okt. Probelauf der Rauminhalation im Kurmittelhaus.

Zum Saisonende wurde das Haus mit den für die damalige Zeit modernsten und effektivsten Inhalationsanlagen, pneumatischen Kammern  und einem Radiumemanatorium eröffnet. Die Baukosten betrugen insgesamt 335.000 Mark, 85.000 Mark mehr als geplant. Dafür musste eine weitere Anleihe aufgenommen werden, worauf es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Bürgermeister, Magistrat und den Stadtverordneten kam.

Für die Ausgestaltung des Kurmittelhauses hatte die Stadt das Temperagemälde „Panorama der Stadt Bad Kösen“ des Weimarer Malers Prof. R. Starcke erworben.

Die Zahl der Kurgäste in der diesjährigen Saison wurde mit 4.161 angegeben, darunter wieder zahlreiche Berliner. Die Zahl der Passanten wurden mit 5.000 angegeben.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 72, NZ).

Bei der Prüfung des Krankenhausprojektes des Baurates Schmidt hatte das Regierungspräsidium etliche Nachbesserungen insbesondere bei der Desinfektion, der Isolierstation und der Abwasserreinigung gefordert, und damit wuchsen die Kosten auf rund 80.000 Mark.  Da nur die Hälfte zur Verfügung stand und wegen der Mehrkosten des Kurmittelhauses der Beleihungsrahmen erschöpft war, wurde die Ausführung um ein Jahr verschoben.

 

  1. Dez. Verfügung des Reg.-Präsidiums zum Krankenhaus (BLK-A. Nr. 72).

Die Oberbehörde erklärte, dass ein Krankenhaus von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Bades und im Kampf gegen Seuchen unabdingbar sei. Angeordnet wurde, dass  die Stadt binnen 4 Wochen  einen entsprechenden Beschluss fasst oder geeignete Maßnahmen zur  Erfüllung einer Reichsanordnung zur Verhinderung von Seuchen unabhängig vom Bau des Krankenhauses trifft.

 

              Bauerlaubnis für vier Villen in der Berbigstraße.

Das betraf  die Nr. 20 (Walter), Nr. 16 (Bürgermeister  Kretzschmar), Nr. 5 (Kirchner) und Nr. 4 (Bucke).

 

1912

              Pachtvertrag über die Burg Saaleck (Stein-Saaleck).

Der Rittergutsbesitzer von Stendorf Freiherr v. Feilitzsch verpachtete die völlig vernachlässigte und ruinöse Anlage an Dr. Hans-Wilhelm Stein einem „national-konservativen“bzw.  „völkischen“ Dichter aus Niedersachsen auf Lebenszeit. Stein-Saaleck verfasste Romane und lyrische Dichtungen  die zumeist im Mittelalter spielten, u. a. „Markgraf Ekkehard“. 

Ihm ist es aber zu verdanken, dass der Verfall der Burg aufgehalten wurde. Nach ersten Sicherungsarbeiten, wurden die Türme mit Zwischendecken und Treppen versehen, wo er seine Wohnung einrichtete. Bei der Beräumung des Burghofes kam auch der Burgbrunnen zum Vorschein, wurde beräumt und neu gefaßt, auch die Schildmauern wurden erneuert. Die fachliche Betreuung hatte dabei der Saalecker Architekt August Pfisterer und der Oberkonservator der Provinz Prof.  Giesau aus Halle. 

 

  1. Jan. Offizielle Einweihungsfeier und Übergabe des Kurmittelhauses (NZ).

Der Empfang des Magistrats für die Honoratioren fand in dem behaglich eingerichteten Lesesaal statt. Man verglich das Haus mit einem atmenden und lebendigen Organismus.

 

  1. Feb. Prozess vor dem Landgericht Rudolstadt (NZ).

Das Überlandwerk Camburg war liquidiert wurden und nun im Besitz einer Genossenschaft übernommen. Daraufhin kündigte der Magistrat den ungeliebten Stromliefervertrag, in der Absicht, einige Klauseln des Vertrages die sich als nachteilig für die Stadt erwiesen hatten, nachzubessern. In erster Instanz verlor die Stadt, ging in Berufung und bekam dann vor dem OLG Jena Recht.

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 456)

Der Antrag des Magistrats, eine Anleihe von 85.000 Mark aufzunehmen, die das  Kurmittelhaus mehr gekostet hatte wurde abgelehnt und eine Prüfung aller Kosten von einem vereidigten Gutachter gefordert.

 

  1. Feb. Sitzung der Gesundheitskommission (BLK-A. Nr. 72)

Nach einer erneuten Mahnung des Reg.-Präsidium, hatte die Stadt einen abgespeckten Bauplan für den Neubau vom Maurermeister Reichenbach anfertigen lassen. Der wies Baukosten von   rund 54.000 Mark aus, die immer noch weit über den zur Verfügung stehenden Stiftungskapitalien lagen. Dennoch empfahl die Kommission (Kretschmar, Direktor Kersten, Dr. Risse, Dr. Wagner, Dr. Schütze, Bäckermeister Seiffert) den Bau nach dem Reichenbachschen Entwurf zu beginnen und Kersten versprach, den Personenaufzug zu stiften. 

 

  1. Feb. Gründung einer freiwilligen Sanitätskolonne des DRK (NZ 1937).

Ehrenvorsitzender war der Generalleutnant a. D.  Stieler v. Heydekampf, 2. Vorsitzender Dr. Löffler, der die Ausbildung der Kolonne übernahm, die für den Katastrophenfall (Hochwasser, Eisenbahnunglück) vorgesehen war.

 

  1. Feb. Schließung des Restaurants „Zur Rudelsburg“, Rudelsburgpromenade 9 (NZ, St.-A. 218).

Der Pächterin wurde  die Konzession entzogen, weil sie im Verdacht der   „Animierbedienung“ und Kuppelei stand. Einem Nachfolger wurde von der  Polizeiverwaltung mitgeteilt, dass es genügend Lokalitäten gab, die den Bedarf abdecken könnten. Dahinter steckte der Bürgermeister, ein bekennender Antialkoholiker, der in seinem Eifer immer wieder mit  den Gastwirten und dem Brauereibesitzer Rutschmann aneinander geriet. 

 

  1. Mär. Verzicht des Fiskus auf die Solequellen (MER C 48Ii Nr. 776 IX).

Gegenüber der Bergbehörde verzichtete der Staat auf sein Bergrecht zugunsten der Stadt, die  sich verpflichtete, die Sole ausschließlich für Kur- und Badezwecken zu fördern und weder  Speise- Vieh- oder Düngesalz selbst herzustellen oder es Dritten zu gestatten.

 

  1. Mär. Bildung eines Ortsausschusses zur Jugendpflege (NZ).

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456, KÖZ).

Beschlossen wurde eine Anleihe von 30.000 Mark für die Erweiterung des städtischen E-Werkes, um den möglichen Ausfall der Überlandversorgung zumindest teilweise zu kompensieren. Beschlossen wurde auch der Abbruch der Inhalationshalle und der Wiederaufbau auf der Fränkenauer Wiese, falls die Landesschule das Grundstück für 125 Mark/Jahr verpachten würde.

 

     Mär. Prof. Schultze-Naumburg erhält den Auftrag für die Kronprinzenresidenz (KÖZ).

Für den in Potsdam gelegenen Sitz des Thronfolgers wurde der Entwurf von Schultze-Naumburg ausgewählt und dieser mit der Leitung des Vorhabens betraut. Die Fertigstellung erfolgte 1916/1917. Nach dem 1. WK und dem Ende des Kaiserreiches erhielt das Palais den Namen „Schloss Cäcilienhof“, der Ort des Postdamer Abkommens.

Zugleich kaufte die Baugesellschaft die „Russenvilla“. In dem dazu gehörenden  Garten wollte men einen 600 Personen fassender Festsaal errichten, nachdem der KSCV  wegen  fehlender Kapazitäten und Differenzen mit dem Besitzer des „Mutigen Ritters“ erstmals seit 50 Jahren den Kommers nach Naumburg in die „Reichskrone“ verlegt hatte. Zwar hatte der Pächter des  „Kurgartens“ die Erweiterung seines Saales angeboten, verfügte jedoch nicht über die dazu erforderlichen 50.000 Mark. Der KSCV signalisierte sein Einverständnis für beide Standorte und stellte auch eine finanzielle Beteiligung in Aussicht, um sich den Bau eines eigenen Festsaales zu ersparen.

 

  1. Apr. Dienstantritt einer neuen Stadtbezirkshebamme (NKB).

Die  Hebamme Rosalie Wächter war 82 Jhare alt und ging nach 50 Berufsjahren.       

 

  1. Apr. 50. Jahrestag der Geschäftsübernahme des Holzhändlers Gustav Krüger (KAZ).

Dieser hatte  1862 die von seinem Vater Friedrich Krüger in der Blüte des Floßholzhandels, gegründete Firma 1837 übernommen. 

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Beschlossen wurde die Abtretung der Leichenhalle an die Kirchengemeinde unter der Bedingung, dass diese allen Einwohnern ohne Unterschied des Glaubens zur Verfügung steht.

 

  1. Mai Schreiben des Bürgermeisters an den Reg.-Präsidenten (BLK-A. Nr. 72).

Nach wiederholter Mahnung erklärte Kretschmar, dass die Stadtverordneten wegen fehlender Mittel und in Anbetracht der übrigen Verbindlichkeiten keinen Beschluss für eine Anleihen zum Krankenhausbau fassen werden. Was er nicht erwähnte, die Mehrheit der Stadtverordneten hielt ein städtisches Krankenhaus für überflüssig, zumal auch in größeren Städten wie z. B. Naumburg keins hatte. Außerdem würden doch nur die ärmere Bevölkerung behandelt und die laufenden Unterhaltkosten würden der Gemeinde zur Last fallen. 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72)

Nachdem das Regierungspräsidium eine unaufschiebbare Frist von drei Wochen gesetzt hatte, brachte der Magistrat die Vorlage ein, für den Fehlbetrag von 14.000 Mark eine Anleihe aufzunehmen. Der Antrag wurde abgelehnt und der Magistrat vom Vorsteher Gibhardt und dessen Beisitzern Troll, Eckleben und Moeller beauftragt, doch noch einen Aufschub zu erwirken.  Das wurde vom Magistrat (Weber, Siebold) beanstandet und Bürgermeister Kretschmar wandte sich an den Bezirksausschuss, damit dieser unter Ausschaltung der Stadtverordnetenversammlung den  entsprechenden Beschluss fasst. Doch der lehnte eine Ersatzvornahme ab. 

 

  1. Juni Vertrauliche Mitteilung des Bürgermeisters zur Mattes`schen Fabrik (BLK-A. Nr. 591)

Die Friedrich Matthes Erben GmbH hatte der Stadt die Fabrik zum Kauf angeboten, um eine Zwangsversteigerung zu vermeiden. Für den Bürgermeister war das Angebot akzeptabel, denn neben der Miete der genossenschaftlichen Brotfabrik (1700 Mark/Jahr), hätte die Stadt weitere Vorteile. Auf dem Grundstück befand sich ein ergiebiger Trinkwasserbrunnen, der als Reserve für den städtischen Brunnen dienen könnte. Im Gebäude wäre Platz, um die Pumpen frostfrei unterzubringen und die Armaturen und Materialien einzulagern, was einen Neubau am Wasserwerk  erübrigte. Außerdem wäre genügend Platz für den Bauhof, Schuppen für den Spreng- und Fäkalienwagen und  die Salzsiederei. Auch die Einrichtung einer städtischen Schlachterei wäre hier möglich, da die gesamte Betriebsausstattung der Wurstfabrik vorhanden war. Auf dem Grundstück lastete eine Hypothekenschuld von 38.000 Mark, der Kaufpreis würde 85.000 Mark betragen. Was der Bürgermeister nicht wusste, Direktor Paul Kersten hatte 1910 mit der Erbengemeinschaft einen Kaufvertrag abgeschlossen, war aber dann zurückgetreten, weil für die Löschung dinglicher Altlasten niemand mehr zuständig war. Diese wurden 1834 beim Verkauf des Gasthofes zugunsten des Salinenfiskus grundbuchlich eingetragen und bei der Auflösung der Saline vergessen zu löschen. Dazu gehörte auch das Feld am Jackenberg, dass der Gastwirt Weber den Gebr. Matthes verkauft hatte. 

 

  1. Juni Schreiben der Baugesellschaft an den Magistrat (BLK-A. Nr. 511)

Das für die Gartenstadt östlich vom Friedhof erworbenen Gelände gehörte zum Gutsbezirk Pforte und die hier geltende   Baupolizei-Vorschrift unterschied sich in wesentlichen Punkten von der städtischen Polizeiordnung von 1895. Das betraf auch den Ausbau von Straßen und Fußwegen.  Da nach der Fertigstellung die Stadt die öffentlichen Flächen übernehmen und darüber hinaus auch die Ver- und Entsorgungsanlagen herstellen sollte, verlangte die Stadt, dass die Vorschriften der städtischen Baupolizei einzuhalten sind.  Doch die hatten einen höheren Standard und waren demzufolge auch teurer. Das wollte die Baugesellschaft nicht übernehmen und verlangte von der Stadt die Mehrkosten. Da lehnte der Magistrat mit Hinweis auf leere Kassen ab. Nun bot der Bauträger der Stadt die unentgeltliche Überlassung der nach den Bauvorschriften des Gutsbezirks geplanten Straßen an, unter der  Maßgabe, dass die Stadt sofort die Unterhaltung übernimmt und erst nach 5 Jahren  der Baugesellschaft die Mehrkosten erstattet, die für erdverlegte Elektroleitungen und für Straßenlampen anfielen.  

 

     Juli   Umfirmierung des Borlachbades.

Die ärztliche Leitung der „Sanatorium Borlachbad Bad Kösen GmbH“ übernahm Dr. Risse.

 

  1. Aug. Aufhebung des staatlichen Eigentums an den Solequellen (MER C 48Ii.Nr. 776 IX).

Das Bergeigentum und die Gewinnungsrechte auf einer Fläche von 220 Hektar verbunden mit der Schutzgebietserklärung wurden der Stadtgemeinde übertragen, doch die Beyschlagquelle konnte nicht genutzt werden. Der Hufelandsprudel deckte den Bedarf des Kurmittelhauses. Auf der Wiese davor wurde ein Sockel mit einem dekorativen gläsernen Sprudelbehälter errichtet.

 

  1. Aug. Einrichtung einer Auskunftsstelle in Berlin (KÖZ, Röblitz, Heimatbuch).

Die Badedirektion hatte in der Friedrichstraße 64 für vier Wochen ein Ladengeschäft angemietet und eine Werbe- und Sonderschau eingerichtet. Zur Beseztzung war der Stadtsekretär Röblitz abgeordnet worden.

 

  1. Aug. Verkauf der Brücknerschen Brauerei in der Loreleypromenade (KÖZ).

Neuer Eigentümer war der Fleischer Greschk, der nun  die Gastwirtschaft „Zum Wehrdamm“ einrichtete.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Die Landesschule hatte die Verpachtung der Fränkenauer Wiese für die Inhalationshalle abgelehnt, woruaf man den Kauf der nicht bebauten Wiese von 6.300 m² für 4 Mark/m²  beschlosse unter der Maßgabe, dass es keine baulichen Beschränkungen gibt und die Wiese umgehend eingemeindet wird. Dazu sollte eine Anleihe, inklusive von 1700 Mark für die Kanalisierung der kleinen Promenade aufgenommen werden. 

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Im vertraulichen Teil wurden dem Magistrat 4.000 Mark für „wissenschaftliche Arbeiten“,4.000 Mark für Propaganda und 3.000 Mark für Prospekte ohne gesonderten Nachweis bewilligt, dafür aber drei Vertrauensmänner ernannt. Die Mittel waren auch für die Mitgliedschaft in der  Zentralstelle für Balneologie und die Bildung einer Kommission zur Hebung und Nutzbarmachung der Beyschlagquelle gedacht. Um die Verschuldung der Stadt wegen der zur  Verbesserung der Infrastruktur aufgenomnen Anleihen auszugleichen, mussten mehr Gäst aquiriert werden. Daher wurde Geld in die Werbung gesteckt.

 

  1. Sep. Großbrand im Kurhaus „Mutiger Ritter“. (KÖZ).

Das Feuer richtete an den Wirtschaftsgebäuden, Stallungen und der Scheune hohen Schaden  an. Nur durch die Hilfe auswärtiger Feuerwehren und einer Kompanie der Magdeburger Jäger konnte ein Übergreifen des Feuers auf die Schäferei verhindert werden. Die Versicherungsanstalt setzte eine Belohnung aus.

 

  1. Sep. Schreiben der Baugesellschaft an den Magistrat (BLK-A. Nr. 511)

Auf die Beschwerde des Magistrat, dass  die Fußwege in der Gartenstadt nicht gepflastert wären, wie in der städtischen Polizeiordnung von 1895 vorgeschrieben, wurde geantwortet, dass in einer „Gartenstadt“ wegen des geringen Verkehrs keine Notwendigkeit für gepflasterte Fußwege besteht. 

 

  1. Sep. Anordnung des Reg.-Präsidiums zur Einrichtung von Isolierräumen (BLK-A. Nr. 72)

In Verfolg des Gesetzes zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten sollte die Stadt unter Hinzuziehung des Kreisarztes binnen 3 Wochen melden, in welcher Form sie dem nachkommt und welche Kosten dabei entstünden. Andernfalls wurde hier Ersatzvornahme angedroht.

 

  1. Okt. Hauptverhandlung im Klageverfahren Fr. Wolf gegen P. Kersten (St.-A.).

Der Buchbinder hatte Kersten wegen Beleidigung verklagt. Als Zeugen wurden Brauereidirektor Rutschmann, Amtsrat Kitzing, Stadtverordnetenvorsteher Krüger und Malermeister Zippließ vom Kgl. Amtsgericht in Naumburg vorgeladen. Kersten hatte öffentlich geäußert: „der (Wolf) hat mir lange genug auf der Tasche gelegen, wenn ich ihm einen blauen Lappen zeigte, so wollte er manchmal nicht so stimmen, wie ich wollte, aber dann zeigte ich ihm einen brauen Lappen und da tat er es.“ Kersten gab unumwunden zu, dass Wolf die Zementfabrik belieferte und er selbst seinen Privatbedarf bei ihm bezogen habe. Dabei wären innerhalb von 20 Jahren 20.000 Mark zusammengekommen. Letztendlich gingen die Parteien doch auf einen Vergleichsvorschlag des Gerichts ein.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Diesmal wurde die Aufnahme einer Anleihe für die Mehrkosten des Kurmittelhauses bewilligt. Zunächst sollten alle noch offenen Rechnungen insbesondere die der ortsansässigen Firmen bezahlt werden, zur Zwischenfinazierung sollten Fonds und Stiftungen beleihen werden. 

 

  1. Okt. Sondersitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 72)

Um einer drohenden Ersatzvornahme zu entgehen, sollten die Stiftungen und Fonds für den Krankenhausbau in Höhe von 40.000 Mark als 1. Rate freigegeben werden. Der Beschluss und der Reichenbachsche Plan wurden dem Reg.-Präsidium zur Genehmigung zugeleitet..

 

  1. Okt. Eigentümerwechsel beim „Deutschen Haus“ (KÖZ).

Das ehemals dem Bürgermeister Richter gehörende Anwesen kaufte der Wirt der „Katze“ O. Drese, dem auch das Verkaufshäuschen stand. Dawischen plante er einen Speisesaal und an der Saale ein „Strandlokal“, was aber erst nach dem Krieg realisiert wurde.

 

  1. Okt. Einweihung der Kinderbewahranstalt (KÖZ).

Die Einrichtung war innerhalb von 8 Monaten von der Firma Kotte errichtet worden (07. Febr. Abbruch des Armenhauses, 03. Mai Richtfest, Sept. Bauabnahme) und nahm 50 Kinder auf. Außerdem kam hier auch die  Stadthebamme unter.

Bereits kurz nach der Eröffnung sorgte die Aufnahme  von Kindern aus bemittelten Familien für Entrüstung, weil das dem Willen der Stifterin entgegenlief.

 

  1. Nov. Quellenschutz für den Viktoria-(Hufeland)-Sprudel (A. Giessler 1954).

Dem  Beschluss des Reg.-Präsidenten lag das  Gutachten von Prof. Beyschlag zu Grunde.

 

  1. Nov. Kerstens Flugblatt „An die Kösener Bürgerschaft“ (St.-A.).

Wegen seiner Kandiatur zum Stadtverordneten der III. Abteilung sah sich  Kersten heftiger Angriffe des Buchdruckers Heyner ausgesetzt, den Kersten wiederum als Moralprediger, Sittenrichter und Menschenerzieher bezeichneteWenige Tage vorher hatte Kersten eine Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der ihm die Personen des Geheimbundes mitteilen würde, die mit der Verdrehung von Tatsachen und böswilligen Unterstellungen seine Wiederwahl hintertrieben hätte. Heyner hatte kurz zuvor die Zulassung des Kösener Anzeigers als Amtsblatt verloren weil dieses nur noch 80 Abonnenten hatte. Damit fehlte ihm der bisherige Zuschuss. Kersten mutmaßte nun, dass dies der Grund für die Intrigen Heyners gegen ihn sei. 

 

  1. Dez. Stellungnahme des Magistrats zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Das Reg.-Präsidium hatte den Reichenbachschen Plan abgelehnt, da er eine wesentliche Verschlechterung gegenüber dem des Baurates Schmidt darstellte. Dem widersprach der Magistrat mit dem Hinweis, dass die Stadtverordnetenversammlung keiner weiteren Änderungen oder Neuplanung zustimmen würden. 

 

      Dez. Jahresbericht der Badedirektion (KÖZ).

Im laufenden Jahr waren 4.342 Kurgäste und 212 Kinder anwesend, 18.899 Solbäder und 22.277 Inhalationen wurden abgegeben. Dazu 13.600 Soleflaschen verkauft. Die 6 öffentlichen Warmbadeanstalten hatten 78 Wannen, die Kinderheilstätte 16.  5.874 Passanten aus dem Reich wurden gezählt, sowie einige Ausländer.

 

             Bauerlaubnis für das Wohnhaus Berbigstr. 17, Bauherr Braun (St.-Ar.).

 

             Bau der Kerstenschen Villa an der Bergstraße (125 Jahre Kalkwerk, 2005).

Die Villa war für  Kerstens Sohn  Felix (geb. 1886) bestimmt.

 

1913

 

  1. Jan. Anweisung des Reg.-Präsidiums (BLK-A. Nr. 72).

Die Behörde bestand auf die Ausführung des 1911 vorgelegten Projektes einschließlich der beauflagten Änderungen und Zusätze.

 

  1. Feb. Anordnung des Magistrats zur Einleitung von Schmutz- und Fäkalienwasser (KÖZ).

Bislang lehnten die Stadtverordneten die Beschlüsse zum Weiterbau der öffentlichen Kanalisation, die Anlage von funktionierenden Hauskläranlagen und der Anschaffung eines Fäkalabsaugwagens mit Hinweis auf fehlenden Mittel ab. Nun setzte der magustrat einen Erlass des regierungspräsidenten per Anordnung um.

 

  1. Feb. Verhandlung mit der Baugesellschaft (BLK-A. Nr. 511)

Da man sich nicht auf die Rahmenbedingungen bei der Übernahme der Verkehrsflächen bei der Umgemeindung der Gartenstadt einigen konnte und die Königliche Landesschule dem Magistrat mitgeteilt hatte, dass die Baupolizeiordnung für den Gutsbezirk weder die Pflasterung der Fußwege noch Baufluchten vorsieht, wäre die Baugesellschaft dazu nicht verpflichtet. Wenn man auf die Ausführung nach der städtischen Bauordnung besteht, müsse man man dem Bauträger die Mehrkosten erstatten. Daher wurde vorgeschalgen: 1. Straßen und Plätze kommen unentgeltlich an die Stadt, 2. die Unterhaltung der Straßen in den ersten 5 Jahren übernimmt die Baugesellschaft, 3. dann tritt die  Stadt ein, 4. die Erdverkabelung übernimmt die Stadt unentgeltlich 5. anstelle von Mosaikpflaster für die Gehwege kommte Teer-Makadam zur Ausführung. Da Letzteres eine gestalterische Angelegenheut war, musste der Archirekt und im übrigen die  Gesellschafterversammlung  zustimmen.     

 

  1. Mär. Anweisung des Reg.-Präsidenten zur Lehrerbesoldung (MER C 48 IIb 20128 II)

Der Hauptlehrer Mönnigheim erhielt ab 1. 4. 1908 eine Amtszulage von 700 Mark. Diese wurde 1912 um 500 Mark reduziert, weil der Ortspfarrer als Schul-Inspektor ihm gegenüber noch weisungberechtigt sei. Die bislang zuviel gezahlte Amtszulage sollte er zurückzahlen. Daraufhin beschwerte sich Mönnigheim bei der Kgl. Regierung und bekam Recht. Die Stadt musste die Amtszulage in voller Höhe zahlen und weil das nicht erfolgte, verklagte Mönnigheim die Stadt beim  Landgericht. Im Dezember 1914 wurde die Stadt zur Zahlung einschl. Zinsen verurteilt, worauf eine Berufungsklage beim OLG Naumburg folgte. Letztendlich zog die Stadt diese  zurück und erkannte das LG Urteil an. Mönnigheim hatte inzwischen die Schule verlassen.

 

  1. Mär. Fackelzug zum Auftakt des „Vaterländischen Jahres“ (KÖZ).

Damit begannen zahlreiche Veranstaltungen und Ehrungen anlässlich des 100. Jahrestages der preußischen Erhebung und der Völkerschlacht.

 

  1. Mär. Protest Kerstens wegen der kleinen Promenade (BLK-A. Nr. 591).

Kersten, im Januar zum Stadtverordneten gewählt, blieb der obligatorischen Einführung ohne  Entschuldigung fern, weil es Kritik an der Rechtmäßigkeit der Wahl und Differenzen mit dem Magistrat gab. Grund waren die geplatzen Verhandlungen mit der Landeschule über den Ankauf der Fränkenauer Wiese. Hier sollten Villen gebaut werden. Die Verhandlungen führte der Maurermeister Burkhardt, hinter dem Kersten stand. Neben den Bauplätzen sollte auch eine Parzelle als Übungsplatz für den Turnverein, das Sanitätskorps, der Feuerwehr, der Jugendpflege und den Pfadfindern genutzt werden. Als aber der Magistrat Kaufinteresse bekundete, stellte die Landesschule die kaufverhandlungen mit Burkhardt ein, was wiederum brachte Kersten in Rage, der sich von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung hintergangen.  

 

  1. Apr. Der Gasthof „Zur Börse“ an der Eckartsbergaer Straße wird geschlossen (KÖZ).

Das Anwesen hatte der Bäcker Hämmerling 1827 nach Fertigstellung der Chaussee gebaut und seinen Ausschank hierher verlegt. 1847 kaufte es Teichgräber, der es 1850 dem Gastwirt Winter verkaufte.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Weil es bei den Differenzen zwischen dem Magistrat und Kersten wegen der Fränkenauer Wiese  zunehmend um Vorteilsnahmen ging, beschloss man, dass jeder Stadtverordnete berechtigt ist, die  Akten einzusehen und von seiner Schweigepflicht entbunden wird „damit die Bürgerschaft den wahren Sachverhalt der Angelegenheit erfährt.“

 

  1. Apr. Erstes Kurkonzert der Saison (KÖZ).

Als Nachfolger Hohensteins, der zum Philharmonischen Orchester Braunschweig wechselte, war  Kapellmeister Hans Walter. Das Grundhonorar für ihn und seine 25 Musiker  betrug  4.000 Mark, die von der Badekasse bereitgestellt wurden. aus der Badekasse.

 

  1. Apr. Schreiben des Reg.-Präsidiums zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Die Behörde genehmigte wegen der präkären städtischen Finanzen das Reichenbachsche Projekt, unter der Maßgabe, dass einige Ergänzungen (Desinfektionapparate, Isolierstation für Tobsüchtige, Leichenkammer, Sezierraum) und die Genehmigung der Provinzial-Baupolizeiverordnung binnen 4 Wochen nachzureichen sind.

 

  1. Apr. Enthüllung einer Gedenktafel am Wohnhaus der Ferdinande von Schmettau (KÖZ).

Am Geburtstag der für ihre vaterländisches Opfer bekannt gewordenen Ferdinande und im gedenken an die Völkerschlacht stiftete  der Besitzer des Hauses (Saalstr. 16) Genth die Tafel.

 

  1. Mai Die Zeitung meldet die Übersiedlung von Käthe Kruse (NTB).

Die aus Breslau stammende Käthe Kruse (1883 bis 1968), verheiratet mit dem wesentlich älteren  namhaften Berliner Bildhauer Prof. Max Kruse (1854 bis 1942)  hatte 1905 begonnen, für ihre Kinder Spielzeugpuppen herzustellen, da ihr die handelsüblichen Puppen zu wenig kindgerecht erschienen und ihr Ehemann meinte „macht doch eure Puppen selber“. 1910 stellte sie erstmals ihre Arbeiten im Warenhaus Tietz in Berlin aus. 1911 kam der erste Auftrag von Übersee, das amerikanische Warenhaus FAO Schwarz orderte zunächst 150 Puppen, kurz danach weitere 500. Bei einem Kuraufenthalt, den sie mit ihrer unter Bronchitis leidenden Tochter, hier verbrachte, mietete sie sich eine Wohnung am Rechenberg (Nr. 18). Da die Wohnung genügend Platz bot, blieb sie auch nach der Saison hier, holte den Rest ihrer Familie nach und richtete eine  kleine Werkstatt ein, wo sie mit dem als  „Puppe I“ bezeichneten Modell die Serienproduktion begann.

 

  1. Juni Soleliefervertrag mit der Pension Ohm (St.-A. Nr. 242)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Abgelehnt wurde der Antrag des Magistrats, die Querstraße in Schmettaustraße umzubenennen. Dagegen protestierten die Patrioten und weil das Einverständnis aller Hauseigentümer vorlag, wurde der Beschluss aufgehoben. Die Querstraße wurde zur Schmettaustraße. Abgelehnt wurde die Reparatur des Fliesenbelages der Terrasse des Kurmittelhauses und eine Überprüfung der Heizungsanlage. Zurückgestellt wurde die Wältigung der Beyschlagquelle, genehmigt die Berufungsklage vor dem OLG Jena gegen das Überlandwerk Camburg GmbH i. L. 

 

  1. Jun. Zimmermeister K. Kotte kauft das Anwesen Rudelsburgpromenade 18 (KÖZ).

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Beraten wurde der Ankauf der insolventen Wurstfabrik von den Matthes`schen Erben.  Zunächst sollte die Frage der 1834 dem Salinenfiskus gewährten Grunddienstbarkeit geklärt werden, die  Kersten vom Kauf abgehalten hatte und geprüft werden, ob sich Konditionen des Halleschen Bankvereins als Hauptgläubiger geändert hätten. 

 

  1. Aug. Hebbelfeier auf der Rudelsburg (KÖZ).

Zum Gedenken an den Dichter der Befreiungskriege wurde das Drama „Agnes Bernauer“ auf der Freilichtbühne der Rudelsburg durch das Kösener Kurtheater unter Leitung W. Mittermeier aufgeführt.

 

  1. Aug. Dr. med. Löffler wird zum „Geheimen Sanitätsrat“ ernannt (KÖZ 1938).

Die Ernennung erfolgte anlässlich des 25jährigen Bestehens der Kinderheilstätte.

 

  1. Aug. Anhaltinerfest (KÖZ).

Rund 5.000 Anhaltiner aus Dessau, Köthen und Umgebung trafen per Zug ein. Dies übertraf sogar den diesjährigen Pfingstansturm.

 

  1. Aug. Genehmigung des Reg.-Präsidiums für das Krankenhaus (BLK-A. Nr. 72)

Gleichzeitig wurde die Polizeiverwaltung ermächtigt, nach positiver Prüfung die Bauerlaubnis zu erteilen.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456, KÖZ).

Weil Paul Kersten seit seiner Wahl den Stadtverordnetenversammlungen fern geblieben war, wurde ihm für die Dauer seiner sechsjährigen Amtszeit die Ausübung der Bürgerrechte aberkannt. Wegen der zu erwartenden Klage Kerstens stimmte der Magistrat diesem Beschluss nicht zu.

 

  1. Sep. Beschwerde des Bürgermeisters beim der Kgl. Regierung (MER C48 II b Nr 2028 II)

Die Stadtverordneten hatte zur Einsparung die Stelle des Schulkastellans gestrichen. Der Widerspruch des Magistrats  und der Antrag auf Zwangsetatisierung der Personalkosten hatte der Landrat abgelehnt. Daher sei eine ordnungsgemäße Betreuung der Schule, insbesondere die Beheizung nicht mehr gewährleistet.

 

      Sep. 8. Rudelsburgfest der Alten Herren des Rüdesheimer Verbandes Dt. Burschenschaften.

 

  1. Sep. Auswahl des Generalübernehmers für den Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Der Frankfurter Architekt Voggenberger, Spezialist für Krankenhausbauten sollte für die  Ausführungsplanung, Ausschreibung und örtliche Bauüberwachung gewonnen werden..

 

  1. Sep. Übertragung der Straßen der Gartenstadt (BLK-A. Nr. 511)

Die Gesellschafter bestätigten die mit der Stadt ausgehandelten Vereinbarungen zur Übernahme der ausgebauten Verkehrsfächen. Nach dem Kreistag genehmigte der Bezirksausschuss am 9. Januar 1914 die Umgemeindung.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Abgelehnt wurde die Kostenübernahme für den Einsatz von Militär aus Naumburg, dass der Bürgermeister übereifrig zur Brandbekämpfung am „Mutigen Ritters“ angefordert hatte. Außerdem wurde der Magistrat aufgefordert, die Vorgänge bei der Konzessionierung der Zementfabrik offenzulegen.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Aufgehoben wurde die bisherige Personalunion von Bürgermeister und Badedirektor. Zukünftig sollte vom April bis September ein Kurdirektor für die Leitung des Bades mit einem Gehalt von bis zu 1000 Mark beingestellt werden..

 

  1. Okt. 100-Jahrfeier der Völkerschlacht (Röblitz 1930).

Am Gradierwerk wurde ein Porphyrfindling mit einer Gedenktafel für F. v. Schmettau eingeweiht und das neue Straßenschild an der Querstraße angebracht (St.-A. Nr. 464). Anschließend fand ein Festkommers statt, den die Liedertafel, das Männerquartett und die Kurkapelle musikalisch umrahmten. Die Festansprache hielt Dr. Schütze. Bürgermeister F. Kretschmar veröffentlichte die Broschüre „Das Gefecht bei Kösen am 21. Oktober 1813“, eine detaillierte Schilderung der Ereignisse an der Kösener Brücke beim napoleonischen Rückzug (2. Auflage 1926, Repro 2013)

 

  1. Nov. Verkauf der Brücknerschen Mälzerei in der Loreleypromenade (KÖZ).

Nachdem das Brauhais den besitzer gewechslet hatte, kaufte der Pensionär Spazier die Malzdarre, ließ sie abbrechen und baute ein Wohnhaus (Loreleypromenade 3a). Noch im  gleichen Jahr erwarb Spazier einen aufgelassenen Weinberg am Nikolausberg und baute hier ebenfalls ein Wohnhaus (Eckartsbergaer Straße 13), dass er 1917 dem Landwirt Schlottermüller weiterverkaufte.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Dies befasste sich mit der Kinderbewahranstalt, nachdem in einem Zeitungsartikel verschiedene Mißstände angeprangert wurden, der  „eine Irreführung der öffentlichen Meinung darstellt und geeignet ist, das Bad zu schädigen“. Dabei ging es um die Aufnahme von Kindern begüterter Einwohner und Kurgäste und die Weigerung Kinder aus ärmeren Schichten aufzunehmen, was nicht im Sinne der Stifterin war. Nicht musste die Stadtkasse zuschießen, weil die laufende Unterhaltung nicht mehr aus der Stiftung gedeckt war. Der Magistrat wurde aufgefordert, den Verfasser des Artikels zu ermitteln, die Stiftungsurkunde und das Statut, Bauverträge und Kostenrechnungen, den Vermögensnachweis der Stiftung sowie eine Liste der Kinder und den Stand der Eltern vorzulegen. Im vertraulichen Teil wurden 3.000 Mark für Werbeprospekte  beschlossen, die Mittel  für Propaganda aber abgelehnt „da durch die Pflege des Ortes eine bessere Reklame ausgeübt wird“. Beschlossen wurde außerdem die Einrichtung einer öffentlichen Fernsprechzelle im Kurmittelhaus und die Korrekturen des Antrags zum Ankauf aller  Nießbrauchgrundstücke von der Landesschule.              

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Beschlossen wurde, die von Kersten eingereichte Klage wegen der Aberkennung der Bürgerrechte anzunehmen und den Stadtverordnetenvorsteher Gibhardt als städtischen Vertreter das Verfahren zu übertragen.

 

  1. Dez. Die Ortskrankenkasse wird geschlossen (KÖZ).

Die Kasse wurde mit  AOK des Landkreises zusammengelegt. 

 

  1. Dez. Aufgabenstellung und Rahmenbedingungen für den Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72)

Nachdem Voggenburg eine Übernahme des projektes signalisierte, teilte ihm die  Stadt die Eckdaten mit. Für den Bau waren rund 40.000 Mark aus den verschiedenen Stiftungen (Senff: 6.349 Mark, Berbig: 5.405, Heun: 1.369, Kumbruch: 3.254, Krankenhausfond 20.765 Mark) und sofort verfügbar, weitere 20.000 Mark würden noch bereitgestellt. Das müsste für 12 Betten reichen, denn amtlicherseits wurden für kleine Krankenhäuser 4.000 Mark/Bett zuzüglich der Kosten für Mobiliar, Wäsche, Desinfektionsapparaten, Einfriedung, Wege, Asche- und Klärgrube sowie die Erstbepflanzung, insgesamt 54.000 Mark für die schlüsselfertigen Herstellung zuzüglich das Architekten-Generalübernehmerhonorar von 6.000 Mark.  Für den Architekten sollte es ein Reverenzobjekt sein, weil Kösen von in- und ausländischen Ärzten, darunter besonders vielen Russen  besucht würde.

 

               Käthe Kruse erhält einen Grand Prix auf der Weltausstellung im belgischen Gent.

 

1914

 

  1. Jan. Urteil im Verwaltungsgerichtsverfahren Mönnigheim (MER C48 II b 2028 II)

Die von der Kgl. Regierung angewiesene Nach- und Weiterzahlung der Amtszulage für den Hauptlehrer Mönnigheim wurd als Eingriff in die städtische Selbstverwaltung betrachtet und daraufhin verklagte die Stadt die Kgl. Regierung. Doch das Urteil war verheerend in der Sache selbst wurde zwar die Zwangsetatisierung aufgehoben, die Klage jedoch kostenpflichtig für den Kläger abgewiesen. Die Stadt musste 12.625 Mark zahlen.

 

  1. Feb. Auseinandersetzungsvertrag mit der Landesschule Pforte (KÖZ).

Pforte überließ alle von der Stadt bisher in Laßpacht stehenden öffentlichen Verkehrsflächen innerhalb des derzeitigen Stadtbezirks (ausgenommen waren die Saaleberge und die Gartenstadt) Für die Überlassung wurde eine Pauschale von 100.000 Mark vereinbart. Beim Gutsbezirk blieb die Pachtschäferei (Stall und Scheune mit 726 Tieren), die Wohnung des Schäfers Funke, der gerade sein 50. Dienstjubiläum beging, sowie das Forsthaus. Die Eingemeindung der Schäferei sollte erst erfolgen, wenn die Stadt einen Kaufpreis bezahlt der den Neubau einer Schäferei an anderer Stelle ermöglicht. Bis dahin muss die Stadt die Nutzung dulden und sich auch verpflichten, für Schäden aufzukommen, wenn durch ortspolizeiliche Maßnahmen  diese Nutzung erschwert oder beschränkt würde, eine Vereinbarung, die der Stadt bis in die 50iger Jahre erhebliche Probleme bereitete.

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung der „Wilhelmsburg“ (KÖZ).

 

  1. Mär. Einverständniserklärung des Architekten Voggenburg (BLK-A. Nr. 72).

Allerdings hielt ein Krankenhaus mit 12 Betten als unökonomisch und empfahl als Untergrenze  mindestens 20 Betten für ein ausgeglichenes Kosten-Nutzen Verhältnis. Dennoch begann er mit den ersten Planungen, die sich aber länger als erwartet hinzogen.

 

  1. Apr. Auflösung des Landkreises Naumburg.

Die Stadt Naumburg zählte inzwischen  25.000 Einwohnerund konnte inen eigenen Stadtkreis bilden. Der Rest wurde umliegenden Kreises angeschlossen,  Kösen und Umgebung kamen an den  Landkreis Weißenfels und der südliche Teil mit Eckartsberga an den Kreis Sömmerda. Einige Orte wechselten in die Kreise Camburg bzw. Zeitz.

 

  1. Apr. Geschäftsübergabe der Fa. J. G. Lehmann Nachf. an Paul Burkhard (KÖZ 1939).

Das Konfektionsgeschäft wurde in den 60iger Jahren von einer Frau Lehmann als Manufakturwarengeschäft an der Eckartsbergaer Straße gegründet. Ihr Stiefsohn G. Saalborn übernahm das  Geschäft, verlegte es in das Hertelsche Haus, Lindenstraße 1  und übergab es nun seinem Schwiegersohn, der das Geschäft  in das Nebenhaus (Nr.  2) verlegte.

 

  1. Apr. Generalversammlung der Sächsisch-Thüringischen AG zur Kalksteinverwertung (KÖZ).

Beschlossen wurde die Umbenennung in „Portland- Zementfabrik Rudelsburg AG Bad Kösen“.

 

  1. Apr. Vertrag mit Musikdirektor Franz Platzky (St.-A. Nr. 390)

Vereinbart wurden 2 bis 3 Kurkonzerte pro Woche, 14 Reunionsmusiken, 15 Hornquartetts, sonntags von Mai bis September Choralmusiken. Zu den Hauptkonzerten sollten 22 Musiker spielen. Das Honorar betrug 4.200 Mark, dazu die Tageskasse am Gradierwerk und 100 Mark für die musikalische Umrahmung beim Brunnenfest.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Genehmigt wurde der Vertrags zur Überlassung der Leichenhalle, zurückgestellt der    Bebauungsplan für den Jochenberg wegen fehlender Mittel.

 

  1. Mai Betriebsbesichtigung der Zementfabrik (KÖZ).

Den 500 Teilnehmern, die mit einem Sonderzug aus Leipzig kamen, wurde eine Sprengung vorgeführt und anschließend modernste Pressluftbohrtechnik und automatische Abfüll- und Verpackungsmaschinen für Zement sowie das Herzstück, eine 1000 PS starke Dampfmaschine, die über Transmission die Brecheranlage antrieb, besichtigt. Die Jahresleistung der Ziegelei wurde mit 5 Mio. Steinen beziffert. 

 

  1. Mai Dr. Karl Schütze wird zum Sanitätsrat ernannt (KÖZ).

Damit würdigte man seine Verdienste um die Entwicklung der balneologischer Heilverfahren  und die Propagierung der Rauminhalation.

 

  1. Mai Soleliefervertrag mit der Pension Weißenborn, Berbigstr. 1 (St.-A. Nr. 242)

Für ein  Erwachsenenbad wurde 1,80 Mark, für Kinder 1,30 Mark festgelegt.  Die Sole für ein Bad ab Schacht kostete 50 Pfg. bzw. 35 Pfg. 

 

  1. Juni Soleliefervertrag mit Webers Ritterbad (St.-A. Nr. 242)

Der Preis pro Bad und die Sole entsprachen dem bei Weißenborn, doch das ritterbad hatte eine Soleleitung, die von Weber unterhalten wurde. Mit Weber wurde die Abgabe von Freibädern vereinbart, wofür er 60 Pfennige aus der Badekasse erhielt

 

             Bauerlaubnis für die Villa des Apothekers Steuer an der Ilske (Sta.-A.).

 

  1. Juni Rudelsburgfest des Coburger L.C. (KÖZ).

500  Aktive und Alte Herren der Universitäten Jena, Halle und Leipzig nahmen daran teil.

 

  1. Juni Gruppen der Wandervogelbewegung halten die Sonnenwendfeier am Himmelreich ab. Die gerieten wegen ihrer Freizügigkeit beim Sonnenbaden in die öffentliche Kritik.

 

  1. Juli Verpachtung der Hämmerlingschen Bäckerei (KÖZ).

Hechler, der Backmeister der „Ersten Kösener Brot- und Feinbäckerei GmbH“ übernahm die Bäckerei, weil die Gesellschaft, eine von Direktor Kersten sehr zum Unwillen der örtlichen Bäcker eingerichtete Fabrik, kurz vor der Insolvenz stand.

 

     Juli  Ausstellung von Kösener Ansichten des Kunstmalers A. Nieß bei Heckenberg (KÖZ).

Gleichzeitig präsentierte Kaufmann Müller in der Lindenstraße Kösener Bilder der Berliner Malerin v. Puttkammer. 

 

  1. Juli Zwangsversteigerung der Wurstfabrik (MER C 48Ii Nr. 776IX).

Die Oberbehörden hatten der Stadt bestätigt, dass ihr als Rechtsnachfolger des Salinenfiskus die dinglichen Rechte auf dem Grundstück der Matthesschen Wurstfabrik überlassen sind. Weil sich die Verhandlungen in die Länge zogen, hatte der Hauptgläubiger das Anwesen zur Zwangsversteigerung gebracht. In der Stadtverordnetenversammlung vom 23. Juli hatten sich die Stadtverordneten Hertel, Haußner, Gibhardt, Heyner, Posseldt, Pabst, Troll gegen  Genth, Moeller, Eckleben und Krüger für ein Gebot von 80.000 Mark ausgesprochen. Die Stadt war  einziger Bieter und übernahm das Anwesen samt Inventar. Der Rechnungsrat Möller wurde als Verwalter eingesetzt.  Doch da inzwischen der letzte Mieter,  die 1. Kösener Brot- und Feinbäckerei GmbH, insolvent war, brachte das Anwesen keinerlei Einnahmen und lag der Stadt schwer auf der Tasche.

 

  1. Juli Hotelier Weber beantragt den Kauf der Schäferei (BLK-A. Nr. 779).

Die von der Herde und dem übrigen Viehzeug der Schäferei waren ein stetiger Stein des Anstoß. Am meisten betroffen davon war der „Mutige Ritter“. Um die Sache zu bereinigen bot Weber der Kgl. Landesschule für das gesamte Anwesen 70.000 Mark wenn bis Oktober 1915 die Schäferei geräumt würde. Außerdem sollten die für die Landesschule auf seinem Grundstück lastenden  Dienstbarkeiten (Fäkalienkanal von der Schäferei zur kleinen Saale, Nutzung der Stallungen für die Pferde der Ökonomie) gelöscht werden. Weber bot auch an, dass er die beim Abbruch der Schäferei aufgefundenen „historischen und künstlerischen Architekturteile“ der Landesschule kostenlos überlassen wird.  

 

  1. Aug. Allgemeine Mobilmachung.

Zahlreiche Gäste reisten umgehend ab, die Landwehrmänner und Reservisten wurden einberufen, darunter der Bürgermeister, der schon wenig später an der Westfront schwer verwundet wurde. Viertelstündlich passierten Militärzüge den Bahnhof. Der Magistrat warb Freiwillige zur Bewachung der Brücke und der Durchgangsstraßen. Außerdem wurde die Erhebung der Kurtaxe für den Rest der Saison eingestellt, die Kurkonzerte abgesagt und der Militärverwaltung die städtischen Liegenschaften und die Kurmittel angeboten.

Da von den 300 im Kalkwerk beschäftigten Männern die Hälfte zum Militär mußte, wurde die Ziegelproduktion eingestellt, die Arbeitszeit von 12 auf 16 Stunden erhöht und zunehmend Frauen beschäftigt. Nach Feierabend half man den Familien in Lengefeld bei der Ernte..

 

  1. Aug. Vertrag zur Einrichtung einer Flussbadeanstalt (St.-A.).
  2. Kotte und Fr. Kotte sen. verpflichteten sich auf ihrem Grundstück Rudelsburgpromemade 18 eine öffentliche Flussbadeanstalt zu errichten und diese 5 Jahre zu betreiben. Die Stadt gewährte dafür einen Zuschuss von jährlich 100 Mark und überließ ihnen kostenlos das noch verwendbare Material der bisherigen Badeanstalt. Die Eintrittspreise betrugen 10 Pfg. für Erwachsene und 5 Pfg. für Kinder, die Benutzung der Umkleidezellen kostete 10 Pfg. die Saisonkarte 4 Mark. Für den  Schwimmunterricht durften 7,50 Mark genommen werden.

 

  1. Aug. Einrichtung einer Kriegshilfsstelle zur Unterstützung hilfsbedürftiger Familien (KÖZ).

Das betraf die Familien deren Ernährer an der Front standen und rund 400 Elsässer, die aus der Festung Straßburg evakuiert und hier untergebracht wurden. Außerdem bot Dr. Löffler Kurse zur  Krankenpflege an.

 

  1. Sep. Die ersten 200 Verwundeten treffen ein (KÖZ, BLK-A. Nr. 456).

Die Militärverwaltung belegte das Wilhelmsbad, den Kurgarten, die Villa Meißner, die Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte und die Diakonissenstation als Hilfslazarett.           

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Weil der Stiftung die Mittel fehlten und die Stadt Zuschüsse verweigerte, war die Kinderbewahranstalt geschlossen worden. Nun sollte durch eine Sammlung unter der Bevölkerung Geld für die Weiterführung aufgebracht werden. Außerdem wurde der Ankauf des Matthes`schen Wohnhauses Grünen Gasse (4) beschlossen

 

  1. Sep. Sven Hedin übernachtet im „Mutigen Ritter“ (KÖZ 1934).

Darüber berichtete er in seinem Buch „Ein Volk in Waffen“ ..

 

  1. Okt. Die Schule wird der Kgl. Kreisschulinspektion unterstellt. (KÖZ).

Damit endete die Schulinspektion des Ortspfarrers. Die 7-klassige Schule bekam einen Rektor, der vom Kreisschulinspektor Direktor Schlichting eingeführt wurde.

 

  1. Okt. Zeichnung einer Kriegsanleihe (BLK-A. Nr. 72).

14.000 Mark aus dem Krankenhausbaufond werden auf 10 Jahre unkündbar und mit 5% Zinsen als Kriegsanleihe zur Verfügung gestellt. Damit war ein Krankenhausneubau endgültig vom Tisch.

 

  1. Okt. Die Stadt kauft das Grundstück Grüne Gasse 4 (Röblitz 1930)

Die Stadt zahlte 17.500 Mark für die „alte Wurstfabrik“  an die Erbenmit denen die Hypothek von 14.000 Mark abgelöst wurde.

 

  1. Dez. Gedenktafel für die ersten zwölf gefallenen Einwohner (KÖZ).

Im Rahmen einer Übung der neu aufgestellten Jugendwehr wurde die Namenstafel im Rathaus aufgestellt. Unter ihnen waren  zwei der  drei Söhne der Familie Stieler v. Heydekampf.

 

      Dez. Untergang des Kreuzers „Nürnberg“ in der Seeschlacht bei den Falklandinseln (KÖZ).

Das Schiff stand unter dem Kommando des Kapitän z. See Carl v. Schönburg auf Kreipitzsch.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Der Versuch des Ratsschöffen Siebold, Paul Kersten als Stadtverordneten einzuführen, scheiterte erneut am Veto der Stadtverordnetenversammlung, die ihm wegen des Fernbleibens die Bürgerrechte absprechen wollte, worauf Kersten die versammlung verließ. Danach wurde eine Klage gegen die 1. Kösener Brotfabrik wegen Mietrückständen und die Stellung einer hohen Gerichtskaution beschlossen. Für einen Teil des etatmäßigen Gehalts des Bürgermeisters, der zum Wehrdienst einberufen war, und das damit disponibel  war, sollte eine Schreibhilfen im Rathaus angestellt werden.

 

  1. Dez. 170 Kriegsverwundete kommen mit der Bahn von der Ostfront (KÖZ).

Darunter auch Österreicher, die nach Desinfektion und Entlausung im Kurgarten unterkamen.

 

1915

 

  1. Jan. Beschluss zur Umbenennung des Kurparks in Hindenburgpark (KÖZ).

Die Einverständniserklärung des Generalfeldmarschalls erfolgte umgehend.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Der Erwerb der Wurstfabrik hatte sich als finanzieller Fehlschlag erwiesen und eine Klage gegen den letzten gewerblichen Nutzer wegen Mietrückständen hatte wenig Aussicht auf Erfolg, zumindest was die Zahlung betraf. Andererseits summierten sich die Unterhaltskosten , so dass man auf die Idee kam, die Fabrik dem Kriegsministerium zu verkaufen.

 

  1. Feb. Beschwerde des Zimmermeisters Kotte (St.-A. Nr. 148).

Der hatte 1912 die Inhalierhalle im Park abgebaut und auf der Fränkenauer Wiese wieder aufgebaut und bisher nur 60 %  seiner Rechnung bekommen. Er verlangte innerhalb von 8 Tagen den Rest samt Zinsen, andernfalls würde er die Stadt verklagen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456, MER C 48 II b 2028 II)

Beschlossen wurde im Klageverfahren gegen Kersten dem Rechtsanwalt Rodenacker eine Vorschuss von 200 Mark zu zahlen. Außerdem sollte die Verwaltung den Bedarf an Kartoffeln und Dauerfleischwaren in Erfahrung bringen.

Zur Schuldeputation wurden gewählt, die Stadtverordneten Rentier O. Gibhardt, Rechnungsrat Möller, Bahnhofswirt Emrich und als sachkundige Einwohner Prof. Dr. Posseldt, Postmeister Eckleben u. Rektor Herrmann, dazu kam der Ortsgeistliche.

 

  1. Mär. Einführung von Mehl- und Brotkarten (KÖZ).

Wegen der Kriegsereignisse wurden die Lebensmittel-  und Brennstoffvorräte in den Haushalten erfasst, um konkrete bedarfszahlen zu ermitteln und die die Bevorratung durch Sammelbezugzu organisieren. Ziel war eine möglichst gerechte Verteilung insbesondere für die Familien, deren Ernährer im Feld standen.

 

      Mär. Einrichtung einer „Heldenkolonie“ in Gutsbezirk (KÖZ).

Direktor P. Kersten schlug vor, die Pachtdomänen der Kgl. Landesschule zu parzellieren und  an Kriegsveteranen und Kriegsversehrte, die ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben könnten zum Selbstkostenpreis  abzugeben, damit diese für sich und ihre Familien selbst sorgen und nicht auf staatliche Fürsorge angewiesen sind.

 

  1. Apr. Umzug der höheren Mädchenschule (KÖZ).

Die bezog Quartier in der Lindenstraße 21, die der neue Vorsteherin Frl. Marie Stockmann, gehörte. Sie und weitere  fünf Lehrkräften unterrichteten 38 Schüler.            

 

  1. Apr. Erster Kurs „Kriegskochkunst“ in der Kinderbewahranstalt (KÖZ).

Wegen der Rationierung aller Lebensmittel wurde gezeigt, wie man aus dem Wenigen was man zur Verfügung hatte, eine nahrhafte Kost bereitete.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Beschlossen wurde die Einrichtung einer Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte mit Pastor Diederich, Dr. Löffler, Ratsschöffe Hämmerling, Stadtverordneten Saalborn und Dr. Wagner.

 

  1. Mai Vertrag mit dem Musikdirektor Alfred Röth (St.-A. Nr. 390)

Für die in der Woche stattfindenden 2 Konzerte abwechselnd am Gradierwerk und am Kurmittelhaus wurden 30 Mark, für die Platzkonzerte an Sonn- und Feiertagen 35 Mark und für den sonntägliche  Choral  5 Mark vereinbart. Die 18 Musiker hatten im sauberen dunklen Anzug und schwarzen Hut zu erscheinen. Notenständer und Programmtafel stellte die Badedirektion. 

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Beim Etat der Badeverwaltung wurden Lohnkosten für weibliches Personal ersatzlos gestrichen, die Mittel für Kongresse und die Badekapelle erheblich gekürzt. 

 

  1. Mai Soleliefervertrag mit Waldhausen (St.-A. Nr. 242)

Waldhausen inzwischen Besitzer des „Ritterbades“ durfte für ein  Erwachsenenbad 2,30 Mark und für ein Kinderbad 1,60 Mark nehmen. Die Dutzendkarte kostete 24 bzw. 18 Mark.

 

  1. Mai Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur Wurstfabrik (BLK-A Nr. 591)

Nachdem die Militärverwaltung eine Übernahme der Fabrik abgelehnt hatte, wurde das gesamte Inventar, Kühlzelle, Dampfkessel, Dynamo, Schlachthaus, Wurstkessel und dgl. meistbietend verkauft angeboten. Den Zuschlag bekam die Fa. Rothe aus Weimar für 4.000 Mark zuzüglich einer zu stellenden Kaution für Schäden etwaige Schäden am Bau beim Ausbau des Kühl-und Schlachthauses. Der Streit um die Rückgabe der Kaution zog sich bis 1917 hin. Die bauhülle bot die Stadt  dann der  Fahrzeugfabrik Eisenach an.

 

  1. Juni Dank- und Festgottesdienst anstelle des Brunnenfestes (KÖZ)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Wegen der desolaten finanziellen Situation des städtischen Haushalts wurde der Magistrat ersucht, bei der  Königl. Regierung alle bestehenden Verhältnisse, Angaben und  Defizite offen zulegen, um eine Stundung der Schuldentilgung zu erreichen.

 

  1. Juli Roßnersche Stiftung (KÖZ, Röblitz, Heimatbuch 1930).

Martha Roßner stiftete 10.000 Mark zum Andenken an den Mühlenbesitzer Ernst Roßner. Die Zinsen sollten den Familien von Gefallenen zu gute kommen.

 

  1. Juli Gustav Unruh übernimmt die Burg-Apotheke (KÖZ).

Die Ehefrau des Apothekers Unruh, eine ausgebildete Sopranistin, bereicherte mit ihren Vorträgen die Konzerte.

 

  1. Aug. Der Landwirt August Werner verstirbt (KÖZ).

Er wurde 93. Jahre alt, der derzeit älteste Einwohner. Das Stadtgut erbten die Familien Koch und Petzold. 

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Nachdem die auch die Eisenacher Fahrzeugfabrik ablehnte, sollten zunächts die Gewerberäume im Erdgeschoss an Interessenten vermietet werden. Beschlossen wurde auch der Verkauf des Weinberggrundstücks in den Saalbergen, das die Stadt von Hämmerling für den Krankenhaus-neubau erworben hatte.

 

  1. Sep. Einführung des ganzjährigen Ladenschlusses ab 20 Uhr.

Wegen des Krieges wurden die bislang in der Saison geltenden Öffnungszeiten ausgedehnt.

 

  1. Sep. Verpachtung des Schwanenteichs an den Bankier Krüger (BLK-A. Nr. 456)

 

      Sep. Veröffentlichung der Besucherstatistik (KÖZ).

Trotz des Krieges waren 3.514 Kurgäste gekommen, etwas mehr  als im Vorjahr. Die Anzahl der Passanten dagegen halbiert sich.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Nach mehreren Anläufen wurde der Haushaltsplan mit 346.000 Mark Einnahmen und Ausgaben beschlossen, darunter 78.528 Mark für die Badeverwaltung,  14.977 Mark. für das Wasserwerk, 59.931 Mark. für das Elektrizitätswerk und 5.120 Mark für die Armenverwaltung. Der aufgelaufene Fehlbetrag betrug 73.186 Mark

 

  1. Okt. Meldung über die Eindeutschung eines slawischen Namens (KÖZ).

Die Lengefelder Familie Tschetschorke erhielt die Genehmigung, den Familiennamen Tannenberg (nach dem gleichnamigen Ort der Schlacht an der Ostfront) anzunehmen. 

 

  1. Okt. Beisetzung Oskar Hoßfelds (Dorfmüller, Gerth, Lehmann 200. Geburtstag….).

Hoßfeld, geb. 1848 in Schulpforta, Sohn des  Zeichenlehrers und Porträtisten Friedrich Hoßfeld (1809-1882, u. a. Illustrationen zu Corssens „Alterthümer..) studierte an der Berliner Bauakademie, war ab 1888 Landbauinspektor und leitete ab 1900 im preußischen Ministerium das Dezernat für Denkmals- und Kirchenbauten. Hoßfeld war Begründer der Fachzeitschrift „Das Denkmal“.

 

  1. Okt. Kriegsspendenaktion der Einwohnerschaft, Vereine und Institutionen (KÖZ).

Neben den Ämtern und den Schulen beteiligten sich: Frauenverein, Diakonie, Nähstube für Kriegszwecke, Kriegerverein König Wilhelm, Kriegerverein Kronprinz Friedrich Wilhelm, Bürgerverein, Verschönerungsverein, Freiwillige Feuerwehr, Freiwillige Sanitätskolonne, Jungmannen, Schützengesellschaft 1832, Bürger-Schützen-Korps, die Gesangsvereine Liedertafel, Männerquartett und Anakreon, Postunterbeamtenverein, Radfahrerverein „Rudelsburg“, Turnverein,

 

  1. Okt. Kaufvertrag mit der Ortskrankenkasse des Berliner Buchdruckergewerbes (KÖZ).

Die wollte auf dem von der Stadt für das Krankenhaus erworbenen Grundstück in den Saalbergen ein Sanatorium errichten. Im Vertag wurde, dass die Patienten dann bei der Kurtaxe den Einheimischen gleichgestellt werden.

 

  1. Nov. Die Stadt schenkt der Kirchengemeinde die Trauerhalle (Röblitz, Heimatbuch).

Damit wurden die bisherigen Befindlichkeiten bei Nutzungsrechten und der Kostenübernahme bei reparaturen beendet.

 

  1. Dez. 25-jähriges Dienstjubiläum des Stadtsekretärs Paul Röblitz (KÖZ).

Röblitz war der erste der ernsthaft mit der Erfassung von Daten zur Ortsgeschichte befasste.  Diese war objektiv bedingt unvollständig. Im Stadtarchiv befanden sich nur die Unterlagen seit Verleihung des Stadtrechts 1868 bzw. seit der Übertragung des Bades (1895). Für die Zeit davor war er auf die überlieferten und lückenhaft dokumentierten Ereignisse angwiesen. Die für  Stadtgeschichte bedeutsamen Vorgänge aus der zeit davor, waren bei den sächsischen oder preußischen Bergbau- bzw. Floßbehörden sowie im Schulamt archiviert undd dürften ihm nicht zur Verfügung gestanden haben.

Somit waren die Quellen beschränkt  und er verließ sich oftmals nur auf die Erinnerungen „alter Kösener“. Allerdings hätten ihm die bisherigen Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte (Lepsius, Böhme, Corrsen) bekannt sein müss.  Dennoch war es sein Verdienst sich als Einwohner mit der heimatgeschichte zu befassen. Röblitz wurde  1935 nach 45 Dienstjahren pensioniert.

 

  1. Dez. Urteil des Bezirksausschusses im Fall Kersten gegen den Magistrat (KÖZ).

Die Ungültigkeitserklärung seiner Wahl als Stadtverordneter der III. Klasse  im Jahr 1913 und die Aberkennung seiner bürgerlichen Rechte wurden aufgehoben und seitens des   Oberverwaltungsgericht eine Berufungsklage abgewiesen. Die Kosten des Rechtsstreits trug die Stadt.

 

  1. Dez. Auflassungsvormerkung im Kataster des Gutsbezirks (BLK-A. Nr. 778)

Die Ortskrankenkasse des Buchdruckergewerbes von Berlin wurde rechtmäßiger Eigentümer des Grundstücks in den Saalbergen.

 

1916

 

  1. Feb. Beschwerde Kerstens beim Regierungspräsidenten (BLK-A. Nr. 714)

Kersten, der nach seiner erfolgreichen Klage als Stadtverordneter eingeführt wurde, verlangte von der Stadtverordnetenversammlung, dass ihm sämtliche Beschlüsse, die während seiner zweijährigen Abwesenheit gefasst wurden, erneut vorzulegen sind. In ihrer Stellungnahme erklärten die Ratsschöffen, dass die gefassten Beschlüsse rechtskräftig sind und kein Stadtverordneter das Recht habe, bei Verhinderung die einmal gefassten Beschlüsse nochmals zu verhandeln. 

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung des Grundstücks Grüne Gasse 5 (BLK-A. Nr. 591)

Das gehörte dem Gärtner Jebens, Erwerberin war die Witwe Auguste Matthes, die damit ihren Anteil aus dem Verkauf der Grünen Gasse 4 gut anlegte.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Auf der Tagesordnung stand der Bebauungsplan „Jochenberg“, wobei es um die  Baufluchten und den Verlauf der Erschließungsstraße von der Eckartsbergaer Chaussee über die Borlachstraße zur Gerstenbergkpromenade ging. 

 

  1. Apr. E. Scholvien pachtet den Ausschank und den Vertrieb der Johannisquelle (BLK-A. 456).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714, KÖZ).

Der Etat des Bades sah Einnahmen von  41.160 Mark vor, darunter 17. 000 Mark Kurtaxe, 16.000 Mark Erlöse aus dem Kurmittelhaus, 1.100 Mark durch Flaschenverkauf von Sole 4.200 Mark für Badesole für die Badeanstalten (Dr. Löffler, Ritterbad, Bahse, Borlachbad). Die Erlöse der Trinkbrunnen, der Wellenbädern, vom Tennisplatz und dem Sonnenbad wurden mit 320 Mark angesetzt. Das reichte nicht zur Kostendeckung, beliefen sich allein schon die Annuitäten für die Kredite auf 38.000 Mark und die Kurkapelle kostete 3.000 Mark. Es fehlten 31.700 Mark. Daher wurde der Etat für die zurückgestellt und der magistrat aufgeforderte, eine genaue Kostenermittlung noch vor Saisonbeginn vorzulegen. 

 

  1. Mai Kunstauktion in Berlin.

Das Liebermannsche Gemälde „Kaiser-Friedrich-Gedächtnisfeier in Kösen“ wurde für 41.000 Mark. versteigert.

 

  1. Mai Die Häunsche Bäckerei (An der Brücke 2) kauft der Mechaniker E. Ulrich (KÖZ).

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Der Etat für die Kinderbewahranstalt wurde mit 750 Mark beschlossen, die Fassung des Hufelandsprudels erneut aufgeschoben.

 

  1. Juni Brand des Logierhauses vom „Mutiger Ritter“ (priv).

Das Feuer entstand in der Nacht und griff schnell um sich. Daher wurden auch die  Wehren aus Schulpforte, Naumburg und Lengefeld sowie die Jäger der Garnison alarmiert. Die Koordinierung übernahm der Landrat höchstpersönlich. Neben dem Logierhaus wurden der Wintergarten und die Ladengeschäfte im Untergeschoss völlig zerstört. Das Haupthaus mit dem Speisesaal und den Gasträumen blieb weitgehend verschont. Die Gäste wurden im Ritterbad untergebarcht und nach den Aufräumarbeiten und einigen Reparaturen öffnete das Haus wieder. Ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen waren die Dächer des Elektrizitätswerkes und der Pumpenkunst,  die Anlagen nahmen aber keinen größeren Schaden. Als Brandursache wurde  Selbstentzündung des im Keller eingelagerten Heizmaterials angegeben. Die Zeitung meldete, dass das Gebäude mit 300.000 Mark versichert sei.

 

  1. Juli Wiedereröffnung der Berbigschen Kinderbewahranstalt (KÖZ).

Der vom Magistrat beschlossene Ausgleich des Fehlbetrages aus dem letzten Jahr, ermöglichte die Betreuung von rund 70 Kindern, vornehmlich auch aus Familien, wo die Frauen kriegsbedingt arbeiten gingen.  

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Der Magistrat wurde beauftragt, beim E-Werk in Camburg den Rückbau der 10 kV Freileitung innerhalb des Stadtgebietes zu veranlassen.

 

  1. Juli Dank- und Festgottesdienst anstelle des Brunnenfestes (BLK-A. Nr. 714)

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Bestätigt wurden die Jahresrechnungen der Stiftungen. Während die von Senff, Wahn, Roßner, Hoffmann, Berbig und die der Kinderheilstäätte einen Überschuss auswiesen, schloss die Kinderbewahranstalt mit einem Fehlbetrag ab.

 

  1. Aug. Erneutes Kaufangebot Webers für die Schäferei (BLK-A. Nr. 779).

Acht Woche nach dem verheerenden Brand des Logierhauses bot Weber der Landesschule 80.000 Mark für den sofortigen Kauf des Schäferei, um hier einen neuen Saal zu errichten.

 

  1. Sep. Einrichtung eines Lebensmittelamtes (KÖZ).

Die bisherige Verteilungspraxis der Lebensmittel wurde heftig kritisiert. Vorteilsnahme und Begünstigung seien an der Tagesordnung. Dazu würden sich auch die hier weilenden Kurgäste aus den für die Bevölkerung gedachten Rationen bedienen. Die Kontrolle wurde den Stadtverordneten Wolf, Hansen, Troll, Schuster, Zedel und Reinhardt übertragen.

 

  1. Sep. Laut Kurliste waren 2.694 Kurgäste anwesend (KÖZ).

 

  1. Sep. Außerordentliche Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 714, KÖZ).

Webers Antrag auf Kauf der Schäferei hatte die Landesschule abgelehnt. Nun wollte Weber den Saal anstelle des abgebrannten Logierhauses bauen. Da der Platz nicht reichte, wollte er  wie bereits beim „Blauen Salon“ die Loreleypromenade überbauen. Dabei berief er sich auf einen Vergleich mit der Landesschule Pforte aus dem Jahr 1878, als die Promenade noch zum Gutsbezirk gehörte. Die Mehrzahl der Stadtverordneten war gegen eine derartige Überbauung, der Magistrat berief sich auf die Gültigkeit der damaligen Vereinbarung und lehnte ab. Nachfolgende Vergleichsvorschläge scheiterten und letztlich wurde das ganze Vorhaben wegen finanzieller Probleme und dem fortdauernden Krieg auf Eis gelegt.

 

  1. Sep. 2 . Roßnersche Stiftung (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Zum Gedenken an ihren in Frankreich gefallenen Sohn Ltn. Ernst Roßner stiftete Frau Roßner  weitere 10.000 Mark für  Hinterbliebene.

 

     Sep. Errichtung eines Gedenksteines oberhalb der Saalhäuser.

Anläßlich des 40. Dienstjubiläums des Fürsten Heinrich von Reuß gestiftet vom Jäger-Ersatzbataillon Nr. 4 , wurde er volkstümlich als Prinz Heinrich Stein bezeichnet

 

  1. Okt. Außerordentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Nachdem Bürgermeister Kretschmar wegen seiner schweren Kriegsverletzung um seine Pensionierung gebeten hatte, wurde der Stadtverordnete Bankier Krüger als kommissarischer Bürgermeister  vom Landrat Freiherrn von Scheele eingeführt. Dann wurde dem E-Werk Camburg ein Aufschub für den Bau einer zweiten Freileitung bis 1917 gewährt, der Abbau der Starkstromleitung aber erneut angemahnt. Bewilligt wurden 459 Mark für die Aufstellung einer Siedepfanne am Gradierwerk.

 

  1. Nov. Im 89. Lebensjahr verstirbt J. von Gerstenbergk (KÖZ).

Die am 13. April 1828 geborene Tochter des Großherzoglich-Sächsischen Kanzlers Friedrich von Gerstenbergk und der Gräfin Amalie von Häseler, Ehrendame des Kgl. Bayerischen Theresienordens und Mitbegründerin der hiesigen Diakonissenstation  wurde auf ihren Wunsch und mit entsprechender Genehmigung auf ihrem 1901 erworbenen Grundstück beigesetzt. An der Beerdigung nahmen neben den Honoratioren der Stadt ihr Neffe, der Kammerherr v. Gerstenbergk-Helldorf auf Bergsulza, die Oberin des Lazarus-Diakonissenhauses Berlin Gräfin Herzberg und der Landrat Freiherr v. Schele teil.

Ihr Anwesen in den Saalbergen, nach dem Einwohnerbuch von 1935 Nr. 3 und 4 (heute die Nr. 3) wurde in eine Stiftung zu Gunsten der Diakonie bzw. der Diakonissenstation umgewandelt. Die Haushälterin Ida Jummrich und der Gärtner Karl Leibnitz betreuten das Anwesen und das Grab. Die Stiftung bestand nachweislich bis 1948 wie aus verschiedenen Erhebungslisten hervorgeht. Danach wurde sie aufgelöst und das Grundstück zu Gunsten der Staatskasse verkauft.

 

  1. Dez. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891).

Wegen des Krieges war man vom üblichen Fünfjahresrhythmus abgewichen. Im Ort anwesend waren 988 Männer und 1.641 Frauen, 140 Männer standen an der Front, zwei waren in Gefangenschaft. 

 

      Dez. Drei Porphyrfindlinge werden als Hindenburgsteine im Park aufgestellt (KÖZ).

 

  1. Dez. Die Russische Villa eröffnet als „Parkhotel“ (KÖZ).

Die neue Besitzerin  Gertrud Höflein, geb. Apitzsch hatte das Anwesen von der Baugesellschaft erworben, die mit ihren Umbauplänen nicht vorangekommen war. Kurz danach kam das Hotel an Häring, der es bis in die 20iger Jahre führte. 

 

      Dez. Bekanntmachung zur Schulsituation (KÖZ).

Die Stadtschule war nun siebenstufig, zum Kollegium gehörten  der Rektor und 4 Lehrer für die  316 Schülern. Im Pädagogium unterrichteten 6 Lehrer 45 Knaben und in der höheren   Töchterschule 4 Lehrkräfte die  41 Mädchen.

 

1917

 

  1. Feb. Vermächtnis des Kaufmanns Otto Koch (Röblitz 1930)

Koch vermachte der Stadt 3000 Mark zum „Besten der Kinderbewahranstalt, der Kirche und der Kinderheilstätte“.

 

      Apr. Fr. Posse erwirbt das Wohnhaus Loreleypromenade 5 (KÖZ).

 

      Mai  Mitteilung des Kriegsernährungsamtes (KÖZ).

Ein Antrag auf Sonderzuweisung von Lebensmittel zur Versorgung der immer noch zahlreichen Badegäste, von denen viele die hier zur Genesung weilenden Militärs besuchten, wurde abgelehnt. Ein Sonderzuteilung wäre nur möglich, wenn für bestimmte Kuranwendungen eine spezielle Ernährung erfordertlich wäre. Die Versorgung der Hilfslazarette und der Militärangehörigen wäre Sache der Militärbehörde.

 

  1. Juni Die Glocken der Lutherkirche werden eingeschmolzen (KÖZ).

1873 waren sie aus französischen Beutegeschützen gegossenen und wurden dem gleichen Zweck wieder zugeführt. Als Provisorium wurde die Schulglocke im Kirchturm eingebaut.

 

  1. Juni Beschluss der Badekommission (St.-A. Nr. 434)

Um der durch den Krieg bedingten rückläufigen Frequenz des Bades entgegen zuwirken beschlossen Hämmerling, Saalborn, Heyner, Troll, Zedel und Krüger 300 Mark für eine Werbekampagne mit je 8 Inseraten in 20 überregionalen Tageszeitungen.

 

  1. Okt. Friedrich Mende begeht das 50jährige Pachtjubiläum des Fischhauses (KÖZ).

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Wegen der Amtsentbindung von Bürgermeister Kretschmar beschlossen die Stadtverordneten die Neuvergabe des Amtes mit einem Jahresgehalt von 3000 Mark und 500 Mark Wohnungszuschuss. Daraufhin gingen  118 Bewerbungen ein.

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Diesmal ging es um das Salz. Als Ersatz zur Konservierung von Lebensmitteln im bevorstehenden Winter wurde vorgeschlagen, der Bevölkerung  gradierte Sole zu überlassen, Für ein  10 Liter fassendes Gefäß dass immerhin 1 Kilo gelöstes Salz enthielt, würden nach Abzug der Salzsteuer der Stadtkasse noch 14 Pfg. verbleiben. Diesem Vorschlag widersprach aber die gegenüber dem Fiskus abgegeben Verpflichtung,  Sole nur für Badezwecke zu verwenden und wurde daher nicht weiter verfolgt.

 

  1. Nov. Vor der Kirche wird die Lutherlinde gepflanzt und geweiht (KÖZ).

Dagegen wurden sämtliche Bäume auf dem Friedhof als Brennholzvorrat gefällt.

 

  1. Nov. Beschluss der Kirchengemeinde (100 Jahre Lutherkirche)

Spätestens ½ Jahr nach Freigabe der Metalle sollte die Glockengießerei Ulrich, Apolda, die 1873

bereits die ersten Glocken geliefert hatte, wieder drei neue Glocken gießen. Auch die Namen standen bereits fest: Luther, Kaiser Wilhelm II.  und Hindenburg. 

 

  1. Dez. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891)

Es gab 823 Haushalte, 892 Männer und 1703 Frauen, dazu 29 Kriegsgefangene. Die Kösener Zeitung meldete 895 Jugendliche und Kinder und 350 Männer die im Feld standen. Die Geburtenrate hatte den Tiefpunkt erreicht, 26 Neugeborenen standen 69 Sterbefälle gegenüber.         

 

  1. Dez. Max Schumann erwirbt das Grundstück Berbigstr. 5 (KÖZ).

Schumann hatte kurz vorher die seit vier Generationen im Familienbesitz befindlichen „Saalhäuser“ an Max Schreiber, einen Gastwirt aus Berlin, veräußert.

 

      Dez. Weber verkauft den  „Mutigen Ritter“ an P. Waldhausen.

Offensichtlich waren die beiden schweren Brände (1912 und 1916) der eigentliche Anlass, dass sich Weber von dem Haus trennte, dass die Familie seit 135 Jahren bewirtschaftete. Hermann  Weber, der 28 Jahre lang Ratsschöffe und Stadtverordneter war,  starb kurz darauf im 60. Lebensjahr.

 

1918

 

  1. Jan. Anordnung zur Einschränkung des Stromverbrauchs um 20% (KÖZ).

Für die Einhaltung wurden die Stromzähler kontrolliert, bei Überschreitung erfolgte die  Abschaltung.

 

  1. Feb. Ernennung zum „Hof-Handwerker“.

Die Firmeninhaber Fritzsche, Koch und Töpfer wurden für ihre Beteilgung am Bau des Potsdamer Kronprinzenpalais (Schloss Cecilienhof - Entwurf Prof. Schulze-Naumburg) zum Hofdachdecker-, Hofdekorationsmaler- bzw. Hofzimmerermeister durch den Kronprinzen ernannt.

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung der Brücknerschen Brauerei in der Saalstraße (KÖZ).

Für 73.000 Mark ging sie an die Naumburger Hennen - Brauerei AG.

 

  1. Mär. Beschluss zur Erweiterung der Stromleitung in die Saalstraße (BLK-A. Nr. 714)

 

  1. Mai Eröffnung der 5. Kriegskursaison.

 

  1. Mai Die Dienstmagd Claire Schröter ertränkt ihre uneheliche Tochter im Scheitbach (KÖZ).

Im Oktober wurde sie zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Beschlossen wurde die unentgeltliche Verpachtung des Cafès am Gradierwerk an den Maschinenwärter Noack, der dafür die öffentlichen Abortanlagen unterhalten muss.

 

  1. Juni Einführung des Bürgermeisters Georg Glöckner (KÖZ, BLK-A. Nr. 714)

Glöckner, Jahrgang 1879, seit 1910 erster Beigeordneter des Nordseebades Borkum, hatte sich im Auswahlverfahren durchgesetzt. Seine Wahl war einstimmig. Die Einführung übernahm der Kreisdeputierte Dippe. Glöckner mietete eine Wohnung in der Lindenstraße 21 und starb am 30. Juli 1919.

 

  1. Juli Verpachtung der Stadtbäckerei an Heilemann (BLK-A. Nr. 714)

 

  1. Juli Einstellung von Edwin Arsand aus Stößen als Gradiermeister (BLK-A. Nr. 714)

 

  1. Sep. Bildung eines Ausschusses zum Ankauf von Feldgrundstücken (KÖZ).

Der Vorsitzende P. Kersten sollte im Namen der Stadt mit der Landesschule wegen des Ankaufs einiger Feldstücke  verhandeln. Die sollten parzelliert und intrerressierten Einwohnern als Gemüsegarten verpachtet werden, ein Versuch die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Da die Landesschule dies ablehnte, schaltete man die vorgesetzten Behörden ein.

 

  1. Sep. Ausgabe der ersten Kriegsgeldnotscheine (KÖZ, St.-A. Nr. 538).

Die 10- und 50 Pfennigscheine sollten den kriegsbedingten Mangel an Kleinmünzen beheben.

 

  1. Okt. Frau Justizrat Günther kauft die Villa „Waldfrieden“, Eckartsbergaer Str. 5 (KÖZ)

 

  1. Nov. Sondersitzung der Stadtverordneten (St.-A. Nr. 436)

Nach dem Aufruf des Innenministers sollten „im vaterländischen Interesse“ Bürgerwehren zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit gebildet werden. Die Versammlung nahm das Angebot des Naumburger Garnisonskommandanten an,  eine bewaffnete Radfahrerabteilung und 20 Gewehre in Kösen zu stationieren.

 

  1. Nov. Die deutsche Regierung nimmt die Bedingungen des Waffenstillstandes an.

Am 12. November 12 Uhr mittags schweigen die Waffen, der erste Weltkrieg ist zu Ende.  Der letzte Kösener fällt  am 11. November  der Landsturmmann R. Beyer.

 

  1. Nov. Beschluss zur Bepflanzung der städtischen Lehmgrube (BLK-A. Nr. 714)

Da die Gewinnung von Lehm ohnehin keinen Erlös brachte, sollten hier Obstbäume gepflanzt und der Behang alljährlich meistbietend verpachtet werden.

 

  1. Nov. Meldung über die Einrichtung eines Sicherheitspostens (St.-A. Nr. 436, KÖZ).

Die Meldung war bereits überholt, denn von der angebotenene Hilfe des Garnisonskommandanten hatte man Abstand genommen und die Aufstellung der Bürgerwehr beschlossen worden.

 

  1. Nov. Rekrutierung der Bürgerwehr (St.-A. Nr. 436)

Im Ratskellersaal meldeten sich 138 Einwohner, die meisten Mitglieder der Schützengesellschaft 1832 und des Bürgerschützenkorps. Allerdings wurde die Aufstellung nicht vollzogen.

 

  1. Nov. Bildung provisorischen Arbeiter- und Soldatenrats (St.-A. Nr. 310).

Der ASR bestand aus H. Vogt, A. Huth, H. Patze und M. Busch.

 

  1. Nov. Volksversammlung des Arbeiter- und Soldatenrates (KÖZ)

Generaldirektor Kersten bezeichnete sich  in der Diskussion als Veteran der  Sozialdemokratie, und verwies auf eine persönliche Bekanntschaft mit W. Liebknecht, A. Bebel und F. Lasalle aber auch mit Marx und Engels hätte es Kontakte gegeben. Der Belegschaft der Zementfabrik versprach er die pünktliche Zahlung der Löhne bis zum Frühjahr zu, auch wenn nicht produziert würde und versprach, sich für den Einschlag von Brennholz aus den Pfortenser Wäldern zu sorgen.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Der ASR verlangte, mit 2 Stimmen beratend und beschließend in der Stadtverordneten-versammlung vertreten zu sein, bestimmte Fachbereiche eigenständig zu verwalten (Brennstoff-, Lebensmittel- und Wohnraumverteilung) und eine monatliche Unkonstenpauschale von 1000 Mark. Beschlossen wurde,  die ehemalige Wurstfabrik für 120.000 Mark zu verkaufen, um den desolaten Stadthaushalt zu entlasten.

 

      Dez. Aufruf zur Ausschmückung der Straßen (KÖZ).

Damit sollte den heimkehrenden Fronttruppen ein ehrenvoller Empfang bereitet werden.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Dem städtischen Maschinenmeister wurde  die Reparatur von elektrischen Anlagen und der Verkauf von Glühbirnen erlaubt, alles im Rahmen eines Vertrages mit der Stadt. 

 

  1. Dez. Gründung der Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (KÖZ).

200 Einwohner trugen sich ein und wählten einen fünfköpfigen Vorstand sowie 8 Beiratsmitglieder. Gleichzeitig löste sich die Ortsgruppe der Nationalliberalen Partei auf.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Abgelehnt wurde der Antrag des ehemaligen Bürgermeisters Kretschmar, ihm anstelle der Pension eine einmalige Abstandssumme von 20.000 Mark zu gewähren. Angenommen wurde der Antrag, zu prüfen ob eine Rückforderung von zu viel gezahlten Gehalt an den Bürgermeister möglich sei. Kretschmar verkaufte noch im gleichen Jahr sein Wohnhaus (Berbigstraße 16). 

 

             Bauerlaubnis für das Wohnhaus Berbigstr. 9 (Hattenbach).

1919

 

             Wohnungs- und Geschäftshandbuch Naumburg und Umgebung 1919 (St.-A.)

Magistrat: Bgm. Glöckner, Ratsschöffen Bucke, Hämmerling, Steuer, Zedel. Beamte und Angestellte: Cleve-Kassenrendant, Röblitz-Sekretär, Mai-Gegenbuchführer, Saalborn-Bote,  Riedel-Polizeiassistent, Marks u. Terre-Wachtmeister, Patzschke-Nachtschutzmann, Arsand-Kunstmeister. Dazu kamen ein Badediener und die Wächter im Wasser- und Elektrizitätswerk. Dem Gemeinderat gehörten neben den vier Schöffen 17 Mitglieder an.

Kirchenälteste waren Gen.-Ltn. a. D. Stieler v. Heydekampf, Schmied Kathe, Lehrer Kaechtel, Bankier Krüger, Rechnungsrat Möller und Bauunternehmer Reichenbach.

Die Stadtschule hatte 7 Klassen. Rektor war Haubold, Lehrer Knechtel, Walter, Hinsche, Matzdorf, Sauer und Frl. Rühlemann. Das Reichspostamt leitete ein  Postdirektor im Innendienst waren 8 Oberbeamte im Außendienst 13 Postschaffner und 7 Landbriefträger beschäftigt. Den Bahnhof  leitete der Oberbahnhofsvorsteher Brandt. Zum Personal gehörten 35 Beschäftigte.

In der Stadt gab es  8 niedergelassene Ärzte: Dr. Blenkle (Lindenstr. 17), Dr. Klemm (Salinenstr. 5) Dr. Malade (Lindenstr. 5), San.Rat Oberstabsarzt Dr. Müller  und Geh. San. Rat Dr. Löffler (Neue Str. 1), San.-Rat Dr. Riemann (Uferstr. 5), Dr. Senger (Gerstenbergkprom. 3), San. Rat Dr. Wagner (Friedrichstr. 7). Privat Heilstätten waren das Frauensanatorium von Dr. Löffler und das Kindersanatorium Kukulauer Str. 3. Die Apotheke gehörte Unruh. Zu den Badeanstalten zählten Waldhausens „Ritterbad“, Haus Bahse, Mertens „Kurhaus Rheingold“, Ohms „Friedrichsbad“, Weißenborns „Haus Eschstruth“ und das Luft- und Sonnenbad am Gradierwerk. Als Gasthöfe galten der „Mutige Ritter“, Hotel Apel, das Park-Hotel (Häring), der Kurgarten (Schwarze), die Loreley (P. Friedrich), der „Preußische Hof“ (Hamel) und die „Tanne“ (Koch). Gastwirtschaften waren Albrecht (Burgstr. 8), die „Post“ mit dem Ratskeller, Emrichs Bahnhofswirtschaft, Grescheke (Loreleyprom. 8), Hartungs „Lindenhof“, Kuchs „Rektorberg“, Schmohl (Kukulauer Str. 8), Schreibers „Saalhäuser“, Steinbecks „Erholung“, Werners „Wilhelmsburg“ und Fausts „Schöne Aussicht“. Zu den  Kaffeehäusern gehörten Schneider (Lindenstr. 7), Schoppe, Seifferth (Schmettaustr. 2), Wolfram (Rudelsburgprom. 9) und Merten (An der Brücke 2). Im Ort gab es rund 100 Fernsprechanschlüsse.     

 

  1. Jan. Gründung der Ortsgruppe der Deutschen Demokratischen Partei (KÖZ).

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593, KÖZ).

Weil die Wahl des ASR nicht gesetzeskonform sei, wurde die Bezahlung der beiden Mitglieder Voigt und Patze abgelehnt. Die legten bei der Oberbehörde erfolgreich Beschwerde ein, die Mittel mussten nun bewilligt werden. Anschließend nahm man eine weitere Schenkung von Frau Roßner in Höhe von 3000 Mark an, die der Erich Roßner Stiftung zugeführt wurden.

 

  1. Feb. Bericht über die letzte Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Zu Beginn der Versammlung protestierten die Vertreter des ASR lautstark gegen die ihnen entgegengebrachte Ablehnung seitens der Stadtverordneten. Daraufhin entzog ihnen der Vorsitzende das Wort und beendet die Sitzung.  Nach diesem Vorfall zog der Magistrat Erkundigungen ein, wie man in den Landstädten der Umgebung mit dem ASR umgeht. 

 

  1. Feb. Parzellierung der Wiese am Weg zu den Saalhäusern (BLK-A. Nr. 778)

Die zum Gutsbezirk gehörende Wiese wurde Einwohnern wie Huth, Händler, Till, Reichard, Zwingenberg, Eidner und  Strzoda zur garten- und Feldnutzung verpachtet.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Beschlossen wurde der Druck von 50 Pfennig Kriegsnotgeldscheinen im Gesamtwert von 10.000 Mark, die Vermietung des Platzes  an der Brücke an den Friseur Laubmann (bisher E. Ulrich), 500 Mark  für die Installation von Lichtleitungen im Krankenhaus Burgstraße 14 und die Einquartierung der vom Kreis beorderten Bahnhofswache im Gasthaus „Tanne“.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenwahl nach dem neuen Wahlgesetz (KÖZ).

Neben den Parteien und Wählervereinigungen konnte sich jeder Einwohner(in), mit mindestens 50 Unterschriften wahlberechtigter Bürger zur Wahl stellen, wobei es darauf ankam, wer die meisten Stimmen erhielt. 1.447 Stimmen wurden abgegeben, davon fielen auf die Vorschlagsliste Gibhard 479, Krüger 573 und  Göricke 386 Stimmen. 

 

  1. Mär. Aufstellung einer Bürgerwehr (St.-A. Nr. 436).

Damit befolgte ,man eine Anweisung des Landrates.  Von den in der „Post“ versammelten 150 Einwohnern. Schrieben sich 76 Männer in die Listen ein. Der Kaufmann Siebold  wurde zum Vorsitzenden, der Bäcker Seiffert, der Tischler Naumann, der Eisenbahner Martin und der Zimmermann Töpfer  zu Vorstandsmitglieder gewählt. Hauptaufgabe war die Unterstützung der Ortspolizeibehörde bei der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung. Im Gefahrenfall gab es eine Alarmierungsplan. Die Bürgerwehr wurde auf drei Schutzbezirke, zwei links und einer rechts der Saale aufgeteilt.

 

  1. Mär. Anordnung des Generalkommandos des 4. Armeekorps (St.-A. Nr. 436)

Das Bezirkskommando in Naumburg wurde angewiesen, für die Bewaffnung der Bürgerwehr mit Gewehren und 3 leichten MG bereitzustellen. Die Kösener Bürgerwehr erhielt Gewehre und Munition, außerdem entsprechende Abzeichen.

 

  1. Mär. Wahl der Delegierten zum II. Kongress des ASR (KÖZ).

Wahlberechtigt waren alle Einwohner beiderlei Geschlechts, die das 20. Lebensjahr vollendet und deren Einkommen 10.000 Mark im Jahr nicht überstieg. Der ASR argwöhnte, dass sich dabei diejenigen durchsetzen könnten, die den bürgerlichen und reaktionären Kreisen genehm seien. Deshalb riefen sie zum Boykott der vom Magistrat organisierten Wahl auf und organisierten am gleichen Tag eine eigene Wahl. Der Magistrat verschob daraufhin seinen Termin auf den 30. März. Hier wurde nur eine Vorschlagsliste eingereicht, womit nach Auffassung des Magistrats keine Wahl erforderlich war und die  6 Kandidaten der Liste für gewählt erklärt wurden. Daraufhin protestierte der ASR. Beide Wahlverfahren und deren Ergebnisse wurden der Regierung in Merseburg zur Entscheidung vorgelegt.

 

  1. Mär. Aufruf des USPD (St.-A. Nr. 436)

Der Vorsitzende Fischer-Almrich verlangte vom Magistrat, dass mindestens die Hälfte der  Bürgerwehr aus Arbeitern bestehen sollte. Damit wäre man problemlos auch an Waffen gekommen. Gleichzeitig wurden alle Abteilungsführer und die Mannschaften aufgerufen treu zur alten Regierung zu stehen.

 

  1. Mär. Meldung des Polizei-Wachtmeisters Marks (St.-A. Nr. 436)

Nach der Anweisung des Bezirkskommandanten von Naumburg Hauptmann Jacob wurden die Bürgerwehr bewaffnet.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Bewilligt wurden 5000 Mark  wurden für den Umbau der Einzelkabinen im Kurmittelhaus zu Inhalierräumen, 200 Mark für den Herausgeber der Kösener Zeitung Heyner für die Veröffentlichung amtlicher Mitteilungen und 300 Mark  als Aufwandsentschädigung für den Kurdirektor. 

 

  1. Apr. Vertragsangebot für die Kurkonzerte (St.-A. Nr. 390)

Die Badedirektion hatte den Musikmeister des 4. Jägerbataillons aus Naumburg unter Vertrag genommen. 5.200 Mark für 40 Konzerte und 20 Choralmusiken wurden vereinbart.  Doch die  Jäger wurden aufgelöst und mit dem Artilleriekorps 55 vereinigt. Machts  selbst wechselte als Kapellmeister zur ehemaligen Schutztruppe von Lettow-Vorbeck.  Dann scheiterten auch die Verhandlungen mit dem  Kapellmeister der Unteroffiziersschule Weißenfels.

 

      Apr. Besitzerwechsel verschiedener Hausgrundstücke (KÖZ).

Prof. Posseldt kaufte das Pädagogium (Käthe-Kruse Str. 3) von Frau Dr. Gehrke, die Witwe Dreyling erwarb die Villa Hartmann, das ehemaliges Mädchenpensionat (Fr. Ebert Str.15) und Tischlermeister P.  Lietz  das Grundstück Parkstraße 4 vom Bankier Krüger.

 

     Mai  Dr. Klemm erwirbt das Kinderheim „Hertha“ in der Salinenstraße.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593, KÖZ).

Der Direktor des Elektrizitätswerkes Camburg bot der Stadt einen Vergleich an. Wenn die Stadt der Erhöhung des Strompreises von 7 Pfg/kWh auf 25 Pfg/kWh zustimmt, würde man die Stadt sofort aus dem Vertrag entlassen, wenn sie ein eigenes Elektrizitätswerk hätte. Damit kam der Plan zum Ersatz der Wasserkünste durch Turbinen wieder auf den Tisch. Da aber absehbar war, dass auch dann der Bedarf nicht vollständig gedeckt werden würde, erklärte sich das Werk Camburg bereit, in den Spitzenzeiten die Versorgung abzusichern. Genehmigt wurden der Pachtvertrag über die Stadtbäckerei in der Wurstfabrik und freie Wohnung im Krankenhaus für die „Hausfrau“ Marie Hofmann. In vertraulichen Teil wurde der Magistrat beauftragt, bei Kersten zu intervenieren die Rauch- und Staubbelästigungen in der Saison in Grenzen zu halten.

 

  1. Mai Gründung einer Volkshochschule durch Rektor Haubold (KÖZ).

Am 15. Sep. fand die Eröffnungsfeier im Kurgarten statt.

 

  1. Mai Sanitätsrat Dr. med Karl Schütze verstirbt in Bad Berka (KÖZ).

Der namhafte Balneologe, Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied des ADHV und nicht zuletzt Verfasser zahlreicher Gedichte, wurde hier beigesetzt. Ein Nachruf würdigte seine Verdienste als Inhaber des (inzwischen geschlossenen )Borlachbades, als Ratsschöffe (19095-1909), Stadtverordneter (1900-1909, 1912-1913) und Mitglied der Badekommission. Das Wohnhaus Lindenstraße 17 erbte seine Tochter, die mit dem Arzt Dr. Blenkle verheiratet war.

 

  1. Mai Wiedereröffnung der Flußbadeanstalt in der Rudelsburgpromenade 18 (KÖZ).

Dazu gehörten ein 20 m² großen Warmwasserbassin (25°), ein Krabbelbassin, mehrere Einzelwannen, zwei Nichtschwimmerbecken am Uferbereich  und ein mit Stämmen begrenztes Flußbad von 200 m².

 

  1. Mai DVP, DDP, USPD und der Arbeiterrat protestieren gegen den Versailler Vertrag (KÖZ).

 

  1. Mai Soleliefervertrag mit der Pension Weißenborn, Berbigstraße 1 (St.-A. Nr. 242)

Das Bad für Erwachsene kostet 2,30 Mark, für Kinder 1,60 Mark. Die Badekasse erhielt 75 Pfg. bzw. 55 Pfg, pro abgegebenen Bad für den Solebezug.

 

  1. Mai Auflassungsvormerkung für den Zeughauptmannn Alwin Ohm (BLK-A. Nr. 778)

 

  1. Mai Bildung einer städtischen Wohnungskommission (KÖZ).

Diese sollte leerstehenden Wohnraum in den Privathäusern erfassen und hier Mieter einweisen, womit man die ständige Wohnungsnot, bedingt durch die Vermietung an Badegäste zu verringern hoffte.

 

  1. Juni Erstes Kurkonzert in der Saison (St.-A. Nr. 390, KÖZ).

Nach den bisherigen Absagen hatte man nun zwei Kapellmeister. Den Sulzaer Hirte, der die Konzerte an den Wochentagen, die Choralmusiken und die Rèunions leitete und den Naumburger  Schlichting für die Sonntagskonzerte.

 

              Abgeordnetentag und oKC (Handbuch KSCV).

Nach vierjähriger Unterbrechung trafen sich die SC an der Rudelsburg, um den  9.000 gefallenen Corpsangehörigen zu gedenken. Neu aufgenommen wurden die SC zu Wien, Graz, Loeben und Prag, sowie die zu Köln, Hamburg undf Frankfurt.

 

  1. Juni Verzeichnis der steuerpflichtigen Einwohner und Hauseigentümer (St.-A. Nr. 436)

Zur Finanzierung der Bürgerwehr sollten alle steuerpflichtigen Einwohner herangezogen werden.  Demnach gab es 257 grundsteuerpflichtige Hausbesitzer, davon drei juristische Personen, der Konsumverein (Burgstr. 31) und die Portlandzementfabrik (Borlachstr. 50).  136 Einwohner waren einkommenssteuerpflichtig. An erster Stelle stand die Witwe des Mühlenbesitzer Roßner, An der Brücke 1 (130.000 Mk. Jahreseinkommen). Im weiten Abstand folgten Direktor P. Kersten und die Witwe Klara Koch (Lindenstr. 20) mit jeweils 32.000 Mk. der Prokurist Paul Roßner, Am Park 2 und die Witwe Heidenreich, Naumburger Str. 1 (29.500 Mk.), der Weingutsbesitzer Max Schreiber, Saalberge 21 (27.500 Mk ), die Witwe des Konsitorialpräsidenten v. Brun, Berbigstr. 16 (25.500 Mk.) die Witwe des Gasthofbesitzers Weber (23.500 Mk.),  die Witwe Zeppat, Lindenstr. 15 (22.500 Mk.), Bankier Krüger, Am Park 1 (21.500 Mk.), Frau Maria Kasse, Rechenberg 7 (18.500 Mk.)  Pfarrer J. Diederichs (14.500 Mk.)  Konditor Otto Schoppe und der Rentier G. Braune, Berbigstr. 17 (je 13.500 Mk.) Postmeister a. D. Karl Eckleben, Lindenstr. 11, Hotelbesitzer P. Waldhausen, Kukulauer Str. 2 und Wilhelmine v. Helldorf, Berbigstr. 1 (je 12.500 Mk.) , Gerichtspräsident P. v. Ehrenberg, Rechenberg 8 (11.500 Mk.). Generalmajor a. D. v. Schönfeld, Salinenstr. 1 ( 10.000 Mk.). Alle anderen hatten ein Einkommen zwischen 3000 und 10.000 Mk. Wer darunter lag, war befreit.  

 

  1. Juli Umwandlung der Fa. E. Roßner Mühlenwerke in eine oHG (Roßner, 1932).

Ernst Roßner sen. hatte 1866 die Mühle seinem gleichnamigen Sohn vererbt. Der fiel 1914. Seine Witwe Marta Rossner geb. Schneider und die Kinder Paul und  Marta gründeten nun eine oHG, um Kapitalgeber zu gewinnen. Die oHG beantragte die Erhöhung des Wehraufsatzes, um das Aufschlagwasser für die Turbinen zu verbessern.

 

  1. Juli Veröffentlichung von Grundstücksverkäufen (KÖZ).

Der Kohlenhändler Haase erwarb für 93.000 Mark die Salinenstraße 6 und verkaufte sein Grundstück in der Borlachstraße 25 an die Fa. F. A. Koch, der Zigarrenfabrikant  Menzel kaufte die Burgstraße 10 vom Restaurateur Geithner. Der Kaufmann Karl Müller hatte das  „Borlachbad“ erworben und begann mit dem Umbau zum Wohngebäude. Dabei überließ er der Stadt einen Streifen des Vorgartens, damit die Lindenstraße an dieser Stelle verbreitert werden konnte.

 

  1. Juli Das preußische Innenministerium genehmigt das geänderte Stadtwappen.

Es zeigt im blauen Schild eine silberne Brücke, auf welcher ein mit Salz gefüllter grüner umgekehrt kegelförmiger Weidenkorb steht. Das Wasser unter der Brücke ist ebenfalls grün als Hinweis auf die Zugehörigkeit zum „Grünen Herzen Deutschlands“. Über dem Schild liegt eine silberne Mauerkrone. Das bisherige Wappen mit dem preußischen Adler über der Brücke durfte nicht mehr verwendet werden.

 

  1. Aug. Aufruf für freiwillige Spenden für die Bürgerwehr (St.-A. Nr. 436)

Die Erhebung von Pflichtbeiträgen entsprechend der Steuerveranlagung war gescheitert, weshalb man nun an die Spendenbereitschaft appellierte.  

 

  1. Aug. Erneuter Aufruf an die Einwohnerschaft (St.-A. Nr. 436)

„Wie der verehrten Einwohnerschaft bekannt ist, besteht hier eine Einwohnerschutzwehr. Diese ist gebildet worden, um das Leben und Eigentum der Einwohner gegen Bedrohung, Erpressung, Diebstahl, Raub und Plünderung zu schützen. Hierdurch entstehen der Stadt Kosten, die wir im Wege der von freiwilligen Beiträgen zu decken beabsichtigen. Auch macht sich die Anlegung eines Fonds erforderlich um erforderlichen Falls Mittel zur Verfügung zu haben bzw. bei Unglücksfällen die Mitglieder der Einwohnerschutzwehr finanziell unterstützen zu können. Die Leistung der Beiträge ist Ehrensache, namentlich für diejenigen, die größere Vermögen bzw. große Unternehmen und Grundstücke besitzen und die sich persönlich an der Einwohnerwehr nicht zur Verfügung stellen können. Es geht daher die Bitte, die Erhaltung der Einwohnerschutzwehr durch freiwillige Beiträge  zu sichern, wofür wir uns gestatten im Voraus verbindlich zu danken.“

67 Spender gaben 5 und 50 Mark und 5 Spender 100 bis 200 Mark; Insgesamt 3.490 Mark.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Nach Einführung der Weimarer Verfassung wurde die Wahl der Stadtverordneten bestätigt und der ASR aufgelöst. Nach kurzen Gedenken an Bürgermeister G. Glöckner, der im Alter von 39 verstorben war, beschloss man die Neuausschreibung. Dann beschäftigte sich die Versammlung  mit Gehaltsanträgen der städtischen Bediensteten und votierte einstimmig für den Verbleib im Freistaat Preußen.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ, Röblitz 1930).

Beschlossen wurden neben dem Ortsstatut auch Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel. Dazu wurden die Kompetenzen des Wohnungsamtes gegenüber privaten Hauswirten und Vermietern erweitert und ein paritätisch besetztes Mieteinigungsamt geschaffen.

 

  1. Okt. Übungsschießen der Ortsgruppe auf dem Schießstand in den Saalbergen (St.-A. Nr. 436)

Mitzubringen waren das Gewehr und 5 Patronen für das Modell 88 und ein Ladestreifen für das Modell 98.

 

  1. Okt. Anordnung nächtlicher Patrouillengänge für die Bürgerwehr (St.-A. Nr. 436)

 

  1. Okt. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891, KÖZ).

Insgsamt waren 3.272 Personen ortsanwesend, davon 1.323 Männer und  1.949 Frauen in 894 Haushalten, d. s. 3,5 Personen/Haushalt. Trotz schwieriger Lebensverhältnisse hatte sich nach der Rückkehr der Männer aus dem Krieg die Geburtenrate nahezu verdoppelt und überstieg wieder die Sterberate.  An der Stadtschule lernten 337 Schüler, die höhere Knabenschule verzeichnete 54 und die höhere Töchterschule 88 Kinder.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Genehmigt wurden die Mietverträge mit der Mitteldeutschen Matratzenfabrik, später Kornatzki & Klinge bzw. Dreikah-Werke und der höheren Tochterschule in der Wurstfabrik. Die Bürgerwehr und Ortspolizei sollten gemeinsam auf Streife gehen, um Diebe und Schieber  abzuschrecken.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Beschlossen wurde mit dem  3. Nachtrag zum Ortsstatut die Einführung eines stellvertretenden  Bürgermeisters, als unbesoldeten Beisitzer und die Vergrößerung des Magistrats auf 6 Mitglieder

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 833)

Bewilligt wurden 2.200 Mark für den Druck von 5.000 Broschüren „Führer durch Bad Kösen“ und der Abbruch der Esse der Wurstfabrik. Den Auftrag erhielt der Dachdecker Walter Kuhnt aus der Saalstraße, der den Abbruch auf eigene Kosten anbot, wenn er das Material behalten dürfte. Damit würde er sofort mit dem Bau eines Hauses mit mehreren Wohnungen beginnen.   

 

  1. Dez. Geselliges Beisammensein der Bürgerwehr mit Familie im Park (St.-A. Nr. 436)

 

  1. Dez. Protest gegen den Erweiterung des Zementwerkes (BLK-A. Nr. 593)

 

  1. Dez. Wahl der Ratsschöffen (KÖZ).

Erstmals wurde mit Marie Häsecke eine Frau gewählt, außerdem der Kaufmann Max Schuster und der Major a. D. Alwin Ohm. Bestätigt wurde der Apotheker Steuer und zum unbesoldeten Beigeordneten  Postmeister a. D. Eckleben gewählt.   

 

  1. Dez. Beschluss der Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Angesichts der Unruhe in der Bevölkerung wegen der prekären Versorgungslage, soll der Magistrat beim Reichswirtschaftsamt die Erhöhung der Rationen bei der Lebensmittelzuteilung erwirken, da es nur wenige Selbstversorger und keine Landwirte gibt. Darüber soll alles von der Stadt geschlagene Brennholz in halben Raummetern zum Selbstkostenpreis der ärmeren Bevölkerung verkauft werden.

 

            Dr. Theodor Friedrich Wilhelm Malade eröffnet eine Arztpraxis in der Lindenstraße 5.   

1920 heiratete er die Tochter des Generals der Artillerie a. d. v. Roehl aus Naumburg.  Der  Weltkriegsteilnehmer schrieb seine Kriegserinnerungen, die 1930 bei Lehmann in München unter dem Titel „Von Amiens bis Aleppo“ erschienen . Er starb 1933. 

 

1920

 

      Jan. Käthe Kruse erwirbt das Grundstück Rudolf- Breitscheid-Straße 11 (KÖZ).

Das der Familie des Brauereidirektors und ehemaligen Stadtverordneten Rutschmann gehörende und als Pension genutzte Haus kostete  85.000 Mark.

 

  1. Jan. Eine Sturmböe zerstört die Wandelhalle an der Ostseite des Gradierwerkes (KÖZ).

 

  1. Jan. Erste öffentliche Versammlung des „Vereins für städtische Interessen“ (KÖZ).

248 Mitglieder suchten nach Wegen zur Weiterführung des Badebetriebes nachdem das Borlachbad und das Wilhelmsbad geschlossen waren. Insbesondere die umliegenden Hauswirte fürchteten um ihre Existenz. Die Stadt selbst war mit 918.000 Mark verschuldet, die Sozialleistungen nahmen zu und derzeit ging es vorrangig um die Verteilung von Lebensmitteln, Bekleidung und Brennmaterial.

 

  1. Jan. Bekanntgabe von Grundstücksverkäufen (KÖZ).

Den besitzer wechslten die Fr. Ebert-Straße 23 (Prof. Dr. A. Schultze), die Salinenstr. 1 (Privatier Schleicher, 72.000 Mark), das Struvesche Grundstück, Gerstenbergkpromenade 13 (A. Leppert) und die  Hennenbrauerei  verkaufte die ehemalige Brücknersche Brauerei, Saalstraße 27.

 

  1. Feb. Tod von Juliane Sophie Kumbruch (BLK-A. Nr. 593, Sterbereg.)

Sie starb im Alter von 72 Jahren und wurde im Familienbegräbnis beigesetzt. Für ihre Spende zum Bau des Krankenhauses wurde sie von der Stadtverordnetenversammlung geehrt. Nachkommen der Familie sind nicht bekannt.

 

  1. Feb. Einwohnerversammlung (KÖZ).

Die Teilnehmer forderten vom Magistrat die Erneuerung der Soleleitung vom Gradierwerk über die Brücke bis zur Lindenstraße um so allen Hauswirten eine Anschlusszu ermöglichen. Bis zum  Bau eines Badehauses sollten die Bäder in den Quartieren abgegeben werden. 

 

  1. Feb. Druck von 2.900 Mark Notgeld (BLK-A. Nr. 593)

 

28 Feb. Vergleich mit dem E-Werk Camburg vor dem LG Weimar (BLK-A. Nr. 593)

 

      März. Einlagerung von Waffen auf Burg Saaleck (Belau).

Ein hallescher Offizier und zwei Zeitfreiwillige aus Naumburg schafften Gewehre, Infanteriemunition, Maschinengewehre und Handgranaten auf die Burg bzw. in einen unterhalb von Kreipitzsch gelegenen Felsenkeller. Im Dezember wurde das Waffenlager ausgehoben.   

 

  1. Mär. Verhandlungen zwischen dem Streikkomittee und der Bürgerwehr (KÖZ).

Um ein Vorrücken bewaffneter Putschisten zu verhindern, suchten USP-Leute und Spartakisten in der Umgebung nach Waffen. Da veranlaßte den Magistrat zum Schutz der Stadt die Bürgerwehr zu mobilisieren. Die versammelte sich im Holzwerk um die aus Lengefeld anrückenden Arbeiter aufzuhalten. Um eine bewaffnete Auseinandersetzung zu vermeiden, wurde verhandelt. Der USP Mann Schuster aus Almrich verlangte, dass Bürgerwehr durch Arbeiter verstärkt wird, ansonsten  würde man die Stadt von der Zufuhr  von Lebensmitteln, Strom und Wasser abschneiden. Das lehnte die Bürgerwehr ab, erklärte sich dann bereit, unter Ausschluss Schusters mit den hiesigen Arbeitern (Voigt, Patze,  Firchau) zu verhandeln. Man einigte sich auf einen Kompromiss, die Waffen der Bürgerwehr kamen ins Rathaus, wo sie gemeinsam von Arbeitern und Bürgern bewacht wurden. Die Einwohnerschaft wurde durch ein Flugblatt zu Ruhe und Besonnenheit ermahnt.

 

  1. Mär. Bewaffnete Auseinandersetzung mit Reichswehrtruppen (Kormann).

Am Morgen kam ein bewaffneter Trupp von Naumburg nach Kösen, um sich dem örtlichen anzuschließen. Die Brücke und das Gradierwerk wurden besetzt. Im  Gasthof „Zur Tanne“ (Pächter Otto Werner) wurde beschlossen,  das Rathaus zu stürmen, um sich der dort eingelagerten Waffen zu bemächtigen. Doch inzwischen waren drei Kompanien der   „Schwarzen Reichswehr“ von Eckartsberga kommend am Ortseingang eingetroffen und wurden von der Brücke aus unter Beschuss genommen. Die Reichswehr erwiderte das Feuer mit Maschinengewehren und Granatwerfern. Dabei wurden auch die vor der „Tanne“ versammelten Arbeiter unter beschuss genommen. Der Feuerüberfall kam  völlig überraschend, 13 Arbeiter waren sofort tot oder erlagen im Kösenern Krankenhaus ihren Verletzungen, darunter die Kösener P. Hertel und F. Hering, weitere  25 Mann ergaben sich und wurden festgenommen.

  1. Mär. Die Reichswehr übergibt das Kommando an die Sicherheitspolizei und die Bürgerwehr.

 

  1. Mär. Beisetzung der Toten aus Naumburg und Almrich (KÖZ, Sterbereg).

Dazu gehörten Hertel (16 J.),Kolodzieg (38 J.), Hering (22 J.), Kruppe (21 J.), Petzoldt (22 J.) und Schmidt (30 J.)

 

  1. Mär. Einführung von Bürgermeister Dr. jur. Arnold Schubart (BLK-A. Nr. 593)

Der geborene Berliner, Jg. 1881, Hauptmann a. D. wurde vom Landrat eingeführt, zusammen mit dem Beigeordneten Siebold, nachdem Eckleben mit Verweis auf sein Alter die Wahl nicht angenommen hatte.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (KÖZ, St.-A. Nr. 434, BLK-A. Nr. 593).

Die Ereignisse der letzten Tage spielten in der Sitzung keine Rolle. Man befasste sich mit dem Haushaltsplan, der Kurtaxe und Grundstücksfragen. Im vertraulichen Teil wurde der Vorschlag der Badedirektion angenommen, für 2400 Mark Werbeinserate in 20 Zeitungen in den mittel- und norddeutschen Städten zu schalten: „Solbad und Inhalatorium. Große Erfolge bei Erkrankungen der Atmungsorgane, Skrophulose, Rachitis, Rheumatismus, Gicht, Herz- und Frauenleiden. Neues städtisches Kurmittelhaus mit Gesellschafts- und Einzelinhalation, Pneumatischen Kammern, Radium-Emanatorium, starke Solequelle, Gradierwerk, Spielplatz, Lift- und Sonnebad, Trinkquellen“.

 

       Apr. Firma F. A. Koch kauft das Grundstück Borlachstraße 25/27 (KÖZ).

Damit verfügte die Firma über ein durchgehendes Grundstück zwischen der kleinen Promenade und der Borlachstraße, wo nun ein Lager für Land- und Brennstoffhandel eingerichtet wurde. Für die Fuhrwerke wurde hier eine Tordurchfahrt eingerichtet. Das ehemalige Haase`sche Anwesen an der kleinen Promenade wurde abgebrochen und hier ein neues Wohnhaus ebenfalls mit  Tordurchfahrt errichtet.

 

  1. Apr. 2. Nachtrag zur Kurtaxordnung von 1911 (MER C48Ih Nr. 920)

Die große Kurkarte für Fremde kostete nun 40 Mark, die Beikarte 20 Mark und alle weiteren Familienangehörigen zahlten 10 Mark. Personen, die nicht im Besitz von Kur- oder Dauerkarten waren, hatten beim Besuch der Kurkonzerte eine Tageskarte zu erwerben.

 

  1. Apr. Gastspiel des Stuttgarter Operetten-Theaters im Kurgarten (priv).

Aufgeführt wurde die Operette „Wenn die Liebe erwacht“ von Eduard Künneke. Der Eintritt kostete zwischen 2.50 Mark und 6 Mark.

 

  1. Apr. Schreiben Pastor Diederichs an das Lazarus-Mutterhaus (Lazarus Freundesbrief 1991)

Namens des Vorstandes teilte er mit, dass man „in Folge der ungünstigen wirtschaftlichen Lage“ die Einstellung des Hospizes zum 30. September  plant, das Anwesen verkauft und aus dem Erlös der Bestand der Diakonissenstation gesichert werden soll. Das Mutterhaus verwies in seiner Antwort darauf, dass es genügend bemittelte alleinstehende Damen gäbe, die sehr wohl in der Lage wären, auch eine höhere Miete zu zahlen. Daraufhin entschloss sich der Vorstand zu einer  Erhöhung der Preise. Als Nachfolgerin für die nach 31 Dienstjahren ausgeschiedene Schwester  Auguste kam Schwester Johanna Maetschke. 

 

  1. Apr. Vertrag mit dem Musikdirektor Schmidt aus Naumburg (St.-A. Nr. 390)

Vereinbart wurden 88 Konzerte mit einer Besetzung von 20 Musikern für die normalen Kurkonzerten, für die 22 Choräle reichten 6, für die 22 Rèunions 4 Musiker. Die Pauschale betrug 19.800 Mark. Die Bewerbung des hiesigen Musikdirektors Schlichterling fand keine berücksichtigung.

 

  1. Mai Erteilung der Schankkonzession für F. Wolf (St.-A).

Dem Buchbinder Wolf, der neben seinem Handwerk in der Gerstenbergkpromenade Nr.  7 Zimmer vermietete, hatte bislang keine Schankkonzession bekommen, weil sich zuviel Gastwirtschaften in unmittelbarer Nähe befanden („Preußischer Hof“, „Tanne“, die Bahnhofswirtschaft, Hotel Apel, Deutsches Haus). Wolf nannte seine Gastwirtschaft „Bismarck“ und erhieltden Fernsprechanschluss Nummer 29.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Der Ankauf der restlichen Fränkenauer Wiese wurde zurückgestellt, der Pachtvertrag mit der Landesschule verlängert. Dagegen sollte der Kaufantrag für das Gelände an der Johannisquelle gestellt werden. Aaußerdem wurden 34.600 Mark für den Ankauf und die Einlagerung von Kohle zur Notversorgung und 50 Pfennig Eintritt für das Kurmittelhauses beschlossen, wovon die Angehörigen der städtischen Körperschaften ausgenommen wurden.

 

  1. Juni Eintrag der Fa. Puppenkunst Elisabeth Heine & Schneider oHG im Handelsregister.

 

  1. Juli Der VfB Rudelsburg Bad Kösen erhält die Verbandspielerlaubnis (KÖZ).

Das Spiel anlässlich des einjährigen Bestehens des Vereins wurde gegen den Naumburger SV 05  mit 5:4 gewonnen.

 

  1. Juli Nach sechs Jahren gibt es wieder ein Brunnenfest (KÖZ).

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Die Stadt erklärt sich  bereit, Mittel für die Beseitigung von Schäden an privaten Grundstücken,  während der Schießerei am 20. März, bereitzustellen, vorbehaltlich dass sie dazu auch verpflichtet sei.

 

  1. Aug. Weihe der Gedenktafeln für die Kriegsopfer (KÖZ, Röblitz 1930).

90 Gefallene und 14 Vermisste standen auf den Taflen in der Kirche.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Für die städtischen Angestellten (Rendant, Gegenbuchschreiber, Stadt-, Bade- und Polizeisekretär, Kassenbuchhalter, Magistratsbote, Schulkastellan, Nachtwächter) wurde das  Gehalt monatlich als Vorschuss gezahlt. Außerdem wurden 3.000 Mark für Reparaturen am Krankenhaus bewilligt.

 

  1. Okt. Paul Kersten wirbt für die die Stromerzeugung aus Wasserkraft.

Der Vergleich mit dem E-Werk Camburg, dass inzwischen zur Elektrizitätsgesellschaft Halle gehörte, gewährte nun eine gesicherte Stromversorgung. Dennoch gab es Pläne für ein eigenes E-Werk auf Wasserkraftbasis. Da die Stadt dazu allein nicht in der Lage war, sollte sie sich dazu einen kapitalkräftigen Partner aus der Wirtschaft suchen, schlug Paul Kersten vor.

 

  1. Okt. Die AOK Apolda kauft die Hälfte des ehemaligen Kursaales (KÖZ).

Eigentümerin war ein Frl. Tenzel die hier eine Pension betrieb. Die AOK bezahlte der Eigentümerin Frl. Tenzel 130.000 Mark  und richtete ein Kindergenesungsheim ein.

 

  1. Nov. Umgemeindung von 49 Parzellen vom Gutsbezirk (BLK-A. Nr. 511, 593)

Dazu gehörten die in den letzten Jahren bebauten Grundstücke auf der Hinterwiese, am Scheitbach und in der Berbigstraße, sowie die Planstraßen B (Pfaffenstieg) und C (A.-Bebel-Str.)

 

  1. Nov. Aktualisierung der Vergnügungssteuer (MER C 48Ih Nr. 920)

Für Tanzveranstaltungen  bis Mitternacht waren 40 Mark, danach 75 Mark und bei Kostümzwang 100 Mark fällig. Karnevalssitzungen ohne Tanz kosteten 20 Mark, Singspiel, Tingel-Tangel, zirzensische Vorstellungen, Lieder- und Klavierabende laben zwischen 50 und 100 Mark. Schausteller zahlten pro Tag 30 bis 100 Mark.

 

  1. Dez. Meldung über einen Besitzwechsel (KÖZ).

Der Konditor Seiffert (Schmettaustr. 1)  erwarb von der Witwe Häun das  Kaffeehaus an der Brücke  für  90.000 Mark.

 

1921

 

  1. Jan. Meldung über Eigentümerwechsel (KÖZ).

Die Gerstenbergkpromenade 16 ging für 50.000 Mark an den Gastwirt Max Küch, die  Loreleypromenade 3a erwarb der Spediteur W. Pabst für 55.000 Mark von der Witwe Spatzier.

 

  1. Feb. Ablehnung einer Eingemeindung durch den Bezirksausschuss (BLK-A. Nr. 511)

Die Ehefrau des Holzhändlers Graf hatte die Eingemeindung der Rudelsburgpromenade 19 aus der Lengefelder Flur beantragt. Hintergrund waren höhere Anschlussgebühren für „Ortsfremde“ an die städtische Wasser- und Stromleitung.  Ihre Beschwerde wies der Provinzialrat ab.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Für den von der Stadt gepachteten, noch unbebauten Teil der Fränkenauer Wiese hatte die landesschule Pforte noch vor dem Krieg dem Zimmerermeister Kotte eine Auflassungsvormerkung eingetragen. Allerdings erklärte er sich bereit, bei Zahlung einer Entschädigung diese zu löschen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 523,KÖZ).

Bei einem Schlichtungsgespräch mit dem Regierungspräsidenten war man übereingekommen, die Fränkenauer Wiese für 55.000 Mark von Pforte abzukaufen. Damit waren alle öffentlichen Fläche im besitz der Stadt und die Landankaufkommission wurde aufgelöst.

 

  1. Mär. Vertrag mit der Stadtkapelle Weißenfels. (St.-A. 390).

Diese wiurde für 2 Kurkonzerte wöchentlich gebunden. Gleichzeitig beschloss die Badekommission (Schubert, Häring, Ohm, Walther, Wagner, Troll, Heyner, Posseldt) 4.000 Mark für Zeitungswerbung bereit zu stellen (St.-A. Nr. 434).

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Das Mieteinigungsamt wurde mit Troll und Heyner seitens der Hausbesitzer und Leideck und H. Fischer seitens der Mieter besetzt. Beschlossen wurden Mittel für die Vorplanung eines neuen E-Werks.

 

  1. Mär. Regulativ zur Gemeindesteuerordnung (MER C48 Ih Nr. 920)

Die Steuerfreigrenze lag bei 8000 Mark, der Steuersatz entsprach dem im Landessteuergesetz vorgesehenen Höchstsatz und wurde vom Gesamteinkommen erhoben.

 

  1. Mär. Bismarckfeier des Deutschen Jugendtages auf der Rudelsburg (KÖZ).

Wegen der blutigen Unruhen in den LEUNA Werken, sollte das Treffen verlegt werden, es waren jedoch schon zahlreiche Teilnehmer angereist, so dass die Veranstaltung stattfand.

 

  1. Apr. Konzession für einen Kinematographen-Saal am „Lindenhof“ (St.-A).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Minna Lingenover wurde als „Hausfrau“ im städtischen Krankenhaus eingestellt und der Parkarbeiter Matthes erhielt eine Dienstmütze, ein Dienstanzug jedoch abgelehnt.

 

  1. Apr. Gründung des Ortsvereins der Hotel- und Gastronomieangestellten (KÖZ).

Die Gründungsmitglieder trafen sich beim Gastwirt Schmohl.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (Blk-A. Nr. 523, KÖZ, MER C 48 Ih Nr. 920).

Beschlossen wurde  Notgeld zu 10 und 50 Pfennigen ingesamt für 100.000 Mark. Im 4. Nachtrag wurden die Kurkarte mit 60 Mark pro Kopf bei einer Aufenthaltsdauer von 2 bis 10 Wochen festgesetzt, die Beikarte auf 30 Mark und jedes weitere Familienmitglied zahlte 20 Mark. Allerdings gab es verschiedene Sonderregelungen und Vergünstigungen. Für ein Erwachsenen-Solbad  durften die Badewirte  6 Mark verlangen, davon erhielt die Stadt 1,50 Mark für die  Solelieferung. Außerdem wurde eine Oberin für die Saison im Kurmittelhaus für 600 Mark eingestellt.

 

  1. Mai Antrag des Betreibers der „Kurgarten-Lichtspiele“ (BLK-A. Nr. 890)

Die Aufstellung eines Schaukastens gegenüber vom Bahnhof neben den des Fotografen Krause wurde abgelehnt.

 

  1. Mai Vermächtnis der Frau Johanna Becker geb. Knöfel (Röblitz 1930)

Sie stiftete die Zinsen von 5000 Mark Kapital für das Krankenhaus.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Die Baugesellschaft durfte die Straße C nach den Bauvorschriften für Gutsbezirke herstellen und sollte der Stadt die Mehrkosten für nachfolgende Ausgestaltung nach den städtischen Bauvorschriften (z. B. Pflaster der Gehwege, Rinnsteine) aus dem Verkaufserlös für die Bauplätze erstatten.  

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (KÖZ, St.-A. Nr. 98).

Die Stadtverordneten wurden darüber informiert, dass die Stadt 17 % der Kosten, der bei den Märzunruhen 1920 entstandenen Schäden an Privathäusern übernehmen muss.

 

  1. Juni 25jähriges Geschäftsjubiläum vom Rudelsburgwirt A. Büchner (KÖZ).

 

  1. Juni Die Fa. Graf & Döhler verkauft das Holzwerk in der Rudelsburgpromenade.

Erwerber war die Fa.  Weist Hoch- und Tiefbau. Weist errichtete ein zweites Maschinenhaus und eine Silo-Anlage.

 

  1. Juni Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Beschlossen wurde, den Höchstsatz an Arbeitslosenunterstützung nach der Reichsverordnung an die vom LEUNA -Streik betroffenen einheimischen Arbeiter rückwirkend ab Mai zu zahlen.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Genehmigt wurde der Kauf des Grundstücks auf dem die Johannisquelle stand für 1,50 Mark/qm und die Erneuerung der Quellfassung für 600 Mark.

 

  1. Aug. Ehrung von Dr. Günter Kniesche (KÖZ).

Seiner Mutter gehörte seit 1905 die  Pension „Rheingold“.  Kniesche war Direktor des Zoologischen Garten in Halle und korrespondierendes Mitglied der amerikanischen Zoologischen Gesellschaft.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. KÖZ).

Die Baugenossenschaft „Eigenheim“ wollte auf einer Fläche von 1000 m² östlich der Kukulauer Straßemehrere Wohnhäuser errichten. Die Stadt stimmte zu wies allerdings auf die Problematik der Trinkwasserversorgung hin, da diese baugebiet bereits höher lag als der Überlaufbehälter am Nikolausberg und so kein Wasserderuck vorhanden war.

Beschlossen wurde weitere Pacht der Weberschen Wiese für 1.500 Mark für 10 Jahre mit einer Erwerbsoption.

 

  1. Sep. Ordnung zur Besteuerung der Beherbergung (MER C 48Ih Nr. 920)

Besteuert wurden alle  Mietverhältnisse unter 5 Monaten, also die Vermietung an Badegäste.

 

  1. Sep. Beschluss zur Erhöhung der Pacht öffentlicher Flächen (BLK-A. Nr. 890).

Das betraf  Vorgärten, Abflußleitungen, Hinweis-und Werbetafeln, gewerbliche  Einrichtungen wie Laubmanns Friseurladen und die Soleleitungen zu den Pensionen von Merten, Ohm und Häring.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Genehmigt wurde die Einschulung auswärtiger Kinder (Kukulau, Saalhäuser) bis auf Widerruf, sowie die Übertragung der Turnhalle an den Turnverein unter der Maßgabe, dass die städtische Schule hier weiterhin ihren Turnunterricht absolvieren kann.

 

  1. Okt. Grundsteinlegung für den Neubau des Saales am „Mutigen Ritter“.

5 Jahre nach dem verheerenden Brand sollte anstatt eines Logierhauses ein „Fest- und Versammlungssaal“ entstehen, der als „Kommers-Saal“ des Kösener SC  die leidige Suche nach  angemessenen Räumlichkeiten zukünftig erübrigt. Dafür gewährte der KSCV eine Anleihe, mit der Auflage, den Saal für die Veranstaltungen des SC jederzeit und kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Die künstlerische Leitung hatte der Architekt Max Graumüller, die Ausführung übernahm K. Kotte.  Auf die Überbaung der Loreleypromande analog des „Blauen Salons“ wurde großzügig verzichtet.

 

  1. Nov. Geburt von Max Kruse (Lebenserinnerungen)

Er war das letzte der sieben Kindern der Puppengestalterin Käthe Kruse. 1946 begann er in Bad Pyrmont mit dem Aufbau eines Zweigwerkes. 1949 wurde die Produktionsstätte mit der in Donauwörth zusammengelegt und von ihm bis 1958 geleitet. Danach widmete er sich der Schriftstellerei und wurde als Autor zahlreicher Kinderbücher („Der Löwe ist los“, „Urmel auf dem Eis“) einem breiten Publikum bekannt, nicht zuletzt durch die Fernsehsendungen der  Augsburger Puppenkiste, die in den 60iger Jahre liefen. Seine Kinder- und Jugendzeit in Kösen beschrieb er in einer lesenswerten Biografie. Für sein Lebenswerk wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. 2012 zeigte die Kunsthalle eine Sonderausstellung anläßlich seines 90. Geburtstages.   

 

  1. Dez. Ergänzung der Verordnung zur Vergnügunssteuer (MER C 48 Ih Nr. 920)

Der Abgabe wurde nun auch gestaffelt für die Veranstaltungsflächen sowie nach der Besucherzahl erhoben.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 523)

Fachingenieure der Fa, Siemens & Schuckert stellten das Projekt einer Wasserkraftanlage vor und die Mittel für die Planung einer städtischen Solebadeanstalt wurden bewilligt.

 

     Dez. Amtliche Personenstanderfassung (KÖZ).

Von den 3.272 Einwohner waren 3.188 evangelisch. 79 Geburten standen gegen 50 Sterbefälle. Die städtische Schule hatte 321 Schüler, das Pädagogium 59, davon 32 Interne und die Mädchenschule 64.

 

1922

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Beschlossen wurde der Ankauf des Geländes links und rechts der Kukulauer Straße zur Anlage von Promenadenwegen und die Verpachtung des Cafes am Gradierwerk an Salzmann.

 

  1. Jan. Seeoffizier L. Dithmar versteckt sich auf Burg Saaleck (Belau 2011).

Dithmar war wegen Kriegsverbrechen (Abschuss des britischen Lazarettschiffes „Llandovery Castle“ am 27. Juni 1918 außerhalb des Sperrgebietes, wobei 234 Menschen umkamen) im Juli 1921 vom Reichsgericht zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Flucht aus dem Naumburger Gefängnis gelang ihm mit Hilfe  rechtsnationaler Offiziere, zu denen auch die Rathenaumörder   Fischer und Kern gehörten.

 

  1. Feb. Beurlaubung des Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 523)

Schubart ging zu einer achtmonatigen Einarbeitung bei der Reichsfinanzdirektion, wo er dann auch blieb. Während der Einarbeitung erhielt er 50% seiner Dienstbezüge als Bürgermeister, die  Vertretung übernahm der Beigeordnete Siebold. 

 

  1. Mär. Notiz des Bürgermeisters zur Zeitungswerbung (St.-A. Nr. 434)

Wegen des nur mäßigen Erfolgs in den letzten Jahren und den Kosten einer Anzeigenagentur sollte direkt mit überregionalen Zeitungen der Provinzen aus denen die meisten Besucher zu erwarten waren, verhandelt werden.

 

  1. Mär. Verpachtung des Schwanenteichs zur Fischzucht (BLK-A. Nr. 523)

 

  1. Mär. Antrag des Musikdirektors Schlichting (St.-A. Nr. 390)

Diesmal schlug der beschäftigungslose Kapellmeister der Stadt die Aufstellung einer eigenen Kurkapelle unter seiner Leitung vor, weil diese „für die Einwohner eine Einnahme wäre, wogegen die auswärtigen  Orchester das ganze Geld mitnehmen“. In Anbetracht der beginnenden Geldentwertung verlangte er für den Kapellmeister monatlich 2500 Mark für jeden der 16 Musiker 2.000 Mark, zuzüglich der Kranken-und Rentenbeiträge, insgesamt 35.300 Mark. Die Kurkapelle sollte das ausschließliche Recht für alle musikalischen Veranstaltungen in den Gaststätten erhalten. Das wären pro Jahr 130 Konzerte, Rèunions und Bälle, 16 im „Mutigen Ritter“, 12 im Parkhotel, 16 in den Saalhäusern und 12 auf der Wilhelmsburg.  Sogar für die „Tanne“ plante er 4 Bälle. Das ergäbe eine Einnahme von 26.700 Mark. Dazu kämen 24 Konzerte und 4 Rèunions für die Badeverwaltung für 17.100 Mark.  Insgesamt kämen so  43.800 Mark zusammen, mithin ein Plus für die Badekasse von 8.500 Mark. Da das Risiko bei der  Badeverwaltung lag, wurde das Angebot abgelehnt und mit dem Musikdiretor Thiede aus Weißenfels einen Vertrag für die nächsten 5 Konzerte abgeschlossen.

 

  1. Mär. Verpachtung des Luft-und Sonnenbades an Fr. Rosenauer aus München (BLK Nr. 523

Die Pacht betrug 300 Mark, dazu kam eine Kaution von 500 Mark.

 

  1. Apr. Eingemeindungsbeschluss der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 511, 523, KÖZ).

Zwei Wohnhäuser an der Fränkenauer Wiese (Gerstenbergkpromenade Nr. 15 Sehnert,  Nr. 16 Wagner) wurden eingemeindet und der Vertrag mit der Landesschule über die Verlegung der Wasserleitung für die Eigenheimgenossenschaft an der Kukulauer Straße durch den Gutsbezirk  bestätigt. Für die Bedienung der Johannisquelle wurde Frl. Rappert befristet eingestellt.

Die Geldentwertung, Vorbote der Inflation, schlug sich nun in den Kurpreisen nieder. Für die 10 Tages-Kurkarte waren 140 Mark  und für ein Solebad 25 Mark zu zahlen. Nachfolgend wurde ein 50%iger Zuschlag auf die Kurtaxe bei Kurgäste aus „valutastarken“ Ländern eingeführt.

 

  1. Mai Hauptversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur TBC-Bekämpfung (KÖZ).

400 Teilnehmer aus ganz Deutschland diskutierten an 3 Tagen über diese Volksseuche.

 

  1. Juni Fahnenweihe des Männergesangsvereins „Anakreon“ (KÖZ).

An der sonntäglichen Feier und am Umzug nahmen zahlreiche Gesangsvereine der Umgebung teil. Der Tag wurde von einem tragischen Ereignis überschattet. Ein Sangesfreund von „Anakreon“, der Zimmerer E. Stichling, WK-Teilnehmer und Träger des EK I kam  in der Nacht auf dem Festplatz an der „Katze“ ums Leben. Als er bei einer der Buden Wasser abliess, hatte  einer der Schausteller auf den vermeintlichen Dieb geschossen.  

 

  1. Juli Einzug der im Umlauf befindlichen Notgeldscheine (KÖZ).

 

  1. Juli Die Rathenauattentäter werden auf Burg Saaleck erschossen (KÖZ, H.W.Stein, Belau).

Die Freikorpsangehörigen Fischer und Kern (Marinebrigade Ehrhardt) flüchteten nach dem Attentat am 24. April von Berlin nach Hamburg von da aus nach Süden, Ziel München. Dabei  wurden sie vom Besitzer der Burg Saaleck dem Schriftsteller Dr. Hans Wilhelm Stein aufgenommen und seit dem 13. Juli hier versteckt. Stein begab sich nun selbst nach München, um  die weitere Flucht zu organisieren. Weil er sich beim Wirt der benachbarten Rudelsburg abgemeldet hatte, und dennoch im Ostturm Licht brannte, fiel die Anwesenheit auf.  Das Aufsehen, das das Attentat erregte, die öffentliche Fahndung und der Umstand, dass auch  Gäste die beiden Männer gesehen hatten, auf die die Beschreibung der Flüchtigen passte, wurde der Polizei gemeldet. Zunächst versuchten zwei Kriminalbeamte in die Burg zu kommen. Am Nachmittag traf eine Schutzstaffel der Polizei aus Naumburg ein und bei dem nachfolgenden  Schußwechsel wurden die Attentäter getötet. Das Ehepaar Dr. Stein, die am selben Abend  eintrafen,  wurden verhaftet. Ihnen wurde   Begünstigung  vorgeworfen und  H.-W. Stein zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. In einer Broschüre, die Stein in den 30iger Jahren veröffentlichte als er keine Strafe mehr zu befürchten hatte, erkärte er, die Attentäter wohl wissend hier bversteckt zu haben. Das Ereignis hatte die ganze Gegend in Aufregung versetzt und erregte erhebliches Aufsehen im In- und Ausland. In den  folgenden Wochen erlebte die Burg einen regelrechten Ansturm Neugieriger..

Stein (1876 bis 1944) geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus (Romane: Ahasver, Tiberius, Cäsarenwahn) wurde 1929 stand im Zusammenhang mit dem Attentat auf  Erzberger erneut vor   Gericht.

 

  1. Juli Beisetzung von Fischer und Kern auf dem Saalecker Friedhof (KÖZ).

Nach der Identifizierung wurden die Leichen zur Beisetzung freigegeben. Neben einigen Angehörigen nahmen ehemalige Mitglieder der Marinebrigade und Korps-Studenten aus Jena, Halle und Leipzig teil. Das schaulustige Publikum wurde von 20 Sipo-Einheiten vom Friedhof fern gehalten.

 

  1. Juli Ein Unwetter verursachte den Totalausfall der Strom- und Wasserversorgung.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 511,523).

Eingemeindet wurden die bereits fertiggestellten Häuser der Gartenstadt (Ehrenberg, Behrend, Wolf, Hollatz, Bauer und Jungnickel). Außerdem wurde 18.000 Mark zur Anschaffung von zwei Ziegenböcken für die  „Ziegenbockhaltungsgenossenschaft“ bewilligt.

 

  1. Sep. Schließung des Pädagogiums (BLK-A. Nr. 523, KÖZ).

Drei Jahre nach dem Erwerb musste Dr. Posseldt das Pädagogium schließen. Da die Stadt auf ihr Vorkaufsrecht verzichtete erwarb Käthe Kruse das Anwesen für die Puppenmanufaktur.  Das Ehepaar Posseldt blieb im Hinterhaus wohnen. Dr. Posseldt verstarb 1929.

 

  1. Okt. Die Bilder zur Nibelungensage werden auf der Rudelsburg vorgestellt (KÖZ).

Der Breslauer Maler Max Friese hatte diese in den Jahren 1916/1917 für ein Offizierskasino auf dem belgischen Truppenübungsplatz Beverloo gemalt. Nach dem Krieg waren es die Kontakte zum Saalecker  Architekten Graumüller, der zunächst die Bilder für den Saal des „Mutigen Ritters“ anbot, was der Besitzer wegen des Preises ablehnte. Dann erklärte sich Rittergutsbesitzer Oberst von Schönberg, bereit die 14 Ölgemälde für den Rittersaal der Rudelsburg anzukaufen. 1995 erschoien eine darüber eine Bröschüre.

 

  1. Okt. Provisorische Einrichtung der Wohlfahrtsküche im Haus Bahse (KÖZ).

Da die Kaiserin Viktoria Kinderheilstätte wieder als Kinderheilstätte diente, erhielten Kinder aus bedürftigen Familien und Sozialrentner  die sog. „Quäkerspeisung“  bis April 1923 im Badehaus. Als sich der Badebetrieb wieder erholte, übnernahm Adelheid v. Massenbach die Wohlfahrtsküche in  ihr haus in der Saalstraße 28.

 

  1. Nov. Zustimmungserklärung zur Umgemeindung (BLK-A. Nr. 511).

Die Eigentümer von Wohngrundstücken in der Saalstraße und den Saalbergen wurden zum Rathaus bestellt, um ihr Einverständnis zur Umgemeindung zu erklären. 

 

  1. Nov. Beschluss der Stadtverordneten zur „Höheren Knabenschule“ (MER C 48 II b 2028 II)

Als Ersatz für das Pädagigium sollte die siebenstufige Volkssschule um zwei gehobene Klassen erweitert werden. Der Unterricht sollten der Rektor  und ein befähigter Lehrer erteilen, dafür  zwei Junglehrer für die VS eingestellt werden.

 

  1. Dez. Pachtvertrag über den Sportplatz am Gradierwerk (BLK-A. Nr. 378).

Die Landesschule vertreten durch den Prokurator Reg.-Rat Dr. Ehrlicher verpachtete dem Verein für Bewegungsspiele „Rudelsburg e.V.“ das 1,5 Hektar große Gelände  am Rechenberg. Die Pacht für 1923 betrug (inflationsbedingt) 20.000 Mark. Danach galt für die 25 ar der Preis für einen  Zentner  Roggen und ab 1925  1,5 Zentner Roggen. Bedingung war die Einzäunung des Platzes und die Oberflächenentwässerung. Bei Pachtende sollte der Platz im derzeitigen  Zustand übergeben werden.   

 

  1. Dez. Beschluss des Vorstandes des Diakonissenhauses (Lazarus Freundesbrief 1991)

Der Diakonissenstation wurde die Übernahme des Hospizes angeboten. Der Kaufpreis betrug inflationsbedingt 100.000 Mark. Dazu kam die unentgeltliche Überlassung  einer Schwester für die Kirchengemeinde auf 50 Jahre. Der Kaufvertrag wurde am 31. 01 1923 in Naumburg unterschrieben.

 

  1. Dez. Die Stadt übergibt die Turnhalle dem Turnverein (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Bedingung war, dass die Halle auch weiterhin von der Volks- und der Berufsschule genutzt werden kann und kein Weiterverkauf erfolgt.

 

  1. Dez. Der Heyner-Verlag stellt die Bad Kösener Zeitung ein (Röblitz, Heimatbuch).

Seit 28 Jahren wurde das Amtsblatt  aus der Stadtkasse bezuschusst. Doch es gab nur noch 100 Abonnenten. Folgerichtig verweigerten die Stadtverordneten weitere Zuschüsse. Die amtlichen Bekanntmachungen erfolgten nun in einer Beilage des Naumburger Tageblatt, der „Bad Kösener Allgemeinen Zeitung“ (KÖ).

 

              Gründung einer Ortsgruppe der KPD (Kormann Heimatbuch 1954)

Initiator war der Lengefelder Hermann Firchau, der gemeinsam mit Richard Kanzler zunächst der Naumburger Ortsgruppe angehörte. Weitere Mitglieder waren der Graveur Max Bach und der Arbeiter Emil Kotlarsky.

 

  1. Kaiser (*1887 in Ilmenau, gest. 1950 Leipzig) : “Rudelsburg“ – Ölgemälde.

2010 wurde das Bild für 1.300 € im Internet angeboten.

 

1923

  1. Jan. Generaldirektor P. Kersten verstirbt im 75. Lebensjahr (KÖ, Sterbereg.).

Damit verlor die Stadt einen äußerst engagierten, in den letzten Jahren aber auch sehr starrköpfigen Mitbürger, der sich seit 40 Jahren neben seinem Unternehmen auch maßgeblich als Stadtverordneter (1889-1923) um die kommunalen Belange kümmerte, wenn er auch manchmal unkonventionell handelte und Teile der Einwohnerschaft, Bürgermeister und Stadtverordnete gegen sich aufbrachte und die Stadt in zwei sich heftig bekämpfende Lager spaltete. Die Leitung der Firma übernahm sein Sohn  Dr. Felix Kersten.

 

      Feb. Eigentümerwechsel (KÖ)

  1. Waldhausen verkauft das „Ritterbad“ an die Fa. Hennig & Co. KG und H. Rudolph erwarb das Grundstück Fr. Ebert-Str. 6.

 

  1. Feb. Öffentliche Auslegung eines Vorhabens der Portlandzementfabrik (KÖ).

Wegen der heftig kritisierten Rauchbelästigung der Kalk- und Ziegelbrennerei sollte eine Rauchabsaugungsanlage installiert werden.

 

  1. Mär. Für Werbeinserate werden 1.475.500 Mark bewilligt (St.-A. Nr. 434)

 

  1. Mär. S. Exzellenz Generalleutnant Stieler v. Heydekampf verstirbt im 83. Lebensjahr (KÖ).

Der Veteran der Schlachten von Langensalza, Wörth und Sedan, der persönlich bei der Kaiserkrönung im Spiegelsaal von Versailles dabei war, hatte im Jahr 1900 seinen Altersdomizil hierher verlegt und  betätigte sich als Stadtverordneter (1905 und 1909-1912) und Kreisdeputierter.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (KÖ).

Abgelehnt wurde die Kaufofferte der Löfflerschen Erben für das Wilhelmbad, zumal der Instandhaltungsbedarf inflationsbedingt auf 30 Mio. Mark beziffert wurde.

 

  1. Apr. Vertrag mit dem Städtischen Orchester Weißenfels (St.-A. Nr. 390)

Vereinbart wurden 60 Kurkonzerte vom Mai bis September für 5.232.600 Mark zuzüglich der Fahrkarten, zusammen 6.500.000 Mark

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523, KÖ).

In Anbetracht der  wirtschaftlichen Situation wurde beschlossen, den ortsansässigen verheirateten und arbeitslosen Festmietern, die Miete ab April  zu erstatten. Nachfolgend wurde die Erstattung rückwirkend ab Januar beschlossen. Eine Kommission sollte die Möglichkeiten von Arbeitsmaßnahmen im öffentlichen Bereich prüfen.

Die Kurtaxe betrug nun inflationsbedingt 20.000 Mark für die Hauptkarte bei einem Aufenthalt bis 10 Wochen, die 1. Beikarte 10.000 Mark, jede weitere 5.000 Mark, und wurde nun auch für  Dienstboten fällig. Einheimische zahlten 5.000 Mark. Für „valutastarke“ Ausländer galt ein Zuschlag von 50 %. Für die Kurmusik wurde der Vertrag mit dem Weißenfelser Kapellmeister Thiede bestätigt.

Weil inzwischen auch die höhere Töchterschule geschlossen war, sollten die Klassen ebenfalls der Volksschule angegliedert werden.

 

  1. Mai Einweihung der Käthe-Kruse-Puppenwerkstatt (KÖ).

Nach einigen Umbauarbeiten und die Einrichtung der verschiedenen Arbeitsbereiche erfolgte im ehemaligen Pädagogium die Serienproduktion des nun weltweit exportierenden Unternehmens. 

 

  1. Mai Zusammenschluss der Ortsgruppen von Mieterbund und Mieterverein (KÖ).

 

  1. Mai Erster Fest-Kommers des KSCV im neuen Saal des „Mutigen Ritters“.

 

  1. Mai Kreistagsbeschluss zur Umgemeindung (BLK-A. Nr. 511).

Insgesamt 69 Grundstücke weitere Fluren wurden dem Stadtbezirk angeschlossen.

 

  1. Mär. Der Konditor Seiffert richte für sein Cafè eine Freisitz ein (BLK-A. Nr. 890).

Trotz der ungünstigen Lage an der Unterführung und der hohen Frequenz von und zum Bahnhof  wurde die Konzession ohne Auflagen erteilt.

 

  1. Juni Werbeaktion (priv).

Das „Bad Kösen in Thüringen“ warb für das Bad mit vorzüglichen Gesundheitseinrichtungen, zahlreichen Veranstaltungen, niedrigen Preisen und einer gesunden Umgebung. 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (KÖ).

Der Preis für die Kurhauptkarte betrug nun 30.000 Mark. Erwerbslose Familien erhielten aus dem städtischen Haushalt einen Zuschuss von 10.000 Mark und für jedes Kind  2.000 Mark. Bei der Wahl des Nachfolgers für den ausgeschiedenen Bürgermeister Glöckner erhielt keiner der Bewerber die erforderliche  2/3 Mehrheit.

 

  1. Juni 34. Jahrestagung des „Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften“ (KÖ).

Geschätzte 3.000 Gäste nutzten die Tagung zur Diskussion und anschließenden geselligen Zusammensein im Kurhaus.

 

  1. Juni Todestag von Freifrau Margarethe von Danckelmann (Sterberg.)

Sie starb im Alter von 67 Jahren.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Beschlossen wurde die Übertragung der Planstraße C (Am Rechenberg 11-29) an die Baugenossenschaft „Eigenheim“,  unter der Maßgabe, dass die  Fahrbahn 4,5 Meter und beidseitig eine Fußweg von 1,5 Meter angelegt werden. Der Mietvertrag mit der Fa. Kornatzky & Klinge für die Räume in der Wurstfabrik wurde bis 1940 verlängert.

 

  1. Juli Gründung des Bundes der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörte auch die „Rudelsburggemeinde Kösen 1910“. Erster Führsteher des Bundes war der Besitzer von Burg Saaleck, der  Dichter Dr. Hans-Wilhelm Stein, der aber nach den Ereignissen mit den Rathenaumördern als Vorsteher nicht abgelöst wurde..

 

      Aug.  „Schutz dem Saaletal!“ von Prof. Schultze-Naumburg (NZ).

Schultze-Naumburg galt durch sein Hauptwerk „Kulturarbeit“ und der folgenden Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen als Experte auf diesem Gebiet. In dieser Eigenschaft veröffentlichte er eine Expertise zu den Plänen der „Kösen-Almricher Wasserkraftanlage“ anzufertigen.

Die waren  wegen der Differenzen mit dem Überlandwerk Camburg wieder aktuell. Doch die derzeitige Planung war schon fast utopisch.  Vorgesehen waren eine Staumauer von 2.6 Metern Höhe auf dem Wehrdamm und parallel zur kleinen Saale, entlang des Bahndammes  ein Trogkanal bis Almrich. Dort sollte eine Turbinenkraftwerk mit einer Leistung von 2900 PS installiert werden. Durch den Anstau müsste die Saale bis Unterneusulza eingedämmt werden,  um die Aue vor Überflutungen zu schützen. Der Trogkanal würde allerdings soviel Wasser abführen, dass die Saale zwischen Kösen und Almrich trocken fällt, mit   erheblichen Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel, während oberhalb des Dammes die dortigen Baulichkeiten dem Staudruck ausgesetzt sind. Dazu kämen die technischen Probleme an den  Kreuzungspunkten mit der Chaussee und der Bahn. Außerdem würden diese gewaltige Anlage  den Reiz des Saaletales vernichten und das Bad in Frage stellen.

 

  1. Aug. Erhöhung der Eintrittsgelder für die Kurkonzerte (St.-A. Nr. 390)

Um die von der Kapelle wegen des geringen Honorars angekündigte Einstellung abzuwenden wurden die Konzertkarte auf 50.000 Mark pro Besucher angehoben. Kinder und derer Aufsichtspersonen waren davon befreit. 

 

  1. Okt. Antrag des Buchhändlers Donath (BLK-A. Nr. 890).

Donath hatte den Verkaufsladen vor der Lindenstraße 1 gemietet. Allerdings war hier der Publikumsverkehr gering, daher wollte den Verkaufskiosk neben Laubmanns Laden auf der anderen Seite des Bahndammes zwischen dem Fußgänger- und dem Fahrtunnel aufstellen. Das wurde abgelehnt, ebenso der Antrag, den Kiosk an der Promenade aufzustellen.

 

  1. Okt. Eintragung der Wasserrechte der Mühle in das Wasserbuch (S. Roßner, 1932).

Im Wesentlichen wurden die Regelungen aus dem Rezess von 1811 bestätigt und dem  Grundstück zugeordnet.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK- A. Nr. 523,KÖ).

Auf dem Höhepunkt der Inflation belief sich der Fehlbetrag der Stadtkasse auf 36 Milliarden Mark. Für das 1. Quartal des kommenden Jahres wurde die Grundsteuer auf Basis 1922 um das Hundertfache erhöht.  Die Gebühr für die Befreiung vom Feuerlöschdienst betrug 25 Milliarden, das Schulgeld  für die Berufsschule 1 Milliarde. Der Kommunalarzt erhielt für die Monate Juli bis September eine Aufwandsentschädigung von 100 Milliarden Mark. Dagegen wurde als Pacht für die Webersche Wiese 1 Zentner Roggen für den Morgen und die Überlassung des Graswuchs vereinbart

 

     Nov.  Franz Tränkner  pachtet das Gasthaus „Zur Katze“(KÖ).

 

     Nov.  Die Drahtseilbahn am Kalkwerk wird abgebaut (KÖ).

Nach 40 Jahren verschwand dieses technische Meisterwerk einer ohne Fremdantrieb funktionierenden Seilbahn, nachdem sie bereits vor dem Krieg bei der Einstellung  der Kalkbrennerei und des Steinbruchs in der Freirodaer Flur außer Betrieb genommen war.

 

  1. Nov. Verurteilung des Kaufmanns A. Bachmann wegen Wuchers (KÖ).

Bachmann hatte für bestimmte Waren die Annahme des üblichen Papiergeldes verweigert und  „wertbeständiges Geld“, d. h. Goldmark verlangt, was ihm eine Anzeige und die  Verurteilung einbrachte.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523).

Die Einführung der Rentenmark beendete die Inflation, die Abgaben wurden neu berechnet. So betrug das Schulgeld für die gehobenen Klassen  2 Goldmark, die Hundesteuer für den 1. Hund 3 Goldmark, für den zweiten Hund 15 und jedem weiteren Hund 30 Goldmark. Für die Webersche Wiese blieb es bei der Naturalpacht.

 

      Dez. Abschluss der Umbauarbeiten zur  Erweiterung des Bahnhofsgebäudes (KÖ).

Damit war die Bahnverwaltung für den Ansturm der kommenden  Saison gerüstet. 

 

      Dez. Entdeckung im ehemaligen Borlachbad (KÖ).

Beim Umbau entdeckte man einen in der Wand eingelassenen Stein mit der Inschrift: „ Georg Hartig Floß Mstr. Anno 1726“. Damit konnte das Alter des Hauses und dessen Erbauer eindeutig identifiziert werden. Allerdings geriet dies recht bald wieder in Vergessenheit. 

 

1924

 

  1. Jan. 4. Nachtrag zum Ortsstatut (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Die Zahl der Stadtverordneten wurde auf 15 reduziert.

 

  1. Jan. Carl Eckleben verstirbt im 85. Lebensjahr (KÖ).

Eckleben war von 1880 bis 1900 Vorsteher des Postamtes, war langjähriger Stadtverordneter und ab 1919 Magistratsbeigeordneter. Ihm gehörte das Grundstück Lindenstr. 11, ehemals Rosenberger, wo zunächst auch die Kaiserliche Poststelle war. Sein Nachfolger R. Senger verstarb noch im gleichen Jahr.

 

  1. Jan. Urteil des OLG wegen Produktpiraterie von Käthe-Kruse Puppen (KÖ).

Untersagt wurde dem Kösener Puppenfabrikanten Schneider die Herstellung und der Vertrieb von Modellen, die den Käthe-Kruse Puppen ähnelten. Schneider der mit einem weiteren Puppenfabrikanten (Heine) zusammenarbeitete, meldete  ein Jahr später Konkurs an.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 890, 532, KÖ).

Der als Bürgermeister und Kurdirektor nominierte Hans Ciorek (Jg. 1894, bisher Gemeinde-Inspektor in Henningsdorf), der im 2. Wahlgang die erforderliche Mehrheit erhielt, erklärte die Annahme der Wahl. Beschlossen wurden die Eingemeindung der  Wohnhäuser Kukulauer Straße 1 und 2, die  Verpachtung der Schankwirtschaft am Gradierwerk an den Konditor Salzmann und der Errichtung einer Verkaufshalle gegenüber vom Bahnhof für E. Ulrich. Wegen der zahlreichen Anträge auf Aufstellung von Verkaufshäuschen entlang der Promenade wurde entschieden, dass es zwischen dem Schwanenteich und dem Hotel Apel prinzipiell nicht zugelassen wird, von Apel  bis Seiffert im Ausnahmefall und nur,  wenn damit der Charakter einer Kolonade gewahrt würde. 

 

  1. Mär. Namensänderung der Fa. Mitteldeutsche Matratzenfabrik Kornatzki u. Klinge (KÖ).

Diese firmierte nun als Dreika-Werk Kornatzki und Klinge.

 

  1. Mär. Todestag der Reichsgräfin Maria von Matuschka (Sterbereg).

Die geborene Gräfin Breßler starb hier im Alter von 95 Jahren.

 

  1. Mär. Prof. Max Kruse erhält die Ehrenbürgerwürde (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Man ehrte Kruse, der sich selbst eigentlich nur selten hier aufhielt und nur durch seine Frau Käthe und seine Kinder präsent war anläßlich seines 70. Geburtstages wohl wegen der überregionalen Bekanntheit des Namens.

 

  1. Apr. Vertrag mit dem Musiker Max Kaufmann (St.-A. Nr. 390)

Kaufmann der in der Burgstraße 8 wohnte, sollte vom 1. Mai bis 30. September täglich Kurmusik und am Sonntag zusätzlich eine Frühmusik an der Davisonhalle geben. Dafür wurden monatlich 1.440 Mark für insgesamt 16 Musiker vereinbart. Darüber hinaus durfte die Kapelle in verschiedenen Restaurationen „Garten-Konzerte“ geben.  Bereits Mitte September wurden die Konzerte eingestellt und dem Dirigenten der freiwillige Rücktritt vom Vertrag nahe gelegt.  

 

  1. Mai Einführung des Bürgermeisters Hans Ciorek (Röblitz, Heimatbuch 1930).

 

  1. Mai Stadtverordnetenwahl (KÖ).

Um die 15 Sitze bewarben sich 73 Kandidaten auf 7 Listenvereinigungen: der Verein für städtische Interessen, der Wahlvorschlag Krüger, der Mieterverein, der Wahlvorschlag Handel, Gewerbe, Industrie, der Werktätige Mittelstandsblock,  der Völkisch-Soziale Block und der Wirtschaftliche Interessenverein. Beim  Wahlkampf wurde heftig polemisiert, zumeist mit parteilichen und persönlichen Befindlichkeiten. 

Der Mieterverein erhielt mit 447 die meisten Stimmen und bekam 4 Sitze. Es folgte die Handels- und Gewerbeliste mit 3 Sitzen, die übrigen vier Listenvereinigungen erhielten je 2 Sitze.

Vorsitzender des Vereins war  Max Bach (geb. 1885 in Leipzig, seit 1921 verheiratet mit der Kösenerin Hedwig Gundermann). Bach hatte in der Saalstraße 23 eine Gravier-Werkstatt.  Trotz KPD-Mitgliedschaft lehnte er die Übernahme des Sowjetkommunismus ab. Er wurde bei der konstituierenden Sitzung zum Vorsitzenden des Wohlfahrtausschusses gewählt (Belau 2004).

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Den Hauswirten Seiffarth und Beyer wurde die Auffüllung und gärtnerische Nutzung des Streifens vor ihren Häusern an der Kukulauer Straße gestattet und der Verkauf des Musikpavillons im unteren Park auf Abbruch beschlossen..

 

  1. Mai Die Stadt kauft die Webersche Wiese (KÖ).

Nach der Stabilisierung der Wirtschaft nahm die Nachfrage nach Badekuren immer mehr zu. Doch die verbliebenen Badeanstalten konnten die Nachfrage nicht decken. Die Stadt war im Zugzwang, wollte man nicht  das Bad aufgeben. Da es an Privatkapital und entsprechender Risikobereitschaft fehlte, wurde die Einrichtung einer öffentlichen Badeanstalt erwogen, möglichst in der Nähe der Solequellen, des Kurmittelhauses und des Bahnhofs. Die Herrenwiese hatte der Gastwirt Weber einst im Tausch gegen den unteren Teil der Lindenstraße erhalten und bisher der Stadt verpachtet. Die Stadt zahlte 45.000 Mark.

 

  1. Mai Genehmigung des Reklamepoststempels (St.-A. Nr. 434)

Die Deutsche Reichs-Postreklame GmbH berechnete dafür 475 Mark. Neben dem amtlichen Poststempel wurde der Reklamestempel (Inhalatorium – Pneumatische Kammern) ca. 10 Jahre lang verwendet.

 

  1. Mai Stand der städtischen Schule (MER C 48 II b 2028 II)

Nach der Eingliederung der höheren Schulen gab es folgende Klassen: 1. Schuljahr mit 36 Kindern und 16 Schulstunden/Woche; 2. Schuljahr: 27 Kinder, 18 Stunden; 3. Schuljahr: 45 Kinder, 23 Stunden; 4. Schuljahr: 49 Kinder, 27 Stunden; 5. Schuljahr 24 Kinder, 28 Stunden; 6. Schuljahr: 28 Kinder,30 Stunden; 7. u. 8. Schuljahr: 38 Kinder, 30 Stunden; gehobenene Klassen 5/6: 52 Kinder, 28 Stunden; 7/8: 24 Kinder , 29 Stunden, insgesamt 323 Schüler . Zu Lehrerkollegium gehörten der Rektor, der Konrektor, 5 Lehrer, 1 Lehrerin, 1 Hilfslehrerin.

 

  1. Mai Einweihung des Gefallenendenkmals im Hindenburgpark (KÖ).

Das Mahnmal wurde vom Steinmetz Rottig aus Freyburg nach dem Entwurf des Architekten Pfisterer ausgeführt. Am Festakt nahm fast die gesamte Einwohnerschaft teil.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523, KÖ).

650 Mark wurden für die Einrichtung zweier Arrestzellen im Rathaus neben der Polizeiwache, anstelle der Arrestzelle unter der Außentreppe der Stadtschule bereitgestellt, 200 Mark Aufwandsentschädigung für einen Schularzt und eine 3 Lehrerstelle für die höheren Klassen bewilligt. Bestätigt wurde die Konzession  der  Fa. Kurth aus Leipzig für eine Autobuslinie von Saaleck nach Naumburg..

 

  1. Juli Eröffnung der Omnibuslinie (KÖ).

Für den Fahrbetrieb wurden „luftbereifte“ Benz-Niederwagen mit 27 Plätzen eingesetzt, die in der ehemaligen Wurstfabrik untergestellt waren. Als der Privatunternehmer aufgab, übernahm die Stadt zum 1. Oktober den Betrieb in eigene Regie.

 

      Juli  Vorstellung einer Entwicklungskonzeption für das Kurbad  (KÖ).

Bürgermeister Ciorek und Reg.-Baurat Menge informierten den Magistrat, die Stadtverordneten und die Ärzteschaft über den geplanten Bau einer Solebadeanstalt im Kurpark, die mit einer  Arkade mit dem Kurmittelhaus verbunden werden sollte. Anschließend sollte anstelle der Fähre eine Fußgängerbrücke den unteren mit dem oberen Park verbinden. Östlich vom Gradierwerk sollten ein Hotel und großzügige Sportanlagen entsstehen. Damit sollte das Bad wieder in  erste Reihe der deutschen Kurorte kommen. Die Stadtverordneten bewilligten die Mittel für die Projektierung.

 

      Juli  Besitzerwechsel im Lindenhof (KÖ)

  1. Pfleger, bisher Wirt der Saalhäuser übernahm die Gaststätte, die er wegen des Kinosaales „Palast-Restaurant“ nannte. Ein Jahr später kam das Lokal in den Besitz der Witwe Wallrodt, und hieß nun Lindenhof-Lichtspiele im Unterschied zu den Kurgarten-Lichtspielen.  

 

  1. Juli Erste Kösener Sportwoche (KÖ).

Die  Wettkämpfe und Vorführungen wie Turnen, Schwimmen, Fußball, Leichtathletik, Hockey, Judo  und Boxen sowie die Veranstaltungen an den Abenden  zogen zahlreiche Gäste an.  In den folgenden Jahren entwickelte sich die Sportwoche zu einem Ereignis mit überregionaler  Bedeutung.

 

  1. Juli Angebot der Fa. Buckan-Film aus Leipzig (St.-A).

Der Stadt wurde das Manuskript für einen Werbefilm vorgestellt. Für die Finanzierung sollten ortsansässige Unternehmen gewonnen werden, die dies aber ablehnten, und der Film kam nicht zustande.   

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 615)

Erwerbslose, die zur Gemeindearbeit herangezogen wurden, erhielten pro Arbeitsstunde 3 Pfg. Kleidergeld und 2 Pfg. für die Abnutzung der mitzubringenden Werkzeuge (Kurz danach forderten diese die lohnmäßige Gleichstellung mit den ständig beschäftigten Gemeindearbeitern).

Bewilligt wurde ein Zuschuss zum Lichtgeld von 15 Pfg./Woche für verheiratete und 10 Pfg. für unverheiratete Erwerbslose.

 

  1. Aug. Neuregelung der Pacht des Sportplatzes (BLK-A. Nr. 378)

Die Landesschule verlangt 100 Goldmark Jahrespacht, was die Möglichkeiten des  VfB „Rudelsburg“  überstieg.  Die Stadt erklärte sich bereit, den Platz wieder zu übernehmen.  

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 615)

Zur Verbesserung von Sicherheit und Ordnung wurde die Einstellung von zwei polizeilich ausgebildeten Wachtmeistern beschlossen. Damit waren nun zwei Beamte (Marks, Schneider) im Innendienst und drei Wachtmeister und ein Nachtwächter im Außendienst angestellt.

 

  1. Okt. Vereinbarung über die Eröffnung eines Lebensmittelladens in Lengefeld.

Zwischen der  Portland Zementfabrik und der Konsumgenossenschaft kam der Vertrag zustande, mißtrauisch beobachtet von den Kösener Einzelhändlern, wobei hier nur Genossenschaftsmitglieder einkaufen durften.

 

      Okt.  Werbung für den ganzjährigen Badebetrieb (KÖ).

Das Kurmittelhaus blieb weiterhin geöffnet. Weitere Angebote waren eine Rodelbahn am Kukulauer Berg, eine Kunsteisbahn auf der Parkwiese und Skiloipen. Die Badeanstalten  Friedrichsbad, Kurbad, Rheingold und Bahse öffneten dreimal in der Woche und etliche Hauswirte statteten ihre Fremdenzimmer mit Öfen aus. Zur Unterhaltung fanden wöchentlich 2 Kurkonzerte im Kurmittelhaus und einmal wöchentlich eine  Rèunion statt, was ziemlich mutig war, denn man war auf auswärtige Klangkörper angewiesen.

 

  1. Okt. Baugenehmigung für die erste Tankstelle (BLK-A. Nr. 523).

 

  1. Nov. Die Stadt kauft das Knoblauch`sche Grundstück Berbigstr. 18 (BLK-A. Nr. 615)

 

  1. Nov. Weihe des neuen Glocken der Lutherkirche (KÖ).

Die Glocken wurden in der Gießerei Gebrüder Schilling in Apolda hergestellt und kosteten 6.000 Mark, die zum größten Teil durch Spenden aufgebracht wurden.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK A. Nr. 523)

Unter der Maßgabe eines Baudarlehens zu erträglichen Bedingungen und rentierlicher Strompreise sollte die Fa. Siemens & Schuckert mit der Planung und dem Bau eines Wasserkraftwerkes beauftragt werden. 

 

  1. Dez. Außerordentliche Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 523, KÖ).

Mit 9 zu 5 Stimmen beschloss die Versammlung die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 700.000 Mark bei einer amerikanischen Bank, den die AEG vermittelt hatte. Davon waren gedacht; 400.000 Mark für das E-Werk, 75.000 Mark für den Landankauf, 10.000 Mark für den Ausbau von Wohnungen in der Wurstfabrik, 20.000 Mark für Verkaufshäuschern und öffentliche Toiletten, 30.000 Mark für die Erweiterung des städtischen Omnibusverkehrs, 30.000 Mark für den Straßenbau, 50.000 Mark als Darlehen für Hausbesitzer, 10.000 Mark für die Planung der Badeanstalt und 50.000 Mark für sonstige Verbesserungen der städtischen Infrastruktur.  Allerdings war das Angebot  alles andere als seriös. Der Zinssatz betrug 7 %, zur Auszahlung sollten 85% kommen.

 

      Dez. Verbesserungen der Infrastruktur des Solbades (KÖ).

Der Konditor Schoppe hatte sein Cafè mit einer Veranda und  einen Wintergarten erweitert.    In Seiffert`s Cafè und  Apels Hotel waren die Gasträume umfassend renoviert. Neben dem Bahnhof wurde eine „Milchhalle“  (St.-A.) errichtet und die Seifenhandlung erweitert (Nach dem Konkurs des Kaufmanns übernahm die Stadt den Anbau am Rathaus) und eine deutsch-amerikanische Petroleumgesellschaft beabsichtigte den Bau einer Tankstelle. Zur Beseitigung der Wohnungsnot erwarb die Stadt ein Grundstück neben der Wurstfabrik zur Bebauung. Außerdem sollte für Werbezwecke auf dem Gradierwerk eine Leuchtschrift mit dem Stadtnamen installiert werden.

Die Einwohnerzahl betrug 3.308. Es gab 62 Geburten und 46 Sterbefälle.

 

1925

 

  1. Jan. 25-jähriges Geschäftsjubiläum im „Kurgarten“ (KÖ).

Nach dem Tod des Gastwirts Schwarze sen. war auch der Sohn im Krieg gefallen und die Witwe und ihre Tochter hatten die Restauration weitergeführt. Ärger gab es dagegen mit dem Nachbarn Karl Kotte, der im ehemaligen Heunschen Badehaus seine Zimmerei eingerichtet hatte.  Wegen der davon ausgehenden Belästigungen wurde angefragt, ob denn eine ordnungsgemäße baupolizeiliche Genehmigung vorliegt (BLK-A. Nr. 615). 

 

  1. Jan. Antrag auf Beendigung der Winterkuren (BLK-A. Nr. 615)

Der Versuch war ein Fehlschlag, die Kosten waren hoch und die erhoffte Nachfrage war ausgeblieben.

 

  1. Feb. Werbeabend der Ordensgemeinschaft Jungdeutscher Schwesternschaften (BLK-A. 615)

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 615).

Beschlossen wurde die Anschaffung eines zweiten Autobusses und die Novellierung der Kurtaxordnung. Demnach wurde  Kurtaxe bei mehr als zwei Übernachtungen oder zwei vollen Tagen Aufenthalt, einschließlich dem Tag der An- und Abreise erhoben. Sie betrug 8 Mark bei einem Aufenthalt von 1 bis 8 Tagen, 15 Mark bei 9 bis 15 Tagen und 20 Mark über 16 Tage und galt für die Monate Juni bis August.  In einer darauf folgenden Sitzungen wurde die Kurtaxe reduziert und der der übrigen thüringischen Bäder angepasst.

Bekanntgegeben wurde auch eine Mitteilung des AG Apolda. Demnach war der Stadtverordneten Ernst Kotlarsky, der in Apolda als Stricker arbeitete, wegen  Diebstahls zu zwei Wochen Haft, ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt worden. Einige Stadtverordnete sahen darin das Ansehen der Versammlung beschädigt und verlangten  die Entfernung Kotlarskys bzw. drohten die Niederlegung ihres Amtes an.  

 

     Mär. Gründung einer Ortsgruppe der NSDAP (KÖ).

Der örtliche Unterverein der „Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung“ trat der NSDAP bei, doch die Ortsgruppe löste sich 1927 wieder auf.

 

  1. Mär. Verpachtung der Tennisplätze am Gradierwerk (BLK-A. Nr. 378, 523).

Anstelle einer Pacht wurde vereinbart, dass der Verein die Hälfte der Einnahmen von Gastspielern der Stadt überlässt. Wurde die Summe nicht erreicht, musste der Verein die Differenz ausgleichen, ein wirksamer Anreiz, den Platz möglichst oft zu vermieten.  Beschlossen wurde auch die Bepflanzung des ehemaligen Brunnens vor der Schäferei.

 

  1. Apr. 2. Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl (KÖ).

1.656 Wahlberechtigte stimmten für Hindenburg, 129 für Thälmann.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 615)

Dem Kaufmann Max Köhler wurde gestattet, seinen Laden zwischen dem Rathaus und der Drogerie (Lindenstr. 8) aufstocken und hier seine Wohnung einrichten, unter der Bedingung, dass der Anbau in den Besitz der Stadt übergeht und Köhler hier ein lebenslanges Wohnrecht bei Aufrechnung der Kapitalkosten mit der Miete erhält . Bekannt gegeben wurde dass ein anonymer Spender ein Schwanenpaar gestiftet habe.  

 

  1. Mai 36. Stiftungsfest des Kriegervereins Kronprinz Friedrich Wilhelm (BLK-A. Nr. 615)

 

      Mai  Bewerbung für das Reichsehrenmal (KÖ).

Der Reichskunstwart hatte die Errichtung eines zentralen Ehrenmals für die Gefallenen des Krieges angeregt und um Vorschläge gebeten. Hier sah man den Käppelberg wegen der guten Lage an der Bahnstrecke als geeigneten Standort an und Prof. Schulze-Naumburg entwarf eine  wie ein Amphitheater angelegtes Denkmal mit einem weithin sichtbaren Obelisken.

 

  1. Mai Sonntäglicher Besucheransturm (KÖ).

Die Feuerwehr feierte mit zahlreichen Gästen ihr 40. Stiftungsfest. Im „Mutigen Ritter“ trafen sich 1.000 Angehörige der „Akademischen Turnerschaften“. Zahlreiche Besucher kamen mit  Bahn, Bus, Auto, Motorrad und Fahrrad. Die Schutzpolizei war mit der Verkehrsregelung und der Einhaltung der Parkordnung völlig  überfordert. 

Am darauf folgenden Pfingstwochenende trafen sich 1.500 Vertreter von 118 Corps zum Senioren Convent. Eine Woche darauf brachten drei Sonderzüge 1.500 Besucher aus Magdeburg, Berlin und Sangerhausen. Erstmals öffnete  das „Strandlokal“ an der „Katze“ seine Pforten.

 

  1. Juni Antrag zur Anpachtung der Lehmgrube am Jackenberg (BLK-A. Nr. 890).

Das wurde abgekehnt, weil diese dem Ökonom Strzoda verpachtet sei, weil der die städtischen Sinkgruben entleeren und den Inhalt dort  lagern würde.

 

  1. Juli Pfarrer Ernst Johannes Diederichs tritt nach 33 Dienstjahren in den Ruhestand (KÖ).

Gegen den vom Oberkirchentrat der Gemeinde zugewiesenen Pfarrer  Lorenz Bertheau, der aus Posen ausgewiesen war, protestierten einige Gemeindemitglieder. Bertheau brachte es dann auf 38 Dienstjahre. Kurz nach seinem Amtsantritt  erschien der erste Gemeindebrief. 

 

  1. Juli Nationales Reit- und Fahrturnier (KÖZ, St.-A. Nr. 221).

Im Rahmen der II. Kösener Sportwoche vom 19. bis 26. Juli  fand diese überregional bedeutsame Veranstaltung satt. Daneben gab es zahlreiche weitere Veranstaltungen wie Schieß-, Lauf und Schwimmwettbewerbe, Kraftfahrzeug-Geschicklichkeitsrennen, Boxkämpfe, Hunde- und Modeschau. Zur Festwoche gehörte auch das Wasserfest.

 

     Sep. Einführung der Säuretherapie nach Dr. v. Kapff  (KÖ).

 

  1. Sep. Presseartikel „50 Jahre Wilhelmsburg“ (KÖ).

Das einstige Vereinslokal des „älteren“ Kriegervereins war bislang an Wolf, Andrae, Völkel und zuletzt Bartel verpachtet worden. Bartels Witwe kaufte dann dem Verein die Burg ab. Nach ihrem Tod wechselten die Besitzer des beliebten Ausflugslokals (Seidig, Kämpfe,  Schütze) und gehörte seit 1920 Paul Schubert.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 615, KÖ).

Der Magistrat wurde zum Abschluss eines Vertrages mit der Deutschen Continental Gasgesellschaft Dessau ermächtigt. Diese verpflichtete sich, binnen eines Jahres im gesamten Stadtgebiet die Leitungen zu verlegen und alle Interessenten anzuschließen. Dazu durfte der öffentliche Verkehrsraum genutzt werden. Die Konzession wurde für 40 Jahre erteilt, wobei es dem Lieferanten überlassen war, das Gas vor Ort zu erzeugen oder per  Fernleitung zu liefern.

Unmittelbar nach Vertragsabschluss begannen die Verlegung der Rohre. Gleichzeitg wurde eine Fernleitung vom Gaswerk Sulza verlegt. Für die 8 km lange Trasse benötigte man 6 Monate, wobei vier Mal  die Saale gekreuzt wurde.

 

  1. Sep. Ehrenausschuss für das Reichsehrenmal auf dem Käppelberg (BLK-A. Nr. 615)

Der Magistrat suchte die Unterstützung namhafter Personen, um dem Antrag das nötige Gewicht zu verleihen. In Frage kamen der OB von Naumburg, der Stadtbaudirektor Hoßfeld, der Rektor der Landesschule, der Landrat und der Regierungspräsident, die Professoren Schulze-Naumburg und Kruse, die Freiherren v. Feilitzsch, v. Wilmowski und Helldorf, Graf v. d. Schulenburg und Oberst v. Schönberg.

 

  1. Okt. Schreiben des Regierungspräsidenten an den Magistrat (KÖ).

Dieser lehnte nicht nur seine Mitgliedschaft im Ausschuss für die Errichtung des Reichsehrenmals ab, sondern verwarf auch den vorgeschlagenen Platz. Einmal wäre der Höhenrücken viel zu niedrig und außerdem würde die  ländliche Umgebung zerstört. Außerdem würden die Bahn und die Ausflügler einem Ort des stillen Gedenkens abträglich sein.

Doch gerade das hatte P. Schulze-Naumburg bei der Erläuterung seines Entwurfs hervorgehoben und konnte sich dabei auf den Naumburger Stadtbaurates Hoßfeld berufen. 

 

  1. Okt. Generalfeldmarschall P. v. Hindenburg empfängt den Ehrenbürgerbrief (KÖ).

Bereits im Mai bei seiner Einführung in das Reichspräsidentenamt hatte die Stadtverordneten-versammlung die Verleihung beschlossen. Hindenburgs selbst war öfter in Kösen, denn hier wohnten die Eltern seiner Ehefrau.

Der Reichspräsident nahm hier an der Beisetzung seiner Schwägerin im Familienbegräbnis der Familie v. Sperling teil. Frau  v. Manstein geb. von Sperling, wie Hindenburgs Ehefrau eine  Tochter des Gen.-Majors Oskar v. Sperling hatte. Da die Ehe der Mansteins kinderlos blieb, hatten sie einen Sohn einer weiteren Tochter Oskar v. Sperlings, die mit dem General v. Lewinski verheiratet war, adoptiert. Erich, der den Namen von Manstein annahm und ebenfalls der Beisetzung beiwohnte, schlug ebenfalls die militärische Laufbahn ein und wurde im 2. WK zum Generalfeldmarschall befördert. Die Grabstätte  Sperling/Manstein befindet sich im oberen Teil des Friedhofes und wurde nach der Wende mit einer neuen Grabplatte versehen. Hindenburg  selbst wollte hier beerdigt werden. Die für ihn reservierte Grabstätte  erhielt 1935 einen  Gedenkstein, der ebenfalls die Zeit überdauerte.

 

  1. Nov. Schmiedemeister Kathe ersteigert das Grundstück Uferstraße 2 für 10.100 Mark (KÖ).

 

  1. Dez. Anschaffung eines zweiten Kraftomnibusses (BLK-A. Nr. 615)

 

  1. Dez. Konstituierende Sitzung des neu gewählten Kreistages (KÖ).

Neben dem Bürgermeister Ciorek, Bad Kösener Stadtliste, kamen über die Stadt-und Landliste E. Blumentritt, Otto Gibhardt, Max Schuster und Direktor Dr. Felix Kersten und für die Kommunistische Partei Max Bach (bis 1928) und der Lengefelder H. Firchau in den Kreistag.

 

      Dez. Rohbaufertigstellung des Mehrfamilienhauses Burgstraße 22/24 (KÖ).

Durch die allgemeine Wohnungsnot(selbst das Umkleidekabine des Wellenbades war vermietet) bedingt durch die Vermietung an Badegäste und dem Druck  der sozialdemokratischen Stadtverordneten und des Mietervereins kam der Neubau zustande, trotz finanzieller Engpässe. Erst im Oktober wurde eine Anleihe von 22.000 GM beschlossen.

 

            Gründung des Kleingartenvereins „Schäferfeld“ (KÖ 1934)

Die Pächter der Parzellen zwischen Bahndamm und Saale, die die Landesschule 1919 auf Anordnung der Regierung bereitstellte, schlossen sich zu einem Verein zusammen und wählten Bobach sen. zum ersten Vorsitzenden.

 

Gründung der Ortsgruppe des Rotfrontkämpferbundes (Born 1959/NKZ 1988).

Die Gruppe hatte rund 40 Mitglieder, darunter auch Parteilose. Die Fahne wurde beim Reichstreffen des RFB von Thälmann geweiht und in der Nazizeit von einer Frau Voigt aus der Saalstraße versteckt. Sie wurde am 1. Mai 1946 erstmals wieder gehisst und dann dem Museum übergeben.

 

            Statistische Jahresmeldung (KÖ).

Die Einwohnerzahl betrug 3.468, davon 3.380 evangelisch. 204 katholisch und 8 „Dissidenten“. 61 Geburten und 14 Trauungen wurden registriert. Erstmals überstieg die  Besucherzahl den Vorkriegsstand um 12%. Im Kurmittelhaus wurde der Grundstock einer Volksbibliothek gelegt.

Nach dem  Wohn-und Geschäftshandbuch 1924/25 gehörten zur Stadtverwaltung: Allgem. Verwaltung, Badeverwaltung, Kämmerei, Wohnungsamt und Mieteinigungsamt, Standesamt, Fleischschauamt und Schiedsamt. Zur Reichsverwaltung gehörten das Postamt (Postdirektor Volley) mit 25 Bediensteten, die Eisenbahndirektion  mit 31 und die Bahnmeisterei mit 5 Bediensteten.  

 

1926

 

  1. Jan. Inbetriebnahme der ersten Tanksäule (Sta.-A.).

Die gehörte Karl Niedergesäß an der Ecke  Naumburger-Käthe Kruse Straße.

 

  1. Jan Pflasterung des Gehweges vor den Häusern Lindenstraße 22 bis 25 (BLK-A. Nr. 6159

 

  1. Jan. Öffentliche Bekanntmachung des Bezirksausschusses Merseburg (KÖ).

Das betraf den Antrag der Stadtgemeinde auf die Erweiterung der Wasserechte für das geplante Wasserkraftwerk. 

 

  1. Jan. Bewertung des Kurmittelhauses durch Hofzimmermeister Toepfer (St.-A. Nr. 709)

Den Friedenswert bezifferte er auf  188.700 Mark für den baulichen Teil und 91,300 Mark für den technischen Teil. 80% Teuerungszuschlag und 19.000 Mark für Grund und Boden insgesamt 519.000 Mark

 

  1. Jan. Gründung des Verkehrsverein Kösen e.V.(KÖ).

Auf Anregung des Bürgermeisters sollten aus Mitgliedsbeiträgen die Bewerbung des Bades finanziert werden. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten der Ärzteverein, der Verband der Fremdenheimbesitzer, der Gastwirtsverband, der Mieterverein, die Rudelsburggemeinde und der Schutzverband der Einzelhändler.

 

      Mär. Besitzerwechsel des Grundstücks Friedrich Ebert Str. 17 (KÖ).

Mühlenbesitzer und Kapitän a. D. Reinhold  Schmidt erwarb die Villa aus der Konkursmasse der  Puppenfabrik von G. Heine. Schmidt`s Bruder Johannes Georg Schmidt war Sächsischer Gesandter und bevollmächtigter  Minister.

 

  1. Mär. Ausgabe einer neuen Broschüre  „Führer durch das Bad Kösen“ (KÖ).

Rechtzeitig zur Saison erschien das Werbeprospekt in einer Auflage von 10.000 Stück. Die Veröffentlichung einer privaten Werbeanzeige kostete 3 Mark.

 

  1. Apr. Konkurs der Hennig KG, Betreiber des „Kurbades“ (KÖ).

 

  1. Apr. Vertrauliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454)

Hauptpunkt war der Bau der Badeeanstalt. Der Bauplatz war inzwischen erworben, die Genehmigung, um im Überflutungsgebiet der Saale zu bauen, wurde mit Auflagen erteilt und für die Finanzierung wurde die eine Anleihe von 300.000 Mark bei der Norddeutschen Grundkreditbank Weimar beschlossen. Zur Auszahlung kamen 89,5 %, bei 8 % Zinsen, 1% Tilgung und 0,75% Bearbeitungsgebühren. Problematisch war die Soleversorgung, weil inzwischen der Hufelandsprudel erhebliche Verunreinigungen durch die Korrosion der eisernen Verrohrung aufwies. Daher sollten neue  Rohre eingezogen und möglichst auch die Beyschlagbohrung wieder freigelegt werden. (St.-A. Nr. 411).

Als zweiter Punkt wurde die Einrichtung eines neuen Spritzenraumes in der Wurstfabrik beschlossen, wofür ein weiteres zinsloses Darlehen von 32.000 Mark erforderlich war.

 

  1. Apr. Die Witwe Bärmig kauft die Villa „Eschstruth“ (KÖ).

 

      Apr. Präsentation der heimatkundlichen Sammlung im Kurmittelhaus (KÖ).

Für die von Röblitz zusammen getragene Sammlung war im Rathaus kein Platz. Im Dachboden vom Kurmittelhaus hatte dann der Konrektor Hinsche neben prähistorischen Fossilien,  alte Bibeln, Gesangs- und Gebetsbücher, Gesetzsammlungen, Kreisblättern, mittelalterliche Waffen, Haushaltsgeräte u.a. ausgestellt, wobei die wenigsten einen direkten Bezug zur Stadt hatten, außer einigen Ansichten und einem (vorloren gegangenen) Porträt der Ferdinande von Schmettau.

 

  1. Apr. Inbetriebnahme des Stadtgasnetzes (KÖ).

Nur ein halbes Jahr nach dem Vertragsabschluss wurde die Fernleitung gefüllt. Das Ereignis wurde mit einem Festmahl im „Mutigen Ritter“ begangen. Straßenzugweise erfolgte der Anschluss aller 500 Wohn-und Geschäftshäuser. Dazu richtete die Bezirksinspektion ein Informationsbüro im „Kurkasino“ (Lindenstraße 5) ein.

 

  1. Mai Einführung der „Bad Kösener Mittelstandskuren“ (KÖ).

Ein preiswertes Angebot sollte die Mittelschichten für einen Kuraufenthalt animieren um den Rückgang an klassischen Badekuren zu kompensieren.

 

      Juni Schumann verkauft die Saalhäuser der Staatlichen Weinbauverwaltung (KÖ).

Weil die Weinberge der 1899 gegründeten Weinbauverwaltung Naumburg gehörten, die hier ein Mustergut betrieb, erwartete man dass das Ausflugslokal weiterhin betrieben würde. Als bekannt wurde, dass  die Regierung in Merseburg die Bewirtschaftung einem Verein verpachten wollte, der hier nur Most und Limonade verabreichen wollte, protestierten zahlreiche Bürger naumburgs und Kösens.

 

  1. Juni Friseurmeister Schauer eröffnet einen Damen-Salons am Bahnhof (KÖZ).

 

  1. Juli Reit- und Fahrturnier (BLK-A. Nr. 454).

Neben den Jagdspringen für Dienstpferde des Heeres und der Polizei, Reit- und Gewandheitsprüfungene, gab es Eignungsprüfungen für Ein- und Mehrspänner, Reitpferde, Wagenpferde  und Ackergespanne.

 

      Juli  Heimatfestspiele auf der Rudelsburg (KÖ).

Zur Aufführung kam das Schauspiel „Die letzten Rudelsburger“, eine  Bearbeitung vom Postdirektor Volley nach dem gleichnamigen Roman von Paul Schreckenbach. Die vom Architekten Graumüller entworfenen Bühne stand im Burghof. Die Aufführung der Laienschauspieler fand einen so starken Anklang, dass sie einige Mal wiederholt wurde.

 

     Juli Die „Borlachkastanie“ in der Lindenstraße fällt einem Sturm zum Opfer (KÖ).

Unrichtig war die Anmerkung, dass der Bergrat den Baum noch selbst gepflanzt hatte, denn den Platz wo er stand, hatte der Verschönerungsverein nach 1870 angelegt und auch den Baum gepflanzt. Ein Jahr später wurde wieder eine Kastanie gepflanzt, die  1998 einging.

 

  1. Aug. 3. Gaujugendtag der Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes (Belau, KÖ).

Rund 1.200 Teilnehmer aus Thüringen und den Provinzen Sachsen und Anhalt wurden auf der  Rudelsburg vom Rittergutsbesitzer Schönberg begrüßt. Zur Abendveranstaltung in der „Katze“ erschien Admiral Scheer, der Flottenführer der Skagerrak-Schlacht als Ehrengast. Das zog auch zahlreiche Kösener und Naumburger Einwohner an. Am Sonntag fanden sportliche Wettkämpfe, ein Fackelzug und ein Gottesdienst auf der Rudelsburg statt.

 

  1. Aug. Mühlenbesitzer Paul Roßner verstirbt (KÖ, Roßner 1932)

Sein Sohn und Nachfolger Ernst bildet aus der oHG eine Kommanditgesellschaft.

 

  1. Aug. Grundsteinlegung für die Medizinische Badeanstalt (KÖ, St.-A. Nr. 349).

Als die Anleihe  genehmigt war, wurden die Stadtverordneten einberufen, die dann den Bau nach dem Entwurf des Reg.- Baumeisters Menge, Berlin- Wilmersdorf  beschlossen.  In der Julisitzung  wurde die Submission ausgewertet, die Anzahl der Wannenbäder auf mindestens 40 festgelegt und die bauausführenden Firmen zur Einstellung  arbeitsloser Einwohner verpflichtet. Eile tat Not, weil das Kurbad in der nächsten Saison nicht wieder öffnen würde, sollte die Anstalt möglichst zum Saisonbeginn fertig sein. Im Oktober wurde dann auch Richtfest gefeiert und die Rohbauabnahme angezeigt. Menge erlebte die Fertigstellung nicht mehr, er verstarb noch im gleichen Jahr.

 

      Sep. „Bad Kösen im Saaletal im Thüringer Land (Thüringer Land, Weimar Heft 18).

Der Verfasser des Artikels bezeichnete den Ort als „Nizza Thüringens“.

 

  1. Okt. Einweihung des Löwendenkmales (KÖ, NTB 2006, 1000 Jahre Rudelsburg).

Bereits 1921 wurde angeregt, für die 2.360 Gefallenen des KSCV des Verbandes eine würdige Gedenkstätte zu schaffen. Der erste Entwurf  von Graumüller-Saaleck wurde abgelehnt und der Entwurf Prof. Hermann Hosäus aus Berlin, ein Schüler von Begas angenommen. Als Standort überließ der Rittergutsbesitzer von Kreipitzsch den Steinbruch vor der Rudelsburg dem Kösener SC. Vertreter von 123 Corps legten am Tag der Einweihung ihre Kränze nieder. Zum „Kösener“ fand hier die Gedenkveranstaltung statt.

 

  1. Okt. Meldung über die Fertigstellung des Saales am „Deutschen Haus“ (KÖ).

 

              Bezug des städtischen Wohnhauses Burgstraße 22/24 (Röblitz, Heimatbuch).

 

              Personenstandzählung des preußischen statistischen Landesamtes.

Demnach gab es 3.458 Einwohner und 367 Wohnhäusern. Die Anzahl der Gasthäuser betrug 42 und der Hausbesitzerverein meldete 1.330 Gästebetten.

 

  1. Dez. Eröffnung von Liebelts Milchladen am Bahnhof (KÖ).

 

1927

 

  1. Jan. Betriebsauschußsitzung (St.-A. Nr. 171).

Dabei wurden die Saisongehälter für das Personal der Badeanstalt - Badediener (1.584 Mark), Oberin (2.000), Wärterin (900), Maschinenmeister (1.800), Heizer (1.800), 2 Masseure (1.500), Kassiererin (375) und 2 Wärterinnen (375) und vom Kurmittelhaus - Badediener (1.584), Oberin (1.500), Helferin (300), Maschinenwärter (1.800), Maschinenmeister (1.800), Kassiererin (375) und 2 Helferinnen (375) festgelegt. 

Beschlossen wurde die Aufsicht über die Badeeinrichtung einer Badekommission (Dr. Senger, Dr. Blenkle, Krüger, Schauer) übertragen, während dem Betriebsausschuss die Aufsicht über das Wasser- und E-Werk sowie den Busverkehr blieb. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454)

Für den Bauplatz eines weiteren städtischesn Wohnhauses hatten Webers Erben,  die Gerstenbergk-Stiftung und der Kaufmanns Gustav Haußner Grundstücke angeboten, wobei Letzterer den Zuschlag bekam (Burgstraße 31).

 

  1. Jan. Urteil des Kammergerichts zur Brückengeldeinnahme (KÖ).

Ein Betroffener wollte mit Hilfe des ADAC gegen die seit 1894 erhobene Abgabe ein Grundsatzurteil erwirken, weil durch die Erhebung der Personen- und Warenverkehr erheblice behindert wurde. Das Gericht bestätigte jedoch die Rechtmäßigkeit der Erhebung.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (KÖ).

Beschlossen wurde der Bau von zwei „Milchhäuschen“ am Hindenburgpark und an der Brücke, wo Milch aus den Domänen verkauft werden sollte. Außerdem wurde die Anschaffung eines Motor-Sprengwagens und den Einbau einer Fäkalienpumpe beschlossen.

 

  1. Mär. Einrichtung eines Jugendheims in der Schule (Röblitz, 1930).

 

  1. Apr. Jahrestagung des Thüringer Bäder-Verbandes im „Mutigen Ritter“ (KÖ).

 

  1. Apr. Einweihung der medizinischen Badeanstalt (KÖ, Festschrift, St.-A. Nr. 101).

Nach einer Festouvertüre vom Städtischen Orchester Weißenfels, überreichte der Hof-Dekorationsmaler Koch die Schlüssel. Die Festansprachen hielten der Bürgermeister Ciorek, Dr. Senger und der Stadtverordnetenvorsteher Krüger. Pfarrer Bertheau hielt die Weiherede. Den gesamten Festakt übertrug der Sender Leipzig. Nach der Besichtigung gab es ein Festessen.

Die Anstalt kostete 303.282 Mark, hatte 24 Badezellen, alle für Solebäder eingerichtet, einige hatten zusätzlich eine Säuglingswanne. Im OG der Türme wurden Hydro- und Elektrotherapien, Kohlensäure-, Schwefel- und Sauerstoffbäder verabreicht. Geheizt wurde mit einer Niederdruckdampfanlage die die Räume auch im Winter bei 20 °C hielt.  Die Rohrleitungen waren sorgfältig isoliert und lagen ausnahmslos vor der Wand. Dem eingeschränkten Budget fiel die Verbindungsarkade zum Kurmittelhaus zum Opfer ebenso wie die Außenanlagen, was bald darauf heftig kritisiert wurde.

Gleichzeitig wurden die Benutzerbestimmungen für das Inhalatorium und den pneumatischen Kammern verschärft. Mit einem Attest musste bescheinigt werden, dass man nich an  ansteckenden Krankheiten litt.

Außerdem empfahlen sich die ortsansässigen Badeärztet, Dr. Blenkle (Lindenstr. 17), Dr. Bucke (Berbigstr. 4), Kinderarzt Dr. Klemm (Salinenstr. 5), San.-Rat Dr. Löffler, der sich nach  Aufgabe des Wilhelmsbades seiner Privatklinik für Frauenleiden in der Neuen Straße widmete,  Dr. Malade (Lindenstr. 5), San.-Rat Dr. Riemann (Uferstr. 5). Dr. Senger (Gerstenbergkprom. 3)  San.-Rat Dr. Wagner (Friedrichstr. 7). dazu kam der Geh. Medizinalrates Prof. Dr. Külz, der sich im geschlossenen „Ritterbad“ niedergelassen hatte. Die Restauration vom „Ritterbad“ hatte  Frau Bartmann gepachtet.  

Neu war eine Rundfunkempfänger im Kurmittelhaus, von den Gästen mit gerne genutzt und eine  „Parafinkur“ wurde unter den Kuranwendungen angeboten  (St.-A. Nr. 113).

 

      Mai Tagungsmarathon (KÖ).

Ende April tagte die „Ordensgemeinschaft Jungdeutscher Schwesternschaften“, es folgten Tagungen des Landesverband Mitteldeutschland der Deutschen Presse, des Thüringer Verkehrsverbandes, der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft Halle, des Hauptvereins des Evangelischen Bundes und des Lehrerverband der Provinz, am Himmelfahrtstag trafen sich 500 Burschenschaftler auf der Rudelsburg, gefolgt vom „Kösner“ zu Pfingsten (St.-A. Nr. 648)

 

  1. Mai M. Baer verkauft die Pension K.-Kruse Str. 18 (KÖ).

Erwerber war der Nervenarzt San.-Rat Dr. Friedrich Lehmann. Nach seinem Tod 1931  erbte seine Tochter Mechthilde das Anwesen.

 

  1. Mai Neubesetzung des Direktorats der Zementfabrik (KÖ).

Nach dem Wegzug von Dr. Felix Kersten und seines Bruders Paul Kersten jr., wurde dem Kaufmann Franz Nagel und der Hauptbuchhalterin Kallenbach Gesamtprokura erteilt. Kurz danach verstarb die Witwe von Paul Kersten, die in der Villa an der Ilske wohnte. 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454)

Im nichtöffentlichen Teil wurde eine Stellungnahme verabschiedet: „Der in der Beilage des Sonntagsblattes vom 12. 06. d. J. erschienene Artikel sowie frühere Veröffentlichungen sind geeignet die wirtschaftlichen Belange der Stadt Bad Kösen auf das schwerste zu beschädigen. Der Magistrat wurde beauftragt, dem Ortspfarrer Bertheau und dem Gemeindekirchenrat zu bitten, dass ähnliche Ausführungen für die Folge unterbleiben. Es wird dem Magistrat überlassen, diese Entscheidung den Körperschaften des Kösener SC mitzuteilen“. Dabei ging es um die Umtriebe einiger Studenten zum“Kösener“, die der christlichen Gesittung entgegenliefen.

Wegen der Unrentierlichkeit der Buslinien wurden die Freifahrten für Stadtverordneten gestrichen. 

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454)

Der Bau weiterer 12 Wohnungen, vorbehaltlich der Rentierlichkeit (Mieteinnahmen-Kreditkosten, Unterhaltungsaufwand) wurde beschlossen, das Kaufangebot für die „Kerstenschen Badeanstalt“ (Borlachbad) bis zur Prüfung des baulichen Zustands und möglicher Nutzung zurück gestellt.  

 

  1. Juli Indienststellung des Motorbootes „Thüringen“ (KÖ).

Die „Thüringen“ war das erste Ganzmetallboot und wurde von einer Kölner Werft geliefert. Unter dem Namen „Burg Saaleck“ war es bis 1989 im Dienst.

 

23 Juli Zwangsversteigerung des Wohnhauses Friedrichstraße 2 (St.-A. Nr. 550)

Besitzerin war Henriette Gertrud Hoeflin geb. Apitzsch, verehelichte Häring.

 

  1. Aug. Neugründung des Verschönerungsvereins (BLK-A. Nr. 275).

Der neue Vorstand mit Dr. Bucke als  Vorsitzenden sowie  den Herren Bahse, Ciorek, Hauschild, Dr. Klemm, Krüger, Lützkendorf, Ohm, Dr. Senger, Schauer, Schuster, Gibhardt und Volley organisierten bis 1934 u. a. die Kurveranstaltungen.

 

     Aug. Bau eines Gasometers in der Rudelsburgpromenade (KÖ, St.-A. Nr. 271).

Zwischen der „Katze“ und dem Weistschen Baugeschäft entstanden neben dem 500 m³ fassenden Speicher auch die Wohn- und Geschäftsräume der Bezirks- Gasinspektion.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454)

Da die Badeanstalt bis dezember offen blieb, wurden die Weiterbeschäftigung des  Heizers und der Aufwartung beschlossen, damit das Bad auch von der Bevölkerung genutzt werden konnte.m Bewilligt wurde eine Anleihe von 20.000 Mark für die Einrichtung von zwei weiteren Klassen und den Einbau einer Zentralheizungsanlage in der Schule. Die Planstraße B erhielt den Namen Bismarckstraße.

 

  1. Okt. F. Mende gründet seine Elektrofirma (NTB 1994).

Zunächst kam er in der Burgstraße 31 unter, 1932 kaufte er das Grundstück Borlachstraße 35.

 

  1. Okt. Zwangsversteigerung des Parkhotels (KÖ).

Für 60.000 Mark kam das Haus an die Riebeck-Brauerei, Leipzig-Reudnitz. Am gleichen Tag  wurde das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Erich Weist, Holzhandlung, Dampfsägewerk und Hoch- und Tiefbau eröffnet.         

 

  1. Nov. Abschaffung des Wohnungsamtes (KÖ).

Damit endete die  Zwangsbewirtschaftung von Wohnraum.

 

               Baugenehmigung für das Wohnhaus A.-Bebelstr. 8 (Haubold) (St.-A).

 

1928

 

  1. Jan. Max Kleinschmidt erwirbt die Flussbadeanstalt in der Rudelsburgpromenade (KÖ).

 

  1. Jan. Stellungnahme zum Krankenhausneubau (BLK-A. Nr. 454)

Der Bürgermeister teilte dem Landrat mit, dass die Stadt nicht in der Lage ist, ein eigenes Krankenhaus zu errichten. Man könne sich aber eine finanzielle Beteiligung an einer vom Landkreis errichteten Anlage vorstellen. 

 

  1. Jan. Betriebsplan zur Wältigung der Beyschlagquelle (St.-A. Nr. 171)

Die Quelle konnte wegen eines Verschlusses in 320 Metern Tiefe nicht genutzt werden und der  Hufelandsprudel bereitete seit 1925 Probleme. Die Transportleitung vom Borlachschacht war störanfällig, ein Ausfall hätte katastrophale Auswirkungen auf das gerade erste eröffnete Badehaus gehabt. Daher sollte die 682 Meter tiefe Quelle gewältigt, der Verschluss beseitigt und eine korrossionsbeständigen Verrohrung eingezogen werden.

 

  1. Jan Erklärung zur Eingemeindung (BLK-A. Nr. 454)

„Da die Stadtverordnetenversammlung nicht annimmt, dass der Gutsbezirk Pforta als selbständiger Gutsbezirk bestehen bleibt, und ihr die Bildung eines eigenen Gutsbezirks als aussichtslos erscheint, so ist die Zuteilung des Gutsbezirks Pforta nach Bad Kösen infolge der wirtschaftlichen und geographischen Lage als einzige Lösung zu betrachten und die Stadt Kösen ist bereit, den Gutsbezirk Pforta in ihren Stadtbezirk aufzunehmen, mit Ausnahme der östlich resp. nordöstlich von Altenburg gelegenen Teile... Außerdem ist die Stadt Kösen bereit, die links der Saale gelegenen Teile des Gutsbezirks Kreipitzsch einzugemeinden.“ 

 

  1. Jan. Eröffnung des Milch- und Molkereigeschäfts von Stehr, Lindenstr. 7 (KÖ)

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  1. Feb. Zwangsversteigerung des „Kurbades“ (St.-A. Nr. 888, BLK A. Nr. 454)

Das hatte die Stadtverordnetenversammlung, wegen der bei der städtischen Sparkasse aufgenommenen Hypotheken beschlossen. 

 

  1. Feb. Antrag des Kuratoriums der Stadtsparkasse (BLK-A. Nr. 888).

Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte die Mängelbeseitigung am „Kurbad“ um das Anwesen für Kaufwillige interessant zu machen. Allerdings fand sich kein Bieter, so dass die Stadt zunächst auf dem Anwesen sitzen blieb.

 

  1. Feb. Wiedereröffnung des „Parkhotels“ (KÖ).

Pächter war  der Leipziger Hotelier Uhlemann.

 

  1. Mär. Meldung zur Wältigung der Beyschlagquelle (Verkehr & Bäder, Berlin).

Berichtet wurde über die Arbeiten an der Quelle, die von der Fa. Deutag aus Aschersleben ausgeführt wurden. Allerdings verfügte diese Firma nicht über die entsprechenden Voraussetzungen und stellte die Arbeiten ein (Giessler 1954, St.-A. Nr. 96).

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454)

Nach der Bestätigung der Übernahme der Buskonzession vom Unternehmer Preßler, wurde die Aufnahme einer Anleihe für die Mehrkosten beim Bau des Wohnhauses Burgstraße 22/24 beschlossen.

 

  1. Mär. Beschluss der Stadtverordneten über den Verlauf des „Kurbades“ (St.-A. Nr. 888)

Magistrat und Sparkasse hatten sich mit dem Konditormeister Hermann Salzmann und dessen Vater Julius Salzmann, die in der Borlachstraße 12 eine Bäckerei und Konditorei betrieben, verständigt. Der Kaufpreis betrug 85.000 RM. Für die 10.000 RM die bei der Auflassungs-vormerkung fällig waren, übernahmen Salzmanns ein Hypothekendarlehen auf das Grundstück in der Borlachstraße. Die restlichen 65.000 RM wurden als Hypothekendarlehen auf dem „Kurbad“ zugunsten der Stadtsparkasse eingetragen. Die Stadt behielt sich ein Vorkaufsrecht vor.

 

  1. Apr. Wiedereröffnung des „Kurbades“ (Allg. Zeitung f. Mitteldeutschland, KÖ).

Anstelle des Bades wurde ein Restaurant mit Konditorei und Kaffeehaus eingerichtet. Zusätzlich  pachtete Hermann Salzmann das Cafè am Gradierwerk (St.-A. Nr. 81).

 

  1. Apr. Besucheransturm zu den Osterfeiertagen (KÖ).

Schätzungsweise 500 Autos, 2.500 Motorräder und 1.500 Fahrradfahrer, dazu noch rund  13.000 Bahnreisende bevölkerten allein am 2. Feiertag das Stadtgebiet. Als Nadelöhr erwies sich einmal mehr die Brücken  und der Schrankenübergang.  Um dem zunehmenden Ausflugsverkehr gerecht zu werden, wurde am Bahnhof ein „Verkehrshäuschen“ als Informationsstelle eingerichtet.

 

  1. Apr. Paul von Ehrenberg verstirbt (KÖ, Sterbereg.).

1918 hatte der pensionierte Landgerichtspräsident von Potsdam und Wirklicher Geheimer Oberjustizrat  eine Villa in der Gartenstadt gekauft (Ehrenbergsche Villa- Konrad-Martin Haus).

 

  1. Apr. Erster katholischer Gottesdienst im Gartenhaus des Wilhelmbades (KÖ).

Den Gottesdienst hielt der Naumburger Vikar ab, da Kösen keine eigene Gemeinde hatte. Das ehemalige Wilhelmsbad nutzt die katholischen Kirche als  Kinderheim. Die Leitung hatten Schwestern aus dem Erfurter Ursulinerinnenkloster.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A: Nr. 454)

Beschlossen wurde der Bau eines Steigerturmes für die Feuerwehr an der Wurstfabrik, der Einbau einer Zentralheizungsanlage in der Schule und einer Wandelhalle am Gradierwerk.  Dafür sollte eine Anleihe von 40.000 Mark aufgenommen werden. Für die diesjährige  Kurmusik wurde der Direktor Kott aus Naumburg für 13.000 Mark unter Vertrag genommen.

 

  1. Mai Reichstags- und Landtagswahlen (KÖ, St.-A. Nr. 483).

Von den 2.038 abgegebenen  Stimmen bei der Reichstagswahl entfielen 33% auf die DNVP, 17% auf die DVP, 13 % auf die SPD, KPD und Wirtschaftspartei erhielten jeweils 12 %. Die NSDAP kam auf 4%.

 

25 Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr, 454)

Eine endgültige Entscheidung wegen der Stromversorgung wurde vertagt, der Vertrag mit dem E-Werk Camburg sollte von Sachverständigen geprüft werden. Wegen der Haushaltslage wurde die Anleihe auf 30.000 Mark reduziert. Die Konditionen, 92,55 Auszahlung, 8% Zinsen, 2% Tilgung, 0,25% Verwaltungskosten.  Davon sollten finanziert werden u.a. die Notwohnungen (12.250), Wäscherei im und Anlagen um das Badehaus (9.500), Wandelhalle und Abortanlage am Gradierwerk (4.000). Ein Jahr zuvor hatte die Stadt ein Darlehen der Gürth-Brauerei in Höhe von 8.000 RM zum Ausbau des Cafès am Gradierwerk wegen zu hoher Zinsen abgelehnt. Nun wurde ein Darlehen der Sparkasse mit 8% Zinsen und 2 % Tilgung angenommen (BLK-A. Nr. 213)  

 

  1. Mai Der KSCV beschließt die Aufhebung des Trinkzwanges (Neue Leipziger Zeitung).

 

  1. Juli Erste Rundfunk-Direktübertragung eines Kurkonzertes (KÖ).

Das vom Sender Leipzig ausgestrahlte Programm fand Anklang und wurde öfters wiederholt.

 

  1. Juli Erster Schönheitswettbewerb im „Mutigen Ritter“ (KÖ, St.-A. Nr. 467)

Den ersten Preis gewann ein Fräulein Träger aus Naumburg.

 

     Juli  Einbau der Dampf-Zentralheizungsanlage im Schulgebäude (KÖ).

 

     Aug. Wiedereröffnung der  Saalhäuser (KÖZ).

Die zahlreichen Beschwerden honoriger Einwohner aus Naumburg und Schulpforta hatten die Staatliche Weinbauverwaltung umgestimmt und das beliebte Ausflugsziel dem Restaurateur   Carl Schneider verpachtet.  

 

  1. Aug. Antrag zur Eröffnung der Tankstelle Naumburger Str. 10 (St.-A.)

 

  1. Aug. Stadtverordnetensitzung (KÖ).

Die Stadtverordneten lehnten eine vom Magistrat vorgeschlagene Steuerhöhung ab, mit der das  Haushaltsdefizit von 30.000 Mark ausgeglichen werden sollte. Dann wurden die Stadtverordneten über die Schließung der Kaiserin-Auguste-Victoria Kinderheilstätte informiert, das  Stiftungskapital war aufgebraucht ein privater Betreiber fand sich nicht. Die Küche wurde als   Wohlfahrts- bzw. die Volksküche vom „Stahlhelm“ übernommen.

 

  1. Aug. 30jähriges Geschäftsjubiläum der Germania Drogerie (KÖ).
  2. Becker hatte die Drogerie zunächst im Uthpadelschen Kolonialwarengeschäft (Schmettaustr. 2) eingerichtet und diese 1903 in die Lindenstr. 8 verlegt.

 

  1. Okt. Fritz Mende eröffnet ein Elektroinstallationsgeschäft (MZ 1993).

1932 erwarb er das Grundstück Borlachstraße 35. Das Haus dürfte eines der ältesten in der Borlachstraße gewesen sein und noch aus der Zeit der Flößersiedlung stammen (Abbruch 2010). Mende spezialisierte sich dann auf die aufkommende Rundfunktechnik.

 

      Okt. Einweihung des  Steigerturms der Feuerwehr neben der Wurstfabrik (125 Jahre FFW).

 

  1. Okt. Die Stadt beantragt den Kauf der Schäferei (BLK-A. Nr. 779)

Über die von der Herde ausgehenden üblen Gerüche und die  Fliegenplage gab es immer wieder heftige Beschwerden. Die Stiftung erklärte sich zwar prinzipiell bereit, die Herde auszuquartieren, verlangte aber 180.000 RM für den Neubau einer Schäferei mit Wohnhaus, Schafstall, Kuhstall, Scheune, Holz und Geräteschuppen sowie einen Hausgarten. Das überstieg die finanziellen Möglichkeiten und man ließ die  Sache auf sich beruhen.

 

  1. Dez. Vertrauliche Stadtverordnetenversammlung Naumburg (KÖ).

Der Ing. Landgraf, der 1902 auf der Suche  nach Kali im Dechantengrund auf zwei ergiebige Solequellen gestoßen war, hatte 1907 die Gewinnungsrechte vom Oberbergamt erhalten. Nach Meinung von Experten ergab die 197 m tiefe Ilsequelle  9 m³ /Std. mit einem Salzgehalt von 9,5%, die 516 m tiefe Landgrafenquelle sogar Thermalwasser (25°C) mit 9 m³/Std. Für die Erschließung der Quellen sollte eine Mutungsgesellschaft gegründet werden, die  Sole  „salinistisch“ sowie für ein Sole-Schwimmbad verwenden werden. Die Stadtverordneten beschlossen der Mutungsgesellschaft an der sich die Stadt beteiligte mit einer Kreditbürgschaft das erforderliche Kapital zu sichern.  Eine Realisierung hätte dem Bad Kösen erheblichen Einbruch bereitet.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (KÖ).

Beschlossen wurde der Ankauf einer Wohnbaracke, für die  Unterbringung exmittierter Mietschuldner. Die leicht zu montierenden Holzkonstruktionen trafen per Bahn ein, wurden hinter der Wurstfabrik aufgestellt und 12 Mietparteien eingewiesen.

 

     Dez. Pioniere sprengen Eismassen vor der Saalebrücke (KÖ).

Zur Freude der zahlreichen Zuschauer, die die betäubten Fische einsammelten.

 

  1. Dez. Prof. Dr. Walter Voigt verstirbt (KÖ).
  2. Voigt war Kustos des Zoologischen Instituts und Schriftführer des Naturhistorischen Vereins Bonn. Er starb während eines Besuchs seiner Schwester und wurde hier beigesetzt.

 

            „Statistische Zahlen aus Bädern und Kurorten“ (Freyburger Zeitung, Ohrdrufer Tageblatt).

Kösen nahm bei der Gästefrequenz von den 77 aufgeführten Orten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit 5.998 Kurgästen einen Platz im Mittelfeld ein. Die Zahl der abgegebenen Bäder  betrug 22.277. Die Statistik des  Thüringer Fremdenverkehrsverbandes (10 Mitglieder) verzeichnete dagegen 5.552 Kurgäste sowie 6.000 Urlauber mit 155.500 Übernachtungen.

 

  1. Dez. Genehmigung für die Kraftfahrlinie Naumburg-Eckartsberga (Röblitz Heimatbuch).

 

               Erweiterung der Kleingärten (NTB 1998).

Die Deutsche Reichsbahn verpachtete das Gelände zwischen der Bahn und der kleinen Saale. Hier sollte um 1850  ein Anschlussgleis zum  Salzwerk verlegt werden.

 

               Abschluss der Umbauarbeiten am Damenheim (Lazarus Freundesbrief 1991)

Dazu gehörten der Ausbau des Daches und ein Anbau.

 

1929

 

  1. Jan. Gesetz zur Auflösung der Gutsbezirke (Thür. Allg. Zeitung, KÖ).

Dazu gehörten die Domänen Schulpforte, Fränkenau, Kukulau und Kreipitzsch. Schulpforta selbst wurde eigenständige Landgemeinde. Die zum Gutsbezirk  Kreipitzsch gehörende Lengefelder Flur  vom Holzwerk bis zur „Katze“ wurde dem Stadtbezirk Kösen zugeschlagen.  Stendorf wurde in Saaleck eingemeindet. Damit war auch die Neuordnung der Standesamtsbezirke verbunden.

 

  1. Jan. Eigentümerwechsel beim „Mutigen Ritter“ (Berliner Herold).

Neue Besitzer war der Kommerzienrat Krause aus Leipzig.

 

  1. Jan.Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454)

Der Magistrat sollte beim E-Werk Camburg für die Stromlieferung eine möglichst kurze Vertragslaufzeit auszuhandeln. Dazu sollte die Umstellung des Stadtnetzes geprüft und mit der Landesschule verhandelt werden, ob diese auch weiterhin jährlich 2000 Mark für die Nutzung der Wasserkraft am städtischen E- Werk akzeptiert.

 

  1. Mär. Richard Zweigler eröffnet in der Lindenstraße ein Textilgeschäft (KÖ).

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454, KÖ).

Beschlossen wurde die Auslegung des Bebauungsplanes Jochenberg und die Erweiterung der  Wandelhalle am Gradierwerk. Sollte dies bis zu den Pfingstfeiertagen fertig sein, hatte der Pächter des Cafès  H. Salzmann eine Pacht von 2.000 Mark in Aussicht gestellt.

Zur Wahl des neuen Bürgermeisters wurde vorbehaltlich der Genehmigung durch den Bezirksausschusss festgelegt, dass die Amtszeit 12 Jahre beträgt, die Besoldung nach der Gruppe IIIc der preußischen Besoldungsordnung erfolgt. Die Anrechnung der Dienstjahre für die Pension sollte gesondert vereinbart werden.

 

  1. Apr. Anzeige der Badeverwaltung bei der Ortspolizei (BLK-A. Nr. 779).

Bisher war es nicht möglich gewesen gegen die von der Schäferei ausgehenden Belästigungen etwas zu unternehmen, da diese zum Gutsbezirk gehörte, und die städtischen Behörden rechtlich keine Handhabe hatte. Das ändert sich mit der Auflösung der Gutsbezirke. Nun sollte den üblen Gerüchen und der zu erwartenden Fliegenplage   endgültig Einhalt geboten werden. Doch die Stiftung berief sich auf das im Auseinandersetzungsvertrag von 1914 seitens der Stadt zugesagte Duldungsrecht der Schafhaltung und verwies auf mögliche Ersatzforderungen, falls durch polizeiliche Maßnahmen der Gemeinde Einschränkungen der Nutzung erfolgen. Die Anzeige wurde fallengelassen, die Herde blieb.

 

  1. Apr. Den „Rektorberg“ eröffnet der neue Wirt P. Gießler (KÖ).

 

  1. Mai Werbeanzeige in „Verkehr und Bäder“, Berlin.

Dabei wurde auf die Auskunftsstelle am Bahnhof hingewiesen.

 

  1. Mai Beginn von regelmäßigen Bustouren (Leipziger Neueste Nachrichten).

An  Sonntagen wurden Tagesfahrten von Leipzig angeboten. 

 

  1. Mai Amtlich Festlegung des Ortsnamens „Schulpforte“ (KÖ).

Wenig später erfolgte die Festlegung der Bezeichnung „Landesschule zur Pforte“

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454)

Beschlossen wurde der Verkauf der städtischen Grundstücke in der Berbigstraße, die Preise für die Badeanstalt und ein 20-Jahresvertrag mit dem E-Werk Camburg

 

  1. Juni Zeitungsmeldung zum Antisemitismus (Israelitisches Familienblatt Hamburg).

In der Rubrik „Wo Juden unerwünscht sind“ findet sich  die Pension Burkhardt, Lindenstraße 22.

 

  1. Juli Der Badearzt San.-Rat Dr. Phillip Wagner verstirbt (KÖ).

Wagner hatte sich 1907 niedergelassen, war Stadtverordneter und Ratsschöffe und als Kreisfürsorgearzt tätig. Wenig später beging Dr. Theodor  Malade seinen 60 Geburtstag. Der  hatte 1918 die Leitung des hiesigen Reservelazaretts und war mit der  Tochter des Gen.-Ltn. von Roehl verheiratet. Er betätigte sich schriftstellerisch, u.a. schrieb er drei Schauspiele und mehrere Romane.

 

  1. Sep. Genehmigung einer Tanksäule am Hotel „Kurbad“ (St.-A.).

 

  1. Okt. Tagung der „ Gesellschaft zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten“(BKK Essen).

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454)

Hier erfolgte die Einführung von Max Schuster als erster Beigeordneter. Beschlossen wurde der Verkauf der Davison Halle auf Abbruch.

 

      Okt. Verurteilung des Glasermeisters Besser wegen Konkursverbrechens und Betrug (KÖZ).

Besser, Vater und Sohn betrieben im Grundstück Burgstraße 8 die Fa. Kösener Werkstätten für Handwerkskunst GmbH. Die lieferte noch die Fenster für die  Medizinische Badeanstalt ging aber 1928 in Konkurs.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenwahl (KÖ).

Die „Einheitsliste“ (Bankier Krüger, Gibhardt, Schauer, Schuster) erhielt 1.237 Stimmen und damit  12 Sitze, die „Liste aller Mieter“ (Bach, Hein, Kargoll)  387 Stimmen und damit 3 Sitze.

 

  1. Dez. Großfeuer im Gasthaus „Zum Adler“, Lindenstraße 5 (KÖZ).

Den Feuerwehren, die auch aus Schulpforte und Almrich anrückten gelang es, dass der Brand, der in der Fachwerkkonstruktion reichlich Nahrung fand,  nicht auf die Nachbargebäude übergriff.

 

  1. Dez. Veröffentlichung des Magistrats zum Vertrieb von Heilmitteln(St.-A. Nr. 543).

Gesucht wurden Unternehmer, die aus der Sole Tafelwasser, Hustenbonbon, Pastillen, Badesalz und Mutterlauge herstellen und vertreiben könnten. Dabei stand das Wasser der Johannesquelle an erster Stelle, in Anbetracht der zunehmenden Sportbewegung und  wegen der Bestrebungen der Bezirksregierung den Alkoholkonsum einzuschränken. Man rechnete mit  rund 100.000 absetzbaren Flaschen pro Jahr.

 

  1. Dez. Winterpause für Kurmittelhaus und Badeanstalt bis 30. Januar (BLK-A. Nr. 454)

 

1930

 

  1. Jan. Verhandlung zur Verlegung der Wasserleitung bis Lengefeld (BLK-A. Nr. 454)

 

  1. Jan. Einrichtung des Telefon-Selbstwählernetzes im Postgebäude (KÖ).

Die Telefonanschlüsse erhielten nun dreistellige Nummern von 201 bis 299, die  Teilnehmer eine Bedienungsanleitung.

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (KÖ).

Zunächst erfolgte die Wahl des Stadtverordnetenvorstehers (Krüger), seines Stellvertreters (Gibhardt), des Schriftführers (Reichenbach) und dessen Stellvertreter (Schauer). Dann wurden die Kommissionen und Ausschüsse besetzt (Armen-und Erwerbslosenfürsorge, Bau-, Wohnungs- und Straßenwesen, Finanz- u. Haushaltswesen, Kassenrevison, Städtische Betriebe, Kuratorium f. d. gewerbl. Berufsschule, Schuldeputation, Jahresrechnungsprüfung, Badekommision, Gesundheits- und Feuerlöschwesen). Dann sollte der Nachfolgers für Bürgermeister Ciorek gewählt werden. Keiner der in der engeren Wahl stehenden Kandidaten, von insgesamt 180 Bewerbern, erreichte die erforderliche 2/3 Mehrheit.

Die Stadtverordneten beschlossen dann die Aufnahme einer Anleihe von 100.000 Mark zur Sanierung des örtlichen Stromleitungsnetzes. (Umbau des Ortsnetzes, Bau einer Übergabestation im Park und  eines Umformers in der Burgstraße). Die Differenzen mit dem Überlandwerk Camburg (Landkraftwerk Halle) waren beigelegt, die  neuen Liefervereinbarungen für beide Seiten akzeptabel und der Plan für  ein städtisches Wasserkraftwerk war endgültig vom Tisch.

Das Ortsnetz sollte umgebaut, eine neue Übergabestation im Park und  ein Umformer in der Burgstraße errichtet werden.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK.-A. Nr. 454)

Beschlossen wurde die Bildung eines Festkommitees zur Vorbereitung des 200. Jahrestages der Erbohrung der Solequelle (u. a.  Schauer, Dr. Bucke), der Ankauf der Herrenwiese von den Weberschen Erben (Fr. Prof. Marie Deutsch) und die Ausschreibung der Verpachtung des Cafès am Gradierwerk, allerdings unter Ausschluss auswärtiger Bewerber.

 

  1. Feb. M. Schuster wird mit 10 v. 14 Stimmen zum Bürgermeister gewählt (BLK-A. Nr. 454)

 

  1. Feb. Sicherungs- und Sanierungsarbeiten auf Burg Saaleck (Die Rote Fahne, Berlin).

Gegen die „luxeriöse“ Sanierung einer Burgruine, die allerdings der Besitzer Dr. H.-W. Stein  finanzierte, wurde unter dem Hinweis auf die Massenwohnungsnot seitens des KPD Organs polemisiert. 

 

      Mär. Hitler besucht erstmals die Saalecker Werkstätten (Belau 2008)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 454)

Beschlossen wurde eine Anleihe für die Mehrkosten (26.500 RM)beim Bau der Badeanstalt und die Verpachtung des Cafès am Gradierwerk an Carl Apel für 5 Jahre bei einer Pacht von 3.520 RM.

 

  1. Apr. E. Hamel verkauft den „ Preußischen Hof“ an H. und E. Claus (KÖ).

 

  1. Apr. Der Kaufmann Theodor Siebold verstirbt im Alter von 83 Jahren (KÖ).

Siebold (Jg. 1847) übernahm 1896 den „Preußischen Hof“ von seinem Schwiegervater, zog sich aber 1905 ins Privatleben zurück. Er war viele Jahre als Stadtverordneter, Ratsschöffe und Beigeordneter tätig. 1915 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und brachte es bis zum  Bataillonsführer.

 

  1. Mai Karl Sommer übernimmt den „Kraftdroschkenbetrieb“ von Leinhos (KÖ).

 

  1. Mai Neufassung der Ortssatzung über die Dienstverhältnisse (St.-A. Nr. 709)

Die alte Ordnung vom 15. Nov. 1901 wurde außer Kraft gesetzt. Zur Stadtveraltung gehörten nun auch die Belegschaften der Krafverkehrs, der Badeverwaltung, des E-Werks, des Krankenhauses, der Straßen- und Kanalreinigung, der Parkanlagen, des Wasserwerke.

 

  1. Mai Amtsantritt des Bürgermeisters Max Schuster (Röblitz, 1930).

Der 1875 geborene Schuster war seit Oktober 1929 Magistratsbeigeordneter, wohnte in der Eckartsbergaer Straße 9 und war der erste aus Kösen stammende Bürgermeister.

Zum Magistrat gehörten außerdem die Ratsschöffen Dr. Blenkle, der Oberltn. a. D. Pfennig  und der Bauführer G. Hermann. Stadtverordnete waren Hotelier L. Häring, Kaufmann J. Stollberg, Schornsteinfegermeister Hattenbach, Dr. med. Senger, der Elektriker E. Kotlarski, RB-Obersekretär E. Martin, Oberpostsekretär M. Linke, der Vorarbeiter A. Bobach,  Stellmacher W. Scherling, Kaufmann O. Bachmann, Schlosser P. Hein und der Gärtner W. Kargoll.

 

  1. Mai Saalecker Treffen (Belau 2011).

In den Saalecker Werkstätten traf sich Hitler und Darrè. Die Zusammenkunft hatte Prof. Schulze-Naumburg arrangiert, der kurz zuvor vom Thüringer Staatsminister W. Frick (NSDAP) zum Direktor der Weimarer Kunstschule berufen wurde. Thema war die Einbindung der bäuerlichen Bevölkerung  in die nationalsozialistische Ideologie.

 

  1. Mai Auflösung des Mieteinigungsamtes gegen die Stimmen von Bach, Kargoll und Hein.

 

  1. Juni Reichstreffen des Wehrwolfs (KÖ, Belau 2011).

Durch die zahlreichen Teilnehmer  und den gleichzeitig stattfindende Kösener SC waren  sämtliche Unterkünfte belegt. Am ersten Pfingstsonntag fand ein Platzkonzert statt, am Pfingstmontag marschierten alle Teilnehmer nach Naumburg.  Zur Abendveranstaltung zog eine SA-Formation mit Spielmannszug zum „Kurgarten, wo sich  600 Zuhörer versammelt hatten, die sich die Rede eines nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten anhörten.

 

  1. Juni Saalecker Treffen von NS- Größen (Belau 2008)

Teilnehmer waren Göring, Goebbels, Frick, Darre und Rosenberg. Das Treffen diente der  Vorbereitungen auf die im Herbst stattfindenden Reichtstagswahlen. 

 

  1. Juni Kurt Timler kauft die Seiffert`sche Konditorei an der Brücke (KÖ).

  

  1. Juli Gründung der Ortsgruppe der NSDAP (KÖ).

Diese ging aus dem am 1. Januar mit zunächst 5 Mitgliedern gegründeten Stützpunkt hervor.  

 

  1. Juli Festwoche zur 200- Jahrfeier der Erbohrung der Solequellen (KÖ).

Als Beilage der Kösener Allg. Zeitung erschien eine Festausgabe zum 200 Salinenjubiläum.

Zu den Höhepunktenn gehörten der historische Festzug,  der Kinderfestzug, das musikalische Bürgerfrühstück, das Salzfest, das Wasserfest und ein Tanzfest.

Feierlich wurde eine Gedenktafel für den Bergrat Borlach  in der Lindenstraße 19a enthüllt, gestiftet vom Hausbesitzer Fritz Ertle. Eine Sonderausstellung zur Heimatgeschichte wurde in der Schule gezeigt. Außerdem erschien das Buch „Bad Kösen – Heimatliche Geschichtsbilder“mit Aufsätze zur Stadtgeschichte (Hoppe, Röblitz, Haubold). Der Borlachschacht erhielt  eine Bretterverkleidung, die beiden Radstuben wurden instand gesetzt. Eine Holzbrücke über den Schwanenteich verband nun Kurmittelhaus und Badeanstalt.  Vom Hufelandsprudel zum Badehaus wurde ein neue Soleleitung in betrieb genomme,

Nach  Hoppe war die Bevölkerung innerhalb der letzten 100 Jahre von 500 in 50 Häusern auf 3.458 in 379 Häusern angewachsen, mithin eine Steigerung um das Siebenfache.  

 

  1. Juli Himmler besucht die Saalecker Werkstätten (Belau 2008)

 

  1. Sep. Gasexplosion in der Rudelsburgpromenade 17 (KÖ).

Dabbei wurde das Anwesen völlig zerstört, die Mieter verloren ihr gesamtes Habe. Der Eigentümer musste sich wegen Versicherungsbetruges vor dem Schwurgericht verantworten und obwohl alle Zeugenaussagen und Indizien auf ein vorsätzliches Verursachen der Explosion hinwiesen, wurde er  mangels Beweisen freigesprochen.

  1. Sep. Hitler und Frick treffen sich in den Saalecker Werkstätten (Belau 2008)

 

               Reichstagswahlen (KÖ).

In den beiden Wahlbezirken wurden 2.365 Stimmen abgegeben. Davon erhielt die NSDAP 37%, die Deutschnationale Partei 19%, Sozialdemokraten 11%, DVP 9% und die KPD  8%.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (KÖ).

Aus Protest gegen die geplante Erhöhung der Bier- und Getränkesteuer zur Finanzierung der ständig steigenden Sozialausgaben hatten alle Gastwirtschaften  geschlossen. Die Aktion zeigte Erfolg, der Antrag des Magistrats wurde abgelehnt. Daher  wurde beschlossen, eine  Anleihe in Höhe von 10.000 RM für Leistungen an Unterstützungsempfänger aufzunehmen, darunter die Erstattung von Stromkosten.

 

  1. Nov. Geh. Sanitätsrat Dr. med. Josef Löffler verstirbt im Alter von 74 Jahren (KÖ).

1885 hatte  sich der promovierte Frauenarzt hier niedergelassen. Er übernahm von Stuckrath die  Groddecksche Badeanstalt, die dann als „Wilhelmsbad“ firmierte. Die Pensionen der Witwen Movath (Eckartsbergaer Str. 1) und Gräßer (Neue Straße 1) richtet er Privatsanatorien ein. Er gehörte zu den Initiatoren der Kaiserin-Auguste-Viktoria Kinderheilstätte und begründete die Sanitätskolonne.  1899 bis 1903 und 1909 bis 1917 war er Stadtverordneter. Während des Krieges leitete  er das Hilfslazarett.

 

  1. Nov. Gründung einer Ortsgruppe des „Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ (KÖ).

 

  1. Nov. Der Stadtrat beschließt die Erhebung einer Bürgersteuer (KÖ).

Nach dem Fehlschlag den Haushalt mit der Biersteuer zu sanieren  und der abschlägige Bescheid der Aufsichtsbehörden eine Anleihe aufzunehmen, sollten nun alle Bürger gleichermaßen besteuert werden. Für den Fall der Weigerung wurde dem Magistrat die Zwangsverwaltung angedroht. 

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung der Molkerei in der Saalstraße 27 (KÖ).

Für 25.000 Mark erwarb es der Vorbesitzer Wriedt zurück, dem aber auch eine erfolgreiche Weiterführung nicht gelang. 

 

              Baugenehmigung für die Berbigstr. 10 (Händler) und A. Bebelstr. 10 (Ohm). (Sta.-Ar.)

 

              Neuauflage des Werbeprospekts für das Solbad.                                                             

Hier inserierten der Mutige Ritter, das Hotel Apel, das Deutsche Haus, das Hotel Kurbad und  das Parkhotel und der Kurgarten, die Lokale und Kaffehäuser Erholung, Katze, Kaiser-Wilhelmsburg,  Loreley, Preußischer Hof, Rektorberg, Tanne, Wehrdamm,  Adler, Albrecht, Bahnhof,  Lindenhof, Post mit Ratskeller, Rudelsburg, Saalhäuser, Schmohl, Schöne Aussicht und Seiffert und Schoppe und Bismark, der nun Max Berlitz gehörte sowie das Sommerlokal am Gradierwerk, dass Apel gepachtet hatte. Außerdem warben die Pensionen Engelhardt, Thüringer Haus, Haus Noack, Haus Fraisse, Haus Allihn, Pension Gassmann, Haus Ziesecke, Pension Sommer, Haus Dreyling und die  Villa Eschstruth.

 

            Edition „Wende und Schau“.

Im Verlag der Deutschen Corpszeitung erschien der erste Jahrgang des Kösener Jahrbuches, einer Sammlung von Aufsätzen zur Geschichte und den Zielen der Kösener Corpsstudenten. 1932 erschien der zweite Jahrgang.

 

            Auflösung der „Saalecker Werkstätten GmbH“ (Schriftenreihe Stiftung 1999).

Prof. Schultze-Naumburg, inzwischen aus dem Deutschen Werkbund und dem Deutsche Bund Heimatschutz ausgetreten, aus dem Deutschen Künstlerbund ausgeschlossen, hatte sich mit seiner Veröffentlichung „Kunst und Rasse“ und seinem Beitritt zum „Kampfbund für Deutsche Kultur“ ideologisch dem Nationalsozialismus zugewandt.. Die Auflösung der Saalecker Werkstätten folgte seiner Ernennung zum Direktor der Weimarer Kunstschule.

 

1931

 

  1. Feb. Einführung der „Landverkraftung“ bei der Postzustellung (KÖ).

Die Einrichtung von Poststellen in den Landgemeinden und die Postverteilung mit Kraftfahrzeugen erfolgte nun von Naumburg. Damit entfielen die Landbriefträger des Kösener Postamtes zwischen Zäckwar und Heiligenkreuz

 

  1. Feb. Verurteilung des Sanatoriumbesitzers W.(aldhausen?) wegen Betrugs (KÖ).

Der hatte sich vom ortsansässigen Bäcker (Seiffert?) Wechsel ausstellen lassen, diese aber anderweitig eingelöst. Nun nahm die  Bank den Bürgen in Anspruch, der daraufhin die Bäckerei einbüßte. W. wurde zu 9 Monaten Gefängnis und 3 Jahre Ehrenrechtsverluste vom 1. Strafsenat in erster Instanz verurteilt.

 

  1. Feb. Aufruf an die Einwohnerschaft (St.-A. Nr .393)

Durch die anhaltende Arbeitslosigkeit gab es neben Erwerbslosen und „Kreisunterstützungs-empfängern“ 226 Fürsorgeempfänger (jeder 15. Einwohner) die auf die Hilfe der Stadt angewiesen waren. Bürgermeister Schuster bat um Spenden insbesondere Bekleidung und Schuhwerk. 

 

  1. Feb. Schreiben der Fa. Angers und Söhne zum Mühlbrunnen.

Die Stadt hatte wegen der Verschlechterung der Sole durch eindringendes Grundwasser um eine Besichtigung gebeten. Es fehlten aber die Unterlagen über den Ausbau des Brunnens.

 

  1. Mär. Eröffnung des „Cafe Central“ (KÖ).

Die Familie Renner übernahm das Seiffertsche Kaffehaus. Am gleichen Tag wurde die Fa. Carl Schleicher jun. in das Handelsregister eingetragen

 

  1. Apr. Übersicht über die Badesaison im vergangenen Jahr (KÖ).

Die Anzahl der Kurgäste betrug insgesamt 4.688, die der Passanten 5.862.

 

  1. Apr. Teilnahme von Mitgliedern der SA- Ortsgruppe an einer NS-Veranstaltung.

14 SA-Männer des ersten Sturms  reisten nach Weimar, wo Hitler eine Rede hielt.

 

  1. Apr. Leserbrief (NZ).

Dr. Malade bezog sich hierbei auf einen Leserbrief, in dem die  Agonie des Badeortes kritisiert wurde. Auch er forderte von der Badedirektion und dem Magistrat mehr Aktivitäten und  Bewerbung, zumal es eine ganze Reihe kostengünstiger Möglichkeiten gäbe. Das rief die Kritik der Stadtverordneten hervor, die nicht zu Unrecht auf die eingeschränkten Mittel bedingt durch die Weltwirtschaftskrise und der hohen Aufwendungen zur Milderung der sozialen Not vieler Einwohner hinwiesen. Auch der beklagenswerte Rückgang bei den Gästen sei  auf die Krise zurückzuführen und durch werbewirksame Aktionen nicht mehr aufzuhalten.

 

  1. Mai Vortrag des preußischen Handelsministers Dr. Schreiber im Kurgarten (Flugblatt).

 

  1. Mai Bericht über den Auftritt des NSDAP Führers Dr. Frick im Kurgarten (KÖ).

Zur ersten Großveranstaltung der Ortsgruppe der NSDAP waren rund 800 Besucher gekommen. Der spätere Reichsinnenminister  traf  in Saaleck mit Hitler zusammen.

 

  1. Juli Schweres Unwetter (KÖ).

Es kam zu erheblichen Schaden durch die vom Kösener Berg kommenden assermassen in der Burgstraße und in der Grünen Gasse.

         

  1. Juli Brunnenfest (St.-A. Nr. 543).

 

  1. Aug. Versammlung der Ortsgruppe der KPD im Kurgarten (KÖ).

Wegen des Volksentscheids zur Auflösung des preußischen Landtags, hatte man neben Kleinbauern, Beamten und Gewerbetreibenden auch Parteigänger von NSDAP und SPD  eingeladen. Der Verein „Stahlhelm“ hielt am Vortag zum gleichen Thema eine öffentliche Versammlung im „Ratskeller“ ab. Beim Volksentscheid am 9. August stimmten von 2.385 Wahlberechtigten 1.973  für die Auflösung und Neuwahlen.

 

  1. Aug. C. Weise eröffnet die Schankwirtschaft in den Saalhäusern (KÖ).

 

  1. Aug. Hitler besucht die Saalecker Werkstätten (KÖ).

Hier empfing er Mitglieder der Ortsgruppen von SA und  HJ .

 

  1. Sep. Das Fuhrgeschäft von Franz Strzoda sen. beginnt mit dem Kohlenhandel (KÖ).

Der Senior starb kurz danach, das Geschäft übernahm seine Witwe. Seite 1934 bis in die 70iger Jahre war Franz Strzoda jun. Inhaber.

 

  1. Sep. Aufruf des Magistrats (St.- A. Nr. 393/KÖ).

Erneut bat der Bürgermeister zur Linderung der Not der Fürsorgeempfänger und Erwerbslosen um Spenden von Kleidung und Schuhwerk  bei der Fürsorgekommission. Die Zahl der  Fürsorgeempfänger betrug  292.

 

  1. Sep. Eugenie Rosenberger verstirbt im Alter von 93 Jahren (KÖ).

Eugenie war mit ihrem Cousin dem Kapitän Georg Rosenberger verheiratet und hatte ihn auf zahlreichen Seereisen begleitet. Ihre Eindrücke verarbeitete sie in dem Buch „Auf großer Fahrt“. Ihr zweites Buch war dem Leben und Werk ihres Onkels mütterlicherseits,  dem Naturforscher du Bois-Raymond gewidmet.

 

  1. Okt. Überfall auf den Bürgermeister Schuster (KÖ).

Nach dem Verlassen des Friseurladens von Karl Schauer (Grünen Gasse 4) wurde Schuster von hinten mit einem harten Gegenstand niedergeschlagen. Das Schöffengericht verurteilte den 31jährigen Arbeiter H. Christel zu 2 Jahren Gefängnis. Christels Versuch durch eine Berufung die Strafe zu mildern, wurde abgelehnt, worauf er sich  in der Zelle erhängte.

 

  1. Okt. Protestresolution des Stadtrates (KÖ).

Die Stadt konnte infolge eines Defizits von 100.000 RM die ständig steigenden Zuwendungen für die Fürsorgeempfänger  im Rahmen der „Notverordnungen“ nicht aufbringen, obwohl diese nur 18 Pfennige pro Tag für die „körperliche Erhaltung“ betrugen.

Von den 3.458 Einwohnern war jeder 12. auf städtische Unterstützung angewiesen. Dazu kamen noch einmal soviel Erwerbslose, die wenn sie nicht in absehbarer Zeit in Lohn und Brot kämen, ebenfalls der städtischen Fürsorge anheimfallen würden. Wegen des Rückgangs der städtischen Einnahmen aus der Gewerbesteuer und den Mieten war der Haushalt ins Minus gerutscht. Auch die Bürgersteuer ergab keine nennenswerten Zusatzeinnahmen und die Erhöhung der übrigen kommunalen Steuern fanden keine Mehrheit bei den Stadtverordneten. Da die Kassen leer waren, wurden nur noch Lebensmittelanweisungsscheine ausgegeben.   

              

       Okt. Gründung eines Musikcorps der Freiwilligen Feuerwehr (KÖ).

Der erste größere Auftritt erfolgte anlässlich der Reichsgründungsfeier im Januar im Kurgarten.

 

  1. Nov. Fam. Stehr übernimmt die Molkerei Saalstraße und den Laden Lindenstraße 7 (KÖ).

 

  1. Nov. Bankier Krüger begeht sein 25jähriges Jubiläum als Stadtverordneter (KÖ).

1903 bis 1905 Ratsschöffe, ab 1908 Stadtverordneter, 1916 bis 1918 kommissarischer Bürgermeister und seit 1927 Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung. 

 

1932

 

  1. Jan. Dem Gastwirt der „Erholung“ wird das Auto aus der Garage gestohlen (KÖ).

Der Wagen wurde bei Rostock von Landjägern sichergestellt, die bei einer Kontrolle von den  vier Insassen in ein Feuergefecht verwickelt wurden.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (KÖ).

Nach der Ablehnung der Anhebung der Realsteuerzuschläge auf den Landesdurchschnitt, wurde die Anschaffung von 2 Moorbadezellen und Einzelinhalationsgeräten beschlossen.

 

      Mär. Rückbau der Kukulauer Straße an der Westseite vom Gradierwerk (KÖ).

Diese war dem Verkehr nicht mehr gewachsen. Die neue Trasse lag östlich vom Friedhof und war die Erschließungsstraße für die Gartenstadt.  Die alte Trasse wurde Parkanlage.

 

  1. Mär. Wahl des Reichspräsidenten (KÖ, St.-A. Nr. 441).

Hitler erhielt 917, Hindenburg 534, Duesterberg 464 und Thälmann 215 Stimmen im ersten Wahlgang. Im zweiten Wahlgang stimmten 1.100 Wähler für Hitler, 681 für Hindenburg und 188 für Thälmann. Auch bei den Wahlen zum preußischen Landtag wählte die Hälfte der Wahlberechtigten die NSDAP.

 

      Juni  Vermessungsarbeiten zur Verlegung der Naumburger Straße (KÖ).

Die bestehende Straße im rechten Winkel über die kleine Saale und vor der Konditorei Schoppe entlang, verursachte erheblichen Behinderungen. Daher wurde die neue Trasse in gerader Linie von der Brücke über die kleine Saale geführt. Die Arbeiten wurden im Rahmen der  Notverordnung für Arbeitsbeschaffung realisiert.  

 

  1. Juli Propagandamarsch von 200 NSDAP Mitgliedern durch das Stadtgebiet (KÖ).

Gleichzeitig hatte die Ortspolizeibehörde den Schaukasten der Partei entfernt.

 

  1. Juni Brunnenfest (KÖ).

Dabei kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen  KPD und NSDAP- Mitgliedern. Zur Herstellung der Ordnung wurde ein Aufgebot der Landespolizei angefordert und mehrere Störer verhaftet. Beide  Ortsgruppen dementierten anschließend, dass es sich hierbei um ihre Mitglieder gehandelt habe.

Die Kosten des Festes beliefen sich auf 377 Mark, demgegenüber standen Einnahmen, vorzugsweise aus Platzgeldern von 490 Mark (St.-A. Nr. 543). 

 

  1. Sep. Tagung des Vereins der Internationalen Wünschelrutenforscher (KÖ).

Die Tagung wurde in der  lokalen Presse lebhaft kommentiert. 

                       

  1. Okt. Auflösung des Landkreises Naumburg (KÖ).

Entsprechend der VO vom 01. August wurde der Landkreis aufgelöst, die Stadt Naumburg eigenständiger Stadtkreis und die ländlichen Bereiche dem LK Weißenfels angegliedert. Die Stadtverordneten hatten sich am 26. August gegen die Auflösung ausgesprochen. In Kreis Weißenfels war  die Kreissteuer doppelt so hoch und die Entfernung zur Kreisstadt erforderte einen höheren Fahraufwand (BLK-A. Nr. 24).

 

  1. Okt. Abschaffung des Brückengeldes (KÖ).

Das „Brückengeldhäuschen“ übernahm die Stadt und ließ es im  Zuge der Umverlegung der Naumburger Straße abbrechen.

 

  1. Okt. Aufruf des Bürgermeisters (St.-A. Nr. 393).

Die Wirtschaftskrise hatte ihren Höhepunkt erreicht. Die Zahl der Fürsorgeempfänger betrug nun  482 Personen, d. h. jeder 7. Einwohner. Erneut bat Schuster um Spenden.

 

            Erweiterung der Straßenbrücke über die Mausa  (Inschrift)

Zur Verbreiterung der Fahrbahn wurde neben das  1827 beim Bau der Eckartsbergaer Chaussee errichtete Hausteingewölbe eine Betonkonstruktion errichtet. Die Ausführung übernahm die Firma Blumentritt-Oberländer mit Karl Zweigler, Paul Grabow, Karl Krunig, E. Streuber und Hans Schröter. 

 

            Inbetriebnahme der Bleilochtalsperre

Nach dem verheerenden Hochwasser von 1890 begannen die Planungen für eine ganze  Kaskade von Talsperren und Rückhaltebecken am Oberlauf der Saale, um das mittlere Saaletal wirksam vor Katastrophen zu schützen.  Die Regulierung der Wassermenge verhinderte nun auch ein Austrocknen der Saale in heißen Sommern. 

 

  1. Nov. Schreiben des Kreisjugendpflegers an den Landrat von Weißenfels (BLK-A. Nr. 843).

1929 wurde die Kinderheilstätte geschlossen. Der Vorstand  (Apotheker Steuer, Bankier Krüger, Dr. Bucke und der Kaufmann Koch) blieb inaktiv. Um für das Haus eine geeignete Verwendung zu finden, wandte sich der Kreisjugendpfleger an den Landrat, der lt. Satzung zum Vorstand gehörte und  schlug vor, das Anwesen als Jugendheim  bzw. zur Jugendpflege zu nutzen. Immerhin gäbe es hier 75- 80 Plätze und eine fast intakte Einrichtung. 

 

1933

 

  1. Jan. Sperrung der Loreleypromenade zur Johannisquelle (KÖ).

Grund waren Sprengarbeiten für die beiden Fußwege zum Gradierwerk.

 

  1. Jan. Kundgebung im Kurgarten anlässlich der Machtergreifung Hitlers (KÖZ).

Es folgte ein gemeinsamer Fackelzug von Stahlhelm und SA.

 

  1. Mär. Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung.

Die NSDAP erhielt von 1.861 abgegebenen Stimmen 899 d.s. 8 Sitze,  die bürgerliche Einheitsliste  kam auf 6 Sitze, die KPD auf 1 Sitz.  

            

  1. Mär. Vertrag mit dem Verein für Freiwilligen Arbeitsdienst (BLK-A. Nr. 843)

Das Kuratorium vermietete dem FAD im Reg.-Bezirk Merseburg die  Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte. Der Verein war eine „Beschäftigungsgesellschaft“ die im staatlichen Auftrag Arbeitslose auf freiwilliger Basis rekrutierte und zu Bauten im öffentlichen Interesse einsetzte. Zwei Jahre später wurde aus dem FAD der RAD gebildet. Der Kreisausschuss von Weißenfels übernahm gegenüber der Landesschule die Rückbürgschaft für mögliche Schäden.  

 

  1. Mär. Luftbildaufnahme der Burg Saaleck (Meyers Historisch-Geographischer Kalender)

 

  1. Apr. Konstituierende Sitzung des Stadtparlamentes (KÖ) .

Wegen des starken Interesses der Bevölkerung fand die Versammlung im Kurgarten statt. Unter den Bildern von Hindenburg, Hitler und Seldte spielte eine SA-Kapelle. Der Sonderkommissar, Ortsgruppenleiter der NSDAP, Saalborn, eröffnete die Sitzung und vereidigte nach einer kernigen Ansprache 14 der 15 Stadtverordneten, denn der KPD-Stadtverordnete Hein fehlte. Einstimmig wurde beschlossen Hitler und den Reichsarbeitsminister Seldte zu Ehrenbürgern zu ernennen. Anschließend wurden die 8 NSDAP-Stadtverordneten  eingeschworen, im Sinne des Führers im Rat zu wirken. Für diese Versa,,lung war eine Genehmigung erforderlich, da üblicherweise derartige Versammlungen nicht in Gastsstätten abgehalten werden durften.

 

      Apr. Zeitungsmeldung zur Einrichtung des FAD-Lagers (KÖ).

Rund 100 arbeitslose Jugendliche wurden beim Straßen- und Wegebau eingesetzt. Dazu gehörten der Ausbau der Kukulauer Straße östlich vom Friedhof und der Straße von Fränkenau nach Möllern. Neben Unterkunft, Bekleidung und kostenloser Verpflegung wurde für jeden Werktag ein  Taschengeld von 30 Pfg. gezahlt.  

 

  1. Apr. Reichsjugendführertagung der HJ im Kurgarten (KÖ).

Prominentester Redner war der Reichsjugendführer B. v. Schirach, der hier mit seiner Dienstpistole auf ein Hitlerbild geschossen haben soll (n. U. Martin „Der Hochstapler H. W. Stein“ ISBN 3-89923-99X).  Nach einem Platzkonzert der HJ-Bannkapelle zogen 1.000 Jungen und Mädchen mit Fackeln zum Gradierwerk.

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (KÖ).

Dabei stellte die NSDAP-Fraktion zahlreiche Anträge, u.a. auf Entlassung des Polizisten Marks, die Überprüfung aller Pensionsempfänger und die Sperrung der Pension bei Doppelverdienern. Man forderte die Veröffentlichung eines Aufrufs „Kauft am Orte“ und den Boykott des als sozialdemokratisch eingestuften Konsumvereins. Alle Anträge wurden einstimmig beschlossen.

 

      Apr. Die „Ladestraße“ zwischen dem Bahnhof und der Brücke wird gepflastert (KÖ).

 

  1. Apr. Paul Waldhausen, ehemals Besitzer des „Mutigen Ritters“ verstirbt (KÖ).

 

  1. Mai Erster „Nationaler Feiertag  der schaffenden Arbeit“ (KÖ).

Die Stadt war festlich geflaggt. Nach dem Gottesdienst folgte der Festumzug. Voran die Feuerwehrkapelle, gefolgt von den NS-Formationen, dem FAD-Lager, den Stadtbediensteten und Stadtverordneten, die Betriebsbelegschaften, die Schüler und die örtlichen Vereine, über 1.500 Personen. Vor dem Kurmittelhaus hielten Vertreter der SS und der Partei die Ansprachen. Über Großlautsprecher wurde dann die zentrale Feier aus Berlin übertragen.

 

  1. Mai Vorschlag zur Beseitigung der beiden Schrankenübergange (BLK-A. Nr. 668).

Durch das hohe Verkehrsaufkommen und die völlig unübersichtliche Situation kam es  regelmäßig zu Unfällen. Insbesondere bei bergab fahrenden und voll beladenen Kraftfahrzeugen versagten die Drucklufbremsen und das Durchbrechen der Schrankenanlage häufte sich. Alle bisherigen Vorstöße, eine grundlegende Veränderung herbei zu führen,  scheiterten nicht nur am Geld, sondern auch an der Zuständigkeit der Behörden. Doch gleich nach der Machtergreifung wurden die bereits in der Weimarer Republik geplanten Varianten aufgegriffen. Dazu gehörte die Erweiterung der Bahnstrecke zwischen Weißenfels und Großheringen auf 4 Gleise verbunden mit der Beseitigung aller schienengleichen Übergänge. Der Entwurf des Landesbauamtes sah vor, die Staatsstraße in gerader Linie  von der Brücke unter den Bahnkörper mit einer lichten Höhe von 4,5 Metern durchzuführen, wobei sich für die Kommunalstraße von der Brücke zur Lindenstraße nichts änderte.. Seitens der Stadtverordneten wurde daher vorgeschlagen, den Chausseedamm völlig abzutragen, die  Unterführung zu verbreitern und die Land- und Kommunalstraße  zusammenzulegen. Die Durchfahrt müsste dann nur um 50 cm abgesenkt werden, wobei dies für die  Einbindung  des Fahrweges nach den Saalbergen günstiger wäre. Diesem Vorschlag stimmte die RBD Erfurt zu, denn mit dieser Variante könnte der Übergang auch schon vor dem Bau der beiden Gleise beseitigt werden.  

 

  1. Mai Saisoneröffnung und Kurkonzert am Gradierwerk (KÖ).

Die aus Naumburger Berufsmusikern bestehende NS-Parteikapelle stand unter Leitung des Kapellmeisters M. Kaufmann. Zu besonderen Anlässen wurde in SA-Uniform gespielt. Zum Auftakt wurde im Kurpark das  neue Wasserbassin vor dem Badehaus befüllt.

 

  1. Juni Überreichung des Ehrenbürgerurkunde an Reichsarbeitsminister Seldte (KÖ).

Vor dem Kurmittelhaus hatten neben der Bundeskapelle des Stahlhelms auch alle Parteigliederungen Aufstellung genommen. Nach der Überreichung besichtigte Seldte die Kureinrichtungen.

 

  1. Juni Amtliche Volks-, Berufs- u. Betriebszählung (KÖ, Adreßbuch 1934).

Die Auswertung der Gemeindebögen  ergab 3.385 ortsansässige Personen mit 1.077 Haushalten und 390 Wohnhäuser, 170 Gewerbetreibende und 33 Land- und Gartenwirtschaften, davon allein 15 in den Saalbergen. Das Stadtgebiet umfasste 189,4 ha.

 

  1. Juni Übersicht über die städtischen Stiftungen und Fonds (BLK-A. Nr. 391)

Der Stadtverordnetenvorsteher Arthur Rammer verlangte Einsicht in alle beim Magistrat, der Kämmerei und der Stadtsparkasse geführten Stiftungen, Fonds und  Darlehen. Hintergrund war der völlig desolate Haushalt und die ständigen Liquiditätsprobleme. Nach wiederholter  Nachfrage, die zeigte, dass der Magistrat die Übersicht verloren hatte, erhielt Rammer die Auflistung. Demnach gab es 19 zweckgebundene Stiftungen darunter 4 Berbigsche Stiftungen für Arme, für die Schule, die Kinderbewahranstalt und für die Grabpflege, die Kochsche Stiftung, 3 Heunsche Stiftungen, die Hoffmann Stiftung, 2 Wilhelm-August Stiftungen, 2 Wahnsche Stiftungen, 2 Senffsche Stiftung, die Simon  Stiftung, zwei Roßnersche Stiftungen, die Kumbruchsche Zuwendung, das Friedrichsche Vermächtnis und eine Schiller Stiftung. Darüber hinaus gab es einen Kriegsgefangenen-Unterstützungsfond, den Rathausbau- und den Straßenbaufond. Der Aufwand für die ordnungsgemäße Verwaltung stand in keinem Verhältnis zu den zumeist geringen Beträgen, die teilweise als Kriegsanleihen bei der Reichsschulden-verwaltung fest angelegt waren.     

 

  1. Juni Johannisfest auf der Rudelsburg.

Hier  trafen sich die Studenten der Leipziger Meisterschule für das grafische Gewerbe.

 

  1. Juni Aufstellung der Darlehen bei der städtischen Sparkasse (BLK-A. Nr. 391)

1932  waren es 126 TRM , darunter die Darlehen für den Umbau des Krankenhauses Burgstr. 14, den Kauf der Grünen Gasse 4 und 5, den Umbau des Rathauses, die Aufstockung des Pumpenhauses, die Anschaffung neuer Kraftomnibusse und die nicht über Staatsanleihen gedeckten Kosten für  die Medizinische Badeanstalt.

 

  1. Juni Öffentliche Stadtverordnetensitzung (KÖ).

Einziger Tagesordnungspunkt war der Antrag der NSDAP-Fraktion auf Abwahl des Bürgermeisters Schuster. Die Stadtverordneten Linke, Schauer, Gibhardt, Heilmann, Kathe und Krüger bestanden beim Abstimmungsverfahren auf den Ausschluss des Stadtverordneten Saalborn, weil der mit Schauer verwandt war. Damit  fehlte der NS- Fraktion eine Stimme. Der Antrag wurde abgelehnt.

 

  1. Juli M. Berlitz verkauft den „Bismark“ und übernimmt die „Tanne“ (KÖ).

 

  1. Juli Brunnenfest (St.-A. Nr. 543)

Das Programm hatte sich nicht geändert, nur die Anordnungen: „die Jugendorganisationen, Kinderheime, Verbände und  Vereine treten vorher rechtzeitig  an (.) und marschieren geschlossen zum Antreteplatz (.) da nach Abmarsch des Zuges ein Eintreten in die Marschordnung des Zuges nicht mehr möglich ist.“

 

  1. Juli Beschluss zur Zusammenlegung der Stiftungen (BLK-A. Nr. 391)

Zur Vereinfachung wurden die Stiftungen dem Zweck entsprechend zusammengelegt, für die Schule (Berbig-Wahn), für die Armen (Berbig-Hoffmann-Friedrich-Wilhelm-Auguste), für das Krankenhaus (Berbig-Senff-Roßner-Kumbruch). Ausgenommen waren die Berbische Stiftung für die  Grabpflege, die Schillerstiftung und die Senffsche Stiftung. Die Guthaben und Rücklagen der Badeverwaltung, des E- und des Wasserwerkes wurden ebenfalls zusammengelegt.

 

  1. Juli Auftaktsendung einer Reihe des Mitteldeutschen Rundfunks (KÖ).

Die erste Sendung der „Burgenstunde“ kam von der Rudelsburg unter dem Titel „O alte Burschenherrlichkeit“ und wurde vom Deutschen Kurzwellensender weltweit ausgestrahlt.

 

  1. Juli Großkundgebung in Saaleck (KÖ, Belau 2011).

Zum Gedenken an die Rathenaumörder Fischer und Kern wurde auf Burg Saaleck eine Tafel  angebracht. Unter den Ehrengäste begrüßte der Burgherr Stein u. a. den Korvettenkapitän a. D. Ehrhardt einen Rädelsführer des Kapp-Putsches und den Fahrer der Rathenaumörder, Techow.

Zur abendlichen Feier auf dem Saalecker Friedhof erschienen der oberste SS-Führer Himmler und SA-Stabschef Röhm. 4.200 SS-Leute, eine Formation der Marinebrigade Ehrhardt, hochrangige NSDAP- Mitglieder und die gesamte Einwohnerschaft Saalecks wohnten dieser Propagandaveranstaltung bei.

 

  1. Juli Schreiben der Stadtverordneten an den Generalinspekteur Todt (BLK-A. Nr. 668)

Die Stadt beantragte beim obersten Chef des Straßenwesens eine Lösung für die  Verkehrsbelastung.

 

  1. Aug. Joseph Kraus übernimmt das Weist`sche Holzwerk in der Rudelsburgpromenade (KÖ).

Die Deutsche Bank verkaufte ihm die 1928 in Konkurs gegangene Firma. Kraus stammte aus  Memel  und produzierte mit  Dampfsägen und Schälmaschinen verschiedene Holzwaren.

 

  1. Aug. Die städtische Berufsschule wird dem Landkreis unterstellt (Hallesche Nachr. 1937).

 

  1. Aug. Ankunft der Verwaltungssonderzüge der Deutschen Reichsbahn (KÖ).

Nach längerer Pause bot die Bahn wieder Tagesausflüge für Belegschaften und Vereine an. Der erste Zug kam aus Braunschweig, es folgten Züge aus Chemnitz und Döbeln, die bis zu eintausend Teilnehmer brachten.

 

  1. Sep. Öffentliche Stadtverordnetensitzung (KÖ).

Die letzte ordentliche Sitzung hatte die NSDAP-Fraktion wegen des gescheiterten Abwahlverfahrens des Bürgermeisters boykottiert. Auch zu diesem Termin erschien die NS-Stadtverordneten nicht, aber diesmal war die Versammlung beschlussfähig. So sprachen die Stadtverordneten, die nicht zur NSDAP gehörten und sich zur Kampffront Schwarz-Weiß-Rot zusammengeschlossen hatten, dem Bürgermeister ihr Vertrauen aus.

 

  1. Okt. Veröffentlichung des Treuegelöbnisses der Kösener Corpsstudenten (KÖ).

Im Namen von 30.000 Mitgliedern gelobte der Vorsitzende Dr. Blunck dem Führer unverbrüchliche Treue und Gefolgschaft.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (KÖ).

Unter Verweis auf „höheres Interesse“, beschloss die Versammlung das Vermächtnis des   Kunstmalers Bröker zugunsten der Stadt abzulehnen. Seine persönlichen Sachen wurden der  NSV überlassen, einige   Bilder aus seinem Nachlass kamen dennoch in städtischen Besitz.

 

  1. Okt. Weihe des Grabsteins für die Rathenaumörder auf dem Saalecker Friedhof (KÖ).

Nach einem feierlichen Gottesdienst, bei dem Pfarrer Koehn das Attentat als „erstes Flammenzeichen einer wieder erwachenden Nation“ bezeichnete, zogen die Vorkämpfer an deren Spitze die Attentäter auf Erzberger und Scheidemann zum Friedhof, wo der  Führer der Marinebrigade Kapitänleutnant Tillessen die Ansprache hielt.

 

  1. Nov. Zusammenschluss der Gesangsvereine (KÖ).

„Anakreon“, „Männerquartett“ und „Liedertafel“ vereinigten sich zum Kösener Männerchor. Zum Vorsitzenden wurde Sangesbruder Meißner, zum Dirigenten Liedermeister Ahrendt gewählt.

 

  1. Nov. Pressebericht über umfangreiche Straßenbauarbeiten (KÖ).

Parallel zum Bau der Brücke über die kleine Saale an der Naumburger Chaussee, wurde die Haarnadelkurve am Kösener Berg ausgebaut und gepflastert. In Lengefeld wurden die Dorfstraße  und der Weg zum Himmelreich befestigt. Der neue Besitzer des Dampfsägewerkes ließ den Stichkanal von der Saale verfüllen.

 

  1. Nov. Die Geburt ihres 16. Kindes zeigt hocherfreut die Familie R. Schurig an (KÖ).

Der Junge wurde auf den Namen Paul Hermann Adolf getauft und  Hitler übernahm die Patenschaft.

 

             Jahresstatistik des Bürgermeisters (St.-A).

Die Anzahl der Kurgäste wurde mit 2.592 angegeben, 3.757 weniger als 1929. Schuster schrieb das hauptsächlich dem Ausbleiben jüdischer Familien zu, die wegen der hier herrschenden antisemitischen Stimmung allerdings schon vor der Weltwirtschaftskrise ausgeblieben waren. Dagegen hatte sich die Anzahl der Passanten im gleichen  Zeitraum von 5.401 auf 6.262 erhöht auch eine Folge der zunehmenden Motorisierung. Zur Aufrechterhaltung des Badebetriebes hatte das Innenministerium eine Hilfe von 10 .000 RM bewilligt. 

 

  1. Dez. Max Berlitz erhält die Schankkonzession für das Gasthaus „Zur Tanne“ (Sta.-Ar).

 

               Baugenehmigung für das Wohnhaus Berbigstr. 7, Kieser (Sta.-Ar.).

 

1934

 

  1. Jan. Dankgottesdienst anlässlich des ersten Jahrestages der Machtergreifung (KÖ).

Vor den Fahnenträgern und den NS-Gefolgschaften bat Pfarrer Bertheau um den „Segen vom Höchsten für das Werk Hitlers“ und verband dies mit der Bitte, dass er dem Volke noch lange erhalten bleiben möge.

 

  1. Feb. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468, KÖ).

Durch die im Vorjahr erlassene Gemeindeverfassung wurde der Stadtverordnete nun als  Gemeinderat bezeichnet.  Die 1933 gewählten Mitglieder wurden bis zur Neuwahl 1935 bestätigt. Hinzu kamen mit Stimmberechtigung der Parteileiter und der Ortsführer der SA bzw. SS. Beschlossen wurde, dass der zukünftige Gemeinderat 12 statt 15 Mitglieder haben sollte, von denen vier zum Beigeordnete gewählt wurden. Zum Gemeinderat gehörten Zimmermeister Kotte, Buchdruckermeister Both, Geschirrführer Dennhardt, Rentier Gibhardt, Elektromeister Hänisch, Magazinverwalter Heilmann, Schmiedemeister Kathe, Sattlermeister Lang, Oberpostsekretär Linke, Altbürgermeister Rammer, Friseurmeister Schauer, Bahnhofswirt Springer, Hotelbesitzer Tränkner, Molkereibesitzer Wriedt,  Schuhmachermeister Bauer als rangältester SA-Führer und Feldmeister Saalborn, NSDAP- Ortsgruppenleiter.

 

  1. Feb. Vereinbarung zwischen NSDAP und Reg.-Präsidium (MER Rep C48Ih Nr. 918)

Demnach sollte zunächst von einer Pensionierung des Bürgermeisters Schuster abgesehen werden, die lt. dem NS-Beamtengesetz bei mangelnder politischer Zuverlässigkeit möglich war.

 

  1. Feb. Versammlung des Hausbesitzervereins (KÖ).

Der Bürgermeister informierte über verschiedene Änderungen im Kurwesen. Demzufolge hatte der Mitteldeutsche Verkehrsverband 5 Orte als Heilbäder eingestuft (Salzelmen, Schmiedeberg, Frankenhausen, Sulza und Kösen) und zwei als Luftkurorte (Rastenberg und Bibra). Für die  Kurtaxe galten  vier Kategorien.

 

  1. Mär. Schreiben des Bürgermeister an den Landrat (St.-A.).

Wegen des desolaten Haushalts, mit einem Fehlbetrag von fast 1 Million infolge des Rückgangs beim Fremdenverkehr, Rückgang der Kommunalsteuern  und der hohen Soziallasten, wurden Mittel nach dem Finanzausgleich beantragt. Doch das reichte nicht für die Unterhaltung der Kur- und Soleanlagen sowie der Infrastruktur, womit das Aus des Bades absehbar war. Schuster beantragte eine Soforthilfe von 20.000 RM für den Ausbau des Trinkwasserbrunnens und des Hochbehälters, zur Instandsetzung der Säulenhalle und Ersatzbeschaffungen im Kurmittel- und Badehaus, die Erneuerung der Trinkbrunnen,  die Anschaffung einer Salzsiedepfannen, neue Straßenschilder und für die Asphaltierung verschiedener Straßen. Außerdem bestanden noch mehrere tausend Mark an Rest-Verbindlichkeiten. Die Rücklagen aus dem Busverkehr waren für Wohlfahrtslasten aufgebraucht, die Kreissteuer schuldig geblieben und die Zinsen konnten nicht gezahlt werden.

 

  1. Mär. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Bekannt gegeben wurde die Absage der Pfingsttagung des KSCV und die Bewilligung der Finanzhilfe des Kreises.

 

  1. Apr. Versetzung des Schornsteinfegermeisters Hattenbach (KÖ).

Hattenbach, gleichzeitig Kreisbrandmeister und Kommandeur der Ortsfeuerwehr,wurde Branddirektor in Naumburg. Sein Nachfolger war E. Grundmann, bei der Feuerwehr übernahm Sattlermeister Karl Heinemann das Kommando.

 

      Apr.  Veröffentlichung runder Jubiläen (KÖ).

Böttchermeister Julius Franz Gundermann (Borlachstr. 6) beging das Goldene Meisterjubiläum und gleichzeitig die Goldene Hochzeit, Otto Härtel sein 50jähriges Betriebsjubiläum als Ziegelmeister im Kalkwerk und der Tischlermeister Adolf Naumann seinen 80. Geburtstag. 

 

  1. Apr. Besuch des Oberpräsidenten der Provinz (KÖ).

Nach der üblichen Begrüßung durch die Ehrenformationen der Ortsverbände von SA und SS wurden das Arbeitsdienstlager und die Kureinrichtungen besichtigt. Dabei stellte die Stadt ein funktionsfähiges Modell des Gradierwerkes vor, dass für die Ausstellung „Kultur und Heimat“ in Leipzig vom Maschinenmeister  Schmidt und dem Maler Patze angefertigt wurde.  

 

  1. Mai „Bad Kösen“ in „Das deutsche Heilbad“ (St.-A. Nr. 672)

 

  1. Mai Festzug zum Nationalfeiertag (KÖ).

Den größten Marschblock stellten die in der DAF zusammengeschlossenen Betriebsbelegschaften (Zementfabrik, Kraus`sches Holzwerk, Käthe-Kruse-Werkstätten, Dreika-Werke) mit den   schichtfreien Leunaarbeitern. Es folgten die Erwerbslosen und die Gliederungen des Arbeitsdienstes, dann  der Marschblock des Nährstandes (Landwirte, Winzer), den Belegschaften der Güter Schulpforte, Fränkenau, Kukulau, der Saalhäuser, der Mühle und dem Landhandel der Fa. F. A. Koch. Den zweiten Marschblock bildeten die Verbände der Handwerker, Einzelhändler, Gastwirte und Fremdenheimbesitzer. Es folgten die freien Berufe, die Ärzte und Rechtsanwälte und die Gefolgschaften aus Stadtverwaltung, Post und Bahn. Die Betriebsleiter bzw. Gefolgschaftsführer musste für vollständiges Erscheinen sorgen. Die Angehörigen von SA, SS, HJ; JV, BdM und PD reihten sich zum Zeichen der Verbundenheit zwischen Partei und Volk  zwischen die Marschblöcke.

 

  1. Mai Hitler-Stellvertreters R. Heß besucht Kösen (KÖ).

In seiner Begleitung befand sich SA Stabschef Röhm.

 

  1. Mai Gemeinderatssitzung (BLK-A: Nr. 24)

Informiert wurde über die Beteiligung Ausstellung „Kultur und Heimat“ in Leipzig mit dem   Modell des Gradierwerks. Diskutiert wurde über eine Mitteilung des Bundespräsidenten des Verkehrsverbandes, dass Gastfreundschaft für alle Kurfremden einschließlich Rassefremder gelte. Gemeinderat Saalborn war dafür, anständige Juden aufzunehmen soweit sie erholungsbedürftig sind und ein ärztliches Attest hätten. Gemeinderat Rammer  meinte, Anständigkeit sollte nicht nur für Gäste aus jüdischen Kreisen gelten.  

 

  1. Mai. Ankunft des ersten Verwaltungssonderzuges der Saison (KÖ).

Zu einem Tagesbesuch trafen 750 Mitarbeiter der Junkers-Werke aus Dessau ein. 4 Reisebusse brachten die Belegschaft der Reichspost Leipzig und das Hilfswerk der NSV „KdF“ hatte einen Ausflug für 300 Arbeiter des Ammoniakwerkes Leuna organisiert.

 

  1. Mai Bericht von der Hauptversammlung des Kleingartenvereins (KÖ).

Unter dem Vorsitz H. Voigt wurde über die Richtlinien für den Bau von Gartenlauben informiert, die Teilnahme an fachlichen Schulungen zur Pflicht gemacht und die Förderung der Kleintierzucht beschlossen.

 

  1. Juni Ehrenmalweihe des Reichsverbandes der Baltikumkämpfer (KÖ).

Militärkonzertee, Zapfenstreich, Fahnenweihe  und Illumination zogen an beiden Tagen das  Publikum auf die Burg Saaleck. Grußadressen kamen vom Reichskanzler v. Hindenburg und Reichswehrminister v. Blomberg. Der Besitzer von Burg Saaleck, Dr. Stein wurde zum Denkmals- und Landschaftsschutzwart berufen.

Die Erinnerungstafel für die 36.000 Baltikum- und Freikorpsleute die zwischen 1918 und 1920 fielen, entwarf der Architekt Pfisterer aus Saaleck.

 

  1. Juni Beitrag „Burg Saaleck- Ein starkes Zeichen deutschen Lebenswillens“

 

  1. Juni Auftakt zur Luftfahrtwerbewoche (KÖ).

Vor dem Bahnhof stellte das Institut für Leibesübung, Halle einen Hochleistungssegler vom Typ Westpreußen vor. Die Fliegerortsgruppe belegte den  Saal der „Tanne“ als Fliegerheim und erwarb dann ein eigenes Segelflugzeug, den „Rhönadler“.

 

  1. Juni Mitteilung des Kösener SC (KÖ).

Der  Allgemeine Deutsche Waffenring hatte den KSCV aufgefordert, die nichtarischen Angehörigen auszuschließen. 42 von insgesamt 104 Corps betraf das nicht, 57 kamen der Aufforderung nach. Die 5 Kösener Corps die sich weigerten, wurden ausgeschlossen (Borussia-Halle, Vandalia-Heidelberg, Rhenania-Straßburg-Marburg, Bavaria-München, Suevia-Tübingen).  

 

  1. Aug. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Beschlossen wurde der Ankauf  des restlichen Geländes um das Gradierwerk zur Erweiterung der Parkanlage.

 

  1. Aug. Geschäftsanzeige der Gebrüder Steuer (KÖ).

Diese gaben die Verlegung der von ihrem Vater dem Apotheker H. Steuer gegründeten „Bad Kösener Fruchtsaftkelterei“ in die ehemalige Brücknersche Brauerei,  Saalstraße 27 bekannt.

 

  1. Aug. Inbetriebnahme des neuen Trinkwasserbrunnens (KÖ)

Der neue Brunnen war 9,6 m tief, fasste 200 m³, eine Verdoppelung des Speichervermögens. Die Pumpen konnten bis zu 50 m³/Std. aus dem Brunnen fördern. Der Tagesverbrauch an heißen Tagen wurde mit 440 m³ angegeben. Das Brunnenwasser hatte  24,5° Dt. Härte.

 

  1. Sep. Freigabe der Fußgängerunterführung am Bahnhof (KÖ).

Anstelle des Bruchsteingewölbes wurde die Unterführung mit einer Stahlkonstruktion überbrückt. Die Durchgangshöhe betrug nun 2,30 m (bisher 1,85 m). Entlang der Ladestraße bis zur Rudelsburgpromenade wurde der Gleiskörper mit einer Stützmauer versehen.

 

  1. Sep. Erste Verdunkelungsübung für den Luftschutz (KÖ).

„Es war eine Kostprobe auf einen hoffentlich nie eintretenden Ernstfall“ meinte hier noch der  Redakteur. Zwei Monate später wurde  eine Ortsguppe des Reichsluftschutzes gegründet.

 

  1. Sep. Außerordentlicher oKC und AT des VAC (KÖ).

Da der  „Mutigen Ritter“ geschlossen war, versammelten sich die rund 1.000 Teilnehmer im Kurgarten. In einer Entschließung gelobten sie dem Führer Treue, wandten sich aber gegen die  Gleichschaltung der Studentenschaft infolge des sog. „Kameradschaftserlass“  und forderten die Erhaltung von Eigenständigkeit und Selbstverwaltung.

 

  1. Nov. Hitler nimmt die Ehrenbürgerschaft an (KÖ).

 

  1. Nov. Schreiben des Bürgermeisters an den Kreisarzt (St.-A.).

Die desolate Situation der Stadt hatte den Staatsminister veranlaßt, beim Regierungspräsidenten wegen der Wiederaufnahme der Verhandlungen für eine Spezialkuranstalt für Allergiker im Interesse der Volksgesundheit vorstellig zu werden. Unter Bezug auf diesen Erlass versuchte der Bürgermeister, den Standort für eine geschlossene Behandlungs- und Forschungsanstalt  dem Kreisarzt und diverser Landesversicherungsanstalten zu empfehlen. Vorteilhaft wären  die reichhaltigen Kurmittel, die zentrale Lage mit guter Verkehrsanbindung, die Kombination mit Privatpatienten und die Möglichkeit der Angliederung einer chirurgischen Abteilung. Verwiesen wurde auf die bereits bestehenden Pläne des Architekten Pfisterer. Voraussetzung wäre aber die finanzielle Beteiligung der LVA staatlicher Kredite und Beteiligung von Pharmazieunternehmen, die die fehlenden Eigenmittel der Stadt ersetzen sollten.   

 Für die erforderlichen Verhandlungen erhielt  Dr. Senger eine Vollmacht der „Städtischen Badeverwaltung Bad Kösen an der Thüringer Pforte im Saaletal. Solbad, Klimat. Kurort Kongreßstadt, Spezialbad für Asthma und Katarrhe“.

 

  1. Dez. Die Karl Auer GmbH aus Bonn übernimmt die Roßnersche Mühle (KÖ).

Im Zusammenhang mit dem Eigentümerwechsel wurde dem Rechtsnachfolger der Fa. Ernst Roßner, Mühlenwerke Kommanditgesellschaft“ am 6. November vom Regierungspräsidium die Sicherstellungsurkunde  für das Wasserrecht zum Betrieb der Turbinen übertragen.

 

  1. Dez. Viehzählung im Stadtgebiet (KÖ).

227 Haushalte hielten Viehzeug, u. a. 27 Pferde, 4 Esel, 30 Rinder, 448 Schafe, 181 Schweine, 31 Ziegen, zahlreiche Kaninchen und Geflügel. Auch 68 Bienenvölker gehörten zum meldepflichtigen Tierbestand.

 

  1. Dez. Vereidigung von Stadträten (KÖ).

Entsprechend den Verfügungen zur Gemeindeverfassung wurde anstatt Ratsschöffen Stadträte ernannt, wie der Druckereibesitzer Both, der Betriebsführer der Zementfabrik, Nagel  und der Bahnhofswirt Springer.

 

                Neuauflage Adreßbuch der Stadt Bad Kösen 1934/35

Gedruckt im Verlag C.A. E. Heyner (Inh. O. Both) und bearbeitet vom Stadtsekretär Erich Bornschein wurde die Einwohnerschaft der Stadt und 25 im Interessenkreis liegende Dörfer alphabetisch und nach Straßen geordnet, aufgeführt. 5 Allgemeinmediziner, zwei Zahnärzte und ein Tierarzt hatten ihre Praxis, es gab 9 Bäcker, 5 Friseure, 7 Bauunternehmer, 4 Buchhändler, 3 Dachdecker, 6 Fleischer,  4 Elektriker,  6 Gärtner und zahlreiche weitere Handwerker, Geschäftsinhaber und Gewerbetreibende. Um Gäste bemühten sich 19 Fremdenheimbesitzer, 15 Besitzer von Gasthöfen und Hotels, 10 Gastwirtschaften und Kaffehäuser. Neben den Fremdenheimen gab es weit über 100 sonstige Kleinvermieter.

Bürgermeister und Kurdirektor war Schuster und Beigeordneter Steuer, Apotheker i. R. Es gab 16  Gemeinderäte . Zur Stadtverwaltung gehörten die Dienststellen Allgemeine Verwaltung (Röblitz), Badeverwaltung (Fichtner), Kämmerei, Wasserwerk, Solschacht, Kurmittelhaus, badeanstalt und Kraftwagenbetrieb. Zur Polizeiverwaltung gehörten 3 Hauptwachmeister und 2 Nachtwachen. Das Postamt unterstand dem Postmeister Herold, zum Personal des Bahnhofs gehörten 24 Mann. Neben zahlreichen Vereinen und  wohltätigen Einrichtungen gab es inzwischen zahlreiche Ortsgruppen und Gliederungen der NSDAP, darunter drei SA-und eine SS-Sturmabteilung. 

  

             Baugenehmigungen  für die  August-Bebel- Str. 15/17, Kotte und  Nr. 7, Brose (St-A.)

 

1935

 

  1. Jan. Die Sanitätskolonne wird als „DRK- Sanitätshalbzug“ formiert (KÖ).

Zum Halbzug gehörten 23 aktive Mitglieder, die medizinische Leitung hatte der Chef des Kinderheims „Haus Hertha“, Oberstabsarzt a. D. Dr. Klemm.

 

  1. Feb. Anbindung von Fränkenau an die Hassenhausener Chaussee (KÖ).

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung zum Haushaltsplan (KÖ).

Offensichtlich waren mehrere Altverbindlichkeiten ausgegliedert worden, denn die Einnahmen und Ausgaben von  674.700 RM waren im Planansatz ausgeglichen.

 

  1. Feb. Übergabe des FAD-Lagers 3/144 an das Kuratorium (BLK-A. Nr. 843).

Die  230 einquartierten Arbeitsmänner kamen ins Emsland zur Moorkultivierung. Nach der Übernahme  wurden 750 RM Regress vom FAD des Reg.-Bezirks gefordert.  Der lehnte ab und verwies auf die Landesschule, die dafür eine Rückbürgschaft bei der Einrichtung des Lagers übernommen hatte. Die Schulleitung lehnte ebenfalls ab und verwies auf den Bezirksausschuss der die Übernahme angeordnet hatte. Letztendes wies der Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung  den Kreisausschuss an die Zahlung zu leisten.

 

  1. Feb. Vereidigung der politischen Amtswalter der NS- Gliederungen im Kurgarten (KÖ).

Nach einem Appell in Anwesenheit des Kreisleiters Naumburgs Oberbürgermeister Uebelhoer, wurde die Vereidigung durch den Führerstellvertreter Heß vorgenommen.  

 

  1. Mär. Öffentliche Sitzung des Gemeinderates (BLK-A. Nr. 468, KÖ).

Bürgermeister Schuster verpflichtete nach der  Bestätigung durch den  Landrat  Kaufmann  G. Saalborn, NSDAP-Ortsgruppenleiter, Elektromonteur H. Hänisch, ranghöchster SA-Führer,  Molkereifachmann Wriedt, Kaufmann R. Zweigler, Oberpostsekretär W. Lindner, Dr. med.  A.  Senger, Schuhmachermeister E. Bauer, Hotelpächter H. Becker und Erbhofbauer H. Petzold. Dazu kamen noch die Stadträte Both, Nagel und Springer.

Genehmigt wurde der Pachtvertrag mit Apel für das Café am Gradierwerk für zwei Jahre  und einer Pacht in Höhe von 8% vom Umsatz. Für die laufenden Kurmusik sollte eine Viermann-Kapelle engagiert werden, für größere Konzerte  die Spielmannzüge der Parteiorganisationen, der Wehrmacht und des RAD.

 

  1. Mär. Informationsveranstaltung zur bevorstehenden Badesaison (KÖ, St.-A. Nr. 493).

Die NSDAP-Ortsgruppe und die Badeverwaltung informierten die Vermieter und Hoteliers über die mit dem KdF für das „Urlauberaufnahmegebiet des Gaues Merseburg-Halle“ getroffenen Vereinbarungen zur Durchführung von Urlaubsfahrten mit bis zu 1.000 Teilnehmern. Dazu waren umfangreiche Vorbereitungen für die Betreuung, Versorgung und Unterbringung erforderlich.  Die Vermieter wurden aufgefordert, zu diesen Zeiten keine  Betten an Dritte zu  vermieten und freie Betten umgehend der Badeverwaltung zu melden. Die relativ niedrigen Vergütungen die vom KdF für Unterkunft und Verpflegung bereitgestellt wurden, stießen bei den Inhabern der „besseren Häuser“ auf Ablehnung. Die Aussicht auf „Masse“ relativierte dann das Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

  1. Mär. Verhaftung von Pfarrer Bertheau (Belau, Naumburger Notizen, 100 Jahre Kirche).

Bertheau, der sich weigerte  sich schriftlich von einer Kanzelabkündigung der bekennenden Kirche der Altpreußischen Union zu distanzieren, wurde in Schutzhaft genommen und konnte die für den kommende Tag, dem Heldengedenktag, angesetzte Predigt nicht halten. An seiner Stelle erschien der Naumburger Superintendent Moering, dem die Gemeinde aber die Kanzel verweigerte. Die Predigt hielt dann der Kirchenälteste, Lehrer W. Wenzely. Bertheau wurde kurz danach wieder auf freien Fuß gesetzt.

 

     Mär. Schreiben der Kurdirektion an den Bezirksfürsorgeverband (St.-A. Nr. 754)

Man warb damit, dass dem Beispiel der LVA von Sachsen-Anhalt und Braunschweig auch dieser Verband seine Mitglieder zur Kur nach Kösen schicken sollte.  

 

  1. Mär. Schreiben des Regierungspräsidiums an den Bürgermeister (St.-A.).

Als Voraussetzung für die Errichtung einer Asthma-Kuranstalt wurde dem Bürgermeister aufgegeben, einen ordinierten Brunnenarzt mit der Spezialisierung auf Asthma  anzustellen, eine Krankenstation mit bis zu 20 Betten und dazu gehörenden Laboratorium einzurichten und das Klima auf Allergiefreiheit untersuchen zu lassen. Diese Auflagen konnte die Stadt in Anbetracht ihrer Finanzen nicht erfüllen.

 

      Apr. Die Gürth-Brauerei verpachtet den „Mutigen Ritter“ an Franz Gottschling (KÖ).

Wegen des zu erwartenden Besucherstroms, fehlten Kapazitäten vor Ort. Der Badeverwaltung verlangte von der Brauerei eine umgehende Wiederinbetriebnahme mit dem Hinweis auf die Verträge mit dem KdF. Da sich kurzfristig  kein Käufer fand, wurde das Haus nach zähen Verhandlungen für die bevorstehende Saison an Gottschling verpachtet, der als Angestellter bei Waldhausen die erforderlichen Kenntnisse aber keine Mittel zum Erwerb des Hauses hatte.

 

  1. Apr. Antrag des NS-Ortsgruppenleiters an den Kreisleiter (BLK-A. Nr. 843).

Nach der Auflösung des FAD Lagers beantragte Saalborn, hier die NS-Ortsgruppe und deren örtliche Gliederungen, wie den Reichsluftschutzbund unterzubringen. Randnotiz des Kreisleiters „das Haus soll schnellstmöglich wieder als Kinderheim genutzt werden“.

 

  1. Apr. Hitler erhält die Ehrenbürgerurkunde (KÖ).

Am Abend versammelten sich alle Mitglieder der NS Verbände in der „Katze“ um den Geburtstag des Führers würdig zu begehen.

 

  1. Mai Anordnung des Erziehungsministers Rust (drf MZ 03/93).

Die Landesschule Pforta wurde in eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt NAPEA umgewandelt, die älteren Schüler und die Lehrer entlassen. Der Anstaltsleiter Dr. Person und der gesamte Lehrkörper waren linientreue Nationalsozialisten, die die Aufgabe hatten, die Schüler darauf vorzubereiten „in nicht allzu ferner Zukunft unter dem Banner Adolf Hitlers zu marschieren“ wie es bereits v. Schirach auf seiner Rede vor den Reichsjugendführern angekündigt hatte.

 

  1. Mai Schwerer Unfall am Schienenübergang (BLK-A. Nr. 668)

Als bei einem Lastzug die Bremsen versagten, lenkte der Fahrer das Fahrzeug gegen den Schrankenbock. Im gleichen Moment fuhren drei  Dampfloks durch. Bereits im Februar war der Bürgermeister bei der RBD Erfurt vorstellig geworden und hatte auf das hohe Verkehrsaufkommen von 3000 Fahrzeuge und die langen Schließzeiten hingewiesen.

 

  1. Mai Bekanntmachung zu den Tagungen und Sonderzügen im Mai und Juni (KÖ).

Am ersten Maiwochenende kam ein Sonderzug mit 900 Personen aus Halle,  es folgte eine „Fahrt ins Blaue“ der RBD Chemnitz.  Avisiert waren am 12. Mai ein Sonderzug der RBD Berlin, am 30. Mai die RBD Halle, am 2. Juni die RBD Schwerin und  am 23. Juni die RBD Hamburg. Außerdem fanden am 12. Mai die Rudelsburgfahrt der Studenten sowie die Tagung der Reichsbahnärzte statt. Es folgten am 25. Mai der Verbandstag der Feuerwehren des Landkreises, das Reichstreffen der Baltikumkämpfer (das auf höchste Anweisung aber ausfiel), am 16. Juni eine Reichswehrtagung, am 23. Juni eine Dozententagung der Universitäten Leipzig-Jena-Halle, die Tagungen der Ortsgruppen der NSKOV Halle mit 1.000 Teilnehmern und ein „Kaffeezug“ mit 450 Leipziger Hausfrauen. Das Brunnenfest und nach längerer Unterbrechung auch wieder das Reit- und Fahrturnier sollten im  Juli stattfinden.

Gleichzeitig schaltete die Stadt Werbeanzeigen  als Sol- und Eisenmoorbad in zahlreichen regionalen und überregionalen Zeitungen (St.-A. Nr. 4). 

 

  1. Mai Verpachtung der Hämmerlingschen Bäckerei an Georg Becker (KÖ).

Um sich gegenseitig keine Konkurrenz zu machen, durfte Becker keine Konditoreiwaren herstellen und Schoppe verzichtete auf die Herstellung von Brot und Brötchen.

 

  1. Mai Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Bewilligt wurde die Pensionierung des langjährigen Gemeindesekretärs Röblitz und die Ernennung von Bornschein als Nachfolger, sowie die Eingemeindung der Grundstücke Am Rechenberg 23, 25, 9 beschlossen.

 

  1. Mai Schreiben von Dr. Klemm an den Landrat (BLK-A. Nr. 843)

Im Hinblick auf die geplante Wiedereröffnung der  Kinderheilstätte machte Klemm Bedenken geltend.  Alle privaten Kinderheime (Klemm, Burkhardt-Hoepner,  Ohm, Kinderheim Cornelia) sowie das NSV-Kinderheim hätten Belegungsprobleme. Besser wäre es, hier die  Mütterberatungsstelle und die NS Kinder- und Jugendorganisationen wie BDM und  HJ unterzubringen.

 

  1. Mai Besichtigung des Kinderheims Klemm (BLK-A. Nr. 843)

Der Kreisausschussvorsitzende des Landesfürsorgeverbandes bescheinigte dem mit 66 Kindern belegten Heim eine vorbildliche Betreuung bei voller Auslastung und die Hinfälligkeit der Bedenken wegen der Kinderheilstätte.

 

  1. Juni Kongress des KSCV und des VAC (KÖ).

Im Festsaal des „Mutigen Ritter“ wurde ein Telegramm Hitlers verlesen, in dem dieser den Corpsstudenten für ihr Treuegelöbnis dankte. 

 

  1. Juni Erklärung des NSDAP-Ortsleiters Saalborn (St.-A. Nr. 469)

Als Schuster erneut einen Antrag auf NSDAP-Mitgliedschaft gestellt hatte und sich dabei auf seine langjährige  Mitgliedschaft im Stahlhelm berief, wurde das vom Orstleiter bestritten. Schuster sei nicht 1931 dem Stahlhelm beigetreten, sondern erst am 01. Mai 1933 nachdem sein erster Aufnahmeantrag abgelehnt worden war. „Die Partei kämpft heute noch um seine Abberufung, da er auf Grund seiner Einstellung vor wie nach der Machtübernahme für uns als Bürgermeister untragbar war“ meinte Saalborn abschließend.

 

  1. Juni Urteil des 5. Strafsenats des Kammergerichts Berlin (Belau: Naumburger Notizen)

Im Schwurgerichtsgebäude Naumburg wurden u. a. Paul Hein (Jg. 1897) zu 4 Jahren und H. Firchaus (Jg. 1894) zu zwei Jahren Zuchthaus wegen Vertriebs verbotener (kommunistischer) Schriften (Rote Fahne, Junge Garde) und Beitragskassierung für die illegale KPD verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe wurden beide entlassen und blieben bis Kriegsende weitgehend unbehelligt.

 

  1. Juni Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Beschlossen wurde der Anschluss des Kösener Jagdbezirks an die Flur Niedermöllern, da die 250 Hektar nicht für einen eigenen Bezirk ausreichten. 

 

  1. Juli 50 Jahre Stadtsparkasse (KÖ).

Die Spareinlagen betrugen zu Jahresbeginn 708.000 RM. Im Juni wurde der bisherige Rendant Muschalla zum Stadt-Sparkassenleiter vom Sparkassen und Giroverbandes ernannt.

 

  1. Juli Eröffnung der neuen Räume des Heimatmuseums (KÖ).

Durch den Nachlass des Malers Bröker und einer  geologische Sammlung aus dem Nachlass des Oberstudiendirektors Röllig reichten die Räume im Kurmittelhaus nicht. Auf Initiative des Konrektors Hinsche kame die Sammlung im Dachgeschoss der Schule unter.

 

  1. Juli Verbot des Reichstreffens der Baltikumkämpfer (Belau 2011).

Die Gestapo untersagte das Treffen, da es nicht zu den Friedensbekundungen der Reichsregierung am Vorabend der Olympischen Spiele in Berlin passte. 3 Tage später wurde der Reichsverband verboten.

 

  1. Juli Brunnenfest (St.-A. Nr. 719)

Am Sonnabend gab es den Gemeinschaftsabend des KdF, am Sonntag folgten Gottesdienst, Festumzug und Konzert, der Montag war den Kinder vorbehalten und am Dienstag ein Konzert im Hindenburgpark.

 

  1. Juli Protokoll des Polizeihauptwachtmeisters Patzschke (BLK-A. Nr. 776).

Noch immer sorgte die Schafherde für Unmut. Patzschke berichtete über massive Beschwerden der Heimleitung der BUBIAG und der Gäste des Mutigen Ritters, hatte aber immer noch keine rechtliche Handhabe, um die Belästigungen zu unterbinden. 

 

  1. Juli Stellenplan der städtischen Angestellten (BLK-A. Nr. 468)

Der bestand aus 2 Kassen-, 3 Sparkassen- und  1 Verwaltungsgehilfen, 1 Vollzugsbeamten und 2 Hilfspolizisten. 

 

  1. Aug. Besuch des Präsidenten der RBD Erfurt (BLK-A. Nr. 668)

Der erklärte, dass im Zusammenhang mit der geplanten Elektrifizierung die Beseitigung des Überganges und die Zusammenlegung der Staatsstraße und der Lindenstraße vorgesehen wären. Den Plänen zur Erweiterung der Gleise widersprach der Magistrat, wenn dabei die große Promenade beeinträchtigt würde. 

 

  1. Sep. Herauslösung der Stadtsparkasse aus der Stadtverwaltung (BLK-A. Nr. 468)

Der Leiter Muschalla bemühte sich in der Folge auch um  geeignete Räumlichkeiten.

 

  1. Okt. Anordung zur Eingliederung von Schulpforte (MER Rep C48Ih Nr.918)

Auf Anweisung des Reg.-Präsidenten wurden die Gemeinde nach Kösen eingemeindet. Die Einwohnerschaft  wuchs von 3.373 auf  3.988 der Stadtbezirk vergrößerte sich um das 6 fache auf  1482 Hektar. Bad Kösen wurde beschrieben als mittlerer Bade- und Kurort sowie Ruhesitz für Beamte im Ruhestand, keine Industrie von Bedeutung, Schulpforte als Schulgemeinde mit großen land- und forstwirtschaftlichen Besitz.

 

  1. Okt. Zwangsauflösung des KSCV (Handbuch KSCV).

Letztendlich beschloss die Verbandsführung auf Druck der NS- Studentenschaft die Selbstauflösung.

 

  1. Okt. Broschüre „Burg Saaleck in Geschichte, Sage und Dichtung“.

Anlässlich des 65. Geburtstages von Stein-Saaleck verlegte der Edda Verlag dieses Heft. In den letzten Jahren waren zwei Dichtungen erschienen, die sich mit Saaleck beschäftigten, so 1927 „Die Geister der Burg Saaleck“ und 1928 „Markgraf Ekkehard“.

 

  1. Okt. Berufung ehrenamtlicher Ratsherren (BLK-A. Nr. 468)

Die Ernennungsurkunde für die kommenden sechs Jahre erhielten Dr. Senger, R. Zweigler, W. Lindner, E. Bauer, H. Becker, H. Petzold, M. Walter, G. Stehr und  A. Schulz, die Stadträte Nagel und Springer sowie G. Saalborn als bevollmächtigter Vertreter der NSDAP.

 

  1. Nov. Das „Bad“ wird dauerhafter Bestandteil des Ortsnamens (BLK-A. Nr. 826).

 

  1. Nov. Bericht des Bürgermeisters an das Regierungspräsidium (St.-A.).

Bei den Verhandlungen über eine finanziellen Beteiligung der Landesversicherungsanstalten und der pharmazeutischen Großindustrie an eine Heilanstalt war man nicht weitergekommen. Um die Auflagen zu erfüllen, wollte man nun Prof. Vogt, Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses und der Deutschen Gesellschaft für Bäder- und Klimakunde als Gutachter einbeziehen. Im Anhang zum Schreiben finden sich die 20 Kassen, die ihre Patienten hierher überwiesen und eine Tabelle zeigt die Übernachtungen von 1913  bis 1938. 

 

  1. Nov. Schreiben des Reichsschatzmeisters der NSDAP (MER Rep C 48Ih Nr. 918)

Der teilte dem Reg.-Präsidenten mit, dass das vom NSDAP-Gauschatzmeister für 38.000 RM erworbene ehemalige Parkhotel (Russenvilla) von der Partei nicht als kommunalpolitische Schulungsstätte genutzt werden darf, und das Anwesen dem Land Preußen zur Verfügung gestellt wird. Nachdem das Land abgelehnt hatte wurde das Anwesen verkauft und als Pensionshaus „Griseldis“ weitergeführt.

 

  1. Dez. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Informiert wurde über die Genehmigung des neuen Stadtwappens und dass man das Modell des Gradierwerks zu Reklamezwecken im Sporthaus Schrimpke in Leipzig austellt.

 

  1. Dez. Schweres Zugunglück zwischen Kösen und Großheringen (KÖ, NTB 2005).

Wegen Überfahrens eines Haltesignals prallte ein D-Zug mit zwei Vorspannlokomotiven seitlich in einen Personenzuges am Abzweig der Saale- von der Thüringer Bahn. Das Unglück forderte 33 Tote und zahlreiche Verletzte. Der Kösener DRK-Halbzug war eine der ersten Rettungsmannschaften vor Ort.

 

            Baugenehmigungen für die Berbigstr. 6 - Klose, Nr. 4- Bretschneider, Nr. 2 - Gobel-Huck           und die Kukulauer Str. 3 und 4 (St.-A).

 

1936

  1. Jan. Schreiben des Bürgermeisters an Prof. Vogt (St.-A.) .

Prof. Vogt, Leiter der Reichsanstalt für das  Bäderwesen  und Ordinarius der medizinischen Fakultät für Bäder - und Klimakunde wurde als Fachmann um Hilfe bei der Einrichtung einer zentralen Asthmaanstalt gebeten. Er verlangte zunächst den Nachweis, dass die Stadt die entsprechenden Voraussetzungen habe, machte aber zugleich nur wenig Hoffnung, da die vorhandenen Sanatorien  die Nachfrage deutschlandweit abdecken könnten.  

 

  1. Feb. Faschingsveranstaltung im „Mutigen Ritter“ (St.-A. Nr. 396)

Die Kurverwaltung organisierte ein Veranstaltung, die für sie Neuland war, aber ein „Knaller“ werden sollte. Dazu hatte man sich im Vorfeld bei einer Agentur aus Weimar Rat geholt, mit dem Ergebnis , eines Kostümfests unter dem Motto „Herz ist Trumpf“. Verpflichtet wurden zwei Tanzkapellen, dazu Solisten vom Rundfunksender Leipzig und  dem Landestheater Halle. Der „Blaue Salon“ war Schifferkneipe, die seemännische Dekoration lieferte der Hamburger Lloyd. Außerdem gab es ein Sektzelt und eine Tombola. Geworben wurden in Weißenfels, Weimar und Jena mit Plakaten und Zeitungsinseraten. Direkt angeschrieben wurden Töchter- und Haushaltsschulen, die NS Studentenbünde sowie die Kommandeure der Naumburger und Weißenfelser Garnison. Im Vorverkauf kostet die Karte 1,75 Mark für Kostümierte und 2,50 Mark für Besucher im Gesellschaftsanzug.   Trotz vollem Haus war die Veranstaltung ein finanzieller Reinfall, den 1.022 Mark an Einnahmen aus Vorverkauf, Abendkasse und Tombola standen 1378 Mark an Ausgaben gegenüber.

 

      Mär. Preußens Ministerpräsident  H. Göring besucht Schulpforte (KÖ).

Die Schüler der NAPEA traten zum Appell in Jungmannenuniform mit hellgelben Achselklappen an.

 

  1. Mär. Schreiben des Landrates Freiherr v. Wilmowski (BLK-A. Nr. 468)

Auf Anfrage teilte er den Stand der Vorbereitungen für die Beseitigung der schienengleichen Schrankenübergänge und den Umbau der Saalebrücke mit, allerdings ohne konkreten  Termin.

 

  1. Apr. Schreiben des Bürgermeisters an Prof. Vogt (St.-A.).

Schuster zählte die Vorzüge des bades auf, darunter die Erfahrungen und die Kureinrichtungen zur Asthmabehandlung. Dazu hätten die LVA Preußen und Thüringen darauf hingewiesen, dass es in Mitteldeutschland keine derartige Anstalt gäbe. Prof. Vogt wurde eingeladen, sich vor Ort  zu überzeugen, wobei die Reisekosten von der Stadt getragen würden.

 

  1. Apr. Sitzung des Kuratoriums der Kinderheilstätte (BLK-A. Nr. 843)

Der Bezirksfürsorgeverband, dem die Trägerschaft angeboten wurde, stellte fest, dass das Hauptgebäude und die Inneneinrichtung sofort nutzbar waren, die Finanzen geordnet, eine  Oberin gewonnen und zahlreiche Anmeldungen vorlagen Geplant waren Verträge  mit Betrieben, die dann die Kinder der Gefolgschaften  zur Kur schickten und natürlich auch für die Kosten aufkommen würden. 

 

  1. Mai Friedrich Zippließ übernimmt das Elektrogeschäft Buchholz, Lindenstraße 6 (KÖ).

Das Haus gehörte seinem Schwiegervater Colditz, der hier mit  Schuhen handelte.

 

      Mai Einrichtung des ersten öffentlichen Parkplatzes im Hindenburgpark (KÖ).

 

      Mai Bad Kösen – Sonderseite der Leipziger Neuesten Nachrichten (priv).

Geworben wurde mit auf einer ganzen Seite mit den Heilmitteln und Naturschönheiten. Daran beteiligten sich auch alle Hotels, Pensionen, Fremden- und Kinderheime.

Neu zum Saisonbeginn war die vom Architekten Graumüller-Saaleck mit einer Mauer versehene Aussichtsterrasse am „Malerwinkel“.

 

  1. Mai Abgeordnetentag des VAC (KÖ).

 

  1. Juni Stellungnahme des NSDAP Ortsgruppenleiters (St.-A.).

Bürgermeister Schuster hatte zum wiederholten Mal einen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP gestellt. Beim ersten Mal fiel er unter  die Mitgliedersperre im Jahr 1933, der zweite Versuch über die Naumburger Motor-SA beizutreten, war fehlgeschlagen. Saalborn lehnte den über den NS-Frontkämpferbund („Stahlhelm“) eingereichten Antrag ab. Er meinte, dass Schuster nur eintreten will, um im  Amt zu bleiben, denn vor 1933 habe er die NSDAP bekämpft. Seither versucht die  NSDAP seine Abberufung herbeizuführen.

 

  1. Juni Bürgerversammlung zur Ausgestaltung des Heilbades (KÖ).

Zunächst begründete der Bürgermeister die Notwendigkeit einer weiteren Steuererhöhung wegen der Sozialleistungen und trotz erfreulichen Anstiegs der Gästezahlen (1932: 2.725; 1933: 2.592; 1934: 2.808; 1935: 3.180) was positiv auf die Kurtaxe und die Gewerbesteuer wirkte.

Daher plante ,man auch die Wiedernutzbarmachung der Beyschlagquelle und den Ausbau der städtischen Straßen

Der Magistrat kritisierte die frei laufende Hunde, unansehnliche Vorgärten und Nichteinhaltung der Kehrordnung, wogegen die Einwohner die unzureichende Ausschilderung, die fehlende Straßenbesprengung bei trockenem Wetter und insbesondere die Situation an den Schranken und der Unterführung kritisierten. 

 

  1. Juni Tagung des SS-Oberschar-Abschnitts „Elbe“ im Kurgarten (St.-A. Nr. 92).

 

  1. Juli Schreiben an den Generalinspekteur für Straßenwesen Todt (BLK-A. Nr. 668)

Inzwischen hatte es Gespräche zwischen dem Landrat, der Reichsbahn und der Reichsstraßenverwaltung über Kostenverteilung bei der Beseitigung des Schienenüberganges gegeben, allerdings ohne weitere Festlegungen. Der Magistrat schilderte der oberste Behörde die unhaltbaren Zustände,  9 schwere Unfälle im Vorjahr und  5 im laufenden Jahr, die langen Schließzeit der Schranken (bei 170 Zugdurchfahrten wären die Schranken alle 7 Minuten geschlossen) und bat um Beseitigung der Gefahrenquelle.

 

  1. Juli Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Beschlossen wurde die Einstufung der städtischen Beamten (Bürgermeister, Rendant, Stadtinspektor, Gegenbuchführer und Sparkassenleiter). Die Verwaltung sollte „böswillige Nichtzahler“ verklagen.

 

      Juli Weihe des Ehrenmals des Bundes der Thüringer Berg-, Burg und Waldgemeinden.

Jede Gemeinde hatte einen für sie typischen Naturstein mit Inschrift auf dem Hausberg bei Jena, neben dem Fuchsturm aufgestellt, die Rudelsburggemeinde einen Muschelkalkblock. 

 

  1. Aug. Der erste Urlauberzug des KdF bringt 500 Gäste aus Württemberg (KÖ).

Während des viertägigen Aufenthalts wurde ein abwechslungsreiches Programm geboten. Danach kamen 800 Urlauber aus Hamburg, die acht Tage blieben. Außerdem kamen an den Wochenenden weitere Sonderzüge, darunter allein 1.250 Mitarbeiter der Kohlenwerke Profen und Wählitz.

 

  1. Aug. Zeitungsmeldung zur geplanten Elektrifizierung der Bahnstrecke (St.-A. Nr. 60).

 

  1. Aug. Der Kreisschulrat besichtigt die Kinderheilstätte (BLK-A. Nr. 843)

Der Verwaltungssauschuss (Bankier Krüger, Landrat Pape, Apotheker Steuer, Dr. Bucke) berichteten, dass von April bis Oktober jeweils 60 Kinder eine sechswöchige Erholungskur verbringen konnten. Die Betreuung oblag einer Oberschwester, einer Kindergärtnerin und zwei Helferinnen, die in Halle zur Kindergärtnerin ausgebildet wurden.

 

  1. Aug. Einquartierung eines Infanterieregiments während einer Übung (KÖ).

Anfang September folgte eine motorisierte Armeeabteilung aus Potsdam.

 

  1. Sep. Gründung des „Stadttheaters“ (KÖ).

Durch den Beitritt der Stadt zum Verein „Mitteldeutscher Landestheater“ einer Gliederung der NS Kulturgemeinde sollten jährlich 2 Operetten, 2 Schauspiele, 2 Lustspiele und 2 Konzerte von der  Landesbühne aufgeführt werden.

 

  1. Sep. K. Kühnl wird Geschäftsführer im Baugeschäft Reichenbach (KÖ).

Zur gleichen Zeit übernahm E. Fielko die Bäckerei Lützkendorf in der Borlachstr. 17.

 

  1. Okt. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Abgelehnt wurde die Einstellung eines Kurdirektors, angenommen die Wiedereinrichtung einer Jugendherberge. Mit den Erben von Carstanjen wurde dann ein Mietvertrag über das Anwesen Rudelsburgpromenade 12 abgeschlossen.

 

  1. Okt. Die Kurzeitung meldet insgesamt 4.430 Kurgäste (KÖ).

 

  1. Nov. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Nach der Übernahme des Wilhelmsbades durch die NSV wurde der katholischen Gemeinde der Kirchenraum im Gartenhaus aufgekündigt. Diese beantragte den Bau eines Gotteshauses im Kurpark, was der Gemeinderat  einstimmig ablehnte. Bewilligt  wurde die Niederschlagung der Mietrückstände von Mietern der städtischen Wohnungen, nachdem sich die Klage auf Nachzahlung als unwirksam erwiesen hatte. 

 

  1. Dez. Dr. phil. Otto Dittmann begeht seinen 80. Geburtstag. (KÖ).

Dittmann lernte in Schulpforta, studierte in Jena Mathematik und Nationalökonomie und in Leipzig Jura. Nach seiner Promotion war er Schriftleiter bei Brockhaus in Leipzig, und dort für das Konversationslexikon zuständig. 1932 nahm er hier seine Altersruhesitz.

 

  1. Dez. Zeitungsnotiz zum Abschluss der Umbauarbeiten des Wilhelmsbades. (KÖ).

Der Architekt Graumüller-Saaleck die Fassade des zur NSV-Führerschule umgebauten Bades im Stil  „Führerarchitektur“ gestaltet. 

 

     Baugenehmigung für das Wohnhaus Berbigstr. 6 Thorwirt (Sta.-Ar.)..

 

1937

 

  1. Jan. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Genehmigt wurde ein Münzfernsprecher vor der Konditorei Hämmerling und die Zusammenfassung der bei der Stadt geführten Stiftungen.

 

  1. Feb. Einführung der zahnärztlichen Pflicht-Untersuchung an der Stadtschule (KÖ).

 

  1. Feb. Urteil der Großen Strafkammer am Naumburger Amtsgericht (KÖ).

Wegen Betrugs bei der Abrechnung von Kassenrezepten und wegen Verkauf von Verbandstoffen an Kassenmitglieder sowie wegen Verstoß gegen das Opiumgesetz wurde der Apotheker G. U. (Unruh) zu einem halben Jahr Gefängnis, einer Geldstrafe und 1 Jahr Berufsentzug verurteilt. 

 

  1. Feb. Besuch des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen (KÖ).

SA-Obergruppenführer v. Ulrich besichtigte  die Käthe-Kruse Werkstätten und das Krauß`sche Holzwerk. Zum Empfang hatten sich alle arbeitsfreien Einwohner in Arbeitsbekleidung am Rathaus einzufinden. In seiner Eigenschaft als Aufsichtsbehörde des Mitteldeutschen Fremdenverkehrsverbandes überreichte er dann die staatliche Anerkennung als  Fremdenverkehrsgemeinde. 

 

  1. Mär. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Beschlossen wurde der Haushaltsplan mit Einnahmen von 639.165 RM, Ausgaben von 659.865 RM. Der Hebesatz der Grundsteuer I betrug 290%, bei Grundsteuer II 260%, bei der Gewerbesteuer 324%, der Zweigstellensteuer 390 % und ein Zuschlag auf die Bürgersteuer von 700 %. Der Kassenkredit wurde auf 15.000 RM begrenzt.

 

  1. Mär. Verlegung der Berufsschule nach Naumburg (Hallesche Nachr.)

 

  1. Mär. H. Hansen übernimmt das Heckenberg`sche Feinkostgeschäft an der Brücke (KÖ).

 

  1. Mär. Ankündigung der NS- Ferienorganisation KdF (KÖ).

Für diese Saison waren 7 Urlauberzüge geplant. Die Urlauber sollten eine Woche bleiben weshalb freie  Quartiere gesucht wurden.

 

  1. Mär. Ankunft des ersten Floßes am Wehr (MNZ).

Die Floßführer waren Gräfe aus Saaleck und Graf aus Lengefeld.

 

  1. Mär. Jahreshauptversammlung des Hausbesitzervereins (MNZ).

Bürgermeister Schuster informierte darüber, dass die Landesschule Bauplätze. Für Bauwillige gab es eine staatliche Förderung,  wenn die Baukosten 12.500 RM nicht überstiegen. Daraufhin gründete sich ein Verein, der für den Bau von Siedlungshäusern auf dem Aschendamm  warb. Die Häuser sollten aus  einem Wohn- und einem Stallteil bestehen, das DG sollte ausbaufähig sein. Die Grundstücksgröße wurde mit 800 bis 900 m² angegeben, die Baukosten betrugen ca. 6.500 Mark. 15% Eigenkapital, bei kinderreichen Familien 10 % waren erforderlich und mit einer Rate von 32 RM monatlich war man nach 30 Jahren schuldenfrei.

 

  1. Mär. Gemeinderatsitzung (BLK-A. Nr. 468)

Die Besucherfrequenz war von 2.772 im Jahr 1935 auf 4.030 im Jahr  1936 gestigen, womit die Einnahmen wuchsen und der Fehlbetrag  um 4/5 sank. Beschlossen wurde die Einstellung eines Stadtgärtners. Abschließend beantragte Bürgermeister Schuster seine Versetzung in den Ruhestand zum 01.01. 1938

 

      Apr. Beginn von Sicherungsarbeiten an den Türmen der Saalecksburg (MNZ).

Nach der Genehmigung des Provinzkonservators wurden unter Aufsicht des Architekten Pfisterer die Außenmauern saniert. 

 

  1. Apr. Aufmärsche und Betriebsfeiern am Vorabend des Maifeiertages (MNZ).

Während HJ und BDM vor dem Kurmittelhaus den Maibaum setzten, versammelten sich die  hier wohnenden Beschäftigten der Leuna-Werke im Kurgarten, die Belegschaft der Zementfabrik in der Katze, die der DREIKAH-Werke im Hotel Apel, die der Holzwerke auf dem Himmelreich, Maurermeister Kühnl war im Deutschen Haus und Zimmermeister Kotte bei Salzmann. Nur die Gefolgschaft der Käthe-Kruse-Werkstätten feierte die Hochzeit der Prokuristin Conrad, geb. Mehle-Dankhoff.    

 

  1. Mai Ankunft des ersten Sonderzuges zum Nationalfeiertag (MNZ).

Die 500 Gefolgschaftsmitglieder des Mitteleuropäischen Reisebüros muss nach der Ankunft an der Maidemonstration und der anschließenden Rundfunkübertragung des Staatsaktes vor dem Kurmittelhaus teilnehmen. Am nächsten Tag trafen 600 Tagesausflügler aus Leipzig ein.  

 

  1. Mai Schreiben an den Vieh-Verwaltungsverband Sachsen-Anhalt (St.-A. Nr. 46)

Die Zuweisung von Lebensmitteln erfolgte auf der Basis der ortsanwesenden Bevölkerung. Für die Verteilung an die Geschäfte wurden Obmänner bestellt. Orte mit hoher Besucherfrequenz  erhielten Sonderkontingente auf Basis der registrierten Besucher der Vorjahre. Da absehbar war, dass es für die avisierten Besucher nicht reichen würde. Nach der meldung des Obmanns Timmler, beantragte die Stadt die Erhöhung der Sonderkontingente. Im Antrag wurden die Besucherzahlen aufgelistet. 1935 wurden von Mai bis September 2531 Kurgäste und 6026 Passanten registriert. Weiter 2.610 Tagesausflügler kamen mit 5 Sonderzüge brachten, 2.200 auswärtige Besucher zählte das Brunnenfest, die Tagung des Feuerwehrverbandes und das Reit- und Fahrturnier. Diesmal rechnete man mit 4.900  Kurgästen,  6.000 Passanten  und 5.800 Teilnehmern an Sonderfahrten, insgesamt 181.000 Verpflegungstage.

 

  1. Mai Sonderzug des RB-Verkehrsamts Zwickau (St.-A. Nr. 92).

Für die Betreuung der 800 Teilnehmer wurden drei städtische Bedienstete bereitgestellt, die dafür 2,50 RM erhielten. Für das Mittagessen gab es Verzehrbons, die in von allen Gaststätten angenommen wurden. Der Ausflug endete mit einem Unterhaltungsprogramm am Gradierwerk.  

 

  1. Mai Besucheransturm (MNZ).

Zu Himmelfahrt hatte das KdF eine  Großveranstaltung im Kurgarten organisiert. Am darauffolgenden Sonnabend trafen dann 5 Sonderzüge aus Delitzsch, Leipzig, Chemnitz, Berlin und Halberstadt ein. 

Einen Zwischenstopp im Hotel Salzmann legten der preußische Ministerpräsident Generaloberst H. Göring und der Reichsorganisationsleiter der DAF Dr. Ley ein. 

 

  1. Mai Tagung des Verbandes Alter Herren im „Mutigen Ritter“ (KÖ).

Der Abgeordnetentag beschäftigte sich mit den Anordnungen des Reichsjugendführers zum öffentlichen Farbentragen. Der Tag endete mit dem Festkommerz. 

 

  1. Mai Pfingstverkehr (KÖ).

Erneut erwiesen sich die Schrankenübergänge und die Unterführung als Nadelöhr.  Trotz oder wegen der neuen Straßenverkehrsordnung kam es zu zahlreichen Karambolagen, da Gespanne, Radfahrer und Handwagenführer diese Regelungen ignorierten. Das führte auch an verkehrsärmeren Tagen ständig zu Unfällen und erneut wurde der Ruf nach einer baldigen  Lösung  laut.  

 

  1. Mai Sonderfahrt des Dresdener Eisenbahnvereins (KÖ).

3 Sonderzüge brachten rund 3.000 Tagesbesucher, für die eine zentrale Essenversorgung organsiert  wurde. Anderntags traf der erste KdF- Urlauberzug aus Schleswig-Holstein ein.

 

  1. Juni Eröffnung der Gauschule der NS-Volkswohlfahrt Eckartsbergaer Straße (KÖZ).

Die NSV hatte das ehemalige „Wilhelmsbad“ dem  Apotheker A. Löffler und Frl. Lucie Löffler aus Worbis abgekauft. Nach diversen Umbauten im Sinne nationalsozialistischer Architektur kam Gauleiter Eggeling persönlich zur Einweihung. Am 15. Juli begann der erste Kurs in der  „sozialistischen Erziehungsstätte“ für  40 NSV-Amtswaltern.

 

  1. Juli Festsitzung zum 50jährigen Bestehen der Kinderheilstätte (BLK A. Nr. 843)

Das Prospekt warb bei den Eltern von  „erholungsbedürftigen, schwächlichen und nervösen Kindern“ und empfahl wegen des milden Klimas die Angebote im Frühjahr und Herbst,

 

  1. Juni Gemeinderatssitzung (KÖ).

Dem Antrag des Bürgermeisters auf vorzeitige Pensionierung wurde zugestimmt.

 

  1. Juli Eröffnung des Müttergenesungsheim der NSV in der Friedrich. Ebert Straße (KÖ).

Im ehemaligen Frauensanatorium von Dr. Löffler waren 40 Plätze eingerichtet. Außerdem gehörten der NSV-Gauamtsleitung das Grundstück Eckartsbergaer Str. 1 (Oberin E. Hoepner) und die Kerstensche Villa. Hier befanden sich die Wohnräume für Lehrer sowie eine Schwesternschule.  

 

  1. Juli. Eröffnung der Arztpraxis von Dr. Rutz (KÖ).

 

  1. Aug. Information des Gemeinderates (BLK-A. Nr. 468)

Das betraf die vom Innenministerium erlassenen Richtlinien zum Umgang mit jüdischen Kurgästen.

 

  1. Sep. Grundsteinlegung für die katholische Christ-König Kirche (KÖ,MZ 1993).

Die Kirchengemeinde hatte für den Kirchenbau von Frau Fonfara das eine Grundstück neben dem Friedhof erworben und die Fa. Kühnel mit der Ausführung beauftragt. . Bis zur Einweihung fanden die Gottesdienste in den Lindenhof-Lichtspielen statt.

 

  1. Okt. Gedenken an den verstorbenen Reichspräsidenten v. Hindeburg (KÖ).

Anläßlich seines 90. Geburtstages wurde an sein Aufenthalte bei der Familie von Sperling und die Verlobung erinnert.

 

  1. Okt. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Dr. Rutz wurde als Kommunalarzt bestätigt, abgelehnt wurde der Antrag des Buchhändlers Ulrich auf Verlängerung des Pachtvertrages für seinen Verkaufskiosk an der Bahnunterführung, wegen der Streckenelektrifizierung.

 

  1. Okt. Jahreshauptversammlung des Reichsverbandes des Anzeigenbuchverleger (MNZ).

Die Tagung fand überregionale Beachtung in allen großen Zeitungen.

 

  1. Nov. Statistik der Kursaison (KÖ).

6.238 Kurgäste gegenüber 4.430 im Vorjahr wurdeen registriert. Allerdings gehörten dazu die KdF-Urlauber. Dazu kamen 4.146 Passanten.

 

               Käthe Kruse erhält auf der Weltausstellung in Paris einen Grand Prix.

Diesmal waren es ihre  Schaufensterfiguren, die  wegen ihrer natürlichen und menschlichen Ausstrahlung den Beifall der Jury fanden. 

 

               Baugenehmigung für das Wohnhaus Berbigstr. 19, Schanze (Sta.-Ar.).

 

1938

 

  1. Feb. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468, St.-A. Nr. 461).

Als kommissarischer Bürgermeister wurde der Regierungsreferendar Pg. Eberhardt eingeführt.  Die geplante Faschingsveranstaltung fiel aus, dafür sollte ein Frühlingsfest stattfinmden, wofür ein Organisationskommitee gebildet wurde  (Frl. Marie Kruse, Dr. Berger, die PG Pfisterer, Zweigler, Lindner, Link). Das Brunnenfest sollte vom 16. bis 18. Juli und das Reit- und Fahrturnier am 21. August stattfinden. Dafür sollten Spenden bei den Einwohnern und Gewerbetreibenden gesammelt werden. Zur Beschleunigung des Siedlungsvorhabens „Aschedamm“ übernahm die Stadt die Trägerschaft der Kleinsiedler. Die Umkleidekabine am ehemaligen Wellenbad wurde der NSKK als Truppenhaus überlassen.

 

  1. Feb. Ernennung des SA-Sturmführers (KÖ).

Führer des neugebildeten Ortszuges SA-Sturm 4/ Jäger 4, wurde der Leiter der NSV-Gauschule Erck. Die erste öffentliche Aktion des Sturms war eine Haussammlung von Altpapier.

 

  1. Mär. Meldung von der Ankunft der Langholzflöße (KÖ).

Das war dann das letzte Mal, dass es darüber eine Zeitungsmeldung gab. Mit der Fertigstellung  der Talsperren am Oberlauf kam die Langholzflöße  völlig zum Erliegen.

In einem Beitrag der LDZ (ohne Nennung des Verfassers) aus dem Jahr 1981 wurde auf den letzten Flößer aus Lengefeld hingewiesen. Hugo Graf (1887-1971) soll noch 1944 mit einem Floß von Uhlstädt saaleabwärts gekommen sein. Allerdings gibt es dafür bislang keinen authentischen Nachweis.

 

  1. Mär. Veranstaltungen von NS- Organisationen (KÖ).

Der Reichskolonialbund tagte in der Bahnhofswirtschaft, das NS- Fliegerkorps lud in die Tanne zum Filmvortrag ein, der NS-Soldatenbund traf sich im Preußischen Hof und die Ortsgruppe der DAF im Kurgarten. Am Sonntag fand das obligatorische monatliche Eintopf-Gemeinschaftsessen im Kurgarten mit musikalischer Begleitung durch die Feuerwehrkapelle statt. Der Erlös ging an das Winterhilfswerk.

 

  1. Mär. Einführung des neuen Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 468, KÖ).

Nach der Rundfunkübertragung einer Führerproklamation wurde vom Landrat Pape und dem Kreisleiter Übelhoer der Nachfolger Schauers, der bisherige Bürgermeister von Almrich  Zimmermann vorgestellt „Endlich  eine nationalsozialistische Führungsperson, die  für das Wohl der Stadt wirkt“ meinte der Regierungsreferendar Eberhardt..

 

  1. Mär. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Das Frühlingsfest wurde mit der Kursaisoneröffnung zusammengelegt. Für die Stadtgärtnerei sollte ein Gewächshaus errichtet und damit die Attraktivität der Gartenanlagen erhöht werden. Dagegen wurden  die Ausgaben für Zeitungsinserate reduziert weil durch verbesserte Angebote die Mund-zu-Mund Propaganda einen wesentlich höheren Werbeeffekt hätte.

 

  1. Mär. Weihe der katholischen Kirche (KÖ).

 

  1. Apr. H. Hechler übernimmt den Lebensmittelladen an der Brücke (KÖ).

 

  1. Apr. Aufruf zu den Reichtagswahlen (BLK-A. Nr. 793)

„Volksgenossen! Tut Eure Pflicht“ appellierte der Bürgermeister. Es gab zwei Wahllokale, für die Namen A bis K  in der Bahnhofswirtschaft, von L bis Z im Hotel Deutsches Haus.

 

  1. Apr. Butter- und Milchbedarfsmeldung. (St.-A. Nr. 46).

Für diese Produkte war der Obmann Stehr zuständig. Der Bedarfsermittlung dienten die Übernachtungen von 1937. Bei den 6.351 Kurgästen waren es 177.828 Verpflegungstage und   die 4.262 Passanten wurden mit je 2 Verpflegungstagen berücksichtigt. Dazu kamen diverse KdF-Gefolgschaftsfahrten, Kongresse und Verwaltungsonderzüge, rund 10.000 Gästen mit je 2 Verpflegungstagen. Außerdem wurden 140 Kurgäste regstriert, die einen Kurschein ihrer  Krankenkassen bzw. der Landesversicherungsanstalt vorwiesen.  

 

               Kurt Huster aus Leipzig  kauft den „Mutigen Ritter“ (KÖ).

Damit hatte das Haus wieder einen fachlich versierten Betreiber.

 

  1. Apr. Reichstagswahl (KÖ).

Der Tag begann mit einer Kundgebung vor dem Kurmittelhaus, dem Gemeinschaftsempfang der Führerrede im Kurgarten und endete mit einem Fackelzug. Von den 2.707 Wahlberechtigten stimmten 2.701 mit Ja.

 

  1. Apr. Berufung Dr. Persons zum Anstaltsleiter der NAPEA Schulpforte (KÖ).

Damit verbunden war die Ernennung zum Oberregierungsrat und SS-Hauptsturmführer durch seinen Vorgänger, der zum  Vizeinspektor der Reichs-NAPEA beförderte SS-Oberführer Dr. Schieffer vor.

 

  1. Mai Sonderzüge aus Leipzig, Magdeburg, Quedlinburg und Elsterwerda (KÖ).

Neben 4.000 Tagesgästen der Sonderzüge, brachten die fahrplanmäßigen Zügen und Autobusse  zahlreiche  weitere Besucher. Die meisten zogen zu den Ausflugsgaststätten oder zum Kurkonzert mit dem Orchester Hans Fuchs-Leipzig am Gradierwerk.

 

  1. Mai Zwangsauflösung des VAC auf dem AC in Berlin (Handbuch KSCV).

 

  1. Mai Eröffnung der Kursaison (KÖZ).

Bürgermeister Zimmermann begrüßte die Gäste im „Mutigen Ritter“, den Huster in kürzester Zeit wieder hergerichtet hatte. Zwischen dem großen Saal und dem Speisesaal gab es nun einen attraktiven Wintergarten mit Springbrunnen und die renovierte Ritterklause wurde geöffnet. Anstelle der Kegelbahn am Romanischen Haus hatte Huster eine Sonnenterrasse und anstelle der  Wirtschaftsgebäude am Ostflügel waren Garagen und Parkplätze eingerichtet. Die Küche bestand ihre Feuerprobe, denn am ersten Tag wurden 1.100  KdF-Urlauber mit Kalbshaxe beköstigt wurden.

 

  1. Juni Indienststellung des Motorbootes „Deutschland“ (KÖ).

Die „Deutschland“ bot 70 Personen Platz. Neben der  1927 in Dienst gestellten „Thüringen“ fuhren noch die Holzboote „Rudelsburg“, „Bad Kösen“ und „ Saale“. Die „Deutschland“  verkehrte bis 1990 unter dem Namen „Rudelsburg“.

 

  1. Juni Generalfeldmarschall v. Mackensen besucht die Rudelsburg (MZ).

 

  1. Juli Schreiben des Leiters der Kreisgesundheitsbehörde (BLK-A. Nr. 776)

Dem waren bei einem Besuch des Bades die unhaltbaren Zustände rund um die Schäferei in die Nase gestiegen und er forderte vom Magistrat, die sofortige Auslagerung der Schafherde. Dafür hatte die Stadt wegen der 1914 vereinbarten Duldung keine rechtliche Handhabe. Daher wandte sich der Bürgermeister an den Landrat und den Landesfremdenverkehrsverband. 

 

  1. Juli Wochenende in der Hochsaison (KÖ).

1.000 Hamburger KdF-Urlauber hatte gerade die Heimreise angetreten, da trafen 650 Schlesier ein, sowie Sonderzüge aus Halle und Leipzig. Für die musikalische Umrahmung sorgte neben der Kurkapelle, das Musikkorps des Infanterieregiments Naumburg und die Kapelle der 3. SS-Totenkopf-Standarte Weimar-Buchenwald. 

 

  1. Juli Versteigerungstermin des Wohnhauses Scholvien, Fr. Ebert Str. 13 (KÖ).

Hier befand sich damals noch eine „Mineralwasseranstalt“.

 

  1. Aug. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Die Geschäfte des Bürgermeisters übernahm zum zweiten Mal der Regierungsreferendar Eberhardt, nachdem Bürgermeister Zimmermann inhaftiert worden war. Beschlossen wurde die Niederschlagung offener Grundsteuern der Gerstenbergkstiftung und steuerliche Erleichterungen für den Besitzer des „Mutigen Ritters“.  

 

  1. Sep. Vereinbarung zum öffentlichen Parkplatz an der Mühle (St.-A. Nr. 46).

Die Hennenbrauerei und die Mühlenwerke gestetteten bisher die zwischen ihren Anwesen liegende Fläche während des Brunnenfestes als Parkplatz zu nutzen. Nun wurde der Stadt die   Dauernutzung in Aussicht gestellt.

 

  1. Sep. Anordnung des Landrates zur Schäferei (BLK-A. Nr. 779).

Zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit sei die Ortspolizeibehörde zuständig und habe von Störern die Beseitigung von Belästigungen mit aller Strenge zu verlangen. Daraufhin ordnete die Ortspolizei die Einstellung der Schafhaltung zum 01. März 1939 an. Doch die  Stiftung berief sich auf die Vereinbarung von 1914 und verwies auf die Konsequenzen bei der Behinderung der Schafhaltung.

 

  1. Okt. Gerichtsverfahren gegen den Bürgermeister Zimmermann (KÖ).

Zimmermann wurde wegen Untreue im Amt und Unterschlagung während seiner Zeit als  Amtsvorsteher in Almrich  zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren, einer Geldstrafe und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.

 

  1. Okt. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Da der Aschedamm wegen der schlechten Bodenverhältnisse nicht bebaut werden konnte, wurde für die Kleinsiedler ein neuer Standort gesucht. Informiert wurde über die Verhandlungen zur Beseitigung des Schafstalles und die Anpachtung der Parkplätze am Hindenburgpark und am „Mutigen Ritter“. 

 

  1. Okt. Prof. Dr. Vogt besucht den Kurort (KÖ).

Vogt besichtigte in Begleitung des Badesekretärs Fichtner und dem Ratsherrn Dr. Rutz die Kureinrichtungen. Er äußerte sich positiv, machte aber im Hinblick auf die Spezialkuranstalt  keine Angaben.

 

               Pressemeldung zum Tode des Kapellmeisters Leonhardt (KÖ).

Der wurde hier 1873 als Sohn eines Schuhmachermeisters geboren, hatte  die Schweizer Staatsbürgerschaft, war Direktor der Züricher Tonhalle und Ehrenbürger. Regelmäßig hatte er in den vergangenen 25 Jahren seine Geburtsstadt  besucht.  Seine Tochter Johanna war eine berühmte Violinistin und gastierte hier mit ihrer Damenkapelle.

 

  1. Okt. Einführung des Bürgermeisters Ernst Kürbis (KÖ).

Der bisherige Bürgermeister in Eckartsberga wurde für 12 Jahre also bis 1950 ernannt. Der kommissarische Bürgermeister Eberhard wechselte in die Kanzlei des Führerstellvertreters. Kürbis mietete sich in der Neuen Straße (Fr. Ebert Str. 23) ein.

 

  1. Nov. Oberst a. D. Kurt v. Schönberg auf Kreipitzsch verstirbt (KÖ).

Die Rudelsburggemeinde erinnerte dabei an die langjährige Förderung. 

 

  1. Dez. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Apels Pachtvertrag für das Cafè am Gradierwerk wurde aufghoben und die Einrichtung einer Klima-Kurortforschungs-Anlage beschlossen. Bekannt gegeben wurden der Umbau der Kreuzung (km 52,720) im Zuge der Elektrifizierung der Bahnstrecke.

 

  1. Dez. Eröffnung des Wintergartens im Kurgarten. (KÖ).

Im Erdgeschoss wurde das  Restaurant eingerichtet und darüber der Lange Saal, als Erweiterung des Festsaals.

 

              Statistischer Jahresbericht (KÖ).

Die Einwohnerzahl betrug  3.695 und war gegenüber dem Vorjahr um 140 gestiegen. Es gäbe weit mehr Anfrage, aber zu wenig Wohnungen hieß es im Bericht, auch wenn es inzwischen 60 stadteigene. Zwar wurden weitere Baugenehmigungen erteilt (Bismarckstr. 2a (Heilmann), 2b (Priegnitz), 2c (Nolze) und 13 (Maye) aber der Kleinsiedlungsbau müsse vorangetrieben werden.

 

             Neubesetzung der Diakonissenstation.

Schwester Johanna Maetschke übernahm nach 13jähriger Unterbrechung wieder die Leitung des Damenstifts (bis 1950), Gemeindeschwestern wurden  Martha Schimke und Elly Kutscher.

 

              Jahresbericht zum Badebetrieb (MER. C48 li Nr. 776 IX).

Von den 5 Solequellen wurden nur noch die Johannisquelle und der Borlachschacht zum Baden Trinken und Inhalieren betrieben. Die Salzversiedung hatte 10 Zentner Badesalz  und 500 Litern Mutterlauge ergeben.

Im laufenden Jahr kamen 563 Kassenpatienten und 6.377 Kurgäste, die Mehrzahl aus Hamburg, gefolgt von Schlesien und Berlin. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 14 Tage. An Durchreisenden mit 1 bis 2 Übernachtungen wurden 5.136 gezählt. Die Übernachtungen wurden bei Kurgästen mit 76.486, bei KdF Urlaubern mit 9.651, und mit 9.571 im NSV- Müttergenesungsheim angegeben. Dazu kamen 760 Flüchtlinge aus dem Sudetenland, die hier zeitweilig unterkamen. Abgegeben wurden über 24.000 Solebädern, 10.000 Körting- und 10.000 Elektro-Unipolair-Inhalationen. In den 5  Kinderheimen wurden  2.030 Kinder aufgenommen.

 

1939

             Einwohnermeldebuch (priv).

Die Liste der Selbständigen und Gewerbebetriebe war lang, es gab 5 Allgemeinmediziner (Blenkle, Bucke, Klemm, Rutz, Weller), 2 Zahnärzte (Schöner, Vogt),  einen Zahntechniker und den Apotheker Hecker, 26 Fremdenheime, 13 Gasthöfe und Hotels, 10 Schankwirtschaften und Kaffehäuser,  20 Kolonial- und Lebensmittelläden, 9 Bäcker (Bartsch, Bischof, Deckert, Eckhold, Fielko, Giesecke, Großmann, Hämmerling, Kaiser) 4 Fleischer (Arnold, Fischer, Krüger, Timler), 3 Fischhandlungen (Heckenberg, Jürgens, Koch) außerdem 6 Schuhhandlungen und 29 Schneider- und Bekleidungsgeschäfte. Neben den Wohlfahrtsanstalten (Diakonissenstation, Frauenverein, Genesungsheim der Thüringer LVA, Lazarusheim, Kaiserin Viktoria Auguste Heim, NSV-Müttergenesumgsheim) gab es zahlreiche Vereine, wie die Vaterländischen Verbände (Kriegerunterverband, Kriegerkameradschaft, Verein f. Deutschtum im Ausland, Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge), die gewerblichen Vereine (Eisenbahner, Hausbesitzer, Kleingärtner, Fachgruppe Fremdenheime, Reichsbund  der Kleinrentner, Wirtschaftsgruppe Gaststätten) sowie das DRK, die FFW, den Gustav-Adolf-Verein, den Tierschutzverein, das Bürger-Schützen-Korps, die Schützengesellschaft 1832, den Turnverein, den Verein „Rudelsburg“, den Männerchor, den Kirchenchor, den Bürger-Verein, sowie die diversen Kranken- und Sterbekassen.

 

             Veranstaltungen der NS-Gliederungen (KÖ).

  1. Jan. Auftakt zum Losverkauf für das Winterhilfswerk.
  2. Jan. Feierstunde der SA-Ortsgruppe mit einem Vortrag über die Rolle der Wehrmacht.
  3. Jan. Jahresappell der Kriegerkameradschaft „Kronprinz Friedrich Wilhelm“.
  4. Jan. Eintopfessen zugunsten des WHW im Mutigen Ritter , Erlös 416 RM..
  5. Jan. Treffen des NS Lehrerbundes im Kurgarten, Thema: Die Lehrerbildung im 3. Reich.

 

  1. Jan. Amtliche Bekanntmachung zum Ausbau der Bahnstrecke (BLK-A. Nr. 668)

Landesstraßenbehörde und RBD Erfurt gaben bekannt, dass die Pläne für den viergleisigen Ausbau der Strecke ab dem 13. Januar  zur Einsicht ausliegen. Baubeginn sollte im Frühjahr 1940 sein.

 

  1. Jan. Reichsstraßensammlung der alten Soldaten, Erlös 324 RM.
  2. Jan.Versammlung der NSDAP im Kurgarten mit einem Vortrag zur Judenfrage.
  3. Jan. Gründung einer Ortsgruppe des Reichsbundes der Kinderreichen.
  4. Jan. Die WHW Straßensammlung zum Tag der Deutschen Polizei, Erlös 519 RM.
  5. Jan. Pflichtveranstaltung der NS Gliederungen mit Rundfunkübertragung aus dem Reichstag. 01. Feb. Eröffnung einer Nebenstelle des Deutschen Volksbildungswerkes, Teil der NSG KdF. 05. Feb. Sammlung für das WHW durch SA, SS und NSKK.
  6. Feb. Vorführung der Gaufilmstelle „Das Schwert des Friedens, Größe-Verfall-Aufstieg“.
  7. Feb. Monatsappell der zum NS-Kyffhäuserbund gehörenden Kriegerkameradschaft.
  8. Feb. Zum Eintopfsonntag im Kurgarten lädt die Feldküche der NAPEA ein.
  9. Feb. Ortsgruppengemeinschaftsabend anlässlich der Parteigründung.
  10. Mär. Mitgliederversammlung der NS-Kriegsopferversorgung.
  11. Mär. Heimatabend der Jugendgruppe im HJ-Heim Burgstraße 20.
  12. Mär. „Fröhliche Sportstunde“ der Ortsgruppe der NS Frauenschaft.
  13. Mär. Anmeldung der JG 1928/29 zur Aufnahme in den Jungmädelbund.
  14. Mär. Kameradschaftsabend Kriegerkameradschaft Kronprinz Fr.-Wilhelm und Lengefeld.
  15. Mär. Heldengedenkfeier am Ehrenmal im Hindenburgpark,
  16. Mär. Letzter Eintopfsonntag im Hotel Deutsches Haus.
  17. Mär. Feierstunde anlässlich des Jahrestages der Rückgliederung der Ostmark –Österreich.

 

 

  1. Mär. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468, KÖ).

Bürgermeister Kürbis informierte über geplante Verbreiterung der Fußgängerbrücke über die kleine Saale, die Befestigung der Ufermauern und die Neugestaltung des Vorplatzes bei Hämmerling, über Verhandlungen mit dem Siedlungswerk „Mitteldeutsche Heimstätte“, die Pläne zur Wiedererhebung der Beyschlagquelle, die Verhandlungen zum Erwerb des Parkhotels, die Umgestaltung der Kinderbewahranstalt und die Analyse der Solequellen.  Beschlossen wurde die Vergabe der Kurmusik an die Kapelle Fuchs aus Leipzig wie im Vorjahr.

 

  1. Mär. Beginn der Prüfungen zum Erwerb des SA-Wehrabzeichens.
  2. Mär. Anmeldung der JG 1928/29 zur Aufnahme in das Deutsche Jungvolk.
  3. Mär. Außerordentlicher Appell der Kriegerkameradschaft im „Preußischen Hof“.
  4. Mär. Spontaner Aufmarsch anlässlich der Rückkehr des Führers aus London.
  5. Mär. Straßensammlung anlässlich des Tages der Wehrmacht.
  6. Mär. Ortsgruppenabend der Leiter der NS Gliederungen im Kurgarten.
  7. Mär. NSDAP Versammlung mit einem Vortrag des Rektors Haubold „Deutsche Ostarbeit“.

 

  1. Mär. Vororttermin mit der RBD Erfurt (BLK.A, Nr. 668)

Vertreter der RBD und  der Provinzialverwaltung erläuterten die verschiedenen Varianten zur Beseitigung der schienengleichen Straßenübergänge. Die Vorzugsvariante sah eine  breite Unterführung  im Zuge der Reichsstraße und der Lindenstraße und unter Ausschluß der Saalstraße vor. Dabei hätte aber der Gleiskörper um 2,6 m angehoben werden. Variante zwei war eine Brücke über die Gleise, was aber wegen des geplanten viergleisigen Ausbaus ausschied. Variante 3 wäre eine Tunnel beim Bahnhof, wobei dieser abgebrochen und an der Ladestraße neu gebaut werden sollte.  Da aber für Reichsstraßen innerhalb von Orten eine Breite von 16,4 m einschließlich Fußwege vorgeschrieben war, schied diese Variante wegen der vorhandenen  Wohnbebauung aus.  Weitere Vorgaben waren, dass möglichste keine privaten bzw. kommunalen Grundstücke einbezogen werden, das Straßenniveau über der Hochwassergrenze liegt und das  Steigungsverhältnis stadtauswärts beibehalten wird. Doch auch dies ließ sich nicht realsieren, das Steigungsverhältnis betrug 1:21 geforderte waren 1:13, so dass der Oberpräsident ablehnte und die RBD eine Erhöhung des Gleiskörpers von rund 6 Metern ebenfalls ablehnte. 

 

  1. Mär. Gemeinschaftsabend des Deutschen Frauenwerks im „Mutigen Ritter“.
  2. Mär. Pistolenschießen, eine Pflichtveranstaltung für alle politischen Leiter.
  3. Mär. Reichsstraßensammlung der DAF.
  4. Mär. Monatsappell, ein Pflichttermin für alle Amtswalter der NS Organisationen.

 

  1. Apr. Geschäftsübergabe (KÖZ).
  2. Albrecht übergab die Gastwirtschaft in der Burgstraße 8 an K. Brudehl. Dazu gehörte auch eine Mineralwasserfabrik. Hier wurde die Johannisquelle mit Kohlensäure versetzt und versandt.

 

               Amtmann Kitzing begeht das 50jährige Pachtjubiläum der Domäne Fränkenau (KÖ). 

 

  1. Apr. Treffen der Jugendgruppe der NS-Frauenschaft.
  2. Apr. Die Gaufilmstelle zeigt den Film „Panzerkreuzer Sebastopol“.

 

  1. Apr. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468, 47)

Beschlossen wurde die Umbennnung der Lindenstraße in  Adolf-Hitler Straße, die Neue Straße in   Hermann-Göring Straße und die Kukulauer Straße in Rudolf-Heß Straße. Der  Gerstenbergkstiftung wurden die Grundsteuern erlassen, mit der Maßgabe, dass die sich auf dem Grundstück aufhaltenden Gäste ordnungsgemäß gemeldet werden.

 

  1. Apr. Aufnahmefeier für das Jungvolk und die Überweisung in HJ und BDM (KÖ).

 

  1. Apr. Vereidigung der Leiter und Amtswalter (KÖ).

Hitlers 50. Geburtstag wurde als Staatsfeiertag mit vielen Parteiveranstaltungen begangen. Alle NS-Gliederungen sowie die Bevölkerung sollten sich im Kurgarten einfinden, wo u. a. die neuen Straßennamen bekannt gegeben wurden.

 

  1. Apr. Huster pachtet das Cafe am Gradierwerk (KÖ).

 

  1. Apr. Monatsappell der NS-Leiter.
  2. Apr. Veranstaltung zur Reichspropagandawoche für das Deutschtum im Ausland.

 

  1. Apr. Setzen des Maibaumes vor dem Rathaus durch HJ und BDM (KÖ).

Ein heftiges Unwetter brachte den Ablauf durcheinander. Von der Fränkenauer Höhe wälzten sich die Wassermassen mit Schlamm und Geröll talwärts und richteten in den Straßen und in der Gärtnerei Möller erheblichen Schaden an. .

 

  1. Mai Aufmarsch und Gemeinschaftsempfang der Übertragung der Feierlichkeiten in Berlin.

 

  1. Mai Erklärung zur Eingemeindung von Lengefeld (BLK-A. Nr. 468)

Das betraf die bisher zur Lengefelder Flur gehörenden Betriebsgrundstücke (Zementwerk, Holzwerk, Gaswerk) in der Rudelsburgpromenade. Die bisherige Flurgrenze verlief durch das Grundstück Rudelsburgpromenade 18.

 

  1. Mai Übertragung der Kursaisoneröffnung durch den Reichssender Leipzig (KÖ).

Die Badeverwaltung gab bekannt, dass eine Wältigung der Beyschlagquelle erneut  aufgeschoben wurde. Dagegen hatte der Reichswetterdienst am Gradierwerk eine Klimastation eingerichtet. Auf  der Rudelsburg stürzten Teile des Zwingers ein und im Kraus`schen Holzwerk wurde ein Schwimmbecken eingeweiht.

 

  1. Mai Aufmarsch und Appell zum 50jährigen Bestehen der Kriegskameradschaft (KÖ).
  2. Mai Kameradschaftsabend des Kriegsopferverbandes NSKOV (KÖ).

 

  1. Mai Zentrale Festveranstaltung zum Muttertag (KÖ).

Mit dem Ehrenkreuz wurden 60 kinderreiche Mütter ausgezeichnet.

 

  1. Juni Ankunft von 4 Sonderzügen des Reichsnährstandes Gau Kurland und Rheinland (KÖ).

Für die Unterbringung hatte die Ortsgruppe des KdF 1.000 Betten zusammengebracht.

 

  1. Juni Pflichtversammlung für die Mitglieder des Reichskolonialbundes (KÖ).

 

  1. Juli Fazit der RBD Erfurt nach dem Vororttermin (BLK-A. Nr. 688).

„Die bisherigen Untersuchungen lassen vermuten, daß die Forderungen schwer zu erfüllen sind und darüber hinaus Kosten auftreten werden, die zu dem erreichten Nutzen in keinem tragbaren Verhältnis stehen. Eine wirkliche einwandfreie Lösung wird späterhin nur in einer größeren Umgehung gesucht werden können.“. Kurz danach wurde das Vorhaben vom  Generalinspekteur für das Deutsche Straßenwesen Todt endgültig abgelehnt. Der Bürgermeister müsse sich nun keine Sorgen mehr darüber machen, dass hier die Züge „auf der Höhe der Dachfirste vom „Central“ und Hotel Apel“ durchfahren würden.

 

  1. Juli Brunnenfest (KÖ).

Nach dem Schöpfakt und dem Umzug fanden die Sportwettkämpfe der Schuljugend und der Festzug der Kurgastkinder und Kinderheime  zum Festplatz statt. Hier spielte  die NSKK-Kapelle Naumburg. Am Abend waren Fackelzug und Feuerwerk. Zwei Tage später gab es noch das Wasserfest mit der Prämierung des schönsten Bootes.

 

      Juli  Meldung zur Schafherde (KÖ)

Auf Druck der Partei hatte die Landesschule ihre Preisforderungen für einen neuen Stall in Pforta deutlich reduziert. Wenn die Stadt die Mittel dazu aufgbringt, wäre ein Ende der unerträglichen Belästigungen durch den Viehtrieb und die Fliegenplage absehbar.

 

  1. Juli Ankunft der KdF- Sonderfahrt des Gaues Schlesien (priv).

Nach dem Begrüßungsabend war für die Teilnehmer ein sechstägiges Programm organisert worden.

 

  1. Juli Erstes Windhundrennen am Gradierwerk (KÖ).

 

  1. Aug. Nichtöffentliche Sitzung des Stadtrates (BLK-A. Nr. 468, KÖ).

Beschlossen wurde die Eingemeindet der Häuser von Gohlert und Skobel am Rechenberg und Freitags Autowerkstatt am Aschedamm. Ein Antrag auf Wiederinbetriebnahme des städtischen E-Werkes wurde abgelehnt. Dann übergab Bürgermeister Kürbis die Amtsgeschäfte an den 1. Beigeordneten Nagel, da er zu einer Militärübung einberufen wurde. Am gleichen Tag traf  noch ein Sonderzug mit 800 KdF- Urlaubern aus Hamburg ein, der letzte vor dem Krieg.  

 

  1. Aug. Bericht über das renovierte Rathaus (KÖ).

Nach den Entwürfen des Architekten  Pfisterer wurde für die Sparkasse, die Polizeiwache und die Feuersozietät der räumliche Zuschnitt geändert und dem wachsenden Besucherverkehr  angepasst. Das Treppenhaus zierten nun Wandmalereien zur Ortsgeschichte (z. B. Borlach,  das Gefecht von 1813) vom  Naumburger Kunstmaler P. Crone.

 

  1. Sep. Ausbruch des II. Weltkrieges.

Anstelle des Autos waren am  ersten Kriegswochenende fast nur Fahrradfahrer zu sehen. Angeordnet wurden die Vorverlegung der Polizeistunde und die ständige Verdunklung. Die Militärbehörden übernahmen den „Mutigen Ritter“ und die „Kaiserin-Auguste-Victoria Kinderheilstätte“ als Hilfslazarett.. Die Gewölbekeller vam unteren Solschacht und in der   Borlachstraße wurden als Luftschutzbunker hergerichtet.

 

  1. Okt. Gemeinderatssitzung (BLK-A- Nr. 468)

Bürgermeister Kürbis war beurlaubt und leitet diese Sitzung. Dabei wurde der Antrag des Fremdenheimbesitzers Carstanjen auf Erlass von Steuern auch bei Nichtbelegung mit Kindern zurückgewiesen. Dem  städtischen  Theater wurden die Honorare gekürzt, um die Spielzeit noch durchzuführen.  

 

  1. Okt. Anerkennung als Heilbad für Frauenkrankheiten (KÖ).

Damit erweiterten sich die anerkannten Heilanzeigen (Asthma, Katarrhe der Atmungsorgane, rheumatische Erkrankungen, Neuralgien und Erkrankungen des Kindesalters). Der Reichsfremdenverkehrsverband folgte damit dem Gutachten der Reichsanstalt für Bäderwesen.

Die Statistik des Bades (KÖ) wies bisher 7.296 Kurgäste und  7.533 Passanten aus. Das war der höchste Stand seit 1933 (2.235 Kurgäste, 5.818 Passanten), was für die Beliebtheit als Kur-, Ausflugs- und Tagungsort sprach. Neben dem Brunnen- und dem Wasserfest, fand das Kinder- und Salzfest, sowie das Reit- und Fahrturnier statt. An übrigen Veranstaltungen wurden erwähnt die Auftritte des Geigers Barnabas von Gezy, der Sängerin Marita Gründgens, des Golnykoff-Balletts und  der Sängerin Rosita Serrano.

Unter den Gemeinschaftsausflügen waren 1000 Mitarbeiter  der Leunawerke, 300 Beschäftigte des Schirmer Verlags Leipzig, die Stadverwaltung Naumburg mit 400 Personen, die Schokoladenfabrik Wittenberg (500), die Strumpfwirkerei Dresden (300), die Firma Störer Apolda (370) und die gesamte Belegschaft des Landratsamtes Weißenfels.

 

  1. Nov. Fabrikbesitzer Joseph Kraus verstirbt bei einem Autounfall (KÖ).

Kraus, war 1925 bis 1927 Präsident des Memelländischen Landtages und hatte das ehemalige   Weistsche Dampfsäge- und Bauunternehmen nach dem Erwerb aus der Konkursmasse erweitert und beschäftigte inzwischen 150 Arbeitnehmer. Die Leitung der Firma übernahm nun sein Sohn.

 

  1. Dez. Errichtung der Pfarrvikarie Bad Kösen-Eckartsberga (MZ 1993).

Bisher war Kösen eine Filialgemeinde von Naumburg und wurde vom dortigen Vikar Anton Kemma neben weiteren 25 Orten betreut.

 

              Statistik der städtischen Badeanstalt (BLK-A. Nr. 820)

Abgegeben wurden 10.425 Solebäder, 1.686 Wasserbäder, 341 medizinische Bäder, 569 Sauerstoffbäder, 80 Moorbäder und 839 Pelosepackungen.

 

1940   

 

  1. Jan. Leontine von Schmettau stirbt im 86 Lebensjahr (KÖ).

Sie und ihre Zwillingsschwester (verst. 1934) hatten sich im Gefolge ihrer Großtante Ferdinande von Schmettau hier niedergelassen. Sie waren Mitbegründerinnen der Diakonie und gehörten zum Vorstand der Diakonissenstation.

 

  1. Jan. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Für den Kauf des schafstalles wurden 58.500 RM bewilligt. Die derzeitigen Probleme bei der Qualität des Trinkwassers sollten vertraulich behandelt werden, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen.  

 

  1. Feb. Sperrung der Loreleypromenade wegen eines Felssturzes am Wasserfall (KÖ).

 

  1. Mär. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 468)

Die Schule wollte 62.000 RM für den schafstall, daraufhin bot die Stadt 60.000 RM.

 

  1. Apr. Gemeinderatssitzung ((BLK-A. Nr. 47)

Für die 3 wöchentlichen Kurkonzerte wurde das städtischen Orchester Weißenfels gewonnen.

 

  1. Juni Meldung zur ersten „Kriegskursaison“ (KÖ).

Die Kureinrichtungen hatten wie gewohnt geöffnet. Der Konrektor der Schule führte Ausflügler und Kurgäste durch die nähere Umgebung. Brunnen- und Wasserfest sowie das Reit- und Fahrturnier wurden abgesagt.

 

  1. Juni Konzert mit dem Musikkorps der Luftwaffe (KÖ).

Zu den Zuhörern gehörten nun auch die Patienten aus den Reservelazaretten.

 

  1. Juni Kaufvertrag zwischen der Stadt und der Stiftung Pforte (BLK-A. Nr. 939)

Damit waren die 1914 getroffenen Vereinbarung zur Auslagerung der Schafherde erfüllt, allerdings erst, wenn der neue Stall bezugsfertig war. Doch der leitende Arzt des Wehrkreiskommando bestand auf die sofortige Auslagerung der Herde, wegen der Nähe der Hilfslazarette

 

  1. Juni Propaganda-Pflichtveranstaltung für HJ und BDM in der „Katze“ (KÖ).

Ein „Reichsredner“ sprach über die aktuellen Probleme der Welt. 

 

  1. Juli Neuregelung der Verkehrsführung an der Bahnunterführung (KÖ).

Der Kirchberg und die Lindenstraße wurden zu Nebenstraßen abgestuft, die Ladestraße wurde eine Landstraße 2. Ordnung und die Eckartsbergaer Straße eine Landstraße 1. Ordnung mit  genereller Vorfahrt. Damit sollten die teilweise schweren Unfälle, die sich bei der bisherigen Regelung ereigneten, eingedämmt werden. Diese Regelung galt  bis 1967.

 

  1. Aug. Bekanntmachung über eine Sonderzuteilung (KÖ).

Jeder Einwohner erhielt einen Hering, ausgenommen waren Kinder unter 2 Jahren und Kurgäste.

 

        Sep. Prof. Schultze-Naumburg verkauft die „Saalecker Werkstätten“ (KÖ)

Erwerber war der Verein „Deutscher Gartenbau Boettnerhof e.V., Berlin, der hier eine Schulungsstätte einrichtetn wollte.

 

  1. Okt. Einquartierung von Fronttruppen nach dem Frankreichfeldzug (KÖ).

 

  1. Okt. Gemeinderatssitzung (BLK-A. Nr. 47)

Bürgermeister Kürbis hatte Heimaturlaub und führte die Amtsgeschäfte. Über die Arbeiten an den Parkanlagen an der Ostseite des Gradierwerks stellte er fest: „Durch den Einsatz von Gefangenen und anderen Beschaffungen ist ein Mehraufwand von 7000 RM vorgesehen, die im Nachtragshaushalt erfasst werden.“

 

  1. Okt. Großfeuer in der Holzbearbeitungsfabrik Kraus (KÖ).

Durch das  schnelle Eingreifen der Belegschaft und der Feuerwehr konnte der Brand auf das Spänelager begrenzt und die Werkhallen gesichert werden.

 

  1. Nov. Prof. Schulze-Naumburg scheidet aus dem Hochschuldienst aus (Wissenschftl. Archiv).

Der inzwischen 70jährige Leiter der Staatlichen Hochschule für Baukunst, Bildende Kunst und Handwerk in Weimar, Träger der Goethe-Medaille für Wissenschaft und Kunst wurde bei einem feierlichen Akt im Beisein der ranghöchsten NS-Führer  von Thüringen mit einem persönlichen Dankschreiben Hitlers in den Ruhestand verabschiedet. Zugleich wurde die Hochschule durch Führererlass den technischen Hochschulen gleichgestellt. Schulze-Naumburg erhielt noch die Ehrenbürgerwürde von Weimar und Jena. Bis zu seinem Tod im Jahr  1949 wohnte er in Jena.   

 

  1. Nov. Verschärfung der Meldepflicht im Beherbergungswesen (KÖ).

Besucher, die im Laufe des Tages ankamen, mussten bis 18.00 Uhr, diejenigen die am Abend eintrafen am anderen Morgen bis 7.30 Uhr  bei der Ortspolizei gemeldet werden.

 

  1. Dez. Übernahme der Trinkwasserleitung zum Rechenberg (BLK-A. Nr. 47)

 

  1. Dez. „Bad Kösen im Kriegsjahr 1940“ Bericht des Bürgermeisters (KÖ).

„Das Kriegsjahr 1940 habe gezeigt, dass die innere Front in Ordnung ist und daß das öffentliche Leben trotz der durch die Kriegsverhältnisse bedingten Änderungen und Einschränkungen  in geordneten Bahnen weiter läuft“ .

Gegenüber dem Vorjahr hatte sich die Anzahl der Kurgäste verringert (6.439), die Übernachtungen waren jedoch gestiegen. Probleme bereitete die Unterbringung der Gäste, wegen der Einrichtung von Hilfslazaretten. Drastisch zurückgegangen war die Zahl der Passanten, da KdF-Fahrten und Verwaltersonderzüge komplett entfielen. An Kurmitteln wurden 34.300 Inhalationen, über 9.500 mal die pneumatische Kammern, über 18.000 Solbäder für Erwachsene und  über 8000 für Kinder abgegeben. Außerdem wurden 11.500 Schachteln Solebonbon verkauft. Die Kurtaxeinnahme belief sich auf 29.350 RM. Die städtischen Omnibuslinien meldeten 470.000 RM Einnhamen gegenüber 353.000 RM im Jahr 1939. Die Stadtsparkasse meldete Spareinlagen in Höhe von 1.7 Mio. RM (1939 1.2 Mio).

Trotz der kriegbedingten Einschränkungen wurden die Parkanlagen zwischen dem Tennisplatz und der neuen Kukulauer Straße fertiggestellt und das desolate Sonnenbad abgerissen. Auch das neue Brunnenhaus für die Johannesquelle konnte fertig gestellt werden. Die Personenstandsaufnahme ergab 3.494 Einwohner, 407 Hausgrundstücke, 1.213 Haushalte, 219 Gewerbetreibende und 712 Arbeitnehmer.

Der Bürgermeister resümierte: „Im Ganzen gesehen kann die Stadt und das Bad mit der Entwicklung des Kriegsjahres 1940 zufrieden sein. Der Schritt ins neue Jahr erfolgt im festen Glauben an den Endsieg“.

 

1941

 

  1. Jan. Bekanntmachung der Badeverwaltung im 2. Kriegsjahr (KÖ).

Das Kurmittelhaus und die Medizinische Badeanstalt öffneten wie bisher. Die fachärztliche Betreuung wurde eingeschränkt, da Dr. Rutz und Dr. Bucke zur Wehrmacht eingezogen waren. Dr. Klemm, inzwischen zum Feldwebel des Sanitätskorps befördert, war in den Hilfslazaretten eingesetzt, ebenso wie  Dr. Blenkle und Dr. Weller.

 

  1. Jan. Übertragung eines Interviews des Reichssenders Leipzig mit Käthe Kruse (KÖ).

 

  1. Feb. Dienstbesprechung der Bürgermeister des Altkreises Naumburg (KÖ).

Im Mittelpunkt stand die Umstellung der kommunalen Verwaltung auf Kriegsverhältnisse und die  Verteilung von Lebensmitteln, Brennstoff und Bekleidung. Dazu kamen Maßnahmen für den  örtliche Luftschutz, angefangen von der Verteilung von Schutzmasken bis zur Kontrolle der Luftschutzmaßnahmen und Gerätschaften in allen Häusern. Um diese Aufgaben zu bewältigen, wurde für die Mitarbeiter der Verwaltung eine längere Arbeitszeit angeordnet und verstärkt  Frauen eingestellt.angeworben.

 

  1. Feb. Wunschkonzert des Kriegs-Winterhilfswerk im Kurgarten (KÖ).

 

      Feb. Geschäftsschließungen wegen Einberufung (KÖZ).

Dazu gehörten die Bäckerei Becker, Schoppes Konditorei, die  Zahnarztpraxis  Dr. Vogt und die Adler-Drogerie Kühn.

 

  1. Mär. Öffentliche Versammlung der NSDAP- Ortsgruppe (KÖ).

„Mit unseren Fahnen zum Sieg“ wurde die Bevölkerung auf neue Erfolge der Wehrmacht vorbereitet.

 

  1. Mär. Tag der Wehrmacht im Kriegs-WHW (KÖ).

Zum Auftakt gab es eine Waffenschau vor dem Kurmittelhaus und nach der Mittagsmahlzeit an der Feldküche folgte eine Gefechtsübung bei der die Saale an der Katze von Kampfeinheiten forciert wurde.

 

  1. Mär. Urteil des Sondergerichts Halle wegen Kriegswirtschaftsverbrechen (KÖ).

Wegen böswilliger Gefährdung der Deckung des Fleischbedarfs wurde der Lengefelder Fleischer Paul Reichenbach zu 18 Monaten Zuchthaus, drei Jahren Ehrverlust,  1.000 RM Wertersatz und  einem dreijährigen Berufsverbot verurteilt.

 

  1. Mai Eröffnung der Kriegs-Kursaison mit einem Wehrmachtskonzert (KÖZ).

Die Promenadenkonzerte vor dem Kurmittelhaus und am Gradierwerk fanden dreimal wöchentlich statt,  einmal in der Woche wurde ein Gemeinschaftsausflug veranstaltet.

 

  1. Juli Verschärfung der Meldepflicht für Verwandtenbesuche (KÖ).

Offenbar hatten es zahlreiche Großstädter wegen der alliierten Bombenangriffen vorgezogen,  zumindest zeitweilig nicht gefährdete Regionen aufzusuchen, was  bei der übrigen Bevölkerung Unmut hervorrief und von den Behörden unterbunden werden musste.

 

  1. Aug. Martha Allihn verstirbt im 80. Lebensjahr (KÖ).

Sie war mit dem Theologen und Schriftsteller Max Allihn (gest. 1910) verheiratet, einem  gebürtigen Hallenser, Schüler des Pädagogiums der Franckeschen Stiftungen und von 1876 bis 1885 Archidiakon in Weißenfels. Sie hatte eine kleine Pension in der Loreleypromenade 4.

 

  1. Sep. Pressemeldung zu den Gästezahlen (KÖ).

Im August wurden 1.380 Kurgäste und  28.393 Übernachtungen registriert. 

 

  1. Nov. Bericht des Bezirksfürsorgeverbandes zur Kinderheilstätte (BLK-A Nr. 843).

Demnach wurde das Kaiserin Auguste Victoria Heim bis Ausbruch des Krieges „satzungsgemäß“ genutzt. Im April 1940 hatte es die Heeresverwaltung übernommen und als Reservelazarett  eingerichtet.

 

  1. Nov. Die Glocken der Lutherkirche werden eingeschmolzen (NTB 1993).

 

               Die Saalhäuser werden an das städtische Trinkwassernetz angeschlossen.

 

               Inbetriebnahme der Hohenwartetalsperre.

 

  1. Dez. Anordnung zur Lenkung des Fremdenverkehrs im Winter 41/42 (St.-A. Nr. 294).

Die Erlaubnis für einen längeren Aufenthalt in den bestätigten Kur- und Fremdenverkehrsorten erhielten nur noch Wehrmachtsangehörige, Angehörige von Patienten in den Reservelazaretten und Beschäftigte in kriegswichtigen Betrieben und Dienststellen. Die Prüfung der Berechtigung oblag den Vermietern, die im Zweifelsfall das örtliche Fremdenverkehrsbüro zu informieren hatten. Bei Verstößen wurden harte Strafen angedroht. Wichtigster Nachweis für den Gast war die „Reichskleiderkarte“, mit der die amtliche Berechtigung zum  Aufenthalt außerhalb des eigenen Wohnortes nachgewiesen war.  

 

  1. Dez. Wollsammlung für die Soldaten der Ostfront in der Stadtschule (KÖ).

 

1942 

 

  1. Jan. Verschärfung der Bestimmungen für das Unterkunftsverzeichnis (KÖ).

 

  1. Feb.Lebensmittelsonderzuteilung (KÖZ).

Jeder Versorgungsberechtigte erhielt 1 Pfund Apfelsinen auf seiner Nährmittelkarte. Polnische Wanderarbeiter, Kriegsgefangene und Juden waren davon ausgeschlossen.

 

  1. Feb. Kontrolle durch den Landesfremdenverkehrsverband (St.-A. Nr. 294).

Stichprobenartig wurde bei den Vermietern die Einhaltung der  „Bestimmungen über die Lenkung des Reiseverkehrs in Kriegszeiten“ kontrolliert. Die Stadtverwaltung wurde nochmals eindringlich darauf hingewiesen, dass nur Inhaber von Berechtigungsscheinen länger als drei Nächte bleiben dürften. Besonders Frauen mit Kindern hatten sich hier für längere Zeit  bei Bekannten und Verwandten eingemietet.  

 

  1. Mär. Die Mühle firmiert nun als Kösener Mühlenwerke Carl Auer KG (KÖ).

 

      Apr. Die Speditionsfirma W. Papst  KG begeht das Hundertjährige Firmenjubiläum (KÖ).

 

  1. Mai Saisonauftakt zu den Pfingstfeiertagen (KÖ).

Das städtische Orchester Weißenfels konzertierte wieder dreimal in der Woche. Für Mai wurden 1.561 Besucher mit 16.435 Übernachtungen gemeldet.

 

  1. Nov. Meldung zur Wiedereröffnung des Lindenhof-Lichtspieltheaters (NZ).

Nach umfassender Modernisierung der Technik und des Mobiliars durften Einwohner und Gäste das „ deutsche Kulturschaffen in angenehmer Atmosphäre erleben“.

 

1943

 

  1. Jan. Der Gauleiter eröffnet die Gartenbauschule in Saaleck (NZ).

 

      Jan.  Zugunglück im Bahnhof (NZ).

Nachdem es bereits im September des Vorjahres zu einer Kollision zweier Lokomotiven gekommen war, fuhr jetzt ein Personenzug dessen Lokführer ein Haltesignal übersehen hatte auf einen Güterzug. 19 Verletzte und erheblicher Sachschaden waren das Ergebnis. Lokführer und Heizer wurden nach einem Lokaltermin von der Strafkammer wegen Transportgefährdung zu Geldstrafen verurteilt.

 

  1. Mär. Großkundgebung im Kurgarten (NZ).

Der NS- Kreisleiter informierte die Bevölkerung über das Verhalten im „Totalen Krieg“.

 

  1. Mär. Schreiben des Bürgermeisters an den Vermieter Max Küch (St.-A. Nr. 294)

Der beherbergte in seinem Haus (Saalberge 20 a) einen chinesischen Kaufmann, der keine Reiseberechtigung hatte. Das wurde angezeigt. Da dies gegen die Lenkungsverordnung und die örtliche Polizeiverordnung  v. 20. 12. 42 verstieß, wurde Küch angewiesen, dem Chinesen zu kündigen. Der beschwerte sich beim Konsulat, das wiederum dem Bürgermeister auf die Freizügigkeit deutscher Staatsangehöriger in China und auf die für  ein Jahr geltende Aufenthaltserlaubnis hinwies. Nach Rücksprache mit dem Reichsfremdenverkehrsverband, stand fest,  auch für Ausländer gelten die Lenkungsvorschriften.. 

 

  1. Mär. Versammlung der gewerblichen und privaten Vermieter (St.-A. Nr. 294/NZ).

Diese wurden über die seit 09. 01. 1943 geltenden verschärften Lenkungsbestimmungen und der ordnungsgemäßen Führung der Meldescheine informiert. Anschließend prüfte die Ortspolizei alle  Berechtigungsscheine der hier weilenden Gäste.

 

  1. Mär. Informationsschreiben an die Kinderkurheime (St.-A. Nr. 294).

Es wurde darauf hingewiesen, dass auch für die Aufnahme von Kindern strenge Maßstäbe gelten und nur Kinder mit  ärtztlichen Attest untergebracht werden dürfen. Das betraf  die privaten Heime  Klemm und  Ohm, das NSV-Kinderheim und Burkhardt, wo Kinder von Luftwaffenangehörigen untergebracht waren.

 

  1. Mai Eröffnung der Kursaison (NZ).

Geboten wurden die üblichen Kurkonzerte und Gemeinschaftsausflüge.

 

  1. Aug. Änderung bei der Kurtaxe (NZ).

Bombengeschädigte, die einen entsprechenden Nachweis ihrer Heimatstadt vorwiesen, wurden von der Kurtaxe befreit.

 

  1. Aug. Schreiben des Chefarztes des Reservelazaretts an den Bürgermeister (St.-A. Nr. 294)..

Wegen der verschärften Luftlage beantragte der Stabsarzt die Unterbringung der Schwestern in der Nähe des Lazaretts, möglichst in der Ehrenbergschen Villa, wo nach Saisonende freie Betten zur Verfügung stünden. Der Antrag wurde abgelehnt mit dem Hinweis, dass es auch in Großstädten nicht möglich sei, das Personal in der Nähe der Krankenhäuser und Lazarette unterzubringen. 

 

      Sep. Satistik des Badebetriebes (St.-A. Nr. 294/NZ)

In der diesjährigen Saison wurden 1.952 Kurgäste und 30.772 Übernachtungen registriert (1942: 32.908). Der Erlös aus Kurmitteln betrug 97.731 RM (1942: 107.697 RM). Abgegeben wurden  26.694 Wannenbäder (1942: 30.642), 50.953 Inhalationen (1942: 58.092) und  19.893 sonstige Kurmittel (1942: 22.423). 400 Betten durften noch an Kurgäste mit Berechtigungsschein vermietet werden.

 

      Okt. Mitteldeutsche Bädertagung des Landesverkehrsverband im Kurgarten (NZ).

Eingeladen hatte Prof. Dr. Klemm, der gleichnamige Direktor des Landesverkehrsverbandes Mitteldeutschland.                    

 

  1. Nov. Schreiben an den Landesfremdenverkehrsverband Mitteldeutschland (St.-A.).

Dabei ging es um Probleme bei der Durchsetzung der Anordnungen über die Lenkung des Reiseverkehrs, insbesondere bei der für Kösen geltenden Offenhaltung für Kranke und Angehörige der Patienten in den Reservelazaretten. Denn von den über 1.000 Betten im Ort, waren 183 in den Hilfslazaretten  (Mutiger Ritter, Kaiserin Victoria-Auguste Kinderheim) und weitere 500 hatte die Wehrmacht beschlagnahmt. Diese waren für einen möglichen Katastrophenfall im Ballungsraum Halle- Merseburg gedacht.

 

1944

 

  1. Jan. Anordnung des Reichspropagandaministerium (St.-A. Nr. 294).

Der Bürgermeister wurde angewiesen, der Ehefrau des Attachès beim italienischen Generalkonsulat in Berlin und ihren beiden Kinder einen dreiwöchigen Kuraufenthalt zu ermöglichen, da diese in Berlin ausgebombt waren.

 

      Jan.  Information über die verschärften Bestimmungen des Fremdenverkehrs (NZ).

Die Vermieter wurden nochmals eindringlich darauf hingewiesen, die Reiselenkungsvorschriften gewissenhaft einzuhalten, die hier Ankommenden sorgfältig zu kontrollieren und bei fehlerhaften Reisepapieren und ärztlichen Attesten umgehend die Badedirektion zu informieren. Bei Nichtbefolgung wurden drastische Strafen angedroht.

 

  1. Jan. Schreiben des Landesfemdenverkehrsverbandes (St.-A. Nr. 294)

Nach der Beschlagnahme der Betten durch die Wehrmacht, hatte der Landrat im vergangenen November weitere 500 Betten für einen möglichen Katastrophenfall im Gau Halle-Merseburg beschlagnahmt. Dagegen protestierte der Bürgermeister, weil das gegen die geltenden Anordnungen zur Offenhaltung des Bades für Kranke und Angehörige von Patienten des Reservelazarettes verstieß. Das Reichspropagandaministerium untersagte diese Beschlagnahme. 

 

  1. Jan. Badeanstalt und Kurmittelhaus werden geöffnet (NZ).

Wegen Kohlenknappheit wurde die Weihnachtspause um 3 Wochen verlängert.

 

  1. Feb. Mitteilung des Sekretärs der Kurverwaltung (St.-A. Nr. 294).

Das Propagandaministerium hatte dem Landesfremdenverkehrsverband informiert, dass eine ganze Reihe von Hotels und Gaststätten freizumachen sind, um Verletzte aus den bombardierten Städten unterzubringen, darunter Kurgarten, Deutsches Haus, Apel, Salzmann, Katze, Preußischer Hof, Loreley, Wehrdamm, Tanne, Ratskeller und Parkhotel.

 

  1. Mär. Schreiben der Stadtverwaltung (Sta.-A. Nr. 294, MER C 48 Ii).

Die Anweisung des Ministeriums schloss zwar „eine vollkommen ablehnende Haltung“ aus, dennoch widersprach der Bürgermeister und verwies auf die bereits  beschlagnahmten Betten. Darüber hinaus bestand auch die Gefahr einer Katastrophe, falls die Saaletalsperren durch Bomben zerstört und das Tal einer Flutwelle ausgesetzt wird.

 

  1. Apr. Anweisung des Propagandaministeriums (St.-A. Nr. 294)

Der HJ des Gaues Halle-Merseburg wurde die Beschlagnahme des Hauses „Griseldis“ untersagt.

 

  1. Apr. Genehmigung der Stiftung Schulpforte (St.-A. Nr, 294)

Dem Stiftsrevierförster wurde  die Untervermietung seiner Dienstwohnung unter Beachtung der Lenkungsvorschriften für den Fremdenverkehr gestattet.

 

  1. Apr. Mitteilung des Magistrats über die Einrichtung der Kinderlandverschickung (NZ).

Als KLV -Lager wurden das Hotel Salzmann, die  Katze, die Wilhelmsburg, die Schöne Aussicht und die Saalhäuser eingerichtet.

 

  1. Mai Das Kinderheim Klemm begeht das 25jährige Jubiläum (NZ).

Rund  10.000 Kinder waren seit Gründung in der Villa Hertha behandelt worden. Der Bade- und Kinderarzt Dr. Klemm war gerade 65 geworden und beging gleichzeitig sein 40jähriges Dienstjubiläum und seine Silberhochzeit.

 

  1. Mai Eröffnung der Kursaison (NZ).

Bei den  Kurkonzerten war man auf HJ-Spielmannszüge angewiesen.

 

  1. Juli Auflösung der Provinz Sachsen.

Laut „Führerbefehl“ vom 1. April kam der südliche Teil der Provinz zum Reichsverteidigungs-bezirk Halle-Merseburg. Präsident war der NSDAP- Gauleiter Eggeling.

 

  1. Juli Absturz eines amerikanischen Bombers (NTB 1994).

Die viermotorige B17 gehörte zu einem Verband, der die Leuna-Werke bombardiert hatte. Der namentlich bekannte Pilot überlebte den Absturz, die übrigen Besatzungsmitglieder waren tot.

 

  1. Bernhardt verlegt den Firmensitz von Leipzig in die Lindenstr.1 (Chronik PeBe).

 

  1. Aug. Einschränkung der Gasversorgung.

 

  1. Aug. Verhaftung von Max Bach (Belau 2008).

Bach, der 1933 und 1939 bereits  inhaftiert dann wieder entlassen wurde, wobei möglicherweise die NSDAP-Mitgliedschaft seine Frau beigetragen hatte, wurde nach einer Denunziation aus den eigenen Reihen in das KZ Sachsenhausen gebracht. Vermutlich im März 1945 wurde er dann im KZ Mauthausen ermordet.

 

  1. Sep. Beitrag zum „völkischen Bauen“ am Rechenberg (priv).

Während der Autor W.W.N. sich lobend über das noch von Schultze-Naumburg vor dem 1. WK. entworfene Haus (Rechenberg 12) äußerte, böten die in den zwanziger und dreißiger Jahren entstandenen Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein trauriges Bild architektonischer Entartung in ihrer „trostlosen Aufreihung“, die von Fachleuten als  „Kaffemühlenhäuser“ verspottet wurden.

 

  1. Sep. Erlass des Reichsverteidigungskommissars (Der Fremdenverkehr Nr. 20, 30. 9. 44).

Bad Kösen gehörte zu den 15 großdeutschen Heilbädern, die im „totalen Krieg“  den  Kurbetrieb für den zivilen Verkehr weiterhin aufrecht erhalten durften.

 

  1. Okt Familie Bahse begeht das 50 jährige Betriebsjubiläum ihrer Badeanstalt (NZ).

 

  1. Okt. Durch den NS- Kreisagitator wird im Kurgarten zum Volkssturm aufgerufen (NZ).

 

12, Nov. Vereidigung des örtlichen Volkssturms vor dem Kurmittelhaus (NZ).

 

  1. Nov. Erneuter Absturz eines Bombers (NTB 1994).

Die Maschine explodierte noch in der Luft, die Trümmer verteilten sich über dem gesamten Stadtgebiet, der Rumpf fiel ohne Schaden anzurichten  in einem Gartengrundstück hinter der Wurstfabrik. Nach M. Kruse („Die behütete Zeit“) wurde der Pilot vom stv. NSDAP-Ortsgruppenleiter erschossen. Nach dem Einmarsch der Alliierten erhängte er sich.  

Insgesamt warnten an 65 Tagen des Jahres die Sirenen vor überfliegenden Bomberverbänden.

 

1945

 

  1. Jan. Aufruf an die Frauen von 18 bis 40 Jahren zum Dienst als Wehrmachtshelferin (NZ).

 

  1. Jan. Statistischer Jahresbericht 1944 (MER C 48 Ii Nr. 776 IX).

DerRückgang auf 8.872 Besucher war den als KLV-Lager genutzten Hotels geschuldet. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer wurde mit 28 Tagen angegeben. Trotz der Beschlagnahme zahlreicher Betten wurden 154.000 Übernachtungen registriert, darunter 35.000  in den  Kinderheimen. Seit dem Herbst 44 wurden Evakuierte  aus dem Rheinland in privaten nicht konzessionierte Wohnungen eingewiesen. Der stv. Bürgermeister Nagel bemerkte im Bericht, dass die Entwicklung des Kurbetriebs insgesamt als gut bezeichnet werden kann.

Auch die ersten Evakuierten aus Ostpreußen trafen eine und mussten untergebracht werden.

 

  1. Feb. Rundschreiben des stv. Bürgermeisters (St.-A. Nr. 294).

Alle nicht zweckgebundenen oder beschlagnahmten Beherbergungsbetriebe und Privatvermieter wurden angewiesen, dass an Flüchtlinge aus den Ostgebieten nicht eigenmächtig und dauerhaft vermietet werden darf.  Die freien Betten durften bis zu drei Tage an Passanten, bis zu 7 Tage an Angehörige der Lazarettinsassen, soweit diese eine Bescheinigung des Stabsarztes vorweisen  konnten und an Badegäste mit ärztlichen Attest und einem Einweisungsschein der NSV vermietet werden. Dann folgte die Ankündigung, dass die Eröffnung der Kurbetriebe im März erfolgt.

 

  1. Feb. Anweisung des Magistrats (St.-A. Nr. 294).

Da etliche Vermieter trotz der ergangenen Verfügung an Unberechtigte vermieteten, wurde bei weiteren Zuwiderhandlungen Strafverfolgung angedroht..

 

  1. Mär. Antrag des Präsidenten der Reichsfilmkammer Prof. Carl Froelich (St.-A. Nr. 294).

Froelich beantragte den Zuzug in das Haus der Frau Kother, wo sein Schwager Paul Hoffert wohnte, um hier seine wichtigen Aufgaben im Interesse des Reiches in Ruhe zu erfüllen. Der  Bürgermeister zeigte in seiner Antwort das erforderliche Verständnis, verwies aber auf die für alle geltenden Aufenthaltseinschränkungen und meinte abschließend, dass der Professor auch in Berlin standhaft seinen Amtsgeschäften nachgehen könne.

 

  1. Apr. 50 Jahre städtischer Badebetrieb (NZ).

1895 war per Kabinettsorder der Badebetrieb auf die Stadt übertragen worden. In der Folge baute die Stadt das Kurmittelhaus und die Medizinischen Badeanstalt, deren Kosten den  städtischen Haushalt zum Wanken brachten, zumal auch der laufende Betrieb nicht die erwarteten Überschüsse einbrachte und Krieg, Inflation und Wirtschaftskrise das Bad an den Rand der Existenz brachten. Aber gerade wegen dieser beiden Einrichtungen durfte der Badebetrieb auch während des Krieges weiter betrieben werden und die Statistik (BLK-A. Nr. 820) zeigt, dass sich die Abgabe von Heilmitteln  wesentlich erhöht hatte. Die Abgabe von Unipolar-Rauminhalationen stieg  von 9.732 (1939/1940) auf 13.437 (1944/1945), im Jahresdurchschnitt  12.500, bei Unipolar-Einzelinhalationen von 756 auf 1.286 (d: 1.370), Körting-Rauminhalation von 13.406 auf 15.691 (21.400), bei Körting-Kabineninhalation von 2.647 auf 10.954 (d: 5.900), bei Körting-Apparateinhalation von 3.086 auf 3.501 (d: 4.400) und bei den pneumatischen Kammern von 8.777 auf 14.543 (12.200).

 

  1. Apr. Anlage von Panzersperren und Panzerdeckungslöchern (Möller Kriegsende…) .

Eine Hundertschaft der N.P.E.A. Naumburg errichtete derartige Sperren in Kleinheringen, an der Windlücke und der Haarnadelkurve.

 

  1. Apr. Vorbereitungen zur Sprengung der Brücke (NTB 1995).

Um den Vormarsch der Alliierten aufzuhalten wurde die Sprengung aller Flußübergänge befohlen.. Hier sollten Fliegerbomben zur Explosion gebracht werden,  weil es an Sprengstoff mangelte.

 

  1. Apr. Eintreffen eines Pionierkommandos (Möller, Kriegsende…)

In der Fahrbahn wurden Sprenglöcher ausgehoben und die Sprengkabel vorbereitet. Auch die Eisenbahnbrücke wurde zur Sprengung vorbereitet. Dr. Blenkle, Leiter des Reservelazarett im „Mutigen Ritter“ versuchte den Truppführer von dem Vorhaben abzubringen. Dabei verwies er auf die Gefahr für das Lazarett. Doch die sofortige Sprengung unterblieb, nach dem ein Befehl  des OB West an die 11. Armee ergangen war, dass Eisenbahn- und Straßenbrücken über die Saale zwischen Saalfeld und Halle erst zerstört werde können, wenn es die Kampfsituation unvermeidbar macht.

 

  1. Apr. Einteilung von Panzerjagdkommandos der N.P.E.A. Schulpforta (Möller, Kriegsende..)

Gleichzeitig wurde die Panzersperre an der Haarnadelkurve vom Volkssturm und HJ unter Leitung des Lehrers Jutzi  so weit befestigt, dass sie beim Herannahen der Amerikaner rasch geschlossen werden konnte. Bis dahin konnten zurückweichende Wehrmachtseinheiten passieren. Aber auch weibliche KZ- Häftlinge unter Bewachung von SS-Aufseherinnen wurden durch die Stadt und über die Brücke in Richtung Osten getrieben (leider wurden diese Tatsachen von der Bevölkerung weitestgehend verdrängt obwohl es viele mitbekamen). 

 

  1. Apr. Die amerikanische 69. Infanteriedivision steht am Kösener Berg (Giesecke/Fichtner).

Die Sirenen gaben diesmal Panzeralarm. Die Bevölkerung suchte die Keller auf.

Gegen 15 Uhr gelingt es einem Panzervernichtungstrupp bei Kleinheringen den Vormarsch der von Camburg vorstoßenden Verbände zu stoppen. 2 Panzer werden abgeschossen. Bei hereinbrechender Dunkelheit ziehen sich die Schüler auf Saaleck zurück. Gegen 22 Uhr kommt es bei Tultewitz zu einem Feuergefecht. Dabei  sterben 8 deutsche Soldaten.

Die Sperre an der Haarnadelkurve wurde gegen 15 Uhr von Volkssturm und Jungmannen der N.P.E.A. Naumburg unter Führung eines Leutnants besetzt. Beim Einsetzen des Granatfeuers bei Kleinheringen verließ der Volkssturm die Sperre, ohne sie zu schließen. Daraufhin erfolgte der  Befehl, die Sperre aufzugeben. Doch diese erreichte den 16-jährigen Christian Uihlein nicht mehr. Beim Vorrücken der Amerikaner wurde er tödlich verwundet. Zwei Tage später wurde er aus dem Schützenloch geholt von Kösener Einwohnern geborgen (A. und E. Sieblist) und am 21. April auf dem Kösener Friedhof beigesetzt.

Nach Passieren der Panzersperre fühlte die Task Force Bennett, Combat Team 44 zur Saale vor, besetzte  die  intakte Brücke und bildete einen Brückenkopf. Aller Wahrscheinlichkeit hat der Schmiedemeister Kathe die in der Naumburger Str. 10 befindlichen Zündkabel zerschnitten. Amerikanische Pioniere entfernen die Zündkabel und drei 250 kg Bomben. Der Bevölkerung wird der Abbau der Panzersperre befohlen.

Inzwischen besetzten die Panzerknacker  der N.P.E.A. Schulpforta die vorbereiteten Stellungen am Käppelberg und der Windlücke. Gegen 22 Uhr erfolgte der Befehl zum Rückzug, der aber nicht alle erreicht.

 

  1. Apr. Vormarsch des RCT 272 auf Schulpforta (Möller Kriegsende…)

Die Aufklärungsgruppe geriet auf der Straße zur Windlücke unter Beschuss einer kleinen Gruppe  von Wehrmacht, Volkssturm und Schülern der N.P.E.A. Daraufhin nahm Artillerie den Käppelberg und die Wälder an der Windlücke unter Beschuss. Panzer, schwere MG und Granatwerfer wurden eingesetzt, wobei das „Einsame Haus“ auf dem Köppelberg schwer beschädigt wurde. 2 Stunden brauchten die Amerikaner, dann brach die deutsche Gegenweh r zusammenbrach. Die Sperre wurde beseitigt und Schulpforta vom Anstaltsleiter Göldner den Amerikanern übergeben. 65 Gefangene wurden gemacht, die Amerikaner verloren einen Jeep.

Inzwischen stauten sich an der Brücke  und auf der Eckartsbergaer Chaussee die amerikanischen Einheiten darunter das 3./272 unter Lt. Col. Edward J. Thompson. Eine Me 10 der Luftwaffe, die im Tiefflug offenbar auf der Suche nach einem geeigneten Landeplatz das Tal durchflog, wurde von den hier wartenden Einheiten unter Feuer genommen und stürzte beim „Himmelreich“ab. Die sterblichen Überreste des Piloten, dessen Identität damals nicht festgestellt werden konnte, fanden hier die letzte Ruhestätte. Das  Grab wurde auch zu DDR- Zeiten von Fam. Stumpf aus Lengefeld liebevoll gepflegt. 1993 konnte die Identität des Piloten festgestellt werden. Dessen Angehörige kümmerten sich von nun an um das Grab (NTB v. 27. 11.92 u. NTB 1995).

Das Heereslazarett wurde von den Amerikaner für die eigenen Verwundeten genutzt (Allied Hos-pital). In die NSV-Gauschule zog die US-Kommandantur. In den Saalhäusern requirierten die US- Truppen die Weinvorräte.

Nach dem Bericht zum „20jährigen Bestehen der SED in Kösen“ (St.-A.) wurde am gleichen Tag das erste ANTIFA-Komitee durch das Ehepaar Firchau, L. Vonberg, P. Müller, P. Hein  und A. Brehme gegründet.

 

  1. Apr. Schulpforte wird besetzt und für Zivilisten gesperrt.

Danach durchsuchte eine Sondereinheit die NAPEA und internierte das Lehrpersonal.

 

  1. Apr. Passierschein der amerikanischen Ortskommandantur (priv).

Aussteller war der 1st. Lt.  F. A. Military Govt. Officer Kenneth B. Neken. 

 

  1. Mai Mitteilung des stv. Bürgermeisters zum Allied Hospital (BLK-A. Nr. 706)

Auf Nachfrage teilte Ketterer dem dortigen Personal mit, dass das von der American MG übernommene Wehrmachtslazarett nicht  zur städtischen Verwaltung gehört. Der Stadt wären wegen der ausstehenden Lohnzahlung für April die Hände gebunden. Man sollte sich an den amerikanischen Finanzoffizier in Naumburg wenden. 

 

      Mai  In Schulpforte werden ehemalige KZ Häftlinge aus Buchenwald  untergebracht.

 

  1. Mai Die Kämmereikasse bestätigte einem Hausbesitzer seinen Grundbesitz (priv).

 

  1. Mai Bäcker Fielko liefert 640 Brote an das Allied Hospital (BLK-A. Nr. 706)

 

  1. Mai Anweisung des stv. Bürgermeisters (St.-A.)

Zur Abfuhr der Grube im Hospital Naumburger Str. 1 (Hämmerling) wurde ein Gespann und das städtische Jauchefass beordert.

 

  1. Mai Anweisung des stellvertretenden Bürgermeisters (priv).

Der Antrag des Hauseigentümers, die Ehefrau des Bürgermeisters Kürbis aus der  Mietwohnung zu entfernen, wurde  abgelehnt.

 

  1. Mai Anfrage des stv. Bürgermeisters an die Vorsteherin des Hospitals (BLK-A. Nr. 706)

Der wollte eine Aufstellung über die dort Beschäftigten sowie die ausstehenden Löhne. 

 

  1. Mai Schreiben des Chefs des Zivilpersonals des Allied Hospital (BLK-A. Nr. 706)

Demnach wurde das Wehrmachtslazarett Bad Kösen am 11. 04. samt Personal von der amerikanischen Armee übernommen worden. Den  74 „Gefolgschaftsmitgliedern“ würden 6.660 RM für die Monate April und Mai zustehen, erklärte  M. Kathe. 

 

  1. Mai Schreiben der Konditorei Schoppe an die Stadtverwaltung (BLK-A. Nr. 706).

Für die Vermietung von Zimmern für das Allied Hospital berechnete er 400 RM.

 

  1. Mai Wiederaufnahme des Fernsprechverkehrs im Ortsnetz.

Gleichzeitig ordnete die amerikanische Militärbehörde die Entfernung der Straßenschilder mit den Namen der Nazis und die Wiedereinführung der alten Namen an.

 

  1. Mai Bericht des Bürgermeisters an den Landrat (BLK-A. Nr. 706)

Er teilte mit, dass des Reservelazarett im „Mutigen Ritter“ und in „Hämmerlings Konditorei“ von der MG als Allied Hospital für kranke und verwundete Soldaten der Alliierten genutzt wird. Das  deutsche  Pflegepersonal (74 Zivilisten) wurden übernommen, allerdings bislang ohne Entlohnung.  Das betraf auch die hier verbliebenen  Ärzte und Pfleger aus Italien, Jugoslawien und Polen.

 

  1. Mai Anordnung der Stadtverwaltung (BLK-A. Nr. 706)

Die Fa. Pabst wurde angewiesen, 2 Tonnen Koks und 1 Tonne Brikett und 3 Tonnen Koks im Verlauf der nächsten Woche beim Allied Hospital anzuliefern.

 

  1. Mai Kostenzusammenstellung für die französische Kommandantur (BLK-A. Nr. 706).

Im Gefolge der Amerikaner waren auch französische Militärs eingetroffen und hatten sich im Hotel Apel einquartiert. Die Kosten beliefen sich auf 4338 RM, darunter 3000 RM für die Einmietung im Hotel Apel und im Wehrdamm sowie 500 RM vom Bäcker Hürland.

 

  1. Mai Antrag Husters auf Kostenerstattung (St.-A. Nr. 380)

Für die Beschlagnahme des „Mutigen Ritters“ zahlte die Heeresverwaltung mit Zustimmung des Landrates dem Eigentümer eine jährliche Entschädigung von 47.200 RM, die auch bis März  gezahlt worden war. Huster verlangt nun von der Stadt die weitere Zahlung, nachdem das Haus von den Amerikanern belegt worden war. 

 

  1. Mai Antrag der Fa. Wilhelm Pabst (St.-A. Nr. 270).

Der beantragte den Erwerb von defekten LKW-Anhängern, die noch auf dem Flugplatz Punschrau standen, um diese für den Kohletransport einzusetzen.

 

  1. Juni Mitteilung des Bürgermeisters (St.-A. Nr. 380)

Huster hatte das Café am Gradierwerk gepachtet, hatte aber davon Abstand genommen, nachdem bekannt wurde, das die Amerikaner das Allied Hospital auflösen werden.

 

  1. Juni Anordnung des Bürgermeisters (St.-A. Nr. 380)

Die von Faust im KLV Lager  „Schöne Aussicht“ gemeldeten Kartoffelvorräte sollten dem KLV-Lager „Katze“ übergeben werden, für die hier untergebrachten Flüchtlinge.

 

  1. Juni Antrag der Stadt bei der „Eierverteilungsstelle“ in Naumburg (BLK-A. Nr. 706).

Von den dem Allied Hospital wöchentlich zu liefernden 350 Eier konnte die Stadt wegen „Plünderung und Diebstahl“ nur 159 aufbringen.

 

  1. Juni E. Langrock (Jg. 1901) wird von den Amerikanern zum Bürgermeister ernannt (Born).

 

  1. Juni Kosten für Dienstleistungen des Allied Hospitals (BLK-A. Nr. 706)

Die Kosten für in Anspruch genommene Dienstleistungen seit  April beliefen sich auf  5512 RM. Darunter auch die Kosten für  die Friedhofsverwaltung, Leichentransport, Särge von Lietz & Meißner  und Kosten der evangelischen Kirchengemeinde.

Nachweislich verstarben hier (BLK-A. Nr. 819, Standesamtsbücher) die Italiener Gicoanni Accette (28.06.) und Gondo Immocano (27. 06.), der Niederländer Jacobus Kool (23.05.), sowie die Russen A. Najnik (03.06), R. Rubchow (23.05), N. Staradubow (22.05), A. Tretjak (29.05). Die Nachforschungen des Niederländers Remco Reiding aus Amersfoort ergaben weitere 10 Russen und einen Italiener, die hier gestorben aber in Amersfoort begraben wurden. Anders als im Naumburger Military Hospital, das ausschließlich amerikanischen Staatsbürgern vorbehalten war, wurden im Allied Hospital nur Militärangehörige der Verbündeten (Alliierten) behandelt. Unter den hier Verstorbenen dürften auch ehemalige KZ-Häftlinge gewesen sein, die zeitweise in Schulpforte untergebracht waren und Kranke aus dem „ausländischen Lager“ im Hotel Salzmann, das wohl für Fremdarbeiter eingerichtet wurde. Die Verstorbenen wurden auf dem Kösener Friedhof  begraben später teilweise exhumiert und in ihre Heimat gebracht. Warum aber die 16 russischen Staatsangehörigen in die Niederlande gebracht wurden, ist offen. 

Die kurze Episode des Allied Hospital ist fast vergessen, zumindest  will und kann sich kein Einwohner mehr daran erinnern..

 

  1. Juni Schreiben des Bürgermeisters (St.-A. Nr. 215).

Langrock bat den Landrat,  Dr. Blenkle von seiner Tätigkeit im Naumburger Military Hospital freizustellen und ihn wieder praktizieren zu lassen, zumal Blenkle einer der wenigen  Ärzte war, der keiner Nazi-Gliederung angehörte. 

 

  1. 28. Juni Schreiben des Bürgermeister an das Military Gouvernement (St.-A. Nr. 215).

Langrock bat um Passierscheine für die 141 hier untergebrachten Bombenopfer aus dem Großraum Köln, damit diese in ihre Heimatorte zurückkehren konnten.