Dorf und Saline 1816-1867

1816

  1. Jan. Neuordnung der Salinenverwaltung.

Die sächsischen Staatssalinen Artern, Kösen und Dürrenberg kamen mit den altpreußischen Salinen Halle, Schönebeck und Staßfurth  zum Oberbergamt für den niedersächsisch-thüringischen Kreis mit Sitz in Halle, das sächsische Salinendirektorat Weißenfels wurde aufgelöst. Chef des Oberbergamtes war Berghauptmann Freiherr Franz von Veltheim. Der Nachfolger Hardenbergs der Geheime Finanzrat von Witzleben, die Lokalbeamten und die Salinenarbeiter wurden nach der Vereidigung auf den preußischen König mit den bisherigen Bezügen in den preußischen Staatsdienst übernommen

 

      Jan.   Neuordnung des Floßverwaltung.

Die sächsischen Floßbeamten traten ebenso wie die Salinenbeamten in preußische Dienste. Dazu gehörten der Oberaufseher über die Saaleflöße (seit 1796) und Amthauptmann Adolph Samson von Burkersroda (1756-1827), der Floß-Zoll und Land-Akzise Einnehmer von Kösen Ludwig Maximilian von Zedtwitz, der hiesige Floßschreiber Gottlob Heinrich Burschel und der Gegenschreiber Johann Christian Gottlob Schmeißer. Die Zölle selbst blieben unverändert. Von den  Stämmen und  mitgeführten Holzwaren wurde beim Übergang über den Wehrdamm als Einfuhrzoll der 20. Teil des Warenwertes erhoben. Dazu kam die Landakzise sowie ein Rechengeld und die   Geleitsabgabe je Floß.

Nach Lepsius „Kleinen  Schriften“ kamen allein zum Ostermarkt über 800 Flöße die „über und unter Kösen“ verhandelt wurden. Wer über den Wehrdamm, die Zollgrenze ging, zahlte den „Einfuhrzoll“. Flöße und Holzwaren, die oberhalb des Dammes auf preußischen Gebiet verkauft wurden, unterlagen der Landakzise, durften aber nur  „Inländern“ verkauft werden, während der Holzmarkt auch „Ausländern“ zugänglich war. Dazu gehörten das schwarzburgische Frankenhausen und das  großherzoglich-weimarische Amt Allstedt, wohin die Stämme auf der Unstrut flußaufwärts getreidelt wurden. Die Verhandlungen mit den großherzoglichen-weimarischen und herzoglich gotha-altenburgischen Regierungsbeamten über den Abschluss neuer Verträge zur „Commun-Flöße“ führten der Oberflloßmeister v. Zedtwitz zusammen mit dem Oberforstmeister v. Münchhausen.

 

  1. Feb. Antrag des Oberfloßmeisters v. Zedwitz (MER C48IIIb Nr.5512).

Es ging um die Instandsetzung des im Oktober 1813 zerstörten Floßamtes. Zedtwitz hatte sich in Naumburg eine Wohnung gemietet und wollte wieder das Floßamt beziehen. Anhand der Kostenschätzung vom Salinen-Baumeister Colditz über 1.148 Taler bat auch der Oberfloßaufseher v. Burkersroda um eine baldige Genehmigung für diese Mittel.

 

  1. Mär. „Beschreibung der Königlich Preußischen-Herzoglich Sächsischen Saline zu Kösen.“

Im Auftrag des Salinenfiskus erstattete der Factor Erdmann Friedrich Senff jun. einen ausführlichen Bericht über die Anlagen und den Betrieb derSaline, mit detaillierten Angaben über die Schächte,  die Solequellen, die Maschinerie, die Künste, die Gradier- und Siedeanlagen sowie  den Salzproduktion und des Vertriebs (WER Rep. F 4 XIII Nr. 1)

Der Baumeister Colditz fertigte die Risse,  darunter der Plan des 1. Siedekots (MD Risse Nr. 1580), der Glaubersalzfabrik (Risse  Nr. 1621) einen Schnitt durch den neuen Solschacht (Risse Nr. 3987) sowie zahlreiche Details der Kunsträder, der Trockenanlagen,  Ventile usw. 

Senff jun. geb. 1772, war Sohn des Bergrates gleichen Namens und der Pastorentochter Maria Eleonore geb. Hennig aus Wallendorf. 1793 trat er als Eleve in die Saline ein und wurde 1798 Assistent bei der Salineninspektion in Dürrenberg. 1800 wurde er als Leiter der chemischen Fabrik hierher beordert und 1805 zum „wirklichen Salinen-Factor“ ernannt. 1803 heiratete er die Tochter des Floßmeisters Puttrich. Aus der Ehe gingen 6 Kinder hervor. Während der Kriegsereignisse  1806 und 1813 bemühte er sich um die Aufrechterhaltung der salzproduktion, was  ihn und seiner Familie  erhebliche Beschwernisse einbrachte.  

 

  1. Apr. Einrichtung der Provinz Sachsen (Allg. Gesch.).

Die zunächst noch als Herzogtum Sachsen bezeichnete Provinz bestand aus der altpreußischen  Altmark, dem ehemaligen sächsischen Kurkreis, dem Thüringer Kreis mit der Grafschaft Mansfeld und der Herrschaft Querfurt, den Stiften Merseburg und Naumburg-Zeitz. In Magdeburg  war der Sitz des Oberpräsidiums, erster Oberpräsident war  Freiherr Friedrich von Bülow. Nachgeordnet waren die „Königliche Regierungen“ in Erfurt,  Magdeburg und Merseburg. Naumburg wurde Stadtkreis mit Altenburg-Almrich, Schönburg, Wethau und der „Kalten Henne“.

Nach Hoppe (Heimatbuch 1930)  wurde den Amtsdörfern von Eckartsberga und Pforte  die Brückenfron und den Einwohnern das Brückengeld erlassen. Die Brücke selbst kam an die  Kgl. Preußischen Straßenpartie.

 

  1. Mai Bewerbung Johann Christian Friedrich Judersleben (WER Rep F 38)

Judersleben wurde am 23. Febr. 1778 in Kösen geboren.  Sein Vater war der Bruder von Johann Georg Judersleben, dem Verfasser der „Locicommunes“ und ebenfalls im Salzwerk beschäftigt, zunächst als Scheitführer, dann 22 Jahre lang als Salzsieder und bis zu seinem Tod mit 72 Jahren als  Gradierer. Bei ihm erlernte er das Gradiererhandwerk, danach war er 5 Jahre Kohlenaufseher in Kösen und wurde 1811 durch die Fürsprache des Finanzrates v. Witzleben als Gehilfe nach Dürrenberg beordert, wo er unter Anleitung des Freiberger Kunstmeisters Brendel bei der  Inbetriebnahme der ersten Dampfmaschine zum Antrieb der Schachtpumpen mitwirkte.

 

  1. Jun. Verfügung zur Wiederherstellung des Floßamts (MER C48IIIb Nr.5512).

Auf der Grundlage eines Kostenanschlag vom Baukommissar Röber genehmigte das Hauptzollamt  889 Taler für den Wiederaufbau aus der Floßkasse. Eine Erstattung des zerstörten und bei den Plünderungen abhanden gekommenen  privaten Mobiliars des Floßmeisters wurde abgelehnt.

 

  1. Juli Schreiben des Berghauptmanns v. Veltheim (WER Rep. F 38).

Der genehmigte die Einstellung von Judersleben in der Mertendorfer Grube an Stelle des verstorbenen Schichtmeisters May, mit einem Gehalt von 400 Talern, einem „Pferdegeld“ von 100 Talern und einem Deputat von 3000 Formkohlen. 

 

  1. Aug. Salinenkonferenz (WER Rep F 38 Gen. V a Nr. 4).

In Dürrenberg kamen der Oberberghauptmann Gerhard, der Berghauptmann v. Veltheim, der Oberbergrat v. Laroche und der Bergrat v. Witzleben zusammen. Entschieden wurde über die Verwendung und Besoldung der übernommenen sächsischen Salinenbeamten der „Thüringer Salinen“. Judersleben wurde als Baubeamter vorgesehen und sollte vorher die sächsischen Wasserkünste und die bayerischen Salinen studieren, und was dort vorteilhaft war, in den thüringischen Werken umsetzen. Der Rendant war Eschke mit einem Salär von 700 Talern und einer Beteiligung am Überschuss der chemischen Fabrik, alle übrigen Sondervergünstigungen wurden kassiert. Die Kösener Saline, die kleinste im Bergamtsbezirk sollte dennoch eigenständig bleiben. 

 

  1. Okt. Erlass des OBA zur Einrichtung eines Salzamtes (WER F38 Gen VIII a Nr. 20).

Die Neuordnung der Saline im OBA-Bezirk genehmigte König Friedrich Wilhelm III.

Zuständig für die ehemaligen kursächsischen Salinen war das Salzamt zu Dürrenberg. Dessen Dirigent wurde Johann Andreas Bischof (geb. 23. März 1765), zunächst noch stellvertretend, bis v. Witzleben endgültig zum OBA nach Halle wechselte. Bischof war nach Ableistung seines Militärdienstes 1793 in den Dienst der Saline getreten und  unter dem Direktorat von v. Hardenberg „Factor“ in Dürrenberg. Er war der Verfasser der ersten Borlachbiografie, die seinen „Geschichtlich-technologischen Mitteilungen über die Kgl. Preuß.  im Herzogtum Sachsen gelegene Saline Dürrenberg“ vorangestellt war. (Hrsg. 1831 v. C. J. B. Karsten und veröffentlicht im Archiv f. Bergbau und Hüttenwesen Bd. 20 S. 3-199.)

 

  1. Okt. Anweisung des OBA an die Lokalverwaltung (WER Rep. F 38 Gen V a Nr. 5).

Zur „besondere Salinenverwaltung“ gehörten 4 Offizianten. Erster Beamter war der Rendant Eschke, sein Stellvertreter der Factor Senff, ungewöhnlich, weil üblicherweise der technische Beamte die Saline leitete. Colditz war Kondukteur d.h. Baumeister, Porse der Salzschreiber.

Die Leitung der Saline sollte „kollektiv“ erfolgen und regelmäßig Bericht erstattet werden. Mit der  neuen Besoldungsordnung erhöhte sich das Grundgehalt, bisher gewährte Sonderzulagen entfielen.  Die Beamten mussten alle im laufenden Jahr erhaltenen Gehaltszahlungen und sonstige Vorschüsse   nachweisen und wenn diese das Grundgehalt überstiegen, den Mehrbetrag zurück zahlen.

 

  1. Nov. Gutachten zum Zustand des Flussbettes der Saale. (MER C 48 IIIb Nr. 5512).

Der Bauinspektor Schmidt forderte die sofortige Beseitigung der Kiesbänke unterhalb des Wehres, da diese die Ablauf der Kunstgerinne und damit den Wirkungsgrad der Wasserkünste behinderten.

 

  1. Dez. Bericht der Generalverwaltung für das Bergwesen (WER Rep. F 38).

Nach der Werksbesichtigung und einer Befahrung der Solschächte durch den Oberbergrat v. Laroche wurde festgestellt, dass „…das neue Gradirhauß auf dem Rechenberg und die Kothen ausgenommen, (die Anlage) fast durchgängig in schlechten baulichen Zustand ist...“ und Maßnahmen zur Umstrukturierung und zur Anpassung an den preußischen Salinenbetrieb dringend erforderlich seien. Insbesondere betraf dies die korrekte Erfassung aller betriebswirtschaftlich relevanten Daten. Für das kommende Halbjahr sollte ein Wirtschaftsplan die Fördermengen, den Gradier- und Siedungprozess, den Brennstoffverbrauch, den  Lagerbestand, den Debit und den Verkaufserlös exakt erfassen. Außerdem wurden die  Entdachung des unteren Gradierhauses und der Abbruch der Sonnensalzanlage angeordnet. Oberbergrat Dunker verlangte Vorschläge, um die  „kraftverzehrende Bruchschwinge“ am Gestänge vom oberen Schacht zum Gradierwerk zu ändern. Witzleben schlug den versuchsweisen Einbau eines eisernen Kunstkreuzes ähnlich dem in Dürrenberg vor.

 

  1. Dez. Gutachten des Forstrates Thilo zur Saaleflößerei (MER C48IIIb Nr. 5487).

Im Auftrag des Finanzministers v. Bühlow sollte er mit den Herzogtümern über die Fortsetzung der „Communflöße“, über die Preisgestaltung und über Personalfragen verhandeln. Bisher galt noch der Vertrag aus dem Jahr 1789 über 6 Jahre und  drei Flößen lief, der dann immer wieder verlängert worden war. Unter Berücksichtigung der beim Wiener Kongress vereinbarten Freiheit der Stromflößerei und der Gleichberechtigung der Teilhaber schlug Thilo den Kommissaren (Reg.-Rat Michaelis und Graf v. Flemming, Oberforstmeister v. Münchhaußen und v. Schönfeld) vor, die Scheitholzflöße jährlich durchzuführen.  Der Anteil Preußens zur jährlichen Eingabe sollte auf 10.000 Klafter begrenzt werden, die für die Salinen  Kösen, Dürrenberg und Halle bestimmt waren. Außerdem schlug er vor, dass jeder Partner wieder eigenständig die Einkaufspreise mit den Holzlieferanten, speziell mit den Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt,  aushandeln sollte.

 

              Klage der Hebamme Johann Luise Krüger gegen den Kinderlehrer (WER D 34/1/148).

Johann Ernst Hucke hatte als Kantor die sog. „Gevatternbriefe“, mit denen Paten von Neugeborenen benachrichtigt wurden, zugestellt und dafür den Botenlohn kassiert. Der stand allerdings der Hebamme zu, soweit sie bei der Geburt behilflich war..

 

              Erschließung der ersten Steinsalzlager in Deutschland.

In einer Tiefe von 150 Metern wurde im Jagstfeld im unteren Neckartal ein Salzstock erbohrt. Durch Auslaugen gewann man eine gesättigte Sole, die die Gradierung überflüssig machte. Innerhalb von nur 7 Jahren entstanden hier 7 Salinen: Friedrichshall, Offenau, Schwenningen  und Rottenmünster im Kgr. Würrtemberg, Rappenau und Dürrheim im Großherzogtum Baden und Wimpfen in Hessen. Damit wurde überall die Erschließung von Steinsalzlagern, die schon Borlachs vergeblich gesucht hatte, wieder aufgenommen, zumal inzwischen die Dampfmaschine Einzug gehalten hatte und ein Vordringen in größere Tiefen möglich war.

 

1817     

 

  1. Mär. Besetzung der Floßverwalterstelle (MER C48 IIIb).

Burschel, der bisherige Floßschreiber erhielt 300 Taler Jahresgehalt und 5 Klafter Deputatholz.

 

  1. Mai Bericht des Saalefloßamtes zum Neubau des Rechens (MER C48IIIb 5512).

Weil es den Rechen nicht mehr gab, verwendete man zum Aufhalten der Scheite man sog. Zwingen,  Stämme die in die Strömung eingeschwenkt wurden und so einen Teil der Scheite zum Ufer lenkten, wo sie dann ausgesetzt wurden. Für die hier verbleibenden Mengen reichte das aus, dennoch  beatsnden die altenburgischen  Floßbeamten auf den Neubau eines Rechens aus Eichenholz gebaut. Die Kosten wurden mit 14.000 Taler angegeben, von denen auf den preußische Fiskus ein Drittel entfiel. Daher lehnte die preußische Zollbehörde ab, zumal der Nutzen für Preußen gering und der Brennholzbedarf deutlich abgenommen hatte.

 

  1. Juni Salinenrecherche der Kgl. Preuß. Oberberghauptmannschaft (WER Rep 23 II Nr. 5/1).

Auf Anordnung der Generalverwaltung für das Bergwesen prüften der Berghauptmann Freiherr v. Veltheim und der Finanzrat v. Witzleben drei Tage lang den Stand der vom Oberbergrat Laroche angeordneten Veränderungen an der oberen Wasserkunst, dem Doppelfeldgestänge, dem Gerinne der unteren Radkunst und dem unteren, älteren Gradierhaus. Man beschloss eine Neuaufteilung der  Gradierfäll sowie die Erweiterung des zweiten Falls rechtwinklig am Nordgiebel des oberen Gradierhauses. Von Vorteil war hierbei, dass dann das Gestänge in gerader Linie darauf schieben könnte und so eine höher Kraft für die Umlaufpumpen zur Verfügung stand. Der 2. Fall am untern Gradierhaus sollte als dritter, der dritte als vierter Fall eingerichtet und der bisherige 4. Fall, der ohnehin zu tief lag und daher wenig effektiv war, abgeworfen werden. Zur Sicherung einer kontinuierlichen Kohlenversorgung sollte ein Teil gleich bei der Mertendorfer Grube gestrichen werden, um die dort auf Halde liegende Kohle zu verarbeiten, auch wenn man wegen des langen Weges mit mehr Bruch rechnen musste.

Dann wurde die Versiedung begutachtet, der Lagerbestand und der Debit, sowie  Vertrags- und Haushaltssachen, Rechnungs- und Kassenwesen geprüft.

Dann kamen verschiedene Anträge auf Lohnerhöhung wegen der hohen Getreidepreise zur Sprache, die man aber von höherer Stelle entscheiden musste. „Kurkosten“ wurden nur bei Betriebsunfällen aus der Knappschaftskasse erstattet und nochmals darauf hingewiesen, dass es außer in „dringenden  Fällen keinem Salinenarbeiter gestattet ist, vor Erreichen des 25. Lebensjahres und nur mit vorheriger Genehmigung der Salinenverwaltung zu heiraten. Zuletzt wurden die Lokalbeamten Eschke, Senff, Colditz und  Schickel angewiesen, Vorschläge zur Verwendung der eingestellten Sonnensalzanlage zu machen. Dem Protokoll lag ein von Senff zusammengestelltes umfangreiches Zahlenwerk über Förderung, Gradierung, Lagerbestände und Verkaufserlöse der letzten sechs Monate bei.

Nachfolgend fanden bis 1857 jährlich derartige „Recherchen“ seitens der übergeordnete Bergbehörde statt, die umfassend protokolliert wurden (s. WER Rep. F 23, II Nr. 5 Bd. 1 bis 4).

 

  1. Juni Gesuch des Factors Senff (WER Rep. F 38 Gen.)

Senff war bei einer vom OBA angeordneten Befahrung des zu Sumpf gebrachten oberen Schachtes von einer  Fahrt gestürzt und mehrere Meter tief gefallen. Nur der schnellen Hilfe des Schularztes Uhlig und des Chirurgen Häßner verdankte er sein Leben. Da es sich hierbei um einen Dienstunfall handelte, bat Senff um die Erstattung der „Churkosten“, was ihm vom OBA am 30. Juli auch bewilligt wurde. 

 

  1. Juli Rezess zum Salinengrundstück (WER rep. F 38)

Auf der Grundlage des  Pachtvertrages  von  1730 bestätigten die Königl. Regierung  und das Oberbergamt der Landesschule die Rückfallrechte an den Grundstücken im Fall der Einstellung  des Salzwerkes.  Auf der Grundlage eines maßstabsgetreuen und kolorierten Plans der Saline mit allen Betriebs- und Nebenanlagen vom Baumeister Gottlieb Colditz wurde das Gelände zwischen der Naumburger Chaussee und dem Schäferfeld mit „Runsteinen“ abgemarkt. Hier standen die beiden unteren Gradierhäuser, drei Siedekote mit den Trockenkammern, das Siedesolereservoir, die Salzlager, die Sonnensalzanlage, der Zimmereihof, die Pfannenschmiede, die Kohlenstreicherei mit Kohlenschuppen, die Dünger- und die Glaubersalzfabrik  sowie die Wohnungen der Siedemeister, des Kohlenaufsehers, des Rendanten und des Salzausgebers. Zum Aschedamm über der kleinen Saale führten zwei kleine Brücke. Außerhalb des abgemarkten Geländes aber zur Saline gehörend lagen die beiden Wasserkünste, die Gestängeröschen, die Solschächte, das obere Gradierhaus, die Salinenschmiede (R.-Breitscheidstr. 10) und die Wohnungen der Kunst- u. Gradiermeister (R.-Breitscheid-Str. 17/17a). Das gesamte Betriebsgelände umfasste 29.595 Quadratruten (d. s. 420.000 m²).

Imposant war der Kunstturm über dem unteren Schacht. Mit seinen 6 Geschossen und dem Turm war er 20 Meter hoch. Das Erdgeschoss war massiv, die oberen Geschosse Fachwerk. Im Erdgeschoss neben der Hängebank mit dem Kunstkreuz wohin das Doppelgestänge schob, hattte der Kunstwärter seine Wohnstube. Im  1. und 2. OG war die Wohnung des Salinen-Factors.  Für ihn, seine Frau und die sechs Kindern gab es  eine  Stube, eine Küche und einige Kammern. Im 3. OG war das „Directions-Logis“. Dazu gehörte ein „Sezessions-Local“, 2 Stuben und 2 Kammern, wo  auswärtige Salinenbeamte übernachten konnten. Problematisch, schon seit den Zeiten Borlachs war die Lage des unteren Schachtgebäudes und des Gestänges unmittelbar vor dem Eingang zum Gasthof, weshalb es für Fuhrleute schwierig war, den Gasthof anzufahren. Als Ausgleich hatte die sächsische Salinenverwaltung dem Gasthofpächter die Vergabe von Afterschankrechten an Bewohner des Dorfes gestattet, was aber vom Oberbergamt untersagt wurde.

Zu Alt-Kösen, wie der Teil rechts der Saale bezeichnet wurde, gehörten neben der Saline und dem Salinengasthof, das Brauhaus mit der Malzdarre, die Schäferei, die Mühle, die Floßschreiberei (Naumburger Str. 1) und das Rechenwärterhaus (Loreleypromenade 9). Aber es gab auch schon einige Privathäuser, wie das des Holzhändlers Bechmann (Loreleyprom. 5), der Witwe Deistung (R. Breitscheid-Str. 14) und des Schmiedemeisters Therkorn (R. Breitscheid.-Str. 10).

 

  1. Juli Gemeindeversammlung zur Finanzierung des Armenhauses (MER C 50 Naumb. A Nr. 434)

Die Gemeinde war der Auflage nachgekommen, ein Armenhaus einzurichten und hatte dem Nachtwächter Dinter für seine Behausung in der Petersiliengasse 100 Taler angeboten, die auf die  Hausbesitzer und Hausgenossen umzulegen waren, Dazu kamen 25 Taler für Reparaturen an der Schule. Auf jeden Hausbesitzer entfielen 1 Taler, 12 Groschen und auf jeden Hausgenossen 18 Groschen, die der Einnehmer eintreiben sollte. Allerdings war der Zahlungswille nicht hoch, und 1824 standen immer noch 16 Taler von 22 Zahlungspflichtigen offen, dazu gehörte auch der Pachtschäfer Schwanitz. 

 

  1. Juli Gesuch der Hauslehrerin Erdmuthe Auguste Wahl (MER C 48 Iib 2028 I)

Die unverheiratete Tochter des Salzschreibers beantragte die Genehmigung, zur Weiterführung ihrer „scholae collectae“. In dieser Privatschule wurden Kinder unterrichtet, deren Eltern es sich leisten konnten, ihnen die einklassige Dorfschule zu ersparen, wie die Kinder des  Salinenrendanten Eschke Luitgarde, Julius und Ida, des Factors Senff, Eleonore, Emilie, Louise, Otto und Agnes), des Pachtschäfers Schwanitz, Friederike und Christian, des Gastwirts Weber, Carl und Annelie, des Pfannenschmieds Bösel, Wilhelmine, Theres und Christian, des Holzhändlers Seidler, Friederike und des Aufwärters Thielitz, Wilhelmine alle im Alter zwischen 5 und 13 Jahren. Unterricht wurde an 6 Tagen jeweils von 8 bis 12 Uhr, wobei Religion, Schreiben und Rechnen täglich und Geographie und Diktat einmal wöchentlich gehalten wurden.

Unterstützt wurde sie vom geistlichen Inspektor Magister John, wohl auch wegen der Zustände in der Gemeinedeschule. Im September wurde die Genehmigung erteilt.

 

            Lageplan von Neu-Kösen (Stadtarchiv Naumburg).

An der alten Heerstraße standen 11 Häuser, vier mehr als 1765, auf der gegenüber liegenden Seite erst ein einziges Anwesen (Lindenstr. 15). Die Dorfstraße war durchgängig auf beiden Seiten bebaut (Borlachstraße 1 bis 42).  An der Petersiliengasse standen das städtische Armenhaus (Nr. 16) und das Siechenhaus (Nr. 14) und an der Brücke am Mühlenweg gegenüber vom Floßamt  zwei Häuser (An der Brücke 2). 

Die ersten noch vom Floßmeisters Wenzel errichteten Häuser wiesen noch mit dem Giebel zum Fahrweg (z. B. Borlachstr. Nr. 14), ab 1730 wurden die  Häuser mit der Traufe zur Straße hin gebaut,  waren zweigeschossig, das Erdgeschoss mit massiven Lehmwänden auf Kalksteinsockel, das Obergeschoß war Fachwerk, der Dachstuhl hatte einen Krüppelwalm, die Dachdeckung bestand aus Ziegeln. Charakteristisch waren die zweiflügelige Haustür, deren Verglasung ein schmiedeeisernes Gitter schützte, darüber ein von gusseisernen Säulen getragener  Balkon und ein durchgehender Flur zum Hof. Typische Beispiele sind die Eckartsbergaer Str. 6, Lindenstraße 4, 25, 26, Burgstraße 2, 4,  6, orlachstraße 6, 8, 10, 12. 

 

  1. Aug. Die Knappschaft begeht ihr erstes „Brunnenfest“ (NKB 33, Jg. 1824).

In Artern bewilligte der Oberberghauptmann Ritter von Gerhard den  Knappschaften von Artern und Kösen jährlich 30 Taler aus der Salinenkasse zur Feier des Geburtstags König Friedrich Wilhelm III. Die Salinenarbeiter und die Mertendorfer Bergleute feierten im Bauhof der Saline.

 

  1. Okt. Konzert im „Mutigen Ritter (Naumburger Wochenblatt Jg. 6 Nr. 40).

Zu einem „Vocal und Instrumental-Concert“ unter Leitung des Musikdirektors Julius Kötschau lud Gastwirt Weber ein. Der Eintritt kostete 12 Silbergroschen.

 

  1. Okt. „Nachweisung sämmtlicher Pumpen ….auf der Saline Kösen (WER Rep. F 23 II, Nr. 2)

Nach Senffs Aufstellung  hingen am unteren Rad : 4 Wildwasserpumpen im Schacht d: 22 cm/ Höhe: 22,8 m), 20 Schachtpumpen unter Tage (d: 22 cm/ Höhe 153 m), 4 Tagpumpen (d: 22 cm,/ Höhe 30 m), 5 Gradierpumpen  für den 3. Fall ( 3 x d: 22 cm /Höhe 26 m, 2 x d: 22 cm/Höhe 17 m), 4 Gradierpumpen 4. Fall (d: 22 cm/ Höhe 8 m). 2  Sole-Repetierpumpen, 2 Pumpen zum Befüllen der Solebehälter und 9 Pumpen zum Befüllen der Siedepfannen. Am oberen Rad waren es 34 Pumpen, 21 im Schacht unter Tage, 4 über Tage und 3 am Gradierwerk, sowie 6 im Wildwasserschacht an der Nordseite des oberen Schachtes. Die Gesamtförderhöhe (unter und über Tage) betrug im unteren Schacht  189 im oberen Schacht 192 m. Die Schachtpumpen hatten eine Durchmesser von 24 cm,  die Hubhöhe betrug 84 cm, im Mittel 7 Mal/min. 

 

  1. Dez. Bewerbung um die Stelle des Salinenrendanten (WER Rep. F 38 V A).

Eschke war wegen eines „selbst verschuldeten Kassendefects“ aus dem Staatsdienst ausgeschieden. Als Nachfolger bewarb sich der Rendant Crystall vom OBA. 

 

1818

 

  1. Jan. Bildung des Landkreises Naumburg ( Dr. Bergner, Bau u. Kunstdenkmäler … 1905).

Am 09. Dez. 1817 wurde die Verfügung zur Auflösung des Stadtkreises und der Bildung des Landkreises Naumburg erlassen. Dazu gehörten nun die Stadt Naumburg selbst, die Ämter  Schönburg und St. Georg mit Saaleck, Kleinheringen, Rödigen und Punschrau und Hohndorf, die  Rittergüter Stendorf und Kreipitzsch mit der Rudelsburg und Lengefeld,  das  Schulamt Pforte mit Neu- und Alt-Kösen, die Vorwerke Fränkenau und Kukulau und die Dörfer Hassenhausen, Rehehausen, Gernstedt, Spielberg, Taugwitz, Poppel, Benndorf, Ober- und Niedermöllern, Pomnitz und Zäckwar.   

 

  1. Feb. Schreiben der Polizeidirektion Merseburg an das Oberbergamt (WER Rep F 38 V).

Direktor v. d. Heyde  verlangte vom Oberbergamt die Rückzahlung von 6 Talern, die der Salineneleven Schweder von der Stadt erhalten hatte, um Schulden bei seinem Wirt zu begleichen.  Allerdings hatte Schmieder seinen Dienst quittiert und das OBA verwies die Behörde an dessen Vater, der Salinenrendant zu Colberg war. 

 

  1. Mär. Beschwerde eines Einwohners wegen Einquartierungen (MER C 50 Naumburg A Nr. 597)

Der Beschwerdeführer schrieb dem Landrat Carl Peter Lepsius

„Ich bin bisher nicht einfach sondern doppelt mit Einquartierung belegt worden. Wenn ich nach dem Maßstab frage, wonach dies und überhaupt die Einquartierung in Kösen erfolgt, so höre ich nur: Es geht danach, wer sie ernähren kann; oder aber nach einer Sächs. Anordnung vom Jahr 1813. Nach dieser Anordnung ist mein Haus, wie man mir sagte, mit 2 Mann eingeschätzt worden. Allein der damalige  Besitzer meines Hauses brannte Brandwein und trieb ein ziemliches Gewerbe, so wie auch seine Stuben vermiethet oder vermiethbar waren. Das alles ist aber bey mir nicht der Fall. Ich habe kein Gewerbe und auch sonst keinen Verdienst und die paar Stuben, die ich bey meiner  zahlreichen Familie  nicht selbst brauchte sind leer und ruinirt. Daher bin ich bloß auf ein kleines Capital beschränkt, daß noch dazu von meinen adelichen Schwiegereltern -Gott weiß warum- größtentheils meinen Kindern ausgesetzt worden ist, welche Dispositionen eben jetzt in Naumburg regulirt, und aus Rücksichten auf meine Lage als unvermögende Sache behandelt worden ist....Auch habe ich es schriftlich, die Hälffte der Kaufsumme (1000 Th.) meines Hauses ist von meinen Kindern entlehnt. Dazu kommt noch, daß, ehe ich Nutznießer besagten Capitals wurde, ich mich zum Behuf des Absatzes meiner Schriften und meiner davon leider abhängigen Subsituirung durch Reisen so anstengen mußte, daß ich mir durch diese Reisen und Strapazen und Erhitzungen ein Uebel zugezogen habe, daß mich seit 4 Jahren peinigt, verdrießlich macht und in der Einsamkeit erhält und dessen Ende ich noch nicht absehe. Warum hat man mich auf eine wieder Recht und alle moralische Grundsätze verstoßende Weise ohne Anstellung gelaßen.

Eine solche Lage verdient doch wohl Rücksicht und wird auch, wie vorhin gesagt ist, berücksichtigt, gewiß werden Sie auch meine  Lage und mich  berücksichtigen und dem Meister Hämmerling, der mir ohnehin nicht geneigt zu sein scheint, nur bestimmte Weisung ertheilen, mich nur einfach zu bequartiren, und mich überhaupt hier vor Willkühr und Unrecht, das ich mir durchaus nicht gefallen lassen, hiervor zu beschützen, der ich Ihnen sonst mit aller Hochachtung zugethan bin.  Dr. Heynig,  Privat-Gelehrter in Kösen.

Am 31. März beschwerten sich auch der Salzsieder  Streuber und der Kunstwärter Scheufler über die nach ihrer Auffassung willkürliche Einquartierung seitens des Gemeindevorstandes

Am 22. August nahm die Gemeinde dazu Stellung und berief sich auf die verschiedenen, teilweise auch wiedersprüchlichen Anweisungen. Außerdem habe man bei der Behörde um Befreiung von Einquartierungen gebeten, weil „die Bewohner des Orts mehrentheils in Salinen- und Floßen-Arbeiter bestehen, auch wie sonst bey Friedenszeit keine Einquartierung, noch Botengänge verrichteten“ und 1813 von der kaiserlich-russischen und königlich-preußischen Militärbehörde eine entsprechender Schutzbrief ausgestellt wurde.

Nun wären aber diese Gerechtsame d.h. die Befreiung von Einquartierung in Friedenszeiten aufgehoben, ausgenommen die „Herrschaftl. Flößen-und Salinen Gebäude“.

Bezüglich der erhobenen Beschuldigungen wurde erwidert: Wenn wir uns seit 1813 nicht nach den innern Verhältnis eines jeden Hausbesitzers genau gerichtet hätten,  wären die Aermsten, wo die Häuser meistentheils verschuldet seyn, nicht im Stande gewesen, die Einquartierung einzuhalten...“ Abschließend wurde festgestellt: „Da in der Gemeinde soviel Undanckbare und Wiegler entstanden sind, so bitten E. Hochwohlgeboren ganz gehorsamst uns von diesen Einquartierungs-Geschäft und Bestellung von Boten ganz zu entbinden, jedoch nach genauer Untersuchung bitten wir um Satisfaction,überhaupt, da wir seit dem Jahr 1813 vorgehabten Mühe, Arbeit und Sorge noch keine Bezahlung erhalten haben, so fügen wir unsere Liquidation bey, verlaßen uns auf das Wohlwollen Desselben, uns in der Bezahlung behülflich zu seyn und wenn es erforderlich ist, wollen wir uns über jeden Punct mündlich verantworten,  indem noch eine kleine Einquartierung stattfindet, weil wir an einer großen Straße liegen und aus Mitleid manchen Beurlaubten der krank oder lahm auf dem Marsch geworden und auch kein Geld hat, aus Vaterlandsliebe ein Nachtquartier geben..“

Friedrich Seboth, Richter       Gottlieb Lachmann, Schöppe             Salomon Hämmerling, Schöppe.

 

  1. Mär. J. W. v. Goethe an Zelter (Goethes Briefe, Bd. 29, Weimar 1904).

Ich stehe wieder auf meiner Zinne über dem rauschenden Brückenbogen, die tüchtigen Holzflöße, Stamm an Stamm, fahren mit Besonnenheit durch und glücklich hinab……, daß heute  Gründonnerstag…..auch in Kösen an der Saale, über Naumburg der große Holzmarkt gefeiert wird….

 

  1. Mai Salinenrecherche der Oberberghauptmannschaft (WER Rep. F 23 II Nr. 5 Bd. 1)
  2. Veltheim und v. Witzleben besichtigten das obere Feldgestänge und ordneten eine Notreparatur und im Winter die Generalreparatur an. Das betraf auch die Erneuerung des Gerinnes von unteren Kunstrad und die Erneuerung der oberen Radkunst. Die Untersuchung des Wildwasserschachts hatte ergeben, dass dieser keinen Einfluss auf die Wildwasserzuläufe der beiden Solschächte hatte und demzufolge nicht gebraucht würde.

Wegen des hohen Bruchanteils bei den Formkohlen, wurde der Vorschlag der Lokaldirektion, die Kohlen ausschließlich in Mertendorf zu streichen abgelehnt. In Mertendorf sollte die frisch geförderter Kohle verarbeitet und die auf Halde liegende klare Kohle nach Kösen gebracht werden, um die Gefahr einer Selbstentzündung zu vermeiden.

Bei der Prüfung der Kassenbücher und der Registratur wurde die Aktenablage bemängelt. Das wäre nach dem Abgang des Eleven Schwedter nicht zu schaffen, erklärte die Lokalverwaltung und bat um personellen Ersatz. Nach dem Abgang des Rendanten Eschke übernahm die Salinenkasse die Pacht für die Hälfte seines von der Landesschule gepachteten Feldes, das man für den zukünftigen Rendanten brauchte. Die Nutzung des   Dienstgartens wurde der Familie bis zum Einttreffen des neuen Rendanten ebenfalls gestattet. 

Für die Wiederbesetzung der Stelle des 3. Kassenwächters wurde der Scheitführer Streuber und als dessen Nachfolger der ehemaligen Landwehrmann Gottfried Ziege vorgeschlagen.

 

  1. Mai Einladung zum Commers des Halleschen SC (W. Fabricius, Geschichte des Kösener SC)

Der Einladung nach Naumburg folgten die SC aus Leipzig und Jena, wobei man dann die auf dem Weg nach Jena gelegene Rudelsburg als geeigneten Platz zum Essen und Trinken vorzog und sich hier dann regelmäßig an den Pfingsfeiertagen traf.

Der Saalecker Kantor Johann Friedrich Förtsch beschrieb die Burg, „Der innere Hof … ist mit dem Schutt von zusammengestürzten Prunkzimmern, Sälen, Waffen- und Vorratskammern, Küchen unterirdischen Gewölben, Kellern und Gängen angefüllt...“ 

 

  1. Juni Bericht des OBA an die Oberberghauptmannschaft (WER Rep. F 38 V).

Dabei  ging es den Antrag des „Salinenfactors“ auf finanzielle Hilfe.  In der Senff`sche Wohnung im unteren Solschacht hatten bereits 1806 die hier einquartierten Militärs erheblichen Schaden angerichtet. Am 13. Oktober 1813 wurden hier österreichische Truppen, die den Brückenübergang sicherten, einquartiert und wurde dann von der französischen Artillerie unter Beschuss genommen, währenddessen Senff mit Typhus an das Krankenbett gefesselt war. Seine Ehefrau erlitt eine Fehlgeburt und der gesamte Hausrat wurde zerstört. Außerdem musste Senff für die Schulden seines 1813 verstorbenen Vaters aufkommen, der nach P. Fitzgerald wegen gefälschter Baubelege und ungenehmigter Privatbauten erst zu zwei Jahren Zuchthaus, dann zu acht Wochen Gefängnis begnadigt und zum Schadensersatz verurteilt wurde.

Kaum wiederhergestellt stürzte er vom Pferd, verunglückte danach mit einem Gespann und stürzte im Dezember 1816 beim Befahren des Solschachts ab. Für letztere Vorfälle hatte er die Erstattung der Behandlungskosten beantragt. Allein den Schaden an seinem persönlichen Habe bei Gefecht im Oktober 1813 bezifferte er auf über 1350 Taler. Das OBA gab den Antrag zur Prüfung an die Oberberghauptmannschaft weiter. Nach Rückfrage über bereits erhaltene  Vorschüsse aus der Salinenkasse ordnete der Minister des Innern an, dass die Rückzahlung entfällt und Senff 50 Taler aus dem Provisionsfond erhalten soll. Davon sollten 25 Taler in die Knappschaftskasse kommen, weil diese für seine Kurkosten aufgekommen war. Die privaten Verluste ersetzte der Salinenfiskus nicht, weil die sächsische Regierung bzw. dem Gouvernement bereits Entschädigung bei Einquartierungen gezahlt hatte.   

 

  1. Juli Vereinbarung zur Jahrespacht für das Salinengelände (WER Rep. F 38).

Der Salinenfiskus zahlte der Landesschule jährlich 283 Reichstaler, 8 Groschen und 4 Pfennige nach preußischer Währung, und lieferte das Salz für den Eigenbedarf.

 

  1. Aug. Antrag Senffs beim OBA (WER Rep. F 38 V).

Senff bat unter Verweis auf seine 25jährige Tätigkeit um Ernennung zum ersten Offizianten.

 

  1. Aug. Widmungsblätter für Heinrich Freiherr von Gagern (Hess. St.-A. Darmstadt)

Die beiden Stiche zeigen die Rudelsburg und Burg Saaleck.  Gagern war Offizier des Corps Gyulai und Veteran von Leipzig und Waterloo. Offenbar sollten die Stiche (überreicht von Friedrich Leopold Sieverßen und J. Römhild) an das Gefecht an der Kösener Brücke im Jahr 1813 erinnern.  

 

  1. Nov. Zweite Beschwerde des Dr. Heynig (MER C 50 A Naumburg Nr. 597)

„Ich habe meine Umstände in betreff der mir auferlegten Einquartierung nach Merseburg und Berlin gemeldet und um Verschonung, wenigstens Schonung bey Einquartirungen bescheiden nachgesucht....Ich merke aber, nach eingegangener Kunde und Erläuterung, daß man meine Eingabe gern entkräfften und wohl gar zu einen Querulanten mich stempeln möchte , indem man sagt, daß ich ja erst seit meinem Hiersein (1 ½ Jahr) 5 Mann Soldaten gehabt habe. Wie bitte! Daß man gerade die erste und letzte Einquartierung wegläßt. Sonach und besage meiner wohl aufgehobenen Billetts habe ich 10 Mann und ein Kind im Quartier gehabt, und zwar ganz unentgeltlich, außer daß für die letzten drei Mann etwas für meinen Theil mit eingegangen seyn sollte. Da nun weder meine Person noch mein Gras- und Obstgarten bey Einquartierungen in Betracht kommen soll, daß aber laut meiner Bequartirung geschehen ist, da mein Haus schlecht und gering ist und erst ein Haus werden kann, wenn man meint, mich mit solcher maßen hieran stöhren, so habe  ich mit Grund und Fug über die viele Einquartierung beschwert und werde mich, wenn man mir so oft zu viel auferlegt  beschweren und um so mehr, da es partheyisch hergeht indem z. B. der Maurermeister Werner bey seinen großen Haus und Feld und Gewerbe nur zwei Fourierschützen  nebst einer Frau gehabt hat, während ich 2 Tambours und noch einen Soldaten hatte...Ich lasse mich aber durchaus nicht länger tourbiren und Unrecht thun, was auch für mich oder andere darn kommen möchte...

  1. phil. Heynig zu Kösen.

 

  1. Dez. Gesuch der Dorfgemeinde beim Landrat (WER Rep. A 23I Nr.1, Bd.1).

Salomon Hämmerling, Nachfolger von Seboth als Ortsrichter  und die Schöffen G. Lachman  und Fr. W. Heßner  beantragten im Namen der Gemeinde die Anpachtung des Gasthofes. Damit wollte sich die Gemeinde das Monopol des Gasthofes bei Brau-, Brenn-, Schank-, Gastungs- und Beherbergungsrechten sichern. Das Verbot der Afterschankpacht seitens des Salinenfiskus, bedrohte die Existenz der Bäcker Hämmerling und Seiffarth sowie einiger weiterer Gemeindemitglieder. Dabei seetzte man auf die Ablösung der bisherigen sächsischen durch die liberale preußische Gewerbeordnung. Dazu kamen die neuerdings geltende Einquartierungs-pflicht,  die Truppenverpflegung, sowie Spann- und Fuhrdienste, die von der Gemeinde die weder  über landwirschaftliche Nutzflächen noch Geldeinnahmen aus bürgerlichen Gewerbe verfügten, faktisch nicht leistbar waren. Mit der Übernahme des Gasthof  würden aber auch die zur Pacht gehörenden Äcker und Wiesen an die gemeinde fallen. Die Gemeinde bat um  eine vorzeitige Beendigung der Pacht und bot an, sich an den zu erwartenden  Schadensersatzansprüchen Webers gegenüber der Saline  zu beteiligen.

 

  1. Dez. Stellungnahme des Landrates zum Antrag der Gemeinde (dto).

Landrat Carl Peter Lepsius (Vater des Ägyptologen R. Lepsius) unterstützte den Antrag der Gemeinde, weil diese „durch eigene Betriebsamkeit ihre Umstände verbessern...“könne. Er berief sich dabei auf die zu erwartende Gewerbefreiheit in den an Preußen gekommenen  sächsischen Gebiete und schloss, dass „Zweige der bürgerlichen Nahrung wie Gast- und Schankwirthschaft wohl nie für Rechnung der Regierung verwaltet werden ... denn sie können in den Händen der Regierung nicht rentiren, wie in Privathänden“.

 

             „Badeliste“ des Schul-Arztes F. W. Häßner (Hinsche, Heimatbuch 1930).

Bislang wurde die Liste als die erste ihrer Art bezeichnet. Allerdings war das wohl ein Schreibfehler denn die erste Badeliste erschien 1812 im Naumburger Wochenblatt (Nr. 31, 32, 33).  1813 waren es 63 Badegäste, darunter auch der Chef des französischen Lazaretts in Naumburg, worauf bereits Fr. Hoppe im Heimatbuch verwies.

In einem Schreiben der Floßbeamten aus dem Jahr 1794 wurden „gesundheitssuchende Fremde“ erwähnt und Heinrich Seffner erwähnte in seinen Lebenserinnerungen, dass im Haus des  Advokaten Hübsch Badegäste wie den Geheimrat v. Schardt aus Weimar und die  Familie v. Bodenhausen wohnten. Die Nachfrage nach Solebädern stieg, denn zahlreiche Ärzte propagierten die heilende Wirkung der Solebäder, wie Dr. Tollberg der 1802 im preußischen Salzelmen das erste Solebad gründete, Dr. Reil in Halle und Dr. Manniske im schwarzburgischen Frankenhausen.

Nur wenige Hauswirte hatte die Räumlichkeiten Bäder zu bereiten und Badegäste aufzunehmen. Das waren aber weder Salinen- noch Floßarbeiter. As „Bad“ in den Privatwohnungen bestand aus einer Holzwanne möglichst in einem separaten Raum, die Sole wurde vom Solschacht oder vom Mühlbrunnen geholt, das Wasser vom Brunnen oder von der Quelle. Wahrscheinlich wurden nur Kaltbäder bereitet, da eine  Erwärmung recht aufwändig war. Außer Haus konnte vom  Mühlbrunnen getrunken und am Gradierwerk promeniert werden, wobei die Inhalation erst in den Anfangszeiten steckte.

 

              Beschreibung der  Saalebrücke.

In der „Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste“ von Gruber und Ersch im Kapitel XIII „Die Brücken der Teutschen“ wird die Brücke als eine der ältesten Steinbrücken Deutschlands beschrieben.  Die Länge wird mit 288 Fuß (rd. 91 m), die Bogenweite mit rd. 7,7 m angegeben.

 

1819

 

  1. Feb. Schreiben der Oberberghauptmannschaft an das OBA (WER F 38 V Cb 1 Nr. 9).

Es ging um die Neubesetzung der Beamtenstellen. Für den Rendanten Eschke kam Schweingel aus Dürrenberg, gleichzeitig zweiter Offiziant mit einem Jahresgehalt von 700 Talern, freier Dienstwohnung und Dienstgarten und einem Deputat von 3000  Formkohlen. Die dafür zu stellende  Kaution betrug 1500 Taler. Als Materialverwalter kam ebenfalls aus Dürrenberg der Kassengehilfe Pauli für 350 Taler Jahregehalt, freier Wohnung und 1500 Formkohlen. Er stellte eine Kaution von  400 Taler. Der „Salinenfactor“ Senff wurde zum ersten Offizianten der Kösener Saline ernannt wegen seines „umsichtigen, treuen Betragen im Dienst“ Die Dienstbezeichnung „Salinen-Inspektor“ wurde  abgelehnt, da dies nur bei den größeren preußischen Salinen üblich wäre. Am 3. Mai wurden die Beamten durch den Geheimen Bergrat v. Witzleben und dem Oberbergrat Eggers vereidigt, in ihren Aufgabenbereich eingewiesen und der Kassenbestand sowie das Baumaterialieninventar übergeben. Anwesend waren auch der Kunstmeister Müller, die Gradiermeister Schröder und Heinze, die Siedemeister  Kalbitz, Müller jun.  und Rauchfuß, der Maurermeister Werner und der Pfannenschmied Bösel. Der Baumeister Colditz ließ sich krankheitshalber entschuldigen.  

 

  1. Feb. Anweisung des OBA zum Schulwesen (MER C 48 II b Nr. 2028)

Der Gemeindeschule wurden jährlich 20 Taler aus der Salinenkasse bewilligt. Davon sollten für die Kinder der Knappschaft Schulbücher gekauft und besonders sittliche und lerneifrige Schüler belohnt werden. Der geistliche Inspektor sollte über die sachgerechte Verwendung wachen.

 

  1. Mär. Schreiben des Oberbergamtes Halle wegen der Sandbänke (MER C 48 IIIb Nr. 5512).

Die bereits 1816 reklamierte Beseitigung der Sandbänke war immer noch nicht erfolgt, der verringerte Abfluss verminderte die Kraft der Wasserkünste und damit die Pumpenleistung. Daher mahnte das OBA die Kgl. Regierung, die für die Stromsaale zuständig war, die Beräumung zu veranlassen

 

  1. Mär. Verpachtung der Glaubersalzfabrik (WER Rep. F 23, X Nr.17).

Pächter war Heinrich Georg Heun, geb. 1787 in Teudnitz. Der Sohn des Bergrates Friedrich Wilhelm Heun (1741-1812), Rittergutsbesitzer zu Teudnitz und  seit 1775 Condirektor der AKD Salinen und der Christiane Henriette geb. Schubart wurde bei Johann Bartholomäus Trommsdorf (1770-1837) dem Begründer der wissenschaftlichen Pharmazie zum Chemiker ausgebildet. Trommsdorf richtete mit Erlaubnis der Königl.-Sächsischen Landes-, Ökonomie-, Manufaktur und Commerzien Deputation in Dresden eine Fabrik zur Herstellung von „Natrium, Soda, Salmiak“ in Teuditz ein, wo aus der in dortiger Saline anfallende Mutterlauge zu Glauber- und Bittersalzen hergestellt wurde. 

Heun, der seit 1813 bei Trommsdorf beschäftigt war, schloß einen zwölfjährigen Pachtvertrag ab und übernahm die neben dem ersten Siedekot gelegene Fabrik (heute Salinenstraße 1/2). Die Saline überließ ihm 2000 Zentner Mutterlauge, aus der man bisher das Glaubersalz (Na2SO4)  durch Ausfrieren gewann. Nach Senff betrug bisher die Jahresmenge rund 500 Landzentner, wäre aber auf 1000 Landzentner zu steigern, wenn man genügend Lagermöglichkeiten hätte. Heun ging dann von dem umständlichen und unwirtschaftlichen Ausfrieren ab und setzte der Mutterlauge  Schwefelsäure zu, so dass man nicht mehr auf den Winter warten mußte und damit weit weniger Lagermöglichkeiten benötigte. Neben Glaubersalz wurde  Bittersalz (MgSO4), Natron (NaHCO3)  und Magnesia (MgO) hergestellt.

Vom anfallenden Alaunfluß (KAlSO4 x12H2 O) wurden Proben in der  Alaunfabrik in Schwemsal auf Eignung geprüft.

 

  1. Apr. „Circularverordnung“ zur Saaleflöße (Stadtarchiv Jena, Lepsius Kl. Schriften).

Preußen war bereit, sich an der Flöße auf weitere sechs Jahre gemeinsam mit Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und dem Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg zu beteiligen. Sachsen-Weimar überließ sein Drittel der altenburgischen Flöße unter der Maßgabe, die großherzoglichen Stapel Jena und Dornburg zu belegen. Die Stapel  Camburg und Unterneusulza waren altenburgisch,  Kösen, Naumburg, Weißenfels, Dürrenberg, Merseburg, Holleben sowie die Saline Halle die preußischen Holzplätze .

Anstatt am Kösener Rechens, endete die „Commun Flöße“  nun am Rechen von Unterneusulza. Von hier aus wechselten sich Preußen und Altenburg jährlich mit der Weiterflöße ab.  Ansonsten blieb es bei dem bisherigen Verfahren. Die festgelegten Mengen wurden nach dem Einschlag an die Einwurfstellen gebracht, dort vermessen und im kommenden Frühjahr, sobald die Bäche und Gerinne eisfrei waren, eingeworfen und an die saale gebracht. Sobald auch die Saale eisfrei war, wurden die Rechen  an  Otterbach, Sormitz, Loquitz, Lichte, Schwarza und Orla gezogen. An den einzelnen Holzplätzen wurden die vorbestimmten Mengen unter Aufsicht der Floßbeamten ausgezogen. Da der Umschlag am Kösener Stapel entfiel und durch die Verwendung von Kohle in den Salinen Kösen, Dürrenberg und Halle sich die Mengen erheblich verringerten, dauerte auch die Flöße nicht mehr so lange.

Eine einheitliche Polizeiverordnung sorgte von der oberen Saale bis zur Unstrutmündung für Ordnung, regelte Schadensersatzansprüche der Anrainer und Maßnahmen gegen Holzdiebe..

 

  1. Apr. Schreiben des OBA an die Salinenverwaltung (WER Rep. F 23 X Nr. 17)

Seit 1802 wurde auf der preußischen Saline Elmen Schachtsole erfolgreich zu Badezwecken verwendet, womit auch die Nachfrage nach Solebädern in anderen Salineorten anstieg. Da hier ein  Teil der  Soel zwar gefördert aber nicht alles gradierte werden konnte und der Mühlbrunnen nur eingeschränkt nutzbar war, wurde die Abgabe als Badesole erwogen. Allerdings waren hier die Wannennbäder, soweit vorhanden, in privater Hand, und somit musste man möglichen Mißbrauch der Sole, etwa zur Salzherstellung einen Riegel vorschieben.  Daher sollte die Salinenverwaltung Vorschläge machen, wie man den sachgerechten Gebrauch der abgegebenen Sole kontrollieren könnte und zu welchem Preis die für ein Bad gebrauchte Menge abgegeben werden soll.

 

  1. Mai Konzessionsantrag S. Hämmerling (WER. Rep.A23I, Nr.1,Bd.2:

Unter Berufung auf die in den alten preußischen Provinzen geltende Gewerbefreiheit beantragte er  beim Landrat den Kaffee-, Bier- und Branntweinausschank in seiner Dorfbäckerei. Bereits im Vorjahr hatte er vergeblich beim OBA um Genehmigung nachgesucht.

 

  1. Mai Anweisung des OBA zur Soleabgabe an Privatpersonen  (WER, Rep. F 23 X Nr.17).

Nach Angabe der Badewirte würden durchschnittlich  2 Kubikfuß (62 l) Sole für ein Wannenbad benötigt. Dafür verlangte das OBA einen Silbergroschen festgesetzt. Drei Viertel der kamen davon in die Knappschaftskasse, ein Viertel erhielten die Pumpwärter für die zusätzliche Arbeit. Damit war eine gewisse Kontrolle über die ordnungsgemäße Bezahlung gewährt, allerdings gaben die Badewirte weniger Sole in eine Wanne und erhöhten dadurch die Gewinnspanne.

 

  1. Aug. Landrat Lepsius erteilt Hämmerling die Schankkonzession (s. JoGe Artikel 1815).

Nach dem Protest des Gasthofpächters beschwerte sich das OBA bei der Kgl. Regierung, die dem   Landrat befahl, die Konzession zu  kassieren.

 

  1. Aug. „Communikat“ des Floßamtes an die Salinenverwaltung (MER C 48 IIIb Nr. 5523)

Bei einem Hochwasser hatte die Salinenverwaltung zum Schutz der Radstuben den Schütz am Scheitbach geöffnet. Daraufhin machte das  Floßamt Ersatzansprüche wegen Schäden am Ufer des Scheitbaches geltend.

 

  1. Sep. „Naumburgs reizende Umgebung“ (Naumburger Wochenblatt Jg. 8 Nr. 36/37).

Die Rudelsburg wurde als „Steinhaufen und  verfallenen Mauern“ beschrieben, dennoch scheuten  Wanderer den mehrstündigen Fußweg zur „Veste“ nicht. Studenten wie der spätere  Forstrat Cramer aus Meiningen hatte sich hier auch verewigt. „Wäre die Burg in den schönsten Jahreszeiten bewohnt, und könnte der Bewohner den Besuchenden einen Zubiß und Trunk aufsetzen und ihnen eine gedruckte Nachricht von der Geschichte dieser alten Feste reichen, so könnte man der Rudelsburg ein Stammbuch weihen, worin die Besuchenden ihre Namen, Vaterland, Charakter und, wenn sie wollten, auch ihre Gedanken und Empfindungen bei dem Aufenthalte an diesen Trümmern verzeichnen.“ empfahl der Verfasser.

 

  1. Sep. Verfügung des Staatsministeriums (in WER Rep. A 23I Nr.1 Bd. 2).

Das OBA wurde angewiesen, bei der 1823 anstehenden  Neuverpachtung des Gasthofs  das Verbietungsrecht aufzuheben, auch unter Hinnahme einer geringeren Pacht. Dabei wäre auch das Pachtbegehren der Gemeinde hinfällig, zumal diese keine juristische Person und damit nicht geschäftsfähig war.

 

  1. Okt. Gründung des ersten deutschen Geschichtsvereins auf Burg Saaleck (Allg. Gesch.)

Den „Verein zur  Erforschung des vaterländischen Altertums und zur Erhaltung seiner Denkmale“ regte Landrat Carl Peter Lepsius an. Zu den 14 Gründungsmitglieder gehörten u. a. der Pfortaer Rektor Ilgen, der Kgl. Bauinspektor Schmidt-Weißenfels, der Reg.-Direktor Krüger-Merseburg, der Konsistorialrat Neander, später Bischof von Berlin und der Rittergutsbesitzer von Stendorf Feilitzsch. Am 4. April. 1820 wurde das Vereinsstatut beschlossen und Lepsius zum Vorsitzenden gewählt. Am 30. Oktober erfolgte die Vereinigung mit dem „Unstrutverein“.  1822 ging der Verein nach Halle und stand dort in enger Verbindung zur dortigen Universität. Am 26. August 1822 wurde der Direktor des Oberbergamtes für den niedersächsisch-thüringischen Kreis, Berghauptmann Franz v. Veltheim, Geologe und Mitglied der Leopoldina Vorsitzender.

Ehrenmitglieder waren u.a. Alexander von  Humboldt,  die Brüder Grimm, Friedrich Schinkel, Leopold Ranke, Ernst Moritz Arndt und nicht zuletzt  J. W. von Goethe. Seit 1824  nannte sich der Verein dann „Sächsisch-Thüringischer Geschichtsverein“ und bestand bis 1945.

 

  1. Okt. Salinenrecherche durch v. Veltheim und v. Witzleben (WER Rep F23 II Nr. 5/1)

Der vom Baumeister G. Colditz geplante 2. Gradierfall am oberen Gradierhaus sollte 15 Bund umfassen, also ca. 68 Meter. Allerdings wurde das in Anbetracht der Kosten für die Erneuerung des Siedesolereservoirs und des Kunstturms vertagt.

Dagegen sollte mittels Großversuch die Effektivität bei der Weiterverarbeitung der Mutterlauge verbessert werden. Dazu wurde die nicht zur Herstellung von Glauber- und Bittersalz benötigte Mutterlauge nochmals versotten. Dabei ergab sich ein unreines „gelbes“ Salz, das als Viehsalz verkauft wurde und salzsaures Natron (Alaun). Dazu wurden am unteren Gradierhaus einige Abteilungen eingerichtet, wo diese Chargen gelagert wurden. Der Antrag des Chemikers Heun, in der chemischen Fabrik eine zweite Pfanne und ein Becken zur Auslaugung des Pfannensteins einzurichten, wurde genehmigt, allerdings auf eigene Kosten.

Bezüglich einer speziellen Verpflichtung der Salinenarbeiter auf den preußischen Fiskus, wurde der von allen  geleistete Huldigungseid  als ausreichend angesehen.

Dem Baumeister Colditz wurden für seine von der Saline beim Gastwirt Weber angemietete  Dienstwohnung zwei eiserne Öfen zur Erdkohlenfeuerung bewilligt, der Antrag der übrigen Beamten, ihr Deputat an Formkohlen zu erhöhen, dagegen abgelehnt.

 

  1. Dez. Stellungnahme der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23,X Nr. 17).

Eine Anfrage des Oberbergamts, ob man Mutterlauge „als feuerlöschendes Mittel zu Anfüllung der Sturm-Fäßer“ abgeben könnte, wurde dahingehend beschieden, dass diese hier dem Chemiker Heun vertraglich überlassen ist.

 

  1. Dez. Erlass des Handelsministeriums zur Konzession Hämmerlings (WER Rep.A 23 I).

Handelsminister Graf von Bülow bestätigte die dem Bäcker Hämmerling erteilte Schankkonzession, allerdings nur unter der Maßgabe, dass der Gasthofpächter Weber auf sein  „jure prohibendi“ freiwillig verzichtet. Falls der ablehnt, sollte die Konzession erst  nach Ablauf des derzeitigen Gasthofpacht, also im Juni 1823 wirksam werden.

 

1820

 

  1. Jan. Schreiben des Frauenprießnitzer Rentbeamten an das OBA (WER Rep F 38).

Senff besaß im großherzogl.-weimarischen Tautenburg eine  Pottaschefabrik, die er einer  jüdischen Betreibergesellschaft mit allen Rechten und Pflichten verpachtet hatte. Als 1818 die Pacht endete blieb Senff die Steuern schuldig, weshalb das dortige Rentamt vom OBA verlangte, Senff  das  Gehalt zu pfänden. Das OBA lehnte ab, das Rentamt könnte auf zivilrechtlichen Weg  die  Zahlungsrückstände  einklagen.

 

  1. Feb. Erklärung des Ortsrichters zur Anzeige des Fleischers Matthes (St.-A. Nr. 171)

Der Fleischer Hilpert hatte 1818 den Gasthof in Hassenhausen gepachtet, betrieb aber seine Schlachterei und die Fleischbank weiter. Matthes war der Ansicht, dass mit der Pacht des Gasthofs die Konzession für die Schlachterei aufgehoben sei und erstattete Anzeige wegen unerlaubten Gewerbes beim Landrat. Auf Rückfrage gab der Ortsrichter an, dass ihm eine Abschrift der Hilpertschen Konzession vom 28. 01. 1806 vorliegt, weil das Original in den Kriegswirren von 1813 verloren ging. Die Konzession sei gültig und darüber hinaus würden 2 Schlachter im Dorf der Gemeinde zu Gute kommen. Daraufhin wies Lepsius den Ortsrichter Hämmerling an, Matthes  zukünftig in dieser Angelegenheit abzuweisen. 

 

  1. Mär. Mittelbewilligung zur Ufersicherung unterhalb der Brücke (MER C 48 IIIb Nr. 5512)
  2. Juli Schreiben der Lokalverwaltung an das OBA (WER Rep F 38 Gen.).

Baumeisters Gottfried Colditz war am Vortag im Alter von 66 Jahren verstorben. Er hatte 27 Jahre beim Kgl. Sächs. Artilleriekorps gedient und war 1799 als Salinenbaumeister in den Staatsdienst eingetreten. Er hinterließ eine unverheiratete erwachsene Tochter und zwei Söhne die in Kösen und Dürrenberg als Gradierer angestellt waren. Da Colditz kein Vermögen hinterließ, als Beamter auch nicht an der Witwen- und Waisenkasse beteiligt war und die Söhne von ihrem Einkommen nichts erübrigen konnten, bat die Lokaldirektion darum, der Witwe eine Rente zu gewähren.

 

  1. Juli Bewerbung J. Chr. Fr. Judersleben als Salinenbaumeister (WER Rep. F. 38).

Judersleben war 1817 als examinierter Werkmeister von der Oberberghauptmannschaft für eine Beamtenstelle im Bau- und Maschinenwesen vorgesehen. Zuvor wurde er zum Studium der technischen Anlagen ins „Ausland“ geschickt, nach Meißen, ins Erzgebirge und nach Böhmen. Darüber fertigte er handschriftliche Berichte an. Nun bewarb er sich für die Stelle von Colditz, bat aber gleichzeitig, die ihm bereits bewilligte Reise nach Bayern anzutreten. Die Entscheidung  überließ die Oberberghauptmannschaft dem Oberbergamt, die wegen fehlender Wohnung in Kösen zustimmte. Judersleben reiste am 9. September über Zwickau und Plauen nach Hof. Unter dem Titel „Die bayerischen Salinen Berchtesgaden, Reichenhall, Traunstein und Rosenheim…“ erschien dann der 5. Teil seiner Reiseberichte. Dafür erhielt er im Okt. 1821 eine Gratifikation von 50 Talern.

 

  1. Sep. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr.5/1).

Die Recherche leitete der  „Königl. Ober-Berghauptmann“ Ritter Gerhard persönlich. Dabei waren Berghauptmann Freiherr v. Veltheim und Finanzrat v. Witzleben. Sie besichtigten die erneuerten Radkünste und das Feldgestänge zum oberen Schacht. Hier hatte man anstelle der Holzsäulen Hausteinpfeiler errichtet. Der Kunstmeister Müller wurde vom Oberberghauptmann für diese Konstruktion gelobt.

Dann ging es um die Neubauten., wie die Erneuerung des Pumpenturms für das obere Gradierhaus. Der sollte so angeordnet werden, dass das Gestänge vom oberen Schacht in gerader Linie darauf schiebt. Zwischen dem Turm und dem Gradierhaus wäre dann Platz für einen neuen 2. Fall mit 22 Bund (300 Fuß rd. 100 m). In der Folge könnte der baufällige 2. Fall am unteren Gradierwerk abgeworfen und eine Neuaufteilung der Gradierfälle vorgenommen werden. Damit würde sich auch die Belastung der Kunsträder ausgleichen.

Bezüglich des Debits wurde die Lokalverwaltung angewiesen, beim Absatz darauf zu achten, dass   die Bestände nicht vollständig verkauft werden. Nach Sachsen habe man aber die vertraglich vereinbarten Mengen zu liefern.  Die Besichtigung der Kohlengrube in Mertendorf ergab, dass man inzwischen eine Stollentiefe von 50 Lachtern (ca. 100 m) erreicht hatte.

Die Aufgaben des Salinenbaumeisters sollte bis zur Rückkehr von Judersleben der Arterner Baumeister Chryselius wahrnehmen.

 

  1. Nov. Bericht Senffs an das OBA (WER Rep. F 38 Gen.)

Die Wohnung des verstorbenen Baumeisters Colditz in die Judersleben einziehen sollte, hatte die  Lokalverwaltung vom Gastwirt Weber gemietet und die Colditzsche Witwe wurde aufgefordert, sich im Dorf ein eigenes Unterkommen zu suchen, nachdem ihr eine monatliche Rente von 6 Talern bewilligt wurde. Die Gemeinde sollte der Witwe bei der Wohnungssuche behilflich sein. Die   erklärte sich prinzipiell dazu bereit, machte das aber davon abhängig, dass, wenn die Witwe die Miete nicht mehr zahlen kann, der Salinenfiskus dafür haften müsse. Das ließ sich das Oberbergamt allerdings nicht bieten, wandte sich an die Königl. Regierung zu Merseburg, die wiederum den Landrat anwies, das Ansinnen der Gemeinde zurückzuweisen.  

Allerdings war schon absehbar, dass mit Auslaufen der Zeitpacht 1823  auch der Mietvertrag über die Beamtenwohnung enden wird, so dass man ohnehin genötigt war, sich nach anderen Möglichkeiten umzutun.

 

1821

 

      Jan. Dienstantritt von J. Chr. Fr. Judersleben als  Salinenbaumeister (WER Rep. F 38).

Judersleben, ein erfahrener Mann auf dem Gebiet des Maschinenwesens war eine Bereicherung der Lokaldirektion.

 

  1. Mär. Anweisung des Finanzministeriums zur Stelle des Floßverwalters.

Nach der Pensionierung Burschels wurde seine Stelle kassiert und die Aufgaben dem Floßkontrolleur Saupe übertragen, wofür dieser einen Klafter Scheitholz erhielt.

 

  1. Mär. Beitrag im Naumburger Kreisblatt.

Von offizieller Seite wurde mitgeteilt, dass die Gerichtsbarkeit über das Dorf Kösen auf den Landkreis übergegangen, die Kirchen- und Schulaufsicht bei Pforte geblieben sei. Im Dorf lebten 637 ständige Einwohner in 98 Hausstätten. Deren Haupterwerbsquelle war die Saline, gefolgt vom Badewesen, erst danach kamen die Kalkbrennerei und das Floßamt. Landrat Carl Peter Lepsius bemühte sich, um die Hebung des noch jungen Badebetriebes und für die Verbesserung der gewerblichen  Rahmenbedingungen der Einwohner. Daneben leistete er einen wesentlichen Beitrag zur  Erforschung der Geschichte des Landkreises. 

 

  1. Apr. Gesuch des Salinen-Schreibers Bornschein (MER C 50 Naumburg A Nr. 434)

Der beantragte beim Landrat, ihm den jährlichen Beitrag zum Verpflegungsgeld für seinen in der Irrenanstalt Halle untergebrachten Sohn zu erlassen, weil er nur ein geringes Gehalt habe und ein Haus unterhalten mus. Im Übrigen würde er sich ordentlich nähren. Der Antrag wurde abgewiesen, da der von Bornschein zu zahlende Zuschuss nur den 4. Teil der jährlichen Unkosten von 24 Talern ausmachte und die Anstalt gehalten war, möglichst ohne Zuschüsse des Staates auszukommen.  

 

  1. Aug. Statistik des Landkreises (NKZ, Lepsius).

Auch für den Landkreis nahm die Saline für die Salzfabrikation und das Solbad eine bedeutende Stelle ein. Dabei wurde auf   Hufelands Schrift „Praktische Untersuchung der Heilquellen Deutschlands“ hingewiesen und den Behörden empfohlen, doch möglichst bald eine Heilanstalt einzurichten, wie es von Dr.  W. A. G. Manniske  1819 in dem schwarzburgischen Frankenhausen veranlasst wurde.

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/1)

 

  1. Nov. Anordnung der Oberberghauptmannschaft (WER Rep. F 38).

Die Aufsicht über die Mertendorfer Grube wurde Judersleben übertragen, weil er hier die besseren  Erfahrungen als Senff hatte.

 

  1. Nov. Veröffentlichung der Kösener Badeliste im Naumburger Kreisblatt.

Nach einer mehrjährigen Unterbrechung,  deren Gründe nicht bekannt sind, veröffentlichte das Kreisblatt die Badelisten wieder regelmäßig. Da immer mehr prominente Badegäste kamen, war  das Interesse geweckt und zog auch zahlreiche Neugierige aus Naumburg und der näheren Umgebung an. In diesem Jahr wurden  99 Personen (ohne Bedienstete) erfasst, von denen 69 aus Preußen und 30 aus dem „Ausland“ dem Königreich Sachsen und den sächsischen Herzogtümern waren.

 

  1. Dez. „Grundriß von dem Saalfluß und der Localität…“ (MD Rep. F 38, Risse 384).

Der Plan von Judersleben zeigt die Mühle mit zwei hintereinander liegende Wasserrädern und den  Gesundbrunnen. Vor der Mühle an der Landstraße die Häuser von Bornschein und Kleinschmidt (An der Brücke 2/3). Am anderen Ufer stand das Rechenhaus (Loreleyprom. 7/7a), die Anwesen  von   Kohlweiß (Nr. 4),  Bechmann (Nr. 5) und das Brauhaus (Nr. 3/3a).

 

          Plan des Salinengasthofes von  Friedrich Mühlküntzler (MD Rep. F 38 Risse Nr. 381).

Als Gasthof umfasste das Anwesen zahlreiche Wirtschaftsgebäude. Neben der Pachtschäferei befanden sich die Stallungen für die Pferde, Schweine und Kühe, sowie der Holzstall. Daneben stand die  Scheune, daran anschließend die  Ställe für die Kutsch- und Reitpferde der Reisenden. Der eigentliche Gasthof stand über den Kellergewölben des Schulenvorwerks, aber ohne diese alten Fundamente zu nutzen. Er war zweigeschossig. Im Erdgeschoß die Gaststube und die Küche , darüber die Räume des Pächters.  Nach Westen hin lagen der Krautgarten und eine Kegelbahn. Vor dem Gasthof und getrennt durch das Doppelfeldgestänge vom unteren Kunstrad zum Solschacht, stand der „Saal“, der für die Übernachtungen genutzt wurde, später stand hier dann das sog. Logierhauses

Außerdem gehörten das Brauhaus, mit der Malzdarre an der Loreleypromenade, ein kleiner Keller unter der Gestängerösche und das Brunnenhaus dazu. Die Pumpe wurde ebenfalls vom Gestänge angetrieben.

 

1822

 

  1. Juli Stellungnahme zur Generalinstandsetzung des Wehrdammes (WER Pforta II Nr. 939).

Das OBA hatte von der Kgl. Regierung die Sanierung  des desolaten Wehrdammes gefordert. Doch die verlangte eine Kostenbeteiligungseitens des Salinenfiskus, wie das bisher (1780/1811) üblich gewesen war.

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Pforta Rep. F 23, II Nr. 5/1)

Oberberghauptmann  v. Veltheim und die Bergräte v. Witzleben und Dieterich besichtigten an den vier Tagen die gesamte Saline, befuhren die Schächte und die Mertendorfer Grube. Die Lokalverwaltung wurde u.a. angewiesen, den Salinenarbeitern ihr halbjährliches Salzdeputat pünktlich auszugeben und gewissenhaft zu dokumentieren, um so Salzdiebstählen vorzubeugen.

 

  1. Nov. Veröffentlichung der Neuordnung des Floßzolls (NKB).

Der vereinigte Kösen-Saalecker Zoll kam von der Thüringischen Kreis-Steuer-Einnahme zum Hauptzoll- und Hauptsteueramt Naumburg.

 

  1. Dez. Anweisung der Ober-Berghauptmannschaft.

Beendet wurden die Differenzen zwischen dem OBA und der Königl. Regierung wegen der Kostenübernahme bei der Entschlammung der kleinen Saale, indem eine Kostenteilung angeordnet wurde. Gerügt wurde die ungenehmigte Anlage eines Trinkwasserbrunnens beim Floßamt. Den hatte der Ober-Floßkommissar abteufen lassen, nachdem durch anhaltende Dürre im Dorf fast alle Brunnen trocken gefallen waren.

 

1823      

 

  1. Jan. Schankkonzession für den Bäcker Hämmerling (WER Rep. A 23I,Nr.1,Bd.2).

Zum Johannistag endete die Zeitpacht des Gasthofs und damit auch das „jure prohibendi“. Ab diesem Tag galt die Konzession, wobei Hämmerling darauf hingewiesen wurde, nur das konzessionierte Gewerbe zu betreiben und die Trank- und Gewerbesteuern pünktlich abzuführen. Damit endete das seit 1680 bestehende Monopol des Salinengasthofs.

 

  1. Mai Anordnung der Kgl. Regierung zu Merseburg (MER C48IIIb, 5523).

Nach einer ministeriellen Verfügung vom 9. Mai 1823 musste sich das Floßamt wie bisher mit 1/5 an den Kosten der Beräumung der kleinen Saale beteiligen.

 

  1. Juni Anordnung zur Änderung der Amtsfron beim Wehrbau (WER Pforta II Nr. 939).

Schulverwalter Herbst und Baumeister Judersleben teilten den Ortsrichtern der Amtsdörfer mit, dass anstelle der bisher üblichen Hand- und Spanndienste, nunmehr die Dörfer sich finanzielle daran beteiligen müssen.

 

  1. Juni Pachtvertrag mit Weber (WER Rep. A 23I, Nr.1, Bd.2).

Weil nach der Aufhebung des „jure prohibendi“ und die Erteilung von Gastungskonzessionen an einige Einwohner die Frequenz des Gasthofs weiter sinken würde, wurde die Jahrespacht reduziert.

Allerdings hatte die Sache doch noch einen Haken, denn Weber bestand auf  das alleinige Recht zur Beherbergung und dem Einstellen und Füttern von Zugtieren. Naturgemäß sah das Hämmerling anders, so dass der nächste Streit bevorstand.  

 

  1. Juni Memorandum der Ortsrichter der Amtsdörfer (WER Pforta II Nr. 939).

Diese lehnten einvernehmlich eine finanzielle Beteiligung an den Kosten für den Wehrumbau ab und beharrten auf die ihnen bislang auferlegten Hand- und Spanndienste, soweit diese nicht in die Erntezeit fielen. Die Kgl. Regierung gab ihnen in dieser Hinsicht recht.

 

  1. Juli Bericht des Ober-Bergrates Loew (WER, Rep. A23I, Nr.1,Bd.2).

Als der neue Pachtvertrag unterzeichnet war, verlangte Weber, dass ihm die Schäden durch die Gefechte und Truppendurchzüge im Jahr 1813, die er aus eigener Tasche bezahlt hatte, erstattet werden. Loew empfahl dem OBA, die Hälfte der von Weber aufgestellten Kosten am Ende der Pachtzeit (1832) zu erstatten und weitere 150 Taler für den am Gasthof  angelegten Obstgarten zu zahlen.

 

  1. Aug. Verfügung des Landrates (WER, Rep.A23I, Nr. 1/2).

Webers Beschwerde, dass Hämmerling Pferde unterstellt und füttert, wurde von Lepsius abgewiesen, denn dies gehöre ja zur Schankkonzession. Darüber hinaus würden ohnehin bei Übernahme der in den preußischen Altprovinzen geltenden Gewerbeordnung die bisherigen Beschränkungen entfallen.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der Badeliste (NKB).

Insgesamt waren  es 72 Einträge, was auf rund 150 Badegäste schließen läßt.

 

  1. Aug. Beginn der Bauarbeiten am Wehrdamm (WER Pforta II Nr. 939).

Der Hassenhausener Ortsrichter wurde angewiesen, 18 brauchbare und erwachsene Männer mit Hacke und Schaufel zu stellen, keinesfalls Frauen und Kinder, wie dies in der Vergangenheit oftmals der Fall war.

 

  1. Sep. Antrag auf Unterstützung aus der Armenkasse (MER C 50 Naumb. A. Nr. 434)

Ortsrichter Hämmerling beantragte beim Landrat für eine Witwe 4 Groschen wöchentlich. Lepsius übergab den Antrag dem Verwalter der Armenkasse, dem Schulinspektor Sterzel. Der lehnte ab, weil die Armenkasse leer sei und meinte: „...ohne das Schulgeld welches für Kinder verarmter oder in Armuth verstorbener Eltern aus der Armenkasse jährlich bezahlt  wird, erhalten folgende Arme der Gemeinde Kösen und zwar die Seebothin wöchentl. 8 Groschen, die Beerin 8 Gr. die Knochin 4 Groschen, die Fritschen 4 Gr. überhaupt jährlich 52 Thaler zu ihrer Unterstützung. Hiernächst wird für die gemüthskranke  Zwingenbergerin  im Armenhaus zu Kösen  das Bedürfnis an Brot noch besonders bezahlt, welches auf den bisherigen Zahlungsleistungen, jährlich 18 bis 20 Thaler beträgt. Ungerechnet des Aufwandes, welchen die Unterhaltung des blödsinnigen Zeitschels etwa ferner verursachen dürfte.

Dagegen bestehen die Almosen-Beyträge incl. der monatl. Beyträge in 22 Th. 5 Gr. pro 1821 und 16 Th. 15 Gr. pro 1822, und also in einem auffallenden Mißverhältniß mit obigen Ausgaben. Sollte indeßen der verwittweten Fritschen eine Unterstützung dennoch bewilligt werden, sollte eventuell eine Minderung der Unterstützungszuflüsse und namentlich bei der Beerin stattfinden, worüber der Richter Hämmerling Auskunft am besten geben möchte..“

 

  1. Okt. Information des OBA (WER Rep A 23I, Nr. 1/2).

Nach der Erteilung der Konzession für Hämmerling wurde die Lokaldirektion angewiesen zusammen mit dem Gasthofpächter ein waches Auge auf den Bäcker zu haben  und bei der geringsten Überschreitung der ihm erteilten Rechte, Anzeige zu erstatten.

 

  1. Okt. Salinenrecherche mit v. Veltheim und Dieterich. (WER Rep. F 23 II Nr.5/1)

Am unteren Gradierwerk sollte im kommenden Jahr die Erneuerung des dritten Falles beendet und mit dem Neubau des vierten Falles begonnen werden. Der Vorschlag, diesen auf die Fundamente des alten Gradierhauses zu setzen, wurde abgelehnt. Der Neubau des 2. Falls am oberen Gradierwerk wurde  erneut aufgeschoben

 

  1. Okt. Gründung des Kösener Knappschafts-Instituts (WER Rep. F 23 VII).

Die 1773 eingerichtete Knappschaftskasse der ehemals kursächsischen Staatssalinen wurde den einzelnen Salinen zugeordnet. Die Beiträge zur kasse kamen zu gleichen Teilen von den Knappschaftsangehörigen und vom Salinenfiskus, dazu noch die Erlöse aus dem Verkauf der Badesole. Die Aufsicht hatte ein Vorstand, die Oberaufsicht der Salinenfiskus. Beamte blieben unberücksichtigt, da ihnen und ihren Hinterbliebenen Pensionsansprüche zustanden.

 

            Bericht über den Umbau des Wehres (WER Rep. F 39, Nr. 452).

Den verfasste der  Salineneleven G. Theune im Auftrag von Judersleben, der als Baumeister den Umbau leitete. Zunächst wurde der mittlere Teil des Dammes bei Niedrigwasser durch einen doppelten Pfahlkasten mit Tonfüllung abgedämmt und die Hausteinkonstruktion bis auf die Grundschwelle abgetragen. Die neue Schwelle bestand auch eichenen Bohlen die mit eisenbeschlagenen Rammpfählen im Flussgrund fixiert wurde. Danach wurde der Damm aufgeschüttet, befestigt und mit einem Haussteingewölbe abgedeckt. War das Gewölbe geschlossen  wurde die Abdämmung entfernt und der nächste Abschnitt begonnen

1723 wurden 741 Frontagewerke geleistet. Geplant waren drei Jahre, doch  1824 und 1825 ruhten wegen widrigen Wassers die Arbeiten, konnten erst  1826 fortgesetzt und  1829 beendet werden. Dieser Damm bestand bis in die 1960er Jahre.

Gottlieb Theune war ein Sohn des Pastors von Groß-Salze Heinrich Ludwig Theune (1760-1835). Die ältere Schwester Wilhelmine war seit 1813  mit dem Gradierinspektor von Elmen Bergrat Friedrich August Backs verheiratet.

 

              Kösen überflügelt das herzoglich-weißenfelsische Bad  Bibra (Fr. Hoppe, KAZ 1930).

Die  Bibraer Badeliste hatte im Jahr 1808 noch 200 Einträge. Dies änderte sich, nachdem  1812 der Naumburger Arzt Dr. Kaiser eine Analyse der beiden Quellwässer veröffentlichte und dabei der Kösener Sole wegen der stärkeren Konzentration den Vorzug gab. Außerdem waren die Bibraer Badeeinrichtungen stark vernachlässigt und den Badegästen fehlte jegliche Unterhaltung.

 

1824         

 

  1. Mär. Statut des Witwen- u. Waisen-Institut der Knappschaft (WER Rep. F 23 VII)

Das Reglement der Unterstützungskasse wurde modifiziert. Möglich war nun die Vergabe von verzinsbaren Anleihen auch an Nichtknappschaftsangehörige, wenn ausreichend Sicherheiten gestellt werden konnten.  Witwen erhielten nun eine lebenslange Unterstützung, Waisen bis zum 14. Lebensjahr.

 

              Beginn der Bewirtschaftung der Rudelsburg (KAZ).

Die aufkommende „Burgen- und Wanderromantik“ zog immer mehr Besucher an. Neben Studenten aus Halle wurde die Burg ein beliebtes Ziel von Studenten aus dem benachbarten Ausland zu den  Pfingsfeiertagen.  Der Aufstieg machte durstig und weil die Wanderer und so erlaubte der Besitzer des Rittergutes Kreipitzsch  dem Bauern Gottlieb Wagner, der sich um die Weinberge am Burgberg  kümmerte, einen Ausschank einzurichten.

 

  1. Apr. Anfrage des Baumeisters Judersleben beim OBA (WER Rep. F23 X Nr.2/1).

Es ging um die Kosten für die Beräumung der Senff`schen Abtrittsgrube, den Transport der Fäkalien  in dessen Krautgarten sowie die Kosten für die Säuberung seiner Dienstwohnung nach deren Renovierung, die Senff aus der Salinenkasse entnehmen wollte. Judersleben, der die Rechnungen gegenzeichnen sollte, vergewisserte sich beim OBA ob dies rechtens sei. Daraufhin wurde von Senff eine Stellungnahme gefordert.

 

  1. Mai Stellungnahme des Floßamtes zur Reparatur des Wehres (MER C48 IIIb 5511).

Ober-Floßkommissar v. Zedtwitz lehnte die Kostenbeteiligung rundweg ab, weil seit jeher die fiskalische Scheitholzflöße nicht beteiligt war und die Hölzer ohnehin keinen Schaden am Wehrdamm verursachten. Außerdem würde ja die Landesschule als Eigentümerin des Dammes entschädigt. Wenn die „Commun-Flöße“ erfolgte erhielt die Landesschule immer noch 80 Klafter, von der Herzoglich-Altenburgischen und Großherzoglich-Weimarischen Flöße waren es 40 Klafter. Außerdem wurden jährlich 22 Taler Jahrespacht für die Stapelplätze, den Rechen und den Scheitbach   seit Beginn der Scheitholzflöße im 17. Jahrhundert gezahlt. 

 

  1. Juni Ernennung Senffs zum Salineninspektor (WER Rep. F 38 V)

Auf königlichen Erlass wurde E. Fr. Senff wegen der sich in den letzten Jahren verbesserten Einnahmen der Salinenkassen des Thüringer Bezirks zum Salineninspektor ernannt und ihm eine Gehaltszulage von 100 Talern gewährt. 

 

  1. Juli Öffentliche Bekanntmachung der Salinenverwaltung (NKB Nr. 29).

Auf Anordnung des Finanzministeriums und des OBA wurde der Verkauf von Badesole  an Ortsfremde generell untersagt.

 

  1. Juli Floßkontrakt zwischen Preußen und Sachsen-Altenburg (MER C 63 Anh. I Nr. 68).

Obwohl die ungebundene Flöße auf schiffbaren Flüssen wie die Saale ab der Unstrutmündung verboten warwar (die Unstrut selbst war seit 1795 ab Artern schiffbar), gesattete der preußische Fiskus der altenburgischen Flöße die weitere Belegung der Stapel Kösen, Naumburg, Weißenfels, Merseburg und Holleben in den kommenden sechs Jahren „zur Bequmlichkeit des Publikums“, und um Zeit zu gewinnen, nach alternativen Bezugsquellen zu suchen.  

 

  1. Aug. Brunnenfest (NKZ Nr. 33).

Hinsche (Heimatbuch 1930) datierte das erste gemeinsame Brunnenfest auf das Jahr 1826. Doch das ist unzutreffend wie der Beitrag im Kreisblatt zeigt:  

„Am Vorabend trafen die Mertendorfer Bergleute im festlichen Aufzug mit Berglichtern und Musik im Werk  ein. Der Festtag begann mit einer Morgenmusik der Kösener Kapelle am Gradierwerk. Um 14 Uhr war die Aufstellung in der Salzwerkstraße zum Umzug, voran die Schulkinder mit dem Lehrer, dann die Musikkapelle, es folgten die Salinenbeamten aus Kösen und Dürrenberg, dann die Bergleute in ihrer Tracht, denen die Salinenarbeiter folgten. Vor dem unteren Schacht wurden die Festansprachen gehalten, die Verdienste des Bergrates  Borlach  gewürdigt und auf den Regenten ein Hoch ausgebracht. Anschließend ging es zum Zimmereischuppen, der zum Tanzboden eingerichtet war.“ Hier verabschiedeten sich die Beamten. Die Arbeiter blieben „sich selbst überlassen, feierten ein dreitägiges Fest und vergnügten sich sehr anständig“. Von den Einwohnern wurde allerdings ein Eintrittsgeld erhoben.

 

  1. Aug. Bericht der Salinenverwaltung an das OBA (WER Rep. A 23I, Nr.1/2).

Gastwirt Weber hatte sich bei der Lokaldirektion über das florierende Unternehmen des Ortsrichters und Bäckers Hämmerling, von ihm neidvoll „Haemmerlingsche Auberge“ genannt, wegen der Unterstellung und Fütterung der Reit- und Kutschpferde der zahlreich am Sonntag aus Naumburg kommenden  Gäste,  beschwert. Dazu kam, dass Salomon Hämmerling auch noch das Gehöft des Bäckers Seyfarth (Naumburger Straße 2-4) erworben hatte. Das Anwesen unmittelbar an der  Naumburger Chaussee, war von den Fuhrleuten wesentlich besser erreichbar als der Gasthof, und man befürchtete weitere Einbußen und damit auch Auswirkungen auf die Pacht..

 

  1. Aug. Das OBA beordert den Eleven Theune zurück (WER Rep. F 23).

Der hatte im Auftrag des OBA die technischen Anlagen vermessen und  dokumentiert. Für ihn trat E. J. Bischof als Eleve in die Saline ein und bezog eine Kammer im unteren Solschacht.

 

  1. Dez. Salinenrecherche durch v. Veltheim (WER Rep. F23 II Nr. 5/1).

Der Plan zur Erweiterung des oberen Gradierwerks wurde in Anbetracht der immensen Kosten ad acta gelegt.  Dafür erfolgte eine Neuaufteilung der Gradierfälle. Vom oberen  Gradierhaus wurden 54 Bund für den 1. Fall und 20 Bund für den  2. Fall hergerichtet.  Am unteren Gradierhaus wurden 15 Bund als 2. Fall,  24 Bund für den 3. Fall und 24 Bund Bund als 4. als Gutfall eingerichtet. Zwei Röhrenfahrten brachten die Sole zum unteren  Gradierwerk, die einmal gefallene Sole kam auf den 2. Fall des unteren Gradierhauses, die zweimal gefallene Sole auf den 3. Fall. In beiden Fällen reichte der natürliche Höhenunterschied, um die Sole auf das Oberdeck des unteren Gradierhauses zu heben. Die übrigen Umlaufpumpen hingen am Gestänge von der unteren Wasserkunst. Geplant waren 1340 Lasten weißes Salz (2680 t = 53.600 Zentner).

Nach der Neuaufteilung der Fälle des unteren Gradiehauses, sollten die restlichen Bunde des älteren Borlachschen Gradierhauses abgebrochen werden.

 

            „ Die Ruinen der Rudelsburg und des Schlosses Saaleck“ .

Im Heft IV der „Mitteilungen aus dem Gebiet historisch-antiquer Forschungen“, die der „Thüringisch-Sächsische Verein für die Erforschung des Väterlichen Alterthums“ 1824 in Naumburg herausgab, erschien dieser Beitrag. Autor war Carl Peter Lepsius. 1854 wurden dieser Beitrag  und andere Handschriften aus seinem Nachlass  unter dem Titel „Kleine Schriften“ von der Creutzschen Buchhandlung  in Magdeburg veröffentlicht. Lepsius stützte sich dabei auf die Originalquellen, wie die Urkundensammlungen des Domstiftes und des ehemaligen Klosters Pforta und war damit der Wegbereiter der ernsthaften Forschung zur Geschichte des Kreises Naumburg. 

 

  1. Dez. Verhandlungsprotokoll zur Armenkasse (MER C 50 Naumb. A Nr.434)

„..der Wagner Johann Gottfried Haedicke von Kösen und bringt an: Ich habe bekanntlich im Taubstummen-Institut zu Leipzig einen Sohn zu unterhalten und deshalb bin ich, da meine Umstände sehr beschränkt sind, vor längerer Zeit von Entrichtung der Armenkassenbeyträge nach Pforte frei gesprochen worden“. Die Befreiung hatte der Landrat genehmigt, der hier bestimmte, „dass Haedicke bis zu dem Zeitpunkte, wo sein Sohn das Taubstummen-Institut zu Leipzig verläßt mit einem Beytrage zur Pfortaischen Almosenkasse verschont bleibt“.

 

  1. Dez. Anweisung der Königlichen Regierungs-Abteilung zum Chausseebau (BLK-A. Nr. 941).

Nach dem Ausbau der Chaussee nach Eckartsberga und der nach Naumburg erwiesen sich die Dorfstraße und insbesondere die Brücke als Hindernis für den Handels- und Reiseverkehr.  Die ohnehin sehr schmale Brücke war nicht einsehbar, so dass wenn sich Gespanne auf der Brücke begegneten, kaum aneinander Vorbeifahren konnten. Es kam zu Unfällen, auch mit tödlichem Ausgang. Man musste die Brücke einsehbar machen, damit Fuhrwerke rechtzeitig anhalten konnten. Die Lösung war eine neue Trasse außerhalb der Dorflage unterhalb des Nikolausberges. Zwischen der Fränkenauer Hohle und der Brücke wurde ein Damm aufgeschüttet, der diese Einsehbarkeit gewährte und Fuhrwerke rechtzeitig in den extra eingerichteten Haltestellen ausweichen konnten.  Ein weiterer Vorteil war der nicht mehr so steile Anstieg bis zur Mausa, die hier mit einem Gewölbe überbrückt in die Hassenhausener Chaussee mündete.

Landrat Lepsius wurde angewiesen drei Taxatoren zu benennen, und zusammen mit dem Wegeinspektor,  die für den Straßenbau benötigten Flächen zu vermessen und zu bewerten. 

 

              Bebauung der Petersiliengasse.

10 Jahre nach dem Armenhaus wurde am Weg vom Wernerschen Stadtgut zum Jackenberg das erste Wohnhaus (Burgstraße 4) gebaut, wie die Jahreszahl über dem Türsturz zeigt.  Besitzer war der Floßbote Gerlach Scheufler. An die andere Seite des Weges grenzten die  „Krautgärtchen“ der Bewohner der Dorfstraße. Die übrigen Flächen bis zur alten Heerstraße  waren  landwirtschaftlich nicht nutzbar und so verpachtete die Landesschule  diese Lehde an Bauwillige, was einen höheren Nutzen brachte.  Doch die Bebauung der Petersiliengasse kam langsam voran. 1856/57 standen hier die Häuser vom Salinenkassenwärter Fr. Zwingenberg (Nr. 6), Salzsieder Chr. Schulze (Nr. 8), Förster Fr. A. Kermess (Nr. 10), Salzsieder G. Streuber (12). 

 

             „Salzwerkskunde“ v. Karl-Christian von Langsdorf.

Langsdorf (*1757 in Nauheim, gest. 1834), war nach seinem Studium als Praktikant in der Saline Salzhausen und promovierte dann als Dr. phil. in Erfurt. In seinem sich i. W. auf die  hessischen und baden-württembergischen Salinen beziehenden Werk erwähnt er auch die Dürrenberger Solequelle, eine der „merkwürdigsten in Teutschland“. Zur Person des Entdeckers schrieb er:„Borlach dessen Geburtsort, Geburts- und Sterbetag mir unbekannt sind, hatte keine eigentlich wissenschaftliche Bildung erhalten. Einige Reisen (auch nach Wieliczka), die er als geschickter Schreiner unternahm, seltener Beobachtungsgeist, ausgezeichnete Fassungskraft für alles was er sah, vorzügliche natürliche Beobachtungsgabe, unerschütterlicher Muth, in dem doch etwas zu großen Vertrauen auf die aus seinen Beobachtungen gezogenen Schlüssen, leiteten ihn.“ Und weiter „Zur Erhaltung des Andenkens an den Urheber dieses berühmten Salzwerkes bedarf es meiner Feder nicht … Möge sie ein Sachse, wo es nötig erscheint, ergänzen.“(6. Kap. § 162 S. 443 ff). Die erfolgreiche Erbohrung von gesättigter Sole  an der Jagst, veranlassten ihn zu der Prognose: „Unsere Gradirung kann und wird…. in weniger als 25 Jahren in Teutschland ihren allmählichen Untergang finden!“

Die Veröffentlichung Langsdorfs war dann der Anlass für die preußische Oberbergbehörde den Salineneleven Theune nach Süddeutschland zu  entsenden, der sich über die dort erfolgreich angewandten Methoden der Mutung und der Ausbeutung der Steinsalzlager informieren sollte. Seine Erfahrungen fasste er unter dem Titel „Beschreibung der Salinen am oberen und unteren Neckar, der südbayerischen Salinen, der Saline Hall im salzburgischen und Hall in Tyrol und der Kurfürstl. Hessischen Saline Nauheim“ zusammen (WER Rep. F 39, Nr. 472).

 

1825

 

  1. Feb. Anweisung der Königlichen Regierung (WER Rep. A 23I, Nr.1).

Lepsius sollte Hämmerling androhen, dass die ihm erteilte Konzession und das Richteramt entzogen würde, falls er weiterhin nicht genehmigten gewerben nachgeht.

 

  1. Mär. Anweisung der Kgl. Regierung zum Chausseebau (BLK-A. Nr. 778)

Dem Landrat wurden die Bewertungsmaßstäbe für Erwerb der zum Bau benötigten Flächen  bekannt gemacht. Grund und Boden unterlagen allgemein verbindliche Richtlinien, die die Güte und die Nutzungsart (Acker, Weide, Obstgarten, Ödland) berücksichtigten. Die Entschädigung für den Ernteausfall richtete sich nach den Martini-Marktpreisen des nächstgelegenen Marktortes.

 

  1. Apr. Festlegung der Salinenverwaltung zur Abgabe von Badesole.

Nach Rücksprache mit dem Oberbergamt wurde festgelegt, dass  die Badesole am unteren Schacht ausgegeben wird. Der Empfänger musste bestätigen, dass er die Sole im eigenen Haus und nur für Bäder verwendet und sie nicht weiterverkauft. Der Abgabepreis wurde nun nach der abgegebenen Menge (7,5 Pfg./Kubikfuß) berechnet, da bei der bisherigen Praxis zu viel betrogen wurde. Beibehalten wurde die Regelung, dass die Beschäftigten der Saline und Ortsarme, die ihr  Armutszeugnis und ein ärztliches Rezept vorwiesen, die Sole kostenlos erhalten.

 

  1. Mai Stellungnahme der Salinenverwaltung (MD, Rep. A 23, Nr.1 Bd.2).

Der Floßkommissar hatte die Anpachtung eines Teils der zum Gasthof gehörenden Wiese zur Erweiterung des Amtshauses beantragt. Das lehnte die Lokaldirektion ab und verwies das Floßamt an den Pächter der „Pfortaer Ökonomie“ Kuffs, der  seit 1819  an die Dorfbewohner Land zum Anbau von Gemüse und Hackfrüchten verpachtete. Die Jahrespacht für eine Quadratrute (ca. 14,2 m²) betrug damals 5 Silbergroschen.

 

  1. Juni Schreiben des OBA an die Oberberghauptmannschaft (WER Rep F 38V)

Für die Salinenbeamten Schweingel und Pauli wurde eine Gehaltserhöhung von 50 Talern beantragt.

 

  1. Juli Schreiben der Kgl. Regierung Merseburg (WER Rep.A23I, Nr.1 Bd.2).

Der Streit zwischen Hämmerling und Weber beschäftigte nun auch die preußischen Behörden in Berlin, zumal es hier auch um die Angleichung der Rechtsverhältnisse der  alten und neuen preußischen Provinzen ging. Staatsminister v. Schwenkhammer forderte zunächst die Königl. Regierung zur Stellungnahme auf.  Diese verwies darauf, dass die Ursache des Streits das in der Provinz Sachsen die von 1555 herrührende Gewerbeordnung galt, mit inzwischen völlig überholten Privilegien und Beschränkungen für das Gast-, Schank- und Beherbergungsgewerbe war. Demnach war es konzessionierten Schankwirten, wie Hämmerling, nicht erlaubt, warme Speisen abzugeben, zu beherbergen oder fremde Pferde einzustellen und zu füttern. Dies blieb  Gastwirten wie Weber vorbehalten.

Wegen eines ähnlichen Falles in Merseburg, der zugunsten eines Schankwirtes gegen die ortsansässigen Gastwirte entschieden wurde, tendierte die Königl. Regierung zur Abweisung der Beschwerde Webers, empfahl aber wegen der fehlenden Rechtsgrundlage, die Angelegenheit bis zur endgültigen Entscheidung zur Gleichstellung der Provinz Sachsen mit den preußischen Altprovinzen, ruhen zu lassen. Daraufhin wies das  OBA die Salinendirektion an, die  Angelegenheit auszusitzen.

 

  1. Juli Veröffentlichung der Badeliste (NKB Nr. 28).

Der prominenteste Gast war der Leibarzt König Friedrich Wilhelm III. Staatsrat  Dr. Christoph Wilhelm Hufeland, dessen Anwesenheit erhebliches Aufsehen erregte. In seiner Schrift „Übersicht über die vorzüglichsten  Heilquellen Deutschlands“ bescheinigte er der hiesigen Sole, dass „sie ein ausgezeichnetes Heilmittel bei hartnäckiger Gicht und Rheumatismus, Hautkrankheiten und Lähmungen (sei) und noch Hilfe leistet, wo nichts mehr helfen wollte“. Chr. W. Hufeland (1762-1836) hatte bereits 1802 an die Ärzteschaft appelliert, Erfahrungen bei der Anwendung mineralischer Brunnen zu publizieren. Hier konnte er dies am praktischen Beispiel selbst erproben. Seine Urteil „Kösen wird eine der wirksamsten Stätten der Hygiene werden“ trug dann maßgeblich zum Bekanntheitsgrad und der Frequenz des Bades bei.

 

  1. Juli Schreiben der Kgl. Regierungs-Abteilung an den Landrat (BLK-A. Nr. 941).

Inzwischen waren die Mittel für die verlegung der Chaussee von der Saalebrücke bis zur Mausabrücke bewilligt, und der Gutsbesitzer Jaenichen aus Alberstedt bei Schraplau mit den Arbeiten beauftragt worden. Der Wegeinspektor Knesebusch aus Weißenfels und der Bau-Conducteur Henke sollten die Linieführung abstecken und Lepsius die Eigentümer, deren Grundstücke betroffen waren, davon in Kenntnis setzen. 

 

  1. Juli Badeliste (NKB Nr. 30).

Bislang wurden 39 Einträge  verzeichnet.

 

  1. Aug. Schreiben des Landrates an die Anlieger der neuen Chaussee (BLK-A. Nr. 778).

Betroffen waren Christoph Hildenhagen, Besitzer der Weinberge am Nikolausberg, die Salinenverwaltung, als Eigentümer der zur Gasthofpacht gehörende Wiese zwischen der Fränkenauer Hohle und der alten Heerstraße, sowie die Landesschule der die Fränkenauer Trift gehörte, und die dortigen Obstbäume, die an August Saalborn, Carl Hofmann und Gottlob Streuber verpachtet waren.

 

  1. Aug. Absteckung der Trasse (BLK-A. Nr. 778)

Im Beisein des Landrates wurden vom Erbrichter Frischbier aus Wethau, dem Ökonom Zeitschel und dem Roßbacher Ortsrichter Peukert die Chaussee abgemarkt und vermessen. Gebraucht wurden 2 Morgen von der Saline, 2 Morgen vom Hildenhagen`schen Weinberg und 5 Morgen Triften und Hutung der Landesschule.

 

  1. Okt. Unfall eines auswärtigen Handarbeiters (BLK-A. Nr. 941)

Bei den Arbeiten an der Chaussee war der Handarbeiter Büttner aus Halle verschüttet worden. Er wurde zwar lebend geborgen, war aber auf Dauer arbeitsunfähig, wie der Wundarzt Uhlich feststellte.  Demnach war er ohne Einkommen und als Auswärtiger wurde er an seinen  Geburtsort verwiesen. Der  Kösener Fuhrunternehmer Hädicke, für den der Büttner gearbeitet hatte, erbot sich, den Verunglückten nach Halle zu bringen.  Doch der dortige Magistrat lehnte die Aufnahme ab, weil Büttner aus Würzburg stammte und somit Halle nicht sein „Domizil“ sei, weshalb er zunächst bei Hädicke blieb. Hier erschien seine Ehefrau, die ein halbes Jahr später unter Mitnahme der  dem  Büttner von mitleidigen Einwohnern gespendeten Sachen wieder verschwand. Daraufhin bat der  Ortsrichter Landrat, bei der halleschen Polizeibehörde Nachforschungen über den Verbleib der Ehefra anzustellen, damit diese ihren Mann pflegen und seinen Unterhalt sichern sollte, da dieser „weder sitzen noch Steine schlagen“ kann. Die Sache wurde vom Landrat der Kgl. Reg.-Abteilung angetragen, die letzlich die Stadt Halle  anwies, den  Invaliden aufzunehmen.  

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr.5/1).

Freiherr  v. Veltheim leitete die Sitzung, an der neben Senff, Schweingel und Pauli auch der  Mertendorfer Ober-Einfahrer v. Bülow teilnahmen. Protokollant war Oberbergrat Eckardt, Baumeister Judersleben fehlte krankheitsbedingt.

Als vorteilhaft hatte sich die ausschließliche Verwendung der  Sole des oberen Schachts erwiesen, weswegen man den Einbau eines zweiten Pumpensatzes plante und die Förderung aus dem unteren Schacht ganz einstellen wollte. In der Folge wäre der Abbruch des desolaten  Schachtgebäudes bis auf das Erdgeschoss möglich.

Wegen der in den Salzmagazinen lagernden 660 Lasten war deren Kapazität erreicht. Als Grund für den schleppenden Salzdebit (611 Lasten gegenüber 1226) ins „Ausland“,  wurde der billigere preis des Frankenhausener Salzes genannt, weshalb man den Preis von 50 auf 40 Taler verringerte. Damit sollte der Auslandsabsatz gesteigert und die Lager geräumt werden. Außerdem wurde die Jahresproduktion um 50 Lasten verringert, auch wenn damit der geplante Gewinn von 33.500 Talern nicht mehr zu realisieren war. Ab Dezember wurde Kaltlager angeordnet, wobei der dabei entstehende Lohnausfall der Arbeiter als vertretbar angesehen wurde. Erfreulich war die hohe Konzentration der Siedesole von fast 25 % wegen des guten Gradierwetters, was eine erhebliche Einsparung an Formkohlen bedeutete.

Im kommenden Jahr sollten es bei 1340 Lasten bleiben, der Verkaufspreis ins Ausland weiterhin  40 Taler betragen. Bei einem durchschnittlichen Gehalt der Siedesole von 23,5 %, würden 1.387.550 Formkohlen benötigt, sowie weitere 51.000 Stück als Deputat. Wegen der noch vorhandenen Lagerbestände wäre eine drastische  Einschränkung der Förderung erforderlich, die aber mit Rücksicht auf die  „starke Mertendorfer Knappschaft“ nur allmählich zurückgefahren werden sollte. Für den Neubau des 4. Falls lagen Steine und Bauholz bereit. Unter „Sonstiges“ wurden verschiedene die Produktion des Glaubersalzes betreffende Wünsche des Chemikers Heun behandelt.

Zum Personal  s. a. St.-A. Nr. 582- Verzeichnis der bei der Saline angestellten Arbeiter 1820/25.

 

1826

 

  1. Jan. Reskript an den Oberfloßkommissar v. Zedtwitz (MER C48 IIIb 5542).

Die Kgl. Regierung verlangte einen detaillierten Nachweis über die beim Wiederaufbau des Floßamtes entstandenen Mehrkosten. Denn statt der 1816 veranschlagten und bewilligten 889 Taler waren es 1.164 Taler, die als Vorschuss in der Floßkasse verbucht wurden und für  die  keine Belege existierten. In seiner Stellungnahme erklärte v. Zedtwitz, dass er kein Unternehmen gefunden hätte, das für die veranschlagten 889 Taler den Wiederaufbau übernehmen wollte. Da er aber das Floßamt wieder beziehen musste, habe er ohne vorherige Genehmigung den Wiederaufbau zu dem höheren Preis beauftragt. Die Bezahlung erfolgte aus der Floßkasse, die Mehrkosten wurden seit 10 Jahren als Vorschuss geführt und seither nicht beanstandet.

 

  1. Feb. Anordnung der der Kgl. Regierung (dto).

Zedtwitz wurde wegen unberechtigter Mittelentnahme aus der Floßkasse gerügt und angewiesen, den Mehrbetrag zu erstatten. Gleichzeitig wurde der Kgl. Bauinspektor Schmidt mit der Überprüfung der tatsächlichen Kosten beauftragt.

 

      Feb. Plan von Neu-Kösen (St.-A.).

Der Regierungs-Kondukteur Fritsch übertrug in einen Plan von 1817 den Verlauf der Chaussee und der ersten Häuser (Eckartsbergaer Str. 3, 6, 7). 

 

  1. Mär. Verordnung des Ministeriums für Medizinal-Angelegenheiten (in WER Rep F43a).

Die Amtsärzte in den preußischen Mineral-Bädern und Orten mit Heilquellen sollten von nun an  jährliche Berichte erstellt und über die jeweiligen Regierungsbehörden beim Ministerium eingereicht werden. Das betraf geognostische Untersuchungen im Quellgebiet, Erkundungen von neuen Quellen, chemische und physikalische Analysen, Schüttung und mögliche Abweichungen. Abgefragt wurden Erneuerungen und  Verbesserungen der Anlagen, Personalangelegenheiten, statistische Angaben über die Abgabe von Bädern und den Mineralflaschenversand, die Erfassung der Badegäste, Abgabe von Freibädern für Arme, die behandelten Krankheiten und die Erfolge bzw. auch Misserfolge von Kuren. 

 

  1. März Ausweisung einer Einwohnerin (MER C 50 Naumburg A Nr. 44)

Friederike Theresia Henriette Saalborn,. 31 jahre alt u, verheiratet und seit 1820 ansässig  wurde vom Landrat angewiesen, den Ort binnen 14 Tagen zu verlassen. Grund war, dass ihr  Mann der Leinewebergeselle Johann Gottfried Saalborn wegen Betrugs im Zeitzer „Inquisitionat“ auf seine Verurteilung wartete. Nach Verbüßung der Haft sollte er in seinen Geburtsort Obertrebra zurückkehren und die dortige Gemeinde hatte auch schriftlich seiner Aufnahme zugestimmt, wohin auch seine Ehefrau gewiesen wurde. Die bat um Aufschub, weil sie hier in Stellung war und erklärte, dass sie sich von ihrem Ehemann „separirt“ habe. Das half nichts, sie wurde vom Gendarmen dorthin gebracht und der Ortsrichter quittierte am 14. April ihren Empfang.

Ihr Mann wurde im September zu einer dreimonatigen Zuchthausstrafe in der Lichtenberger Strafanstalt verurteilt und mußte sich nach Verbüßung mit einem Zwangspaß nach Obertrebra begeben.   

 

  1. Mär. Schlägerei im Tanzsaal vom Salinengasthof (MER C 50 Naumburg A 44)

Beim Ostertanz gerieten der Stellmacherlehrling Eduard Hädicke und der Ölschläger Christian Bennemann wegen einer Bagatelle aneinander. Das Vorkommnis wurde von der Salinenverwaltung, der ja die Polizeiaufsicht über den Gasthof hatte, pflichtgemäß dem Landratsamt gemeldet, zumal auch Hädicke sen. Anzeige erstatten wollte, aber davon Abstand nahm, weil die Klageerhebung mit Kosten verbunden war. Die nachfolgende Untersuchung im Landratsamt und die Vernehmung von Zeugen, wie den Gastwirt Weber, den Kellner Küffner, der Schmiedemeister Friedrich Zeise, den Bäckergesellen Friedrich Wilhelm Wetzel und den Bäckermeister Friedrich August Hämmerling, die als Gäste anwesend waren, ergaben, dass Bennemann den Streit vom Zaun gebrochen und auch zuerst zugeschlagen hatte, Hädicke aber dann sein Taschenmesser zog. Daraufhin wurden beide zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt. Bennemann bat um die Umwandlung der Haft- in eine Geldstrafe, weil den Verlust seiner Arbeit in der Mühle fürchte. Er zahlte dann 5 taler und Hädicke trat am 23. August die haft an, wie der Anstaltsdirektor meldete. 

 

  1. Apr. Bekanntmachung des Floßamtes (NKZ Nr. 15).

Die Uferanrainer wurden  vor Beginn der diesjährigen Scheitholzflöße auf die Einhaltung der Floßmandate hingewiesen, Wassermüller und Fischer ermahnt,  die Flöße nicht zu behindern und Dorfrichter und Amtsdiener angewiesen, den  Holzdiebstahl zu unterbinden. 

 

      Apr. Veröffentlichung im Naumburger Kreisblatt zur Heimatgeschichte (Nr. 15 ff).

Erste umfangreiche Beschreibung Kösens innerhalb der Reihe „Zur Ortskunde des Kreises“, vom  Landrat Carl Peter Lepsius (s. a. „Kleine Schriften 1854)

 

     Apr. beginn derBewirtschaftung der Rudelsburg (Wikipedia)

Auf Anregung des Landrates Lepsius richtete Rittergutsbesitzer von Schönberg in der Ruine im „Weinberg des Herrn“ einen ständigen Ausschank ein. Gottlieb Wagner, der inzwischen frei nach C. M. Oper „Freischütz“ Samiel gerufen wurde, öffnete zunächst an den Sonntagen. Noch im gleichen Jahr wurde ein bequemer Weg zur Burg angelegt.   

 

  1. Apr. Einspruch von Hausbesitzeren wegen des Chausseebaus (BLK-A. Nr. 941)

Der Landkrämer J. G. Bornschein und der Bäcker J. G. Kleinschmidt, deren Häuser zwischen der Brücke und der Mühle standen (An der Brücke 2 u. 3) befürchteten, dass der Damm bei einem Hochwasser die Ausbreitung der Fluten in der Aue behindern und  ihre Häuser  durch das angestaute Wasser weggerissen  werden könnten. Diese Sorge war nicht unberechtigt, denn schon beim Hochwasser von 1820 stieg die Saale bis an die Fensterbrüstung ihrer Häuser.

 

  1. Juni Schreiben der Lokaldirektion an das Oberbergamt (WER Rep. A 23I, Nr.1, Bd.3).

Vorgeschlagen wurde der Neubau eines Gesellschaftsraums, einmal für die Konferenzen der Lokaldirektion, aber auch für gesellige Veranstaltungen zur Hebung der Besucherfrequenz des Gasthofes. Die Lokaldirektion unterstützte den Vorschlag in Anbetracht der Konkurrenz im Dorf, die den weiteren Niedergang des Salinengasthofes befürchten ließ, wenn dessen Attraktivität nicht verbessert würde.

 

  1. Juni Das OBA genehmigt die Errichtung eines „Sessions-Locals“ (dto).

Dazu erklärte das OBA, da dies ausschließlich zum Vorteil des Gastwirtes sei, sollte der auch die Kosten allein bestreiten. Genehmigt wurde dagegen Webers Antrag, eine Erosionsrinne auf dem zur Gasthofpacht gehörenden Feld unterhalb des Nikolausberges mit Erdmassen des Straßenbaues anzufüllen und als Weide zu nutzen.

 

      Juni  Inbetriebnahme des neuen 4. Falls am unteren Gradierwerk (dto.).

Dazu wurden 4 Bronzetafeln angebracht, die man 1902 wieder entdeckte. Demnach waren die 62 Bund des sanierten Gradierhauses (280 Meter) in einen halben 2. Fall, den 3. und 4. Fall eingeteilt.

 

  1. Juni Erste allgemeine Schutzimpfung gegen Blattern (NKB Nr. 21).

Das preußische Ministerium für Medizinal-Angelegenheiten hatte die Pflichtimpfung für die Jahrgänge 1813 bis 1825 angeordnet. Geimpft wurde im Haus des Ortstrichters Hämmerling, der auch alle Impfpflichtigen zu erfassen hatte.

 

  1. Juli Abrechnung über den Neubau des Wehrdammes (WER Pforta II Nr. 939).

Der Wehrumbau kostete rund 11.861 Taler, darunter waren Materialkosten für Quader (1.863 Taler) und Holz (931). An Löhnen wurden abgerechnet für Zimmerer 793 Taler, Maurer (2.479), Fuhrleute (297), Hilfskräfte (1.066) Pumper (142), Steinbrecher (916) und die  Fröner (1.514). Die Saline trug 3.350 Talern bei. 64 Taler brachte das verkauftem Abbruchmaterial. Dazu kamen von der Salinenverwaltung 3500 Taler und auch das Floßamt war angewiesen worden 3500 Taler beizusteurn

Allerdings zeigte es sich, dass bei niedrigeren Wasser die Langholzflöße nicht mehr über die Wehrkrone kamen und auseinander genommen und um den Damm transportiert werden mußten. Das hielt  immer mehr Flößer der Kahlaer Flößer-Kompanie davon ab, die Kösener Messe zu belegen, sie   verkauften das Holz in  Camburg.

 

  1. Juli Bericht zum Chausseedamm (BLK- A. Nr. 941).

Wegen der Beschwerde von Bornschein und Kleinschmidt, besichtigte Lepsius im Beisein der Schöppen Hilpert und Hädicke sowie dem Ortsrichter Hämmerling den Chausseedamm. Dabei stellte er mehrere Unzulänglichkeiten fest. Bei der Ausbuchtung der Chaussee beim Döringschen Weinberg, wo bergab fahrende Fuhrwerke entgegenkommende passieren lassen konnten, war der  alte Fahrweg teilweise verschüttet und konnte nicht mehr benutzt werden. Daher sollte in diesem Bereich der Rest des Weges mit dem Weg zur Dorfstraße auf die Breite eines Kommunalweg zusammengelegt werden. Doch dies kam nicht zustande, es blieb bei der unbefriedigende Wegeführung im oberen Teil der Lindenstraße. Weiterhin wären die Straßen-und Flutgräben viel zu klein. Das Rückhaltebecken an der Fränkenauer Hohle würde das von dort kommende Oberflächenwasser nicht fassen. Beim Überlaufen würden die Anwesen von Hädicke und  Hämmerling überflutet (Lindestr. 12/14).  Auch der Graben zur Saale  zwischen den Anwesen von Kleinschmidt/Bornschein und Hilpert wäre viel zu klein bemessen.  Lepsius empfahl,  den Kanal  vom Gottesacker an zu verbreitern. Die Bedenken der Hauswirte, dass der Damm das Ausbreiten von Hochwasser verhindern würde, teilte der Landrat, zumal der einzige Durchlass durch den Damm viel zu klein war. Darüber hinaus hatte man den Kommunalfahrweg von der Brücke zum Dorf Kösen so umverlegt, dass er nun den Zugang zum Bornscheinschen Haus versperrte. Der Besitzer sah sich in seinem Nahrungserwerb beeinträchtigt. Ebenso betroffen war  das Floßamt, dessen Erdgeschoss unterhalb des Dammes lag. Ebenso war der Weg nach den Saalbergen nicht mehr befahrbar. 

Darüber hinaus bemerkte Lepsius, dass der Chaussee-Damm bereits von der Post benutzt würde, obwohl noch keine Seitenbegrenzung vorhanden sei und deswegen besonders bei Nacht und Nebel die Gefahr bestand, hier abzustürzen. Er hatte den zuständigen Bau-Kondukteur Fritsch darauf hingewiesen, doch der erklärte, dass ihm das überlassen sei, für wen und wann er die Chaussee freigeben würde.    

 

  1. Juli Anweisung zur Bezahlung der Bauflächen (BLK-A. Nr. 941).

Die Kgl. Saline erhielt für die in Anspruch genommenen, dem  Gastwirt Weber verpachteten Teile des Winter-, Sommer- und Brachfeldes 208 Taler, die Landesschule für die zur Domäne Fränkenau gehörende Trift 17 Taler, die Besitzer der dortigen Obstbäume 202 Taler und Hildenhagen für die Weinberge 119 Taler. Die Hauptkasse wurde angewiesen, das Geld auszuzahlen.   

 

  1. Juli Schreiben des Regierungsbau-Kondukteurs Fritsch (BLK-A. Nr. 941)

Nach der Anzeige des Landrates hatte die Kgl. Regierung den Wegeinspektor Knebusch befohlen, sich nach Kösen zu begeben  und die Post auf die alte Straße zu verweisen, solange am Damm noch kein Sicherheitsgeländer vorhanden war. Daraufhin teilte Fritsch der Kgl. Reg.-Abteilung mit, dass er sich nur gegenüber seiner vorgesetzten Fachbehörde verantworten müsse und meinte abschließend: „Ich bitte darum, mich für die Folge damit gefälligst zu verschonen“. 

 

  1. Juli Anzeige des Baukondukteurs Fritsch (BLK-A. Nr. 941)

Auf Anweisung des Freiherrn von Braun mussten die Pflasterarbeiten beim  Floßhaus unterbrochen werden, weil der Kronprinz und seine Gattin die Chaussee passierten.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der Badeliste (NKB Nr. 31).

61 Einträge verweisen auf rund 150 Badegäste.

 

  1. Aug. Lepsius lehnt eine Beschwerde Webers ab (WER Rep. A23I,Nr.1Bd.2).

Erneut ging es um die Nichteinhaltung der Schankkonzession durch Hämmerling und Konsorten.

 

  1. Aug. Brunnenfest (NKB Nr. 33, 1826).

Der Ablauf hatte sich gegenüber dem Vorjahr nicht geändert. Den sonntäglichen Festumzug führten die Schulkinder mit ihrem Lehrer an, es folgten die Musik, die Salinenbeamten, die Arbeiter und Bergleute. Vor dem unteren Solschacht  würdigte Inspektor Senff den Bergrat Borlach. Tanz und Vergnügen folgten im Zimereischuppen bis zum Montag.

 

  1. Aug. Franz Kugler „An der Saale hellem Strande“.

Bei einem  Besuch der Ruine der Rudelsburg kritzelte der Student den Text auf eine Tischplatte, die der Rittergutsbesitzer v. Schönberg sicherstellte. 1830 erschien der Text im „Skizzenbuch“ wurde vertont und gehört seither zum deutschen Volksliedgut.

Kugler (*1808 in Stettin, gest. 1858) wurde 1835 Professor für Kunstgeschichte an der Akademie der Künste in Berlin und 1843 Kunstreferent im preußischen Kultusministerium. Bekannt wurde   seine „Geschichte Friedrich des Großen“, die 1840 erschien und die ein zu dieser Zeit noch unbekannter Maler und Zeichner Adolf Menzel (die Erhebung in den Adel erfolgte erst später) illustrierte. Das Buch, ein volkstümliches Werk, fehlte in kaum einem bürgerlichen Haushalt.  

 

  1. Sep. Entschädigungszahlung für die Obstbaumbesitzer (BLK-A. Nr. 941).

Der Kinderlehrer Ernst Huck erhielt 51 Taler, der Salzsieder Gottlob Sträuber 44, der  Seiler Carl Hoffmann 37 und der Musikus Carl Saalborn 30 Taler für die hinter ihren Häusern auf der  Fränkenauer Trift stehenden Obstbäume. Das Ehepaar  Hildenhagen bekam 40 Taler für ihre Obstbäume. Bevor die Auszahlung erfolgte, hatten die Empfänger gegenüber dem Ortsrichter ihr schriftliches Einverständnis mit der Höhe und  den Verzicht auf Widerspruch abzugeben.

 

  1. Sep. Übertragung der Polizeigewalt über die Saalhäuser (MER C 50 Naumburg A Nr. 44)

„Da nun die Saalhäuser unstreitig im unmittelbaren Polizeibezirk  der Landesschule Pforta  liegen, so kann ich nicht unterlassen und aufzufordern, dieses Etablissement  von jetzt an unter polizeiliche Aufsicht zu stellen und Anordnung zu treffen, wodurch Ihnen die Führung dieser Aufsicht möglich wird. Vor allen Dingen möchte es nöthig  seyn, über die Herkunft, Nahrungs- und Lebens-Verhältnisse der Schumannschen Hausgenossen, deren jetzt 8 verschiedenen Familien vorhanden sein werden, genaue Erkundigung  einzuziehen und  bestimmte Nachweisung zu  erfordern.

Am zweckmäßigsten dürfte es  sein, diese Recherche mit einer allgemeinen und möglichst genauen  Haussuchung in den Saalhäusern zu eröffnen zu welcher Absicht ich drei oder nöthigenfalls  noch mehrere Gendarmen und andere Polizei-Offizianten zu Ihrer Disposition stellen würde. Während der Visitation müssen sämtliche  Anwohner  gleichzeitig unter Aufsicht gestellt, auch die Zugänge  zu den Saalhäusern besetzt werden. Ich sehe Ihrer Erklärung entgegen, um demnächst das weiter Nöthige  unverzüglich anordnen zu können“.

Grund des Schreibens waren etliche Straftaten, die in letzter Zeit in der Umgebung verübt worden waren und einiges auf die Hausgenossen der Saalhäuser hindeutete. Bislang hatte der Ortsrichter von Kösen die Aufsicht, die er aber wegen der Entfernung gar nicht ausüben konnte. Außerdem war der Ortsrichter Hämmerling der Schwiegervater des Besitzers der Saalhäuser Schumann, der aber nach Lepsius nicht den besten Ruf genoß. In seinem  Antwortschreiben verwies Inspektor Sterzel darauf, dass die Polizeiaufsicht über die Saalhäuser bis zur Neuordnung der Kreise beim Stifts-Amt lag und dann auf den Landkreis übergegangen ist. Im Interesse der Sache erklärte sich Sterzel bereit, persönlich die Polizeiaufsicht zu übernehmen, wenn dies vom Landrat gewünscht wird.

 

  1. Okt. Besuch des Ministers für öffentliche Bauten (BLK-A. Nr. 941)

In Begleitung des Landrates besichtigte von Kleewitz die Saline, den Wehrdammes und die Chaussee. Dabei machte ihn der Landrat auch auf die Brücke aufmerksam, die so schmal war, „daß nicht zwei Wagen sich ausweichen könnten, welches bei starke Postage auf dieser Straße und besonders durch den Bau der neuen Chaussee, nicht selten zu großen Unannehmlichkeiten für die Reisenden und Fuhrleute“ führt.   

 

  1. Nov. Salinenrecherche durch v. Veltheim. (WER Rep. F23 II Nr.5/1).

Nachdem Weber die Kostenübernahme für ein „Sezessions-Lokal“ abgelehnt hatte, wurde  Judersleben beauftragt, einen Kostenanschlag zu erstellen. Festgehalten wurden die Beamten und fest eingestellten Unterbeamten und Arbeiter.  Dazu gehörten die 4 Ober-Beamten (Inspektor, Rendant, Baumeister, Buchhalter), 13 Unterbeamten (1 Kalkulator, 1 Kunstmeister, 4 Kunstwärter, 2 Gradiermeister, 2 Siedemeister, 1 Maurermeister, 1 Pfannenschmied, 1 Kohlenaufseher) und 42 Arbeiter (5 Gradierer,  32 Sieder, 2 Düngesalzarbeiter, 3 Wächter) insgesamt 59 Mann.

 

    Dez. Veröffentlichung der neuen Einquartierungsbestimmungen (NKB).

Mit der Einführung des preußischen Landrechts, wurden die im Landkreis anfallenden Kosten auf die Landgemeinden nach deren Siedlungsfläche umgelegt. Auf Kösen entfielen 7 Hufen (ca. 53 Hektar) was den Kosten für 56 Mann entsprach. Die Beitreibung gehörte zum Aufgabenbereich des  Ortsrichters bzw. des Einnehmers.

 

            Fleischermeister Freitag erwirbt den „Göttersitz“ (A. C. Ende,1844)

Der Naumburger ließ auf der Höhe über den Saalbergen den Wald roden und legte hier den mit  4000 Stöcken höchsten Weinberg der region an. Nebenher betrieb er einen Ausschank, der dann zahlreiche Gäste  auf die Höhe mit dem reizvollen Blick in das Saaletal zog.

 

            Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer (Allg. Gesch.).

Weil die Linie Gotha-Altenburg keinen männlichen Erben hatte, kam es zu einer umfassenden  Erbteilung verbundenen mit einem umfassenden Gebietsaustausch. Letztendlich blieben vom ernestinischen Erbe das Großherzogtum Sachsen-Weimar und die Herzogtümer Sachsen-Gotha, Sachsen-Altenburg und Sachsen-Meiningen. Zu Letzterem gehörte die Grafschaft Camburg mit dem Rittergut Kreipitzsch, Crölpa, Löbschütz und Freiroda. 1869 wurde die meiningisch-preußische Grenze durch abgemarkt. Die Grenzsteine stehen heute noch vereinzelt am Weg zur Rudelsburg, an der Gespensterbuche, am Geiersberg um am Bismarkturm.

Die Floßrechte des Großherzogtums Sachsen-Weimar blieben bei  Sachsen-Altenburg, unter der Maßgabe, dass Jena, Dornburg und die Stadt Sulza wie bisher beliefert werden.

 

1827   

 

  1. Jan. Beschwerde des Weinbergbesitzers Hildenhagen (BLK-A. Nr. 941)

Der beschwerte sich über die ihm zugedachte Entschädigung und berief sich darauf, dass seine Ehefrau nicht dazu berechtigt war, das Geld anzunehmen und auf Widerspruch zu verzichten. Er verlangte für den Ertragsausfall der 94 Weinstöcke in den nächsten 25 Jahre rund 28 Taler je Stock, zuzüglich den Wert des Grund und Bodens.

 

  1. Febr. Beschreibung des Armenhauses (MER C 50 Nbg. A Nr. 434)

„E. Wohlg. zeige hierdurch ganz gehorsamst an, daß in hiesigen Armenhauße nur zwey kleine Stuben seyn, welche eine jede 6 Ellen lang (Anm. 3,5 Meter) und kaum 5 dergleichen Ellen breit (Anm. 3,0 Meter) ist, da nun 16 Personen in dem hiesigen Armenhauße sich befinden, wovon die Beerin und die geisteskranke Zwingenbergerin eine Stube inne haben, mithin 14 Personen auf der zweyten Stube sich zusammen drängen, wo es ohnmöglich ist, daß diese letzteren nur am Tage darin Raum haben, viel weniger des Nachts, wo die meisten auf den sehr leichten, der Kälte ausgesetzten Boden schlafen müßen, zumal alle diese Menschen arm und nicht mit guten Betten versehen seyn. Wo auch der Handarbeiter Köttnitz welcher sehr stark mit der Epilepsie beladen, und wegen dieser Krankheit und der damit verbundennen Unreinlichkeit ganz ohne Betten auf den Boden liegen muß, so steht bey solcher strengen Kälte alle Tage zu befürchten, daß eins oder das andere auf dem Boden erfrieren kann.“

Die Kosten für die Erweiterung des Armenhaus mussten auf die Hauswirte und Hausgenossen umgelegt werden. Wohl wissend, dass die Gemeinde wohl kaum einen diesbezüglichen Beschluss fassen würde, bat Ortsrichter Hämmerling den Landrat, dies amtlicherseits anzuordnen.

 

  1. Feb. Instruktion des Landrates wegen der Entschädigung Hildenhagens (BLK-A. Nr. 941).

Lepius sollte die Wertermittlung prüfen, mit den geltenden Vorschriften vergleichen und  Rücksprache mit den Taxatoren nehmen. Anhand dieser Erkenntnisse, sollte dem Ehepaar die Unhaltbarkeit ihrer Forderung dargelegt und sie darauf hingewiesen werden, dass sie bei Ablehnung einer gütlichen Einigung den Fiskus verklagen müssten.

 

  1. Mär. Schreiben der Salinenverwaltung an den Landrat (BLK-A. Nr. 941)

Das Oberbergamt lehnte ebenfalls die Entschädigung für die zum Chausseebau gezogenen Pachtfelder des Gasthofes ab, denn dem Gasthofpächter war die Entschädigunzu niedrig. Die Lokaldirektion schlug die Bestellung eines gleichermaßen von der Kgl. Regierung und dem OBA anerkannten Taxators vor.

 

  1. Mär. Konferenz über die Grundlagen der Entschädigungsberechnung (BLK-A. Nr. 941)

Auf Anfrage erklärten die Taxatoren, dass die von ihnen ermittelten Werte angemessen waren allerdingshätte  die Kgl. Reg.-Abteilung diese nach unten korrigiert und dann als verbindlich deklariert.

 

  1. Mär. Konferenz beim Ortsrichter Hämmerling (BLK-Nr. 941).

Anwesend waren der Landrat Lepsius, die Lokalverwaltung (Senff, Judersleben, Schweingel) und der  Landschöppe von Roßbach J. G. Röder als Taxator. Der stellte fest, dass die vom Landrat bestellten Taxatoren das Mittel aus Ertragsausfall und dem Grundwert aller betroffenen Grundstücke gebildet und die Kgl. Reg. den niedrigeren Wert für die Höhe der Entschädigung festgesetzt hatte.  Dabei wären die unterschiedliche Nutzung  und der  differenzierte Ertrag völlig unberücksichtigt geblieben. Die Salinenverwaltung erklärte, dass der Gasthof auf das Feld angewiesen wäre und für die Entschädigung könnte man hier kein gleichwertiges Land bekommen.

 

  1. Mär. Konferenz beim Ortsrichter Hämmerling (BLK-Nr. 941)

Das Ehepaar Hildenhagen erklärte gegenüber dem Landrat, dass sie nicht mit der angebotenen Entschädigung zufrieden sind.

 

  1. Mai Anweisung der Kgl. Regierung an die Floßkasse (MER C48 IIIb, 5542).

Das Gutachten des Bauinspektors ergab, dass die Kosten des Brunnens am Floßamt zu Lasten der Floßkasse gehen, alle anderen Kosten habe der Floßmeister wegen seiner Eigenmächtigkeit der Kasse zurück zu erstatten.

 

  1. Juni Schreiben der Kgl. Reg.-Abteilung an den Landrat (BLK-A. Nr. 941)

Dem Ehepaar Hildenhagen wurde eine Entschädigung von 183 Talern angeboten, wenn diese auf eine Klage verzichten. Die Kosten für ein  neues Tor zum Weinberg wurde abgelehnt. Hildenhagen erklärte am 20. Juli beim Ortsrichter Hämmerling  die Annahme.

 

  1. Juli Antrag der Landesschule beim Landrat (BLK-A. Nr. 941).

Diese verlangte anteilige 41 Taler als Entschädigung für den Wegfall der Obstbaumpacht in Folge des Chausseebaus, zumal die Pächter eine ansehnliche Entschädigung in Aussicht gestellt wurde. Der Landrat lehnte ab und wies die Hauptkasse  an, die Beträge auszuzahlen.

 

  1. Aug. Erlaß der Kgl. Regierungsabteilung (BLK-A. Nr. 941).

Über die zur Beschattung der neuen Chaussee angepflanzten Pappeln hatte sich Hildenhagen beschwert. Diese würden zu nahe an seinen Weinberg stehen und später zuviel Schatten werfen. Die Kgl. Regierung erklärte, dass die Pappeln im Bedarfsfall zurück geschnitten werden. Dafür durfte Hildenhagen einen kleinen Steg über den Straßengraben errichten, die Ablagerung von Mist auf der Chaussee wurde untersagt.   

 

  1. Aug. Veröffentlichtung der Badeliste (NKB Nr. 33).

Bisher gab es 85 Einträge.

 

             Fertigstellung der Eckartsbergaer Chaussee  (Hinsche, Heimatbuch 1930).

Die Kosten beliefen sich auf 24.769 Taler (rund 74.000 Mark). Auch wenn sich die Einsehbarkeit wesentlich verbessert hatte, gab es wegen fehlender Verkehrsregeln immer wieder Probleme. Der Damm selbst war noch nicht untertunnelt. Wer mit dem Fuhrwerk zu den Saalhäusern wollte, für den gab es einen Fahrweg von der Fränkenauer Hohle entlang des späteren Kuchengarten bis zur Saale. Die für den Chausseebau nicht mehr benötigten Randbereiche übernahm die  Landesschule und verkaufte sie an Bauwillige, u. a. dem Bäcker Hämmerling, der in sein „Neues Haus“ (Eckartsbergaer Str.  6) an verkehrsgünstiger Stelle den Ausschank verlegte. Sein „Matzkuchen“ war weit und breit bekannt und erfreute sogar königlichen Gaumen.  In seinem Anwesen kam die erste Posthilfsstelle unter bis der Postmeister Müller auf der gegenüberliegenden Seite neben der Heunschen Badeanstalt ein Haus baute.

 

  1. Sep. Mitteilung der Kgl. Reg.-Abteilung an den Landrat (BLK-A. Nr. 941).

Demnach hatten die Therkornschen Erben Ansprüche auf die dem Hildenhagen zugesagte Entschädigung für den zum Straßenbau benötigten Teil des Weinberges erhoben. Den einstigen Borlachschen Weinberg hatte der Salinenkondukteur Therkorn geerbt. Nach seinem Tode verkauften seine Erben den Berg an Hildenhagen, der ihnen den Weinberg wieder rückverpfändete. Sie verlangten die Entschädigung für die Verpfändung. Daraufhin hinterlegte die Straßenbehörde das Geld beim Landgericht, und überließ diesem die Verteilung.

 

  1. Okt. Salinenrecherche durch v. Veltheim und Dieterich (WER Rep. .23 II Nr.5/1).

Der vom Baumeister Judersleben vorgelegte Kostenanschlag für das Sezessions-Lokal belief sich auf 1335 Talern, weshalb dafür keine Genehmigung erfolgte. Zu den ausländischen Salzniederlagen die von Kösen beliefert wurden, gehörten Ziegenrück und Ranis.

 

  1. Okt. Modifizierung des Floßzolles.

Für die auf Flößen mitgeführten Holzwaren wurden mit die Landakzise (5% des Warenwertes) erhoben.

 

            Meldung zum Verkauf der Badesole.

Die Badewirte empfingen insgesamt 3.771 Kubikfuß (117.000 l), die rechnerisch für 1510 Wannenbäder reichten.

 

  1. Nov. Bericht der Kgl. Regierung an das Finanzministerium (MER C48IIIb Nr.5512).

Nach dem Widerspruch des Floßmeisters, legte die Kgl. Regierung fest, dass 1.000 Taler für den Wiederaufbau des Floßamtes zu Lasten der Floßkasse gehen, der darüber liegenden Betrag aber vom Oberfloßmeister zurück erstattet werden muß. Darüber hinaus wurde ihm die Beauftragung von Bauten ohne Genehmigung der Floßadministration untersagt.

 

1828       

 

  1. Jan. Verfügung des Kgl. Finanzministerium (MER C48IIIb Nr. 5512).

Das Ministerium bestätigte den Erlass der Kgl. Regierung von Zedtwitz 164 Taler zurück zu fordern. Der ging erneut in Widerspruch und verwies auf die fragliche Nachweisführung, da einige Belege durch einen Brand zerstört waren.

 

  1. Mai. Anweisung der Kgl. Regierung (WER Rep.A23I,Nr.1,Bd.3).

Für die zum Bau der Eckartsbergaer Chaussee in Anspruch genommenen Flächen des Gasthofackers wurde dem Pächter eine Entschädigung gewährt.

 

  1. Mai Anweisung an den Floßkassen-Rendanten Stange (MER C48IIIb Nr.5512).

Weil v. Zedtwitz die Rückersattung verweigerte, sollte ihm die Summe vom Gehalt abgezogen werden. Das wirkte, kurz darauf verbuchte Stange die Rückzahlung.

 

               Konzert einer Kurkapelle (Heimatbuch).

Der Musikus Karl Saalborn hatte ein paar Laienmusiker um sich geschart und spielte zur Unterhaltung der Badegäste auf.

 

  1. Aug. Erstausgabe der „Privilegierten Kösener Bade-Zeitung“ (Heimatbuch 1993).

Die Handschrift informierte die Kurgästen, wer sonst noch anwesend oder angekommen war, wie  den großherzoglich-weimarischen Minister für Kultur, Graf Gernhardt, der mit seiner Fanmilie im „Hotel Heckenberg“ Quartier genommen hatte. Bereits einen ´Tag vorher waren zwei Hofdamen mit dem „Bagagewagen“ eingetroffen.

 

  1. Aug. Schilderung der Zustände im Gemeindarmenhaus (MER C 50 Nbg. A Nr. 434)

„...Ein dritter Punkt den ich E. Wohlgeb. ans Herz legen möchte, wiewohl ich weiß, daß er schon ein Gegenstand Eurer besonderen Fürsorge seit langer Zeit gewesen, ist die Erweiterung des  Armenhauses in Kösen. Die Gemeinde ist hierin auf eine sündliche Weise gleichgültig und saumseelig, schon nahet die  rauhe Jahreszeit  heran und der Bau  liegt immer noch unvollendet. Drei alte Weiber, drei jüngere Frauen, von denen eine die Wittwe Köttnitz ist und fünf Kinder, worunter ein blödsinniges Mädchen und  ein Säugling, alle diese Personen sollen den Winter über  wieder in einer Stube  zusammen gehäuft seyn, die für eine friedliche Familie von drei bis vier Personen  schon enge wäre. Und diese Menge mehr weiblicher zanksüchtiger Personen  soll sich mit einem Ofen  der zugleich zum  allgemeinen Herde  dient, mit einem Fenster, mit einem Tisch  mit 2 Betten  und einigen Stühlen begnügen. Der Zustand und das Zusammenleben  dieser Menschen  und besonders im Winter, muß ein wahres Bild der Hölle seyn. Ich habe keine Gelegenheit  der Gemeinschaft Dinge ans Herz zu legen und traue mir, auch wenn ich dieselbe hätte, nicht zu viel zu erreichen. Aber E. Wohlgeb. haben schon so viel über die Bewohner  Kösens vermocht, die Gemeinde sieht es,  wie Ihre Fürsorge zu ihren aufblühenden Wohlstande  beitragt. E. Wohlgeb. Werke und Unternehmen wird gott segnen,wenn Sie geneigt sind,es von neuem anzugehen

„dass die Gemeinde Kösen sich entschließe  und Hand anlegt an dem  Ausbau und Erweiterung des Armenhauses so gleich zu beginnen und vor Michaelis zu vollenden, so daß die unglücklichen Bewohner  zu Einbruch des Winters  die neu gebauten Zimmer  einnehmen können …“ schrieb der geistliche Inspektor der Landesschule Schmieder dem Landrat Lepsius..

 

  1. Aug. Veröffentlichung der letzten Badeliste des Jahres (NKB Nr. 35).

Zu den 103 eingetragenen Gästen gehörte der Graf von der Schulenburg. Er war nur einer von namhaften preußischen Adligen, die sich immer wieder hier einfanden wie die v. Bülow, v. Witzleben, v. Brauchitsch, v. Seckendorf, v. Helldorf, v. Knobelsdorf, v. Börries u.a.m.

 

  1. Dez. Stellungnahme des Minister für Unterricht und geistliche Angelegenheiten (St.-A. Nr. 347)

Ein Antrag der Gemeinde auf  Errichtung einer eigenständigen Parochie zusammen mit Kukulau, Fränkenau und den Saalhäuser und die Einstellung eines eigenen Pfarrers wurde abgelehnt.

 

1829

 

  1. Jan. Bericht des Floßamtes über den Stapel (MER C 48 IIIb Nr. 5519).

Die von der Landesschule gepachteten Uferwiesen sollten auf den für den  Küchenbedarf vor Ort benötigten Platz reduziert werden, um die bislang der Landesschule  zustehenden 24  Taler Jahrespacht  lt. Vertrag v. 1. Dez. 1733 /14. Jan. 1780 zu verringern.

Für etwaige Schäden an den Ufern  erhielt die Schule 80 Klafter weiches Holz in den Jahren, wenn die „Commun-Flöße“ und 40 Klafter wenn die altenburgische Privatflöße abgehalten wurde (Vertrag v. 2. Sep. 1776). Für das Küchenholz sollte der Stapel oberhalb des Wehrdammes teilweise beibehalten werden, weil sich hier die Uferbefestigungen des ehemaligen Rechens befanden, den    Stapel an der kleinen Saale brauchte man nicht mehr.

 

  1. Feb. Antrag des Gasthofpächters beim Oberbergamt (WER, Rep.A23,Nr1,Bd 3)

Weber hatte das Börschelsche Haus, das ehemals den Erben des Floßschreibers Martini gehörte, und direkt vor dem Gasthof an der kleinen Saale und damit näher an der Chaussee lag, erworben. Hierher wollte er seinen Ausschank einrichten, da immer weniger Fuhrwerke den Gasthof aufsuchten und einkehrende Badegäste sich von den Fuhrleuten belästigt fühlten. Der Landrat lehnte einen mit dem Salinengasthof verbundenen Ausschank ab, war aber bereit, Weber privat zu konzessionieren. Daraufhin bat Weber das Oberbergamt in seiner Angelegenheit beim Landrat zu intervenieren.

 

  1. Juni Festempfang für den Prinzen von Preußen (KAZ 1929).

Nach der Hochzeit Wilhelms von Preußen mit Augusta der Tochter des Großherzogs von Weimar wurde das Paar auf der Rückreise von Weimar nach Berlin an der Windlücke von den Beamten der landesschule, den Lehrern und Alumnen feierlich empfangen. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Kösener Salinenmusikanten.

 

             Bau der ersten öffentlichen Warmbadeanstalt (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Der Chemiker Friedrich Wilhelm Heun hatte an der Chaussee neben  dem Fränkenauer Hohlenweg Den Platz hatte Heun vom Gasthofpächter Weber mit Zustimmung der Saline erworben, allerdings mit der Auflage, hier kein Gast- und Herbergungsgewerbe zu betreiben. Die Badeanstalt hatte 6 Wannen und stand auch Badegästen offen, die sich im Ort eingemietet hatten. Es gab hier  Gesellschaftsräume, einen Garten und eine Aufwartung. Für das warme Wasser sorgte eine  Dampfheizung, allerdings musste die Sole mit Fässern vom unteren Schacht geholt werden.

 

  1. Aug. Anweisung der Kgl. Regierung Merseburg (MER C48IIIb Nr. 5513).

Das Floßamt sollte die Rückgabe der  Scheitholzplätze an die Landesschule vorbereiten.

 

  1. Aug. Bericht des Oberfloßkommissars zur Geschichte der Saaleflöße (MER C63 Anh. I Nr. 68)

Im Mai hatte die Königliche Regierung einen umfassenden Bericht über das Herkommen der Flöße angefordert. v. Zedtwitz, der daraufhin sämtliche ihm zur Verfüguunge stehenden Akten und Verträge sowie die zeitgenössische Literatur über das Floßwesen benutzte, erstattete einen umfassenden Bericht, beginnend mit den Holzverträgen der Hallischen Pfännerschaft im ausgehenden 16. Jahrhundert.   

 

  1. Aug. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB Nr.34).

Es waren insgesamt 76 Nummern,  d. h. rund 200 Badegäste, darunter der Geh. Finanzrat und Vizeberghauptmann von Witzleben.

 

  1. Aug. Bekanntmachung des Landrates (St.-A. Nr. 347)

Der Minister für geistliche und Unterrichtsangelegenheiten hatte entschieden, dass der Kirchenbau zugunsten eines Schulbaues zurückzustellen ist.

 

  1. Sep. Bericht der Salinendirektion an das OBA Halle (WER Rep.A 23I, Nr.1,Bd.3).

Der Landrat hatte beim OBA angefragt, ob man bereit wäre, das zum Salinengasthof gehörende Feld zwischen dem Chausseedamm und der Dorfstraße für die „Beförderung des Anbaus“ von Wohnungen und einer  neuen, der steigenden Kinderschar angemessenen Schule zu verkaufen oder zu tauschen.

Die Lokaldirektion zur Stellungnahme aufgefordert, erklärte, dass dafür zwar die Einwilligung der Landesschule erforderlich sei, die aber bereits einige Parzellen an Privatleute verpachtet habe, darunter eine „Bäckerbude“ an der Fränkenauer Hohle, den „Kuchengarten“. Hinsichtlich der Schule wurde der Gemeinde angetragen, das Anwesen des Salzläders Reinhard zu erwerben (Lindenstr. 24), da der Kauf wesentlich günstiger als ein Neubau wäre.

 

  1. Sep. Schreiben des Oberfloßkommissars (MER C48IIIb Nr. 5513).

Da v. Zedtwitz annahm, dass das Zollamt in Kösen verbleibt, beantragte er Mittel für einige Reparaturen am Floßamt, dass durch den Chausseebau gelitten hatte. Dazu gab es eine  umfassende Beschreibung des Anwesensi.

Das war zweigeschossig und teilunterkellert. Das Erdgeschoss bestand aus behauenen Kalksteinen, das Obergeschoss aus „Bleichwerk“ mit Ziegelverblendung. Das Walmdach hatte einen liegendem Stuhl und war mit 11.430 Biberschwänzen gedeckt. Im Erdgeschoss befanden sich die Amtsräume, die Expedition, die Kasse und ein Büro sowie Küche, Speisekammer und Gesindestube. Im Obergeschoss gab es einen Saal und die Amtswohnung sowie drei Schlafstuben, in denen reisende Floßbeamte nächtigten. Im Dachboden hatten der Hauslehrer und die Mägde ihre Kammern und im Spitzboden befand sich die  Räucherkammer. Ställe für Pferde, Kühe, Schafe, Schuppen für Brennstoffe, Kutschwagen etc. bildeten den Wirtschaftsteil. An den Hof grenzte der Obst- und Gemüsegarten mit dem  Hauswasserbrunnen. Es gab zwei Abtritte in einem Anbau. Das Amtshauses  war  Vorbild für die im 19. Jahrhundert neu gebauten Wohnungen.

 

  1. Okt. Antrag des Landrates bei der Königl. Regierung (MER C48IIIb 5522a).

Nach Rücksprache mit der örtlichen Salinenverwaltung und der Landesschule drängte Lepsius erneut darauf „wegen der wachsenden Bevölkerung und den einladenden Verhältnissen des Ortes...“ möglichst an der Chaussee und der alten Heerstraße Parzellen für den Hausbau bereitzustellen und so den  räumliche Zusammenschluss von Alt- und Neu-Kösen  zu befördern.

 

  1. Okt. Salinenrecherche (WER Rep.F23 II Nr.5/1).

Anwesend waren v. Veltheim und die Bergräte Dieterich und v. Bühlow. Der Antrag des Gasthofpächters, die Befeuerung des Braukessels nach außen zu verlegen und dafür auch Braunkohlenpresslinge zu verwenden, wurde befürwortet, wenn Weber die  Kosten für den Umbau übernimmt.

 

  1. Nov. Protokoll über die Rückgabemodalitäten der Stapel (MER C48IIIb 5522a).

Inspektor Stubenrauch, der Vertreter der Landesschule erklärte sein Einverständnis, den Teil des  oberen Stapels zwischen der Mühle und der Quelle dem Floßamt für eine angemessene Pacht  zu belassen. Allerdings wollte er zunächst noch prüfen, ob man überhaupt zur Rücknahme der Stapelplätze verpflichtet sei. Wenn dies der Fall sei, müsste die Floßbehörde den Scheitbach verfüllen, weil der nach seiner Auffassung bei der Einrichtung des Stapels angelegt wurde. Darüber hinaus bestand er auf das Brennholzdeputat, solange geflößt wird. Der Vertreter der Kgl. Regierung Reg.-Rat Grotrian gab dann noch zu Protokoll, dass das Zollamt aufgelöst und das Amtshaus von der „Chaussee-Partie“ übernommen werden soll.

 

              Ernst Ferdinand Leiber (WER F 39 Nr. 469)

Halurgisch-geognostische Beschreibung der Kgl. Salinen Artern und Kösen, der gewerk-schaftlichen Salinen Teuditz und Kötzschau, der ausländischen Salinen Ober- und Unterneusulza sowie Frankenhausen.

 

1830      

 

  1. Jan. Spende für den Bau einer Kirche (St.-A. Nr. 347)

Der Kanzlist teilte dem Landrat mit, dass ein Unbekannter 5.000 Mark für den Bau einer Kirche in Kösen zur Verfügung stellen würde, unter den Maßgaben, dass noch im laufenden Jahr begonnen, und der Bau in drei bis vier Jahren fertig wird, die „arme Gemeinde“ weitere Spenden erhält und beim König ein Geschenk erwirkt würde. Zur Sicherheit hatte der Spender 4.000 Mark in  preußischen Staatsschuldscheinen und 1.000 Mark in bar bei der Kreiskasse hinterlegt und die Quittungen Thränhardt in treuhänderische Verwahrung gegeben. Die Zinsen blieben beim Spender.  Der Landrat bemerkt, dass der Spender, da er recht wohlhabend war, weder unter den Beamten noch den Gastwirten und Handwerkern zu suchen sei.

 

  1. Jan. Schreiben der Kgl. Regierung an den Landrat wegen des Kirchenbaus (St.-A. Nr. 347)

Die Behörde, der Lepsius pflichtgemäß berichtete hatte, war der Ansicht, dass die Angelegenheit zu vage sei, um sie dem Ministerium für Unterrichts- und geistliche Angelegenheiten vorzutragen. Dazu kam, dass die bisherigen Versuche, eine eigene Kirchengemeinde zu bilden, abgelehnt  wurden. Zwar wäre die in Aussicht gestellte Summe  hilfreich, doch für eine Kirche brauchte man wesenlich mehr. Außerdem müsste zunächst die Neuordnung der Parochialverbände erfolgen. Denkbar wäre eine Vereinigung mit der Parochie von Punschrau oder Hassenhausen, wobei Kösen als Filialkirche geführt werden könnte. Dazu wären rechtsverbindliche Erklärungen erforderlich und die Gemeindemitglieder von Kösen,  Fränkenau, Kukulau und den Saalhäusern müssten sich zur Unterhaltung der Filialkirche mit ihrer Unterschrift verpflichten. Zu den üblichen Kosten kämen außerdem die Entschädigungen für die Kirchendiener der Landesschule, die Besoldung des neuen Kirchendieners einschließlich der Kosten der Schul- und Kirchenvisitation, die Unterhaltung der Kirche, Rückstellungen für Reparaturen, die Amortisation und alle sonstigen Parochialkosten. Falls die erforderlichen Erklärungen und Nachweise vorliegen, würde man die Angelegenheit an die Ministerien weiterleiten. Zunächst  sollte der Kgl. Bau-Inspektor Schmidt einen Bauplatz für die Kirche ausmachen und die Baukosten berechnen.  

 

  1. Jan. Erklärung des Treuhänders Thränhardt (St.-A. Nr. 347)

Im Auftrag des Spenders erklärte er nochmals, dass die durch Staatsschuldscheinen abgesicherten 5.000 Mark  Zug und Zug nach Baufortschritt der Gemeinde  ausgezahlt werden.

 

  1. Jan. Aufstellung der Personalkosten der Kirchendiener von Pforte (St.-A. Nr. 347)

Die Einbußen für den   geistlichen Inspektor, den Diakon, den Musikdirektor bei Begräbnissen und Trauungen, den Kirchendiener, den Präkantor, den Organisten und den Kalkulator für die Kösener Gemeinde bei einer Abspaltung bezifferte Landessschule auf jährlich 314 Taler. Diese Aufstellung veranlasste das zuständige Ministerium die Stelle des Diakons zu kassieren.

 

  1. Feb. Gemeindeversammlung bei Hämmerling (St.-A. Nr. 347).

Für die Unterschriftleistung der Erklärung hatte Lepsius  die Hauswirte  einbestellt. Von denen waren erschienen, der Ökonom und Weinbauer Christoph Hildenhagen, Kammmacher J. G.Oertel, Kunstwärter Christoph Eisenschmidt, Mehlhändler Carl August Fuchs, Alumnenaufwärter Gottlieb  Vogel, Schuhmachermeister Christian Luckenbacher, Sattlermeister Traugott Judersleben, Quartiermeister Carl Türbisch, Salzsieder Christian Schröder, Kunstwärter August Scheufler, Salzsieder Gottlob Biertümpel, Zimmermann Gottfried Herrmann, Salzsieder Christoph Schulze, Salzsieder Gottlob Rühlmann, Böttchermeister Christian Gundermann, Salzsieder Friedrich Törpsch, Maurergeselle Gottfried Schleicher, Maurermeister August Werner, Musikus Carl Saalborn, Büchsenmacher Christoph Nette, Salzsieder Christian Heckenberg, Sattlermeister Andreas Haun, Bäckermeister und Ortsrichter Salomon Hämmerling, Wagnermeister Gottfried Hädicke, Bäckermeister Gottfried Kleinschmidt, Bäckermeister August Hämmerling, Chausseeeinnehmer Carl Friedrich Döring, Gastwirt Samuel Weber, Quartiermeister Christian Törpsch, Holzhändler Gottlieb Pechmann, Schmiedemeister Häring, Zimmerergeselle August Klitzsch, Gradierer Carl Reinhardt, Salzläder Christian Schlunk, Fleischermeister Heinrich Matthes,  Salzsieder  Gottfried Streuber, Salzsieder Gottlob Wagner, Floßbote Gerlach Scheufler, Förster Friedrich August Kirnmes, Kassenwärter Friedrich Zwingenberg, Salzläder Gottlob Thieme, Salzsieder Gottlob Streuber, Maurergeselle Lorenz Ziegler, Maurergeselle Johann Hoyer, Zimmerergeselle Christian  Schulze, Leinewebermeister Gottfried Müller, Salzsieder Carl Raufuß, Lohnfuhrmann Christian Hörold, Salzsieder Christian Kreutzmann, Salzläder Adolph Reinhardt. Die Gemeinde erklärte, dass sie sich der Parochie Hassenhausen anschließen will, da die Verbindung durch die Chaussee bequemer als nach Punschrau sei. 200 Taler wurden der  Hassenhausener Kirche für die Betreuung der Kösener Filialkirche zugesagt, deutlich weniger als  Pforte berechnet hatte. Außerdem sollte ein Kirchenbaufond eingerichtet werden, wo Spenden für den Kirchenbau gesammelt wurden. Alle  Anwesenden unterschrieben das Protokoll, das Lepsius beglaubigte.  

Das war eine der letzten Amtshandlungen des Ortsrichters Hämmerling. Kurz übernahm  Christoph Nette, ein gelernten Büchsenmacher, geboren 1802 in Schafstädt, das Amt, das er bis 1844 inne hatte. Sein wohnhaus war die Lindenstraße 56, heute die Nr. 21. Nette starb 1868. 

 

  1. Feb. Erklärung der Hassenhausener Gemeinde (St.-A. Nr. 347).

Die im Gasthof versammelte Gemeinde erklärte ihr Einverständnis für eine gemeinsame Parochie mit Kösen, wenn ihr dadurch keine Nachteile entstehen „Es wird keiner in der Gemeinde seyn, der nicht unserm Herrn Pfarrer eine ihm zugedachte Verbeßerung seiner Stelle gönnen sollte“. Meinten Johann Christian Meißner (Richter), Gottfried Hering, Friedrich Schmidt, Paulus Frenkel, Gottlob Heßelbarth, Friedrich Meißner, Gottfried Gentzsch, August Schumann jr, Christian Schöneburg, Christoph Soff, Christian Becker, Gottlob Kayser, Friedrich Krippendorf, August Schumann sen,  Michael Ehrhardt, August Schmidt, Johann Gottfried Müller, August Radestock, Gottlob Häßiger, Friedrich Hartwig, Johann Christian Maul, Gottfried Kohlschmidt, Gottlob Soff, Christoph Theile, Car Soff, Döhler, Gottfried Härtel, Johann Michael Walter, Andreas Hänsgen, Friedrich Riedt, Benjamin Ritter, Johann Gottlieb Barthel, Gottlob Ritter, Christoph Meißner

 

  1. Feb. Erklärung des Hassenhausener Pfarrers Gottlieb Römpler (St.-A. Nr. 347)

Der erklärte sein Einverständnis, die Kösener Filialkirche zu betreuen. Neben den in Aussicht stehende rund 200 Talern jährlich erbat er sich weitere 30 Taler für die Kosten eines Fuhrwerks, da er den Weg nicht ständig zu Fuß zurücklegen könne.

 

  1. Feb. Erklärung des Patrons der Hassenhausener Kirche (St.-A. Nr. 347)

Der Rittergutsbesitzer Georg v. Burkersroda zu Burgheßler, erklärte sein prinzipielles Einverständnis, soweit seine Vorstellungen und Wünsche berücksichtigt würden. Dabei sollten die    Patronatsangelegenheiten ähnlich wie in Obermöllern geregelt werden, wo das Patronat den Rittergütern Klosterhäseler und Burgheßler bei der Vereinigung mit  Niedermöllern und Pomnitz belassen wurde. Er wäre bereit das Patronat über Kösen bei Pforte belassen, wenn ihm die Einsetzung des Pfarrers vorbehalten bleibt. Das angebotene Honorar erachtete er als zu gering  in Anbetracht der steigenden Zahl der Einwohner. 300 Taler und ein unentgeltlicher Mittagstisch, wenn der Pfarrer in Kösen weil, wären angemessen.  

 

  1. Feb. Auflistung der Bewohner des Armenhauses (MER C50 Nbg. A Nr 484)

Baden, 54 Jahre, Stand: der Vater war Gastwirth in Kösen

Lebensverhältnisse: War ehedem verheiratet, ist nachdem sie in ärmlichen Zustand gerathen vom Manne geschieden worden, mithin wegen großer Mittellosigkeit  in hiesigen Armenhause, übrigens gesund. Beschäftigung: keine  , Nahrung: bezieht wöchentl. 8 Groschen Almosen, bekommt auch übrigens  Gaben durch Mildthätige.

Köttnitzen: 28 Jahre, Stand: von Haus aus arm

Lebensverhältnisse: Dieselbe hat, weil sie verheiratet war ehelich drei Töchter, wovon 2 versorgt und gegenwärtig nur noch eine von 15 Jahren bei ihr ist, sie selbst leidet wegen schlechten Lebenswandels an gefährlichen Krankheiten

Beschäftigung: Spinnen Nahrung: durch Spinnen und kleine Gaben anderer.

Hänscheln, 74. Jahre, Stand: ihr Mann war Huthmann  zu Hassenhausen, ganz arm

Lebensverhältnisse: Derselbe ist mit Tode abgegangen und weil diese Frau von hier gebürtig im Armenhaus befindlich , sonst bei ihren Alter gesund

Beschäftigung: Erzieht ein kleines Kind, Nahrung: erhält angeblich 12 Groschen Ziehgeld, wovon sie angeblich sich nährt.

Dammen: 55 Jahre, Stand: ihr Mann war Maurergeselle

Lebensverhälniß: ist nicht von Kösen gebürtig, sondern von Punschrau, nachdem sie aber Wittwe geworden, hier ihr Unterkommen im Armenhause gefunden, hat ihre Leibes-Constitution von der Art, dass dieselbe sehr  gut Arbeiten verstehen kann.

Beschäftigung: Spinnen, Nahrung: Ernährt sich durch Spinnen

Stangen 40 Jahre, Stand: Vater war Floßbote jedoch ganz arm

Lebensverhältnisse: hat unehelich zwei Kinder und zwar Söhne, wovon der eine  15 und der zweite 3 Jahr alt sind , übrigens gesunder Körper

Beschäftigung: Taglohn, Nahrung: Nährt sich und die Familie davon

Lasen, 34 Jahre, Stand: ihr Mann war Tagelöhner

Lebensverhältnisse: Ist Wittwe, hat zwei Töchter  wovon die eine 10 Jahre die zweite 6 Jahr  alt ist, ebenfalls gesunden Körpers

Beschäftigung: Tagelohn, Nahrung. Nährt sich davon und ihre Familie.

Fritschen: 74 Jahre, Stand:  Ihr Mann war Tagelöhner,

Lebensverhältnisse: Ist Wittwe und der oben genannten Lasen ihre Mutter, wegen Alter etwas schwächlich

Beschäftigung. Spinnen, Nahrung: Theils durch Spinnen sowie auch wöchentl. durch 4 Gr. Almosen

Zwingenbergern. 43 Jahre, Stand des Vaters: Tischlermeister 9. 2.1830

Lebensverhältniß: geisteskrank, sonst zu gewöhnlichen Arbeiten fähig.

Beschäftigung: Im Winter keine, im Sommer Tagelohn

Nahrung: Im Winter wird dieselbe durch mildthätige Menschen erhalten, im Sommer aber verdient solche Tagelohn.

 

  1. Feb. Nachweis des Floßzolls (MER C48Ic, 1686).

Die Zollverwaltung hatte für 1828 und 1829 eine tabellarische Übersicht über den Floßbetrieb aufgestellt. Demnach passierten 1828 1.857 Flöße mit insgesamt 63.383 Bau- und Schneidstämmen den Wehrdamm. 1829 waren es 1.882 Flöße mit 65.908 Stämmen. Als Auflast wurden jede Menge Bretter, Bohlen, Schwarten, Latten, Hängebäumen, Wagenachsen, Leiterbäumen, Radfelgen, Speichen, Weinpfählen und Hopfenstangen mitgebracht. Der Kösener (Einfuhr)-Zoll erbrachte 1828  7.617 Taler und 1829 7.306 Taler. Dazu kamen das Rechengeld und das Saalecker Geleit das von jedem über den Wehrdamm gehenden Floß erhoben wurde.

 

  1. Feb. Schreiben der Lokaldirektion an das Oberbergamt (Mager, Judersleben).

Die teilte mit, dass der Salinenbaumeister Judersleben am 24. d. M. verstorben war und dessen hinterlassene Dienstunterlagen in der Salinen-Repositur verwahrt werden. Darunter waren  Reiseberichte und zahlreiche Pläne und Risse der Kösener und Dürrenberger Saline. Zum Nachfolger von Judersleben ernannte das OBA den Bauinspektor Haun.

 

  1. Mär. Kostenvoranschlag für den Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Der erste Überschlag des Kgl. Kreisbauinspektor Schmidt ergab eine Summe von 12 bis 14.000 Talern. Daraufhin wurde er vom Landrat angewiesen, mit dem disponiblen Kapital von derzeit 5.000 Talern eine „anständige Kirche“ für 900 bis 1000 Personen zu kalkulieren und wegen der wenigen Mittel zunächst auf Turm und Orgel zu verzichten.  

 

  1. Mär. Verhandlung zur Witwen- und Waisenpensionen (WER Rep. F 23 VII Nr. 1).

Die Knappschaft der Saline und der Mertendorfer Kohlegrube hatte die Erhöhung der Pensionszahlungen von 4 Talern für Witwen und  für Waisen bis zum 14. Lebensjahr beantragt. Dafür wollten sie ihren bisherigen Beitrag, 5 Silbergroschen von jedem verdienten Taler,   angemessen erhöhen. Das OBA genehmigte die Erhöhung sowie die Anschaffung eines „vollständigen Leichengeräthes“ aus der  Knappschafts-Kasse. Die Vereinbarung unterschrieben für das OBA die Beamten Schweingel, Haun und Pauli und für die 70 Knappschaftmitglieder der Vorstand, die Gradiermeister Zedel und Törpsch, die Siedemeister Weise und Wolff, der Maurermeister Werner, der Kunststeiger Dönicke, der Kohlenaufseher Einbeck, die Kunstwärter  Schäfer, Wolf, Eisenschmidt und Schleicher, sowie der Grubensteiger Franke und der Bergmann Hesse. 

 

  1. Mär. Gutachten des Bau-Inspektors Schmidt zum Kirchenbauplatz (St.-A. Nr.

Nach Rücksprache mit dem Ortsrichter sollte die Kirche hinter dem Chausseedamm unterhalb der Ilske am Weg zu den Saalhäusern gebaut werden. Zwar würde der  Chausseedamm die  Kirche verdecken, aber da „der Ort im Aufblühen begriffen, Mangel an Bauplätzen eingetreten ist, und um diesen zu begegnen, es am Ende möglich werden wird, das sogenannte Salinenfeld zu bebauen.“, meinte Schmidt abschließend.

 

  1. Apr. Anweisung des Finanzministeriums (MER C48IIIb , 5522a).

Die Rückgabe der Stapel sollte bis zum 22. Juni erfolgen, um die Pacht bereits für das laufende Jahr einzusparen. Außerdem sollte der Landesschule das Floßamt angeboten werden. Für das Küchenholz sollte ein Teil des oberen Stapels am ehemaligen Rechen auf weitere sechs Jahre gepachtet und die Belegung mit der altenburgischen Flöße vereinbart werden. Der Landesschule wurden zukünftig 40 Klafter Holz in Aussicht gestellt. Wegen des strittigen  Scheitbach sollte ein Gutachter feststellen, ob das Gerinne für die Scheitholzflöße errichtet wurde oder bereits früher bestanden habe.

 

  1. Apr. Gutachten des Salinenbaumeisters Haun zum Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Der hatte im Auftrag des Ortsrichters Nette den vom Bau-Inspektor Schmidt vorgeschlagenen Kirchenbauplatz untersucht und in 4 Fuß Tiefe einen sandig-lehmigen Boden angetroffen, der hinreichende Standsicherheit bot.

 

  1. Apr. Stellungnahme des Provinzial-Schulkollegiums (MER C48IIIb 5522a) .

Dort bestand man auf die vereinbarten 80 bzw. 40 Klafter Scheitholz, erklärte sich aber mit der Verpachtung des oberen Stapels, der Übernahme des Floßamtes und der Annahme des Gutachtens über den Scheitbach einverstanden.

 

  1. Mai Stellungnahme der Salinenverwaltung zum Kirchenbauplatz (St.-A. Nr. 347)

Der Landrat hatte die Lokalverwaltung erst Anfang April darüber informiert, dass für den geplanten Kirchenbau das zur Gasthofpacht gehörenden Feld auf Eignung untersucht würde. Doch dazu wäre die Zustimmung des Oberbergamtes erforderlich, weshalb der Gemeinde alle Aktivitäten auf dem Pachtfeld untersagt wurden. 

 

      Mai Übergabe der  „schola collecta“ (A. C. Ende 1844).

Für die  Privatschule wurde ein Predigtamtskandidat von den wohlhabenderen Familien Alt-Kösens eingestellt. 

 

  1. Juni Verhandlung zur Witwenversorgung (WER Rep F23 VII Nr. 1).

Den Witwen Christiane Louise Heinze, Friederike Sophie Streuber und Johanna Albertine Krüger, die sich im hohen Alter und in  „bedrängter und hülflosen Lage“ befanden, wurde die Witwenpension auf 27 bzw. 28 Taler erhöht.

 

  1. Juni Mitteilung der Kgl. Regierung zum Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Der Antrag der Gemeinde auf Überlassung eines Bauplatzes für die Kirche auf dem Gasthoffeld sei dem Oberbergamt in Halle zugeleitet worden.

 

  1. Juli 100 Jahrfeier der Erschließung der Solequelle (NKB Nr. 30).

Nach einem feierlichen Gottesdienst begaben sich die 60 Bediensteten der Saline und die 20 Mertendorfer Bergknappen mit den Ehrengästen aus Dürrenberg, Artern und Schönebeck zur Tafel im Salinengasthof. Die Festansprachen hielten Salineninspektor Senff, Landrat Lepsius und der Salinendirigent von Artern, Bergrat  Backs. Aus diesem Anlass hatte die Lokalverwaltung auch ein Ölgemälde Borlachs anfertigen lassen, das nun enthüllt wurde. Eine reichlich idealisierte Darstellung des jugendlichen Borlachs, denn es gab niemanden mehr, der Borlachs noch zu Lebzeiten kannte. Außerdem waren Bilder der kursächsischen Bergbeamten v. Heinitz und v. Hardenberg, sowie eine Silhouette des Baumeisters Schröter  zu sehen.

Am Nachmittag gab es den obligatorischen Umzug, den auch diesmal die Schulkinder anführten, dann feierten die Arbeiter im Zimmereischuppen, allerdings ohne die Lokalbeamten.

 

  1. Juli Schreiben der Ortsrichters wegen der Kostenumlage für den Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Richter Nette lehnte die vom Bauinspektor Schmidt in Rechnung gestellten Kosten für die Vermessung, die Kartierung und  den Kostenvoranschlag ab, weil der Landrat den Auftrag erteilt habe. Außerdem gäbe es jetzt schon bei der Erhebung der Gelder für die neue Schule „einige, die bösen Willen zeigen und auf Stundung und Ratenzahlung gebeten haben.“

 

  1. Juli Die Badeliste hat 34 Nummern (NKB Nr. 28).

 

  1. Juli Mitteilung zum Kirchenbauplatz (St.-A. Nr. 347)

Nachdem das OBA die Abtretung des Bauplatzes vom Gasthoffeld hinter dem Chausseedamm abgelehnt hatte, wurde der Landrat angewiesen, dem Spender mitzuteilen, dass wenn er auf diesen Platz und den sofortigen Baubeginn beharrt, der Kirchenbau nicht verwirklicht werden kann.

 

  1. Juli Gelage von 43 Studenten aus Halle auf der Rudelsburg (Stangenberger)

Eine Eintragung im Fremdenbuch kam vom „stud. theol. C. L. E. aus Wertheim“.

 

  1. Juli Schreiben des Treuhänders Thränhardt an den Landrat (St.-A. Nr. 347)

Lepsius hatte den Treuhänder über die Entscheidung des OBA und der Kgl. Regierung unterrichtet. Doch der unbekannte Spender gab sich damit nicht zufrieden. In seinem Auftrag verlangte Thränhardt den gesamten Schriftverkehr der Behörden sowie alle Protokolle, Zeichnungen etc. Die wollte der Spender dem Staatsminister  von Altenstein in Berlin vorlegen, damit dieser Vortrag beim König halten könne. Falls Lepsius die Unterlagen nicht aushändigen könne oder wolle, sollte er persönlich beim Staatsminister Vortrag halten, andernfalls wäre die  Finanzierungszusage hinfällig.

 

  1. Aug. Bericht des Bauinspektors Schmidt (St.-A. Nr. 347).

Lepsius, der sich sehr engagierte und nicht so einfach aufgab, hatte den Bauinspektor angewiesen, doch noch einmal mit der Lokaldirektion über einen geeigneten Bauplatz zu verhandeln. Ein angebotener Platz am Gradierwerk auf dem Rechenberg war zu weit vom Dorf entfernt, so dass   nur noch ein Platz hinter der Heunschen Badeanstalt blieb. Der gehörte allerdings auch zur Gasthofpacht, war aber landwirtschaftlich nicht nutzbar. 

 

  1. Aug. Schreiben Thränhardts an den Landrat wegen des Kirchenbaus (St.-A. Nr. 347)

„Da die Kösener Einwohner gegen den Bau einer Kirche daselbst, sich sowohl schriftlich als mündlich ausgesprochen, ja sogar ein Widerwille dagegen bemerkbar geworden, so fühlt sich der Schenkgeber der 5000 Taler bestimmt, sein Geschenk zurück zunehmen.  Denn wollte er sich auch alle Mühe geben bei den höheren und höchsten Staatsbehörden seine Absicht durchzusetzen und gelänge es (woran ich keinen Augenblick zweifle), daß durch die Gnade Sr. Majestät ein bedeutender Vorschuß erlangt und die Kirche trotz der Ungeneigtheit  des Oberbergamts Halle auf den beabsichtigten, sehr geeigneten Platz erbaut würde, so könnte er sich doch nur unter den verwaltenden Umständen, Unsegen und Undank bereiten. E. Hochwohlgeboren sind gewiß die Gesinnungen der Kösener Einwohner nur zu gut bekannt geworden, als daß eine nähere Darlegung derselben  hier nötig ist, sie sind aber leider von der Art, daß sie den Schenkungsgeber zur unwiderruflichen Zurücknahme des Geschenkes veranlaßt haben. Ich bitte daher gehorsamst, Hoher Behörde hiervon Anzeige zu machen und auf baldige Zurückgabe der von mir bestellten Kaution von 5000 Talern Staatsschuldschein anzutragen. Die für die Aufnahme des Anschlages, der Zeichnungen pp. erwachsenen Kosten, erbiete ich mich übrigens zu bezahlen.“ Thränhardt

 

  1. Aug. Erklärung des Landrates (St.-A. Nr. 347)

Lepsius war völlig desilllusioniert und teilte der Kgl. Regierung mit: „Das Benehmen des Gemeindeausschusses ist so auffallend und überraschend für mich, daß ich keine Worte finde, mein Erstaunen darüber auszusprechen. Jede Gemeinde würde über einen so bedeutenden und unerwarteten Beitrag zur Befriedigung eines so großen und so lange gefühlten Bedürfnisses, so erfreut sein, daß jeder Einzelne darinnen die stärkste Aufforderung erblicke würde, zu Beförderung des Zweckes nach seinen Kräften mitzuwirken. Die Gemeinde zu Kösen aber, oder wenigstens die Kommunvorsteher wissen diese Wohltat so wenig zu schätzen, daß sie selbst auf  die Gefahr hin, dieselbe ganz zu verscherzen, alle und jede Mitwirkung  versagen. Gleichwohl ist nicht ersichtlich aus welchen Fond die jetzt in Frage befangenen Ausgabe auch nur vorschußweise bestritten werden soll, so lange noch nicht feststeht, auf welchen Betrag zu den Baukosten aus Staatsfonds zu rechnen ist. Es bleibt mit daher nichts übrig, als Bericht zu erstatten und darauf Vertrauen, den ganzen Kirchenbau aufzugeben, da nicht einmal die Gemeindevorsteher, denen man vor andern Sinn für diese Angelegenheit zugetraut hätte, den geringsten Wert daran zu legen scheinen...“ Dabei verschwieg er wohl bewusst die Bereitschaft Thränhardts, diese Kosten zu übernehmen.

 

  1. Sep. Gastwirt Weber pachtet einen Bauplatz gegenüber vom Salinengasthof (WER).

Auf dem schmalen Geländestreifen zwischen dem unteren Schachtgebäude und dem Gehöft des Floßschreibers, das nun dem Einnehmers Döring gehörte, baute Weber das sog.  „Lange Haus“ (R.-Breitscheid Str. 1).

 

  1. Okt. Schreiben des Ministeriums an die Kgl. Regierung zum Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Die Erklärung der Gemeinde reichte nicht aus, da hier nur die Hauswirte unterschrieben hatten. Es fehlten die Hausgenossen und die Widerstände gegen eine Kostenumlage für den Bau und die Unterhaltung einer eigenen Kirche seitens der ärmeren Familien waren auch bekannt, daher  wäre  eine  „bessere Gesinnung der Gemeinde“  abzuwarten.

 

  1. Nov. Schreiben der Kgl. Regierung an den Landrat zum Kirchenbau (St.-A. Nr, 347)

Lepsius wurde angewiesen, persönlich der Gemeinde  nochmals ausführlichen Vortrag zu halten und eine „legale Erklärung“ der Gemeinde, ob diese bereit sei, einen Kostenbeitrag für den Kirchenbau  und die Einstellung eines eigenen Pfarrers sowie der übrigen Kosten zu übernehmen oder es vorzieht „unter Entsagung auf das von einem Ungenannten gemachte Geschenk das zeitherige Parochialverhältnis unverändert beizubehalten gedenke. Sollte die Gemeinde eine Annäherung zu den beabsichtigten Zweck erklären, so soll der Schenker dahingehend überzeugt werden, über das Geld nicht anderweitig zu verfügen, bis die Verhandlungen abgeschlossen werden. Sollte die Gemeinde übereinstimmend sich Nette anschließen, sollten die Staatsschuldschein zurückgegeben werden“.

 

  1. Dez. Bekanntmachung des Landrates (St.-A. Nr. 347).

„In Verfolg des Rescripts des Ministeriums vom 1. October und der Kgl. Regierung vom 4. November  haben alle Gemeindemitglieder am 13. December im Büro des Landrates, Mann für Mann, die Frauen mit ihren Ehemännern, Unmündige durch ihre Vormunde, zu erscheinen und eine Erklärung mit Namen zu unterschreiben, daß sie den Bau einer eigenen Kirche noch wünschen und erböthig sind, zur Ausführung des Zwecks, soweit dazu das Geschenk der 5000 Taler nicht ausreicht, auch aus der Staatskasse ein ausreichender Betrag nicht zu erlangen, das Fehlende unter sich aufzubringen oder entgegen gesetztenfalls auf das dargebotene Geschenk zu verzichten. Daran sei die Gemeinde gebunden, spätere Einwendungen zwecklos.“

Dann folgt das vollständige Verzeichnis aller 70 Hauswirte und 150 Hausgenossen.

 

             Eduard Löw: Die Verwaltung des inländischen Salzdebits (WER F 39 Nr. 106)

Beschreibung der Versorgung der Salzniederlagen im In- und Ausland durch die preußischen Salinen.

 

  1. Dez. Abgabe der Willensbekundung (St.-A. Nr, 347)

Im Büro des Landrates fanden sich ein: Ortsrichter Nette, Fr. Thielitz, J. G. Örtel, Fr. Krüger, A. Fuchs, G. Müller, Traugott Judersleben, Chr. Kreutzmann sen. Chr. Schlunk; C. Rauhfuß, H. Matthes, G. Sträuber,  A. Werner, C. Saalborn, Chr. Heckenberg, A. Haun, G. Hädicke, G. Heun, A. Hämmerling, Chr. Krüger und Fr. Hämmerling und erklärten, dass ihnen die Sache zu wichtig erscheine, um darüber eine Erklärung abzugeben. Es sei ihnen nicht gleichgültig, daß man in dieser Beziehung über Kösen urteile. Es sei bekannt, daß die Gemeinde fast gar keine liegenden Grundstücke habe und zu den ärmsten gehöre. Das Unvermögen des größten Teils der Gemeinde-Glieder habe die (ablehnende) Erklärung hervorgebracht. Käme es nun darauf an, eine definitive Erklärung abzugeben, so erscheine die Sache so wichtig, daß sie in diesem Augenblick ihre Ansicht von der Sache nicht zu Tage legen konnten. Hierzu gehöre Überlegung und die Einsicht der in der Sache verhandelten Acten. Sie sähen sich daher veranlaßt, auf abschriftliche Mitteilung der protokollarischen Verhandlungen zu bitte. Diese wollten sie einen Rechtsgelehrten mitteilen und von demselben ihre Erklärung fertigen lassen. Diese Letztere wollten sie binnen vier Wochen einreichen und sie tragen deshalb darauf an, bis dorthin die Sache ruhen zu lassen, teilte Landrat Lepsius der Oberbehörde mit.

Auch andere Einwohner nahmen dazu Stellung, wie der Justizkommissar Hübsch. Der dankte zunächst dem Spender … „aber der Zweck einer solchen Wohltat werde zuverläßig gar nicht erreicht werden. Die Summe von 5000 Talern reicht bei Weitem noch nicht für die Erbauung einer Kirche für einen volkreichen Ort, noch könne man die Folgekosten aufbringen“. Das Dorf sollte sich glücklich schätzen, wenn es seit jeher von einem Beitrag zu den Reparaturen der Kirche in Pforte befreit sei. Daher sollte der Staat die fehlende Summe auf die 5.000 Taler schlagen. Und der Wundarzt Friedrich Heßner schrieb: „Beiträge zum Kirchen-Bau sind mir unmöglich, indem mein Erwerb nicht zulangt, mich und meine Kinder zu nähren.“

 

  1. Dez. Mitteilung Thränhardts an den Landrat (St.-A. Nr. 347)

Der bekräftigte, dass es bei der unwiderruflichen Rücknahme des Geschenks bleibt und Lepsius teilte dem Justizkommissar Hübsch auf dessen Anfrage, ob denn das Geschenk auch für andere wohltätige Zwecke verwendet werden könnte, mit: „Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß ein unter Bedingungen und zu einem gewißen Zweck gemachtes Geschenk, diesen Zweck geordnet bleiben muß und dem Schenknehmer nicht freistehen kann, denselben eine andere Bestimmung zu geben..“ Im Januar wurde die Hauptkasse angewiesen, die hinterlegten Schuldverschreibungen für den Kirchenbau an Thränhardt  zurückgegeben werden. 

 

  1. Dez. Anzeige der Mühlenpächter C. G. Schmeißer und Chr. Fr. Kühn (St.-A. Nr. 167)

Diese hatten sich beim Landrat beschwert,  dass der Kösener Müller entgegen der Vereinbarung von 1811 alle drei Mahlgänge gleichzeitig betreiben und damit der kleinen Saale zu viel Wasser entzogen würde. Daraufhin wies der Landrat an, dass Roßner nur zwei Mahlgänge gleichzeitig betreiben dürfe. Der wiederum berief sich auf ein Gutachten des Kgl. Baubeamten, wonach er  das obere Wasserrad mit zwei Mahlgänge betrieb. Das untere Rad hätte zwar einen dritten Mahlgang, würde aber ausschließlich zum Betrieb der Ölmühle mit 9 Paar Stampfen genutzt und das im Rahmen der ihm gestatteten Wasserentnahme  von ¼ von Michaelis bis Ostern und 1/5 von Ostern bis Michaelis. 

 

  1. Dez. Bericht über den Kösen-Saalecker Floß-Zoll (MER C48Ic, 1686).

Auf anordnung des Generalsteuerdirektors erstattete der Oberfloßaufseher der Rittergutsbesitzer von Burkersroda auf Burgheßler über den Ursprung der Erhebungsstelle und der Zollerhebung. Seit jeher wurde von jedem Floß das über den Wehrdamm ging, der 20ste Teil des Warenwertes erhoben, sowohl in bar als auch in natura. Dazu kam 1611 ein Rechengeld von 2 Silbergroschen  sowie das wesentlich ältere Saalecker Geleit von 6 Silbergroschen je Floß. Seit 1753 unterlagen dann Stämme und Holzwaren die bereits oberhalb des Wehrdammes verkauft wurden der Landakzise. Alle diese Abgaben wurden auch nach dem Wechsel nach Preußen in unveränderter Höhe von dem als Nebensteuerstelle I geführten Floßzollamt erhoben. 

 

1831   

 

  1. Jan. Antrag des Orstrichters wegen eines Ortsarmen (MER C 50 Naumnburg A Nr. 393)

An E. Hochlöbl. Landrathsamt

Da sich neben den beiden von E. Hochwohlgeb. mir namhaft gemachten noch einer in ebendenselben geisteskranken Zustand hier befindet, namens Carl Zwingenberg, welcher gegenwärtig sehr entkleidet ist, da derselbe jetzt verdienstlos und milder Gaben ...bedarf .., auch da es gerade einen Rock oder etwas  ähnliches anlanget, finde ich mich in Folge dieses sehr veranlaßt E. Hochwohlgeb. hierdurch gehorsamst zu bitten, gestatten zu wollen, daß ich, da sich eine Gelegenheit bietet, denselben einen schon getragenen Rock für wenig Kosten, von den noch in der Kasse habenden, eingekommenen Gelde der Kurgäste kaufen könnte.

Auch habe ich mir erlaubt, im festen Vertrauen, daß E. Hochwohlgeb. es genehmigen würden, in das hiesigen Hospital von demselben Gelde  Holz zu verteilen“.

Daraufhin verlangte der Landrat eine nähere Begründung und sorgte dann für eine ärztliche Untersuchung. Der Kreisarzt stellte fest, dass Zwingenberg zwar geistig etwas zurückgeblieben, aber körperlich so gestellt sei, dass er durch Arbeit sich ernähren kann. Daraufhin wurde dem Ortsrichter aufgegeben, den Zwingenberg zur Arbeit anzuhalten. Der verschwand in den umliegenden Wäldern und bettelte in den Dörfern. Nach Festnahme durch den Gendarmen wurde er in die Arbeits-Anstalt in Zeitz eingewiesen. Nach drei Monaten wieder entlassen, verfiel er wieder der Landstreicherei, worauf wieder eine Einweisung erfolgte, diesmal für zwei Jahre. Jedoch auch das half dann nichts.

 

  1. Feb. Schreiben der Kgl. Regierung an die Landesschule (MER C48III b 5523).

Wie in den Jahren seit 1810 hatte die Landesschule für die Beräumung der kleinen Saale bis zum Scheitbach gegenüber dem Floßamt 1/5 der Kosten geltend gemacht. Da aber mit Einstellung der Stapel die Gerinne nicht mehr gebraucht wurden,lehnte man die Bezahlung ab.

 

  1. Feb. Vorschlag des Provinzialschulkollegiums (MER C48IIIb 5522a).

Dem Gutachten zum Scheitbach zufolge, war es nicht eindeutig, ob der „wilde Graben“ erst von der Communflöße angelegt worden war oder schon vorher bestand. Allerdings wäre der Erhalt des Graben im Interesse der Landesschule, da bei Hochwasser ein Teil abgeleitet und so die kleine Saale und die Schule vor Schaden bewahrt wird. Daraufhin verlangte die Landesschule die  Generalinstandsetzung des Schützes am Einfall des Scheitbaches. Beim Holzdeputat lenkte die Schule ein und verlangte ein Jahresdeputat von 30 Klaftern zumal die Verhandlungen mit der herzogl. altenburgische Kammer über eine Verlängerung der Brennholzflöße für weitere sechs Jahre liefen.

 

  1. Mär. Gutachten der Salinendirektion zum Gasthof (WER Rep. F 23I, Nr.1/4).

Nicht nur die ständigen Differenzen zwischen dem Pächter und den konzessionierten Gastwirten beschäftigten die Lokaldirektion, sondern auch die sinkende Frequenz des Gasthofes war bedenklich. Daher schlug das OBA der Oberberghauptmannschaft vor, den Gasthof am Ende der  derzeitigen Zeitpacht 1832 meistbietend zu verkaufen. 

 

  1. Apr. Stellungnahme der Lokaldirektion zum Verkauf des Gasthofs (dto.)

Ein Verkauf wäre sinnvoll, zumal dann ein ständiges Ärgernis enztfällt. Für das  Wertgutachter sollte der Ökonomie-Commissarius Lincke aus Weißenfels gewonnen werden.

 

29.Apr. Wertgutachten zum Salinengasthof (dto.).

Nach der Aufhebung des Verbietungsrechtes und der weiterer Gastungskonzession an für Schank- und Kaffeehäuser wurde vom Gutachter der Verkaufspreis auf 7 bis 8000 Talern beziffert. Für seine Bemühungen  zu denen er auch Gastwirte der Umgebung befragt hatte, berechnete Lincke 51 Taler, 24 Silbergroschen und 9 Pfennig.

 

              Abbau des Eiswehres am Einfall der kleinen Saale (in MER C48 II Nr. 776V).

Da die Landesschule den Abbau ohne vorherige Rücksprache veranlaßt hatte, meldete die Lokaldirektion dem Oberbergamt, dass der Schutz der Wasserkünste bei Eisgang nicht mehr gewährleistet sei und die Wiederherstellung erfolgen muss.

 

  1. Apr. Festlegung der Königl. Regierung zur Steuerveranlagung (St.-A. Nr. 167).

Der Ortsrichter Nette hatte die Roßnersche Mühle wegen des Ölverkaufs als Handelsunternehmen eingestuft und die Nachzahlung der Steuern seit Inkrafttreten des preußischen Gewerbe- Steuergesetzes im Jahr 1821 gefordert. Roßner weigerte sich und bekam insofern Recht, da die Reg.-Abt. für Steuern, Domänen und Forsten auf die unterschiedlichen Besteuerung und fehlende Einstufung seitens der Gemeinde hinwies. Es  folgte eine Besichtigung der Mühle durch Nette und die Schöppen Kleinschmidt und Hämmerling zwecks Eingruppierung. Der Bericht der Kommission war Grundlage für die Neuveranlagung und Roßner mußte 132 Taler zahlen.  

 

  1. Mai Rückgabe der Stapelplätze (MER C48IIIb 5522a).

Floßinspektor Jost und  Oberfloßkommissar v. Zedtwitz übergaben dem Schulinspektor Sterzel „den oberen Floßplatz mit Ausnahme des Teils zwischen dem Grundstück des Müllers Roßner  und der Quelle, wo der alte  Floßschuppen steht  und den unteren Scheitplatz von 13 Morgen zwischen dem Schäfereifeld, der kleinen Saale und den dort stehenden Weiden.“ Bemerkt wurde, dass die  Übernahme des Scheitbachs noch strittig sei.

 

  1. Juni Verfügung des Oberbergamtes (WER Rep F 23, II Nr. 5 Bd. 2)

Der Lokalverwaltung wurde mitgeteilt, dass das Provinzial-Schulkollegium die Wiederherstellung des Eiswehres am Einfall der kleinen Saale ablehnt, da  das Eiswehr in erster Linie dem Schutz der Radkünste der Saline dient.

 

  1. Juli Schreiben der Salinenverwaltung an das OBA (WER Rep. F23 III Nr. 9).

Die Weigerung des Floßamtes, sich an den Kosten der Beräumung der kleinen Saale zu beteiligen, brachte die Lokalbeamten in arge Bedrängnis, da sie ohne Genehmigung die Arbeiten beauftragt hatten. Die Landesschule hatte vereinbarungsgemäß ein Drittel der Kosten übernommen  und nun sollte das OBA von der Kgl. Regierung das offene Drittel fordern. Ärgerlich war zudem, dass man  bei der Beräumung über 2 Klafter Sinkholz  geborgen hatten, dass man hätte verkaufen können, aber dem Floßamt überlassen hatte.

 

  1. Juli Gutachten zum Verkauf des Salinengasthofs (WER ,Rep.F23,I Nr.1 Bd.4).

Bei einem Verkauf mussten die bisher bestehende Vereinbarungen und Altrechte geklärt werden. Dazu gehörte der sog. „Fröhnerstall“. Während der Dachboden dem Gasthof allein zustand, durften im Erdgeschoss seit jeher die Amtsfrönern während der Saat und der Ernte ihr Zugvieh und Gerät unterstellen. Darüber bestand keine schriftliche Vereinbarung zwischen der Landesschule und der Saline, wurde aber bisher geduldet.  Einfacher zu klären waren die vertraglichen Vereinbarungen zwischen der Saline und dem Pächter, wie die Schutt-, Dornstein-  und Kohlenfuhren sowie die Lieferung des Mistes zur Dämmung der Soleleitungen im Winter. Bei einem Verkauf musste auch die Polizeiaufsicht über den Gasthof, die bislang der Saline oblag, geändert werden. Wichtig für die Saline war die Sicherung des Kunstgestänges zum unteren Solschacht, das unmittelbar vor dem Gasthof lag und zu einem guten Teil eine bequeme Zufahrt behinderte.

 

  1. Sep. Letzte Badeliste des Jahres (NKB Nr. 36 ).

In dieser Saison waren es 97 Einträge, d.s. rund 250 Einzelgäste. Die Saison endete noch bevor es wegen einer sich ausbreitenden Choleraepidemie zu erheblichen Reisebeschränkungen kam.  Am 8. September wurde an der Elbe durch das Militär ein Sperrkordon errichtet. 10 Tage später wurden die Ortsbehörden angewiesen, Schutzkommissionen zu bilden. Es folgte die Anweisung an die Ortsrichter, Isolierstationen und Krankenzimmer einzurichten, Krankenwärter zu benennen und weitere Vorkehrungen zu treffen. Am 22. Okt. erreichte die Epidemie den Landkreis, verlief aber Dank der getroffenen Maßnahmen recht harmlos.

 

  1. Okt. Landrat Lepsius besichtigt Webers „Langes Haus“ (WER Rep F 23).

Weber hatte nun eine private Schankkonzession  für das „Lange Haus“ beantragt. Auch das wurde  abgelehnt, da das Grundstück viel zu schmal war und keinerlei Unterstellmöglichkeiten für Fuhrwerke, Kutschen, Reit- und Zugtiere vorhanden waren.

 

             Statistik der fiskalischen Badeeinrichtungen(A.-BLK).

Weil die bisher praktizierte Erfassung der Badegäste nicht ausreichte, wurde die Erfassung jedes einzelnen Badgastes und dessen Herkunft angeordnet. Auch die Solemenge, die jeder Badewirt erhielt, wurde nun eintzeln erfaßt. Damit konnte man auf die daraus bereiteten Bäder und ebenso auf den Verdienst der Badewirte schließen.

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/2).

Die Recherche leitete Freiherr v. Veltheim gemeinsam mit dem Oberbergrat Eckardt. Die  Lokaldirektion war mit Senff, Schweingel, Haun und Pauli vollzählig anwesend. Begutachtet wurde der zweite Pumpensatz im oberen Solschacht. Dank der etwas reicheren Sole konnten 200 Lasten mehr produziert werden, insgesamt 1540 Lasten (3.080 Tonnen, 61.600 Zentner). Um der Konkurrenz ausländischer Salinen zu begegnen, musste die Qualität des Salzes verbessert werden.  Doch die Versuche zur Herstellung eines grobkörnigen Salzes blieben erfolglos. Das lag einmal mehr am niedrigen Brennwert derFormkohle. Für eine Last Salz wurden 1174 Formkohlen benötigt, 34 mehr als geplant. Dennoch brachte die Saline einen Überschuss von 11.000 Talern. Die Mertendorfer Grube sollte im kommenden Jahr 40.000 (Faß)-Tonnen klarer Kohle abbauen und die Streicherei wurde angewiesen, 27 (Faß)-Tonnen  1000 Formkohlen herzustellen.

Nach der Befahrung des Wildwasserschachts, wurde die Auflassung und Verfüllung angeordnet. Bereits 1818 stand fest, dass der Schacht für die Verbesserung der Schachtsole ohne Bedeutung war. Dennoch wurde er weiterbetrieben, lieferte er doch das Brauchwasser für die  Saline und den Gasthof. Als Ersatz sollte zwischen der Chaussee und der kleinen Saale ein Brunnen abgeteuft und dessen Pumpe an die untere Radkunst angeschlossen werden, da nach der Einstellung der Soleförderung für die Gradierung, nur noch die Badesole und die Repetierpumpen am unteren Gradierhaus angetrieben wurden und somit Kraftreserven vorhanden waren. Außerdem konnten nun die Pumpensätze über Tage und der Turm des Schachtgebäudes abgeworfen werden. Die Lokaldirektion hatte die Kostenanschläge zu erstellen, damit die Mittel im kommenden Jahr etatsmäßig eingestellt werden. Wegen des fehlenden Eiswehres wurde vorgeschlagen, bei Eisgang die Wasserkünste durch vorgelegte Flöße zu schützen. Damit wäre auch der Beweis erbracht, dass das Eiswehr auch der Landesschule nutzt.

Zuletzt wurde dem Antrag des Inspektors Senff stattgegeben, der eine Laterne über der Tür zu seiner Dienstwohnung wünschte, da ihm als Polizei- und Gesundheitskommissar die Prüfung der Pässe und Legitimationen der im Gasthof Übernachtenden oblag, diese aber in der Regel erst nach Einbruch der Dunkelheit bei ihm vorstellig wurden.

 

  1. Nov. Stellungnahme des Provinzial-Schulkollegiums (WER Rep. F 23,I Nr.1, Bd.4).

Das bestand auf die althergebrachten Nutzung des „Fröhnerstalls“, das schon vor dem Verkauf des Gasthofs 1739 an die Saline bestand und daher nicht im Kaufvertrag extra erwähnt wurde. Außerdem habe man das bislang stets geduldet. Bei einem Verkauf muss der Erwerber die Mitbenutzung dulden, allerdings wäre eine vertikale Trennung des Stalles zu bevorzugen.

 

  1. Dez. Reskript der Kgl. Regierung (MER C 48IIIb 5522a).

Die Straßenverwaltung beantragte den Erwerb des Floßamtes, soweit der Platz zur Verbreiterung der Chaussee benötigt wurde.

 

1832      

 

  1. Feb. Verhandlungen zwischen Saline und Landesschule (WER Rep. F23 III Nr. 9).

Nach der Auflösung des Floßamtes mussten die Kostenverteilung für die Unterhaltung des Wehrdammes, der kleiner Saale und das Eiswehr geregelt werden.

 

  1. Feb. Kabinettsorder zur Brücken- und Chaussegeld-Einnahme (St.-A. Nr. 550)

„Ich bin auf Ihrem Bericht vom 18. v. M. damit einverstanden, daß die besondere Erhebung des Brückengeldes von der Saalebrücke zu Kösen wegfallen kann und ermächtige Sie, statt desselben ein halbteiliges Chauseegeld mehr zu erheben, daher aber die Passanten, welchen die Befreiung von Zahlung des bisherigen Brückengeldes rechtlich zugestanden hat, auch von der Entrichtung des   Chausseegeldes  soweit es Surrogat des Brückengeldes ist, ferner frei zu lassen. Bln, 14. Feb. 1832 gez. Friedrich Wilhelm“.

Befreit vom Brückengeld waren nach einer Aufstellung des Kgl. Hauptzollamtes 1.) Alle diejenigen Personen, welche von der Entrichtung des Chausseegeldes ausgenommen sind 2.) Das Geschirr und Vieh aller Einwohner des Orts Kösen 3.) Das Geschirr und Vieh aller zu den Brückenbauten und Reparaturen frohnenden Unterthanen der vormaligen Justiz-Ämter zu Pforta und Eckartsberga, wozu namentlich die Ortschaften Benndorf, Hassenhausen, Lißdorf, Nieder- und Obermöllern, Pomnitz, Poppel, Roßbach, Rehehausen, Spielberg, Taugwitz, Zäckwar, Auerstedt, Niederholzhausen, Thüsdorf, Bibra, Steinbach, Wallroda, Schimmel, Pleismar, und Hirschroda mit dem Anteil Crawinkel gehören, 4.) Das Geschirr und Vieh der Landesschule Pforte, deren Vorwerke Fränkenau und Kukulau, so wie das Geschirr der Beamten der Landesschule Pforta.“

 

  1. Feb. Ausschreibung des Gasthofs Zum muthigen Ritter.

Nicht nur in Preußen sondern auch im benachbarten Sachsen in der „Leipziger Zeitung“ und im „Intelligenz Blatt“ für den Bezirk des Königl. OLG von Sachsen wurde der Verkauf angekündigt. Das Mindestgebot lag bei von 10.631 Reichstalern, 18 Silbergroschen und 6 Pfennigen.

 

  1. Apr. Versteigerung des Salinengasthofes (WER Rep. F23,I Nr.1 Bd.4).

Oberbergrat Eckardt leitete und protokollierte persönlich die Versteigerung. Zeugen der Angebotseröffnung waren der Salineninspektor Senff, der Schulverwalter Kommissionsrat Sterzel und der Oberfloßkommissar v. Zedtwitz. Ihre Gebote gaben ab: der Chemiker G. Heun, der Mühlenbesitzer Roßner, der Amtmann Rohe, Pächter der Domäne  Fränkenau, der Pächter der Pfortaer Papiermühle, ein Kartonagenfabrikant aus Naumburg, der Seilermeister Fr. Knoblauch und der Kaufmann Pabst. Auch der Ortsrichter Nette gab im Namen der Gemeinde ein Angebot ab. Das höchste Gebot hielt der Kaufmann J. Chr. Pabst mit 10.650 Talern, gefolgt von Heun der zwar nur  4000 Taler aber dafür 360 Taler jährliche Pacht bot. Das Gebot der Gemeinde lag mit 10.640 Talern an dritter Stelle. Am Abend übergab Ortsrichter Nette noch die von 45 Einwohnern unterzeichnete Vollmacht und bat um Berücksichtigung des Gebotes. Daraufhin beschwerte sich J. Chr. Pabst wegen versuchter Beeinflussung des Auktionators.

 

  1. Apr. Die Oberberghauptmannschaft hebt das Bieterverfahren auf (dto).

Auf Grund der Beschwerde wurde ein neuer Termin bestimmt, und der Gemeinde Kösen befohlen, einen beglaubigten Nachweis zu erbringen, ob sie überhaupt zum Erwerb befugt sei. Die anderen  Bieter hatten ihre Zahlungsfähigkeit zu beglaubigen.

 

  1. Apr. Ausstellung eines Reisepasses für Fritz Reuter (LDZ 1982)

Der später als Dichter niederdeutscher Mundart bekannt gewordene Reuter, geb. 1810 in Stavenhagen war seit 1832 Student in Jena, wo er sich radikalen Studentenverbindungen anschloss. Im  Februar  1833 nahm er seine Wohnung im Camburg. Von hier aus pflegte er regen Kontakt mit dem Wirt der Rudelsburg und veröffentlichte eine kleine Schrift „Geschichte der Rudolfsburg am Saalefluße unweit Kösen gelegen“ die aber keine historischen Wert hatte. Auch das Gedicht „Der Berggeist auf der Rudelsburg“ soll aus seiner Feder stammen.

Reuter wurde in Berlin verhaftet und wegen seine studentischen Verbindungen zum Tode verurteilt, dann zu 30 Jahren Festungshaft begnadigt und schließlich auf Drängen des Großherzogs nach sieben Jahren entlassen. Danach begann sein umfangreiches Schaffen. Reuter starb 1874 hochgeehrt in Eisenach.

 

  1. Mai Zweiter Versteigerungstermin für den Gasthof (dto).

Neben den bisherigen Bietern gab auch das Oberprovinzial-Schulkollegium ein Gebot ab.

 

  1. Mai Das Bieterverfahren wird erneut aufgehoben. (dto).

Das OBA wurde angewiesen, mit dem derzeitigen Pächter Weber über einen unbefristeten Erbpachtvertrag zu verhandeln.

 

  1. Juni Weber erklärt sich bereit, den Gasthof in Erbpacht zu nehmen (dto).

Der Kaufpreis betrug 3000 Taler, die  Erbpacht 300 Taler im Jahr.

 

  1. Juni Heun beantragt eine Schankkonzession (dto).

Heun, der sich ja verpflichten musste, kein Gast- und Beherbergungsgewerbe zu betreiben, hatte sich um den „Mutigen Ritter“ beworben. Sein Bestreben war es, durch den Erwerb die leidige grundpfandrechtliche Verpflichtung für die Badeanstalt selbst zu löschen. Damit hätte er dem Wunsch vieler Badegäste nach Beherbergung oder zumindest Beköstigung nachkommen können. Da Heun nicht zum Zuge kam, beantragte er die Konzession für den angrenzenden „Kuchengarten“, sogenannt nach dessen ersten Pächter dem Schweizer Zuckerbäcker Josti. Auch wenn der Betrieb zunächst auf die Saison beschränkt blieb, so entwickelte sich hier ein gern besuchte Lokalität.

 

  1. Juni Erbpachtvertrag über den Salinengasthof (WER Rep. F.23,I Nr.1 Bd.5).

Im Namen des Kgl. Preuß. Bergwerks- und Salinenfiskus verkaufte das OBA, vertreten durch v. Veltheim und Eckardt den gasthof dem bisherigen Zeitpächter Johann Samuel Weber. Dazu gehörten der Gasthof mit Stallungen, Scheune, Hof und zwei Torwegen, das Brau-, Malz- und Darrhaus samt Keller und Brunnenhaus, 16 ¾ Acker Land am „Jackenberge“, am Nikolausberge hinter dem Floßhaus, am Kösener Berg und 3 Morgen Wiese neben der Mühle. Einschränkend wurde bestimmt, dass bei einer Veräußerung oder Belastung der Salinenfiskus zustimmen muß und dass bei Veränderungen der Baulichkeit die für die Saline nötigen Anlagen und Maschinenwerke  in keiner Weise behindert werden dürfen. Außerdem verpflichtete sich der Käufer im Bedarfsfall, dem Salinenfiskus, Flächen für den Betrieb zu überlassen. Diese dinglichen Rechte wurden am 16. Mai 1834 im Grundbuch eingetragen und betrafen alle bebauten und unbebauten Grundstücken. Nach der Einstellung der Saline bereiteten diese Grunddienstbarkeiten erhebliche Probleme, wegen des fehlenden Rechtsnachfolgers. Die Benutzung des „Fröhnerstalls“ wurde nicht geregelt, sondern  dahingehend formuliert, dass Weber den Gasthof erwirbt „wie solcher...dem Königlichen Salinen-Fiskus.. von der Landesschule Pforta ... unterm 29. Mai 1739 abgeschlossenen Kauf-Contract verkauft wurde“. Damit waren Streitigkeiten schon absehbar.

 

  1. Juni Übergabe des Salinengasthofes durch Oberbergrat Eckardt.dto.).

Gleichzeitig wurde seitens des OBA angeordnet, dass die Marken die zum Empfang der  Badesole berechtigten, nur noch vom  Salinendirektor persönlich ausgestellt werden und nicht mehr vom Rendanten.

 

  1. Aug. Beschwerde des Provinzial-Schulkollegiums (WER, Rep. F23,I Nr.1 Bd.5).

Bereits kurz nach dem Eigentumswechsel hatte Weber den Amtsfrönern die Nutzung des Stalles untersagt, worauf sich der Schulbeamte beim seiner übergeordneten Behörde beschwerte.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der Ballade „Die Rudelsburg und Burg Saaleck“ (NKB).

Der Verfasser war ein gewisser Adolph Franke, der damit den Stoff für die späteren Autoren lieferte, und so die Legende von den Raubrittern einem größeren Publikum bekannt wurde, deren Treiben erst von der Naumburger Bürgerschaft ein Ende bereitet wurde.

 

  1. Nov. Verhandlung über die Nutzung des Frönerstalls (WER, Rep.F23,I Nr.1 Bd.5).

Zwischen Oberbergrat Eckardt, Gastwirt Weber und Prokurator Stubenrauch wurde eine  einvernehmliche Lösung zum  „Frönherstall“ getroffen. Da Erdgeschoss wurde geteilt und Weber  versprach, falls mehr Platz gebraucht würde, die Pferde der Schulökonomie und der „Fröhner“ auch im Stall des Gasthofes einzustellen und verzichtete auf die von der Landesschule zu erbringenden Reparaturen am Gasthof. Dafür erließ ihm die Landesschule die Erbpacht für das „Lange Haus“. Außerdem verblieb der über den Hof führenden Abzugskanals der Schäferei, bis eine bessere Lösung gefunden sei. Außerdem einigte man sich über den Tausch der Weberschen Wiese zwischen dem Chausseedamm und der alten Heerstraße. Damit konnte der Teil parzelliert und bebaut werden. Die Genehmigung wurde im April 1833 erteilt.

 

  1. Dez. Bericht der Kgl. Regierung an das Finanzministerium (MER C48 IIIb 5523).

Das Provinzialschulkollegium und die Kgl. Regierung informierten ihre  übergeordneten Ministerien über die erfolgte Rückgabe der Stapelplätze. Hinsichtlich des Scheitbaches sollte der bleiben, die Kosten für die Instandsetzung der Schützanlage zur kleinen Saale wurden geteilt, wobei die angebotenen 200 Talern der Kgl. Regierung aber zu wenig waren. Dagegen bestand die Landesschule auf das Holzdeputat, nachdem der Vertrag mit der altenburgischen Flöße auf weitere sechs Jahre verlängert wurde und der Holzplatz an der Mühlenwiese belegt wurde.

 

  1. Dez. Der Minister genehmigt den Kaufvertrag über den Gasthof (WER Rep. F 23 I Nr. 1).

 

   Gründung der „Schützengesellschaft zu Kösen ao. 1832“. (St.-A. Nr. 391)

 

   Einbruch in der Landesschule (WER D 34 Anh. 1/603).

Der Maurerlehrling Reichart aus Kösen hatte versucht, die Schulkasse zu stehlen.

 

1833     

 

  1. Mai Anordnung des Staatsministers v. Klettwitz (MER C48IIIb Nr. 5522a).

Der Vize-Präsident der Provinz legte nach Rücksprache mit dem Finanzminister und der Kgl. Regierung die Modalitäten zur Übergabe des Floßamtes fest. Das Anwesen war 1722 Taler wert,  die man beim Verkauf des Abbruchmaterials erzielen könnte. Dafür bekam es die Landesschule zurück, die es umgehend der Chausseeverwaltung weitergab. Diese zahlte den ermittelten Wert  direkt an die Floßkasse. Die Landesschule behielt diejenigen Flächen mit den darauf befindlichen Baulichkeiten,  die für die Erweiterung der Straße nicht benötigt wurden.

 

  1. Juni Weber beantragt die Überlassung des „Fröhnerstalls“ (WER Rep.F23,I Nr.1 Bd.5).

Die getroffenen Vereinbarung hatte sich als unzweckmäßig erwiesen, denn dem Gasthof mangelte es nicht nur an Unterstell- sondern auch an passenden Erweiterungsmöglichkeit, daher versuchte Weber, der Schule den gesamten Stall abkaufen.

 

  1. Juni Antrag der Salinendirektion zur Polizeiaufsicht (dto).

Wie bereits im Gutachten zum Verkauf des Gasthofes seitens der Direktion angemerkt, wollte diese von der polizeilichen Aufsicht über die einkehrenden Gäste entbunden werden. Alle Übernachtungsgäste (außer denen, die dem Ansehen nach den höheren Ständen zuzurechnen waren)  hatten sich beim Salinendirektor unter Vorzeigung ihrer Papiere an- und abzumelden. Außerdem wurde die Salinendirektion bei Streitereien, Diebstählen und anderen Vergehen im Gasthof in Anspruch genommen. 

 

      Aug. Situationsplan der Saline (MD F 38 Risse Nr. 404).

Grundlage dafür war der Plan von G. Colditz aus dem Jahr 1817, den der  Bauinspektor Haun für die Belange der Feuerversicherung verwendete. Das betraf die Dachdeckung und die Gebäude mit Feuerungsanlagen. Die Produktionsgebäude waren ausnahmslos  mit Ziegeln, die Nebengebäude mit Holzschindeln gedeckt. Zu den ersteren zählten die drei Siedekote, das Salzmagazin,  neun Kohlenschuppen, die Pfannenschmiede, die Glaubersalzfabrik, das Kassengebäude mit der Rendantenwohnung, die Schachtgebäude, die Radstuben, der Düngesalzschuppen und der Spritzenschuppen. Dazu kamen die Wohnungen der Gradiermeister (E. Breitscheid-Str. 17/17a) und die des Kohlenaufsehers (Loreleyprom. 4)

Der Plan zeigt auch die Pachtschäferei (der alte Schafstall zwischen dem unteren Schacht und dem unteren Gradierwerk war inzwischen abgebrochen) und Webers Gasthof ,mit dem Brau- und Malzhaus am Wehrdamm und das „Lange Haus“. Die privaten Hausbesitzer waren der Einnehmer Dörings (Naumburger Str. 1), die Witwe Häun (Naumburger Str. 2), der Bäcker Hämmerling (Naumburger Str. 3 u. 4), der Holzhändler Bechmann (Loreleyprom. 5), der pensionierte  Gradiermeister Törpsch (Solschacht 2), die Witwe Arnold (Solschacht 1), der  Schmiedemeister  Therkorn (R. Breitscheid Str. 10), die Witwe Deistung (Nr. 14) und der Dürrenberger Kunstmeister Müller (Nr. 16).

 

      Aug. Probebetrieb des  „Wellenbades“  (in WER Rep. F 23X Nr. 22/1).

Die Salinenverwaltung hatte im Unterlauf der oberen Radkunst ein gemauertes Becken angelegt, das mit überdacht und mit einem Sichtschutz versehen war.  Die Wellen erzeugte das Rad. Zur Sicherheit vor losgehenden Schaufeln und dem Abtreiben in die Stromsaale schützen zwei Rechen. Trotz der späten und unvollkommenen Fertigstellung wurden bis Ende der Saison 150 Bäder a 2 Silbergroschen abgegeben. Für die kommende Saison sollte das Wellenbad durch einige Annehmlichkeiten verbessert werden.

 

      Sep. Badeliste 1833  (NKB 25-37).

Es waren 72 Einträge, deutlich weniger wie im Vorjahr, was wohl auch die Lokaldirektion veranlasst haben mag, mehr für die Bequemlichkeit der Badegäste zu tun. Unter den Badegästen befand sich die Gattin des Staatsministers von Dankelmann nebst zahlreichen Gefolge aus Berlin.  

 

  1. Okt. Vergleich zur Unterhaltung des Eiswehres (MER C 48II Nr. 776V).

Landesschule und Saline vereinbarten, dass man sich die Kosten für das Eiswehr am Einfall der kleinen Saale teilt.

 

  1. Nov. Anordnung des OBA zur Neubesetzung des Salzamtes (WER Rep F 38 V A).

Nach dem Tod Bischofs im Juni 1832 übernahmen zunächst der Obereinfahrer v. Bülow und der Salinenassessor Graf v. Seckendorff die Leitung. Das Dürrenberger Salzamtes Salzamtes, zu dem neben den Salinen Kösen und Artern auch die Teuditz-Kötzschauer Salzmagazine und die Kohlengruben bestand nun aus dem Salineninspektor Backs, dem Bergassessor Graf v. Seckendorf und den Gradierinspektoren Ebers und Theune.

 

  1. Dez. Auszug aus dem Floßamt (MER C 48IIIb 5522a).

Oberfloßkommissar v. Zedtwitz verließ nach über 30 Jahren mit seiner Familie seine bisherige Wirkungsstätte. Es verblieb eine Nebenzollstelle, zuständig für den Floßzoll, der von einem Oberkontrolleur von allen Flößen erhoben wurde, die in den Floßzollbezirk lagen und über den Wehrdamm wollten. Sei  Domizil war das ehemaligen Rechenwärterhaus (Loreleypromenade 7). Die Aufsicht über den Holzplatz und den Verkauf des Küchenholzes sowie die Belieferung der Saline und der Landesschule mit Scheitholz hatte ein Holzverwalter.

 

1834

 

  1. Jan. Dienstantritt des Gendarmen Hering (NBK).

Die Polizeiaufsicht über den Gasthof wurde der Gemeinde übertragen und da es dem Ortsrichter wegen der zahlreichen Fremden allein nicht mehr möglich war, die damit verbundenen Aufgaben zu bewältigen, wurde der Gemeinde die Einstellung eines Gendarmen bewilligt.

Hering (Jg. 1796) hatte 19 Jahre bei der 4. Gendarmerie-Brigade gedient. Zu seinem 100. Geburtstag 1896 wurde er als einer von vier noch lebenden preußischen Teilnehmern der Befreiungskriege unter dem Kommando von Wittgenstein von Kaiser Wilhelm geehrt.

 

  1. Jan. Antrag Webers auf Kohlelieferung (WER Rep.F23I Nr.1Bd.5).

Da im Kaufvertrag nicht vereinbart, wurde dem Gasthof keine Formkohlen mehr geliefert. Auf Anweisung des OBA konnte Weber 600 (Faß) Tonnen für 3 Groschen, 9 Pfennigen pro Tonne von der Saline beziehen.

 

  1. Mär. Übergabe des Floßamts (MER C48IIIb 5522a).

Floßinspektor Jost und Schulinspektor Sterzel stellten anhand der Inventarlisten fest, dass von Zedtwitz alle eisernen Ofenteile, die Türschlösser und der Kohlenherd mitgenommen hatte. Mit gesonderten Protokoll übergab dann die Landesschule das Wohnhaus der „Chaussee-Bauparthie“ vertreten durch Wegebaumeister Müller.

 

              Dr. med. Rosenberger wird Knappschaftsarzt (Hinsche, Heimatbuch).

Bislang waren die Bediensteten der Saline, wie alle übrigen Einwohner auf die Wundärzte Uhlich und Häßner und in wichtigen Fällen des Schularztes  angewiesen. Da es aber in den größeren preußischen Salinen durchaus üblich war, eigene Knappschaftsärzte zu beschäftigen, die auch einen erheblichen Beitrag zur Gesamthygiene leisteten, wie der in Groß-Salze wirkende Dr. Tolberg, wurde auch hier ein Knappschaftsarzt angestellt. Dies dürfte wohl auch vor dem Hintergrund des aufstrebenden aber zumeit wilden Badebetriebes geschehen sein, dem man durch medizinische Fachkompetenz und Überwachung in geregelte Bahnen bringen wollte. Ebenso wichtig war die den Knappschaftsärzten zugedachte Erprobung von wirksamen Mitteln gegen verschiedene und teilweise verheerende Epedemien. Wurden doch die erste Pockenschutzimpfung von Tolberg an den Kindern der salinenarbeiter erprobt und 1808 flächendeckend eingeführt. Kinder ohne Impfschein wurden vom Schul- und Religionsunterricht ausgeschlossen, die Eltern zu Geldstrafen verurteilt (WER Rep.  F43a)

Otto Theodor Rosenbergers (geb. 1806 in Goldingen/Kurland) Großvater mütterlicherseits war Johann Georg Hamann, Schriftsteller und Wegbereiter des Sturm und Drang, auch der „Magnus des Nordens“ genannt. Verheiratet war er mit Julie du Bois-Reymond, älteste Tochter von Felix Henri du Bois-Reymond, preußischer Zivilgouverneur von Neufchatel, Enkelin von Jean Henry, dem Direktor der Kgl. Preuß Kunstkammer zu Berlin, Urenkelin des Kupferstechers Daniel Nikolaus Chodowiecki. Aus der Ehe gingen 4 Kinder hervor. Ihre drei Töchter, alle wohnten in Kösen,waren zu ihrer Zeit recht bekannt: Eugenie Auguste (1838-1931), verheiratet mit ihrem Cousin dem Arzt und Kapitän Otto Luis Rosenberger widmete sich der Schriftstellerei. Sie verarbeitet die Erlebnisse ihres Mannes (Seereisen) und verfasste eine Familiengeschichte der du Bois-Reymond. Sie bewohnte bis zu ihrem Tod das elterliche Haus (Lindenstr. 11 „Fallen Anker“). Magdalena Rosenberger (1848-1939)war nicht verheiratet und  veröffentlichte unter dem  Pseudonym Rose Berger zeitgenössische Trivialliteratur. Elisabeth Rosenberger (1844-1911) heiratete 1874 den Hamburger Pfarrer Johannes Wichern, dessen Vater Johann Hinrich Wichern in Hamburg die Innere Mission  der evangelischen Kirche und das „Rauhe Haus“ gründete. Wichern gilt landläufig als „Erfinder“ des Adventskranzes. Zum Verwandtenkreis gehörten auch Otto August Rosenberger, von 1826 bis 1890 Prof. f. Astronomie in Halle, und Prof. Emil Heinrich du Bois-Reymond, Begründer der Elektrophysiologie und Mitglied der Kgl.-Preuß. Akademie der Wissenschaften.

Dr. Rosenberger beschäftigte sich schon im eigenen Interesse intensiv mit der Soletherapie und experimentierte mit den verschiedensten Behandlungsformen bei unterschiedlichen Krankheits-bildern. Zusammen mit den übrigen Knappschaftsärzten, die untereinander im regen Austausch standen, wurden hier die Grundlagen der modernen Balneologie gelegt. Die Ergebnisse wurden  vom Preußischen Staatsministerium für Medizinal-Angelegenheiten ausgewertet und verbindliche Maßnahmen zur Hebung der Volkshygiene angeordnet.

 

      Juni  Visite des Oberbergassessors von Bülow (in WER F 23X Nr. 22 Bd. 1).

Nach der Besichtigung des Wellenbades regte er einige Verbesserungen an und genehmigte, dass der Überschuss aus dem Badebetrieb von der Knappschaftskasse vereinnahmt wurde.  

 

  1. Juni Einweihung der Schule in der Lindenstraße (Nr. 24) (Hoppe, Heimatbuch 1930)

Vor dem alten Schulhaus hielt der geistliche Inspektor Schmieder die Abschiedsrede und dankte dem Kinderlehrer, der nach 24 Jahren aus dem Schuldienst ausschied. Dann ging es zum neuen Schulgebäude, wo  Landrat C. Lepsius die Einweihungsrede hielt. Das Anwesen, eines der „Sieben Häusern“ die entlang der alten Heerstraße ab 1737 gebaut wurden, gehörte einst dem Kinderlehrer Johann Ernst Hucke. Hier unterrichtete er bis 1765 dann folgte sein gleichnamiger Sohn, der sich 1772 versetzen ließ. 1788 baute die Gemeinde ein eigenes Schulhaus mit zwei Klassen in der Dorfstraße (Borlachstraße 37). Doch inzwischen gab es 200 unterrichtspflichtige Kinder, von denen 150, vorzugsweise die der ärmeren Familien, die Gemeindeschule besuchten. Die Kinder der wohlhabenderen Familien besuchten die beiden Privatschulen. Da sich die Gemeinde keinen Neubau leisten konnte und wollte, wurde das alte Schulhaus verkauft und das ehemalige  Huckesche Anwesen erworben. Die Kinder wurden nun in zwei Klassen von zwei Lehrern unterrichtet. Da der Platz aber nicht ausreichte, mussten die Klassen aufgeteilt und jeweils am Vormittag und am Nachmittag unterrichtet werden.

 

  1. Aug. Zahlungsmodalitäten für das Floßamt. (MER C8IIIb 5522a).

Die Landesschule erhielt 1.722 Taler von der Chausseeverwaltung und  bezahlte  1.894 Taler der Floßkasse. Die  Differenz von  172 Talern entsprach dem Wert der Nebengebäude, die bei die Landesschule behielt.   

 

      Sep. Veröffentlichung der Badeliste (NKB 25-33).

89 Einträge, etwas mehr als im Vorjahr, bedeuteten über 200 Einzelgäste, darunter die Gräfin v. Keller aus Potsdam,  Gattin des Staatsministers Graf Armin von Keller.

 

  1. Sep. Mitteilung des Finanzministeriums zum Brückengeld (St.-A. Nr. 550)

Der Antrag der Gemeinde auf Erlass des Chausseegeldes für die Einwohner und die Verlegung der Einnahmestelle von der Brücke außerhalb der Ortslage wurde abgelehnt und der Ortsrichter darauf hingewiesen, dass die Gemeinde vom angebotenen „Chausseegeld-Abonnement“ keinen Gebrauch gemacht habe.

 

  1. Sep. Übergabe der Holzverwalterstelle (MER 67b Nr.36).

Der Holzinspektor Jost übergab dem Holzverwalter Jähnert aus Naumburg die Aufsicht über den Holzplatz, den bisher Stange inne hatte. Zu diesem Zeitpunkt lagen auf dem Holzplatz oberhalb des Wehrdammes 1.070 Klafter (3.600 Raummeter) Weichholz und 20 Klafter Ausschussholz.

 

  1. Okt. Übergabe des Gasthofes „Zum mutigen Ritter“ (WER Rep. F 23 Nr. 1).

Johann Samuel Weber, inzwischen hochbetagt, überließ den Gasthof seinem Sohn Karl Friedrich und dessen  Ehefrau Karoline Wilhelmine geb. König. Allerdings hatte er vergessen, die dafür erforderliche Genehmigung bei der Salinenverwaltung einzuholen, was dazu führte, dass das Landratsamt dem Nachfolger zunächst die Erteilung der Konzession verweigerte.

 

      Okt.  Jahresbericht über die fikalischen Badeeinrichtungen (WER Rep. F23 X, 22/1).

Demnach benutzten 199 Auswärtige und Einheimische das Wellenbad. Vom Juni bis August wurden 685 Bäder der Liste A (Fremde mit mehreren Bädern  zum Preis von 2 Silbergroschen) und 142 Bäder der Liste B (Einzelbäder zu 2 ½ Silbergroschen) abgegeben.  Eingenommen wurden 57 Taler, und damit ein leichter Überschuss erwirtschaftet, der  zur Knappschaftskasse kam. 

 

  1. Nov. Vereinbarung zwischen dem Rat von Jena und der herzogl. Kammer (Stadtarchiv Jena).

Die herzogl. altenburgische Flöße, die laut Vertrag die großherzogl. weimarischen Stapel Jena und Dornburg belegte, vereinbarte mit dem Rat von Jena die auszusetzenden Mengen auf dem  Holzplatz am Camsdorfer Wehr. Dann folgten die altenburgischen Plätze Dornburg, Camburg und Unterneusulza sowie die preußischen in Kösen, Naumburg, Weißenfels, Merseburg und Holleben. Sowohl die herzogl.-altenburgischen als auch die großherzogl. weimarischen Amtpersonen wurden vor jeder Flöße per Mandat angewiesen, die Flöße nicht zu behindern und den Holzdiebstahl zu unterbinden. Die abgegflößten Mengen waren deutlich geringer, so dass die Flöße nicht so lange dauerte und sich die  Behinderungen für die Langholzflöße sowie der Müller und Fischer auf ein Mindestmaß beschränkten. 1867 wurde  zum letzten Mal Brennholz bis nach Jena geflößt.

 

  1. Nov. Salinenrecherche durch Oberbergrat v. Bühlow (WER Rep. F23, II Nr.5/2).

Dabei wurde der Antrag des Chemikers H. G. Heun zur  Erweiterung der Glaubersalzfabrik dem OBA zur weiteren Entscheidung zugefertigt.

 

  1. Dez Vertrag zum „Fröhnerstall“ (WER Rep.F 23,I Nr.1 Bd.5).

Der ausgehandelte Vergleich wurde vom zuständigen Ministerium genehmigt und die Rechte am 15. Jan. 1835 im Grundbuch eingetragen.

 

1835      

 

  1. Juni Anfrage wegen eines Studententreffens auf der Rudelsburg (MER C 48 Ia 205)

„An den K. Landrath Herr Lepsius, Wohlgeboren  zu Naumburg

Nach einer uns zugegangenen Nachricht hat am 1. Pfingstfeiertag auf der Rudelsburg eine Zusammenkunft von einigen dreißig Studenten aus Leipzig, Jena und Halle, denen sich Schüler aus Leipzig angeschlossen hatten, statt gefunden. Dieselben sollen die darauf folgende Nacht, nachdem sie durch den Gendarmen daran verhindert  sind, auf der Rudelsburg  zu verbleiben, in Saaleck und Kösen übernachtet haben, und zum Theil legitimationslos gewesen sein.

  1. Exc. veranlassen wir, uns die näheren Umstände, und was Sie hinsichtlich der Legitimationslosen gethan haben, innerhalb 8 Tagen anzuzeigen.“

Bei der Kontrolle hatte der Gendarm Hering festgestellt, dass sich einige nicht oder nur unzureichend legitimieren konnten. Da es sich auch um „ausländische“ Studenten, aus dem Königreich Sachsen und dem Großherzogtum Sachsen-Weimar handelte, vermuteten die Behörden politische Umtriebe.

 

  1. Juli Bericht der Lokaldirektion über das Wellenbad (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Nach dem Probelauf wurde einiges verbessert. Dazu gehörte ein An- und Umkleidekabinett und auf Anraten des Knappschaftsarztes Dr. Rosenbergers wurde die  Röhrenfahrt vom unteren Schacht, über die im Winter Sole auf die Wasserkünste gegeben wurde, um das Einfrieren zu verzögern, bis zum Dassin verlängert. Damit konnte gegen einen Aufpreis  Schachtsole in einem seitlich angeordneten Becken als Dusche oder zum Baden genommen werden. Die Anlage wurde am Saisonende abgebaut, eingelagert und zum Saisonbeginn wieder aufgestellt. Für die Betreuung wechsleten sich die beiden Kunstwärter in ihrer Freizschicht ab, wofür sie den  vierten Teil der Einnahmen erhielten. Nach Abzug aller Unkosten ging der Überschuss zur  Knappschaftskasse. Die Lokaldirektion aufgestellte Badeordnung bedurfte noch der Genehmigung des OBA. Darüber hinaus wurde auf die Vorstellung von Dr. Rosenberger und vom Ortsrichter Nette beim Landrat zur weiteren Entwicklung des Badeortes hingewiesen.

 

  1. Aug. Genehmigung des Bade-Reglements (WER Rep. F 23 X 22/1).

7 Paragrafen regelten alle die Benutzung des Wellenbades betreffende Dinge, von den  Preise und den Öffnungszeiten bis zu den Aufgaben des Aufsehers und die Beschwerdeführung.

 

      Sep. Badelisten 1834 (NKB 24 bis 35).

88 Einträge wurden registriert, darunter die Frau von Buchwald, eine Hofdame der Königin von Dänemark, Frau von Münchhausen, geb. von Hardenberg und  Frau von Holleufer, geb. Gräfin v. Hardenberg aus Merseburg, Frau Domherrin v. Trotha. geb. v. Krosigk und Gräfin von Hardenberg aus Merseburg sowie die Prinzessin von Schönburg-Waldenburg. Aber auch Künstler entdeckten das Bad, wie die Opernsängerin Madame Devrient aus Leipzig und der Direktor des Wiener Burgtheaters H. Laube, den Richard Wagner besuchte.

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr.5/2).

Berghauptmann Mertins, Oberbergrat v. Bühlow und Bergassessor Graf von Seckendorf legten fest, dass die Gradierung und Versiedung im kommenden jahr nicht verändert werden und größerer Neubauten nicht vorgesehen sind. Einzig der Neubau der Buchhalterwohnung nach dem Plan des Salinenbaumeister Haun und die Reparatur des Wehrdamms, wo sich Setzungsrisse zeigten, sollte geprüft werden.

 

  1. Dez. Reskript des preußischen Finanzministeriums (Abt. Berg-, Hütten- und Salinenwesen).

Darin wurde der Preis für ein Wellenbad auf 5 Silbergroschen bei der Inanspruchnahme von  bis zu 12 Bädern und 4 Silbergroschen bei über 12 Bädern je Badegast  genehmigt. Die Zugabe von  Sole wurde zusätzlich berechnet.

 

  1. Dez. Jahresbericht der Salinenverwaltung über die Badesaison (WER F 23 X 22/1).

Die Wellenbäder wurden 1804 besucht, die Einnahmen beliefen sich auf 176 Taler, die Kosten auf ganze 13 Taler.

 

            Weber beantragt den Kauf des Scheitholzplatzes (WER D 34 II 1834).

Wegen der ungünstigen Lage des Gasthofes suchte Weber nach einer Alternative, um mit seinem Gewerbe möglichst nahe an die Chaussee heranzukommen.

 

1836     

 

  1. Jan. Kabinetts-Order des Provinzial-Steuer-Direktors (MER C48Ic 1686).

 

  1. Jan. Beschwerde des Gastwirts Weber (WER, Rep. F23 I Nr.1 Bd.5).

Hämmerling hatte inzwischen auch für seine Bäckerei an der Naumburger Chaussee (Nr. 3/4) die Schankkonzession. Das brachte nun Weber völlig in Rage und er stützte sich nun auf die im Kaufvertrag vereinbarteFormulierung, dass er den Gasthof „wie seit jeher“, nutzen könnte. Das implizierte seiner Meinung nach auch das einst dem Gasthof zustehende „jure prohibendi“ als   Schutz vor unliebsamer Konkurrenz. Demnach wäre der Verkäufer, also der Salinenfiskus verpflichtet, ihm davor zu schützen und sämtliche Konzessionen für Gasthöfe und Schankwirtschaften von Amts wegen zu kassieren.

 

  1. Feb. Klageverfahren wegen des „jure prohibendi“ (dto).

Weber hatte sich nun einen Anwalt genommen, der die  Königliche Regierung auf  Durchsetzung der im Kaufvertrag vereinten Nutzung „wie diese der Saline bislang zugestanden war“ was nach Ansicht des Klägers das Verbietungsrecht einschloss.

 

  1. Mär. Vereinbarung zur Abgeltung der Stapelplätze (MER C48 IIIb Nr. 523).

Das Staatsministerium bewilligte der Landesschule  einen einmaligen Betrag von 588 Taler für die Instandsetzung des Scheitbachs und der Schützanlage. Beim Holzdeputat einigte man sich auf 25 Klafter jährlich, solange der Holzplatz von der altenburgischen Flöße belegt wird.

 

  1. Apr. Erlass des Ministerium für „Geistlichen Unterricht und Medicinal Angelegenheiten“.

Dr. T. Rosenberger erhielt die Genehmigung zur Einrichtung einer „Pension-Heil-Anstalt für skrophelkranke und tuberkulöse Kinder“. Die Suche nach einem passenden Anwesen für Wannenbäder, Behandlungsräume sowie Wohnungen für die Kinder, die nicht nur in Begleitung der Mütter waren, sondern das Dienstpersonal wie Kindermädchen, Köche, Kutscher, Hauslehrer etc. mitbrachten, gestaltete sich schwierig.

Zunächt hatte man ihm einen Bauplatz auf dem ehemaligen Stapel wegen der Nähe zur   Ausgabestelle für die Badesole in Aussicht gestellt. Weil sich die Übergabe des Platzes verzögerte, entsschied sich Rosenberger für einen Bauplatz an der „Alten Heerstaße“ am Abhang zur Kukulauer Wiese. Neben Rosenberger gab es noch andere Interessenten für diese Flächen. Die Landesschule wollte auch verkaufen, musste aber erst die Bauplätze aus der Domänenpacht nehmen.

 

  1. Mai Bericht des Ortsrichters Nette über die Langholzflöße (St.-A. Nr. 94)

Die Steuerbehörde beabsichtigte eine Anbindeverbot für Langholzflöße im Zollgrenzbezirk  oberhalb des Wehrdammes bis an die preußische Landesgrenze zum Schutz der Ufer, des Wehrdammes und der Brücke vor losgehenden Flößen. Dagegen wandte sich der Ortsrichter, weil viele der auf rund 800 bis 1000 Flößen mitkommenden Flößer und Händler im Dorf Geld für Lebensmittel und Dienstleistungen ausgaben. Das würde hier verloren gehen, wohingegen der Pächter des Fischhauses und die Einwohner von Heringen und Sulza profitierten. Außerdem wäre die Begründung für das Verbot willkürlich, denn der Holzhändler Bechmann aus Kösen durfte seine rund 100 Flöße weiterhin oberhalb des Wehrdammes anbinden. 

 

  1. Juli Inbetriebnahme des zweiten Wellenbades am unteren Wasserrad (WER Rep. F23 X 22/1).

Wegen der hohen Frequenz und der begrenzten Kapazität hatte die Lokalverwaltung vom   Überschuß des letzten Jahres eine zweite Anlage errichtet.  Trotz des kalten Wassers und der noch kälteren Sole (14° R), die ja direkt aus dem Schacht kam, erfreuten sich beide Anlagen einer regen Inanspruchnahme. Außerdem wurde über die Erprobung der Soledampfkammer berichtet.

 

      Sep. Badelisten 1835 (NKB 24 bis 35).

Erstmals überschritt die Zahl der Einträge die Hundert (128). Durchschnittlich hielten sich die Gäste vier bis sechs Wochen hier auf. Viele, insbesondere Familien, blieben noch länger, wenn die hygienischen Zustände in den Städte unzumutbar waren oder Epidemien drohten. Und das trotz  ständig qualmender Essen der Siedekote und einer völlig unzureichenden  Infrastruktur  Unter den Badegästen waren die Baronin v. d. Recke aus Halle, die Gattin des Reg.-Rats du Bois aus Berlin, übrigens die Schwiegermutter Rosenbergers, der Graf v. Reuß-Köstritz und Frau v. Arnim nebst Nichte aus Halle.

 

  1. Okt. Gutachten des Salineninspektors zum Holzmarkt (St.-A. Nr. 94)

Ebers forderte die Befreiung der oberländischen Flößer vom Einfuhrzoll, die Aufhebung des Anbindeverbots und die Erhebung des Anbindegeldes, weil immer mehr Händler und Flößer ihr Holz schon in Camburg verkauften und auf eine Belegung der Johannismesse verzichteten.

 

  1. Nov. Anordnung der Kgl. Regierung (St.-A. Nr. 94)

Der Holzplatz in Kösen sollte aufgelöst und die Gemeinde ihr Küchenholz vom Naumburger Holzhof  holen. Dagegen protestierte die Gemeinde weil die ärmere Bevölkerung weder in der Lage sei, dort das Holz abzuholen, noch sich größere Vorräte anzulegen. Diejenigen Einwohner, die es sich leisten könnten, würden das Holz preiswerter vom herzoglich-altenburgischen Holzplatz in Unterneusulza holen. Weil dem Fiskus bestimmte Einnahmen entgingen, wurde angeordnet, dass der hiesige Holzplatz im kommenden Jahr wieder belegt wird.

 

  1. Nov. Schreiben der Kgl. Regierung Merseburg an den Steuerdirektor (MER C48 Ic 1686).

Bei der letzten  Kreisdeputiertensitzung hatte der Rittergutsbesitzer auf Kreipitzsch von Schönberg die erlassenen Bestimmungen für die Langholzflößerei heftig kritisiert und den Niedergang der Kösener Holzmessen prophezeit. Außerdem würde die Verlegung der Zollgrenze die Holzwaren verteuern, andererseits würde das Anlegeverbot und das von der Landesschule gefordert Anbindegeld für völlig unzureichende Anlegeplätze unterhalb des Wehrdammes, die Flößer davon abhalten, überhaupt noch nach Preußen zu flößen. Davon profitierte die Camburger Holzmesse und  dem  preußischen Fiskus entgingen dafür die Steuer- und Zolleinnahmen. Daraufhin  wandte sich die Verwaltung an die Steuerbehörde, mit der Bitte im Staats-Interesse einzuschreiten.

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Rep. F23 II Nr. 5/2).

Anwesend waren Berghauptmann Ritter Mertins, Ober-Bergrat v. Bühlow und der Bergassessor Graf von Seckendorff . Nach einer Werksbesichtigung wandte man sich den produktionsergebnisse zu. Der obere Schacht brachte aus einer Tiefe von 390,3 Fuß (122 m) eine Sole mit einem konstanten Salzgehalt von 5,263 % . Die Jahresfördermenge betrug 2.168.256 Kubikfuß (67.000 m³). Nach der Verfüllung des Wildwasserschacht zeigten sich keine negative Auswirkungen auf die Solekonzentration. Die Gradierung war nicht unbefriedigend weil die Repetierpumpen nicht die volle Leistung brachten. Gesotten wurden bislang 1309 Lasten aus den Feuerkoten und 96 Lasten aus dem Aschekot, damit stand man geringfügig hinter dem Plan. Die an die  Hauptkasse zu Halle abgeführten 20.900 Taler lagen im Plan. Im kommenden Jahr sollten 1400 Lasten produziert werden, wobei eine Konzentration der Siedesole von  26,666 % angestrebt wurde.

Bei den  Bauten stand die Fertigstellung der Buchhalterwohnung bevor. Die Setzungsrisse des Wehrdammes wären nach Meinung des Bauinspektor der Landesschule unerheblich, weshalb die  Lokaldirektion die ausgebrochenen Steine wieder einsetzen und die Fugen vergießen ließ. Der damm sollte weiterhin genau beobachtet werden.

Für die Erneuerung des Kranzes der oberen Radkunst veranschlagte Haun drei Wochen, wobei man  ungünstige Gradierwitterung abwarten sollte und zur besseren Haltbarkeit sollten die Schaufeln auf „krummgewachsenen Knickstücken zu liegen kommen, die an der inneren Kranzseite angeschraubt sind“. Auf der Unterseite sollten die Schaufeln mit 3/8 Zoll starken alten Pfannenblech beschlagen werden. Eine eigens dazu angefertigte Zeichnung zeigt das Rad und das Gerinne, dessen Seitenwände und der Grund aus Holzbalken mit einem Bohlenbelag versehen waren (MD Rep. F 23 Kap. III Nr. 2). Die Lokalverwaltung beantragte bei dieser Gelegenheit die Anschaffung einer zweiten Feuerspritze. Eine Vorführung überzeugte den Berghauptmann von der unzureichenden Wirkung der alten Spritze, doch eine Neuanschaffung wurde nicht genehmigt.

Dann wurde der Antrag Dr. Rosenbergers vom 17. November erörtert, ein Soledampfbad bzw.   Brodembad nach dem Vorbild in Ischl/Österreich einzurichten. Die Lokaldirektion wurde angewiesen, die Pläne und Kostenanschläge  beim OBA einzureichen.  Außerdem verwandte sich die Lokalverwaltung für den Sohn des Dürrenberger Rendanten Porse, der eine Konzession für eine Apotheke bei der Kgl. Regierung beantragt hatte, da diese im Interesse der Knappschaft aber auch der Einwohner sei und sich wirtschaftlich tragen könnte.

 

1837         

 

  1. Jan. Gesuch der Armendeputation zu Magdeburg (MER C 50 Nbg. A Nr. 434)

Für die Aufnahme und Behandlung des mittellosen, auf  Wanderschaft befindlichen, hier gebürtigen Zimmergesellen Carl Wilhelm Grenzdörfer im dortigen Krankenhaus wurde von der Gemeindarmenkasse die Kostenerstattung verlangt und bei Weigerung mit Klage gedroht.

 

  1. Jan. Ausschreibung für die Straßenbepflanzung (NKB Nr.2)

Vergeben wurde die die Bepflanzung des ausgebauten Fahrweges von Kösen zum Vorwerk Kukulau mit  400 Kirsch- und Pflaumenbäume.

 

  1. Feb. Verhandlungs über die „Jure prohibendi“ Klage (WER Rep.F23 I Nr.1 Bd.5).

Der erste Senat des OLG Sachsen in Naumburg wies die Klage kostenpflichtig ab. In einem   ausführlichen Schriftsatz vom 17. März begründete der unter dem  Vorsitz des Vizepräsidenten Ober-Tribunalrat Mahlmann tagende Senat, dass Weber das von ihm reklamierte Verbietungsrecht gegenüber Dritten beim Kauf des Gasthofes von der Saline nicht mit erworben habe und er dieses demzufolge auch nicht einfordern könne, auch wenn in der Provinz Sachsen immer noch in einigen  Fällen die  alte sächsische Gewerbeordnung gelten würde. 

 

  1. Feb. Ablehnung eines Antrages auf Unterstützung (MER C 50 Nbg. A Nr. 434)

Das an den Landrat gerichtete Gesuch der Witwe Apitz auf Zuwendung aus der Armenkasse wurde  von der Kgl. Regierung abgelehnt. Zum einen wäre die Witwe noch in der Lage in ihrem Alter für sich selbst zu sorgen und außerdem wäre ihr volljähriger Sohn aus diesem Grunde bei der Aushebung zum „Liniendienst“ zurückgestellt worden, um sich seine Mutter zu versorgen.

 

  1. Mär. Erbpachtvertrag über den Bauplatz für Rosenbergers Sanatorium (WER D 34 1/1063)

Das Anwesen lag zwischen der Rostschen Baustelle und dem Haus der Witwe Häßner und maß 260 Qu.-Ruten (ca. 3700 m²). Nach Wibels Stadtplan von 1856 hatte Rosenberger die Nr. 70 (heute Lindenstraße 9, 11, 13) der Restaurateur Rost die Nr. 69 (Lindenstraße 5,6,7,8) und die  Witwe Häßner die Nr. 71 (Lindenstr. 15). Noch im gleichen Jahr wurden die Lindenstraße 4 (Hausmarke C. J. D. 1837) und das Baumbachsche Haus Lindenstr. 1 u. 2 (RBD Erfurt K 12.3) errichtet. Auch der Salineninspektor Senff erwarb kurz vor seiner Pensionierung einen Bauplatz (Lindenstraße 3), da er die Dienstwohnung im unteren Solschacht verlassen musste. Der Salinenbaumeister Johann Andreas Haun erwarb einen Bauplatz von 27 Quadrat-Ruten (383 m²) zwischen „dem Gottesacker und dem derzeitigen Haunschen Haus“, an der Eckartsbergaer Chaussee.

Innerhalb kürzester Zeit war die Rosenbergersche Kinderheilanstalt fertig und wurde wegen ihrer modernen Einrichtung und der medizinischen Kompetenz bald das bevorzugte Ziel adliger Gäste. Allein die familiären Verbindungen des Ehepaars Rosenberger nach Berlin, Stettin und Danzig sorgten für entsprechende Frequenz. Die  Rostsche Restauration profitierte davon ebenso wie die umliegenden Hauswirte. Neben der Badeanstalt lag das Wohnhaus von Rosenberger (Lindenstr. 11).

 

  1. Apr. Antrag auf Erstattung von Einquartierungskosten (MER C 50 Naumburg A, 597)

Nach dem Tod des Salzsieders Streuber hatten sein Sohn und Tochter die Hälfte des väterlichen Hauses (Lindenstr. 22) geerbt. Der Sohn wohnte dort und trug alle anfallenden Kosten. Nach dem Tod seiner Schwester Dorothea Elisabeth, verh. Thieme verlangten ihre Kinder die Auszahlung ihres Erbteils. Daraufhin machte Streuber die Hälfte der seit 1806 erhobenen Umlagen für Einquartierungen geltend, die er allein bezahlt hatte. Für die anberaumte Verhandlung Erbschaftsauseinandersetzung sollte er neben dem nachweis bereits erhaltener Entschädigungen auch die Einquartierungslisten vorlegen, die beim Landkreis archiviert waren.

 

  1. Apr. Bericht des Rittergutsbesitzer v. Schönberg (MER C 48 Ic, 1686).

Da die Antwort der Provinzial-Steuerdirektion auf das Memorandum nicht befriedigte, legte er nochmals seine Auffassung zu den Verhältnissen der Saale-Flößerei und den absehbaren Niedergang der Holzmessen dar.  Er verwies auf die Gefahr, dass bei kleinlicher Auslegung der 1836 erlassenen Regeln durch die Unterbeamten nicht nur die   Johannismesse sondern auch noch der Ostermarkt eingehen und sich der Handel mit Floßholz wohl vollständig im „ausländischen“ Camburg konzentriert.

 

     Juli 1. Allgemeiner SC (Fabricius: Die deutschen Corps 2. A. 1926)

 

  1. Juli Vertrag zwischen C. A. Therkorn und der Landesschule (BLK-A. Nr. 62)

Therkorn durfte auf den Lehden und Triften des Jackenberges 215 Obstbäume pflanzen und zahlte dafür 1 Taler 15 Silbergroschen Baumzins.

 

  1. Aug. Bericht des Geh. Oberbergrats Karsten (WER Rep F 43 a).

„Über die in den Schweizer Kantonen Zürich, Schaffhausen und Basel-Landschaft angestellten Versuche  zur Auffindung von Steinsalz...“ war der Anlass auch in Preußen die Suche nach Steinsalz bzw. gesättigter Sole zu intensivieren. Die Bohrtechnik und die Wasserhaltung waren Dank der Dampfmaschinen erlaubten es, in die Tiefen vorzudringen, wo man die Salzstöcke mutete. Schon zwei Jahre später begann die Niederbringung einer Bohrung auf Steinsalz im Salinenhof von Staßfurt unter der Leitung von Karsten, die aber zunächst erfolglos blieb.

 

     Sep.  Badelisten 1837 (NKB 23 bis 33).

Erneut wurden mehr Gäste als im Vorjahr registriert, nach dem Badejournal waren es 145, im Badebericht  Rosenbergers 155 Einträge (330 Erwachsene, 140 Kinder). Unter den Badegästen waren der Großherzogl. Badensche Minister Oberstltn. v. Franckenberg, Gen. der Inf. v. Jagow, Prem.- Ltn. von Witzleben, ein Verwandter des preußischen Kriegsministers, und Graf Meuje von Leyser aus Paris. Unter den Künstlern befanden sich der gefeierte Sänger, Theaterdirektor und Schauspieler am Weimarer Hoftheater Eduard Franz Genast (1797-1866), ein Zeitgenosse des Staatsministers J. W. v. Goethe.  Den Kösener Musikchor inzwischen fester Bestandteil des Badebetriebes dirigierte erstmals Carl Julius Heynet (St.-A. Nr. 348) 

 

      Sep. Einrichtung eines Soledampfbades (in WER Rep. F. 23 X Nr. 22/1).

Ein hölzernes Kabinett von 2,5 x 2,5 x 2,5 Metern im Dach des Siedekotes wirde über einen Kanal mit dem Brodemabzug über der Siedepfanne verbunden. Über den der heiße, salzhaltige Dampf  in das Dampfbad zog. Die Benutzer konnte über eine Verschlussklappe von der Kabine aus die Dampfzufuhr unterbrechen. Dazu gab es noch eine Umkleidekabine und die Aufwartung besorgte einer der Unterbeamten. Diese erste Konstruktion hatte noch viele Unzulänglichkeiten und war recht störanfällig.

 

  1. Nov. Salinenrecherche durch v. Bühlow und v. Seckendorf (WER Rep. F 23 II Nr.5/2).

Behandelt wurde der Antrag des Chemikers Heun, der die Abdeckung des Siedesolereservoirs zum Ausfrieren der  Mutterlauge für die Glaubersalzgewinnung nutzen wollt. Die Bedenken  der Lokalverwaltung, die im Reservoir  gelagerte Siedesole könnte dabei beeionträchtigt werden, wurde entkräftet und Heun die Genehmigung erteilt, allerdings mit der Auflage, das anfallende Kochsalz abzuliefern und nicht selber zu vertreiben.

Angemerkt wurde, dass man in Artern einen Salzstock angebohrt hatte und durch Auslaugen konzentrierte Sole förderte, womit sich die Gradierung erübrigte, damit die Produktion deutlich gesteigert und die Kosten gesenkt wurden.

 

               Die Landesschule verzichtet auf ihre Lachsfangrechte am Wehrdamm.

Das Fischereirecht gehörte zur Mühlenpacht und wurde mittels einer Lattenfanganlage ausgeübt. Die Lachse mußte der Mühlenpächter in der Schule abliefern, wofür er ein Fangegeld von 4 Silbergroschen pro Stück erhielt.

 

  1. Dez. Bericht zur Erprobung des Soledampf-Kabinetts (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Nachdem der Verschlußmechanismus der Dampfzufuhr verbessert und eine Dusche für den Notfall  eingerichtet war, besichtigte ein Vertreter des Ministers für geistliche und Medizinal-Angelegenheiten die Anlage ab und empfahl, die Einrichtung einer weiteren Kammer  über der 2. Pfanne, da die Benutzung an den Siedeprozesses gebunden und demzufolge bei Kaltlager das Kabinett nicht benutzt werden konnte.

 

1838    

 

  1. Mär. Werbeanzeige für ein abendliches Konzert (NKB)

Gottlob Hämmerling lud zum Konzert mit anschließendem Ball in seine Gastwirtschaft ein. Der Eintritt betrug 2 Silbergroschen.

  

  1. Mai „Regulativ über das Flößen mit Langholz auf der Saale“ (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Die preußische Grenze durften nur noch Flöße mit zwei Gelenken und einer Gesamtlänge von 108 Fuß (34 m) passieren. Bevor sie über den Wehrdamm gingen, wurden sie verzollt. Dazu blieben sie oberhalb des Wehrdammes  liegen und da die Zollerhebung geraume Zeit in Anspruch nahm, stauten sich die Flöße über den Zollbezirk hinaus bis zur Ilmmündung.  Die Flößer waren angewiesen, ihre im Strom liegenden Flöße vor dem Losgehen insbesondere bei Hochwasser und  unbefugten Losbinden zu sichern. Ein Ausziehen aus dem Wasser und Anbinden am Ufer war verboten.

 

     Juni  August Stichling pachtet das Fischhaus mit der Fähre und der Fischerei (KAZ 1926).

Zum Fischereirecht gehörte die Stromsaale vom Wehrdamm bis zur Weidenfurt bei Roßbach, die kleine Saale vom Einfalls am Wehr bis zur Pfortenmauer und von der Almricher Mühle bis zur Mündung in die Saale, sowie ein Teil der Krummen Hufe. Dazu klam dann die Aufsicht über die Flussbadeanstalt der Landesschule. Die Tochter Stichlings heiratete 1868 den Fischmeister Fritz Mende, deren Nachkommen das Fischhaus und die Fähre bis 1970 betrieben.

 

  1. Juni Schreiben des Kgl. Provinzialschulkollegium (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Die Behörde fragte beim OBA an, ob man auch die Sole für eine öffentliche Warmbadeanstalt nach dem Vorbild in Salzelmen liefern würde. Als Standort wurde der verkehrsgünstig gelegene untere Scheitholzstapel vorgeschlagen, der nach Einstellung der Brennholzflöße zum Verkauf stand. Der Platz reichte für das eigentliche Badehaus, Wohnstuben, Restauration und Parkanlagen, alles nach den modernsten Erkenntnissen und dem Publikumsgeschmack eingerichtet.

 

  1. Juli Ankündigung des Bevollmächtigten der Universität zu Halle (MER C 48 Ia 205)

„In einer hier wegen verbotener Studentenverbindungen eingeleiteten Untersuchung wird seitens des hiesigen Königl. Universitäts-Gerichts  heute oder morgen eine Requsition an den Herrn Landrath Lepsius in Naumburg um Ermittlung der näheren Umstände einer, nach vorhandenen Notizen um Pfingsten dieses Jahres  auf der Rudelsburg statt gehabten Zusammenkunft zwischen hiesigen und fremden, wahrscheinlich Jenaischen Studenten abgehn. Es ist von ausnehmender Wichtigkeit, daß bei jener Ermittlung mit Umsicht und zugleich mit aller Strenge verfahren werde, und durch Vernehmung des Wirths pp. Nachsuchung, womöglich Hersendung des Fremdenbuches, die Theilnehmer jener Zusammenkunfz und ihr ganzes Thun und Treiben genau zu erfahren. Ew Hochwohlgeboren erlaube ich mir, um geneiget Verfügung zur Erreichung dieses Zwecks ganz gehorsamst zu ersuchen.“ Der Königliche Außerordentliche  Regierungs-Bevollmächtigte an hiesiger Universität.

 

  1. Aug. Schreiben E. F. Senffs an das OBA (Rep F 38 V A).

Dieser bat, in Anbetracht der in seiner langjährigen Dienstzeit erlittenen Unfälle um die Verlängerung seines Genesungsurlaubes, worauf das OBA die Pensionierung zum 1. November anordnete.

 

      Aug. „Situations-Plan vom Scheitholz-Platze zu Kösen“ (WER F 23 X Nr.22/1).

Auf dem vom Bau-Inspektors Haun angeferigten Riß sind auch die privaten Anwesen an der Naumburger Chaussee vermerkt. Rechterhand befanden sich Webers „Langes Haus“ (R. Breitscheid Str. 1) das Gehöft des Einnehmers Döring (Naumburger Str. 1) und das Gehöft von   Hämmerling (Nbg. Str. 2-4). Linkerhand standen das Chausseehaus (Nr.  10), daneben die Wohnhäuser von Krüger (Nr. 11) und Heckenberg (Nr. 12.) An der heutigen Uferstraße gab es erst   zwei Anwesen, das von Eckert (Uferstraße 1) und Seyffert (Nr. 2). Der „Triangel“ das Stück zwischen Chaussee, unterer Radkunst und kleiner Saale gehörte der Saline. Hier stand der neue  Brunnen, der anstelle des Wildwasserschachts, den Gasthof und dann auch die Hartungsche badeanstalt und einigen Privathäuser versorgte.

Hier ist erkennbar, dass die Fahrbahnbreite der Saalebrücke nur 1,25 preußische Ruten, rd. 4,0 Meter betrug, schmaler als die Brücke über die kleine Saale und bei Gegenverkehr immer wieder u gefährliche Situationen entstanden.

 

     Sep. Badelisten 1838  (NKB 23 bis 36).

Insgesamt wurden 153 Nummern aufgeführt, darunter Frau v. Arnim zum wiederholten Male, der  Hofschauspieler Krüger aus Berlin, Geheimrat Baron von Ende auf Groß-Pößna und die Prinzessin von Reuß-Lobenstein-Köstritz. Den privaten Badewirten wurden 8.937 Kubikfuß (270 m³) Sole verkauft. Die Saline verzeichnete 1.615 Wellenbädern und 325 Dampfbäder. Ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten armer Badegäste gestalteten die Opernsängerinnen Henriette Sonntag (vermählte Gräfin Rossi) und Schröder-Devrient aus Dresden sowie der großherzogl. Hofsänger Genast, dazu spielte die  Badekapelle unter Leitung des großherzogl. Hofkapellmeisters Reichardt (1806-1854), die alle hier zur Kur waren.

 

  1. Okt. Gutachten des Oberbergrates Karsten (WER Rep F 48).

Daraufhin ordnete Oberberghauptmann v. Veltheim die Bohrung auf Steinsalz in Staßfurt an.

 

  1. Okt. Reskript des preußischen Finanzministeriums (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Für die abzugebende Badesole wurden 2 Pfennige für 2 Kubikfuß (60 l) festgesetzt, die Menge die nach Angabe der Badewirte für ein Wannenbad benötigt wurde. 

 

  1. Nov. Antrag des Handarbeiters Benjamin Becker (MER C 50 Nbg. A Nr. 484)

„Ich wohne gegenwärtig bei dem Einwohner Ziegler zu Kösen auf dessen Boden und es ist mir von demselben aufgegeben worden, noch diese Woche auszuziehen. Ich habe mir nun alle mögliche Mühe gegeben für mich und meine aus 6 Kindern und einer Frau bestehenden Familie, von welchen das jüngste erst ein Jahr alt ist, eine Wohnung zu beschaffen. Allein meine Mühe ist fruchtlos gewesen und ich habe bis diesen Augenblick noch keine Wohnung erhalten können. Da ich nun bei der  eintretenden Witterung befürchten muß, daß meine  armen Kinder erkranken, wenn mir auch der Aufenthalt auf dem Boden meines Wirthes  noch einige Zeit gestattet werden sollte, so bin ich in der traurigen Nothwendigkeit versetzt, zu bitten, mir wenigstens für diesen Winter den Aufenthalt für mich und meine Familie in dem Armenhause zu Kösen geneigtest gestatten zu wollen, wobei ich bemerke, daß die große Stube desselben, welche nur von der  Bilken bewohnt wird, mir und meiner Familie  hinlängliche Raum und Obdach  gewähren würde“.

Am 18. November wurde der Familie vom Landrat der Einzug in das Armenhaus gestattet.

 

  1. Nov. Festsetzung des Abgabepreises für Badesole (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Gegen den aktuellen Solepreis legte die Lokaldirektion Widerspruch ein, weil wie bereits früher beobachtet, die Badewirte weniger Sole für ein Bad zugeben würden. Außerdem gab es weder genormte Wannengröße noch Solewaagen, so dass der Badegast nicht wußte, ob der ärztlich empfohlene Solegehalt tatsächlich eingehalten wurde. Daraufhin wurde der Solepreis wieder auf  2 Pfennige je abgegebenen Kubikfuß festgelegt.

 

  1. Nov. Salinenrecherche. (WER Rep. F 23 II Nr.5 Bd 2).

Das OBA vertraten Berghauptmann Mertins, Oberbergrat v. Bühlow und der Bergrat Ebers, von der Lokalredaktion waren Schweingel, Haun und Pauli sowie der für den pensionierten Senff mit der Betriebsführung betraute Eleve Wapler anwesend.

Wegen der ungünstigen Witterung waren Förderung und Gradierung hinter dem Plan geblieben. Aber man war zuversichtlich, bis Mitte Dezember das vorgegebene Soll zu erreichen. Allerdings erforderte die niedrigen Konzentration der Siedesole mehr Formkohlen. Der Salzdebit belief sich auf 1385 Lasten. Es fehlten 54 Lasten zum Soll, doch die würden bis Jahresende verkauft sein. Für 1839 wurden dann 1200 Lasten vorgegeben. An Überschuss wurden 15.500 Talern verbucht, 1.300 Taler über den Plan. Von den etatsmäßigen Bauten waren das Brodembad und eine Wohnstube  für den  2. Siedemeister fertig geworden.

Unter den sonstigen Punkten kam der Offenbarungseid des Chemikers H. G. Heun zur Sprache und der Salinenrendant Schweingel angewiesen die Glauberrsalzfabrik als Sequestor weiter zuführen. Dann wurde die Wohnung des ausgeschiedenen Senff im unteren Schacht besichtigt. In Anbetracht der desolaten Substanz sollten nun endgültig der Turm und die obersten 3 Etagen abgeworfen werden, und im Erdgeschoß die Dirigentenwohnung eingerichtet werden. Da sich das Erdgeschoß dazu aber nicht eignete, schlugen der Kondukteur Haun und der Zimmermeister Dönicke  vor, eine neue  Dirigentenwohnung auf dem Salinenbauhof zu errichten. Hier wäre auch genügend Platz für Hof, Kohlenstall und Garten, die am Schachtgebäude fehlten. Der Bauinspektor wurde angewiesen, einen Entwurf samt Kostenanschlag zu erstellen. Haun, der im Dorf zur Miete wohnte, bat um die Überlassung der Dienstwohnung im unteren Schacht, weil er sich die Miete wegen der Frequenz der Badegäste von seinem Gehalt nicht mehr leisten könnte. Der Rendant Schweingel wurde angewiesen, in Zukunft die anfallenden Bauarbeiten im Gedinge- und nicht im Tagelohn zu vergeben. Der bat dann um die Genehmigung, einen separaten Abtritt für seine Dienstwohnung einzurichten, damit er diesen nicht mehr mit den Beschäftigten auf den Streichplätzen teilen musste, was ihm auch bewilligt wurde. 

 

     Dez. Das Oberbergamt befürwortet den Bau einer öffentlichen Badeanstalt (WER Rep F23 X).

 

             „Das Soolbad Kösen“ von Dr. Theodor Rosenberger 

In einem Beitrag im „Jahrbuch für Deutschlands Heilquellen und Seebäder“ warb Rosenberger  mit der Heilkraft der Sole und der angenehmen Umgebung. Beschrieben wurden das Wellenbad, die Soledampfkammer und die Kinderheilstätte. Nach seiner Aufstellung gab es 1835 300 Badegäste, 1836 357 davon 133 Kinder und 1837 470 Gäste darunter 140 Kinder. 1835 wurden abgegeben 2210 Sole- und 1804 Wellenbäder, 1836 3030 Sole- und 2177 Wellenbäder und 1837 3386 Sole- und 2206 Wellenbäder.. 

Im obligatorischen Hygienebericht ging Rosenberger auch auf die Heilwirkung des ssalzhaltigen Dampfes bei Haut- und Atemwegserkrankungen ein, nachdem das Dampfbad 325 Mal aufgesucht wurde. Allerdings deckten die Einnahmen von 80 Talern nicht den Aufwand für den Einbau und die Unterhaltung von 118 Talern.

 

  1. Dez. Einstellung des Holzplatzes (St.-A. Nr. 94)

1834/35 wurden jeweils 200 Klafter und 1835 564 Klafter verkauft, 1836 wurde der Stapel geräumt und nach einem Einspruch der Gemeinde 1837 wieder belegt. In den ersten fünf Monaten des Jahres wurden nur 99 Klafter verkauft. Daraufhin wurde der Holzplatz endgültig eingestellt. Die wohlhabenden Bürger sollten auf eigene Kosten ihr Feuerholz aus Naumburg oder Unterneusulza holen, für die ärmere Bevölkerung sollte der Gemeindevorstand das Holz in Naumburg ankaufen, nach Kösen bringen und hier in Kleinmengen abgeben. 

 

1839       

  1. Feb. Verhandlung zur Berufungsklage Webers (WER Rep. F 23I Nr.1 Bd.6).

Der 2. Senat beim OLG unter dem Vorsitz des Präsidenten Freiherr von Gärtner bestätigte die Klageabweisung des ersten Senats und folgte in seiner  Begründung den dortigen Ausführungen.

 

  1. Juni Salinenrecherche durch Mertins und v. Bühlow (WER Rep. F23 II Nr. 5/3).

Erstmals erfolgte die Recherche zur Jahresmitte und im Beisein des neuen  Salinendirektors Bergrat Eber,  bisher  Salineninspektor in Dürrenberg.

Wegen der ungünstigen Gradierwitterung hatte man den Plan nicht erreicht, weshalb die Konzentration der Siedesole  von 26% auf 25% herab gesetzt und dafür der Mehrbedarf an Kohle genehmigt wurde. Neu war die Festlegung, dass die Bedornung in regelmäßigen Abständen ausgewechselt werden muss und nicht wie bisher im Bedarfsfall.

Ebers der zunächst die Senffsche Wohnung im unteren Schacht beziehen musste, beschwerte sich über die Feuchtigkeit vom Schacht und den Solebehälter und über das Rauchen der im Schacht beschäftigten Arbeiter. Daher wurde der Neubau seiner Dienstwohnung nach einigen Korrekturen genehmigt, ebenso der Abbruch des alten Kunstturmes über den unteren Schacht und die Errichtung einer eingeschossigen „Kaue“ als Witterungsschutz für die dortigen Maschinen. Die Lokalverwaltung beantragte die Einrichtung eines Archivs, um die Akten an einem Ort aufzubewahren und brachte erneut die Einrichtung eines Sessions-Lokals in Vorschlag, denn die Sitzungen fanden in der Stube des Rendanten statt.

Bei den Personalien wurde festgelegt, dass der Salzausgeber Weise wegen „geistiger Hinfälligkeit“ infolge seines hohen Alters „außer Activität“ gesetzt und der als Salzsieder „ganz unbrauchbare“ Siedemeister Wolff  an seine Stelle tritt. Für ihn kam der „vorzüglich qualifizierte“ bisherige 2. Gradiermeister Törpsch, dessen Stelle der Gradierer M. Zedel einnahm. Die Salinenverwaltung wurde angewiesen, die Benutzung des Salinengeländes durch Privatleute insbesondere durch den Bäcker Hämmerling zu unterbinden.

Wegen einer Neuverpachtung der unter Sequester stehenden chemischen Fabrik wurde eine Übersicht über deren Produktion verlangt. Zuletzt reichte die Lokaldirektion eine modifizierte Benutzerordnung des Soledampfbade zur Genehmigung ein.

Ein „Situationsplan von der Königl. Saline“ vom Bau.-Inspektor Haun zeigt auch eine  „Nivellements-Darstellung“ der Betriebsvorrichtungen.

 

     Aug. Gründung des Gesangsvereins „Harmonia“ (KAZ. 1899/1939).

Zunächst nannte man sich „Burschengesellschaft“, ab 1864 „Liedertafel“ und wegen des Lokals auch „ Haasenritterscher Gesangsverein“ .

 

     Sep. Badeliste (NKB 23 bis 36).

Unter den 519 Badegästen, davon 141 Kinder und 228 Ausländer, waren Graf v. d. Schulenburg, Erfurt, Prinzessin Caroline v. Reuß-Lobenstein, Hofschauspieler Holdermann aus Weimar, Baronin v. Kettler aus Dresden, Prem.-Ltn. Freiherr von Beust, Altenburg und Landrat Graf v. Keller aus Merseburg.

      

  1. Okt. Rezess zur Mühlenpacht (S. Roßner 1932).

Die Naturalabgabe (2 Tonnen Öl, 8 Schock Ölkuchen) wurde in eine zweimal jährlich zu entrichtende marktgerechte Geldabgabe umgewandelt. Der Pachtzins von 450 Talern wurde beibehalten.

 

            Hämmerlings Dorfbäckerei brennt nieder (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Beim Wiederaufbau wurde das Anwesen mit einem  Tanz- und Konzertsaal erweitert, der spätere „Ratskeller“ bzw „Zur Post“.

 

1840       

 

      Jan. Eingemeindung der Saalhäuser nach Schulpforte.

Damit waren auch die Differenzen wegen der Polizeiaufsicht über das Anwesen und dessen  Bewohner beseitigt. Allerdings blieben diese in der Naumburger St.-Moritzgemeinde eingepfarrt, und mussten die Verstorbenen auf dem dortigen Friedhof beerdigen.

 

  1. Feb. Dr. Rosenbergers Denkschrift „Das kleine Bad Kösen“.

Darin schilderte er die Badeeinrichtungen und die Wirkung der Sole. Aber es wurde auch mit anderen Methoden experimientiert, wie die „animalischer Bäder“,wo man mit dem Blut  frisch geschlachteter Tiere, Hautkrankheiten bei Kindern behandelt.

 

  1. Feb. Übergabe des Salzmagazins (St.-A. Nr. 173)

Gußeiserne Schaufeln und Hacken, Salzwaagen mit eisernen Gewichten zwischen 2 und 133 Pfund, hölzerne Radebergen, Plombierzangen und Plombierblei, Salztrichter, Ladekrücken und Ladebänke, sowie einen blechernen Ofen mit Aschekasten und Handgriff wurden von Pauli dem neuen Salzaufseher mit protokoll übergeben.

 

  1. Feb. Anordnung zum Brücken- bzw. Chausseegeld (St.-A. Nr. 550)

Weil die Gemeinde die Zahlung der angebotenenen Chausseegeldpauschale abgelehnt hatte, wurde nun angeordnet, dass alle diejenigen Einwohner, die nach der Kabinettsorder von 1832 vom Brückengeld befreit waren, dieses zu entrichten hätten, davon betroffen natürlich auch die Badegäste, die ja die Brücke ständig nutzten.

 

  1. Mai „Referendarexzess“ im Gasthof (WER C125 Naumburg II Nr. 73).

 

  1. Mai Verordnung über die Feuer-Polizeibezirke im Landkreis (NKB).

Zum Kösener Bezirk gehörten die  Saalhäuser,  die Vorwerke Kukulau und Fränkenau und   Lengefeld. Salineninspektor Ebers wurde zum Kommissar berufen, Bauinspektor Haun zum  Stellvertreter. 

 

  1. Juni Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/3).

Nach der Werksbesichtigung durch Berghauptmann Mertins und Oberbergrat v. Bülow ging es um die Verzögerungen bei der Fertigstellung der Dirigentenwohnung, weshalb der Rückbau des unteren Schachthauses aufgeschoben werden musste. Als neuer Standort für die Werksuhr, die bisher am unteren Schachtes hing, wurde der Mittelteil des unteren Gradierhauses festgelegt. Zu den vorzubereitenden Investitionen gehörten die Erneuerung des unteren Wasserrades, die Registratur und der Sitzungssaal.

 

  1. Juni Beschwerde des Rittergutsbesitzers von Stendorf (St.-A. Nr. 94).

Nach Einstellung des Holzplatzes, wurde das Brennholz aus Unterneusulza geholt. Dabei war der zum Rittergut Kreipitzsch gehörende Fahrweg zwischen Stendorf und Saaleck erheblich beschädigt worden, weshalb von der Gemeinde die Ausbesserung verlangt wurde.

 

  1. Juli Kabinettsorder König Friedrich Wilhelm IV. (MER C48Ic, Nr. 1686).

In Sanssouci genehmigte der König den von der Kösener Steuerstelle zu erhebende Floßzoll. Dabei blieb es bei 5 % des derzeitigen Markpreisen des Holzes bzw. der Holzwaren und galt für drei Jahre, dann wurde er angepasst. Gleichzeitig wurden die  übrigen Abgaben, wie das Saalecker Geleit und das Rechengeld abgeschafft. Die Veröffentlichung erfolgte in den Amtsblättern von Magdeburg, Merseburg und Erfurt , die Inkraftsetzung am 1. September.

 

     Sep. Badeliste (NKB 21 bis 38)

Insgesamt waren es 144 Einträge, d. s. rund 500 Einzelpersonen, darunter Otto Freiherr v. d. Hagen-Stoelln, Kreishauptmann Graf v. Hohenthal, Baron v. Haugk aus Leipzig, Gräfin Louise v. Gietz auf Thornau, Madame Brockhaus aus Leipzig, Frau v. Knobelsdorff und Gräfin v. Schlabrendorff aus Berlin sowie  Madame Vincentine v. Levinska aus Warschau.             

 

            Stellungnahme der Landesschule zur Badeanstalt (WER Rep. F 23 X Nr. 22 Bd. 1).

Die vom Provinzialschulkollegium und dem Oberbergamt vorgeschlagene Einrichtung einer öffentlichen Warmbadeanstalt auf dem unteren Holzplatz, wurde wegen der hohen Kosten und nicht absehbarer Risiken vom Schulinspektor. Hingegen die Verpachtung des Platzes für diesen Zweck an ein privates Konsortium begrüßt.

 

  1. 24. Ablehnung der Kgl. Regierung (St.-A. Nr. 94).

Der Holzhändler Fischer erklärte sich bereit, den Antransport und den Verkauf  von Küchenholz aus Naumburg zu übernehmen, wenn ihm der bisherige Holzplatz übertragen würde.

 

           Jahresbericht der Saline (St.-A. Nr. 182)

Demnach wurden  305.000 Kubikfuß (110.000 m³)  Sole zu 1440 Lasten (57.600 Zentner) weißes und 21 Lasten gelbes Salz versotten. Der Debit betrug  1414 Lasten.

 

  1. J. Oldendorp: „Thüringen und der Harz“, Dritter Band, Sondershausen.

Darin wird das Schul- und Kirchenamt Schulpforte beschrieben. Die Aufsicht über 21 Dörfer mit 17 Kirchen, 9 Pfarrstellen und 13 Schullehrerstellen hatten der Rektor, der Superintendent und der geistliche Inspektor. Zum weiteren Amtspersonal gehörten ein Kommissionsrat, ein Kontrolleur, ein Oberförster, ein Bauinspektor, ein Hausinspektor, gleichzeitig Ortspolizist, ein Schularzt und ein Chirurg sowie mehrere Unterbeamte. Die Einkünfte beliefen sich auf 42.000 Taler, die Ausgaben lagen in gleicher Höhe, wovon 12.000 Taler für die Unterhaltung der Alumnen gebraucht wurden. Die Lebensmittel lieferte der Pächter der Schul-Ökonomie-

 

1841                

 

  1. Apr. Salinenrecherche durch Oberberghauptmann Ritter Graf von Beust (St.-A. Nr. 369).

Einer der Punkte war die Entlohnung der Oberbeamten Ebers, Haun, Pauli und Schweingel. Die bekamen ein festes Jahresgehalt, freie Wohnung bzw. Mieterstattung, ein Heizmaterialkontingent und ein Salzdeputat. Außerdem erhielten sie bei alters- oder krankheitsbedingten Pensionierung, die aber nicht an ein bestimmtes Alter gebunden war eine  Pension. Die 7 Unterbeamten der Kalkulator, der Kunstmeister, der Siedemeister, der Salzausgeber, der Kohlenaufseher, der Pfannenschmied und der Amtsdiener waren auf Kündigung mit Wochenlohn  eingestellt, erhielten aber auch ein Deputat und hatten Anspruch auf Versorgung aus der Invalidenkasse der Knappschaft.

Dann wurde die der Haunsche Plan der Wohnung für den Baubeamten begutachtet (MD Rep. F38, Risse 408), die anstelle der beiden baufälligen Düngesalzschuppen hinter dem Anwesen von Hämmerling gebaut werden sollte. 

Beim Rundgang wurde auch die Soledampfkammer besichtigt , und dabei festgehlten: „Es wird  hier nämlich der Brodemfang auf der unteren Pfanne abgeschlossen und dadurch der Brodem gezwungen, vermittelst einer angebrachten Lutte in eine auf dem Boden über der Pfanne eingerichteten und mit einem ganz durchlochten Fußboden versehene Badekammer zu treten, aus der er dann durch eine andere Lutte dem Brodemfange wieder zugeführt wird. Damit sich der Badende auch, je nachdem es  vorgeschrieben ist, mit Sole oder Waßer übergießen kann, sind über  der Badekammer Behälter für die Flüßigkeit mit Ventilen angebracht, welche letztere  der Badende durch eine ganz einfache mechanische Vorrichtung nach Bedürfnis öffnen oder schließen kann. Zum Aus- und Ankleiden; sowie zum Ausruhen ist vor der Badekammer ein zweites Gemach hergestellt. Die Benutzung dieser, der Gesundheit sehr zuträglichen Bäder  findet gleichwohl nur wenig Aufmerksamkeit und zwar wie angeführt wurde, wesentlich deshalb, weil diese Bäder nur  während des Störens in der Siedepfanne genommen werden können, diese Periode  sehr kurz ist und derzeit noch fortwährend wechselt in Folge davon auch in der Nachtzeit fällt, so das also, da nur ein Bad vorgerichtet, das Baden für die Gäste äußerst beschwerlich und deshalb sehr zu wünschen ist, daß ein zweites Bad hergestellt wird. Da diese Art Bäder anerkannt  sehr wirksam ist, überdies im nördlichen Deutschland dergleichen dem Publikum geöffnete Vorrichtungen dieser Art nicht weiter als hier und in Dürrenberg vorhanden sind, und in Betracht, daß wenn einmal eine Einrichtung besteht, sie auch so sein muß, daß sie dem Zwecke entspricht, so genehmigte der Hr. Oberberghauptmann, daß wenn es ohne Nachtheil für den Betrieb geschehen könne, noch einz weites Soldampfbad eingerichtet werden dürfe“. v. Beust, v. Bühlow.      

 

  1. Mai Feuerordnung der Königlichen Saline (St.-A. Nr. 598).

Diese regelte den Umgang mit offenen Feuer und der Bedienung und Überwachung aller Feuerstätten in den Wohnungen innerhalb und außerhalb der Saline. Dabei sollte auf jedem Dachboden ein Behälter mit Sole zum Löschen stehen und der Hauswirt eine Handspritze besitzen. Die „Betriebsfeuerwehr“ unter dem 1. Siedemeister, zu der alle Gradierer und die Sieder des 1. und 2. Kots gehörten, durfte nun auch offiziell mit der Betriebsspritze bei der  Brandbekämpfung im gesamten Feuer-Polizeibezirk eingesetzt werden. Allerdings wurden nur die Sieder aufgeboten, wo die pfannen kaltlager hatten. Bei Verstößen gegen diese Anordnung drohte Gefängnis.

 

  1. Juni Monatsstatistik der Dampfbäder (St.-A. Nr. 183)

Das Dampfbad im ersten Siedekot war täglich von 6 bis 12 und von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Die durchschnittliche Auslastung betrug 50 %.

 

  1. Juli Brunnenfest (NKB)

Das Brunnenfest wurde seit dem Tod König Friedrich Wilhelm III. nicht mehr an dessen Geburtstag begangen, sondern auf das erste Juliwochenende verlegt.

 

  1. Juli Die Knappschaft beschließt die Anschaffung eines Kinderkarussells.

Alle 60 Mitglieder der Knappschaft  gaben einen Taler, der ratenweise gezahlt werden konnte. Das  diesjährige Brunnenfest kostete der kanppschaftskasse 112 Taler, 18 Silbergroschen und 2 Pfennige, die Einnahme lagen geringfügig darunter.

 

  1. Sep. Genehmigung des Oberbergamtes für ein zweites Soledampfbad (St.-A. Nr. 369)

 

      Sep. Badelisten (NKB 23 bis 36).

Unter den Gästen befanden sich die  Baronin v. Klock, Breslau, Graf York v. d. Wartenburg, Gräfin v. d. Schulenburg, zum wiederholten Male Prinzessin Caroline v. Reuß-Köstritz ebenso wie die Gräfinnen von Zech und  von Häseler, außerdem der Kammergerichtspräsident v. Bülow, der Legationsrat v. Bülow, beide aus Berlin, der Comte de Rochefoucauld, Minister Frankreichs, Baronin Buddenbrock auf Tschernau, die Frau des Geheimen Obertribunalrats v. Borries, geb. v. Bülow, Finanzrat Wetzlaff aus Amsterdam, die Fürstin Reuß zu Lobenstein und der Gen.-Major von Altenbrokken aus Kassel.

 

  1. Nov. Bericht der Lokaldirektion zum Soledampfbad (St.-A. Nr. 369)

Die Prüfung hatte ergeben, dass es weder im 2. Siedekot noch über der südlichen Pfanne im 1. Kot möglich war, eine zweites Kabinett einzurichten. Eine Lösung wäre eine Dampfröhre von der südlichen Pfanne  zum Brodembad, womit der Dampf der jeweils in Betrieb befindlichen Pfanne eingeleitet werden kann.

 

  1. Dez. Staatsvertrag zur Thüringer Eisenbahn (G. Fromm, Thüringer Eisenbahnlexikon).

Für eine direkte Bahnverbindung zu den preußischen Rheinprovinzen wurden mehrere Varianten geprüft, wobei die Trasse möglichst über preußischem Territorium führen sollte. 

Doch nachdem Sachsen-Weimar und Sachsen-Coburg-Gotha eine Beteiligung signalisierten wurde die Trasse von Halle über Erfurt nach Kassel unter Einbeziehung der Residenzen Weimar, Gotha und Eisenach festgelegt, die sich allerdings an den Flußtälern von Saale, Ilm, Gera und Hörsel orientierte und daher eine immense Herausforderung für die  Ingenieure des 19. Jahrhunderts war. Die Finanzierung sollte möglichst durch privates Kapital erfolgen, aber auch die Städte waren aufgerufen sich zu beteiligen.

 

  1. Hahnemann: „Rudelsburg und Schloß Saaleck“ in „Thüringen und der Harz“, 4. Band.

 

  1. A. Backs „Vergleich des Siedebetriebes in Artern und Kösen (WER F 39 Nr. 462).

 

1842

 

  1. Jan. Sanitätsbericht des Badearztes (St.-A. Nr. 369)

Die Resultate der durch das Bad erzielten Heilwirkungen auch nur in einiger Ausdehnung zu übersehen, ist für den hier angestellten Arzt äußerst schwierig, weil der Badearzt bis hierher nicht mit öffentlichen Anstalten (in Bezug auf die zweckmäßige Anwendung des Heilmittels) sondern auch jener gesetzlichen Einrichtungen und Bestimmungen entbehrt, welche anderswo vorhanden und geeignet sind, eine gleichsam unwillkürliche Annäherung der Fremden an den Arzt zu bemerken. Daß hat die Folge, daß viele der hier anwesenden Badegäste, theils nach der sehr oberflächigen Verordnungen ihrer Hausärzte, andere jeder ärztlichen Fürsorge entbehrend, ihren eigenen Irrweg verfolgen.   Zu diesem Uebelstand gesellt sich endlich noch der mangel an Gästen, welche nach beendigter Kur, dem Beobachtungskreise des hier behandelnden Arztes nicht gänzlich entrückt werden, denn ist es absichtliche Nichtbeachtung, sind es andere  Motive, der Besuch von Fremden aus der nächsten Nähe ist äußerst gering und die, deren wir uns hier erfreuen, haben hier gewiß nur  höchst selten ärztlichen Empfehlungen, öfter aber den Reizen und Annehmlichkeiten unseres Ortes und den damit in Verbindung stehenden selbständigen Wünschen einzelner Kurgäste zu danken..“ Dann beschrieb Rosenberger die bei verschiedenen Krankheiten angewandten  Therapien.

 

  1. Feb. Aufruf zur Beteiligung an der Finanzierung der Thüringer Eisenbahn AG (NKB).

 

  1. Feb. Jahresrechnung der Knappschaftskasse (St.-A. Nr. 369)

Bei den Wellenbäder wurden insgesamt 1585 Taler eingenommen, die Hälfte davon kam in die Knappschaftskasse, die andere Hälfte teilten sich der Badearzt und die Kunstwärter. Das Soledampfbad ergab 30 Taler, 7 Taler erhielt der Badearzt, 23 Taler die Knappschaftskasse. 210 Taler wurden beim Verkauf der Badesole erzielt, davon 158 Taler zugunsten der Knappschaftskasse, 25 % erhielten die Kunstwärter. Die Barschaft der Kasse betrug 237 Taler etwas weniger als 1840 (260 Taler). Die übrigen Mittel waren in Wertpapieren oder als zinbaree Darlehen angelegt.

Eine Auflistung der Jahre 1827 bis 1841 zeigt den stetigen Anstieg des Soleverkaufs (1827: 3771 Kubikfuß, 1841: 9472 Kubikfuß) und die Verdopplung der Einträge in der Badeliste (1831: 98 Nummern, 1841: 185 Nummern)  

 

  1. Mai Salinenrecherche durch Mertins und v. Bühlow (WER Rep. F 23 II Nr. 5/2).

 

  1. Sep. Festlegung zur Zeitpacht der Glaubersalzfabrik.

Die von der Lokalverwaltung in Eigenregie geführte Anlage, wurde nun an den Sohn des ehemaligen Pächters, Georg Heinrich Heun ab dem kommenden Jahr verpachtet.

 

03.Sep. Antrag des Magdeburger Regierungsrats Carl Jacob (in WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Jacob bot dem OBA an, hier eine moderne Badeanstalt zu errichten, weil er beis seinem Kuraufenthalt den dringenden Bedarf dazu gesehen habe. Er kannte auch die Bemühungen vom  Provinzialschulkollegium und dem OBA im Jahr 1838. Zunächst wollte er eine verbindliche Zusage über die Lieferung und den Preis der Sole, und dann mit der Landeschule über den Erwerb des  Grundstück verhandeln.

 

  1. Sep. Stellungnahme der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Diese begrüßte den Bau einer öffentlichen Warmbadeanstalt zur Förderung der gewerblichen Entwicklung. Dagegen wären nur die privaten Badewirte, die um ihr bisheriges Monopol und ihren  Gewinn bangten. Doch die Zustände dort wären völlig unzulänglich. Neben der mangelhaften Hygiene, fehlte jegliche medizinische Kenntnis bei der Bereitung der Wannenbäder und dem  Badearzt wurde die Kontrolle verwehrt. Nicht viel besser wäre die Bewirtung. Die meisten Gäste brachten ihre Dienerschaft mit und mussten wegen des fehlenden Wochenmarktes die Lebensmittel in den umliegenden Dörfern oder in Naumburg holen. Allerdings waren die Lokalbeamten dagegen, dass bei der Eröffnung der großen Badeanstalt die Abgabe von Badesole an die übrigen Badewirte eingestellt und keine zweite  öffentliche Warmbadeanstalt zugelassen wird. Hier verwies man auf die Marktbelebung durch Konkurrenz.

 

    Sep. Badeliste (NKB 22 bis 37).

Diesmal waren es 230 Einträge, eine deutliche Steigerung der Frequenz gegenüber dem Vorjahr.  Dabei muss man berücksichtigen,  dass die Verhältnisse im Dorf heutigen Vorstellungen eines Kurortes in keiner Weise entsprachen. Abgesehen von der beschwerlichen An- und Abreise mit der Kutsche, war der Ort alles andere als beschaulich. Offene Jauche- und Abflussgerinne, keinerlei befestigte Wege, primitive Unterkünfte, mangelhafte Versorgung mit Lebensmittel, schlechtes  Trinkwasser, Qualm, Lärm und Gestank von der Saline und der Schäferei und ein hohes Verkehrsaufkommen kennzeichneten den Ort, was die Gäste nicht abschreckte, wie  S. Durchlaucht Fürst Ernst v. Löwenstein-Wertheim aus Dresden, Ob.-Reg.-Rat Häckel, Freiherr v. Schimmelpfennig, Freiherr v. Seckendorff, Berlin, Wirkl. Geh.-Rat u. Kammergerichts-Oberpräsident v. Grolmann, Gen.-Ltn. v. Miltitz, Reg.-Rat du Bois, Legationsrat v. Salvati, Weimar, Gräfin v. Solms-Beruth, Gräfin Hohenthal-Städeln, Prinz Moritz und Prinz Ernst v. Sachsen-Altenburg  und  Frl. v. Herder, eine Enkelin  des Dichters  aus Weimar.

 

             „Die Verhältnisse der projectierten Eisenbahn von Halle bis an die Kurhessische Grenze“              Freiherr von Groß. (WEI RBD Erfurt A 2783).

Die Trasse war zweigleisig geplant, sollte mit Sorgfalt gebaut und somit dauerhaft sein. In der Folge wurden durch die beteiligten Staaten sog. Expropriationsgesetze zum Grundstückserwerb, den Entschädigungen und alle weiteren  rechtlichen Rahmenbedingungen erlassen.

 

            Statistik der Badeverwaltung (St.-A. Nr. 369)            

Ausgewiesen wurden 672 Einzelgäste. 2.298 Wellenbäder mit und ohne Sole davon 806 für Kinder. Wurden abgegeben. Das Soledampfbad besuchten 255 Gäste, fast doppelt soviel wie 1841 aber weit weniger als noch 1838 (325). Die privaten Badewirte erhielten 9496 Kubikfuß (294.000 l) Badesole mit denen rd. 4500 Bäder bereitet wurden

 

            Jahresbericht Dr. Rosenbergers (St.-A. Nr. 369).

Die hohe Frequenz wäre der großen Dürre in den Sommermonaten, der schlechten Luft sowie unzureichender Versorgung in den Städten geschuldet, die zu einer regelrechten Flucht  derer die es sich leisten konnten, geführt hatte. Großen Zuspruchs erfreute sich die Trinkbrunnen (Ragozy, Ems, Eger, Driburg, Pyrmont und Selters) die der Apotheker Tuchen in seiner Trinkanstalt rein  oder mit Molke vermischt anbot. Beklagt wurde das Fehlen einer Badeverwaltung und eines Kurhauses. Er selber habe bereits seinen Garten der Öffentlichkeit zum Promenieren zur Verfügung gestellt, besser wäre es jedoch, wenn man einen Teil der Kukulauer Wiese, die noch nicht von der Bahn geteilt war, zur Parkanlage mit Promenadenwegen herrichten würde. Die häufigsten  Beschwerden der Gäste betrafen jedoch die offenen Abflussrinnen in der Dorfstraße und die „Indolenz“ der Gastwirte. Gästen, die nicht täglich bei ihnen einkehrten würde die Bewirtung verweigert. Abschließend bedankte sich Rosenberger für einen vom König gewährten Zuschuss zur Verschönerung des Bades und die Errichtung von Schutzhütten für Ausflügler am Himmelreich und auf dem Geiersberg.

 

1843

 

  1. Jan. Das OBA genehmigt die Solelieferung für eine Warmbadeanstalt (WER Rep. F 23X 22/1).

Das sollte vom unteren Schacht aus erfolgen, allerdings durfte der Pumpenantrieb für die Gradierung nicht beeinträchtigt werden, so dass ein Solereservoirs angelegt werden sollte. Den Antrag Jacobs, die Solelieferung an die übrigen Badewirte einzustellen, wurde mit Verweis  auf die Nachteile für die Knappschaftskasse abgelehnt. Am 07. März genehmigte der Finanzminiser v. Bodelschwing die Vereinbarung.

 

  1. Mär. Bekanntghabe der Absteckung der Bahntrasse (NKB).

Alle Eigentümer entlang der Trasse wurden angewiesen, den Vermessungstrupps freien Zugang zu gewähren und diese nicht zu behindern. Schäden sollten der Bauverwaltung gemeldet werden.

 

  1. Mär. Festsetzung des Salzpreises (NKB)

Eine genormte Tonne (ca. 405 Pfund) kostete 12 Taler. Die Saline selbst durfte nur Kleinmengen bis 27 Pfund direkt verkaufen. Größere Mengen konnten von der Naumburger Salzniederlage bezogen werden.

 

  1. Apr. Eröffnung einer Apotheke (Hinsche Heimatbuch 1930).

 

  1. Apr. Öffentliche Ausschreibung der Verpachtung der Domäne Kukulau (NKB).

Dazu gehörten 588 Morgen Acker, 112 Morgen Wiese, 106 Morgen Lehde und  8 Morgen Garten, die ab dem kommenden  Jahre auf 24 Jahre für eine Jahrespacht von 1000 Taler und einer amgemessenen Kaution verpachtet werden sollten.

 

  1. Mai Beschwerde des Oberbergamtes wegen der Zensurenlisten (MER C48 Iib 2028 I).

Seit Einrichtung des Kösener Knappschaftsinstituts bekamen die fleißigsten  und sittlichsten Schulkindern der Knappschaft eine Prämien zum Ansporn. In diesem Jahr hatte die Lokadirektion die Lehrer aufgefordert, ihnen die Zensurenlisten auszuhändigen. Dabei wurde der geistliche Inspektor von Pforta, der die Schulaufsicht hatte, übergangen. Niese verweigerte die Herausgabe der Liste. Daraufhin beschwerte sich die  Lokaldirektion beim  Oberbergamt und dieses wiederum bei der Kgl. Regierung,  Abteilung für Schul-und Kirchenwesen. 

 

  1. Mai Vertrag mit dem OBA Halle (WER Rep. F 23X Nr.22/1).

Carl Traugott Jacob unterzeichnete als Bevollmächtigter einer Companie zu der als stiller Teilhaber der Rittergutsbesitzer Hauptmann Heinrich Bertag  aus Magdeburg gehörte, den Soleliefervertrag.

Das OBA verlangte für den Kubikfuß Sole aus dem unteren Schacht 2 Pfennig und die Companie verpflichtete sich, eine  „anständig eingerichtete“ Anstalt mit mindestens zehn Wannen, mindestens  6 Fuß lang, 3 Fuß breit und  ebenso tief (ca. 2x1x1m). Das Solereservoir mit drei Kammern und 400 Kubikfuß Inhalt kam über die Gestängerösche vor dem an den unteren Schacht und gewährte auch den erforderlichen Druck, dass die Wannen direkt befüllt werden konnten. Die Reservoir war mit einer Meßeinrichtung versehen, wo die Lokalbeamten den tatsächlichen Soleverbrauch zur Abrechnung kontrollierten. Für die Beamten und Knappschaften sowie Ortsarme wurden im Vertrag bei Vorlage eines Attestes kostenlose Bäder abgegeben.

Außerdem wurde eine Konventionalstrafe bei missbräuchlicher Verwendung der Badesole (z. B. Weitergabe) vereinbart, der Soleliefervertrag selbst konnte aber auf einem zukünftigen Betreiber der Badeanstalt übertragen werden.

 

  1. Mai Besichtigung der Saline durch den Oberberghauptmann Graf v. Beust .

Der besichtigte den Brodemkanal von der zweiten Siede-Pfanne zum Dampfbad, das nun in der saisosn durchgehend benutzt werden konnte und die bezugsfertige  Baubamtenwohnung (K.-Kruse-Str. 1- Pfarrhaus).

 

  1. Juli Brunnenfest-Abrechnung (St.-A. Nr. 183).

Das Fest kostete 126 Taler, an Einnhamen kamen 80 Taler aus Eintritt, 30 Taler als Geschenk des Königs und 7 Taler durch das von der Knappschaft angeschaffte Kinderkarusell. Das kostete der  Knappschaft 302 Taler.

 

  1. Juli Bericht des Landrates über das Saalehochwasser (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

„In den letzten Tagen des Monats Mai erreichte die Saale eine bedeutende Höhe und durch das Herstürzen der oberhalb  des Kösener Wehres in einer Ausdehnung von fast einer Stunde auf dem Flusse liegenden Holzflöße erlitten nicht nur die Holzhändler einen bedeutenden Verlust, sondern es drohte auch der Kösener Brücke große Gefahr, denn die mit großer Gewalt vom Wehre herabstürzenden bedeutenden Holzmassen fanden an den Jochen der Brücke einen Haltepunkt und der Stoß war so gewaltig, daß die anprallenden starken Holzstämme zum Theil  zerbrochen wurden, wodurch jedenfalls die Brücke erschüttert worden ist, wenn auch diese Annahme durch äußere Merkmale nicht gerechtfertigt wird.

Um für die Folge eine ähnliche Gefahr abzuwenden, zog ich die Sache in Verhandlung und hatte die Absicht, die Aufbewahrung der Flöße oberhalb des Wehrdammes zu untersagen. Allein die Ausführung dieser Maßregel stellten sich nicht unbedeutende Hindernisse entgegen, weil das Floßholz sobald es  das Wehr passiert, verzollt werden muß, was für die Holzhändler, welche die bedeutenden Vorräthe des Holzmarktes wegen, oberhalb des Wehres deponieren, zur gegebenen Zeit bedeutende Ausgaben verursachen würden und außerdem würde den vier Kösener Holzhändlern die Gelegenheit entzogen, ihre Langholzvorräthe zu controllieren, wenn die  Flöße entfernt vom Dorfe niedergelegt werden sollten. Der Ortsvorstand von Kösen versicherte, daß der Vorgang nicht hätte eintreten können, wenn die auf dem Strom liegenden Langholzflöße am Ufer gehörig  befestigt gewesen und dieser Ansicht läßt sich nichts entgegen stellen. Indem ich nun aber  im Begriff stehe, den Holzhändlern und Flößern die gehörige  Befestigung der Flöße  bey einer namhaften Strafe zur Pflicht zu machen, ist es mir nicht gelungen eine gesetzliche Vorschrift worauf ich die Strafandrohung gründen könnte, aufzufinden. Bei E. Hochwohlgeb. trage ich daher darauf an, das Regulativ wegen der Langholzflöße auf der Saale v. 26. Mai 1838 durch eine Amtsblattverordnung auf den vorgetragenen Fall veröffentlichen zu wollen und halte dafür, daß durch  die Androhung einer Strafe von 5 Thalern für jedes nicht gehörig befestigte  Floß der Zweck erreicht werden wird. Für die gehörige Publikation und Aufrechterhaltung dieser Anordnung würde ich dann Sorge tragen...“.

 

     Sep. Badelisten 1843  (NKB 22 bis 39, St.-A. Nr. 583).

Zu den Badegästen gehörten u.a. der Erbgraf zu Solms, die Gattin des Oberpräsidenten v. Brauchitsch, Prof. Otto Fr. T. Heinsius, Sprachwissenschaftler und Rektor des Grauen Klosters in Berlin, Gräfin v. Seckendorf aus Merseburg, der Opernsänger Genast aus Weimar, Baron von Helldorf, Berlin, Baron v. Gerstdorff, Kammerherr v. Plötz aus Weimar, der Kaiserl. Russ. Hofrat von Goldmann aus Warschau und Louise Fournier aus Berlin, die kurz darauf die alte Kellerei des Bergrats Borlach am Lengefelder Weg erwarb, ihre Wohnung einrichtete und eine kleine Pension betrieb.

 

  1. Sep. Salinenrecherche durch Mertins und v. Bühlow (WER Rep. F 23 II)

Dabei wurden die vom Salineninspektor Bischof angestellten Versuche zur Versiedung mit glühender Asche ausgewertet. Da eine bessere Qualität des Salzes erzielt und Formkohlen eingespart wurden, sollten die beiden Pfannen im 3. Kot für die Ascheversiedung hergerichtet werden. Außerdem wurden die bisherigen Soleleitungen (Kandeln) auf dem Oberdeck der Gradierwerke durch Kästen mit Hähnen und Schnellschussvorrichtungen ersetzt. Damit wurde das kubische System der Gradierung aufgegeben, allerdings fassten die Kästen wesentlich mehr Sole und die Aufgabe auf die Dornenwand war nun wesentlich gleichmäßiger und kontrollierter.

 

  1. Sep. Ausschreibung der Ökonomie der Landesschule (NKB).

Auch das Gut in der Landesschule sollt für 24 Jahre neu verpachtet werden. Dazu gehörten zwischen der Kettenbrücke und der Almricher Flur 1.260 Morgen Ackerland, 215 Morgen Wiese und 23 Morgen Garten sowie 3.000 Morgen „auswärtiges“ Hutungsland, ein Weinberg von 15 Morgen, die Fischerei auf der kleinen Saale innerhalb der Mauern bis an die Almricher Flur, Obstgehölze, die gesamnte  Viehhaltung, außer der Pachtschäferei, das Pfortaer Brau- und Brennhaus, eine Kalk- und Ziegelbrennerei und die Wassermühle. Dazu kamen noch die Fronen der Amtsdörfer. Der Pächter hatte die Lebensmittel für 170 bis 180 Schüler zu liefern, wofür man mit 1 Taler, 12 Silbergroschen und 6 Pfennige pro Kopf und Woche rechnete. Das Mindestgebot für die Jahrespacht letrug 7079 Taler und der Bewerber musste eine disponibles Privatvermögen von  mindestens 25.000 Taler nachweisen.

 

  1. Dez. Anordnung des Oberbergamtes (St.-A. Nr. 369).

Die Lokalverwaltung wurde angewiesen, neu einzustellenden Kunstwärtern den Verkauf  der Badesole als Dienstpflicht aufzuerlegen. Die derzeitigen Kunstwärtern sollten dagegen wie bisher ein Viertel vom verkaufserlös der badesole bekommen. Außerdem sollte ein Badewärter als Aufsicht über die Wellenbäder, das Dampfbad und die öffentliche Badeanstalt  angestellt werden.

 

             Statistik der fiskalischen Badeanstalten (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Seit 1827 waren insgesamt 1.883 Badegäste angereist, denen 50.259 Solebäder,  17.567 Wellenbäder mit und ohne Soledusche (seit 1833) und 1.469 Soledampfbäder (seit 1838) verabreicht wurden. Die  Gesamteinnahme belief sich auf 4.965 Talern, davon gingen 1.656 Taler in die  Knappschaftskasse.

 

            Sanitätsbericht Rosenbergers (St.-A. Nr. 369).

Positiv registriert wurde die Befreiung der Badegäste vom „Chausseegeldes“, die Pflasterung der Dorfstraße und die Einrichtung einer Postexpedition mit Personenpost. Auch die  Konzession einer Apotheke und die Einstellung einer für Ordnung und Sauberkeit auf den Wegen sorgenden Aufsichtsperson würden den Ruf des Bades verbessern. Unzureichend war die Versorgung mit Lebensmitteln wegen des fehlenden Viktualienmarkts. Insbesondere bei Gästen, die Diät halten sollten, wären „dem Zwange der indolenten Gastwirte“ ausgesetzt.

 

1844

 

  1. Jan. Neuordnung der herzoglichen Saaleflöße (Stadtarchiv Jena).

Überraschenderweise hatte im Frühjahr 1843 das herzogl.-altenburgische Floßkommissariat dem Jenaer Stadtrat angekündigt, den dortigen Stapel nicht mehr zu belegen. Grund dafür war die Weigerung der großherzogl.-weimarischen Staatsbehörde, die von der altenburgischen Kammer  veranlasste Preiserhöhung anzuerkennen. Der Stadtrat, der um die Versorgung mit Brennholz bangte, wandte sich daraufhin an den Großherzog. Doch dieser verwies auf die im Jahr 1837 vertraglich vereinbarten Festpreise für die Dauer des Vertrages, die man nicht vorzeitig und einseitig ändern könne. Da auf den Stapel Jena noch  3.600 und in Dornburg 800 Klafter lagen, wäre die Brennholzversorgung im laufenden Jahr nicht gefährdet. In dem dann abgeschlossenen Vertrag wurden die im laufenden Jahr geltenden Verkaufspreise vom Altenburger Floßkommissar der weimarischen Staatskanzlei mitgeteilt, von dieser bewilligt und den örtlichen Räten mitgeteilt.

 

  1. Feb. Bericht der Lokalverwaltung (WER Rep. F 23X Nr. 22/1, St.-A. Nr. 369).

Die Kunstwärter verdienten jährlich rund 47 Taler bei der soleabgabe und der Betreuung der fiskalischen Badeeinrichtungen. Doch dafür würde wohl kaum ein „ordentlicher, anständiger Mann mit einer Arbeitszeit von 5 Uhr früh bis 9 Uhr abends von Mai bis September zu haben sein“, meinten die salinenbeamten. Außerdem müsste der badediener ais der Knappschaftskasse entlohn werden, was nicht zulässig sei. Zum Stand der Jacobschen Badeanstalt wurde berichtet, dass einer der Hauptmann Bertag verstorben war, für den man einen anderen Teilhaber suchte und außerdem abwarten will, inwieweit die  geplante Bahntrasse das Grundstück berührt.

 

  1. Mär. Schreiben Jacobs an die Salinenverwaltung (WER Rep. F 23)

Das Ministerium für geistliche Angelegenheiten hatte wegen der laufenden Verhandlungen mit der Thüringer Eisenbahngesellschaft noch keine Genehmigung zu seinem mit der Landesschule abgeschlossenen Kaufvertrag über den unteren Holzplatz erteilt.

 

  1. Mär. Schreiben des Naumburger Magistrats an den Landrat (St.-A. Nr. 488).

Der Magistrat hatte erfahren, dass die Badedirektion und die Gemeinde Kösen die Genehmigung zur Abhaltung eines  Wochenmarktes beim Landrat beantragt hatten, denn die Versorgung mit Fleisch, Eiern, Butter, Käse, Gemüse und Obst war in Anbetracht der ständig steigenden Zahl an Badegästen völlig unzureichend. Man musste seinen Bedarf vom Naumburger Wochenmarkt  beziehen oder war auf Höker, Wander- und Zwischenhändler angewiesen. Das verteuerte die Lebensmittel, was besonders die ärmeren Familie traf, aber auch viele Badegäste abschreckte. Gewünscht wurde ein Markttag in der Woche, der nicht mit dem Naumburger Wochenmarkt zusammenfiel. Der Naumburger Magistrat erklärte, dass ein Wochenmarkt in Kösen den Naumburger Einwohnern und Gewerbetreibenden erhebliche Nachteile bringen würde und dass man bisher ja auch ohne Markt ausgekommen sei. 

 

  1. Mai Ernst Johann Bischof wird zum Salineninspektor ernannt. (Mager, Aufsätze II).
  2. J. Bischof (1803-1885) war der Sohn von J. A. Bischofs (1764-1832, Inspektor in Dürrenberg). 1825 war er Rechnungsführer der Kösener Saline, ging 1826 nach Dürrenberg, war 1833 in Artern als  Factor, 1839 als Salzamts-Assessor wieder in Dürrenberg und 1842 in Elmen als Gradierinspektor tätig. 1844 wurde ihm die Lokaldirektion in Kösen übertragen, als Nachfolger Ebers, der ins Oberbergamt wechselte. 1855 wurde er Salzamtsdirektor in Dürrenberg, 1857 zum Bergrat ernannt,  trat  er 1868 in den Ruhestand.

Bischoff verfasste die „Geschichtlich-technologische Mittheilungen über das Königlich-Preußische im Herzogthum Sachsen gelegene Salzwerk zu Dürrenberg - Seit dessen Entstehung bis zum Schluß des Jahres 1826“, die 1831 bei C. J. B. Karsten im „Archiv für Bergbau und Hüttenwesen“ Bd. 20 Heft 1 veröffentlicht wurde. Einleitend stellte Bischof eine Biographie des Bergrats J. G. Borlach voran.

 

  1. Juni Schreiben des Schulinspektors an den Landrat Jacobi v. Wangelin (St.-A. Nr. 488)

Die Gemeinde hatte auch um die Zustimmung der Landesschule für den Wochenmarkt nachgesucht. Die Beamten hatten keine Bedenken und auch die Kgl. Provinzial-Schulverwaltung war einverstanden, zumal der Markt ebenso gut von den Ökonomien von Pforte, Kukulau und Fränkenau beliefert werden konnte und man sich den Weg nach Naumburg sparte. Allerdings sollte die Marktaufsicht von der Gemeinde gestellt werden. Landrat Jacobi von Wangelin teilte dem Ortsrichter mit, sich dazu zu erklären und binnen 3 Tagen einen Platz möglichst in Ortsmitte für den Markt zu benennen.

 

  1. Juni Schreiben des Ortsrichters (St.-A. Nr. 488).

Nette schlug vor, den Markt auf dem Platz  zwischen dem Chausseedamm und der alten Heerstraße abzuhalten.

 

  1. Juni Schreiben der Kgl. Regierung an den Landrat (St.-A. Nr. 488)

Die Beschwerde des Magistrat zu Naumburg wurde vom Landrat abgewiesen, weshalb man bei der Kgl. Regierung wegen des Kösener Wochenmarkt unter Vorbringung der gleichen Begründung protestierte. Der Landrat wurde angewiesen, zunächst von einer Genehmigung abzusehen und weitere Anweisungen abzuwarten.

 

  1. Juni Salinenrecherche durch Ober-Berghauptmann v. Beust (WER Rep.F 23 Nr. 5/3).

Dieser ordnete die Neuaufteilung der Gradierfälle nach der von Bischof angestellten  Berechnung an. Die Gesamtfläche betrug 65.600 Quadratfuß, davon für den 1. Fall 24.737 Qu.-Fuß am oberen Gradierwerk, für den 2.Fall 18.085 Qu.-Fuß (zu gleichen Teilen am oberen und am unteren Gradierwerk), für den den 3. Fall 13.182 Qu.-Fuß und den 4. den Gutfall 9.623 Qu.-Fuß. Für die Röhrenfahrten vom oberen zum unteren Gradierwerk sollten gusseiserne Rohre verwendet werden.

Zudem wurde die Lokaldirektion über die Kostenteilung zwischen dem Salinenfiskus und der Landesschule bei der Unterhaltung des Wehrdammes und des Eiswehres informiert.

 

  1. Juni Baubeginn für die Badeanstalt.

Am 5. Juni hatte das Ministerium den Kaufvertrag genehmigt und mit dem Beitritt eines neuen Gesellschafters war die Gesellschaft wieder handlungsfähig.

 

  1. Aug. Erstes Sängerfest auf der Rudelsburg (NKB).

Der Einladung der Naumburger Liedertafel folgten Vereine aus Apolda, Bürgel, Camburg, Jena, Laucha und Sulza.

 

      Sep. Badelisten von 1844  (NKB 21 bis 36).

Es waren 213 Einträge d.s. 641 Einzelgäste darunter der Baron v. Berlepsch, Oberst-Ltn. v. Helldorf, der bekannte Berliner Bischof Dr. Neander (in Naumburg geboren, in Pforte zur Schule gegangen u. von 1805 bis 1817 Pfarrer in Flemmingen) und die Gräfin v. Königsmarck. Der   Rückgang war den  äußerst ungünstigen Witterungsverhältnissen geschuldet.

 

  1. Sep. Öffentliche Ausschreibungen zum Bahnbau (NKB 38 ff).

Die Trasse war vermessen, die Finanzierung gesichert und eine Aktiengesellschaft gegründet. Die ersten Arbeiten sollten an den schwierigen Stellen, an Bergeinschnitten, Brücken und Dämmen beginnen0. Dazzu gehörte das Saaletal mit zahlreichen Brückenbauwerken.

Die Lose für Materiallieferungen und Maurerarbeiten waren auf die einzelnen Bauabschnitte ausgelegt, wie die Saalebrücke in der Ortslage Kösen, die Lengefelder Ufermauer und weitere drei Brücken zwischen Lengefeld und Kleinheringen. Die „schiefe Brücke“ war eine Herausforderung. Üblicherweise wurden Flüsse im rechten Winkel überquert, was hier wegen der Enge des Tals und der unmittelbar daneben liegenden Straßenbrücke nicht möglich war. Also musste man die Bahntrasse schräg über den Fluß legen, während die Eispfeiler rechtwinklig zur Fließrichtung standen. Daher standen Brückenbogen und Pfeilerauflager nicht im rechten Winkel, wodurch ein erheblicher konstruktiven Aufwand bei der Herstellung der Gewölbe erforderlich war..

Die effektivste Transportmethode bei den Erdarbeiten war der zweirädrige Handkippkarren, der von zwei Mann auf einer leichten Holzbahn gezogen wurde. Nur bei größeren Entfernungen kamen Fuhrwerke zum Einsatz. 

 

  1. Okt. Grundstückserwerb der Eisenbahngesellschaft (WEI RB Erfurt K 12 Nr. 1)

Das betraf zunächst die Anwesen von Privatleuen, übner die die Trasse verlief. Die Verträge wurden vom Direktor der Thüringer Eisenbahngesellschaft Graf von Keller persönlich vor Ort abgeschlossen und vom Justizrat Bielitz im Beisein der Zeugen dem „Privat-Expedienten“ Carl Ludwig Brandt und dem „Supernummerar“ Richard Rudolph Morgenroth notariell beglaubigt.  

Der Kunstwärter Johann August Scheufler erhielt für sein Anwesen 1.525 Taler, zuzüglich der Erbzinsen und der Grundsteuern und musste bis Ostern 1845 ausziehen. Nach der dem Kaufvertrag beiliegenden Inventarliste war das Haus am Mühlenweg zweigeschossig. Rechts vom Hausflur lag eine Stube mit 3 Fenstern und einem gusseisernen dreistöckigen Ofen, dahinter eine Kammer mit einem Fenster und eine fensterlose Küche mit dem Herd. Auf der linken Seite gab es eine weitere Stube mit einem Fenster und einem Ofen, bestehend aus dem Unterbau aus Pfannenblech und einem Kachelaufsatz. Dahinter eine Kammer. Vom Flur führte eine Treppe in das Kellergewölbe und ins Obergeschoß eine hölzerne Treppe mit 13 Stufen. Das als „Saal“ bezeichnete Treppenhaus hatte je ein Fenster zur Straße und zum Hof. Rechterhand waren eine Stube und eine Kammer, linkerhand zwei Stuben. Zum Dachboden führte eine elfstufige Treppe, dort gab es mehrere Verschläge und  Kammern. Durch die  Hoftür, die wie die Haustür zweiflüglig war, kam man in die  Küche, die zwei Fenster und eine „Kochmaschine“ hatte. Über der Küche befand sich eine Werkstube. Zum Hof gehörten zwei „Saukarren“, ein Torfstall, ein Ziegenstall und 2 Holzschuppen, zum Garten eine Pflaumendarre. Vor dem Haus stand eine Laube, umgeben von einem Lattenspalier.      

Das Ehepaar Bennemann erhielt  1.200 Taler für ihr Anwesen ebenfalls am Mühlenweg,  durfte das Haus auf eigene Kosten abreißen und das Baumaterial behalten. Beide Verkäufer erhielten ein Vorkaufsrecht, falls die Bahngesellschaft nach der Inbetriebnahme der Bahn die nicht benötigten Flächen veräußern würde. Allerdings machten nur die Bennemanns davon Gebrauch und bebauten das Grundstüück wieder (Lindenstr. 1/2)

Der Chemiker Georg Heinrich Heun verkaufte der Eisenbahngesellschaft von seinem Grundstück am Lengefelder Fahrweg den „Teichgarten“, mit einem Schmelz- bzw. Sodaofen und einem von Windkraft angetriebenen Pochwerk für 4000 Taler. Das Wohnhaus und ein  „thurmartiges Gebäude“, die sogenannte Schenke, seine  Brennerei konnte er behalten (Borlachstr. 43).

Außerdem erwarb die Gesellschaft die restlichen Flächen des Floßamtes von der Straßenpartie bzw. von der Landesschule und die hinter dem Chausseedamm liegende Webersche  Wiese, die man als Lager und Baustelleneinrichtung benötigte.

Alle weiteren für den Bahnbau benötigten Flächen musste die Landesschule abgegeben. Neben der eigentlichen Trasse auch parallel dazu laufende Landstreifen für die Baustraße, Flächen für den Bahnhof und für den Abbau von Lehm-, Ton und Erdmassen für die Bahndämme. 

 

  1. Okt. Pforte bietet die Steinbrüche öffentlich auf (NKB).

Die Steinbrüche am Katerberg und bei Fränkenau sollten zum Bahnbau meistbietend in Zeitpacht gegeben werden.

 

      Okt.  „Kösen – Dorf, Saline, Stadt“ von  A. C. Ende (Anna Amalia Bibl.).

Der beitrag des Pfarrers von Ostrmondra erschien in der Reihe „Thüringen und der Harz“, Bd.  8.  Etliche Angaben waren unzutreffend, wurden aber von Heimatkundler im 20. Jahrhundert ungeprüft übernommen.

 

  1. Nov. Vergleich zwischen dem Chemiker Heun und der Bahngesellschaft (WEI. RBD K12,1)

Entgegen den Vereinbarungen lag die Bahntrasse doch zu nahe an seinem Anwesen und er handelte eine zusätzliche Entschädigung aus.

 

               Medizinalbericht des Knappschaftsarztes (BLK-A. Nr. 369)

Registriert wurden 218 Einträge, 1.438 abgegebene Wellenbäder und 124 Besucher der Soledampfkammer. Die Tuchen`sche Molkeanstalt hatte 80 Besucher, die Struvesche Mineral-Wasseranstalt 100.  Der Rückgang war der ungünstigen Witterung geschuldet und viele Gäste reisten vorzeitig ab. Erneut kritisierte Rosenberger die  Willkür der Gastwirte „Die Restauration von Hämmerling und Weber lieferten die Speisen ohne alle Rücksicht auf die in ärztlicher Beziehung durchaus erforderliche Bade-Diät und in der schon seit langen Jahren bekannten Beschaffenheit....Es ist natürlich zu bedauern daß (.) auf alle Angelegenheiten, welche den Zweck des Aufenthaltes und somit dem Wohl der Fremden betreffen, noch kein autorisierte Kontrolle herrscht, welcher Willkür die Gäste unterworfen sind.“ Um den Hochmut der Wirte einzudämmen, Quartiersuchende besser zu betreuen und schriftliche Anfragen zu beantworten sei dringend eine geeignete Institution einzurichten.  Die könnte sich dann auch dem geselligen Leben widmen, woran es dem Ort mit 1.046 Einwohnern und 114 Wohnhäusern mangelt. Einzig im Salon des Konditors Furcht fand so etwas wie geselliges Beisammensein statt. Der Apotheker Neumann hatte trotz Konzessionierung den Ort verlassen, weil er weder ein Ladengeschäft noch einen Bauplatz bekommen konnte. 

 

             Friedrich Christian Schleicher wird Ortsrichter (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Der gelernte Zimmerer, Jg. 1784 bekleidete das Amt bis 1867. Er wohnte in der Dorfstraße 40, heute Borlachstraße 8.

 

1845

 

  1. Jan. Ausschreibung zur technischen Ausrüstung der öffentlichen Badeanstalt (NKB Nr.2).

Gesucht wurde eine Firma für den Einbau des Kessels für die Warmwasserbereitung.

 

  1. Jan. Bericht des Abteilungsingenieurs Weißhaupt (WEI RBD K12.1).

Der Salzsieder Thieme hatte sich beschwert, weil sich nach den Gründungsarbeiten der Brückenpfeiler in seinem 1840 gebauten Haus (Uferstraße 1) Risse zeigten.

 

  1. Mär. Geschäftsanzeige (NKB Nr. 11).

Der Naumburger Kaufmann Starklop eröffnete ein Tabak- und Zigarrengeschäfts an der Naumburger Chaussee.

 

  1. Mär. Amtliche Verfügung für die Langholzflöße (NKB Nr. 13).

Harte Strafen drohten denjenigen, die beim Passieren der im Bau befindlichen Bahnbrücken  Schäden an den Gerüsten und Schalungen für die Brückenpfeiler verursachten.

 

  1. Apr. Gründung des Fuhrgeschäftes Pabst (KAZ 1935).

Der ehemalige Salinenzimmermann Heinrich Friedrich Wilhelm Pabst nutzte die Gelegenheit,  für den Eisenbahnbau Transporte durchzuführen. Das Unternehmen bestand bis in  die 1950er Jahre. 

 

  1. Apr. Vereinbarung über die Bahnübergänge und Durchlässe (WEI RBD K.12,1).

Bei einer Streckenbegehung besichtigten der Ortsrichter Schleicher, Schulinspektor Schwimmer und der Abteilungsingenieur Weißhaupt die Lokalitäten für die wichtigsten Durchlässe und Übergänge der Bahnlinie  zwischen Lengefeld und Pforte. Es waren 8 Kreuzungspunkte, darunter die Querung des Flutgrabens der Mausa, die Quelle am Bahnhof, die Brücke über den Scheitbach, die Wegekreuzungen an der Katze, am Bahnhof und  am Fischfeld. Die Kreuzungspunkt mit der   Chaussee und der Weg zu den Saalhäusern wurden mit Schranken versehen. Zwei  Schrankenübergänge mit Posten  kamen an den Bahnhof, sowie am Fischhaus, am Fischfeld, am Lengefelder Friedhof  und in Saaleck. Zur Gemeindestraße (Lindenstraße) führte ein Tunnel.

 

  1. Apr. Neubesetzung der Brandschutzinspektion des 2. Bezirks (NKB Nr. 18).

Nach der Versetzung der Salinenbeamten Ebers und Haun traten Salinen-Inspektor Bischof als Inspektor und der Salinen-Aufseher Kühne als Vize an ihre Stelle.

 

  1. Mai Schreiben der Kgl. Regierung wegen des Wochenmarktes (St.-A. Nr. 488)

Die Investoren der Warmbadeanstalt hatten die Einrichtung eines Wochenmarkt als Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit ihrer Badeanstalt angemahnt, weshalb die Behörde den Landrat aufforderte, die entsprechende Konzession zu erteilen.

 

  1. Mai Ausschreibung für den Eisenbahnbau (NKB Nr.19).

Das betraf die Maurerarbeiten und Materiallieferungen für die kleineren Überführungsbauwerke zwischen Pforta und Lengefeld. 

 

  1. Mai Bericht des Landrates über das diesjährigen Hochwasser (MER C 50 Naumburg A Nr. 75).

„Das Ereignis des Jahres 1843 welches ich E. Wohlgeb. am 15 Juli 1843 berichtete, trat am 31. Mai wieder ein, indem als Folge des wolkenbruchartigen Regengüsse die Saale aus ihrem Ufer trat und die oberhalb des Kösener Wehres auf dem Strom liegenden Langholzflöße in die Tiefe hinabstürzte, wo sich ein großer Theil vor der Brücke auftürmte. Es sind ca. 10.000 Stämme vor der Brücke gelagert und daß sie den Stoß ausgehalten, gibt ein Zeugnis ihrer Dauerhaftigkeit. In Folge freiwilliger Uebereinkunft der Eigenthümer der Flöße wird deren Wegräumung mit möglichster  Anstrengung betrieben, es muß aber nun jedenfalls zur Abwendung ähnlicher Unglücksfälle angemessene Verfügung ergehen, um Beschwerden der Eigenthümer zu beseitigen, daher ich auf meinen bis jetzt unberücksichtigt gebliebenen Vortrag vom 15. Juli 1843 zurückkomme  und jede Unterstützung desselben bitte..“.

 

  1. Mai S. Königliche Hoheit Prinz Karl besichtigt die öffentliche Badeanstalt (NKB).

 

  1. Juni Bericht der Lokaldirektion über die Badeanstalt (WER Rep F 23 X Nr. 22/2).

Diese hatte 21 Badekabinette, davon 17 mit einer Wanne,  sieben mehr als ursprünglich vereinbart. Alle konnten direkt mit Kalt-und Warmwasser  sowie mit der Sole befüllt werden. Die 300 Fuß, etwa 96 Meter, lange Solezuleitung vom Hochbehälter am unteren Schacht gewährte einen Druck von 6 mWS. Das Anwesen im Schweizer Stil war eingeschossig, hatte auch einige Pensionzimmer, aber keine Gastungs- und Schankkonzession und war ausschließlich für den Saisonbetrieb eingerichtet. Des Umfeld der Anstalt  war zum Park umgestaltet, den eine Solefontäne krönte. Die Aufsicht über die Anstalt hatte der Badediener Kettner. Die ärztliche Aufsicht und die Erstkonsultation der ankommenend Badegäste übernahm Dr. Rosenberger für ein festes  Honorar von 300 Talern. Die anderen Konsultationen waren dann kostenpflichtig. Unter dieser Voraussetzung stellte Rosenberger die Abgabe von Bädern in seiner Anstalt ein und beschränkte sich auf die Vermietung.

Die Lokaldirektion beantragte beim OBA, den Soleliefervertrag dahingehend zu ergänzen, dass auch an die Frauen und Kinder der Salinenbeamten und Arbeiter kostenlose Bäder abgegeben werden.

 

  1. Juni Konzession für den Apotheker  Manasse Gause.

Gause hatte mehr Glück als sein Vorgänger. Er erwarb ein verkehrsgünstig gelegenes Anwesen, wo sich auch heute noch die Apotheke befindet.                       

 

  1. Juni Bericht des Ortsrichters über die Beseitigung der Floßhölzer (MER C 50 Nbg. A Nr. 75)

„E. Königl. Wohllöbl. Landrathsamt zeige ich hierdurch gehorsamst an, daß die Holzhändler Friedrich und Christian Krüger, hierselbst, welche das Aufräumen der an die hiesige Brücke durch Hochwasser geschwemmten Bauhölzer im Auftrage der betheiligten Eigenthümer der Hölzer besorgen, zwar am 14, d. M. bei Anwesenheit  des Hr. Regierungs-Bauraths Haupt zu Merseburg  versprochen haben, bis zum 21. als am vergangenen Sonnabend wenigstens zwei Joche der Brücke  frei zu machen. Die Arbeiten sind hierauf  sowie schon vorher auf die verehrl. Verfügung vom 3. d. M. mit mehr Mannschaften gehörig angegriffen, allein da die Arbeiten schwieriger sich herausstellten als man sich gedacht und der Strom am letzten Freitag und Sonnabend wieder stark angeschwollen ist, daher die Arbeit ganz unterbrochen werden mußte, so haben dieselben ihren Versprechen nicht nachkommen können, nämlich die zwei mittleren Joche völlig zu  räumen. Der Gang des Stromes hat indes viel mehr und hinlänglichen Abzug erhalten, so daß, wenn die diesjährigen Scheitholzflöße beginnen sollte kein, Hindernis  im Wege steht“.

 

  1. Juli Anordnung der Kgl. Regierung zum Floßzoll (MER D 50 Naumburg A Nr. 75)

Nach einem zweiten Bericht des Landrates bezüglich der Sicherheit der Brücken wurde v. Danneil angewiesen, gemeinsam mit sachkundigen Flößern und Holzhändlern ein passende Stelle unterhalb des Wehrdammes ausfindig zu machen, wo die Flöße verzollt und somit der Stau oberhalb des Wehrdammes beseitigt werden könnte. Ein sicheres Anbinden der Flöße wäre zwar wünschenswert, bei Hochwasser dagegen kaum wirksam. Die Beschwerde des Abteilungsingenieurs der Eisenbahn wegen Behinderungen der Bauarbeiten an den Eisenbahnbrücke durch große Mengen Scheitholz wurde abgewiesen und auf die Schäden an den Rechenanlagen von Weißenfels und Merseburg durch vom Hochwasser mitgerissene Gerüsten hingewiesen.

 

  1. Juli Der Wochenmarkt wird erneut abgelehnt (St.-A. Nr. 488)

Erneut konnte der Naumburger Magistrat per Beschwerde die Konzessionierung unterbinden.

 

  1. Juli Tagebuchnotizen der Minna Tiburtius (Dorfmüller, Gerth, Lehmann)

Die Verlobte des Zeichenlehrers der landesschule Friedrich Hoßfeld und ihre zukünftigen Schwiegereltern weilten hier bis zum 14. August.

 

  1. Aug. Beitrag in der „Magdeburgischen Zeitung“ zur Flößerei (MER C48 Ic, Nr.1687)

Die Abgaben und Hindernisse, die der Bau- und Scheitholzflöße auf der preußischen Saale erwuchsen, verteuerten die Holzwaren. Die Verwaltung wurde aufgefordert, größtmögliche Erleichterungen zu schaffen, wie sie der böhmischen Elbflöße bereits gewährt wurden. Außerdem wäre es möglich, dass mit Inbetriebnahme der Thüringer Eisenbahn das Holz noch vor dem preußischen Zollbezirk auf die Schiene gebracht würde, womit dem Fiskus der Floßzoll entging, denn die Einfuhr von  Holzwaren auf dem Landweg war zollfrei.

 

  1. Aug. Schreiben der Berliner Ministerien (MER C48 Ii Nr. 782).

Den Antrag des Badeanstaltsbesitzers Hartungs, alle übrigen privaten Anstalten zu schließen, lehnten die Fachministerien ab. Sie meinten, dass durchaus weitere Bäder im Ort wünschenswert sind, einerseits als Nahrungsquelle der Einwohner, andererseits würde die Konkurrenz das Geschäft beleben.   

 

  1. Aug. Verfügung des Generaldirektors der Berliner Steuerbehörde (MER C48 Ic, Nr. 1687).

Den Holzhändlern Gebr. Krüger wurde der beantragte Erlass des Floßzolls für die mit dem Hochwasser fortgerissenen Stämme und Holzwaren genehmigt.

 

  1. Aug. Bericht des Floßkontrolleurs Streubel zum Hochwasser (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Wegen des Schadens beim letzten Hochwasser, wurde der zuständige Zollbeamte aufgefordert, Vorschläge zur Mengenbegrenzung der oberhalb des Wehrdammes haltenden Flöße zu machen. Doch das wäre nicht machbar, denn dann würde der Holzmarkt eingehen, wie bereits vom Rittergutsbesitzer v. Schönburg vor Jahren prophezeit. Seiner Meinung nach müsste das altsächsische Gesetz wieder in Kraft treten, wonach alle Flöße vor Palmarum den Wehrdamm zu passieren mussten und unterhalb des Dammes zur Zollerhebenung anlegten.

Würde ein neues Hochwasser während der Flöße nur geringfügig stärker sein als das diesjährige, so würden die Stämme, Scheite und Bretter zwischen Wehrdamm und Brücke das Wasser so hoch anstauen, dass die Mühle, die dortigen Wohnhäuser und der Chausseedamm überflutet werden. 

 

  1. Aug. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr.5/3).

Berghauptmann Mertins und der Oberbergamtsassessor Ebers stellten fest, dass durch den strengen Frost im 1. Quartal absehbar war, dass statt der geplanten 1.425 Lasten Salz nur 781 produziert würden. Dazu kam, dass die Mertendorfer  Kohle stark verunreinigt war, was den Heizwert merklich verminderte und damit eine größere Menge als geplant, verbraucht wurde.

Fertiggestellt war die 528 Fuß (166 Meter) lange gusseiserne Röhrenfahrt vom oberen zum unteren Gradierwerk. Die Neuaufteilung der Gradierfälle wurde anhand umfangreicher Berechnungen nochmals eingehend besprochen, allerdings nur geringfügige Änderungen vorgenommen. Bedeutsamer für die Saline war die Festlegung, dass zukünftig die sächsischen Niederlagen nicht mehr von Kösen sondern von Dürrenberg wegen der besseren Wege. Das bedeutete, wenn keine Alternativen gefunden wurden, die Drosselung der Produktion und die Reduzierung des Personals. Unter dem Punkt „Sonstiges“ kam der Wochenmarkt zur Sprache, den auch die Lokaldirektion als notwendig bezeichnete und dafür den zur Saline gehörenden Platz an der unteren Wasserkunst zwischen der Chaussee und der kleinen Saale vorschlug. Die Vertreter des OBA erklärten sich  auch im Hinblick auf die Frequenz der Hartungschen Badeanstalt bereit, bei den zuständigen Behörden zu intervenieren.

 

              „Lehrbuch der Salinenkunde“ (MÜN digit).

Verfasser war der Kgl.-Preuß Geh. Oberbergrat, ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin Dr. C. J. B. Karsten. Im ersten Band (S. 215-219) wurde die hiesige Saline   beschrieben. Demnach betrug die Teufe des oberen Schachts 556,3 Fuß (209 m), die des unteren  520,5 Fuß (196 m) Die Temperatur der Sole lag bei 14,25° R. Die Länge des  Verbindungsstollens betrug 754 Fuß (284 m) und stieg vom oberen zum unteren Schacht auf einer Länge von 535 Fuß (202 m) um 7,25 Fuß (2,7 m), so dass die reichere Sole zum oberen Schacht lief.  Im unteren Schacht wurde nur noch der Solespiegel konstant gehalten. Der Zufluß der Quellsole des unteren Schachtes betrug 2,9 Kubikfuß/Minute  (5,4 m³/Std.) und im oberen Schacht 6,8 Kubikfuß/Minute (12 m³/Std = 288 m³/Tag). Die Gradierwerke waren 1816 Fuß (684 m) lang, die Dornenwände zwischen 35,6 und 36,7 Fuß (13,6 m) hoch, die Dornfläche betrug 65.600 Quadratfuß (9.184 m²). Das Fassungsvermögen der Behälter für die Rohsole  betrug 35.450 Kubikfuß (1063 m³), die für die Mittelsole 140.465 Kubikfuß (4214 m³) und für die Siedesole 108.466 Kubikfuß (3254 m³). Dieser  Behälter war abgedeckt und die Abdeckung wurde als Tafelgradierung genutzt. In den drei Siedekoten standen vier Siedepfannen, zwei Beipfannen und zwei Aschepfannen. Die Herde, außer den Ascheherden, waren „Circular Herde“. Weitere Angaben bezogen sich auf die chemische Zusammensetzung der Sole, die zur Weiterverarbeitung genommenen Siedeabfälle, wie  Pfannenstein, Salzschlamm und die Mutterlauge, die einen hohen Anteil schwefelsaures Kali, Bittersalz und Chlormagnesium enthielt. Das weiße Kochsalz enthielt noch 1 % Gips und Bittersalze und 2 % Wasser. In den Trockenkammern standen rund 3.000 m² Lattenroste. Zur schnelleren Trocknung lagen hier die eisernen Abzugsröhren der Siedeherde. Die Störzeit bei den Siedepfannen betrug 5 bis 6,5 Stunden, die Soggzeit zwischen 25 und 29,5 Stunden. Bei den Aschepfannen dauert das Stören 23, das Soggen 130 Stunden, wobei das Salz zwar langsam aber dafür grobkörniger auskristallisierte. Die Jahresmenge gab Karsten mit 51.500 Zentner an.

 

  1. Sep. Bericht des Landrates über die Verhältnisse im Floßzollbezirk (MER C48Ic ,1687)

Jacobi von Wangelin empfahl die Verlegung des Hebestelle an die preußische Landesgrenze bei Kleinheringen, womit der Stau oberhalb des Wehrdammes und die Gefahr für die Brücken beseitigt wäre. Außerdem würde sich der Zoll im Rücken der Eisenbahn befinden und es würden alle angeflößten Holzwaren verzollt, bevor sie möglicherweise mit der Thüringischen Bahn weiter befördert würden.

Daraufhin beauftragte die Königl. Regierung einen Beamten der gemeinsam mit dem Floßkontrolleur Streubel die Örtlichkeiten bei Kleinheringen besichtigte. Die stellten fest, dass eine Verlegung an dieser Stelle nicht ausführbar sei. Das Ufer Kleinheringen gegenüber gehörte zu Weimar, die Grenze verlief mitten im Fluß. Dann verlief der Bahndamm und der Viadukt direkt an der saale entlang und an den Ufern gab es keine geeigneten Anlegeplätze. Erst bei Stendorf waren beide Ufer preußisch, allerdings konnte wegen der Überschwemmungsgefahr hier keine Hebestelle errichtet werden. Einzige Möglichkeit wäre eine gemeinsame Hebestelle mit dem Großherzogtum Weimar bei Jena oder Camburg. 

 

  1. Sep. Nachtrag zum Soleliefervertrag der Jacobschen Badeanstalt.

Die Anstalt gab nun auch Freibäder an die Familienangehörigen der Knappschaft und der Beamten ab.

 

      Sep. Gästelisten 1845 (NKB 24 bis 63).

300 Nummern bedeuteten über 600 Badegäste, einige zum wiederholten Male, wie Mad. Devrient, Genast, v. Berlepsch, v. Puttkammer, v. Wangenheim, außerdem Dr. Littfas aus Berlin, der Gen.-Major v. Busse sowie die Gräfin von Lottum aus Neapel und die Gräfin Melinska aus Posen.

 

  1. Okt. Erklärung der Kgl. Regierung zum Floßzollbezirk (MER C 48Ic, 1687)

Die Behörde leitete den Vorschläge iund das Gutachten der oberen Steuerbehörde zu,mit dem bemerken, dass eine Änderung des Zollbezirks in Anbetracht der örtlichen Verhältnisse nicht möglich sei.

 

  1. Dez. Anweisung der Provinzialsteuerbehörde zur Hebestelle (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Nach Eingang der entsprechenden Gutachten und Berichte, wurde festgelegt, dass eine Verlegung der Hebestelle an die Landesgrenze ausgeschlossen sei und die Zollgrenze und der Zollbezirk im Interesse des Holzmarktes und der Flößer belasssen wird. Diese hätten die Möglichkeit, wenn ihnen die Preise auf dem Holzmarkt nicht zusagten, ihre Flöße aus dem Zollbezirk wieder saaleaufwärts zu bringen, soweit dies auf dem Wasser geschieht. Zudem müsse man auf die Auswirkungen bei der Inbetriebnahme der Eisenbahn abwarten, würde die den Transport billiger anbieten, müsste man  die Zölle senken. Die beiden extremen Hochwasser seien die Ausnahme, und daher bedarf es keiner besonderten Maßnahmen, zumal diese den Floßhandel einschränkten.

 

            Aufgabe des alten Friedhofs (Hinsche, Heimatbuch 1930).

Der Friedhof in Neu-Kösen, auf dem die Gemeinde seit 1786 ihre Toten bestattete, reichte für die  stetig wachsende Einwohnerschaft nicht mehr aus. Daher pachtete die Gemeinde von der Landesschule ein Stück vom Schäfereifeld östlich vom Gradierwerk.

 

            Jahresbericht Rosenbergers (St.-A. Nr. 369)

Der bedauerte, dass die öffentliche Badeanstalt im Privatbesitz war und befürchtete trotz der vertraglich vereinbarten Kontrolle seitens der Salinenverwaltung bald ähnlich unerfreuliche Zustände wie bei den übrigen Badewirten. Den Gastwirten Hämmerling und Weber warf er  erneut mangelnden Gästeservice vor, vor allem bei Gästen, denen er „diätische“ Ernährung verschrieben hatte.

Nach der Statistik der fiskalischen Badeeinrichtungen wurden in den letzten 6 Jahre im Durchschnitt 4.037 warme Solbäder, 1.730 Flußbäder und 260 Dampfbäder abgegeben. Die Einnahmen beliefen sich auf 476 Taler/Jahr, die Kosten auf 178 Taler/Jahr, der Zufluss zur Knappschaftskasse 296 Taler.

 

1846

 

  1. Jan. Bestätigung der Statuten der Flößergemeinde an der oberen Saale (Stadtarchiv Jena).

Die Flößergemeinde Kahla,  eine gewerbliche Genossenschaft zur Förderung der Langholzflößerei auf der Saale, wurde vom Herzog von Sachsen-Altenburg anerkannt und berechtigt mit  den großherzoglich.weimarischen und kden öniglich-preußischen Floßbeamten zu verhandeln. Die Genossenschaft finanzierte sich aus einer Abgabe, die von jedem Floß erhoben wurde, dass die Hebestelle Oelknitz passierte.

 

  1. Feb. Statistik des fiskalischen Badebetriebs 1845 (St.-A. Nr. 369)

Die den privaten Badewirte verkaufte Sole reichte zur Bereitung von 6.598 Wannenbädern, die Wellenbäder besuchten 1.938 Gäste, die Soledampfbäder 260.

 

  1. Feb. Weber beantragt die Lastenfreistellung seines Feldes (WER Rep.F23, I Nr.1 Bd.6).

Der Gastwirt wollte seine restliche Wiese hinter dem Chaussedamm zwischen dem Heunschen Badehaus und dem Weg nach den Saalhäusern verkaufen, deren Nutzung durch den Bau der Bahntrasse für ihn völlig nutzlos geworden war. Wofür er die Genehmigung des Salinenfiskus einholen musste.

 

  1. Mär. Einrichtung einer Badekommission (WER Rep. F 23X Nr. 22)

Das Oberbergamt hatte nach Rücksprache mit der Kgl. Regierung der Bildung einer eigenständigen Kommission zugestimmt, die allerdings disziplinarisch der Lokaldirektion unterstellt blieb. Daher sollte der  jeweilige Salinendirektor den Vorsitz übernehmen. Außerdem gehörten dazu, der Badearzt, ein noch zu bestimmender Badeinspektor und ein Vertreter der Landesschule bzw. der Gemeinde. Neben den betriebswirtschaftlichen Dingen und der Organisation der fiskalischen Badeeinrichtungen und des Soleverkaufs sollte sie sich auch mit dem geselligen  Verkehr der Badegäste und der Verbesserung der örtlichen Infrastruktur befassen.

 

  1. Apr. Anzeige des Landrates zur Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Von über 50 Flöße die oberhalb des Wehrdammes lagen, hatten Unbekannte die Anbindeseile zerschnitten und die Flöße waren über den Damm und vor die Brücke getrieben, wo sie aufwändig geborgen wurden. Der Landrat verlangte daher eine Bewachung der Flöße durch Hilfswächter der Gemeinde. Die Kosten sollten von jedem zu verzollenden Floß erhoben werden. Das lehnte die Kgl. Regierung ab und wies den Landrat an, mittels einer örtliche Polizeianordnung, den Flößern die ordnungsgemäße Anbindung und Bewachung bei Strafandrohung aufzuerlegen 

 

  1. Mai Bischof lehnt den Vorsitz der Badekommission ab (WER Rep F 23 X Nr. 22 Bd. 2).

Der verwies auf seine zahlreichen Aufgaben als Salinendirektor und seine bürgerliche Herkunft, die dem gesellschaftlichen Verkehr mit den vorzugsweise adligen Kurgästen nicht angemessen sei. Allerdings lehnte er auch den von der Kgl. Regierung vorgeschlagenen Schulinspektors Schwimmer als Vorsitzenden ab, weil dieser wegen seiner Abneigung Kösen gegenüber:„eher ein Hindernis, denn eine Förderung“sei.

 

  1. Mai „Bade-Ordnung für das Soolbad zu Kösen“(WER Rep. F23 X Nr. 22 Bd. 2)

Das Ministerium für geistlichen Unterricht und Medizinal-Angelegenheiten hatte das Reglement genehmigt, dass die Königliche Regierung am Saisonbeginn in Kraft setzte. 26 Paragrafen regelten den Badebetrieb im Ort und die Zuständigkeiten der Badekommission. Die privaten Badewirte  mussten nun der Badekommission die Belegung bzw. den Bezug ihrer Quartiere melden, die Badetaxe erheben und fristgemäß abzuliefern. Dem Badearzt wurde die Aufsicht und die Kontrolle über alle Bade-, Trink- und Heilanstalten übertragen und auch die Hartungsche Badeanstalt war gegenüber der Badekommission rechenschaftspflichtig. 

 

  1. Mai Schreiben des Materialverwalters Weiß (WER Rep F23 X Nr. 22 Bd. 2)

Auf Zureden Dr. Rosenbergers erklärte der sich bereit, der Badekommission beizutreten wenn  Bischof den Vorsitz übernimmt. Auch er lehnte den Inspektor Schwimmer ab und sah die Badedirektion als Gegenpart zur Landesschule.

 

  1. Mai Eröffnung des „Sommertheaters“ im Kuchengarten (Hinsche 1930)

Initiator war der Naumburger Theaterdirektor Döbbelin.

 

  1. Mai Grundstücksauktion im Gasthof „Zum mutigen Ritter“ (NKB Nr. 29).

Die Landesschule versteigerte 4 Bauplätze an der Chaussee (Naumburger Str. 10,11,12 Uferstr. 6). Die Baupolizeiordnung erlaubte eine Straßenfront von 16 Metern und eine Gebäudetiefe von 11 Metern, Grenzbebauung und Zweigeschossigkeit. Damit begann auch in Alt-Kösen der Wohnungsbau, natürlich im Hinblick auf die Vermeitung an die Badegäste, die in der Hartungsche Anstalt  badeten.

 

28 Mai. Eröffnung der Struveschen Trink- und Molkeanstalt (NKB Nr.42).

Leider fehlt ein Hinweis auf die Örtlichkeit zumal sich 10 Jahre später auch kein Hausbesitzer dieses Namens hier findet.

 

  1. Juni König Friedrich Wilhelm IV. visitiert die Landesschule (NKB).

Von Erfurt, wo er die dortige Garnison inspizierte, über Weimar und Kösen kommend, traf er in der Landesschule ein, wo er von Schülern, Lehrern und den Beamten feierlich begrüßt wurde.

 

  1. Juni Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr.5/3).

Als Ersatz für die Abgabe des Salzdebits im Königreich Sachsen nach Dürrenberg, wurde zum Erhalt des Werkes die Verschiffung von Salz nach Dürrenberg oder in die ostelbischen Provinzen geprüft. Zur weiteren Einsparung von Formkohlen sollten die restlichen Siedeherde auf  Gewölbefeuerung umgebaut werden.

 

  1. Juli Veröffentlichung der Badeordnung im Kreisblatt (Nr. 53).

Dabei wurde Besetzung der Badekommission bekannt gegeben. Salineninspektor Bischoff hatte sich nun doch überreden lassen, den Vorsitz zu übernehmen. Weitere Mitglieder waren der Materialverwalter und Buchhalter Weiß, der Badearzt Dr. Rosenberger, der Schul-Inspektor Schwimmer und als Sekretär der Salinen-Kalkulator Fabricius. Dieser hielt täglich Sprechzeiten ab, vormittags von  8 bis 12 Uhr und nachmittags von 14 bis 17 Uhr im Kassenhaus der Saline, gegenüber vom  2. Siedehaus.

 

  1. Sep. Vereinbarung zwischen Weber und dem OBA (WER Rep. F 23 Nr.1 Bd.6).

Der Antrag Webers auf Lastenfreistellung der gesamten Fläche hinter dem Chausseedamm wurde genehmigt. Der Verkauf der Parzellen und die Bebauung schlossen sich unmittelbar an. Bereits 10 Jahre später gab es hier eine völlig neuen Ortsteil mit zwei Straßen (Neue- und Querstraße) und 26 Wohnhäusern  

 

      Sept. Saisonende und Veröffentlichung der Badeliste (NKB 43 ff).

Es waren 290 Einträgen, darunter der Baron d`Orville von Löwenclau, die Gattin des Generals v. Boye, der Reg.-Rat du Bois aus Berlin und die Schriftstellerin und Schauspielerin Charlotte Kirch-Pfeiffer (1800-1886). Neuerdings wurden auch die Begleitpersonen erfasst. Dazu gehörten der Rentier Jordan aus Berlin mit Frau, 6 Kindern, Kutscher und Dienstmädchen, Herr Valentin mit Frau, 8 Kindern, Kindermädchen und 2 Dienern aus Berlin, Familie von Schlieckmann aus Naumburg mit 5 Kindern, 1 Diener und 2 Dienstmädchen,  die Baronin v. Gerstorff aus Rothenburg mit 3 Töchtern, 1 Sohn und 3 Dienern,  Madame Kretschmann mit 7 Kindern und 2 Dienstmädchen aus Leipzig und  Dr. Gudlon mit 6 Kindern aus Weimar. Auch die  Gattin des Justizrates Groddeck aus Danzig und ein „Studiosus“ Groddeck aus Berlin waren anwesend sowie die Gräfin Amalia Mathilda von Zieten, eine geborene v. d. Schulenburg, Enkelin des Marschalls Gerhard Leberecht Blücher.  Sie hielte sich nach dem Tod ihres Gatten (1849) längere Zeit hier auf. Als sie 1853 starb,  hinterließ sie der Badedirektion einen Trinkbecher ihres Großvaters.  

 

  1. Okt. Beitrag in der Magdeburgischen Zeitung zur Flößerei (MER C 48 Ic, 1687).

Erneut beklagte sich der Einsender, wohl ein Holzhändler, über die Hindernisse bei der diesjährigen Bauholzflöße. Dabei fielen Scheitholz- und Langholzflöße zeitlich zusammen, dann war das  Kösener Wehr wegen Niedrigwasser trocken gefalllen und das gesamte Wasser zur kleinen Saale und durch die Radkünste der Saline lief. Unterhalb des Wehrdammes hätten Sandbänke und die Gerüste der Brückenpfeiler die Weiterflöße behindert.

 

  1. Okt. Verkaufsauktion in der Teichgäberschen Restauration. (NKB Nr.84).

Die Thüringer Eisenbahngesellschaft versteigerte die nach dem Abschluss der Bauarbeiten nicht mehr benötigten Bau- und Materialschuppen auf der ehemals zum Gasthof gehörenden Wiese hinter dem Chausseedamm.

 

  1. Nov Eröffnung des Streckenabschnittes Weißenfels-Weimar. (Fromm).

Wegen eines Dammrutsches bei Apolda fiel die Eröffnungsfahrt aus.

 

  1. Nov. Antrag des Besitzers der öffentlichen Badeanstalt (WER Rep F 23X Nr. 22)

Diese Saison hatte die hohen Erwartungen nicht erfüllt und Jacob beantragte die Niederschlagung der offenen Forderungen aus Solelieferungen. Insgesamt wurden hier 4.314 Solebäder an Erwachsene und 662 an Kinder abgegeben und daher verlangte Jacob, dass auch die von den übrigen  Badewirte abgegebenen Bäder veröffentlicht werden sollten, damit jeder Badegast vergleichen könnte, welche Einrichtung die frequenteste ist. Außerdem wurde dem OBA mitgeteilt, dass die Badeanstalt und damit auch der Soleliefervertrag auf den Kaufmann Carl Hartung aus Magdeburg übergehen.

 

  1. Nov. Versteigerungstermin in der Landesschule (NKB).

Angeboten wurde eine Dampfmaschine, die beim Bau  der Brückenpfeilet eingesetzt wurde.

 

  1. Dez. Der erste Zug passiert den Kösener Haltepunkt (Fromm, Thür. Eisenbahn).

Bei Schneetreiben, Kälte und Gegenwind und von der Bevölkerung kaum wahrgenommen, brauchte man für die Strecke drei Stunden. 

Der reguläre Fahrplan trat am 20. Dezember (St.-A. Nr. 610) in Kraft. Zwischen Halle und Weimar verkehrten täglich 3 Dampfzüge in beiden Richtungen, die Fahrzeit betrug 2 ¾ Stunden. Ab dem 1. April 1847, als die Strecke bis Erfurt befahrbar war, verkehrten täglich vier Züge. 1848 wurden erstmals  Sonntagsrückfahrkarten verkauft, ein Zeichen, dass die Bahn auf großes Interesse beim Publikum stieß.

Am 25. Sep. 1849, nach nur 4 Jahren Bauzeit war die 189 km lange Strecke Halle-Gerstungen eingleisig befahrbar. Insgesamt wurden 9 große Einschnitte und  Dämme, 42 Brücken über Elster, Saale, Ilm, Gera, Hörsel und Werra, 7 Viadukte und hunderte kleinerer Straßen-, Wege-, Bach- Über- und Unterführungen errichtet. Dazu kamen alle 10 Bahnstationen und 8 Haltestellen, u.a. Kösen. Dafür wurden teilweise bis zu 15.000 Arbeiter gleichzeitig beschäftigt

 

  1. Dez. Veröffentlichung von Bahntarifen für Scheitholz.

Da Holz sollte in Unterneusulza und Kösen auf die Schiene umgeladen und nach Naumburg, Weißenfels, Merseburg und Halle gehen. Die Steuerbehörde genehmigte die  Frachttarife.

 

  1. Dez. Ausschreibung des Königlichen Salzamtes (NKB Nr. 96).

Zum Erhalt der Kösener Saline wurde festgelegt, dass 100 Lasten Salz nach Dürrenberg verschifft werden sollten. Dazu wurden ein Schiffsunternehmen gesucht. Die dabei entstehenden  Mehrkosten sollten von der Steuerbehörde der Salinenkasse erstattet werden.

 

         Medizinalbericht Rosenbergers (St.-A. Nr. 369)

Demnach wurden 868 Gäste registriet, die öffentliche Badeanstalt erhielt 66.895 Kubikfuß, die kleinen Anstalten zusammen 7000 Kubikfuß Badesole. Die Molkeanstalt zählte 69 Besucher, die Trinkanstalt 88. Rosenberger forderte die Änderung der Badeordnung, weil die  Erhebung der Taxe nach Klassen als Zurücksetzung des Einzelnen empfunden wurde. Die Taxe sollte für alle gleich und tragbar sein. Außerdem sollte der Verwendungszweck bekannt gegeben werden, da für Arme, zur Verschönerung der Anlagen und für einige Musikaufführungen Extrabeiträge erhoben würden. Auch die Ausgabe einer Kurkarte zur Kontrolle wäre empfehlenswert. Zum Zustand der Straßen meinte Rosenberger „Selbst die durch den Ort führende Chaussee leidet aus derselben Ursache an dem Uebelstand, daß es bei Regen ein nicht zu bewältigender Kot und bei trockenen Wetter ein noch viel mehr lästiger Staub sich anhäuft, der schon bei geringen Winde die Luft erfüllt und das Atmen äußerst beschwerlich macht.“ Die Situation auf der Brücke sei lebensgefährlich und wenn schon keine grundlegende Änderung möglich ist, sollte sie zumindest gepflaster werden. Wünschenswert wäre die Anlage einer Promenade von der Bahnstation zur Brücke, ebenso eine Schutzhütte am Himmelreich sowie Bänke und Schilder entlang der Wanderwege.

 

1847

 

  1. Jan. Der Generalsteuerdirektor reduziert den Floßzoll (MER C 50 Naumburg A Nr. 75) .

Die Ermäßigung betrug ein Drittel und sollte die bereits bemerkte Konkurrenz der Eisenbahn abfedern.

 

  1. Mär. Stellungnahme der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23X)

Der Kaufmann Hartung, Nachfolger Jacobs, hatte beim OBA angefragt, ob er für eine zweite Badeanstalt im Dorf Neu-Kösen ebenfalls die Sole erhalten könnte. Die Lokalverwaltung lehnte ab,  wohl auch mit Rücksicht auf die Rosenbergersche und die Heunsche Badeanstalt und berief sich auf  Probleme beim Bau einer Soleleitung vom unterem Schacht bis ins Dorf.

 

  1. Mär. Ausschreibung von Anpflanzungen (NKB).

Die Thüringer Eisenbahngesellschaft vergab die Pflanzarbeiten entlang des Bahndammes und die Gestaltung der Außenanlagen am  Bahnhof.

 

  1. Apr. Eröffnung einer Poststelle (Hinsche Heimatbuch 1930).

Nach der Eröffnung der Bahn, wurde die Posthilfsstelle im Gasthaus „Börse“ gegenüber vom Bahnhof eingerichtet, das spätere Hotel Kurzhals bzw. Apel.

 

  1. Mai Personelle Änderungen der Badedirektion (NKB Nr.37).

Anstelle des Salinenbuchhalters Weiß trat der Einnehmer, der spätere Ortsrichter Schleicher, der nun die Sprechzeiten   täglich von 12 bis 13 und 19 bis 21 Uhr in seiner  Wohnung abhielt.

 

  1. Juni Beschwerde des Holzhändlers Krüger über den Rechen in Unterneusulza.

Weil der Rechen der herzogl. altenburgische Saline nichzt rechtzeitig geöffnet wurde, kamen  die Flößer zu spät zur Holzmesse. Daraufhin veranlasste der preußische Fiskus den Rückbau des Rechens bis zur Flußmitte, der Grenze zwischen Altenburg und Preußen.

 

  1. Juni Einsatz eines Sonderzuges (NKB Nr.58).

Versuchsweise fuhr ein Sonderzug am Sonntagabend nach Halle. Die  Inanspruchnahme war gering, so dass keine Wiederholung erfolgte.

 

  1. Juli Salinenrecherche (WER Rep. F23 II, Nr. 5/3).

Diesmal leiteten der Geh. Oberbergrat Dr. Karsten und der Berghauptmann Mertins die Sitzung. Die Jahresförderung betrug 2.208.000 Kubikfuß (68.000 m³) Rohsole, ausreichend für 1.932 Lasten (77.000 Zentner), wobei die durchschnittliche Fördertiefe 120 Meter betrug. Zur Verbesserung des Solezuflusses sollte die 1808 begonnene Bohrung in der Schachtsohle weiter abgeteuft werden. Man hoffte,  nach einer ca. 200 Fuß (75 Meter) starken Buntsandsteinschicht das Steinsalzlager zu treffen. Dazu mußten aber beide Schächte gesümpft werde. Weil man dazu beide Wasserräder brauchte, wäre die Bohrung nur im Winter möglich, alternativ dazu auch der Einsatz einer Dampfmaschine, was man aber wegen der Kosten verwarf.

Bei der Berechnung der Kosten bei der Verschiffung in die ostelbischen Niederlagen zeigte es sich, dass die Reduzierung des zu verschiffenden Salzes den Gewinn nur unwesentlich beeinflußte. Daher wurde geprüft, Niederlagen in Erfurt, Ziegenrück und Gefell zu beliefern, auch wenn dabei wiederum zusätzliche Transportkosten anfielen. Zunächst wurde die Produktion herabgesetzt, und angeordnet, frei werdende Arbeitsplätze nicht wieder zu besetzen.

 

  1. Sep. Erhöhung des Saaledammes ab der Mündung des Scheitbachs (NKB Nr. 69).

 

  1. Sep. Schreiben des Ministers an die Gemeindevertreter (WER Rep F23 X, Nr. 22/2).

Die Gemeinde hatte ich über die Badedirektion und die Badeordnung beschwert. Insbesondere ging ihnen die Einschreibgebühren, die Abführung der Badetaxe, die An- und Freimeldepflicht, die Kontrollen durch den Badearzt und die Preisgestaltung gegen den Strich.  Die vom  Ortsrichter Nette und dem Apothekers Gause vorgebrachte Kritik wurde vom Staatsminister des Innern, Gewerbe und Finanzen als unbegründet abgelehnt und die Einführung der Badeordnung als Grundlage eines geordneten, gästefreundlichen und überschaubaren Badebetriebes im Interesse des Ortes und seiner Einwohner als unverzichtbar bezeichnet.

 

  1. Sep. Öffentliche Ausschreibung der Bahnhofswirtschaft (NKB Nr. 77).

 

      Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste 1847 (NKB, St.-A. Nr. 583).

Es gab 301 Einträge, und damit 847 Badegäste, darunter bereits zum wiederholten Male die Gattin des Landrates v. Münchhausen aus Weißensee und Gen.-Leutnant v. Jagow aus Berlin. Weitere  Gäste waren der Musikdirektor J. T. Mosewius, Musikdirektor und Leiter der Sing-Akademie Breslau, der Komponist H. Marschner, der Rektor der Friedrich-Wilhelm Universität zu Berlin, Heinrich Wilhelm Dove (1803-1879) und Professor Carl Werder (1806-1893).

Angekündigt wurde die Einstellung der örtlichen Badeliste, weil sich für den Preis von 1 Silbergroschen keine Käufer fanden.

 

  1. Okt. W. Kurzhals pachtet die Bahnhofswirtschaft auf drei Jahre.

Der Bahnhof bestand aus dem Stationsgebäude mit Schalter, Restauration und Personalstuben, dem Perron, einer „Retirade“ und einem Schuppen. Im Bereich des Bahnhofs lagen bereits zwei Gleise und 10 Weichen. Es gab eine Drehscheibe zu einem Nebengleis  und zwei Schrankenübergänge mit Postenhäuschen (s. Fromm).

 

  1. Okt. Gutachten des Floßinspektors zum Anbindeverbot (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Nachdem sich der Landrat erneut wegen der Wiedereinführung des altsächsischen Gesetzes an die Regierung gewandt hatte, wurden einige der alten Akten dem Landrat zur gemeinsamen Sichtung mit dem Floß-Inspektor überlassen, mit der Aufforderung, die noch bestehende Gültigkeit des Gesetzes daraus herzuleiten. Nach der Sichtung, erklärte Teubel zusammenfassend: „In neueren Zeiten hat sich aber die Sache und Lage sehr verändert, den diese Gesetze sind  nur zum Schutze der Scheitholzflöße, der Rechen und der Rechengebäude erlassen. Ein Rechen und Gebäude sind in Koesen nicht mehr vorhanden, Scheithölzer werden auch hier nicht mehr ausgesetzt und deshalb ist auch wohl seit Eingang des ehemaligen hiesigen Floß-Scheit-Amtes, keine Bestrafung wegen des Anhängens oberhalb des Dammes mehr erfolgt.

Sollte nunmehr ein solches Gesetz erneuert werden, so kann es nur zum Schutze  der hiesigen Ortes, der hiesigen Dämme, der Mühle und der Brücken geschehen, jedoch hat ein Jahrhundert bewiesen, daß alle Bestrafung ein solches Anhängen nicht verhindert haben und bei großen Wasser sind immer Flöße fortgeflutet und haben sich vor den damaligen Rechen, welcher  oberhalb der Mühle stand, gelegt.

Der Saaleholzhandel verdient wohl jetzt jede mögliche Erleichterung und Begünstigung, denn die Eisenbahn hat seit ihrem Bestehen schon viele Holzwaren transportiert und obgleich E. Hohes Finanz-Ministerium die  Koesener Floßzoll-Gefälle um den dritten Theil ermäßigt hat, sind im Laufe  diesen Jahres weit weniger  Holzwaren gegen sonst eingegangen“.

 

  1. Dez. Bewachung der Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

„Der Vorstand  der Floß-Commune in Kahla beabsichtigt, bei der Kgl Regierung oder bei der Weimarischen Regierung einzukommen und ihr zu gestatten, pro Floß Holz und Holzwaren in Kösen oder Camburg 5 Silbergroschen erheben lassen zu dürfen, da nun ca. 2000 Floß Holz die Saale befahren, so würde dies eine Einnahme von 333 Talern betragen

Hiervon sollen 3 Aufseher angestellt und besoldet werden, welche die Aufsicht über alle Hölzer welche von Neu-Sulza bis Koesen liegen, führen sollen, auch für deren richtige zweckmäßige Anbindung zu sorgen verpflichtet werden, diese Aufseher würde der hiesige Gendarm mit zu kontrollieren haben....“.

 

  1. Okt. Einführung des Winterfahrplans (NKB ).

In Richtung Halle und Erfurt verkehrten täglich jeweils 2 Personenzüge und ein Güterzug

 

               Badestatistik der Salinenverwaltung (St.-A. Nr. 369)

In der Badeliste wurden 305 Nummern registriert, sowie die Abgabe von 9.516 Solebäder, davon allein in der Hartungschen Anstalt 4.500 für Erwachsene und 923 für Kinder, dazu kamen 2.843 Wellenbäder und 90 Dampfbäder.

 

               Ludwig Bechstein „Wanderungen durch Thüringen“

Bechstein (1801-1860) der mit zwei Freunden ganz Thüringen erwanderte veröffentlichte in diesem Jahr seine Reiseerinnerungen von der Saale. Zu Kösen und die Umgebung schrieb er: „Vornehmlich ist es die sehr bedeutende Holzflöße mit dem Holzhofe, und die im 17. Jahrhundert entdeckte, seit dem 18. Jahrhundert aber erst recht benutzte Saline, welche beide einer Menge Menschen Verdienst und Nahrung zufliessen lassen. Erstere führt dem Holzhofe jährlich 15 bis 30,000 Klaftern Holz zu, und in dieser werden bei neunzehngradiger Soole jährlich 42,000 Dresdner Scheffel Kochsalz gradirt und versotten. Nächstdem gewährt ein recht frequentes Salinenbad geeigneten Kranken Heilung, Hauseigenthümern billigen Vortheil (.). Statt das Salzwerk aufzusuchen, will ich euch nun zu einem Hause leiten, wo ganz delikates Backwerk zu haben ist. Kein der Straße kundiger Lohnkutscher wird hier anzuhalten  und seinen Passagieren den Kösener Kuchen zu empfehlen versäumen.“

 

1848

 

  1. Jan. Regelmäßiges Sonntagskonzert in der Bahnhofswirtschaft (NKB Nr.3).

Da sich außerhalb der Kursaison das Gästeklientel auf Ortsansässige sowie Gäste aus der näheren Umgebung beschränkte, spricht das für ein beginnenden geselliges Leben auch außerhalb der Badesaison.

 

  1. Jan. Antrag der Salinenverwaltung zur Einrichtung eines Marktes (St.-A. Nr. 488)

Erneut wandten sich die Salinen- und Badedirektion an den Landrat und drängten auf die Erteilung der Konzession. Der Markt wäre unabdingbar für die Entwicklung des Solbades insbesondere nach Eröffnung der Hartungschen Warmbadeanstalt und der Eröffnung der Thüringer Eisenbahn, womit   die Frequenz weiter ansteigen würde, dem man durch die Verbesserung des  Lebensmittelversorgung entgegenkommen mu. Der Antrag wurde vom Landrat der Kgl. Regierung zur Entscheidung vorgelegt.

 

  1. Feb. Jahresbericht des Badearztes (St.- A. Nr. 369)

„Nicht ohne Bangigkeit sahen die Einwohner Kösens diesen Sommer entgegen, denn allgemein fürchtete man, daß die in den letzten Winter überstandene Teuerung, die auch den Frühling hindurch fortwährte und selbst den Wohlhabenden zu allen nur möglichen Einschränkungen veranlassen mußten, einen ungünstigen Einfluß auf den Betrieb unseres Bades haben mußte.“  Doch das erwies sich als unbegründet, obwohl das Soledampfbad einen erheblichen Rückgang verzeichnete. Kritisiert wurde der desolate Zustand der Wellenbäder, die den Ansprüchen des Publikums nicht mehr entsprachen. 

 

  1. Feb. Verfügung des Oberbergamtes (WER Rep F 23).

Das Ministerium ´war dem Antrag der Badewirte gefolgt und genehmigte die Herabsetzung des  Solepreises von 8 auf 6 Pfennig je Kubikfuß. Die Hartungsche Badeanstalt zahlte 2 Pfennige. Abgelehnt wurde die Erneuerung der Wellenbäder. Hinsichtlich des Soledampfbades wurde vom Badearzt ein Gutachten angefordert, ob diese gänzlich abgeschafft werden könnte, da die Hartungschen Badeanstalt über eine Dampfsauna verfügt.    

 

  1. Mär. Preisfestsetzung für die Abgabe von Wellenbädern (St.-A. Nr. 369)

Flussbäder im 12er-Abonnement kosteten nun 1 Taler, mit Soledusche 1 Taler, 12 Silbergroschen, ein Einzelbad kostete 2 ½  Silbergroschen,  mit Dusche 3 ½ Silbergroschen. 

 

  1. Mär. Bericht des Kgl. Konsistoriums der Provinz zum Gottesdienst (MER C48 II b 2028 I)

Zur Förderung der „kirchlichen Verhältnisse“ hatte der geistliche Inspektor Niese, sich bereit erklärt, einmal im Monat einen Gottesdienst im Schulhaus abzuhalten, um den Alten und Kranken den beschwerlichen Weg nach Pforte zu ersparen. Obwohl er sich dabei mit seinem Stellvertreter abwechselte,  fühle sich Niese überfordert und beantragte daher die Wiedereinführung  der 1831 aufgehobenen Stelle eines Diakons an der Landesschule, was das Konsistorium aber ablehnte.

 

  1. Apr. Bekanntgabe der Wahlbezirke zur Nationalversammlung (NKB Nr. 32).

Das Dorf Kösen, der Salinenbezirk und die Saalhäuser, insgesamt 1.208 Einwohnern bildeten den  Wahlbezirk 4 im Landkreis. Zum Wahlkommissar wurde der Salineninspektor Bischof ernannt. Wahlmann für den preußischen Landtag war Chemiker Heun, für die Frankfurter Nationalversammlung der Badearzt Dr. Rosenberger.

 

  1. Mai Erlass der Kgl. Regierung wegen des Wochenmarkts (St.-A. Nr. 488)

Nicht zuletzt waren es die Intervention der Salinenverwaltung und des OBA, dass die Behörde die Einrichtung eines Wochenmarktes genehmigte, allerdings unter dem Vorbehalt des Widerrufs, wenn sich der Markt als Fehlschlag erweisen sollte. Der Markt durfte von April bis September jeweils am Dienstag und Freitag abgehalten werden. Zum Verkauf kamen alle Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft, von Jagd und Fischerei die für den Verzehr bestimmt waren, außerdem alle Naturerzeugnisse des land-und forstwirtschaftlichen Gewerbes. Dazu sollte noch eine Marktordnung von den Ortsbehörde dem Landrat zur Genehmigung vorgelegt werden.

 

  1. Mai Antrag der Salinenarbeiter auf Lohnerhöhung (WER Rep F 23 II Nr 5/4).

Die Lokaldirektion befürwortet dies unter Verweis auf die allgemeine Teuerung.

 

  1. Mai Mitteilung des Landrates an den Ortsrichter (St.-A. Nr. 401)

Weil der Naumburger Magistrat erneut bei der Königlichen Regierung gegen den Markt Einspruch erhoben hatte, musste die Konzessionierung erneut ausgesetzt werden.

 

  1. Juni Bekanntgabe der Wahlbezirke der 2. Kammer des Landtages (NKB).

Kösen, Kreipitzsch, Lengefeld, Kleinheringen und Rödigen waren ein Wahlbezirk, zu dessen Kommissar der Ortsrichter und als Stellvertreter der Kaufmann Fischer ernannt wurden.

 

  1. Juli Volksversammlung in der Buchenhalle (Privil. Jenaer Wochenblatt)

5.000 Mitglieder konstitutioneller Vereine des Bildungsbürgertums aus den ernestinischen Herzogtümern (allein aus Weimar kamen 600 Personen mit der Bahn) bekundeten ihre Unterstützung für die Einführung einer konstitutionellen Monarchie in einem geeinten Deutschen Reich. Der Tagungspräsident war der Pfortenser Professor Karl August Koberstein, Vorsitzender  des Konstitutionellen Vereins von Naumburg. Die Kundgebung, auf der Referenten aus Weimar, Leipzig, Halle und Jena sprachen, endete mit einem   gemeinsamen Essen der Abgeordneten in der Bahnhofswirtschaft.

Die als Veranstaltungsort  von der Badeverwaltung in Abstimmung mit der Landesschule und dem Pächter des Vorwerks Kukulau hergerichtete Buchenhalle, entsprach dem Zeitgeist der Romantik, die z. B. J. v. Eichendorff mit dem Gedicht „Durch Feld und Buchenhalle“ beim   Bildungsbürgertum verbreitete. Später wurde die Buchenhalle auch ins Bild gesetzt (Adolph Menzel, Max Liebermann).

 

  1. Juli Gründung des Kösener-Senioren-Convents-Verbandes (Handbuch KSCV).

1821 hatten sich Studenten der Universitäten Halle, Jena und Leipzig zum ASC zusammengeschlossen. Regelmäßige zwanglose Treffen fanden von da an auf der Rudelsburg zu den Pfingsfeiertagen statt. Als 1842  Halle austrat, ruhte die Verbindung. Jetzt trafen sich die SC von Heidelberg, Jena, Leipzig, Halle, Gießen, Breslau, Erlangen, Freiburg, Berlin, Greifswald und Göttingen und beschlossen die vom Heidelberger Vandalensenior Friedrich von Klinggräff aufgestellten Grundsätze für die Corps. Der Verband, dessen Symbol die Rudelsburg war, nannte sich nach dem nahe gelegenen Ort, der wegen der guten Bahnanbindung und ausreichender Übernachtungsmöglichkeiten die erforderliche Bequemlichkeit für die Treffen bot.

 

  1. Juli Stellungnahme des Ortsrichters wegen des Marktes (St.-A. Nr. 401)

Das Dorf Kösen habe inzwischen 1.200 Einwohnern, darunter „Beamte, Professionisten, Salinen- und  Handarbeiter“ und viele auswärtige Badegäste. Alle müssten die lebensnotwendigen Dinge in Naumburg holen. Bei Teuerungen erhielten sie erst eine Stunde nach Eröffnung des Marktes den Zugang, was besonders die im Schichtdienst tätigen Salinenarbeiter traf. Außerdem würde dem Naumburger Magistrat überhaupt kein Einspruchsrecht zustehen. Dem Landrat waren die Hände gebunden, denn wegen des Widerspruchs hatte die Königl. Regierung die Angelegenheit dem Handelsministerium in Berlin zu Entscheidung weiter geleitet.    

 

  1. Juli Abrechnung der Brunnenfestes (St.- Nr. 183).

Die Einnahmen bei der Knappschaftskasse beliefen sich auf 113 Taler, 78 Taler Eintritt der Nichtknappschaftsmitgliedern, 30 Taler ein Geschenk vom König und Hämmerling hatte 3 Fass Bier im Wert von 5 Talern spendiert. Ausgaben wurden gegenüber Thränhard und seinem Spundknecht für den Bierausschank, Saalborn für die Musik beim Fackelzug, Umzug, der Morgenmusik und dem Tanz, Hämmerling für 300 Brezeln für die Kinder, die Landesschule für das Birkenreisig und  Weber für die Anfuhr und die Beköstigung der Mertendorfer Knappen getätigt. Dazu kamen Kosten für die Anschaffung von Seidenbändern, Sturmleuchten, Lunten und Spielkarten. Die Hilfswächter Kreuzmann und Thieme erhielten Geld für die Aufwartung und Brandwache, ebenso  Zedel und Gundermann für die Aufrechterhaltung der Ordnung, Colditz für die Aufsicht beim Kegeln, Reinhard und Ziege für das Aufstellen von Kübeln und der Gendarm Hering für zusätzliche Streifengänge . 

 

      Juli Veröffentlichung der Broschüre „Kösen“ (NKB)

Die Autoren A. Reinstein und Dr. C. Sander und die Illustratoren Otto Thierbach und W. Hertel gaben ein anschauliches Bild vom Badebetrieb, der durch die Eisenbahn stark zugenommen hatte. Demnach gab es neben dem Gasthof „Mutiger Ritter“ den Kronfeldschen Kaffegarten an der Fränkenauer Hohle, die Restauration von Teichgräber und die Rost`sche Restauration.  Es gab drei Fleischer, vier Bäcker und fünf Materialwarenhändler. Höker verkauften Obst, Gemüse und tausend kleine Dinge.  Zwar bestand nun eine Bahnverbindung nach Naumburg, aber weil der dortige Bahnhof weit ab lag, verkehrten an den Markttagen ein Pferdeomnibus sowie Lohnfuhrwerke, Handwagen  und Boten. 

Der Kurgast hielt sich durchschnittlich 4 bis 6 Wochen auf. Dabeo sollte Wert auf diätische Ernährung, bequeme Kleidung und eine geräumige Wohnung gelegt werden. Die Kosten der Unterkunft beliefen sich auf 2 bis 3 Taler pro Woche, das Bettzeug kostete extra 10 bis 12 ½ Silbergroschen.

Bei den Heilmitteln wurde der Besuch der Rosenbergerschen und der Hartungschen Badeanstalt empfohlen, die zwar etwas teurer, dafür aber bequemer als bei den privaten Badewirten wären. Soledampfbäder boten die Saline und die Hartungsche Badeanstalt  an, bei letzteren gab es auch Bäder mit Mutterlauge, außerdem Sole- und Dampfduschen sowie Körperbrausen. Die Wellenbäder im Unterwasser der Radkünste sollten nur Gäste mit guter körperlicher Konstitution benutzen. Neben der allen frei zugänglichen Freiluftinhalation am Gradierwerk wurde der regelmäßige Gebrauch verschnittener Schachtsole oder des eisenhaltigen Mühlenbrunnen, die Molke- und die Traubenkur als probates Heilmittel empfohlen, aber alles in Maßen und möglichst nach vorheriger Konsultation eines Arztes.  

 

      Juli  Probebetrieb eines „Magneto-elektrischen Soolstrombades“ (NKB).                    

Dr. Rosenberger hatte auf der Radinsel mit Zustimmung der Lokalverwaltung ein Sole-Bassin errichtet. Ein  „Neefscher Magnet-Electromotor“, der vom Wasserrad angetrieben wurde, sorgte für den Gleichstrom, der in die Sole geleitet wurde. Rosenberger selbst überwachte die Benutzung, die sich auf 15 Minuten beschränkte und jeweils am frühen Morgen bzw. unter Mittag erfolgte. Rosenberger stützte sich dabei auch auf die Erkenntnisse des Physiologen Emil du Bois-Reymond, seines Schwagers, der im gleichen Jahr bei Reimer in Berlin seine „Untersuchungen zur thierischen Elektrizität“ veröffentlichte. Die dabei gewonnenen Erfahrungen bei der Anwendung elektrischer Ströme in Kombination mit dem Soleeintrag auf der Hautoberfläche zur Anregung des Muskel- und Nervensystems bei rheumatischen Krankheiten war einer der Ausgangspunkte für die moderne Soletherapie.

 

  1. Aug. Salinenrecherche durch Mertins und Ebers (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Die Tiefbohrung im letzten Winter von der Sohle des oberen Schachtes war bei 589 Fuß  (221 m) angelangt und sollte im kommenden Winter fortgeführt werden. Allerdings nahm die Konzentration der zufließenden Rohsole wider Erwarten nicht zu.

Bezüglich der geforderten Lohnerhöhungen verwies Mertins darauf, dass man noch keine vergleichbaren Angaben anderer Salinen hätte und das Ergebnis von Gutachten abwarten müsse. Dennoch genehmigte er einzelne Zulagen bei den Unterbeamten und versprach die Erhöhung von Deputaten z.B.  Brennmaterial für die  Salinenarbeiter.

 

  1. Aug. Außerkraftsetzung der Floßpolizei-Verordnung von 1762 (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Nachdem die Flößer-Commune von der Bewachung ihrer Flöße durch angestellte Wächter wieder Abstand genommen hatte, schlug der Landrat erneut vor, dass die Langholzflöße bis Palmarum das Wehr passieren sollten, was von der Kgl. Regierung endgültig abgewiesen wurde.

 

  1. Sep. Fr. A. Möller erwirbt den Lagerplatz der Bahnverwaltung (WEI RBD Erfurt).

Nach dem Verkauf der Lagerschuppen bot Thüringer Eisenbahngesellschaft den Platz hinter dem Chausseedamm zum Verkauf an Bauwillige an. Da sich hier ein „Ausstich“ befand, wo Erde und Lehm für den Bahndamm gewonnen wurde, fand sich keiner der hier ein Haus bauen wollte und schließlich ging das gesamte Grundstück für 142 Taler an Möller. Der musste sich noch verpflichten, die daran grenzende Böschung des Bahndammes zu sichern.

 

  1. Sep. Schreiben der Kgl. Regierung wegen des Wochenmarktes (St.-A. Nr. 488).

Die Beschwerde des Naumburger Magistrat beim Oberpräsidium der Provinz Sachsen über die Entscheidung der Kgl. Regierung, wurde als abgewiesen und die Kgl. Regierung teilte dem Landrat mit, dass nunmehr die Angelegenheit in Berlin entschieden werden muss.

 

  1. Sep. Volksversammlung im Saal der Madame Rost (NKB).

Das betraf die vom König verfügte Reorganisation der  Bürgerwehr nach dem Märzunruhen.

 

       Sep. Badelisten für 1848 (NKB Nr. 84, St.-A. Nr. 369).

Erneut waren zahlreiche Adlige anwesend wie der Graf v. Ingenheim, Baron v. Haugk mit Gattin und 2 Kindern, Madame Tauchnitz aus Leipzig mit 5 Kindern, Prof. Leon de Saint Lubin aus Berlin, ebenfalls aus Berlin Frau v. Knobelsdorff-Benkenhoff  (Verfasserin zahlreicher zeitgenössischer Romane unter dem Pseudonym Eschstruth), die Gattin des späteren Landrates v. Danneil, und Prof. Zille mit Frau und 5 Kindern aus Berlin. Insgesamt war die Frequenz rückläufig, denn die  Badestatistik verzeichnete nur 278 Nummern. Abgegeben wurden 8.255 Wannenbäder, 2.401 Wellenbäder und 263 Wellenbäder mit Soledusche.   

 

            Indienststellung der Lokomotive „Kösen“ (Fromm)

Das war eine von 6 neuen Lokomotiven der Baureihe 1B, die die Thüringer Eisenbahngesellschaft aus England von Stevenson erworben hatte.

 

  1. Okt. Schreiben der Kgl. Regierung an den Landrat (St.-A. Nr. 488)

Inzwischen prüfte man „höheren Orts“ die Marktkonzession und der Landrat sollte daher dem Ortsrichter eröffnen, dass wohl auch im kommenden nicht damit gerechnet werden könne.

 

  1. Dez. Veröffentlichung zur Wahl der 2. Kammer (NKB).

Nach der von König Friedrich Wilhelm IV. veranlassten Auflösung  der erst im Sommer gewählten Kammern kam es zur Neuwahl. Erneut wurde E. J. Bischof zum Wahlleiter berufen, zu seinem  Stellvertreter der Ortsrichter Schleicher.

 

1849   

 

  1. Jan. Fahnenweihe am Vogelherd (Romantische Bahnreise).

Die Bürgerwehr nun nur noch mit Spießen und Trommeln versammelte sich unter einer  schwarz-rot-goldenen Fahne mit der Aufschrift „Für Freiheit, Ehre, Vaterland - Kösen, den 1. Januar 1849“. Die Fahne sowie die Feuerwaffen und Teile der Ausrüstung sind im Bestand des Heimatmuseums.

 

  1. Jan. Amtliche Bekanntmachung zur Wahl der 2. Kammer (NKB)

Im Wahlbezirk 2 waren der Salinen-Inspektor Bischof, der Tischlermeister Vogel, der Kammmacher Becker und der Zimmergeselle Becker die Wahlmänner.

 

  1. Feb. Schreiben des Ortsrichters an den Landrat (St.-A. Nr. 488)

Schleicher brachte nochmals das dringende Bedürfnis der Gemeinde für einen Wochenmarkt vor.

 

  1. Feb. Gründung der Sterbe- und Begräbniskasse (KAZ 1936).

Im Rostschen Lokal trugen sich 114 Einwohner als Mitglied ein. Zum ersten Vorstand gehörten der Bahnhofsvorsteher Herbst, Ortsrichter Schleicher, Kunstwärter Scheufler, Salzsieder Rauffus und der Gradiermeister Törpsch.

 

  1. Mai Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Bergrat Dr. Karsten, Berghauptmann Mertins  und Oberbergrat Ebers besprachen, die Möglichkeiten, den Verbindungsstollen zwischen den beiden Schächte zu schließen und den unteren Schacht aufzulassen und zu verwahren. Wegen des schlechten Zustands der Verzimmerung kam immer mehr Wildwasser ein, dass über den Verbindungsstollen zum oberen Schacht kam und hier die Sole verdünnte. Die geringere Konzentration erforderte wiederum einen höheren Aufwand beim Gradieren und Versieden. Für die Jahresproduktion von 1425 Lasten würde die Fördermenge aus dem oberen Schacht reichen, vorausgesetzt, dass die Konzentration nicht fiel.

Festgelegt wurde dann die Verschiffung von 400 Lasten und die Übernahme der Mehrkosten seitens der Steuerverwaltung.  Unter dem Punkt Vermischtes kam die dringende Erneuerung der beiden 15 Jahre alten und inzwischen desolaten Wellenbäder auf der Radinsel zur Sprache. Da die Anlagen einen Überschuss von 150 Talern erwirtschaft hatten, wurden 500 Taler für die Erneuerung bewilligt, verbunden mit der Auflage, das Wellenbad mit massiven Fundamenten zu versehen. Vorgesehen war auch eine umfassende Reparatur des Wehrdammes. Dem Protokoll beigefügt waren die Lohnlisten der Unterbeamten und Arbeiter. Der Lohnfond für der namentlich aufgeführten  34 fest Angestellten betrug 1848 4.978 Taler und war 1849 auf 5.401 Taler gestiegen. Der Gradiermeister (Zedel), der Siedemeister (Törpsch) und  der Salzausgeber (Wolf) erhielten ein Jahresgehalt von 225 Talern. Die Gradierer 2. Klasse und die Salzläder dagegen waren um die Hälfte niedriger eingestuft.  

 

  1. Mai Geschäftsanzeige Hämmerlings (NKB Nr. 43).

Hämmerling hatte zur Belebung seines Geschäftes einen amerikanischen Kunstbäcker angeworben  der während der Saison amerikanischen Kaffeekuchen, türkischen Teekuchen, Pariser Kaffeebrot u.a. leckere Dinge anbot.

 

  1. Juni Chor-Ordnung des Kösener Musik-Chores (St.-A. Nr. 348)

„Um den Fortbestand des gedachten Musik-Chores noch auf eine lange Zeit zu gründen und  Recht und Ordnung in demselben aufrecht zu erhalten, beschlossen sämtliche Mitglieder unter einander in betreff ihrer Musikangelegenheit Gesetze zu machen, um sich unter dieselben zu stellen und deren Befolgung streng zu achten

  • 1. Der Musikchor darf mit dem Chorführer nicht mehr als zwölf Mitglieder stark sein und diesen zufolge werden somit die einrangierten Mitglieder des Chores genannt. Sie heißen mit Namen: 1. Karl Heyne aus Kösen, von sämtlichen Mitgliedern als Führer des Musikchores anerkannt, 2. Gottlob Kirste aus Hassenhausen, 3. Albert Saalborn aus Kösen, 4. Albert Hoyer aus Zäckwar, 5. Ernst Saalborn aus Kösen, 6. August Otto aus Kösen, 7. Franz Ziegler aus Heiligenkreuz, 8. Friedrich Hertel aus Lengefeld, 9. Karl Braune aus Kösen, 10. Wilhelm Graf aus Kösen, 11. Karl Ziege aus Kösen, 12. Wilhelm Grell aus Kösen.

Ernst Helfer aus Kösen und Friedrich Reinhardt aus Kösen können für jetzt nicht als wirkliche Mitglieder aufgeführt werden, jedoch wird dieselben nach einem Abgang eines der 12 Mitglieder die ersten sein, in das Chor aufgenommen zu werden“.

Die 16 Paragrafen regelten alle internen und externen Angelegenheiten und wurden von allen Mitgliedern mit ihrer Unterschrift anerkannt.          

 

  1. Juli Schreiben des Kgl. Regierung wegen des Wochenmarktes (St.-A. Nr. 401,488).

Dem Landrat wurde mitgeteilt, dass der Erlass vom 6. Mai des Vorjahres unverzüglich umgesetzt werden kann. Das Warenangebot habe der allgemeinen Handelsordnung vom 8. Juni 1848 zu entsprechen, die Ortsbehörde die Polizeiaufsicht zu gewähren, eine Marktordnung zur Genehmigung vorzulegen und den Wochenmarkt auf geeigneten Weg anzukündigen.

 

  1. Juli Ernennung der Wahlmänner zur 2. Kammer (NKB Nr. 58).

Das waren der Mühlenbesitzer Roßner, Maurermeister Werner, Salinen-Buchhalter Model und Ortsrichter Schleicher.

 

  1. Aug. Erster Wochenmarkt (NKB ).

Nach den vergeblichen Anläufen, die immer wieder am Einspruch des Naumburger Rates scheiterten, gab es zweimal wöchentlich diesen Markt.

 

  1. Aug. Schreiben der Königlichen Regierung zum Wochenmarkt (St.-A. Nr. 488)

Nach dem Bericht des Landrates und der Schulinspektion über die erfreuliche Frequenz und das vielfältige Angebot bereits am ersten Markttag, erklärte die Behörde, dass der Markt auch zukünftig beibehalten werden kann.

 

  1. Sep. Militärkonzert des Musikchors des 32. Infanterieregiments (NKB).

 

  1. Sep. Schreiben des Handelsministers wegen des Wochenmarktes (St.-A. Nr. 488).

Die Beschwerde des Naumburger Magistrats wurden nun von höchster Stelle abgewiesen.  Die vorgebrachten Gründe nannte  Minister v. d. Heydt fadenscheinig und  in sich ein einziger Widerspruch. Einerseits würde die Frequenz des Kösener Wochenmarktes als äußerst gering eingeschätzt, während an anderer Stelle der Markt die Einwohnerschaft und Gewerbetreibenden in Naumburg  erheblichen beeinträchtigen würde. Diese Logik konnte nicht überzeugen. Außerdem würden weder die Termine noch die zugelassenen Waren mit denen, die für Naumburg zutrafen, kollidieren. Damit war die Angelegenheit dauerhaft erledigt.  

 

01.Okt. Winterfahrplan der Thüringischen Eisenbahn (NKB).

Täglich verkehrten in beiden Richtungen je drei Personenzüge und ein Güterzug.

 

  1. Okt. Herbstversammlung der evangelischen Geistlichen der Kirchenprovinz (NKB).

Schwerpunkt war die Stellung der evangelischen  Kirche zu den Kammerbeschlüssen des preußischen  Landtages.

 

         Okt. Badelisten 1849 (NKB Nr. 84, St.-A. Nr. 369, 583).

In diesem Jahr war die Anzahl der Gäste wieder kräftig gestiegen. Die Badestatistik verzeichnete 415 Nummern, entsprechend 1.285 Badegästen, wobei nun auch die Badewirte bei denen sich die Gäste einquartierten aufgeführt.

Hohes Interesse erregte die Fürstin Liegnitz, Gräfin von Hohenzollern, die 2. Gattin und Witwe des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. die sich mit einem siebenköpfigen Gefolge in der Rosenbergerschen Heilanstalt für mehrere Wochen einquartierte.

Doch das Bild war getrübt, weil Bruder des Berliner Buchhändlers und  März-Revolutionärs Schlesinger im Beisein der Kammerfrau der Fürstin sich abfällig über den König äußerte. Das empörte nicht nur die Fürstin sondern auch das übrige Publikum und die Angelegenheit wurde zur Anzeige gebracht. Am anderen Tag wurde Schlesinger verhaftet und in Naumburg arretiert. Zur Wiederherstellung des Rufs des Bades widmete ein Einwohner der Fürstin ein Gedicht, dass die  patriotische Gesinnung und die Dankbarkeit gegenüber dem Haus Hohenzollern zum Ausdruck brachte.

Weiter Gäste waren  die Baroninnen von Seydlitz und v. Jauerstädt, die Gräfin v. Mielsko aus Moldau, v. Clausewitz aus Berlin und der Autor der „Römischen Geschichte“ und spätere Nobelpreisträger  für Literatur  Professor Christian Theodor Mommsen (1817-1903).

Abgegeben wurden 11.298 Wannenbäder, 2.483 Wellenbäder ohne und 253 mit Soledusche.

 

1850 

 

  1. Feb. Verkaufsanzeige für Wohnhäuser (NKB).

Der Müller Kleinschmidt bot seine  Häuser an der Brücke an (n. Wibels Plan: Nr. 63/64 (An der Brücke 2 u. 3), die dann Bechmann kaufte.

 

  1. Feb. J. S. Weber übergibt den Gasthof seinem Sohn Hermann.

 

  1. Mär. Gewerbliche Bekanntmachung (NKB).

Der Kaufmann Eduard Fischer, der seit 1839 an der Chaussee ein Handelsgeschäft für Material-, Schnitt-, Posamentier- und Eisenwaren, Zigarren, Tabak, Likör und Branntwein betrieb, beantragte die Genehmigung zur Einrichtung einer Fabrik für künstlichen Marmor, Dachsteine und Gesundheitsgeschirr in seinem Anwesen in den Saalebergen.

 

     Mai  Einsatz eines Sonderzuges nach Naumburg.

Mit diesem am Sonntagabend eingesetzten Zug, kam man dem Wunsch Naumburger Bürger nach, die nach dem sonntäglichen Spaziergang nach Kösen und den Burgen zurück fahren wollten.

 

             August Furcht errichtet den „Kursaal“ (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Der Naumburger Konditor Furcht erwarb ein Grundstück unterhalb des „Kuchengartens“ an der Ilske und baute hier den ersten „Kursaal.“ Der wurde bald Mittelpunkt des geselligen Lebens bot er doch im Gegensatz zum „Kuchengarten“ auch Schutz bei ungünstiger Witterung und war auch dank massiven Wänden und einer Heizung außerhalb der Saison nutzbar. Auch das „Kurtheater“ verlegte seine Vorstellungen hierher, wenn die Witterung das Spielen im Freien nicht zuließ, was wiederum dem Pächter des „Kuchengartens“ Abbruch tat.

Im gleichen Jahr verkaufte der Restaurateur Teichgräber das „Neue Haus“, das er 1844 von Hämmerling erworben hatte an Franz Winter aus Merseburg, der hier dann den Gasthof „Zur Börse“ einrichtete.  Teichgräber behielt die  Dorfbäckerei mit Ausschank und den Saal am alten Friedhof.

 

  1. Juli Staatsvertrag zur Scheitholzflöße (Stadtarchiv Jena, B Vol. 40a)

Zur Beilegung des Streits zwischen dem Großherzoglichen Staatsministerium in Weimar und dem Herzogl. Altenburgischen Finanzkollegium wurde der infolge der Erbschaftsauseinandersetzung der ernestinischen Herzogtümern zwischen beiden Staaten abgeschlossene Saalenfloß-Pachtvertrag modifiziert.  Das Großherzogtum Sachsen-Weimar bestätigte dem Herzogtum Sachsen-Altenburg die Überlassung der Scheitholzflöße, dafür belegte die Altenburger Flöße die großherzoglichen Ämter Jena mit jährlich bis zu 2500 Klaftern und Dornburg mit 700 Klaftern. Außerdem sollte die zum Großherzogtum Weimar gehörende Stadt Sulza vom Stapel der altenburgischen Saline Unterneusulza das Holz beziehen.

Da bisher die Holzpreise „für alle Zeiten“ vereinbart wurden, hatte Altenburg zur Durchsetzung einer freien Preisgestaltung die Stapel in Jena und Dornburg nicht mehr belegte und  die Klagen der betroffenen Städte hatten den weimarischen Großherzog zum Einlenken gezwungen.

Unter der Maßgabe der rechtzeitigen Ankündigung von Preiserhöhungen und die Offenlegung der von der altenburgischen Flöße gezahlten Einschlagpreise sowie der Transportkosten kam eine    Einigung zustande.   

 

  1. Juli Salinenrecherche (WER Rep. F23 II Nr. 5/4).

Nachfolger Bischofs, der als Direktor auf die Saline Königsborn bei Unna versetzt wurde, war der Bergrat Christian Gottlieb Anton Backs. Geboren 1785 als Sohn des Salinenadministrators von Staßfurt begann er als Eleve auf der Saline „Wilhelmsglücksbrunn“. Nach dem Studium an der Bergakademie Freiberg wurde er Eleve für den „Brunnen- und Kunstbetrieb“ der Saline Staßfurt und 1808 als Material-Verwalter zur Saline Schönebeck versetzt. 1815 wurde ihm die Aufsicht über das Solbad zu Elmen  übertragen (WER F38 G1), 1833 wechselte er nach Dürrenberg. Als Salzamtsdirektor war er hier maßgeblich an der 1836 eingeweihten „Schienenbahn“ zwischen der Kohlengrube Tollwitz und der Saline beteiligt. 1838 wurde unter seiner Leitung eine neue Solequelle  in Artern erschlossen.

Seine erste Amtshandlung in Kösen war die Einstellung der Versuchsbohrung im oberen Schachtes auf Anweisung durch den Oberbergrat Eggert. Auch der geplante Verschluss des Verbindungsstollens wurde aufgegeben, weil die vorhandene Maschinerie nicht ausreichte, beide Schächte zu sümpfen. Dagegen war die Erfüllung der Produktion von 1.455 Lasten weißen und 25 Lasten gelben Salz absehbar. Zum Sieden einer Last Salz rechnete man mit  23 (Faß)-Tonnen Braunkohle (d.s. rd. 20.000 Formkohlen), wobei die Gewölbefeuerung nicht die gewünschten Einspareffekte erbrachte. Mit der Verschiffung des Salzes  ab der Unstrutmündung nach Dürrenberg bzw. zu den Niederlagen in  „Ostelbien“ wurde die Alslebener Schifffahrtsgesellschaft beauftragt.

 

  1. Juli Bekanntgabe der Berufung Backs in die Badedirektion (NKB)

 

     Aug. Choleraepidemie (NKB).

 

     Sep.  Veröffentlichung der letzten Kurliste der diesjährigen Saison (NKB 71).

Unter den Gästen waren der Kammerherr v. Watzdorf aus Weimar, Baron von Hessen-Hessenfeld, der Kammergerichtsrat v. Nicolovius aus Berlin und Henriette Sonntag, eine berühmte Sängerin ihrer Zeit. Zur gleichen Zeit kurten hier die Professoren Ulrici, Wassermann und Schwarz aus Halle, Dahlmann aus Bonn und Breuer aus Greifswald.   

 

  1. Okt. Jahresbericht des Badearztes (St.-A. Nr. 369)

Die Badeliste hatte 513 Nummern, d. s. 1426 Badegäste, darunter 497 Ausländer. Im Juni waren alle  größeren Quartiere belegt, kleinere nur mit Mühe zu bekommen. Ein Problem, denn eine  Vorbestellung war noch nicht üblich und viele Gäste kamen mit der Bahn oder der Post einfach auf gut Glück, denn „Kösen wurde häufig von Fremden aufgesucht, an deren Heimatort die Cholera wütete, bereits Erkrankte flüchteten hierher, wie der Kreisgerichtsdirektor Schilling aus Pegau, der im Baumbachschen Haus der Cholera erlag.“

Abgegeben wurden 2.023 Wellenbäder ohne und 884 mit Soledusche. Das Soledampfbad verzeichnete 110 Besucher, die Struvesche Molke-Trinkanstalt 140.

 

  1. Nov. Regulativ zu den Anbindegelder im Großherzogtum (Stadtarchiv Jena).

Anbindegelder wurden für Schäden am Ufer beim Einschlagen der Pfähle an denen die Föße festgemacht wurden. Bisher erfolgte eine jeweilige Bezahlung, nun einigte sich die Flößerkompanie mit den betreffenden Gemeinden auf eine jährliche Pauschale unter Zugrundelegung der Länge der jeweiligen Dorfflur und der dort befindlichen Wasserbauwerke, wie Wehre, Schleusen und Brücken. Die Vereinbarung unterzeichneten die Dorfschulzen von Rothenstein, Maua, Göschwitz, Burgau, Ammerbach, Lobeda, Wöllnitz, Wenigenjena, Löbstedt, Zwätzen, Neuengönna, Dornburg, Naschhausen, Steudnitz, Leubnitz, Golmsdorf, Dorndorf, Kunitz und der Bürgermeister von Jena.

 

  1. Nov. Veröffentlichung der approbierten Mediziner (NKB)

Dazu gehörten Badearzt Rosenberger und die staatlich zugelassene  Hebamme Köhler. 

 

  1. Dez. Konzert das Musikkorps vom 31. Infanterieregiment im Kursaale (NKB).

 

1851

 

  1. Mär. Der Kaufmann E. Fischer verkauft sein Ladenlokal (NKB).

 

  1. Mai Veröffentlichung der Wochenmarktordnung (NKB).

An den Markttagen war das Hausieren mit Marktwaren untersagt.

 

  1. Mai Wechsel des Schiedsmanns (NKB).

Der Bade-Inspektor Kettner hatte im vergangenen Jahr 4 Fällen bearbeitet, ihn folgte der Rentier Reil.

 

  1. Mai Ankauf eines Streifens der Kukulauer Wiese entlang der Bahn (St.-A. Nr. 575).

Wer vom Bahnhof zur Brücke wollte, musste seinen Weg durch Neu-Kösen nehmen, denn die  Wiese  östlich vom Bahndamm gehörte zur Domäne Kukulau und der einzige Weg durfte nur von Fuhrwerken benutztz werden, die die Mühle anfuhren, die öffentliche Nutzung war verboten. Das beklagten die mit der Bahn ankommenen Badegästen. Als Direktor der Badekommission verhandelte Backs mit der Landesschule über einen Streifen, der als direkter Weg vom Bahnhof zur Brücke dem Badeverkehr dienen sollte. Vorbehaltlich der Klärung der noch offenen Fragen, signalisierte das Provinzial-Schul-Kollegium im Juni sein prinzipielles Einverständnis. Den Kaufpreis und die Anlage der Promenade schätzte Backs auf 460 Taler.

 

  1. Mai Erschließung von Steinsalzlagern in Staßfurt (Emons).

Seit 1839 wurde hier eine Bohrung auf Steinsalz niedergebracht, auf dass man in 250 Metern Teufe stieß. Daraufhin fiel die Entscheidung, das Salz bergmännisch zu erschließen. Im  Dezember begann eines Schachtes, den nach den preußischen Handelsminister v. d. Heydt benannt wurde.

 

  1. Juni Verfügung zur Kurtaxerhebung (BLK-A.).

Die Kgl. Regierung in Merseburg legte zur Vereinfachung der bisherigen Beiträge einen einheitlichen Satz von 2 Talern bei Familien und 1 Taler bei Einzelpersonen fest.

 

  1. Juli Vermessung des „Jackenberges“ (BLK-A. Nr. 62).

Der Jackenberg (Jochenberg) gehörte ursprünglich zur Pacht des Vorwerks Fränkenau, doch nach und nach hatte die Landesschule immer mehr Parzellen an Einwohner in Erbpacht gegeben, allerdings unter der Maßgabe, dass auf den abgeernteten Felder die Fränkenauer Schafherde gehutet werden kann. Diese Parzellen waren wegen ihres ungünstigen Zuschnitts und der Größe, wirtschaftlich kaum nutzbar und immer Anlass zu Streitigkeiten. Nun kamen die Pächter überein, durch einen umfassenden Flächentausch, die Lage zu bereinigen und beauftragten den Aktuar Schmidt aus Weißenfels mit der Katastervermessung.  

 

  1. Juli Verfügung des Landrates wegen „Ausdünstungen im Bade“ (St.-A. Nr. 356)

Die kamen vom „Ausstich“, den der Gärtner Möller  von der Bahnverwaltung erworben hatte und in dem sich das Regenwasser sammelte. Im Sommer entstömten dort üble Gerüche, das sich noch verstärkte, als Möller den Ausstich mit Torf verfüllte. Nach der Besichtigung  durch den Sanitätsrat Kaiser und den amtierenden Landrat von Schönberg wurde festgelegt, dass Möller den Ausstich mit Erdstoff verfüllen muss. Zur Ableitung des Oberflächenwassers vom Fahrweg nach den Saalhäusern und  aus dem Fußgängertunnel sollte die Bahnverwaltung einen Kanal bauen, an den sich auch die Anwohner der Querstraße anschließen könnten.

 

  1. Juli Antrag auf Anlage eines Weges auf der Abendseite der Gradierwerkes (St.-A. Nr. 356)

Anläßlich seines Besuches am 9. Juli hatte der Handelsminister von der Heydt weitere Maßnahmen  zur „besseren Aufnahme des Bades“ angeregt. Dazu gehörte die Inhalation am Gradierwerk, was nur auf der Ostseite möglich war, da auf der Westseite die Salinenarbeiter ihre Krautgärten hatten. „Wenn man von diesen Parzellen ein Stück abtrennt, verringert sich die Jahrespacht, dagegen erhöhen sich die Einnahmen der Knappschafts- und der Badekasse durch zahlreichere Besucher, was den Intentionen des Ministers entspricht“ argumentierte die Lokaldirektion. Zur Wegebefestigung sollte der Dornstein verwendet werden. Im August lehnte das OBA die Entfernung der Gärten ab weil „der Verlust eines Teils der Gemüsegärten in Anbetracht fehlender Pachtflächen und der ohnehin  schwierigen Versorgung für die Arbeiter sehr nachteilig sein (würde).“

 

  1. Aug. Der Handelsminister genehmigt den Ankauf und Anlage einer Promenade (St.-A. Nr. 359)

Der Handelsminister bewilligte die Mittel für den Erwerb und versprach auch einen Zuschuss von 210 Talern. Die Landeschule versprach, den Streifen bei der bevorstehenden Neuverpachtung der  Domäne Kukulaus herauszulösen. 

 

  1. Aug. Stellungnahme des Oberbergamts zur Promenade (St.-A. Nr. 356)

Das Oberbergamt monierte, dass die Badedirektion keine juristische Person sei und daher keine Verträge abschließen könne. Da jedoch bereits der Minister sein Einverständnis erklärt hatte,  würde man selbst mit der Königl. Regierung bzw. dem Provinzialschulkollegium verhandeln und genehmigte die Abtrennung der Parzelle auch vor einem endgültigen Vertrag. Backs rechnete mit Kosten von 460 Taler, 148 Taler Arbeitslohn, 295 Taler Material und 17 Taler für Unvorhergesehenes.  

 

  1. Sep. Salinenrecherche durch Oberbergrat Ebers (WER Rep.F 23 II Nr.5/4).

 

  1. Sep. Ortstermin zur Vermessung des Jackenberges (BLK-A. Nr. 62).

 

  1. Sep. Dr. Rosenberger beantragt die Genehmigung zum Versand von Trinksole.

Dem Beispiel vieler anderer Bäder folgend, wollte man nun auch hier die Sole in Flaschen  vertreiben, zumal immer mehr Gäste auch zu Hause beliefert werden wollten. Rosenberger Antrag  wurde im Oktober von der Königl. Regierung bewilligt. Wegen des zu hohen Salzgehaltes wurde die Sole verschnitten und wurde mit Kohlensäure versetzt.   

 

     Sep. Letzte Badeliste 1851 (NKB Nr. 69).

451 Einträge (1420 Kurgäste, davon 504 „Ausländer“) darunter der Hofspediteur Moreau-Valette, die Berliner Hofschauspielerin E. K. Houget-Vestris, der Historienmaler Veters und die Gräfin Bernhardt zu Stolberg. 

 

  1. Sep. Gastwirt Weber zeigt beim OBA den Erwerb eines Eiskellers an (NKB).

 

  1. Sep. Bewerbung des Arbeiters Theile (St.-A. Nr. 356)

Die Badedirektion suchte einen älteren Invaliden für die Unterhaltung der Promenade.. Theile legte nicht nur ein amtliches Armutszeugnis vor, sondern auch eine Empfehlung des Naumburger Kriegervereins.

 

  1. Okt. Mitteilung des Provinzialschulkollegiums (St.-A. Nr. 356)

Auf Nachfrage wurde mitgeteilt, dass die Genehmigung des Kaufvertrages von den Ministerien noch nicht erteilt wurde.

 

  1. Okt. 50-jähriges Dienstjubiläums des Dorflehrers Ernst Hucke (NKB).

Zu den Gratulanten gehörten Vertreter der Landesschule, der Gemeindekirchenrat Pforte-Kösen und zahlreiche ehemalige Schüler.

 

  1. Okt. Jahresstatistik des Badedieners Kettner (St.-A. Nr. 356)

Die Hartungsche Badeanstalt hatte 6.910 Solebäder für Erwachsene und 747 für Kinder sowie 291 Wasserbäder abgegeben.

 

  1. Nov. Grenztermin am Jackenberg (BLK-A. Nr. 62).

Der Flächentausch und die Zusammenlegung der Parzellen sollte im kommenden Jahr nach der Ernte erfolgen. Die Pächter versprachen Schmidt die pünktliche Bezahlung seiner Rechnung und unterschrieben das Protokoll: Johann Thielitz, mit Vollmacht seines Schwagers Carl August Therkorn, Schmiedemeister zu Dürrenberg, Maurermeister und Ökonom August Werner, Bäckermeister J. Fr. A.  Hämmerling für sich und mit Vollmacht des Arztes J. K. Fr. Gräfe zu Dresden,  der Mehlhändler Traugott Bäßler, die Witwen Johanna Rosine Kreutzmann, Christiane Wolf und Christine Sophia Reinhardt, die Salinenarbeiter K. Fr. Ziege, Fr. Zwingenberg und Gottfried Streuber, die Erben des Leinewebermeisters J. H. A. Mengel, genannt Saalborn, Albrecht, Ernst, Louis und Amalia verh. Knorr und der Musikus J. Fr. Reinhardt.  

 

  1. Nov. Anordnung der Königlichen Regierung zum Kanal in der Querstraße (St.-A. Nr. 356)

Die Bahnverwaltung hatte die Anlage eines Abzugskanals abgelehnt, weil ihr die betreffenden  Grundstücke nicht mehr gehörten. Nunmehr wurde der Geruch als lästig aber nicht gesundheitsschädlich eingestuft, weshalb die Sanitätspolizei nicht einschreiten müsse. Allerdings läge die Beseitigung im Interesse des Bades weshalb die Badedirektion den Kanal errichten sollte und die Anlieger sich finanziell daran beteiligen.   

 

  1. Dez. Jahresbericht des Knappschaftsarztes (St.-A. Nr. 356)

Demnach wurden 2.356 Wellenbäder und 174 Soledampfbäder abgegeben. Die Struvesche Trink- und Molkeanstalt an der kleinen Promenade zählte 120 Besucher. Vorgeschlagen wurde auch die gesamte Kukulauer  Wiese als Park zu nutzen und bequeme  Wanderwege zum Nikolaus- und Katerberg anzulegen.   

 

  1. Dez. Ausschreibung der Kohlentransporte von Mertendorf nach Kösen (NKB).

 

  1. Dez. Jahresbericht der Badedirektion (St.-A. Nr. 369)

Der Bericht, unterzeichnet von Backs, Schwimmer, Kettner, Müller und Dr. Rosenberger, befasste sich mit den öffentlichen Badeeinrichtungen und deren wirtschaftlichen Verhältnisse. Demnach erhielt die Hartungschen Badeanstalt 6.050 Kubikfuß und die übrigen Badewirten 2.921 Kubikfuß Sole. 1.460 Kurgäste wurden registriert, 956 aus den preußischen Provinzen, darunter zahlreiche Berliner. 504 kamen aus dem „Ausland“, die meisten aus dem Königreich Sachsen, davon die meisten aus Dresden. Die Badekasse wies einen Überschuss aus 

Positiv sei der Versand des Trinkbrunnens als wirksames Werbemittel, um mit den aufstrebenden Badeorten Sulza, Arnstadt und dem Wittekindbad in Halle mitzuhalten. Gelobt wurde der Kursaal eine Bereicherung des geselligen Lebens, wie die von der Badedirektion veranstalteten Rèunions. Zweimal wöchentlich gab es ein Morgenkonzert im Stadtgebiet, sieben weitere in der Buchenhalle, auf der Rudelsburg, den Saalhäusern, am Göttersitz und  an der Katze.

Die Badedirektion lobte die neuen Häuser des Kunstmeisters Scheufler (Uferstr. 5), des Kaufmanns Starklop (Naumburger Str. 10) und des Müllergesellen Richter (Fr. Ebert Str. 21), wogegen die Salinenverwaltung meinte „daß diese etwas gewagten Speculationen zum bleibenden Vortheile der Eigenthümer gereichen möge“.

Von den Badelisten wurden insgesamt 3.150 Exemplare zum preis von 23 Taler, 16 Silbergroschen, 9 Pfennige gedruckt, der Erlös betrug 30 Taler  29 Silbergroschen und 9 Pfennige, mithin ein Überschuss für die Badekasse von 7 Taler 13 Silbergroschen

 

            August Hämmerling erwirbt das Gehöft des Chaussee-Einnehmers  (Hoppe, Heimatbuch).

Das neben seinem Anwesen an der Naumburger Chaussee (Nr. 2-4) liegende Gehöft (Nr. 1) entstand Anfang des 16. Jahrhunderts und ist damit nach dem Klostervorwerk das zweitälteste Wohngebäude in Kösen. Seit der Einrichtung des Kösener Floßzolls an der Grenze Kursachsen zu den ernestinischen Herzogtümern und Kursachsen, wohnten hier zunächst die Floßmeister wie  Maul (um 1640), Zschackwitz (um 1660) und Wenzel (um 1700), später die Floßschreiber wie Martini ( um 1730). Dann erwarb der Bai-Salz Einnehmer Döring das Gehöft. Hämmerling verlegte nun seine Bäckerei mit Ausschank und Ausspanne hierher, noch näher und zudem verkehrsgünstiger zum „Mutigen Ritter“. 

 

1852    

  1. Jan. Kaufvertrag über den Streifen der Kukulauer Wiese (St.-A Nr. 359).

Im Dezember hatten König Friedrich Wilhelm und der Finanzminister v. Ramer den zwischen dem OBA, der Königl. Regierung und der Landeschule ausgehandelten Entwurf genehmigt, den Backs und der Prokurator Schwimmer nun besiegelten. Der Kaufpreis betrug  584 Taler und wurde  mit   4% Zinsen gestundet.  Die Zinsen übernahm die Badekasse. Die Entschädigung des Kukulauer Pächters für die entzogene Fläche regelte die Landesschule. Als Schutz vor Druckwasser durfte entlang der Promenade ein Graben angelegt und mit dem Aushub der Weg erhöht werden. Im Vertrag hieß es: „Die Promenade fängt in der Nähe des Bechmannschen Gehöfts (Lindenstr. 1) an und geht auf den zum Schulgute Cuculau gehörigen Wiese dicht neben dem nach dem Bahnhofe führenden Fahrwege in gerader Linie bis zum Übergang beim Wärterhäuschen“. Diesen Vertrag genehmigten der Direktor des Präsidial-Schulkollegiums v. Nebbe und der Handelsminister v. d. Heydt.

 

  1. Jan. Bericht des Landrates zum Schulwesen (MER C48 II b 2028 I, St.-A. Nr. 356)

Nach Aussage des geistlichen Inspektors Niese war die Schule mit 200 Kinder völlig überbelegt.  Von den beiden Lehrer stand Hucke vor der Pensionierung und der Jüngere suchte wegen der geringen Bezahlung eine andere Stellung. Zur Aufbesserung des Gehaltes sollten Gelder aus dem Unterstützungsfond für arme Badegäste entnommen werden. Das lehnte die Badedirektion ab und wies darauf hin, dass zunächst das Schulgeld auf die üblichen 2 Taler angehoben werden sollte. Das wiederum lehnte die Gemeinde ab, weil von den meist armen Familien schon das derzeitige Schulgeld kaum zu zahlen war.

 

  1. Feb. Genehmigung der Thüringischen Eisenbahnverwaltung (St.-A. Nr. 356)

Um den für die Promenade vorgesehene Streifen zu erreichen, mussten die benachbarten Eigentümer ihre Zustimmung geben. Das betraf neben dem Mühlenpächter auch die Bahnverwaltung die der Gemeinde ein kostenloses Übergangsrecht im bereich der  Bahnunterführung am Baumbachschen Grundstück gewährte.

 

  1. Feb Flaschenvertrieb des „Kösener Salzbrunnens“ (NKB).

Der Preis pro Flasche betrug 5 Silbergroschen, einschl. 1 Silbergroschen Pfand. Den Vertrieb in Berlin übernahm die Fa. J. F. Heyl.

 

  1. Mär. Genehmigung des Promenadenkaufs (WER D 34/1/2089).

Den Vertrag wurde von den Oberbehörden gesiegelt und den beteiligten Parteien ein beglaubigtes Exemplar zugefertigt.

 

  1. Mär. Genehmigung des Provinzialschulkollegiums (St.-A. Nr. 356)

Die Badedirektion bekam kostenlos 60 Schachtruten Kies aus der Grube der Landesschule am Galgenberg für die Befestigung der Promenade.

 

  1. Mär. Konzession für „theatralische Aufführungen“ (St.-A. Nr. 356)

Die erhielt das Ensemble des Reserveleutnants Giersberg, den sein ehemaliger Kommandeur Generalmajor v. Strantz empfohlen hatte. Die Konzession galt vom 1. Mai bis 15. Oktober und kostete 29 Mark. Dazu erklärte die Badedirektion „Wir müssen die Erwartung aussprechen, daß Sie die in unserm Schreiben geäußerten Voraussetzungen und Bedingungen rechtfertigen und so den Anforderungen entsprechen werden, welche an ihre Unternehmung von den hiesigen Badepublicum gestellt werden. Was Ihre weitere Anfrage betrifft, so bemerken wir, daß zwar einige Male ein Sommertheater hier etabliert gewesen, aber nicht bekannt geworden ist, welche Resultate hierdurch erzielt worden sind.“  Der bisherige Eintritt hätte zwischen 2 und 7 Silbergroschen betragen und die Requisiten waren Eigentum des Ensembles.

 

  1. Apr. Überregionale Werbeaktion der Badedirektion (St.-A. Nr. 356)

Die Badedirektion hatte in der „Neuen Preußischen Kreuzzeitung“, der „Preußischen Adler Zeitung“ und der „Leipziger Zeitung“ Anzeigen geschaltet „Das Soolbad Kösen bietet, abgesehen von der längst bewährten Wirksamkeit seiner Quellen, welche zum Baden sowie zum Trinken angewendet werden, Vortheil und Annehmlichkeiten in seltener Vereinigung.  Der Stationspunkt der Thür. Eisenbahn auch von größerer Entfernungen aus bequem zu erreichen, ist unser im romantischen Saal-Thale lieblich belegenen Kurort, zugleich auch durch seine  der Gesundheit  im Allgemeinen günstigen klimatischen Beschaffenheit bevorzugt. Kranke der verschiedensten Art werden schon um dieser günstigen örtlichen Verhältnisse wegen gern von den Ärzten an unsern Kurort gewiesen, wo überdieß zweckmäßig eingerichtete Bade- und Trinkanstalten, darunter namentlich ein Wellenbad mit Sool-Douchen, russische und Sool-Dampfbäder, eine Struvesche Trink- und Molkeanstalt  sich befinden. Sämtliche Anstalten werden am 15. Mai eröffnet und erklärt die Badedirektion sich gern bereit, auf Anfragen näher Auskunft über Badeangelegenheiten zu ertheilen.....“

 

  1. Mai Vollmacht des Landrates für die Genehmigung von Bällen und Rèunions (St.-A. Nr. 356)

Zur Vereinfachung der bisherigen Anmeldeformalitäten legte Freiherr von Danneil fest: „Für die Dauer der Saison  in Kösen will ich meine Befugnis, Tanzbelustigungen  in öffentlichen Localen polizeilich zu genehmigen, sofern solche vorzugsweise zur Unterhaltung der Kurgäste pp. veranstaltet werden, bis auf unerwartet eintretende  Ausnahmefälle für welche ich mir selbstredend meine Cognition jederzeit vorbehalte, hiermit unter der ausdrücklichen Maßgabe delegieren, daß jene Genehmigung auf Ansuchen stets zu ertheilen ist und die Königl. Badedirektion nur dann eine Anzeige zu machen hat, wenn dieselbe die Ertheilung jener Genehmigung aus Rücksichten ganz besonderer Art etwa bedenklich finden soll. Die Besitzer der öffentlichen Locale sind verpflichtet, sich an die Badedirection zu wenden und der Ortsrichter hat alle darüber zu informieren. Ein polizeiliche Beaufsichtigung solcher Tanzbelustigungen ist unstatthaft.“

 

  1. Mai Antrag des Wundarztes und Geburtshelfers Dr. Reinhardt (St.-A. Nr. 356).

Der hatte sich hier niedergelassen und bot er der Badedirektion an, die ärztliche Pflege von mittellosen Kranken unentgeltlich zu übernehmen. Backs antwortete „Diesen Ausdruck humaner Gesinnung mit aufrichtiger Hochschätzung anerkennend, werden wir bei vorkommender Gelegenheit, dieser Ihrer freundlichen Erbietens gern eingedenk sein.“

 

  1. Mai Schreiben der Armendirektion zu Berlin an die „eheverlassene“ Auguste Röder (St.-A 356)

„Die Badedirection in Kösen hat Ihnen auf unsern Antrag den freien Gebrauch der dortigen Bäder bewilligt. Wir benachrichtigen Sie hiervon, mit der Aufforderung zu dem Ende am 20. Mai d. J. in Kösen zum Beginn der Kur einzutreffen und sich durch Vorzeigung dieses Schreibens daselbst zu legitimieren. Zugleich teilen wir Ihnen mit, daß die 13te Armen-Kommission beauftragt worden ist, Ihnen eine Unterstützung zur Badereise von 25 Talern zu zahlen.“

 

  1. Mai Begründung Rosenbergers für die Anhebung seines Honorars (St.-A. Nr. 356)

Die Badedirektion hatte die Erhöhung der Kurtaxe beschlossen, dem Badearzt aber einen höheren Anteil versagt, mit dem Hinweis, dass dessen Vergütung nicht aus einer öffentlichen Kasse erfolgen darf.  Außerdem wäre in der Badeordnung von 1847 festgelegt, dass zwar die Erstkonsultation des Badearztes kostenfrei, jede weitere Konsultation jedoch zu bezahlen sei, wobei man davon ausging, dass dies von den Gästen rege in Anspruch genommen würede. Dem widersprach Rosenberger, im Jahr 1851 wären von den 466 eingetragenen Familien, gerade einmal 159 Personen zur  kostenpflichtigen Konsultationen  gekommen. Allein die Inanspruchnahme durch die kostenfreie Erstkonsultation, hätte ihn dazu gebracht, während der Saison seine Landpraxis ruhen zu lassen.  Zudem hätte er bei Eröffnung der Hartungschen Badeanstalt seine eigenen Bäder „betrübenden Andenkens“ eingestellt und einiges Inventar der Anstalt überlassen. Weil die ihm laut Vertrag zustehende Entschädigung für die medizinische Betreuung der Hartungschen Anstalt aber ausblieb, habe er seine Badeanstalt wieder geöffnet.  Abschließend bemerkte er: „Auch in Kösen selbst, wo ich, solange ich hier verweile nur von wenigen Touristen saläriert worden bin, da Wohlhabenheit hier nur den äußeren Anschein nach ihren Sitz hat, ist im Frühjahr 1852 ein 2. Arzt mit dem ich mir die Sommereinnahme teilen muß“. Außerdem habe er auf eigene Kosten Reisen unternommen, auswärtige Ärzte konsultiert, die er überzeugen wollte, ihren Patienten Kösen zu empfehlen. Während seiner Abwesenheit musste er auch noch einen Ersatz  für die Knappschaft stellen,  den er aus der eigenen Tasche bezahlt habe. Auf Rosenbergers Beschwerde hin verlangte die Königl. Regierung von der  Badedirektion eine Stellungnahme.

 

  1. Mai Quartierantrag der Baronin von Troschke aus Berlin (St.-A. Nr. 356)

„E. Hochlöbliche Badedirection, ersuche ich ganz ergebenst, mir zum 8ten Juli ein Quartier von zwei Stuben und einer Kammer mit zwei herrschaftlichen Betten und ein Mädchenbett zu bestellen. Da ich hauptsächlich der gesunden schönen Luft wegen Kösen gewählt habe, so wünsche ich eine parterre Wohnung mit einem schattigen Platz zu haben und womöglich in einer lebhaften Gegend. Ich bitte meine Dreistigkeit zu entschuldigen und verbleibe...“

 

  1. Juni Ausschreibung zur Erweiterung der öffentlichen Badeanstalt. (NKB).

Um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern sollte ein zweiter Dampfkessel und eine Hochdruck- Dampfmaschine installiert werden, um einen schnelleren Wechsel der Bädern zu erreichen.

 

  1. Juni Stellungnahme der Badedirektion zum Honorarantrag (St.-A. Nr. 356)

Badeinspektor Kettner erklärte, dass Rosenberger der Badeanstalt 2 kupferne Waschkesseln, ein paar Kupferrohren, einige Messinghähne und zwei Zinkwannen im Wert von 200 Talern überlassen habe. Da die Frequenz der Anstalt nicht den Erwartungen entsprach und nach Abzug der Unkosten, der Kapitaldienst nur zur Hälfte geleistet wird, hätte man auch die Inanspruchnahme der Dienste Rosenbergers herabgsetzt. Ortsrichter Schleicher, gleichzeitig Kassierer der Badekasse meinte,  dass die Badegäste nichts mehr in die Badekasse geben würden, wenn Rosenberger eine Tantieme daraus erhalten würde. Außerdem glaube er nicht, dass an den Orten die Rosenberger vorgab besucht zu haben, wie Wien, Paris, London und in der Schweiz überhaupt ein Interesse an einer Kur in Kösen  bestünde. Zusammenfassend erklärte der Schulinspektor Schwimmer „1. Es ist allein dem Badegast  überlassen, ob und welchen Arzt er konsultiert 2. Für den Badearzt werden keine Beiträge durch die Badekasse gesammelt und 3. Sollten die Badegäste nur zu den unumgänglich notwendigen Kosten des Bades herangezogen werden“, wozu das Honorar des Badearztes in keiner Weise gehören würde.  

 

  1. Juni Besuch des Handelsministers v. d. Heydt (St.-A. Nr. 359)

Der Minister regte die Anlage eines Parkes auf beiden Seiten des Bahndammes an und  versprach dafür 200 Taler, falls die Landesschule die Kukulauer Wiese der Badedirektion kostenlos überläßt.   

 

  1. Juli Anweisung der Badedirektion an die Badewirte (BLK-A. Nr. 356)

„Ein jeder welcher Solbäder verabreicht, ist verpflichtet auf das Verlangen des Kurgastes die Bäder in seiner Gegenwart bereiten zu lassen und durch eine Soolwaage das richtige Verhältnis der Soole zum Waßer anzugeben. Das Verhältnis ist je nach Verabredung des Arztes ¼, ½, ¾ Soole, auch muß eine Soolwaage in das bereitete Bad gesenkt, im ersten Fall 2 ½, im zweiten 3 und im dritten Fall 4 ½ Grad anzeigen. Um Beschwerden und Mißverständnissen vorzubeugen, werden die geehrten Kurgäste ersucht, hiervon  gefällige Kenntnis nehmen zu wollen.“  

 

  1. Juli Antwort Rosenbergers auf die Stellungnahme der Badedirektion (St.-A. Nr. 356)

„..da viele der zur Widerlegung meiner Ansprüche herangezogenen Angaben unrichtig sind, und die meisten Übrigen auf einer Mißdeutung beruhen, welche einen nicht geahnten (.) unverdienten Übelwollens ähnlich sieht.“

 

  1. Juli Antrag auf Aufhebung der Hutungsrechte auf dem Jackenberg (BLK-A. Nr. 62).

Bislang bestanden für die Pfortaer Ökonomie und die Domäne Fränkenau  Hutungsrechte, an den  mit Obstbäumem bepflanzten Steilhängen über das ganze Jahr und auf den Feldern nach der Ernte. Nach dem Flächentausch boten die Pächter der Landesschule einen Ablösebetrag von 24 Talern auf der Grundlage einer Berechnung des Aktuars Schmidt an.

 

  1. Juli Schreiben an den Kgl. Oberpräsidenten der Provinz Sachsen (St.-A. Nr. 356, 359)

Die vom Handelsminister angeregte Anlage des Kurparks, nahm Backs zum Anlaß, den  Oberpräsidenten und bei der Schulbehördde die kostenlose Überlassung der Kukulauer Wiese zu beantragen:„Der Kgl. Landesschule, welche sehr bedeutende Lehen und Zinsen von Kösen bezieht, kann es als Grundeigentümer des Orthes  und nächster Umgebung nicht gleichgültig sein, ob seine Bewohner von ihren jetzigen sehr drückenden Verhältnissen sich befreien, nach und nach zu einem schuldenfreien Besitztum gelangen, oder ob sie sich mit geringen Ausnahmen ihrer gänzlichen Verarmung entgegen gehen sollen..“

Der Präsident lehnte ab, weil die Schule eine mildtätige Stiftung sei und Grundstücke nicht entschädigungslos abgeben könne. Man solle zunächst über einen Erwerb der Wiese zwischen der Bahn und dem Dorf verhandeln, die für die Domäne Kukulaus nur noch eingeschränkt nutzbar sei.  Dagegen bat er das Provinzialschulkollegium, den Nikolausberg von Abholzungen zu verschonen, damit hier der „einzige in der Nähe befindliche  Bergspaziergang“ erhalten bleibt.

 

  1. Juli Antrag der Badedirektion auf Anbringen eines Briefkastens (BLK-A. Nr. 356)

Bislang wurden die Briefe bei der Postexpedition am Bahnhof abgegeben. Weil der Weg recht weit war, kam dann ein Briefkasten in die Lindenstraße, der immer 20 Minuten vor Ankunft eines Personenzuges vom Postexpedienten geleert wurde.

 

  1. Juli Meldung des Badekassenrendanten Ortsrichter Schleicher (St.-A. Nr. 356)

„Die Frau Kaufmann Loise Frenkel nebst Schwester, beide aus Berlin, Erstere bei Deistung und Letztere bei Grenzdörfer wohnhaft, weigern sich den gesetzlichen Beitrag für Familien zur Badekasse zu entrichten und haben jede nur den Betrag für eine einzelne Person, nehmlich 1 Taler gezahlt...“

 

  1. Juli Kritik der Badedirektion an die Restaurateure (St.-A. Nr. 356)

„Es ist während der Saison wiederholt Klage darüber geführt worden, daß in den hiesigen Restaurationen (Kurzhals, Teichgräber, Furcht, Rost) bei der Zubereitung der Speisen auf die Diät der Patienten, welche Brunnen trinken, gar keine Rücksicht genommen werde. Viele Gäste behaupten, daß sie von den öffentlichen Mittagstischen hungrig wieder aufstehen müssen, weil ihnen nur solche Speisen angeboten werden, welche sie nicht genießen dürfen. Auch ist es vorgekommen, daß Speisen welche der Kurgast … die er verlangt, ihm nicht gesendet werden, dagegen statt dessen andere, welche ärztlich verboten sind. Ich bin mehrseitig nicht nur auf diesen Ungehörigkeiten aufmerksam gemacht, sondern auch mit dem dringenden Gesuch angegangen worden, unser Mögliches zu tun, damit diesen Beschwerden der Kurgäste Abhilfe geschähe.

Kösen ist ein Ort dem keineswegs bloß der Soolbäder wegen besucht wird. Die Frequenz unseres Bades ist viel mehr abhängig, daß die Ärzte ihre Kranken hierher senden, um sie irgend einen Brunnen trinken zu lassen. Diese Gäste  verfehlen aber gänzlich den Zweck ihres hiesigen Aufenthaltes  und gefährden sogar ihre Gesundheit, wenn ihnen nicht die Möglichkeit gegeben wird, die nöthige Diät einzuhalten. Somit steht der Ruf unseres Badeortes in inniger Beziehung mit der Beschaffenheit der Restaurationen. Den ausgesprochenen Wünschen der Kurgäste Folge gebend, richten wir  an Sie die Bitte, daß sie diesen Gegenstand der auch Ihr eigenes Interesse so nahe berührt, doch Ihre ganze Aufmerksamkeit zuwenden möchten.

Beiliegendes Verzeichnis der an den meisten Kurorten für erlaubt und unerlaubt geltenden Nahrungsmittel empfehlen wir als ein Anhalt bei der Auswahl der Speisen. Schließlich noch die Bemerkung hinzufügend, daß wir Erklärungen derjenigen Restaurateure, welche es  sich besonders angelegen sein lassen wollen, die Brunnen trinkenden Gäste in diätischer Beziehung zu Hülfe zu kommen, auf Verlangen durch die Badeliste veröffentlichen werden“.

Backs, Schleicher, Müller, Kettner, Dr. Rosenberger

Verzeichnis der in den meisten Kurorten für erlaubt und unerlaubt geltenden Speisen.

Verbotene Nahrungsmittel: a.) alle Speisen, welche Säuren enthalten, namentlich Salate, Gurkensalat, ferner Saucen, sauer eingelegte Früchte, Sauerampfer, frühes Obst, saure Milch, b.)  fette gebratene Speisen, Bratfisch, c.) schwere Mehl-, Eier- und Milchspeisen d.) Gemüse wie Kohl, gebackene Erbsen und Bohnen, Linsen, frische Kartoffeln, e.) geräuchert, gepökelte und pikante Speisen, Wurst, gepökeltes Rindfleisch, geräucherte Fische, gekochten Schinken, f.) Fleischspeisen wie Gänse, Hühner, Schweinefleisch, gebratene Leber, g.) Fisch wie Aal, lachs, Neunaugen., h.) gewürzte und erfrischende Speisen mit Bier, Wein, Cognac bereitete (Plumpudding).

Erlaubte Nahrungsmittel: a.) Gries-,Semmel-,Hafergrütze, Graupensuppe, Fleischbrühe von Rind, Kalb, Huhn, Taube, b.) Gemüse – grüne Schoten, grüne Bohnen, Mohrrüben, Spinat, Spargel, Blumenkohl, geschmorte Gurken, c.)    Fisch-Zander, Forelle, Hecht, Barsch. Karpfen d.) Fleisch – gekochtes und gebratenes Hammel, Rind und Kalb, Kalbskarbonade, junge Tauben, Hühner, Kapaune, Wildbraten, d.) Mehl- und Eierspeisen, weiche Eier, Graupen, Gries, Sago, Reis, f.) Obst- feines gebackenes mit Vorsicht und am besten zum Nachtisch, g.) trockene nicht fette Kuchen. Verbotene Getränke: Doppeltes Bier, Limonade, Liqueur, Punsch, Wein, Gewürz-Schokolade.  Die vorgesehen Diät muß auf 4 – 6 Wochen nach beendigter Kur fortgesetzt werden.“

 

  1. Juli Mitteilung des Oberbergamtes (St.-A. Nr. 359)

Der Minister erwartete, dass sich sowohl die Landesschule als auch die Eisenbahnverwaltung angemessen an der Anlage des Parkes zur Verschönerung des Ortes beteiligten.

 

  1. Aug. Erklärung der Knappschaft zum Brunnenfest (Hinsche, Heimatbuch 1930).

„Auf Wunsch des Herrn Bergrat Backs soll das diesjährige, sowie die nächstfolgenden Brunnenfeste mit einer kirchlichen Feier  begangen werden. Wir sind daher beauftragt, sämtlichen Knappschaftsmitgliedern dieses, welches auch vom königlichen Oberbeamten sehr gern gesehen würde, vorzutragen, weshalb wir die Knappschaftsmitglieder ersuchen, ihre Zustimmung zu dieser Feier entweder mit Ja oder Nein hierunter bemerken zu wollen. Der Herr Inspektor Niese, sowie der Herr Bergrat Backs, und auch wir haben den Platz vor der Dirigentenwohnung am geeignetsten dazu gefunden, da der  am unteren Schacht zu solchem Behuf zu klein ist. Herr Inspektor Niese will sich dieser Mühewaltung gern unterziehen. Die dazu geeigneten Gesänge werden zu seiner Zeit ausgegeben werden und beginnt der Gottesdienst um 2 Uhr, weshalb sich sämtliche  disponiblen Mitglieder spätestens um ¾ 2 vor dem Kassengebäude versammeln müssen. Alles übrige  wird noch näher bestimmt werden“. Die Knappschaftsdeputierten Kühne, Thielitz, Dönicke. Alle 43 Knappschaftmitglieder stimmten dafür.

 

  1. Aug. Veröffentlichung des Gemeindekirchenrates (NKB).

Zwar wurde seit 1850 einmal wöchentlich in der Schule ein Gottesdienst gehalten, aber das war für Einheimische und Badegäste nicht zumutbar und das Fehlen einer eigenen Kirche völlig unbefriedigend. Doch der  Kirchenbaufond belief sich auf 884 Taler, was noch nicht einmal für einen neuen Gebetsraum reichte, wie Bergrat Backs erklärte.

 

  1. Aug. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Der Departement-Rat Oberbergrat Ritter Ebers wurde vom Bergrat Backs auf den desolaten  Zustand des Wehrdammes hingewiesen. Doch die  Königliche Regierung, der das Problem bekannt war, lehnte die Ausbesserung ab, weil eine Generalinstandsetzung geplant wurde, allerdings ojhne konkreten Ausführungstermin.

 

  1. Aug. Anordnung zur Kontrolle der Hartungschen Badeanstalt (St.-A. Nr. 359)

Nach mehreren Klagen wegen einer unzureichende Befüllung der Wannen, wurde dem Badeinspektor befohlen, die Einhaltung der in der Badeordnung vom Dezember 1845 festgesetzten Füllmenge von 32 Kubikfuß (92 l) zu gewährleisten. 

 

  1. Aug. Antrag der Badeverwaltung bei der Thüringer Eisenbahngesellschaft (WEI RBD 12/1).

Backs, Kettner, Rosenberger, Schleicher und Müller baten den Vorstand um einen Zuschuss für die  Promenade, weil dadurch auch die Bahnhofswirtschaft bequemer erreicht würde.

Im gleichen Schreiben wurde die kostenlose Überlassung eines Ausstichs auf der Kukulauer Wiese beantragt. Ebenso wie der auf dem Möllerschen Grundstück bildten sich hier im Sommer  „schwefelwasserstoffhaltige Ausdünstungen“, was auch dem Handelsminister bei seinem Besuch unangenehm aufgefallen war. Hier sollte ein Teichangelget werden, in den die unter dem Bahnhof wieder austretende Quelle eingebunden und so ein natürlicher Zu- und Abfluss geschaffen werden kann. Der teich würde sich zum Gondelfahren ebenso zur Ansiedlung von Schwänen dienen.  

 

  1. Sep. Anzeige der Badedirektion (St.-A. Nr. 356)

Dank der günstigen Witterung wurde Mitte des Monats mit der Weinlese begonnen, damit würde auch wieder eine Traubenkur möglich sein.

 

  1. Sep. Gutachten des Salinenbaumeisters zum Solebassin (St.-A. Nr. 359)

Dr. Rosenberger beabsichtigte auf der Radinsel eine Solebadebassin aufzubauen, weil die beiden Wellenbäder in der Saison nicht reichten. Der Kostenvoranschlag, den der Dürrenberger Salinenbaumeisters vorlegte, war dem Oberbergamt zu hoch. Der Plan wurde abgelehnt,  dafür aber wegen der begründeten Zweckmäßigkeit, die Errichtung des Bassins bei der Erneuerung des oberen Wellenbades in Aussicht gestellt. 

 

  1. Sep. Bekanntmachung zur Verpachtung der Chausseegeld-Einnahme (NKB).

 

  1. Sep. Genehmigung der aktuellen Wochenmarktordnung (St.-A. Nr. 401, 488)

Demnach fand der Markt von April bis September, dienstags und Freitags von Tagesanbruch bis 11 Uhr statt. Den Händlern wurden die Standplätze vom Ortsgendarmen zugewiesen, Buden und Tische mußten  bis 12 Uhr abgebaut sein. Zum Verkauf kamen „Nahrungsmittel, frisch, getrocknet, gebacken, eingelegt, kleinere vierfüßige Tiere (Kälber, Schafe, Schweine, Ziegen), Milch Butter, Käse, Fleisch, Wurstwaren, Eier, Heringe, Muscheln, Krebse, Fische (frisch, geräuchert, gesalzen)und alle übrigen Erzeugnisse der Land-und Forstwirtschaft und der verbundenen Gewerbe wie Holz, Steine, Schiefer und Viehfutter. Viktualienhändler, Höker und Zwischenhändler durften nicht vor 9 Uhr ihre Einkäufe tätigen. An den Markttagen war der Straßenhandel im Ort untersagt. Die Preise mussten angesagt werden und kamen in das Marktprotokoll.  Die  Landbäcker waren angehalten, das Gewicht einzuhalten und das Brot auszubacken, ebenso streng geregelt war der Verkauf von Butter. Verboten war der Verkauf gesundheitsschädlicher Produkte. Bei Zuwiderhandlungen  drohten bis zu 20 Taler Strafe.

 

  1. Sep. Konferenz der deutschen Realschulmänner im Gasthof „Zum Mutigen Ritter“ (NKB).

Das war eine der ersten überregionalen Mehrtageskonferenzen, womit sich dann das Bad zum begehrten Versammlungsort entwickelte.

 

      Sep. Letzte Gästeliste der Saison (NKB 76).

Die Badestatistik verzeichnete 466 Nummern, d.h. 1.427 Kurgäste darunter der Justizrat v. Gizycki, Freifrau von Czetteritz-Neuhaus, Baronin v. Lynker, die Gattin des Berliner Polizeipräsidenten Hinckeldey,  Baronin v. Trosteke und Eugenie v. Dziembowski. Abgegeben wurden insgesamt 11.960 Solebäder, 2.336 Wellenbäder und 174 Dampfbäder.

 

  1. Okt. Veröffentlichung der Wahlbezirke für die II. Kammer des preuß. Landtages (NKB).

Kösen  (1252 Einwohner) bildete gemeinsam mit Lengefeld und Kreipitzsch den Wahlbezirk 2 mit Ortsrichter Schleicher als Vorstand, Wahlmänner waren Dr. Rosenberger, Rittergutsbesitzer v. Schönburg, Mühlenbesitzer Roßner,  Bäcker Hämmerling und Bergrat Backs.

 

  1. Okt. Verfügung des Oberbergamtes (St.-A 359).

Die Salinendirektion wurde angewiesen, die Kosten für das Solebassin und die Erneuerung der Wellenbäder in den Ökonomieplan 1854 aufzunehmen.

 

  1. Okt. Flächentausch am Jackenberg (BLK-A. Nr. 62).

Anstelle der Splitterflächen hatten nun die Pächter ausreichend große Flächen, die eine sonnvolle landwirtschaftliche Nutzung ermöglichten, allerdings blieben die Hutungsrechte für die Fränkenauer Domäne.

 

  1. Dez. Jahresbericht der Badedirektion (St. A. Nr. 369)

Besonderes Augenmerk wurde inzwischen auch auf die „geselligen Vergnügungen“, gelegt, was sich durch das Sommertheater im Kuchengarten und den Furchtschen Kursaal merklich verbessert hatte. Hier hatte die Badedirektion eine Soiree mit Tanz veranstaltet, zu dem alle Kurgäste sowie mehrere „hiesige Fräulein“ eingeladen waren. An zwei Tagen der Woche spielte hier die Badekapelle, dazu kamen die kostenlosen Konzerte in der Buchenhalle, auf der Rudelsburg, den Saalhäusern, der Katze und am Göttersitz. Bezüglich der wirtschaftlichen Verhältnisse wurde auf die Verfügung der Königl. Regierung hingewiesen, nach der die Veranlagung der Kurtaxe vereinfacht war und jede Familie ab 2 Personen 2 Taler und jede Einzelperson 1 Taler zahlte. Beklagt wurde die Belästigung durch die Hinterlassenschaften des Bahnbaus, sowie die noch ausstehende Verbesserungen der Anlagen wegen fehlender disponibler Mittel. 

 

  1. Dez. Antrag zur Preissenkung für Badesole (St.-A. Nr. 359)

Die Hartungsche Badeanstalt, offenbar in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, hatte die Stundung der offenen Rechnungen und die kostenlose Lieferung der Badesole beantragt. Das lehnte die Badedirektion ab, befürwortete aber die Halbierung des Abgabepreises, allerdings auch bei den privaten Badewirten von 6 auf 3 Groschen für den Kubikfuß (31 l).

 

  1. Dez. Die Bahngesellschaft bewilligt einen Zuschuss zur Promenade (WEI RBD K12,1).

Bei einer Besichtigung überzeugte sich der Vertreter der Bahngesellschaft, dass die Anlage einer Promenade vor allem den Bahnreisenden zu Gute kam und bewilligte 100 Taler. Damit konnten  134 Schatten spendenden Bäumen gepflanzt werden.

 

              Gründung der „Kösener Vogelweiden“ (ADB Band 16).

Junge Germanisten aus Halle, Leipzig, Jena und Weimar aber auch aus der Schweiz trafen sich mehrfach während des Sommers auf der Rudelsburg zum Gedankenaustausch. Gründer war Franz Pfeiffer (1815-1868) der Verfasser der ersten systemtischen Literaturgeschichte Deutschlands. Dem Verein gehörten außerdem an: der Germanist und Philologe Reinhold Bechstein (1833-1894) der Sohn von Ludwig Bechstein, der Germanist und Erzieher Rudolf Hildebrand (1824-1894), der Sprachwissenschaftler und Indogermanist August Schleicher (1821-1868), der Schriftsteller und Literaturhistoriker Robert Boxberger (1836-1890).  Alterspräsident war  der Literaturhistoriker August Koberstein. Die Treffen fanden bis 1868 statt.

 

            Zahlungsanweisung für Dornwellen (St.-A. Nr. 183). 

Die Saline hatte einen festen Lieferantenkreis für den Schwarzdorn, die eine Kaution stellen mussten, falls sie die vereinbarten Mengen nicht lieferten. Für die Welle erhielten sie 28 Silbergroschen.          

 

            Jahresbericht des Knappschaftsarztes (St.-A. Nr. 369)

Die Hartungsche Badeanstalt hatte 6.910 warme Solebäder für Erwachsene und 747 für Kinder abgegeben, im Durchschnitt der letzten drei Jahre waren es 8.060 kostenpflichtige und 254 kostenfreie Bäder für die Knappschaftsmitglieder und die Ortsarmen.

 

1853

 

  1. Jan. Gesuch Hartungs an das Handelsministerium (WER Rep F 23X Nr. 22 Bd. 3).

Carl Hartung wandte sich nun an das Ministerium, nachdem das OBA die  kostenlose Lieferung der Badesole abgelehnt hatte. Als Begründung gab er wirtschaftlichen Probleme an, die aus  der geringen Frequenz und die Konkurrenz der privaten Badewirte resultierten, die trotz unzumutbarer Räumlichkeiten, vom Badepublikum bevorzugt wurden.

 

  1. Feb. Gemeindebeschluß zur Erhöhung des Schulgeldes (MER C 48 II b 2028 I)

Auf Drängen des Landrates wurde die Erhöhung des Schulgeldes auf 2 Taler/pro Schulkind mit 50 gegen 29 Stimmen beschlossen. Mehrheitlich stimmten die Hausväter dafür, die selbst keine schulpflichtigen Kinder hatten und somit von der Erhöhung nicht betroffen waren.

 

  1. Feb. Gesuch der kleinen Badewirte beim OBA (WER Rep. F 23X Nr.22 Bd.3).

Die Badewirte Heun (Eckartsbergaer Str. 3), Senff (Lindenstr. 5), Gräser (Fr.-Ebert-Str. 1) u. Gräßner (Fr. Ebert-Str.7 beantragten den Preis für die Badesole von 6 auf 4 Pfennig zu senken, weil sie ihre Sole abholen müssten und damit gegenüber der Hartungschen Badeanstalt  einen höheren Aufwand und einen erheblichen  Nachteil hätte. Würde keine Reduzierung erfolgten, müsste sie ihre Anstalten zum Nachteil des Bades schließen.

 

  1. Mär. Antrag auf Terminänderung der Holzmesse (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Wegen des anhaltenden Winters bat der Vorstand der Floßcommune Kahle um Verlegung der diesjährigen Holzmesse vom 10. März auf den 2. April, musste aber wenige Tage später um eine weitere Verschiebung nachsuchen, andernfalls könnte man die Holzmesse nicht belegen.

 

  1. Mär. Genehmigung zur Anlage einer Solefontäne am Gradierwerk (St.-A. Nr. 359)

Für den erforderlichen Druck sorgte eine Leitung die an einen Behälter auf dem Oberdeck angeschlossen war, mehrere Düsen sorgten für eine feine Verteilung der Sole.

 

  1. Apr. Auszug aus dem Ökonomieplan der Badedirektion (BLK-A. St.-A. Nr. 359).

Entsprechend der Verfügung vom Oktober 1852 wurden die vom Salinenbaubeamten Oesterreich mit 480 Talern bezifferten Kosten für das Solebadebassin in den Ökonomieplan 1854 übernommen, weil die kalte Schachtsole medizinisch vorteilhaft und die beim Einlassen erzeugte Bewegung angenehmer als die der Wellenbäder sei. Backs forderte, die Badezeiten auf den  Nachmittag zu begrenzen, weil am Vormittag die privaten Badewirte ihre Sole empfingen und das Reservoir der Hartungschen Badeanstalt gefüllt wurde. Abschließend stellte er fest: „ob das hier ungewohnte Beisammensein mehrerer Personen in einem Bade Anklang finden wird, ist eine Frage die allerdings etwas problematisch erscheinen muß, wenn man die bei den Elmener Bassinbade gemachten nicht günstigen Erfahrungen berücksichtigt.“

 

  1. Juni Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II , Nr. 5/4, St.-A. Nr. 359)

Der Bau des Solebassins wurde wegen der geringen Inanspruchnahme des Bassins in der Saline  Elmen zurück gestellt. Backs war der Ansicht, dass Rosenberger die Anlage auch selbst finanzieren könnte, zumal er davon überzeugt sei. Beschlossen wurde Sanierung der Wellenbäder, für die lt Kostenanschlag 620 Taler aus der Badekasse gebraucht würden.

Dann wurde die „Versuchsfontäne“ am Gradierwerk besichtigt. Backs kam in Erklärungsnot, weil er statt einer gleich sieben Fontänen angebracht hatte, und nun festgestellt wurde, dass die Anlage schon bei leichten Wind nicht funktionierte.

 

      Mai Veröffentlichung der Wochenmarktordnung  (NKB Nr. 20).

 

  1. Juni Erste Aufführung des TIVOLI-Theaters im Kuchengarten (NKB).

Die Spielkonzession galt für diese Saison, das finanzielle Risiko trug das „reisenden Ensemble“, dass auf reichlich Publikum und deren das Eintrittsgeld angewiesen war. Ungünstige Witterung und ausbleibende Badegäste sorgten für ständige Existenznöte.

 

  1. Juli Gemeindeversammlung zum Schulwesen (MER C 48 II b 2028 I)

Um die ständigen Differenzen zu beseitigen, drängten der geistliche Inspektor und des Landrat auf eine neue, verbindliche Schulordnung, in der alle diesbezüglichen Dinge zu regeln und von der Gemeinde zu beschließen werden. Der Schulvorstand, bestehend  aus drei ständigen Mitgliedern (geistlicher Inspektor, Ortsrichter, Rektor) und drei Hausvätern mit schulpflichtigen Kindern (Maurergeselle H. Knabe, Seilermeister C. Schmidt, Bahnhofsinspektor Herbst) sollten die Schulordnung vorbereiten..

 

  1. Sep. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen besucht die Rudelsburg (Heimatbuch 1930).

Ein Manöver in der Nähe von Roßbach nutzte der König zum Besuch der Landesschule. Mit einem  Sonderzug traf er am Fischhaus ein. Nach der Besichtigung der Schule ging es mit der Kutsche über die Saline zur Rudelsburg, wo er von den sächsischen Provinzialständen  empfangen wurde, wozu man eine überdachte Halle auf dem  Burghof errichtet hatte. Er wünschte den schon legendären „Samiel“ zu sehen und schrieb ins Gästebuch „Nach frohem Mahle auf der Ruine Rudelsburg“.

 

      Sep. Veröffentlichung der letzten Gästeliste 1853  (NKB).

1.293 Kurgäste wurden registriert, darunter Freiherr Marschall v. Bieberstein aus Dresden, Kommerzienrat Prätorius, Berlin, Gen.-Major v. Buttlar, die Kammermusiker Walpurger und Ronneburger, der Attachè der Kaiserl. Russ. Gesandtschaft v. Petersen, Mad. Devrient und Mad. Ghezzi.

 

  1. Sep. Schulordnung der Gemeindeschule (MER C 48 II b 2028 I)

Demnach gab es inzwischen rund 250 Kinder in drei Klassen und drei Lehrer. Das Schulgeld für die unterste und mittelste Klasse betrug 2 Taler, in der oberen  Klasse richtete es sich nach der Klassensteuerveranlagung der Eltern, mindestens 2 höchstens 6 Taler jährlich. Das Schulgeld diente der Besoldung der Lehrer, reichte es nicht, verpflichtete sich die Gemeinde zur Übernahme des Restes. Für den Rektor wurden 300 Taler festgelegt, für den 2. Lehrer 150 Taler und für den 3. Lehrer 120 Taler. Alle hatten Anspruch auf eine kostenlose Dienstwohnung bzw. einen Mietzuschuss. Der Rektor sollte einen akademischen Grad haben und zusätzlich gegen Honorar Französisch und Lateinisch unterrichten. Neu eingeführt wurde der Handarbeitsunterricht für Mädchen. Dafür sollte eine Hilfslehrererin unter Aufsicht der Frauenvereine gewonnen werden. 

 

  1. Sep. Handelsminister v. d. Heydt versagt die Finanzierung des Solebassins (St.-A. Nr. 359)

 

    Okt. Einstellung eines 1. Lehrers (MER C 48 IIb 2028 I)

Weil sich geeigneter Kandidat als Rektor wegen des geringen Gegaltes fand, wurde die Stelle mit einem 1. Lehrers besetzt und die disziplinarische Aufsicht über die Lehrer wie bisher dem geistlichen Inspektor überlassen. Als erstes beschwerte sich der 1. Lehrer G. Maizier,, dass ihm keine angemessene Wohnung von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde. Einen daraufhin vom  Landrat erlassener Befehl an den Gemeindevorstand kam diese nicht nach, so dass der Landrat sich an die Kgl. Regierung wandte. Doch erst im Juli 1855 stellte die Gemeinde dem Lehrer eine Wohnung zur Verfügung.

 

             Vertrag mit dem Schiffahrtsverein Alsleben (MD C 76 I Nr. 509).

Das zu verschiffende Salz kam mit dem Fuhrwerk an die Unstrutmündung und wurde dort auf die lastkähne verladen.

 

1854

 

  1. Jan. Geschäftseröffnungsanzeige des Zimmermeisters Struve (NKB).

 

  1. Mär. Frühlingskonzertsaison (NKB).

In der Bahnhofswirtschaft spielte die Kapelle des Königl. 4. Artillerieregiments, August Furcht lud zum Extra-Konzert in den Kursaal ein und auch Samiel hatte eine Militärkapelle engagiert.

 

  1. Apr. Genehmigung zur Erneuerung des oberen Wellenbades (St.-A. Nr. 359)

Die Ankleidekabine sollte nun am rechten Ufer des Kunstgerinnes errichtet und wegen des Hochwassers stabil gebaut werden,  wobei die veranschlagten  Kosten einzuhalten waren.

 

  1. Apr. Zusammenschluss der Knappschafts- mit der Witwen- und Waisenkasse.

 

  1. Apr. Furcht verpachtet den Kursaal an die Witwe Rost (NKB).

Nach dem Tod des Vaters übernahm  er das Naumburger Geschäft.

 

  1. Apr. Antrag Rosenbergers zum Bau des Solebassins (St.-A. Nr. 359).

Er wandte sich an das Handelsministerium und erklärte er wäre „bei aller Beschränktheit meiner pecuniären Hilfsmittel gern bereit, es auf meine eignen Kosten in einer dem Bedürfniß entsprechenden Weise auszuführen“.

 

  1. Mai Veröffentlichung der Wochenmarktordnung (NKB).

 

  1. Mai Stellungnahme der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23 X Nr. 22 Bd. 3).

Backs erklärte, dass wenn Rosenberger die Kosten und das Risiko trage, keine Bedenken zu haben,  dabei aber der Neubau des Ankleidekabinetts für das Wellenbad zu berücksichtigen sei. 

 

  1. Mai Geschäftsanzeige der Witwe Rost zur Übernahme des „Kursaales“ (NKB).

 

  1. Mai Gründung des Sparvereins der Kirchengemeinde Kösen/Pforte (NKB).

Zum Rendant wurde der Gendarm Hering gewählt.

 

  1. Juni Verfügung des Handelsministeriums (WER Rep. F23 X Nr. 22 Bd. 3, St.-A. Nr. 359)

Rosenberger erhielt die Erlaubnis zum Bau des Solebassins, unter der Maßgabe, dass 1.) das projektierte Bad darf nur an einem von der Lokalverwaltung zugewiesenen Platz  am linken Ufer am oberen Kunstgrabens angelegt werden 2.) Die Fassade hat im Einklang mit der neuen Ankleidekabine des Wellenbad zu stehen, 3.) Die Solelieferung erfolgt nur, wenn die übrigen Abnehmer keine Sole abholen, nötigenfalls ist ein Reservoir anzulegen 4.) Bedienung und deren Bezahlung hat der Antragsteller zu übernehmen 5.) der Soleverbrauch muss durch die Lokalbeamten kontrolliert werden, 6.) falls die Saline den Platz benötigt, ist das Bassin wieder zu entfernen. In Anbetracht der fortgeschrittenen Saison wurde ihm ein Provisorium genehmigt, was Rosenberger wegen der Kosten ablehnte und mit der endgültigen Anlage begann.

 

  1. Juli Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Angemerkt wurde, dass ein  Hochwasser die laufende Sanierung des Wehrdammes stark behindert.

 

  1. Juli Musikalisch-deklamatorische Abendunterhaltung im Kursaal (NKB).

Gestaltet von Mitgliedern des TIVOLI-Theaters, muskalische begleitet vom  „Bademusikcorps“.

 

  1. Aug. Veröffentlichung von Fahrplanänderungen (NKB)

Zwischen Kösen und Weißenfels verkehrten nun täglich 3 Personenzüge, in der Gegenrichtung 4.

 

  1. Sep. Anzeige zur Eröffnung des Sole-Badebassins (NKB)

Die Anlage hatte einen Durchmesser von 10 Fuß (3,1 m) und einer Tiefe von 3 Fuß (1,0 m). Im Abonnement kostete ein Bad 5 Sgr. 2 Personen erhielten eine Ermäßigung. Die Inanspruchnahme von Reizstrom kostete 2 ½ Sgr. extra. Die Badezeit einschl. An- und Auskleiden war auf ½ Stunde begrenzt. 

 

  1. Sep. Benefizkonzert der Badedirektion (NKB).

Die Veranstaltung brachte 98 Taler für die Hochwassergeschädigten in den schlesischen Provinzen.

 

      Sep. Veröffentlichung der letzten Kurliste des Jahres (NKB, St.-A. Nr. 583).

Insgesamt gab es 458 Einträge. Unter den Gästen  waren Dr. phil. Schilling, Konservator des Kgl. Zool. Museums in Greifswald, der Historiker und einer der „Göttinger Sieben“ Friedrich Christoph Dahlmann (1785-1860), Baron v. d. Goltz, Baronin v. Ketteler, Kammerherr Graf v. Scheel aus Kopenhagen, der Kaiserl. Russ. Staatsrat v. Tscherbinin und der Kaiserl. Russ. Hofsänger B. Lichnitzky. Dazu einige hoherangige preußische und sächsische Militärs wie die Generäle v. Diericke, v. Corvin-Wiersbitzki, v. Strotha, v. Gagern und v. Buddenbrook.

 

  1. Okt. Bericht Rosenbergers über das Solebassin (WER Rep. F23 X Nr. 22 Bd 3, St.-.A. Nr. 359).

Weil die Fertigstellung mit dem Saisonende zusammenfiel, konnte die Anlage nicht praktisch erprobt werden. Dafür pries Rosenberger die Schönheit und Zweckmäßigkeit der Anlage. Aus der beigefügten Skizze geht hervor, dass man von einem Aus- und Ankleidekabinett über eine Treppe in das bassin gelangte. Daneben stand ein „magneto-elektrischen Motor“ für die einzuleitenden Ströme der über eine Transmission vom Wasserrad angetrieben wurde .

 

  1. Okt. Bericht Backs über das Solebassin (dto).

 Backs, der ebenfalls eine Skizze beifügte, meinte, dass der Betrieb der Wellenbäder wesentlich publikumswirksamer und einträglicher sei. Außerdem bemängelte er die unsolide Ausführung des Bassins. Wegen der auslaufenden Sole würden die auf der Radinsel angepflanzten  Bäume eingehen.

 

  1. Nov. Anordnung des OBA (St.-A. Nr. 359).

Rosenberger wurde angewiesen, das Bassin im kommenden Jahr am linken Ufer des Kunstgrabens am Ende der großen Radinsel aufzustellen und Backs die Kontrolle übertragen.

 

              Eisenbahnunglück auf dem Bahnhof  (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Der Zusammenstoß zweier Züge bei dem es beim Sachschaden blieb, entfachte die Diskussion über das noch junge Verkehrsmittel. Der eigentlich Grund waren wohl die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Fuhrunternehmer. Nach der Einführung des Marktes waren nun auch der  Personenverkehr nach  Naumburg rückläufig und die Pferdeomnibusse fuhren nur noch am Sonntag.

 

              Jahresbericht Dr. Rosenbergers (BLK-A.)

In den 15 Badelisten hatten sich 1.195 Badegäste eingetragen, darunter 899 aus Preußen, davon  368 Berliner. 3.695 Sole-, Wellen- und Dampfbäder rechnete die Badedirektion ab. Die Hartungsche Badeanstalt verzeichnete 8.019 Bäder (6.369 Erwachsene, 994 Kinder, 324 für die Knappschaft und Arme, sowie 329 Wasserbäder). Rund 84.000 Kubikfuß Sole wurden abgegeben, davon erhielt die Hartungsche Badeanstalt 64.000 Kubikfuß, die Heunsche Anstalt  5.700 und die Rosenbergerschen Badeanstalt 3.300 Kubikfuß.

 

1855   

 

  1. Jan. Antrag für einen Wohltätigkeitsbasar (MER C 50 Nbg. A. Nr. 484)

Die Damen W. Backs, G. Haun, A. Parreidt, A. Senff und J. Rosenberger wollten im Rostschen Saale zum Wohle der Armen eine „Verloosung“ durchführen.

 

      Feb. Bekanntmachung zur  Wahl der 2. Preuß. Kammer (NKB).

Wahlmänner waren Dr. Rosenberger, Rittergutsbesitzer v. Schönberg, Mühlenbesitzer Roßner, Bäcker Hämmerling, Bergrat Backs, und der Ortsrichter Schleicher.

 

  1. Feb. Unterstützungsgesuch für bedürftige Einwohner (MER C 50 Nbg. A. Nr. 484)

In Anbetracht von Teuerung und Arbeitslosigkeit beantragte der Landrat bei der Kgl. Regierung, 100 Taler aus der Armenkasse zum Kauf von Brot, Mehl und Kartoffeln.

 

  1. Apr. Bericht des Berghauptmannes von Decken (WER Rep F 23 II Nr. 20)

Im Auftrag des preuß. Staatsministers v. d. Heydt hatte v. Decken die Salinen des Distriktes bereist und dem Handelsministerium Vorschläge zu deren Verbesserung gemacht. Hier vermutete er  Steinsalzlager und schlug eine Bohrung auf der großen Radinsel vor. Falls man das Lager treffen würde, sollte sogar eine Soleleitung bis nach Dürrenberg entlang der Bahn oder der Saale verlegt werden.

 

  1. Apr. Minister v. der Heydt genehmigt die Tiefbohrung auf Sole (dto).

Den Antrieb sollte die obere Wasserkunst gewährleisten, obwohl deren gesamte Kraft eigentlich für die Pumpen gebraucht wurde. Demnach sollten die Arbeiten dann ausgeführt werden, wenn keine Soleförderung erfolgt. Backs veranschlagte für 1855 4700 Taler und für 1856 4150 Taler. Ein entsprechender Bohrturm kam aus Erfurt.

 

              Bau einer neuen Schule (Hinsche, Heimatbuch)

Da das derzeitige Schulhaus in der Lindenstraße wieder zu klein für Zahl der schulfähigen Kinder war, wurde ein neues Schulhaus auf dem war der „Marktplatz“ zwischen der Lindenstraße und dem Mühlweg errichtet.

 

  1. Mai Kongress des KSCV (Handbuch KSCV).

Der Einladung folgten die SC von Gießen, Halle, Heidelberg, Jena, Marburg und Leipzig, die sich  vereinigten und sich eine Geschäftsordnung gaben. Noch im gleichen Jahr traten die SC von Berlin, Breslau, Freiburg und Greifswald dem Verband bei. 

 

  1. Juni Einführung der ersten Straßenordnung.

Die Hauseigentümer waren für die regelmäßige Sauberhaltung der Fußwege und Fahrbahnen vor ihrem Anwesen zuständig. Außerdem wurde das tägliche Reinigen der Gosse und die Abdeckung der Dünger-, Abfall- und Senkgruben zur Vermeidung von Geruchsbelästigungen angeordnet.

 

  1. Juni Anfrage der Badedirektion bei der Kgl. Regierung zu Merseburg.

Etliche Badegäste weigerten sich, die Kurtaxe zu entrichten und da es sich um gutbetuchte und bekannte Persönlichkeiten, insbesondere aus Berlin handelte, versicherte sich die Badedirektion der  Rückendeckung, um die Zahlungsunwilligen zur Einhaltung der Badeordnung zu zwingen.

 

  1. Juni Bergrat Backs begeht sein 50jähriges Dienstjubiläum (Autograph St.-A. Nr. 25).

Dazu hatten sich zahlreiche Gratulanten aus den verschiedenen Behörden eingefunden, wie der Oberregierungsrat für das Berg- und Hüttenwesen, der Chef des Königl. Oberbergamt und und der Meister der Freimaurerloge „St. Johannis - Zu den drei weißen Felsen“. Neben den besonderen Wünschen des Handelsministers v. d. Heydt erhielt Backs den Roten Adlerorden.

 

  1. Aug. Genehmigung der Speise- und Getränkekarten (St.-A. Nr. 305).

Alle Preise der von den Gasthöfen und Restaurationen angebotenen Speisen und Getränke mussten beim Landratsamt zur Genehmigung eingereicht und öffentlich ausgehängt werden. Wer dem nicht nachkam verlor die Konzession.  In Teichgräbers „Waldschlösschen“ gab es  Butterbrot wahlweise belegt mit Schinken, Zervelat-, Zungen-, Leber- oder Rotwurst, Schweinesülze, Hering und deutschen Käse.

 

  1. Sep. Veröffentlichung zur Abgeordnetenwahl (NKB).

Für den Wahlkreis Kösen mit 1.361 und Lengefeld mit 239 Einwohnern stand der Ortsrichter Schleicher der Wahlkommission vor. Gewählt wurde in Teichgräbers Restauration.

 

  1. Sep. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Demnach ging die Generalsanierung des Wehrdammes dem Ende entgegen. Das Salinengelände war inzwischen eingezäunt. Im kommenden Jahr stand der Einbau von Treppenrosten in die Herde und die Erhöhung der Essen auf dem Plan. Damit war es möglich, klare Kohle zu verbrennen, was  die  aufwändige Herstellung von Formkohlen erübrigte. Die Pläne wurden von der Abt. Bauwesen des preuß. Ministeriums für Handel und Gewerbe am 22. November genehmigt.

 

      Sep. Abschluss der Badesaison (NKB).

Die Anzahl der Gäste betrug 1.252 (429 Einträge in den Badelisten), darunter der Oberpräsident der Provinz Sachsen v. Witzleben, die Gräfin v. Harrach eine Verwandte der Fürstin v. Liegnitz, der spätere Landrat Freiherr v. Feilitzsch, Prof. Kannegießer und Sanitätsrat Dr. Thümmel aus Berlin, sowie die Hofsängerin Marquard aus Berlin.

 

  1. Sep. Einrichten der Bohrgrube auf der Radinsel (WER Rep. F23 II).

Bevor die eigentliche Bohrung begann, wurde eine Arbeitsgrube von 3 x 2 Metern unmittelbar neben der oberen Radkunst abgeteuft und die Grubenwände verzimmert. Das Grundwasser wurde mittels Handpumpen gewältigt.

 

  1. Sep. Vertrag mit der Gräflich-Stollbergischen Maschinenfabrik zu Magdeburg (dto).

 

  1. Sep. Eintrag in das Bohrrepetier

Teufe 13 Fuß (ca. 4m): „Das Pumpen beginnt schon um 4 Uhr früh, um den Schacht beim Anfange der Schicht gesumpft zu haben, womit 10 Mann beschäftigt sind.“

 

  1. Sep. Eintrag in das Bohrrepetier

Teufe 14 Fuß. „ Jede Pumpe ist mit 5 Mann unter Ablösung belegt, also 20 Mann, die Zuflüsse (an Wasser) betragen im Durchschnitt 12 ½ Cubicfuß pro Minute.“

 

  1. Okt. Ausschreibung von Bauleistungen der Saline (NKB).

Zur Befestigung der „Cocturstraße“, die heutige Salinenstraße,  wurden 30 Schachtruten (133 m³) Pflaster und 94  Schachtruten (418 m³) Kies benötigt.

 

  1. Okt. Eintrag in das Bohrrepetier.

Teufe 18 Fuß. „Durch Belegung der Pumpen mit 28 Mann incl. Ablösung wird der Schacht gesumpft und damit der Zufluss von 16 Cubicfuß (480 l) pro Minute gehalten.“

 

  1. Okt. Der Schacht ist auf 7 m gebracht, abgedichtet und verzimmert.

Jetzt wurde der Bohrturm aufgebaut, der Schlagbohrer aufgesetzt und mit dem Wasserrad verbunden

 

  1. Dez. Beginn der eigentlichen Bohrarbeiten.

Ende Dezember waren 90 Fuß, ca. 30 m erreicht.

 

1856

 

  1. Jan. Gutachten des Reg.-Baurats Haupt zur Scheitholzflöße (MER. C48 IIIb Nr. 5523).

Demnach sollte die ungebundenenFlöße über die Unstrutmündung hinaus zum Schutz der Schifffahrt und der Wasserbauwerke komplett eingestellt werden, zumal es nun möglich war das Holz am Unterneusulzaer Rechen auf die bahn umzuladen. Alle noch bisher von der altenburgischen Flöße belegten Plätze sollten nach dem Verkauf des dort noch befindlichen Holzes aufgegeben und die Stelle des Floßholzverwalters kassiert werden.

 

  1. Mär. Kassenbericht des Sparvereins der Kirchengemeinde (NKB).

In den letzten beiden Jahren war der Kassenbestand auf 1.150 Taler angewachsen, wovon man natürlich auch noch keine Kirche bauen konnte.

 

  1. Mär. Die Bohrung erreicht 350 Fuß, d.s. ca. 115 m.

Das Bohrloch wurde aufgebohrt und verrohrt.

 

  1. Apr. Gesetz über die Landgemeindeverfassung der östlichen Provinzen (Mascher, Hinsche).

Damit wurde den Landgemeinden ein größeres Maß an Autonomie und Selbstbestimmung  eingeräumt. Kösen war schon bisher wegen der fehlenden Flur und fehlender bäuerlichen Strukturen keine Landgemeinde im eigentlichen Sinn, dennoch entschloss man sich, ein Gemeindestatut zu erarbeiten und den Gemeindevorstand (Ortsvorsteher bzw. Richter, Schöppen) durch Gemeindeverordnete zu  erweitern.

 

  1. Apr. Kabinettsorder zum Antrag der Hartungschen Badeanstalt.

Kronprinz Wilhelm genehmigte die Herabsetzung des Solepreises auf 1 Pfennig für den Kubikfuß.

 

  1. Apr. Mitteilung des Oberpräsidenten zur Verbreiterung der Brücke (St.-A. Nr. 550)

Vorgesehen waren 5 Ausweichbuchten sog. Rondeaus auf den Brückenpfeiler, wo Passanten vor den Fuhrwerken ausweichen konnten. Ein einseitige Verbreiterung wurde aus Kostengründen aber  auch wegen der damit verbundenen Beeinträchtigung „des Eindruckes, welchen die eigenthümliche Architektur der Brücke macht“ abgelehnt.

Darüber hinaus wurde der Badedirektion mitgeteilt, dass mit dem Bau einer Unterführung unter dem Chausseedamm zur Neuen Straße  im Spätsommer  begonnen wird. 

Beim Bau des Chausseedamms war noch nicht absehbar, dass nördlich davon eine Ansiedlung erfolgen würde. Beim Bau der Bahn erhielt der Weg zu den Saalhäusern einen Schrankenübergang, für Fußgänger, gab es außerdem einen kleinen Tunnel. Eine direkte Verbindung von der Neuen Straße über die Lindenstraße zum Bahnhof  fehlte. Für Passanten gab es eine Treppe zum Chausseedamm und Fuhrwerke nutzten den Fahrweg unterhalb des Kuchengartens zwischen dem Heunschen Badehaus (Eckartsbergaer Str. 3) und der Groddeckschen Badeanstalt, um die Querstraße zu erreichen. Beides war umständlich und so wurde der Damm durchbrochen. 1857 war der Tunnel  fertig, die Kosten  von 4.500 Mark wurden teilweise auf die Hausbesitzer der beiden Straßen umgelegt.

 

  1. Mai Geschäftsanzeige für Teichgräbers „Waldschlößchen“ (NKB).

Teichgräber  hatte  im hinteren Teil des „Kuchengartens“ anstelle des Felsenkellers die  Villa „Waldschlößchen“ errichtet.

 

      Juni Eröffnung des Groddeckschen Badeanstalt (WER Rep. F 23X Nr. 22 Bd. 3).

Dr. Karl Theodor  Groddeck (1826 -1885) stammte aus einer alten Danziger Patrizierfamilie. Sein Vater Carl August (1794–1877) war Justizrat, Oberbürgermeister in Danzig und 1848 preußischer Abgeordneter der Nationalversammlung. Verheiratet war er mit Karoline, geb. Koberstein (1826 – 1892), der Tochter des Germanisten Karl August Koberstein, Professor an der  Landesschule Pforte.

Er hatte das an der Eckartsbergaer Chaussee im Jahr 1846 vom Postmeister Müller erbaute Haus erworben und hier eine moderne Bade- und Trinkanstalt eingerichtet. Damit sicherte sich das Bad wieder einen guten Ruf, denn die Anstalten Rosenbergers und Heuns waren veraltet und die  Hartungsche Anstalt steckte in finanziellen Schwierigkeiten, was der Qualität Abbruch tat.

 

  1. Juni Gutachten zu den Rechtsansprüchen der Landesschule (MER C48 IIIb Nr. 5523).

Dabei ging es um die der Landesschule zustehende Entschädigung für Schäden, die beim Anbinden der Flöße zu den Holzmessen  dem Ufer zwischen dem Wehrdamm und Roßbach entstanden.

 

      Juni Einstellung eines Badekassendieners.

Der sollte vorzugsweise die Badetaxe kassieren, wofür er 60 Taler Gehalt erhielt.

 

  1. Juni Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

 

  1. Juli Literarischer Vortrag vom Hofschauspieler Bohumil Davison im Kursaal (NKB).

Die Einnahmen wurden zum Ankauf eines Pavillons am  Aussichtspunkt oberhalb der „Loreley“verwendet, der dann  Davison-Halle genannt wurde.

 

  1. Juli Konzert der Badekapelle im Kurgarten (NKB).

Während die Wirte für die Konzerte im Kursaal, im Kuchengarten und auf der Rudelsburg warben, beschwerte sich der Kapellmeister Heyne bei der Badedirektion, dass einige Gastwirte auch „auswärtigen“ Kapellen, wie dem Naumburger Dom- und Stadtmusikcorps unter Leitung des Musikdirektors Fuckel  Konzerte gestatteten. 

 

    Sep. Ende der Badesaison (NKB).

Unter den 1.614 Badegästen befanden sich der Hofmaler Prof. Rudolf Friedrich Karl Suhrland (1781 bis 1862) aus Schwerin, Mister Jearnly aus London und der Telegraphenfabrikant Halske aus Berlin.

 

  1. Okt. 50jähriges Dienstjubiläum des Gradiermeisters Zedel (NKZ).

Neben den  zahlreichen Glückwünschen wurde auch darauf verwiesen, dass neben Zedel und  Backs, zwei weitere Beamte ihr 50. Betriebsjubiläum hatten.

 

  1. Okt. Karl Friedrich Scheufler verstirbt (NKB).

Die Familie war gleich dreimal vertreten, in der heutigen Fr. Ebert Str. 11, der Uferstr. 5 und der Burgstr. 4

 

 Stadtplan  von Eduard Wibel (St.-A.). 

Der maßstabsgetreue Stadtplan, Grundlage der Wohngebäudesteuer, verzeichnete 135 Privathäuser und deren Besitzer, die durchgehend nummeriert waren, obwohl alle Fahrwege bereits einen Namen hatten. 100 Wohnhäuser lagen westlich der Saale, die meisten (43) in der Dorfstraße (Borlachstraße), 21 in der Lindenstraße, 11 an der Eckartsbergaer Chaussee,  10 in der  Querstraße (Schmettau Str.) und 16 an der Neuen Straße (Fr. Ebert. Str.) 16 Häuser. Die Grüne Gasse war noch nicht bebaut. In der Petersiliengasse (Burgstr.) gab es 5 Privathäuser dazu das Armenhaus. Eine Wohnbebauung der Ostseite fehlte.  Am heutigen Fränkenauer Weg stand ein Haus (Nr. 12). Die Gebäude der fiskalischen Betriebe (Saline, Eisenbahn) und der Landesschule (Mühle, Schäferei) unterlagen nicht der Gemeindesteuer und waren demzufolge auch nicht gesondert aufgeliste.

Privatbesitzer der größeren Anwesen waren Hartung mit der öffentlichen Badeanstalt (Naumburger Str. 10), Weber, Besitzer des  Gasthofes „Zum Mutigen Ritter“, des „Langen Hauses“(R.- Breitscheid Str. 1) und des Brauhauses (Loreleyprom. 3).  Hämmerling gehörte die Naumburger Str. 1 bis 4. Am anderen Ufer waren die größeren Anwesen die Badeanstalten von Heun (Eckartsbergaer Str. 3) und Rosenberger (Lindenstraße 9), das Kurhaus mit Kursaal von Furcht (Fr. Ebert.Str. 19) und der Heunsche Kuchengarten mit dem Sommertheater. Schankwirtschaften befanden sich in der Lindenstr. 5 (Rost), Eckartsbergaer Str. 6 („Zur Börse“-Winter), Lindenstr. 14 (Teichgräber). Dem Ortsrichter Nette gehörte das Haus Lindenstr. 22, dem Ortsrichter Schleicher die Borlachstraße 23,  Hädicke die Lindenstr. 12.  Den Heckenbergs gehörten die Lindenstr. 21 und die Naumburger Str. 12, Hämmerling das abgebrochene Haus Eckartsbergaer Str. 8, dem Bäcker Seyffarth  die  Uferstr. 4. Saalborns findet man in der Schmettaustr. 9. In der Petersiliengasse stand das Armenhaus (Burgstr. 16), das Stadtgut -Borlachstr. 2-  gehörte dem Maurermeister Werner. Das spätere Borlachbad bzw. Borlachhaus (Borlachstraße 1) hatte keine Nummerierung und  war demzufolge kein gemeindesteuerpflichtiges Wohnhaus.  

 

  1. Nov. Statut des Knappschaftvereins (MER C48Ii Nr. 776 IV).

Die Knappschaft übnernahm die Selbstverwaltung ihrer Kasse, und bestimmte daher allein über die Ausgaben. Dafür entfielen die bisherigen anteiligen Zuflüsse aus dem Verkauf der Badesole. Die  Lokaldirektion behielt eine gewisse Aufsicht. Das statut galt ab dem kommenden Jahr.

 

  1. Dez. Verfügung des Handelsministers zur Badekasse (BLK-A.).

Der Überschuss aus dem Verkauf von Badesole und dem Betrieb der Wellenbäder sollte zunächst für die Erweiterung und Verbesserung der fiskalischen Badeeinrichtungen verwendet werden. Würde sich dennoch ein Überschuss ergeben, sollte der der Knappschaftskasse zu Gute kommen. 

 

  1. Dez. Reskript des preußische Handelsministerium (MER. C 48Ii Nr. 776 IV).

Nachdem der Hartungschen Badeanstalt bei Saisonbeginn eine Halbierung des Solepreises auf 1 Pfennig pro Kubikfuß genehmigt worden war, hatten auch die privaten Badewirte eine   Reduzierung beantragt. Diese begründeten ihren Antrag damit, dass die Sole doch ohnehin gefördert und zeitweise sogar in die Saale abgeleitet würde, wenn die Gradierung oder der Siedeprozess ins Stocken geraten war. Backs wurde angewiesen, sich nach der kommenden Saison anhand von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zum Solepreis äußern. 

 

  1. Dez. Amtliche Meldung des Ortsrichters über „verwahrloste Kinder“ (St.-A. Nr. 305)

Die dem Landrat zugehende Liste verzeichnete einen dreizehnjährigen Jungen und ein ebenso altes Mädchen, die wegen Felddiebstahl zu drei Tagen Gefängnis verurteilt waren.

 

  1. Dez. Die Solebohrung erreicht 453 Fuß (150 m) (WER Rep. F 23 II Nr. 20/1)

Die Arbeiten gestalten sich allerdings immer schwieriger, denn für die anstehenden Gesteinsschichten reichte die Kraft des Antriebes für den Schlagbohrer nicht aus. Bisher erfolgten  laut Bohrbetriebsbericht 837.700 Bohrschläge (20 pro Minute) bei einer effektiven Arbeitszeit von 994 Stunden. Die Mehrzahl, 3.314 Arbeitsstunden, wurden für Nebenarbeiten, wie die Wasserhaltung und das Freischlagen des Bohrers, wenn der wieder feststeckte aufgewandt

 

1857

 

  1. Mär. Anordnung des Schulinspektors (NKB).

Untersagt wurde das Auslegen von Wäsche zum Bleichen oder Trocknen auf allen der Landesschule  gehörenden Wiesen. 

 

  1. Apr. Anweisung des Ortsrichters zur Straßenordnung (St.-A. Nr. 305).

Den Hauswirten wurde auf darauf hingewiesen, dass sie zweimal pro Woche die offenen Abzugsgräben vor ihren Häusern reinigen und ihre auf den Dorfstraßen liegenden „Düngerhaufen“ binnen 24 Stunden entfernen sollten, andernfalls entsprechende Strafen drohten. Die Anweisung  hatte jeder Hauswirt mit seiner Unterschrift zu quittieren.

 

     Mai Einweihung der neuen Schule (Hinsche 1930, MER C 48II b Nr 2028 I)

Trotz ständiger Geldnot,war das neue  Schulhaus auf dem Markt bezugsfertig. Es gab vier Klassen, eine mehr als bisher, auch wenn es zunächst bei drei Lehrern blieb, die hier auch unterkamen. Die vierte noch leere Wohnung wurde vom Ortsrichters und dann vom Magistrat als Amtsstube genutzt. Das ganze krönte ein Turm mit der Schulglocke. Das Grundstück selbst hatte die Stadt bereits 1832 von Chr. G. Andrae erworben, der es zwei Jahre zuvor dem Steuerprokurator Hübsch abkaufte, zu dessen Anwesen (Lindenstr. 12) die Parzelle gehörte. Das bisherige Schulhaus (Lindenstraße 24) wurde dem Buchdrucker Heyner verkauft, der hier eine Druckerei und eine Verlagsanstalt einrichtete.                               

 

  1. Mai Bericht des Bohrinspektors Zobel (WER Rep. F23 II r. 20 Bd.2).

Der Bergexperte aus Elmen wurde hinzu gezogen, um den Bohrer, der bei 530 Fuß im Buntsandstein fest steckte, freizubekommen.

 

  1. Mai Saisoneröffnung mit der Badekapelle im Kuchengarten (NKB).

Kurzhals hatte die Pacht gekündigt und Gustav Teichgräber übernahm wieder „den an mich gebrachten sog. Kuchengarten“ (samt Theater und Felsenkeller). Teichgräber ermäßigte den Eintritt zu den Vorstellungen und Konzerten, um mehr Publikum anzuziehen. Auch der Furcht`sche Kursaal eröffnete mit Doris Reichmann  als neue Pächterin.

 

  1. Juni Versammlung der Ortsrichter in der Teichgräberschen Restauration (NKB).

Landrat v. Danneil informierte über die Landgemeindeverfassung.

 

  1. Juni Souper und Ball im neuen Salon im „Mutigen Ritter“ (NKB).

 

  1. Juni Bekanntgabe zur Scheitholzflößerei. (NKB).

Die Sächsisch-Thüringische Braunkohlenverwertungs-AG teilte mit, dass sie die Holzablagen ab dem Kösener Wehrdammes von der Altenburgischen Flöße übernommen habe.

 

  1. Juli Konzert der Tyroler Sängergesellschaft im Kursaal. (NKB).

 

  1. Juli Extra-Konzert im Kursaal (NKB).

Die Badekapelle begleitete die Kaiserl. Russ. Konzertsängerin Helena Valentin, die Opernsängerin R. Jansen aus Warschau, den Opernsänger Weiß aus Berlin und den K. u. K. Opernsänger Wege aus Wien.

 

  1. Aug. Brunnenfest (NKZ).

An den Abenden fanden Konzerte im Mutigen Ritter, im Kursaal und im Kuchengarten statt.

 

  1. Aug. Besuch des preußischen Kultusministers Raumer (NKB).

 

  1. Aug. Salinenrecherche durch Berghauptmann Freiherr von Hövel (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Dieser regte an, die nich mehr benötigten Kohlenschuppen den Salinenarbeitern zu vermieten.

 

  1. Sep. Tagung der Superintendenten der Provinz zur Schul- und Kirchenvisitation (NKB).

 

  1. Sep. Betriebsbericht der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Zum Transport der Rogkohle von der Halde auf dem ehemaligen Streichplatz zu den Siedehäusern hatte man ein Gleis verlegt und 4 Transportwagen gebaut. Für 1858/59 plante man u.a. die Vergrößerung der Schmiedemeisterwohnung und die Einrichtung eines Kommissions- und Zeichenzimmers.

 

  1. Sep. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Bergrat Ebers beauftragte Backs, mit der Werschen-Weißenfelser Braunkohlen AG über die Anlieferung von Braunkohle zu verhandeln und die Möglichkeit eines Gleisanschlusses von der Thüringischen Eisenbahn ins Werk zu prüfen.

 

      Sep. Ende der Badesaison (NKB).

1.780 Gäste (567 Eintragungen in der Badeliste) waren gekommen, darunter die Gräfin v. Hohenthal, geb. v. Holstein aus Glücksburg, Graf zu Dohna aus Dresden,  Ihre Hoheit Herzogin v. Anhalt-Bernburg aus Ballenstedt samt Gefolge, Fürst Dimitri Lwow aus Moskau, die Gräfin v. Baudissin und der preußische Kultusminister v. Raumer.

 

  1. Sep. Bergrat Backs legt das Amt des Badedirektors nieder (MER. C 48Ii Nr. 776 IV).

Ob es wirklich nur in Anbetracht seines Alters (72) geschah oder ob es die ständigen Querelen mit den privaten Badewirten waren, bleibt offen. Jedenfalls erregte seine Ankündigung die Gemüter und wurde öffentlich bedauert.

 

  1. Okt. Vertrag zwischen Gastwirt Weber und der Landesschule (BLK-A. Nr. 62)

Weber wurde die Beweidung der Schluchten und Triften des Jackenberges sowie die Nutzung der dortigen Obstbäume bestätigt. Dafür zahlte er 10 Taler Baumzins.

 

  1. Okt. Neubesetzung des Badedirektorats (MER. C 48Ii Nr. 776 IV)..

In bester Kenntnis der hiesigen Verhältnisse und der Differenzen zwischen den Badewirten und dem Salinendirektorat, schlug Landrat Geh. Reg.-Rat Ritter v. Danneil der Kgl. Regierung in Merseburg vor, ihm die Leitung des Bades  zu übertragen. 

 

  1. Okt. Backs Gutachten zu den Solepreisen (WER Rep. F 23 X Nr. 22 Bd. 3).

Der Aufforderung an die privaten Badewirte, über den Verlauf und die Ergebnisse der diesjährigen Badesaison Bericht zu erstatten, war neben der öffentlichen Badeanstalt nur der Dr. Groddeck nachgekommen. Daraus folgerte Backs, dass die Badewirte einen annehmbaren Gewinn erzielten und lehnte die Reduzierung des Abgabepreises ab.

 

  1. Nov. Bewilligung der Mittel für eine Wandelhalle am Gradierwerk.

Die 200 Taler stellte die Salinenkasse zur Verfügung, da die Badekasse keinen Überschuss erwirtschaftet hatte.

 

  1. Nov. Anordnung des Handelsministers (MER C 48Ii Nr. 776 IV).

Die privaten Badewirte hatten nach der Ablehnung durch das OBA den Antrag auf Reduzierung des Solepreises beim zuständigen Ministerium gestellt. Daraufhin wurde das OBA und die  Lokalverwaltung angewiesen, die Wirtschaftlichkeit der privaten Badeanstalten nachzuweisen.

 

              Jahresabrechnung der Salinenkasse.

Erlöst wurden 415 Talern aus der Versteigerung von Altholz und Abbruchmaterial sowie 332 Taler beim Verkauf von 49.248 Stück geformter Braunkohle an die Knappschaftsmitglieder. Der Anteil des Fiskus für die Knappschaftskasse betrug 1503 Taler. Für Arzt- und Medizinkosten für sechs Arbeiter wurden 2 Taler 16 Silbergroschen verausgabt.

 

              Beginn des Steinsalzbergbaus in Staßfurt (Emons).

Die Fördermenge, die in den Salinen Staßfurt und Schönebeck gereinigt und aufbereitet wurde, betrug 600.000 Zentner. Dennoch war der Absatz des gesättigter Sole in den Saline Artern, Dürrenberg und Elmen hergestellten Siedesalz höher. Die Gesamtmenge deckte den Inlandsbedarf Preußens, ein großer Teil wurde zu günstigen Preisen ins benachbarte Ausland verkauft.

 

1858

 

  1. Jan. Backs Gutachten zum Solepreis (MER C48Ii Nr. 776 IV).

Im Bericht, der zunächst dem Landrat v. Danneil vorgelegt wurde, gab Backs zunächsat eine statistische Übersicht. Demnach kamen von 1851 bis 1857 10.088 Kurgäste, denen 105.000 Wannenbäder verabreicht wurden. Dazu wurden 625.000 Kubikfuß (20.000 m³) Sole geliefert, wovon allein die Hartungsche Badeanstalt 60.000 Bäder abgab, wozu ihr 500.000 Kubikfuß geleifert wurdeen. Auf Grund seiner Berechnungen zur Rentabilität der privaten Badeanstalten (Dr. Groddeck, Dr. Rosenberger, Fabrikant Heun, Geschwister Senff, Witwe Gräßner, Rentier Gräser und acht Badewirte mit einer Wanne), kam Backs zu dem Schluss, dass sich die den privaten Badewirten zugestandene Preissenkung keineswegs zu einer besseren Frequenz des Bades geführt habe. ichtbares Zeichen wären  Sichtbares zeichen wäre die Badekasse, die inzwischen keine Überschüsse mehr verzeichnete. Zwischen 1851 bis 1857 wurden durchschnittlich 736 Taler vereinnahmt, bei Kosten in gleicher Höhe. Ständig versuchten die Badewirte, die Badeordnung zu umgehen und verwehrten der Badekommission die Kontrolle ihrer Anstalten.  Auch die in bester Absicht getroffene Anordnung des Handelsministers,  die Mittel für den Bau der Wandelhalle am Gradierwerk aus der  Salinekasse zu bewilligen, würde daran nichts ändern. Es wäre nur gerecht, auch diejenigen finanziell an den Verbesserungen des Bades zu beteiligen, die ihren wirtschaftlichen Nutzen davon hatten, so dass statt einer Verringerung die Anhebung auf 3 Pfennige für die privaten Badewirte wünschenswert sei.   

 

  1. Feb. Bericht über die Versuchsbohrung (WER Rep. F 23 II Nr. 20 Bd.2).

Im vergangenen Jahr hatte man allein 4 Monate aufgewandt, um den festsitzenden Bohrer freizubekommen. Daher war man nur wenig tiefer gekommen (555 Fuß im November). Der Gehalt der hier angetroffenen Sole betrug nur 1 %, die Schüttung war nicht nennenswert und die Kosten lagen mit 4.150 Talern über dem Plan.

 

  1. Mär. Militärkonzert im Reichmann`schen Kursaal (NKB).

 

  1. Mär. Aufstellung der Stifterfiguren der Landesschule (NKB).

Über dem Portal des Haupteinganges wurden die Skulpuren von Graf Bruno vom Pleißenland (Stifter des Klosters in Schmölln) und  Herzog Moritz von Sachsen (Stifter der Schule) angebracht.

 

  1. Mär. Saisonbeginn auf der Rudelsburg (NKB).

 

  1. Apr. Verfügung des OBA (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 1).

Die Lokaldirektion hatte vorgeschlagen, die Produktion auf 3.255 Lasten zu steigern. Dazu sollte   Staßfurter Steinsalz in der Schachtsole aufgelöst und versotten werden. Wegen der hohen Transportkosten würden trotz Wegfalls der Gradierung keine spürbaren Einsparung erreicht, daher lehnte das OBA ab. 

 

  1. Apr. Extrakonzert zur Holzmesse in der Bahnhofsrestauration (NKB).

 

01.Mai   Bietertermin für die Gastwirtschaft „Zur Katze“ (NKB).

Der Rittergutsbesitzer suchte  für 6 Jahre einen Pächter für die Gaststätte samt Fähre.

 

  1. Mai Veröffentlichung der Wochenmarktordnung (NKB).

 

  1. Mai Anordnung der Ortspolizeibehörde (NKB).

Unter Strafe gestellt wurde das Reiten, Fahren (auch mit Schiebekarren) und der Viehtrieb auf den Fußwegen. Geldstrafen zwischen 10 Silbergroschen  bis zu 3 Talern oder 1 bis 4 Tage Haft wurden angedroht.

 

  1. Mai Erstes Sommerkonzert im Kuchengarten. (NKB).

Teichgräber lud gemeinsam mit dem Leiter des Bademusikkorps Heyne und dem  Naumburger Musikdirektor Fuckel dazu ein.

 

  1. Mai Konzert der „Tyroler National-Sänger“ im Kursaal (NKB).

3 Silbergroschen kostete der Eintritt, Kinder zahlten die Hälfte.

 

  1. Mai Treffen der Freimaurerlogen (NKB).

300 Logenbrüder aus allen an der Thüringer Bahn gelegenen Städten besuchten zunächst die Rudelsburg und nach einem gemeinsamen Mittagessen im Kursaal fanden die Sitzungen statt, von denen die Öffentlichkeit ausgeschlossen war. Die Presse stellte die hohe Bedeutung dieses Treffens heraus, da zahlreiche Persönlichkeiten, deren Namen jedoch nicht genannt wurden, daran teilnahmen. Man verabredete sich, diese Treffen regelmäßig in Kösen abzuhalten

 

      Juni  Neubesetzung des Badedirektorats.

Direktor wurde der erst seit kurzem zugezogene pensionierte Garnisonsverwaltungsdirektor Varchmin. Da sein Antrag auf Aufwandserstattung vom OBA abgelehnt wurde, schied er zum Jahresende wieder aus.

 

  1. Juli Vorstellung im TIVOLI Theaters im Kuchengarten (NKB).

Nach einjähriger Unterbrechung gab das Ensemble unter Leitung des Direktors Rudolph Knobloch wieder regelmäßige Vorstellungen im Sommertheater.

 

  1. Juli Schreiben der Badedirektion an die Salinenverwaltung (St.-A. Nr. 75).

Im Kaufvertrag über die Promenade wurde der Kaufpreis gestundet und die Zinsen aus der Badekasse gezahlt. Nun bestand die Landesschule auf die Zahlung des Kaufpreises, wozu die Badedirektion aber juristisch nicht befugt war.

 

  1. Juli Festliche Illumination des Kuchengartens (NKB).

Ein Chemiker zeigte für 5 Silbergroschen sog. „galvanischen Sonnen“, die Vorläufer der elektrischen Beleuchtung erregten Aufsehen.

 

  1. Juli Geschäftsanzeige des August Hämmerlings (NKB).

Dieser gab die Eröffnung seines Gasthofes an der Naumburger Chaussee in ehemaligen Gehöft des Einnehmers Döring bekannt.

 

  1. Juli Zeitungsmeldung zur Entwicklung des Bades (NKB).

Die Entwicklung war erfreulich positiv. Neben zahlreichen Kurgästen kamen an den Sonntagen bereits mehr als 1000 Tagesgäste mit der Bahn, die den Tag mit Kutsch- und Kahnfahrten, Wanderungen, Eselsritten, Plauder-, Lese- und Frühstückszirkeln sowie Nachmittagskonzerten verbrachten. Abends vergnügten sich die Badegäste bei Rèunions, Soirèen, Kurbällen und Kurkonzerten. Die Gäste gehörten wegen „der vorherrschenden noblen Richtung des Bades“ „fast nur anständigen Kreisen“ an.

 

  1. Aug. Brunnenfest (NKB).

 

  1. Sep. Verfügung des Handelsministers (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd.1).

Da die Salzproduktion der preußischen Salinen Staßfurt, Artern und Dürrenberg inzwischen deutlich zugenommen hatte, ersuchte der Minister das OBA, über die möglichen Auswirkungen der Stilllegung unproduktiver Salinen im Distrikt Bericht zu erstatten. Das betraf neben Halle, die Salinen von Teuditz und insbesondere Kösen, die nicht nur die kleinste sondern auch die unproduktivste war.

 

  1. Sep. Bestätigung des Statuts zur Landgemeindeverfassung (Mascher 1869).

Mit Hilfe  des Landrats, des Kreistages, der Kgl. Regierung und des Oberpräsidenten der Provinz war ein Statut erstellt worden, nachdem es nun neben dem Ortsrichter und den beiden Schöffen eine neunköpfige Gemeindevertretung gab. Zwar wurden bestimmte Verwaltungsvorgänge verkürzt, das eigentliche Problem, dass die überwiegende Mehrheit der Einwohner einem bürgerlichen Gewerbe nachging und nicht über die der Landgemeindeverfassung zu Grunde liegenden bäuerlichen Besitzverhältnisse  verfügte, wurde damit nicht gelöst.

 

  1. Sep. Erlass des Handelsministers zur Betriebseinstellung (WER Rep. F 23 II Nr. 21. Bd. 1)

Am 12. September übergab der Berghauptmann Freiherr von Hövel persönlich den Erlass des Minister über die beabsichtigte Einstellung der Saline. Die Entscheidung traf die Beamten der Lokaldirektion völlig überraschend. Backs meinte dazu: „...wie niederschlagend und traurig es für das gesamte Personal und den ganzen Ort auch sein möge..!“, denn es war klar, dass mit der Einstellung der Soleförderung auch der Badebetrieb zum Erliegen kommen würde und damit kein weiterer Verdienst für die Einwohner gegeben war. Damit stand für die gesamte Ortschaft die Existenz auf dem Spiel.

 

  1. Sep. Gutachten des OBA (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 1).

Kösen war neben Teuditz und Kötzschau die kleinste Saline  im Niedersächsisch-Thüringischen Kreis, die Jahresproduktion betrug 1.400 Lasten, d. s. 2.610 Tonnen (z. Vergl. Schönebeck 22.000 Lasten). Da Dürrenberg inzwischen Sachsen versorgte und hatte man mit der Verschiffung in die rechtselbischen Provinzen begonnen, allerdings verursachte das erhebliche Kosten zu Lasten der Steuerkasse. Nach Ansicht des OBA konnte die hier produzierte Menge problemlos und mit erheblicher Kostenersparnis von den Salinen Dürrenberg, Artern und Staßfurt übernommen werden, zumal man in Staßfurt bereits mit 1 Million Lasten Salz zusätzlich rechnete.  Das OBA kam zum Ergebnis, dass eine baldige Einstellung im Interesse des Staates liege. Für die Zukunft sah man, trotz des Wegfalls der Haupteinnahmequelle der Einwohner keine Gefahr, wenn für die Soleförderung einer der beiden Soleschächte mit Radkunst und Gestänge sowie ein Stück der Gradieranlage erhalten bleibt. Schwieriger wäre es, wie man mit den 43 Unterbeamten und Arbeitern verfahren sollte.

 

  1. Sep. Der Salinenfiskus verkauft die Wohnung des Braumeisters (NKB).

 

  1. Sep. Festlegungen zur Betriebseinstellung (WER Rep. F23 II Nr. 21, Bd. 1).

Der Anordnung des OBA  folgend, gab Backs eine Übersicht über die von ihm ergriffenen  Maßnahmen. Zunächst habe er die Beschäftigten informiert was für große Aufregung und Zukunftsangst unter den Beschäftigten und der gesamten Einwohnerschaft gesorgt habe. Dann habe er alle Verträge gekündigt, soweit es die vereinbarten Fristen zugelassen hätten.

Dann begründete Backs auf die Notwendigkeit des Fortbestandes der Badeeinrichtungen und der  Soleförderung, denn ohne die Nahrungsquelle kämen die Leute an den Bettelstab.

Da der Salinenfiskus nicht mehr zur Verfügung stand, müsste der Badebetrieb auf geeignete Institutionen oder Personen übertragen werden, wobei hier die Gemeinde, die Knappschaft  oder die Landesschule aber auch einzelne Badeärzte in Frage kämen.  In allen Fällen müsste die Soleabgabe zu einem  wirtschaftlich vertretbaren Preis erfolgen.

Ein wichtiger Punkt wäre noch die Auseinandersetzung mit der Landesschule. Die sächsischen Verträge aus dem 18. Jahrhundert hatte der preußischen Fiskus 1817 bestätigt. Demnach wurden bei Einstellung der Saline alle Grundstücke in dem zustand wie sie übergeben wurden, an die  Landesschule zurück fallen. Das würde bedeuten, dass alle Anlagen und Gebäude auch die in den letzten Jahren neu gebauten, alle Wege und Wegebefestigungen entfernt werden müssten, wenn es zu keiner einvernehmlichen Lösung  kommen würde. Daher wäre der Verkauf des gesamten Salinengeländes an private Unternehmer zu überdenken.

Die Arbeiter und Unterbeamten sollte bis zu deren anderweitigen Beschäftigung ein Wartegeld erhalten. Außerdem verwies Backs auf die moralische Verpflichtung des Staates, dass auch diejenigen zu berücksichtigen sind, die als Handwerker und Tagelöhner für die Saline gearbeitet hatten und abschließend appellierte er „die über Kösen schwebende verhängnisvolle Maßregel abzuwenden!“

 

  1. Sept. Beschwerde des Hauswirts Franz Becker (MER C 50 Naumburg A Nr. 597)

Der beschwerte sich beim Landrat über die Einquartierung:

„Am vergangenen Montage hat mir der Richter Schleicher auf mein theilweise verschuldetes Haus 3 Mann Einquartierung, dagegen den Hausbesitzer  Grenzdörfer (Borlachstr. 36) nicht einen Mann, bei der vorgestrigen Einquartierung wieder 2 Mann auf 2 Tage und der Wittfrau Gräßner, welche ihr Haus (Fr. Ebert Str. 1) schuldenfrei, einen Weinberg besitzt und außen stehende Capialien hat, gar keine Mann gegeben, so daß sich dieselbe  nur vergeblich mit Essen eingerichtet, sondern auch beim Polizei-Diener darum beschwert hat. Sollte demnach Schleicher etwa partheyisch verfahren, so bin ich nothgedrungen höhere Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Auf nachfrage erklärte der Orstrichter, dass die Miltärbehörde die Quartiere bei Grenzdörfer und Gräßner nicht gebraucht habe.

 

  1. Sep. Pressemitteilung zur Schließung der Saline (NKB).

Der Wegfall der Haupterwerbsquelle der Bevölkerung wurde nicht kommentiert.

 

      Sep. Letzte Badeliste zum Saisonende (NKB).

Registriert wurden 1.484 Badegäste  darunter der Maler J. G. Meyer, Berlin, Baron v. Holtzendorff, Berlin, der OB Groddeck aus Danzig, die Baronesse von Hoheneck, sowie der Schriftsteller Berthold Auerbach (1812-1882) und die Wegbereiterin der Emanzipation die Schriftstellerin Fanny Lewald (1811-1889).

 

  1. Okt. Anordnung zur Einstellung der Bohrung auf der Radinsel (WER F 23).

Die Bohrung einschließlich des festsitzenden Bohrers in 554 Fuß (rd. 170 m) Teufe wurden  verschlossen und verwahrt. Die Gesamtkosten beliefen sich mittlerweile auf 17.638 Taler.

 

  1. Okt. Prinzregent Wilhelm genehmigt die Betriebseinstellung (WER F 23 II Nr. 21 Bd. 1)

 

  1. Okt. Bericht der Badedirektion an die Salinenverwaltung (St.-A. Nr. 75)

Die Einnahmen und Ausgaben der Badekasse waren ausgeglichen, allerdings ergab sich kein Überschuss für die Knappschaftskasse.

 

  1. Nov. Amtliche Bekanntmachung zur Wahl des Abgeordnetenhauses (NKB).

Der Wahlbezirk 2, mit Kösen (1.413 Einwohner) und Lengefeld (259), mit dem Vorstand Ortsrichter Schleicher un dem Lengefelder Reichenbach. Das Wahllokal war bei Teichgräber 

 

  1. Nov. Amtliche Veröffentlichung der Wahlmänner (NKB).

Für den Wahlbezirk 2 waren es der Apotheker Gause, Dr. Groddeck, Mühlenbesitzer Roßner, der Rentier und Schiedsmann Reil, Dr. Rosenberger und Restaurateur Teichgräber.

 

  1. Nov. Versteigerung des Inventars der Mertendorfer Grube (NKB).

Am 21. Dez. verkaufte der Fiskus die Grube, wo noch hätzungsweise 30.000 Tonnen abbauwürdige Kohle vorhanden waren.

 

  1. Dez. Schreiben des OBA an den Handelsminister (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 1).

Das OBA schlug den 1. Mai kommenden Jahres als Termin der Betriebsschließung vor. Bis dahin könnten die  in den Reservoiren lagernde Sole verarbeitet, die Kohlenvorräte aufgebraucht und die Salzbestände verkauft werden. Dazu würde man vor allem die Belegschaft der Siedehäuser benötigen. Die übrigen 39 Arbeiter, vorzugsweise Gradierer und Handewerker sollten ein Übergangsgeld erhalten, bis man sie in anderen fiskalischen Betriebe unterbringen könnte. Das betraf auch die 8 Unterbeamten. Damit wäre dann die größte Not über den Winter gelindert. 

 

              Die Strecke Naumburg-Sulza der Thüringer Bahn erhält das 2. Gleis (Fromm).

 

  1. Nov. Brand des Kursaals (St.-A. Nr. 170)

Schleicher informierte den Landrat v. Danneil, dass durch unsachgemäßen Umgang mit Feuer das Hauptgebäude völlig niedergebrannt war, während der Saal und die Küche weitgehend verschont blieben. Der Eigentümer Furcht wäre aber ausreichend versichert. Daraufhin ordnete der Landrat eine Untersuchung an und betraute den Feuer-Polizei Kommissar Kempe mit der Vernehmung von Zeugen und der Ermittlung der Schadenshöhe. Vernommen wurden die Pächterin D. Reichmann, ihr Dienstmädchen, der Polizeidiener Knauer, die Zimmerergesellen Seyffarth und Eisenschmidt und der Punschrauer Pastor Ludwig Richter, der an diesem Abend den Kaufmann Scholvien besuchte. Die Pächterin und ihr Dienstmädchen sagten aus, dass sie im Schlaf vom Feuer überrascht wurden und das Feuer im Ofen am Abend ordentlich ausgemacht hätten. Die Pächterin war mit 4.000 Talern versichert, ihr Schaden betrug 2.000 Taler, und daher habe sie sich mit der Versicherung auf 1.600 Taler geeinigt. Furcht war mit 12.220 Talern versichert, ihm wurden 2.210 Taler angeboten. Da sich sonst keine weiteren Verdachtsmomente ergaben, empfahl der Untersuchungsbeamte, die Sache nicht weiter zu verfolgen.  

 

  1. Dez. Gespräch zur Aufhebung der Hutungsrechte am Jackenberg (BLK-A. Nr. 62)

Seit der Antragstellung waren sechs Jahren vergangen, ohne dass eine Einigung zustande kam. Auch die von Hämmerling und Bäßler angebotene Ablöse lehnte die Landesschule ab, zumal weitere Pacht- und Nutzungsverträge bestanden, wie das Mithutungsrecht für den Gastwirt Weber, die Obstbaumkulturen in den Schluchten  und die städtischen Lehmgruben. Die Landesschule strebte den Verkauf des gesamten Jackenberges an die Gemeinde an, dem sich der Kgl. Landesökonomierat anschloß.

 

  1. Dez. Öffentliche Vorladung zum Gerichtstermin (NKB).
  2. A. Seyffarth, der Sohn des Bäckers, hatte hatte sich der Einberufung zum Militärdienst entzogen und wurde zur Fahndung ausgeschrieben.

 

  1. Dez. Zeitungsartikel zum Gemeindestatut (NKB).

Darin wurde die Annahme der Landegemeindeverfassung und die Wahl von Gemeindeverordneten erklärt.

 

1859

 

     Jan. Petition der Badewirte.

Als Nachfolger von Backs als Badedirektor wurde Dr. Groddeck vorgeschlagen.

 

  1. Jan. Konferenz zur Abwicklung der Saline (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 1).

Die Teilnehmer, zu denen auch ein Abteilungsdirigent abgeordnet wurde, listeten alle einer zügigen Abwicklung hinderlichen objektiven und subjektiven Gründe auf.

 

  1. Jan. Eröffnung des Konkursverfahrens über den Kaufmann C. Reinhardt (NKB)

 

  1. Jan. Das Oberbergamt stellt die Weiterführung der Soleförderung in Aussicht (WER F 23).

Der Lokaldirektion wurde die Beibehaltung des Badebetriebes, als „Nahrungsquelle“ der Einwohner, für die kommende Saison signalisiert. Man wollte damit vermeiden, dass das Badepublikum ausbleibt. Allerdings brauchte man Zeit, um die notwendigen Rahmenbedingungen für den Fortbestand aufzustellen. 

 

  1. Feb. Bericht zur Einstellung der Saline (WER F 23 II Nr. 21, Bd. 3.)

Darin wurden die Nachteile für den Badebetreib durch die Einstellung der Saline und der Verwahrung der Solequellen dargestellt. Daraufhin kam es zu einem umfangreichen Schriftwechsel zwischen dem Ministerium und den nachgeordneten Behörden  (s.a. WER  C 20 I Nr. 1579)

 

  1. Mär. Der Kaufmann Steckner kündigt den „kleinen Salzvertrieb“.

Während der Staat über die Niederlagen den Salzhandel selbst betrieb  wurden Lizenzen für den Kleinhandel von bis zu einer Menge von 1 ½ Tonne an Privatleute vergeben. Diese sog. „Sellereien“ befanden sich in den Salinenorten und besorgten den Direktvertrieb in der näheren Umgebung.

 

  1. Mär.Vorschlag des Landrat für die Weiterführung des Bades.

Bei einer der Besprechungen plädierte der Landrat für die Beibehaltung des Badedirektorats und die Besetzung mit örtlichen Vertretern. Für die Betreuung der Park- und Grünanlagen empfahl er den Naumburger Stadtrat Thränhardt.

 

  1. Mär. Wiedereröffnung der „neu dekorierten Räume“ im Kursaal (NKB).

Nach dem Brand hatte Doris Reichmann die Pacht gekündigte und  A. Furcht übernahm nun wieder selbst das Geschäft.

 

  1. Mär. Festsetzung der Ablösebeträge für die Hutung auf dem Jackenberg (BLK-A. Nr. 62)

Der Landesökonomierat setzte die Ablöse auf 107 Taler fest. Davon zahlte Therkorn 54 Taler und  Werner 27 Taler. Den  Rest teilten sich auf die Witwen Reinhardt, Wolf und Kreutzmann sowie   Ziege, Bäßler, Dr. Gräfe, Mengel gen. Saalborn, K. Fr. Reinhardt, Zwingenberg und Sträuber. Die Ablöse sollte in 2 Raten  am 1. Juli und 31. Dezember gezahlt werden.

 

  1. Mär. Schreiben Backs an das Oberbergamt (WER Rep. F 23 X Nr. 22 Bd. 3).

Falls der untere Schacht aufgelassen würde, müsste man die Hartungschen Badeanstalt vom oberen Schacht versorgen, dazu aber die Röhrenfahrt verlängern.

 

  1. Mär. Einstellung der Gradierung (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 2)

Soweit es die Witterung zuließ, wurden noch die restlichen Vorräte in den Zwischenbehältern gradiert. Die Förderung selbst war bereits zum Jahresende eingestellt worden.  

 

  1. Apr. Verzeichnis der Salinenbibliothek (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 2).

Die vom Salinen-Assistenten Kühne erfassten Bestände, wurden dem OBA, wobei sich darunter  keine Akten aus kursächsischer Zeit befanden.

 

  1. Apr. Bericht der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23 Nr. 21. Bd. 2).

Das Oberbergamt wurde über die Auswirkungen der Betriebseinstellung auf die Knappschaftskasse informiert.

 

  1. Apr. Kabinettsorder (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 3)

Der Handelsminister v. d. Heydt verfügte die Soleförderung für den  Badebetrieb und die Öffnung der Wellenbäder in der bevorstehenden Saison, musste dies aber noch vom König genehmigen lassen.

 

  1. Apr. Änderung der Verwaltung der Landesschule (NKB).

Das Kgl. Provinzialschulkollegium ordnete nach der Pensionierung des Haus-Inspektors Schwimmer an, dass das Amt einem Prokurator übertragen wird, dem ein Kassenschreiber beigegeben wird.

 

  1. Apr. Verkaufsanzeige Hämmerlings (NKB).

Nach der Verlegung seines Geschäfts in bot er sein bisheriges Anwesen (Naumburger Straße  2-4) zum verkauf an.

 

  1. Mai Plan zum Abbruch des oberen Gradierwerkes (WER F 23 II Nr. 21 Bd 3).

Nach der Berechnung des Baumeisters König würde man 9.000 Taler beim Verkauf des Abbruchmaterials (Holz, Dornenstein) erlösen, der Abbruch kostete 1.600 Taler. Dem Gutachten lag  ein  Plan des oberen Schachtgebäudes und des Gradierwerkes bei.

 

  1. Mai Saisoneröffnung in Teichgräbers Kuchengarten (NKB).

 

  1. Mai Geschäftseröffnung des Seilers und Materialienhändlers Albert Koch (NKB).

 

  1. Mai August Stempner verkauft seinen Hof in Gernstedt (NKB).

Grund war ein Ortswechsel nach Niedermöllern, in dessen Flur der „Göttersitz“ lag. Nach Prof. Münnich (Malerische Ufer der Saale) gehörte das Anwesen um 1850 dem Naumburger Fleischer Freitag, wurde „Freitagshaus“ genannt, wo man sich „mit Kaffe und Trauben gütlich tat und das liebliche Saaletal überschauen und die Fülle der Schönheiten genießen kann“.

 

  1. Mai Statut der Kösener Gesellenunterstützungskasse (NKB).

Das am 31.12.58 vom Gemeinderat (Hausbesitzer Krüger, Gundermann, Werner sen. und jr., Wölcke, Dr. Rosenberger, Roßner, Teichgräber, Reinhart, Heckenberg, Heyne, Rößler, Schleicher) beschlossene und am 24. März ministeriell bestätigte Statut stellte die Versorgung der ortsansässigen Gesellen sicher. Die mussten die Arbeitsaufnahme bei einem örtlichen Unternehmer anzuzeigen und der Kasse beitreten. Gesellen und Unternehmer leisteten die Kassenbeiträge je zur Hälfte.

 

  1. Mai Anordnung des Oberberamtes (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd 3).

Ein Antrag der Badedirektion, das Gradierwerk weiter für die Aufkonzentration von Badesole zu nutzen, wurde wegen der Abbruchpläne abgelehnt. 

 

  1. Juni Letztes Kaltlager (dto) .

Nach der Verarbeitung der letzten Rohsole wurden die Feuer gelöscht. Die Beamten außer Backs waren bereits auf andere  Werke versetzt worden, einige penioniert. Um das Wartegeld für die Salinenarbeiter einzusparen, sollten die Arbeiter von der Bahn und der Post übernommen werden, was aber an der fehlenden Qualifikation scheiterte. Daher wurde die Versetzung in andere Bergamtsbezirke wie  Saarbrücken und Duttweiler angestrebt. Im Weigerungsfalle drohte der Verlust von  Versorgungsansprüchen aus der Knappschaftskasse.

 

  1. Juni Erlass des Landrates v. Danneil (NKB).

Dieser untersagte den privaten Vermietern, Schlepper zu beauftragen, die ankommenden Badegäste abzufangen und sie zu nötigen, Quartier in den Häusern ihrer Auftraggeber zu nehmen.

 

  1. Juni Verkauf des Jackenberges (BLK-A. Nr. 62)

Nach der Festsetzung der Ablösesumme der Hutungsrechte, verkaufte die Landesschule den 58 Morgen umfassenden Jackenberg zwischen der Fränkenauer Trift, dem Äbtischen Holz und dem Lengefelder Weg. Der Kaufpreis betrug 150 Taler die sich die Landesschule und der Domänenpächter von Fränkenau teilten. Pforte behielt nur die Trift von der Chaussee zu den Lehden zwischen Kösen und Lengefeld. Käufer waren der Gastwirt Weber, der für seinen Teil 45 Taler und weitere  250 Taler für die Obstbäume an den Hängen der  Erosionsrinnen. Hämmerling und Therkorn erwarben ebenfalls Flächen. Die Gemeinde Kösen zahlte 50 Taler für die drei  Lehmgruben. Unterzeichner waren für die Landesschule der Prokurator,  Gastwirt Hermann Weber, Bäcker August Hämmerling für sich und mit Vollmacht der Erben von Dr. Gräfe, Ökonom August Werner, die Salinenarbeiter Georg Wolf, Gottfried Sträuber, Friedrich Zwingenberg, Friedrich Ziege,  der Maurer Friedrich Reinhardt, der Musikus Johann Friedrich Reinhardt, die Mehlhändler Friedrich Möller und Traugott Bäßler, für die Gemeinde der Ortsrichter Ch. Schleicher sowie die Schöppen Wilhelm Werner und Christian Gundermann für die Gemeinde und außerdem der Lengfelder Gottlob Hesselbarth.

Nach Genehmigung der Verträge beantragte die Gemeindevertretung beim Bezirksausschuss die  Eingemeindung des Jackenberges, der nun als Jochenberg bezeichnet wurde.  

 

  1. Juli Anordnung des Handelsministers (WER Rep. F 23II Nr. 21 Bd.2)

Nach der Bestätigung durch den König wurde das OBA angewiesen, die Förderung und Abgabe von Badesole, sowie den Betrieb der Badeanstalten bis zum 30. September zu gewährleisten und das erforderliche Personal weiter zu beschäftigen, den Gradiermeister Törpsch, die Kunstwärter Schöneberg, Grund und Pauli und  den Gradierer Zedel. Dazu wurden 300 Taler bewilligt. Außerdem bestätigte er die  Pensionierungen und bevollmächtigte das OBA, Verhandlungen mit der Thüringer Eisenbahnverwaltung zwecks Anstellung entlassener Salinenarbeiter aufzunehmen.

 

  1. Juli Sitzung des Gemeindevorstandes (St.-A. Nr. 305).

Tagesordnungspunkt war ein Vorfall in Teichgräbers „Waldschlößchen“. Dort hatten Gäste bis weit nach Mitternacht dem  Alkohol zugesprochen und waren dann lärmend durch die Stadt gezogen, so dass der Nachtwächter eingreifen musste. Teichgräber, dem man die Schuld an diesem „Exzess“ gab, beschwerte sich daraufhin beim Landrat.

 

  1. Juli Das OBA verlangt den Etat der Badeverwaltung für 1860 (WER Rep. F 23II Nr. 21 Bd.2).

Damit war absehbar, dass der Badebetrieb auch im kommenden aufrecht erhalten wird, die zukünftigen strukturen aber immer noch nicht feststanden zukünftig aufrecht zu erhalten.

 

  1. Juli Geschäftsanzeige des Gasthofs „Zur Börse“ (NKB).

Franz Winter hatte für das Kaffeehaus auch die Konzession als Gastwirtschaft erhalten habe.

 

  1. Aug. Verhandlung beim Bergamt Eisleben (WER Rep. F 23 VII Nr. 4 Bd.1).

Im Zusammenhang mit der Einstellung der Saline musste auch der Knappschaftsverein abgewickelt werden. Der Kassenbestand betrug 12.000 Taler, die aber innerhalb von 4 Jahren aufgebraucht würden und für die dann noch verbliebenen anspruchsberechtigten Witwen, Waisen und Invaliden keine Mittel übrig wären. Der Vorstand verlangte unter Verweis auf die Statuten, dass dafür der Fiskus gerade stehen müsste, da dieser die Betriebsschließung veranlaßt habe. Würde sich der Fiskus dazu verpflichten, so wäre man bereit, die Knappschaft aufzulösen und die Kasse dem Fiskus zu übergeben.

 

  1. Aug. Brunnenfest (NKB).

 

  1. Aug. Bescheid des Ministers für Handel und Gewerbe (WER Rep. F 23II Nr. 21 Bd.2).

Dieser lehnte es ab, die Feuerspritze der Saline der Gemeinde unentgeltlich zu überlassen.

 

  1. Aug. Festsetzung der Ablösebeträge beim Verkauf von Wohnhäusern (BLK-A. Nr. 783)

Bei Verkauf bzw. Vererbung verlangte die Landesschule 7,5 % des Gebäudewertes. Die Flächenermittlung oblag dem Ortsrichter, Basis für die Wertermittlung war nicht der  Verkaufspreis sondern der bei der Brandversicherung angegebene Wiederaufbauwert. Für die Weinberge in den Hinterbergen und im Mordtal waren 5 % beim Verkauf abzuführen. Diese gehörten aber bis auf wenige Ausnahmen Bauern aus Alt-Flemmingen. Betroffen von der Regelung waren die Anwesen von Gottlob Christian Altus (Lindenstr. 15), vom Salinenarbeiter Traugott Bäßler mit Ehefrau Christine Sophie geb. Schleicher, dem Kaufmann Karl Dittmann mit Ehefrau Louise Amalie Bertha  geb. Deistung (R.-Breitscheid-Str. 17), dem Böttchermeister J. Chr. Gottl. Gundermann, Bäckermeister J. Fr. August Hämmerling mit Ehefrau Marie Therese geb. Bösel, dem Salinenkassenwärter Gottlob Herrmann mit Ehefrau Chr. Marie geb. Mosler (Grüne Gasse 5) , Friedrich Ernst Höfer und Ehefrau Therese geb. Kirst, Carl Wilhelm Herold (Borlachstr. 12), J. Fr. Hoyer (Borlachstr. 30), die Witwe Emilie Hüfner geb. Lohse, Salomon Wilhelm August Judersleben (Borlachstr. 14), der Handarbeiter J. Chr. Fr. A. Klitsch (Borlachstr. 33),die Witwen Johanna Köhler geb. Bornschein (Borlachstr. 18), Friedrich Köttnitz und Ehefrau Chr. Friederike geb. Wolf (Borlachstr. 34), die Witwe J. R. Kreutzmann geb. Schade (Borlachstr. 15), Fleischermeister Fr. Matthes (Grüne Gasse 4), Büchsenmacher J. Chr. Nette (Lindenstr. 21), Lohnfuhrmann Gottlob Heinrich Pabst (Borlachstr. 20), Karl Rauhfuß (Borlachstr. 39), J. K. Reinhardt (Borlachstr. 14), der Handarbeiter J. W. Rühlmann (Borlachstr. 22), die Witwe Johanna Schleicher geb. Thielitz mit ihren Kindern Wilhelm August (Pforte), Johann Friedrich (Hamburg), Johann Friedrich Wilhelm  (Kösen) und Henriette Adele verh. Hänsel (Berlin), Ortsrichter Fr. Chr. Schleicher (Borlachstr. 19), der Salinenarbeiter Schmidt mit Ehefrau Johanna Wilhelmine geb. Hämmerling, J. Chr. Schöneburg (Borlachstr. 4), Chr. Leberecht Schröter (Borlachstr. 41), Chr. Gottl. Streuber (Lindenstr. 22), Mehlhändler Fr. Sträuber und Ehefrau Pauline geb. Hering, Gustav Teichgräber (Lindenstr. 14),  Kunstmeister Friedrich Schlunk (Borlachstr. 37) Auguste Friederike Wahn geb. Hoffmann (Lindenstr. 16) Schuhmachermeister J. A. Törpsch und  Friedrich Thielitz mit Ehefrau Christiane geb. Therkorn für seinen Weinberg am Nicolausberg. Demnach unterlagen dieser Verfügung i. W. Grundstücke in Neu-Kösen, die vor 1830 errichtet wurden, und in deren Pachtverträgen keine derartige Klausel hatten.

 

  1. Aug. 1. Versteigerung von Salinenzubehör (NKB).

Verkauft wurden sämtliche Eisenteile und die Bestände der Pfannenschmiede. 

 

  1. Aug. Benefizkonzert auf der Rudelsburg (NKB).

Der Erlös des vom Rittergutsbesitzer v. Schönberg organisierten Veranstaltung ging an die Brand-geschädigten aus Freiroda.

 

      Sep.  Veröffentlichung der letzten Kurliste der Saison (NKB).

Die Zahl der Badegäste war deutlich zurück gegangen, möglicherweise wegen der inzwischen bekannt gewordenen Einstellung der Soleförderung. Unter den 1.037 Gästen wren Prof. Hoffmann v. Fallersleben (1798-1874), Germanist und Dichter des „Deutschlandliedes“, die Baronin v. Budberg, Frau v. Harritzsch, geb. Gräfin v. Holtzendorff, Ihre Exzellenz Frau Baronin v. Markowsky, das Edelfräulein Alexandra v. Isemenoff und der Oberpräsident der Provbinz v. Witzleben. Exotischster Gast war „Seine Exzellenz Chevalier v. Aranjo, Wirklicher Minister und Gesandter des Kaisers von Brasilien am Berliner Hof“.

 

  1. Nov. Anordnung des Ministeriums zum Badebetrieb (WER Rep. F 23II Nr. 21 Bd.2).

Mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen zur Rückgabe des Salinengeländes, genehmigte das Ministerium der Badedirektion den derzeitigen Etat auch für das kommende  Jahr.

 

  1. Nov. Auktion der Salinenverwaltung (NKB).

Alle nicht archivierungswürdigen Akten und Schriftstücke, rund 50 Zentner wurden in Bündeln meistbietend verkauft.

 

      Nov. Abrechnung der letzten Siedeschicht (St.-A. Nr. 183)

Die 23 Arbeiter darunter K. Colditz, A. Quarg, J. u. H. Törpsch, Fr. u. Chr. Ziege, Fr. Sitzmann, R. u. B. Zedel, A. Hammer, Chr. Plaul, Chr. Rothe, Chr. u. Fr. Sträuber, W. Richter, K. Schmal O. Eckart, G. Hüttig, bekamen 206 Taler Lohn.

 

             Veröffentlichung der Broschüre „Das Soolbad Kösen“ von Dr. Hugo Hagendorff.

Ein lesenswerter zeitgenössischer Reisebericht über das Bad und seine Umgebung.

 

1860

 

  1. Jan. Eröffnung der ersten Leihbücherei des Buchbinders Schönhuth (NKB).

 

  1. Jan. Submissionstermin zum Abbruch der Saline (NKB).

Das erste Los umfasste das untere Gradierhaus, das Solereservoir und das Brauchwasserbassin.

 

  1. Jan. Jahresbericht des Sparvereins Kösen-Pforta (NKB).

Die 123 Mitglieder hatten rund 300 Taler angelegt, die gegen ausreichende Sicherheiten zinsbar  verliehen und die  Zinsen den Anlegern gut geschrieben wurden.

 

  1. Jan. Beschwerde der ortsansässigen Handwerker beim OBA (WER Rep. F23II Nr. 21).

Obwohl die hiesigen Firmen das günstigste Angebot abgegeben hatten, wurden auswärtige Firmen mit dem Abbruch betraut. Daraufhin beschwerten sich die 48  Maurer, Zimmerer und Handarbeiter der Firmen Struve und Werner beim OBA, wobei auch der Bergrat Backs wegen der Vergabe heftig kritisiert wurde.

 

  1. Feb. Versteigerung von Salinenmaterial (NKB).

Zum Verkauf kamen Bauholz und der Dornenwellen vom unteren Gradierwerk.

 

  1. Feb. Anweisung des Handelsministers (WER Rep F 23 II Nr. 21 Bd 3).

Angeordnet wurde der Abbruch des Bohrturms auf der Radinsel, der Expedition des Kassenaufsehers, der Kohlenstreicherei und des Brunnenhauses.

 

  1. Feb. Versteigerung von Salinenmaterial (NKB).

Diesmal kamen  Baumateriel,  Handwerkszeug und Transportmittel unter den Hammer.

 

  1. Mär. Vorschlag des Königl. Konsistoriums (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd.3).

Die Kirchenbehörden hatten nun erkannt, dass es anhand der objektiven Zustände an der Zeit war, in Kösen eine eigenständige Kirchengemeinde einzurichten. Dazu sollte ein Hilfsgeistlicher eingestellt werden, für dessen Unterhalt die Gemeinde und nötigenfalls der Salinenfiskus sorgen sollte. Das  OBA erklärte, dass man im Zuge der Auflösung der Saline durchaus die Möglichkeit hätte, eine Wohnung für den Geistlichen und einen Gebetsraum auf dem Salinengelände der Gemeinde zu überlassen, wenn die beteiligten Behörden, insbesondere die Landesschule zustimmten.

 

  1. Mär. Genehmigung für die Weiterführung des Bades. (WER Rep. F23 II Nr. 21/3).

Der Handelsminister genehmigte nach Rücksprache mit dem Finanz- und dem Innenministerium die Weiterführung des Badebetriebes im Interesse einer „dauernden Erhaltung“. Backs wurde gebeten, das Badedirektorat kommissarisch weiterzuführen.

 

  1. Mär. Schreiben des Handels- und Finanzministeriums (WER Rep. F 23 X Nr. 22/3).

Die Provinzialverwaltung hatte die Übertragung des Badebetriebes auf die Regierung in Merseburg vorgeschlagen, weil weder die Landesschule noch  die  Gemeinde oder die Knappschaft  in Frage kämen. Gegen eine Übertragung auf den Landkreis sprach die Ineffizienz der Verwaltung und bei einem Privatunternehmer bestünde zwar die Gefahr des Unterlaufens des Salzmonopols, aber letztlich wäre dieser an der Wirtschaftlichkeit des Bades interessiert. Dazu sollte der Oberpräsident v. Witzleben, sich gutachterlich äußern, zumal der bereits mehrmals hier zur Kur weilte.

 

  1. Mär. Versteigerung von Salineneinrichtungen (NKB).

Verkauft wurden der Bohrturm samt Maschinerie und die Kohlenaufseher-Expedition.

 

      Mär. Lageplan der Salinenschmiede (St.-A.)

Therkorn, dem das Anwesen neben dem oberen Schacht bereits gehörte, hatte einen Flächentausch  zur Bereinigung der Grundstücksgrenzen zum Salinengelände beantragt , weshalb  Backs einen Plan der Örtlichkeiten anfertigte.

 

  1. Apr. Verlegung der Holzmesse wegen Hochwasser (NKB).

 

  1. Apr. Erlass des Handelsministeriums (WER Rep. F 23 VII Nr. 4Bd. 1).

Bis zur endgültigen Auflösung des Knappschaftsvereins sollte die Unterstützung für Invaliden, Witwen und Waisen weiterhin aus der Vereinskasse erfolgten, allerdings unter der Aufsicht des OBA. Wer bisher keiner anderen Knappschaft beigetreten war, dem wurde ein Teil seiner Beiträge  erstattet.

 

  1. Apr. Antrag des Provinzialkonsistoriums beim Handelsminister (WER Rep. F 23 II Nr. 21Bd.3).

Das betraf die unentgeltliche Überlassung der Dienstwohnung des Salinenbuchhalters und des Zimmereischuppens für die zukünftige Kirchengemeinde Kösen-Pforta.

 

      Apr. Anzeige über die Beendigung des Abbruchs des unteren Gradierwerkes

 

  1. Apr. Bietertermin zum Abbruch des unteren Schachtgebäudes samt Ausrüstung (NKB).

 

  1. Mai Amtseinführung des Hilfsgeistlichen (NKB).

Die Gemeinde Kösen mit Fränkenau, Kukulau und den Saalhäusern wurde damit Filialkirche von Pforte mit eigenen Geistlichen.  Im Zimmereischuppen der Saline, der nun als Gebetsraum genutzt wurde, hielt  Pfarrer Barthold seine Antrittspredigt und rief einen „Verein zur Gründung eines Kirchenbaus“ ins Leben.

 

  1. Mai Saisoneröffnung des Kursaales (NKB).

Der neue Pächter holte die Gäste mit einem „Pferde-Omnibus“ aus Naumburg, Altenburg und Pforte ab.

 

  1. Juni Jahrestreffen der Thüringer Freimaurerlogen (NKB).

Um die zahlreichen und hochrangigen Teilnehmer standesgemäß zu versorgen, hatte man im Kuchengarten ein großes Festzelt aufgebaut.

 

  1. Juli G. Heckenberg übernimmt die Materialhandlung von Dittmann (NKB).

 

  1. Juli Anordnung des Handelsministeriums (WER Rep. F23 Nr. 21Bd. 3).

Das OBA sollte sich Zuge der Verhandlungen mit der Landesschule, auch die Überlassung des Zimmereischuppens und der Buchhalterwohnung zur Sprache bringen.

 

  1. Juli Dr. Johann Ernst Stapf verstirbt im 73. Lebensjahr (NKB, LDZ 1977).

Stapf gilt neben Naumann als Begründer der Homöopathie. Er wurde am 09. 09. 1788 in Naumburg geboren und zog 1857 zu seiner Tochter Therese, die in der Nähe des Solschachts wohnte und mit dem Privatgelehrten Reil verheiratet war. Später bezog er eine Stube in der „Schäferei“. Seine schlichte Grabplatte trug die Aufschrift „Licht-Liebe-Freiheit“.

 

  1. Juli Amtlicher Erlass zur Feuer-Polizei (NKB).

Örtliche Feuerpolizeikommissaren waren Maurermeister Werner jr. und Zimmermeister Struve.

 

  1. Sep. Erlass des Handels- und des Finanzministeriums (WER Rep. F23 X Nr.22 Bd.3).

Nach Prüfung aller Möglichkeiten blieb der Badebetrieb beim Fiskus und wurde der Königlichen Regierung in Merseburg unterstellt, der dann auch für die personelle Besetzung der Badekommmission zuständig war. Die Minister erklärten, dass die Belange des zukünftigen  Badebetriebes bei den Rückgabeverhandlungen mit der Landesschule unbedingt berücksichtigt werden müssen, zumal man mit  unbilligen Forderungen seitens der Schule rechnete.

 

  1. Sep. Tod von Johann Christian Kettner (Sterbereg.)

Kettner (Jg. 1797) gehörte zum Badedirektorat und war als Badeinspektor für die fiskalischen Badeeinrichtungen sowie der Hartungschen Badeanstalt zuständig.   

 

      Sep. Saisonende und Veröffentlichung der letzten Kurliste (NKB).

Erfreulicherweise war die Anzahl der Gäste wieder auf  1.352 Personen gestiegen, darunter die Gräfin v. d. Schulenburg, die Königl. Preuß. Hofdamen Gräfinnen Mathilde und Cecilie Luchesini, der Freiherr v. d. Goltz, die  Professoren Dr. Hildenbrandt, Berlin und Dr. Ulrici, Halle.

 

  1. Nov. Bericht von Backs an das OBA (WER Rep. F23 X Nr. 22 Bd. 3).

Die Rückgabe des Salinengeländes wie es im Vertrag von 1739 vereinbart, war nach über 100 Jahren intensiver Nutzung schwierig zu bewerkstelligen, auch wenn der größte Teil der Betriebsanlagen inzwischen abgebrochen war. Backs wollte den Passus, dass eine Rückgabe  erfolgt, wenn die Saline eingestellt wird dadurch umgehen, dass man zumindest ein Siedekot beläßt und Salz für den lokalen Bedarf weiter produziert. Das würde die absehbar umständlichen  Verhandlungen mit der Landesschule erleichtern. Eine Alternative wäre der Kauf des Grundstückes durch den Fiskus. Bei einem Weiterverkauf müsste man dann keine Rücksicht auf die Schule nehmen.

 

  1. Nov. Vereinbarung eines Ortstermins mit dem Oberpräsidenten (WER Rep. F 23 X Nr.22 Bd.3).

 

  1. Dez. Nachweis der Salzabgabe für die Unterbeamten und Arbeiter (St.-A. Nr. 183).

Entsprechend einer Verfügung aus dem Jahr 1848 wurde eine bestimmte Menge Salz als Deputat ausgegeben. Das richtete sich nach Alter und Anzahl der zum Haushalt sonst noch gehörenden Personen. Beim Gradiermeister Fr. Törpsch waren es 2 Erwachsene, 2 Kinder über 14 Jahren, 3 unter 14 Jahren und ein weiterer Familienangehöriger über 14 Jahre. Er erhielt 41,5 Pfund Salz. Weitere Empfänger waren der Kunstmeister Schönburg, der Gradierer R. Zedel, die Salzläder K. und W. Zedel, der Salzsieder A. Quarg, der Kohlenfahrer H. Törpsch und der Düngerarbeiter Fr. Schmidt  .  

 

  1. Dez. Versteigerung des Inventars der Glaubersalzfabrik (NKB).

 

  1. Dez. Schuljahresliste der 1. Klasse (St.-A. Nr. 34)

In die erste Klasse, die oberste Klasse gingen in diesem Jahr 16 Knaben und 17 Mädchen.

 

1861

  1. Jan. Das Oberbergamt übergibt das Bad der Kgl. Regierung.

Zur Badedirektion gehörten Landrat v. Danneil als Vorsitzender, der Badearzt Dr. Rosenberger und der Ortsrichter Schleicher.

 

  1. Jan. Das Finanzministerium übernimmt die Knappschaftskasse (WER F 23 VII Nr. 4Bd. 1).

Die satzungsgemäße Versorgung der Witwen und Invaliden bis zum Tod und der Waisen bis zum 14. Lebensjahr erfolgte nun aus der Staatskasse.

 

  1. Feb. F. Schmidt veranstaltet im Kursaal den ersten Maskenball (NKB).

 

  1. Mär. Erlass der Provinzialsteuerbehörde (St.-A).

Zur Wahrung des Salzmonopols durfte die Schachtsole nur für Badezwecke an dazu berechtigte  Personen abgegegen werden. Bei Zuwiderhandlungen drohten empfindliche Strafen. Die  Badedirektion hatte für den Verschluss und die Überwachung des Solschachts zu sorgen  

 

  1. Mär. Verhandlung zu den Rückgabemodalitäten (WER Rep. F 23 II Nr. 21 /4).

Unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen v. Witzleben trafen sich die Vertreter des Oberbergamts Halle, Berghauptmann v. Hövel, Geheimer Bergrat Ebers, Geheimer Bergrat Backs, von der Landesschule, Regierungsrat Schulz, Baurat Schönwald, Prokurator Schwimmer, von der Kgl. Regierung, Oberregierungsrat Geheimer Rat v. Werder, Landrat Geheimer Rat v. Danneil und der Kgl. Provinzial-Steuer-Direktor v. Jordan.

 

  1. Apr. Verlagerung des Abgabe für die Badesole (WER Rep. F23 X Nr.22 Bd.3)

Nach der Auflassung des unteren Schachtes mussten die privaten Badewirte die Sole am oberen Schacht abholen. Die Soleleitung zur Hartungschen Badeanstalt wurde verlängert  und auch Groddeck beantragte einen Anschluss an seine Badeanstalt, zumal der Borlachschacht dank seinber Höhenlage den erforderlichen Druck gewährleisten würde.

 

  1. Apr. Verwahrung des unteren Solschachts (WER Rep. F 23 II, Nr. 21 Bd. 4).

Durch die desolate Schachtverzimmerung hatten die Wildwasserzuflüsse zugenommen und es war zu befürchten, dass diese über den Stollen die Sole des oberen Schachtes beeinträchtigen werden, daher schlug Backs vor, den unteren Schacht so zu verwahren, dass ein Überlaufen dauerhaft verhindert wird.

 

  1. Apr. Anweisung des Handelsministers (WER Rep. F 23 VII Nr.4/ Bd.1).

Die Auszahlung der Unterstützungen der Witwen, Waisen und Invaliden erfolgte durch den Postsekretär Müller. Für die ärztliche Betreuung bekam Dr. Rosenberger eine Pauschale von 200 Talern. Das OBA wurde angewiesen, für die 8 arbeitsfähigen aber noch nicht vermittelten Knappschaftsmitglieder ein Übergangsgeld zu zahlen, sie  aber schnellsten in  anderen Werken unterzubringen.

 

  1. Mai Saisoneröffnung im Teichgräber`schen Kuchengarten und dem Waldschlößchen (NKB).

Zur gleichen  Zeit gab Eduard Stausch die Eröffnung des „Restaurant du Passage“ mit Konditorei,  Restauration, Pension und Kegelbahn, im ehemals Rost`schen Etablissement bekannt (Lindenstr. Nr. 6, 7, 8).

 

  1. Mai Eröffnung der Kursaison (NKB).

Der Zeitungskommentar dazu „es kann noch viel aus Kösen werden.“

 

  1. Mai Einverständniserklärung der Knappschaftsvereins (WER Rep. F 23 VII Nr.4/ Bd.1).

Vor dem Gerichtsassessor Hinkeldey besiegelten die 38 Knappschaftsmitglieder mit ihrer Unterschrift die Auflösung der Knappschaft und die Übertragung der Kasse an den Fiskus. Das Vermögen der Knappschaft betrug 12.000 Taler. Die der Erklärung beigefügte Jahresrechnung von 1861 wies ausgereichte Hypotheken von 10.825 Talern aus, die 490 Taler Zinsen einbrachten. Weitere 900 Taler waren in Niederschlesischen Eisenbahnaktien angelegt. Die Einnahmen von 609 Talern resultierten aus den Beiträgen der mit der Abwicklung der Saline und dem übergangsweisen  Badebetrieb betrauten Beschäftigten und dem Zuschuss der Saline. Die Witwen erhielten 580 Taler, die Waisen 22 Taler und Pensionäre und Invaliden 2.683 Taler.

 

  1. Mai Anweisung des OBA (WER Rep. F 23 II, Nr. 21 Bd. 4).

Der die vom Bergassessors Siemens vorgeschlagene Variante zur Verwahrung des Schachtes wurde genehmigt.

 

  1. Juni Einbau einer Dampfkesselanlage in der Groddeckschen Anstalt (St.-A. Nr. 241).

Die beiden Hochdruckdampfkesseln zur Warmwasserbereitung, mussten vor der Inbetriebnahme vom Kreisbaubeamten abgenommen werden. Weitere Prüfungen erfolgten aller 2 Jahre.

 

  1. Juni Anfrage der Kgl. Regierung beim OBA (WER Rep. F 23 X Nr. 22/3).

Die Badewirte hatten sich beschwert, dass der Weg zur Ausgabestelle am oberen Schacht zu lang sei und  verlangt, dass die Ausgabe wieder am unteren Schacht eingerichtet wird. Daraufhin wurde beim OBA angefragt, ob man das mit der zur Hartungschen Anstalt führenden Röhrenfahrt verbinden kann.  Backs wurde gebeten, sich darüber gutachterlich zu äußern.

 

  1. Juni Tanz in Schumanns Saalhäusern (NKB).

Gleichzeitig pachtete Gehre das „Himmelreich“ und machte es zum beliebten Ausflugslokal.

 

  1. Juni Stellungnahme Backs zur Abgabestelle für Badesole (MER. C48 Ii 776/IV).

Der lehnte eine Zurückverlegung der Ausgabe ab, da Weber bei der Landesschule den Kauf des Geländes beantragt hatte und der Vertragsentwurf bereits im „Cultus“-Ministerium zur Genehmigung lag. Der Vorschlag, allen Badewirten eine Röhrenfahrt zu gestatten, sei derzeit auch nicht ratsam, denn es hatte sich gezeigt, dass die bisher verlegten „Zementrohre“ den höheren Druck vom oberen Solschacht nicht standhielten.

Abschließend gab Backs noch „ein Pröbchen neuester Art und Weise, wie sich die Privatanstalten“ Vorteile sicherten.  Demnach sollten  die zur Abholung der Sole bestimmten Fässer 14 Kubikfuß fassen, wobei es dann dem für die Soleausgabe zuständigen Gradiermeister Törpsch auffiel, dass mit den Fässern etwas nicht stimmte. Ein Prüfung ergab, dass einige Badewirte wie Senff, Gräser, Gräßner und Heun Fässer mit 20 Kubikfuß verwendeten und nun auch noch die  Bezahlung der Mehrabgabe verweigerten.  

 

  1. Juli Entschlammung der kleinen Saale (WER Rep. F 23 III Nr.9).

Mit Rücksicht auf den laufenden Badebetrieb sollte die Entschlammung im Bereich der Radinsel  erst nach der Badesaison erfolgen, um die Soleförderung und den Betrieb der Wellenbäder nicht zu unterbrechen. Nach Abschluss der Arbeiten wurde die Entsorgung von Abfällen in und an dem Gerinne unter Strafe gestellt. 

 

  1. Juli Prüfung der Salinenkasse von 1860 (WER Rep. F 23 II, Nr. 21 Bd. 4).

Die Einnahmen beliefen sich auf 8.788 Taler, hauptsächlich aus dem Verkauf des Salineninventars, die Kosten auf 688 Taler.

 

      Juli  Italienisches Gartenfest mit Illumination und Feuerwerk im Kursaal (NKB).

 

  1. Juli Konzession für den Verkauf von Viehsalz für den Kaufmann Scholvien (NKB).

 

  1. Aug. Kinderball im Kursaal (NKB).

 

  1. Sep. Ministerielle Genehmigung des Vertragsentwurfs (WER Rep. F 23 II Nr. 21 /4)

 

  1. Sep. Versteigerung von Guß- und Schmiedeeisen in der Saline (NKB).

 

              Veröffentlichung zur Neuwahl des Abgeordnetenhauses (NKB).

In der Wahlliste wurden 1.529 Einwohner erfaßt. Wahlkommissar war der Prokurator Schwimmer, sein Stellvertreter Ortsrichter Schleicher.

 

              Abschluss der Badesaison (NKB).

1.630 Badegäste wurden registriert, darunter der Konsul der Niederlande, Bake, der Pianist Paul de Mouskoff aus St. Petersburg, der Mathematiker Dr. Paul du Bois-Raymond (1831-1889) ein  Schwager von Dr. Rosenberger, der Schriftsteller Max Ring (1817-1901), der Opernsänger Franz Eichhorn aus Berlin sowie zum wiederholten Male Fürst Dimitri Lwow aus Moskau.

 

  1. Sep. Unterzeichnung des Auseinandersetzungsvertrages (WER Rep. F 23 II Nr. 21 /4).

Die Vertreter des Oberbergamtes, des Kgl. Provinzialschulkollegiums und der Kgl. Regierung  bestätigten den Vertrag, der von den 1732 vereinbarten Rückgabemodalitäten abwich. Die Landesschule gestattete die Übertragung der von der Badedirektion und der Kirchengemeinde benötigten Grundstücke und Gebäude, und übernahm die Wohnung des Salinendirektors und die zu Wohnzwecken bestimmten Gebäude an der Werkstraße. Dafür zahlte die Landesschule dem Salinenfiskus 5.000 Taler. Die übrigen Flächen wurden der Landesschule beräumt übergeben, wie  die Siedekote, das untere Gradierwerk, das Solereservoir und der untere Schacht und den ehemaligen Streichplatz. Die Unterhaltung des Wehrdammes und der kleinen Saale übernahm die Landesschule und trat in die von der Salinenverwaltung abgeschlossenen Pachtverträge über die  Gemüsegärten ein. Die Wege entlang des Kunstgestänges wurden der Gemeinde zum Nießbrauch überlassen.

 

  1. Okt. Formelle Übergabe der Wohnung des Salinenbuchhalters (St.-A.)

Dabei wurde auch der Gemeinde ein Bauplatz für eine Kirche angeboten, wahlweise den Salinenbauhof oder einen Platz neben der Schäferei. Wegen fehlender Mittel nahm die gemeinde davon Abstand und begügde sich mit dem Zimmererschuppen.  

 

  1. Okt. Formelle Übergabe der Grundstücke durch den Salinenfiskus (WER Rep. F 23 II 21/4)

Die Königliche Regierung übernahm die Grundstücke von der Landesschule und vom Salinenfiskus die Einrichtungen und Inventarien der beiden Wellenbäder auf der Radinsel, beide Wasserkünste, die Gestängeanlage, den oberen Schacht und das Gradierwerk auf dem Rechenberg, einschließlich der gesamten Fördertechnik. Dazu kamen die beiden Brücken über die kleine Saale, die ehemalige Holzausschleppe am Chausseehaus und der Aschedamm zwischen kleiner Saale und Scheitbach, für den die Badedirektion Pacht zahlte.

Pforte übernahm das beräumte Betriebsgelände sowie die Wohnungen des Kassendieners, des Rendanten, die Pfannenschmiede, die Dirigentenwohnung (Käthe-Kruse-Str. 3), die Wohnungen der Gradiermeister und die des Kunstmeisters am oberen Schacht (R. Breitscheid Str. 17, 17a)  sowie das Spritzenhaus neben dem unteren Schacht.

 

  1. Okt. Die Landesschule versteigert das Grundstück vom 2. Siedekot (NKB).

  

  1. Okt. Einsatz eines Sonderzuges nach Berlin (NKB).

Dem „Königs-Einzug“, der Rückkehr Wilhelms von seiner Krönung in Ostpreußen konnten interessierte Bürger mit einem Sonderzug 2. und 3. Klasse zu ermäßigten Preisen beiwohnen, wenn sie die frühe Abfahrt um gegen 3.25  nicht scheuten.

 

  1. Okt. Bergrat Backs tritt in den Ruhestand.

 

  1. Nov. Verwahrung des unteren Schachtes (WER Rep. F 23 II, Nr. 21 Bd. 4)

Das vom Maurermeister Werner eingebrachte Gewölbe und die Verfüllung des Schachthalses verhinderte zwar die Weiterbenutzung aber nicht die Wildwasserzuflüsse, was dann zu den Problemen mit der Sole des oberen Schachtes führte.

 

  1. Nov. Überbauung des unteren Solschachtes (NKB).

Gastwirt Weber hatte den Platz des unteren Schachtes erworben. Das Gelände wurde aufgefüllt, der untere Schacht mit einem Gewölbe versehen und eine bequeme Zufahrt zum Gasthof angelegt,

 

  1. Nov. Dankschreiben des Gemeindekirchenrats (WER Rep. F23II, Nr.21/49).

Für die Überlassung des Betraumes und der Pfarrwohnung bedankte sich der Gemeindekirchenrat beim OBA.

 

  1. Nov. Die Witwe Christiane Auguste Graeser verstirbt (Sterberegister)

Ihr gehörte das Bade- und Pensionshaus in der Neuen Straße (Fr. Ebert-Str. 1), das von ihrer Tochter weitergeführt wurde, bis es dann von Dr. Löffler erworben und als Frauensanatorium zum Wilhelmsbad kam.

 

  1. Nov. Bekanntgabe der Wahlmänner für das Abgeordnetenhaus (NKB).

Dazu gehörten der Kaufmann Dittmann, Apotheker Gause, Dr. Groddeck, Dr. Rosenberger, Rentier Reil und Mühlenbesitzer Roßner.

 

  1. Dez. Antrag des Landrates auf Minderung des Pflegegeldes (MER C 50 Nbg. A Nr. 484)

Für die Behandlung der Auguste Christine Colditz in der Charitè wurden 10 Silbergroschen Verpflegungsgeld täglich verlangt. Da sie mittelos war und das Geld aus der Gemeindearmenkasse aufgebracht werden musste, wurde bei der Kgl. Regierung die Halbierung des Satzes beantragt und auch bewilligt. 

 

               Ferdinande von Schmettau zieht von Breslau nach Kösen.

Sie wurde 1798 in Bartenstein/Ostpreußen geboren. Die Familie (11 Kinder) bezog nach der Pensionierung des Vaters ein kleines Landgut  in Schlesien. Als 1813 der Aufruf  „An mein  Volk“, erfolgte, entschloss sie sich aus Mangel an baren Mitteln, ihr  Haar zu verkaufen, ein für die damalige Zeit für eine junge Frau außergewöhnlicher Vorgang. Als der Sekretär des Staatskanzlers v. Hardenberg davon Kenntnis erhielt, ließ er aus dem Haar Armbänder und Kette verfertigen, deren Verkauf 196 Taler brachten, die zur Ausstattung eines Landwehrsoldaten verwendet wurden. 

Davon wußten die Einwohner allerdings nichts, als Ferdinande zu ihrem Bruder dem Major a. D. Theodor  Schmettau und dessen Frau Mathilde in deren Haus in der Saalstraße (16) zog.  

 

1862

 

  1. Jan. Geschäftsbericht des Sparvereins (NKB).

Der von Backs als Rendant des Vereins, aufgestellte Bericht verzeichnete einen Kassenbestand von 3.945 Talern und  129 Mitglieder.

 

  1. Jan. Verfügung des Ministeriums f. Handel u. Gewerbe (WER Rep. F 23 II Nr. 21/4).

Bezüglich der Feuerlöschgerätschaften wurde festgelegt, dass diese zweckmäßigerweise der neu gegründeten Badeverwaltung unentgeltlich überlassen werden, zumal diese auch das Spritzenhaus der Saline übernommen habe, und dass der Gemeinde wie bisher  die Benutzung gestattet sein soll.

 

  1. Feb. Bestätigung der Salinenabrechnung 1861 (WER Rep. F 23 II, Nr. 21 Bd. 4)

Die letzte Abrechnung weist 1.915 Taler Einnahmen und 1.697 Taler Ausgaben aus.

 

  1. Feb. Meister Schöppe wird zum Bezirksschornsteinfeger ernannt (NKB).

 

  1. Mai Aufruf an die Wahlmänner zur Landratswahl (NKB).

Für v. Wangelins warben seine Parteigänger Dr. Groddeck und Hämmerling mit einer Veranstaltung bei Teichgräber..

 

  1. Mai Kaufmann Dittmann eröffnet eine Torfstreicherei beim Bahnhof (NKB).

 

  1. Juni Mathilde Rost eröffnet eine Konditorei im Baumbachschen Haus (NKB).

Die Witwe des einstigen Inhabers der Restauration in der Lindenstraße 69 richtete der ihre  Kaffee- und Speisewirtschaft in der Lindenstr. 66 ein (heute Nr. 1 /2).

 

  1. Juli Genehmigung des Auseinandersetzungsvertrages (WER Rep. F 23 II Nr. 21/4).

König Wilhelm I.  erteilte auf Schloss Babelsberg seine Genehmigung und wies an, dass von den 5.000 Talern welche die Landesschule als Wertausgleich an den Salinenfiskus zu zahlen hatte, 246 Taler der Badeverwaltung zukommen sollen.

 

  1. Aug. Sperrung des Fränkenauer Hohlweges wegen Reparaturarbeiten (NKB).

 

  1. Aug. Christian Seibeck lädt zum „Jungfernstechen“ auf den „Göttersitz“ (NKB).

Nach Faust (1927) hatte der  aus Pomnitz stammende Böttchermeister das „Schenkenhölzchen mit Weinberghäuschen“ mit dem Ausschank von Freitag erworben. Die Lage mit der herrlichen Aussicht zog Wanderer aus Naumburg und Kösen gleichermaßen an, die sich nahe der Götter fühlten.

 

  1. Sep. Versteigerung der Kohleschuppen (NKB).

 

  1. Sep. Erntefest mit Tanz in Schumanns Saalhäusern (NKB).

 

  1. Sep. Konkurs der Stauch`schen „Passage“ (Lindenstr. 69) (NKB).

 

      Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB).

Unter den 1.900 Gästen waren Mrs. Pringle aus Süd-Carolina und Mrs. Goodman aus New Orleans. Dazu kamen die Kgl. Kammermusiker R. Richter, W. Lotze,  C. Laverrenz, Ronneburger und W. Hennig sowie der Musikdirektor Reichardt(1797-1884), der 1825 das Gedicht „Was ist des Deutschen Vaterland“ von E. M. Arndt vertonte, der Berliner Hofbuchhändler Litfaß und der Landrat v. Danneil.

Ein anderer  Zeitungsbeitrag „Aus und über Kösen“ berichtete, dass im Juni zwei Neger, die als Dienstburschen  eine Familie begleiteten, Aufsehen erregten. Auch  zwei Männer aus Java und die Redaktion des „Kladderadatsch“ einer damals sehr beliebten Unterhaltungszeitschrift an der Spitze Dr. Rudolph Löwenstein besuchten das Bad. 

 

  „Kösen“ vom Sanitätsrat Dr. Rosenberger (MER. C 48Ii Nr. 776 IV).

Der Beitrag wurde in der „Allgemeinen Medicinal Central Zeitung“ veröffentlicht. Der Verfasser meinte, dass nach der Übernahme der Badeeinrichtungen durch die Regierung in Merseburg der  Badebetrieb keine Nebensächlichkeit mehr sei. Entschieden wandte er sich gegen die Selbsttherapie der Kurgäste, die von den Badewirten die Zugabe von Mutterlauge verlangten, die Sole unverdünnt und übermäßi tranken. Erst wenn sich  negative Auswirkungen zeigten, würde man den Badearzt konsultieren.   

 

              Veröffentlichung von Handelsregistereinträgen (NKB).

Dazu gehörten die Materialwarenhandlungen  J. C. A. Schmidt, der Wein- und Spirituosenhandel  von  G. A. Scholvien, die Posamentier-, Schnitt-, Galanterie- und Spielwarenhandlung  von C. L. Mothes, die Handelsfirmen von Fr. G. Krüger, J. Chr. Geyer, G. Heckenberg und Fr. A. Koch. Im Gesellschaftsregister finden sich Chr. & A. Krüger (gegr. 01. Apr. 1857) und A. Schleicher (gegr. 1. Apr. 1862).

 

1863         

 

  1. Jan. Verkauf der letzten 700 Schefeel Düngemehl (NKB).

 

  1. Jan. Ortsrichter Schleicher erhält das „Allgemeine Ehrenzeichen“ (NKB).

 

  1. Feb. Meldung über Kinderkriminalität (St.-A. Nr. 305)

Der fünfzehnjährige  Friedrich Martin Zedel war wegen wiederholten Diebstahls zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden.

 

  1. Mär. Ed. Engel lädt zum Extrakonzert in die Bahnhofswirtschaft (NKB).

 

  1. Mai Eröffnung eines Tanzsaales auf dem Göttersitz. (NKB).

 

  1. Mai Brand der Bockwindmühle an der Rudelsburg (NKB).

Die Mühle gehörte zum Rittergut Kreipitzsch und war seit dem 1. Oktober 1862 dem Müller Friedrich Ernst Jünger aus Saaleck verpachtet. Beim Brand wurde die Mühle bis auf den Bock zerstört, ein Wiederaufbau erfolgte nicht. Zwei Jahre später kam der Fall vor Gericht.

 

  1. Mai Veranstaltungsmarathon zum Pfingstfest (NKB).

Himmelreich, Kuchengarten, Kursaal, Rudelsburg, Mutiger Ritter und die Saalhäuser veranstalteten Konzerte und Bälle.

 

  1. Juni Eröffnung eines photographischen Ateliers (NKB).

Der Berliner Fotograf A. Winkelmann hatte sich bei Heckenberg an der Brücke eingemietet.

 

  1. Sep. Neuwahl des Abgeordnetenhauses nach der Zwangsauflösung (NKB).

Diesmal wurde Bergrat a.D. Backs zum Wahlkommissar berufen. Wahlmänner waren neben  Dittmann, Gause, Reil und Roßner der Tischlermeister Vogel und der Maurermeister Werner jr. 

 

       Sep. Ende der Kursaison (NKB).

Erstmals wurden über 2.000 Kurgäste gezählt,  darunter  zahlreiche Russen aus St. Petersburg, Moskau und Nowgorod, Fürst Pückler aus Breslau und  Fürstin Natalie Dolgornhoff aus Dresden, Frau Prof. Brockhaus aus Leipzig und der Schriftsteller A. E. Brachvogel aus Berlin. 

 

       Okt. Ehrung für Ferdinande v. Schmettau.

Anläßlich des 50. Jahrestags der Völkerschlacht hatte der König die Ehrung aller noch lebenden Veteranen angeordnet. Dazu gehörte auch Ferdinande von Schmettau, die nach  Berlin eingeladen und dort von Wilhelm I. zur Ehrenstiftsdame von Zehdenick ernannt wurde. Sie war die zweite Ehrenstiftsdame, erhielt eine  Ehrenpension und war nicht wie die übrigen Stiftsdamen  verbunden, im Stift, einem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster zu wohnen.

Aus diesen Anlass schuf Gustav Graef  das Gemälde „F. v.  Schmettau opfert ihr Haar auf dem Altar des Vaterlandes“,heute im Besitz der Nationalgalerie. F. v. Schmettau galt nun als Ikone der Befreiungskriege in der wilhelminischen Zeit.  

 

               Hermann Allmers komponiert „Dort Saalecksburg, hier die Rudelsburg“. 

 

     Dez.  Abschluss der Uraufnahme der Dorfflur.

Zur Aktualisierung der Gebäudesteuerrollen und des Grundstückkatasters  wurde die gesamt Dorfflur trigonometrisch vermessen.

 

1864

 

  1. Jan. Reglement über die Königlich-Preußische Badedirektion (Mascher 1869).

Die seit 1846 geltende Badeordnung wurde  aktualisiert und den Verhältnissen nach Einstellung der Saline angepasst. Vorsitzender der Badedirektion war der „Königlichen Commissarius“ der  Landrat von Danneil mit einer Aufwandsentschädigung von 200 Talern. Außerdem der Badearzt (Dr. T. Rosenberger), der Gemeindevorstand (Ortsrichter Schleicher), spätter kam noch der Vorsteher der Gemeindeversammlung dazu. Außerdem konnten Ehrenmitglieder ernannt werden.

 

  1. Feb. Pachtvertrag zwischen Großmann und der Landeschule (BLK-A. Nr. 875).

Teichgräber hatte seine Bäckerei mit dem Saal in der Lindenstraße (14) dem Bäcker Friedrich Hermann Großmann aus Flemmingen verkauft. Der pachtete für 20 Jahre von der Landesschule den Platz hinter dem Anwesen zwischen dem alten Friedhof und dem Mühlweg, wo auch das Spritzenhaus der Gemeinde stand.

 

  1. Mär. Osterkonzerte im „Mutigen Ritter“ und im Kursaal (NKB).

Die Einladung in den Kursaal stammte noch vom Pächter Schmidt,  doch am 28. Mai war Wilhelm Kunitz der  Besitzer  des  „Hotels zum Kursaal“. 

 

  1. Apr. Erlass der Militärbehörde ( NKB).

Erstmals wurden die Angehörigen der Landwehr über die Zeitung aufgerufen, sich bei den   „Controllversammlungen“ einzufinden. Kösen gehörte zum Rekrutierungsbezirk der 9. Kompanie des 2. Thüringer Landwehrregiments Nr. 32.

 

  1. Apr. Todestag von Johann August Hämmerling (Sterbereg.)

Der Bäckermeister (Jg. 1806) hatte das Anwesen an der Naumburger Chaussee (Nr. 2-4)  von seinem Vater Salomon geerbt, und hier die Bäckerei mit Schankwirtschaft und Ausspanne eingerichtet, dann das Gehöft des Einnehmers erworben und das Geschäft dorthin verlegt. Ihn folgte sein Sohn August (1830-1880), und dann sein Enkel Paul (1857-1926).

 

  1. Mai Teichgräber eröffnet den „Kuchengarten“ (NKB).

Der „Kuchengarten“ hatte inzwischen eine Konzession als Speisewirtschaft.

 

  1. Mai Domänenpächter Schmidt wird Ehrenmitglied der Badedirektion (NKB).

In den zur Domäne Kukulau gehörenden Wälder lagen die allgemein beliebten und frequentierten Wanderwege zur Johannisquelle, zur „Buchenhalle“ und zur Rudelsburg.

  

  1. Juni Geburt von Hans Carl Bogumil Gottlieb Koberstein (Taufregister)

Er war der Sohn des Kgl. Sächsischen Hofschauspielers Wilhelm Jacob Ferdinand Carl Koberstein (1835-1899) und dessen Ehefrau Bertha, eine Tochter des Historienmalers K.-F. Lessing und der Enkel des Literaturhistorikers  August Koberstein. 

 

  1. Juni Erlass des Badekommissars (NKB).

Aus gegebenen Anlasss wurden Badewirte ermahnt, die Ankunft von Badegästen binnen 24 Stunden der Badedirektion anzuzeigen, damit von diesen die vorgeschriebene Kurtaxe erhoben werden konnte.

 

  1. Juni Einrichtung der ersten Telegraphenstation (NKB).

Bereits im folgenden Jahr wurden über 900 Depescheneingänge registriert.

 

  1. Juni Erlass des Landrats (NKB).

Die ortsansässigen Gewerbetreibenden mussten ihre Geschäfte während des Gottesdienstes schließen, ausgenommen war nur die Apotheke.

 

  1. Juni Erlass des Badekommissars (NKB).

Zum wiederholten Male musste er gegen die um sich greifende Belästigung ankommender Badegäste einschreiten. Am Bahnhof warteten „Schleppern“ griffen sich gefragt oder ungefragt deren Gepäck und brachten das in die Unterkünfte, wo ihnen das meiste Trinkgeld winkte. Wirten, die weiterhin das „Schleppen“ honorierten, wurde der Entzug der Beherbergungskonzession angedroht.

 

  1. Juli Erlass des Badekommissars (NKB).

Untersagt wurden die nicht angemeldete Tanzbelustigungen zu denen sich die einheimische Jugend an der Davison - Halle am Gradierwerk traf.

 

  1. Aug. Veröffentlichung eines Leserbriefs im Naumburger Kreisblatt.

Ein Besucher beschwerte sich darüber, dass ihm im „Kuchengarten“ obwohl ersichtlich, dass er nur kurz abwesend war, sein Stuhl von anderen Gästen weggenommen wurde und das Personal dies dulden würde. Demnach gab es mehr Publikum als Plätze, insbesondere bei Veranstaltungen, wie die des Trommelvirtuosen Kunz aus Ulm oder die „Patriotische Veranstaltung“ anlässlich der Erstürmung der Düppeler Schanzen im Deutsch-Dänischen Krieg.

 

  1. Aug. Erlass der Polizeiverwaltung (NKB).

Untersagt wurde das Befahren der Grünen Gasse mit Gespannen. Offensichtlich nutzte man den  zur damaligen Zeit noch nicht mit bebauten von Rinnsalen durchzogenen Feldweg, als Abkürzung zum Bahnhof.

 

      Sep.  Veröffentlichung der letzten Kurliste (NKB).

Mit 1.822 Personen blieb man hinter dem Vorjahr zurück, was wohl dem Krieg geschuldet war. Zum Publikum gehörten die Generäle v. Wangenheim und v. Strotha, die Hofopernsängerin Eleonore De Ahna (1838-1865)  und A. Bock, ein bekannter Porträt- und Landschaftsmaler aus Berlin.

 

       Sep. Veröffentlichung zum gewerblichen Berufsstand (NKB)

Demnach gab es 33 Beamte, 43 Pensionäre, 16 Rentiers, 3 Ärzte, 1 Apotheker, 2 Hebammen, 13 Gastwirte, 7 Kaufleute, 8 Händler, 8 Flößer, 6 Fuhrleute, 73 Handarbeiter und ein Müller. Neben 30 Pferden und 4 Eseln in den Privathaushalten meldeten die wenigen Landwirte  44 Rinder, 334 Schweine und 107 Ziegen.

 

  1. Okt. Letzter Eintrag im ältesten erhaltenen Gästebuch der Rudelsburg (St.-A. Nr. 71).

 Carl Jungnickel war gebürtiger Naumburger und kam aus Stettin, wo er als Buchdrucker tätig war. Neben den Corpsstudenten hatten sich zahlreiche Turn- und Gesangsvereine, Gäste aus Berlin, Dresden und Leipzig, darunter auch der Thomanerchor mit  über 50 Personen, eingetragen. Nicht zuletzt war dies der guten Bahnverbindung geschuldet. Aber auch die Schüler der Landesschule kamen gern auf die Burg, so die alumn. portensis F. O. Hoßfeld und K. R. Hoßfeld.    

 

1865

 

  1. Jan. Tod von Ernst Freiherr v. Stein, Großherzogl. Kammerherr, Jg. 1799 (Sterbereg.)

Der 1799 geborene Freiherr entstammte der Familie von Stein auf Kochberg.

 

  1. Jan. Erlass des Landrates (NKB).

Die Besitzer von Obstbäumen, die an öffentlichen Straßen und Plätzen standen, wurden angewiesen, für einen  ordnungsgemäßen Rückschnitt zu sorgen.

 

  1. Mär. Verhandlung vor dem Naumburger Schwurgericht (NKB).

Ein Jahr nach dem Brand der Kreipitzscher Windmühle wurde Anzeige gegen den Müller Fr. E. Jünger wegen Brandstiftung erstattet, ein weiteres Jahr verging bis zur Gerichtsverhandlung.   Zeugen sagten aus, dass der Angeklagte vor dem Brand Mahlgut und Inventar entfernt habe, die man in seiner Wohnung wieder fand. Jünger stritt alles ab und beteuerte seine Unschuld. Obwohl alle Beweise gegen Jünger sprachen. Letztendlich entschied das Schwurgericht auf „Nicht schuldig“.

 

  1. Apr. Generalversammlung des „Kösener Bienenvereins“ (NKB).

 

  1. Apr. Verpachtungsaufgebot der Domäne Fränkenau (NKB).

Die Landesschule suchte zum Mindestgebot von 2.800 Talern Jahrespacht einen neuen Pächter für die Dauer von 18 Jahren ab 1866. Der Bewerber musste  ein disponibles Vermögen von 14.000 Talern nachweisen und  1.000 Taler Kaution hinterlegen. Angekündigt wurde, dass man unter den drei Meistbietenden auswählen würde.

 

  1. Apr. Veranstaltungen zu den Osterfeiertagen (NKB).

Konzerte fanden im „Kuchengarten“, im „Mutigen Ritter“, auf der Rudelsburg und dem Himmelreich statt.  Kurzhals Besitzer des „Hotels am Bahnhof“ warb mit Kulmbacher Bier.

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB).

Wegen des strengen und langen Winters hatte sich die Bauholzflöße verzögert und die Palmarum-Holzmesse musste wieder einmal  verschoben werden.

 

  1. Apr. Erlass des Landrates zum Meldewesen (NKB).

Alle privaten Bade- und Gastwirte wurden angewiesen, für ihr Etablissement eine gedruckte Preisliste, auf der alle Leistungen detailliert ausgewiesen und mit dem Preis versehen sind,  jeweils bis zum 1. Mai  dem Gemeindevorstand zur Genehmigung vorzulegen. Wer dem nicht nachkam, verlor  die Gewerbezulassung.

 

  1. Apr. Stiftungstag des Rudelsburger Turnverbandes (NKB).

 

  1. Mai Erlass des Landrates (NKB).

Die seit 1858 geltende Verordnung zur Bekämpfung der Tollwut in den Landgemeinden wurde  wegen der besonderen Verhältnisse des Kurortes verschärft.

 

  1. Juni 50. Jahrestag der Schlacht von Waterloo/Belle Alliance (LDZ 1977).

Auf der Höhe über den Saalhäusern wurde ein Gedenkstein mit einem eisernen Kreuz  eingeweiht, der dann fälschlicherweise Napoleonstein genannt wurde. Der Initiator und Stifter war ein pensionierter Oberamtmann.

 

  1. Sep. Das OBA mahnt den Ablösebetrag für die Gebäude auf dem Salinengelände an.

Die Landesschule hatte bisher die Auseinandersetzungsvertrag vereinbarten 5000 Taler nicht gezahlt. Als grund wurde angegeben, dass bislang keine Anweisung der Oberbehörde erfolgt sei und der Empfänger nicht eindeutig bestimmt war.  Erst im folgenden Jahr bestätigte das OBA dem Minister den Zahlungseingang.

 

  1. Sep. Ein Großfeuer vernichtet das Rittergut Kreipitzsch (KAZ 1935).

Schuld war der Braumeister, der das Feuer unter dem Sudkessel nicht beaufsichtigt hatte. Nur wenige Bauten, wie der Torbogen und die daneben liegenden massiven Gemäuer überstanden die Katastrophe. Dank der Versicherung konnte Wolf von Schönburg  innerhalb eines Jahres das Gut völlig neu aufbauen, zog sich aber dabei die Kritik des Saalecker Architekten Graumüller zu, weil er  die historische Substanz durch einen Zweckbau ersetzt hatte.

 

     Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB).

Insgesamt 2.106 Kurgäste wurden registriert u. a. S. Durchlaucht Prinz Gnyka aus Dresden,  Durchlaucht Prinzessin Auguste zu Schönaich-Carlovath, Exzellenz Gen.-Ltn. v. d. Mülbe, Berlin und die Baronin v. Friesen, Oberhofmeisterin der sächsischen Königin, Mrs. A. M. Pick aus San Franzisko sowie Emil Heinrich du Bois Raymond (1818-1896) (St.-A. Nr. 583).

 

      Okt. Der Groddeckschen Badeanstalt wird die Solezufuhr gesperrt (MER c48 Ii, Nr. 782).

Groddeck hatte in den beiden letzten Jahren die Bezahlung der Badesole verweigert und als Begründung die Verluste durch die undichten Betonröhren angegeben. Sein Antrag, in seinem Anwesen einen Wasserzählers einzubauen, hatte die Badedirektion mit dem Hinweis verweigert, dass es derzeit keine Wasserzähler  für Sole gibt. Ihm wurde mitgeteilt, dass er seine Sole wie früher mit Fässern abholen könnte, allerdings erst wenn die aufgelaufenen Verbindlichkeiten beglichen sind.

 

  1. Nov. Tod von Carl August Therkorn (Sterbereg.)

Therkorn (Jg. 1804) war ein Enkel des Arterner Salinenbaumeisters, einer der beiden Erben des Borlachschen Nachlasses  und besaß neben der Dürrenberger Salinenschmiede auch die ehemalige Salinenschmiede am oberen Schacht. Nach seinem Tod verfielen die Gebäude und wurden schließlich abgerissen. Auf dem Grundstück entstand um die Jahrhundertwende ein ansehnliches Wohnhaus (R.-Breitscheid-Str- 10)  

 

  1. Nov. Amtlicher Erlass zur Neuordnung der Feuerpolizeidistrikte (NKB).

Kösen bildete mit Fränkenau, Lengefeld und den Saalhäusern einen eigenen Bezirk mit dem Zimmermeister Struve als Kommissar und dem Oberpostsekretär Päch als Stellvertreter.

 

1866

  1. Feb. Bekanntmachung des Königl. Kreisgerichts (NKB).

Der im Januar veröffentlichte Termin der Zwangsversteigerung der Hartungschen Badeanstalt wurde aufgehoben. Es gab zwar Kaufinteressenten doch diese wollten den Badebetrieb einstellen und das Gebäude  zu Wohnungen umbauen.

 

  1. Feb. Vertrag zwischen Teichgräber und der Badedirektion (MER C 48 Ii Nr. 776 IV)

Weil die Nachfrage nach geeigneten Veranstaltungsräumen nicht befriedigt werden konnte, errichtete Teichgräber im Kuchengarten einen Saal an dessen Kosten sich die Badedirektion mit einem nicht rückzahlbaren Zuschuss von 435 Talern beteiligte. Die Aufsichtsbehörde rügte die Vereinbarung, weil weder  Sicherheiten  gestellt noch eine Einflussnahme auf das Etablissement vereinbart wurden.

 

  1. Apr. Erweiterung des Armenhauses (St.-A. Nr. 60).

Die Gemeinde erwarb eine Stück Land an der Fränkenauer Trift und errichtete einen  Schuppen für die Bewohner.

 

  1. Mai Vertrag zur Benutzung der „Großen Promenade“ (MER C 48 Ii Nr. 776).

Die eigentliche Promenade endete jeweils an den Grundstücken von Kurzhals (Parkhotel) und Roßner (Mühle). Daher mussten Wegerechte und deren Unterhaltung vereinbart werden. Kurzhals erhielt die Genehmigung an der  Promenade eine  Sommerwirtschaft einzurichten. Problematisch war, dass die Gespanne von der Mühle zum Bahnhof, die Promenade befuhren,  weil die Ladestraße nicht öffentlich zugänglich war.

 

  1. Mai Vereinbarung zwischen der Badedirektion und dem Fränkenauer Pächter (St.-A. Nr. 171)

Amtmann Hildebrandt gesattete die öffentliche Nutzung der Zufahrt zur Kukulauer Wiese zwischen dem Senffschen Grundstück und Apotheke für die Dauer seiner Pachtzeit. Damit war eine  Verbindung zwischen der geplanten kleinen Promenade (Gerstenbergkprom.) und der Lindenstraße möglich.  

 

  1. Mai Einführung des Paketzustelldienstes der Kgl. Post-Expedition (NKB).

 

  1. Mai Die Ausflugslokale werben für den Himmelfahrtstag (NKB).

Dazu gehörte W. Gehres „Himmelreich“, Samiel veranstaltete ein Militärkonzert auf der Rudelsburg und der Katzenwirt weihte seinen neuen „Sommersalon“ ein. Die Badekapelle unter Heyne konzertierte im Kuchengarten, im Kursaal die Naumburger Stadtmusikanten und August Seibeck, lud zum Tanz auf den „Göttersitz“ ein.

 

  1. Mai Erlass zur Neuwahl des Abgeordnetenhauses (NKB).

Der Wahlbezirk 5 (Kösen mit 1.561 Einwohnern und 23 in Fränkenau) stellte 6 Wahlmänner, für deren ordnungsgemäße Wahl Backs und Schleicher, das Wahlkommissariat übernahmen. Am gleichen Tag erfolgte die Mobilsiserung wegen des Konfliktes mit Österreich-Ungarn.

 

  1. Mai Vorvertrag über die Anpachtung der Kukulauer Wiese (BLK-A. Nr. 150)

In Verfolg der im Jahr 1861 getroffenen Absprachen vereinbarten die  Landesschule vertreten vom Prokurator Schwimmer und die Badedirektion vertreten durch den Landrat v. Danneil die Anpachtung eines Weges unterhalb des Dorfes vom Bahnhof zur Apotheke. Der Pachtvertrag sollte ab dem 01. Juli 1868 gelten,

 

  1. Mai Erlass des Landrates (NKB).

Untersagt wurde das Überqueren der Wiese westlich des Bahndammes  von der Apotheke bis zum Bahnhof.

 

  1. Mai Wilhelm Rossner verkauft die Mühle seinem Vetter Ernst Roßner (Roßner 1932).
  2. Rossner hatte 1836 die Mühle von seinem Vater Christian Gottlob geerbt. Die amtliche Eintragung der Fa. E. Roßner Mühlenwerke, erfolgte am 17. August.

 

  1. Juni Tod der Leopoldine Marie Ottilie Valesca von Hertzberg (Sterbereg.)

Die frühere Ehefrau des Rittergutsbesitzers Oskar Ferdinand Paech auf Laesgen wohnte nach ihrer Scheidung hier. 

 

  1. Juni Bekanntgabe der Wahlmänner für das Abgeordnetenhaus (NKB).

Nominiert wurden Kaufmann Mothes, Tischler Stöpel, Maurermeister Werner jr. Postsekretär Müller, Dr. Rosenberger und San.-Rat Dr. Hauck .

 

      Juli  „Kösen“ in „Über Land und Meer“ Illustr. Monatszeitung (St.-Ar. Nr. 681) 

 

  1. Aug. Amtlicher Erlass (NKB).

Der Landrat verbot das Abstellen von Fuhrwerken und Kutschen an der Chaussee innerhalb der Dorflage und erschwerte damit den Kutschern und Fuhrleuten die Einkehr in einer der zahlreichen Lokalitäten..

 

  1. Aug. Bericht des Landrats v. Danneil an die Kgl. Regierung (MER C 48Ii Nr.776 IV).

Die Gläubiger hatte die Versteigerung der Hartungschen Badeanstalt aufgehoben und diese wieder  geöffnet. Doch zahlreichen Klagen über unzumuztbare Zustände hatte ihn veranlaßt, als Badekommissar die Anstalt zu besichtigen. Festgestellt habe er, dass die sich in einem  beklagenswerten Zustand befindet und eigentlich geschlossen werden müsste. Damit wäre die Existenz des Bades insgesamt gefährdet. Denn die Nachfrage konnte bereits jetzt nicht befriedigt werden, nachdem der Groddeck`schen Anstalt die Solezufuhr gesperrt worden war und  Groddeck  sich offenbar in einer „gänzlichen Vermögenszerrüttung“ befinde. Zum Fortbestand des Bades schlug er vor, dass die Kgl. Regierung die Hartungsche Badeanstalt erwerben und durch die Badedirektion betreiben oder verpachten sollte. Der aktuelle Taxpreis  lag bei 13.000 Talern  und für die dringend notwendige Sanierung wären weitere  8.000 Taler erforderlich.

Die Kgl. Regierung machte in ihrer Antwort deutlich, dass man mit der Einrichtung der Kgl. Badeverwaltung keineswegs die Absicht hatte, ein Königliches Bad zu etablieren. Dies sei lediglich die Folge, um nach der Einstellung der Saline den Badebetrieb zu regulieren und die Frequenz des Bades zu heben. Außerdem wären die Kosten zu hoch und man stünde in Konkurrenz zu den privaten Badewirten. Wenn jedoch für den Kauf und die Erneuerung eine Hypothekengrundschuld möglich wäre, würde man die Sache prüfen.

 

      Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste des Jahres (NKB).

Die Besucherzahlen hatten sich fast halbiert, unter den 1.223 Gästen waren Prof. Richard Lepsius (1810-1884, Sohn des ehem. Landrates und der bedeutendste deutsche Ägyptologe des 19. Jh.) aus Berlin, Mrs. Whitford, Pastorin der englischen Gemeinde zu Leipzig und der Kgl. Ministerialdirektor Exzell. v. Obstfelder. Auch der Stettiner Kaufmann George Marchand befand sich unter den Gästen, der dann mit Dr. Groddeck und Bruno v. Zedtwitz das „Comitee“ gründete

 

  1. Sep. Erklärung zur Aufrichtung der Parochie Kösen (MER C 48 Ii Nr. 776 IV).

Die Einpfarre nach Pforte war inzwischen ein Anachronismus. Die  Einwohnerzahl in Kösen hatte sich in den letzten 150 Jahren gegenüber der von Schulpforte verzehnfacht. Kösen hatte seit 100 Jahren einen eigenen Friedhof, war inzwischen Filialkirche mit einem Hilfsgesitlichen, hatte einen provisorischen Kirchenraum und ein Pfarrhaus.  Den Ruf nach einer eigenen Gemeinde kam nicht nur von den Einwohnern, sondern wurde auch von den Kurgästen unterstützt.   

 

  1. Okt. Königliche Genehmigung der „Erektionsurkunde“ (dto).

Die Bildung einer selbständigen Kirchengemeinde Kösen-Pforte sei notwendig und bestandsfähig hieß es, da auch die Einwohner der Domänen, der Saalhäuser und der Landesschule, außer den  Alumnen, Lehrpersonal und Verwaltungsbeamten, eingepfarrt waren.    

 

  1. Okt. Geburt von Georg Walther Groddeck (Taufregister).

Er war der zweite Sohn des Badearztes Carl Theodor Groddeck  und dessen Ehefrau Karoline der Tochter des Germanisten und Literaturhistorikers August Koberstein und war bis 1885 Alumnus der Kgl. Landesschule. Nach dem Studium betätigte sich Georg Groddeck als Mediziner,  Psychoanalytiker und klinischer Psychologe  und gilt neben S. Freud als Begründer der Psychosomatik. 1900 eröffnete er in Baden-Baden das Sanatorium „Marienhöhe“. Auch als  Schriftsteller machte er sich einen  Namen. Er starb 1934 in Kronau in der Schweiz. Sein Lebenswerk wird von der Georg-Groddeck-Gesellschaft Frankfurt/M. bewahrt.

 

  1. Okt. Geburt von Alfred von Kielmannsegg (Taufregister)

Er war der Sohn des Premierleutnants Graf von Kielmannsegg und dessen Frau geb. v. Heiligenstädt.

 

  1. Nov. Pachtvertrag über die kleine Promenade (MER C48 Ii Nr. 776 IV).

Für den Weg von der Apotheke zum Bahnhof wurde eine Jahrespacht von 8 Talern, 6 Silbergroschen vereinbart, die aus der Badekasse kommen sollten.

 

  1. Nov. Tod von Wilhelmine Ferdinande Backs (Sterbereg.).

Sie war die Tochter des Pastors zu Groß-Salze Heinrich Ludwig Theune und seit 1813 mit Backs verheiratet. Der Ehe entstammten zwei Kinder (s. Familienstammbaum Theune)

 

  1. Dez. Veröffentlichung des Kgl. Kreisgerichts (NKB).

Die Fa. Christian Krüger & Comp. wurde aus dem Register gelöscht, dafür die Fa. Christian Krüger eingetragen, alleiniger Inhaber war der Holzhändler Albert Krüge.

 

1867

 

  1. Jan. Erlass zu den Wahlen des Norddeutschen Bundes (NKB).

Backs und Schleicher waren die Wahlkommissaren berufen. Als Wahllokal diente wieder die  Teichgräbersche Restauration.

 

  1. Jan. Schreiben des Ministeriums f. geistliche Angelegenheiten (MER C 48 Ii Nr. 776 IV).

Unter Bezugnahme auf Genehmigung der Erektionsurkunde teilte das Ministerium der Kgl. Regierung mit, dass sich nunmehr die Gemeinde konstituieren kann. Neben der Festsetzung des  Sprengels sollte die Ausstattung und die Organisation der Parochie  in einem Dekret zusammengefasst und veröffentlicht werden. Für die  Pfarrstelle wurde eine Dotation von 9.000 Talern bewilligt, außerdem bestätigte das Provinzialschulkollegium der Gemeinde die Übertragung des Betsaals und des Pfarrhauses. Außerdem sollte die Gemeinde bevollmächtigte Vertreter benennen, mit denen man die dingliche Trennung der Parochien regulieren wollte (s.a. St.-A. Nr. 345).

Für den Schulbetrieb verblieb eine „eigenständige „Anstaltsparochie“ zuständig für den Lehrkörper und die Schüler mit einem Pfarrer, der  ehemaligen Klosterkirche und dem  Friedhof.

 

  1. Apr. Das Kreisblatt meldet Hochwasser der Saale.

7.000 Bauholzstämme hatten sich losgerissen und stauten sich vor der Brücke. Die Bergung dauerte mehrere Tage. Anschließend stritten sich die Floßverwaltung und die Holzhändler, wer für die Kosten aufkommen soll.

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung beim Kgl. Kreisgericht (NKB).

Das Wohnhaus des Gradiermeisters Chr. Fr. A. Törpsch (Am Solschacht 1) kam für 1.206 Taler unter den Hammer.

 

  1. Mai Geschäftsanzeige des „Rektorberges“ (NKB).

Der Besitzer, F. Möllnitz, gab bekannt, dass das beliebte Ausflugslokal auch in der Woche geöffnet sei. Gleichzeitig warben Kunitz (Kursaal) für seine neue  Kegelbahn und J. G. Lehmann für seine Konditorei. Die Bahnhofswirtschaft hatte mit C. Püschel einen neuen Pächter.

 

  1. Mai Vertrag zwischen der Badedirektion und Teichgräber (MER C48Ii Nr. 776 IV).

Wegen der Kritik der Aufsichtsbehörde wurde der Vertrag neun gefasst. Gustav Teichgräber räumte der Badedirektion die uneingeschränkte Nutzung des Saales und der Gesellschaftsräume während der Saison ein und verzichtete auf ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Theaterunternehmen. Das durfte an vier Tagen in der Woche proben und hatte wöchentlich drei Vorstellungen zu geben. Dieser Fassung stimmte die Aufsichtsbehörde am 31. August zu.  

 

  1. Juni Schreiben des Landrates an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782I).

Dr. Groddeck hatte inzwischen seine Schulden aus den Solelieferungen beglichen und erhielt wieder Sole, die er aber mit Wagen und Gefäßen am Schacht abholen und sofort bezahlen mußte Nun bat er um die Genehmigung, auf eigene Kosten eine Leitung vom oberen Schacht bis zu seiner Anstalt zu verlegen. Damit würde dann der Anschluss an die Röhrenfahrt zur Hartungschen Anstalt entfallen und die bisherigen Streitigkeiten gegenstandslos sein. Er bot für die Sole eine Pauschale von 300 Talern/Jahr, um den Einbau eines teuren Solemessers zu vermeiden. Landrat v. Danneil befürwortete Groddecks Antrag, dessen Anstalt „eine Zierde des Bades“ sei wohingegen die Hartungsche Badeanstalt „sich im zunehmenden Verfall befindet.“ 

 

  1. Juni Gemeinderatssitzung (Mascher 1869, Röblitz, Heimatbuch 1930)

Dem  Ortsrichter waren die Verwaltungsaufgaben insbesondere die Polizeiverwaltung nach der Einstellung der Saline, über den Kopf gewachsen. Er bat um die Entlassung aus dem Amt. Daher nahm Landrat v. Danneil persönlich an der Sitzung teil und empfahl der Gemeindevertretung, den Antrag auf Verleihung des Stadtrechts entsprechend der preußischen Städteordnung zu stellen. Da  dann ein hauptamtlichen Bürgermeister eingestellt werden kann. Gerade bei Angelegenheiten des Bades als „Nahrungsgrundlage“ des Gemeinwesens wäre diese Konstellation wünschenswert, da ein Bürgermeister gleichzeitig das Badedirektorat bekleiden könnte. Dazu kam, dass die meisten Einwohner bürgerlichen Erwerb nachgingen, für dessen Aufblühen die kommunale Selbstverwaltung ein folgerichtiger Schritt sei.

 

  1. Juni Die Kirchengemeinde erwirbt den alten Gottesacker (BLK-A. Nr. 875).

 

  1. Juni Jahresfest des Gustav-Adolf-Stiftung (NKB).

Der Ortsverein beging das Fest mit einem Gottesdienst in der Buchenhalle. Einer der Teilnehmer, war der unter dem Pseudonym Adolph Chevalier zur Kur weilende Landschaftsmaler Adolph  Menzel (1815-1905, 1898 geadelt), der dies später in  einem bekannten Gemälde verarbeitete.

Adolph Menzel, der später geadelt wurde, und der Germanist Franz Kugler („An der Saale hellem Strande), veröffentlichten gemeinsam eine umfassende Lebensbeschreibung  König Friedrich II., die noch 100 Jahre später  als Volkslesebuch in fast keinen bürgerlichen Haushalt fehlte.

 

  1. Juni Pachtversteigerung der Landesschule im „Mutigen Ritter“ (NKB).

Für das Schulgut, zu dem das Vorwerk Kösen gehörte wurde ein neuer Pächter für die nächsten 16 Jahre gesucht. Das Mindestgebot betrug 9.000 Taler und der Bieter sollte 25.000 Taler disponibles Kapital nachweisen. Der Pächter hatte die Verpflegung der 140 Schüler zu gewähren, wofür 1 Taler, 17 Silbergroschen und 6 Pfennige pro Schüler wöchentlich veranschlagt wurden. Auch die Domäne Kukulau sollte für 2.800 Taler verpachtet werden, hier musste der Bieter 16.000 Taler Privatvermögen nachweisen.

 

     Juni Die Wanderkarte von Kösen und Umgebung kommt in den Verkauf (NKB).

Der Kupferstecher EduardWibel offerierte eine maßstabsgetreue Karte für Spaziergänger im Maßstab 1 : 14.000 zum  Preis von 7 ½ Silbergroschen.

 

  1. Juli Beschluss zur Beantragung des Stadtrechts (Mascher).

Nach der Anhörung der Gemeinde, beschlossen die Gemeindeverordneten einstimmig den Antrag beim Landrat einzureichen.

 

  1. Juli Gründung des Kriegervereins „König Wilhelm“ (KÖZ 1899).

 

  1. Juli Verkaufsanzeige für zwei Wohnhäuser (NKB).

Die Erben Scheufflers verkauften das Haus Nr. 113 (Uferstr. 5) und Fr. Wolf das Haus  Nr. 30 (Borlachstr. 24/26), mit 6 beheizbaren Zimmern und Kammern.

 

  1. Aug. Ballettaufführung unter Leitung Carlo des Pasqualis im Kursaal (NKB).

 

  1. Aug. Einweihung eines Festsaals in Schumanns Saalhäusern (NKB).

 

  1. Aug. Kuraufenthalt Theodor Fontanes (Reiseskizzen).

Fontane besuchte das „Rostsche“ Restaurant, das Hotel Kurzhals, das Kurhaus und die Rudelsburg, außerdem lobte er die Eierkuchen auf der „Katze“ und die angenehme Umgebung.

 

  1. Aug. Denk- und Bittbrief der Eltern schulpflichtiger Kinder (MER C 48 IIb 2028 I)

Die beschwerten sich über die völlig unzureichenden Zustände in der Schule, wo drei Lehrer in drei Klassen über zweihundert Schüler unterrichteten.

 

  1. Sep. Amtliche Bekanntmachung zur Luftverbesserung (NKB).

Landrat v. Danneil ordnete an,  dass neben der Einhaltung der Straßenordnung, die Abfall-und Sinkgruben abgedeckt und mit Kalk desinfiziert werden müssen und dass die Entsorgung von Fäkalabwässern nicht mehr in den Gossen erfolgen dürfe. Strenge Kontrolle und sofortige  Bestrafung wurden bei Zuwiderhandlungen angekündigt.

 

     Okt. Veröffentlichung der letzten Badeliste der Saison. (NKB).

Die Zahl der Gäste war wieder auf 2.113 gestiegen, darunter Prinzessin Hermine v. Schönburg-Waldenburg, Boguslaw Fürst von Radziwill (1809-1873) mit Gattin, der Naturforscher Ludwig Kann aus Heidelberg, die Kgl. Hofopernsängerin Caroline Seidler sowie der Historiker und Sprachforscher Prof. Corssen (1820-1875, von 1844 bis 1866 Lehrer in Pforte) und Wilhelm Paul (1820-1875). 

 

  1. Okt. Geburt von Max Troll.

Der Sohn des Schneidermeisters J. Ch. L. Troll und seiner Ehefrau Therese geb. Dietsch war von 1900 bis 1932 Rektor der Mädchenschule in Schmalkalden und Verfasser mehrerer pädagogischer Lehrbücher, die wesentlich zur Verbesserung des Schulwesens in den thüringischen Herzogtümern und dann im Freistaat beitrugen. Er starb  am 13. 11.1934. Unter dem Titel „Die Trollschen Schuljahre“ veröffentlichte seine  Enkeltochter  eine Monografie (ISBN 978-3-941461-02-4)

 

  1. Nov. Stellungnahme zum Bittbrief der Elternschaft (MER C 48 IIb 2028 I)

Demnach waren es 230 Kinder, von denen 35 Jungen und 32 Mädchen die erst Klasse, 40 Jungen und 36 Mädchen die zweite Klasse und 39 Jungen und 48 Mädchen die erste Klasse besuchten.

 

  1. Dez. Förmlicher Beschluss zur Beantragung des Stadtrechtes (Mascher)

Nachdem der Kreis- und des Provinzial-Landtag, den Antrag befürwortet hatten, wurde der mit den entsprechenden Anlagen dem Ministerium vorgelegt.

Nach der Einstellung der Saline, verdankte man dem Badebetrieb den Fortbestand. Der prägte nun auch zunehmend das Ortsbild. Links der Saale wurden die einfachen Behausungen durch zweigeschossige Häuser ersetzt, Baulücken geschlossen. Die Lindenstraße war nun durchgehend auf beiden Seiten bebaut, die Burgstraße auf der Westseite. Nördlich des Chausseedammes waren zwei neue Straßenzüge entstanden. Rechts der Saale wurden die ehemaligen Stapel und des beräumte Salinengelände bebaut.

Die meisten Hauswirte verlegten sich auf die Vermietung an Badegäste. Daneben bot die Bewirtung von Passanten und Reisenden, der Bahnhof und die Bauunternehmen den Bewohnern ihr  Auskommen.  Doch auch das Badepublikum veränderte sich langsam. Statt des noch vor wenigen Jahren  dominierenden adligen Publikums waren es hauptsächlich  bürgerliche Kreise, die hier kurten und vor der Gemeinde stand die Frage, ob man sich auf die Stufe der Modebäder stellen wollte oder den Schwerpunkt auf die medizinische, therapeutische und balneologische  Kompetenz legen sollte.                  

 

              Statistik des Badeortes Koesen (St.-A. Nr. 418)

„Die Heilquellen bilden in Verbindung mit dem milden Klima die Haupteinnahmequelle der Bewohner des Ortes, der so gesund liegt, daß die Cholera noch nie ein Opfer verlangt hat“, heißt es einleitend.

Der Gemeinde selbst war arm. Ihr gehörte die Wohnung des Polizeidieners,, das Schulhaus mit 3 Klassen, das Armenhaus, eine Sommer-Verkaufshalle mit drei Ständen, das Leiter- und Spritzenhaus mit den Feuerlöschgeräten, 4 Lehmgruben, einige Obstbäume, den, ein Geldschrank, das Gemeindesiegel und 25 Marktbänke samt Zubehör, im Gesamtwert von  8.973 Talern.

Im Ort wohnten 1.643 Personen (1828: 637, 1861: 1437, 1864: 1561). Von den Erwachsenen waren 263 Männer  und 260 Frauen verheiratet, 25 Männer und 84 Frauen verwitwet. Die Zahl der Haushalte betrug 340. 1.557 Personen gehörten der evangelischen Kirche, 4 der katholischen an. Unter der Bevölkerung gab es nach einer Erhebung von 1864 33 Beamte in königlichen,   städtischen, geistlichen und öffentlichen Diensten, außerdem 43 pensionierte Militärs vom Major bis zum General, 2 Professoren, 2 Geheimräte und 2 Pastoren.

Für die medizinische Betreuung gab es 3 Ärzte, 1 Apotheker und 2 Hebammen. Handwerk und Gewerbe repräsentierten 4 Fleischer, 5 Bäcker /Konditoren, 1 Brauer, 1 Müller, 7 Schneider, 10 Schuhmacher, 3 Maler, 1 Kürschner, 2 Hufschmiede, 1 Nagelschmied, 4 Schlosser, 1 Büchsenmacher, 1 Klempner, 1 Uhrmacher, 1 Goldarbeiter, 3 Böttcher, 1 Stellmacher, 4 Tischler, 3 Sattler, 3 Seiler, 1 Färber, 2 Kammmacher, 3 Barbiere, 5 Musiker, 13 Gast- und Schankwirte, 7 Kaufleute, 8 Händler, 2 Maurermeister, 2 Zimmermeister, 1 Schornsteinfeger und 34 Baugewerksgesellen. Außerdem gab es 73 Handarbeiter, 8 Flößer, 6 Lohnfuhrleute und 2 Landwirte.   

„Koesen entbehrt somit der Elemente des ländlichen Gemeindelebens ganz, während alle städtischen Gewerbe daselbst betrieben werden. Durch die Wohnsitznahme vieler Personen höheren Standes hat daselbst ein solcher Grad von Bildung Eingang gefunden, daß der Ort in seinem ganzen Ausdruck sich ungleich mehr als ein Sitz der städtischen Kultur ankündigt, als dies in Ansehung vieler kleiner  Städte der Provinz Sachsen der Fall ist. Aus diesem Grunde hat auch die Gemeindevertretung von Koesen die Verleihung der städtischen  Verfassung beantragt.“

Es gab hier 8 öffentliche Gebäude (Gottes- und Pfarrhaus, Schule, Armen-und Siechenhaus, Ortspolizei, Gemeinde- und Staatsverwaltung) 167 Privathäuser und 5 Betriebsgebäude, sowie 332 Ställe, Scheunen und Schuppen.

„Die Wohnhäuser sind groß, stattlich, geräumig und bieten Wohnung zum Vermiethen an die Badegäste dar. Unter den Privatgebäuden befinden sich die comfortabel eingerichteten Hotels und Salons der Badeanstalten und ein Schauspielhaus.“

Der Viehbestand betrug 1864: 30 Pferde, 4 Esel, 44 Rinder, 334 Schweine, 107 Ziegen und 44 Bienenstöcke.

„Eigenthümlich in ihrer Art ist die Koesener Holzmesse, welche am Palmsonntag beginnt und bis zu Ostern, also eine ganze Woche dauert. Während dieser Zeit wird das aus dem Thüringer Walde auf der Saale zur Stelle geschaffte Holz Bauholz und Bretter, verkauft und im Laufe der nächsten 4 bis 6 Wochen auf der Saale in Flößen weiter thalabwärts transportiert. Der ganze Messeverkehr nimmt hiernach etwa 6 Wochen in Anspruch. Durchschnittlich werde 1000 bis 1200 Flöße verkauft.“

Zur  Königlichen Post-Expedition gehörten drei Beamte, drei Unterbeamte, drei Landbriefträger für insgesamt  19 Ortschaften südlich und westlich des Ortes, und ein Hilfsbote. Zwei Beamte bedienen die Telegraphenstation,. Hier kamen 1260 Depeschen an, 1472 wurden aufgegeben. In der Saison wurden die Beamten verstärkt. 

Am Bahnhof hielten die Züge mit Postwagen viermal täglich und in der Saison 3 Schnellzüge. Die Chausseeeinnahme brachte 1200 Taler jährlich. Die Dorfstraßen waren noch ungepflastert, doch die strenge Handhabung der Straßenordnung sorgte für Sauberkeit und es gab bereits 12 Straßenlaternen.

Im Armenhaus wohnten 6 Personen, die ärztliche Betreuung übernahm einer der ortsansässigen Ärzte. 11 Einwohner erhielten eine dauerhafte Unterstützung, 20 nach Bedarf. Für 4 Kinder armer Familien wurde das Schulgeld aus dem Überschuß der Badekasse bzw. aus Spenden gezahlt. Als Mittel gegen die Verarmung gab es einen Vorschussverein mit 205 Mitgliedern, der 68.200 Taler  für 6,7 % Zinsen an einzelne  Mitglieder verliehen hatte. Der Vorschussverein stand in Verbindung mit dem Sparverein, der 320 Mitglieder zählte und die für ihre Einlagen 3,5 % Zinsen bekamen.

Die Orts-Gesellen-Gehilfen und Fabrikarbeiterkasse zählte 49 Mitglieder und gewährte freie Kur- und Verpflegung im Krankenhaus. Die Baugewerksgesellenkasse  hatte 28 Mitglieder, die ärztliche Hilfe und Medikamente übernahm.  Der Sterbekassenverein hatte 375 Mitglieder, die Beihilfe zum Begräbnis lag zwischen 15 bis 25 Talern.

Die Lokalpolizei unterstand dem Ortsrichter, der dafür eine Aufwandsentschädigung von 30 Talern erhielt. Es gab einen Polizeiwächter, der 120 Taler im Jahr und freie Wohnung erhielt sowie einen Nachtwächter. Das Polizeilokal befand sich im Armenhaus.

Von den beiden Solequelle war nur noch die im oberen Schacht im Betrieb. Der untere Solschacht war bereits überwölbt. Die Tiefe des oberen Schachtes wurde mit 586 Fuß (183 m) angegeben, der Salzgehalt mit 6%, der Zufluß mit 6,858 Kubikfuß/Min (212 l/Min). Neben dem Natriumchlorid  enthielt die Sole Gips, Glaubersalz, Bittersalz, schwefelsaures Kali, kohlensaure Kalkerde und Chlormagnesium.

Zu den öffentlichen Kuranlagen gehörten das Wellenbad auf der Radinsel, das obere Gradierhaus mit rund 4 Morgen Parkanlage, sowie einer kleineren Parkanlage auf dem Aschendamm. Die Frequenz im Jahr 1867 betrug 2.066 Personen (1859: 1.037, 1862: 1.900).

Die Parochie Kösen gehörte zur Ephorie Pforte, der Pfarrer erhielt 850 Taler. Das Gesamtvermögen betrug 13.560 Taler.

Die „gehobene Volksschule“ hatte drei Klassen mit  115 Knaben und 116 Mädchen die von drei Lehrern unterrichtet wurden. Das Schulgeld  betrug 2 bis 6 Taler.  In einer privaten  Knabenschule wurden 14 Schüler von einem „wissenschaftlich“ ausgebildeten Lehrer auf das Gymnasium vorbereitet. Die höhere Töchterschule  besuchten 44 Mädchen.   

Das gesellschaftliche Leben bestimmten die Vereine: Schützenverein (45 Mitglieder), Kriegerverein (39), Erholungsgesellschaft für höhere Stände (42), Gesellen-Vergnügungsverein (299, Gesangsverein (24).

Die Steuereinnahmen aus Grund-, Gebäude-, Klassen-, Gewerbe- und klassifizierte Einkommenssteuer betrug 363 Taler.  Der Ort  hatte entsprechend der Landgemeindeverfassung eine zwölfköpfige Gemeindevertretung mit dem Ortsrichter (150 Taler Remuntation) und zwei Schöppen, die von den 544 stimmberechtigten Einwohnern, darunter 167 Hauseigentümern bestimmt wurden. Der Haushalt wies mit 2.212 Taler an Ausgaben und 2.248 Taler Einnahmen einen leichten Überschuss aus.