Alt- und Neu-Kösen in kursächsischer Zeit 1681-1815

Nach dem 30jährigen Krieg lag das Vorwerk Kösen in Trümmern. Auch die Mühle und das Floßamt hatten durch die jahrelangen Kriegszüge erheblich gelitten. Sachsens Kurfürsten Johann Georg III. Johann August IV. und Friedrich August I. aber auch die Landesherren der ernestinischen Linie waren bestrebt, die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges, der gerade ihren Ländern arg mitgespielt hatte, rasch zu überwinden. Kursachsen widmete sich intensiv dem Aus- und Aufbau von Staatsbetrieben und Manufakturen, womit bereits Kurfürst August I. in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begonnen hatte und vielen aufgeschlossenen Landesherren als Vorbild diente.

Ein wichtiges Handelsgut war das Salz, dessen Prokopfverbrauch durch die Verwendung als Konservierungsmittel wesentlich höher war als heute. Die Salzgewinnung erfolgte vorzugsweise aus der Sole, die als Bergschatz zu den landesherrlichen Regalen gehörte. Die Erträge aus dem Salzhandel und die davon erhobenen Zölle flossen in die herrschaftliche Kasse.

In Kursachsen gab es zu Beginn des 17. Jahrhunderts nur einige kleine gewerkschaftliche Salinen wie Teuditz, Kötzschau und Altensalz. Im Übrigen war man auf die Einfuhr aus dem „Ausland“, aus Frankenhausen (Schwarzburg), Sulza (Sachsen-Altenburg) und den zum Erzstift Magdeburg gehörenden Salinen Groß-Salze und Staßfurth angewiesen. Hauptlieferant war die Saline zu Halle deren Pfännerschaft seit 100 Jahren von Kursachsen das Brennholz bezog und dafür Salz lieferte. 1680 fiel das Erzbistum Magdeburg zu dem auch Halle gehörte endgültig an Brandenburg-Preußen, was zunächst auf den Salzhandel kaum Einfluß hatte. Doch 1721 ließ Friedrich-Wilhelm I. hier eine fiskalische Saline errichten, die gegenüber der Salzbrüderschaft im „Thale“ wesentlich effektiver produzierte. Nichtsdestoweniger war die beiden Salinen auf das Brennholz aus der Saale- bzw. Elsterflöße angewiesen.

Doch durch den Salzimport ging dem kursächsischen Regenten viel Geld verloren. Außerdem blühte der Schwarzhandel und bescherte dem Fiskus weitere Einnahmeverluste. In Polen, wo Kurfürst Friedrich August 1697 zum König gewählt wurde, gab es zwar die ergiebigen Salzbergwerke von Wieliczka, aber die Entfernung und schlechte Wegeverhältnisse behinderten die Einfuhr und verteuerten das Salz.

Dazu bemerkte der Kameralist Johann Heinrich Gottlob von Justi: „Wenn nun der Landesherr selbst Salzwerke in seinen Landen hat; so ist es allerdings billig, daß er den Debit desselben vorzüglich befördert, damit unnöthiger Weise für Salz kein Geld außer Landes geht. Zu dem Ende ist es gar wohl befugt, nicht allein die Einfuhr alles fremden Salzes scharf zu verbieten, den Salzverkauf sich allein vorzubehalten, und zu diesem Behufe allenthalben Salzmagazine, Niederlagen und Verkaufshäuser anzulegen, sondern auch die Unterthanen anzuhalten, daß sie erweisen müssen, wie sie ihr benöthigtes Salz wirklich daselbst gekaufet haben, wann anhero sie sich bey dem Kaufe desselben eine Bescheinigung geben lassen müssen.“

Die Vorfinanzierung der Suche nach Solequellen und der Errichtung effektiv produzierender Salinen waren riskant und kostete viel Geld. Privatleute und Gewerkschaften waren damit überfordert, so dass hier nur der Fiskus als Unternehmer tätig werden konnte. Mit entscheidend für die Errichtung einer Sudsaline war das Vorhandensein von gutem und preiswertem Brennmaterial. Daher konzentrierte sich die Suche nach Salzquelle entlang der Flüsse, auf denen bereits eine schwunghafte Scheitholzflöße betrieben wurde.

In Artern, Kösen und Dürrenberg waren diese Voraussetzungen gegeben und es gelang Kursachsen im 18. Jahrhundert, sich mit diesen Salinen vom Ausland bei der Kochsalzproduktion unabhängig zu machen.

1681

  1. Mär. Vereinbarung zur privaten Bauholzflöße (WER Rep. D Pforta II, 1249).

Die „Flößer-Compagnie“, eine Vereinigung privater Flößer und Holzhändler, erhielt vom Schulverwalter die Genehmigung, am rechten Ufer der Saale in Höhe des Fischhauses die Flöße anzubinden und zu verkaufen. Für die Benutzung der Ufer erhielt das Schulamt jährlich 35 Taler als Entschädigung. Zu den Holzmessen durfte der Pächter des Fischhauses einen Ausschank betreiben und „Gäste setzen“. Am Kösener Holzmarkt endete die  oberländische Flöße und die Verkäufer und ihre Helfer traten den Rückweg an. Für die saaleabwärts zu bringenden Hölzer wurden von den Käufern neue Mannschaften angeworben. Dazu gehörten auch Treidler, um einen Teil der Stämme unstrutaufwärts brachten.

  1. Apr. „Unterthänigstes Memorial“ des Salzschreibers Jakob Abraham Christner.

Christner, der nach 18 Jahren aus den Diensten der herzoglich-altenburgischen Saline zu Sulza ausgeschieden war und sich in Naumburg niedergelassen hatte, schlug dem Kurfürsten Johann Georg III. die Niederbringung eines Solschachtes in Kösen vor. Seine Annahme, gerade hier Sole zu anzutreffen, begründete er mit dem für beide Orte typischen Landschaftsformen, der Flussaue mit dem Muschelkalkgebirge. Möglicherweise wußte er auch um das Salzwerk, dass der Floßschreiber Maul in seinem Diarium erwähnte und das in den Wirren des 30jährigen Krieges niedergegangen war. Vorteilhaft sei auch, dass aus der Saaleflöße genügend Holz zur Verfügung stand. Zur näheren Erkundung erbat er sich „Bergkverständige und Ruthengänger“. An Kosten rechnete er mit 800 bis 1000 Gulden.

(Quelle „Untherthänigstes Memorial wegen anbauung Eines edlen Saltzwergs Im Churfürstenthumb Sachßen“ in der Akte „Saltz Quellen in Schulambt Pfordta unweit Kösen gelegen“ - Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden Loc 31860. Quellen zur kursächsischen Saline: Loc 1337, 1338, 5293, 5294, 36345 sowie 10036 Finanzarchiv, 10026 Geheimes Kabinett, 10025 Geheimes Konsilium).

  1. Juni Zweites Memorial Christners.

Christner drängte darauf einen „solchen Baw anfangen zu lassen“ und den Schulverwalter und den Oberförster anzuweisen: „Zwölff Eichen zu solchen baw bedürfftig...zur rechten Zeit gehauen, von den Pferdten in der Schul-Pforta angeführet“ und im übrigen „alle behülflichen Mittel und wege zur befördern willigst seyn möge“. Zuerst müsse „stracks eine sogenannte Koy oder Gehäuse über den Schacht gebauet werden(.) damit die Arbeiter bey unbestimmten Wetter im trocknen sey und die Arbeit desto fleißiger fortsetzen können (.) annanhero dem Churfürstl. Floßschreiber zu Kösen befehl zu ertheilen damit Er das darzu nötige Bauholz abgeben …bemühet seyn möchte.“

  1. Juni Schreiben Christners an den Kammer-Direktor Chr. D. Bosen.

„Kann dann anhero mit Grund der Wahrheit sagen, daß im Churfürstl. Schulenambt Pforta unweit Kösen 8 bis 12 Löthige Salzquelle zu finden“. .

  1. Aug. Schreiben des Freiberger Berghauptmann Schönberg an das Kammerkollegium.

Schönburg hatte die Order bekommen, der von Christner vorgetragenen Sache nachzugehen, und teilte ihm mit: „Nachdem dem Durchl. des Heiligen Römischen Reiches, Erz-Marschallen und Churfürsten zu Sachßen … fürbracht worden, ob sollten in Dero Schulambt Pfortdten unweith Kösen, unterschiedliche Saltzquellen zu finden seyn, die wohl zu gebrauchen und ein guter nuz daraus zu machen wäre, und Höchstgedachter Sr. Churfürstl. Dl. Gründliche Nachricht davon zu haben verlangen, mit gndstn. Begehren an mich befehlende ich wolte einen (.) dahin abfertigen, sich bei dem Herrn in Naumburg anmelden, die Gegend wo solche quelle seyn sollen, von ihm zeigen, sie wohl in Augenschein nehmen und mit der Ruthe ausgehen, auch selbe nebenst deren Situation und eigentlich Bewandniß in ein Verzeichniß bringen lassen. Alß habe ich solches alles in`s Werk zu richten, den Churf. Sächs. Berg-Meister Herrn Melchior Mähdern nebenst Hanns Ludewigen, Steigern und Ruthegängern allhier mit genugsamer Instruction abgefertigt und ersuche dannehero den Herrn rigose Rescripti, gegen Aufstellung dessen, ihnen hierunter allenthalben nötige Anweisung, Nachricht, Hülfe und Vorschub zu thun...“

  1. Sep. Situationsplan des Naumburger Markscheiders Johann Schmieder (DD Loc 11337)

Der Anordnung folgend hatten der Bergmeister Mäder und der Rutengänger Ludewig zusammen mit Christner die Örtlichkeit aufgesucht. Wie befohlen, wurden die mit der Wünschelrute ermittelten Linien erfasst und darüber von Schmieder der Plan gefertigt. Dieser zeigte erstmals, wenn auch stark verzerrt und vereinfacht, Alt-Kösen, die Brücke über die Stromsaale und die über die kleine Saale, das Gehöft des Floßschreibers (heute Konditorei Schoppe) und zwei Schafställe (L.-Renn-Heim, Ostflügel „Mutigen Ritter“). Zu einem Anbau am Westgiebel des Schafstalles merkte Schmieder an: „Dies ist ein altes Gemäuer, so ietzo wieder bebaut wird“. Demnach wurde der 1680 errichtete Schulengasthof auf den Grundmauern des zerstörten Vorwerks errichtet und die darunter liegenden Kellergewölbe mit einbezogen.

Die vom Rutengänger ermittelten „Erdlinien“ kreuzten sich im Gehöft der Floßschreiberei, wo man eigentlich hätte einschlagen müssen. Doch Christner ließ unmittelbar vor dem Schafstall einschlagen, nachdem das Schulamt angewiesen wurde, Christner freie Hand zu lassen. Das Gelände lag höher und war demzufolge vor Hochwasser sicher. Am Ende das Wehrdammes, ließ Christner im rechten Winkel von der kleinen Saale ein Kunstgerinne anlegen, dass mit einer Radkunst versehen war. Dadurch konnte das daran angeschlossene Kunstgestänge in gerader Linie zum Schacht schieben, wo die  Pumpen anzutreiben, die man bei der Abteufung für die Wasserhaltung und dann zur Soleförderung brauchte.

1682

  1. Mär. Kurfürstlich-Sächsisches „Accis Mandat“ (MD C 48).

Die Landstände bewilligten die Erhebung dieser Binnensteuer auf alle Waren, die auf dem Landweg transportiert wurden, für weitere zwei Jahre. Neuerdings wurden auch alle Holz- und Böttcherwaren, die bei der Langholzflöße mitgeführt wurden, zusätzlich zum Floßzoll besteuert. Paragraf 13 regelte die Salzsteuer: „was das Salz betrifft, ist solches eine ausländische Ware und wird nur gering ohne Unterschied und soviel auch eingeführt wird, jeder Scheffel Dresdner Maß mit 6 Pfg. an den Stellen, wo das Salz eingeführt wird, erhoben“. Das brachte nicht die gewünschten Einnahmen und verstärkte die Bestrebungen, Salzquellen im eigenen Land zu erschließen.

  1. Juni Befehl an den Bergvogt des Thüringer Kreises Nikolaus Voigtel.

„Lieber getreuer, demnach Wir auf der Schul Pfordten grund und Boden unweit der Kösener Brücken nach Salzsohle einschlagen laßen, und die darbey erfordernde Aufsicht Dir anzutragen entschlossen. (.) mit dem abteuffen verfahren laßen, auch sonst diese Gebäude ufs best- und möglichste anstellen, wann Sohl getroffen, selbige mit Fleiß probiren“ und „ausführlichen Bericht in Unsere Bergkanzley zu Dreßden unterth. hinschicken.“ Damit wurde dem Bergvogt zu Eisleben die technische Oberaufsicht über die Abteufung des Schachtes übertragen. Der Schulverwalter wurde angewiesen, die Löhne und das Material aus den vom Amt eingenommenen Hufengeldern gegen Vorlage der Belege und mit entsprechender Quittung zu begleichen. (Das Hufengeld war eine Abgabe der Amtsuntertanen anstelle der Spanndienste).

Damit wurde nach fast hundertjähriger Unterbrechung wieder ein versucht, eigene Salzquellen in Kursachsen zu erschließen.

  1. Juli   Schreiben des Bergvogtes an die kurfürstliche Kammer.

Voigtel berichtete über die laufenden Arbeiten und die auftretenden Schwierigkeiten. Insbesondere beklagte er die schleppende Bereitstellung des Geldes durch den Schulbeamten, zumal man hier in zwei Schichten bei einer sechsstündigen Nachtruhe arbeiten mußte. Blieb der Lohn von 18 Groschen pro Woche aus würden sich die Arbeiter bei der Ernte verdingen.

1683

       Mai Der Solschacht ist auf 18 Lachter abgeteuft.

In dieser Tiefe (rd. 36 Meter) erwies sich die bereits im Oktober 1682 fertiggestellte Wasserkunst, die dann auch die Solepumpen antreiben sollte, als unentbehrlich bei der Wältigung des wilden Wassers, dass wegen der Nähe der Saale durch das anstehende Lockergestein auch bei sorgfältigster Ausführung der Verzimmerung immer wieder in den Schacht einbrach.   Das Wasser wurde bis zu einer Überlaufrösche gehoben, über die es in die kleine Saale floß. Fiel die Radkunst aus, soff der Schacht ab. Deshalb wurde in zwei Schichten mit einer nächtlichen sechsstündigen Ruhepause gearbeitet, um den Schacht bei bei sommerlichen Wetter und Normalstand der Saale weiter abzuteufen.

  1. Juli Schreiben Christners an den Kurfürsten.

Wegen ausstehender Löhne, drohten die Arbeiter damit, sich anderswo zu verdingen. Schuld daran waren die Schulbeamten, die mit allerlei fadenscheinigen Begründungen die von der Kammer angewiesene Zahlung aus der Schulkasse verzögerten. Christners Vorstellungen waren erfolglos, da sich die Beamten jegliche Einmischung in ihre Obliegenheiten verbaten. Daher wandte sich Christner an den Dresdener Hof.  

  1. Aug. Schreiben an den Schulverwalter Hieronymus Gläser.

Die Dresdener Kammer wies den Beamte wurde an „Du wolltest aller und ieder Verrichtung bei gedachtem Salzwercke, dich hinführo enthalten, dagegen aber die hierzu benöthigten Geldkosten Voigteln gegen Quittung von Woche zu Woche, von denen Hufengeldern, reichen und abfolgen laßen“.

  1. Okt. Schreiben Voigtels an die Bergkanzlei.

Trotz Mahnung hatte er immer noch kein Geld für die Löhne erhalten. Angeblich waren die Hufengelder noch nicht erhoben. Hinsichtlich der Arbeiten am Schacht bemerkte Voigtel, es sei „hiernechst auch höchstnothwendig, daß mit ehesten eine Radestube über das Kunst-Rad gebauet werde, damit wann etwa iehling Kälte einfallen möchte, keine Verhinderung von der Kunst halber an der Arbeith vorgehen müssen.“

  1. Okt. Erneute Mahnung des Schulbeamten durch das Kammerkollegium.

„Alß befehlen Wir hiermit ernstlich, Du wollest…die fällig gewesenen Hufengelder…ohne einigen fernern Zeit-Verlust eintreiben und davon die Bedürfnis dem Berg-Voigte zu Befriedigung derer Arbeiter…ohne weitere Verzögerung....anbefohlenermaßen bezahlen....und daß, da hierdurch .....dem Salz Wergke einiger Schaden oder Nachtheil zuwachsen sollte, Wir Uns deswegen bey Dir wieder erholen wissen würden.“ Kurz darauf erfolgte die Ablösung Gläsers und der neue Verwalter Gleichmann brachte dem Vorhaben ein ungleich größeres Interesse entgegen.

     „Inventarium Über den neuen Gasthoff zu Cösen, zum muthigen ritter genandt“ (Archiv Pforte).

Demzufolge nannte sich der Gasthof seit seiner Errichtung so und nicht, wie später behauptet, erst nach dem Brand von 1710. Dem Gasthof waren der Schank und das Gästesetzen erlaubt. Doch hatte er weder die Brau-und Brennrechte, es fehlten Stallungen für das eigene Vieh, den Vorspann oder die Tiere der Reisenden. Es gab keine Schmiede und kein Backhaus, ebenso fehlten Acker, Wiese und Weideland. Alle Wirtschaftgüter mußten aus der Ökonomie bzw. den entsprechenden Einrichtungen der Landesschule besorgt werden. Als Ausgleich erhielt der Gasthof ein „jus prohibendi“ ein Verbietungsrecht, dass es dem Pächter erlaubte, gegen jedermann vorzugehen, der im festgelegten Bereich einen weiteren Gasthof einrichten wollte, was ihm eine gewisse Monopolstellung sicherte.

1684

             Einstellung der Arbeiten am Solschacht.

Zunächst hatte das Frühjahrshochwasser die Wasserkunst in Mitleidenschaft gezogen, dann folgte eine Hitzewelle. Die Saale hatte kaum noch Wasser, die Radkunst stand und der Schacht soff ab. Dazu kamen die ständigen Querelen mit den Pachtmüllern am Wehr , in der Pforte und in Altenburg. Weil ihnen durch die Wasserkunst für den Solschacht zuviel Aufschlagwasser verloren ging, drohten sie mit der Einstellung der Pachtzahlungen. Das wiederum konnten sich die Schulbeamten nicht gefallen lassen. Auch der Pachtschäfer stellte Schadensersatzforderungen, weil ihn die Arbeiten am Schacht unmittelbar vor seinem Stall behinderten. Dies und die bisherige Erfolglosigkeit, veranlassten die Rentkammer die Geldzahlungen einzustellen, der  Schacht blieb liegen. Christner selbst beteiligte sich dann an der Wiederhebung des Salzwerkes im schwarzburgischen Plaue (s. a. A. Trinius, Wanderungen durch Thüringen Bd. 1 1886).

1685   

             Christoph Kolbe, der erste Pächter des Schulengasthofs (in WER D 34/ 2 /Nr. 767)

Kolbes unterschrieb hier die Veranlagung zur „Fleischsteuer“.

1686

  1. Apr. Befehl der kurfürstlichen Kanzlei an den Berghauptmann Abraham von Schönberg.

„Demnach die Salzsohlabgänge zu Kösen unweit der Schul-Pfordten dem angeben nach, des von euch a.o. 1681 abgefertigten Ruthengängers beym Nachschlagen nicht zu treffen seyn wollen und dahero dieser Ruthengänger noch einsten dahin verlangt wird, Als begehren wir hiermit als befehlende, ihr wollet verfügen, daß derselbige den 5. bevorstehenden Monats May in Leipzig sich unfeilbar einfinden, bey unseren auf solche Zeit alldar anwesende Cammer- und Berg-Räthen in der Rentherey sich anmelden und gewissen Bescheides gewarten solle.“ Am 28. April erhielt Ludewig dann den Befehl, sich nach Leipzig zu begeben.

  1. Okt. Befahrung des Schachtes durch den Freiberger Johann Bergner.

Bergner notierte, er habe „den Saltzbrunnen zu Cösen befahren und festgestellt, daß die Arbeiten vom Rasen nieder behülf eines an der Saale erbauten Kunstgezeuges und Streckengestänges an die 100 Ellen (56,6 Meter) uf einen Salzigen Stehenden und Spathengang niedergesunken. Wie wohl nun zwar im tieffsten etwas Sohle vorhanden, auch zu hoffen, daß wenn uf diesen Gängen tiefer niedergesunken werden solle, der Edle Quell stärker werden möchte, so hat sich doch befunden das ezliche 30 Ellen von tage nieder viel wilde Wasser zu tage erschroten werden, welche den Bau sehr kostbar gemachet und aufgehalten.“ Dennoch schlug er vor, den Bau nicht aufzugeben „sondern vor allen Dingen dahin zu trachten, wie die wilden Wasser zu tage ausgedämmt werden möchten“, was allerdings weitere 300 Gulden kosten würde.

1687

  1. Feb. Bericht des Schulverwalters Johann Christoph Gleichmann.

Gleichmann, dem befohlen wurde, den Schacht persönlich zu begutachten, meldete, dass es „vor dismahl unmöglich, indem der Schacht über 100 Ellen tief voll wilder Wasser, und solche mehr nicht allß etwa 9 ½ Ellen (rd. 5,5 Meter) von tage stehe“. Doch auch er meinte, es gäbe „zu erlangung des Edlen Quells gute Hoffnung, indem unten im Schacht alles wohl gesalzen schmeckete.“

  1. Mär. Schreiben der Kanzlers Ludwig Gebhard Freiherr v. Jagow.

Unter Bezugnahme auf die den Bericht Gleichmanns „daß die wilden Wasser in dem nach der Sohle abgesunkenen Schachte bey Kösen sehr hoch aufgegangen“ wies von Jagow den Berghauptmann an „über den Stand der sache zu berichten, auch ob Sohle alldar zu spüren, wenn deren vorhanden ob die wilden wasser ohne große kosten davon zu trennen und ob selbige Sohle so bewand, daß ein nützliches werk alldar zu hoffen, vielmehr solcher bau abzustellen und liegen zu lassen sey“.

  1. Mär. Antwortschreiben des Berghauptmanns.

In seinem dem Befahrungsbericht Bergners beigefügten Schreiben, meinte er: „Ob nun wohhl damals der Salzschreiber Jakob Abraham Christner angegeben, daß bereits edle Sohle erschroten, mir auch davon eine probe zum Versuch gezeigt, die sehr salzreich befunden, so habe doch die vom Einfahrer Johann Bergner aus dem tiefsten geschöpfte sohle gegen die von dem Salzschreiber damit beschönen wolle, daß er früh morgens seine sohle geschöpft, inzwischen aber wilde Wasser sich gesammelt hätten. Weil nun die Ruthe so wol über tags als im Schacht uf salzquellen anzeigen, daß wasser im tieffsten auch einen geringen salzgeschmack giebt, so möchte wol durch weitere abteufen stärckere und reichere sohle zu erschroten sein , wie tief aber der Schacht noch darauf abzusinken, auch ob so dann die erschrotene sohle von solcher Güte und Beschaffenheit seyn wird, daß dergl. Wercke anzustellen sey fraglich, von einer noch unvorhandenen und blos künftige Erfahrung bestehenden Sache kann E. Chfl. Dhl. ich mit nichts gewisse Vertröstung geben, sondern es beruhet auf Hassard.“

  1. Juni Befehl des Kurfürsten an den Schulverwalter Gleichmann (in Loc DD 1337).

Nach 40 Monaten sind die an dem Salzwerke zu Kösen getriebene Arbeit einzustellen“. Die bisherigen Kosten beliefen sich auf 5.000 Gulden. Allerdings meinte Kurfürst Johann Georg III.: „Sollten aber sich andre finden, so uff ihre Kosten dieses Werck weiter forttreiben wollten, wovon wir gemeinet, hierzu gehörige Concession zu ertheilen.“

  1. Aug. Antrag einer privaten Gewerkschaft zur Weiterführung der Arbeiten (in Loc DD 1337).

Die Gewerkschaft zu der der Naumburger Ratsherr und Kaufmann J. W. Leyser, J. Chr. Gleichmann, Kurfürstl. Schulamtsverweser zu Pforte, J. Chr. Schlichtegroll, Fürstl. Sächs. Amtsverwalter von Naumburg, Schönburg und Saaleck, Chr. C. Gerstenberg, Domprobsteiverwalter, G. Crügelstein, Chr. Preißer, G. Fr. Laune und der Kösener Floßschreiber G. W. Zschackwitz gehörten, beantragten die Überlassung des Solschachtes.

„Weil Ihro Churfl. Durchl. Zu Sachßen Hochverordnete Cammer-Präsident und Räthe das angefangene Salzwerk bei Kösen an der Saal zu verlassen entschlossen, als wird gehorsamst gebeten, sich heraus zu lassen 1. ob Churfl. Dhl. Diejenigen Kosten so bishero daraufgegangen, wollen fallen lassen, und wen es fündig würde, den zehenden davon zu genießen, 2. Wie theuer die Claffter Holz die Gewercken solten annehmen, 3. daß das Werck durch die Müller mit dem Wasser nicht gehindert würde, 4. daß die Gewercken freye Hand haben das Salz nach abstattung des zehendenm zu verkaufen, 5. eine Versicherung, daß wenn es Gott segnete, daß die Ufnehmer gerichtlich darby geschüzet würden und über angeführtes weiter nicht begehret würde. So hoffen, so viel Gewercke als zu einem solchen von nöthen, zusammen zu bringen und nach bergart zu bauen.“

  1. Aug. Schreiben des Berghauptmanns v. Schönberg.

Auf Anforderung des Kanzlei meinte v. Schönberg. „So ferne Ew. Chfl. Dhl. Berührtes Werck weiter vor sich zu bauen nicht gemeynet, daß denen Suplicanten solches auf ihre Kosten fortzutreiben und die hoffende Nuzung davon (.) und unbeschadet Dero hohen Regalis zu gestatten, ich nicht bedenkliches finde. 1. solle jedoch so lange angestanden werden, bis man über des bey Wittenberg auffuchenden Salzquells halt und gute gewißheit hab, 2. die Entrichtung eines höheren als des Zehenden zu bestimmen (maßen die Grafen von Schwarzburg von der Gewerckschaft des Franckenhausenschen Salzbrunnens das sechste theil nehmen, 3. sie an eine gewisse Salzordnung binden, 4. darauf gewiesen würden, daß sie das salz tüchtig weis und trocken sieden, an die salz-Cassen und andere mit dem freyen Salz-Schanck privilegierten örter im lande, nothwendigen vorrath jedes mahl abfolgen lassen und auf einen erträglichen und billigen preiß richten sollen. Vornehmlich müsse darauf gesehen werden, daß das Salz gegen frembdes bessern kauffs sey, damit E. Churfl. Dhl. hiervon an dero im künffsten vom Salzzoll guten Zuwachs und der arme Landmann einigen Vortheil haben möchte.“

  1. Sep. Erstes „Concessionum“ für Leyser & Co.

Der Gewerkschaft wurde die Weiterführung in Aussicht gestellt, falls die bei Düben gemutete Salzquelle erfolglos bleibe. Darüber hinaus musste sich die Gewerkschaft eine für die private Ausbeutung von Bergschätzen übliche Verfassung geben, die von der Bergbehörde geprüft und über das Kammerkollegium dem Kurfürsten zur Konfirmation vorzulegen war.

1688

  1. Apr. Leyser erhält die Konzession für Weiterführung des Salzwerkes.

Die Gewerkschaft wurde verpflichtet, die Bestimmungen des mit der Pfännerschaft zu Halle geschlossenen Holzkontraktes gewissenhaft zu beachten und die Brennholzflöße nicht zu behindern. Im Übrigen hatten sie den Anweisungen des Bergvogts des Thüringer Kreises Folge zu leisten.

  1. Mai Der Bergvogt bewilligt das Mutungsrecht.

Nun durfte die Gewerkschaft den abgesoffenen Schacht wältigen und weiter abteufen. Allerdings war für sie die Nutzung des Wassers für den Betrieb der Radkunst für die Pumpen nicht mehr kostenlos. Für das Wasserrecht hatten sie eine Gebühr von 2 Reichstalern pro Quartal zu zahlen, natürlich mit der Auflage, die Entnahme nicht zu Lasten der übrigen Wassermühlen in Pforte und Altenburg auszudehnen. Die Gewerkschaft war nun angehalten, die Arbeiten zügig aufzunehmen und möglichst schnell mit Erfolg abzuschließen.

     22. Juli Genehmigung der „Ordnung für Verwaltung und   Betrieb des Salzwerkes“.

In Anlehnung an die üblichen Bergordnungen wurden die Anteile der Gewerkschafter, die sog. Kuxe, die Salzabgaben und den Salzzölle verbindlich festgesetzt und die Nachfolgeregelung für den fall dass einer der Teilhaber verstirbt, festgelegt. Die Satzung wurde im Eislebener Bergbuch eingetragen.

1689

            Gesuch des Steigers Hans Reuse und des Bergmannes A. Kirrbach (Gericke 1966).

18 Monate nach der Einstellung der Arbeiten unter Christner, wandten sie sich an den Kurfürsten und baten um den noch ausstehenden Lohn: „Ew. Churfürtsl. Durchl. hierdurch unterthänigst anzugehen, hat Uns die höchste noth getrieben. Indeme wir Arme Arbeiter unsern rückständigen Lohn, den wir mit blutsaurer arbeit an den mit Gott angefangenen Salzwergsbau zu Kösen, in die Fünff Quartal lang so tags als Nachts verdient und auf 319 Rth. 15 Gr. sich belaufft, noch nicht bekommen haben.“ Deswegen hätten sie nun auch erhebliche Schulden beim Pächter des Gasthofes, der ihnen die Kosten für die Lebensmittel bislang gestundet hätte und nun deswegen mit der Pacht bei der Schule in Rückstand gekommen war.    

  1. Dez. Schreiben bezügl. des Kösener Floßschreibers (WER D 34 VIII Nr. 6).

Nach der letzten Flöße war der Floßschreiber Georg Wilhelm Zschackwitz vom Oberfloßaufseher Jost Christoph Römer von Rauenstein angewiesen worden, auf dem Stapel nicht mehr als zehn Klafter Böttcherholz, fünfzig Klafter für die Schule und 20 Klafter üblichen Deputat zu belassen und alles Übrige nach Halle abzuflößen. Bei einer Kontrolle wurde festgestellt, dass 12 Klafter über die festgesetzte Menge hier verblieben waren. Zschackwitz begründete den Mehrbestand damit, dass dieser aus der Altenburger Flöße stammte, die bei Hochwasser durch den Saalfelder Rechen gegangen, hier aufgefangen und auf Stapel gesetzt wurde. Der Kammerherr Christoph Heinrich v. Schleinitz befahl Zschackwitz und weitere Zeugen ins Schulamt, um sich von der Richtigkeit der Angaben zu überzeugen.

1690

            Die ernestinische Linie Sachsen-Jena endet (Allg. Gesch.).

Das Herzogtum fiel an die Herzöge von Sachsen-Weimar und Sachsen-Gotha-Altenburg. Die Stadt Jena kam wieder an Sachsen- Weimar, die Saline Neu-Sulza an die altenburgische Linie. Sulza produzierte in dieser Zeit 2.640 Stück Salz, die höchste Jahresmenge zwischen 1683 und 1700. Dennoch war der Nutzen gering und die herzogl.-altenburgische Kammer musste Geld zuschießen. Daher wurde die Saline an den Berghauptmann von Uitterott verpachtet, der trotz günstiger Pachtbedingungen den Vertrag 1704 aufkündigte (s.a. W.H.G Eisenach, Chron. Sulza).

            Verfahren vor dem Reichskammergericht zu Wetzlar (Stangenberger, Gedenkbuch…)

Weil es keine schriftlichen Unterlagen mehr gab, hatten die Freirodaer Einwohner die Abgaben und Frondienste gegenüber dem Rittergutsbesitzer auf Kreipitzsch verweigert. Sie beriefen sich auf eine seit alters bestehende Reichsunmittelbarkeit. Der Rittergutsbesitzer auf Kreipitzsch begründete seine Ansprüche damit, dass einer seiner Vorfahren damit belehnt wurde, als die Gemahlin des Königs Rudolph im Jahr 1254 in Freiroda eine Prinzen entband und dem dabei anwesenden Hofkavalier von Kreutz das Dorf aus Dankbarkeit geschenkt habe. Anschließend habe der König die Rudelsburg bauen lassen, von dem sie auch ihren Namen habe und diese wegen der Kosten zunächst den „Advocati terrae Variscorum fuerent“ überlassen. Allerdings wären alle diesbezüglichen Unterlagen im 30jährigen Krieg abhanden gekommen. Dennoch wurde die Geschichte geglaubt. Freiroda blieb beim Rittergut, gehörte aber mit seiner Flur zum herzogl. altenburgischen, später herzogl. meiningenschen Amt Camburg.

1692

  1. Jan. Bestellung des Floßschreibers Christoph Gottfried Wenzel (in MER C48Ic 1686).

Sein Vorgänger Zschackwitz war offensichtlich wegen Unregelmäßigkeiten seines Amtes enthoben worden. An seiner Stelle hatte Wenzel „mit allem Fleiße“ von allen Flößen, die über den Wehrdamm gingen den zwanzigsten Teil der Stämme und der Ladung als Zoll in bar oder natura zu erheben. Dazu mussten die Flöße unterhalb des Wehres anlegen. Die Stämme und die mitgeführten Holzwaren wurden vom Floßmeister taxiert, wobei die aktuellen Verkaufspreise auf den Holzmärkten als Richtschnur angenommen wurden. Die meisten Flößer verfügten kaum über bare Mittel, so dass sie den Zoll mit Waren abgalten. Das war recht umständlich, denn oft wurden die besseren Stämme gefordert, die in der Mitte des Floßes lagen, so dass diese teilweise auseinandergebunden werden mussten. Das Zollholz wurde dann vom Floßmeister zur Holzmesse gebracht und dort zugunsten des Fiskus verkauft. Aus dem Erlös wurde der Unterhalt des Floßamtes und der Bediensteten bestritten, der Rest ging an die Rentkammer. Flößer, die einen Freibrief hatten, waren vom Zoll befreit, mussten aber dennoch anlegen, um die Freibriefe vorzuweisen. Außerdem wurde die Entrichtung des Saalecker Geleits kontrolliert, eine Benutzungsabgabe die pro Floß berechnet wurde.

Vor der Leipziger Teilung waren seit 1410 Jena und Weißenfels die fiskalischen Floßzollgrenzen an der Saale. Die Verlegung des kursächsischen Zolls an den Wehrdamm erfolgte 1485, spätestens nach dem Schmalkaldischen Krieg. Sie bestand als 1611 der Rechen und der Stapel der „Commun-Flöße“ eingerichtet wurden. Der kursächsische Floß-Zoll wurde mit dem Saalecker Geleit zusammengelegt. Diese Erhebungsstelle war 1344 von den Schenken zusammen mit Schloß und Stadt dem Bischof von Naumburg-Zeitz verkaufte. Der verpachtete die Geleiteinnahme in der Folgezeit. Nachdem 1564 das Bistum mit dem Tod v. Pflugs endete, wurde das Saalecker Geleit mit dem Kösener Zoll vereinigt. Beide Abgaben wurden bis in das 19. Jh. von allen hier durchgehenden Flößen erhoben.

Als Wenzel zum Floßschreiber bestellt wurde, war Kilian Becker Floßmeister der Saalenflöße. Dessen Vorgänger wiederum war der Naumburger Advokat Johann Georg Maul (Notabilia). Wegen des Aufschwungs der Lang- und Kurzholzflöße wurden neben dem Oberaufseher der Saale-und Elsterflöße weitere Beamte bestellt, zumal sich der Floßmeister oftmals außerhalb aufhielt, um Holzlieferverträge abzuschließen und Einwurfplätze zu kontrollieren, mußte der kursächsische Floßschreiber beim Durchgang der Lang- und Kurzholzflöße ständig präsent sein. Zur Scheitholzflöße kam ein herzoglicher Gegenschreiber dazu. Wohn- und Arbeitsstätte für alle war das Floßamt an der kleinen Saale über der Brücke.  

Nach der Zollerhebung machten die Flöße am Ufer zwischen den Saalhäusern und dem Fischhaus fest. Zu Palmarum und Johanni wurden die Stämme und die als Auflast mitgeführten Holzwaren möglichst vollständig verhandelt. Danach kehrten die oberländischen Flößer und Holzhändler in ihre Heimatorte zurück, während die Käufer die Flöße saaleabwärts bis nach Alsleben brachten, wenn der Wasserstand der Saale es noch zuließ.

Die Flößerei vererbte sich in den Familien von Generation zu Generation. Es gab ganze Dörfer deren Einwohner die Flößerei betrieben wie Zeutsch oder Uhlstädt. Da die eigentliche Flöße nur wenige Wochen im Jahr beanspruchte (von Harra bis Kösen brauchte man bei gutem Wasser rund 10 Tage) wurde die Flößerei im Nebenerwerb oder zusammen mit dem Holzeinschlag betrieben.

Problematisch wurde es, wenn widrige Umstände die Langholzflöße verzögerten und man nicht rechtzeitig den Kösener Rechen erreichte, denn dieser wurde geschlossen, sobald die ersten Scheithölzer gemeldet wurden. Dann blieben die Flöße manchmal wochenlang bei Saaleck liegen.

     22. Dez. Befehl Kurfürst Johann Georg IV. an die Forstbeamten (Hohl, Beiträge…).

„…alldieweile sich das Holtz allenthalben sehr seltzam und dünne machet, Wir gleichwohl Unsere Flöße ohne Verminderung fortgesetzt wissen wollen, so ist Unser nochmahliges ernstes Begehren hierdurch, ihr wollet bey den euch gnädig anvertrauten Revieren keinen Stamm, der zur Flöße gebrauchen ist und an die Bäche gebracht werden kann, weder vor die Hammerwercke noch anderswohin anweisen…“. Demzufolge war der Raubbau in den Gehauen schon nicht mehr hinnehmbar. Weil die Brennholzflöße nach Halle dem Fiskus einen erheblichen Mittelzufluß sicherte, wurde hier diese vorgezogen. Die für die Eisenproduktion wichtigen Hammerwerke, die auf Holzkohle angewiesen waren, wurden benachteiligt. Dass diese Anordnung kontraproduktiv war, dürfte den Kameralisten recht schnell bewusst geworden sein.  

1693    

  1. Mai Eheschließung des Floßschreibers (Archiv LS Pforte)

Wenzel heiratete die Tochter des Oberförsters der Schule Eckart. Am 27. Dezember gebar sie einen Sohn, Wolff Christoph.

  1. Nov. Gründung einer neuen Mutungs-Gesellschaft.

Offenbar gab es Probleme bei der Wiederaufnahme der Schachtung, denn einige Teilhaber hatten ihre Anteile aufgekündigt. Leyser und Schlichtegroll, die das Gros der Kuxe hielten, suchten weitere Teilhaber, um die Finanzierung sicherzustellen. Als sich der Floßschreiber Wenzel beteiligte, erklärten Krügelstein und Laune sowie zwei weitere Teilhaber ihr Interesse. Zur Weiterführung der Arbeiten kam es jedoch nicht. Das Konsortium löste sich auf.

1694

  1. Mär. Reskript des Kurfürsten zur Amtseinführung des Schulverwalters Moßdorf.

„Du wirst nach Deiner angetretenen Schulen-Ambts-Administration erfahren haben, wie das zu Kösen angefangene Salzwerck die Gewercken, welche es von Uns in guten Stande und Kostbahren Inventario überkommen, bißher wüste liegen, und geschehen laßen, daß das daran vorhandene Eisen- und Holzwerck bey nächtlicher Weile, weg gestohlen und vollends ruiniret worden.“ Moßdorf wurde angewiesen alles was noch vorhanden war, sicherzustellen und zu inventarisieren.

  1. Mär. Herzoglich-Weimarische Landesverordnung (WEI Floßsachen 12161)

Darin kündigten Herzog Wilhelm-Ernst und Johann-Ernst III. den Amtsleuten, Bürgermeistern, Richtern und Räten eine Brennholzflöße auf dem herzoglich-weimarischen Teil der Saale an. Die Flöße selbst wurde vom Herzogtum Gotha-Altenburg betrieben. Auf deren Vorstellung wurden die weimarischen Amtsleute angewiesen, die Flöße vor „Deuben und Entwendung“ zu schützen, den altenburgischen Floßbeamten alle Hilfe beim geringsten Verdacht auf Unredlichkeiten zu gewähren, Übeltäter schnellsten vor Gericht zu stellen und ihrer verdienten Strafe zuzuführen..

  1. Mai Abschluss eines neuen Floßholzkontraktes mit Kursachsen (WEI. Floßwesen B 12161).

Kursachsen, Sachsen-Gotha-Altenburg und Sachsen-Eisenach vereinbarten die gemeinsame Flöße für neun Jahre. Die Beteiligten brachten je 10.000 Klafter jährlich zur Eingabe. Demzufolge belief sich die gesamt Menge auf 270.000 Klafter.

1695

  1. Mai Vertrag der Herzöge Wilhelm Ernst und Johann Georg (WEI. Floßwesen B 12161).

Nach dem Aussterben der herzoglichen Linie Sachsen-Jena (1690) fiel deren Anteil an der Flöße an den Herzog Johann-Georg von Sachsen-Eisenach. Der überließ diesen Teil seinem Vetter dem Herzog Wilhelm-Ernst zu Sachsen-Weimar für neun Jahre, wofür er 6000 Gulden erhielt. Sachsen-Weimar verpflichtete sich, die bisher mit den Schwarzburger Grafen, den Herren zu Schloss Burgk und anderen Herrschaften abgeschlossenen Liefer- und Durchleitverträge weiterzuführen. Der Floßmeister zu Jena wechselte in den Dienst von Wilhelm-Ernst. Außerdem wurde vereinbart, dass in Jena jährlich nicht mehr als 4.000 Klafter ausgesetzt und davon 250 Klafter Scheitholz für die Hofhaltung und als Deputat für die herzoglich-weimarischen Hofstaat und als Deputat der herzoglichen Bediensteten reserviert werden.

  1. Juli Floßholzkontrakt mit Halle (DD Loc 7412, Das Salzwesen 1648 bis 1696).

Nach dem Vertrag zur „Commun-Flöße“ in den kommenden 9 Jahren vereinbarte Kursachsen mit der Pfännerschaft und dem Rat die Anflöße von 200.000 Klaftern innerhalb von 10 Jahren. Als Preis wurden 70 Groschen pro Klafter vereinbart, unter der Maßgabe, dass „der bisherige Preis des Salzes weder direkt noch indirekt von dem Rate und Pfännerschaft erhöht werde.“

           Eberhardt Lingen – vormaliger Gastwirt zu Kösen (in WER D 34 V 9, Nr. 2) .

Der Nachfolger von Kolbe hatte nach Ablauf der Zeitpacht ebenfalls aufgegeben. Offenbar warf der Gasthof so wie er stand nicht genügend ab, um die Pacht zu bezahlen. Das Schulamt prüfte, ob die geschuldete Pacht erlassen oder eingetrieben werden soll. Allerdings war das nun der Ausschlag, dass man dem Gasthof mit Ställen, Scheunen, einem Backhaus und einer Schmiede komplettieren und der Pacht einige Feldstücke, Wiesen und Weideflächen dazu geben musste.

1696  

           Randnotiz zur Unterhaltung des Wehrdammes (Archiv LS Pforte).

Wenn Langholzflöße am Wehrdamm hängen blieben und der Müller mit seinem Zugvieh die Flöße über den Damm brachte, durfte dieser ein bis zwei Stämme fordern. Die Reste von kaputtgeschlagenen Flößen wurden als „Strandgut“ gesammelt und zu Gunsten der Schule verkauft. Aus dem Erlös wurden dann die Reparaturen am Damm finanziert.

03. Okt. Anordnung zur Verpachtung der Salinen Teuditz-Kötzschau (J. G. Bauß 1740)

Die beiden kleinen Salinen, übrigens die ersten die bereits um 1600 die Strohgradierung betrieben, waren im 30jährigen Krieg eingegangen. Nun pachtete sie der Obrist   v. Pfuhl, nachdem an den Berg-Meister von Freyberg der entsprechende Befehl der kurfürstlichen Kammer ergangen war:" Lieber Getreuer, Uns hat vermittelst des Anschlusses der Obrist Adam Friedrich von Pfuhl, zu Helffte umb Beleihung mit denen im Stifft Merseburg zu Deditz und Kötzschau gelegenen und  von ihm wieder gewältigten Saltz-Brunnen unterthänigst angelanget, massen daraus mit mehreren zu ersehen. Wenn wir dann dergleichen Saltz-Werck Unsern Landen zum Besten, möglichst zu befördern gemeynet, nach Befinden auch vor Uns selbst einige Kuxe zu verbauen, nicht ungeneigt. Als ist unser Begehren hiermit befehlende , du wolltest wenn gedachter Obrister v. Pfuhl uff obbesagten Saltz-Brunnen Bergläufftiger Weise Muthung bey die eingehen wird, solche über obbesagte Saltz-Brunnen zu Deditz und Kötzschau nebst der Gewerckschafft, von ihm annehmen, darauf jedoch mit Vorbedacht des Vierten Theils (weshalben wir uns, ob wir selbigen bauen, oder an jemand andres abzutreten gesonnen sind, mit nechster resoviren sollen) die Bestätigung und Belehnung Thun, und daran Unsern Willen und meynung vollbringen. Am 2. November meldete der Berg-Meister Vollzug "...habe auf gnädigen  Befehl.. Ich Andreas  Süße, Berg-Meister zu Freyberg Hr. Obristen A. F. v. Pfuhl verliehen , sechs Saltz-Brunnen zu Kötzschau auf denen Burckersrodischen Güthern, und Drey dergleichen Brunnen zu Deditz, auf den gemeinden Acker daselbst gelegen zusammt den Plätzen die zu Erbauung der Kothen, Gradir- Häuser benöthigt, wie auch das auf die Kunst-Zeuge und sonsten benöthigten Aufschlage-Wasser aus der Elster und denen bey dem Deuditzer Saltz-Brunnen nahe vorbeyführenden Bach zu gebrauchen, sonst freyen Wegen und Stegen zu Ab-und Zufuhr der Nothdurfft und allen andern Zubehörungen, jedoch älterer Gerechtigkeiten ohne Schaden..."

1697

            Verkauf der Salzquellen im Hochstift Merseburg (Andonov, Der Elsterfloßgraben).

Erwerber der vor dem 30jährigen Krieg aufgelassenen Quellen von Teuditz und Kötzschau war der Obrist von Pfuehl, der dann die Rechte einem Konsortium Leipziger Kaufleute überließ. Dieses erhielt am 22. Januar 1702 das kurfürstliche Privileg und brachte beide Werke durch die Anwendung der Dornengradierung zur neuen Blüte. Die Produktion stieg bis 1741 auf 17.000 Stück jährlich (21.760 Zentner).

1698

  1. Juni Hochwasserflut durch heftige Niederschläge (Wolff, Notabilia) .

Die gesamte Flußaue an Saale, Unstrut und Wethau stand unter Wasser.

1699

            Die Herzogtümer Sachsen-Coburg und Sachsen-Saalfeld fallen zusammen (Allg. Gesch.).

1700

            Beginn des Nordischen Krieges ( Allg. Geschichte).

Kurfürst Friedrich August, verbündete sich mit dem Zaren gegen den Schwedenkönig Karl XII. und zog damit den Krieg auch in die kursächsischen Stammlande.

1701

     Jan. Bericht des Floßoberaufsehers (MER. C48 IIIb, 5523)

Zur Neujahrsmesse zu Leipzig trafen sich die Beamten der „Commun-Flöße“ um die vorjährige Flöße auszuwerten und abzurechnen. Außerdem wurden die notwendigen Investitionen und Reparaturen am Rechen und der Stapel und deren Finanzierung besprochen, darunter die Erneuerung des Schützes am Einfall zur kleinen Saale. Wegen der anstehenden Verdoppelung der jährlich zur Eingabe gebrachten Klafter, musste der Kösener Stapel erweitert werden. Dazu sollten von der Landschule weitere Flächen gepachtet werden. Gleichzeitig sollte das der Landesschule bisher bewilligte Holzdeputat auf 50 Klafter reduziert werden, was die Verhandlungen nicht sonderlich beförderte. Erstmals war hier neue „Director und Ober-Inspector deren gesamten Flößen des Churfürstenthumes Sachsen“ der Hofjägermeister Carl Gottlob von Leubnitz anwesend.

  1. Apr. Anweisung der Dresdener Kammer an den Floßoberaufseher (MER. C48 IIIb, 5523).

Dieser wurde angewiesen, umgehend den Schütz am Scheitbach zu erneuern. Dieser versuchte, zunächst dem Schulamt als Besitzer der kleinen Saale die Kosten aufzubürden. Daraufhin beschwerte sich der Schulverwalter beim Kammerkollegium und verwies auf die Schäden, die wegen des undichten Schützes den Mühlen in Pforte und Almrich bereits entstanden waren. Die Reparatur ging nun zu Lasten der Floßkasse.

  1. Juli Vereinbarung zur Erweiterung der Stapelplätze (MER. C48 IIIb, 5523)

Die Verhandlungen mit der Landschule zur Anpachtung eines weiteren Stapels oberhalb des Rechens zwischen der Mühlwiese und der Krümme drohte wegen der gerade erst beschlossenen Reduzierung des Brennholzdeputats zu scheitern. Kursachsen sagte daraufhin zu, es bei dem bisherigen Kontingent zu belassen, allerdings ohne dazu das Einverständnis der Herzogtümer einzuholen.

1702

  1. Sept. Schreiben des Floßmeisters Wenzel (WER Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

Wenzel war inzwischen zum Nachfolger Kilian Beckers ernannt worden und erkannte, dass man bei einer Verdoppelung der Holzmengen aus der „Commun-Flöße“ mit der bisherigen Organisation nicht mehr weiterkommen würde. Nach dem 30jährigen Krieg endete der herzogliche Nachtrieb am Kösener Rechen und das Ausschleppen und auf Stapel setzen besorgten kursächsische Untertanen, die sich freiwillig verdingten oder in den Dörfern rekrutiert wurden. Das erwies sich als schwierig, da diese zur Amtsfron herangezogen wurden, was zu ständigen Reibereien mit den Amtsverwaltern führte. Noch schwieriger war es, wenn die Ankunft der Scheite mit der Aussaat zusammenfiel oder sich bis zur Erntezeit hinzog. Dann kamen oftmals nicht genügend Leute zusammen oder aus den Dörfern wurden Frauen und Kinder geschickt. Auch mit den freiwilligen Lohnarbeitern war es problematisch, denn diese wurden erst bei Ankunft der Scheite eingestellt, weil sie im Gedinge pro aufgesetzten Stapel entlohnt wurden. Kam es zu Unterbrechungen, die wegen niedrigen oder Hochwasser ständig eintraten und nicht absehbar waren, verließen die Arbeiter den Ort, um sich anderswo zu verdingen. Das wollte der Floßmeister durch eine dauerhafte Ansiedlung von Arbeitern ändern. Wenzel bot sich an, falls er einige Bauplätze vom Schulamt in Erbpacht bekäme, über die ihm die Erbgerichte zuständen, diese auf eigene Kosten bebauen und an Ansiedlungswillige die zur Scheitholzflöße gebraucht würden, zu verpachten.

Darüber hinaus bat er um die Genehmigung, ein Floßamtshaus am rechten Ufer unterhalb des Wehrdammes neben der Brücke zu bauen. Hier mussten alle Flöße anlegen um den Zoll zu errichten. Das bisherige Anwesen war im 30jährigen Krieg zerstört worden und er wohnte nun in der Floßschreiberei und der Weg auf die andere Seite der Saale war ihm offenbar zu umständlich. Für den Neubau war bereits Baumaterial angeschafft worden, doch wegen fehlender Finanzen verschob das Kammerkollegium das Vorhaben immer wieder. Wenzel schlug daher vor, dass Floßamt auf eigene Kosten zu errichten. Er bot 100 Gulden für den Platz und 200 Gulden für das Material, wenn ihm für das Grundstück ebenfalls der Erbgerichte eingeräumt würden. Außerdem verlangte er das Recht auf den Brunnen und für seine vier Kühe die Triften und die Weidenutzung des oberhalb der Mühlenwiese liegenden Stapels, solange sich dort kein Holz befand. Als Erbpacht bot er der Schule 1 Gulden und versprach im Haus „Logiamenter“ einzurichten, wo Floßbeamte, die hier dienstlich Station machten, kostenlos unterzubringen.

Nach seinem Auszug aus dem Gehöft an der kleinen Saale könnte dieses dem Floßschreiber (Georg Hartig) allein überlassen werden, zumal dieser neben dem Floßzoll neuerdings auch die Landakzise an der Brücke erhob.

  1. Okt. Anweisung des Kammerkollegiums (dto).

Das Kammerkollegium reagierte schnell und befahl dem Schulverwalter und dem Oberfloßkommisssar: „Ihr wollet euch deßen alsofort genau erkundigen, ob u. wie weit Supplicanten Suchen statt zu geben, auch wo dargegen ein daselbst unumgänglich nöthiger Floßschreiber seine Wohnung, ohne Zuwachsung eines neuen Oneris haben könne, die angefügten Puncte nach welchen Supplicant die Vererbung verlanget, wohl u. reiflich erwegen u. nebst euren pflichtmäßigen Gutachten von allen ausführlichen Bericht gehorsamst einsenden.

  1. Okt. Schreiben zum Neubau des Floßamtes (in WER Rep. D Pforta).

Das Kammerkollegium teilte dem Floßmeister Wenzel mit, dass man derzeit den Bau des Floßamtes zu Lasten der Floßkasse favoritisiert, dafür aber noch die Zustimmung des Landesherrn aussteht.

  1. Dez. Kaufvertrag über einen Halbweinberg (WER D 34/ 2/1270)

G. Wenzel erwarb von Hans Judersleben, einem Bauer aus Flemmingen einen Weinberg „unten von der Jacke an, bis oben hinaus an den Scheide-Graben“, zwischen den Bergen der Erben Hanns Kochs aus Flemmingen und des Magisters Hartmann aus Pforte. Judersleben ließ hatte das Lehen vor dem Amtmann J. Chr. Gleichmann auf und bekam 110 Gulden. Als Zeuge unterschrieben der Floßschreiber Georg Hartig und Hanns Meißner.

Die Weinberge oberhalb der „Jacke“, der Jochenberg, lagen an der Südseite des Nikolausberges und wurden von mehreren Halbpächtern bewirtschaftet. Bei einem Verkauf musste das Schulamt zustimmen und der neue Besitzer wurde verpflichtet die Halbpacht zu leisten. In diesem Zusammenhang beantragte Wenzel auch die Pacht des Weinberges seines Vorgängers des Floßmeisters Kilian Becker. Weitere Berge kamen hinzu. Als das Schulamt 1712 an Sachsen-Weimar kam, wurde die bisherige Halbpacht abgeschafft und fast alle Weinberge in Vollpacht gegeben. 1728 erwarb G. Hartig die Weinberge oberhalb des Jochenberges aus dem Wenzelschen Konkurs und verkaufts sie dann an   J. G. Borlach.

  1. Dez. Stellungnahme zur Ansiedlung (WER Altes Magdeburger).

In ihrer Stellungnahme befürworteten der Schulverwalter Moßdorf und der Oberfloßkommissars v. Osterhausen den Vorschlag Wenzels, den Platz des alten Floßhauses zu erwerben und darauf ein neues und größeres Amtsgebäude auf eigene Kosten zu erbauen. Dann könnte auch die Floßschreiberei mit dem Anwesen des Landakzise-Einnahmepächters Andreas Knopf vereinigt und dem Floßschreiber überlassen werden. Auch der Bau von Fronhäusern zur dauerhaften Ansiedlung von Arbeitern sei von Vorteil für die Flöße, da man keine Zwangsaufgebote aus den Amtsdörfern rekrutieren müsse und bei Hochwassergefahr auf die hier Wohnenden zurückgreifen könnte. Die Überlassung der Erb- und niederen Gerichtsbarkeit wäre von Nöten, um diese dann auch entsprechend zur Arbeit zu „adstringiren“. Die Schule habe ebenfalls Nutzen, durch die Erbpacht und die Obergerichte.

1703

  1. Feb. Anordnung des Kammer-Kollegiums (WER Rep D Pforta V 12 Nr. 2).

Die „zur Land Schulen verordneten Inspectoribus“ sollten sich mit Wenzel einigen „wohin sowohl das Flöß-Haus als auch der Platz, auf welchen berührte Fröhn-Häuserlein“ gebaut werden sollen, wovon der Schule kein Schaden entstehen dürfe. Abschließend hieß es: „Ihr wollet… solches bewerckstelligen… und wie weit es endlich kommen zu unserer ferneren, allergnädigsten Entschließung allerunterthänigsten Bericht pflichtgemäß erstatten.“ Der Neubau des Floßamtes durch den Floßmeister ersparte der Floßkasse rund 1600 Gulden. Allerdings wurde zur Bedingung gemacht, dass das Floßamt nach dem eingereichten Riss gebaut werden muss und die Kosten nachzuweisen sind, da man zu gegebener Zeit einen Erwerb seitens der Floßkasse nicht ausschloss.

  1. Sep. Anordnung des Kammerkollegiums (WER Altes Magdeburger).

Da die Schulbeamten immer noch zögerten, wurde nun auch der Oberfloßaufseher von Osterhausen von Wilhelm Ernst Bernhard, Vizthum von Eckstädt angewiesen, er solle:„…zu Entgehung aller Weitläufigkeiten (…..) der Nothdurft erachten, daß ihr euch mit denen zur Landschule Pforte verordneten Inspectoribus, als wohin sowohl das Floß-Hauß als auch der Plaz auf welche berührte Floß-Häußerlein gebauet werden sollen (….) vernehmen und mit Demonstration vorstellen, daß hierdurch der Schule nichts abgehen werden, zumal keine dergleichen Leute bis anhero daselbst gewesen über welche sie die Gerichte hätte ecerziren können, auch außer dem iezigen Vorschlage in Zukunft keine dahin kommen, vielmehr der Schulen Gerichtsbarkeit ratione der Obergerichte erweitert, auch deren Einkünfte durch den offerirten Erbzinß der iährlichen 6 Gr. von iedweden Frohn-Häußerlein vermehret würde.“

1704

  1. Apr. Bestätigung der Bezahlung des Weinbergs (WER D 34/2).

Hans Judersleben quittierte den Erhalt einer Teilzahlung Wenzels in Höhe von 90 Gulden und weiterer 10 Gulde, die ihm das Schulamt für die von ihm vorgenommenen Verbesserungen zahlte. Zur Sicherheit hatte das Amt 6 Eimer Wein einbehalten Die restliche 10 Gulden wollte Wenzel zahlen, wenn die Lehensauflassung im Erbbuch eingetragen wird.

1705

  1. Juli Prozess wegen einer Lehnsschuld (Thür. Staatsarchiv Rudolstadt 5-97-1400/F36).

Wegen aufgelaufener Schulden beim Herzog Moritz-Wilhelm von Sachsen-Zeitz hatte der Rittergutsbesitzer Wolf von Stein auf Lausnitz angeboten, diese durch die Lieferung von 11.000 Klafter Holz aus seinen Wäldern an Saale und Orla abzutragen. Das Angebot nahm der Herzog an und befahl dem Floßmeister Wenzel mit der Organisation. Dem wiederum fehlte es für den Einschlag und die Abflöße an Arbeitskräften, weshalb ihm der Herzog die Anwerbung von Arbeitern gestattete, für die Wenzel eine Siedlung unweit des Dorfes Lausnitz an der Orla (zwischen Pößneck und Neustadt) errichtete.

Wenzel selbst hatte offenbar den Rittergutsbesitzer kreditiert, worauf ein Verfahren aus späteren Jahren hinweist (Liquidierte Forderung des Johann Adam Dennhart bei des verstorbenen Floßmeisters zu Kösen Chr. G. Wenzels Kreditwesen und deren gesuchte Befriedigung aus des Majors Wolf Christoph von Steins zu Lausnitz - vorm. Amt Arnshaugk - anhängigen Konkurs /Pforta D 34/1/5195).

  1. Dez. Befehl zum Abschluss der Erbpacht (in WER Rep D, Pforta V12/2).

Wenzel hatte erneut beim Kammerkollegium wegen der immer noch nicht zu Stande gekommenen Verpachtung interveniert, worauf das Kammerkollegium das Schulamt anmahnte, die Sache nun endlich zum Abschluss zu bringen.

  1. Dez. Einverständniserklärung der Schulbeamten (in WER Rep D).

Die Beamten erklärten, die gewünschten Plätze nun zur Verfügung zu stellen und nach der Abmarkung den erforderlichen Pachtbrief auszustellen.

1706

  1. Jan. Bürgschaftsurkunde für die Kaution des Floßschreibers (WER D 34 II, Nr.3)

Für die Bestellung zum Floßschreiber hatte Georg Hartig eine Kaution von 1000 Gulden bei der Dresdener Rentkammer zu hinterlegen. Für ihn bürgten einige Bauern mit ihren Besitz, wie der Gernstedter Dorfschulze und Vizelandrichter Johann Schlegel der eine Hypothek von 200 Gulden auf seinen Hof in Rehehausen übernahm, sowie Hans Fachmann, Barthel Pfeiffer und Christoph Knobloch aus Hassenhausen die für jeweils für 200 bis 300 Gulden bürgten und sich der Vollstreckung in ihr Eigentum unterwarfen. Der Amtmann Moßdorff beurkundete nach Prüfung der Werthaltigkeit der verpfändeten Güter diesen Vertrag. Gleichzeitig erhielt Hartig die Schankgerechtigkeit in Neuflemmingen (WER D 34/2/767)

  1. Jan. Kaufurkunde über einen Weinberg (WER Rep D 34 II Nr. 3)

Andreas Meißner aus Lißdorf verkaufte sein väterliches Erbteil von einem Drittelweinberg seinem Bruder Simon in Flemmingen. 27 Gulden betrug der Kaufpreis, der bei der Auflassung des Lehens in bar gezahlt wurde.

  1. Feb. Anordnung zum Abschluss des Erbpachtvertrages (WER Rep. D Pforta V12 Nr.2)

Anton Albrecht Freiherr von Imhof wies den Oberfloßmeister v. Osterhausen und den Amtmann Moßdorf an: „Ihr wollet des fördersamste, einen Vererbungs-Brieff, nach Wenzels ehemaliger Erklärung, darüber veranlaßen, darbey aber auch noch ferner alles, was zu oberwehnter Schulen und Unserer Saalen-Flöße Interesse gereichen kann zugleich mit beobachten, und solchen zu Unserer fernern Entschließung, auch nach Befinden, allergnädigster Confirmation…..anhero gehorsamst einsenden.“

  1. Feb. Wenzel erwirbt einen weiteren Weinberg (WER Rep. D 34, II Nr. 3).

Dabei handelte es sich um den ersten von den Zisterziensern angelegten Berg an der Windlücke, den der Flemminger Hans Judersleben für 110 Gulden verkaufte. Wenzel baute hier einen Kelter, dessen Gewölbe noch heute zu sehen ist.

  1. Mär. Reskript zum Brennholzdeputat für die Landesschule (MER.C48 IIIb 5523).

Da sich die herzoglichen Teilhaber weigerten, der von Kursachsen einseitig bewilligten Erhöhung des Deputat zuzustimmen, gab Kursachsen nach, um nicht die gesamte Differenz zu tragen. Außerdem sollte die Landesschule das Deputat nur noch in den Jahren erhalten, in denen eine „Commun-Flöße“ stattfand. Das der Schule in den Jahren 1702 und 1706 überlassenen höhere Deputat ging zu Lasten der kursächsischen Floßkasse.

  1. Apr. Protokoll zur Abmarkung der Siedlungsparzellen (WER D 34 V12 Nr. 2)

Der Oberfloßaufseher und Amtmann von Freyburg Johann Ernst v. Osterhausen und der Schulverwalter Christoph Moßdorf maßen persönlich, die von Wenzel vorgeschlagenen Bauplätze ab. Die 32 Baustätten verteilten sich wie folgt:

1.) 2 Plätze je 15 Ellen lang u. 15 Ellen breit (8 x 8 m)„….zwischen dem Floßhauße und dem Gasthoffe, nahe an dem vormahligen Kunstgraben aus dem Salz-Schacht, welcher nicht verbauet, auch am Waßer der kleinen Saale Plaz zum Wege nach dem Lachsfang und Floß-Rechen frey gelaßen werden soll.

2.) 2 Plätze „…vom Ende des Gastwirths-Zauns biß zu Ende des Eiß-Wehrs, wo der Mühlgraben oder kleine Saale einfällt in der Länge und vom Waßer bis an das Schäffers Kraut-Land Zaun hinan in der Breite“

3.) 2 Plätze „..von der großen Weyde bis an die Erle … unter dem Berge, so am Waßer stehen 10 Ellen zum Wege gleichfalls frey bleiben soll

4.) 1 Platz „..vor den Rechenwärter am Floß-Rechen unter dem Felsen."

5.) 20 Plätze „…über der Mühlwiese, so vom wilden Graben, der übern Kösener Berge hereinkömmt meistens mit Steinen und Schutt überschwemmet…“ von „…des Gastwirths Wiese an in die Länge bis über die Quelle hinaus… dann in der Breite von dem aus der Quelle unter den Tannen ausgehenden Wäßerungs-Grabens, so über die Mühlwiese herunter … zugehet…. bis hinauff an den Kösener Bergk, wo vor diesen der Lengefelder Fahrweg quer vorüber gegangen …“

6.) 4 Plätze „… unter des Floßmeisters Garten gleich an der Straße … und über des Scheitgrabens Einfall.

7.) 1 Platz „…zum Backhauße an der großen Brücke lincker Hand, wenn man hinüber gehet.“

Als der Floßmeister weitere Plätze erbat, wurde er dahin beschieden, dass er die ihm jetzt zugewiesenen zunächst bebauen solle, dann könne er erneut vorstellig werden.

  1. Apr. „Interims-Anweisung“ der Wenzelschen-Erbpacht (WER, D 34 V 12 Nr. 2, Altes MD).

„In Nahmen Gottes“ wurde dem „Königl.-Pohln.-u. Churfürstl. Sächs. Floßmeister u. Accis-Inspector im Thüringer Creyse“ die genehmigt, ein neues Floßhaus sowie auf dem ihm zugewiesenen Flecken die „Frohnhäußerlein“ zu errichten. Allerdings weicht in dieser Aufstellung die Zahl der angewiesenen Plätze vom vorhergehenden Protokoll etwas ab. Statt der 32 Bauplätze wurden hier nur 30 aufgezählt. Dagegen wird die Länge der Siedlungsstrecke über der Mühlenwiese konkret mit 310 Ellen (ca. 175 Metern) angegeben. Dazu erhielt Wenzel „…seine Erben und künfftigen Besitzern, an wen solche Häuser und Flecken er oder dieselben abtreten oder kauffweise überlaßen werden, mit allen Rechten und Gerechtigkeiten, Erb- und Untergerichten verkaufft, zugeschlagen, eingeräumt und auf ewig vererbet“. Die Bewohner der Fronhäuser waren von „Steuer-Schocken, Quatembern, Kopff-Steuern, Accisen, Einquartierungen oder andere oneribus“ befreit, auch wenn diese erst zukünftig erhoben würden. Weiterhin erhielt Wenzel die Option auf weitere Bauplätze zu den gleichen Bedingungen. Die Fronhäuser durfte er nur an Leute geben werden, die für den Stapel benötigt werden. Die von Wenzel angebotenen 300 Gulden für den Bauplatz und das Material für das Floßamt sollten nach „allergnädigster Ratification und Confirmation“ gezahlt werden. Doch die königliche Genehmigung ließ auf sich warten. Einmal war die Stelle des Schulinspektors nicht besetzt und der Dresdener Hof mußte sich wichtigeren Dingen widmen. Denn August der Starke hatte sich den Zorn König Karl XII. zugezogen, war aus Warschau nach Kursachsen geflohen, und wurde nun von den Schweden bis hierher verfolgt.

  1. Sept. Kösener Gefecht im Nordischen Krieg (Hinsche 1930).

Zwischen sächsischen Kürassieren und schwedischer Kavallerie kam es unterhalb des Fränkenauer Berges zum Scharmützel. Dabei fiel der in schwedischen Diensten stehende aus der Walachei stammende Obrist Jan Ventul. An ihn erinnerte der „Schwedenstein“ in der Lindenstraße mit der Inschrift: Hic est sepultus Iuon Wentull sub serenissimo rege Sweciae Carolo XII Wallachorium militantium colonellus quie die XIIX. September. MDCCVI mortuus est. (Dr. Berger Bau und Kunstdenkmäler …1905).

Nach der vernichtenden Niederlage der Sachsen bei Fraustadt besetzten die Truppen Karl XII. das ganze Land, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Am 24. September verzichtete August der Starke im Friedensvertrag von Altranstädt (heute OT von Markranstädt) auf die polnische Königskrone und verpflichtete sich zur Zahlung hoher Kriegskontributionen.

  1. Sep. König Karl XII. übernachtet im „Mutigen Ritter“ (Hinsche 1930, Pahnke 1954).

Um die von der Landesschule zu zahlende Kontribution von 3000 Talern einzutreiben, besetzten die Schweden das Schulamt.

1707

            Sachsen-Eisenberg fällt an Sachsen-Gotha-Altenburg (Allg. Gesch.)

Darunter auch das Amt Camburg.

            Bericht zur Bauholzflöße (WER D 48 II c, Nr. 6).

Die herzoglich sachsen-gothaische-(altenburgische) Flöße hatte den Holzmarkt von Pforte nach Kahla verlegt. Darüber beschwerten sich die kursächsischen Käufer, die nun das Holz in Kahla kaufen und saaleabwärts bringen mußten. Das Schulamt wurde aufgefordert eine ausführliche Stellungnahme über die Hintergründe der Verlegung abzugeben. Möglicherweise war das eine Reaktion auf das anmaßende Auftreten und unberechtigte Forderungen des Floßmeisters, was ja später zu seiner Absetzung führte.

  1. Okt. Schreiben des Oberfloßkommissars (Altes Madeburger LIX cNr. 172).

Osterhausen teilte Moßdorf mit, dass „weile nunmehr die Schwedischen Troupen wieder außer Landes u. daher nöthig, daß mit Erbauung der angewiesenen Häußer vor die Floß-Arbeiter in Kösen fortgefahren werde“.

Demzufolge wurde erst mit dem Bau begonnen, als die Schweden Sachsen verlassen hatten. In Rußland erlitt Karl XII. bei Poltawa eine empfindliche Niederlage. Kursachsen war noch einmal glimpflich davon gekommen und Kurfürst August wurde mit Hilfe des Zaren wieder als polnischer König eingesetzt.

1708

  1. Mär. Schreiben Wenzels an August d. Starken (WER Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Im Glauben, dass es keine Probleme bei der „Confirmation“ des Pachtvertrages geben werde, hatte Wenzel 7 Häuser und das Floßhaus gebaut. Auf Nachfrage teilte ihm das Schulamt mit, dass man erst die Bestellung eines neuen Inspektors abwarten müsse, der zur Unterzeichnung des Pachtbriefes befugt sei, bevor dieser zur „allerhöchsten Confirmation“ dem Kammer-Kollegium zugeleitet würde. Daher eruchte Wenzel den König, dem Schulamt zu befehlen, den Erbpachtvertrag umgehend zu unterzeichnen und nach Dresden zu schicken.

  1. Mär. Genehmigung zum Bau eines Brau- und Malzhauses (WER D 34 V 12 Nr. 2).

Die Aussicht auf Verdienst und Steuerbefreiung zog Anbauwillige an, doch da es weder eine eigene Flur noch einen Markt gab, schreckte die fehlende Ernährungsgrundlage zumindest Lohnarbeiter ab, da diese nur zeitweise beim Stapel beschäftigt wurden und daher auf die Selbstversorgung angewiesen waren. Nur die alteingesessenen Pächter der Mühle und der Schäferei hatten Feld, Wiese und Garten, ebenso die Floßbeamten (Floßmeister, Floßschreiber, Rechenwärter), die einen Kraut- und Rübengarten, meist einen Weinberg, sowie Trift- und Weiderechte auf den Stapeln hatten.

Brot und Bier die Grundnahrungsmittel mussten vom Schulengasthof bezogen werden. Da dieser kein Brauhaus hatte, kam das Bier aus der Schulenbrauerei. Doch deren Kapazität war beschränkt, geeignete Lagermöglichkeiten fehlten ebenfalls. Daher sah sich Wenzel genötigt, das Braurecht für die zu seinen Gerichten gehörenden Leute zu beantragen, um diese „mit nöthigen Geträncke an Bier und Kofend (Malzkaffee) zu versorgen“. Nachdem der Tranksteuer-Revisor Kühne erklärte, dass „…solches Unsern Steuer-Interesse verträglich sei“ erhielt Wenzel das Braurecht und durfte ein Brauhaus auf eigene Kosten errichten, mit der Auflage, nichts an Fremde zu „verschenken“ und die Tranksteuer gewissenhaft beim Kreis-Amt abzuführen. Für das Brauhaus reichten die beiden Plätze am Wehrdamm (Loreleyprom. 3/3a)

  1. Mär. Floßmeister Wenzel bewirbt sich um die Gasthofpacht (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765).

In Anbetracht der 1710 auslaufenden Zeitpacht, bekundete Wenzel bereits frühzeitig sein Interesse. Offenbar sah er hier die Möglichkeit, die ihm erteilte Braugerechtigkeit mit den zur Gasthofpacht gehörenden Schank- und Gastgerechtigkeit zu vereinen (s.a. WER D 34/1/2325).

  1. Mär. Anweisung des Kammerkollegiums (WER Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Wegen Wenzels Schreiben bezüglich seiner Erbpacht wurde dem Kreishauptmann von Thüringen, dem Oberfloßkommissar v. Osterhausen und dem Amtmann Moßdorf befohlen, ihm umgehend eine Ausfertigung des Pachtbriefs auszuhändigen.

  1. Mai Beschwerdebrief des Herzogs Wilhelm-Ernst (WEI Auswärtige Ang. DS 700).

Auslöser dafür war die Behandlung der herzoglichen Deputierten bei der Beratung zum Neuabschluss des „Commun-Floß“-Vertrages in Leipzig. Ihnen hatten die kursächsischen Delegierten den Sitzplatz am Verhandlungstisch verwehrt. Dagegen intervenierten die sachsen-weimarischen und altenburgischen Herzöge Johann-Wilhelm und Wilhelm-Ernst beim Kurfürsten.  

1709

  1. Mär. Erbbauvertrag mit Christian Thieme (WER Altes Merseburger LIX c Nr. 172).

Der Zimmermann Thieme war der erste, der vom Floßmeister einen  Bauplatz pachtete und diesen auf eigene Kosten bebaute. Zwar war vereinbart, dass Wenzel die Plätze selbst bebauen sollte und nur an Leute, die er für den Stapel brauchte zu verpachten. Doch die Zahl der Bewerber hilet sich aus den o.a. Gründen in Grenzen. Allerdings lockte die Steuerbefreiung Handwerker an, die sehr wohl in der Lage waren, die Mittel für den Bau aufzubringen, zumal die Lage an diesem Verkehrsknoten auch gute Aussichten für einen guten Verdienst bot. Wegen der Entlastung von den Baukosten war es nun gängige Praxis, dass Wenzel bzw. sein Gerichtsherr der Advokat List die Plätze an Leute verpachteten, die gar nichts oder nur indirekt mit dem Stapel zu tun hatten, wie aus den ersten Einwohnerverzeichnissen Neu-Kösens hervorgeht. Zwar arbeiteten einige zeitweise hier, doch die meisten wurden in den umliegenden Dörfern, insbesondere im nahegelegenen Lengefeld angeworben. Allerdings wurden keine Amtsfröhner mehr zwangrekrutiert.

  1. Apr. Ortstermin zum Stand der Bebauung (WER Altes Magdeburger LIX c).

Ein Jahr verging bis das Schulamt der Anweisung des Kammer-Kollegiums nachkam. Eine Kommission bestehend aus dem gerade erst ernannten Schulinspektor v. Troys, dem Amtmann Moßdorf und dem Kornschreiber Joh. Dietrich begab sich vor Ort. Im Beisein des Floßmeisters wurden die 1706 angewiesenen 32 Bauplätze nochmals besichtigt und abgemarkt. Dabei wurde dem Floßmeister aufgegeben, die Ränder des „wilden Grabens, so oben vom Kösener Berg herein, und beym sogenannten Jackenberg in die Saale fällt (…) mit Zäunen und Steinkörben (zu) besetzen und einbauen, auch sonst vor aller Gefahr u. ferner Waßerschaden soweit möglich verbauen solle…“. Darüber hinaus erhielt Wenzel die Versicherung, dass „wenn er zu Anbauung dergleichen Häußer noch mehr Plaz brauchen möchte, er sich des ohnedies unbrauchbaren u. an der Straße durchgehenden Platzes von der Kösener Brücke an, bis an das Nicolausholz u. dann von der Kösener Straße bis an den Fränkenauer Weg anmaßen…“ könne.

Protokollant war P. Müller, der Floßgegenschreiber Joh. Schröter unterschrieb als Zeuge und „Außmesser“. Dabei waren der Ortsrichter Michael Otto  und der Schöppe Christoph Leppe, die ebenfalls zu den erstennamentlich bekannten Einwohnern Neu-Kösens gehörten. 

            Bericht zum Zustand bei der Bauholzflöße (WER D 48 II c, Nr. 6).

Nach der wegen der Verlegung des Holzmarktes nach Kahla verlangten Untersuchung lag nun der Bericht vor. Demzufolge hatte bereits die Einrichtung des Zolls am Wehrdamm in der Mitte des vorigen Jahrhunderts den oberländischen Flößern erhebliche Einbußen beschert. Nun hatte der Floßmeister Wenzel auch an der Ilm, die bei Darnstädt wenige 100 Meter durch kursächsisches Territorium berührte, eine Zollstelle für die bis Sulza gehenden Flöße eingerichtet. Außerdem hatte der Amtmann Chr. Moßdorff am Kösener Wehr einen „nichtsnutzigen Lachsfang“ angelegt und den Damm mit einem hölzernen Aufsatz versehen, den die Flöße bei niedrigem Wasser nicht passieren konnten. Erst mit Zusetzen des Mühlengerinnes und Hilfe Dritter gelang der Übergang, was sich der Pachtmüller Tobias Beyer ansehnlich vergüten ließ. Dann wollte auch der Rechenwärter H. Schröter davon profitieren, der den Rechen geschlossen hielt, auch wenn gar keine Scheite davor lagen und für das Öffnen ein Trinkgeld verlangte. Wer nicht zahlte, blieb oberhalb des Wehrdammes manchmal wochenlang liegen. Das wiederum erboste den Rittergutsbesitzer zu Kreipitzsch v. Creutz, der seine Fischereigerechtsame beeinträchtigt sah und für das Anlegen ebenfalls eine Entschädigung forderte. Neuerdings wurden ja auch noch die bisher von der Akzise befreiten Holzwaren, wie Schindel, Holzpfähle, Hopfenstangen, Faßdauben verzollt, die Landesschule hatte die Anbindegebühren an ihren Ufern zur Holzmesse erhöht und zu nun verlangten Wenzel und Moßdorf von jedem übergehenden Floß einen Stamm als Geschenk, weil sie im Allerheiligenberg ein „Lust- oder Schmaus-Haus“ errichten wollten.

Daher konnten die oberländischen Flößer das von den Herrschaften kreditierte Floßholz nicht bezahlen, weshalb sie sich weigerten, weiterhin bis Kursachsen zu flößen. Der Verfasser empfahl, die eigenmächtigen Praktiken des Floßmeisters und des Schulamtes umgehend abzustellen, zumal es offenbar so war, dass Beauftragte des Floßmeisters, der mit dem Amtmann unter einer Decke steckte, das Floßholz in Kahla aufkauften, ohne größere Beschwerungen zum Kösener Holzmarkt flößten und hier die Preise in die Höhe treiben würden, zum Nachteil des „Königlichen Interesses und Dero Unterthanen“.    

             Antrag des Pachtmüllers Tobias Beyer zum Bau einer Ölmühle (WER D 48 II k Nr. 13)

1710

  1. Mai Brand des Schulengasthofes (Hoppe 1930).

Dabei wurden nicht der Gasthof völlig zerstört.  Der Brand sei auf die „Verwahrlosung“ des Pächters zurückzuführen, merkte der Floßmeister Wenzel an. Die Kosten des Wiederaufbaues wurden von den Schulbeamten auf 3.000 Gulden berechnet.

  1. Juni Pachtantrag Chr. G. Wenzel (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765).

Nun bewarb er sich um die Anpachtung der Brandstelle, wobei er gleich einen Vertragsentwurf beifügte. Die Kosten für den Wiederaufbau unter seiner Regie kalkulierte er mit 2.500 Gulden, was der Schule 500 Gulden ersparen würde. Als Erbpachtzins bot er 200 Gulden an. Dafür verlangte er neben der Überlassung des „jure prohibendi“ auch die Erbgerichte über den Gasthof. Weiterhin sollte den Pächtern der Saalhäuser und des Fischhauses der Ausschank in ihren „Winkelschenken“ und dem Wirt in Almrich das Ausspannen und Beherbergen verboten werden. Außerdem verlangte er weitere Acker- und Weideflächen, um die Versorgung des Gasthofviehs, sowie der Reit- und Zugtiere zu gewähren. Wenzel Außerdem erbot sich, bis zur Wiederherstellung des Gasthofes im Floßamt   Fremde zu beherbergen, wenn ihm hier der Bau von Stallungen genehmigt würde und er die Beherbergung an dieser günstigen Stelle auch nach dem Wiederaufbau des Gasthofes weiter betreiben dürfe.

  1. Juli Der Amtmann befürwortet den Antrag des Floßmeisters (WER dto).

Dies geschah unter Verweis auf die Kosten, die sich die Schule beim Wiederaufbau des abgebrannten Gasthofes ersparen könnte.

  1. Aug. Schreiben des Dresdner Hofes an das Schulamt (WER dto.)

Wenzel hatte inzwischen den Pachtvertragsentwurf modifiziert. Er kalkulierte mit 2.000 Gulden Wiederaufbaukosten, falls das Schulamt Bauholz, Ziegel, Kalk und Fronarbeiter stellen würde. Zur angebotenen Erbpacht wollte er 30 Gulden Hufschlaggeld für 12 Einstellpferde, 40 Gulden Pacht für zusätzliche Ackerflächen und 20 Gulden für die Genehmigung eines Ausschanks am „Beywege zu Frenckel“ zahlen. Doch das Kammerkollegium in Dresden bestand darauf, dass die Schule den Wiederaufbau des Gasthofes selbst übernimmt.

  1. Okt. Schreiben des Schulamtes (WER dto.)

Der Verwalter berichtete, dass der Gasthof in Kürze gerichtet wird und den Arbeitern die Hälfte des Lohnes gezahlt wurde. Hinsichtlich des Pachtantrages von Wenzel bat er um weitere Anweisung und befürwortete die Verpachtung der beantragten Acker- und Weideflächen. Positiv sei, so der Beamte, dass man mit dem im Gasthof anfallenden Mist die kargen Böden zwischen dem Jackenberg und der Ilske verbessern kann.

1711

  1. Jan. Erneuter Antrag Wenzels zur Gasthofpacht (WER dto).

Nachdem der Antrag auf Dauererbpacht abgelehnt wurde, schlug er eine Zeitpacht von 30 Jahren vor, um seine Aufwendungen für die Einrichtung des Gasthofes zu refinanzieren.

  1. Feb. Befehl der Dresdener Kammer zur Verpachtung des Gasthofes (WER dto).

Das Schulamt wurde angewiesen, dem Floßmeister den Gasthof auf 10 Jahre für eine Jahrespacht von 300 Gulden und bei Hinterlegung einer Kaution zu überlassen.

  1. Mär. Bereitschaftserklärung Wenzels (WER dto).

Wenzel akzeptierte dieses Angebot, erhielt noch am gleichen Tag die Genehmigung und durfte ab Ostern bis zur Fertigstellung des Gasthofes Fremde im Floßamt beherbergen und bewirten. Weiterhin wurde ihm der Betrieb einer „Beyschencke zu Fränckel“ gestattet und   „etliche Stücke Feld über der Saale“ verpachtet. Da sich die Beurkundung und Bestätigung verzögerte, erhielt Wenzel einen vorläufigen Pachtbrief. Als Sicherheit verpfändete Wenzel seinen Weinberg an der Windlücke, einen Obstgarten, einen „Hopfberg“, einen Kalkbruch mit Kalkofen und ein Winzerhaus auf dem Keppelberg, im Gesamtwert von 2000 Talern.

Wie lange Wenzel die Pacht inne hatte, geht aus den Archiven nicht hervor. Als er 1717 vom Dienst suspendiert und sein Eigentum beschlagnahmt wurde, findet sich kein Hinweis auf den Gasthof. Das Brauhaus behielt er bis zu seinem Tod.

  1. Nov. Pachtvertrag über die obere Mühlwiese (MER C48Ic Nr.1686).

Bevor die „Commun-Flöße“ die Wiese mit einer Fläche von 7 Ackern für 50 Gulden Jahrespacht übernahm, sollte eine „accurate Ausmaßung“ vorgenommen und die Fläche abgesteckt werden.

  1. Dez Schreiben der Kammerräte an August d. Starken (WEI Floßwesen B 12161).

Das Herzogtum Weimar hatte Kursachsen den ihm verpfändeten Anteil des Herzogtums Sachsen- Gotha an der Saaleflöße zum Kauf angeboten. Das Angebot war akzeptabel, denn der Erlös überstieg den Kaufpreis. Doch es gab einen Haken. Kurfürst Friedrich August hatte dem tief in Schulden steckenden Herzog von Sachsen-Weißenfels Geld vorgeschossen, dass er sich beim Herzog von Weimar geborgt hatte. Zur Sicherheit hatte er diesem das Amt Eckartsberga verpfändet. Die Kanzlei Weimar schlug nun vor, mit dem Kaufpreis die auf dem Amt Eckartsberga liegende Verpfändung abzulösen. Dann wollte man sich direkt mit dem Weißenfelser Herzog einigen. Demnach stand dieser auch beim Herzog von Weimar in der Kreide. Die Kammerräte rieten von einer Vermischung der beiden Angelegenheiten ab und plädierten für den gesonderten Erwerb der gothaischen Floß-Anteile.  

1712      

  1. Mär. Beschwerde des Amtmannes Chr. A. Kette (WER D 34 V12, Nr.2).

Anlass war ein von Wenzel neben dem Floßamt errichteter Schuppen, wo Reittiere und Gefährt untergestellt wurden. Wenzel konnte sich zwar auf den entsprechenden Passus seiner Gasthofpacht berufen, die ihm die Beherbergung von Reisenden im Floßamt während des Wiederaufbaues des Schulgasthofes gestattete, doch die eigentliche Bauanzeige hatte er wohl versäumt. Nun verlangte der Amtsnachfolger Moßdorfs den Abriss des Gebäudes. Daraufhin verklagte Wenzel Kette vor dem Oberhofgericht in Leipzig. Kette seinerseits wandte sich nun an die Dresdener Kammer. Daraufhin eskalierte der ohnehin schon schwelende Konflikt zwischen dem Floßmeister und den Schulbeamten.

  1. Mai Schreiben Herzog Johann Wilhelms v. Sachsen-Weimar (WEI B 12167).

Dem herzogl. Oberfloßmeister J. G. Hochhausen wurde befohlen, einen geeigneten Nachfolger für den verstorbenen herzogl. Floßgegenschreiber Hoppe für den Kösener Stapel zu benennen.

  1. Sep. Berufung einer Kommission zur Klärung der Streitigkeiten (WER D 34 V12 Nr. 2).

Friedrich-August befahl dem Kammer- und Bergrat von Plötz und dem Oberamtmann des Thüringer Kreises E. Fr. Meurer aus Tennstedt die von: „besagten Wentzels sämtliche, von der Land-Schulen Pforta, nach und nach an sich gezogene Grundstücke zu untersuchen, und ihren ausführlichen Bericht zu erstatten.“ Dem Floßmeister wurde Strafe angedroht, wenn er bis zur Klärung des Falles weitere juristische Schritte unternehmen sollte. In einem zweiten Schreiben wurde auch dem Amtmann untersagt, sich auf einem Prozess einzulassen. Die Kommission reichte einen Vorbericht ein und beantragte bei der Rentkammer einen Reisekostenzuschuss, um die Sache vor Ort zu untersuchen. Dieser wurde ihnen nicht gewährt und als kurz danach der Wiederkaufsvertrag mit dem Herzog von Weimar zustande kam, blieb die Angelegenheit liegen.

  1. Sep. Untersuchungsbericht zum kursächsischen Salzwesen (DD Loc 4512).

G. Wenzel und J. A. Dennhart erstatteten den Bericht über die Saline Teuditz im Zusammenhang mit der „Untersuchung derer im Churfürstenthumb Sachßen und incorporirten Landen befindlichen Salz-Wercke und Salz-Quellen auch Saalen- und Unstruth-Flöße und darzu benöthigter Floßhölzer.“ Damit begann in Kursachsen unter August dem Starken die Bestrebungen die Salzproduktion und die Brennholzversorgung zu verbessern. Erstes Konsequenz war, dass sich August der Starke im Wiederkaufsvertrag die Floßregale und die Nutzungsrechte an möglichen Solequellen vorbehielt.

  1. Okt. Wiederkaufsvertrag (WEI. Ausw. Angel. DS 2109* u. WER H 82 Nr. 675).

Wegen der immensen Kosten infolge des Nordischen Krieges und der kostspieligen Hofhaltungen in Dresden und Warschau wurde das Schulamt Pforte samt Zubehör dem Herzog Wilhelm-Ernst von Sachsen-Weimar verpfändet. Die Pacht begann zu Michaelis 1713 und sollte 12 Jahre währen. Danach sollte über eine Verlängerung oder einen Rückerwerb entschieden werden.

Mit der Überlassung kamen alle Amtsuntertanen unter die herzoglich-weimarischen Ober- und Unter-Gerichten, ausgenommen die Floßbeamten, für die weiterhin die kursächsischen Gerichtsbarkeit galt, ebenso wie das den Wenzelschen Gerichten zugehörende Neu-Kösen. Insgesamt 21 Paragrafen regelten die Rechts-, Besitz- und Nutzungsverhältnisse für das verpfändete Amt.

Punkt 2 des „Wiederkaufscontractes“ betraf die beim Kurfürsten verbleibenden Gerechtigkeiten: „Davon sind ausgenommen, die Landes Fürstl. Hoheit Wald- und Forstnutzungen (jedoch, daß die Bedürfniß am Holz zur Schule und Amtserhaltung ohne Entgeld abgezogen werde). Weiter die Wald-Zinsen, Salz-Quellen samt allen andern Bergwerken, wie auch denen der Flößer mit denen dazu gehörigen Floßarbeitern zu Kösen samt der Jurisdiktion über die Floß-Beamten, Diener und Arbeiter soweit es die Floßarbeit anlangt, nicht weniger die zu solcher Flöße benötigte Holz-Aussatz-Plätze gegen den bisherigen Abtrag und Deputat und Geleite“.

Außerdem behielt sich Friedrich-August vor, im Bedarfsfall weitere „Manufactur Häußer“ anzulegen, was er zwei Jahre später der „Kösener Societät“ gestattete.

Der Jahresertrag des Amtes wurde mit 17.000 Gulden beziffert, dazu kamen noch 1.000 Gulden aus der Floßkasse. Der Herzog verpflichtete sich, den Unterhalt der Schule der jährlich 12.000 Gulden betrug aus den Erträgen des Amtes abzugelten. Die Geleite des Herzogs von Sachsen-Zeitz kosteten ihm weitere 1.000 Gulden. Damit blieb ihm ein Überschuss von 5.000 Gulden, was einer Verzinsung von 5% entsprach. Die Rückkaufsumme wurde auf 100.000 Gulden festgesetzt.

  1. Nov. Erlass des Herzogs von Weimar-Eisenach (Stadtarchiv Jena B V d 12a).

Den Jenaer Amtsuntertanen wurde der private Bauholzhandel untersagt. Nun folgten ein längerer Streit und ein umfangreicher Briefwechsel zwischen dem Floßaufseher, der Stadt Jena, der herzoglichen Kanzlei und den privaten Holzhändlern, dem Werkmeister Wohlgezogen und dem Zimmermann Zeiger aus Jena.

  1. Nov. Inventarliste zur Übergabe des Amtes an das Herzogtum (WEI D II 2101).

382 Seiten umfasste das „Inventarium über die bey der Churfürstl. Sächs. Land Schul zu Pforta und denen zugehörigen Forwergen als zu Kößen, Cuculau, Frenkenau, Gernstedt, Memleben, Hechendorf, Saalhauße befindlichen und zu gelobe angeschlagenen Inventarien, wie solche Sr. Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen Weimar übergeben werden“.

Die Urkunde besiegelten J. G. Wichmanshausen, Kgl. Poln. u. Kurf. Sächs. Kammer-kommissionsrat, Chr. A. Kette, Kgl. Poln. und Kurf. Sächs. Amtmann von Pforta und Schriftsasse für die kursächsischen Ämter Eckartsberga, Freyburg und Weißenfels und der Schulverwalter J. G. Otto vor einem Notar und vier Zeugen.

Die Listen erfassten akribisch jedes Stück Vieh und dessen Wert, jedes Gebäude, dessen Zustand und Bewertung. Das Vorwerk Kösen samt Schäferei hielt dazumal 15 Kühe, deren Wert auf 111 Taler geschätzt wurde und 518 Schafe im Wert von 909 Talern. Pferde, Schweine und Federvieh wurden hier nicht gehalten. In Kukulau befanden sich 5 Pferde, 9 Kühe, 19 Schweine und 148 Schafe.

Auch das Inventar und Zubehör des Fischhauses und des „Saal- oder Wintzer Hauß bey der Pforta“ wurden aufgeführt.

Ausführlich wurde das Wohnhaus des Schäfers beschrieben. Vor dem Hauseingang, der mit „steinern Thür Gewände“ versehen war, befand sich ein Backhaus mit reparaturbedürftigen Schindeldach, umgeben von „Kraut- und Rübenland“. Im Erdgeschoß lagen Speisekammer, Käsekammer, Küche, Mägdekammer, Stube und Schlafkammer des Schäfers. Der Boden diente als Futter- und Strohlager. Ein Kellergewölbe, Kuhstall, Kälberstall, Schafstall und Scheune vervollständigten das Anwesen.

Auch der neue Schulen-Gasthof wurde beschrieben. Dieser war zweigeschossig aufgeführt. Die uralten Kellergewölbe dienten als Speisekammern. Im Erdgeschoß befand sich die Gaststube samt Küche, im Obergeschoß gab es den Schlafraum für die Gäste und die Kammern des Pächters und seines Gesindes. Auch an das „Secret“ war gedacht, das mit „einer gedoppelten mit Brettern verschlagenen Brille“ versehen war. Das Dach diente als Lagerboden. Auf dem Hof befanden sich mehrere Ställe und die Gasthofschmiede. Hier lag auch noch einiges „an alten Eisen aus dem Saltz-Schacht“.

Die Mühle hatte 3 Mühlgerinne und die Fischereianlage am Wehr mit „hölzerner Treppe von 3 Stufen nebst der Unterlage zum Lachsfang“ und ein Backhaus. Auch die Kettenbrücke wurde erwähnt „diese hat auf beiden Seiten steinerne Wände, oben mit Werkstücken belegt.“    

  1. Dez. Memorial der herzoglichen Kammer zu Weimar (WEI DS 2110).

G. Götte, Pächter der Kösener Schäferei seit 1698, bat wegen finanzieller Probleme um die Freigabe seiner Pachtkaution von 500 Talern, für die sich u.a. auch der Floßmeister Wenzel verbürgt hatte. Daraufhin folgte eine Neuverpachtung der Schäferei.

1713

  1. Mai Schreiben des kursächsischen Oberfloßmeisters (WEI Floßsachen B 12167)

E. v. Osterhausen teilte seinen herzogl. Amtskollegen J. G. Hochhausen mit, dass auf Anweisung der Dresdener Kammer, die auf dem Kösener Stapel liegenden 16.000 Klafter Scheitholz nach Halle abgegangen waren. Aus dem in Kösen aufgesetzten Schreiben geht weiterhin hervor, dass es im laufenden Jahr keinen Commun-Floß-Contract gab, man aber davon ausgehe, dass 1714 wieder ein neuer Vertrag zustande kommt. Daher sollten sich die herzoglichen Beamten schon auf den bevorstehenden Holzeinschlag vorbereiten.

  1. Mai Jahresbericht des Schäfers an den Weimarer Hof (WEI Auswärt. Angel. DS 2110).

Die „Hammelung-und Wollenschur-Tabella“ erfasste die Bestände, Abgänge und Erträge der Pachtschäferei und musste jährlich der Weimarer Kammer vorgelegt werden. Die Herde zählte zum Stichtag 429 Schafe, 310 Hammel, 171 Jährlinge und 187 Lämmer, also 1197 Tiere. Als „Dienstvieh“ standen dem Oberknecht 55 Tiere zu (er hatte jedoch 82), dem Hammelknecht 50 (62), dem Lämmerknecht 50 (52) und dem Hausknecht 45 (49). Auch der Amtmann hatte 63 Stück Dienstvieh in der Herde. Bis zur Wollschur waren dem neuen Pächter G. Becher 25 Tiere verendet. An Wolle verzeichnete die Tabelle 84 Bund Langwolle und 1 ½ Sack Lammwolle. Die Tiere des Amtmannes brachten 3 Bund Wolle.

  1. Juni Erlass der herzogl.-weimarischen Rentkammer (Stadtarchiv Jena B Vd 12a) .

Der Oberfloßmeister Johann Georg von Hochhausen wurde vom Herzog Johann-Wilhelms angewiesen, mit dem Jenaer Rat einen auf drei Jahre befristeten Scheitholzvertrag zum Bezug des gesamten Brennholzbedarf vom herzoglichen Stapel abschließen und dem Werkmeister Wohlgezogen und zahlreichen Brennholzhökern den private Holzhandel zu untersagen. Damit sicherte sich der Herzog das Monopol und ansehnliche Einnahmen, die dringend für die ehrgeizigen Bauprojekte in und um Weimar benötigt wurden.

  1. Aug. Schreiben der Dresdener Kammer an die herzogl. Kammer zu Eisenach (WEI B 12167)

Darin wurde mitgeteilt, dass man auch im laufenden Jahr die bisher mit der Pfännerschaft vereinbarte Gesamtmenge anflößen wird auch wenn es noch keinen neuen Kontrakt gab. Dazu wurden die herzoglichen Beamten zur bevorstehenden Leipziger Michaelismesse eingeladen, um über die Rahmenbedingungen zur Fortführung der Commun -Flöße zu verhandeln.

  1. Sep. Dekret August des Starken zur „Cösener Sozietät“ (DD Loc 10412/23-25-27).

Die Gesellschaft hatte dem „Hochgeehrten Herrn Statthalter“ von Kursachsen, dem Reichsfürsten Anton Egon von Fürstenberg-Heiligenberg (geb. 1656) ihre Pläne vorgetragen und der wiederum hatte diese August dem Starken empfohlen.

Der König versicherte der Gesellschaft sein allergnädigstes Interesse, zumal deren Vorschläge zur Vermehrung der Staatseinnahmen beitrugen und forderte den weiteren Verfolg der Sache

  1. Okt. Bittschreiben der Halbweinbergsbesitzer an den Weimarer Hof (WEI DS 2134).

Bisher mussten die Pächter der Landesschule die Hälfte des Ertrages an Wein, Hopfen, Äpfeln und Nüssen abgeben. Der Schulverwalter hatte nun versucht, dies auch auf Pflaumen, Kirschen und andere Obstarten auszudehnen, wogegen die Pächter Einspruch erhoben und dem Herzog um Rücknahme dieser Anordnung baten.

  1. Nov. Schreiben der herzogl.-sächs.-weimarischen Rentkammer (Stadtarchiv Jena).

Der Magistrat von Jena wurde aufgefordert, einen umfassenden Bericht über die näheren Umstände des vom Werkmeister Wohlgezogen betriebenen Floßholzhandels in Jena abzugeben. Dieser hatte trotz Verbots, weiter das in seinem Lager befindliche Brennholz verkauft, was der Floßmeister mitbekam und vorschriftsmäßig der Kammer Meldung erstattete.

             Der Schulverwalter Georg Phillipp Pfersdorf verstirbt (WER D 34/1/377).

1714

  1. Mär. Vertrag mit der „Kösener Societät“ (Stadtarchiv Naumburg, Urk. 282, DD 10412/26).

Die „Principale“ Johann Justus v. Klenau, der Bergverwalter Johann Christoph Henning und der Floßmeister Christoph Gottfried Wenzel verpflichteten sich, bei Gewährung der von ihnen gewünschten Privilegien und Ratifikation des Vertrages bei der Rentkammer 50.000 Gulden zu hinterlegen. Weitere 150.000 Gulden sollten bis Ostern 1715 folgen. Danach versprachen sie jährlich weitere 50.000 Gulden aus den Überschüssen zuzüglich der üblichen Steuern und Abgaben, wobei der vereinbarte Vorschuss innerhalb von 10 Jahren verrechnet werden sollte, der bis dahin mit 6% verzinst wurde. Diesem Angebot konnte sich der ständig nach neuen Geldquellen suchende August der Starke nicht entziehen. Er willigte mit der Einschränkung ein, dass seinen Untertanen dabei kein Schaden zugefügt würde. Doch die Pläne mit denen die Sozietät die hohen Erträge zu erreichen gedachte, waren sehr spekulativ. So erklärten sie, im Besitz eines als „Arcanum“ bezeichneten Wundermittels zu sein, das bei der Versiedung geringer Sole eine rasche Auskristallisierung bringe, wobei nur die Hälfte der sonst üblichen Brennstoffmenge benötigt würde und somit der Gewinn beim Verkauf erheblich sei.

Die Sozietät erhielt die Gewinnungsrechte für Sole im Amt Artern, die Erlaubnis, das dort niederliegende Salzwerk wieder aufzubauen und die Bergrechte zum Abbau von Erdkohle. Für die die Bereitschaft Schleusen und Dämmen an der Unstrut und der Gera zu errichten, erhielten sie hier die alleinigen Floßrechte. Bei Holzmangel durfte Brennholz aus der Saaleflöße über die Unstrut nach Artern gebracht werden.

Auch für Poserna und Burg-Liebenau wurde die Berechtigung zur Solegewinnung und die Schürfrechte nach Kohle erteilt, sowie die Zollfreiheit für jährlich rund 1.500 Klafter Bauholz auf der Saale.

Für ihren Hauptsitz „Cösen“ bewilligte August der Starke den „Contrahenten“ neben den Schürf- und Bergrechten, den Erwerb von Bauplätzen von der Schulpforte. Hier sollte ein „Chymisch Laboratorium“ entstehen, wo man das „studio in metallicis et minerabilus“ zum Zwecke der Umwandlung von Eisen in Kupfer und Salz in Schießpulver betreiben könne. Außerdem wurden ihnen und ihren Erben die Anlage weiterer Manufakturen und die Überlassung von 100 Bauplätzen samt den Erbgerichten versprochen. Das Schulamt sollte jährlich 6 Groschen für die Kirchenaufsicht und 6 Groschen für die Überlassung der Gerichte von jedem errichteten Gebäude erhalten. Des Weiteren wurde der Gesellschaft die Schankgerechtigkeit, die Abhaltung eines Viehmarktes pro Jahr und zweier Wochenmärkte gestattet. Dazu erhielten sie die Genehmigung eine Sägemühle zu errichten, Ziegel und Kalk zu brennen und Steine zu brechen. Außerdem versprach der König sich beim Herzog von Weimar für die Verpachtung der Mühle und des Gasthofs an die Sozietät zu verwenden.

Alle bebauten und bewohnten Plätze sollten sechs Jahre von Steuern, Einquartierungen und allen übrigen Belastungen befreit werden, was Siedlungswillige anziehen sollte. Danach wollte die Sozietät jährlich 24 Groschen je Wohnstätte zur Steuer und General-Akzise, sowie 60 Gulden für die Brau- und Fleischsteuer an die kurfürstliche Rentkammer abführen.

Weiterhin wurde der Sozietät zur Befolgung der „evangelischen Religion“ die Stiftung einer Kirche und einer Schule erlaubt, wenn sie die Diener angemessen entlohnen würden und diese Personen vom Leipziger Konsistorium bestätigt seien. Als Bauplatz für eine Kirche mit einem Glockenturm wurde im Vertrag die „wüste Kirche hinter dem Gasthofe zu Kösen, worin die Schule zeithero ihr Getreyde gelagert“ aufgeführt, das ehemalige Klostervorwerk das im 30jährigen Krieg zerstört wurde.        

Die Urkunde wurde in vier Exemplaren ausgefertigt von denen eines beim König verblieb, das zweite beim Statthalter bzw. dem Geheimen Konzil, das dritte beim Kammerkollegium und das Vierte bei der Sozietät. Mit der Kontrolle der Einhaltung der 28 Paragrafen wurden der Statthalter und das „Geheime Concil“ beauftragt.

Trotz des Wiederkaufvertrages mit dem Herzog von Sachsen-Weimar konnte August diesen Vertrag mit der Sozietät abschließen, da sich Kursachsen die Rechte auf die Flöße, auf Bergwerke und Salzquellen, auch wenn sie noch gar nicht erschlossen waren, vorbehalten hatte. Der Vertrag dürfte beim Schulamt kaum auf Zustimmung gestoßen sein, weil damit ein erheblicher Eingriff in die Amtsgerichtsbarkeit absehbar war, zumal auch die Wenzelschen Gerichte ausdrücklich bestätigt wurden.

  1. Okt. Intervention des Naumburger Rates (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Die Naumburger Bürgerschaft sah sich durch die der „Societät“ erteilten Privilegien benachteiligt. Insbesondere das Marktrecht und die Befreiung der dort verhandelten „Victualien“ von der „General-Consumtions-Accise“ auf sechs Jahre ließ das Ausbleiben der Bauern und Händler der südlich und südwestlich liegenden Ortschaften vom Naumburger Wochenmärkten befürchten. Das würde zum Schaden des bürgerlichen Nahrungserwerbs gehen, meinte die Bürgerschaft.

Da aber die der Sozietät erteilten Privilegien kurfürstliche Regale betrafen und das Schulamt dem Herzog von Sachsen-Weimar wiederkäuflich überlassen war, lief der Protest beim Administrator des Domstiftes dem Herzog von Sachsen-Zeitz Moritz-Wilhelm ins Leere.

             Beschwerde über den Floßschreiber G. Hartig (WER D 34 Anh. 2 Nr. 1262).

1715

  1. Sep. Kursächsisches Mandat zur Salzeinfuhr (DD Loc 7411 Der Salzschank…).

Unter dem Titel „wider die Einführung des fremden Saltzes in Dero Lande“ versicherte August der Starke, dass „kein anderes als Hallisches“ importiert werden solle. Trotzdem veringerte sich die Flöße nach Halle auf 6000 Klafter.  

  1. Okt. Untersuchungsbericht zum Zustand der Weinberge (WEI Auswärt. Angel. DS 2134).

Das Schreiben der Winzer hatte die herzogl. Kammer veranlaßt, sich näher mit dem Weinbau zu befassen. Die dafür eingesetzte Kommission listete 48 Halbpacht- und 4 eigene Weinberge. Das waren 6 weniger als im Erbbuch von 1551 angeführt. Möglicherweise betraf dies die Lage am Nikolausberg die nach und nach der Floßmeister Wenzel erworben hatte. Die Berge waren alle in schlechten Zustand. Das sei: „theils auf den lieben Gott, theils auf Grund und Boden, theils von denen Administration der Schulen, theils auch und meistens von der Wintzer Faulheit und Eigennützigkeit“ zurückzuführen. Außerdem hätten der Befall mit der „rothen Loh“ und die Winderosion die Erträge gemindert. Die Nachzucht in der amtseigenen „Knoot- Schule“ war dem Rotstift zum Opfer gefallen. Die Halbwinzer ließen die Rebstöcke verkommen und bauten lieber Hopfen, Buschwerk zur Brennholzgewinnung und Gras an. Außerdem wurde trotz emsiger Kontrolle der Oberwinzer die Düngung vernachlässigt. Die Kommission schlug den Erlass einer neuen Winzer-Ordnung, die Anfuhr von Teichschlamm zur Melioration des Allerheiligenberges, die Anfuhr von 168 Fuder Mist jährlich von den Vorwerken Fränkenau, Kukulau sowie aus der Viehhaltungen des Schäfers und des Müllers auf die Berge der Halbpächter vor. Für die eigenen Lagen (Sanktorum, Steinmeister, Voigtsberg, Saaleberg) würden jährlich 120 Fuder ausreichen. Weiterhin sollten jährlich 20.000 Fechser in der Knoot-Schule gezogen und nach drei Jahren gesetzt werden, nachlässige Pachtwinzer bestraft, unbelehrbaren die Pacht aufgekündigt werden.

Als Fazit empfahl die herzogliche Kommission, die Halbberge gänzlich in Erbpacht zu geben, da die Erträge von den 4 schuleigenen Bergen bei sorgfältiger Pflege für den Eigenbedarf ausreichten.

1716        

  1. Mär. Schreiben des Floßmeisters Wenzel (WER D 34 V12 Nr. 2).

Wenzels Privilgien standen auf wackligen Füßen, da die „Confirmation“ seines Pachtvertrages und der damit verbundenen Privilegien nicht erfolgte. Als er persönlich beim Kammerkollegium in Dresden erschien, wurde er nicht vorgelassen. Er sollte sein Anliegen schriftlich einreichen, was er auch gleich erledigte. Wenzel bat den König, die ihm 1706 überlassenen Rechte, die ja auch im Wiederkaufsvertrag von 1714 erwähnt waren, doch noch zu zu bestätigen. Denn schließlich habe er in gutem Glauben bereits 13 Plätze bebaut.

Dabei handelte es sich um die durchgehende Bebauung der rechten Seite des nach Lengefeld führenden Fahrweges (heute Borlachstr. Nr., 4 bis 30) und des Brauhauses am Wehrdamm.

  1. Juli Schreiben des Kunstbaumeisters Georg Stahl (Gericke 1966).

Stahl war von der Societät Anfang 1715 verpflichtet worden, die zur Wältigung des Solschachtes erforderliche Instandsetzung des Kunstrades und des Gestänges zu übernehmen, mit der Auflage, während seines Aufenthaltes keine anderen Arbeiten anzunehmen. Aber weder mit den Arbeiten wurde begonnen noch habe er die vereinbarte Besoldung habe er erhalten. Da das Ende der Sozietät absehbar war, wandte er sich an die Kammer, die ihm natürlich nicht helfen konnte.

  1. Sep. Schreiben des Kösener Schäfers an den Weimarer Hof (WEI. DS 2110).

P. Braun, Pächter seit Michaelis 1715 gab die Schäferei wegen zahlreicher Ausfälle bei der Herde auf. Neuer Schäfer wurde Hans Veit Schulze, der 400 Taler Kaution hinterlegte.

  1. Nov. Anordnung an den Kösener Floßzolleinnehmer (in MER. C48Ic Nr. 1686).

Das Finanzkollegium verfügte „daß die Bauholzflößer sich allermahl bei ihrer Ankunft mit Floßen mit Gelde gefaßt halten sollen, den Zoll allsofort in baar zu erlegen“. Das bedeutete die Aufhebung des Naturalzolls. Die Barzahlung sollte sich als schwierig erweisen, da die meisten Flößer und Händler erst nach dem Verkauf auf den Messen über ausreichend Bargeld verfügten.

               Zusammenbruch der „Kößener Societät“ (in WER D 34 V 12 Nr. 2).

Die „Societät“ hatte die im Vertrag vereinbarte 1. Rate in Höhe 50.000 Gulden geleistet, 15.000 Gulden in das Salzwerk Artern und 20.000 Gulden in die Verbesserung der Unstrut-Flöße investiert, ohne jedoch einen zählbaren finanziellen Erfolg zu erzielen. Dazu war ihr Gönner der Statthalter verstorben und Kursachsen musste dem Einspruch der Schwarzburger Grafen stattgeben, die sich der geplanten Erhebung einer Solequelle in der Nähe von Artern widersetzten, da sich Kursachsen beim Verkauf der Arterner Saline verpflichtet hatte, im Umkreis von 3 sächsischen Postmeilen zukünftig keine eigenen Solequellen zu erschließen. Damit löste sich die Gesellschaft auf. Klenau verstarb bald darauf, Henniger verließ den Ort. Nur der Floßmeister Wenzel hielt die Stellung.

1717

  1. Feb. „Schweine Abrechnung“ des Vorwerkes Kukulau (WEI. DS 2131).

Wie die Schäferei war auch die Schweinezucht in Zeitpacht gegeben. Gegenüber dem Weimarer Hof hatte der Pächter regelmäßig über den Bestand und den Zustand Bericht zu erstatten. Pächter war seit 1714 Andreas Bratfisch, ihm folgte 1720 Glorius Judersleben.

  1. Aug. Modifizierung des Floßzolles (DD Loc. 5332 u. MER. C48Ic Nr.1686).

Nun wurde der Einnehmer angewiesen, in begründeten Fällen auch wieder den Zoll in natura zu erheben. Außerdem wurde den Flößern erlaubt, den Zoll bei ihrer Rückkehr von den Verkaufsmessen zu entrichten. Dies ergab erneut Probleme, weil es keine Regularien für die Wertfeststellung gab, da der hiesige Verkaufswert erheblich von dem am Handelsplatz weiter saaleabwärts abweichen konnte. Dies führte zu Unordnung und Streit.

  1. Juli   „Suspension des Floßmeisters Wenzel“ (WER D 34 1/1020).

Der Amtmann Kette beschlagnahmte sämtlichen Floßunterlagen und inventarisierte Wenzels gesamtes bewegliches und unbewegliches Habe. Allein den Wert seiner Häuser, Weinberge und Äcker in Kösen und Naumburg, das Rittergut Lausnitz bei Neustadt/Orla, die Anteile an einem Blaufarbenwerk in Saalfeld und verliehene Gelder bezifferte Wenzel auf 34.000 Gulden. Zu seinem beweglichen Habe gehörten außerdem Großvieh, Kutschen und Wagen sowie ein umfangreicher Bestand an Büchern. In den Kellern lagerten 93 Eimer Landwein (1 Eimer ca. 450 l). Der Floßschreiber Hartig wurde zum kommissarischen Floßmeister ernannt und dies den übrigen Beamten bei der Saaleflöße und den ortsansässigen Einschlägern bekannt gegeben.

Über den Anlass dieser Amtsenthebung kann nur gemutmasst werden. Doch da die kurfürstliche sowie die herzogliche Gerichtsbarkeit aktiv wurden, kann davon ausgegangen werden, dass es ein zwischen den Kammern abgestimmtes Vorgehen war und mit dem Untersuchungsbericht zur Saaleflöße im engen Zusammenhang stand, wo das recht selbstherrliche Auftreten des Floßmeisters, seine Eingriffe in die Saale und Ilm--Flöße und Unregelmäßigkeiten der Floßkasse ufgedeckt wurden. Da die Suspendierung im Zuständigkeitsbereich der kurfürstlichen Gerichte lag, während die Ausführung den herzoglichen Gerichtsbeamten oblag, zog sich die angestrengte Untersuchung hin. Zunächst blieb die Wenzelsche Gerichtsbarkeit in Neu-Kösen unangetastet, was den herzoglichen Schulbeamten gegen den Strich ging.      

  1. Aug. Holzliefervertrag mit den Grafen von Schwarzburg (WEI Floßwesen B 12161).

Kursachsen orderte 30.000 Klafter, Sachsen-Weimar-Eisenach die gleiche Menge, die in den kommenden 6 Jahren anzuflößen waren. Für Kursachsen unterzeichneten von Osterhausen und G. Hartig den Vertrag, für das Herzogtum der Floßaufseher J. G. Hochhausen. Der Klafter wurde mit „drey Zwickauische Ellen und vier Zoll hoch und weit und sieben-viertel Ellen lang“ angegeben, was rund 3 Festmetern entspricht, also insgesamt 180.000 Festmeter. Der Preis betrug 24 Groschen.

  1. Sep. Verkauf der Saline Neu-Sulza (Eisenach, Das Thal..).

1683 nachdem Christner gegangen war, wurden in der Saline nur 534 Stück Salz gesotten. Zwar stieg bis 1690 die Produktion wieder auf 2.640 Stück doch die Saline blieb ein Zuschussgeschäft und auch der neue Pächter, der Berghauptmann von Uitterott, gab 1704 auf und die Saline wurde mehr recht als schlecht vom Fiskus betrieben. Nun pachtete eine Gewerkschaft die Saline zu der der Kommissionrat Reyher aus Roßla (bei Apolda), der Floßmeister Wenzel und sein Vize Georg Hartig aus Kösen gehörten. Hartig beteiligte sich im gleichen Jahr auch im schwarzburgischen Plaue, zusammen mit den Grafen Wilhelm von Schwarzburg an dem dortigen Salzwerk. Die Gewerkschaft führte die  Dornengradierung ein (Emons), was die Produktion verbesserte, doch wegen der ständigen Probleme mit den Solequellen blieb die Wirtschaftlichkeit hinter den Erwartungen zurück. Die Pacht dieser Gewerkschaft endete 1731.

   15.  Okt. Verleihungsdekret für den Leipziger Universitätsprofessor J. Chr. Lehmann.

Dieser hatte am 31. 8. 1717 das „Privilegium über mehrere Freyheiten bey allen Saltzwerken in Sachsen, namentlich bey den noch im Freien liegenden.."  beantragt und erhielt diese für die Salzquellen bei Barby, Alten-Salz und Erlbach. Er wollte mit seiner Maschinen- und Dachgradierung die Salzproduktion erheblich erhöhen und dabei weniger Brennstoff verbrauchen. Ein Teil dieser Ideen fand dann Eingang in den Gradierbetrieb. Auf ihn geht auch die Weiterverarbeitung der bisher als nutzlos betrachteten Siedeabfälle zurück. Dazu gehörten Glaubersalz und Magnesia, die zu medizinischen Zwecken gewinnbringend verkauft werden sollte. Johann Christian Lehmann, 1675 in Bautzen geboren, studierte Medizin und Naturwissenschaften in Leipzig, wurde dort Professor, war seit 1712 Mitglied der Sektion Physik der Leopoldina und seit 1713 der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1718 experimentiert er auf der herzogl. gothaisch-altenburgischen Saline Neu-Sulza und war ebenso auf den brandenburgisch-preußischen Salinen tätig. Er war dann der schärfste Kritiker  Borlachs, den er von seinem Aufenthalt in Wielizcka kannte. Sein Memorial "Sachsen kann alle armen Satz-Quellen mit Nutzen und Ausbeute bauen" das für den Herzog Friedrich II. von Gotha bestimmt war und 1721 gedruckt wurde, ist eine reiche Quelle für die Geschichte der Gradierung in Sachsen zu Beginn des 18. Jh. Lehman starb 1739 in Leipzig.

  1. Nov. Tod des Herzogs Moritz-Wilhelm (Dr. Berger Bau- und Kunstdenkmäler 1905).

Nach dem Tod des Herzogs Moritz-Wilhelm fiel das Herzogtum an das Kurhaus zurück. Bereits im Jahr zuvor hatte der Herzog die Administration des hochverschuldeten Stifts Naumburg-Zeitz gegen eine lebenslange Pension von 35.000 Gulden dem Kurfürsten überlassen.

           Klage der Erben des Floßmeisters G. W. Zschackwitz (WER D 34 Anh. 1 Nr 1080).

1718

  1. Dez. Bericht der Floßverwaltung über die Deputatabgabe.

Die Oberfloßbeamten der „Communflöße“ bestätigten, dass der Floßmeister Wenzel das vereinbarte Scheitholz der Landesschule übergeben hatte.

1719

  1. Juli Abschluss eines Holzliefervertrages (WEI Floßwesen B 12161).

Vertragspartner waren Kursachsen, die Herzogtümer Sachsen-Weimar, Sachsen-Eisenach und Sachsen-Gotha-Altenburg und das gräflich-hatzfeldische Forstamt zu Blankenhayn. In Naumburg wurde die Lieferung von jeweils 9.000 Klafter Holz aus den gräflich-hatzfeldischen Wäldern bei Harra in den Jahren 1720, 1721 und 1722 vereinbart. Der Vertrag regelte neben der Qualität und der Abmessung, den Vorkehrungen und Bestrafungen bei Diebstahl und Unterschlagung auch die Bezahlung und die Zahlungsweise. Danach sollten von den vereinbarten 19 Groschen pro Klafter 4 Groschen als Hauerlohn von Lichtmeß bis Bartholomäustag, 4 Groschen für Anfuhr, Aufsetzen und Einwerfen von Martini bis Ostern und die restlichen 11 Groschen bei An- und Abflöße in Kösen jeweils zu Michaelis und Neujahr auf Quittung gezahlt werden. Als Vertreter Kursachsens unterzeichnete auch hier G. Hartig. Am 20. März 1720 genehmigte der Reichsgraf zu Gleichen und Hatzfeld, Franz Edler Herr zu Wildenberg diesen Vertrag.

  1. Juli Schreiben des Floßmeisters (in WER, Rep. D Pforta V 12 Nr. 2).

Wenzel wies den Nachfolger des Amtmannes Kette, Dr. Mack auf seine Stellung als kursächsischer Beamter hin und verbat sich jegliche Einmischung der herzoglich-weimarischen Schulbeamten in seine Gerichtsbarkeit. Daraufhin wandte sich Mack an das herzogliche Kollegium und bat um entsprechende Klärung.

  1. Juli Schreiben des Herzogs von Sachsen-Weimar (WER, Rep. D Pforta, V12 Nr.2).

Die Beschwerde Macks bewog den Herzog Wilhelm Ernst sich nun direkt an August den Starken zu wenden und diesen aufzufordern, ein für allemal die „unternommenen Eingriffe in die Pfortaische Amts-Gerechtsame“ des Floßmeisters Wenzel zu unterbinden, die er sich unter Berufung auf die ihm und der Sozietät erteilten Rechte und Gerechtigkeiten anmaßte. Anlass war die Entfernung eines Floßarbeiters aus dem den weimarischen Gerichten zugehörenden Gasthof. Außerdem hätte Wenzel in Neu-Kösen einige Grundstücke eingezäunt, was die Trifftrechte der Schule beeinträchtigte und Baumaterial für einen Gasthof in Neu-Kösen eingelagert.  

  1. Aug. Schreiben August d. Starken an den Herzog von Sachsen-Weimar (WER, D V12 Nr.2).

Der König versicherte dem Herzog, dass er derartige Eingriffe in die Amtsgerechtigkeiten der herzoglichen Beamten missbillige und einen Gasthof in Neu-Kösen nicht zulassen werde. Außerdem informierte er den Herzog darüber, dass die Sozietät eingegangen sei, und er sich um die Rückgabe des Vertrages, der sich noch in den Händen der Sozietät befand, bemühe.

  1. Aug. Bestätigung des neuen Pachtschäfers (WEI. DS 2110).

Den herzoglichen Pachtbrief erhielt Chr. Keuter aus Punschrau. Neben der Hinterlegung einer Kaution und der Jahrespacht verpflichtete er sich zur Ableistung von 16 Tagen Spanndienst im Jahr.

  1. Sep. Schreiben des Floßmeisters (WER. D 34 V 12 Nr.2).

Wenzel hatte am Vortag vor dem vom Kammer-Gemach verordneten Beamten zu den ihm zur Last gelegten Eingriff in die Amtsgerichtsbarkeit Stellung genommen. Dem Schreiben legte er als Beweis seiner Rechte alle ihm zur Verfügung stehenden Urkunden bei. Er pochte auf den Pachtbrief aus dem Jahr 1706 verwies auf die Vorteile für die Flöße und der Erhöhung der Kammereinkünfte. Die Vorwürfe entsprängen nur dem Neid und der Missgunst der herzogl.-weimarischen Schulbeamten, denen sich Wenzel, seit er dem Floßamte vorstand, ausgesetzt sah.

Die Entfernung eines Floßarbeiter aus dem Gasthof, der bei „Hindansezung derer ihm anbefohlenen Vorrichtungen, dem Sauffen und Spielen nachgegangen“ war, wäre wegen der bei den kurfürstlichen Gerichten verbliebenen Jurisdiktion lt. § 2 des Wiederkaufvertrages rechtens gewesen. Außerdem habe er die Arretierung auf Anordnung des Steuerrevisors Hesse vorgenommen, weil der Floßarbeiter mit unzulässigen Karten gespielt habe. Die Einzäunung beträfe das ihm 1706 überlassenen Ödland, wo er die „Stein-Rücken, Dornen und alten hoolen Wegen“ mühevoll eingeebnet, 1708 mit einem Zaun versehen und als Garten genutzt hatte. Nun sei lediglich der Zaun erneuert worden. Der Vorwurf, einen Gasthof in Neu-Kösen zu erbauen, wies er ebenfalls von sich. Lediglich ein Haus für einen Fleischhauer sei vorgesehen, wozu er wegen der ihm 1708 erteilten Rechte zur Versorgung der Floßarbeiter mit Getränken und Nahrung berechtigt sei. Im Übrigen würde er ja 50 Gulden Tranksteuer an den Kreis-Steuereinnehmer abführen, dazu noch 50 Gulden Fleischsteuer. Alles was die Flößersiedlung beträfe, sei im Wiederkaufkontrakt ausgenommen und würde daher nicht unter die herzogl.-weimarischen Jurisdiktion fallen, trotzdem versuchte man immer wieder seine Rechte zu beschneiden.  

Auf die „Sozietät“ eingehend meinte Wenzel, dass „ sämmliche Consorten und Mittles-Personen allbereit 50000 Fl. in Ihro Königl. Maj. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachßen Chatoulle durch den Hochverehrl. Verstorbenen Herrn Statthalters Hochfürstl. Durchl. baar bezahlen laßen, wovon die Hohen Collegia vielleicht noch keine Nachricht haben werden“.

Dies und die in Artern und für die Verbesserung der Flöße aufgewendeten Mittel, hätten die finanziellen Möglichkeiten der Gesellschaft erschöpft. Nach dem plötzlichen Tod der „Hochfürstl. Durchlaucht und Statthalter“ Reichsfürst Anton Egon von Fürstenberg-Heiligenberg im Jahr 1716 hätte man auch noch den eifrigsten Förderer verloren, der auch den Vorschuß der Sozietät (50.000 Gulden) entgegen genommen hatte. Da das Geld offenbar nicht auffindbar war, stellte das Kammerkollegium im Auftrag des Königs Nachforschungen zum Verbleib an.  

  1. Okt. Untersuchungsbericht zum Fall Wenzel (WER D 34 V12 Nr. 2).

Der kursächsische Kommissar Christian August …(?) bestätigte anhand der vorgelegten Unterlagen Wenzels Angaben. Trotzdem stand davon im Amtserbbuch kein „jota“. Der Grund dafür war banal. 1706 nachdem die Bauplätze abgesteckt waren, hatte Wenzel eine „Interims-Anweisung“ erhalten, im guten Glauben mit der Bebauung begonnen, die Häuser verpachtet und die Gerichte ausgeübt. Wegen der Wirren des Nordischen Krieges war die „Confirmirung“ des Pachtbriefs nicht erfolgt und somit gab es für die Schulbeamten keine rechtliche Handhabe die Vererbung im Amtserbbuch einzutragen. Daher sahen sie im Tun des Floßmeisters in Neu-Kösen den Eingriff in ihre Gerichtsbarkeit. Als der Streit eskalierte, wurden der Kammerrat Plötz und der Kreisamtmann Meurer 1712 mit der Untersuchung des Falles betraut. Für ihren Vorbericht bezogen sie sich auf die in Dresden vorhandenen Unterlagen und schlugen vor, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen. Doch ihren Antrag auf Reisekosten lehnte das Kammerkollegium mit den Worten „Woher die dießfalß erfordernde Unkosten zu nehmen?“ ab.

Kurz danach kam der Wiederkaufvertrag mit dem Herzog von Sachsen-Weimar zustande, der eine nachträgliche Änderung des Amtserbbuches ohnehin ausschloß. Allerdings blieb es dabei, dasss „denen Flößen mit denen darzu gehörigen Floß-Arbeitern zu Kösen sambt der Jurisdiction über die Floßbeamten, Dienern und Arbeitern“ weiterhin den kursächsischen Gerichten unterlag. Damit behielt Wenzel faktisch die Gerichtsbarkeit in Neu-Kösen, die auch im Vertrag mit der Sozietät bestätigt wurde. Doch der Eintrag im Amtserbbuch nun einmal nicht erfolgt und so nutzten die Schulbeamten jedes Vorkommni auch wenn es noch so „fürwitzo“ war, den Floßmeister zu „denunciren“wie der Kommissar abschließend anmerkte.

  1. Dez. Aufhebung des Steuerprivilegs der „Sozietät“ (Hoppe, Heimatbuch 1930).

August d. Starke befahl dem Steuerinspektor Moßdorf mit:„Ihr wollet die Befreiung von der Generalaccise ohne Anstand aufheben und die Dorfhandlungsaccise gewöhnlichermaßen wieder einführen“.

1720

  1. Feb. Schreiben des Floßmeisters an August d. Starken (WER D 34 V 12. Nr.2).

Wenzel versuchte nochmals für die 1706 erteilten Privilegien die „Confirmation“ durch den König und damit die Eintragung im Amtserbbuch zu erreichen. Dabei verwies er auf seine Verdienste bei der Ansiedlung der Floßarbeiter und der Einsparungen am Stapel zugunsten der kurfürstlichen „Chatoulle“. Außerdem würde das Schulamt von der Zahlung der Erbpacht und der Obergerichte ebenfalls profitieren. Bezüglich der „Societät“ verwies er darauf, dass durch diese weder Kursachsen noch Sachsen-Weimar ein Schaden entstanden sei, sondern die Gesellschaft viel Geld für das Salzwerk in Artern und die Verbesserung der Flößerei aufgewandt habe.

Zum Schluss seines Schreibens bat er darum, ihm das Salzwerk zu Artern und die Flößerei auf der Unstrut und der Gera zu belassen. Aber die Kammer lehnte ab, zumal die Verhandlungen zwischen Kursachsen und Sachsen Weimar zur Verlängerung des Wiederkaufs bevorstanden, die man mit dieser Anghelegenheit nicht erschweren wollte.  

  1. Nov. Memorandum der herzoglichen-weimarischen Kammer (WEI DS 2109).

Diese schlug die Verlängerung des Wiederkaufs vor, wenn einige der bisherigen Beschränkungen entfallen würden.

           Gerichtssachen (WER D 34)

Erwähnt wurde dabei der Kösener Pachtschäfer Christian Reuther und der Pachtschäfer von Fränkenau und Gernstedt Andreas Bratfisch.

1721

            Fürstengut-Konvention (in DD Loc 1337)

Kursachsen genehmigte Preußen die zollfreie Durchfuhr magdeburgischen (Staßfurter) und halleschen Salzes in die brandenburgischen Gebiet Frankens.

           Wiederinbetriebnahme der Saline in Altensalz im Vogtland (in DD 1337, Emons).

Eine vom Leipziger Professor J. Chr. Lehmannn (1675-1739) gegründete Gewerkschaft (Treuer Sachßen Bau und Pflicht), an der auch der Fiskus beteiligt war, nahm die heute von der Talsperre Pöhl überflutete Saline wieder in Betrieb. Lehmann wollte hier seine Theorien zur Verbesserung der Salzsiederei, die er in einer im gleichen Jahr in Leipzig erschienenen salinenkundlichen Schrift („Sachßen kann alle armen Saltz-Quellen… mit Nutzen und Ausbeute bauen…“) beschrieb, an der hier austretenden 0,8 %igen Sole erproben. Dabei ging sein gesamtes Vermögen und ein stattlicher Vorschuss der Kammer drauf, denn die Absicht, seine Methoden gewinnbringend anderen Salinen zu verkaufen, stießen wie z.B. in Neu-Sulza auf Ablehnung. Dazu bemerkte das Kammerkollegium 50 Jahre später, daß: „besonders zwei unruhige Arcanisten, Dr. Lehmann aus Leipzig…..und ein gewisser Happe….das Cammer- und Berg Gemach ganz vergeblich und weil solches immer Protection fanden, auf die unangenehmste Art“ beschäftigten. Altensalz wurde 1728 eingestellt.

1722

            Verhandlungen zum Wiederkaufvertrag mit dem Herzog von Weimar (WEI. DS 2109).

August der Starke machte weder Zugeständnisse bei der Flöße noch bei den Salzquellen. Einzig bei der Aufhebung der Gerichte des ohnehin supendierten Floßmeisters erklärte er sein Einverständnis, diese zu kassieren.

             Klage des Pachtschäfers Christian Reuther (WER D34/1/3956).

Zusammen mit den Pächtern von Fränkenau und Gernstedt klagte er gegen A. Frenzel und H. Eschenbach aus Hassenhausen, weil sie die Triften in der Flur der Wüstungen Hohendorf und Döben zwischen Hassenhausen und Saaleck überackert hatten.

1723

  1. Apr. Aufhebung der Wenzelschen Gerichtsbarkeit (WER Altes Magdeburger LIXc Nr. 172).

Das Schulamt erhielt vom Kammerkollegium den Befehl „die Alimentation derer von ihm (dem Floßmeister) an sich gezogenen und der Schulpforte zugehörigen Grundstücke, behörig zu inhibieren, wie nicht weniger deßen sämtliches Vermögen beweg- und unbewegliches mit Arrest beschlagen“. Das war das offizielle Ende der Wenzelschen Gerichte Allerdings nannte er sich trotz seiner Suspendierung weiterhin Floßmeister

     Apr. Abschluss eines neuen Scheitholzvertrags (WEI, Floßwesen B 21161).

Die Schwarzburger Grafen beider Linien lieferten 80.000 Klafter, jeweils ein Drittel (26.667 Klafter) übernahmen Kursachsen, Sachsen-Weimar und Sachsen-Eisenach. Dazu kam die noch offene Menge dem Vertrag von 1717. Der neue Vertrag lief über 12 Jahre, endete also 1735. Für die Flöße auf der Schwarza und deren Zuläufen waren die Schwarzburger zuständig. An der Mündung der Schwarza in die Saale übernahmen herzogliche Beamte die Aufsicht und den Nachtrieb bis zum Kösener Rechen. Die Partner vereinbarten pro 1000 Klafter einen Preis von 1041 Talern, wobei die sog. Holzeingabe (10%), die dem Ausgleich von Transportverlusten diente, abgegolten war. Die Bezahlung erfolgte in Raten. 250 Taler beim Holzeinschlag jeweils zu Lichtmeß, Ostern und Pfingsten, 200 Taler zwischen Martini und Weihnachten nach der Anfuhr zu den Einwurfstellen und 50 Taler im Folgejahr beim Einwurf. Der Rest war fällig, wenn das Gros der Scheite Rudolstadt passiert hatte. Mit dem Einwurf durfte erst begonnen werden, wenn die Floßboten die Nachricht brachten, dass der Kösener Rechen gezogen war. Der Vertrag wurde in 10 Ausfertigungen erstellt. Für die „Commun-Flöße“ unterzeichneten die Beamten J. E. v. Osterhaußen, J. H. v. Schönfeldt, G. Hartig, Fr. W. Roth, J. G. Hochhaußen und für Schwarzburg J. J. Örtel.

Neben dem Anteil zur „Commun-Flöße“ orderte das Herzogtum Sachsen-Weimar weitere 15.000 Klafter für den Stapel in Jena.

  1. Juni Anordnung August d. Starken zur Suche nach Salzquellen (DD Loc. 1337).

Kursachsen hatte sich zwar verpflichtet, den Salzbedarf aus dem Ausland aus Halle und anderen brandenburgischen Salinen (Groß-Salze, Staßfurth) zu beziehen. Doch gerade der Transport elbaufwärts nach Meißen und Dresden verteuerte das Salz und führte zum vermehrten „Einschleppen“ fremden Salzes. Inländisches Salz stand nur in geringen Mengen zur Verfügung und die bisherige Suche nach Salzquellen, die man   Spekulanten, Wünschelrutengängern und anderen unsicheren Kantonisten überlassen hatte, war gescheitert. 1720 wurde eine Kommission eingesetzt, „welche die Ausfindigmachung der Mittel, darauf Sachsen von Preußischen Cocturen weniger abhängig werden könnte, zu ihrem eigentlichen Gegenstand hatte, nahm sich der Sache ernstlich an“. Zu dieser Kommission gehörte der Ingenieur Johann Gottfried Borlach (geb. 1687 in Dresden), der beauftragt wurde „in Unsern Churfürstenthumb und Landen Salz-Wercke zu entblößen“ und dessen „vernüftige und gründliche Vorschläge über leerer Speculation endlich die Oberhand gewann“. Dazu wurden ihm 2.000 Taler aus den Einkünften des Amtes Borna bewilligt, die ihm bei Vorlage der entsprechenden Quittungen ausgezahlt werden sollten. Außerdem erhielt er kostenlosen Vorspann. Alle Ämter wurden angewiesen, ihm behilflich zu sein und ihm bei der Erkundung des Geländes nicht zu behindern. Borlach hatte sich bisher ein umfangreiches bergbautechnisches und geologisches Wissen bei zahlreichen Reisen durch die mitteleuropäischen Berg- und Salzwerke angeeignet. Seine wissenschaftlich begründete Theorie von der Vergleichbarkeit der geologischen Schichten ließen ihn in Artern, Kösen und später in Dürrenberg erfolgreich sein, was ihm die Bezeichnung „Vater der kursächsischen Salinen“ einbrachte.

  1. Juli Antrag der Saalbergswinzer (WEI DS 2134).

Im Namen der Pächter aus Naumburg, Flemmingen und Almrich beantragte A. Lippold die Genehmigung zur Anschaffung eines eigenen Kahnes, um beim Übersetzen nicht mehr auf die Gnade des Fischhauspächters angewiesen zu sein, der hier das Fährrecht inne hatte.

  1. Okt. Antrag auf Konzessions zum Bau eines neuen Salzwerks in Artern (RUD Kammer 865).

Im Namen einer Gewerkschaft, zu der auch der Kösener Floßmeister G. Hartig gehörte, ersuchte der Arterner Stadtschreiber Johann Georg Könnicke beim Dresdener Kammer-Gemach um eine Konzession. Dabei spielte das im schwarzburgischen Besitz befindliche und inzwischen zerfallene alte Werk in der Stadt keine Rolle mehr. Stattdessen hatte man eine Salzquelle außerhalb der Stadtmauern bei „Kastädt“ gefunden, die Erfolg versprach, was auch ein Gutachten des Vizebergvogts von Eisleben Ernst Friedrich Koch bestätigte, das dem Antrag beigefügt war.

1724

  1. Mai Bericht des Rutengängers Johann Christoph Tiepner (RUD Kammer 865).

Tiepner war vom Floßmeister Hartig zur Suche nach Salzquellen nach Kösen beordert worden. Zusammen mit dem Floßschreiber Martini war er die Uferbereiche abgegangen und befand, die Sole sei zwar vorhanden, aber wenig edel und nur mit hohen Aufwand zu erschließen. Die Suche nach Kohle blieb ebenfalls erfolglos. Daraufhin beorderte Hartig den Wünschelrutengänger nach Artern, um die dort gemuteten Solequellen genau zu lokalisieren. Weil er zeitlich verhindert war, stellte er ihm den Brückenbauschreiber Johann Sigismund Schildknecht als Registrator zur Seite. Hartig handelte im guten Glauben, da inzwischen aus Dresden der Befehl an den Bergvogt von Thüringen Jacob Hachenberg ergangen war, das Vorhaben der Gewerkschaft im Rahmen des geltenden Bergrechts zu befördern. Schildknecht und Tiepner entledigten sich mit Eifer und Sorgfalt ihrer Aufgabe. Ihre am gleichen Tag verfassten Berichte gelangten nach Dresden. Insbesondere Tiepners Einlassung „wenn unser allergnädigster Herr aus hoher landesväterlicher Liebe und Vorsorge die wenigen Kosten auf 3 Schächte zur Abtriftung außer der Ringmauer des Salzwerkes zu erschürfen und mit Schächten zu entblößen gnädigst anwenden und sich dazu allergnädigst resolviren wollten, auch der allerhöchste Gott um seinen reichen Bergsegen angerufen werden würde, so soll der Mensch keinen Zweifel haben…“ gaben den Ausschlag umgehend   J. G. Borlach nach Artern zu beordern.

  1. Aug. Verzeichnis der Einwohner von Neu-Kösen (WER Altes Magdeburger LIX C Nr. 172)

Nach der Aufhebung der Wenzelschen Erbgerichte besuchten der Schulinspektor H. E. Trützschler und der Amtmann Chr. A. Kette Neu-Kösen. Zunächst stellten sie fest, dass hier 19 Häuser (im März 1716 waren es noch 13), davon 12 auf der rechten Seite des nach Lengefeld führenden Fahrweges, die auch schon länger bewohnt waren. Auf weiteren fünf Plätzen wurde gerade gebaut. Diese Bauplätze waren aber erst nach dem Entzug der Wenzelschen Gerichte vom Gerichtsherrn List verpachtet worden und es waren bis zu 4 Bauplätzen einem Interessenten verpachtet worden. Diejenigen hatten sich zwar verpflichtet nur ein Haus darauf zu bauen und das übrige Grundstück als Garten zu nutzen, doch diese Verpachtung widersprach dem, wozu sich Wenzel einst ja verpflichtete, dass auf jeder ihm zugemessenen Parzelle ein Haus gebaut werden muss. Von den bereits bewohnten Häusern lagen 12 auf der rechten Seite des Lengefelder Fahrweges. Fünf davon gehörten Tagelöhnern, die übrigen einem Hopfenhändler, einem Schlosser, einem Leineweber, einem Schneider und dem Kinderlehrer D. Euerling. Lediglich zwei Häuser gehörten Floßarbeitern, die Wenzel eigentlich zur Arbeit auf dem Stapel „stringiren“ sollte. Möglicherweise verdingten sich die übrigen Familien zumindest zeitweise bei der Flöße, doch die meisten Floßarbeiter rekrutierte Wenzel in Lengefeld und anderen Dörfern der Umgebung

Hinsche war der Ansicht, dass es den Kinderlehrer „Ämmerling-Euerling“ bereits im Jahr 1711 gab, und dass bis dahin die Kinder zur Schule nach Flemmingen geschickt wurden. Doch vor 1720 dürfte das von den wenigen und noch dazu recht armen Einwohnern aufzubringende Schulgeld nicht zum Unterhalt eines Kinderlehrers gereicht haben. Noch 60 Jahre später war die angemessene Entlohnung eine ständiger Streitpunkt.  

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnten der Schulze Michael Otto, der Floßgegenschreiber J. Schröter, der Strumpfwirker Chr. Leppe, der Bäcker Chr. Pufendorf, der Zimmermann Chr. Thieme, die Schankwirtin Katharina Müller und der Bergverwalter Henning, der gemeinsam mit Wenzel die “Cösener Societät“ bildete.

Von den 32 Bauplätzen die 1706 vereinbart wurden, lagen 20 am Lengefelder Fahrweg. Nun zählten die Beamten 34 Bauplätze, mit 19 bewohnten und 5 im Bau befindliche Häuser standen.   Entgegen dem Vertrag hatte Wenzel 14 Bauplätze mehr in Beschlag genommen und an 4 Interessenten mehr als einen Bauplatz verpachtet. In Alt-Kösen hatte der Floßmeister lediglich das Brau- und Malzhaus errichtet. Da dies nicht den getroffenen Vereinbarungen entsprach, ordnete der Schulverwalter an, dass die im Bau befindlichen Häuser von J. S. Schildknecht, Chr. Reichmeister, L. Triebel, Chr. Tostleben und Michael Otto abzureissen sind.

  1. Aug. Bericht des Schulamts an das Kammmerkollegium (dto.)

Darin wurden die vorgefundenen Zustände in Neu-Kösen geschildert und der befohlenen Abriss dahingehend begründet, dass deren Verpachtung erst nach dem Entzug der Wenzelschen Gerichte erfolgt und damit unrechtmässig sei. Außerdem würden die Einwohner die Viehtriften, Weiden und Waldungen am Jackenberg und der Ilske beschädigen, so dass man sich darüber hinaus entschlossen habe, den Einwohnern den Abriss ihrer Häuser und die Wiederherstellung des vorgefundenen Zustandes zu befehlen.

  1. Aug. Schreiben des Oberfloßmeisters an das Kammer-Kollegium (dto.)

Die Anordnung des Schulamtes sorgte unter den Einwohnern für erhebliche Unruhe. Ihre berechtigten Klagen stießen bei den Floßbeamten auf Verständnis und der Oberfloßaufseher H. E. v. Osterhausen wandte sich persönlich an das Kammerkollegium. Er berief sich dabei auf den Umstand, dass die Ansiedlung zum Wohl der kurfürstlichen Flöße erfolgt sei. Obwohl die Mehrzahl der Einwohner einem Gewerbe oder Handwerk nachging, war es die Regel, dass sich die Männer während der Flöße am Stapel verdingten bzw. bei hohem Wasser kurzfristig zur Stelle waren. Nutznießer der Ansiedlung sei aber auch das Schulamt. Einerseits entfiel die Zwangsrekrutierung der Amtsfröner und andererseits bekäme das Schulamt die Erbpacht und hätte durch die Gerichte und die Pfarrei Einnahmen, die ohne die Besiedlung nicht wären. Osterhausen bat darum, den Schulbeamten die Rücknahme dieser unsinnigen Anordnung zu befehlen.

  1. Sep. Schreiben Könnickes an den König und an den Floßmeister Hartig (RUD Kammer 865)

Mit Borlachs Ankunft in Artern drohten den Plänen der Gewerkschaft das Ende. Dennoch unternahm Könnicke noch einen Versuch, dem König eine Konzession abzuringen. Seinem Partner Hartig teilte er mit, dass auch Borlach Probleme habe und vorzugsweise auf der Suche nach Steinsalzlagern sei, so dass im Fall eines Mißerfolges doch noch die gewerkschaftliche Ausbeutung der Solequellen bei Kastädt möglich wäre.  

  1. Sep. Anordnung des Kammerkollegiums (WER Altes Magdeburger LIX C Nr. 172).

Dem Oberaufseher v. Osterhausen, dem Vize-Floßmeister zu Kösen Hartig, dem Inspektor und dem Amtmann der Landesschule wurde befohlen, sich vor Ort zu treffen, die angebauten Plätze zu besichtigen und eine einvernehmliche Lösung für den Weiterbestand der Ansiedlung auszuhandeln und umgehend darüber Bericht zu erstatten. Außerdem sollten alle Unterlagen, die im Zusammenhang mit den Wenzelschen Erbgerichten standen, zusammengestellt werden.

  1. Dez. Protokoll zum Treffen im Floßamt (dto.)

Im Floßamt hatte sich der der Amtmann Chr. A. Kette eingefunden, um über das weitere Vorgehen bezüglich der bebauten bzw. in Bau befindlichen Häuser zu befinden. Er verwies nochmals darauf, dass sich in den Amtserbbüchern keinerlei Vermerk über die Vererbung findet und daher die gesamte Ansiedlung unrechtmäßig errichtet sei und entfernt werden müsse. Außerdem wäre der Schule erheblicher Schaden durch die Bebauung des Landes entstanden und die Einwohner würden die der Schule gehörenden Felder, Wälder und Wiesen unrechtmäßig nutzen. Außerdem beeinträchtigten das Brauhaus und der Ausschank in Neu-Kösen den Schulengasthof. Zudem habe sich Wenzel nicht daran gehalten, hier nur Leute anzusiedeln, die auf dem Stapel benötigt würden, sondern die Bauplätze Handwerkern und sonstigen Leuten überlassen. Für die Flöße habe er Arbeiter aus dem zu Kreipitzsch gehörenden Lengefeld angeworben.

Dagegen wandte sich der Schwager des Floßmeisters Wenzel, der Steuerprokurator Bernhard Christian Leppner und verwies auf die Vereinbarungen von 1706 und 1709. Er wurde aufgefordert, alle ihm zur Verfügung stehenden relavanten Akten zu kopieren und dem Schulamt zu übergeben.

  1. Dez. Übergabe von Kopien des Wenzelschen Schriftverkehrs (dto.).

Leppner überließ dem Schulinspektor Trützschler neben den Vereinbarungen zur Abmarkung auch den gesamten Schriftverkehr zwischen Wenzel, dem Schulamt und dem Kammerkollegium aus den Jahren 1702 bis 1705. Das Schulamt legte das Protokoll des Amtmanns Kette bei und bat um weitere Anweisungen von der Dresdener Kammer.

             Ausbesserung der Straße von Eckartsberga nach Kösen (WER D 34 Anh. 1 Nr.1120).

Die Amtsfröner von Eckartsberga und Pforte wurden zu Hand- und Spanndienste aufgeboten.

            Hans Georg Seidler beantragt eine Hausbaustelle (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2658).

Sein Wunsch, dass diese möglichst in der Nähe des Gasthofes oder der Schäferei liegen solle, konnte nicht nachgekommen werden, da diese Flächen zur Pachtschäferei gehörten.

            „Jagdirrungen zwischen Schulpforta und dem Rittergut Kreipitzsch (WER D34/1/227).

Die durch den Hangwald an der Rudelsburg und dem Äbtischen Holz verlaufende Grenze zwischen dem Schulamt und dem Rittergut sorgte immer wieder für gegenseitige Klagen.

1725                

  1. Mai Beurkundung eines Hauskaufvertrages in Neu-Kösen (WER. Rep. D 34 Anh. 1).

August Nebbe hatte dem Schneidermeister Christian Plaul und dessen Eheweib Elisabeth aus Obergreißlau (Langendorf bei Weißenfels) sein Wohnhaus verkauft und dabei für sich und seine Frau ein lebenslanges unentgeltliches Wohnrecht gesichert. Die Ehefrau vertrat als „curatore“ Christoph Türpisch. Das Haus lag zwischen den Häusern von Georg Weise und Hans Reiche. Der Kaufpreis betrug 50 Gulden. Den Vertrag beurkundete der Advokat List.

     Aug. Entdeckung des Mühlbrunnens (Johann Gregor Gerhard).

Bei Reparaturarbeiten am Wehrdamm trat im trockengelegten Mühlengerinne eine klar perlende Quelle zu Tage. Reichlicher Genuss führte dazu, dass „etliche die Hosen nicht mehr aufbinden konnten“ schrieb der Pfortaer Schulenarzt Dr. J. G. Gerhard. Dieser untersuchte das Wasser, wobei ihm seine Kenntnisse von Publikationen über mineralische Gesundbrunnen zu Gute kamen. Er überzeugte die „hohe Landes-Obrigkeit“ davon, die Quelle außerhalb des Flussbettes zu muten und zu fassen. Gesucht wurde mit der Wünschelrute am Fuß des Nikolausberges, fündig wurde man jedoch auf dem Grundstück der Pachtmühle unmittelbar am Saaleufer.

  1. Sep. Bericht Borlachs über die geologische Erkundung Kursachsens.

Im Ergebnis seiner vergleichenden Beobachtungen meinte er, dass neben der Gegend um Artern, die Saale von der Landesgrenze über Naumburg, Weißenfels bis Merseburg die besten geologischen Voraussetzungen für ergiebige Kochsalzquellen bot. Durch die offenliegenden und durchlässigen Muschelkalkschichten sickerte Niederschlagswasser ein, dass das Salz der Meeresablagerungen löste sich anreichert und im Anhydrit sammelte und an manchen Orten offen zu Tage trat, wie die gerade erst entdeckten Quelle im Bett der Saale.

  1. Okt. Anweisung an die kursächsischen Floßbeamten (WEI B 12161).

Oberfloßaufseher Osterhausen und der Vize-Floßmeister G. Hartig wurden angewiesen, dem Herzog von Sachsen-Saalfeld 600 Klafter aus der kursächsischen Eingabe anzuflößen.

  1. Okt. Zeugenbefragung im Floßhaus zu Kösen (WEI. B 12161).

Der Floßbote Hans Starke aus Jena hatte die Floßarbeiter Ende aus Zeutsch und Leppe von der Leuchtenburg wegen übler Beschimpfung und der Androhung von Schlägen angezeigt. Starke hatte die Floßarbeiter am Sonntagvormittag vor dem Kirchgang in Camburg zum Einwerfen der Scheite befohlen, was die beiden verweigerten und sich im dortigen Branntweinhaus besoffen. Anschließend kam es zu diesem „Exzess“ wobei die beiden noch ihr Arbeitsgerät zerschlugen und in die Saale warfen.

Die Anzeige machte der Floßbote bei seiner Ankunft am Kösener Stapel beim Floßmeister. Hartig zog den Advokaten Johann Friedrich List hinzu. Der befragte den Kläger und die Zeugen, während Hartig Protokoll führte. Zeugen waren die Floßarbeiter Phillipp Zimmermann, 65 Jahre alt, aus Maua und Hans Wimbach, 75 Jahre alt aus Camsdorf. Der Vorgang zeigt, dass die kursächsischen Floßbeamten die Untersuchung bei strafbaren Handlungen führen durften, auch wenn es herzogliche Untertanen betraf. Die Verurteilung oblag dann den jeweiligen Gerichten. Daher wurde der Untersuchungsbericht nach Altenburg bzw. Weimar zur weiteren Veranlassung geschickt, zusammen mit dem Beleg des Advokaten, der 2 Gulden, 15 Groschen aus der Floß-Kasse erhielt.

     Nov. Untertaneneid der Einwohner Neu-Kösens (WER Rep. D Pforta , II Nr. 9)

Inzwischen hatte sich das Schulamt mit Erlaubnis der herzogl. weimarischen Kammer und die kursächsischen Beamten geeinigt, dass das Dorf Neu-Kösen bestehen bleiben kann. Nach der Aufhebung der Wenzelschen Gerichtsbarkeit kamen die Einwohner als herzoglich-weimarische Untertanen unter die Amtsgerichtsbarkeit der Schule. Alle bis 1723 von den Wenzelschen Gerichten beurkundeten Verträge behielten ihre Rechtskraft, nur der Brückenbauschreiber Schildknecht musste sein Haus abreißen, weil es nicht in der Gebäudeflucht am Lengefelder Fahrweg stand.

Das Floßamt und dessen Bewohner verblieben bei der kursächsischen Gerichtsbarkeit.

  1. Nov. Anweisung zur Fassung des Gesundbrunnens (WER D 34 Anh. 1/3706).

Die Entdeckung der mineralischen Quelle hatte viel Aufsehen erregt. Auch der Schulverwalter Georg Philipp Pfersdorf hatte sich hierher begeben. Da mineralische Quellen dem landesherrlichen Bergrecht unterworfen waren, diese Regale aber bei Kursachsen verblieben waren, meldete Pfersdorf die Entdeckung nach Dresden. Von dort kam der Befehl, die Quelle zum Nutzen der Menschen zu fassen. Um Kosten zu sparen, ordnete das Schulamt an, dass die Arbeiten und Transporte von den Amtsdörfern im Rahmen der Amtsfron auszuführen sind. Diese weigerten sich und nachdem Pfersdorf den Schulbeamten anwies, die Angelegenheit zu beschleunigen, hatte dieser die Arbeiten gegen Lohn ausführen lassen. Diese 13 Taler verlangte er nun von der Oberpflege.

  1. Dez. Schreiben der Oberpflege des Schulamtes (WER dto).

Die Oberpflege Lißdorf weigerte sich zu zahlen und begründete die Verweigerung damit, dass der Brunnen weder zur Schul-Pforte noch zu einem der Vorwerke gehöre noch zum Gebrauch und Nutzen der Schulpforte erbaut würde, sondern dieser Brunnen ein „gantz apartes Werck… so ein Stück von Bergwercken“ sei. Außerdem würde nach   „allergnädigsten königlichen Befehl (…) das mineralische Waßer dießes Brunnens denen Menschen zur Gesundheit dienen.“

1726                

  1. Jan. Tod des Floßmeisters Chr. G. Wenzel (WER D 34, Anh. 1 /4254).

             Neubesetzung der Floßschreiberstelle (WER D 34/1/1011).

Georg Heinrich Schrey wurde zum Floßschreiber sowie Zoll- und Landakzise-Einnehmer bestellt. Dieses Amt bekleidete er bis 1756.

            Ernennung Georg Hartigs zum Floßmeister.

Im Erdgeschoss des Hauses Borlachstr. 1 (bis 1987 Lindenstr. 19b) entdeckte man 1923 bei Umbauarbeiten eine Tafel mit der Inschrift „Georg Hartig, Floß. Mstr. Anno 1726“, dem Datum seiner Ernennung. Die Parzelle erwarb Hartwig allerdings erst im folgenden Jahr

  1. Jan. Beschreibung vom "...zu Kösen an der Saale entdeckten Mineralischen Gesund-Brunnen“. (St.-A)

Dr. Johann Gregor Gerhard, „Medico & Physico Portensi“, widmete diese Veröffentlichung dem „Königl. Kurfürstl. Wirklichen und Geheimen Rat, Ober- Consistorial- und Appelationsgerichts Präsidenten Gottlob Hieronimus von Leipziger“.

Es ist ein Versuch, anhand wissenschaftlicher Begründungen mit dem weit verbreiteten Aberglauben über die wundertätigen Bestandteile von Gesundbrunnen aufzuräumen und statt dessen die heilsame Wirkung auf die enthaltenen mineralischen Bestandteile und deren Konzentration zurück zuführen, die aber mit den Mitteln der damaligen Zeit nur unzureichend zu bestimmen waren. Wegen zahlreicher Überstimmungen stellte Gerhard den Kösener Gesundbrunnen in die Reihe der Brunnen in Pyrmont und Eger. Die Hauptbestandteile waren „Vitriolischer elastischer Spiritus, Sal alcali und Ocha Martialis“, also flüchtige Eisenverbindungen, und alkalische Salze. Zutreffend war seine Schilderung der mit Sole zu heilenden Krankheiten wie Magen- und Darmbeschwerden, Gicht und Podarga, Lähmungen der Glieder, Schwindsucht und Lungenkrankheiten sowie Krätze, also alles moderne Indikationen. Für die Entschlackung des Körpers empfahl er eine Kombination von Trinken, Schwitzen und Bewegung im Freien, sowie ein Zeitregime und die allmähliche Steigerung der Menge in der Kombination von Trinken und lauwarmen Brunnenbädern sollte den Erfolg der Kur sichern. Dazu sollte ein Ort gewählt werden, der fern von „Haus und Amtsvorrichtungen“ liegt, um die Seele zu entspannen, und ausreichend zu schlafen. Enthalten sollte man sich des Branntweins und des „Venus-Spiels“, scharfe Gewürze, Hülsenfrüchte und Räucherfleisch meiden, sich von Geflügel und Kalb zu ernähren und Wein oder leichte Biere trinken.

Seine geschilderten Erfolge bei den unterschiedlichsten Leiden von 24 Patienten aus verschiedenen Orten der Umgebung, war allerdings stark übertrieben und brachte ihm im 19. Jahrhundert den Ruf eines Scharlatans ein. Dennoch muss Gregor Gerhard, der ebenso wie Prof. Dr. J. Chr. Lehmann die Wirkung der Mineralien beschrieb als Wegbereiter der Soletherapie, angemessen gewürdigt werden.1730 veröffentlichte Gerhard eine weitere Beschreibung der Wirkungsweise von mineralischen Bestandteilen "So in den Saltz-Quellen zu Ober-Neu Sultze in Thüringen an der Ilme, ohnweit wo sie in die Saale fliesset, befindlich..." zu finden waren

         Mai  Schreiben der herzogl.-weimar.-Kammer (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3706)

Die Weigerung der Oberpflege das Geld für die Fassung des Gesundbrunnens abzuliefern, hatten die Schulbeamten pflichtgemäß nach Weimar gemeldet. Dabei merkten sie an, dass sich die Oberpflege, wenn sie hier kein Gehör finden würde, sich an die Kammer in Dresden wenden werde. Das passte den herzoglichen. Beamten überhaupt nicht und sie befahlen, die Oberpflege habe das zu unterlassen oder soll gegen entsprechende Gebühren ihre Appellation in Weimar abgeben. Diese Anordnung wurde der Oberpflege im Schulamt verlesen.

  1. Mai Beschwerde der Oberpflege beim Dresdener Hof (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3706)

Trotzdem wandte sich die Oberpflege weiter. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass dieser Gesund-Brunnen zu den Salz-Brunnen gehöre, also ein landesherrliches Regal ist und nach dem Hufen-Rezess hier keine Fron verlangt werden darf. Auch 1680 wurden bei der ersten Abteufung des Kösener Salz-Brunnen keine Fron von der Oberpflehge verlangt, so dass man diese nun auch verweigert habe. Die Oberpflege Lißdorf und Hassenhausen baten um die Niederschlagung der Forderung des Schulamts.

  1. Juli Pachtvertrag über den Gasthof Hassenhausen (WER Rep. D Pforta II Nr. 9).

Vor dem Amtmann Dr. J. A. Mack bekundeten 27 Bauern aus Hassenhausen mit ihrer Unterschrift die Verpachtung des Dorfgasthofes samt Zubehör an Johann Wilhelm Schilling auf drei Jahre für eine Pachtsumme von 400 Gulden. In 25 Paragrafen wurden die Pflichten und Rechte des Pächters festgeschrieben. Ein anschauliches Beispiel für die Pachtbedingungen derartiger Objekte im frühen 18. Jahrhundert.

  1. Aug. Anordnung bezüglich des „Gesundbrunnens“ (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3706)

Das Schulamt wurde angewiesen, dass die Klage der Oberpflege abzuweisen sei, allerdings dürften die Einwohner nicht zur Amtsfrohn beim Brunnenbau hinzugezogen werden.

1727

  1. Jan. Verzicht der Erben auf die Wentelsche Hinterlassenschaft (WER D 34).

Wenzels Tod schreckte die Gläubiger auf, die nun ihre Forderungen gegenüber den Erben geltend machten. Doch die Verbindlichkeiten überstiegen den Wert des Nachlasses. Die Erben verzichteten daher vor dem Schulamt auf den Nachlaß und am 8. Juli wurde ein Nachlaßverwalter (Curatore Litis) vereidigt, der die Immobilien zu Gunsten der Gläubiger veräußern sollte.

  1. Feb. Kaufvertrag zum Schildknechtschen Bauplatz (WER. D Pforta II,Nr. 9).

Der Brückenschreiber Siegmund Schildknecht hatte ebenfalls mit dem Bau einer Wohnung am Lengefelder Fahrweg begonnen, doch weil diese in den Fahrweg hinein ragte, sollte er es abreißen. Daraufhin brachte er es alles beim Schulamt zur Subhastation. Käufer war der gerade erst zu Floßmeister ernannte Georg Hartig, der 62 Gulden und 1 Gulden Erbpacht bezahlte. Den Vertrag beurkundeten der Amtmann Dr. J. A. Mack und der Notar J. A. Braun. Hartig baute hier die „Kellerei“ nachdem er 1728 aus dem Wenzelschen Nachlass den Weinhang am Nikolausberg erworben hatte. Dass hier ein Weinkelter bestand, darauf verweisen die für Wohnungen ungewöhnlich hohen Räume im Erdgeschoss. 1734 kaufte der Bergrat Borlach das Anwesen, dass heute die Grundstücke Borlachstraße 1 bis 3 umfasst.

  1. Feb. Zweitbeurkundung des Nebbeschen Kaufvertrages (WER. Rep. D 34)

Da die Erstbeurkundung nach der Aufhebung der Wenzelschen Gerichte durch Joh. Fr. List erfolgte, musste Vertrag vor dem Schulamt nochmals beurkundet werden, natürlich waren hier wieder Gebühren fällig.

Das betraf auch alle übrigen Verträge, die nach 1723 abgeschlossen worden waren. Die vorher erfolgten Verträge über die Häuser in Neu-Kösen behielten ihre Bestandskraft und wurden im Amtserbbuch eingetragen.

  1. Apr. Gutachten des Vizebergvogtes von Thüringen (DD Loc 1338).

Nach der Entdeckung des Mühlbrunnens war der Bergmann Samuel Friedrich Otto beim Bauverwalter des Schulamtes Johann Ludwig Hoffmann vorstellig geworden und hatte ihn auf den aufgelassenen Schacht vor dem Gasthof hingewiesen. Hoffmann wandte sich daraufhin an den Geheimrat von Seebach. Der nahm sich der Sache an und zog zur fachlichen Begutachtung den Vizebergvogt von Eisleben Ernst Friedrich Koch hinzu. Nach einer Ortsbesichtigung meinte Koch, dass die Stelle wo Christner einschlagen ließ vernünftig war, weil hier „die Kunst hat commode nach dem Kunst-Schacht schieben können.“ Die Befragung des Bergmannes Weise ergab, dass der Schacht 175 Ellen bzw. 50 Lachter tief sei und man hier im „rothen Gesteine“ eine 3 ½ löthige Schwitzsole gefunden habe. Koch meinte, dass man ähnlich wie in Artern erst im hangenden Muschelkalk auf Sole treffen würde. Allerdings sollte der alte Schacht nicht weiter abgeteuft, sondern rund 25 Meter weiter nördlich, neben der Floßschreiberei, einige Probebohrungen niedergebracht werden „um zu observiren, was allda vor Gestein wäre“.

  1. Mai Denkschrift des Geheimen Rates (DD Loc 1338).

Auf der Grundlage dieses Gutachtens schlug der Geheime Rat dem Kurfürsten vor: „...zuförderst ein Kunst-Gezeug mit zugehörigen Feld-Gestänge und Rade-Stube welches zusammen, den Überschlage nach ungefehr an die 700 Thaler betragen möchte…“ zur Wiederaufnahme des Schachtes zu bewilligen.

  1. Mai Verfügung des Staatsministers Graf v. Flemming (dto.).

Dieser ordnete an, „daß der alte Saltz-Schacht bey Kösen wieder von den wilden Waßern gewältiget und weiter abgeteufet werden soll“ und der Mechanikus Borlach hinzugezogen werden soll, sobald er aus Polen zurück käme.

  1. Mai Anordnung des kursächsischen Kammerkollegiums (dto.).

Dem Floßmeister G. Hartig und dem Bauverwalter J. L. Hoffmann wurde die „Wieder Erhebung des Saltzwercks zu Kösen“ befohlen. Die Arbeiten sollte der Bergmann Otto ausführen, die fachliche Leitung oblag dem Vize-Bergvogt Koch aus Eisleben. Die Floßkasse sollte 700 Taler bereitstellen und der Floßschreiber Martini für die ordnungsgemäße Abrechnung sorgen. Die Arbeiten sollten umgehend beginnen und regelmäßiger Bericht darüber erstattet werden.

  1. Juni Beginn der Arbeiten zur Wältigung des Schachtes (dto).

Für die Wältigung des aufgelassenen Schachtes musste zunächst eine neue Wasserkunst mit Radstube und Kunstgestänge errichtet.

  1. Juni J. G. Borlach besichtigt den Solschacht (Gericke 1966)

Trotz des schlechten Zustands des Schachtverbaues und der große Aufwand bei der Wasserhaltung, ließ Borlach weiter abteufen, denn seine Erfahrung sagte, dass „nicht nur das Salz sondern auch die Gebirge, in welchen es steht, einander gleichen und die Sole ist ein Wasser, welches durch Salzgebirge gegangen ist, sich hier gesalzen hat und mit dem Salz hervorkommt.“

  1. Aug. Memorandum des „Physikus“ Dr. J. G. Gerhardt (WEI D 2176).

Der Arzt berichtete der herzoglich-weimarischen Kammer, dass es im gesamten Schulamt keine einzige „Kind-Frau“ gäbe. Im Interesse der Erhaltung einer zahlreiche Nachkommenschaft bat er den Herzog, sämtliche Schulzen des Amtes vorzuladen und diesen zu befehlen, geeignete Frauen als Hebammen in den Amtsdörfer einzusetzen.

  1. Nov. Befehl zum Aufbau des Arterner Salzwerkes (Mager).

Borlach hatte in Artern, die von den Schwarzburger Grafen 1585 aufgelassene Solequelle untersucht und Schüttung und Konzentration als gut befunden. Doch der Brunnen und die Saline lagen innerhalb der Stadtmauern und konnten nicht mehr genutzt werden. Borlach ließ außerhalb der Stadt auf dem Gelände des heutigen Friedhofes einen Schacht anlegen, der auch den soleführenden Horizont erreichte. Die Saline entsstand direkt am Ufer der Unstrut errichten, um die Wasserkraft als Antrieb für die Gradierpumpen und den Fluß als Floßgewässer zu nutzen. Die Sole lief vom Schacht über den Solgraben zum Gradierhaus. Mit der Inbetriebnahme verlor die schwarzburgische Saline in Frankenhausen den kursächsischen Teil Thüringens als Absatzmarkt.

  1. Dez. Akten zum Wenzelschen Nachlass (WER D 34 Anh. 1/4971).

Die Auflistung des Nachlaßverwalters verzeichnete auch Forderungen des Schulamtes wegen rückständiger Pachten für die Vorwerke Fränkenau und Gernstedt, die Wenzel und sein Kompagnon Peter Müller 1707 in Zeitpacht bekommen hatte.

1728

  1. Jan. Schreiben des Naumburger Rates an das Kammerkollegium (WER D 34 Anh. 1/ 4971)

Wenzels Witwe hatte wieder geheiratet und wohnte in Naumburg. Sie und ihre Kinder wandten sich an den Naumburger Rat, weil sie trotz Verzicht befürchteten, dass bei weiterem Abwarten, der Nachlass weiter an Wert verlieren würde und sie dann doch für die Schulden des Floßmeisters haften könnten. Der Rat bat daher um Beschleunigung der Subhastation.

  1. Feb. Schreiben an den Verwalter des Schulamtes (WEI DS 2195).

Das herzogl.-weimarische Schulamt hatte zwar die Gerichtsbarkeit über die Einwohner von Neu-Kösen erhalten und das Wenzelsche Vermögen beschlagnahmt, doch es fehlte noch die förmliche Genehmigung aus Dresden, dass man den Nachlass eines kursächsischen Beamten auch versteigern dürfe. Das wurde nun von Friedrich-August genehmigt, soweit es die Wenzelschen Vermögenswerte im Gerichtsbezirk des Schulamtes betraf. Hier machte auch die kurfürstliche Rentkammer Forderungen in Höhe von 1500 Gulden geltend, die noch gegenüber der Sozietät bestanden. Damit dem kurfürstlichen Interesse auch die notwendige Beachtung zukäme, schickte man den Kammer-Prokurator Hoffmann vor Ort, mit dem Bemerken, dass dieser vom Schulamt „in besonderer Obacht zu nehmen sei“ (WER D 34 Anh. 1/4254).

  1. Mär. Antwortschreiben des Schulverwalters. (WEI. DS 2195).

Der herzogliche Schulverwalter teilte dem Kammerkollegium mit, dass man ihre Forderung nur berücksichtigen könne, wenn deren Berechtigung nachgewiesen ist und es der Erlös der Subhastation auch zulasse.

  1. Apr. Erfassung und Bewertung der Wenzelschen Immobilien (WER D 34 1/4971)

Auf Anordnung des Amtmannes Dr. H. A. Mack taxierte eine Kommission, bestehend aus dem Amtsrichter Hempel, den Gerichts-Schöppen G. Darnstedt aus Altenburg und Chr. Judersleben aus Pomnitz sowie der Amtsaktuar J. Adam Braun die Wenzelschen Grundstücke und Immobilien im Amtsbereich. Dazu gehörten ein großes Gehöft an der kleinen Saale neben dem Gasthof (die Floßschreiberei - Naumburger Str. 1), ein Weinberg mit Kelter und Sommerhaus an der Windlücke, ein Weinberg am Kösener Berg, mehrere Äcker am Jochenberg, am Äbtischen Holz und an der Schweinsbrücke, ein Brauhaus und ein Garten mit 3 Fischteichen am Ende des Lengefelder Weges, im Gesamtwert von 2390 Gulden.  

  1. Apr. Amtliche Bestätigung des taxierten Mindestgebotes (WER D 34 1/4254).

Die Immobilien und die Grundstück sollten möglichst im Paket verkauft werden.

  1. Apr. Genehmigung der öffentlichen Subhastation (WER D 34 1/4971)
  2. Apr. Der Solschacht ist auf die ursprüngliche Teufe gebracht (Gericke 1966).

Der alte Schacht war nun verwahrt und gesichert, die Maschinenkräfte konnten ihn zu Sumpfe halten und man wartete darauf, dass Borlach den Schacht befahren und über das weitere Vorgehen befinden würde.  

Die Abschachtung und die Verzimmerung erfolgten abschnittsweise. Die jeweilige Tiefe war abhängig vom anstehenden Material und dem Grundwasser. Zunächst wurde der lichte Querschnitt abgeschachtet, dann die bereits eingebaute Verzimmerung sorgfältig unterfahren, um den Einbruch der seitenwände zu vermeiden. Im Felsen wurde auch mit Schwarzpulver gesprengt. Der Aushub wurde mit Eimern über Haspelwerke nach oben gebracht. Dann wurde dieser Abschnitt verzimmert. Die sauber gearbeiteten Balken eingelegt, gegenseitig verkeilt und abgedichtet. Danach konnte weiter geschachtet werden. In den druckwasserführenden Erdschichten und im Lockergestein wurde eine wasserdichte Schachtverzimmerung eingebaut in den tieferen Gebirgsschichten eine Vollschrotverzimmerung. In regelmäßigen Abständen wurden Arbeitsbühnen eingezogen, die sowohl als Queraussteifung als auch für die Aufnahme der Fahrten dienten.

Für die Wasserhaltung wurden Kolbensaugpumpen mit fortschreitender Tiefe montiert, die bei Auftreffen auf die Sole auch diese fördern konnten, bis getrennte Pumpensätze eingerichtet waren. Die Saughöhe betrug max. 9 Meter, dann mußte das Wasser in offene Behälter auslaufen wo die nächste Pumpe ansetzte. Die Pumpen hingen an der vertikalen Zugstange, die an den horizontalen Arm des Kunstkreuzes gekoppelt war. An den vertikalen Arm hing die horizontale Schubstange, die vom Wasserrad kam. Die Exzenter am Ende der Welle wandelten die Drehbewegung in die Schubbewegung um. Die Länge des Schubes ergab sich aus der doppelten Länge des Exzenters, hier ca. 100 cm. Reichte die Wasserkraft nicht aus und der Schacht drohte abzusaufen, mußte die Wasserhaltung mit manuellen Druckpumpen bewerkstelligt werden.

Erreichte man den soleführenden Horizont, erkennbar am Anhydrit, wurde auf der Sohle des Schachtes eine Bohrung niedergebracht. Traf man auf die Sole, so konnte man das Bohrloch abspunden, den Schacht fertig stellen und alle notwendigen Vorkehrungen treffen, um eine reguläre Förderung zu gewährleisten.

Über die Arbeitsbedingungen, die technischen Rahmenbedingungen, Fördermittel, Werkzeuge, Geleuchte etc. im Bergbau s. a. Agricola „De re metallica“.

  1. Juni Subhastation des Wenzelschen Nachlasses (WER D 34 Anh.1/4254).

Nach einer achtwöchigen Veröffentlichungsfrist in den Amtsgerichten Pforta, Naumburg und Leipzig, sowie einer Anzeige in der Leipziger Zeitung mußten die Interessenten bis 12 Uhr ihr Angebot abgeben. Höchstbietende war eine Bietergemeinschaft bestehend aus dem Floßmeister Hartig und dem Advokaten List die 2500 Gulden bot.

  1. Juli Vereinbarung zur Aufteilung des Wenzelschen Nachlasses (WER D 34 Anl. 1/4971)

Nach dem Zuschlag wurde die Aufteilung beurkundet. Hartig bekam das Brauhaus, die Weinberge am Kösener Berg und den Teichgarten, List die Weinberge samt Kelter an der Windlücke und die ehemalige Floßmeisterei an der kleinen Saale. Die Äcker teilte man sich. Auch die im laufenden Jahr einzubringende Getreide-, Obst- und Weinernte sollte geteilt werden. Hartigs Anteil betrug 921 Gulden, der von List 1579 Gulden. Beide räumten sich ein gegenseitiges Vorkaufsrecht beim Weiterverkauf ein. Wenig später erhielten sie die amtliche Bestätigung des Erwerbs und der zwischen ihnen vereinbarten Teilung. Da beide Wenzel kreditiert hatten, wurde ein Teil des Kaufpreises mit ihren Forderungen verrechnet. Es blieben nach Abzug der Kosten des Verfahrens nur noch 300 Gulden übrig, die an die kursächsische Rentkammer gingen. Der vom Kammer-Kurator Hofmann mit der Aufsicht über das Verfahren betraute Notar Maurer bestätigte am 13. Juli die Ordnungsmäßigkeit der Licitation, womit die Angelegenheit rechtskräftig war.

1729

  1. Feb. Bericht über die Arterner Saline (RUD 5-12-1060/844)

Die erfolgreiche Abteufung und der Aufbau der Saline hatten im benachbarten Frankenhausen für Unruhe gesorgt. Die Schwarzburger Kammer befahl, den Arterner Betrieb zu beobachten und Bericht zu erstatten. Besonders erwähnenswert fand der Beobachter, dass die Sole durch eine Wasserkunst auf ein Gradierhaus gehoben wurde, hier zweimal umlief und sich dabei von 4 auf 11 Lot anreicherte.

  1. Feb. Beurkundung eines Hauskaufvertrages in Neu- Kösen (WER D Pforta II Nr. 9)*.

Maria, die Witwe Georg Weises, vom Amtsrichter J. Chr. Hempel als Vormund vertreten, überließ ihr Haus, das zwischen Chr. Türpisch und Christian Plaul lag, ihrem Schwiegersohn Michael Jäger. Anstelle des Kaufpreises von 50 Gulden erhielt sie ein lebenslanges Wohnrecht, freie Kost und Kleidung sowie eine kleine Rente. Außerdem verpflichtete sich der Erwerber, für eine angemessene Beerdigung zu sorgen. Beide versicherten, dass sie dem Floßmeister Wenzel den im Erbbrief vereinbarten Preis gezahlt hätten.    

  1. Apr. Beurkundung eines Hauskaufvertrages in Neu- Kösen (WER D Pforta II Nr. 9)*.

Georg Zimmer verkaufte sein Haus, Hof und Garten in Neu-Kösen, zwischen Nicolaus Rose und David Euerling, seiner jüngsten noch unverheirateten Tochter Eva für 20 Gulden. Anstelle der Zahlung eines Kaufpreises wurde vereinbart, dass die Eltern bei freier Unterkunft und Kost wohnen bleiben und eine ordentliche Beerdigung bekämen. Danach sollte die Erwerberin ihren älteren, verheirateten Schwestern Marion Tostleben und Anna Huth 5 Gulden zahlen. Zeuge war der Dorfrichter Christoph Leppe.

  1. Mai Befahrung des Solschachtes durch J. G. Borlach (Gericke 1966).

Der stellte fest, dass Christner da aufgehört habe, wo man eigentlich weitermachen müsste. Trotz erheblicher Widerstände des Bergvogtes und eines Gegengutachtens des namhaften Salinisten Joachim Friedrich Freiherr von Beust, Oberbergrat im Dienst des Herzogs von Sachsen-Weimar, erhielt   Borlach die nötigen Mittel für die weitere Abteufung des Schachtes.

  1. Juli Memorial der Pächter der Pfortenser Halbweinberge ( WEI. DS 2134).

Erneut versuchten die Pächter den Herzog zu bewegen, ihnen die Weinberge in Dauererbpacht zu geben oder sie ihnen ganz zu verkaufen.

  1. Juli Aktennotiz des Amtmannes zum Wenzelschen Konkurs (WER D 34 1/4254).

Dr. Mack bestätigte, dass der Licentiat List für die von ihm im Vorjahr aus der Konkursmasse erstandenen Grundstücke 316 Gulden beim Amt bezahlt habe. Die restlichen 1263 Gulden hatte er dem Floßmeister Hartig und dem Merseburger Floßvorsteher ausgezahlt, um deren Forderungen gegenüber dem Wenzelschen Nachlass auszugleichen. Hartig selbst hatte für die von ihm übernommenen Grundstücke 161 Gulden bezahlt, den Rest gegen seine Forderungen aufgerechnet. Demzufolge waren nur noch 477 Gulden in die Amtskasse gekommen.

             Bau eines Gewölbekellers am Lengefelder Fahrweg (Höhlenforscher Kat. 4836/42-c)*.

Den Schlußstein im vorderen Teil unter der Borlachstraße 5 ziert die Inschrift GH 1729. Floßmeister Georg Hartig hatte wohl auch diesen Bauplatz aus wirtschaftlichen Überlegungene heraus erworben. Als Besitzer des Brauhauses am Wehrdamm hatte er das Braumonopol sowohl für Alt- und Neukösen. Das betraf die ständigen wie auch zeitweilig hier wohnende Bevölkerung. Bierausschank erfolgte im Gasthof und in der Schenke der Katharina Müller in Neu-Kösen. Wegen des gestiegenen Bedarfs reichte der Lagerkeller am Brauhaus nicht mehr. Daher bot es sich an, im Dorf eine zweite Niederlage einzurichten. Vorteilhaft war die Präsenz von bergleuten, die am Schacht arbeiteten und den Vortrieb des Stollens fachmännisch begleiteten. Doch nicht nur das Bier für die Einwohnerschaft kam hierher. Wenzel brauchte auch ein Lager für den Wein vom Nikolausberg, der in der nebenan liegenden Kellerei gekeltert wurde. Zwischen dem Gewölbe und dem Kelter baute Hartig ein Wohnhaus, wo sich 1731 J. G. Borlach mit seinem Hausstand und weiteren Beamten der Saline einmietete. Sein Bruder J. Hermann erweiterte 1739 diesen Keller.    

  1. Nov. Gutachten zur Saline Artern (DD, Salzamtl. Akten)

Darin zollte der Herzogl.- Eisenachische Oberbergrat J. Friedrich Freiherr v. Beust (1697-1771), Onkel des späteren Salinendirektors C. Leopold v. Beust zollte dem 30 Jahre älteren Borlach seine Anerkennung. Doch Artern hatte ein Brennstoffproblem. In der unmittelbaren Umgebung gab es kein brauchbares Holz, der Transport aus dem Harz war teuer und die Unstrut wegen des geringen Gefälles im Nordthüringer Becken zur Scheitholzflöße nicht sonderlich geeignet. Er schlug den Bau einer 50 km langen Röhrenleitung bis zur Mündung der Unstrut und hier den Bau von Siedehütten vor, wo die in Artern gradierte Sole mit dem Holz aus der Saaleflöße versotten werden konnte.  

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Tischler August Kuniger klagte wegen „debiti“.

1730

  1. Feb. Schreiben der Gemeinde an das geistlichen Inspektor (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Dorfrichter Christian Leppe bat um den Platz für einen Gottesacker in Neu-Kösen. Grund sei der umständliche und teure Transport der Verstorbenen nach der Pforte und die steigende Einwohnerzahl, für die dann der Platz auf dem dortigen Friedhof ohnehin nicht mehr reicht.

  1. Mai Königliches Reskript zur Weiterführung der Abteufung (Mager, Aufsätze).

G. Borlach erhielt weitere 5000 Taler und aus dem Überschuss des Arterner Salzwerkes weitere 8000 Taler jährlich zum Aufbau des Kösener Salzwerkes, wenn er hier fündig würde. Dies zeigt das Vertrauen des Souveräns und seiner Räte in die Fähigkeiten Borlachs.

  1. Juni Erneuerung des Zeitpachtvertrages über die obere Mühlenwiese (MER. C48 IIIb).

Für die Fläche von 3 ¾ Acker zahlte das Floßamt 26 Taler Pacht an Pforte.

  1. Juli Erster Bericht des Floßmeisters Georg Hartig (Mager, Aufsätze).

Hartig meldete nach Dresden, dass er in 75 Lachtern Teufe (150 m) auf eine starke und gehaltvolle Sole gestoßen war.

„Acto früh um 7 Uhr wird von den in hiesigen Saltz-Schacht arbeithenden Bergleuten berichtet, daß … als ein guther Theil Berge gesprenget…sie wieder einfahren….eine ziemliche Quantität Saltz Waßer angetroffen worden.“ Der Zufluss war so groß, dass man mit den zur Verfügung stehenden Mitteln die hervorquellende Sole nicht wältigen konnte.

  1. Juli J. G. Borlach besichtigt die Solequelle (Gericke 1966).

Nach Prüfung der Konzentration und einer mehrere Tage andauernden Ermittlung der Schüttung der Quelle, kam er zu dem Schluss, dass man den richtigen Horizont getroffen hatte. Die Konzentration lag bei 4,18% und war damit ein Drittel höher als die Sole in Artern. Borlach empfahl, den Schacht doch noch weiter abzuteufen, um einen größeren Zufluß zu erreichen. Dann wurde das Kunstgestänge zum Betrieb einer Doppelpumpenanlage hergerichtet, mit der es gelang, sowohl die Wildwasser als auch die Sole zu wältigen und im Schacht den Ausbau zu vollenden.

  1. Juli Dresdener Protokoll zur Probesiedung (Mager).

Nach der Verprobung der Sole wurde festgehalten, es „saltzet unser Saltz besonders das Kösische die Prisen kräfftiger als das Hällische“ und weiter „In der Crystallisation gehet das Kösische dem Hällischen und Artherischen weit vor, giebt schönere, weißere und dichtere Crystallen.“

  1. Juli Bericht des Kammerkollegiums über die Ergebnisse eines Probesiedens (Mager).

Nach dem Vortrag ordnete Friedrich August an, dass „…der Bau bei Kösen weiter fortgetrieben und extendiret…“ werden solle.  

  1. Juli Tagebucheintragung des Floßmeisters Hartig (Mager, Aufsätze).

„Es seynd biß dato die Saltz-Waßer alltägl. pobiret und ...daß solche noch beständig des ersten Gehalts sind... es stehen solche 200 Ellen (114 m) hoch im Schacht....die einfache Kunst aber ist nicht vermögend mehr alles was quället heraus zu bringen....es wird mit aller Macht an der doppelten Kunst gearbeitet.....diese Saltz-Waßer gehen so schön und lauter heraus, als fast an keinem andern Orthe zu finden....es ist wegen solchen großen Saltz-Segen von Fremden und Einheimischen vieles jubiliren.“

  1. Aug. Anordnung des Kabinettministers v. Wackerbarth (Mager).

Der Floßmeister hatte zwar das Schachtgebäude verschlossen, doch „wegen zu starcken Zulauf der Fremden ... zumalen etliche die Probe der Soole mit hinweg zu nehmen begehret hatten“ wurde ein Kommando der in Naumburg stationierten Miliz zur Bewachung des Schachtes abkommandiert.

  1. Aug. Reskript König Friedrich August (Mager, Aufsätze).

Darin wurde festgelegt, dass die „…zum Arternschen Wercke destinirten jährl. 5000 Thaler auch zum Kösener Wercke mit gebrauchet, dieser Fonds da es nöthig, noch auf 4 Jahre darzu verwendet, …, Borlach aus Pohlen rapellieret, und alle Sorgfalt bey diesen   Wercke vorgekehret werden solle.“

  1. Sep. Borlach erhält den Befehl zum Aufbau des Salzwerkes (Gericke 1966).
  2. Sep. „Grund-Riß von Kösen wegen erbauung der Salz-Coctur“ (DD Loc 1337).

Borlachs Plan, den Therkorn 1737 komplettierte, zeigt die erste Ausbaustufe und die geplante Erweiterung des Salzwerkes. Ungünstig war die Lage des unteren Solschachtes direkt vor dem Gasthof, zwischen dem Schafstall und der ehemaligen Floßschreiberei. Daher wurde die Saline neben der Floßschreiberei bis zur Kettenbrücke eingerichtet. Vorteilhaft waren hier die Nähe zur kleinen Saale, auf der das Brennholz aus der Stromsaale kam und die unmittelbar davor liegende Fahrstraße für die Salzfuhren.

Die erste Ausbaustufe der Saline umfasste ein Gradierhaus, ein Siedekot mitr zwei Pfannen sowie eine Pfannenschmiede. Zwischen der Wasserkunst uund dem unteren Schacht schob ein doppeltes Zweifeldgestänge, das die Pumpen antrieb. Über dem unteren Schacht erhob sich ein ansehnlicher Kunstturm. Dieses maß 52 Fuß im Quadrat (15x15m), 52 Fuß (15m) bis zur Traufe und 84 Fuß(24 m) bis zum First. Die Höhe ergab sich, um die Sole soweit zu heben bringen, dass sie über eine kommunizierende Röhre bis auf den südlichen Teil des Gradierhauses von selbst steigen konnte und hier im 1. Falle angereichert, gradiert zu werden. Der Kunstturm schützte nicht nur den Solschacht und die Maschinerie vor Witterungsunbilden, befanden sich auch das „Local“ des Salinendirektors und die Wohnung des Kunstmeisters. Das Gradierhaus war 550 Fuß (155 m) lang, 13,5 Fuß (4 m) breit, 18 Fuß (5 m) hoch, stand auf Sockeln und hatte ein Dach. Kennzeichnend für die Borlachsche Konstruktion waren die weit nach außen gestellten Streben, die bis unter die Traufe reichten und somit für die erforderliche Stabilität sorgten. Das Gradierwerk hatte vier Abschnitte, die Repetierfälle. Hier wurde der Umlauf mit Handdruckpumpen besorgt. Nach dem letzten Fall lief die Sole über Röhrenfahrten direkt zum Siedehaus. Dieses war 294 Fuß lang und 41 Fuß breit (82 x 11,5 m) und hatte jeweils eine Haupt- und eine Nebenpfanne mit Herd, Rauchfang und Brodemabzug. Neben dem Rauchabzug, der noch genügend Wärme abstrahlte befanden sich die Trockenräume. Auf dem Dachboden wurde das getrocknete Salz eingelagert.

Soleförderung und Salzproduktion gehörten zum Bergwesen. Zahlreiche technische Anlage insbesondere zum Antrieb und der Kraftübertragung kamen von dort. Wind- oder Wasserkünste, Feldgestänge sowie die Pumpenanlagen wurden entsprechend den örtlichen Gegebenheiten und den Kenntnissen der Kunst-, Siede- und Maschinenmeister eingerichtet. Während die frühen „Cocturen“ verpachtet und gewerkschaftlich betrieben wurden, setzte August der Starke auf fiskalische Salinen, zumal die Investitionskosten für derartige Werke die privaten Mittel zumeist überstiegen. Die Leitung hatten beamte, die neben geologischen, chemischen und physikalischen Kenntnissen auch in ökonomischen, mathematischen, baufachlichen und juristischen Dingen beschlagen waren. Die Salinenarbeiter bildeten Knappschaften und waren damit auf Lebenszeit an das Werk gebunden. Wie meist im Bergbau wurde dieser Beruf zur Familientradition. und bereits die Kinder mußten in den Siedehütten helfen. Im Winter wenn der Siedebetrieb ruhte, verdingten sich die Arbeiter beim Einschlag und Binden vom Schwarzdorn oder flochten die Salzkörbe.

1731                  

  1. Feb. Bereitstellung weiterer Bauplätze in Neu-Kösen (Altes Magdeburger).

Schul-Inspektor v. Trütschler, Schulverwalter v. Pfersdorf und Amtmann Joh. A. Mack steckten sieben Baustellen ab. Diese lagen „von der Brücke und Floßhause nach den Kösener Berg zu, rechter Hand“, auf der Nordseite der heutigen Lindenstraße. Pachtinteressenten waren der Bäcker Hollstein, der Strumpfwirker Peter Nicolai, der Sattler Mathesius, Heinrich List, der Schneider Lorenz Starcke, Christoph Graf, Hofmeister zu Fränkenau und Georg Friedrich Rausch. Letzterer wollte das Haus mit Stroh decken, was ihm untersagt wurde. Für die Plätze wurde 1 Gulden Erbzins vereinbart, erstmals zahlbar zu Michaelis 1733.

  1. Mär. Kostenanschläge für das Salzwerk (DD Loc 1337)).

Für den Bau des Gradierhauses veranschlagte Borlach 4.454 Taler, für das Siedehaus 1.633 Taler. In diesem Zusammenhang schlug er die Abteufung eines zweiten Schachtes zur Erhöhung der Fördermenge vor.

  1. März Beginn der Abteufung des oberen Solschachts (DD Loc 1337).

Borlach hatte die Genehmigung erhalten und ließ 213 Meter südlich vom ersten Schacht und rund 30 Meter höher einschlagen. Der neue Schacht war geräumiger und besser gegen Wildwasser abgedichtet. Der Eintrag war so gering, dass sich eine separate Wildwasserhaltung erübrigte (Senff jr. 1816).

  1. Apr. Verpachtung eines der „Sieben Häuser“ (WER Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Der Fränkenauer Hofmeister hatte seinen Bauplatz aufgelassen, den Christoph Gause pachtete, der sich wie die übrigen verpflichtete, umgehend mit dem Bau zu beginnen.

               Teilinbetriebnahme der unteren Gradierhauses (Gericke).

Die Sole aus dem unteren Schacht lief zunächst in Kästen auf dem Oberdeck. Diese dienten als Vorratsspeicher. Die Auslaßhähne und die Tröpfelrinnen ermöglichten eine gleichmäßige Verteilung der aufzugebenden Menge auf die Gradierwand. Durch das Niedertropfen über den eingelegten Schwardorn bildeten sich immer feiner werdende Tropfen. Dabei erhöhte sich die Oberfläche, was den Verdunstungseffekt begünstigte. Nebenher setzten sich organischen Verunreinigungen und Gips (CaSO4) als Dornstein ab. Dieser Reinigungseffekt war wichtig für die Produktion von reinweißem Salz. Die bereits auf anderen Salinen erprobte Verwendung von Schwarzdorn zur Ausfachung, setzte Borlach konsequent um, da es sich inzwischen erwiesen hatte dass sich Schwarzdorn für diesen Zweck am besten eignete.

Das untere Gradierhaus war wie auch alle folgenden von Nord nach Süd ausgerichtet, uund stand somit die volle Breite zur Hauptwindrichtung. Das untere Gradierhaus erstreckte sich von der heutigen Salinenstraße bis zum Pfaffenstieg und wurde nach 1780 abgebrochen.

  1. Aug. Gesuch des Bauverwalters J. L. Hoffmann (DD Loc 1338)

Hoffmann, der bislang der Saline unterstellt war, bat um die Rückversetzung zur Schule. Am 10. Januar 1732 bewilligte Graf Brühl die Wiedereinstellung als Schulbaumeister mit dem bisherigen Gehalt.

  1. Sep. Spezifikation der Einwohner und Kinder (WER D 34 Pforta Anh. 2/2642, 2182)

Der Floßmeister G. Hartig hatte diese Auflistung vorgenommmen und diese zusammen mit dem Antrag der Einwohner von Alt- und Neu-Kösen hier eine Kirche samt Gottesacker sowie ein Schulhaus einzurichten beim Schulamt eingereicht. Daraus geht hervor, dass aus damaliger Sicht zu Alt-Kösen das Floßamt, das Rechenhaus, das Anwesen des Floßschreibers Martini, die Pachtmühle, die Pachtschäferei, der Schulengasthof, die Schmiede und 5 private Häuser gehörten. In Neu-Kösen standen am Lengefelder Weg 25 Wohnhäuser. Die „Sieben Häuser“ swurden hier noch nicht erfaßt.

Insgesamt wohnten hier ständig 233 Einwohner, dazu kamen „ jetzt allda befindlichen fremden Werk-Leuten und Arbeiter beim Salzwercks-Bau.“ Da es bei dem Antrag auch um die Schule ging merkte Hartig abschließend an: „…daß unter denen specifizirten 233 Personen 33 Kinder befindlich, so zur Schule zu halten, davon aber bis dato über 6 Kinder nicht dahin geschickt worden sind, sondern in freien Muthwillen und ärgerlichen Leben gelassen und erzogen werden.“  

Aus diesem Schreiben geht außerdem hervor, das das Haus Nr. 8 am Lengefelder Fahrweg, einst vom Floßmeister Hartig vom Brückenbauschreiber Schildknecht erworben, an den Ingenieur Borlach vermietet war. In dem mit 3 drei Küchen ausgestatteten Anwesen wohnten neben Borlach noch der Salinenbaumeister (Kondukteur), der Bauschreiber, ein Hilfsschreiber, Borlachs Köchin und sein Kutscher samt dessen Weib und Kind, insgesamt 8 Peronen. Zwei Jahre später erwarb Borlach dann das Anwesen selbst.

  1. Nov. Inbetriebnahme des Siedekots (Gericke).

Die Siedepfannen aus Kupferblech maßen ca. 25 m² und fassten über 800 l Siedesole. Zur Befeuerung wurde außschließlich Scheitholz aus der Saaleflöße verwendet.

Der eigentliche Siedevorgang bestand aus dem Anwallen, dem Stören und dem Soggen und dauerte 21 Stunden. Beim Erwärmen wurde Ochsenblut dazu gegeben, was einen braunen Schaum bildete, der die noch vorhandenen organischen Verunreinigungen band und abgeschöpft werden konnte. Beim „Stören“ setzten sich die gelösten Karbonate als Pfannenstein am Boden ab. Bildeten sich am Pfannenrand die ersten Salzkristalle, wurde das Feuer gedrosselt, um das Salz langsam auskristallisieren zu lassen. Die Zugabe von Bier sollte diesen Prozeß beschleunigen. Das noch nasse Salz wurde aus den Pfannen gezogen und in Weidenkörbe geschaufelt. Nach dem Abtropfen kamen diese zum Trocknen auf die Dachböden der Siedehäuser, wo man die Wärme der Abzugsröhren nutzte.  

Nach drei aufeinanderfolgende Werken, also 63 Stunden, wurde die Mutterlauge, in der sich Magnesium-, Calcium- und Kaliumverbindungen anreicherten in einer Wärmepfanne weiter eingedampft. Das Ergebnis war ein minderwertiges gelbes Salz, das als Viehsalz verkauft wurde. Nach 9 Werken wurde das Feuer gelöscht (Kaltlager), der Pfannenstein   entfernt und soweit erforderlich die Pfannen repariert. Der Pfannenstein wurde gemahlen, mit Holzasche und dem Dornstein gemischt und als Dünger verkauft.

Ein Kaltlager, d. h. das Löschen des Feuers, erfolgte nach 18 Werken und beschränkte sich auf die Zeit vom Samstagabend bis zum Montagmorgen. Hier reinigte man die Feuerungsanlage und die Rauchrohre und gönnte den Siedern einen Tag Ruhe (Senff jr. 1816).

  1. Nov. Anweisung von Bauplätzen an der Heerstraße (WER D 34 Anh. 1/4123).

Im Vergleich zu den Bauplätzen der Floßarbeiter waren diese Grundstücke mit 17 x 34 Metern deutlich großzügiger bemessen. Hier entstanden nicht nur Wohnraum für den Hausbesitzer, es war genügend Raum für Gewerbe und Mietwohnungen. Außerdem gab es ein angemessenes „Kraut- und Rüben-Gärtlein“ unverzichtbar zur Eigenversorgung in einem Dorf ohne Feldflur und Marktrecht.

Unter Zuhilfenahme des Amtserbbuches von 1752 und der Flurkarte von 1765 können die „Sieben Häuser“ eindeutig zugeordnet werden. Diese wurden im Amtserbbuch unter den Nummern 7 bis 13 geführt was den Grundstücken Lindenstraße 14, 16, 18, 20, 21, 22 und 24 entspricht. Erst 100 Jahre später, wurded die Grundstücke Nr. 22 und Nr. 24 geteilt. Es entstand die Nr. 23, die nach 1905 erneut geteilt und mit zwei Häusern bebauut wurde.

Hollstein (Nr. 14) war der erste Dorfbäcker, denn S. Hämmerling sen. erwarb erst 1737 den Listschen Bauplatz (heute Nr. 20), pachtete das alte Backhaus gegenüber dem Floßamt, wo er eine Verkaufsbude einrichtete, bevor sein gleichnamiger Sohn die Hollstein`sche Bäckerei übernahm. Das Anwesen Lindenstr. Nr. 12 wurde erst nach 1760 gebaut.

  1. Nov. Antrag des Floßmeisters Hartig (WER D 34 Anh. 1/4123)

Er beantragte einen Platz ca. 24 Schritte vom Keller seines Brauhauses (Loreleyprom. 3) entfernt, um hier einen neuen Keller zu errichten, da der alte Keller wegen der Nähe der Saline nicht mehr nutzbar war. Außerdem ersuchte er um die Anpachtung eines Bauplatzes gegenüber vom Floßamt, verkehrsgünstig an der Heerstraße (neben der Brücke) gelegen, um hier ein Brauhaus zu bauen.

  1. Dez. Verkauf der ersten 150 Stück Salz (Gericke 1966)

Ein Stück wog ca. 60 kg. Borlach schätzte die zukünftige Jahresproduktion auf 10.000 Stück, d.s. 600 Tonnen.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Das Schulamt verklagte Hans Georg Seidler wegen rückständiger Pachtgelder und der Gasthofpächter Moses den Strumpfwirker Nikolaus Rose wegen Beleidigung.

1732

  1. Jan. Bekanntmachung für die Einwohner in Alt- und Neu-Kösen (WEI DS 2188).

Das kurfürstliche Kammerkollegium hatte nicht zuletzt mit Rücksicht auf die angelaufene Salzproduktion von einer nochmaligen Verlängerung der Verpfändung des Schulamtes abgeraten, zumal man die Rückkaufsumme aus den Überschüssen der Salzwerke Artern und Kösen aufbringen konnte. Mit der Rückgabe des verpfändeten Amtes wurden die Einwohner wieder kursächsische Untertanen. Zur Ableistung des Untertaneneides mussten sich alle Erwachsenen im Schulamt einfinden. Da mehrere Einwohner zum vergegeben Termin nicht im Schulamt erschienen, wurden bei Strafandrohung an den herzoglichen Hof nach Weimar befohlen, um hier die „chure“ auf König Friedrich August zu leisten.

  1. Jan. Befehl zur Rückgabe des Schulamtes (WEI DS 2189).

Die herzoglichen Kammerräte v. Volgstädt, v. Hirschfeld, Voigt und Eylenstein erhielten den Auftrag, alle im Wiederkaufskontrakts verpfändeten Bestände an Vieh, Gebäuden, Vorräten und Zubehör zu erfassen und zu bewerten und daraus die Werterhöhungen festzustellen.

  1. Mär. Spende für den Bau einer Kirche in Neu Kösen (WER D 34 Anh. 1 Nr. 2891)

Der Floßmeister Hartig ließ seine Spende in Höhe von 1000 Talern vor dem Schulamt beurkunden. In der Begründung hieß es, daß er befürchtete, dass sein Sohn, Student in Wittenberg und stets in Geldnöten und zahlreiche Händel verstrickt, das väterliche Erbe nur verprassen würde. Daher spendete er einen Teil für eine von der Einwohnerschaft begehrten Kirche Damit wollte Hartig dem Ansinnen der Gemeinde finanziellen Nachdruck verleihen, zumal beim Wiederkauf des Amtes, eine vom weimarischen Hof gestattete Filialkirche eingehen würde.

Als Platz schlug Hartig das „alte wüst gelegenen Catholisches Kirchengebäude“ vor, womit das   Klostervorwerk unmittelbar neben dem Gasthof gemeint war.

Offenbar kam es in diesem Zusammenhang auch zum Verkauf des Teichgartens, des Rechenwärterhaus und des Gasthofs zu Neuflemmingen an die Ehefrau Hartigs.

  1. Juni Bericht Borlachs über den Betrieb des Salzwerkes (DD Loc 1337).

In den beiden Pfannen wurden bis zum 14. Juni 4221 Stück (1 Stück ca. 60 kg) Kochsalz gesotten und in den Handel gebracht. Die Einnahmen aus dem Verkauf überstiegen die Ausgaben bereits um 1272 Taler. Im Juni selbst war eine Rekordproduktion von 300 Stück Salz zu verzeichnen. Der Salzdebit wurde nun auch auf den zu Kursachsen gehörenden neustädtischen und den vogtländischen Kreis ausgedehnt. Borlach schlug außerdem vor, den unteren Schacht doch weiter abzuteufen, da die Arbeiten am oberen Schacht doch schwieriger waren und das Auftreffen auf eine zweite Solequelle ungewiß war.

  1. Juli Reskript des Kurfürsten zum weiteren Ausbau der Saline (DD Loc 1337).

Mit den Worten:„Also begehren Wir gnädigst ihr wollet so wohl……als auch Borlachs Vorschlägen gemäß mit tieferer Absenkung des Soolen-Schachtes zu Kösen immer fortfahren und so dann nach Befinden das Salzwerk so weit es nur immer möglich, erweitern…“ genehmigte Friedrich August die Mittel, für den von Borlach vorgeschlagenen Bau eines zweiten Gradierhauses und eines zweiten Siedekots, was für die Herstellung von 30.000 Stück. Salz erforderlich war. Das Kammerkollegium wurde angewiesen, die erforderlichen Mittel bereitzustellen. Borlachs Plan von 1733 zeigt diese geplante Erweiterung, die Anlage eines zweiten Gradierwerkes parallel zum bestehenden, den zweiten Kot an der Straße und den oberen Schacht mit Feldgestänge und Radstube (Kupferstichkabinett Dresden).

     Okt. Auswertung des Salinenbetriebs (Gericke 1966)

Der Salinenbetrieb kostete 10.344 Taler, die Einnahmen aus dem Verkauf von 11.209 Stücken weißes und 28 Stück gelben Salzes brachte 11.616 Taler, damit blieben 1.272 Taler Gewinn, der für den weiteren Ausbau der Saline verwendet wurde. Im Juni konnten täglich 50 Stück Salz gesotten werden.

  1. Nov. Anordnung des Weimarer Hofes wegen des Schulbeamten (WEI DS 2181).

Nach einer Anzeige hatte man die Arretierung des Amtmannes Dr. Mack angeordnet. Ihm wurde Vorteilnahme vorgeworfen. Mack bat um die Aussetzung des Vollzugs und nach Hinterlegung einer Kaution von 2.000 Talern verzichtete der Herzog auf die Inhaftierung.

  1. Nov. Reskript zum Einsatz der Amtsfröner (WER Pforta II Nr. 941).

Der Einsatz sollte zweckentsprechend sein, die Arbeitskräfte nicht überbeansprucht und insbesondere während der Ernte vermieden werden.

  1. Dez. Protokoll der Anhörung von Dr. Mack (WEI DS 2183).

Diese fand im Weimarer Schloss Wilhelmsburg statt. Vor drei herzoglichen Kammerräten erklärte der Dornburger Amtmann Carl Fr. von Tümpling, dass er dem Pfortaer Amtmann Dr. Mack, Wechsel über 1000 Taler und eine goldene Uhr im Wert von 120 Taler ausgehändigt habe. Außerdem seien Schweigegelder bei Grundstücksgeschäften gezahlt worden, wofür es keine schriftlichen Belege gäbe. Daraufhin wurde Dr. Mack aufgefordert, alle in seinem Besitz befindlichen Wechsel, Schuldscheine und Pfandverschreibungen Tümplings zur Prüfung bei der herzoglichen Kammer einzureichen.

             Beschwerde der herzogl.-weimarischen Kammer (WER D 34/ 2/ 1261)

Durch die Inbetriebnahme der oberen Radkunst sank der Wasserspiegel der kleinen Saale noch weiter ab. Außerdem ging viel Wasser über den Scheitbach verloren, wenn dieser für den Holzeinwurf betrieben wurde. Die Pachtmüller in Pforte und Altenburg wurden daher beim Schulamt vorstellig und dieses leitete die Beschwerde der Kammer in Weimar zu. Unter Verweis auf den drohenden Pachtausfall durch den Stillstand der Mühlen verlangte man von der Salinenverwaltung eine entsprechende Änderung. Letztendes erübrigte sich diese Beschwerde mit Beendigung des Wiederkaufvertrages im kommenden Jahr.

1733    

  1. Feb. Schreiben der herzoglich-weimarischen Kammer (WEI. DS 2183).

Dr. Mack wurde angemahnt, die geforderten Amtsunterlagen im Fall Tümpling vorzulegen.

     Juli Der obere Schacht ist auf 100 m abgeteuft (Gericke)

Bis zur Tiefe von 70 Ellen (47 m) wurde eine druckwasserdichte Verzimmerung eingebaut danach kam eine Vollschrotverzimmerung zur Ausführung.

  1. Aug. Beschwerde des Kukulauer Pächters (WEI DS 2190).

Der Nachfolger des bisherigen Pächters Carl Liebmann Danne aus Hassenhausen beschwerte sich über das Chaos, das ihm dieser hinterlassen habe.

  1. Aug. Bericht der Königlichen Kammer (WER, Rep D Pforta, II, Nr. 2582).

Das Kammerkollegium empfahl, bei Rückerwerb des Schulamtes, alle Halbweinberge in Dauerpacht zu vergeben und damit auch das Schulamt von den bisher eingegangenen Verpflichtungen zur Unterhaltung der Weinberge zu entbinden. Zudem hatten sich die Domänenpächter von Fränkenau und Kukulau wegen der von ihnen geforderten Mistfuhren zur Verbesserung der Weinberge beschwert und angeboten, lieber eine höhere Pacht zu zahlen, wenn ihnen dies erlassen würde und der Mist auf die zu den Domänen gehörenden Felder gebracht würde. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass seit dem 13. April 1722 die herzogliche Kammer in Weimarer bereits zur Vollpacht übergegangen war, dies allerdings auf die Dauer des Wiederkaufvertrages begrenzt hatte.  

  1. Sep. Anweisung zur Rückgabe des verpfändeten Amtes (WEI DS 2189).
  2. Okt. Rückgabe des Schulamts an Kursachsen (WEI DS 2191).

Zwischen dem 4. und 11. Oktober erfolgte die dingliche Übergabe auf der Grundlage von Inventar- und Bewertungslisten. Die Wertsteigerung des Inventars in Pforte, Kösen, Kukulau, Fränkenau, Gernstedt, Memleben, Hechendorf und den Saalhäusern betrug 2195 Taler, zahlbar von Kursachsen an Sachsen- Weimar.  

  1. Dez. Vertrag über die Anpachtung der oberen Mühlwiese (MER C 48 IIIb, Nr. 5519).

Die „ Königl.-Churfürstl.- Hochfürstl. Sächs. Commun Saalen Floß Beamten“ und die „Königl. Churfürstl. Amts Rentherey Pforte“ vereinbarten eine dreijährige Pacht mit einer Verlängerungsoption. Die Landesschule erhielt dafür jährlich 26 Meißner Gulden. Außerdem verlangte das Schulamt die Bestrafung all derjenigen, die nicht den vom Dorf zum Holzplatz führende Weg nutzten, sondern über die umliegenden Wiesen liefen. Die Unterzeichner auf Seiten des Floßamtes waren die Beamten Schönfeld, G. Hartig, Chr. Hochhausen und J. G. Tietz, auf Seiten der „Amts-Rentherey“ J. V. Stephel, H. E. Trutzschler, G. Ph. Pfersdorf und C. V. Franke.

           Klage des Gasthofpächters Chr. Mose gegen den Fischhauspächter (WER D 34/ 2/ 1300).

Dieser hatte gegen das „jure prohibendi“ verstoßen, und über den Holzmarkt hinaus Bier ausgeschenkt und Gäste „gesetzt“. Außerdem verklagte der Bäcker Johann Christoph Hollstein Michael Otto wegen Beleidigung.

1734

  1. Mär. Bittbrief der Gemeinde (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182)

31 Hausbesitzer baten im Namen der übrigen Einwohner den König, den Schulbeamten zu befehlen, hier den Bau einer Kirche und die Einrichtung eines Gottesackers zu genehmigen. Als Grund wurde der beschwerliche Weg nach Pforte und der beschränkte Platz des dortigen Friedhofs angeführt und darauf hingewiesen, dass durch die Saline, die Zahl der Einwohner weiter zunimmt. Außerdem würde man man sich auch an der Finanzierung beteiligen.

  1. Apr. Grundstückskaufvertrag zwischen Borlach und Hartig (WER D 34 1/4254).

Borlach kaufte „ein zu Neu-Kösen über Christian Reichmeister“ gelegenes Haus mit 3 Küchen, einer Weinpresse mit zwei „großen Thösen“, dazu Hof, Scheune, Stallung und Garten, die ehemaligen Schidlknechtschen Bauplätze (heute Borlachstr. 1 bis 3). Außerdem kaufte er den Weinberg „der Nicolausberg genannt, von Mauern umgeben und mit einer gewölbten Weinbergs-Hütte versehen“, 4 Acker Feld am Jochenberg und am Äptischen Holz, den Hartig 1728 aus dem Wenzelschen Konkurs bekam. Dafür bezahlte er 1.500 Taler und ließ am 12. Mai den Vertrag vom Amtmann Schindler beglaubigen.

  1. Mai.Schreiben des Konsistoriums an das Schulamt (WER D 34 Anh. 1 Nr. 2182).

Den Bittbrief der Gemeinde hatte der König dem Konsistorium zu Leipzig zum weiteren Verfolg überlassen. Dieses verlangte bezüglich der beantragten „Auspfarre“ einen umfassenden Bericht.

  1. Mai Huldigungseid für Kurfürst Friedrich August II. (Sächs. Hofkalender 1735).

In Naumburg nahm der Geheime Rat v. Bünau stellvertretend für den Souverän den Eid von den Stifts- und Amtsuntertanen ab, zu denen nach Endigung des Wiederkaufsvertrages das Amt Pforte und die Einwohnerschaft von Alt- und Neu-Kösen gehörten.

„Ihr sollt geloben und schwören, daß ihr dem Durchl. Fürsten und Herrn, Herrn Friedrich Augusto, Kgl. Printz in Pohlen und Lithauen, Hertzogen zu Sachsen, Jülich, Cleve, Berg, Engern und Westphalen, des H. Römischen Reichs Ertz-Marschall u. Churfürsten, Landgrafen von Thüringen, Markgrafen zu Meißen, auch Ober-und Niederlausitz, Burggrafen von Magdeburg, gefürsteten Herrn zu Henneberg, Grafen zu der Marck Ravensberg und Barby, Herrn zu Ravenstein, Unserm gnädigste Herrn und Sr. Königl. Hoheit männlicher Leibes-Lehns-Erben und nach dieser Linie Absterben (so GOtt in Gnaden verhüte) Dero Herren Vettern Fürstlicher Durchlauchtigkeiten, Churfürstlichen Stammes, anietzo Weißenfelsischer und Merseburgischer Linien, und Deroselben Leibes-Lehns-Erben und nach Abgang dieser Chur-und Fürstenlinien männlichen Stammes Dero andern Herren Vettern, Ernestinischer Linien und Ihrer Fürstlichen Durchlauchtigkeiten und Gnaden männlichen Leibes-Lehns-Erben nach Inhalt der Röm.- Kayserl. Belehnung, und im Fall der ganze männliche Stamm der Chur- und Fürsten zu Sachsen Todes abgegangen und verstorben wäre (welches Gotte gnädiglich verhüten und abwenden will) alsdenn dem Landgrafen zu Hessen und Ihrer Fürstlichen Durchlauchtigkeit und Fürstl. Gnaden männlichen Leibes-Lehns-Erben alles mit Unterschied, hergebrachter Gewohnheit und vermöge Ihrer Königl. Hoheit, Fürstl. Durchlauchtigkeiten und Fürstl. Gnaden allerseits respective Erb-Verbrüderung, Erb-Theilung und obangeregter Kayserl. Belehnung, wollet getreu, hold und gehorsam seyn, auch nicht in dem Rathe, vielweniger bey der That seyn, die wider Ihro Königl. Hoheit und Fürstl. Durchl. auch Fürstl. Gnaden gehandelt oder gerathschlaget würden. Ihrer Königl. Hoheit, auch Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden und Deroselben Erben, Frommen, Ehre und Nutz fördern, Schaden warnen und wenden, nach euren besten Vermögen. Insonderheit da ihr erfahret, daß etwas Ihrer Königl. Hoheit und Ihren Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden an Leibe, Ehre, Würde und Stande zugegen und Nachtheil, oder Ihren Chur- und Fürstenthümern fürgenommen werden, solches Ihrer Königl. Hoheit, auch Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden offenbahren und daß auch euch oder die eurigen treulich verhüten, auch vor eine eigene Person wissentlich nichts vornehmen, daß Ihrer Königl. Hoheit, auch Ihren Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden zu Schaden oder Nachtheil kommen möchte und Ihrer Königl. Hoheit, auch Fürstl. Durchl. schuldige Dienste, Pflicht und Gehorsam leisten, auch sonsten alles andere tun, halten und lassen, was getreue Unterthanen gegen Dero Landes-Fürsten von GOttes auch von Gewohnheit und Rechts wegen zu thun und zu lassen schuldig seyn, gantz treulich und ohne Gefahr.

  1. Juli Anordnung des Kammerkollegiums (WER, Rep. D 34 Pforta II).

Das Schulamt wurde angewiesen, die Weinberge in Voll- bzw. Dauerpacht zu geben. Dazu sollte der Bauverwalter Hoffmann eine ordentliche Vermessung vornehmen und die Erträge taxieren, um die Höhe der Erbpacht zu berechnen, die der Schule einen angemessenen und dauerhaften Ersatz für die bisher erhaltenen Naturalabgaben gewährten.

  1. Juli Schreiben der kurfürstl. Kammer an den geistlichen Inspektor (WER D 34 2/2642)

 

Der geistliche Inspektor hatte angefragt, ob der Amtmann Spindler „die von denen weimarisch erbaute Emporkirche mit den seinigen“ noch betreten dürfe. Demnach gab es hier während der herzogl. weimarischen Periode eine Filialkirche, die von dem in weimarischen Diensten stehenden geistlichen Inspektor betreut wurde. Nunmehr wurde angefragt inwieweit nach der Rücknahme des Amtes durch Kursachsen zu verfahren sei. Die Antwort der Kammer „So können wir doch geschehen lassen, daß er außer den Fall, wenn einige Räthe, Commissarien oder der adliche Inspector gegenwärtig, derselben zu Abhaltung des Gottesdienstes mit denen Seinigen sich bedienen möge“ womit es der Einwohnerschaft gestattet war, die „Emporkirche“   weiter zu nutzen.

  1. Dez. Bericht zum Antrag auf „Auspfarrung“ (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182)

Spindler verwies in seinem Bericht darauf, dass man die „alte Capelle zu Alt-Kösen“ nicht als Kirche nutzen könne. Diese maß 16 Ellen (9,2 m) im Lichten und 7 Ellen (3,7 m) in der Höhe, hatte keine Fenster und wird als Scheune vom Vorwerk genutzt. Einem Durchschlagen neuer Fenster und der Erhöhung würden die Mauern nicht standhalten und ein Ersatzbau für die Scheune würde dem Schulamt 600 Taler kosten. Außerdem sei absehbar, dass der Bau bei einer Erweiterung des Salzwerkes ohnehin im Wege stehen würde. Spindler schlug zwar einen Platz in Neu-Kösen vor, wo der schwedische Obrist Wentull 1706 den Tod fand und begraben wurde, meinte aber auch, dass die Gemeinde weder in der Lage sei, für den Bau aufzukommen, noch für den laufenden Unterhalt einer Pfarrstelle.

               Im oberen Schacht stößt man auf eine siedefähige Sole (Senff jr. 1816).

In einer Tiefe von 81 Lachtern (ca. 162 m) stieß man dann auf die Quelle, deren Konzentration und Ergiebigkeit höher als die des unteren Schachtes war. Damit bewies Borlach erneut seine Genialität bei der Mutung von Solevorkommen durch die konsequente Anwendung geologischer und stratigrafischer Erkenntnisse.

               Erweiterungsplan für das Salzwerk

Zur täglichen Fördermenge von 730 Kubikellen (130 m³) aus dem unteren Schacht kamen nun weitere 1440 Kubikellen (260 m³) aus dem oberen Schacht. Damit rückte die von Borlach 1733 vorgeschlagene Verdoppelung der Gradierflächen und der Siedepfannen in greifbare Nähe. Das zweite, untere Gradierwerk, das parallel aber viel zu nah am ersten Haus stand, wurde nachfolgend mehrfach umgebaut. E. Fr. Senff jun. gab 1816 die Gesamtlänge mit 648,5 Ellen (434,5 m), die Höhe mit 13,5 Ellen (9 m) und die nutzbare Dornenwand auf beiden Seiten mit 7920 m² an. Es wurde bei der Einstellung der Saline 1860 abgerissen.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34)

Christine Thieme verklagte Rosine Leppe wegen Beleidigung, Christina Sibylla Vetter die Katharina Elisabeth Beyer wegen Diebstahls. Vor Gericht standen Dorothea Hilprecht und Michael Schulze wegen „Hurerei“, Dorothea und Christian Beyer, Christian Richter und Maria Elisabeth Weißgerber wegen übler Nachrede. Außerdem verklagte der Pächter des Fischhauses Christoph Becker den Gasthofpächter Christoph Mose wegen Beleidigung und der Schlosser Johann Peter Vetter die Sophia Wagner ebenfalls wegen Beleidigung. Der Salzsiedemeister Moritz Wagner mußte sich wegen übler Nachrede verantworten. Christoph Reiße verklagte den Fischhauspächter wegen „ungebührlichen Spielens“.

1735

               „Kgl. Pohln.- Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN. digit.).

Dieser listete alle bei Hof oder im Staatsdienst stehenden Personen vom Kammerherrn bis zur Scheuerfrau im Hofstaat der Kurfürstin auf. Zu den Bediensteten bei der Saale-Flöße gehörten als Ober-Aufseher Johann Heinrich von Schönfeld, der Floßmeister Georg Hartig, der Floßschreiber und Floß-Zoll-Holzeinnehmer Martini und der Floß-Gegenschreiber Johann Schröter. Die drei letzteren wohnten alle in Kösen. J. G. Borlach wurde unter den „Architecti, Ingenieurs und Künstlern“ als Mechanici aufgeführt.

  1. Mär. Floßmeister Hartig verkauft den Teichgarten seiner Frau (WER D 34 Anh. 2/2301)

Das Anwesen hatte er aus dem Wenzelschen Nachlass erworben (Borlachstraße 42/43).

  1. Apr. Anordnung des Kammer-Kollegiums (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182)

Erneut wurde Konsistorium daran erinnert, sich zur Auspfarre und die Einrichtung einer eigenen Kirche zu Kösen zu äußern. Außerdem wurde nochmals die Regulierung der Bezahlung und der Wohnung des Kinderlehrers angemahnt.

  1. Mai Beschwerde des Amtmannes Berlepsch (WER D 34 Pforta Anh.2/2292).

Der Nachfolger von Dr. Mack beklagte bsich über den Ungehorsam und die Widerspenstigkeit der Kösener Einwohner gegen die Anordnung zur Gerichtsfolge bei der Bewachung von in Pforta einsitzenden Verbrechern. Am 09. Juni erhielt Berlepsch aus Dresden die Anweisung, die Einwohner ernstlich an ihre Pflichten zu erinnern und die Unbelehrbaren gehörig bei Hofe anzuzeigen.

  1. Juli Anordnung des Konsistoriums an das Schulamt (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182)

Dieses forderte nun seinerseits die Stellungnahme vom Schulamt.

  1. Juli „Specification derjenigen Kinder in Kösen…“(WER D 34 Pforta Anh.2/2642).

Diese Aufstellung des Kinderlehrers Machenoch, die für den geistl. Inspektor bestimmt war, listete die 44 in Alt- und Neu-Kösen wohnenden schulpflichtigen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren auf. Da der Kinderlehrer auf das Schulgeld der Eltern angewiesen war, brachte ihm die unregelmäßige Teilnahme am Unterricht in arge Existenznöte, und er bemerkte: „Dieses Quartal von Petri Pauli biß Michael 1735 haben kaum 12 bis 15 Kinder, darbey seynd über die Helffte kleine, so noch nicht 6 Jahre alt, von welchen ich für die Woche 3 Stunden bekomme, und beläuft sich das Schulgeld wöchentlich nicht höher als etwan 5 oder 6 Gr. zur Besoldung und Alimentation. Wenn nun diejenigen, so ihre Kinder im Hauße behalten, nicht das Quartiergeld geben wollen, wie sie sich denn deßen weigern, so fällt diesen wenigen schwer, die Schule länger zu erhalten, auch kann kein Lehrmeister dabei subsistiren und muß die Schule wieder zu Grunde gehen, woferne kein Hohes Einsehen geschieht und die halsstarrigen dazu angehalten werden.“

  1. Juli Beschwerde der Einwohner (WER D 34 Pforta II Nr. 2292).

Der Grund für die Streitigkeiten war die Anordnung des Schulamts, bei einem am rechten Ufer der Saale „ersoffenen Menschen“ Wache zu halten. Betroffen davon waren der „Licentiat juris“ Johann Friedrich List, der Königl. Polnische Floßschreiber Emanuel Martini, der wegen seiner Dienststellung ohnehin von derartigen Diensten freigestellt war, und zwei weitere Dorfbewohner. Dagegen protestierte die Einwohnerschaft und berief sich auf die ihnen bei der Ansiedlung versprochenen „possessione libertatis“- verschiedene Freiheiten, wie Einquartierungen und Gerichtsfolgen. Sie erklärten, dass, wenn sie vom Schulamt dazu gezwungen werden sollten, vor dem Oberhofgericht in Leipzig dagegen klagen würden. Den Brief unterzeichneten neben dem   Ortsrichter Peter Nicolai weitere 19 Hausbesitzer darunter J. S. Hämmerling, J. Chr. Mathesius, Chr. Schröter, G. W. Bürger, J. Chr. Hollstein und die Witwen Christa Jäger und Maria Theuring.

     Aug. Schreiben des Kinderlehrers an das Schulamt (WER D 34 Pforta 2/2642).

Die Beschwerde des Kinderlehrers hatte das Schulamt veranlaßt, den Familien mit Strafe zu drohen, die ihre Kinder nicht regelmäßig zur Schule schickten und die Zahlung des Schulgeldes verweigerten. Die Eltern erklärten, dass sie ihre Kinder nicht schicken würden, weil der Lehrer sich dem Alkohol hingibt. Auf die Vorstellung des Schulamtes versuchte sich Peter Machenoch bei der Schulaufsicht zu rechtfertigen: „Herrn Magnificenz, Hoch- und Ehrwürden…. Daß mich einige in Kösen beschuldigt, als wenn ich dem Branntwein sehr liebe, besteht zwar nicht die Wahrheit, iedoch leugne ich auch nicht, daß ich welchen, aber nicht im Überfluß, trinke. Ursach, weilen ich die ganze Woche nichts warmes zu essen habe, sondern mit Waßer, Brot, Saltz oder ein wenig Käse mich behelfen muß, und zwar deshalben, weilen die Besoldung schwach, denn das Schulgeld dieses Jahr sich nicht höher als 22 Taler 8 Groschen in allen belauffen hat……, von Wäscher-Lohn davon abziehe, habe 20 Taler zu meiner jährlichen Verpflegung, dieselben in 365 Tagen eingeteilt, so habe täglich nicht wohl 8 Pfennige zu verzehren, welche, wie schon gemeldet in trockenen Brote aufgehen.“

Dem Schreiben ist zu entnehmen, dass Machenoch zur Miete wohnte und deshalb nicht nur auf das Schulgeld sondern auch auf das „Quartiergeld“ angewiesen war. Sein Vorgänger Euerling besaß zwar ein eigenes „Häußgen“ bewegte sich aber wegen der geringen Zahl an Kindern aus zumeist armen Familien am Rande der Existenz. Die untertänige Bitte, ihm doch den notwendigen Lebensunterhalt zu sichern, fand beim geistlichen Inspektor der Schule und damit seinem „Chef“ offensichtlich kein Gehör. Er gab auf und nach Hinsche wurde 1736 Johann Ernst Hucke sen. Kinderlehrer.

  1. Aug. Indemnisationsurkunde (WER Rep. F 23, VII Nr. 1b).

Damit wurde der von Borlach mit dem Schulamt ausgehandelte Pachtvertrag vom Kammerkollegium genehmigt. Das Salzwerk übernahm 9 Acker (d.s rd. 5 ha) und zahlte dem Schulamt eine einmalige Entschädigung von 200 Gulden. Ab 1736 wurden jährliche 70 Gulden Pacht fällig bis zu einer Einstellung der Saline. Das Geld kam aus der Salinenkasse und sollte vom Schulverwalter Georg Philipp Pfersdorff ordnungsgemäß quittiert werden. Außerdem wurde vereinbart, dass die Schule ihren Salzbedarf direkt von der Saline abholen konnte, d.h. das Salz kam nicht erst in eine Niederlage, wo es besteuert wurde, allerdings sollte bar bezahlt werden. Borlach hatte die ordnungsgemäße Durchsetzung des königlichen Willens beauftragt zu besorgen.

Das Salzwerk war nun ein eigenständiger Polizeibezirk. Der Salinendirektor übte die Gerichtsbarkeit bei allen Zivil- und Kriminalfällen aus soweit sich diese auf dem Salinengelände abspileten, genaussowire die Polizeigewalt über alle sich ständig oder zeitweise auf der Saline befindlichen Personen. Außerhalb der Saline galt die Amtsgerichtsbarkeit.

  1. Aug. Stellungnahme der Einwohnerschaft (WER Pforta Anh.2/.2292).

Diese verweigerte erneut die Gerichtsfolgeund führte dazu an, dass ihnen als Arbeiter bei fiskalischen Unternehmen (Flöße, Salzwerk) die sonst üblichen Gerechtsame die die Einwohner der Dörfer und Städte hatten, fehlte. Ihre einzige Nahrungsgrundlage wäre der karge Lohn, weshalb ihnen seit jeher die „possessione velquasi naturalis libertatis“ zustanden, wie die Befreiung von Steuern, Frondiensten, Einquartierungen und der Gerichtsfolge. Daraufhin wurde das Oberhofgericht in Leipzig zur rechtlichen Bewertung eingeschaltet.

  1. Nov. Verpachtung der Mertendorfer Weinberge (WER, D 34 Anh. 2, Nr. 2582).

Noch kurz vor dem Abschluss der Verträge hatten die Pachtinteressenten um die Beibehaltung der Befreiung der Weinberge von allen übrigen steuerlichen Lasten nachgesucht. Nach Rücksprache mit dem Obersteuereinnehmer, der bestätigte, dass die Weinberge von alters her steuerfrei waren, wurde dies auch für die Zukunft gewährt.

  1. Dez. Memorial der Floßbeamten zum Kirchenbau (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Die Floßbeamten Hartig und Martini äußerten sich darin über den möglichen Standort, die Finanzierung und die Beteiligung der Gemeinde an den Baukosten. Den Platz rechterhand der Brücke hinter dem Floßhaus an der Landstraße lehnten sie ab. Als Grund wurde die Lage zwischen dem Nikolausberg und den Häusern angegeben, die die Sicht verstellten und den Klang der Glocken verminderten, sowie die Lage des Gottesackers unmittelbar an der Landstraße, was den Reisenden nachts Angst machen würde. Erneut kam die „Catholische Capelle“ neben dem Gasthof in Vorschlag Hier gäbe es bereits feste Grundmauern was die Baukosten vermindern würde. Außerdem würde die Kirche gut sichbar und die Glocke weit zu hören sein. Außerdem stünde sie direkt über den segensreichen Salzquellen, was als Zeichen Gottes gedeutet werden könnte. Sie schlugen weiterhin vor, die Scheune, den Schafstall und den Gasthof wegen des Salzwerkes woanders hinzubauen. Über die Kosten und eine Beteiligung der Einwohner sollte erst nach der Genehmigung des Kosistoriums verhandelt werden.

             Kupferstich von J. W. Stör: „Abbildung der großen steinernen Brucken zu Kößen“

Dieser Stich gehörte zum „Historischen Schauplatz in welchem die merckwürdigsten Brücken aus allen vier Theilen der Welt…vorgestellt und beschrieben werden“ (Bd. 2), den Carl Chr. Schramm zusammenstellte und in Leipzig bei Bernhard Christian Breitkopf gedruckt wurde. Obwohl die Wiedergabe der örtlichen Gegebenheiten alles andere als zutreffend ist, zeigt dieses Bild doch die recht ungewöhnliche, weil ungleichmäßige Ausführung des Bauwerkes, drei Bögen am rechten und ein Bogen am linken Ufer als Rundbogen, die vier mittleren sind Spitzbogen. Weshalb man im 15. Jahrhundert zwei unterschiedliche Konstruktionen wählte, ist nicht bekannt und lässt Raum für Spekulationen. Möglicherweise gab es zwei Bauabschnitte, wobei zunächst Rundbögen an beiden Ufern errichtet wurden. Der mittlere Teil könnte dann, wie an vielen anderen Orten auch, zunächst noch von einer Holzkonstruktion überbrückt gewesen sein, die später durch die steinernen Spitzbogen ersetzt wurde. Möglicherweise wählte man Spitzbögen, weil sie der Langholzflöße auch bei hohem Wasser eine weniger gefährliche Passage ermöglichten.

Die Brücke war schmal, nicht breiter als die Brücke über die kleine Saale unmittebar vor der Floßschreiberei, für die 8 sächsische Ellen, d.s. 4,5 Meter, angegeben sind. Das brachte natürlich Probleme mit sich, wenn sich beladene Fuhrwerke mitten auf der Brücke begegneten.

Der Stich zeigt weiterhin die „ohnfern gelegenen Gebäude“, wie das Floßamt, die Floßschreiberei, den Gasthof und die Mühle mit dem 1725 entdeckten Gesundbrunnen. Muttergotteshäuschen, Schwedenstein, Eiswehr, Reichs-Heerstraße, Mühl- und Gemeindeweg sind ebenfalls erfaßt. Den markanten Wehrdamm hat der Stecher dagegen wohl übersehen, ebenso die beiden Kunsttürme, obwohl die beiden Radkünste und die zwischen der Floßschreiberei und dem Gasthof entlang laufende Überlaufrösche des unteren Solschachtes erfasst wurden.

        J. G. Borlach beantragt die Übernahme des Gasthofs (WER D 34 Anh. 1/3597)

Nicht nur die etwas abseitige und auf einer kleinen Anhöhe Lage des Gasthofes hatten sich als nachteilig für die Erreichbarkeit mit beladenen Fuhrwerken erwiesen. Nun schränkten der Solschacht, das hin und her schiebende Kunstgestänge und die zum Gradierhaus führende Röhrenfahrt den Verkehr noch weiter ein. Der Pächter klagte über immer mehr Einbußen und drohte mit Einstellung der Pachtzahlungen, worauf die Schulbeamten beim Salinendirektorat interveniertemn. Außerdem gab es Ärger beim Bierschank. Das Brauhaus gehörte noch dem Floßmeister Hartig, der das Schankrecht in Neu-Kösen inne hatte. Hier hatten sich inzwischen etliche Neuankömmlinge niedergelassen. Darunter auch Bergleute, die bei der Abteufung der Schächte gebraucht wurden und daher zeitweise zur Miete wohnten. Die unterlagen nach Auffassung des Pächters nicht der Schankgerechtigkeit des Brauhauses sondern der des Gasthofes. Um dem ein Ende zu machen, wollte Borlach den Gasthof und damit den Pächter durch Übernahme unter die Jurisdiktion der Saline bringen.

           Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34)

Wegen „ungebührlicher Reden“ wurden der Salzsieder Andreas Stein und der Pachtmüller Christian Thieme verklagt, gleichermaßen Lorenz Thieme und Christian Lange wegen „Real- und Verbalinjurien“. Verantworten mußte sich der Zimmermeister Andreas Thieme wegen Bierschanks und Gästesetzens. Michael Jäger bemühte das Gericht wegen des Erbes seines Vaters in Neu-Kösen und der Gasthofpächter Chr. Mose verklagte Christian Böhme wegen „injuriarum“. Der Bergmann Hans Georg Fischer wurde wegen Begünstigung verklagt.

1736    

  1. Jan. Schreiben der kursächsischen Rentkammer (WEI Floßsachen B 12173)

Diese teilte der herzogl. Kammer zu Weimar mit, dass man den Oberaufseher der kurfürstlichen Flöße Schönfeldt, den Floßmeister Hartig und den Leipziger Amtmann Wagner angewiesen habe, die vereinbarten 500 Taler Vorschuss aus der Floßkasse zum Holzeinschlag für die kommende Flöße zu leisten, um den Einschlag rechtzeitig zu beginnen, damit das Holz den Sommer über gut trocknete, was den Verlust durch Sinkholz verringerte. Die Anordnung betraf den Commun-Vertrag von 1732 und die 5. Flöße im kommenden Jahr, wobei bisher das aus den schwarzburgischen Wäldern mit dem Vertrag von 1723 vereinbarte Holzkontingent abgeflößt wurde.

  1. Jan. Beschwerde des Ortsrichters Peter Nicolai (WER D 34 Anh. 2 /2292).

Der Strumpfwirker wohnte in einem der „Sieben Häuser“ und hatte das Amt des Ortsrichters von Michael Otto übernommen. Ihm hatte das Schulamt befohlen, durchmarschierenden Militäreinheiten ortskundige Führer bis zur Amtsgrenze mitzugeben. Dem kamen die Einwohner mit dem Hinweis auf ihre Freiheiten nicht nach, worüber sich die Kommandeure beim Schulamt beschwert hatten.

  1. Mär. Memorial zum Kirchenbau (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Hartig, Martini und der Advokat List teilten dem geistlichen Inspektor und dem Schulbeamten mit, dass man von einer eigenen Kitrche zunächst Abstand nehmen müsse. Wegen der finanziellen Beteiligung hatten die ärmeren Einwohner die Auspfarre abgelehnt. Außerdem könnte man sich einen eigenen Pfarrer ohnehin nicht leisten konnte, nachdem es der geistliche Inspektor abgelehnt hatte, sich zum Gottesdienst und aller übrigen kirchlichen Terminen nach Kösen zu begeben. Man bat abschließend um eine Unterredung vor Ort, um über Alternativen zu beraten.

  1. Apr. Reskript der kurfürstlichen Kammer (WER D 34 1/4254).

Das Schulamt wurde aufgefordert, sich zur „Bewandniß mit dem Wenzelschen Creditwesen“ zu äußern. 19 Jahre nach Wenzels Suspendierung und 9 Jahre nach dessen Ableben beschäftigte der Floßmeister erneut die Beamten. Die Sache hatte der Hofrat Dr. Heinrich Christoph Schüßler ins Rollen gebracht, als er bei der Prüfung der Jahresrechnung 1717 feststellte, dass sich hier ein „Floß-Administrations-Rest“ in beträchtlicher Höhe angesammelt hatte. Bei näherer Prüfung der Jahre 1700 bis 1717 hatte er nun herausgefunden, dass rund 34.000 Gulden auf Versäumnisse und Nachlässigkeiten des Floßmeisters zurückzuführen seien und dieser auch dafür haften müsse.

Da der Floßmeister verstorben und sein Nachlass war versteigert wurde, überzeugte Schüßler August den Starken davon, dass der Fiskus seine Ansprüche auch gegenüber den Nachkommen und denjenigen, die bei der Subhastation des Nachlasses Immobilien erworben hatten, durchsetzen könne. August der Starke wies daher das Schulamt an gehörigen Bericht abzugeben, zumal sich die Ereignisse während des Wiederkaufs zugetragen hatten und im kursächsischen Kammerarchiv nur wenige diesbezügliche Unterlagen vorhanden waren.

  1. Mai Anschreiben an die „Wenzelschen Creditoren“ (dto.)

Über die von der Kammer angestrebte Rückforderung im Zusammenhang mit der gegenüber dem Wenzelschen Nachlass geltend g,machten Forderung aus dem „Floßadministrations“-Geldern, wurden in Kenntnis gesetzt: „S. Hochwürdigen Wohlbestallte Syndicus des Dom-Capitels zu Naumburg“ Georg Friedrich Beyer, der Floßmeister Georg Hartig, der Licentiat J. Fr. List, für sich und in Vollmacht für den Floßvorsteher von Merseburg, der Steuer-Prokurator Bernhard Christian Lepner ebenfalls für sich und in Vollmacht für Wolff Christoph Wenzel, Maria Dorothea Lepner und Magdalena Sophia Kanneberg.

Maria Dorothea, die Witwe des Floßmeister Wenzel, war in zweiter Ehe mit dem Steuer-Prokurator verheiratet, Wolff Christoph war ihr Sohn aus der Ehe mit dem Floßmeister und die Kannebergern war seine verwitwete Schwester. Alle wohnten inzwischen in Naumburg.

  1. Juni Antrag Borlachs auf Übernahme der Schäferei (WER D34 Anh. 1/2611).

Nicht nur mit dem Pächter des Schulengasthofs sondern auch mit dem Pachtschäfer kam es immer wieder zu Reibereien wegen dem Solschacht. Heftig beklagte sich der Schäfer, dass seine Schafe von der Sole (die in offenen Röschen zum Salzwerk bzw. zur kleinen Saale lief) trinken und daran zu Grunde gehen würden. Borlach meinte, dass es besser sei, anstelle der ohnehin desolaten Stallungen, eine neue Schäferei zwischen dem Salzwerk und der „Kettenbrücke“ zu errichten.  

  1. Juni Befehl der Kammer an das Schulamt (dto).

Die Beamten sollten sich zur Überlassung der Schäfereigebäude an die Saline äußern und ihre Vorstellungen bezüglich eines Neubaus darlegen.

  1. Juni Schreiben des Floßmeisters Hartig an August den Starken (WER D 34 1/4254).

Zur Aufforderung des Schulamtes sich zur Rückersatttung der aus dem Wenzelschen Konkurs ersteigerten Immobilien zu äußern, meinte Hartig „…so kann ich doch in aller Unterthänigkeit nicht verhalten, daß diese Wenzelische Concurs-Sache verlängstens und rechtkräftig Urtheil ausgemachet, die Creditores lociret und die völlige Concurs-Maße, soweit solche gereicht, distributiret worden.“ Der „Curatore litis“ habe zudem beschworen: „..daß er alles dasjenige was zum besten des Concurses gereichet, treulich beobachten, die ausstehenden Schulden so viel möglich eintreiben, das Creditwesen auf alle Art und Weise besorgen, mithin all dasjenige thun wolle, was einem Curatore Litis bey dergleichen Fällen zu verrichten obliegt und gebühret.“ Demzufolge wäre die Aufhebung der Subhastation rechtlich gar nicht mehr möglich. Außerdem habe er im guten Glauben an die Rechtmäßigkeit in den vergangenen acht Jahren erhebliche Mittel in die doch recht vernachlässigten Immobilien gesteckt. Dass er außer dem Brau- und dem Backhaus alles Übrige gewinnbringend weiterverkauft hatte, blieb unerwähnt.

  1. Juni Kammerreskript bezügl. der Floß-Administrationsgelder (WER D 34 1/4254).

Auch die Rechtskraft des amtlichen Subhastationsverfahrens konnte Dr. Schüßler nicht von seinem Vorhaben abbringen, zumal er herausfand, dass die nach sächsischer Prozeß-Ordnung vorgeschriebenen Aushangfristen nicht eingehalten wurden. Außerdem war er der Ansicht, dass das gemeinsame Gebot des Floßmeisters Hartig und des Advokaten List eine „Collusion“, eine dem Konkurs schädliche Preisabsprache war. Erneut wies die Kammer das Schulamt an, die „Creditoren“ Wenzels, wegen der „gesuchten Restitution in integrum“ vorzuladen und anzuhören.

  1. Juli Schreiben des Kammerkollegiums (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Vom Konsistorium wollte man wissen, ob die Gemeinde immer noch dazu stehen würde, sich mit eigenen Mitteln am Kirchenbau zu beteiligen und den Unterhalt des Pfarrers gewährleisten könne.

  1. Juli Stellungnahme des Floßmeisters Hartig und des Advokaten List (WER D 34 1/4254).

Hartig erklärte, dass er Forderungen in Höhe von 1916 Taler und zwei Wechsel gegenüber dem Wenzelschen Nachlaß geltend gemacht habe. Das habe man mit dem von ihm und List abgegebenen Gebot verrechnet. Das hatte der herzoglich-weimarische Schulamtmann Dr. Mack 1728 beurkundet, nachdem List und Hartig sich über die Aufteilung geeinigt hatten und war 1729 vom  Kammer-Konsulent Hofmann mit einem Liquidationsurteil bestätigt worden. Die Anspielung, dass die Verwandschaft von Hartig und Mack die Beurkundung begünstigt hätte, wies Hartig entschieden von sich. Er habe die Tochter des Hochfürstl-weimarischen Rat- und Amtmannes Mack, Sophia Juliane, am 24. Juli 1732 geheiratet, nachdem seine erste Frau Anna Elisabeth geb. Koch im Jahr 1731 verstorben war.

  1. Juli Bauplan für die neue Schäferei (WER D 34 Anh. 1/2611).

Der erste Entwurf des Schulbaubeamten Hoffmann war ein Vierseitenhof. Dieser sollte „auf der Straßen-Seite gegen Mittag“, hinter der Saline, wo die Landstraße nach Naumburg die Richtung auf den Galgenberg nahm, errichtet werden. Den Hof umgaben ein Schafstall, ein Lämmerstall und ein Rinderstall, deren Dachböden als Schütt- und Futterboden vorgesehen waren. Den Abschluss bildeten ein Holz- und ein Pferdestall sowie eine zweigeschossige Wohnung für den Schäfer und dessen Gesinde. Dieses bestand im Erdgeschoß aus einer beheizbaren Stube, einer   Schlafkammer für den Schäfer, einer Küche mit dem Herd, der Milch- und Speisekammer und dem „Privat“. Vor dem Küchenfenster stand der Brunnen. Hoffmann veranschlagte für den gesamten Bau Kosten in Höhe von über 9000 Talern.

Der zweite Entwurf war abgespeckt und detaillierter. Das Wohnhaus des Schäfers maß 17 x 7 Meter, war aber eingeschossig. Neben der beheizbaren Stube, gab es eine Schlaf- und eine Kinderkammer, in der Küche stand der Herd mit dem Kessel in der Mitte, daneben an der Außenwand der Ausguß. Neben der Küche befand sich in einem Gewölbe der Backofen, daneben lagen die Milchkammer und die Gesindekammer. Von hier aus führten Treppen zum Keller und zum Bodenraum. Der Futterkasten für das Federvieh war so angeordnet, dass man aus dem Fenster füttern konnte, ebenso konnte das Wasser direkt vom Küchenfenster aus dem Brunnen geschöpft werden. Ein geräumiger Flur ermöglichte den direkten Zugang zu den 6 Schweinekoben am linken Giebel, wo sich auch die Abtritte befanden und zu den Viehställen am rechten Giebel. Hier hatte Hoffmann 30 Plätze für die Milchkühe und 4 für Pferde sowie einen Wagenschuppen geplant. Gegenüber auf der anderen Seite des 36 x 23 Meter messenden Hofes lagen die Tennen und auf der dem Wohnhaus gegenüber liegenden Seite stand der 56 x 10 Meter große und geräumige Schafstall.

  1. Aug. Gutachten Borlachs zum Entwurf des Bauverwalters (WER D 34 Anh. 2/2611).

Borlach war der Ansicht dass der Entwurf Hoffmanns zu eng gegriffen und zu teuer sei und in keinem Verhältnis zu einer möglichen Pacht stand. Er schlug den Ausbau zum Vorwerk vor. Die Anzahl der Schafe von derzeit 500 bis 600 Mutterschafen und Jährlingen, sollte verdoppelt werden, die Kosten für die Unterbringung der Hammel die beim Ablammen nach Pforte gebracht wurden, könnte damit entfallen. Die Verdoppelung der Tiere bedingte auch die Verdoppelung der Lagerflächen für Futter und Stroh. Borlach schlug außerdem vor, auch die Anzahl der Rinder von derzeit 30 auf 50 Stück zu erhöhen. Zur Deckung des Futterbedarfs sollten dem Vorwerk die in der Saaleaue gelegenen Felder und Weiden, die zu den Vorwerken Kukulau und Fränkenau gehörten, zugeschlagen werden. Er legte einen eigenen Plan vor, ebenfalls einen Vierseitenhof neben der Saline an der Landstraße allerdings über den Mordgraben gelegen, bestehend aus einem Wohnhaus, dem Viehstall mit Schüttboden, der Scheune, einem großen Schafstall und einem Holzschuppen. Um den Hof zu erreichen, sollte der Mordgraben überbrückt werden. Die Gesamtkosten beliefen sich nach seiner Zusammenstellung auf 7808 Taler. Er war der Auffassung, dass das Vorwerk für 1000 Taler verpachtet werden kann. Die Pacht der alten Schäferei betrug dagegen 400 Taler.

Borlach bat allerdings darum, unabhängig von seinem Vorsschlag, das Schulamt solle „so viel ersuchen wollen…, daß gebaut werden soll, es sei nun auf die eine oder andere Art…“

Seiner Ansicht widersprach der Schulverwalter Georg Philipp Pfersdorf „Ein großes Vorwerk aus dieser Schäferei zu machen … ist kein Vorteil vor die Schule abzusehen, zumal das wenig Gräserey zu Kösen vorhanden und also eine starke Viehzucht daselbst nicht gehalten werden kann.“ Pfersdorf verwies dabei auf das gerade dem Salzwerk überlassene recht unfruchtbare Grundstück.

  1. Sep. Terminfestlegung für die Anhörung der Wenzelschen „Creditoren“ (WER D 34 1/4254).

Nachdem die Kammer die Beschleunigung der Angelegenheit angeordnet hatte, wurde der Termin bestimmt und die ehemaligen Gläubiger vorgeladen, dann jedoch wegen mehr oder weniger begründeter Absagen auf den 22. Oktober verschoben.

  1. Okt. Stellungnahme J. G. Borlachs (WER D 34 Anh.1/4254).

Inzwischen hatte der Hofrat Schüßler das Restitutionsbegehren auch auf diejenigen ausgedehnt, die als Nacherwerber in den Besitz von Teilen des Wenzelschen Nachlasses gekommen waren, darunter Borlach, der ja von Hartig den Weinberg und die Äcker am Abtischen Holz erworben hatte. Borlach verwahrte sich unter Vorlage des amtlich beurkundeten Kaufvertrages aus dem Jahr 1734 gegen ein derartiges Begehren.

  1. Okt. Klagebegründung des Hofrates Schüßler (WER D 34 Anh. 1 Nr. 4254).

Schüßler meinte, dass die „vermeintlichen Käuffern und dermahligen Besitzern deren Wenzelischen Grundstücke“ wegen Verfahrensfehler und unzulässigen Absprachen unrechtmäßig in den Besitz gekommen waren und demzufolge auch der Weiterverkauf unzulässig sei. Allerdings hatt sich der Kreis der „Imploranten“ geändert. Neben Hartig und List standen Hartigs Frau und Borlach auf der Liste, während das Domkapitel, Wenzels Witwe, seine Schwester und sein Sohn nicht mehr als „Creditores“ erwähnt wurden. Mit einer umfassenden Gegenbegründung widersprach der Advokat List Schüßlers Klage und verlangte die Erstattung der ihm und seinen Mandanten entstandenen Gerichtskosten.

  1. Okt. Anschreiben des Schulamtes an den Weimarer Hof (WEI DS 2195).

Erneut bat man um die Herausgabe der dem Floßmeister Wenzel von der herzogl. Flöße überlassenen Administrationsrechte, die im Schulamt nicht auffindbar waren.

     Okt. Abschluss der Ausbauarbeiten am oberen Schacht (Gericke 1966)

Danach wurde mit dem Bau des Verbindungsstollens zwischen dem unteren und oberen Schacht begonnen. (Mager, Senff). Dieser lag in 514 Fuß Tiefe (161 m) und hatte eine Länge von insgesamt 774 Fuß (243 m), eine Breite von 1,1 m und eine Höhe von 2,1 m und wurde ohne weiteren Ausbau durch das Festgestein getrieben, wobei weitere Solezuflüsse angeschnitten wurden. Der Vortrieb erfolgte von beiden Schächten aus, wobei beide Solschächt ständig zu Sumpf gehalten wurden, was damals durch die Wasserkünste und die Pumpen möglich war.

Aus den Zahlen ergeben sich rund 400 m³ Festgestein, d.s. 800 m³ Lockergestein. Für die angegebene Bauzeit von zwei Jahren war das eine Tagesleistung von 1,1 m³, d.s. 4 t. Da die hierbei angeschnittenen Quellen ebenfalls von unterschiedlicher Konzentration waren, wurde die Strecke mit einem Sattel versehen, so dass die stärkeren Zuflüsse zum oberen Schacht, die geringeren zum unteren Schacht hin flossen. Die Abteufung der Schächte und der Bau der Verbindungsstrecke waren Meisterleistungen der Markscheidekunst und der Bergbautechnik.

  1. Dez. Anhörung der Wenzelschen Kreditoren (WER D 34 1/4254).

Auch dieser Termin fiel aus, weil die Vorgeladenen es ablehnten zu erscheinen, sich vertreten ließen oder entschuldigten und dabei auf ihre schriftlichen Erklärungen verwiesen. Borlach wurde hier vom Naumburger Advokaten Dr. Johann Elisa Dreßden vertreten.

                  J. G. Borlach besichtigt im Auftrag des Kurfürsten die Saline Altensalz (Emons: Salz…).

Dabei stellte er fest, dass der von J. Chr. Lehmann eingerichteten Salinenbetrieb völlig unproduktiv war. Die prognostizierte Jahresmenge von 300 Stück Salz (ca. 7 t) war im Zeitraum von 1727 bis 1734 nie erreicht worden. Im Vergleich zur Saline Kösen (20 Zentner Sole zur Herstellung von 1 Stück Salz) benötigte man hier 148 Zentner. Borlachs Feststellungen widersprach Lehmann aufs Entschiedenste. Nach seinem Tod im Jahr 1738 wurde die Saline jedoch umgehend stillgelegt.

               Erweiterung des Hartungschen Gewölbekellers (Höhlenforscher Katast. 4836/42-c).

Die Erweiterung des 1729 vom Floßmeister Hartig angelegten Gewölbes erfolgte durch  Hermann Borlach, wie der Schlußstein des Gewölbes mit den Initialen J.H.B. und der Jahreszahl 1736 zeigt.  Gottfried hatte seinem jüngeren Bruder bereits frühzeitig hierher geholt und ihm die Anstellung beider Saline verschafft.

Die Größe des Gewölbes lässt darauf schließen, dass es hier nicht allein um eine Lagerfläche für den eigenen Hausstand handelte, sondern dass vorzugsweise auch das Bier für die in der  Saline beschäftigten Arbeiter eingelagert wurde, zumal die Lagerflächen am Brauhaus selbst für die zahlreichen Konsumenten nicht reichten. Problematisch blieb die Ausübung und die Kontrolle der Schankgerechtigkeit, was zu ständigen Differenzen mit dem Pächter des Gasthofs und letztendlich zur Übernahme desselben durch die Saline führte.

  1. Dez. Anzeige des Gastwirts Christoph Mose wegen Holzdiebstahl (WER D 34/ 1/ 4848).

               Gerichtssachen und Verfahren (WER C 34).

Andreas Beyer wurde wegen Diebstahls angeklagt.

1737    

           Königl. Saltz-Werck zu Kösen bey Naumbourg in Thuringen (MD Rep. F 38, Risse 380).

Diesen Plan hatte der „Conducteur“ Johann Daniel Therkorn offensichtlich nach der Borlachschen Vorlage angefertigt und durch eine Beschreibung der Betriebsanlagen und der umliegenden Örtlichkeiten ergänzt. Demzufolge reichte der Wehrdamm bis an die untere Wasserkunst und erst im Zusammenhang mit der Einrichtung der oberen Wasserkunst wurden die dazwischen liegenden Sandbänke aufgefüllt, um die Effizienz der beiden Durchlaufgerinne zu verbessern.

Erfasst waren außerdem die alte und die neue Floßmeisterei, die Wohnungen des Floßschreibers und des Rechenmeisters, ein Fischerhaus neben dem oberen Solschacht, der Gasthof und der Schafstall, das Brauhaus und die „von den Cistercienser Patres aufgebaute Catholische Capelle“, das Romanische Haus. Neben dem Hauptrechen, der „daß Holtz welches von 5 Fürsten jährlich 3 mahl aus dem Thüringer Wald angeflößt wird, aufhält „befand sich ein Rechen vor dem Mühlengerinne und einer am Einfall der kleinen Saale.

  1. Feb. Borlachs Pläne des Kösener Salzwerks (SKS Museum Dresden).

Der „Grundriß von den Saltz-Werck zu Kösen“, zeigt die zweite Ausbaustufe der Saline bestehend aus 2 Solschächten, 2 Wasserkünsten, 2 Kunstgestängen, 2 Gradierhäusern, 2 Siedehäuser 2 Schuppen und einer Pfannenschmiede.

Das „Profil der Sol-Schächte zu Kösen“ zeigt den alten Schacht mit der Anmerkung, der „ist entstanden 1681 und biß 1687 30 Lachter tief gegraben, 40 Jahr lang liegen blieben, biß 1727 da sie wieder aufgesucht noch 24 Lachter tieffer gesuncken und 1730 Sole darinnen gefunden worden“ Über dem Schacht „der Thurm….in welchen die Sole hinauf gehoben wird, daß sie von selber auf die Gradir-Häuser lauffen kann“. Der „andre neue Schacht, ist angefangen 1731 und in den 81. Lachter Sole erschroten worden. Die Saltz Wasser werden just so tieff aus denselben herausgehoben, als der Schloß-Thurm zu Dresden zweymal so tieff ist“ Als Beweis zeichnete Borlach diesen Turm zum Vergleich daneben. Der obere Kunstturm und die obere Radkunst haben bis heute nur wenig ihr Aussehen geändert, während das Kunstgestänge noch von Holzstützen getragen wurde. Abgebildet ist auch der Querstollen, woran noch „von beyden Seiten gearbeitet wird“. Bezüglich der Fördermengen gibt Borlach an „Aus den älteren Schacht werden täglich 720 (130 m³) und aus den neuen tägl. 1440 Cubische Ellen (260 m³) Sole herausgehoben. Nach Gericke beliefen sich die Kosten für den Aufbau des Salzwerkes auf 60.751 Taler. Doch die waren gut angelegt, denn der Kameralist Heinrich August Fischer meinte: „Nachdem aber nunmehro die Güte Gottes die Chur-Sächß. Lande nicht allein mit Teuditz- und Kötzschauer- sondern auch in neuern Zeiten mit denen noch mächtigeren Arterischen und Kößnischen Saltz-Wercken gesegnet, und es an Ansehen gewinnt, es könne sich künfftig das ganzte Land mit eigenthümlichen Saltze genugsam versorgen…so ist kein Zweiffel, es werde nun das gelobte Sachßen disfalls zu seiner vormaligen Herrlichkeit wiederum gelangen“.

Da zeigt auch die Auswertung des zurückliegenden Wirtschaftsjahres. Gesotten wurden 19 856 Stück. Salz (a 60 kg = 60.000 Zentner). Die Einnahmen aus dem Salzverkauf betrugen 25 029 Taler, die Ausgaben für Löhne, Material, Fremdleistungen, Reparaturen etc. 13 156 Taler, es verblieb ein Reingewinn von 11 873 Talern.

  1. Feb. Salomon Hämmerling erwirbt einen Bauplatz (WER D 34 Anh. 2/2301).

Diesen Bauplatz, einen von den „Sieben Häusern“ (Lindenstraße 20) hatte zunächst Heinrich List erworben, möglicherweise der Sohn des Wenzelschen Gerichtsherrn Johann Friedrich List. Ob er den Platz noch selbst beuat hatte, oder die unbebaute Parzelle verkaufte bleibt offen. Hämmerling war nun der dritte Bäcker in Neu-Kösen neben Hollstein und Pufendorff. Hämerling pachtete dann das Wenzelsche Backhaus „nach der Brücke rechterhand“ und richtete hier eine „Verkaufsbude“ ein. Erst später übernahm er die Hollsteinsche Bäckerei (Lindenstraße 14)

  1. Mär. Ernennung Johann Hermann Borlachs zum Salzinspektor (KAZ 1938).

Gottfried Borlach hatte den Befehl erhalten, sich in die polnischen Salzwerke zu begeben. Vorher seien jedoch „auf denen hiesigen Wercken solche Anstalten zu treffen, damit unter der Zeit nichts dabey versäumet werde“. Daraufhin empfahl er dem Kurfürsten, seinen Bruder zum Inspektor zu ernennen und ihm mit der Aufsicht zu betrauen, da dieser „von anfang mit bey der Erhebung deren Wercke geweßen und dem alles bekannt ist“. Nur einen Tag später verfügte Friedrich August „J. Hermann Borlachen die Aufsicht bey denen beyden Saltz-Wercken zu Artern und Kösen unter dem Praedicat eines Saltz- Inspectores, jedoch unter ständiger Direction des ersteren (J. Gottfried) anzuvertrauen“.

Gottfried hielt sich immer wieder in Polen auf. 1743 wurde er zum Generaladministrator der polnischen Salinen von Wieliczka und Bochnia bei Krakau ernannt und bis 1750 war er zeitweise im Warschauer Bauamt tätig. Ebenfalls begann 1743 unter seiner persönlichen Anleitung die Suche nach einer verwertbaren Solequelle am „Dürren Berge“ beim Dorf Keuschberg im Stift Merseburg, die, bedingt durch zahlreiche Schwierigkeiten und den Kriegswirren der Schlesischen Kriege, erst nach 20 Jahren (1763) vom Erfolg gekrönt wurde. Während seiner Abwesenheit leitete Johann Hermann Borlach die Kösener und Arterner Saline.

           Jahresbericht der Scheitholzflöße (WEI. B 12173).

Von der Scheitholzflöße hingen die Brennholzversorgung der Ämter und Stifte am Mittellauf der Saale sowie die der Salinen von Sulza und Halle ab. Seit der Inbetriebnahme der Kösener Saline erhöhte sich der Brennholzbedarf Kursachsens und damit der Umschlag am Stapel der „Commun-Flöße“ in Kösen. Während in Saalfeld, Rudolstadt, Kahla, Jena, Camburg und Unterneusulza nur die für die dortigen Stapel bestimmten Mengen aus der Commun-Flöße ausgezogen wurden, wurden hier am Endpunkt der gemeinsamen Flöße das Gros der ankommenden Scheite ausgeschleppt und auf Stapel gesetzt. Nach der Abnahme der Stapel durch den kursächsischen Floßschreiber und dem herzoglichen Floßgegenschreiber übernahm Kursachsen das Holz insgesamt. Die entsprechenden Quittungen und die Wochenberichte waren dann die Abrechnungsgrundlage für die jährlich einmal zu Leipzig abgehaltene Konferenz der kurfürstl. und herzogl. Oberfloßbeamten und den Vertretern der Rentkammern..

Dabei wurden die Rahmenbedingungen für die kommende Flöße, wie Menge und Preis aber auch Reparaturen an den gemeinsam zu unterhaltenden Einrichtungen (Rechen, Stapelplätze) festgelegt. War man sich einig, orderten die Floßbeamten bei den Holzlieferanten die zur Eingabe zu bringenden Mengen. Der Einschlag erfolgte immer ein Jahr vor der Flöße. Die auf Länge gebrachten Scheite wurden zu den vereinbarten Einwurfstellen an den Gebirgsbächen und Floßgerinnen transportiert, hier auf genormte Stapel gesetzt und von vereidigten Floßbeamten abgenommen. Dann verblieb das Holz unter den wachsamen Augen der jeweiligen Amtmänner einen Sommer lang zum Trocknen liegen. Sobald im darauffolgenden Frühjahr die Schneeschmelze einsetzte und die Gerinne eisfrei waren, wurden die Scheite eingeworfen.

Damit sie sich nicht in den schmalen Bächen und Kunstgerinnen unnötig aufstauten, mussten für einen ungehinderten Abfluss gesorgt werden. Dafür wurden von den Floßbeamten die Einwohner ganzer Ortschaften aufgeboten, die jeweils eine Woche lang an einem Abschnitt für die ungehinderte Abflöße zu sorgen hatten. Den Lohn, eine willkommene Einnahme der armen Gebirgsbewohner, zahlte die „Commun-Floß-Casse“.

Für das Jahr ist eine derartige Flöße umfangreich dokumentiert.

Am 03. März begann der Einwurf der Scheite in die Loquitz, die im Frankenwald im bayreuth`schen Gebiet entspringt. In der ersten Woche wurden die Einwohner von Timmenhoff, Neuhüttendorf, Lauenstein, (Probst)-Zella, Ludwigstadt und weiterer Dörfer aus der Nähe für den Nachtrieb aufgeboten. Insgesamt 160 Männer, Frauen und Kinder, vom Tagelöhner bis zum Dorfschulzen und dem Kantor. Das kostete der Commun Kasse 69 Gulden, 10 Groschen und 6 Pfennigen wie aus dem Wochenzettel hervorgeht. In der zweiten Woche kamen die Einwohner von Ebersdorf, Unter- und Oberloquitz sowie Arnsbach zum Einsatz. Danach wurde die Mündung in die Saale bei Eichicht erreicht. Hier endete das Aufgebot der Dorfbewohner. Die Scheite wurden an der Mündung aufgehalten bis der eigentliche Nachtrieb auf der Stromsaale mit den weiter saaleaufwärts eingeworfenen Mengen eintraf. Dieser wurde von herzoglichen Untertanen besorgt und begann am 11. März oberhalb von Ziegenrück, passierte am 30. März Fischersdorf und erreichte am 30. April die Mündung der Schwarza. Hier gab es eine mehrwöchige Unterbrechung, weil die Scheite die aus der Schwarza und ihren Nebenbächen kamen, noch nichzt eingetroffen waren. Am, 2. Juni ging der Nachtrieb bis Rudolstadt. Hier wurden vereinbarungsgemäß 1804 Klafter Küchenholz für die Hofhaltung der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt ausgeschleppt. Am 15. Juni wurde Unterhasel erreicht. Von da an ging es etappenweise weiter über Orlamünde (22. Juni), zum Raasener Wehr bei Jena (29. Juni), Dornburg (6. Juli) und Neusulza (13. Juli). Am 15. Juli erreichte der Nachtrieb den Kösener Rechen. Außer in Rudolstadt blieben 1228 Klafter in Camburg und 1484 Klafter auf der Sulzaer Saline.

Der Kösener Stapel wurde am 4. März besetzt. Zunächst wurden der Rechen und die übrigen Auffangkonstruktionen hergerichtet, der Scheitbach gereinigt, Sinkholz geborgen, die Uferwege befestigt und die Stapelplätze geebnet. Nach dem Durchgang der Langholzflöße wurde der Rechen „verzogen“ und die Meldung zur Freigabe der Scheitholzdrift auf der Stromsaale per Boten zur Mündung der Schwarza gebracht. Als die ersten Scheite hier ankamen, wurde das Personal auf 20 Mann aufgestockt. Jede Kolonne erhielt einen bestimmten Bereich zugeteilt. Soweit die ankommende Menge überschaubar war, wurden die Scheite nach und nach mittels Stangen vom Rechen am rechten Ufer entlang in die kleinen Saale gebracht. Hier wurden sie ausgeschleppt und auf Stapel gesetzt. Waren die ankommenden Mengen so groß, dass sie sich vor dem Rechen aufstauten, wurde auch am linken Ufer ausgezogen, um die Gefahr eines Bruchs des Rechens zu vermeiden.

Das Holz wurde nach harten und weichen Sorten getrennt. Das in kleinen Mengen ankommende Böttcherholz wurde ausgesondert, ebenfalls Klöppel, faules und nicht maßgerechtes Holz. Die Erfassung der Mengen, für die genormte Maßstäbe verwendet wurden, oblag dem Floßschreiber, und dem Gegenschreiber. Den sehr sorgfältig geführten Berichten kann man entnehmen, welche Mengen aufgesetzt und wieder eingeworfen wurden. Das waren am 9. April 1.466 Klafter, am 10. Mai 5.807, am 31. Mai 5.420, am 2. Juli 3.217, am 22. August 3.628 und am 25 September nochmals 131 Klafter, insgesamt also über 19.000 Klafter Holz, die über den Scheitbach zur Stromsaale und größtenteils bis Halle gingen und wofür Kursachsen allein haftete. Die entsprechenden Quittungen unterzeichneten von kursächsischer Seite der Ober-Aufseher bei der Saale-Flöße Johann Heinrich von Schönfeld und der Floßmeister G. Hartig und von herzoglicher Seite Chr. v. Hochhausen und J. V. Stophel.

In Kösen verblieb Holz für die Saline und das Brauhaus. Das Deputat für die Landesschule kam auf der kleinen Saale direkt an den Bestimmungsort. Am 14. September wurden die Arbeiten auf dem   Stapel beendet und alle Arbeiter entlassen, wie der letzte von insgesamt 26 Wochenzetteln zeigt. Dem Floßschreiber oblag nun die Anfertigung des Jahresberichts und zahlreicher Kopien, die den zuständigen Ämtern und Kammern zur weiteren Verwendung übergeben wurden.

Die fiskalische Scheitholzflöße wurde in den kommenden 60 Jahren in fast gleicher Art und Weise durchgeführt. Doch immer wieder sorgten Witterungsunbilden, lange Winter, späte Schneeschmelze, Hochwasser und Dürre für reichlich Ärger und Verdruss. Dazu kam noch die unvermeidlichen Überschneidungen mit der privaten Bau- und Langholzflöße.                

Eine Zusammenstellung der herzogl.-weimarischen Kammer vom gleichen Jahr listete die Liefermengen aus dem 1723 abgeschlossenen Vertrag. Die mit den Schwarzburgern vereinbarten 41.667 Klafter (26.667 Klafter zur Commun-Flöße, 15.000 Klafter Eigenbedarf), waren fast vollständig angeflößt. Bei Ende des Vertrages 1735 fehlten lediglich 1.065 Klafter die 1736 und 1737 nachgeliefert wurden. Die geflößten Jahresmengen aus diesem Vertrag schwankten zwischen 2.113 und 4.983 Klafter (WEI Floßwesen 12173*).

  1. Juni Schreiben des Gasthofpächters und der Dresdener Kammer (WER D 34 Anh. 1/ 3118).

Chr. Mose bat um die Verlängerung seiner Pacht um weitere sechs Jahre unter Beibehaltung der bisherigen Pachtsumme von jährlich 380 Talern. Da aber Borlach bereits die Übernahme des Gasthofs seitens der Saline beantragt hatte, wurde  das Schulamt angewiesen, den Pachtvertrag  mit Mose zunächst für ein Jahr abzuschließen, um Zeit für die anstehenden Übernahmeverhandlungen zu gewinnen.

  1. Juni August d. Starke lehnt den Neubau der Schäferei ab (Schmitt NTB 2012).

Dem allzu kostspieligen Neubau am Mordgraben verweigerte der Souverän seine Zustimmung. Da aber die maroden Gebäude der alten Schäferei einer dringenden Erneuerung bedurften, entstsand auf dem Platz und unter Einbeziehung des ruinierten Schulenvorwerks die neue Schäferei, eine Mischung aus aus Hoffmans zweiten Entwurf und Borlachs Vorschlag. Unkittelbar am Fahrweg nach Kukulau wurde die von Hoffman entworfene Wohnung des Schäfers gebaut, zweigeschossig, im Erdgeschoß aus behauenen Kalksteinen und das Obergeschoß aus Fachwerk. Rechtwinklig zum rechten Giebel entstanden die Stallungen für die Milchkühe, Pferde und Schweine (heute Südflügel des „Mutigen Ritters“). Gegenüber dem Wohnhaus entstand er neue Schafstall unter Einbeziehung der romanischen Mauerreste auds der Zeit der Zisterzienser. Der Dachboden diente als Heuboden. Der alte Schafstall, der unmittelbar an den Schulengasthof grenzte, kam zum Gasthof und diente zum Einstellen der Gespanne und des Vorspanns (Ostflügel des Mutigen Ritters). Während der Aussat und der Ernte durften hier die Amtsfröhner ihre Gerätschaften und Wagen einstellen. Den Dachboden nutzten Schulamt und Pächter gemeinsam zur Einlagerung von Stroh und Getreide. Der zweite Schafstall (auf dem Gelände des L. Renn Heim) blieb erhalten. Die die Schäferei nach Süden begrenzende Scheune mit ihrem markanten Treppengiebel wurde erst um 1770 errichtet. Jedenfalls fehlte sie auf der Flurkarte von 1765.

  1. Dez. Befehl des Dresdener Kammerkollegiums (WER Pforta II Nr. 2292).

Das Schulamt wurde nun doch ermächtigt, die Einwohner von Alt- und Neu-Kösen zur Gerichtsfolge anzuhalten. Dazu gehörte u.a. die Bewachung von Straftätern im Schulengefängnis, was manchmal über Monate dauerte. Dagegen intervenierte Borlach persönlich in Dresden, mit dem Resultat, dass die Gerichtsfolge in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr gefordert wurde.

  1. Dez. Urteil zum Wenzelschen Nachlaß (WER D 34 1/4254).

Für die Kenntnisnahme sollten die Gerichtsgebühren hinterlegt werden, wogegen die Betroffenen Einspruch erhoben, mit dem Ergebnis, dass der Termin erneut verschoben wurde.

             Reparatur der Naumburger Chaussee (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2619).

Das betraf den Abschnitt von der Brücke über den Galgenberg nach Flemmingen, wozu die Amtsfröner aufgeboten wurden. Nicht herangezogen wurden die Einwohner Kösens, die wegen des Status der Gemeinde von Frondiensten befreit waren.

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1)

Angeklagt wurden Maria Becker wegen übler Nachrede, J. Fr. Thon wegen einer Schlägerei und der Maurermeister Chr. Reichmeister wegen leichtfertigen Umgangs mit Feuer. Der Schneidermeister Niklas Rose mußte sich wegen bestimmter „Exzesse“ verantworten.

1738

  1. Jan. Schreiben der herzogl.-weimarische Kammer (WEI B 12174).

Dabei wurde eine Interimsflöße vorgeschlagen, weil der neue Vertrag erst ab 1739 in Kraft trat.

  1. Jan. Schreiben des Herzogs Ernst-August von Sachsen-Weimar (WEI B 12174).

Die Kammerräte wurden aufgefordert, Vorschläge für die Interimsflöße zu machen bzw. ihre Bedenken kund zu tun.

  1. Mär. Vorladung der Wenzelschen Gläubiger (WER D 34 1/4254).

Das betraf den Floßmeister G. Hartig samt Ehefrau, die Witwe des ehemaligen Holzvorstehers von Merseburg, die Witwe des Floßmeisters Wenzel, der Licentiat J. Fr. List, der Commissarius J. G. Borlach und andere. Doch jeder brachte gute Gründe vor, um nicht zu erscheinen, so daß der Termin ständig verschoben wurde, zunächst auf den 13. Mai, dann auf den 05. Juni, den 27. Juni und letztlich auf den 14. August 1738. Dann blieb die Angelegenheit bis zum Jahr 1762 liegen.

  1. Mär. Stellungnahme Borlachs zum Schulgasthof (WER D 34 Anh.1/3118).

Die kurfürstl. Kammer hatte Borlach aufgefordert, seine Vorstellungen zur weiteren Verpachtung des Gasthofes darzulegen. Der meinte, dass der derzeitige Pächter nicht geeignet sei. Einen neuen Pächter könnte man unter Beibehaltung der derzeitigen Pachtkonditionen ohne weiteres gewinnen, zumal mit diesem die beabsichtigte Übernahme durch die Saline unproblematischer zu bewerkstelligen sei, da er nicht auf die Beibehaltung bisheriger Pachtbedingungen pochen könnte. Daraufhin wurde das Schulamt am 29. März aufgefordert, die Pacht öffentlich auszuschreiben.

  1. Apr. Beschwerde des Schulamtes (WER Rep. D, Pforta II 2582).

Weil die Vermessung und die Bewertung der Weinberge nur schleppend voran gekommen waren, hatten sich die Pachtinteressenten in Dresden beschwert. In einer Stellungnahme des Schulamtes wurde die Verzögerung dem Bauverwalter Hofmann angelastet. Dieser habe den Pächtern die Vermessung überlassen, was diese zu ihren Gunsten ausgenutzt hätten. Eine Taxierung der Erträge war ebenfalls nicht zustande gekommen. Hier müsse man sich mit einer aufwändigen Zusammenstellung der Erträge aus den letzten sechs Jahren behelfen, wenn man zu einem vergleichbaren Ergebnis kommen wolle.

  1. Mai Holzkaufvertrag der herzogl. Floßbeamten (WEI B 12174).

Die Floßaufseher Chr. Hochhausen, J. G. Tietz und J. V. Stoffel hatten von J. H. Wolffram und seinen Genossen zu Rauschengesäß 1.320 Klafter Scheitholz zum Preis von 23 Groschen erworben. Davon waren jeweils 330 Klafter für die herzoglichen Häuser Sachsen-Weimar und Sachsen-Eisennach und 660 Klafter für Sachsen-Altenburg bestimmt.

  1. Mai Befehl des Kurfürsten an Borlach (WER D 34 Anh. 1/3118).

Dieser sollte eine „tüchtige Person, welche den Gasthof nach den bisherigen Locarium für das kommende Jahr pachten soll“ suchen. Demzufolge war die Überlassung an die Saline beschlossen und Borlach konnte sich einen ihm genehmen Pächter suchen.

  1. Juni Schreiben des Hans Nickel Reichenbecher zu Großgeschwenda (WEI B 12174)

Dieser teilte mit, dass er den herzogl. Floßbeamten 246 Klafter zum Preis von 26 Groschen verkauft habe.

  1. Juli Schlägerei im Gasthof zwischen Chr. Reuter und Salzsiedern (WER D 34 I Nr. 4833)

      3.  Sep. Holzkaufvertrag mit dem Bürgermeister von Ziegenrück (WEI B 12174).

Dieser verkaufte dem Floßaufseher Hochhausen 510 Klafter.

     Okt. Jahresbericht der Saline (Gericke 1966)

Gesotten wurden 19.856 Stück (23.800 Zentner), zuzüglich der aus dem Vorjahr noch im Bestand befindlichen Menge ergab dies 25.843 Stück, davon konnten 23.661 Stück verkauft werden, das brachte an Einnahmen 25.029 Taler, dagegen standen Ausgaben von 13.156 Talern, so dass die Saline einen Reingewinn von 11.873 Talern zugunsten der Staatskasse brachte.

  1. Nov. Holzkaufvertrag mit reußischen Untertanen über 1.200 Klafter (WEI B 12174)

    19.  Nov. Genehmigung der gräfl. schwarzburgischen Kammer (WEI B 12174).

Diese genehmigte die ungehinderte Durchflöße der von den herzogl. Floßbeamten in Rauschengesäß erworbenen und auf der Sormitz und der Loquitz in die Saale gebrachten Mengen.

            Einwohnerregister (WER D 34 Pforta 2/2642).

Die „Specification derer in Kösen allhier befindlichen Inwohner und Haußgenossen samt Ehegatten, Kindern und anderen Zugehörigen“ hatte der Präceptor Hucke verfaßt. An erster Stelle der 39 Hausbesitzer standen der „Commissarius“ J. G. Borlach und der Floßmeister J. G. Hartig. Es folgten der Floßschreiber Martini, der Floßgegenschreiber J. G. Cunis, der Advokat J. Fr. List, der Salz-Factor Forzheim und der Bau-Schreiber Mangolt. Unter den privaten Hausbesitzern waren viele Handwerker, wie die Bäcker Hollstein, Puffendorff und Hämmerling, die Maurer Schröter und Reichstein, der Schlosser A. Thieme, sowie die Meister N. Rose, A. Kunze, Chr. Plaul und L. Triebel. Dann folgten die Pächter, der Müllermeister J. A. Gürthler mit seinem 9 Köpfe zählenden Hausstand, der Gastwirt Christoph Mose (10 Personen), der Schäfer J. G. Zeugner (8 Personen), der Schmied Fuhrmann (6 Personen) und der Bäcker G. Theuring (7 Personen). Dazu kamen weitere 35 Hausgenossen, zumeist Arbeiter die sich bei der Flöße und dem Salzwerk verdingten. Insgesamt gab es 122 Kinder, wobei der Maurermeister Schröter 7, der Bäcker Hämmerling 6 und Meister Scheuffler 5 hatten. Im Übrigen gab es in den meisten Familien zwei bis vier Kinder. Die Zahl der Einwohner belief sich auf 361, 128 mehr als im Jahr 1731. Da sich die Zahl der Bauplätze nur wenig erhöht hatte, war die Vermietung eine willkommene Nebeneinnahme für die Hausbesitzer und führte dazu, dass man aufstockte und anbaute. Aber auch die Teilung und der Verkauf dieser Teilflächen an Bauwillige wurden praktiziert. So kam es zur Verdichtung und duchgängigen Bebauung beider Seiten der heutigen Borlachstraße.

            Gerichtsverfahren (WER D 34).

Hans Niklas Gürtler stand wegen ungebührlichen Metzens vor Gericht. Außerdem wurde Marie Elisabeth Kühne verurteilt, weil sie ein fremdes Kind angenommen hatte (1/730).

1739

     20. Jan. Stellungnahme zur Verpachtung der Mühle.(WER Rep. D Pforte II)

Das Schulamt empfahl, in Anbetracht des Auslaufens der bisherigen Pachtzeit, wie bisher auch üblich, die Mühle öffentlich auszuschreiben und dem Meistbietenden für einen Zeitraum von 6 Jahren erneut zu verpachten.

  1. Feb. Scheitholzeinwurfs an der Loquitz (WEI B 12174).

      4.  Feb. Inbetriebnahme des Kösener Stapels (WEI B 12174).

Zu den wichtigsten Arbeiten gehörte der Verzug des Rechens. Erst wenn dies erfolgte, wurden Boten abgesandt, die die Freigabe der Stromsaale für die Scheitholzdrift veranlassten. Bis dahin wurde das Holz soweit es schon eingeworfen war an den Mündungen der Zuläufe aufgehalten. Die ersten Scheite trafen dann am 2. März ein.

  1. Feb. Scheiteinwurf in den Ludwigstädter Bach im Amt Lauenstein (WEI B 12174).

    25.  Feb. Beschwerde der gräfl. schwarzburgischen Kammer zu Rudolstadt (WEI B 12174).

Das betraf eine Klage der Flößer, die wegen der sich vor dem Blankenburger Rechen liegenden Scheite nicht weiter flußabwärts kamen. Immer wieder kam es zu solchen Behinderungen, wenn die Bauholzflöße zu spät und die Scheitholzflöße zu früh einsetzte. Dann erreichten die privaten Flößer nicht mehr rechtzeitig die Holzmessen zu Palmarum. Die Flöße blieben liegen und man konnte nur hoffen, dass man zumindest die Johannismesse noch erreichte.

  1. Mär. Scheitholznachtrieb auf der Saale bis Nonnenwald (WEI B 12174).

Nach den Lohnlisten wurde am 15. März Ziegenrück, am 01. April die Hopfenmühle, am 5. April die Mündung der Loquitz, am 12. April Oberitz und am 19. April Schwarza erreicht. Dann brachte ein Hochwasser die Flöße durcheinander. Dabei gingen zahlreiche Scheite über den Rudolstädter Rechen und blieben auf den Wiesen bei Etzelbach liegen. Am 26. Mai erreichte dann der Nachtrieb Rudolstadt und am 4. Juni Unterhasel, räumte dann die Aue vom dort liegenden Holz, so dass er erst am 7. Juli Uhlstädt erreichte, am 14. Juli Schöps und am 21. Juli die Raasener Mühle bei Jena.

    11.  Mär. Genehmigung des Konsistoriums zum Verkauf des Schule-Gasthofs (LHASA MD Rep. F 23 I Nr. 1 Bd. 4)

  1. Mär. Genehmigung der Verpachtung der Weinberge (WER Rep. D Pforta II 2582).

Die Erfassung der Flächen und die Ermittlung der Erträge waren nun doch abgeschlossen. Es ergab sich ein ansehnlicher Verkaufserlös, außerdem eine angemessene Erbpacht. Für die schlechteren Lagen auf den Platten und im Mordtal wurde ¼ weniger verlangt. Den Pachtinteressenten wurde Steuerfreiheit zugebilligt, sie durften die Berge frei verkaufen oder vererben, wurden aber verpflichtet, ausschließlich Wein anzubauen.

Außerdem entfielen für die Schule die Anfuhr von Mist aus den Vorwerken und die Verarbeitung der Naturalpachterträge. Im März erteilte die Kammer ihr prinzipielles Einverständnis und am 18. Juli berichtete das Schulamt, dass bisher 34 Vererbungsbriefe abgeschlossen und von der Kammer in Dresden genehmigt wurden. Die Pächter der Weinberge bei Roßbach, im Mordtal, den Platten und den Saalbergen waren Bauern aus Flemmingen (Judersleben, Meißner) und Roßbach (u. a. Deckerth). Aber auch der ehemalige Amtmann von Pforte, Moßdorff, der inzwischen zum Georgenamt gewechselt war, gehörte dazu.

  1. Apr. Zeitpachtvertrag über die Mühle (WER Rep. D Pforta, Verz. II Nr. 867).

Der bisherige Pächter, J. A. Gürtler war mit einem Gebot von 459 Taler und einer bar zu hinterlegende Kaution von 350 Talern zu 5 % Zinsen von keinem Mitbewerber übertroffen worden und erhielt die Verlängerung der Pacht bis 1745. 32 Paragrafen regelten die Rechte und Pflichten des Pächters bis ins Kleinste. Für die Wirtschaftlichkeit der Pachtmühle war der sogenannte „Mahlzwang“ ausschlaggebend. Diesen hatte die Mühle in den Amtsdörfer Hassenhausen, Spielberg, Pomnitz, Ober- und Niedermöllern. Den dortigen Bauern war bei Strafe untersagt, das Getreide anderswo zu mahlen. Allerdings war der Müller angehalten, die Bauern nicht zu übervorteilen. Neben dem Mahllohn, behielt er die Mahlreste, wie Mehlstaub, Schrot, Kleie und den Ölkuchen und mußte damit einige „Speck“-Schweine für die Schule mästen.

Die Pächter der Vorwerke Kukulau und Fränkenau sowie der Pachtschäfer unterlagen nicht dem Mahlzwang, ihnen war es gestattet, sich ihren Müller selbst zu suchen. Die übrigen Amtsdörfer wie Benndorf, Lißdorf, Gernstedt, Benndorf, Zäckwar, Poppel, Taugwitz und Rehehausen unterlagen dem Mahlzwang der Emsenmühle. Punschrau und Hohndorf, die zum Georgenamt gehörten, hatten eine eigene (Wind)-Mühle. Die zum Rittergut Kreipitzsch gehörenden Dörfer unterlagen dem Mahlzwang der Mühle an der Rudelsburg.

  1. Mai Legitimationsurkunde der Kreutzschen Gerichte zu Kreipitzsch (St.-A. Nr. 588).

Der Gerichtsdirektor Hieronymus Gottlieb Hayn bestätigte dem Lengefelder Einwohner Johann Gottfied Härtel, dass er am 25. April 1725 getauft wurde. Seine Eltern Peter Härtel aus Lengefeld und Marie geb. Schroedter aus Hassenhausen wurden am 6. Nov. 1708 in Hassenhausen getraut.  

  1. Mai Erbpachtvertrag über den Schulengasthof (WER Rep. A 23, I Nr. 1, Bd. 4).

Am 24. Januar und am 7. April hatte Friedrich August den Verkauf an die Saline genehmigt und den Abschluss eines Vertrages befohlen. Der Wert des Gasthofes wurde auf 6.600 Taler beziffert. Der Erbpachtzins wurde mit 5 % vereinbart. Nun gehörten der Gasthof samt allem Zubehör und Inventar, der Hufschmiede, einem Stück Gartenland an der kleinen Saale, 2 Acker Feld am „Jackenberg über Kösen gelegen“, 6 Acker hinter dem Floßhaus, 7 Acker am „Niclas-Berg“ sowie weitere Feld- und Wiesenstücke zwischen Mühle und Heerstraße dem Salinenfiskus. Das „jus prohibendi“, das Verbietungsrecht, mit dem man im Geltungsbereich das Gästesetzen, Beherbergen oder Ausspannen untersagen konnte, blieb beim Gasthof. Das Schulamt verpflichtete sich außerdem, im Amtsbereich weder einen weiteren Gasthof noch eine Schmiede zuzulassen und auch keine weiteren Schank- und Beherbergungs-Konzessionen in den Amtsdörfern zu erteilen. Der Gasthof wurde aus der Amtsgerichtsbarkeit ausgegliedert und der Polizeigewalt des Salinendirektors unterstellt. Mit dem Erwerb konnten „...die Salzcoctur- Gebäude erforde-lichermaßen...“erweitert werden. Den Vertrag unterzeichneten E. V. von Berlepsch, M. Fr. G. Freytag, J. G. Borlach und G. Ph. Pfersdorf.

Pächter seit dem vergangenen Jahr war Martin Knorr, der seitens der Saline übernommen wurde. Offen war nur die Braugerechtigkeit, denn der Gasthof hatte zwar die Schankrechte aber immer noch kein eigenes Brauhaus. Das Hartig`sche Brauhaus hatte das Schankrecht gegenüber den Einwohnern von Kösen, wobei die Salinenarbeiter eine Sonderrolle einnahmen. Daher war Borlach bemüht,  in dieser äußerst wichtigen Angelegenheit eine tragbare Lösung zu finden. um den ständigen Streit mit dem Gasthofpächter wegen dessen "jure prohibendi" einzudämmen.

  1. Aug. Abschluss der Scheitholzflöße (WEI B 12174)

Wie aus den Berichten hervorgeht, wurden neben dem „weichen“ Brennholz kleine Mengen an Hart- und Böttcherholz geflößt. Erfasst und abgepsotet wurde das minderwertige Holz wie Faulholz, Klöppel und Stücken sowie der unvermeidliche Ausschuß.. Die Übergabeprotokolle quittierten von kursächsischer Seite J. H. v. Schönfeld sowie G. Hartig und die herzogl. Floßbeamten Chr. Hochhausen, J. G. Tietz und J. V. Stophel. Insgesamt wurden hier 27.000 Klafter ausgeschleppt und umgeschlagen.        

             Errichtung des zweiten Gewölbekellers in Neu-Kösen.

Darauf verweist die Jahreszahl 1739 im Schlußstein des Gewölbes unter dem vom Floßmeister Hartig errichteten Kelterhauses (Borlachstraße 1), den 1734 der Bergrat  Borlach erworben hatte. Nun erstreckten sich unter dem Lengefelder Fahrweg zwei Gewölbe, die auch heute noch bestehen.  Auf der anderen Seite des Fahrweges errichtete Borlach dann ein Gehöft,  das „Neue Haus“. Hier wurde auch Großvieh gehalten, das im Sommer die Weiden am Äbtischen Holz und am Jochenberg nutzte. Der Mist wurde für die Weinberg gebraucht, womit sich der Ertrag deutlich hob.

Der Hof warf wohl mehr Ertrag ab, als der Hausstand der unverheirateten Borlachbrüder verbrauchen konnte, so dass auch ein gewisser Teil verkauft werden konnte. In Anbetracht eines  fehlenden Marktes und einer nur geringen Eigenversorgungsbasis der Salinenarbeiter, ein nicht zu unterschätzender Faktor, die Leute vor Ort zu halten.

1740   

  1. Apr. Beginn des Scheitholzeinwurfs an der Loquitz (WEI B 12 175).

      5.  Apr. Besetzung des Kösener Stapels (WEI B 12175

      6.  Apr. Der Nachtrieb der „Commun-Flöße“ erreicht das Saalburger Wehr (WEI B 12174).

Von hier aus ging es über Walsburg (30. April), Porßwitz, die Mündung des Porßwitzer Bachs nach Fischersdorf. Hier kam das Holz aus der Loquitz hinzu. Weiter ging es nach Schwarza und Rudolstadt. An den Rudolstädter Katzenlöchern gab es eine fünfwöchige Unterbrechung, vermutlich wegen Niedrigwasser. Am 28. August wurde Catharinenau, am 2. August Weißen, am 6. August Naschhausen, am 13. August Maua, am 20. August Dornburg, am 27. August Heringen und am 31. August Kösen erreicht.

  1. Mai Antrag der Sophia Juliana Hartig (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898)

Diese bat beim Schulamt um einige Quadratruten Land, um ihren Teichgarten den ihr der Floßmeister verkauft hatte, mit einer Mauer zu umgeben. Zur Begründung gab sie an, dass sich wegen der Nähe der Saale, Fischotter bis an ihre Fischteiche wagten und diese „biß auf die letzte Grete gebißen und gefreßen“ hätten.

  1. Aug. Schreiben der Sophia Hartig an das Schulamt (dto).

Nach Besichtigung der Örtlichkeit stimmten die Schulbeamten einer Verpachtung zu und begründetetn es damit, dass es sich hier um einen sumpfigen und daher nutzlosen Flecken handelte. Das wiederum veranlaßte die Floßmeisterin eine ermäßigte Pacht zu beantragen.

  1. Aug. J. Gottlieb Borlach wird zum Bergrat ernannt (DD Spezialreskripte).

Die Anweisung zur Ernennung zum Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Bergrat durch Friedrich August III. erfolgte nach der Rückkehr Borlachs von einer Studienreise nach Holland und England. In England hatte Borlach die Steinkohlenfeuerung studiert. Das war dann Anlaß auch hier nach geeigneten Kohlevorkommen zur Verbesserung der Brennstoffsituation in den Salinen zu suchen. Allerdings hatte die in der Nähe der Salinen liegenden Erdkohlen wegen zahlreicher Verunreinigungen nur einen geringen Heizwert, dafür aber einen immensen Ascheanfall. Außerdem eigneten sich die in den Salinen benutzten Herde nicht für die Verbrennung von Kohle. Ein Umbau war kostspielig, so dass man es in Kösen bei der Holzfeuerung beließ. Erst 40 Jahre später begann unter v. Hardenberg die generelle Umstellung der AKD Salinen auf Kohlefeuerung.

  1. Sep. Schreiben der Dresdener Kammer zur Teichgartenpacht (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898)

Das Schulamt hatte den Antrag auf Pachtminderung dem Kammerkollegium zugeleitet. Johann Georg von Wichmannshausen lehnte den Antrag ab und befahl dem Schulamt die übliche Pacht zu erheben.

  1. Okt. Abschluss der Scheitholzflöße (WEI. B 12175)

Nach der Jahreszusammenstellung wurden insgesamt 31 000 Klafter am Kösener Stapel ausgeschleppt. Für die Saline blieben   2339 Klafter, alles andere kam zur Weiterflöße.

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34)

Der Mühlknappe Johann Andreas Berger stand wegen Diebstahls vor Gericht, Christian Pufendorff, Vorarbeiter beim Stapel wegen „Verwahrlosung mit Feuer“.

1741

  1. Jan. Schreiben des Kammerkollegiums an das Schulamt (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898)

Das Kammerkollegium lehnte erneut die Ermäßigung der Pacht für den Teichgarten ab.

  1. Jan. Schreiben Borlachs an das Schulamt (WER Pforta II Nr. 941).

Borlach verlangte Aufklärung über die Rechtsverhältnisse am Wehrdamm. Grund dafür war der ständige Streit mit dem Mühlenpächter, dem Floßamt und der Schule. Bei Niedrigwasser und fehlenden Aufsätzen auf dem Wehrdamm verringerte sich das Aufschlagwasser für die Kunsträder und damit die Leistung der Saugpumpen. Außerdem weigerte sich das Schulamt notwendige Reparaturen am Damm vorzunehmen, weil diese teilweise von der Flöße verursacht würden und darüber hinaus die Saline als Hauptnutznießer ebenfalls eine Kostenbeteiligung ablehnte.

  1. Mär Besetzung des Kösener Stapels (WEI B 12176).

Im März und im April trafen nur 850 Klafter ein.  

  1. Juni Beginn des Scheitholznachtriebs auf der Stromsaale (WEI B 12176).

Nach einem langen Winter und starken Eisgang, behinderte Niedrigwasser die Flöße, der Zeitplan geriet völlig durcheinander. Erst am 10. Juli wurde Burgk erreicht. Von Ziegenrück über Wilhelmsdorf, Fischersdorf und Remschütz bis zur Mündung der Schwarza brauchte man dann nur eine Woche, dann folgte wieder eine längere Unterbrechung. Erst am 11. September ging es weiter und am 28. Oktober erreichte der Nachtrieb Kösen.

  1. Dez. Einstellung des Kösener Stapels (WEI B 12176).

Am 21. Dezember wurde die letzte Spezifikation erstellt. Demzufolge verblieben am Kösener Stapel 2535 Klafter als Reserve für das kommende Jahr, weitere 242 Klafter waren zum Verkauf vor Ort bestimmt, das Salzwerk erhielt 3514 Klafter, die Schule 472. Bei Roßbach wurden 518 Klafter ausgeschleppt, in Weißenfels 1155, in Burgwerben 172, in Merseburg 1220. Nach Halle kamen dann noch 6505 Klafter.

            Die Linie der Herzöge von Sachsen-Eisenach endet (Allg. Gesch.).

Das Gebiet fiel an die Hauptlinie Sachsen-Weimar. Herzog Ernst-August I. führte nun die Primogenitur ein, um künftige Erbteilungen zu vermeiden.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Verhandelt wurden Differenzen zwischen Hans Peter Otto, Neu-Kösen und der Familie von Kreutz zu Kreipitzsch.  

1742    

            „Charta der an der Saale und Unstrut unter Chur-sächsischer Hoheit gelegenen Ämter“ .

Borlach bereiste im Auftrag des Kammerkollegiums die Ämter Weißensee, Sachsenburg, Artern, Allstädt, Freyburg, Eckartsberga, Schulpforta, Naumburg, Weißenfels, Lauchstädt, Merseburg, Lützen und Schkeuditz, um nach weiteren ergiebigen Solevorkommen, möglichst auch von Steinsalzlagern, wie er es aus den polnischen Gruben von Wielicka kannte, zu suchen. Dazu fertigte er dann diese Karte an. Die besten Chancen auf Sole zu stoßen sei die Gegend um das Rittergut Keuschberg im Stift Merseburg, unweit der Salinen von Teuditz bzw. Keuschberg unmittelbar an der Saale gelegen. Nach Bewilligung der Finanzen begann er am „Dürren Berge“ mit der Abteufung eines Schachtes. Allerdings sollte es 20 Jahre dauern, bis er auf eine ergiebige Solequelle stieß.  

  1. Apr. Sophia Juliana Hartig erwirbt das Grundstück neben dem Teichgarten (WER D/II/2301)

Verkäuferin war die Witwe und die Kinder Peter Ottos (heute Borlachstr. 42)

  1. Juni Friedrich Anton v. Heynitz tritt als Praktikant in die Kösener Saline ein (Vita Heynitz).

Heynitz, geb. am 14. Mai 1725 auf Gut Dröschkau bei Torgau war Sohn des kursächsischen Hofrats und Inspektors der Landesschule Meißen. Seine Mutter war eine geborene von Hardenberg, Schwester des späteren Direktors der kursächsischen Staatsalinen H. U. E. v. Hardenberg und damit die Tante von Novalis. Heynitz besuchte die Landesschule Pforte. Sein halbjähriges Praktikum diente der Vorbereitung zum Studium des Berg-, Hütten- und Salinenwesens.

  1. Juli Schreiben des kurfürstl. an das herzogl Kammerkollegium zu Weimar (WEI B 12161).

In Vorbereitung des neuen Floßholzkontrakts bestätigten die Kammerräte die Vorschläge der herzogl. Beamten, wobei man weitestgehend das bisherige Reglement beibehielt. Man brachte zum Ausdruck, dass damit einem Neuabschluss zur bevorstehenden Leipziger Michaelismesse nichts mehr im Wege stehen würde und die wenigen Differenzen dort geklärt werden könnten.

  1. Aug. Schreiben der Floßmeisterin an den Kurfürsten (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898)

Das war der letzte Versuch, doch noch die gewünschte Fläche preisgünstiger zu erhalten. Dabei wurde verwies sie auf die finanziellen Vorteile für die Schule durch die verbesserte Bewässerung der Mühlenwiese und auf den Schaden, den ihr Mann erleidet, weil das Kunstgestänge zum oberen Schacht, die Nutzung des neuen Kellers an Hartigs Brauhaus einschränkte. Dem Schreiben liegt ein Grund-Riß des Teichgartens bei, erstellt vom Geometer Joh. Fr. Müllendorf. Allerdings wurde der Antrag erneut abgewiesen, wie aus der Flurkarte von 1765 hervorgeht.  

  1. Sep. Abschluss der Scheitholzflöße (WEI B 12179).

Den Abrechnungen zufolge wurden aus der Commun-Flöße die Stapel in Saalfeld mit 445 Klaftern, der gräfl. schwarzburgische in Rudolstadt mit 3998, Camburg mit 1204 und Neusulza mit 262 Klaftern belegt. Abgepostet und saaleabwärts gebracht wurden insgesamt 28.000 Klafter.

  1. Okt. Erlass des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach (Stadtarchiv Jena B V d, 21a).

Eine der ersten Amtshandlungen des stets in Geldverlegenheiten steckenden Ernst-August I. (Schloss Belvedere, Rokokoschloss Dornburg, Jagd) war ein Erlass, der den in Jena ansässigen Bäckern, Brauern und Holz-„Hökern“ die „Einführung auswärtigen Holzes“ bei Strafe untersagte. Restbestände durften nur noch für den Eigenverbrauch verwendet und nicht veräußert werden.

Angeordnet wurde, dass ab sofort jegliches Brennholz nur noch von den herzoglichen Stapeln in Jena und Dornburg erworben werden muss und der private Brennholzhandel verboten wird. Über die beiden Stapel wurde auch der Holzplatz in  Apolda beliefert. Diese Maßnahme sicherte der herzoglichen Schatulle eine ergiebige Einnahmequelle, denn sie bestimmten den Preis. War genügend Holz auf dem Stapel, durfte es auch an Auswärtige verkauft werden. Diese Stapel wurden auf der Grundlage der bestehenden Erbverträge von der herzogl.- altenburgischen bzw. herzogl.-gothaischen Flöße belegt.

  1. Nov. Genehmigung des Pachtvertrages mit S. J. Hartig (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898).

Nach langen Hin und Her hatte man sich auf einen Preis für die zur Erweiterung des Teichgartens erbetene Fläche geeinigt, 16 Groschen jährlicher Erbzins, 136 Taler Kaufpreis und 3 Taler Entschädigung für den Pachtmüller, der die Fläche hergeben mußte. Allerdings sollte versucht werden, doch noch etwas mehr herauszuschlagen, doch die Hartigen weigerte sich beharrlich, der Vertrag wurde im Juli 1743 genehmigt und im Amtserbbuch verzeichnet.

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Andreas Hilpert wurde von der Seifensiederinnung zu Naumburg wegen Pfusch verklagt.   Johann Christoph Jünger, Mahlmüller, stand wegen Diebstahls und Johann Melchior Seyfert wegen Verleumdung vor Gericht.

1743

  1. Jan. Beschreibung der „Sieben Häuser“ (WER D 34 Anh. 1/4123, Altes Magdeburg L IX c)

„Zu Kösen auf dem sogenannten Niclasberge, an der Straße befinden sich sieben Baustellen, davon sind deren sechs mit Wohnhäusern bebaut.“ Die Besitzer waren: 1. der Richter und Bäckermeister Hollstein (Lindenstr. 14), 2. der Salzsiedemeister Wagner (Nr. 16), 3. der Sattlermeister Mathesius (Nr. 18), 4. der Bäckermeister Hämmerling (Nr. 20), 5. der Salzwerks-Holzknecht Broller (Nr. 21), 6. der Taglöhner Gauße (Nr. 22). Den siebenten Bauplatz hatte der Kinderlehrer Johann Hucke sen. erworben, aber noch nicht mit dem Bau begonnen. Nach dem Konrektor Hinsche (Heimatbuch 1930) bzw. der Kösener Zeitung von 1902 war J. Hucke sen. seit 1737 hier Kinderlehrer. Seine Wohnung (heute Lindenstraße 24) war gleichzeitig das „Schulhaus“.

Die Bauplätze der „Sieben Häuser“ hatten alle die gleiche Größe von 30 Dresdner Ellen in der Breite und 60 Ellen in der Tiefe (17,1 x 34,2 m). Dass „dieses richtig und in der Messung also befunden wurde“ bescheinigten „allhier, Kösen, den 22. Jan. 1743 J. G. Borlach, J. Ottomar Mangold, Christoph Reichmeister.“

  1. Juni Sophia Juliana Hartig pachtet einen weiteren Garten (WER Verz. II/2301).

Damit gehörten der Floßmeisterin alle Plätze am Ende des Lengefelder Fahrweges (heute Borlachstr. 40, 41, 42, 43).

  1. Juli „Patent wegen der Floß-Holtz-Deuben bey der Saalen-Flöße“ (WER D 34 Anh. 1/715).

In Anbetracht des zunehmenden Diebstahls drohte der Kurfürst harte Strafen an. Denjenigen, die ihre Strafe nicht in Geld leisten konnten, sollten je nach Schwere der Tat mit Festungsbau, Gefängnis, Pranger, Halseisen, Staupenschlägen oder Ausweisung bestraft werden. Damit man eifrig nach Dieben ahndete, durften die Gerichtsherren neben den üblichen Gebühren auch die Hälfte der den Missetätern auferlegten Geldstrafe einbehalten. Die andere Hälfte wurde den Floßbeamten ausgehändigt und der Staatskasse zugeführt.

  1. Okt. Ende der Scheitholzflöße (WEI B 12179).

24 Wochen war der Stapel in Betrieb. Insgesamt 29.000 Klafter wurden umgeschlagen.

  1. Nov. Versteigerung des Braunschen Weinberges (WER, Rep. D II Nr. 2582).

Für den an der Windlücke gelegenen verwahrlosten Weinberg hatte der Advokat Johann Friedrich List als Mindestgebot 100 Gulden und eine Erbpacht von 1 Gulden, 6 Groschen veranschlagt. Am Licitationstermin erwarb der Floßschreiber Emanuel Martini für 101 Gulden den Berg.

               Haustrauung des Advokaten Dr. Johann Friedrich List (WER D 34/2/2799).

List heiratete in zweiter Ehe Christiana Magdalena Müller. Aus der ersten Ehe des früher als Gerichtsherr des Floßmeisters Wenzel tätigen Advokaten und Miterwerber des Wenzelschen Nachlasses stammte der ab 1755 ebenfalls als Advokat tätige Johann Samuel List.  

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Christoph Kotsch wurde wegen Diebstahls angeklagt.

1744

     Mär. Rechnung des Salinengasthofes (WEI. B 12180).

Der Pächter Knorr berechnete dem Floßamt die Lieferung von Getränken für die Arbeiter des Stapels.

  1. Juni Anweisung an die Amtsdörfer (WER II Nr.864).

Ein Hochwasser hatte den Weg zwischen der Landstraße und der Mühle weggeschwemmt. Der Amtmann Gutbier befahl allen Amtsdörfern, sich an der Instandsetzung des Weges zu beteiligen und 8 Karren samt Handführern zu stellen. Diesen Befehl quittierten alle 13 Dorfrichter aber niemand folgte der Aufforderung. Während die nicht dem Mahlzwang unterliegenden Dörfer sich ohnehin weigerten, erklärten Nieder-und Obermöllern sowie Pomnitz, dass sie bereits den Weg nach Fränkenau instand gesetzt hätten und damit ihr Soll erfüllt sei.

  1. Juli Bericht des Joh. L. Hofmann (Altes Magdeburger LXI c Nr. 172)

Der ehemalige Bauverwalter der Schule erklärte auf Nachfrage, dass er vor längerer Zeit auf Anweisung der Schulbeamten zwei Bauplätze links der Saale neben der Brücke für die Bäckermeister Chr. Hollstein und Joh. G. Theuerling ausgemessen habe und zwar so, dass diese Häuser weder den Zugang zum Floßhaus bzw. die vorbeiführende Landstraße noch den Fahrweg zur Mühle einengten oder versperrten. Zwischen beiden sollte noch genügend Platz bleiben, so dass bei starken Niederschlägen das Wasser aus dem Fränkenauer Hohlweg ungehindert zur Saale abfließen könne. Theuerling hatte seinen Bauplatz inzwischen gekauft. Für den zweiten hatte der Floßmeister Hartig ein höheres Gebot abgegeben, der hier ein neues Brauhaus errichten wollte.

  1. Aug. Pachtbrief für Joh. G. Teuerling (WER D 34 Anh. 1/4123, Altes Magdeburger).

Nach dem Verzicht des Floßmeisters Hartig erwarb Theuerling auch diesen Bauplatz „gleich neben dem Wohnhaus liegend.“ Weiter heißt es „…nur daß ein Weg dazwischen bleibet…. zur Erbauung eines Wohnhauses u. zu einem Flecken Hof 14 Ellen in die Breite u. 38 Ellen in die Länge… daß dadurch … weder der ordentlichen Fahr- u. Land-Straße noch dem zur Mühle gehenden Fahrwege an der vorhandene Breite etwas entzogen …“ Hierbei handelte es sich um die Grundstücke An der Brücke 2 und Lindenstraße 1. Das Letztere wurde 1845 von der Thüringer Eisenbahn AG erworben, das Wohnhaus abgerissen und nach Fertigstellung der Bahnlinie das Restgrundstück verkauft und vom Erwerber bebaut.

  1. Sep. Schreiben Borlachs an das Kammer-Kollegium (WER D 34 Anh, 2 Nr. 2521)

Um die dauerhafte Niederlassung von Arbeitern und Handwerkern, die man in der Saline benötigte, zu beschleunigen, verlangte Borlach dass weitere Bauplätze in Neu- Kösen bereitgestellt werden sollen. Hierfür war der Teil zwischen dem Floßhaus und den „Sieben Häuser“ bestens geeignet. Da dieser Bereich zur Gasthofpacht gehörte, forderte Borlach, dass dem Pächter im Austausch andere Flächen aus dem Besitz des Schulamtes überlassen werden sollten. Dem Schreiben hatte Borlach einen Plan mit den von ihm vorgesehenen Plätzen beigefügt.

  1. Okt. Anweisung des Kammerkollegiums an den Schulinspektor (dto.)

Das sollte sich äußern, ob die von Borlach vorgeschlagenen Bauplätze „an den Mann gebracht und angebauet werden“ und dem Gasthof Ersatzflächen zur Verfügung gestellt werden könnten.

  1. Okt. Befehl des Amtmannes an die Dorfrichter. (WER Rep D Pforta II Nr. 864).

Erneut wurden diese zur Wegefron am Mühlenweg aufgefordert.

  1. Okt. Beschwerde der Amtsdörfer über den Amtmann beim König (dto).
  2. Okt. Schreiben des Amtsaktuars (WER Rep D Pforta Verz. II Nr. 2521).

Georg Heinrich Rausch überreichte Borlach persönlich ein Schreiben des Kammerkollegiums. Direses schloss sich der Ablehnung des Schulamts zum vorgeschlagenen Flächentausch für den Gasthof an. Borlach wurde allerdings erlaubt, dem Gasthofpächter Flächen innerhalb des Salinengeländes anzubieten, die nicht unbedingt zum Betrieb gebraucht würden. Das war unrealistisch, denn das Gelände war begrenzt und vom Pachtfels der Schäferei umschlossen. Somit war die extensive Erweiterung von Neu-Kösen nicht möglich. Nur entlang des oberen Kunstgestänges konnten einige „Miniparzellen“ bereitgestellt werden (Am Solschacht).

  1. Dez. Jahresbericht über die Scheitholzflöße (WEI B 12180)*.

Einer der ausführlichsten Bericht über die Scheitholzflöße beginnt mit dem 15. Jan. 1743. Hier hatte das kurfürstliche Kammerkollegium der herzogl. Kammer zu Weimar mitgeteilt, dass die 3.000 Taler Vorschuss für den Holzeinschlag dem herzogl. Floßgegenschreiber Wilhelm Albert Cunis zur Weiterleitung übergeben waren. Daraufhin hatte der herzogliche Oberfloßaufseher über die Saaleflöße, Holzhausen aus Bürgel den Einschlag angeordnet. Rückmeldungen über die bereitliegenden Hölzer, kamen u.a. am 23. Dez. 1743 aus (Probst)-Zella. Dort lagen 880 Klafter, die je zur Hälfte für Sachsen-Weimar und Sachsen-Altenburg bestimmt waren. Der Klafter kostete 23 Groschen, 10 Groschen zahlbar beim Einschlag, 7 Groschen nach der Anfuhr an die Sammelstelle und 6 Groschen beim Einwerfen. Außerdem lagen bereit: 300 Klafter in Dörflas, 500 in Weitersdorf und 440 in Rauschengesäß. Die Preise bewegten sich zwischen 18 und 27 Groschen. Insgesamt hatte Sachsen-Weimar 10.773 Klafter, davon 8.400 Weich- und 1.940 Hartholz geordert.

Bereits im Oktober 1743 räumten 16 Helfer die Floßgerinne und Bäche in den zu Bayreuth gehörenden Einschlaggebieten. Im März setzte sich das mit 20 Helfern fort. Am 16. März begannen der Einwurf und der Nachtrieb auf der Loquitz, der am 18 April die Saale bei Eichicht erreichte. Die Wochenzettel verzeichneten: 1. Woche 109 Helfer aus Ludwigstadt, Ottendorf, Lauenstein, Zella und Steinbach, denen 47 Taler, 23 Groschen, 8 Pfennige gezahlt wurden. Der Tagelohn betrug demnach 4 Groschen pro Helfer unabhängig vom Alter und Geschlecht. In der 2. Woche waren 331 Helfer aufgeboten, denen 113 Taler gezahlt wurden. In der 3. Woche sorgten 462 Helfer, zu denen nun auch die Einwohner aus Neuhüttendorf und Ebersdorf gekommen waren für den reibungslosen Abfluss der Scheite. In der vierten Woche übernahmen das 144 Bewohner aus Ober-und Unterloquitz, Arnsbach, Schaderthal und Eichicht.

Die Abgeltung der Schäden an Uferwiesen und die Ausfälle der Besitzer der Mühlen und Hämmer entlang der Loquitz beim Durchgang der Scheite kostete der „Commun Flöße“ 132 Taler.

Am 20. April setzte Hochwasser ein. Soweit möglich wurden die Scheite ausgeschleppt, was natürlich erhebliche Kosten verursachte. Erst am 9. Juni ging der reguläre Nachtrieb über folgende Stationen weiter: 13. Juni Fischersdorf, 20. Juni Roschwitz, 27. Juni Göritzer Wehr, 01. Juli Schwarza, 01. Aug. Rudolstädter Brücke, 08. Aug. Uhlstädter Brücke, 15. Aug. Schöps, 22. Aug. Jena, 29. Aug. Wehr bei Kunitz, 5. Sept. die Dornburger Papiermühle, 12. Sept. Kaatschen, 16. Sept. Großheringen.

Am Kösener Stapel begannen die Vorbereitungen mit dem Ausbessern und Verziehen des Rechens und der Beräumung des Scheitbaches am 23. März. Am 31. März wurden die ersten Scheite am oberen Holzplatz ausgeschleppt. Ab dem 13. April waren die Kolonnen Schacke, Hahnemann, A. Beyer, Puffendorf, Gräfe, Büchner, Filtz, Sträuber, Glocke, Francke, Graul, Weineck und M. Schmidt auf dem Stapel beschäftigt. Für die Aufsicht am Rechen und am Scheitbach sorgten die Kolonnen von Sachse und Schäufler. All dies geht aus den sorgfältig geführten Wochenzetteln hervor. Bei der diesjährigen Flöße wurden ausgeschleppt: in Saalfeld 322 Klafter, in Jena 170, in Camburg 265 und an der Saline in Neusulza 1108 Klafter. Der Kösener Stapel meldete am 17. Juni 3.790, am 3 Juli 4.489, am 4. Sept. 3.584, am 17. Dez. 2.008 und am 18. Dez. 8.325 Klafter, die zur Weiterflöße kamen. Dazu kamen 259 Klafter Deputat für Pforte, 24 Klafter Böttcherholz und 1.799 Klafter für die Saline. Insgesamt gelangten damit über 24.000 Klafter Brennholz bis hierher.      

           Trauung des Floßschreibers J. Levin Ulrich mit Johanna Rosenhayn (WER D 34/1/2180).

Er bewohnte die Floßschreiberei an der Fahrstraße nach Naumburg direkt gegenüber dem Stapel an der kleinen Saale. Nach seiner Pensionierung bezog er auf der gegenüberliegenden Seite der kleinen Saale eine kleine Wohnung. In die Floßschreiberei zog sein Nachfolger Emanuel Martini mit seiner Familie.        

1745

  1. Jan. Anweisung an das Schulamt (WER Rep D Pforta II Nr. 864).

Die Beschwerde der Dorfrichter hatte doch gewirkt, denn der Amtmann wurde darauf hingewiesen, dass für eine Wiederherstellung des Mühlenweges die Amtsuntertanen wegen fehlender Rechtsgrundlage nicht dienstpflichtig seien.

  1. Juli Kurfürstlicher Befehl bezüglich der Saalhäuser (WER Rep. A 23 I, Nr. 11 Bd.1).

Der Besitzer erhielt die Ausschankgenehmigung für selbst angebauten Wein. Außerdem durfte er, wie auch der Pächter des Fischhauses, während der Holzmesse, die zu Ostern auf der dortigen Uferwiese abgehalten wurde, die Flößer, Holzhändler und deren Arbeiter bewirten und beherbergen. Beide Pächter unterliefen das Monopol des Gasthofes, indem sie den festgelegten Zeitraum nicht einhielten und fremdes Bier (aus Pforte und Naumburg) „einschleppten“ und ausschenkten. Dies führte in den folgenden Jahrzehnten zu einem Dauerstreit mit dem Pächter das Salinengasthofes. Die Schulbeamten duldeten in Anbetracht der dem Amt zustehenden Pachtzahlungen die Verstöße stillschweigend und schoben die amtliche Durchsetzung des „jus prohibendi“ auf die lange Bank. Letztendlich wurde doch noch eine Lösung gefunden, indem der Gasthof den Pächtern im Bedarfsfall eine sog. Afterschank gegen eine Pachtzahlung überließ, was ihm einen gewissen Ersatz gewährte, an der Sache allerdings nichts änderte.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Floßschreiber Johann Levin Ulrich wurde von der Tuchmacherinnung zu Naumburg wegen verboteten Tuchhandels angeklagt (1/834). Möglicherweise wurde das Tuch auf Flößen als Handelsware mitgeführt. Diese Waren unterlagen der Landakzise, die auch in natura geleistet werden konnte. Der Floßschreiber mußte dann die Ware wieder „versilbern“. Da das nur auf dem Markt möglich war, kam er damit der Innung in die Quere, die das als Beschneidung ihres Monopols ansah.

Außerdem klagte der Schmied Johann Ernst Schneider beim Schulamt wegen ausstehender Entlohnung.

1746

  1. Mär. Beginn der Scheitholzflöße (WEI Floßsachen B 12181).

Dieses Jahr sollte ein katastrophales und verlustreiches Jahr für die „Commun-Flöße“ werden. Zwar begann der Nachtrieb auf der Loquitz planmäßig am 30. März. Doch dann sorgten heftige Niederschläge am Oberlauf für Hochwasser. Die Saale trat über die Ufer. Nach dem Ablaufen des Wassers lag ein großer Teil der Scheite zwischen Rudolstadt und Unterneusulza an Land, teilweise weit entfernt vom Ufer. Ab dem 2. Mai mussten zahlreiche Helfer, die Scheite aufsammeln und auf Stapel setzen. Nach der Erfassung der Mengen, sorgte eine Dürreperiode für fallendes Wasser, was eine Abflöße unmöglich machte. Bereits am 13. Juni zweifelte der Floßgegenschreiber Cunis an, ob noch eine einigermaßen geordnete Flöße möglich sei. Kamen bis zum 1. Juli noch 4881 Klafter an, hörte danach die Drift völlig auf. Erst im September mit ansteigendem Wasser, konnte das Holz abgeflößt werden. Am 21. September schlug der Floßschreiber in Anbetracht der Jahreszeit vor, auf ein Ausschleppen zu verzichten und nur das auszusetzen, was am Stapel verblieb. Der eigentliche Nachtrieb, der am 20. September begann, erreichte Kösen am 10. Dezember. Die geplante Holzverteilung war völlig durcheinander geraten. In Schwarza bei Blankenburg lagen noch fast 3.000 Klafter für Kursachsen bestimmtes Holz aus den Wäldern der Schwarzburger, in Rudolstadt standen 1840 Klafter, in Jena 1850, in Camburg rund 1200 und in Neusulza 1400 Klafter, überall wesentlich mehr als im Verteilerschlüssel vorgesehen. Die Überbestände versuchte man vor Ort zu verkaufen. Im Januar 1747 kamen 2570 Klafter zur Weiterflöße nach Halle, darunter 38 Klafter, die durch das Frühjahrshochwasser vom Stapel mitgerissen wurden und die man auf den Uferwiesen zwischen den Saalhäusern und Merseburg zusammengesucht hatte. Lediglich der Bedarf der Saline und das Deputat von Pforte konnten im vollen Umfang gesichert werden. Eine derart katastrophale Flöße wirkte sich natürlich in erster Linie bei den Arbeitern aus, die auf ihren Verdienst angewiesen waren, der ja leistungsabhängig bzw. im Gedinge bezahlt wurde.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Gottfried Triebel stand wegen Ehebruch vor Gericht.

1747

  1. Mär. Memorandum des Floßmeisters G. Hartig (WEI Floßwesen B 12181).

Hartig befürwortete den Vorschlag des Floßgegenschreibers Cunis, die für die Hallesche Saline bestimmte Menge hier durchzulassen und erst in Halle auszusetzen und zu vermessen.

  1. Apr. Beginn des Nachtriebes (WEI. B 12182).

Behinderungen durch preußische Truppenbewegungen (1. Schlesischer Krieg) und Hochwasser verzögerten die Flöße, so dass der Nachtrieb erst am 12. Oktober hier eintraf und die Jahresflöße erneut mit einem finanziellen Verlust endete.

  1. Mai Schreiben des herzogl. weimarischen Floßbeamten (WEI. Floßwesen B 12178)*.

Dieser informierte über das Ergebnis der Verhandlungen mit den kursächsischen Beamten bei der Neufassung des Floß-Vertrages. Im § 3 wurde Kursachsen ein Zuschlag von 1 Groschen/Klafter zugestanden, der § 12 betraf die Vorschussleistungen, § 14 die Konditionen für das nach Halle gehende bzw. für die Kösener Saline vorgesehene Holz, § 15 die Nachtriebkosten, § 17 die Abgeltung von Schäden an den zu Kreipitzsch und Pforte gehörenden Ufern. Den ausgehandelten Änderungen erteilte Herzog Ernst-August am 30. Mai höchstpersönlich in Eisenach seine „Confirmation“.

  1. Dez. Treffen der Floßbeamten am Kösener Stapel (WEI Floßsachen).

Wegen der schlechten Ergebnisse in den beiden Vorjahren vereinbarten sie die Erhöhung der Beiträge zur „Commun“- Floßkasse. Vorbehaltlich der Zustimmung der Regenten sollte Kursachsen 3580 Taler und die beiden Herzogtümern jeweils 1500 Taler beisteuern.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Andreas Thieme stand wegen ungebührlicher Reden und Dorthea Rebel wegen Diebstahls vor Gericht.

1748

  1. Jan. Neufassung des „Commun-Floß“ Vertrages (WEI Floßsachen B 12191).

Auf der Leipziger Neujahrsmesse einigten sich die Beteiligten über die Weiterführung bis 1751. Schärfere Strafen sollten Behinderungen und Diebstahl eindämmen.

  1. Jan. Erlass der herzogl. Kammer in Weimar (Stadtarchiv Jena B Vol. Nr. 21a).

Im Verfolg der Konferenz der „Commun-Flöße“ befahl Herzog Ernst-August I. noch kurz vor seinem Tod dem Justizamt Dornburg alle in dessen Amtsbereich an der Saale wohnenden Müller, Fischer und Fährleuten zu verpflichten, die Flöße nicht zu behindern, kein Holz zu entwenden und beim geringsten Verdacht dies sofort zur Anzeige zu bringen.

  1. Mär. Klage des Advokaten J. Fr. List gegen S. Juliana Hartig (WER D 34 Anh. 1 Nr. 5023)

List wollte den Verkauf des Teichgartens durch die Floßmeisterin an den Floßschreiber Martini verhindern und verwies auf das ihm bei der Versteigerung  des Wenzelschen Nachlasses 1728 eingeräumte Vorkaufsrecht. Schon der Verkauf des Gartens von Hartig an seine Ehefrau war unzulässig da er nicht gefragt wurde. Außerdem meinte er, dass der Kaufpreis von 150 Talern weit unter Wert lag.

  1. Mär. Bittschreiben des Floßgegenschreibers W. A. Cunis (WEI. Floßwesen 12183).

Wegen des kalten Winters bat er beim Floßmeister um einen Vorschuss zum Kauf von Feuerholz.

  1. Apr. Beginn der Brennholzflöße an der Loquitz (WEI B 12183).

Am 11. Mai erreichten die Scheite die Mündung in die Saale. Hier lag auch das bei Saalburg eingeworfene Holz. Der Nachtrieb erreichte am 25. Mai Caulsdorf, am 1. Juni Oberitz, am 8. Juni Saalfeld, am 15. Juni Schwarza und am 22. Juni Rudolstadt. Dann folgte eine Zwangspause wegen Hochwassers. Weitere vier Wochen gingen beim Einsammeln der auf den Wiesen liegenden Scheite verloren. Erst dann ging es bis Porstendorf, wo es wegen Hochwassers wieder eine Unterbrechung gab. Auch diesmal geriet die Holzverteilung durcheinander. In Saalfeld blieben 786 Klafter, in Rudolstadt 6264, in Camburg 2317, und in Unterneusulza 1520 Klafter. Der Kösener Stapel war vom 1. April bis 21. Dezember besetzt. Von den hier ankommenden Mengen wurden am 27. Juni 5727 Klafter, am 19. Juli 1890, am 3. August 4433, am 2. Oktober 5357 und am 31. Oktober 579 Klafter zu Weiterflöße gebarcht.

  1. Aug. Zwischenbericht des Floßschreibers (WEI Floßwesen Nr. 12183).

Cunis meldete das Eintreffen großer Mengen an Scheitholz, die sich vor dem Rechen stauten. Er rechnete mit drei Wochen Arbeit bis das Holz aufgestapelt und abgenommen werden kann. Für die Entlohnung der Arbeiter beantragte er einen Vorgriff aus der Verlagskasse.

  1. Sep. Die Saline erwirbt das Brauhaus (WER D 34 Anh. 1/2886).

Für 500 Taler verkaufte es der Floßmeister Hartig einschließlich der Schankrechte. Die mit dem Brauhaus verbunden Schankrechte und die des Gasthofes wurden vereint. Während sich der Gasthofpächter verpflichten musste, ein gutes und bezahlbares Bier abzugeben, blieb der Braumeister diziplinarisch der Saline unterstellt und durfte nur mit deren Zustimmung entlassen werden.

Um den Gasthof in „bessere Aufnahme“ zu bringen, ließ J. G. Borlach neben dem Brauhaus eine moderne Malzdarre einrichten, wie er sie 1738 auf einer Englandreise kennengelernt hatte, berichtete der Bergrat Heun später. Zur Einlagerung diente neben dem Gewölbe am Gasthof und dem Keller unter dem Gestänge der vom Floßmeister Hartig angefangene und von J. H. Borlach erweiterte Keller unter dem Lengefelder Fahrweg am Fuß des Nikolausberges. Nicht davon betroffen war die Schankgerechtigkeit für den Pächter des Fischhauses zu den Holzmessen und der  Ausschank des eigenen Weines vom Pächter der Saalhäuser.

Doch insgesamt reichte die Kapazität des Salinengasthofes nicht aus und der ungenehmigte Ausschank "fremden Bieres" in Neu-Kösen florierte. daher wurde dem Gasthofpächter  gestattet sog. „Afterschankpachten“ an Einwohner des Dorfes zu vergeben. Er lieferte das Bier und erhielt eine gewisse Pacht, was ihm einen finanziellen Ausgleich sicherte. Die Afterschankpacht konnte jederzeit aufgekündigt werden, wenn der Pächter gegen die Pachtbestimmungen verstieß. Aftersschankpächter waren zunächst die Dorfbäcker (Hämmerling, Hollstein) später auch der Fleischhauer.

  1. Sep. Anordnung der Kammer zum Rechtsstreit um den Teichgarten (WER D 34 1/5023).

Auf Anfrage des Schulamtes, wie man sich verhalten solle, erging die Anordnung, sich nicht damit zu befassen. List`s Klage wurde abgewiesen aber auch der Verkauf des Teichgartens kam nicht zustande, denn 1752 war das Anwesen immer noch im Besitz der Floßmeisterin.

  1. Dez. Anordnung zur Festsetzung des Holzdeputats für Pforte (MER. C48IIIb, 5523).

Nunmehr sollte die Schule für einen Klafter weichen Holzes, zwei Klafter morschen und faulen Holzes erhalten.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Eleonora Reuter musste sich wegen „stupri“- Unzucht verantworten und Christian Hugo verklagte Hans Dahne wegen Beleidigung.

1749

  1. Feb. Bericht des Floßschreibers Martini ( in MER, C48Ic, Nr.1686)

Dabei wurde die Problematik der Zollerhebung in barer Münze von den Langholzflößen erörtert. Da die meisten Flößer erst nach dem Verkauf über ausreichend Bargeld verfügten wurden die saaleabwärts gehenden Flöße beim Zollamt registriert. Nach den Verkaufsmessen hatten sich die wieder heimziehenden Flößer hier zu melden und ihren Zoll zu leisten. Da sich der Zoll an den aktuellen Verkaufspreisen orientierte war der Einnehmer auf die Angaben der Flößer angewiesen, da er selbst den Verkauf überwachen konnte. Das nutzten die Flößer, indem sie die Verkaufserlöse möglichst nierdig angebane.

               Beschwerde der Floßaufsicht über den Kukulauer Pächter (WER D 34/1/930).

Oberaufseher v. Wuthenau und Oberfloßkommissar Brand beschwerten sich über Johann Martin Knorr, weil dieser die vom Floßamt am Saaleufer gepflanzen Pappeln geköpft hatte.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Bäcker Christian Friedrich Theuerling stand wegen Hehlerei seiner Ehefrau vor Gericht.

1750

  1. Jan.   Hämmerling pachtet das Backhaus (WER Pforta D Anh. 2/ 2301).

Das Backhaus, einst vom Floßmeister Wenzel gegenüber dem Floßamt an der Landstraße errichtet, kam auf „allergnädigsten Befehl“ für einen Erbzins von 21 Groschen an den Bäcker. Die verkehrsgünstige Lage förderte nicht nur den verkauf seiner Backwaren, sondern auch das Geschäft mit dem  "Afterschank".

  1. Mär. Anordnung des Kammerkollegiums (in MER C 48 Ic, Nr. 1686).

Das Schreiben Martinis veranlasste das Kammerkollegium zu Änderung der Zollerhebung. Die Flößer die Bargeld bei sich führten, konnten den Zoll beim Passieren des Wehrdammes am Zollamt leisten. Diejenigen, die kein Bargeld mit sich führten, mussten den Zoll in „natura“ leisten. Da der Einnehmer die „besten Stücke“ fordern konnte, mussten die Flöße teilweise aufgebunden werden, was aufwädig und zeitraubend war. Allerdings mußte man dann die als Zoll eingenommenen Hölzer, soweit sie nicht vor Ort verkauft werden konnten, wieder saaleabwärts zu den Messen bringen und dort versilbern.

  1. Juni Abschluss eines Zeitpachtvertrag über den Salinengasthof (WER Rep. 23 I, Nr.11,)

Knorr`s Vertrag wurde um weitere sechs Jahre verlängert. Die Pacht betrug nun 650 Taler, doppelt so viel als der zwischen der Saline und der dem Schulamt vereinbarte Erbpachtzins.

1751

  1. Feb. Schreiben des Schulamtes an die Dresdner Kammer (WER D 34 Anh. 1/2886).

Nach dem Erwerb des Brauhauses durch die Saline, hatte die es versäumt, die Pacht von 21 Groschen an das Schulamt abzuführen. Daher wandte sich das Schulamt nach Dresden, von wo aus prompt die Anweisung an das Salinendirektorat erfolgte, die ausstehende sowie die laufende Pacht zu zahlen und als Ausgabe der Saline zu verbuchen.

  1. Feb. Antrag des Schulamtes auf Zollbefreiung für Bauholz (WER D 34 Anh.1/2886).

Das Holz (50 Spundbretter, 20 Schwarten, 12 Bohlen, 60 Latten und 20 Stämme) wurde für Reparaturen an den Schulgebäuden benötigt.

  1. Apr. Schreiben des Herzogs Franz Jonas (WEI B 12191a)

In Vorbereitung eines neuen Floß-Vertrages setzte sich Franz-Jonas mit seinem Vetter Herzog Friedrich dem Administrator des Fürstentums Sachsen-Eisenach wegen der Beseitigung verschiedener Unstimmigkeiten bei der Flöße in Verbindung.

  1. Mai Memorandum zum Abschluss des neuen „Commun-Floß-Contracts“ (WEI B 12919a).

Kursachsen beantragte die Erhöhung seines Quantums von jährlich 15.000 auf 18.000 Klafter. Der Partner Sachsen-Weimar wurde angemahnt, die noch ausstehenden 4958 Klafter aus dem Jahre 1748 umgehend anzuflößen. Außerdem sollten die Beamten der herzoglichen Stapel eindringlich angewiesen werden, nur die ihnen zustehende Menge auszuziehen und dabei nicht nur die besten Stücke. Auch der hohe Verlust bereitete Sorgen. Kalkulierte man bisher mit 10 bis 12 Prozent, so hatte sich dieser bei der letzten Flöße verdoppelt. Die Floßbeamten sollten alles unternehmen, um den Verlust so gering als möglich zu halten, anderfalls sollten sie auch haften. Kursachsen verlangte außerdem von den beiden anderen Partnern, sich an den Kosten für die Erneuerung des baufälligen Kösener Rechenwärterhauses beteiligen. Erwähnt wurde noch, dass jetzt auch über die Roda Holz aus den Wäldern des altenburgischen Amtes Arnshaugk zur Saale gebracht würde.

  1. Mai Der Kurfürst schaltet sich in die Vertragsverhandlungen ein (WEI Floßsachen 12191a).
  2. Juni Schreiben des herzoglich-weimarischen Hofes. (WEI Floßsachen B 12191a).

Für eine Erhöhung der Holzmengen sah Weimar in Anbetracht des zunehmenden Mangels an verwendbaren Hölzern im Oberland keine Möglichkeit und verwies auch auf die noch fehlenden Verträge mit den Herrschaften von Brandenburg, Bayreuth und Schwarzburg. Man schlug für 1752 eine „Interimsflöße“ zu den bisherigen Bedingungen vor, andernfalls sah die Weimarer Kammer auch das Aussetzen einer ganzen Flöße als erforderlich an. Der sich nun abzeichnende Holzmangel und steigende Nachfrage wirkten sich auf den Abgabepreis aus.

Im Gegensatz zu der kurfürstlichen Auffassung, dass der hohe Verlust auf Diebstahl im herzoglichen Teil zurückzuführen sei, waren die herzoglichen Beamten der Ansicht, dass Sinkholz und der defekte Kösener Rechen dafür ursächlich sind, was nicht zu Lasten der herzoglichen Partner gehen könne. Dagegen argumentierten die kursächsischen Beamten, dass am Rechen die gemeinsame Flöße endet und nur dass, was ausgeschleppt werden kann, bezahlt wird. Da von dem unter dem Rechen hindurchgehenden Holz ein ganzer Teil saaleabwärts aufgefangen und verkauft wurde, ergab dies einen ordentlichen Gewinn für den kursächsischen Fiskus.  

  1. Aug. Antrag des J. G. Neufänger auf einen Bauplatz (Altes Magdeburger L IX c Nr. 172).

Der von ihm beantragte Bauplatz neben dem Anwesen des Bäcker Holstein lag direkt an der Fränkenauer Trift, weshalb sein Begehren abschlägig beschieden wurde.

  1. Nov. Neubesetzung der Stelle des „Commun-Floß-Gegenschreibers“. (WEI Floßsachen).

Nach dem Ableben von Cunis schlug der Herzog von Weimar den Sohn des Floßschreibers von Kahla, Friedrich August Stophel vor. Stophel wurde von den übrigen Teilhabern bestätigt.

1752

  1. Mai Verkauf der Sulzaer Saline (Eisenach, Das Thal..,Denkschrift 150 Jahre Salinensozietät).

1731 hatte die Gewerkschaft (Reiher-Wenzel-Hartig) die Saline dem Hofrat Prof. Burkhardt Gotthelf Struve aus Jena verkauft. Dieser war 1739 verstorben. Seine Witwe und die Tochter, eine verheiratete Hellfeld verkauften sie einem Konsortium, zu dem der herzogl.-sachsen-eisenachsche, dänische und kurpfälzische Geheimrat Joachim Friedrich Freiherrn von Beust, sein Bruder Karl Leopold Graf von Beust (1701-1778) und sein Vetter Gottlieb Heinrich v. Planitz gehörten. J. Fr. v. Beust einer der namhafteste Salinisten seiner Zeit war maßgeblich bei der Einführung der Dornengradierung in fiskalischen Salinen von Creutzburg und Salzungen (Sachsen-Eisenach), Aigle (Schweiz), Münster am Stein und Kreuznach (Kftm. Pfalz), Rodenberg (Lgrf. Hessen-Kassel), Valloe (Norwegen), Bruchsal (Bist. Speyer), Sulz a. Neckar (Hzgt. Württ.), Wimpfen, Salzuflen (Grf. Lippe), Orb und Wisselsheim (Erzbst. Mainz) beteiligt.

Er ließ einen neuen Schacht (Segen-Gottes) anlegen und den alten Kunstgraben wieder nutzbar machen und begann 1753 mit dem Bau des Gradierhauses „Friedrich“ zwischen Ilm und Emsenbach. 1754 wurde das Gradierhaus „Luise“ erbaut. Nach seinem Tod blieb die Saline im Besitz der Familie v. Beust. 1773 kam das Gradierhaus „Charlotte auf dem Lachenberg das Gradierhaus „Charlotte“ dazu, 1778 zwei neue Siedekote in Oberneusulza und 1791 in Unterneusulza wurden die alten Kote durch Neubauten ersetzt. Die Salzproduktion belief sich zur Jahrhundertwende auf rund 40.000 Stück (rd. 25.000 Zentner).

  1. Juni Der Fleischer J. Chr. Heydrich pachte einen Bauplatz (Altes Magdeburge L IX c Nr. 172).

Heydrich pachtete den Bauplatz neben dem Anwesen der Witwe des Bäckers Teuerling „gleich am Mühlenweg“. Heydrich sollte so bauen, dass das Teuerlingsche Grundstück unbeschadet bleibt. Weiter hieße …und weile auf dießen abgemeßenen Platze des Bäckers Salomon Hämmerlings Bude, darinnen er Bäckerwaren feil hat, stehet, so hat sich dieser Bäcker Hämmerling… erkläret, daß er seine Bude an diesem Plaze weg und weiter hinauf nach des Bergrat Borlachs Hauße zu… wolle setzen laßen“. Die Anweisung des Bauplatzes erfolgte vor Ort durch den Schulen-Inspektor B. S. Könnewitz, dem Amtmann Dr. C. Chr. Gutbier, dem Schulverwalter C. V. Francke und dem Amtsschreiber Chr. E. Hofmann. Das Protokoll verfaßte der Actuar Chr. Geb. Heuckenwaldt.

  1. Juli Befehl des Schulamtes (WER 34 Anh. 2 Nr. 2301).

Auf Anweisung des Kammer-Kollegiums hatte das Schulamt die seit 1550 geführten und besonders im 30jährigen Krieg stark gelittenen bzw. abhanden gekommenen Erbzinsbücher komplett erneuert. Gerade durch die Besiedlung von Neu- und Alt-Kösen infolge der Floßstapels und der Saline hatten die Schulbeamten wohl auch die Übersicht verloren und mußten alle Pacht- und Zinsvereinbarungen überprüfen.

Die Erbpächter wurden nun angewiesen, zu einem bestimmten Termin persönlich im Schulamt zu erscheinen und ihre im Amtserbbuch von Kösen erfaßten Grundstücke, ob zum Wohnen oder landwirtschaftlich genutzt, und die vereinbarten „Zinßen und prastandis“ durch eigenhändige Unterschrift zu bestätigen. War der Pächter, auch Censit genannt, eine verheiratete Frau oder eine Jungfrau mußte sie ihren Vormund „Curatibus“ mitbringen, weil Frauen bei derartigen Rechtsgeschäften nicht handlungsbefugt waren. Für die ordnungsgemäße Durchführung waren die „Commissarii Causee“ Dr. Caspar Christian Guthbier, Carl Valerian Francke und Christian Ernst Hofmann zuständig.

Der Bergrat J. G. Borlach, der Advokat Dr. J. Fr. List, der Floßmeister G. Hartig und seine Gattin Sophia Juliana, die Erben des Floßschreibers E. Martini sowie die in Naumburg wohnende Dorothea Sophia Beßer wurden schriftlich aufgefordert. Den übrigen Einwohnern und den Weinbergpächtern wurde am 9. und 10. Juli vom Amtsdiener der Termin bekanntgegeben.

  1. Juli Verpachtung der „Hintermühlwiese“ an das Floßamt (WER D 34/1/913).

Vor dem Rechen stauten sich soviel Scheite, dass dieser zu zerbrechen drohte. Um die Scheite schnellstens auszuschleppen, wurde kurzfristig der obere Teil der Mühlwiese von der Quelle bis an die Krümme gepachtet.

Durch die größeren Mengen an Scheitholz, schafften es immer mehr Bauholzflöße nicht mehr, den Rechen zu passieren, bevor er geschlossen wurde. Zwangsläufig mussten alle, die es nicht schafften, die Flöße saaleaufwärts zwischen Lengefeld und Saaleck am Ufer festmachen, wo sie teilweise wochenlang liegen blieben. Das führte zu Uferschäden, die den Rittergutsbesitzer von Kreipitzsch auf den Plan riefen, der sich hier in seinen Gerechtsamen beeinrächtigt sah und Schadenersatz forderte. (s. a. WER, Rep. D Pforta V, Nr. 1 Bd. 1 u.2).

  1. Aug. Vollmacht der Sophia Juliana Hartig (WER D 34 Anmh. 2, Nr.2301).

Um der Aufforderung zur Bestätigung ihres Besitzes in Kösen nachzukommen, bevollmächtigte die Floßmeisterin den „Cammer-Commissaire und Licentiaten“ David Jacob Spindler aus Naumburg als „Curatibus“. Auch der Floßmeister selbst ließ sich von ihm vertreten.

Sophia Juliana Hartig war neben ihrem Mann und dem Bergrat Borlach recht begütert. Ihr gehörten Rechenhaus mit Bergkeller (heute Loreleypromenade 7), zwei Bauplätze und der Teichgarten am Lengefelder Weg. Sie selbst wohnte in Neu-Flemmingen, wo sie den dortigen Gasthof mit Ausspanne betrieb.

Der Hartig`sche Teichgarten am Lengefelder Weg wurde 1845 von der Thüringer Eisenbahn AG erworben. Beim Bau der Bahn wurde die hier entspringende Quelle gefaßt und unter dem Gleiskörper bis zum heutigen Ausgang am Park verrohrt. Später wurde sie dann zur Speisung des Schwanenteichs genutzt. Das Einzugsgebiet und die Schüttung der Quelle, die Trinkwasserqualität hat, ist so ergiebig, dass diese auch in sehr trockenen Sommern bislang noch nie versiegte.

  1. Aug. Unterzeichnung der Erbzinsbücher (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2301).

Im Kösener Distrikt gab es 67 Erbpächter, davon waren 43 Wohngrundstücke und 24 Pachtweinberge (Vorder- und Hinterberge, Saalberge, Platten Mordtal). Letztere gehörten zumeist Bauern aus Flemmingen, Hassenhausen und Lißdorf.

Von den 43 Wohnhäusern standen 6 in Alt-Kösen, wie das ehemalige Rechenwärterhaus, nun im Besitz der Ehefrau des Floßmeisters Hartig (Loreleypr. 7). Die übrigen Anwesen gehörten den Erben des Floßschreibers Martini an der kleinen Saale, dem Advokaten Joh. Fr. List (heute Konditorei Schoppe), dem Joh. Melchior Seyffarth, dem Joh. L. Uhlrich (Naumburger Str. 2-4) und dem Fr. Seydler (R. Breitscheid Str. 14).

Die Pachtschäferei und die Pachtmühle, wie auch die Vorwerke in Fränkenau und Kukulau waren in Zeitpacht gegeben. Die Saline, der Salinengasthof, das Brauhaus und die Betriebswohnungen der Salinenbeamten sowie das Floßamt waren fiskalisch und wurden in diesen Zusammenhann nicht erfaßt.

In Neu-Kösen gab es 37 Privatgrundstücke, 28 beiderseits vom Lengefelder Fahrweg (Borlachstraße), „Sieben Häuser“ am Fuß des Nikolausberges, das Theuerlingsche Grundstück und die Pachtbäckerei von Hämmerling gegenüber dem Floßamt. Die größten Besitz in Neu-Kösen hatte der Bergrat Johann Gottfried Borlach am Abzweig des Lengefelder Fahrweges, während die Grundstücke an dessen Ende der Floßmeisterin Hartig gehörten.

Die Nummerierung wurde in der 1765 angefertigten Katasterkarte übernommen, so dass sich daraus die Grundstücke und deren Eigentümer eindeutig identifizieren lassen.

  1. Aug. Schreiben des Schulen-Aktuars (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Schon bei der Errichtung seines Hauses merkte der Fleischer Chr. Heydrich, dass der tieferliegende Teil des Bauplatzes von Hochwasser bedroht war. Heydrich fragte an, ob ihm hinter der „Lehde des Bäckers Hämmerling“ ein weiterer Bauplatz für seine Stallungen überlassen werden könne. Da dieses Stück zur Pacht des Salinengasthofes gehörte, mussten Knorr und Borlach dem Antrag zustimmen.  

  1. Aug. Rechnung für die Anfertigung des Amtserbbuches (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2301).

Der Amtsschreiber berechnete die Kosten für die Erfassung der 67 Grundstücke, der Pächter und der Pachten.

           Floßmeister Hartig erwirbt von Fr. Schröter einen Acker Feld (WER D 34/1/941)

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Erneut stand J. L. Ulrich vor Gericht, diesmal klagte die Seilerinnung zu Naumburg wegen verbotenen Handels mit Öl- und Seilerwaren (1/836). Auch der Pächter von Fränkenau, Johann Pommer, nahm das Gericht in Anspruch.

1753

  1. Jan. Schreiben des Schulverwalters Frank an den Oberfloßmeister (MER. C48 IIIb).

Das Floßamt wurde aufgefordert, die Pfähle für das Eiswehr, eine Schutzvorrichtung bei Treibeis, am Einlauf der kleinen Saale einzuschlagen.

  1. Feb. Schreiben des Oberfloßkommissars Brand an den Schulverwalter Frank (dto).

Das Floßamt lehnte die Aufforderung ab, mit dem Hinweis, dass dies seit jeher der Schule obliege.

  1. Juni Anzeige der Floßbeamten (WER D 34 Anh. 1 Nr. 987).

Adam Ludwig von Wuthenau und Peter Albrecht Brand beschuldigten den Gasthofpächter J. M. Knorr und den Pächter der Saalhäuser Chr. Sieber, Holz aus den Waldungen des Schulamtes und des Domstifts als Brennholz zu verkaufen. Das würde den Verkauf seitens der  „Commun-Flöße“ beeinträchtigen.  Das wäre ein Eingriff in das herrschaftliche Holzregal und müsste umgehend unterbunden werden.

  1. Juli Anordnung der kurfürstlichen Kammer (in MER. C48 Ic, 1686).

Brand und der Geleits-Steuereinnehmer in Freyburg wurden angewiesen, dass von allen ankommende Flößen neben dem Floßzoll auch die Landakzise in Höhe von 3 Pfennigen vom Taler Warenwert zu entrichten sei. Zur Erleichterung wurde ein im Voraus zahlbares Fixum von 4 Talern jährlich gestattet. Der Altenburger (Almricher) Holzhändler Krippendorf entrichtete als erster diesen Pauschalzoll, worüber die Floßbeamten in Kenntnis gesetzt wurden.

  1. Apr. Anweisung der kurfürstl. Kammer bezüglich des Floßamtes (in MER C48Ic Nr. 1686)*.

Der Oberaufseher Kammerherr v. Wuthenau, der Oberfloß- und Obersteuerrat, Kommissionsrat Brand und der Haupt-Salz Lizenznehmer für Thüringen Lindemann wurden aufgefordert entsprechend den Anordnungen vom 6. Mai 1749 und 17. März 1750 die ordnungsgemäße Erhebung und den Weiterverkauf des als Natural-Zoll einbehaltenen Floßholzes besser zu kontrollieren. Offenbar hatte es hier Beschwerden gegeben, denn den beiden Beamten wurde befohlen, willkürliche Verstöße des Floßschreibers und Zolleinnehmers Schwäger zu Kösen streng zu ahnden.

  1. Aug. Stellungnahme Christph Siebers zum Brennholzhandel (WER D 34 Anh. 1/987).

Der Pächter des Fischhauses und Einwohner von Altenburg verwies darauf, dass Amts- Försterei den Einschlag genehmigt und er das Holz bar bezahlt habe. Den größten Teil würde er für seinen Weinberg bzw. in seiner eigenen Wirtschaft brauchen. Den Rest hätte er auf dem Altenburger Anger aufgestapelt, um das Holz nach und nach abzutransportieren. An Dritte hätte er nur geringe Mengen verkauft.

  1. Okt. Erlass des Kammerpräsidiums von Weimar-Eisenach (Stadtarchiv Jena B. Vd 21 b).

Herzog Friedrich wies als Administrator und Vormund des minderjährigen Herzogs Ernst- August (II.) erneut an, dass es allen Einwohnern der herzoglichen Stadt Jena und des Amtes Dornburg untersagt sei, fremdes Holz einzuführen und zu verkaufen. Bei Zuwiderhandlungen wurden empfindliche Strafen angedroht. Das galt auch für alle Bäcker, Brauer, Brenner und Schlachter sowie den Produzenten von Essig, Ziegeln und Kalk. Neben den Handwerkern durften auch die Holzhöker, die Brennholz für den häuslichen Bedarf anboten, dieses nur noch vom herzoglichen Stapel beziehen.

  1. Dez. Anordnung des Kammer-Kollegiums zum Brennholzhandel (WER D 34 Anh. 1/987)

Der private Brennholzhandel wurde untersagt und der Schulinspektor Könnicke musste dies Knorr und Siebert mitteilen, ebenso wie dem Oberaufseher Kammerherr v. Wuthenau und den Oberforstmeister Tützschler.  

             Versteigerung von Weinbergen am „Eulengeschrei“ (WER D 341/1056).

Pächterin war Dorothea Sophia Beßler aus Naumburg, die offensichtlich die Pachtbestätigung im Amtserbbuch nicht geleistet hatte. Das Eulengeschrei war eine Flur zwischen der Ilske und den Hinterbergen.

1755

  1. Jan. Erbpacht des Oberfloß-Kommissars (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Nun hatte der Oberfloßkommissar P. A. Brand um den gleichen Bauplatz neben dem Bäcker Hollstein nachgesucht, der Neufänger verweigert wurde. Dank seiner Stellung  erhielt er eine Zusage und eine Kommission des Schulamtes war vor Ort, um den Platz abzumarken. Die Pacht war Brand aber zu hoch und er verwies darauf, dass der Fleischer Heydrich wesentlich weniger für ein größeres Anwesen zahlen würde.

  1. Nov. Bau der massiven Ufermauern für den Rechen (Inschrift, Foto Dorloff)

Eine steinerne Inschrift aus dieser Mauer wurde beim Bau der Krügerschen Villa in der Hauswand eingefügt, ist heute nicht mehr sichtbar. Drei Wappen, darunter das Königl.-Polnische und das Kursächsisch-Wittenbergische zeigen, dass es sich um eine amtliche Inschrift handelte. Die Abkürzungen ALvW (Abraham Ludwig v. Wuthenau), IHASt (n.n.B), GH (Georg Hartig), PAB (Peter Albrecht Brand) und IGT (n.n.b.) beziehen sich auf die Floßbeamten unter deren Leitung die Uferbefestigung erfolgte. Die Mauern und Auflager für den Rechen sind heute noch vorhanden (Parkstraße 2/Loreleypromenade 8).

               Klage des Gasthofpächters gegen den Holzhändler H. G. Seidler (WER D 34/1/3125)

Johann Martin Knorr verklagte ihn beim Schulamt wegen Beherbergung und Ausschank von Holzhändlern und Flößern während der Holzmesse. Seidler war selber im Holzhandel tätig, hatte die Leute in seinem Wohnhaus oberhalb des Wehrdammes untergebracht. Knorr sah sich in seinem Geschäft beeinträchtigt und verlangte die amtliche Unterstützung bei der Durchsetzung seines "jure prohibendi".

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Michael Reinhold kam wegen Scheitholzdiebstahl vor Gericht.

1756 bis 1763

            Der Siebenjährige Krieg

Bereits im zweiten Schlesischen Krieg 1744-45 hatte Kursachsen zwei empfindliche Niederlage gegen die Preußen (Hohenfriedberg und Kesselsdorf) erlitten. Nun kapitulierte gleich zu Beginn des 3. Schlesischen Krieges das sächsische Heer bei Pirna. Kursachsen wurde von den Preußen besetzt. 1759, nach der Schlacht bei Kunnersdorf räumten die preußischen Truppen Sachsen, konnten aber 1760 nach der Schlacht bei Torgau große Teile zurückgewinnen. Beim   Friedensschluss von Hubertusburg behauptete Kursachsen zwar seinen Vorkriegsbesitz, war aber infolge der Kriegslasten wirtschaftlich und finanziell arg gebeutelt.

1756

  1. Feb. Antrag des Oberfloßmeisters Brand bei der Kammer (WER D 34 Anl. 1/4123).

Wegen der Pacht für den Bauplatz hatte sich Brand an die Kammer zu Dresden gewandt. Im Juli bewilligte Kurfürst Friedrich August seinen Antrag auf eine ermäßigte Pacht.  

  1. Mär. Tagebuch des Johann Georg Judersleben (St-A.)

Unter dem Titel „Locicommunes“ führte Judersleben sein Tagebuch, worin er die für ihn wichtigen persönlichen und lokalen Ereignisse festhielt. Daneben finden sich Rezepte für die Bereitung von Wein und für Arzneimittel bei Hals- und Menstruationsbeschwerden, Rechnungen, Ratenzahlungen für geliehenes Geld und eine Schilderung der Ungarnschlacht 933, die er offenbar für interessant und aufzeichnenswert hielt. Die Tagebucheinträge enden um 1800.

Judersleben wurde am 3. November 1735 geboren, erhielt 1748 das erste Abendmahl, wurde 1754 als Holzknecht und Scheitführer bei der Saline eingestellt und kam am 01. Mai 1756 auf das Gradierhaus. Er hatte drei Geschwister Johann Christian, der ebenfalls im Salzwerk arbeitete, Hanna Rosine und Dorothee Elisabeth.

Sein Vater Johann Georg (Jg. 1711) stammte aus Flemmingen, lernte den Beruf des Leinewebers, übernahm dann die Weinberge seines Vaters und heiratete die aus Saubach stammende Witwe Anna Maria Sieler. Er folgte seinem Vater als Oberwinzer und war 20 Jahre lang im Amt bevor er es im Alter von 64 Jahren abgab.

Der Großvater Hans Judersleben stammte ebenfalls aus Flemmingen, war mit Anna Meister verheiratet und hatte neben J. Georg einen zweiten Sohn, Johann Elias, der als Salzmeister bei der Saline beschäftigt war. Hans Judersleben selbst war Bauer und Oberwinzer in Pforte.

  1. April Reskript zum Haupt-Erläuterungs Rezess (in DD Loc 1337).

Hier ging es um die Aktualisierung der zwischen den Schwarzburgern und Kursachsen seit 1645 bzw. 1719 bestehenden Vereinbarungen, die Holzlieferungen und den Salztransport betreffend.

  1. Mai Bericht des Schulamtes zum Brandschen Bauplatz (Altes Magdeburger LIXc Nr. 172).

Nachdem sein Antrag auf eine geminderte Pacht für den von der Kommission abgemarkten Bauplatz bewilligt war, verlangte Brand eine Änderung der Grundstücksgrenze. Wegen des Triftweges von der Landstraße zur Fränkenauer Hohle hatte das Grundstück die Form eines Dreiecks. Brand wollte aber einen Zuschnitt wie die übrigen „Sieben Häuser“. Das hätte die Verlegung des Triftweges bedeutet, weswegen sich die Schulbeamten erneut an die Dresdener Kammer wandten.

  1. Okt. Auflösung der Listschen Erbengemeinschadft (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3126)

Johann Friedrich List, Advokat und vormals Gerichtsherr des Floßmeisters Wenzel war verstorben. Er hinterließ eine Tochter, Johanna Christiane Sophia verh. Döring, und die Söhne Friedrich August und Christian Bernhard. Letzterer war noch minderjährig und stand unter der Vormundschaft des Floßschreibers Georg Heinrich Schrey. Zur Auflösung der Erbengemeinschaft sollte der Nachlass meistbietend verkauft werden. Dazu gehörten neben der ehemaligen Floßschreiberei, die List von den Erben Martinis abgekauft hatte, ein Weinberg an der Windlücke mit einem Weinberghaus und einem Kelter, mehrere Äcker oberhalb von Neu-Kösen am Äptischen Holz mit einem Gesamtaxwert von 2032 Gulden.

             Umbau der Mühlenräder (Pachtvertrag 1811)

Das sog. Staberzeug wurde durch Panzerzeug, d. s. eiserne Radspeichen ersetzt.

             Neubesetzung der Stelle des Floßschreibers (WER D 34/1/3811)

Nach dem Tod des G. H. Schrey, der seit 1726 als Floßschreiber und Floßholz-, Zoll- und Landaccise-Einnehmer tätig war, wurde Johann Christian Tostlöwe sein Nachfolger.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Georg Seidler stand wegen „injuriarum verbalium et realium“ vor Gericht.

  1. Dez. Öffentliche Subhastation der Listschen Nachlasses (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3126).

1757

  1. Jan. Meldung des Pfortenser Pastors bezüglich eines Täuflings (WER D 34 Anh. 1 Nr. 4964).

Die Witwe Dorothea Elisabeth Zedel (32) hatte ihr neugeborenes Kind zur Taufe gebracht und als Vater den Mühlknappen Christian Wiesenvoigt angegeben. Nun war die Geburt eines unehelichen Kindes an sich schon anrüchig, aber der Pastor hatte bereits vorher in Erfahrung gebracht, dass der Erzeuger in Modelwitz verheiratet war und hier vier eheliche Kinder hatte, weshalb er die Witwe vor dem Umgang gewarnt habe, diese dem aber nicht gefolgt war, wie das Kind zeigte. Pflichtgemäß brachte der Pastor den Vorfall beim Amtmann zur Anzeige.

  1. Jan. Aufhebung der Listschen Erbengemeinschaft (WER D 34 Anh. 1 Nr.3126)

Den gesamten Besitz übernahm J. S. Chr. Döring, die Tochter Lists. Diese verpflichtete sich, ihren Brüdern das ihnen jeweils zustehende Drittel bar auszuzahlen. Sie selbst blieb in der ehemaligen Floßschreiberei wohnen. Ihr Gatte pachtete dann den Brückenzoll und das Gehöft wurde nun als "Einnehmerhaus" bezeichnet.

  1. Mär. Vorladung der Witwe Zedel vor das Amtsgericht (WER D 34 Anh. 1 Nr. 4964)

Bei der Befragung gab sie an, dass sie nicht gewußt habe, dass der Mühlknappe, den sie in Großheringen kennengelernt hatte, bereits verheiratet war.

  1. Apr. Schreiben des Schulamtes an die Dresdener Gerichtskammer (dto).

Dem Gericht wurde die Angelegenheit Zedel/Wiesenvoigt vorgetragen und angefragt, ob ein reguläres Verfahren wegen Hurerei gegen die Zedel und wegen Ehebruch gegen den Wiesenvoigt eröffnet werden soll. Die Kammer genehmigte das Verfahren gegen die Witwe, sah aber bei Wiesenvoigt davon ab, da dieser aus der preußischen Armee desertiert war, und der dortigen Militärjustiz überlassen werden sollte.

  1. Mai Ortsbesichtigung wegen dem Bau eines Kalkofens (St.-A. Nr. 60).

Knorr der Gasthofpächter hatte beim Schulamt einen Bauplatz oberhalb des Seydlerschen Hauses (Breitscheidstr. 20) nachgesucht. Hier wollte er einen  Kalkofen errichten. Beim Ortstermin mit dem Schulinspektor v. Konneritz und dem Amtmann Dr. Gutbier forderten die als Gutachter, der Zimmermeister A. Thieme und der Maurermeister J. G. Schröter wegen der Brandgefahr einen größeren Abstand des Kalkofens zum Seydlerschen Wohnhaus.

  1. Juni Inquisitorischer Prozess gegen die Zedeln (dto).

Sie musste insgesamt 52 ausgewählte Fragen wahrheitsgemäß  beantworten. Da sie dabei blieb, dass sie von der Ehe des Kindsvaters nichts gewußt habe, musste sie das vor einem Geistlichen beschwören, wobei eine hohen Strafe bei einem Meineid drohte Letztlich wurde sie wegen Hurerei zu 14 Tagen Gefängnis und zu Zahlung der Gerichtskosten in Höhe von 20 Talern verurteilt. Im August bestätigte der Leipziger Schöppenstuhl das Urteil, dass ihr im September zugestellt wurde. Das Geld stotterte sie dann innerhalb eines Jahres ab.

  1. Juli Friedrich Seydler pachtet den Bauplatz (WER D 34/ 2/ 2301).

Das Schulamt hatte den von Knorr begehrten Bauplatz öffentlich ausgeschrieben. Bei der „Licitation“ überbot Seydler den Gastwirt  und baute dann hier ein Wohnhaus (R.-Breitscheidstr. 18).

  1. Sep. Schreiben des Oberfloßmeisters Brand (WER D 34 Anh. 1/4123).

Darin teilte er dem Schulamt mit, dass er wegen „der im vorigen Jahr … plötzlich eingefallenen Unruhe“ den Bauplatz nicht pachten werde und wegen der „fortwährenden Kriegs-Läuffte und großen Lande-Noth auch ferne kein Interesse“ habe.

  1. Sep. Preußische Truppen besetzen die Windlücke (in WEI B 12161)*

Friedrich der Große beobachtete von dort aus die bei Kösen biwakierenden Reichstruppen.

  1. Okt. 20.000 Franzosen besetzen die Kösener Brücke (in WEI B 12161, Judersleben)

Die unter dem Kommando des Prinzen von Baden-Durlach stehenden 13 Bataillone und 8 Grenadierkompanien sowie die Reiterei, hatten den Befehl, den preußischen Truppen den Saaleübergang zu verwehren. Zunächst wurden die Soldaten in den Häusern einquartiert. Dabei kamen 40 bis 60 Mann auf einen Hauswirt kamen. Die wurden dann in Zelten auf den Saalewiesen untergebracht und die Offiziere mit ihren Dienern bezogen die Wohnungen. Die Verpflegung der Truppen war außerordentlich schlecht, es fehlte Brot und die Soldaten kochten „gantze Kessel voll Kraut, Rüben und Möhren und nur ein wenig Salz, und aßen es vor den Hunger ohne Brodt“. Alle Vorräte, die man in den Häusern fand, wurden requiriert, die Felder, Weinberge und Gärten auf der Suche nach etwas Essbaren geplündert. Während des 14-tägigen Lagers wurde ein Großteil des hier ausgeschleppten Scheitholzes an den rund 500 Lagerfeuern verbrannt.

  1. Nov. Zerstörung des Rechenbauwerkes (dto.)

Die Regimentszimmerleute machen den Rechen unbrauchbar, damit er nicht als Flußübergang benutzt werden kann.

  1. Nov. Schlacht bei Roßbach (Allg. Gesch., Judersleben)

Nach dem unerwarteten und glanzvollen Sieg verfolgten die Preußen die geschlagenen Reichstruppen über die Unstrut in Richtung Eckartsberga. Indessen hatten die hier lagernden Franzosen die letzten 30 Klafter   Scheitholz und alles Reisig und Stroh was sie fanden, auf die Brücke gebracht und angezündet, um den vorstoßenden Preußen den Übergang zu verwehren. Doch offenbar richtete das Feuer keinen großen Schaden an. Das Amt Pforte meldete 30.000 Taler Schaden. Auch der Rechen von Sulza wurde zerstört.

Nach Stangenberger (Gedenkbuch der Rudelsburg) lagerte der Oberbefehlshaber der Reichsarmee der Prinz von Soubise oberhalb des im Kohlmannschen Weinbergs. Zum Andenken wurde hier eine Eiche gepflanzt.

  1. Nov. Bericht des Floßaufsehers Hochhausen (WEI B 12161).

Der herzogl.-altenburgische Beamte schilderte die Schäden auf den Stapeln von Dornburg, Camburg, Neu-Sulza und Kösen infolge der Truppendurchzüge. Von den 9.461 Klaftern die für Halle bestimmt waren, fanden sich nur noch 3.863 Klafter. Daraufhin wurden die kursächsischen Floßbeamten v. Wuthenau und Brand angewiesen, alles noch auffindbare Holz einschließlich des Sinkholzes zusammenzusuchen und abzuflößen. Die Fehlmenge ging zu Lasten der kursächsischen Kammer.  

            Gerichtsachen und Verfahren (WER D 34)

Meister Johann Christian Matthesius stand wegen ungebührlicher Reden und Friedrich August List wegen Diebstahls vor Gericht.

1759

  1. Nov. Hinterlegung der Kaution für die Mühle (WER D 34 Anh. 2, Nr.859)

Kammerherr Graf von Brühl bestätigte den Erhalt von 350 Talern, die mit 4 Prozent verzinst wurden.

  1. Nov. Zeitpachtvertrag mit dem Müller Andreas Friedrich (WER dto. Nr.861).

Der Vertrag hatte 32 Paragrafen und unterschied sich nur unwesentlich von dem des Vorgängers Christoph Seiler. Zur Pachtmühle gehörten ein Wohnhaus, Stallungen, Scheuer, ein Obstgarten und das Heu der Mühlenwiese. Die Mühle selbst hatte drei unterschlächtige Mahlgänge und einen neuen Ölmühlengang. Neben dem Zwangsmahlrecht erhielt der Müller das Malzgeld und durfte Malzgetreide, Staubmehl, Kleie und den Ölkuchen behalten. Dafür mußte er mehrere „Speck-Schweine“für den Bedarf der Schule mästen. Außerdem durfte er 4 Milchkühe und ein Kalb halten. Der Lohn für das Gesinde, Mühlknappen, Handwerker und Arbeiter sowie die Tranksteuer für das in der Mühle ausgeschenkte Bier zahlte der Pächter.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Andreas Hilpert wurde wegen Verweigerung der Dorfwache angeklagt, Dorothea Sophia Weise und Maria Christina Deckert kamen wegen Unzucht vor Gericht.

1760

  1. Juli Kammerreskript (WER dto. 859)

Dem Müller wurde nochmals die Hinterlegung der Kaution bestätigt und darauf hingewiesen, dass er die Quittung weder verpfänden noch veräußern darf.

  1. Juli Bericht des Schulbeamten Francke (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898).

Grund war die Vernachlässigung des Bachlaufs vom Teichgarten über die Mühlwiese, zu der sich einst Hartig verpflichtet hatte und der seine Ehefrau als neue Eigentümerin offenbar nicht nachgekommen war.

  1. Nov. Reichstruppen gehen über die Brücke (Die Kriege Friedrich d. Großen. Bd. 13).

Zum Korps des Feldmarschall-Leutnants Luszynski gehörten 6 Bataillone, 7 Grenadierkompanien, 1 Jägerkompanie und 11 Eskadronen insgesamt 6300 Mann Reichstruppen, Österreicher und Kroaten. Von Weimar kommend besetzten sie Naumburg, um den preußischen Truppen die in Kursachsen standen in die Flanke zu fallen.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Einmal betraf das die Testamentseröffnung des Pachtschäfers Gottfried Otto und das weitere Verfahren mit der Leiche des Einwohners Johann Georg Eisentraut, die in der kleinen Saale gefunden wurde (1/727).         

1761

  1. Mär. Antrag auf den Bauplatz des Oberfloß-Kommissars (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

Der Advokat Johann Christian Gottfried Hübsch bewarb sich um den Bauplatz an der Fränkenauer Trift, den der Oberfloß-Kommissar Brand wegen der Kriegswirren nicht gepachtet hatte.

  1. Apr. Anweisung der Kammmer zu den „Administrationsgeldern“ (WER D 34 1/4254).

Nach über 20 Jahren wurde das Schulamt angewiesen, die fehlenden „Administrationsgelder“ aus den Jahren 1700 bis 1717 gegenüber den Erben und Nachlasserwerbern des verstorbenen Floßmeisters Wenzel geltend zu machen.

  1. Mai Schreiben des Schulamtes an J. G. Borlach (WER Rep. F 23, VII Nr. 1b).

Bei einer Vermessung hatte der Bauverwalter Hoffmann festgestellt, dass der Salzkontrolleur Mangold für seinen Gemüsegarten einen Streifen des zur Schule gehörenden Geländes nutzte. Borlach sollte dies dem Mangold untersagen.

  1. Juli Befehl des Amtmannes Gutbier an die Amtsdörfer. (WER Rep. D Verz. II Nr.863).

Dem Saalemüller war vertraglich die Anfuhr von sog. „Schirrholz“ zugesichert worden. Die   drei Buchen-, zwei Eichen- und einen Erlenstamm sollten auf Kosten der 13 Amtsdörfer eingeschlagen und angefahren werden.

  1. Aug. Wiederholung des Befehls des Amtmannes (dto)

Diesmal drohte er Strafen an, wenn das Holz nicht binnen drei Wochen geliefert würde.

  1. Sep. Schreiben der Dorfrichter der Zwangsdörfer (dto).

Diese versuchten nun, die Lieferung des Schirrholzes zu verzögern und möglichst zu reduzieren.

  1. Nov. Anweisung der Rentkammer an das Schulamt (WER Rep. D Pforta II 2301).

Das Schulamt erhielt die Genehmigung, die Rechnung des Amtsschreibers für die Erstellung des Erbzinsbuches von 1752 zu bezahlen. Da dieser inzwischen verstorben war, bekam sein Sohn das Geld. Außerdem wurde das Amt ermahnt, den Verkauf unbebauter, den Besitzerwechsel bebauter und die Teilung von Grundstücken wie das Schrötersche Anwesen am Lengefelder Weg, richtig und zeitnah festzuhalten

1762

  1. Feb. Anweisung des Dresdener Kammerkollegiums (in MER. C48Ic, Nr.1686).

Wegen zahlreicher Irritationen und Beschwerden wurde dem Oberaufseher und dem Oberfloßmeister nochmals befohlen, den Floßschreiber und Floßholz-Zolleinnehmer Tostlöwe dahingehend zu instruieren, dass jedes Floß und dessen Auflast, das über die Zollgrenze, dem Wehrdamm, ging, entsprechend den zur Kösener Messe geltenden Verkaufspreisen zu taxieren. und als Zoll den 20. Teil des errechneten Wertes in bar oder natura einzunehmen.

Außerdem mussten alle Flößer die über den Wehrdamm gingen, nachweisen dass sie das Saalecker Geleit in Höhe von 6 Silbergroschen und 3 Pfennige beim dortigen Einnahmepächter bezahlt hatte. Dazu mußten die Flöße unterhalb des Dammes am Floßamt anlegen und die Flößer sich im im Zollamt melden. Hier wurden die Papiere kontrolliert. Dann wurden die Stämme und die mitgeführten Holzwaren taxiert und der Zoll berechnet.

Schafften es die Bauholzflöße nicht, vor der Scheitholzföße den Rechen zu passieren, blieben sie flußaufwärts liegen. Wegen der Behinderungen der fiskalischen Flöße wurde das Anlegen bis Saaleck untersagt. Doch oft war es nicht möglich, die Langholzflöße rechtzeitig anzuhalten. Dann wurden diese Flöße am linken Ufer zwischen der Lengefelder Flur und der Krümme ausgezogen und verkauft. Das sparte zwar den Floßzoll, der ja erst nach dem Übergang über das Wehr fällig wurde, dafür unterlag das Holz der Landakzise und durfte nur innerhalb des Amtes verkauft werden. Allerdings war das immer noch günstiger, als möglicherweise wochenlang liegenzubleiben und den Durchgang der Scheitholzflöße abzuwarten.

            Entdeckung von Braunkohlenvorkommen bei Mertendorf.

Major Carl Friedrich von Eberstein beantragte ein „cum jure prohibendi“ für das von ihm entdeckte Kohlelager bei Mertendorf und Rathewitz.

Gericke (Auf den Spuren J. G. Borlachs LDZ 1982) meinte, dass Borlach diese Kohle entdeckt und zur Befeuerung der Kösener Siedepfannen nutzte. Zwar war Borlach seit seinem Aufenthalt in England über die Verwendung von Kohle bei der Erzschmelze informiert, doch dort nutzt man bereits Steinkohle. Die Saline Artern verwendete teilweisse Erdkohle, die aus den seit 1739/1740 gewerkschaftlichen Gruben in Kachstedt und Voigtstedt kam, da die Holzanfuhr aus dem Harz teuer und die Unstrut zur Scheitholzflöße nicht geeignet war. In Kösen wie auch in Dürrenberg bestand wegen der Scheitholzflöße noch kein besonderer Zwang, auf Kohle auszuweichen noch nicht Außerdem waren die hier gebräuchlichen Herde nicht für die Verbrennung von Erdkohle eingerichtet.

1772 erklärte das Salinendirektorat (v. Heynitz, v. Beust, H. Borlach), dass bei der Kohlenfeuerung „wohl kein ernster Nutzen zu hoffen sein dürfte, bis man nicht ein eigens darauf eingerichtetes Kot dazu erbaue.“

Wie der Salinenassessor Fr. v. Hardenberg (Novalis) schrieb, wurde die Erdkohlenfeuerung in Kösen mit Kohle aus Mertendorf und in Dürrenberg mit Kohle aus Pretzsch erst unter dem Direktorat seines Vaters H. U. E. v. Hardenberg ab 1785 eingeführt. Bis dahin wurde das Abbaufeld in Mertendorf und Rathewitz planlos ausgebeutet und durch nicht sachgerechten Grubenverbau kam es immer wieder zu heftigen Wasser- und Schwemmsandeinbrüchen (Fr. v. Hardenberg an Anton Gottlob Werner 1800).

  1. Nov. Anhörungstermin bezüglich der „Floß-Administrationsgelder“ (WER D 34 1/4254).

36 Jahr nach seinem Tod beschäftigte die Hinterlassenschaft imm er noch die Behörden. Vorgeladen wurde Wilhelmine Dorothea Hartig, die Tochter des Floßmeisters Hartig aus dessen zweiter Ehe mit der Tochter des herzogl.-weimarischen Amtmannes Mack vorgeladen. An ihrer Stelle wandte sich ihre Mutter, die Witwe Mack an das Gericht und teilte mit, dass ihre Tochter mit dieser Angelegenheit überhaupt nichts mehr zu tun hätte.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Testamentseröffnung von Andreas Thieme.

1763        

  1. Feb. Anweisung eines Bauplatzes für Chr. Scheuffler (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

Der Kunstwärter begehrte einen Platz „an der kleinen Saale, unweit der kleinen Brücke, nach dem Steinkasten (Wehrdamm) vor dem Kunst-Rade zu gehen, den Uferplatz, wo das kleine wilde Gerinnigt ausschlagen und die Fahr-Straße nach der großen Brücke zu vorbeigeht“. Die dem Antrag beiliegende Skizze zeigt, dass es sich dabei um die kleine Radinsel handelte und Scheuffler damit möglichst nahe an seiner Arbeitsstätte wohnen wollte. Diese gehörte nicht zur Saline, sondern war im Besitz des Schulamtes, das dem Ansuchen zustimmte.

               Borlachs Gutachten zur Trinkwasserversorgung von Naumburg (LDZ v. 25.02.1983).

Nach seiner Auffassung sollte der Rat die bestehenden Brunnen säubern und instandsetzen, außerdem sollte das Stollensystem vom Buchholz zur Stadt erweitert und dort Speicherteiche angelegt werden.

  1. Aug. Ablehnung des Scheufflerschen Bauplatzes (WER D 34 Anh. 1/ 4123).

Mangold der Conducteur der Saline widersprach dem Hausbau auf der Radinsel, weshalb das Schulamt Scheuffler nahelegte, sich die Sache zu überlegen. Scheuffler hatte dann wohl einen Teil des Theuerlingschen Grundstückes erworben. Dieses wurde geteilt, wie aus der Flurkarte von 1765 hervorgeht. Sein Nachfahr der Kunstmeister Johann August Scheuffler verkaufte es dann der Thüringer Bahn AG, die es im Zuge des Trassierung abreißen ließ.

  1. Aug. Abschlußbericht der „Restaurationskommission“ (Mager).

Kursachsen Schulden waren unter August III. und dem Grafen Brühl, sowie im Gefolge des Siebenjährigen Krieges auf rund 40. Millionen Taler angewachsen. Die fünfköpfige Kommission unter dem Freiherrn Thomas v. Fritsch hatte den Auftrag, Vorschläge zur Verbesserung der Staatsfinanzen Kursachsens auszuarbeiten, wozu auch die Verbesserung der fiskalischen Unternehmen gehörte. Da Kurfürst Friedrich Christian noch unmündig war, begann sein Vormund und Kursachsens Administrator Prinz Xaver mit der Reorganisation des Berg- und Salinenwesens.

  1. Sep. Protokoll zum Saalecker Zoll (in MER . C48 Ic, 1686).

Der Floßschreiber Tostlöwe informierte darüber, dass sich der Saalecker Geleitseinnehmer Kriependorf beschwert habe, dass zahlreiche Flößer das Geleit nicht entrichteten. Daraufhin wurde die Zusammenlegung des Geleitseinnahme mit dem Kösener Zoll erwogen, für den Zeitpunkt, wenn der derzeitige Pachtvertrag endete. Am Zollamt unterhalb des Wehres mussten ohnehin alle über den Wehrdamm gehenden Flöße anlegen.

1764

  1. Jan. Urteil des Kgl. Schöppenstuhls zu Leipzig (WER D 34 1/4254).

In Abwägung der rechtlichen Gegebenheiten und der fiskalischen Interessen wurde das Schüßlersche Urteil zur Herbeiziehung der Erben des Wenzelschen Nachlasses aufgehoben. In der Begründung hieß es, dass zwar Verfahrensfehler gemacht wurden, doch die Rentkammer habe es versäumt, ihre Forderungen aus dem „Floß-Administrations-Rest“ rechtzeitig zur Licitation des Wenzelschen Nachlasses anzumelden. Die Rechtmäßigkeit des Licitationsverfahrens sei daher nicht zu beanstanden die Erwerber und Nacherwerber demzufolge nicht haftbar. 

  1. Jan. Schreiben des Amtmannes Gutbier (dto.)

Das Urteil wurde der Witwe Mack, geb. Hartig, dem Bergrat J. G. Borlach, den Erben des Licentiaten J. Fr. List, Fr. A. und Chr. B. List, sowie Johanna Christiane Döring, Georg Gottfried und Maria Dorothea Lapner geb. Wenzel sowie dem Gerichtsvogt Johann Bernhardt Färber in Mandantschaft von Johann Adam Dennhardt bekannt gegeben.  

  1. Apr. Bittbrief der Sophia Rebekka Friedrich (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Der Mühlenpächter A. Friedrich war verstorben. Seine Witwe, Mutter von sieben minderjährigen Kindern, bat darum, ihr die Mühle zumindest bis zum Ende des derzeitigen Zeitpachtvertrages zu belassen (Michaelis 1765). Neben dem Hinweis auf zahlreiche Verbesserungen die ihr verstorbener Mann an den Anlagen und Gebäuden auf eigene Kosten vorgenommen hatte, appellierte sie auch an die Beamten, ihr dies wegen dem Unterhalt ihrer Kinder zu gestatten. Wegen einer fehlenden Alternative wurde ihr dies zunächst stillschweigend zugestanden. Indessen hatte das Kammerkollegium das Schulamt angewiesen, dass man die Mühle künftig nicht mehr zeitlich befristet sondern auf Dauer verpachten und die Erbverpachtung öffentlich anzukündigen sollte.

  1. Mai Schreiben des Schulamtes zum Urteil Schöppenstuhls (WER D 34 1/4254).

Nach der Bekanntgabe des Urteils verlangten die Verklagten die Erstattung der ihnen bisher entstandenen Gerichtsgebühren und der übrigen Unkosten vom Schulamt zurück. Das wandte sich an die Dresdener Kammer, weil diese auf Veranlassung des Hofrates Schüßler diesen langjährigen und kostspieligen aber letzten Endes erfolglosen Prozess zur Restitution der Subhastation des Wenzelschen Vermögens angeordnet habe. Die Kammer war der Auffassung, dass letztendlich der Hofrat für den Mißerfolg verantwortlich sei, und dafür haften müsse. Allerdings sei dieser inzwischen verstorben und konnte nicht belangt werden, was den Verfahrensbeteiligten mitgeteilt werden sollte.

  1. Aug. Kaufantrag des Naumburger Müllers Gottfried Barthold (WER D 34 2/861)

Dieser bot 3.000 Taler für die Kösener Mühle.

  1. Okt. Genehmigung zum Neubau eines Schweinestalles an der Mühle (dto).

Der Kursachsens Administrator Xaver genehmigte auf der Grundlage eines Gutachtens des Landbaumeisters Exner 190 Taler und das erforderliche Holz aus dem Schulenforst für die Errichtung des Stalles, da hier die Schweine für den Schulbedarf gemästet wurden. Dazu kam noch die Instandsetzung des Übergangs über die Schütze vor den Wasserrädern, für deren Erhalt ebenfalls das Schulamt zuständig war.

  1. Okt. Antrag der Gemeinde (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2730).

30 Jahren nach ihrem Antrag, eine eigene Kirche und einen Gottesacker in Neu-Kösen zu bekommen, wandte sich die Gemeinde erneut in dieser Angelegenheit an den Prinzregenten Xaver. Man hoffte auf die Unterstüzung des kursächsischen Administrators, nachdem der neue geistliche Inspektor seine Bereitschaft signalisiert hatte, für eine entsprechende Entschädigung die „Auspfarre“ zu befürworten. Im Antrag verwies die Gemeinde auf die Entfernung und die schlechten Wege die bei ungünstiger Witterung den Kirchgang behinderten. Dazu fehlte es in Pforte an Stühlen, was viele ältere Einwohner abschreckte. Für den Bauplan der Kirche hatte man den Bergrat Borlach gewonnen und als Platz war ein Stück des Gasthoffeldes unterhalb der Fränkenauer Hohle vorgesehen. Zur Finanzierung sollten die Einwohner eine Anleihe zeichnen, der Rest sollte durch eine Kollekte im ganzen Land aufgebracht werden, zumal „die Arbeiter bey den Salz-Wercken zum Nutzen des ganzen Landes arbeiten und dienen.“  

  1. Nov. Verpflichtung von Erdmann Friedrich Senff (DD Loc. 1337 Vol. IV).

Senff (sen.) geb. 1741, hatte sich nach seinem Schulbesuch in Leipzig bei der Saline als „Mechanicus“ beworben und war auf Empfehlung von Borlach vom Kammerkollegium angenommen worden.

  1. Dez. Gutachten des Schulamtes (WER D 34 Anh. 2 Nr 2731)

Auf Anforderung der Kammer nahm das Schulamt zum Gesuch der Gemeinde Stellung. Damit bei einer Auspfarre „niemanden etwas entzogen werde“ rechnete der geistliche Inspektor alle der Pfortaer Kirche entgehenden Einnahmen auf, wie die Gebühren für Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Dafür sollte die Gemeinde Schadensersatz leisten. Außerdem wären die vorgebrachten Gründe unbedeutend und dienten nur der eigenen Bequemlichkeit. Darüber hinaus habe die Gemeinde kaum finanzielle Mittel,um sich eine eigene Kirche, einen Gottesacker und einen eigenen Priester zu leisten.

  1. Dez. J. G. Borlach beantragt den Kauf der Mühle (WER D 34 Anh. 2/ 861).

Hintergrund waren die ständigen Streitigkeiten mit dem Pächter wegen des Aufschlagwassers. War die Saline im Besitz der Mühle konnte die  Wasserverteilung intern geregelt werden, wobei natürlich die wirtschaftlichen Interessen der Saline im Vordergrund standen.

     28. Dez. Kaufantrag der Müllerswitwe S. R. Friedrich (dto.).

Die energische, selbstbewusste und offenbar auch begüterte Müllerswitwe bot 4.000 Taler und eine jährliche Erbpacht von 350 Talern. Voraussetzung war aber, dass ihr alle bisherigen Rechte und Gerechtigkeiten insbesondere das Zwangsmahlrecht belassen würden.

           Testament des Oberfloßkommissars Peter Albrecht Brand (WER D 34/1/3840).

1765

  1. Feb. Memorial der Salinenarbeiter zum Bau einer eigenen Kirche (Judersleben).

Als Reaktion auf das ablehnende Schreiben des Schulamtes hatten die Beschäftigten der Saline 200 Gulden für den Bau des Gotteshauses gezeichnet. Da das nicht reichte, baten sie die Kammer um die Genehmigung für eine „Collecte“. Zwar wurde dieser Antrag abgewiesen, doch der Gemeinde für den Fall das die Mittel anderweitig aufgebracht würden, ein geeigneter Bauplatz in Aussicht gestellt.ewilligt.

  1. Mär. In Dürrenberg wird die erste Probe Salz gesotten (Judersleben).

Dazu wurden der Siedemeister Döhne und der Pumper Leberecht Zedel von der Kösener Saline nach Dürrenberg beordert.

  1. Mai Johann Christian Schröter bewirbt sich bei der Saline (DD Loc. 1337).

Borlach unterstützte die Bewerbung, obwohl Schröter, der zwar keine besondere Schule besucht hatte, dafür aber sehr viel praktischen Verstand besaß, wobei  „das übrige was den innern Zustand der Salzwercke betrifft, wird er vielleicht, wenn ihm das kleine Glück, welches er zu erhalten sich sehr freuet, nicht verdirbt, auch lernen…“

  1. Mai Prinzregent Xaver bewilligt die Anstellung Senffs als Eleven (DD Loc. 1337).

„…auf beschehenes unterthänigsten Ansuchen, Erdmann Friedrich Senff, dem Berg-Rathe Borlach, um von demselben in denen zum Bau und Umtrieb derer Churfürstl. Salzwercke gehörigen Wissenschaften unterrichtet und angewiesen zu werden, gnädigts beygegeben haben.“

  1. Juni Johann Christian Schröter wird bei der Saline angestellt (DD, Loc. 1337).

Borlach wird mitgeteilt, dass Schröter „ zum gebrauch by deren Salzwercken“ angenommen sei und „daß er sich zur nächstkommenden Michaelis-Meße zu Leipzig bey der sodann daselbst anwesenden Churfürstlichen Cammer zur Verpflichtung behörig zu befinden hat.“

     Juli Aufnahme einer maßstabsgerechten Flur-Karte (DD, XXVI, F 95 Nr. 2b).

Diese handkolorierte „Fluhr Charte von dem District Pforta, District Koesen, den Saalhäusern, Schul-Vorwercken Cuculau und Franckenau nebst der Wüstung Franckenau“ wurde von einem kursächsischen Vermessungsoffizier, dem Leutnat Backstroh, angefertigt. Die farbige Kennzeichnung der Gebäude diente der steuerlichen Erfassung der jeweiligen Besitzer und Nutzer. Alle Wohngebäude, auch diejenigen, die sich auf zum Fiskus gehörenden Betriebsstätten befanden, sind dagegen grau unterlegt. Die reinen Gewerbeobjekte sind rot gekennzeichnet, wie das Salzwerk mit den beiden Gradierhäusern (a), den beiden Siedehäusern (b), den Wohnungen des Siedemeisters (c), dem Brauhaus (d), die beiden Radstuben (e), die Solschächte (f), die Salinenschmiede (g), die Wohnungen der Kunst- und Gradiermeister (h), die Schäferei (i), jedoch noch ohne Scheune, der Gasthof (k), die Mühle (l) mit 2 Mahlgängen, einer Ölmühle und 12 Stampfen und das Floßamt (m) und der Rechen, bei dem am rechten Ufer ein Joch geöffnet war.

Eine steuerliche Sonderstellung nahmen die Gehöfte ein. Dazu gehörten die ehemalige Floßschreiberei und derzeitiges Einnehmerhaus heute Naumburger Straße 1), das Stadtgut und der Kelter des Bergrates Borlach (heute Lindenstr. 15, 17, 19, 19a, Borlachstr. 1, 1a, 2, 2a, 3). Zu den größten Anwesen gehörte der Besitz der Floßmeisterin am Ende des Langefelder Fahrweges (heute Borlachstraße 40/41/42/43) und wurde als  „Schneckengarten“ bezeichnet. Hier entsprang die Quelle, die, nachdem sie mehrere Fischteiche speiste, quer über die Mühlenwiese zur Saale floß. Von dem Bachlauf zweigte ein kleiner Graben ab, der zur „Wässerung“ der Mühlwiese genutzt wurde und unterhalb des Wehrdammes in die Saale mündete. Die zum Floßamt gehörende Scheitplätze zogen sich am linken Ufer von der Krümme entlang der kleinen Saale bis zur Mündung des Scheitbachs in die Stromsaale.

Die Wohngebäude  in Neu-Kösen waren mit den Nummern aus dem Erbzinsbuch von 1752 versehen. Einige Grundstücke waren inzwischen geteilt, worauf die angehängten Buchstaben verweisen. Zu den "Sieben Häusern war der Bauplatz des Obersteuereinnehmers Hübsch hinzu gekommen (Lindenstraße 12), ebenso wie das  Wohnhaus des Kinderlehrers Hucke (Lindenstr. 24).    

An den nach Süden ausgerichteten Lagen am Nikolausberg, an der Ilske, den Vorderbergen, den  Platten und des Mordtales waren Weinberge, deren Pächter ebenfalls im Amtserbbuch erfasst waren. Hier findet sich noch die Bezeichnung der Wüstung des „unteren“ Dorfes Fränkenau zwischen dem Äbtischen Holz und dem Nikolausberg und die  „Mühlstatt“ an der Mündung des Scheitbaches in die Stromsaale, wo sich einst die Lochwitzer Wassermühle befand.

  1. Juli Müller Barthold erhöht das Pachtgebot (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Dieser bot nun 4.000 Taler und 400 Taler Jahrespacht.

  1. Aug. Schreiben des Prinzregenten Xaver zum Kirchenbau (WER D34 Anh. 2/2731)

Trotz der ablehnenden Haltung des Schulamts und des geistlichen Inspektors neigte Xaver dazu, die Auspfarre zu befürworten und befahl den Schulbeamten, sich mit den Gemeindevertretern zu treffen und ihnen den gewünschten Platz für die Kirche und den Gottesacker anzuweisen. Vorher  sollte die Gemeinde die Pläne und Kostenanschläge vorlegen und eine verbindliche Erklärung abgeben, dass man die Baukosten sowie die Hand-und Spanndienste und die Entschädigungszahlungen für die Schulgeistlichen leisten wird.

Dann schweigen die Akten. Offenbar war ein Großteil der ohnehin armen Bevölkerung nicht dazu bereit sich zur finanzielle Beteiligung zu verpflichten..

  1. Sep. Bericht des Schulamtes zum Stand der Mühlenverpachtung (dto).

Die Schulbeamten sprachen sich für eine Neuverpachtung an Barthold aus und lehnten die Witwe als ungeeignet ab. Am gleichen Tag wandte sich Sophia Friedrich direkt an den Prinzregenten mit der Bitte, ihren Antrag zu unterstützen und erhöhte gleichzeitig ihr Pachtgebot auf 525 Taler.

  1. Nov. Erneuter Bietertermin (dto).

Beide Pachtinteressenten lagen mit ihren Angeboten nun auf gleicher Höhe.

  1. Nov. Anordnung des Administrators Prinz Xaver (dto).

Der entschied salomonisch und ordnete an, zunächst von einer Erbpacht Abstand zu nehmen und den Zeitpachtvertrag mit der Witwe zu den bisherigen  Konditionen bis 1771 zu verlängern.

             Johann Ernst Hucke jr. wird neuer Kinderlehrer (KÖZ. 1902).

In einem Schreiben an den geistlichen Inspektor meinten der Steuerprokurator Hübsch und der Feldscher Döring „daß der seit 1736 allhier gestandene Kinderlehrer J. E. Hucke sen., von dessen Lehre eben die jetzigen eingeborenen Kösener, als von ihm gelehrte Männer herrühren, weder die Katechismen verstanden noch eine Zeile Deutsch richtig zu schreiben gewußt. Aus dieser unverantwortlichen Unwissenheit der bisherigen unnützen Kinderlehrer zu Kösen, welche vielleicht einen besseren Beruf und Fähigkeiten zum Dreschen gehabt haben werden, stammt nun auch zugleich die hiesigen Orts gar sehr zu Schwange gehende Verachtung des göttlichen Worts, Schändung der Gott geweihten Tage, Widersetzlichkeit gegen die Obrigkeit und alle andern herrührenden Sünden und Vergebungen, und man kann kühnlich behaupten, daß der Ort Kösen, so volkreich solcher auch sein mag , hierinnen schwerlich wohl seinesgleichen haben dürfte.

1766

  1. Feb. Stellungnahme des Kurfürstlichen Oberkonsistoriums (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861)

Freiherr von Hohenthal empfahl, nach Prüfung aller äußeren Umstände und des Lebenswandels der Witwe Friedrich, den Erbpachtvertrag über die Mühle mit ihr abzuschließen.

  1. Apr. Inbetriebnahme des 3. Dürrenberger Siedekoths (Judersleben).

Hier wurde Johann Christian Judersleben, der Bruder von Johann Gottlieb, als „jüngster Pursch“ eingestellt.

  1. Juni Johann Gerlach Scheufler pachtet den Salinengasthof. (WER Rep. 23I, Nr.11 Bd.1).

Knorr hatte nach 28 Jahren die Pacht vorzeitig aufgegeben und das Vorwerk Kukulau gepachtet. Der Pacht für Scheufler wurde auf  450 Taler. gemindert und die Kaution auf 500 Taler festgesetzt.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Andreas Hilpert regulierte seine Erbangelegenheiten.

1767

  1. Mär. Bericht des Schulbeamten an das Kammerkollegium (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Da sich das Schulamt bislang noch nicht entschieden hatte, beschwerte sich die Pächterin. Daraufhin wurde das Schulamt zur Berichterstattung aufgefordert und brachte zahlreiche Gründe und Befindlichkeiten vor, weswegen es zur Verzögerung gekommen war.

  1. Dez. „Erläuterungsmandat“ zum Floßzoll (MER C 48 Ic, 1686)

Der Erlass regelte die Rechte und Pflichten des Floßschreibers und „Floß-Zoll-Holz-Einnehmers“, sowie den Betrieb des Stapels und der Erhebung des Floßzolls. Das besonderes Augenmerk sollte auf den Erhalt des Rechens gelegt werden, damit bei Eisgang und größeren Scheitmengen kein Schaden entstand. Die landesherrlichen Regale bei den Langholzflößen sollten  ohne Ansehen der Person durchgesetzt und Verstöße dem Geheimen Finanz-Kollegium oder dem Oberaufseher umgehend gemeldet werden. Bei der „Commun-Flöße“ musste der Umschlag kontrolliert, die Wochenzettel gewissenhaft geführt und der Lohn pünktlich gezahlt werden. Dazu kam die Überwachung des rechten Stapelmaßes, die monatliche Abrechnung in dreifacher Ausführung, sowie die Verhinderung von Diebstahl, Unterschlagung und die Übergabe ertappter Missetäter an die zuständigen Gerichtsherren.

Von den Langholzflößen war das Saalecker Geleit und und der 20. Teil des Wertes der Stämme und Holzwaren entweder in barer Münze oder in „natura“ einzunehmen. Das einbehaltene Holz sollte er angemessen „versilbern“. Außerdem mußte er die Freibriefe gewissenhaft kontrollieren.

All dies sollte sowohl ohne Schmälerung des Zoll-Regal und als auch ohne Beeinträchtigung von Handel und Wandel geschehen. Alle Betrügereien mussten dem Amtsoberbefehlshaber oder den Gerichten gemeldet werden. Aus dem eingehenden Strafgeld erhielt der Floßschreiber die Hälfte, was natürlich den Eifer anspornte.

Alle Vorgänge mussten täglich, wöchentlich, monatlich und jährlich dokumentiert und mit einer eidesstattlicher Versicherung versehen, vier Wochen nach Jahresende dem Rentamt übergeben werden. Die vereinnahmten Gelder waren laufend abzuführen und vierteljährlich mussten die am Stapel und beim Floßamt lagernden Stämme, Scheite und Holzwaren gemeldet werden. Dieser Erlass beruhte auf einer   Anordnung vom 17. März 1750.

1768

25.Jan. Erklärung des Kurfürstlichen Kammerkollegiums zur Mühlenpacht (WER. D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Im Auftrag des  Kammerkollegiums wurde die Angelegenheit vor Ort geprüft, und festgestellt, dass es keinerlei Hinderungsgrund gäbe, die Mühle nicht der Sophia Rebekka Friedrich in Erbpacht zu geben. Das Schulamt wurde angewiesen, den Vertrag umgehend abzuschließen.

  1. Feb. Einrichtung einer Schneidemühle (WER dto.).

Zu den beiden Getreide- und einem Ölmahlgang kam nun ein weiterer, der aber keinen dauerhaften Bestand hatte.

  1. Apr. Versteigerung von zwei Halbweinbergen (WER Rep. D Pforta II 2301).

Die ehemals den Flemminger Bauern Koch und Füllsack gehörenden Weinberge auf den „Platten“ wurden beim Umbau des Wehrdammes im Jahr 1725 als Steinbruch genutzt. Danach blieben sie liegen. Nun versuchte das Schulamt die wüsten Lagen durch eine Subhastation wieder zu verpachten.

  1. Juni Anordnung des Prinzregenten zum Rechenhaus (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3813).

Das Haus hatte der Floßmeister Hartig 1748 dem Fleischermeister L. Triebel verpfändet. Nach seinem Tod hatte Hartigs Tochter Amalie Dorothea die m it dem früheren Schulamtmann Mack verheiratet war und in Naumburg wohnte, das Haus geerbt. Nach Auslösung der Verpfändung ausgelöst sollte es verkauft werden. Zu den sechs Mietparteien gehörte auch der Rechenwärter Sachse, der erklärte, dass er als Floßbediensteter bisher mietfrei gewohnt habe. Das wiederum bestritt die Erbin und wandte sich an die Dresdener Kammer. Diese wiederum forderte den Oberaufseher der Saalen-Flöße Senff v. Pilsach, den Amtmann Gutbier und den Floßmeister Stöter, den Nachfolger Hartigs auf, die Angelegenheit zu untersuchen und Bericht zu erstatten.

  1. Juli J. G. Borlach verstirbt (Acta das Ableben des Borlach und dessen Beerdigung betr.)

Auf Anfrage wies das Konsortium das Schulamt an, ihm die Grabstätte auf dem Schul-Friedhof zu gewähren, eine Kanzel-Abkündigung wegen seiner nicht immer kirchenkonformen Ansichten jedoch zu unterlassen. Am Abend des 7. Juli war die Beisetzung.

Nach dem Tagebuch von Judersleben wurden die sterblichen Überreste in einem Grabgewölbe beigesetzt, dass mit dem Psalm 16.6 „Das Loos ist mir gefallen aufs Liebliche!“ versehen war. Das widerspricht der landläufigen Meinung, dass Borlach außerhalb des Gottesackers beerdigt wurde.

Seinen ansehnlichen Besitz in Neu-Kösen, darunter das „Neue Haus“ samt Inventar, den Kelter und die Weinberge am Nikolausberg erbte sein Bruder Johann Hermann.

  1. Juli Johann Hermann Borlach bewirbt sich um das Salinendirektorat (Mager, Aufsätze)
  2. Juli Bericht des Kammerkollegiums an den Administrator Prinz Xaver (DD Loc. 1337).

Ew. Königl. Hoheit geruhen gnädigst, sich …vortragen zu laßen, was maaßen nach einem vom Amtmann Gutbier zu Pforte unterm 5ten Julie a.c. erstatteten Bericht, der Berg-Rath, Johann Gottfried Borlach, welchem man die Erfindung, Einrichtung und den nutzbaren Umtrieb derer Churfürstl. Salzwercke zu Artern, Kösen und Dürrenberg lediglich verdanken hat, am 4ten July a.c. in einem Alter von 81 Jahren verstorben ist.“ Unterzeichnet ist das Schreiben u.a. von Carl Ferdinand v. Lindemann, Friedrich Gottlob v. Berlepsch und Friedrich Anton von Heynitz.

  1. Aug. Johann Hermann Borlach wird zum Salinendirektor ernannt (dto).

Auf Empfehlung des sächsischen Generalbergkommissars und Mitbegründers der Freiberger Bergakademie von Heynitz wurde der sachkundige Johann Hermann Borlach anstelle des Kammerrats Johann Friedrich von Posern zum Direktor berufen. In der Bestätigung hieß es , dass er „bey Erhebung und Direction dieser Saltzwerke die Ideen und Anstalten des verstorbenen Bergraths Borlach, größtentheils mit executiret, und dabei sehr viele Kenntnisse und Erfahrung erworben“ habe.“ Dem Special-Rescript seiner Ernennung war „das Praedicat eines Churfürstlichen Berg Raths beygelegt“.              

  1. Sep. Dienstantritt des Salz-Inspektors und Vizedirektors von Beust (Judersleben).

Carl Leopold (II) v. Beust, (1740-1827) kursächsischer Kammerherr, entstammte der jüngeren Linie des sächsischen Zweiges dieser Adelsfamilie. Sein Onkel war der Herzogl.-Eisenachsche Oberberg- und Legationsrat, auch Dänischer und Kurpfälz. Geheimrat Joachim Friedrich Freiherr v. Beust (1697-1771, Miteigentümer der Sulzaer Saline. Dessen Enkel wiederum, Kammerherr Friedrich Carl Leopold Freiherr v. Beust (1779-1845) war 1805-1807 Access bei der königl. - kurfürstl. Salinendirektion und dessen Sohn Friedrich Constantin Freiherr v. Beust (1806-1891) war von 1844-1867 Kgl.-sächsischer Oberberghauptmann. Zwischen den jungen Adligen und dem wesentlich älteren und bürgerlichen J. H. Borlach bestand kein gutes Verhältnis.

  1. Sep. Diensteid der Salinenarbeiter (Judersleben).

Zur Einführung des neuen Vizedirektors hatten sich alle Salinenarbeiter (bis auf die Wächter an den Pfannen) zur Leistung des Treueeides im Werkgelände einzufinden.

1769        

  1. Jan. Dankschreiben der Müllerin (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Sophia R. Friedrich bedankte sich beim Kurfürsten für die wohlwollende Befürwortung ihres Pachtantrages. Im Hinblick auf die bevorstehende Vererbpachtung der Mühle, bat sie aber darum, nicht wie gefordert, 2/3 der Kaufsumme zu hinterlegen, sondern zunächst nur ein Drittel.

  1. Feb. Stellungnahme des Floßmeisters zum Rechenhaus (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3813)

August Ludwig Stöter berief sich auf einen Passus im „Commun-Floß Contract“ von 1611, den er in Abschrift beilegte. Demnach waren von der „Commun-Flöße“ bei der Einrichtung des Stapels  zwei Stuben für die herzoglichen Untertanen eingerichtet worden, die aber nichts mit dem Rechenhaus zu tun hatten. Nach dem 30jährigen Krieg habe man die Stuben nicht mehr benötigt, weil am Stapel nur noch kursächsische Untertanen arbeiteten. Anstelle der Unterkunft entstand 1680 der Gasthof. Das Rechenwärterhaus gehörte zum Rechenbauwerk, war wie der Rechen und alle übrigen Gebäude im 30jährigen Krieg von den Schweden zerstört und danach provisorisch wieder hergerichtet worden.

  1. Mär. Beschwerde der Zwangsmahldörfer (dto.)

Die fünf Dorfschulzen bezichtigten die Müllerin der Untreue und Nötigung. Um dies in Zukunft zu verhindern, beantragten sie im Namen der Einwohnerschaft, die Anpachtung der Mühle. Offensichtlich steckte das Schulamt dahinter, dass eine Verpachtung der Mühle an eine Frau nicht hinnehmen wollte.

  1. Mär. Stellungnahme des Schulamtes zum Rechenhaus (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3813)

Nach Sichtung der im Schulamt vorhandenen Unterlagen (Zins- und Grundbücher) kamen die Beamten zum Schluss, dass das Rechenhaus nicht dem Floßmeister gehört habe. Zwar habe Hartig im Jahr 1731 einen Platz unterhalb des Rechenberges gepachtet. Doch hier hatte er einen Keller angelegt, weil derjenige der zu seinem Brauhaus gehörte durch die Anlage des Kunstgestänges nur noch eingeschränkt zu gebrauchen war.

Den Platz für den Neubau eines Rechenhauses dagegen war der „Commun-Flöße“ bereits im Jahr 1727 von der Schule zugewiesen worden und befand sich neben Hartigs Keller. Allerdings konnten sich die Partner der Commun-Flöße nicht über die Verteilung der Baukosten einigen und Hartig habe dann auf eigene Kosten das alte Rechenhaus abgerissen und ein neues, größeres Haus gebaut (Loreleypromenade 7). Die Wohnungen habe er vermietet, um die Unkosten einzuspielen. Nur der Rechenwärter durfte hier mietfrei wohnen. Bei der Neufassung der Amtserbbücher habe Hartig angegeben, dass das Rechenwärterhaus zum Floßamt gehöre und demnach nicht unter die steuerpflichtigen privaten Häuser falle. Der Amtsschreiber Schacher hatte das nicht angezweifelt und das Rechenwärterhaus nicht im Erbbuch eingetragen. Erst jetzt wurde die Sache offenkundig und musste einer Lösung zugeführt werden.

    12. Apr. Anweisung des Kammerkollegiums (dto.)

Das Schulamt wurde aufgefordert, das Angebot der Zwangsmahldörfer und deren finanzielle Möglichkeiten für die Anpachtung der Mühle zu prüfen.

  1. Apr. Antrag J. H. Borlachs beim Kammer-Collegium (DD Loc 31875, Rep XXXVIII)

Dabei ging es um den Einbau „einer Maschinerie“ zur Ablösung der aufwändigen Repetierpumpen an den beiden Gradierhäusern beim Salzwerk. Dazu sollte das am unteren Schacht endende Kunstgestänge verlängert werden. Unterstützt wurde er dabei vom Vizedirektor v. Beust. Das Kammerkollegium billigte diesen Vorschlag.

  1. Apr. Anstellung des Salinen-Conducteurs Carl-August Therkorn (DD Loc.1337).

Carl-August war ein Sohn des 1737 unter dem Direktorat J. G. Borlachs auf der Kösener Saline tätigen Johann Daniel Therkorn.

  1. Apr. Anweisung des Kammerkollegiums zum Rechenhaus (WER D 34 Anh. 1Nr. 3813).

Man schlug vor, das Rechenhaus im Namen und auf Rechnung der „Commun-Flöße“ zu erwerben und hier Rechenwärter, Floßboten und Offizianten unterzubringen. Doch da der Floßmeister die Baukosten aus der eigenen Tasche aufgebracht hatte, einigten sich das Schulamt und das Kammerkollegium auf eine pragmatische Lösung. Der Erbin wurde der Verkauf gestattet, mit der Auflage, dass der Erwerber auch auf Dauer dem Rechenwärter die aus einer Stube, einer Kammer, einer Küche und zwei Bodenkammern bestehende Wohnung kostenfrei überläßt und gegenüber dem Schulamt einen Erbpachtzins leistet.

  1. Juni Anweisung des Kammerkollegiums (in DD Loc 1337).

Die Lokaldirektion wurde angewiesen, das Gestänge vom unteren Schacht zu den Gradierhäusern versuchsweise zu verlängern. Doch bei der Ausführung ergaben sich erhebliche technische Probleme. Einmal mußte das Gestänge im unteren Schacht „abbiegen“ womit erhebliche Kräfte verloren gingen. Dann stand zwischen dem Schachtgebäude und dem ersten Gradierhaus der ältere Schafstall. Das Gestänge hätte den Stall in Traufhöhe queren müssen, was auf den Widerstand des Pachtschäfers stieß. Wollte man auch noch das hintere Gradierhaus erreichen, so musste das vordere auch noch durchquert werden. Außerdem erwies sich die Kraft der unteren Wasserkunst als zu gering, um neben der Soleförderung aus dem Schacht und der recht aufwändigen Wasserhaltung die Repetierpumpen anzutreiben.

  1. Nov. Anordnung des Konsistoriums (WER D 34 Anh. 2, Nr. 861).

Der letzte Versuch des Schulamtes, die Mühle den Zwangsmahldörfern zu überlassen wurde abgelehnt und die Mühle der Sofia Rebekka Friedrich in Erbpacht zu geben. Damit war sie neben der Floßmeisterin eine der ersten Unternehmerinnen im Schulamt.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Michael Ludwig der Fleischsteuerpächter zu Kösen verklagte Hassenhausener Bauern wegen des von auswärts geholten unversteuerten Fleisches (Anh.1/704). Christina Elisabeth Schneider kam wegen Ehebruch vor Gericht.

1770        

  1. Mai Anweisung an den Zolleinnehmer Tostlöwe (MER. C 48Ic, Nr. 1686).

Dieser wurde angewiesen, den Zoll unter Zugrundelegung der jeweils geltenden marktüblichen Verkaufspreise nur noch in barer Münze zu erheben.

  1. Okt. Anweisung zur Langholzflößerei (MER C 48Ic, Nr.1686).

Auf Flößen mitgeführte Böttcherwaren unterlagen der Landakzise und durften nicht weiter saaleabwärts mitgenommen werden. Die Floßbeamten wurden angehalten, dies zu unterbinden

  1. Okt. Vertragsabschluss zur Mühlenpacht (WER D 34 Anh. 2 Nr.859).

Den Vertrag beurkundete der Advokat Johann Samuel List als Vormund der Sophia Rebekka Friedrich.

           Abbruch der Vorburg der Rudelsburg (Gedenkbuch der Rudelsburg, Spangenberg 1853)

Die äußere Verkleidung aus Hausteinen wurde für die Neubauten in Kreipitzsch von den Kreutzens benötigt. Es blieben die inneren Teile der die Zugbrücke über den Graben der Vorburg flankierenden Türme, die dann die Jahrhunderte überdauerten.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Salzsieder Gottfried Richter hinterlegte im Amt sein Testament.

1771

  1. Jan. Bestätigung der bisherigen Pachtzahlungen für die Mühle (WER D 34 Anh. 2 Nr. 859).

Mit Beendigung der Zeitpacht, bestätigte der Amtmann Gutbier das keine offenen Verbindlichkeiten bestünden.

     Apr. Bruch des Solschachtes (DD Loc. 1337)

Im unteren Schacht hatte die fast 100jährige Verzimmerung in Teilen nachgegeben. Die Reparatur war aufwändig und behinderte die kontinuierliche Soleförderung.

  1. Mai In Sulza verstirbt Joachim Friedrich Freiherr v. Beust (Der Anschnitt 3/1990).

Seinen Anteil an der Sulzaer Saline erbte sein Sohn Friedrich August Karl Freiherr v. Beust (1736-1807), kursächsischer Kammerherr seit 1775 . Sieben Jahre später starb sein Bruder Carl Leopold Graf (I) v. Beust. Dessen Sulzaer Anteil erbte sein gleichnamiger Sohn Carl Leopold (1740-1827). 1902 beging die Familie Beust den 150jährige Besitzjubiläum. 1926 wurden die Familienanteile in die Neusulzaer Salinen-Sozietäts-Treuhand GmbH eingebracht. 1948 wurde der Betrieb verstaatlicht und 1967 die Siedesalzproduktion eingestellt.

  1. Mai Schreiben zum Antrag von Beust auf Beförderung (in DD Loc 1337).

Carl Leopold Graf (II) von Beust hatte bereits 1764 um die Ernennung zum Amtshauptmann nachgesucht. Die kammer schlug vor, ihm diesen Rang oder den eines Bergrates 4. Klasse zu verleihen und überließ die Entscheidung allerhöchster Stelle.

  1. Juni Beginn der Reorganisation des Salinenwesens in Kursachsen (Mager).

Das Kammerkollegium erhielt den Auftrag geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Salzversorgung ausschließlich aus den inländischen Salzwerken zu erreichen und die Abhängigkeit von der Salzeinfuhr aus den brandenburg-preußischen Salinen Halle, Staßfurth, Groß-Salze zu beenden.

  1. Nov. Bericht der Salinen-Reorganisationskommission (DD Loc 1337).

„Die Untersuchung derer in Churfürstentumb Sachsen und incorporirten Landen befindlichen Salz Wercke und Salz Quellen, auch Saalen und Unstruth Flöße und der benöthigten Floßhölzer..“

Kurfürst Friedrich August III. wollte erreichen „…diesen wichtigen Teil unserer Finanzien…zu unserer Rent-Cammer fließenden Einkünfte ohne Nachtheil Unserer Unterthanen, zum Vortheil Unserer Casen zu erhöhen“. Geheimrat Friedrich Anton v. Heynitz, Kammerherr Bergrat Carl Leopold (II) v. Beust und Johann Polycarp von Leyser (ein Nachfahre des 1689 in Kösen erwähnten J. W. Leyser?) legten ein umfangreiches Gutachten vor. Einleitend ging man auf die Geschichte der Salzwerke Sachsens und der mit dem Ausland bestehenden Verträge bezüglich der Salzeinfuhr und des Salzdebits ein. Dann folgten die Vorschläge zur Erhöhung der Salzproduktion und der Verbilligung der Produktion auf den kursächsischen Salinen. Zur Verbesserung der Gradierung und der Siedetechnik wurden umfangreiche Investitionen auf den beiden älteren Salinen Kösen und Artern empfohlen. Die hiesige Saline sollte ein neues Gradierwerk erhalten, da die beiden Gradierhäuser am Salzwerk viel zu dicht beieinander standen, was den Gradiereffekt stark beeinträchtigte. Außerdem kam die Umstellung der handbetriebenen Umlaufpumpen auf den Antrieb durch die „Wassermaschinen“ wieder auf den Tisch, was die Verbesserung der Effizienz der Wasserkünste erforderte. Die freiwerdenden Pumpknechte sollten zu Gradierern umgeschult werden, zumal man bei Einführung der Nachtgradierung mehr Personal benötigte. Mit dem Bau großer Sammelbecken wollte man eine Reserve an Siedesole vorhalten, die auch bei eingeschränkter Förderung und Gradierung einen kontinuierlichen Siedebetrieb ermöglichte. Außerdem sollten die Pfannen und die Herde so eingerichtet werden, dass man Brennmaterial und damit Kosten sparen könnte. Dazu wurde auf die Erschließung von Kohlenvorkommen verwiesen und geraten sich auf den „ausländischen“ Salinen umzusehen, um sich mit den dortigen Verfahren vertraut zu machen. Damit hoffte man, die rückläufige Produktion von ehemals 28.000 Stück Salz im Jahr 1742 die auf 20. 000 Stück im Durchschnitt der letzten 6 Jahre zurückgegangen war, wieder zu egalisieren und möglichst auf über 30.000 Stück zu steigern (das Stück zu 60 kg). Die an den Fiskus abgeführten „Revenuen“ betrugen 1754 12.208 Gulden, 1771 nur noch 8.199 Gulden.

  1. Dez. Beschwerde der Pachtmüllerin (WER D 34 Anh. 2 Nr. 859 sowie 861-862).

Zur Mühle gehörte seit jeher das Brennrecht für die dafür geeigneten und dem Pächter zustehenden Getreideabfälle. Auf Anordnung des Kurfürsten, der Zwangsmaßnahmen gegen den übermäßigen Branntweingenuss seiner Landeskinder erlassen  hatte, verbot der Amtmann das Brennen und versiegelt die Brennerei. Naturgemäß klagte die Müllerin dagegen, weil damit ihr Erwerb eingeschränkt wurde.

1772    

  1. Feb. Bericht des Kammerkollegiums (DD Loc 1337).

Unter dem Titel „Unterthänigster Bericht des Cammer-Collegii. Die zur Erwegung derer Mittel zu Verbesserung derer Churfürst. Salz-Einkünffte und Verhütung derer dabey zu besorgenden Unterschleife, angeordnete Commission und deren eingerichtete Vorschläge betr.“, legte das Kollegium dem Prinzregenten Xaver die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen und die daraus resultierenden Verbesserungsvorschläge vor. Dabei ging es insbesondere um die konsequente Einhaltung und Kontrolle des Salzregals und der Lizenzen sowie neu anzulegender Salzniederlagen. Außerdem sollte die Verdoppelung der Fabrikation in Dürrenberg den meisten Gewinn für den Fiskus bringen.

  1. Mär. Bericht des Kabinettsministers Ferber (DD Loc. 1337).

Mit Hinweis auf die Vorschläge des Kammerkollegiums und der Berufung einer Kommission bemerkte er: „So ist kein Zweifel, daß die Salz-Revenuen, wie zeithero also ferner von Jahren zu Jahren steigen und am Ende die Saltz Versorgung (…) ganz in Chur Fürstl. Hände kommen wird.“

  1. Mär. Kurfürstlicher Befehl zur Reorganisation des Salinenwesens (DD Loc 1337).

Die Reorganisation des kursächsischen Salinenwesens wurde einem Direktorat übertragen, das die Verbesserung deren Wirtschaftlichkeit der drei Salinen koordiniern und überwachen sollte. Dieses Vorgehen schlug der am 10. Dez. 1763 vom Prinzregenten Xaver zum Generalbergkommissar berufenen Friedrich Anton v. Heynitz vor. Der hatte 1765 gemeinsam mit Fr. W. v. Oppeln die Gründung einer Lehranstalt für Bergbau angeregt, die ein Jahr später den Lehrbetrieb aufnehmende Bergakademie Freiberg.

Bereits am 17. März wurde v. Heynitz die Oberaufsicht über die kursächsischen Salinen übertragen. Als Vertreter wurde der Kammerherr Leopold von Beust benannt. Bezüglich des Salinendirektors J. H. Borlach wurde angemerkt, ihm „bei seinem hohen Alter eine bequeme und honorable Retraite zu gönnen und dagegen zu den Salzwerken einen Mann aus der Waitz`schen Schule herbei zu holen.“

Die Kommission begab sich unverzüglich zu den Salinen, wo die dortigen Beamten vereidigt und angehalten wurden, die für die jeweilige Saline angeordneten Maßnahmen umgehend in Angriff zu nehmen und Vorschläge zur Erhöhung der Produktion und zur Senkung der Kosten zu machen.

  1. Juni Salinenrecherche der Reorganisationskommission (DD Loc. 1337).

Die Recherche begann in der Kösener Saline. Nach Besichtigung des Werkes durch v. Heynitz wurden dem „Controlleur“, dem „Cassierer“ und dem „Condukteur“ die kurfürstlichen Befehle verlesen, darunter:

1.) dass die Lokalbeamten zweimal jährlich jeweils zu Ostern und Michaelis eine gemeinsame Sitzung abzuhalten haben, worüber ein „Haushaltprotokolle“ anzufertigen ist, von denen jeder Beamte eine Abschrift erhält.

2.) eine Registratur einzurichten, wo alle Schreiben, Protokolle, Anordnungen etc. aufzubewahren sind. Alle im privaten Besitz Borlachs und der übrigen Beamten befindlichen Betriebsakten zu archivieren.  

3.) wurde dem Kondukteur Schröter befohlen, für die Feuerungsanlagen mehrere Züge einzubauen, wie sie die Kommission in Neu-Sulza gesehen hatte. Damit könnte ein besseres Salz mit weniger Brennholz erzeugt werden. Außerdem sollte sich Schröter auf der Saline Allendorf über die Vorteile der dortigen Waitz`schen Gradiertechnik informieren.

4.) dass die bisher von Hand betriebenen Repetierpumpen an die „Wassermaschinen“ anzuschließen sind und die Pumpknechte als Gradierer verwendet werden sollen.

5.) Die Einführung der Nachtgradierung.

6.) Außerdem sollte die Stelle des Kassierers neu besetzt werden. Dazu war der aus Eisenach stammende Törpsch vorgesehen, der aber zum Nachweis seiner Brauchbarkeit zunächst die Arbeiten der Siedemeister analysieren und mit den Sulzaer vergleichen.

Zum Ende wurde die Vereinheitlichung der Salzwaagen durch die Einführung der von Borlach benutzten Proportionalspindel, die eine 100 Striche umfassende Einteilung hatte auf allen kursächsischen Salinen angeordnet und den Siedemeistern Prämien versprochen, wenn sie in ihrem Kot Feuerholz einsparen würden.    

  1. Juni Festlegung Bau eines neuen Gradierhauses (DD Loc 1337)

„…ausgemacht sey, daß die Kösener Coctur mit ihren jetzigen Gradier-Wercke auf keine Weise…. reich genug gradierte Sole fourniere… Es bleibe daher die Vermehrung und Verbeßerung der dasigen Gradirung allemahl das wichtigste Haußhalt-Object bey dem Kösener Wercke. In dieser Absicht hat der Conducteur Schroeter Riß und Anschlag zu fertigen…daß a.) ohne die jetzigen Revenuen …. zu alteriren in 2 bis 3 Jahren fertig werden könne, b.) daß das Gradir-Hauß zugleich auch ein Soole-Reservoir eingerichtet werde…d.) daß dem Conducteur Schroeter die Absteckung des neuen Gradir-Haußes auf der in loco mündlich verabredeten Linie aufgetragen werde und damit man wegen des Ankaufs des Platzes erforderlichen data beysammen, so wollen die Hr. Berg-Räthe alles darzu ex ante Actis praepariren, sich auch vorläufig mit dem Schul-Amte vernehmen.“

  1. Juni Bericht des Geheimrates von Heynitz (DD Loc. 1337).

Dieser fasste nochmals die Ergebnisse der drei Lokalbesichtigungen (Artern am 6. Juni, Dürrenberg vom 11. bis 13. Juni) zusammen. Dürrenberg war demnach am ausbaufähigsten was die Qualität und die Quantität anbelangt. Die Vorbereitung und Überwachung der umfangreichen Bauten wurde auch hier dem Baumeister Schröter übertragen. Dem Schreiben ist auch zu entnehmen, dass J. H. Borlach, wohl mit Rücksicht auf sein Alter auf eine Beteiligung bei der Bereisung der Salinen Artern und Dürrenberg verzichtete.

  1. Aug. Schreiben des Steuerprokurators J. Chr. G. Hübsch (KAZ 1941).

Der Kinderlehrer Hucke jr. hatte beim Kurfürsten seine Versetzung beantragt, nachdem eine Einigung mit der Gemeinde zur Aufbesserung seiner Einkünfte nicht zustande gekommen war. Die meist armen Familien verweigerten den Schulbesuch, um dem Schulgeld und der „Reihenspeisung“ des Lehrers zu entgehen. Um dem zukünftigen Kinderlehrer ein besseres Auskommen zu sichern, schlug Hübsch vor, dass alle Hausbesitzer vierteljährlich 15 Pfennige zahlen sollten, um den ärmeren Familien ein höheres Schulgeld zu ersparen (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2893).

Als Nachfolger schlug er den Theologiestudenten Johann Georg Rau(h)e vor. Der stammte aus Naumburg und war 18. 04. 1739 in Naumburg geboren. Zum Nachweis seiner Eignung legte er vor dem geistlichen Inspektor Magister Hauck ein halbstündiges "Testamen" und wurde daraufhin auch vom Schulamt anerkannt. Dem widersprach die Gemeinde und wählte den vom Holzhändler Seidler vorgeschlagenen  Kinderlehrer von Wilsdorf Adolf Heinrich Näbe .  wurde vor. Trotz dioeser Konstellation sah sich raue im recht und zog nach Kösen. daraufhin klagte die Gemeinde und der Leipziger Schöppenstuhl mußte sich mit der Angelegenheit befassen. 

  1. Nov. Erklärung des Kinderlehrers Johann Ernst Hucke jr. (NKB 1904, Kös. Z. 1902).

Im Rahmen des Verfahrens wurde der ehemalige Kinderlehrer zu seinem Einkommen befragt. Hucke, nunmehr Präceptor in Pfuhlsborn, erklärte, dass er in Kösen jährlich nicht mehr als 30 Taler eingenommen habe, viel zu wenig, um davon den  Lebensunterhalt zu bestreiten, auch wenn er hier ein eigenes Haus besessen habe.

Ebenfalls befragt wurden die Salinenbeamten. Die erklärten, dass alle von der Gemeinde bisher angestellten Kinderlehrer der Einwohnerschaft nichts beigebracht hätten, weil „unter allen eingebornen Kösener Einwohnern nicht ein einziges tüchtiges Subjektum zum erledigten Richteramte“ zu finden wäre, man statt dessen unter Auswärtigen auswählen müsse, wie den Bader Holstein aus dem Brandenburgischen, den Schneider Weber aus dem Hessischen oder dem Tischler Böhme aus dem Erfurtischen“ und keiner hier in der Lage sei, der „einen höchsten landesherrlichen Befehl oder eine obrigkeitliche Verordnung in der Gemeinde öffentlich ablesen oder vielmehr zusammenbuchstabieren“ könne.

Dem Schriftverkehr lag auch eine Aufstellung der 53 Unterbeamten und Arbeiter der Saline bei. Dazu gehörten der Pfannenschmied H. Fiedler, der Gradiermeister Chr. A. Heckenberg, 6 Koth-Meister (Chr. Henicke, G. Koch, H. Koch, Fr. Rauschner, Chr. Wünsch, J. Zedel), 12 Burschen (M. Büchner, Chr. Judersleben, M. Plaul, Chr. Ziege, M. Zimmermann, Fr. Butter, H. Wagner, G. Wagner, Chr. Streuber, G. Zedel, G. Judersleben, Fr. Scheufler), 5 Kunstwärter (Chr. Wolf, S. Blaubach, G. Thieme, Chr. Scheufler, G. Kühne), 16 Pumper (Chr. Eisentraut, A. Zahn, A. Kreutzmann, Fr. Nietzold, Fr. Zedel, G. Grenzdörfer, Chr. Bornschein, Chr. Wolff, Chr. Lange, G. Hanisch, G. Ziege, K. Seidler, Chr. Büchner, G. Büchner, Chr. Eisenschmidt, D. Gröschner), 4 Scheitführer (g. Dielitz, G. Schultze, g. Meyer, Chr. Otto), 4 Salzwächter (Chr. Koch, Chr. Arndt, Chr. Götze, Chr. Büchner), 2 Salzlader (G. Zimmermann, J. Tolle), der Pächter des Salinengasthofs Johann Gerlach Scheuffler, der Hufschmied Johann Georg Schläger und der Tagelöhner Krüger.

               J. Chr. Charius beantragt die Konzession als Schumacher (WER D 34 1/1323).

            Dr. Johann Samuel List wird Accise-Einnehmer zu Flemmingen (WER D 34).

De Advokat war in seiner Eigenschaft als „Actore nomini“ der 12 Filialkirchen in den Pfortaischen Amtsdörfern berechtigt, von säumigen  Gemeindemitgliedern den Kirchenzehnt und offene Dienstpflichten einzuklagen, so geschehen in den  Jahren 1780 bis 1790.

Ulrich Bauer, Pachtschäfer zu Kösen beanspruchte das Gericht wegen einer Schadensregulierung.

1773

  1. Aug. Zeitpachtvertrag über das Vorwerk Kukulau (WER D 34 Anh 2 Nr. 858).

Die kurfürstliche Kammer zu Dresden verpachtete das Anwesen samt Zubehör für die Dauer von weiteren sechs Jahren an Johann Martin Knorr.

  1. Okt. Visite des Salzwerkes durch den Kurfürsten und die Kurfürstin (Judersleben).

Aus diesem Anlass hatten die zur Begrüßung angetretenen Salzbeamten und Arbeiter neue Uniformen bekommen. Nach der Besichtigung wurde angeordnet: „Demnach Ihro Churfürstl. Durchl. zu Sachßen, Unser gnädigster Herr, bey dermahligen starcken Anwachßung der Saltz-Vorräthe bey der innländischen Saltz-Coctur zu Kösen zu Beförderung des Abzugs deßselben die Saltz-Fuhrleute aus hiesigen…“ Landen angewiesen, die Abfuhr zu beschleunigen. Verfasser waren Carl Leopold Weise, Johann August Gerstäcker, Carl Ferdinand Lindemann und Johann Christian Danckel.

Bei dieser Gelegenheit überreichte der Holzhändler J. Fr. Seidler im Namen der Gemeinde eine Beschwerde über die Untätigkeit des geistlichen Inspektors Magister Hauck bei der Besetzung der Kinderlehrerstelle und der obligatorischen Visitation. Neben Scheufler unterzeichneten der seit diesem Jahr zum Dorfrichter berufene Johann Christian Böhme, der Schöppe P. Hanisch sowie alle übrigen Hausbesitzer(-innen), darunter Hämmerling, Hilpert, Schleicher, Seboth, Seyffarth, Streuber, Thieme und Zwingenberg.

1774

  1. Jan. Erbpachtvertrag über die Mühle (WER, D 34 Anh. 2 Nr. 858).

Nun hatte Sophia Rebekka Friedrich den vollen Kaufpreis beim Amt hinterlegt und dem Vertragsabschluss stand nichts mehr im Wege. Mitpächter wurde ihr ältester Sohn. In diesem Zusammenhang wurde die Wasserstandmarke am Fachbaum erneuert. Sank der Wasserspiegel der Saale unter diese Marke musste das Mühlengerinne geschlossen werden, um damit einen ausreichenden Zufluss zur kleinen Saale und der Wasserkünsten der Saline zu gewährleisten. Das war aber auch ein erheblicher Nachteil für die Wirtschaftlichkeit der Mühle.

Als Pachtzins wurden 450 Taler/Jahr vereinbart. Dazu kamen weitere 8 Taler als Beitrag zur Unterhaltung des Wehres und einige Naturalabgaben. Zur Pacht gehörten neben dem Mühlengebäude mit den 3 unterschlächtigen Mühlgängen, eine Ölmühle, Wohn- und Nebengebäude, die Mühlenwiese, ein Obstgarten und die Fischerei am Wehrdamm, mit Ausnahme des Lachsfangs. Zu den der Mühle überlassenen Gerechtigkeiten gehörten der Mahlzwang und das Malzrecht über Ober- und Niedermöllern, Pomnitz, Hassenhausen und Spielberg sowie die Erlaubnis das Malzgetreide, sowie Staubmehl und Kleie zu behalten. Dafür verpflichtete sich die Müllerin, ihr Zwangsrecht nicht zu missbrauchen, aber auch alle ihr zu Ohren kommenden ungesetzlichen Vorgänge in den ihr zugewiesenen Dörfern umgehend dem Amt zu melden. Die Schweinemast für den Bedarf der Schule entfiel, die Haltung für den eigenen Bedarf war erlaubt, dazu kamen die Haltung von 4 Kühen und eines Kalbes. Für die Viehhaltung lieferte das Schulamt das Stroh, dafür hatte die Pächterin jährlich 30 zweispännige Fuder Miste auf die Schulweinberge zu bringen. Den Vertrag unterzeichneten der Steuerprokurator J. Chr. G. Hübsch als Kurator der Müllerin, sowie die Schulbeamten G. Fr. v. Berlepsch, Dr. C. Chr. Gutbier, C. V. Franke und G Chr. Beyer.

  1. Apr. Genehmigung des Erbpachtvertrages (WER D 34 Anh. 2 Nr. 858).

    27.  Mai Schreiben der Gemeinde an das kurfürstl. Kammerkollegium (WER D 34 2/2504).

Nachdem im Gerichtsstreit um die Stelle des Kinderlehrers der Kurfürst Friedrich August eine salomonische Entscheidung getroffen hatte und sowohl die Entlassung Rauhes als auch Näbes und die Neuwahl eines Kinderlehrers angeordnet hatte, einigten sich die Gemeinde und das Schulamt auf den Kinderlehrer aus Obermöllern Friedrich Hesse. Doch nun fehlte es an einem geeigneten Schulraum für die 60 schulpflichtigen Kinder und einer Wohnung für den Lehrer. Hucke hatte im eigenen Haus unterrichtet und dieses bei seinem Wegzug verkauft.

Rauhe verließ Kösen und erhielt in Naumburg eine Stelle als Kinderlehrer beim 1. Bataillon des Infanterie-Regiments Prinz Xaver“. Hier veröffentlichte er eine Broschüre mit dem vielsagenden Titel „Die Schwachheit oder die Stärke - oder gründliche Nachricht von den 1432 vor Naumburg sich gelagerten Heere der Hussiten unter ihrem Heerführer Prokop und den daher entstandenen Naumburgischen Schul- und Kirschenfest, alles aus sehr raren und seltenen Urkunden zusammengetragen“. Diese, die Tatsachen ignorierende Schrift, fand großen Anklang beim Publikum und verhalf dem im Niedergang begriffenen seit 1526 begangenen Kirschfest zu neuer und dauerhafter Blüte. Allerdings brachte ihm das den Ruf eines „dreisten Geschichtsfälschers“ ein, weil er auf die phantasievolle „Umständliche Chronicon Numburgense“ des Mönchs Benedikt Taube aus dem Jahr 1546 zurückgriff. Rauhe starb 1791 in Naumburg.

  1. Aug. Schreiben der Gemeinde an das kurfürstl. Kammerkollegium (WER D 34 2/2504).

Wegen der fehlenden Schulräume bat die Gemeinde das Kammerkollegium um Unterstützung. Daraufhin wurde das Schulamt angewiesen, der Gemeinde einen geeigneten Bauplatz für die Schule zu überlassen. Die Gemeinde entschied sich für einen Platz am Lengefelder Fahrweg „37 Ellen breit und 64 Ellen lang nach dem (Äbtischen)-Holze zu gelegen“. Doch die Sache kam nicht voran, weil die Gemeinde weder Geld für die Pacht noch für den bau hatte. fehlte.hlte der Gemeinde das Geld, um mit dem Bau zu beginnen.

       Sep. Einführung des Kinderlehrers und Armenkassen-Einnehmers (KÖZ 1899, 1902)

Hesse bekam 6 Pfennige pro Woche für jedes die Schule besuchende Kind, für den Leichengesang erhielt er 4 Groschen, für das Leichenbitten ebenfalls 4 Groschen und bei Kindtaufen 2 Groschen. Dazu sollte ihm freie Wohnung gewährt und die Erteilung privaten Unterrichts in Latein, Musik und anderen Wissenschaften gestattet sein. Außerdem durfte er bei Hochzeiten, Kindstaufen oder Begräbnissen die obligatorischen Almosen für die Armen-Kasse einsammeln. Üblicherweise erfolgte dies bei der kirchlichen Zeremonie, durfte aber wegen dem Fehlen eines Gotteshauses im Dorf ausnahmsweise bei den betroffenen Familien eingesammelt werden. Auch bei Grundstücksverkäufe, Testamenten, Tauschgeschäften und Schenkungen waren jeweils 8 Groschen an die Armenkasse abzuführen. Aus der Armenkasse wurden zu dieser Zeit drei unvermögende Einwohner mit wöchentlich 2 bis 3 Groschen unterstützt. Wegen der fehlenden Räumlichkeiten war aber an einen regulären Unterricht noch nicht zu denken. Die unterrichtslose Zeit setzt sich fort.

   Okt.   J. H. Borlach wird in die Reorganisationskommission berufen (Mager)

Am 4. Oktober hatte v. Heynitz sein Abschiedsgesuch eingereicht und empfohlen, Borlach mit der Leitung der Reorganisation des kursächsischen Salinenwesens zu betrauen. 1777 wechselte v. Heynitz in preußische   Dienste und wurde von König Friedrich II. zum Etats-, Kriegs- und dirigierenden Minister und Oberberghauptmann ernannt. Daneben leitete er das dortige Salzdepartement und brachte das schlesische Hütten- und Bergwesen wieder zur Blüte.

             Heimfall von Kreipitzsch und der Rudelsburg (Lepsius, DVD Aquilitas).

Friedrich Adolf von Kreutz hatte keinen männlichen Erben. Seine Tochter Sophie Amalia, verheiratet mit Christian Ferdinand von Schönburg war nicht erbberechtigt und musste Kreipitzsch verlassen.

Die Gerichte Rudelsburg-Kreipitzsch und Stendorf-Saaleck übte Johann August Lepsius (1745-1797), der Vater von Carl Peter Lepsius aus.

             Antrag des Floßmeisters Stöter auf Anpachtung eines Holzplatzes (WER D 34/1/913).

Wegen der zu erwartenden Menge wurde die  „Mühlenstatt neben dem Scheitbach“ gepachtet. Hier an der Mündung des Scheitbachs stand einst die  Lochwitzer Mühle.

1775  

             „Churfürstlich - Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit).

Hier wurden sämtliche Hof- und Staatsbediensteten vom Kammerherrn bis zum Stubenheizer, vom Hofmarschall bis zur Silberputzerin aufgelistet. Dazu auch die Schulbeamten, der Inspektor Georg Friedrich von Berlepsch zu Hennigsleben, Domherr zu Naumburg, Dr. Caspar Christian Gutbier (Amtmann), Carl Valerian Francke (Schulverwalter), Georg Christian Beyer (Amtsverwalter), Johann Andreas Echtermayer (Kornschreiber) und Johann Gottlieb Böhnle (Accis-Inspektor). Postmeister in der Schule war Johann Christian Fritzsche.

Zu den Floßbeamten zählten der Oberaufseher der Saale-und Elster-Flöße Adam Friedrich Senfft zu Pilsach, Floßmeister August Ludwig Stöter, Floßschreiber und Zolleinnehmer Johann Christian Tostlöwe, Floßschreiber Tobias Graf. Darüber hinaus gab es Floßaufseher in Ziegenrück und Halle, einen Floßstrafbefehlshaber und in Leipzig den Verwalter der Floßkasse. Beamte der kurfürstl. Salinen wurden hier noch nicht aufgeführt, wohl aber die Titular-Bergräte J. H. Borlach und Leopold von Beust, letzterer war gleichzeitig Kammerherr.

  1. Jan. Gutachten J. H. Borlachs (WER, D 34 II Nr.858).

Der machte auf die von der Mühle ausgehende Brandgefahr wegen der zahlreichen dort gelagerten Ölerzeugnisse und dem unsachgemäßen Umgang mit Feuer aufmerksam. Er befürchtete, dass eine Feuersbrunst bei ungünstigen Wind zur Gefahr für den oberen Schacht und die Radkünste werden könnte.

  1. Feb. Anweisung des Kurfürsten an das Schulamt (WER D 34, Anh. 2/2532).

Von Amts wegen sollten den Kösener Einwohnern die  Gebühre für die Inanspruchnahme geistlicher Dienste wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen zur Kenntnis gegeben werden.

  1. Mai Erneutes Gesuch der Gemeinde bezügl. der Lehrerwohnung (WER D 34 Anh. 2/1844)

Diesmal wandte sich die Gemeinde an den Hohen Kirchenrat mit der Bitte um finanzielle Hilfe bei der Errichtung der Schule auf dem vom Schulamt zur Bebauung angewiesenen Platz „gleich der Straße weg, 37 Ellen breit und 64 Ellen lang nach dem (Äbtischen)-Holze zu gelegen“.

  1. Mai Verlesung der Gemeindematrikel (WER D 34, Anh. 2/2532).

Alle Einwohner hatten sich im Amt einzufinden und ihnen wurden die Matrikel verlesen. Damit war der jahrelange Streit zwischen der Einwohnerschaft und dem Schulamt über die Gebühren bei Hochzeiten, Taufen und Begräbnissen, bei dem sich die Gemeinde immer wieder auf ihre Befreiung von Lasten und fehlende oder nicht für sie geltende Regelungen berufen hatte, beendet. Diejenigen die sich arbeits- und abwesenheitsbedingt entschuldigten, wie der Bergrat Borlach, Andreas Weise der Salzsieder Samuel Blaubach sowie Johann Levin Ulrich mussten später die Martrikel gegenzeichnen. Nach der Bekanntgabe und der Annahme durch alle Gemeindemitgliede, erfolgte am 16. Juni die Genehmigung durch das  Ober-Konsistorium.

     21.  Mai Kanon zur Hochzeit des Bergrates Heun (Universitäts-u. Landesbibliothek Halle, VD 18 10079246)  

Aus diesem Anlass stellte in einer Denkschrift der spätere Lokaldirektor der Kösener Salin Erdmann Friedrich Senff sen.  seine Vorstellungen von der Verbesserung der Gradierhäuser vor. Dabei wollt er die bisher übliche Gradierung an den Dornenwänden durch eine Dachgradierung ersetzen. Die Sole sollte aus einer Kandel beidseitig über  Hähne und Tröpfelrinnen auf eine sacht abfallende geschalte Dachfläche gebracht und dabei Sonne und Wind voll ausgenutzt werden. Bei der Dornengradierwerken, die zudem noch mit einem Dach versehen waren hätte insbesondere die Sonne beim höchsten Stand im Süden wegen der Beschattung der Wände nur geringen Nutzen. Der Vorschlag wurde später bei der Entdachung der Gradierwerke zumindest teilweise umgesetzt. Zur Tafelgradierung wurden dann die Abdeckungen der unteren Soleschiffe und der Solereservoire genutzt.

       10.  Juli Schreiben der kurfürstl. Kammerkollegs an das Schulamt (WER D 34 2/2504).

Die Gemeinde hatte sich erneut bei der Kammer wegen der Untätigkeit des geistlichen Inspektors hinsichtlich der Schulverhältnisse  beschwert. Daraufhin wurde das Schulamt zu einer Stellungnahme aufgefordert.

  1. Aug. J. H. Borlach tritt in den Ruhestand, Freiherr v. Beust tritt die Nachfolge an (Mager).

Seine Pension betrug 500 Taler, die Hälfte seines Jahresgehaltes. Er wohnte im „Neuen Haus“, dass ihm sein Bruder samt dem übrigen Besitz sowie den Weinbergen am Nikolausberg hinterlassen hatte. Seinen Haushalt führte der Salzsieder Törpsch.

Unter dem Direktorat des Freiherrn v. Beust stiegen die Einkünfte aus den Salinen bis 1780 von 50.000 Taler auf 168.000 Taler und die Fabrikation von 64.000 auf 155.000 Stück Salz, wobei die moderne Dürrenberger Saline inzwischen den größten Anteil hatte. Diesen Erfolg reklamierte von Beust für sich allein, was bei den übrigen Salinenbeamten als auch beim Kammerkollegium mit Missfallen registriert wurde.

  1. Aug. Befehl des Kurfürsten zum Brauen des „Pfingstbieres“ (WER Rep. A 23 Nr. 11/2).

Bisher wurde für die Salinenarbeiter zu Pfingsten ein Feiertagsbier gebraut und ihnen als Deputat überlassen. Dieses Extragebräu unterlag offensichtlich nicht der Tranksteuer weshalb das Verbot von höchster Stelle angeordnet wurde.

  1. Sep. Stellungnahme des geistlichen Inspektors Mag. Hauck (WER D 34 Anh. 2/1844)

Dieser wandte sich entschieden gegen die von der Gemeinde erhobenen Vorwürfe, er habe die Schulvisitation vernachlässigt. Die Gründe die er vorbrachte, betrafen die weite Entfernung und der schlechte Weg, fehlende Fahrtmöglichkeiten, die er zudem noch aus der eigenen Tasche bezahlen müsse. Letztendlich hätte er aber auch wegen des Schulausfalls keinen Anlass für eine Schulvisitation gehabt.

  1. Sep. Friedrich Wilhelm Heun wird zum Vize-Salz-Direktor ernannt (Judersleben).

Nach der Huldigung durch die Arbeiter im alten Schacht, spendierte der später zum Bergrat ernannte Heun Freibier. Zum Direktor dem Freiherrn von Beust bestand ein distanziertes Verhältnis, dagegen gab es mit dem Kunstmeister Schröter und den für die Gradierung zuständigen Senff sen. eine fruchtbare Zusammenarbeit.

            Anschaffung von Uniformen für die Bediensteten der AKD-Salinen (WER Gen VA/56).

  1. Dez. Reskript des Kammerkollegiums zum Bau einer Schule (WER D 34 2/2504).

Inzwischen hatte das Schulamt einen anderen Bauplatz vorgeschlagen und dies dem Kollegium zur Genehmigung vorgelegt. Demnach sollte das Schulhaus auf dem ehemaligen Zimmermannschen Grundstück am Nikolausberg gebaut werden. Die Gemeinde sollte jährlich 1 Taler Erbzins und eine noch zu bestimmende Grundsteuer bezahlen. Die Kammer genehmigte dies und bestimmte außerdem, daß die Gemeinde einen Grundriß vorlegen und die Baukosten tragen müsse. Außerdem müsse sie sich verpflichten, das Schulhaus ausschließlich als Schulstube und Lehrerwohnung zu nutzen, den „Nexus“  mit der Geistlichkeit und der Kirche zu Pforta nicht zu beeinträchtigen und die Schule sowie den Lehrer der Gerichtsbarkeit des Schulamtes zu unterstellen.

Trotz der Genehmigung wurde nicht gebaut, denn die Gemeinde war außerstande die jährliche Erbpacht und die Grundsteuer zu den übrigen Unterhaltskosten der Schule und der Entlohnung des Lehrers aufzubringen.

1776

             „Churfürstlich - Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit.).

Bei der Schulaufsicht, dem Schulamt, dem Floßamt und den Bergbeamten hatte es keine personellen Veränderungen gegeben.

  1. Juni Manöver kursächsischer Truppen (Judersleben).

Zwischen Freyburg und Wilsdorf lagerten drei Regimenter Infanterie unter dem Kommando der Prinzen Xaver und Clemens. Der Kurfürst besucht mehrmals das Lager, einmal in Begleitung seiner Gattin. Die Kriegsübungen dauerten bis zum 18. Juni, wobei viel Pulver verschossen wurde.  

  1. Sep. Anordnung der Kammer an den Oberfloßaufseher (MER. C48 IIIb, Nr.5519).

Der neue „Commun-Floß“ Vertrag sah nun eine  gemeinsame Flöße aller zwei Jahre vor. Demzufolge wurde das Deputat für die Landesschule entsprechend verringert. In den Jahren wenn geflößt wurde blieb es bei den  80 Klaftern,  in den anderen Jahren waren es 40 Klafter, die zu lasten der gemeinsamen Kasse als Entschädigung für Schäden an den Ufern und den Wasserbauwerken abgegeben wurden. Diese Regelung galt rückwirkend ab dem Jahr 1773.

in den Jahren wenn die „Commun-Flöße“ nicht stattfand, hatte die herzogl. altenburgische Flöße das Recht eine eigene Scheitholzflöße bis nach halle durchzuführen. Mögliche Ersatzansprüche von Uferanrainern mussten dann auf eigene Rechnung abgegolten werden.

                   Georg Christoph Hilpert wird Ortsrichter. (WER D 34 II Nr. 1248).

Er war der Sohn von Andreas Hilpert, der lt. Amtserbbuch im Haus Nr. 21 am Lengefelder Fahrweg wohnte.

  1. Nov. Verweigerung der Dorfwache (WER D 34 II Nr. 618)

1772 hatte die kursächsische Regierung eine Anordnung zur Dorfwache erlassen, um das Bettler- und Vagabundenunwesen auf dem flachen Land einzuschränken. Zur Dorfwache wurden alle Einwohner herangezogen. Der Wachdienst wurde reihum täglich versehen. Das hatten 2 Hausbesitzer (Sattlermeister Joh. Chr. Mattesius, Salzsieder Joh. Heinr. Wagner) sowie ein Hausgenosse (Salzsieder Joh. Gottlob Zedel) verweigert und waren zu der ihnen zugeteilte Wache nicht angetreten. Darüber beschwerten sich die übrigen Einwohner, die nun öfter an der Reihe waren. Da es dem Ortsrichter G. Chr. Hilpert und der Gerichts-Schöppe J. E. Hämmerling nicht gelang, die Säumigen zur Dorfwache anzuhalten, verfaßte J. Chr. G. Hübsch ein Schreiben an das Kammerkollegium. Das wiederum befahl den Schulbeamten, die Betreffenden vorzuladen, zu verhören und zur Zahlung von 12 Silbergroschen pro Quartal zu verurteilen.

1777

             „Churfürstlich – Sächsischer Hof-und Staatscalender (MÜN digit).

Bei den Beamten vom Schul- und Floßamt gab es keine Veränderungen.

Die Linie derer von Beust war gleich mit mehrere Bedienstete am sächsischen Hof vertreten. Neben dem Kammerherrn und Titular-Bergrat Leopold v. Beust, waren das die Kammerherren Friedrich August Carl Freiherr v. Beust, Gustav Leopold v. Beust, der Titular Geheimrat Carl Friedrich v. Beust, der Kammerjunker Carl Casimir v. Beust und Friedrich Wilhelm v. Beust, der unter „Capitularen“ des Domstifts Naumburg genannt wurde.

  1. Jan. Schreiben Therkorns an den Salzsieder Törpsch (WER D 34 Anh. 1/3910).

Der Gesundheitszustand Borlachs ließ sein baldiges Ableben befürchten und da er keine leiblichen Erben hatte, würde der ansehnliche Besitz an den Staat fallen, falls er keine verbindlichen Bestimmungen über seinen Nachlaß treffen würde. Daher wandte sich der Baumeister Carl August Therkorn an den Salzsieder Törpsch der dem Bergrat den Haushalt besorgte, und forderte ihn auf, den Bergrat zur Abfassung und Beglaubigung seines letzten Willens und die Einsetzung eines Erben zu bewegen. Dabei bereitete ihm offenbar Borlachs „Unentschlossenheit“ erhebliche Kopfschmerzen. Wörtlich schrieb er: „Sie müssen also sehen, ihm vors erste zum Testament mehren zu bringen, das andre wird sich hernach von selbst ergeben.“ Therkorn rechnete damit als Erbe eingesetzt zu werden und versprach Törpsch: „Sie sollen von mir gewiß besser als alle belohnt werden, wenn ich glücklich sein sollte und damit ich einen Anfang mache, so sollen Sie sobald das Testament auf Ihr Bewenden gemacht worden und durch Sie mir die gerichtlich vidimirte Kopie dessen zugeschickt worden, 100 Taler gleich bar erhalten…“ 

      21. Feb. Testament J. Herrmann Borlach (WER D 34 Anh. 1/4262)

Vor dem Advokaten Kaiser bestimmte Borlach  als seinen letzten Willen, den Conducteur der Arterner Saline Carl August Therkorn und falls dieser noch vor ihm sterben sollte, dessen Kinder als Erben. Da es sich um einen Universalerbe handelte, wurde auf eine Spezifikation des beweglichen und unbeweglichen Vermögens verzichtet. Im März wurde das Testament beim Schulamt hinterlegt.

     Feb. Salztransporte nach Dürrenberg (Judersleben).

Der Salzdebit, die Verteilung auf die Niederlagen und die Besteuerung waren recht umständlich. Reichte die laufende Jahresproduktion einer Saline nicht aus, um die ihr zugeordneten Niederlagen zu beliefern oder deren Bedarf war größer als geplant, wurden die Fehlmengen aus anderen Salinen bezogen. Diese durfte aber nicht direkt die Niederlagen beliefern, sondern das Salz wurde erst zu der Saline transportiert, die für die Belieferung bestimmt war. Dies verteuert natürlich das Salz. In diesem Fall lieferte die Kösener Saline 2000 Scheffel Salz nach Dürrenberg, wofür Judersleben, der selbst die Fuhrwerke begleitete, 4 Groschen Fuhrlohn für den Scheffel erhielt.

  1. Apr. Schreiben der herzogl. Kanzlei in Weimar an das Gericht Döbritschen (KAZ 1941).

Grund war eine Beschwerde des Kösener Holzhändlers J. Fr. Seidler im Namen des Floßkonsortiums. Die Kanzlei wies das Gericht an, der Beschwerde nachzugehen, die sich gegen den dortigen Pächter der Mühle richtete. Seidler wurde in diesem Schreiben als „Saaleflößer der Ämter Leuchtenburg und Orlamünde“ bezeichnet, hatte demzufolge das recht zur Langholzflöße auf dem herzoglich-altenburgischen Teil der Saale.

  1. Mai Urteil zur Dorfwache (WER D 34 Anh. 1 Nr. 618)

Nach einigen Hin und Her hatte sich der Salzsieder Zedel mit der Gemeinde geeinigt. Dagegen wurden der Sattler Mathesius und der Salzsieder Joh. Fr. Wagner zur Zahlung von 12 Groschen für jedes Quartel in den zurückliegenden 4 Jahren wegen nicht angetretener Dorfwache verurteilt.

  1. Juni „Contract“ zwischen A. Therkorn und J. Chr. Schröter (WER D 34 Anh. 1/3910)

In Erwartung des baldigen Ablebens des Bergrates, verabredeten die beiden Salinenbaumeister Therkorn und Schröter eine Aufteilung des zu erwartenden Erbes, wohl im Glauben dass Borlach beide als Erben eingesetzt habe. Doch sie waren sich ihrer Sache nicht sicher und kannten offenbar noch nicht das Testament, dass Therkorn zu Alleinerben bestimmte. Therkorn befürchtete offenbar, dass Borlach doch noch seinen letzten Willen ändern könnte, zumal dieser bereits mündlich bestimmte Einschränkungen verlauten ließ. Da er außerdem in Artern war und weit weg vom Geschehen, Schröters dagegen nur wenige Meter entfernt von Borlachs Stadtgut wohnte, machten die beiden diesen Deal.

Schröter seinerseits verzichtete auf alle ihm von Borlach bisher gemachten oder versprochenen Schenkungen und versprach, das beim Schulamt hinterlegte Testament in allen Punkten anzuerkennen, auch für den Fall, dass der Bergrat doch noch ein neues Testament zu seinen Gunsten ausfertigen würde.

Dafür erklärte sich Therkorn bereit, ihm sofort nach Borlachs Ableben, das „Neue Haus“ samt Garten, Ställen und Schuppen“ zu überlassen. Außerdem versprach er ihm den 8000 Taler übersteigenden Teil der Barschaft, die Hälfte des Wertes des „Fischereigezeugs“, des Gewehrs und der Wanduhr, ihm die im Haus vorhandenen Kunstmodelle zum Gebrauch zu belassen, den vierten Teil der Wäsche und des Geschirrs und einen Teil der Weinberge am Nikolausholz. Der Vertrag wurde in Artern ohne notarielle Beglaubigung geschlossen.

  1. Juli Johann Hermann Borlach verstirbt (Schröcker, Geschichte der Saline Artern…).

Zwei Tage zuvor war Therkorn aus Artern gekommen und hatte den „Herrn Bergrath Borlach außerordentlich schlaff und krank und sich seiner ganz unbewußt und verstandlos“ in seinem „Neuen Haus“ in Neu-Kösen vorgefunden (WER D 34 Pforta Anh. 1/4123).

Therkorn hatte sich den Hausschlüssel besorgt und machte sich zusammen mit Schröter umgehend auf die Suche nach der Barschaft, während der Leichnam des Bergrates noch in der Stube lag. Sie fanden 10.400 Taler, von denen Therkorn 8000 Taler und Schröter den darüber liegenden Betrag von 2400 Talern erhielt.

  1. Juli Begräbnis von Johann Hermann Borlach.

Er fand seine letzte Ruhestätte neben seinem Bruder auf dem Pfortaer Friedhof.

    30.  Juli Antrag des Holzhändlers Johann Friedrich Seidler (WER Rep. A 23 I, Nr. 11 Bd.1).

Dieser bewarb sich um die Gasthofpacht, da der Vertrag mit J. G. Scheuffler, der 1772 verlängert worden war, zu Johannis 1778 auslief.

  1. Aug. Rechtsstreit zum Lachsfang auf dem Wehrdamm (WER Pforta II Nr.943).

Der Holzhändler J. Fr. Seidler hatte vom Besitzer des Rittergutes Kreipitzsch (Graf Zech) die seit alters her zu Kreipitzsch gehörenden Fischereirechte auf der Saale von der Saalecker Judenfurt bis zum Wehrdamm gepachtet. Unterhalb des Dammes begann das Fischereirecht des Schulamtes, das dem Mühlenpächter den Fischfang am Wehrdamm (außer dem Lachsfang) überlassen hatte. Nun hatte Seidler direkt auf dem Damm eine Lachsfanganlage errichtet, der somit im juristischen Niemandsland lag. Das Schulamt sah sich aber in ihren Altrechten beeinträchtigt und erhob Klage.

  1. Aug. Schreiben Therkorns an den Pfortaer Amtmann (WER D 34 1/4262)

Nach der Eröffnung des Borlachschen Testaments am 31. Juli und der Mitteilung das Therkorn uneingeschränkt zum Universalerben bestimmt war, bat er um eine Abänderung des amtlichen Erbscheins. Demzufolge habe ihm Borlach kurz vor seinem Tod erklärt, dass „der bey den Churfürstlichen Saltzwercken bestellte Conducteur Johann Christian Schröter nach seinem … Absterben, 500 Taler an Geld und sein dem Wohnhauße schräg gegenüberliegendes neues Hauß, nebst Zubehör an Hoff, Stallung, Schuppen und Garten, alß sein Vermächtniß haben und bekommen soll.“ Schröter erklärte im gleichen Schreiben die Annahme dieses Erbteils, ohne zu erwähnen, dass er auf der Grundlage der mit Therkorn getroffenen Vereinbarung bereits mehr erhalten hatte, als das, was ihm Borlach zugestanden hatte.

Da das Testament rechtskräftig war, wurde Therkorns Bitte, den Erbschein abzuändern abgelehnt. Therkorn hielt sich aber an die mit Schröter geschlossenen Vereinbarung, überließ ihm das „Neue Haus“ und den neu angelegten Weinberg, sowie ein Viertel der Wäsche sowie den Kupfer-, Zinn- und Messinghausrat. Den übrigen Hausrat behielt Therkorn, darunter Silberzeug wie Degen, Schnupftabakdose, Messer, Löffel, das Porzellan, das gesamte Tischler-, Schlosser-, Uhrmacher-, Schmiede- und Drechslerwerkzeug, eine „Feuer-Maschine“, eine „Camera obscura“ und eine „Copier-Maschine“.

Das sah Schröter als Benachteiligung und verklagte Therkorn. In den Akten des Schulamtes in Sachen hereditatis petitiones“ heißt es: „Wahr und hat vorrubrizirter Herr Kläger aus einem untern 16. Juni 1777 in betreff den von dem Kurfürstl. Sächs. Bergrat J. H. Borlach zu Kösen nachgelassenen Vermögens, errichteten Contracts auf dessen Erfüllung, so weit es noch nicht geschehen, und Herausgabe eines deshalb nötigen zu recht beständigen Inventariums oder eydlicher Specification über das gesamte Borlachsche Vermögen usw. in Beziehung auf das Vermächtnis vom 21. Febr. 1777 entgegen obbenannten Herrn Beklagten….“

Seine Begründung umfasste 125 Punkte. Als Zeugen benannte er den Advokaten Kayser, der das Borlachsche Testaments beglaubigte und den Salzsieder Törpsch, den Therkorn gedrängt hatte, Borlach zur Abfassung des Testaments zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

Damit begann ein jahrelanger Rechtsstreit.

  1. Aug. Schreiben Therkorns an das Schulamt (WER D 34 1/4262)

Therkorn beabtragte die Ausstellung der Erbscheine für sich und Schröter in Bezug auf die beiden Borlachschen Wohnhäuser. Für die an ihn gekommenen Äcker und Weinberge am Jochen- und Nikolausberg beantragte er das Erblehen, möglichst unter den gleichen Konditionen, die schon J. G. Borlach gehabt hatte.

  1. Okt. Schreiben des Kammerkollegiums an das Schulamt (WER D 34 2/2269).

Auch über den anderen Bauplatz und die neuen Pachtbedingungen gab  es mit dem Schulamt zu keiner Einigung und das  Kammerkollegium wurde erneut zur Mitwirkung angerufen. Die geschilderten Zustände veranlaßten das Kammerkollegium das Schulamt energisch zu drängen, der Gemeinde endlich einen passenden und bezahlbaren Bauplatz anzuweisen.

  1. Sep. Sophia Rebekka Friedrich überträgt die Mühle ihrem Sohn Johann Gottlieb.

    20.  Okt. J. G. Judersleben wird Siedemeister und damit Unterbeamter (Judersleben)

Durch seine Ehe mit Maria Dorothee Koch, Tochter eines Salzsieders wurde er „coorportiret“ und 1761 zunächst als Sieder im 6. Kot eingestellt.

1778

  1. Jan. Schreiben des Freiherrn v. Beust (WER Rep A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Der Bericht ging an das  Kammerkollegium und betraf die Verhältnisse beim Salinengasthof. Angefügt war der Antrag Scheufflers auf Verlängerung seines Pachtvertrages. Wegen der schlechten Zeiten bat er um eine Verminderung der Pacht von 450 auf 400 Taler.

  1. Jan. Erlass des Kammerkollegiums (dto).

Angeordnet wurde eine öffentliche Ausschreibung der Gasthofpacht nach Höchstgebot.

  1. Jan. Schreiben der Gemeinde an das kurfürstl. Kammerkollegium wegen des Schulbaues  (WER D 34 2/2504).

Der Ortsrichter Hilpert und der Schöppe Hämmerling erklärten, dass die arme Gemeinde, die Mittel für den Schulbau nicht aufbringen kann und  man auf „mildtätige Gaben“ angewiesen sei. Darüber hinaus wären auch die vom Schulamt geforderte Pacht und die Steuern unzulässig. Einmal wäre es überall in Kursachsen üblich, Schulhäuser nicht mit Abgaben zu beschweren und andererseits wären Abgaben ungerechtfertigt, weil „die Überweisung dieses zu Erbauung eines Schulhauses von uns erbethenen Platzes, der doch gleichwohl, da es ein dürrer steiniger Hügel ist, worauf nicht das geringste Gräßgen wächset“ also der Schule bisher auch keinen Nutzen gebracht habe.

Allerdings wusste man da nicht, dass nur wenige Tage zuvor der Kammerherr Carl August v. Schönberg den Amts-Steuereinnehmer angewiesen hatte, das Schulhaus, solange es als Schule genutzt werde von Steuern freizustellen.

  1. Feb. Bauplan und Kostenanschlag für das Schulhaus (WER D 34 1/2504).

Der Maurermeister Johann Gottfried Schröter hatte für das zweigeschossige Gebäude, Baukosten von 509 Talern veranschlagt. Diese Kosten lehnte die  Gemeinde rundweg ab.

  1. Apr. Bietertermin für den Gasthof (dto).

Der eigens für den Termin hierher beorderte Beamte notierte, dass bis 12 Uhr die Gebote des Holzhändlers Seidler (500 Taler) und kurz nach 12 Uhr das Gebote des derzeitigen Pächters Scheuffler (475 Taler) vorgelegen hätten.

  1. Apr. Schreiben des Salinendirektorats zur Wiederverpachtung des Gasthofs (dto).

Freiherr v. Beust und Condirektor Heun teilten der Kammer das Ergebnis des Bietertermins mit und baten in dieser Angelegenheit um weitere Anweisungen. Heun berichtete später, dass der Freiherr v. Beust dem Holzhändler Seidler bevorzugt hätte, weil er in den ersten drei Jahre nach seinem Dienstantritt als Vizedirektor der Saline bei Seidler gewohnt habe und enge persönliche Kontakte unterhielt.

  1. Apr. Vereinbarung zwischen der Saline und dem Pachtmüller (Wehrrezess 1811).

Gegen die Zahlung einer Entschädigung gestattete der Pachtmüller der Saline den provisorischen Verschluss des Freigerinnes.

  1. Mai Anweisung an die General-Hauptkasse wegen der Neuverpachtung (dto).

Nachdem der bisherige Pächter Scheuffler sein Angebot auf 505 Taler erhöht hatte, empfahl der Kabinettsrat J. G. Schubarth dem Kurfürsten, den Pachtvertrag mit Scheuffler um weitere 6 Jahre zu verlängern.

  1. Juni Prolongierung des Gasthofpachtvertrages (WER, Rep. A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Dieser Vertrag mit J. G. Scheuffler, der erste der noch erhalten ist, umfasste 16 Paragrafen, wovon die meisten wohl seit der Erstverpachtung im Jahr 1680 kaum geändert wurden.

Von außerordentlicher Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit des Gasthofes war das Verbietungsrecht, das „iure prohibendi“. Dieses Recht galt für die Fluren von Alt- und Neu-Kösen, Pforte sowie die Saal- und die Fischhäuser. Hier durfte kein zweiter Gasthof oder eine ähnliche Einrichtung betrieben werden. Ausnahmen waren die jährlichen Holzmessen. Für das Verbot des Ausspannens im Gasthof von Hassenhausen zahlte Scheuffler 40 Taler jährlich. Die Pacht wurde wie bisher üblich in vier Raten gezahlt. Die hinterlegte Kaution wurde mit 3 Prozent verzinst.

Neu war, dass der Pächter verpflichtet wurde, mit seinen Gespannen und auf seine Kosten die (nicht unerheblichen Mengen) Abfälle aus den Salzkoten abzutransportieren. Beibehalten wurde die Verpflichtung, Musikanten zur Unterhaltung der Gäste nur aufspielen zu lassen, wenn diese kursächsische Untertanen waren.

Zur Gasthofpacht gehörten weiterhin das Brauhaus am Wehrdamm und die Schmiede, wobei das Inventar, wie der Amboss und die Braukessel, dem Salzwerk gehörten. Die Schmiede durfte auch alle Schmiedearbeiten für die Saline ausführen, ausgenommen die Siedepfannen, für die es eine eigene  Pfannenschmiede gab. Der Braumeister war dem Salinendirektorat unterstellt, die Entlohnung oblag dem Gasthofpächter. Beide waren angehalten, ein ordentliches Getränk herzustellen, um die Nachfrage von Fremden und Einwohnern zu befördern. Da der Gasthof mit der Schankgerechtigkeit in Alt- und Neu-Kösen zu bestimmten Zeiten überfordert war, durfte er für Neu-Kösen Afterschankrechte verpachten, allerdings unter der Maßgabe, dass das Bier nur aus seinem Brauhaus bezogen wird. Die Kontrolle war aber schwierig und die Afterpächter nutzten jede Gelegenheit um preisgünstigeres oder besseres „eingeschlepptes“ Bier auszuschenken.

  1. Juni Schreiben des Kammerkollegiums an das Schulamt (WER D 34 2/2504).

Dieses wurde angewiesen, den Bauplatz für das Schulhaus ohne Steuern und Pachtgelder der Gemeinde zu überlassen.

             Trauung von Johann Gottfried Lippold mit Marie Elisabeth Schäfer (WER D 34/2/2886)

            Neubelehnung von Kreipitzsch und der Rudelsburg (Aquilitas)

Das stift-naumburgische Mannlehen kam an den Kammerdirektor des Hochstifts Merseburg August Ferdinand Graf von Zech.

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Christian Gotthelf Hübsch, wurde in seiner Eigenschaft als „Steuergroßkurator“ in der Erbschaftsangelegenheit der Anna Magdalena Hahnisch bemüht und der Erbpachtmüller Johann Gottlieb Friedrich wegen „Einsackens“ verklagt.

1779                

  1. Jan. Einführung der neuen kursächsischen Salzordnung (Judersleben).

Neben den Änderungen bei den Steuern und den Fuhrlöhnen wurde auch der Salzdebit innerhalb der kursächsischen Ämter neu geordnet. Nun kam Salz aus Artern und aus dem „Ausland“, wie der brandenburgischen Saline Halle über die Kösener Saline zu den von ihr zu beliefernden Niederlagen. Das zeigt, dass es Kursachsen noch nicht gelungen war, sich von der Einfuhr „ausländischen“ Salzes völlig zu lösen.

  1. Jan. Der Salinenbauverwalter ertrinkt in der kleinen Saale (Judersleben).

    19.  Mär. Vertrag zur Errichtung des Einfeldgestänges (WER Rep. A 23I,Nr.11, Bd.1).

Die Mittel waren freigegeben und mit dem Schulamt die Anpachtung des Geländes auf dem Rechenberg vereinbart. Der Neubau erfolgte nach den Plänen des Salinenbaumeister J. Chr. Schröter. Dieser hatte auf kurfürstlichen Befehl die Gradierhäuser in Elmen und Allendorf besichtigte, und sich über deren Vor- und Nachteile informiert hatte. Das obere Gradierhaus wurde für eine kubische Gradierung eingerichtet, d. h. die Dornwellen wurden zweifach gelegt und über jeder Lage eine Solerinne eingerichtet. Die Anlage erhielt ein Dach. Wegen der exponierten Lage und der damit verbundenen Gefahren bei Sturm hatte er eine statisch ausgereifte Holzkonstruktion gewählt, die die kostspieligen Sturmstreben überflüssig machte. Die Fläche der Gradierwand wurde so ausgelegt, dass zunächst die Sole des oberen Schachtes  im ersten Fall gradiert werden konnte. Dafür wurde dieser Schacht durch einen Turmaufbau soweit erhöht, dass aus dem letzten Behälter die Sole durch eine kommunizierend Röhre zum Zwischenbehälter  am Gradierhaus lief, von wo aus sie auf das Oberdeck gepumpt wurde. Die einmal gefallene Sole kam dann über Röhrenfahrten zum unteren Gradierhaus werk, stieg hier dank des Höhenunterschiedes auf das Oberdeck des dort eingerichteten 2. Falls. Entsprechend der Vorgabe der Reorganisationskommission sollten hier die Repetierpumpen an die „Wassermaschinen“ angeschlossen werden. Dazu sollte das im Schacht ankommende Gestänge durch eine geeignete Konstruktion verlängert werden. Das war problematisch, da das Gestänge in nur geringer Höhe die Trift zum Kukulauer Vorwerk querte und außerdem das Feld zur Pachtschäferei gehörte. Für die Genehmigung und als Äquivalent möglicher Pachteinbußen bekam das Schulamt drei Stück Krücksalz. Für die zusätzliche Kraft zum Antrieb der neu hinzugekommenen Pumpensätze (3 im Schacht über Tage, 3 Gradierpumpen) musste das Aufschlagwasser für die Radkunst verbessert werden. Dazu wurde der Fachbaum, der anzeigte, wann der Müller seinen Betrieb einzustellen hatte, um 7 Zoll (10,5 cm) tiefer gelegt. Das verschärfte die Kontroverse mit dem Mühlenpächter und dem Schulamt wegen der Wasserentnahme am Wehr (s. a WER D 34 Anh. 2 Nr. 941).

  1. Mai Glockengeläut anlässlich des Friedens von Teschen (Judersleben).

Damit endete der bayerische Erbfolgekrieg, auch als „Kartoffelkrieg“ bezeichnet, den Brandenburg-Preußen und Sachsen gemeinsam gegen die Habsburger führten. Der Name „Kartoffelkrieg“ verweist auf die unzureichende Lebensmittelversorgung die dazu führte, dass die Eroberung von Feldfrüchten zum wesentlichen Kriegsziel wurde. Da halfen auch die Lebensmittelfuhren von Dresden in das Kriegslager an der böhmischen Grenze nicht viel, für die jeweils 30 Einwohner einen Knecht und ein Pferd stellen mussten. Dies kostete z. B. dem Dorf Flemmingen 1.500 Taler.

  1. Mai Ernte der ersten Erdbeeren (Judersleben).

Dem milden Winter, der einen fast durchgängigen Siedebetrieb zuließ, folgte ein sommerlicher Frühling und bereits im Mai blühte der Holunder.

  1. Juni Gutachten zu den Rechtsverhältnissen der Saalefischerei (WER Pforta II Nr. 943).

Der Gerichtsherr der gräflich Zech`schen Gerichte der Rudelsburg, Johann August Lepsius, begründete die Rechtslage, wie sie der Rittergutsbesitzer sah. Demnach reichten die Fangrechte des Rittergutes bis zur Krone des Dammes und die des Schulamtes würden erst im Unterwasser beginnen. Demnach wäre der Einspruch gegen die Verpachtung des Lachsfangs auf der Wehrkrone unzulässig.

  1. Juni Verabschiedung des Schulinspektors (Judersleben).

Magister Hauck hatte die Stellung des Superintendenten zu Eckartsberga angenommen. Im Siedekot verabschiedete er sich von seinen Kösener „Beicht-Kindern“, die Post die ihn nach Eckartsberga brachte begleiteten 14 seiner Schüler.

  1. Juli Antrag des Gasthofpächters (WER Rep. A 23 I, Nr. 11 Bd. 1).

Scheuffler beantragte die Reduzierung der Jahrespacht um 100 Taler. Als Grund führte er kriegerische Umstände (Bayrischer Erbfolgekrieg) und die Neuordnung des Salzdebits in Kursachen an. Dabei wurden die Fuhrlöhne für die Salztransporte gekürzt, was sich beim Umsatz des Gasthofes nachteilig auswirkte.

      2. Aug. Bericht des Floßschreibers Stöter (WER D 34 2/3805).

Dieser teilte mit, dass er das seit 1717 offene Administrationsgeld endgültig ausgebucht habe. Als Gründe führte er an, dass es nach so langer Zeit ohnehin in Verfall geraten sei und außerdem das kurfürstliche Appellationsgericht festgestellt habe, dass die Einsprüche gegen das Urteil des Schöppengerichtes berechtigt sind.  

  1. Aug. Unterbrechung des Siedebetriebes (Judersleben).

Wegen dem Ausfall der  Gradierung durch Dauerregen mussten alle 6 Siedepfannen für  5 Tage kalt gelegt werden. Für die Arbeiter, die im Gedinge bezahlt wurden, bedeutete das einen herben finanziellen Verlust.

            Wechsel des Schulbeamten (WER D 48 IIi Nr. 36).

Nach Dr. Caspar Christian Gutbier, der das Amt seit 1742 bekleidete, folgte sein Sohn Sigismund Polycarp Gutbier.

            Beschwerde des Erbpachtmüllers Johann Gottlob Friedrich (WER D 34/1/904).

Der verklagte den Holzhändler Fr. Seydler wegen unberechtigten Anbindens seiner Flöße an der Mühlenwiese.

1780    

             „Churfürstlich- Sächsischer Hof- und Staatkalender“ (MÜN digit).

Zur Lokaldirektion der Kösener Saline gehörten der Verwalter der Salzniederlage Johann Levin Ulrich, der Controlleur Johann Carl Herisch, der Conducteur Johann Christian Schröter und der Salzschreiber Johann Balthasar Dorschel. Das Direktorat der AKD Salinen bestand aus dem Bergrat Fr. W. Heun zu Mölkau und dem Kammerherrn Leopold v. Beust zu Naumburg. Heun und Beust beließen es bei turnusmäßigen Besuchen der Salinen, während für die ständige Aufsicht vor Ort ein „Factor“ angestellt wurde.

Zu den Hofbediensteten gehörten neben Leopold v. Beust, die Kammerherren Fr. A. C. Freiherr v. Beust, Gustav Leopold v. Beust und Carl v. Beust, der Kammerjunker Carl Casimir von Beust sowie der Titular Geheimrat Carl Friedrich v. Beust. Zu den Floßbeamten gehörte Johann August Puttrich, Jagd und Floßaktuarius .

  1. Jan. Vortrag der General-Haupt-Kasse (DD Loc 1337)

Auch die Repetierpumpen der unteren Gradierhäuser sollten an die „Wassermaschine“, die die Pumpen im unteren Schacht antrieben, angeschlossen werden. Do zwischen Schacht und Gradierhaus stand der alte Schafstall. Da dieser nicht entfernt werden konnte, sollte das Gestänge durch den Stall geführt werden. Dafür sowie für die Reparaturen des Wehrdammes und des Eiswehres sollte die Salinenverwaltung mit der Landesschule einen Vertrag aushandeln.

  1. Jan. Vertragsgenehmigung (MER C 48 IIIb, Nr. 5519)*.

Die Vereinbarung betraf die Weiterverpachtung eines Teils der Mühlenwiese an das Floßamt. Als Pacht wurde ein Reichstaler vereinbart.

  1. Feb. Schreiben der Salinenverwaltung (WER Rep. A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Diese forderte den Gasthofpächter auf, der im Pachtvertrag vereinbarten Lieferung von Mist zur Abdeckung der Röhrenfahrten nachzukommen. Da man vorhatte, bis zu einer Temperaturen von -2° C zu gradieren, brauchte man mehr Mist. Dafür wurde die Pacht gemindert und im Frühjahr durfte der Pächter den Mist wieder abholen und auf seinen Acker bringen.

  1. Apr. Gutachten des Direktorats zum Eiswehr an der kleinen Saale (DD Loc 1337 Vol. 3)

Heun und v. Beust erklärten, dass eine Reparatur dringend erforderlich sei, um den Schutz und das Aufschlagwasser für die Wasserkünste zu verbessern. Da hierbei der Nutzen für die Pachtmüller nachrangig sei, müsse die Salinenkasse den Hauptteil der Kosten tragen.

  1. Mai Beschwerde des Amtsverwalters (WER Pforta II Nr. 2292).

Ortsrichter Hilpert hatte sich geweigert, dem Befehl der Schulbeamten nachzukommen, Einwohner zur Bewachung eines Verbrechers nach Pforte zu schicken. Hilpert berief sich dabei auf die den Einwohnern gewährten Sonderrechte, wie die Befreiung von Einquartierungen und der Gerichtsfolge.

  1. Juli Reskript zur Kostenübernahme am Wehrdamm (WER Pforta II, Nr.941).

Das Kammerkollegium ordnete an, dass das Schulamt alleine für alle Reparaturen des Wehrdammes aufzukommen habe und die Saline berechtigt sei, die Erhaltung des ordnungsgemäßen Zustanden auch in Zukunft einzufordern, zumal die Saline keinen Schaden am Damm verursachen würde.

  1. Aug. Hochzeit der Tochter von Judersleben (Judersleben).

Eleonora Christiana Sophia wurde mit Johann Jacob Leberecht Schröter „copuliret“, ein Sohn des „Conducteurs“ J. Chr. Schröter. Eingeladen waren 34 Gäste. Die Feier dauerte zwei Tage.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Mühlknappe Johann Gottlieb Schönherr wurde wegen Ehebruchs angeklagt.

1781    

  1. Juni Verhandlung zum Borlachschen Erbe (WER D 34 Anh. 1/3910)

Nach zwei Jahren in denen zahlreiche Klage- und Gegenklagebegründungen eingereicht wurden, begann die Verhandlung vor dem Dom-Sozietäts-Gericht zu Naumburg. Das Gericht wies die Klage Schröters ab und verwies auf die rechtskräftige Vereinbarung zwischen ihm und Therkorn bezüglich der Überlassung eines Teils des Erbes, die Therkorn in allen Punkten erfüllt hatte. Schröter gab sich damit nicht zufrieden und wandte sich an die nächsthöhere Gerichtsinstanz Kursachsens, den Leipziger „Schöppenstuhl“.

             Inbetriebnahme des Gradierhauses auf dem Rechenberg (Judersleben).

Der erste Teil umfasste 22 Bund also rund 100 Meter. Die Sole aus dem oberen Schacht, die bisher über eine Röhrenfahrt auf das untere Gradierhaus kam, wurde nun im Schachtgebäude mit drei weiteren Pumpensätzen über Tage gehoben. gehoben und lief über eine kommunizierende Röhrenfahrt zum Gradierhaus. Aus dem Zwischenbehälter wurde die Rohsole zum auf das Oberdeck gehoben. Diese Pumpen wurden nun auch von der oberen Wasserkunst durch ein weiterführendes Gabelschwingengestänge angetrieben. Da das neue Gradierhaus seitlich versetzt zur Schieberichtung stand, wurde das Gestänge mittels einer Wendedocke in diese Richtung gelenkt. Hier ging zwar einige Kraft verloren, trotzdem reichte die Gesamtbilanz zum Antrieb der Repetierpumpen. Nach dem Durchlaufen des ersten Falls kam die Sole sie über eine Röhrenfahrt auf den 2. Fall des unteren Gradierhauses. da die Sole des oberen Schachtes eine höhere Konzentration aufwies und die Effektivität des oberen Gradierhauses wesentlich besser war, ging man dann dazu über, ausschließlich die Sole des oberen Schachtes zu fördern und zu gradieren. Nur noch bei günstigen Witterungsbedingungen wurde Sole aus dem unteren Schacht gradiert. Allerdings musste der untere Schacht auch weiterhin betrieben werden. Die Sole jedoch in die kleine Saale abgelassen. 

             Abschluss der Sanierung des Wehrdammes. (WER Pforta II 939 ff).

Die Gesamtkosten betrugen 3.211 Taler. Die Rentkammer bewilligte dafür einen Zuschuss von 1.500 Talern und stellte 280 Eichen aus den Amtswäldern zur Verfügung.   Die Salinenverwaltung erneuerte die Gerinne der beiden Wasserräder und errichtete auf der dazwischen liegende Dammkrone eine Mauer. Damit verbesserte sich das Aufschlagwasser für die Radkünste, doch den Mühlen wurde das Aufschlagwasser entzogen. Die Sandbänke zwischen den Gerinnen der Radkünste wurden aufgefüllt und bildete die kleine Radinsel.

     Okt. Beginn der Weinlese (Judersleben).

Trotz eines Frosteinbruchs zu Himmelfahrt war man mit dem Ertrag zufrieden, den höchsten seit 1727. Judersleben erntete 10 Eimer und erhielt für den Eimer 3 Gulden, 12 Groschen.

  1. Okt. Das Salzwerk erhält eine Wache von Grenadieren (Judersleben).

Leider sind die Gründe dafür nicht bekannt. Allerdings blieb die Bewachung bis 1796 bestehen.

1782

  1. Feb. Schiedsspruch im Borlachschen Erbstreit (WER D 34 Anh. 1/3910).

Das Kurfürstl. Sächs. Schöppen-Gericht zu Leipzig schloß sich nach Prüfung vorgebrachten Begründungen dem Urteil das Naumburger Gerichtes an. Therkorn war gegenüber Schröter zu nichts weiter verpflichtet, als zu dem, was er in dem Vertrag mit Schröter vereinbart hatte. Schröters Annahme, dass ihm Therkorn über die tatsächliche vom Bergrat hinterlassene Barschaft getäuscht habe, konnte er nicht beweisen. Den streitenden Parteien wurde aufgegeben, zur formalen Beendigung der Erbschaftauseinandersetzung vor dem Schulamt einen Abschwörungseid abzulegen. Abschließend wurden Kläger und Verklagter sowie deren Rechtsbeistände unter Androhung von Strafen aufgefordert, sich in Zukunft jeglicher „Weitläufigkeiten“ in dieser Angelegenheit zu enthalten.

  1. Apr. Abbruch des ersten Siedekots (Judersleben).

Der noch von Borlach errichtete Kot war nicht mehr zu verwenden. Die neuen Siedekote wurden dann nach den Vorgaben der Reorganisationskommission errichtet. Dabei wurden die Herde schon auf Formkohlenheizung eingerichtet. Parallel dazu begann die Generalsanierung des unteren Gradierhauses. Dabei wurden die Repetierfälle neu aufgeteilt und neben diesem Gradierhaus ein Siedesolereservoir mit Dachgradierung angelegt. Durchgesetzt wurde auch die Einrichtung eines Gestänges vom unteren Schacht zur Gradierhaus zum Antrieb der Repetierpumpen.  der Schäfer musste es hinnehmen, dass das Gestänge seinen Stall in Traufhöhe durchquerte. 

  1. Apr. Carl Judersleben wird in der Naumburger Domschule aufgenommen (Judersleben).

Carl August wurde am 24. Nov. 1769 geboren und am 27. Dezember getauft. Seine Taufzeugen waren Bürger aus Naumburg, J. G. Wolff, Schuhmacher, J. Chr. Sachse „Bosemendirer“ und die Ehefrau des Weißbäckers Hauschildt. Mit fünf Jahren wurde er eingeschult und kam nun auf die Domschule. Dies kostete seinem Vater 20 Gulden für Quartier und Mittagessen.  

  1. Aug. Anordnung des Kammerkollegiums zum Lachsfang (WER Pforta II Nr. 943).

Trotz rechtlicher Bedenken befahl die Dresdener Kammer dem Rittersgutbesitzer von Kreipitzsch, die Lachsfanganlage auf dem Wehr zu entfernen.

  1. Aug. Testament von Carl August Therkorn (WER D 34 Pforte 1/3910)

Dieser war schwer erkrankt, ahnte wohl sein bevorstehendes Ableben und bestimmte im Krankenbett seinen letzten Willen. Alleinerbe seines beweglichen und unbeweglichen Vermögens war sein einziger Sohn Christian August. Da der erst drei Jahre alt und damit unmündig war, sollte seine Ehefrau Johanna Christiane Emilie geb. Becker die Vormundschaft übernehmen. Sie hatte bis zur Volljährigkeit des gemeinsamen Sohnes die alleinige Verfügung über das Erbe. Für den Fall, dass sie wieder heiraten würde, sollte sie den 4. Teil des Erbes behalten und für den Sohn einen amtlicher Vormund bestellen. Auf eine Beeidung des Erbes seitens der Ehefrau verzichtete Therkorn, da er „von deren guten christlichen und gewissenhaften Gesinnung sehr wohl überzeugt“ war.

  1. Nov. Judersleben verkauft seinen Weinmost (Judersleben).

Der „Herr Conducteur“ Schröter erwarb 9 Eimer weißen und 7 Eimer roten Most für jeweils 1 Gulden 18 Groschen, die er in vier Raten bezahlte.

             Der Floßschreiber G. D. Moritz wird Küchenschreiber in Pforte (WER D 34/1/557)

1783    

  1. Jan. Befehl an das Schulamt (WER Rep. D Pforta II, 1252).

Der Schulverwalter sollte ein Gutachten zur Verbesserung der Forstwirtschaft im Amtsbereich erstellen.

  1. Feb. Befehl zur Langholzflößerei (WER Rep. D. Pforta II 1253).

Dem Kurfürstl. Sächs. Kanzler des Stiftes Naumburg und Schul-Inspektor H. F. von Zedtwitz wurde beauftragt, alle Verträge, die zwischen dem Schulamt und der privaten „Flößer Compagnie“ abgeschlossen wurden, zu sichten und über die bestehenden Verhältnisse ein Gutachten zu erstellen.

     Mär. Kostenanschlag für einen Wildwasserschacht (WER Rep. A 23 I, Nr. 11, Bd. 1).

Dieser Schacht sollte den Grundwasserspiegel absenken und so die Gefahr von eindringenden Wasser in den Solschacht vermindern. Der Schacht war 30 Metern vom Solschacht entfernt und lag direkt unter dem Doppelfeldgestänge. Die Wildwasserpumpen wurden dort mit angekoppelt. Der Schacht war 30 Meter tief und zimmerermäßig ausgebaut. 5 Pumpen hoben das Wasser zu Tage, dass dann in eine Rösche zum Gasthof lief, der über keinen eigenen Brunnen verfügte. Das Wasser für das Brauhaus  kam aus einem Brunnen direkt am Wehrdamm und war eingehaust. Die Pumpen wurden ebenfalls an das  Kunstgestänge gekoppelt. Der Wildwasserschacht kostete 2.397 Taler, 12 Silbergroschen und 9 3/8 Pfennig (Senff jr. 1816).

Der Verlauf der Rösche zum Gasthof führte über das zur Pachtschäferei gehörende Feld. Das hatte die Salinenverwaltung (Heun, Schröter) mit dem Schulverwalter Herbst nur mündlich vereinbart. 

          3. Mai Fertigstellung des neuen Siedekots (Judersleben).

Die im Siedekot eingerichtete Dienststube bezog Judersleben. 1785 konnte er seine bisherige Wohnung an Gottlob Kettnitz für 8 Gulden vermieten.

  1. Mai Anzeige des Schulamtes wegen des Lachsfanges (WER Pforta II Nr . 943).

Das Amt teilte dem Kammerkollegium mit, dass trotz des Befehls der Lachsfang noch bestand. Wogegen der Rittergutsbesitzer Graf Zech behauptete jedoch, diesen Befehl nicht erhalten zu haben.

  1. Aug. Schreiben des Schulamtes an die Witwe Therkorn (WER D 34 Pforta Anh. 1/3910).

Dem Schulamt war die Entscheidung des Schöppengerichts bezüglich der Eidesleistung im Streit um das Borlachsche Erbe zugegangen. Da Therkorn inzwischen verstorben war, sollte sein Sohn und Erbe den Abschwörungseid leisten. Da er noch minderjährig war, sollte seine Mutter als Vormund den Eid innerhalb von 8 Tagen im Schulamt zu leisten.

  1. Okt. Schreiben der Witwe Therkorn (dto.)

Die Leistung des „Beschwörungeides“ lehnte die Witwe rundweg ab. Zum einen verwies sie darauf, dass dies eine Angelegenheit ihres verstorbenen Ehemannes war, mit der sie sich nie beschäftigt habe, zum anderen wäre sie zwar testamentarisch zum Vormund des gemeinsamen Kindes bestimmt worden, doch die amtliche Bestätigung der Vormundschaft würde noch nicht vorliegen und sie selbst wäre noch unentschlossen, ob sie überhaupt in die Vormundschaft einwilligen würde. Letztendlich sollte man warten, bis der Erbe volljährig sei, dann könne er selber den Eid leisten. Diese Begründung, die ihr Rechtsbeistand, der Notar Johann Christian Gotthelf Hübsch aufgesetzt hatte, wurde akzeptiert und das Verfahren ausgesetzt.

Bezüglich des Borlachschen Erbes führte sie an, dass Schröter die mit Therkorn vereinbarten Sachen erhalten habe und somit keinerlei Anspruch auf das übrige Erbe besteht. Hier zählte sie das Erbe auf: „Silberwerk-Pretiosen, ausstehende Schulden, Bibliothek, Porzellan, Mineralien-Kabinett, Risse- Zeichnungen, Kupfer-Stiche und Schilderungen, Maschinen, Modelle, Uhrmacher-, Drechsler-, Schlosser und Schmiede-Werkzeug, Equipagen, Pferde, Vieh, Schiff und Geschirr, vorrätige Wein- und Weingefäße, Kelter-Zeug, vorrätiges Getreide, Holz, Materialien und Kleidungsstücke“ .

  1. Nov. Verlängerung der Pacht des Gasthofs (WER Rep A23I,Nr.11,Bd.1).

Scheuffler konnte sich erneut gegen den Mitbieter den Holzhändler Seidler durchsetzen. Die Pacht betrug nun 560 Taler. Allerdings intervenierten der Bergrat v. Beust und auch der Pfortenser Verwalter Gutbier beim Kurfürsten, da sich die Klagen über Vertragsverstöße und die zunehmende Verschlechterung der Bewirtschaftung des Gasthofes häuften. ( s.a. DD Loc 1337 Vol 4 S. 131 -139).

  1. Nov. Carl Judersleben erhält eine „Famulator-Stelle“ in Pforte (Judersleben).

Da Kost und Quartier in Naumburg die finanziellen Möglichkeiten überstiegen, bemühte sich Judersleben um eine Freistelle in Pforte. Dank der  Befürwortung vom Schulinspektor wurde Carl auf „Allergnädigsten Befehl“ als „unterster Famulator“, d. h. als Kostgänger bei einem Lehrer aufgenommen. Sein Vater zahlte 9 Gulden „Reventionskosten“, die er sich von seinem Bruder borgte und in zwei Raten abzahlte.

1789 beendete Carl die Schule und begann 1790 in Leipzig ein Theologiestudium, das bis 1796 währte. Hier war er bei verschiedenen Leipziger Kaufmannsfamilien in Kost und Logis. Zur Bestreitung der Studien musste sich sein Vater mehrfach Geld von der Invaliden-Kasse der Knappschaft borgen.

  1. Dez. Vereinbarung zwischen Pforte und der „Flößer-Compagnie“ ( WER Rep 34 II, 1249).

Nach Sichtung der bestehende Verträge wurde das Anbindegeld für die Flöße, die zu den Holzmessen an den zur Schule gehörenden Ufern anlegten auf 100 Gulden festgesetzt. Dagegen protestierten die herzogl.-sächsischen und kursächsisch-weißenfelsischen Flößergemeinden. Nach Rücksprache mit dem Kammerkollegium schlug das Schulamt ein Anbindegeld von 40 Gulden vor (s.a. WER D 34/1/3597).

1784      

             „Churfürstlich – Sächsischer - Hof- und Staatscalender (MÜN digit).

Oberaufseher der Saale- und Elsterflöße war der Kammerherr Christian Heinrich August v. Uffel, Stöter war Floßmeister, Tostlöwe Floßschreiber und Zolleinnehmer und Chr. Ludwig Hofmann der Adjunktus. Das Salinendirektorat blieb unverändert und zur hiesigen Lokalverwaltung (Ulrich, Herisch, Schröter und Dorschel) kam der Adjunktus Ehrenfried Otto.

  1. Jan. Entrichtung der Fleischsteuer (Judersleben).

Judersleben hatte vom Fleischer Hegewald zwei Schweine schlachten lassen und musste dafür beim Ortsrichter 16 Groschen als Fleischsteuer entrichtet.

  1. Mär. Frostaufbruch nach 5 Monaten (Judersleben).

Im Winter hatte große Not geherrscht, zahlreiche Menschen waren verstorben und zahlreich das Vieh eingegangen. Dem Schnee der mancherorts 7 bis 8 Ellen hoch (ca. 2 Meter) lag, folgte ein heftiges Hochwasser der Saale und der Unstrut, das wie er schreibt, das höchste seit 200 Jahren gewesen sei. Das Salzwerk selbst verzeichnete keine sonderlichen Schäden, allerdings ruhte 12 Wochen lang die Salzproduktion.

  1. Mai Schreiben der „ausländischen“ Flößer (WER D 34/2/1253).

Die herzogl.-sächsischen Flößer lehnten auch die vorgeschlagenen 40 Gulden Anbindegeld ab und beharrten auf die Beibehaltung der 1681 vereinbarten 35 Gulden. Außerdem protestierten sie gegen das Verbot, auf kursächsischem Gebiet in der Flur von Saaleck und Lengefeld anzulegen, wenn der Übergang über den Wehrdamm wegen des geschlossenen Rechens nicht mehr möglich war. Für den Fall, dass Kursachsen oder das Schulamt auf die Erhöhung des Anbindegeldes beharren würden, drohte man mit dem Boykott der Holzmesse und kündigte an, zukünftig die oberländische Holzmesse nach Camburg zu verlegen.

Die oberländische Holzmesse war ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor und nachdem sich die Flößer zur Flößergesellschaft, auch Flößer-Sozietät, Langholz-Floß-Compagnie bzw. „Floßgemeinde an der oberen Saale“ mit Sitz in Kahla zusammengeschlossen hatten, konnte man als Interessengemeinschaft gegen die zahlreichen staatlichen und privaten Beeinträchtigungen und finanziellen Belastungen wesentlich effektiver vorgehen.

  1. Mai Gutachten des Kanzlers v. Zedtwitz (dto.).

Dieser versuchte erneut die Berechtigung des Anspruchs auf die Erhöhung des Anbindegeldes auf 100 Gulden zu begründen.

  1. Juni Verurteilung des Gasthofpächters (WER Rep. D 34 /1).

Nach einer anonymen Anzeige hatte das Schulamt die Überprüfung zweier Fremder, die im Gasthof übernachtet hatten durch die Miliz veranlasst. Die beiden waren jedoch nur harmlose Reisende. Da der Gastwirt ihre Ausweise nicht geprüfte hatte und beide das beschworen, wurde er mit einer Geldbuße von 10 Gulden belegt.

  1. Aug. Vorlage eines neuen Anbindregulativs (WER D 34/ 2/1253).

Zedtwitz schlug vor, das Anbindegeld auf 50 Gulden festzusetzen und dafür die Anbindezeit zu beschränken. So sollten die Flöße 3 Wochen vor den Holzmessen zu Ostern und Johannis anlegen und spätestens drei Wochen nach deren Ende vom nicht verkauften Holz beräumt sein. Für Holz, was länger liegen blieb, sollte an die Schulkasse eine Entschädigung gezahlt werden. Mit der Kontrolle der Einhaltung des Anbinderegulativs sollte der Fischhauspächter betraut werden.

  1. Sep. Rechtsgutachten zum Lachsfang am Wehrdamm (WER Pforta II 943).

August Ferdinand Graf v. Zech berief sich in seiner umfangreichen Schrift auf die dem Rittergut mit einer Urkunde im Jahr 1590 überlassenen Fischereirechte auf der Saale oberhalb des Dammes. Er fand es erstaunlich, dass das Schulamt erst 1775 und zwar nachdem er das Gut erworben hatte, die Fangrechte in Frage stellte. Seine Beweisführung war so nachvollziehbar, dass am 06. Okt. dem Schulamt befohlen wurde, den Lachsfang auf dem Wehr zu gestatten. In seinem Schreiben erwähnte v. Zech, dass das Wehr im Jahr 1471 errichtet worden sei. Damit dürfte wohl eher eine Generalinstandsetzung gemeint sein.

  1. Sep. Freiherr von Beust legt sein Amt als Salinendirektor nieder (Judersleben).

    24.  Dez. Bewerbungsschreiben des Freiherrn v. Hardenbergs (www.bautz.de/bblk).

Heinrich Ulrich Erasmus (1738-1814), Vetter des bedeutendsten sächsischen Bergbeamten und Gründers der Freiberger Bergakademie Friedrich Anton v. Heynitz, Großneffe des späteren Staatsministers und Mitinitiators der preußischen Verwaltungsreform, Karl-August Freiherr v. Hardenberg, hatte nach dem Schulbesuch in Pforte (1752-1755) u.a. Bergbau in Göttingen studiert. Nach mehreren Stationen übernahm er am 8. Januar 1783 das Direktorat der Saline in Artern und bewarb sich um die Nachfolge von v. Beust der als Kammerherr an den Dresdener Hof wechselte. Hardenberg hatte mit seiner 2. Ehefrau 11 Kinder von denen der älteste Sohn, Georg Philipp Friedrich unter dem Namen Novalis (1772-1801) der bedeutendste Lyriker der Frühromantik wurde.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Testamentseröffnung des Kunstwärters Christoph Wolff

1785

  1. Jan. Ernennung v. Hardenberg zum Salinendirektor (bautz.de)

Dieser wurde zum Kreishauptmann befördert, erhielt ein Jahresgehalt von 650 Taler sowie ein m Holzdeputat von 24 Klaftern. 1786 erwarb er in der zentral gelegenen ehemaligen sächsischen Residenzstadt Weißenfels ein „amtssäßiges“ Wohnhaus in der „Closter Gaße“ mit dem Recht hier auch Landwein sowie fremden Wein und Bier für den eigenen Bedarf einzulagern. Im Erdgeschoss wurde das kursächsische Salinendirektorat eingerichtet. Heute ist das Haus unter dem Namen „Novalishaus“ Gedenkstätte für den Sohn des Salinendirektors. Hardenberg selbst wurde 1789 zum Mansfelder Berghauptmann ernannt und war nun dem preußischen Berghauptmann Freiherr Carl Christian v. Veltheim gleichgestellt.

  1. Jan. Unterzeichnung des neuen Anbinde-Regulativs (WER D 34/2/1253).

Allerdings unterschrieb nur der Bevollmächtigten der kursächsischen Holzhändler.

  1. Jan. Einspruch gegen das Anbinde-Regulativ (dto).

Alle übrigen Holzhändler aus den Herrschaften Gotha, Altenburg, Coburg, Saalfeld, Schwarzburg und Rudolstadt forderten die Beibehaltung der ihnen bisher gewährten Rechte und Gerechtigkeiten.

  1. Feb. Amtseinführung von Hardenberg (Judersleben).

Die offizielle Vorstellung vor der Belegschaft des Salzwerkes nahm der Kammerherr von Schulenburg in der großen Gasthofstube vor. Vizedirektor blieb der F. W. Heun. Die Kösener Saline leitete als  "Factor" Erdmann Friedrich Senff sen.

  1. Apr. Kurfürstlicher Bescheid zum Regulativ (WER D 34/2/1253).

Nach Rücksprache mit v. Zedtwitz entschied man in Dresden auf die Beibehaltung von 40 Gulden Anbindegeld.

  1. Mai Schreiben der Dorfgemeinde an das Schulamt (WER Pforta II, Nr.2292).

Anlass war die Gerichtsfolge zur Bewachung eines Verbrechers, den man in Pforte festgesetzt hatte. Dabei berief sich das Schulamt auf den im Jahr 1737 vom Kammerkollegium erlassenen Befehl , dass die Einwohner zur Gerichtsfolge herangezogen werden können. G. Chr. Hilpert, Ortsrichter seit diesem Jahr, verwies darauf, dass der Bergrat Borlach höchstpersönlich höheren Ortes gegen eine derartige Anweisung Einspruch erhoben habe und in der Folge keine Gerichtsfolge verlangt wurde, weder als man vor wenigen Jahren eine Bande von Kirchenräubern in Pforte dingsfest gemacht hatte oder der Deliquent Burrmann geköpft wurde. Hilpert beharrte auf die Sonderstellung der Einwohner, die nicht mit den in den Amtsdörfern üblichen bäuerlichen Strukturen zu vergleichen sei. Demzufolge wären seit alters her die Bewohner von allen Fron-, Hilfs- und sonstigen Diensten, Steuern, Abgaben, Einquartierungen u. dgl. befreit und hätten nur die Erbpachtzahlungen für ihre Häuser an das Schulamt zu entrichten. Er verwies auf die kümmerliche Lebensbasis der Bevölkerung, die außer den Floß- und Salzwerksbeamten, nur aus besitzlosen Dienern, aus Salzsiedern, Salzladern, Pfannenschmieden, Gradierern, Bergleuten, Kunst- und Maschinenwärtern, Floß- und Salzwerksboten, Rechenwärtern, Bauholzlieferanten und einigen wenigen Handwerksleuten bestehe. Diese wohnten auf landwirtschaftlich unbrauchbaren Grund und Boden, ohne Möglichkeiten für den Feld- und Gemüsebau sowie die Viehzucht, da es an Landbesitz fehlte. Von Brau- und Schankgerechtigkeiten seien die Bewohner auch ausgeschlossen. Sie seien Häußler und wenn sie aus dem Haus treten, ständen sie auf fremdem Land (das Traufrecht war auf 1,5 Ellen d.s. 1 m beschränkt). Selbst für die Pflaumen, die sie von den als Schattenspender selbst angepflanzten Bäumen geerntet hatten, mussten sie bezahlen. Dieses Schreiben unterzeichneten neben dem Ortsrichter J. E. Hämmerling, J. Fr. Seyffarth, J. M. Ludewig, J. Chr. Theuring, J. G. und Chr. Scheuffler, J. G. Judersleben und J. G. Zedel, J. Chr. Eißentraut, J. G. Heisenberg, A. Weiße (alle Alt-Kösen) und S. Fr. List im Namen der übrigen Einwohner.

  1. Okt. Beschwerde des Floßamtes (WER D 34/2/1250).

Der Floßmeister sah sich durch weidendes Vieh, das der Pachtschäfer U. Bauer auf die Stapelplätze trieb, in seinen Rechten beeinträchtigt.

               Kostenzusammenstellung für den Bau eines Kelter-Schuppens (Judersleben).

1783 hatte Judersleben beim Schulamt um die Genehmigung zum Bau eines Schuppens auf seinem Grundstück nachgesucht. das Schulamt hatte zugestimmt und eine Erbpacht verlangt. das hatte Judersleben abgelehnt, sich beschwert und vom Landrichter doch noch die Genehmigung erhalten. Der Bau kostete 81 Gulden. Die Holzstämme lieferte Seidler, die Bruchsteine Härtel, Schnittholz der Meister Friedrich. Dazu kamen Dachziegel, Handwerker- und Fuhrlohn. Für die Bauabnahme quittierte der Landrichter den Erhalt von 1 Gulden, 6 Groschen und 6 Pfennigen.

               Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Zuerst hatten der Gastwirt Johann Gerlach Schäufler und der Pachtschäfer Ulrich Bauer das Floßamt wegen der Behinderung der Viehtrift geklagt. Als Reaktion verklagte das Floßamt die beiden wegen unbefugter Viehtrift auf den Stapelplätzen.

1786    

               „Churfürstlich - Sächsischer Hof und Staatscalender (MÜN digit).

Nun wurde v. Hardenberg der Nachfolger von Leopold von Beust und sein Vize Fr. W. Heun als Bedienstete des Hofes aufgeführt. Bei der Lokaldirektion und beim Floßamt gab es keine personellen Veränderungen.

  1. Mai Beschluss der Gemeinde zum Bau der Schule (WER D 34 2/2504)

Diese Erklärung wurde von 32 Einwohnern unterschrieben, die sich damit auch zur Übernahme der Kosten verpflichteten. Allerdings verweigerten die Familien der Lohnarbeiter eine Beteiligung an der Finanzierung.

  1. Nov. Einweihung des Gottesackers in Neu-Kösen (Lepsius 1826, A. C. Ende 1844)

Mit der Einwohnerzahl stieg auch die Anzahl der Beerdigungen und der Gottesacker in Pforte reichte nicht mehr aus. Daher wurde ein Stück Lehde hinter den „Sieben Häusern“ als Friedhof für die Einwohner von Alt- und Neu-Kösen, der Vorwerke Kukulau und Fränkenau sowie der Pachtschäferei und der Pachtmühle eingerichtet. Das letzte Begräbnis in Pforte fand am 18. November statt. Zwar entfiel der aufwändige Transport der Verstorbenen dafür stiegen die Kosten für den Schulgeistlichen, da der sich nun in das Dorf begeben mußte.

            Die Salinenverwaltung verpachtet die Gasthofschmiede.

Damit wurde die Schmiede aus der  Gasthofpacht genommen, wenngleich sie zunächst noch auf dem Gelände des Gasthofes blieb. Erst später wurde die sog. "Bergschmiede" neben dem oberen schachthaus eingerichtet. Neben dem Hufbeschlag für die Zug- und Reittiere, die im Gasthof eingestellt wurden, versorgte der Schmied die Einwohner und die Saline mit Schmiedeerzeugnissen, ausgenommen die Reparatur und die Anfertigung der Siedepfannen.

           „Die Brücke bei den Salzwerken zu Kösen an der Saale“

Ein Bogen, gefertigt von Schwarz, sowohl getuscht als koloriert erschien in Breitkopfs „Malerische Reise“.

1787      

  1. Jan. Erste Beisetzung eines Erwachsenen auf dem neuen Friedhof (Judersleben, Hinsche, 1930).

Das war die Ehefrau Friedrich Zimmermanns. Zuvor wurden hier drei Kinder beerdigt.

  1. Mai Schreiben des Schulamtes an den Kurfürsten (WER D 34/2/ 941).

Heinrich Ferdinand von Zedtwitz, Sigismund Polycarp Gutbier und Ernst Constantin Herbst beklagten, dass nach der Erneuerung der Gerinne der Saline die  Pachtmühlen nicht mehr genügend Aufschlagwasser hätten. Insbesondere die Altenburger Mühle war davon betroffen und der Pachtmüller verlangte die Minderung der Pacht. Das Schulamt verlangte Schadenersatz vom Verursacher, der Saline.

  1. Mai Vereinbarung zum Bau des Schulhauses (WER D 34 2/2504).

Die Gemeinde legte dem Schulamt den Riß des Schulhauses vor und bat um die Beurkundung des mit den Gewerken vereinbarten „Akkords“. Damit wurden die Baukosten und die Bauzeit festgesetzt.

  1. Juni Befehl zur Bildung einer Untersuchungskommission (WER D 34/2/ 941).

Der Befehl erging an den Stiftskanzler und Schulinspektor v. Zedtwitz, den Salinendirektor v. Hardenberg, den Rentmeister Herbst und an die Amtmänner Bach in Weißenfels und Gutbier in Pforte. Diese sollte ein Gutachten über den Zustand und den Betrieb der Almricher Pachtmühle erstellen.

            Reskript zur Langholzflößerei (WER D 34/2/125).

Angeordnet wurde, dass der Wehrdamm in der Zeit zwischen Fastnacht und der Karwoche von den Langholzflößen passierte werden muss und danach der Rechen geschlossen wird. Flöße, die den Zeitpunkt versäumten, mussten  zwischen Camburg und Unterneusulza  festmachen, weil auf kursächsischen Gebiet oberhalb des Wehrdammes das Anlegen verboten war. Das bereitete zunehmend Probleme, denn für die oberländischen Flößer war die Ostermesse der Handelsplatz, wo das Holz für einen akzeptablen Preis verkauft werden konnte. Und auch für den Markt selber war das Eintreffen der Oberländer wichtig, weil deren Holz saaleabwärts dringen gebraucht wurde. Doch eine akzeptable Lösung war in den Jahren in denen die "Commune" flößte nicht gegeben, da diese generell den Vorrang vor der Langholzflöße  hatte.

            Beschwerde des Pfarrers der Moritzkirche zu Naumburg (WER A 29a I Nr. 203).

Dieser wandte sich gegen die Einpfarrung des Fischhauses in die Schulkirche von Pforta.

1788      

             „Churfürstlich - Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit.).

Zum Salinendirektorat gehörten H. U. E. v. Hardenberg und der Vizedirektor Bergrat F. W. Heun. Zur Kösener Lokaldirektion gehörten Carl Heinrich Weichert (Salzniederlagenverwalter), Johann Christian Schröter (Baumeister), Johann Balthasar Dorschel (Salzschreiber), und Johann Ehrenfried Otto (Adjunctus). Oberaufseher der Saale-Flöße war der Kammerjunker Chr. H. A. v. Uffel. Floßmeister zu Kösen war der Geh. Finanzsekretär Johann August Puttrich, Floßschreiber und Floßzolleinnehmer Johann Christian Tostlöwe und zweiter Floßschreiber Gottlieb Heinrich Burschel. Inspektor der Land-Schule Pforta war Heinrich Ferdinand v. Zedtwitz zu Auerstädt, Stift-Naumburgischer Kanzler zu Zeitz, Schulverwalter der Rentmeister Ernst Constantin Herbst.

            Erdbeschreibung der Churfürstlich u. Herzoglich Sächsischen Lande Bd. 1 (MÜN. dig.)

Der Verfasser Friedrich Gottlob Leonardi vermerkte dabei: "Alt-Kösen, ein Vorwerk an der Saale, eine Stunde von Naumburg mit einer zu Schulpforta gehörigen Schäferey und einer seit Markgraf Heinrich vorhandenen Brücke, wo ein Brückenzoll gegeben wird.

Hier ist ein gutes Salzwerk, wo jährlich gegen 40 bis 50000 Scheffel Salz gesotten werden, wozu man ohne Kohlen beynahe 3000 Klaftern Holz braucht und die Sohlbrunnen haben 82 Lachter 20 Zoll oder 575 Fuß 8 Zoll Tiefe und die Sohl ist ursprünglich vierlöthig. Dieses Salzwerk ward schon im 17ten Jahrhundert entdeckt, aber 1730 erst durch den ums sächs. Salzwesen höchst verdienten Bergrath Borlach in einen gangbaren Zustand versetzet, daß man seit 1732 ununterbrochen hat Salz sieden können. Zur Feuerung bedient man sich gegenwärtig fast ausschließlich der Braunkohlen von Mertendorf und erspart jährlich über die Hälfte des vorigen Holzbedürfnisses. Das Salz ging hauptsächlich in den thüringischen, vogtländischen und neustädtischen Kreis Kursachsens. Auch befindet sich hier ein Floßmeister und Floßzolleinnehmer von der Saaleflöße."

  1. Mai Bericht des Ortsrichters zum Schulhaus (WER D 34 2/2504).

Inzwischen hatten sich Gemeinde und Schulamt auf einen Platz am Lengefelder Weg geeinigt der schon 1706 dem Floßmeister Wenzel als Bauplatz zugewiesen worden war. Nach Hinsche sollten die veranschlagten Baukosten von 358 Taler auf die Einwohnerschaft umgelegt werden. Auf jeden Hauswirt entfielen 4 Taler und auf jeden Hausgenossen 2 Taler. J. Fr. Seidler und J. N. Robisch wurden bevollmächtigt „zur Besorgung der Baumaterialien und diese mit Quittung vor der Gemeinde zu belegen“. Die Schlussrechnung belief sich dann aber auf 402 Taler, 18 Groschen, darunter 3 Taler, 14 Gr. für die Einweihung durch die Geistlichkeit. Damit erhöhte sich die Umlage und Richter Hilpert bat den Amtmann, sämtliche Hausbesitzer und Mieter anzuweisen, den ihm zukommenden Anteil in seiner Amtsstube schriftlich zu bestätigen und denjenigen, die sich entziehen würden, Strafe anzudrohen. Dem Schreiben waren das Verzeichnis der betroffenen 48 Hausbesitzer und 63 Hausgenossen beigefügt.

  1. Juni Anweisung an den Besitzer des Rittergutes Stendorf (St.-A. Nr. 60)

Nachdem sich die Gemeinde Saaleck wegen bestimmter Eingriffe beschwert hatte, wurde dem Kammerjunker Christian Gottlob v. Tümpling auferlegt, keine Veränderungen an dem Besitz vorzunehmen, andernfalls wurde ihm eine Strafe von 20 Talern angedroht.

     7. Juli Neuordnung der Gerichtsbarkeit der Saline

Nach der Verlegung des Salinendirektorats nach Weißenfels konnte der Direktor die gesamte „Jurisdiction in vorfallenden Civil und Criminal Sachen“ wahrnehmen, zumal neben dem Salzwerk auch der Gasthof gehörte. Auf Hardenbergs Intervention wurde dem Schulenbeamten die Gerichtsbarkeit übertragen.

      2. Sep. Der Salz-Kontrolleur Herisch verstirbt (Judersleben).

Er war 48 Jahr alt geworden und hinterließ 8 Kinder. Am gleichen Tag verunglückte der Salzschreiber Dorschel auf einer Reise bei Themar.

  1. Sep. Beschwerde des Floßmeisters über den Pachtschäfer (WER Rep. D Pforta II).
  2. Okt. Chr. Fr. G. Seffner wird in der Saline als Kontrolleur angestellt (H. Seffner 1884).

Seffner (*1732) der Vater des späteren Oberbürgermeisters von Merseburg war erst Salzschreiber in Dürrenberg und anstelle des verunglückten Dorschel hierher versetzt.

  1. Nov. Novellierung des kursächsischen „Land-Accise Mandats.“

Für die auf den Bauholzflößern mitgeführten Holzwaren wurde nun eine Steuer von 10 Pfennigen erhoben.

  1. Nov. Stellungnahme des Schulverwalters zur Pachtbeweidung (WER D 34).

Mit dem Verweis, dass vereinbart war, dass die Stapel bei Nichtbelegung vom Pachtschäfer und dem Pachtmüller beweidet werden können , lehnte das Schulamt die Beschwerde des Floßamtes ab.

  1. Okt. Spezifikation der eingenommenen Gelder für den Schulneubau (WER D 34 2/2504)

Ortsrichter Hilpert listete die in den Monaten Mai, Juni, Juli und August gezahlten Raten auf.

  1. Okt. Schreiben des Direktoriums wegen der Gasthofspacht (WER, Rep.A23I, Nr.11 Bd.1)

Im kommenden Jahr lief der Zeitpachtvertrag aus und Scheuffler hatte sich um die Verlängerung seiner bereits 23 Jahre währenden Pacht beworben. Allerdings beantragte er eine Pachtzeit von drei Jahren und wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage infolge der Neuregelung des Salzhandels und der Verpachtung der Schmiede gab er ein Pachtangebot von 500 Talern ab, 60 Taler weniger als bisher. Hardenberg und Heun erklärten auf Anfrage, dass sie Bedenken bei einer erneuten Verpachtung an Scheuffler hegten. Der wäre inzwischen hochbetagt und verwitwet, was zu einer Verschlechterung des Gasthofes geführt hatte. Hardenberg plädierte für eine Neuausschreibung und regte außerdem eine Erweiterung des Gasthofes an.

  1. Dez. Rezension in der „Allgemeinen Literatur- Zeitung“ Nr. 290 (ebenda).

Das betraf die „Malerischen Reisen durch Sachsen“, die ein schwedischer Professor unternommen hatte und die 1786 bei Breitkopf Dresden/Leipzig erschienen. Heft 1 und 2 betrafen die Saale. Unter den Ansichten sind zwei von Schulpforte sowie die Brücke beim Salzwerk zu Kösen und das Bergschloß „Rudolphsburg bey Koesen“.

            Neufassung des „Commun-Floß-Contractes ». 

Gemeinsam mit den Herzogtümern Gotha-Altenburg und Weimar-Eisenach regelte Kursachsen den Holzeinkauf im Thüringer Oberland und aktualisierte die Rahmenbedingungen für die kommende Flöße.

             Übertragung einer Handelskonzession (WER D 34/1/2394)

Johanna Elisabeth Ulrich, die Witwe des Floßschreibers J. L. Ulrich überließ diese ihrer Tochter Eleonore Wilhelmine Hörisch.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Gottlieb Heckenberg war wegen verweigerter Dorfwache angeklagt.

1789

  1. Jan. Schreiben der Gemeinde wegen der Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89)

Erneut war es zur Verweigerungen der Dorfwache gekommen, der jeder Hauswirt, Hausgenossen und Mieter nachzukommen hatte, ausgenommen die Gerichtspersonen (Ortsrichter und Schöppe), die „Offizianten“ der Saline und der Flöße, soweit sie Diensträume bewohnten, der Gasthofpächter, der Pachtschäfer, der Pachtmüller und die Witwen von Mietern. Unverheirateten Frauen wurde jede zweite Wache erlassen. Nach der Festlegung wurden täglich 6 Einwohner, 2 zur Tag- und 4 zur Nachtwache gebraucht. Bei 48 Hauseigentümern und 58 Mietern hätte sich ein 14-tägiger Turnus ergeben. Dieser hatte sich inzwischen auf 12 Tage verkürzt, da einzelne Hauswirte, die nicht im eigenen Haus wohnten, ihre Mieter dazu verpflichteten. Die waren nun der Ansicht, dass damit der eigene Wachdienst hinfällig würde. Das rief Unmut hervor und die Gerichtspersonen wandten sich an den  Amtmann. Dieser sollte die Säumigen zur Einhaltung der „Landeshoheitlichen Wachordnung“ anhalten, damit die „vielen nachtheiligen Folgen von Diebereien sowohl bey der Churfürstl. Flöße und bey denen Salinen, nicht weniger in Privat-Häußern, auch Feuers-Gefahr, Mord und Todtschlag auch Einschleichung Diebes und Räuberbanden an einen so offenen an der Straße gelegenen Orthe“ verhindert werde.  

Im Vergleich zu den im Jahr 1765 erfaßten steuerpflichtigen Wohnungen hatten sich in Alt-Kösen keine Veränderungen ergeben. In Neu-Kösen waren vier Häuser dazugekommen. Eines davon gehörte dem Steuer-Prokurator Hübsch (heute Lindenstraße 12). Die übrigen drei Häuser standen am Lengefelder Fahrweg, wo einige Bauplätze geteilt worden waren. Auf jeden Hauswirt kam mindestens ein Hausgenosse, die  Vermietung war eine willkommene Zusatzeinnahme. Da die Bauplätze begrenzt waren, die Nachfrage nach Wohnungen aber zunahm, hatten die neuen Häuser mehrere Mietwohnungen. Gleichzeitig wurden an den bestehenden Häusern angebaut oder aufgestockt.

1790

  1. Mai J. Fr. Seidler meldet die Fertigstellung der Schule (WER D 34 2/2504).

Damit konnte der reguläre Unterricht beginnen. Doch durch die Kostenerhöhung stieß die Umlage bei den armen Familie auf erbitterten Widerstand.

             Erweiterung des Gradierwerkes auf dem Rechenberg (Judersleben/Hardenberg).

Am südlichen Giebel wurden weitere 20 Bund, d. s. rund 110 Meter errichtet, womit sich die Zahl auf 151 erhöhte, die den ersten bzw. den Reinigungsfall darstellten. Das Prinzip der kubischen Gradierung wurde aufgegeben, die Solekästen nach außen gerückt und die Sole nur noch über die Außenflächen fallen gelassen. Erlaubte die Witterung eine erhöhte Gradierung, so wurde die Sole des unteren Schachtes auf den 1. Fall des älteren Gradierwerkes gepumpt, dann mit der Sole vom oberen Gradierhaus gemischt und über die drei übrigen Fälle geleitet, bevor sie entweder direkt in die Siedpfannen kam oder im Solereservoir zwischengelagert wurde (s. a. WER D 34 Anh. 3 Nr. 64, Senff jr. 1816).

            Umstellung auf Erdkohle in Kösen und Dürrenberg (Fr. v. Hardenberg HKA Bd. 3).

Um  Formkohlen zu verwenden, mußten die Herde für die 9 Haupt- und 4 Nebenpfannen umgebaut werden. Zur Anwendung kamen die von E. F. Senff konstruierten Strahlenherde. Die heiße Luft wurde durch Röhren strahlenförmig unter die Siedepfannen geleitet, um eine möglichste effektive Wärmeverteilung zu erreichen. Neu waren auch die eiserne Tür für das Feuerloch und ein Rost, der den Verbrennungsraum vom Aschefang trennte. Um die für die Verbrennung von Kohle erforderliche Verbrennnungsluft zuzuführen wurden die Zuluftöffnungen in den Koten vergrößert und die Rauchabzüge erhöht. 

Zur sicheren Lagerung der anfallenden  und noch glühenden Asche und Schlacke mussten geeignete Plätze ein Stück weit entfernt von den Siedehäusern angelegt werden. Der Transport erfolgte mit eisernen Schiebekarren. Die Asche kam in Gruben, die mit Erde abgedeckt wurden, um den Funkenflug zu verhindern. Der erste Aschenplatz befand sich an der Kettenbrücke. Nachdem hier eine weitere Kohlestreicherei eingerichtet wurde, brachte man die Asche auf die andere Seite der kleinen Saale, wo der Aschedamm entstand. Dafür wurden zwei Stege errichtet. gebaut.

Die  Salinenverwaltung erwarb in diesem Zusammenhang die  Grube in Mertendorf und eine Reihe von Grundstücken, wo die Kohlenstreicherei entstand. Zu den Erwerbungen befand sich auch die dem Naumburger Bürgermeister Sonnekalb gehörende Kalk- und Ziegelbrennerei in Punkewitz, die die Saline mit dem erforderlichen Baumaterial belieferte.

  1. Apr. Anweisung an die General-Hauptkasse (WER Rep. A23I, Nr. 11, Bd. 1)

Das Kammerkollegium hatte die Neuverpachtung des Gasthofes öffentlich ausgeschrieben. Höchstbietender war der Strumpfwirker Christian Gotthilf Wilhelm Hennicke aus Apolda, der für sein Gebot  von 700 Talern den Zuschlag erhielt. Für den greisen Scheuffler endete damit die Gasthofpacht.

            Verfüllung der Kellerräume an der Nordseite der Schäferei.

Zur Verbesserung der "Aufnahme" wurden Stallungen für den Vorspann und zum Unterstellen von Zugtieren und Wagen von Fuhrleuten und Reisenden gebaut. Dazu wurde der direkt an den Gasthof grenzende alte Schafstall, der nach der Errichtung der neuen Schäferei nicht mehr benötigt wurde, abgerissen und die darunter liegenden Gewölbe verfüllt. Dabei soll es sich um eine Krypta gehandelt haben, berichtete der Gasthofpächter. Diese stammte noch aus der Zeit der Zisterzienser und auch im Vertrag mit der „Cösener Sozietät“ von 1714 sowie im Zusammenhang mit dem 1734 von der Gemeinde beantragten Kirchenbau wurde diese Örtlichkeit als „alte“ oder „catholische“ Kirche bezeichnet. Daraus schlossen einige Historiker im 19. Jahrhundert, dass die Klostergründung zunächst in Kösen erfolgte und daher die „ porta cusana“ Namensgeber des Klosters gewesen sei.

  1. Juni Pachtvertrag mit Chr. G. W. Hennicke (WER Rep.A23, Nr.11, Bd 1).

Die meisten Klauseln wurden aus den bisherigen Verträgen entnommen. Neu war, dass der Pächter als Äquivalent für die kostenlose Anfuhr von Mist aus seinen Stallungen für die Abdeckung der Röhrenfahrten mit seinen Gespannen alle Bau- und Holztransporte für die Saline gegen das sonst übliche Entgelt erledigen durfte. Bei der Vergabe der „Afterschankpacht“ an Einwohner des Dorfes sollte Hennicke sorgsam umgehen, damit die „Winkelschenken“ nicht überhand nähmen, weil dort die Arbeiter zur Liederlichkeit verführt würden. Zum Ausschank durften dort nur die Getränke kommen, die aus dem Brauhaus des Gasthofs bezogen wurden. Das Einlagern und "Verschenken fremden Bieres“ wurden untersagt, bei Zuwiderhandlungen verloren Betreffenden  ihre "Afterpacht". Dennoch kam es immer wieder zum „Einschleppen fremden Bieres“, insbesondere des wohl besseren Naumburger Malvasiers. Dies führte zu ständigen Streitigkeiten zwischen dem Pächter und der Salinenverwaltung und endete erst mit der Einführung der preußischen Gewerbefreiheit. Den Vertrag unterzeichneten v. Hardenberg und Heun sowie S. P. Gutbier für das Schulamt. Er wurde am 5. Juli genehmigt.

  1. Juni Bestallungsurkunde des neuen Floßschreibers (MER C48 Ic, Nr. 1686)

Julius Heinrich Gnappert wurde zum Nachfolger des verstorbenen Tostlöwe ernannt und leistete auf die Dienstordnung von 1767, die seinen Aufgabenbereich regelte, den Amtseid. Sein Gehalt wurde auf 87,5 Taler jährlich, zuzüglich 12 Taler für den Hauszins und 8 Taler für Schreibmaterial und Büroaufwand festgesetzt. Dazu kamen 5 Klafter „weiches“ Deputatholz. Dazu erhielt er während der „Commun-Flöße“  täglich 2 Gulden  Aufwandsentschädigung. Als Zoll sollte er weiterhin den „20ten Stamm oder das 20te Stück nehmen und auf das thunlichste versilbern“. Das zeigt, dass die Zollerhebung in barer Münze nicht durchgesetzt werden konnte und wie früher in „natura“ erfolgte. Für die Einnahme der Landakzise erhielt er den „zehnten Pfennig“ als Tantieme.

  1. Juli   Anzeige des Gasthofpächters (WER Rep A 23 I, Nr. II, Bd. 1)

Bereits kurz nach Pachtantritt beschwerte sich Hennicke über Verstöße gegen sein Monopol. Er wandte sich zunächst an das Salzwerk als Verpächter und forderte die Durchsetzung des „jus prohibendi“. Die Direktion sah sich jedoch dazu außerstande, da diejenigen, die es betraf nunmehr der Gerichtsbarkeit des Schulamtes unterlagen. Daher ging die Beschwerde an das Schulamt, das den betreffenden Einwohnern von Neu-Kösen 5 Taler Strafe für den Wiederholungsfall androhte.

  1. Aug. Amtseid des Floßschreibers Gnappert (MER. C48Ic, Nr.1686).

Als Sicherheit hinterlegte Gnappert 1000 Taler Kaution, die mit 4% verzinst wurden.

  1. Aug. Anordnung des Kammerkollegiums (WER Rep A 23 I, Nr.11 Bd.1).

Nach der Beschwerde Hennickes sollte das Salinendirektorat den Kaufvertrag über den Salinengasthof aus dem Jahr 1739 in Dresden vorlegen. Der konnte fand sich aber nicht in den Unterlagen. Lediglich die damals vereinbarte Erbpacht und der Erbzins waren bekannt. Unter Verweis auf die unterschiedlichen Gerichtsbarkeiten, empfahl der Kabinettsrat Chr. Günther, den Gasthof wieder der Jurisdiktion der Saline zu unterstellen.

  1. Okt. Klageschrift des Gasthofpächters Hennicke beim Schulamt (dto).

Erneut forderte dieser amtliche Hilfe zur Durchsetzung des „jure prohibendi“ gegenüber den Fischhauspächter Bilcke und den Almricher Schankwirt. Doch das Schulamt ließ die Sache liegen, da man bei einer Beschneidung des Erwerbs der beiden Pächter auch eine Reduzierung der Pacht befürchtete. Daraufhin beschritt Hennicke den  Klageweg.

23.Nov. Erneute Kabinettsorder, den Erbpachtvertrag über den Gasthof beizubringen (dto).

1791        

  1. Apr. Beschwerde des Gasthofpächters bei der Salinenverwaltung (dto).

Im Hinblick auf den bevorstehenden Holzmarkt forderte er seinen Verpächter auf, nunmehr energisch das „jure prohibendi“ gegenüber dem Holzhändler Seidler, seinem Vorgänger als Pächter, Scheuffler, dem Dorffleischer und dem Bäcker wegen unberechtigten „Gästesetzens“ durchzusetzen und ihnen eine Geldstrafe aufzuerlegen. Die Saline überließ diese Beschwerde dem Schulamt, dass nun vom Beschwerdeführer einen Gerichtskostenvorschuss verlangte, bevor man sich der Sache annehmen würde.

  1. Mai Beschwerde beim Finanzkollegium in Dresden.(WER, Rep A 23I, Nr.11 Bd.1).

Hennicke beklagte sich, dass er wegen der Abgabe „fremden Bieres“ und Branntweins in den Fischhäusern und in den „Winkelschenken“ von Neu-Kösen sowie der fehlenden Hilfe des Schulamtes bei der Durchsetzung des "jure prohibendi" in finanzielle Nöte gekommen war. Statt wie geplant 60 bis 70 Gebräue pro Jahr waren es nur 40 Gebräue.  Demzufolge waren seine Einnahmen erheblich hinter der Prognose zurückgeblieben. Dazu kamen die Trank- und Fleischsteuer sowie der „Consumtions-Accise“, die beim Warenkauf auf dem Naumburger Markt fällig war. Auch die Hassenhausener Bauern schädigten sein Geschäft. Diese „fingen“ die vorbeikommenden Fuhrleute ab, beherbergten und beköstigten sie in ihren Häusern. Das Schulamt würde trotz eindringlicher Aufforderung diese Verstöße ihrer Untertanen stillschweigend dulden. Hennicke bat darum, dass man von höherer Stelle, die örtlichen Behörden anweisen müsse, die ihm zustehenden Rechte durchzusetzen. Seinen bisherigen Verlust bezifferte er auf 1.400 Taler und verlangte die Rückzahlung der Hälfte der bereits geleisteten Pacht. Für den Weigerungsfall kündigte er die Zahlungsaussetzung des laufenden Pachtzinses an.

  1. Juli   Der Dresdener Hof informiert über die Ergebnisse der Vertragsprüfung (dto).

Darin bestätigte Kurfürst Friedrich August ausdrücklich die Rechtskraft des an den Gasthof gebundenen „jus prohibeni“ sowie das Recht zur Vergabe der Afterschankpacht.

  1. Aug. Beschwerdebrief des Pächters bei der Salinendirektion (dto).

Unter Bezugnahme auf die Feststellungen des Dresdener Hof wandte sich nun die Salinendirektion an den Amtmann Gutbier und forderte ihn auf, das „jus prohibendi“ des Gasthofes gegenüber den Amtsuntertanen durchzusetzen, da man Einbußen bei der Gasthofpacht befürchtete. Doch das Schulamt ließ sich Zeit.

     Okt. Erdmann Friedrich Senff sen. wird zum Salinen-Inspektor ernannt (Judersleben).

Senff  war 1789 maßgeblich an der Reorganisation der Saline der halleschen Pfännerschaft beteiligt und hatte hier nach dem Vorbild der Dürrenberger Siedehäuser das erste gemeinschaftliche Siedekot erbaut, das 1790 in Betrieb ging und die Siedehütten im Tal ablöste. Senff, der bereits 1776 mit seiner Veröffentlichung des "Versuchs einer Verbesserung der Gradirkunst"  auf sich aufmerksam machte, veranlasste  die  Entdachung der Gradierhäuser, die Einrichtung von Solereservoiren mit Tafelgradierung und letztlich die Anlagen zur Sonnensalzfabrikation in Kösen und Artern. Dazu veröffentlichte er 1794 seine  "Beobachtungen und Versuche über den Erfolg verschiedener  Abdunstungsarten des süßen Wassers aus Salz-Soolen. (Journal der Physik Bd. 8 Heft 1). Außerdem erschienen "Ueber das Verhalten einiger Soolen in der Frostkälte" (Museum des Neuesten und Wissenswertesten Bd. 7, 1816) und "Ueber absolute Sicherung gegen Brandnoth...( Leipzig 1812)

  1. Okt. Erlass des Finanzkollegiums (WER Rep A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Offenbar waren die vom Pächter vorgebrachten Beschwerden nachvollziehbar und wegen des nicht auffindbaren Pachtvertrages die rechtlichen Verhältnisse zwischen Saline und dem Schulamt ungeklärt, so dass sich das Finanzkollegium veranlasst sah, der Salinenverwaltung zu gestatten, mit dem Pächter über eine Reduzierung der vertraglich vereinbarten Gasthofpacht zu verhandeln.

  1. Nov. Schneefall und starkes Frostwetter (Judersleben)

Der zeitige Winter schadete der noch nicht abgeschlossenen Weinlese. Judersleben erntete 17 Butten aus denen jeweils 6 Eimer roten und weißer Wein gekeltert wurden, für die er 3 bis 4 Gulden erhielt.

               Ansicht des Dorfes Kösen (Kupferstich-Kabinett Dreden, B 1844,1).          

Der Kupferstecher Friedrich Johann Christian Reinhold schuf die Bilderserie „Chursächsische Truppen und Uniformen, ganz genaue und richtige Darstellung aller Uniformen der Churfuerstlich-Saechsischen Armee 1791“. Das Blatt mit dem 6 Feld- Infanterie-Regiment Prinz Clemenz zeigt eine Ansicht von Alt-Kösen.            

               Pächterin des Vorwerks Kukulau ist Susanne Regine Knorr (WER 34/2/2224).

Die Tocher bzw. Schwiegertochters des ehemaligen Gasthofpächters J. Martin Knorr hatte nun das Vorwerk übernommen. damit gehörte sie zusammen mit der  Mühlenpächterin Sophia Rebecca Friedrich und der Floßmeisterin Hartig zu den Unternehmerinnen des 18. Jahrhunderts.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Der Pachtschäfer Johann Christian Rötscher klagt in „possessori summariuscinii“.

1792

  1. Mär. Anordnung des Schulamtes (WER Rep A23 I, Nr.11).

Als Reaktion auf die Differenzen wegen der Durchsetzung des Verbietungsrechtes verlangte das Schulamt vom Salinendirektorium, ihren Arbeitern das Einstellen und Füttern der Zugtiere der Salzfuhrleute zu verbieten, da dieses Recht in Alt- und Neu-Kösen seit jeher dem Gasthofpächter zustünde.

  1. Mai Die Pacht für den Salinengasthof wird auf 350 Taler reduziert (dto).

     Apr. Beitrag im Journal für Sachsen (Fr. Gottschalk ,Ritterburgen u. Burgschlösser 1821).

Der Titel lautete „Anfang, Fortgang und Ende der Rudolphsburg, zusammengetragen und mit sonderbarem Fleiße aus denen Archiven herausgezogen von Frater Benedicto Taubio, als letztem Ueberbleibsel derer Fratrum Sancti Georgii“. Die Geschichte die der „letzte“ Mönch des Georgenklosters im 16. Jahrhundert verfasste, entsprang seiner Phantasie. Demzufolge wurde der Bau der Burg 972 von einem Rudolph von Münchhausen begonnen und 1046 von dessen Sohn Dedo beendet, der die Burg nach seinem Vater nannte. Auf dem anderen Ufer der Saale stand die Krainburg mit dessen Besitzer sich die Münchhausens in ständiger Fehde befanden. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die Fehde durch eine eheliche Verbindung beendet, die Landgraf Ludwig III. bestätigte. Die Nachkommen aus dieser Verbindung taten sich als Raubritter hervor und 1290 soll König Rudolph dem ein Ende gemacht und die Rudels- wie auch die Krainburg zerstört haben.  

  1. Juni Anschreiben des Kammerkollegiums (WER Rep. A 23 I, Nr. 11).

Das Kammerkollegium verlangte, dass das Schulamt die Konditionen für den Verkauf des Gasthofs an den Salinenfiskus anstelle der Erbpacht darlegen sollte.

       Juni Durchzug preußischer Truppen ( Judersleben).

Preußische Truppen die am Koalitionskrieg gegen die französische Revolutionsarmee teilnahmen zogen über die Brücke an den Rhein. Der Infanterie folgten Kanonen, Munitionswagen und der Tross mit Schiffsbrücken, Feldbäckereien und Feldschmieden.  

  1. Juli Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. folgt seinen Truppen (dto).

1793    

     Febr. Erneut ziehen preußische Truppen über die Brücke (Judersleben).

  1. Mär. Verfügung des Schulamtes zur Flößerei (WER Rep. D Pforta II, 1248).

Das Schulamt legte die Anbindezeit der Bauholzflöße auf vier Wochen vor und vier Wochen nach dem Osterholzmarkt fest.

     Apr. Erdmann Friedrich Senff jun. tritt als Eleve in die Saline eine (Vita Senff).

Er war der 1772 hier geborene Sohn des Salineninspektors E. Fr. Senff sen. und der Maria Eleonore Hennig aus Wallhausen.

  1. Sept. Bekanntmachung zum Schank- und Gastungsrecht (WER Rep.A23I,Nr.1,Bd.1)

Nach der im Juni 1791 erlassenen General-Richtlinie, mit der die Durchsetzung des „jure prohibendi“ seitens der Amtsgerichtsbarkeit nachdrücklich gefordert wurde, reagierte das Schulamt nun doch und drohte denjenigen Strafgelder an, die weiterhin gegen die dem Gasthof zustehenden Rechte verstießen und verbotenerweise ausschenkten, ausspannten  und beherbergten.

  1. Dez. Kurfürst Fr. August genehmigt das vorzeitige Ende Gasthofpacht mit Hennicke (dto).

Hennicke selbst hatte unter Vorbringen triftiger Gründe um die vorzeitige Auflösung der Pacht gebeten und stieß dabei auf Verständnis beim Finanzkollegium.

             Inbetriebnahme des Siedesolereservoirs mit Dachgradierung (Lepsius, Ortskunde 1826).

Nach den guten Erfahrungen in Dürrenberg wurde der Bau unter der Leitung von Senff sen. und dem Condukteur Schröter begonnen. Der Behälter kam unmittelbar hinter dem 1. Siedekot vor dem unteren Gradierwerk, so dass die Sole vom 4. Fall direkt eingeleitet werden konnte. Dabei lief die Sole breitflächig über die Abdeckung des Vorratsbehälters, wobei noch ein zusätzlicher Verdunstungseffekt bestand. Das aus Holz gefertigte und in mehrere Abschnitte aufgeteilte Reservoir war 103 Meter lang und 13 Meter breit. Das Fassungsvermögen betrug 3.600 m³. Der Salzgehalt der Siedesole lag bei 18,5 %, d.h. es waren 442 Lasten Salz, etwa 1.768.000 Pfund darin gelöst. Eine separate Pumpe, die vom Gestänge der unteren Radkunst betrieben wurde, hob die Sole aus dem Vorratsbehälter bis dahin, von wo aus sie zu den einzelnen Siedepfannen laufen konnte. Das Reservoir ermöglichte einen kontinuierlicheren Siedebetrieb, da bisher nur die gerade gradierte Sole versotten wurde und bei schlechten Gradierwetter die Pfannen teilweise kalt gelegt werden mussten.

Nach der Umrüstung der Herde auf Formkohle konnte so die Wirtschaftlichkeit weiter verbessert werden. Auch die Salztrocknung wurde verändert. Bisher kamen die 140 Pfund wiegenden Körbe mit dem noch nassen Salz auf die Trockenböden über den Pfannen. Die neue von Senff konzipierte Hordentrocknung war ebenerdig. Die Kammern lagen hinter den Siedepfannen, das Salz wurde auf Gestellen, den Horden, verteilt. Zur Trocknung nutzte man die Abwärme der Siedepfannen, indem die Rauchgase in gemauerten Kanälen durch die Kammer geführt wurden.

             Hanna Sophia Hänel beantragt die Konzession zur Krämerei (WER D 34/1/1699)

1794

  1. Apr. Pachtvertrag über den Salinengasthof (WER, Rep. A 23I, Nr.1 Bd.1).

Nach der vorzeitigen Vertragsaufkündigung kam der Gasthof an den Holzhändler J. Fr. Seidler und seinen Sohn J. G. Seidler. Bereits 1778 hatte sich Seidler sen. um die Pacht beworben, konnte sich aber gegen Scheuffler bzw. Hennicke nicht durchsetzen. Vater und Sohn bestätigten im Pachtvertrag die gegenseitige Haftungsübernahme, dafür wurde ihnen die Weiterführung im Fall des Todes eines der Partner gewährt. Alle übrigen Paragrafen blieben unverändert. Wegen der vorzeitigen Pachtauflösung wurden diesmal acht Jahre vereinbart. Die Pacht auf 600 Taler festgelegt. Neben v. Hardenberg und Heun unterzeichnete der Freyburger Amtmann C. W. Slevogt. Da der Holzhändler Seidler mit den bisherigen Pächtern im ständigen Streit wegen ungenehmigten Ausschanks gelegen hatte, musste er nun selbst das zum Gasthof gehörende "jure prohibendi"  gegenüber anderen Einwohnern durchsetzen.    

  1. Aug. Regulativ zur Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89)

Angeordnet wurde, dass derjenige der sich der Dorfwache entzieht oder begründet nicht nachkommen kann, jährlich 2 Taler an die Gemeinde zahlen muß. Außerdem wurden die Ausnahmeregelungen konkretisiert und die Hauswirte angewiesen, dass sie ihre Mieter zur Ableistung der Wache anzuhalten haben. Befreit waren die „Honoratioren“ der Flöße und der Saline, wenn sie als Mieter im Dorfe wohnten. Um allen Ausflüchten vorzubeugen, sollten alle Einwohner das Regulativ unterzeichnen.

  1. Sep. Schreiben des Kammerkollegiums (dto.)

Inzwischen hatte die Salinendirektion vorgeschlagen, den Pachtvertrag von 1739 aufzuheben und den Gasthof dem Schulamt zurückzugeben, womit die Gerichtszugehörigkeit eindeutig wäre. Das wiederum lehnten die Schulbeamten ab und verwiesen darauf, dass eine Rückgabe erst bei Einstellung des Salinenbetriebes möglich sei. Trotz dieser nachvollziehbaren Begründung der Saline schloss sich der Kurfürst der Auffassung der Schulbeamten an.

  1. Sep. Verlesung der Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89).

Der Ortsrichter Hilpert hatte durch die Wächter Andreas Creutzmann und Gottlieb Köthe die Einwohnerschaft nach dem Gottesdienst in seine Amtsstube beordert. 46 Hausbesitzer und Hausgenossen kamen. Nach der Bekanntgabe machten Joh. C. Törpsch und Joh. Georg Judersleben im Namen von 30 Einwohnern die Einwände der Gemeinde geltend. Auch der Kinderlehrer Joh. Samuel Hänel wandte sich gegen seine Einteilung zur Dorfwache.

  1. Nov. Einwand der Floßbeamten gegen die Dorfwachordnung (dto).

Die Weigerung der im Dorf zur Miete wohnenden Floßarbeiter wegen ihrer Dienstverpflichtungen an der Dorfwache teilzunehmen, hatte zur Folge, dass ihnen die Hauswirte mit Kündigung drohten. In Anbetracht des Mangels an Mietwohnungen und der Nachfrage von Arbeitern, die auf der neu angelegten Kohlenstreicherei arbeiteten, wandten sich der Oberfloßaufseher Chr. Heinrich August v. Uffel und der Floßmeister Joh. August Puttrich an due kurfürstliche  Kammer. Da die Einteilung der Floßarbeiter zur Dorfwache zum Nachteil der Flöße wäre, sollten die Arbeiter davon freigestellt werden. Dabei verwiesen sie auf die bereits bestehenden Ausnahmen, wie die Witwen von Hausgenossen, die Gerichtspersonen (Ortsrichter und Schöppe) und der Kinderlehrer. Befreit waren auch „Personen, welche sich wegen ihrer Gesundheit allhier aufhalten, von Zeit zu Zeit“. Ein erster Hinweis, dass es bereits vor der Jahrhundertwende einen erwähnenswerten Bade- und Kurbetrieb gab, über den aber keine Details bekannt sind.

  1. Nov. Schreiben der Gerichtspersonen an den Kurfürsten (WER dto)

Anlass war der von einigen Einwohnern vorgebrachte Widerspruch gegen die Bestimmungen der neuen Dorfwachordnung. Dorfrichters Hilpert und der Gerichts-Schöppen Joh. Gottlob Zedel gaben an, dass sich von den 48 Hausbesitzern und 61 Hausgenossen nur 6 weigerten, die Dorfwache abzuleisten. Dem Amtmann wurde daraufhin befohlen, von den betreffenden die Zahlung des Wachgeldes von 2 Talern einzufordern und Befreiungen, wie sie von den Floß- und Salinenbediensteten wegen ihrer dienstlichen Verpfichtungen gefordert wurden, zu verbieten.

               Knappschaftsregulativ (WER F 38 Gen. VII Nr. 11).

1795      

  1. Mär. Georg Philipp Friedrich von Hardenberg besucht die Saline (HKA Bd. 4)

Er begleitete seinen Vater, den Salinendirektor H. U. E. von Hardenberg, wie er in einem Brief an seinen Bruder Erasmus schreibt. Freiherr Friedrich von Hardenberg 1772 auf Schloß Oberwiederstedt geboren, hatte in Jena Jura studiert. Hier begengnet er Goethe und Herder und schloß Freuindschaft mit Thiek, Schelling und den Brüdern Schlegel, die ihn zur Lyrik und Dichtung führten. Seit 1794 war als Aktuarius beim Kreishauptmann Coelestin August Just in Tennstedt tätig. Am 15. März hatte er sich auf Schloß Grüningen mit der 15jährigen Sophie von Kühn verlobt. Seit 1798 veröffentlichte er seine Werke unter dem Pseudonym Novalis.

             Abschluss der Umstellung der Salinen auf Kohlenfeuerung (Lepsius, Ortskunde 1826).

Unter dem Direktorat v. Hardenbergs waren alle drei fiskalischen Salinen Kursachsens auf Erdkohle umgestellt. Kösen und Dürrenberg hatten ihre eigenen Kohlegruben, die Bergleute gehörten zur Salinenbelegschaft. Zusätzlich bezog die Dürrenberger Saline ebenso wie Artern Formkohlen von privaten Grubenbesitzern.

Ein ausführlicher Bericht über den Kohlenbergbau in Mertendorf und die Kohlenstreicherei stammt aus der Feder Friedrich. v. Hardenbergs aus dem Jahr 1800.

Die Formkohle die zunächst von den Streichplätzen der Grube kam, war oftmals durch den Transport auf den holprigen Wegen aus dem Wethautal über Neidschütz/Boblas, dem Buchholz und Alt-Flemmingen, der Kohlenstraße zu Bruch gegangen. Daher wurde hier eine Kohlenstreicherei.

Die Rohkohle wurde in Erdgruben eingesumpft und mit nackten Füßen durchgeknetet. Wenn die Masse die richtige Konsistenz hatte, kamen die fahrbaren Streichtische zum Einsatz. Die Streicher, zumeist noch Kinder, füllten die konischen Holzformen mit dem feuchten Kohlenbrei, drückten ihn fest und strichen die Oberfläche mit der Hand glatt. Dann wurde die Form zum Trockenplatz gebracht, umgestülpt und der Preßling blieb bis zu drei Tage lang im Freien, bevor er in die Trockenkammer kam. Die Tagesmenge von zwei „Tretern“, zwei „Streichern“ und einem „Zuträger“ betrug 6 bis 8000 einfache Formkohlen (23 x 13 x 7 cm). Die Entlohnung erfolgte im Gedingelohn, die Kolonne bekam für je 1000 Steine, die in die Trockenschuppen kamen, 12 Groschen. Formkohlen, die noch im Freien lagerten und bei Platzregen oder Gewittergüssen zerfielen, wurden nicht berechnet. Dennoch musste man diese Spezialisten so im Lohn halten, dass sie über die schlechte Jahreszeit kamen und in der Saison wieder zur Verfügung standen.

  1. Aug. Anordnung der Dresdener Kammer (WER D 34 Anh.1 Nr. 89).

Offizianten und Beamte der Saline und der Saalen-Flöße wurden von der Dorfwache befreit, die Arbeiter dazu eineteilt.

  1. Nov. Schreiben der Gemeinde an den Kurfürsten (dto).

Da sich einige Einwohner der Dorfwache erneut entzogen und das Schulamt untätig blieb, mit dem Hinweis, dass das Aufgabe der Gemeinde sei, wandten sich Richter und Schöppe an den Landesherrn.

             „Minna von Rudelsburg“ in Papiere aus …der Vorzeit (digit. staatsbibliothek-berlin)

Herausgegeben bei Fr. Severs Leipzig/Weißenfels und verfaßt von Carl Gottlieb Seidel war dies wohl eine der ersten Erzählungen, die die Romantik und die Burgenschwärmerei des 19. Jahrhunderts einleitete.

            Verkauf von Kreipitzsch und der Rudelsburg (Aquilitas)

August Ferdinand v. Zech verkaufte das verschuldete und völlig verwahrloste Rittergut an Heinrich Ludwig Graf von Brühl.

                  Abbruch des älteren Gradierhauses (LHASA MD Rep. F4 XIII Nr. 1)

Nach der Inbetriebnahme des Gradieranlage auf dem Rechenberg wurde die westliche der beiden direkt am Salzwerk stehenden Anlagen abgebrochen. Damit verbesserten sich die Effektivität des nun für den 2. 3. und 4. Fall eingerichteten anderen Gradierwerkes. Auf der frei werdenden Fläche wurde dann die Anlage zur Sonnensalzproduktion und die Salinenzimmerei eingerichtet.        

1796

  1. Juni „Generalregulativ“ für die Kohlefuhrleute (HKA Bd. 4)

Die Bekanntgabe dieser Dienstanweisung protokollierte Friedrich v. Hardenberg. Dabei beschwerten sich die Kohlenfuhrleute über Behinderungen durch Sulzaer Salzfuhrleute auf der nach Flemmingen führenden Kohlenstraße. Die Sulzaer Saline gehörte zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Der direkte Weg zu den Altenburger Salzniederlagen führte über weimarisches Gebiet. Hier waren die Zölle und Geleite höher als in Kursachsen. Daher nahmen die Fuhrleute ihren Weg über die Hassenhausener Höhe zur  Brücke, benutzten die Kohlenstraße bis Neuflemmingen von wo aus über die Frankenstraße altenburgisches Gebiet erreicht wurde.  Problematisch der steile Anstieg nach Flemmingen, so dass man hier auf den Gegenverkehr achten musste, da ein Ausweichen in diesem Hohlweg nicht möglich war. Wartezeiten waren daher an der Tagesordnung.

  1. Juli Abzug der Soldatenwache (Judersleben).

Die Grenadiere des Regiments des Kronprinzen Xaver wurden gegen die Revolutionsarmee der Franzosen eingesetzt.

  1. Okt. Strafbescheid des Schulamtes Gutbier (WER Rep.A23I, Nr.1 Bd.1).

Nun hatte der neue Gasthofpächter um Amtshilfe bei der Durchsetzung des Verbietungsrechts gegen unberechtigten Ausschank in Neu-Kösen nachgesucht und im Gegensatz zu seien Vorgängern diese nun auch erhalten. Amtmann Gutbier drohte auf Grundlage der 1793 erlassenen „Generali“ wegen wiederholten Ausschanks und Gästesetzens dem Fischhauspächter Bilcke, dem Fleischer Hilpert und der Witwe Ernestina Traugott 20 Taler Strafe und dem Entzug des Afterschankrechts an. Wegen Ausschank, Gästesetzen und Beherbergung während der Ostermesse sollten auch die Bäcker J. Chr. S. Hämmerling und Fr. Seyffarth 5 Taler Strafe zahlen, allerdings wurde ihnen der Afterschank belassen. Das reichte Seidler allerdings noch nicht. Er verlangte vom Schulamt, dass nun auch sein erlittener Verdienstausfall gegenüber den Beklagten geltend gemacht werden soll. Das wurde abgewiesen und Seidler mitgeteilt, dass er die Ansprüche auf zivilrechtlichen Weg von Bilcke, Hämmerling und „Consorten“ einklagen könnte.  

1797      

  1. Mär. Verfügung des Amtmannes Gutbier (WER Rep. D Pforta II 1249).

Verboten wurde das Reiten und Fahren sowie das Einschlagen von Pflöcken zum Festmachen der Flöße am Saaledamm zwischen der Mündung des Scheitbachs und der Roßbacher Flur. Mit der Überwachung wurde der Pächter des Fischhauses betraut.

      8.  Apr. Freigabe der schiffbar gemachten Unstrut.

Zwischen Artern und Weißenfels wurden insgesamt 15 Schleusen errichtet. Damit konnte vorzugsweise Salz aus Artern verschifft werden. Aber auch die Kösener Saline wurde bald darauf einbezogen. Das Salz kam per Fuhrwerk bis zur Unstrutmündung und wurde dort von der Alslebener bzw. Friedeburger Schifffahrtsgesellschaft weitertransportiert.

  1. Juni Friedrich v. Hardenberg an Friedrich Schlegel (Hardenberg 1797).

Hardenberg war seit 1796 Akzessist bei der Salinendirektion in Weißenfels. Nach dem plötzlichen Tod seiner Verlobten Sophie teilte er dem Freund mit, dass er „diesen Sommer doch größtenteils in der Einsamkeit der Salinen zuzubringen“ gedachte und kündigte ihm an „Von Kösen aus komm ich sobald als möglich, auf einige Tage nach Jena.“

  1. Juli Eintrag in Hardenbergs Tagebuch (Hardenberg 1797)

„Ich will nach Kösen, um allein zu seyn …“.

  1. Sep. Friedrich v. Hardenberg an Friedrich Schlegel (HKA Bd. 4).

Die hiesige Umgebung hatte ihn einen beruhigenden Einfluss gehabt, denn er notierte nun „Mein Geist ist jetzt fruchtbarer, vielleicht glücklicher, als je“, und kurz darauf „Vor 14 Tagen ging ich hierher, in köstlicher Gegend lebe ich ganz frey.“

Während seines zweiwöchigen Aufenthalt hatte er Friedrich Schlegels Bruder August Wilhelm zweimal besucht und war mit dem Philosophen Fichte zusammengetroffen.

Anschließend begann er ein Studium an der Bergakademie in Freiberg.

  1. Sep. Schreiben des Kammergerichts Dresden (WER Rep.A 23I, Nr.1,Bd.1).

Die wegen Verstoß gegen das „jure prohibendi“ mit einem Strafgeld belegten Einwohner hatten sich erfolgreich beim Kammergericht dagegen gewehrt. Freiherr von Gärtner wies den Amtmann Gutbier an, die Angelegenheit bei der Androhung einer Geldstrafe im Wiederholungsfall bewenden zu lassen und der Witwe Traugott den Afterschank nicht zu entziehen.

  1. Nov. Testament Johann Christian Schröters (WER D 34 Pforta Anh. 1/4123)

Johann Christian Gotthelf Hübsch, Notar. publ. caes. jur. in Sax. elect. legitim. war von Schröter ans Krankenbett in das „zu Anfang des Dorfes Alt-Kösen gelegene Haus“ gerufen worden, um seinen letzten Willen zu beurkunden. Als Zeugen waren zugegen: der Salineneleve Erdmann Friedrich Senff (jun.), der erste Gradiermeister Johann Carl Törpsch, der Seilermeister Johann Christian Hofmann, der Zimmergeselle Johann Gottfried Schönburg, der Kunstwärter Johann Martin Wolf und der Salzsieder Johann Gottlob Biertümpel. Vor dem Notar und den Zeugen bestimmte Schröter seinen Bruder den Mauerermeister Johann Gottlob Schröter zum Universalerben. Vom Erbe sollte er das Haus, mit Nebengelaß, mit Acker und Feld dem Mauerermeister Johann Gottlob Werner und dessen Ehefrau Rosina Maria, der Tochter ihres älteren Bruders dem Maurermeister Johann Gottfried Schröter überlassen. Dafür sollten diese ihm das väterliche Anwesen in der Dorfstraße 20 (heute Borlachstr. 13/15/17) schuldenfrei überlassen. Das im Testament als „Neue Haus“bezeichnete Anwesen ist das „Stadtgut“ Borlachstraße 2/2a. Nach 1740 von J. G. Borlach errichtet, erbte es 1768 sein Bruder Johann Hermann. Von ihm erbte es 1777  der Baumeister Therkorn, der es entsprechend einer im Zusammenhang mit dem Ableben Borlachs getroffenen privaten Vereinbarung noch im gleichen Jahr dem Baumeister Schröter überließ. Nun kam es an den Maurermeister Werner. 1856 war das Gut noch im Besitz der Familie Werner, wie aus Wibels „Grundriß von Kösen“ hervorgeht. Werner mußte wegen Vermögensverfall in der 2. Hälfte verkaufen. Da zum Anwesen noch einige Äcker und Felder am Äbtischen Holz und am Jochenberg gehörten, betrieben die neuen Besitzer hier eine Landwirtschaft, woraus sich die Bezeichnung „Stadtgut“ herleitet.

Außerdem erbte das Ehepaar offene Forderungen aus Vorschüssen in Höhe von 140 Talern. Natürlich erbte Johann Gottlob Schröter auch das immer noch anhängige Abschwörungsverfahren.

             Verkauf von Kreipitzsch und der Rudelsburg (Corrsen, Aquilitas).

Nach nur zwei Jahren im Besitz des Grafen von Brühl erwarb der Königl. Sächs. Amtshauptmann Ferdinand Ludwig Christian von Schönberg, der in Freiroda begütert war, das Rittergut. Er war der Sohn von Chr. F. v. Schönberg und der Sophie Amalie einer geborenen v. Kreutz. Somit kam Kreipitzsch mit der Rudelsburg über die weibliche Linie an die von Kreutz.

Nachfolger als Gerichtsherr für den verstorbenen J. A. Lepsius wurde dessen Sohn Carl Peter (geb. 1775). 1800 wurde der Schönbergsche Gerichtsbezirk auf Freiroda, Crölpa, Löbnschütz, Kaatschen, Leislau und Heiligenkreuz erweitert.

             „Die Rudelsburg und ihre Bewohner“ (digital.Staatsbibliothek Berlin).

In den „Biographischen Bruchstücken oder treue Gemälde der Vorzeit für gebildete Romanleser“ verfasste Christian Friedrich Kuehne eine „Rittergeschichte“ mit viel Phantasie aber wenig geschichtlichen Fakten. Dabei bezog er sich auf eine Handschrift eines Antiquitätenkrämers der sich als Benediktiner „Frater Taube“ ausgab.

Derartige Geschichten entsprachen der Mode der Zeit, trafen den Geschmack des Publikums und verbreiteten sich rasch (s. a. Kaspar Friedrich Gottschalk: Ritterburgen und Bergschlösser Deutschlands Bd. 5; 1821 Bayr. Staatsbibl.). Einen Vorteil hatte das dennoch. Sie erweckten das Interesse des Bürgertums an den Ruinen des Hochmittelalters und beförderten deren wissenschaftliche Erforschung und nicht zuletzt deren Erhaltung.  

1798

  1. Feb. Therkorns und Schröters Abschwörungseid (WER D 34 Anh. 1/4123)

Inzwischen war Christian August Therkorn volljährig. Er und Johann Gottlob Schröter leisteten nun die vorgeschriebene Eidesformel. Therkorn beschwor„ daß ich nicht anderes weiß oder glaube und dafür halte, als daß mein verstorbener Vater und Erblasser, der Herr Conducteur Carl August Therkorn bei dem die Rechtssachen seiner beklagtens an einem entgegen dem Herrn Baumeister Johann Christian Schröter Klägern an andern Teil, geführten Beweise, sich der Eides Deklaration zu seiner wahren Notdurft bedienens und Hern Klägers Gewissen gefährlicherweise gerührt haben.“ Schröters Eidesformel war wesentlich umfangreicher, letztlich schwor er allen von seinem Bruder vorgebrachten Klagegründen ab. Somit endete die Auseinandersetzung um das Borlachsche Erbe nach 20 Jahren.

Völlig in Vergessenheit geriet nun der Erblasser J. H. Borlach. Sein Grab und das seines Bruders auf dem Friedhof zu Pforte verfielen. Kein Kösener kam mehr hierher, seit das Dorf einen eigenen Gottesacker hatte. Die Schulbeamten sahen daher keinerlei Anlaß, die Borlachschen Gräber über die Zeit zu bewahren.

             Inbetriebnahme der „chemischen Fabrik“ in der Saline (Fabian 1805)

Hier wurden Siedeabfälle wie Pfannenstein, Mutterlauge und Salzschlamm weiter verarbeitet. Aus den Kalium-, Magnesium-, Natrium und Sulfat-Ionen wurden Glaubersalz, Magnesia, kohlensaures Kali und andere Bittersalze hergestellt. Ein Teil kam als Abführmittel in den Handel. Aufbereitete Asche wurde der Glasindustrie als Flußmittel verkauft. Calzium- und Magnesiumcarbonat kamen in die Düngerfabrik. Die Investition von 1 250 Taler lohnte sich, lag doch 1805 der Reingewinn bei 23.000 Talern.

               Verbesserung der Schule (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2576)

1799

             „Kurfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (MÜN digit).

Die Direktion der kursächsischen Staatssalinen war personell unverändert. Die Kösener Salzniederlage verwaltete Carl Heinrich Weickert, Christian Friedrich Gabriel Seffner war Controlleur und Christian Sigismund Wahl Salzschreiber. Die Stelle des Baumeisters war nach dem Ableben Schröters noch nicht wieder besetzt. Die Oberaufseher der Saaleflöße war der Amtshauptmann Adolph Samson v. Burkersroda, Floßmeister J. A. Puttrich, Heinrich Julius Gnappert war Floßzolleinnehmer und Burschel der Floßschreiber.

Die Familie v. Beust war vertreten durch die Kammerherren Friedrich August Carl Feiherr von Beust, Traugott Graf v. Beust und der inzwischen in den Grafenstand erhobene ehemalige Salinendirektor Leopold v. Beust. 

  1. Juni „Oeconomieplan für die Saline Kösen“ (HKA Bd. 3).

Friedrich von Hardenberg nahm als Protokollant an der Inspektion der kursächsischen Salinen durch den Finanzrat J. W. von Oppel teil. Seine insgesamt 14 Protokolle wurden zu einem Bericht an den Dresdener Hof zusammengefasst. Im „Bericht über die Erdkohlenfeuerung“, bemerkte er: „Die Aussichten für die Saline Kösen beschränken sich ….lediglich auf den Umfang des Erdkohlenlagers zu Mertendorf und des benachbarten zu Radewitz…“.  

Der „Oekonomieplan“ der Saline sah die Herstellung von 42.000 Stck. Salz (a 128 Pfd. = 53 760 Zentner) vor. Dafür benötigte man 4,8 Mio. Formkohlen. Die Kapazität der Kohlenstreicherei in Kösen betrug 2,5 Mio. Stück, die an 5 Tischen hergestellt wurden. Die andere Hälfte kam aus Mertendorf.   Insgesamt rechnete man mit einem jährlichen Bedarf an Rohkohle für die Saline und die Ziegelbrennerei von 138 000 Scheffeln (14.000 m³). Das Mertendorfer Kohlevorkommen schätzte man auf 1,4 Mio. Scheffel. Damit würde man 10 Jahre reichen und falls die im Aufbau befindliche Sonnensalzproduktion die prognostizierten Mengen hergab, sogar noch länger.

Das größte Problem blieb der umständliche Transport auf einem „eigenthümlichen Weg“, den man „ohne große Kostenverschwendung thun zu lassen, in Stand“ gesetzt hatte. Hier verwies Hardenberg auf den geplanten Bau der Frankfurt/Leipziger Chaussee, die zukünftig für den Kohlentransport genutzt werden sollte.

Der Salzdebit von 27.751 Stück kam auf die Niederlagen der Privilegierte Concessions Kammer. Einen Teil erheilten die umliegenden Rittergüter und die Landschule Pforte. 4.000 Stück wurden in das Amalgamationswerk nach Freiberg gebracht und 2.000 Stück auf die Salzniederlage in Teuditz, 8.249 verblieben für die „Schönburgischen Recessherrschaften“ oder durften an Ausländer verkauft werden.

  1. Juli Modifizierung der Gemeindematrikel (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2761)

Festgelegt wurde, dass die Taufe neugeborener Kösener im Winter nicht mehr in der Kirche sondern in der beheizten Sakristei bzw. einer Schulstube erfolgen könne. Auch Haustaufen wurden zugelassen, wenn dem Geistlichen der Aufwand für den Weg von und nach Kösen erstattet würde.

  1. Aug. Kabinettsanweisung zu den Hutungsrechten (WER Rep.A23I,Nr.11 Bd.1).

Die Salinendirektion hatte Schadensersatz vom Schulamt verlangt, weil dem Pächter des Gasthofes die vertraglich vereinbarten Mitbenutzung auf den zur Schäferei gehörenden Wiesen und Triften verweigert wurde. Das Finanzkabinett empfahl, sich auf einen Ausgleich zu einigen.

  1. Aug. Befehl zur „Geschäftsverteilung unter die Glieder der Localdirection“ (HKA Bd. 3).

Friedrich von Hardenberg machte dazu in seinen „ Bemerkungen“  Vorschläge, denen auch im Wesentlichen gefolgt wurde. Er lehnte  die Dezentralisierung der Lokaldirektoriums wegen deren räumlicher Nähe ab und sah die derzeitige personelle Zusammensetzung als ausreichend an. Für die Neubesetzung der freiwerdenden Stelle des „Factors“ auf der Kösener Saline durch das altersbedingte Ausscheiden Seffners, schlug er Bischof (Johann Andreas) vor, dem auch die Aufgaben eines „Conducteurs“ übertragen werden sollte. Dazu kamen Vorschläge zur Besoldung der Unterbeamten  

  1. Sep. Vertrag zur Neuordnung der Hutungsrechte (WER Rep.A23I, Nr.11,Bd.1).

Die Saline verzichtete auf die im Gasthofpachtvertrag erteilten Hutungsrechte. Das Schulamt zahlte dafür der Saline 5 Taler, die als Schadensersatz für den Gasthofpächter gedachte waren. Außerdem legte man fest, dass bei einem Neuabschluss der Gasthofpacht das Hutungsrecht ersatzlos entfällt. Im Gegenzug dazu verzichtete das Schulamt auf die 1779 vereinbarte jährliche Lieferung des Krücksalzes. Den Vertrag, der am 13. Dezember der kurfürstlichen Kammer vorlag, siegelten die Schulbeamten Herbst und Gutbier und die Salinenbeamten v. Hardenberg, Heun und Senff.

  1. Okt. Erdmann Friedrich Senff sen. wird zum Bergrat ernannt (DD Loc. 1337 Vol I ff).

Senff war 1794 nach Lüneburg abgeordnet worden. Ihn begleitete sein Sohn (Erdmann Friedrich jun.). Am 01. Juli 1799 erfolgte die Inbetriebnahme des unter seiner Anleitung neu gebauten Siedehauses auf der dortigen Saline (OBA Clausthal-Zellerfeld, Neue Saline Fach 25).

Unter Senff begann die Entdachung der ersten drei Gradierfälle und die Abdeckung der unteren Soleschiffe. Das sparte Geld für die Unterhaltung, ohne die Gradierung wesentlich zu verteuern, denn ebenso wie beim Siedesolereservoir wurde auch hier die Sole über die Abdecktafeln geleitet und so ein zusätzlicher Verdunstungseffekt erzielt.

  1. Dez. Friedrich v. Hardenberg wird zum Salinen-Assessor ernannt (HKA Bd. 3)

Fitzgerald schrieb dazu: „Fritzens Aufgabe bestand darin, während der Sitzungen des Salinendirektorats, Protokolle zu führen und schweigend zu lernen, so viel möglich war.“

In einem Schreiben an den Geh. Finanzrat v. Oppel, berichtete er über seine geologischen Erkundungen von Gebirgen und Flözen bei Artern. Hardenberg plädierte hier für die Übernahme der Kohlengruben in die Hände des Fiskus, da diese in den „Händen der Privatleute unverantwortlich bewirthschaftet“ würden. Er wandte sich dabei gegen ein 1743 erlassenes „Churfürstliches Mandat“ wo Friedrich August auf das Bergregal bei Erd- d.h. Braunkohle verzichtete. Privatleute, wie der Grubenbesitzer Laue und die Herren von Pfuhl nutzten dieses Privileg bei den Kohlelieferverträgen mit den Salinen zu ihren Gunsten aus.  

Am 14. Juli 1800 wurde ihm die „Instruction für den Assessor bei der Local-Salinen-Direction“ ausgefertigt, womit er nun dem Direktorium, das unter der Leitung seines Vaters stand, angehörte. Zu seinem Aufgabengebiet gehörten die „Entdeckung und Aquirierung neuer Erdkohlenlager“, der Abschluss neuer „Erdkohlen-Liefer-Contracte“ und die Aufsicht über die zu den Salinen gehörenden Kohlenwerke. Außerdem wurde ihm die Leitung der Düngesalz- und chemischen Fabriken in den Salinen übertragen und wegen seiner Kenntnisse der praktischen Bergbaukunde auch die Aufsicht über die Schächte, die Kunstgezeuge und die Steinbrüche sowie die zur Kösener Saline gehörende Kalk- und Ziegelhütte in Punkewitz. Dafür erhielt er ein Jahresgehalt von 400 Talern aus der Coctur-Casse zu Dürrenberg“.

  1. Dez. Richtfest am neuen Schulhaus in Pforte (Judersleben)

Den 60 Maurern, Zimmerleuten und Tagelöhnern wurde ein Festessen vorgesetzt. Es gab Suppe, Kälberbraten und Kohlrabigemüse. Jeder erhielt eine halbe Flasche Wein und Bier, soviel er trinken wollte.

1800

             „Churfürstlich- Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit).

Zur Salinendirektion gehörten  H. E. U. v. Hardenberg, die Bergräte Heun und Senff sen. und als  Conducteurs war Christian Ehrenfried Francke ernannt worden.

  1. Jan. Schreiben von Novalis (HKA Bd. 4).

Darin lud er seine Freunde August Wilhelm Schlegel (1767-1845), dessen Bruder Friedrich Schlegel (1772-1829) und Ludwig Tieck (1773-1853) zu sich nach Kösen ein, um ihnen das Manuskript des „Heinrich von Ofterdingen“ vorzustellen.

            Erprobung der Sonnensalzproduktion (Lepsius, Ortskunde 1826, Senff jr. 1816).

Der Salineninspektor Bergrat Senff sen. hatte 1797 in Artern eine Anlage zur Verdunstung gradierter Sole mit Hilfe der Sonne eingerichtet. Die Anlage bestand aus 294 flachen Holzkästen mit einer Gesamtfläche von 23.807 Quadratfuß (1900 m²). Da die zur Verdunstung und Auskristallisation benötigte Intensität und Zeitdauer der Sonneneinstrahlung beschränkt war, blieb das Ergebnis weit hinter den Erwartungen zurück. Außerdem war das Salz wegen der langen Auskristallisationszeit grobkörnig und musste gebrochen werden. Dabei wurde es unansehnlich und fand nur wenige Käufer.

Auch Fr. v. Hardenberg stand den Experimenten des Bergrates kritisch gegenüber, was in seinen „Bemerkungen“ zu einem Aufsatz Senffs bezüglich des am 20. August 1799 erlassenen Regulativs deutlich zum Ausdruck kam (HKA Bd. 3). Auch im Roman von Penelope Fitzgerald „Die blaue Blume“ wurden die mit v. Hardenberg bestehenden Differenzen bei der Sonnensalzproduktion und der Verbesserung der Fördertechnik erwähnt.  Dennoch wurde die Produktion zunächst bis 1804 fortgesetzt.

  1. Apr. Beförderungsantrag Fr. v. Hardenbergs (HKA Bd. 4)

Gerade erst zum Assessor ernannt, bewarb er sich um die Stelle des Amtshauptmannes. Grund für diese Bewerbung war der Ausbau des Handelsweges von Frankfurt nach Leipzig zur befestigten Kunststraße, der Chaussee. Für die Durchführung insbesondere die dazu erforderlichen Grundstückskäufe, das die Bereitstellung des Baumaterials und  das Aufgebot für Hand- und Spanndienste waren  die jeweiligen Hauptmänner zuständig.  Durch seinen Ernennung  würde er das „Tractum“ der Chaussee und deren „weitere Fortsetzung befördern können, damit diese „…der Saline Kösen durch Gewinnung einer immer gangbaren und bequemen Kohlenstraße sehr wichtig werde“ . Diese Aufgabe wurde dann aber dem Geheimen Finanzrat von Witzleben neben seiner Tätigkeit im Salinendirektorat übertragen.  

  1. Apr. Bericht zur Kohleförderung und Feuerung auf den Salinen (HKA Bd. 6)

Friedrich von Hardenberg hatte die in den kursächsischen Ämtern an Saale, Unstrut, Weißer Elster und Pleiße bekannten und teilweise ausgebeuteten Kohlegruben bereist. Ausführlich schilderte er sein Eindrücke und Beobachtungen beim Abbau und der Kohlenstreicherei sowie der Arbeitsbedingungen der Bergleute und Kohlenarbeiter. Interessant dabei dass z. B. die Grube Teudnitz, die Dürrenberg mit Kohle versorgte, dem Bergrat Heun gehörte. Dem Bergrat Senff gehörte die Grube Neukirchen, außerdem war er an der Kohlengrube von Knapendorf (bei Merseburg) beteiligt.

  1. Juli Protokoll der Sitzung der Salinendirektorats (Saale-Unstrut-Jahrbuch 9.Jg.).

Anwesend waren von Hardenberg sowie die Bergräte Heun und Senff. Fr. v. Hardenberg notierte: „Da der Müller Friedrich in seiner dem Erbpachtscontract schnurstracks entgegenlaufenden Weigerung sein Mahlgerinne bey jetzigen niedrigen Wasserstande zum Behuf des nöthigen Umtriebs des Kunstgezeuges zum Theil ….zuzusetzen, trotz aller Verordnungen des Schulamts Pforta beharrt … so soll nun bey der Wichtigkeit des Gegenstandes sofort Bericht … erstattet werden.“ Dabei rügte er das „sonderbare und verdächtige Benehmen des Schulamts“ wegen „nicht ertheilter Nachricht“.

Nach Besichtigung des desolaten Wehrdammes durch den Salinendirektor, den Landbaumeister und dem Rentmeister wurde ein Tausch der Mühlenpacht mit dem Gasthof erörtert, wobei man einig war, hierbei die Rechte der Schule als „Dominus directus“ nicht zu schmälern.

Der Bergrat Heun wurde beauftragt, Kostenanschläge für die Umstellung von Stubenöfen auf Erdkohle von in „herrschaftlichen Häusern wohnenden Personen“ anzufertigen. Dann legte Heun noch den Entwurf einer neuen Düngesalzeinrichtung vor. Bei der Dacheindeckung mit haltbaren Lehmschindeln war man sich schnell einig, die Lohnerhöhung bei den Düngesalzarbeitern wurde vertagt. Zu guter Letzt wurden die Siedemeister und der Salzschreiber eindringlich auf die Einhaltung der vorgegebenen Maße beim Verkauf von Salz an „Ausländer“ hingewiesen.

  1. Sep. Bestallungsurkunde für den neuen Floßschreiber (MER C48Ic, Nr. 1686).

Johann Samuel Junghans war bisher als Finanzsekretär beim Floßamt tätig und wurde nach dem Ableben Gnappers zu den bisherigen Konditionen zum Floßschreiber ernannt. In der Ernennungsurkunde wurde erstmals die Erhebung eines „Rechengeldes“ (2 Silbergroschen, 6 Pfennig) erwähnt. Diese Abgabe war fällig, wenn bei einer Unterbrechung der Scheitholzflöße der Rechen gezogen wurde, um die Langholzflöße passieren zu lassen, die im Frühjahr oberhalb davon liegengeblieben waren. Flößer mit Freibriefen waren von dieser Abgabe befreit.  

    12. Dez. Brand im ersten Siedekot (WER Rep. F 23VIII Nr.12).

Beim Löschen starb der Siedemeister J. G. Judersleben, der Verfasser der „Locicommunes“ an einer Rauchgasvergiftung. Dass der Brand nicht auf die übrigen Siedehäuser und das untere Gradierwerk übergriff, war dem schnellen Eingreifen von Helfern aus Almrich und Pforte sowie einer aus Naumburg herbeigerufenen Militäreinheit zu danken. Die Schule stellte auch die Feuerspritze, da das Salzwerk selbst keine besaß und sich die Helfer bis zu deren Eintreffen mit Eimern behelfen mussten.

  1. Dez. Bericht des Salinendirektorats über den Brandschaden (WER Rep. F23 VIII Nr.12)

Nach der ersten Übersicht zu der sich v. Hardenberg persönlich vor Ort begab, betrug der Gesamtschaden rund 2.000 Taler. In den Trockenkammern waren 2000 Stück Salz durch Löschwasser betroffen. Man konnte es aber auflösen und erneut versieden. Die übrigen Vorräte (10.000 Stück) waren unversehrt und damit war der planmäßige Salzdebit nicht gefährdet. Den Bericht unterzeichneten Hardenberg, Friedrich Wilhelm Heun und Erdmann Friedrich Senff.

  1. Dez. Die Kammer ordnet eine amtliche Untersuchung des Brandes an (dto.)

Der mit der Untersuchung betraute Amtmann aus Freyburg befragte daraufhin die Sieder. Der Verdacht das Feuer sei durch Unachtsamkeit des Siedeknechts Lutter entstanden, wurde dabei entkräftet.

            Lageplan der Scheitholzplätze der „Commun-Flöße“ (St.-A. Naumburg)

Nach einer Ausmessung, die der Floßgegen-Schreibers Georg Wilhelm Grau vorgenommen hatte, gehörten zur "Commun-Flöße" die Flächen zwischen der Mühlenwiese und der Krümme und entlang der kleinen Saale bis zur Mündung des Scheitbachs mit insgesamt 210.000 Quadrat-Ellen (ca. 67.000 m²). Der  Plan zeigt das Floßamtshaus am linken Ufer und die beiden gegenüberliegenden Wohnhäuser (heute An der Brücke 2).

1801

  1. Jan. Gründung des Knappschaftsvereins (WER Rep. F 23 VII Nr. 4 Bd.1)

Zur Knappschaft gehörten die Salzarbeiter und die Mertendorfer Bergleute. Alle erklärten sich bereit, einen Teil ihres Lohnes in die Knappschaftskasse einzuzahlen. Dazu kam vom Unternehmer (Fiskus, Gewerkschaft) einen i. d. R. gleich hoher Betrag. Diese Mittel wurden vom Verein verwaltet und gegen Zinsen verliehen. Aus den Zinseinnahmen wurden Unterstützungsleitungen bei Invalidität oder Siechtum finanziert.

    16. Jan. 2. Bericht des Salinendirektorats über die Feuersbrunst (WER Rep. F 23, VIII Nr. 12).

Die Ursache war ein eisernes Rauchrohr, das durch den Trockenraum führte und die Horden entzündet hatte. Der eigentliche Schaden belief sich auf 1.981 Taler. Darüber hinaus beantragte das Direktorat Mittel, darunter 82 Taler für Getränke und Lebensmittel für die Helfer, 13 Taler für den Chirurgen Häßner und eine Belohnung nicht unter 5 Taler für die 10 couragiertesten Helfer, um ihnen die Schäden an ihrer Bekleidung und ihren Schuhen zu ersetzen.

      5. Aug. Antrag Seidlers auf Verlängerung der Gasthofpacht (WER Rep. A 23 Nr. 11 Bd. 2).

Seidler beantragte die Prolongation des 1802 auslaufenden Vertrages für weitere 9 Jahre, worauf das Finanzkabinett die Stellungnahme der Lokaldirektion anforderte.

  1. Sep. Pachtantrag des Fleischerhauers J. C. G. Hilpert (dto).

             Bauantrag von Christian August Therkorn (WER D 34/2/2291).

Dieser hatte vom Chirurgen Fr. W. Heßner einen „Gartenfleck“ erworben und bat beim Schulamt um die Baugenehmigung für ein Wohnhaus.

1802

  1. Jan. Erlass des preußischen Königs an das Schönebecker Salzamt (WER Rep. F 43).

Friedrich Wilhelm genehmigte den dortigen Beamten, die von Dr. Tolberg bereits erfolgreich erprobte Pockenimpfung der Kinder der Salinenarbeiter zu unterstützen. Damit begannen in den preußischen Salinen die ersten regelmäßigen Schutzimpfungen. 1808 unter napoleonischer Administration wurde die „Instruction für die besonderen Ausschüssen der Kuhpocken-Verbreitung, Canton-Ärzte und Maire des Elb-Departements“ erlassen und damit die Impfpflicht eingeführt und Dr. Tolberg mit der Oberaufsicht betraut.

  1. Jan. Bericht der Salinendirektion (dto).

Das Direktorat (v. Hardenberg, Heun und Senff sen. sowie der Finanzrat v. Witzleben) gab unter Bezugnahme auf den Antrag Seidlers zur Verlängerung des Pachtvertrages eine umfassende Stellungnahme zu den bestehenden Pachtverhältnissen und den Pachtinteressenten ab.

Um die Anpachtung des Gasthofes bewarben sich Seidler, der Fleischer Hilpert und der Mühlenpächter Friedrich. Letzterer wollte seine Mühle der Saline überlassen und dafür den Gasthof pachten. Damit hätten dann die ständigen Streitigkeiten wegen der Wasserentnahme mit der Saline ein Ende. Bislang war der Müller verpflichtet, beim Unterschreiten der Wassermarke am Fachbaum, den Mühlenbetrieb einzustellen, damit den Wasserkünsten der Saline genügend Aufschlagwasser blieb. Dabei entstand ihm ein finanzieller Verlust, für den die Saline nicht aufkam. Das Direktorat verlangte nun vom  Floßoberaufseher von Burkersroda ein Gutachten bezüglich der daraus resultierenden Auswirkungen. Bis zu dessen Vorlage sollte der Vertrag mit Seidler noch einmal verlängert werden.

Der neue Vertrag sollte den Interessen der Saline besser Rechnung tragen, was natürlich zum Nachteil des Pächters führte. So sollte die Laufzeit auf ein Jahr mit einer halbjährigen Kündigungsfrist ohne Entschädigungsanspruch reduziert werden. Entfallen sollten die Entschädigungen für das von der Saline für die Sonnensalzfabrikation genutzte zum Gasthof gehörende Feld, für den Wegfall der   Hutung auf dem Salinengelände und für das Verbot der Pfingstbierbrauerei. Außerdem wollte die Saline die Wohnung des Brauers neben dem Brauhaus selbst verpachten. Die Pachthöhe sollte dagegen mindestens dem Gebot des Fleischers Hilpert von 610 Talern entsprechen.

In diesem Zusammenhang teilte das Direktorat mit, dass ein Teil des für die Sonnensalzanlage vom Gasthof übernommenen Geländes an die Unterbeamten und Salinenarbeitern verpachtet worden war, da „es an diesem Orte gar sehr an Gelegenheiten mangelt, die in Jedes Haushaltung unentbehrlichen Erdbirnen und Gemüße zu bauen“. Die Parzellen der Unterbeamten waren größer als die der Arbeiter. Die dafür erhobene Pacht sollte der Gasthofpächter erhalten, dem man ansonsten ein positives Urteil über die Bewirtschaftung des Gasthofes ausstellte.

  1. Feb. Befehl des Finanzkollegiums mit Seidler zu verhandeln (dto).

Dabei wurden die vom Direktorat vorgeschlagenen Änderungen genehmigt.

  1. Apr. Erneuerung des Anlegeverbotes für die Bauholzflöße (MER C48Ic, Nr. 1686).

Das 1787 erlassene Verbot hatten die Floßschreiber Tostlöwe und Gnappert nur recht oberflächlich gehandhabt. Der neue Floßschreiber Junghanns versuchte nun energisch das Verbot durchzusetzen. Um die Flößer mit einer Konventionalstrafe zu belegen, ließ er die Bestimmungen nochmals veröffentlichen.

  1. Apr. Bericht des Salinendirektorats (WER Rep. A 23 I Nr. 11/2).

Seidler hatte sich bereit erklärt, den Pachtvertrag trotz der für ihn wesentlich ungünstigeren Konditionen anzunehmen, wenn die Saline bestimmte bauliche Verbesserungen übernehmen würde. Dazu gehörten die Erweiterung des Pferdestalles, die Herrichtung und das alleinige Nutzungsrecht des Heubodens über dem „Frönerstall“, die Überdeckung der offenen Fäkaliengerinne im Hof, die Erneuerung des Schweinestalles, der Bau einer Waschküche, die Erneuerung der Öfen in der Gast- und Wohnstube und deren Umstellung auf „Erd-Kohle-Befeuerung“, was rund 569 Taler kosten sollte. Die Pacht wurde auf 610 Taler, die Pachtzeit auf 6 Jahre  festgesetzt, wobei eine Sonderkündigung vereinbart wurde. Vor dem Abschluss hatte der Fleische Hilpert noch schnell sein Gebot auf 750 Taler erhöht. bekam aber nicht den Zuschlag, weil er nach Ansicht des Direktorats noch zu jung war.

    23. Sep. Bestätigung des Pachtvertrages mit J. G. Seiler (dto).

Diese Fassung des Vertrages behielt man nun bis zum Verkauf des Gasthofes bei.

  1. Okt. Stellungnahme der Landesschule zum Eiswehr (WER Pforta II 941).

Die Saline hatte beim Schulamt die Instandsetzung des Eiswehres gefordert. Das lehnte ab, mit dem Verweis auf eine Klausel im Vertrag von 1611, wonach das Floßamt das Eiswehr zum Schutz der Stapelplätze angelegt hätte und demzufolge auch für den Unterhalt zuständig sei.

  1. Dez. Schreiben der Gemeinde an das Schulamt (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89).

Auf Antrag des Floßamtes waren die Floßboten Joh. Chr. Beyer, Joh. Carl Beyer und Joh. Gottlob Müller den Officianten gleichgestellt worden und somit von der Dorfwache befreit. Dagegen intervenierte die Gemeinde und forderte vom Schulamt, dass es dafür zu sorgen habe, dass die Witwen der Floßboten, sofern sie im Dorf wohnen blieben, ebenso wie die anderen Witwen nicht nur vom Wachdienst befreit werden, sondern das Wachgeld zahlen müssen, zumal ihnen ja eine Pension aus der Witwen- und Waisenkasse des Floßamtes zustünde. Die Gemeinde wäre auf das Geld angewiesen, um die Trinkwasserbrunnen zu unterhalten oder Gerätschaften zum Feuerlöschen anzuschaffen. Das Schreiben unterzeichneten 39 Hausbesitzer.

                   Bericht des in Schnepfenthal gedruckten  "Boten aus Thüringen"

Demzufolge wurden in der Senff`schen Sonnensalzanlage bislang in Arten 628.096 Pfund und in Kösen 120.832 Pfund Salz ohne Holz allein durch Sonneneinstrahlung ausgewirkt. 

1804

  1. Feb. Memorandum des Schulamtes (WER Pforta II Nr. 941).

Als Reaktion auf die vom Salinendirektorat geforderte Instandsetzung des Wehrdammes, verlangte das Schulamt, dass sich die Saline und das Floßamt als Hauptnutzer an den Kosten beteiligen sollten. Dabei berief man sich auch auf Vereinbarungen die bereits 1741 mit dem Floßmeister Hartig und dem Salinendirektor Borlach getroffen worden waren. Aber weder im Kammer- noch im Salinenarchiv konnte man die entsprechenden Schriftstücke finden.

  1. Juni Beschwerde des Gasthofpächters (Heimatbuch 1930).

G. Seidler beschwerte sich bei den Schönbergischen Gerichten über die in der Lengefelder Flur liegende „Feldschänke“. Diese würde ihm insbesondere während der Leipziger und Naumburger Messen erheblichen Abbruch bereiten. Die Beschwerde blieb erfolglos denn sein  „jure prohibendi“ beschränkte sich auf die Kösener Flur. Lengefeld gehörte zum Gerichtsbezirk der Rudelsburg und die Erteilung einer Schankkonzession lag in der Verfügung des  Rittergutsbesitzers auf Kreipitzsch. Bei der "Schenke" handelte es sich um die "Katze", die demzufolge seit der Jahrhundertwende bestand.

  1. Juli Tagebuchaufzeichnung des Leipziger Studenten H. Reinhardt (KAZ 1941).

Er notierte dass hier jährlich 4.000 Zentner Sonnensalz und 40.000 Stück Pfannensalz gesotten (das Stück zu 128 Pfund, d.s. 51.200 Zentner). Am Wehrdamm wurden 300 Lachse gefangen.

            Vergleich über das Eigentum der Burg Saaleck (Stein-Saaleck).

1801 hatte die Enkelin des Rittergutsbesitzers von Kreipitzsch den Freiherrn von Feilitzsch geheiratet. Ihre Mitgift war das Stendorfer Gut, das damit in den Besitz derer von Feilitzsch überging. Nach der Teilung verwehrten die Saalecker die Trift zum und die Beweidung des Burgberges durch Stendorfer Vieh. Der Streit wurde dahingehend beigelegt, dass die Saalecker den ohnehin unwirtlichen Burgberg samt der Ruine dem Freiherrn überschrieben und der dafür eine „Tonne“ Bier spendierte.

            Bau der Kunststraße von Kösen nach Pforte (Lepsius, Ortskunde 1826).

Die Trasse der neuen Leipzig-Frankfurter Chaussee verlief von der Kettenbrücke auf dem Wirtschaftsweg über die Windlücke nach Pforte.Wenige Jahre später wurde die Chaussee nach Altenburg weiter geführt. Wegen der Überschwemmungsaue wurde hier ein Damm angelegt. Die Kunststraßen waren einspurig gepflastert, hatten einen Sommerweg und wurden mit Pappeln bepflanzt. Ihre Nutzung war nun ganzjährig ohne Beeinträchtigung sowie im Gegenverkehr möglich. Von den Benutzern wurde der Straßenzoll erhoben, der zu dem bisherigen Brückenzoll hinzukam. Die Einnahme wurde verpachtet und befand sich in der ehemaligen Floßschreiberei, die die Erben des Floßschreibers Martini dem Einnehmer Döring verkauft hatten.

  1. Dez. Memorial des Freiherrn v. Beust (Mager).

Zur „Local-Direction“ der kursächsischen Salinen gehörten der 1. Direktor H. U. E. v. Hardenberg, seinem „Adjuncto“ der Geheime Finanzrat G. H. v. Witzleben, beide in Weißenfels ansässig. Bergrat Heun der „Condirector“ wohnte in Teudnitz und Bergrat Senff sen. in Dürrenberg.

             Rechtsstreit zwischen dem Gasthofpächter und Gerichten der Schönbergs (Lepsius)

Seidler versuchte sein Verbietungsrecht auf die zur Lengefelder Flur und damit zum Rittergut Kreipitzsch   gehörende Feldschänke  auszudehnen. Seine Begründung, diese war an einen Kösener Einwohner verpachtet und der würde der Jurisdiktion des Schulamtes unterliegen.

1805    

               „Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatskalender (MÜN digit).

Dem Direktorat der AKD Salinen gehörten an: H. U. E. v. Hardenberg, Geh. Finanzrat G. H. v. Witzleben (Adjunctus), Bergrat Fr. W. Heun (Con-Director), Bergrat E. Fr. Senff sen. (Salineninspector), und Chr. H. Schweingel (Copist). Zur Kösener Lokalverwaltung gehörten Carl Heinrich Weickert, Salz-Niederlagenverwalter, Chr. Fr. Gab. Seffner (Controlleur), Chr. S. Wahl (Salzschreiber).

Oberaufseher der Saaleflöße war Adolph Samson v. Burkersroda, dazu J. A. Puttrich (Floßmeister), J. S. Junghannß (Floßschreiber und Floßzolleinnehmer) und G. H. Burschel (Floßschreiber) an.

  1. Mär. Bericht des Floßmeisters J. A. Puttrich. (WER Pforta II 1251).

Anfang des Monats hatten sich bei Hochwasser mehrere Bauholzflöße an der Brücke festgekeilt und versperrten die Durchfahrt. Notgedrungen mussten die nachfolgenden Flöße oberhalb des Wehres festmachen, obwohl dies streng untersagt war. Die Flößer wurden dann vom Floßmeister zur Brücke beordert, um die Durchfahrt so schnell wie möglich freizumachen. Doch in der Nacht vom 9. März begann die „Commun-Flöße“ und der Rechen wurde geschlossen.  200 Flöße, die den Übergang nicht mehr geschafft hatten, blieben oberhalb des Rechens liegen.

  1. Apr. Beschreibung der Kösener Saline (Geh. St.-Ar., Preuß. Kulturbesitz, MER, Rep. 121).

Die Bergbeamten Senff sen. und Fabian bereisten zwischen dem 6. April und dem 28. Juni die Salinen Staßfurt, Halle, Dürrenberg, Kösen, Artern Frankenhausen und Wilhelmsglücksbrunn. Zu Kösen notierten sie: Es gab zwei (betriebene) Gradierwerke, zwei Radkünste, zwei Solschächte, einen Wildwasserschacht, diverse Feldgestänge, eine Anlage zur Sonnensalzproduktion, ein Siedesolereservoir, drei Siedehäuser, eine Pfannenschmiede, mehrere Salz- und Kohleschuppen, Ascheplätze und eine Kohlenstreicherei.

Das untere Wasserad hatte einen Durchmesser von 27 Fuß, die Schaufelbreite betrug 18 Zoll. Die Krummzapfen ermöglichten einen Hub von 3 Fuß und 4 Zoll. Die Umdrehungszahl lag bei 6/min, bei hohem Wasser bei 8 bis 9 Umdrehungen. Das obere Rad war gleichgroß, hatte aber gekröpfte Schaufeln und ein schmales Gerinne. Damit war es auch bei Niedrigwasser noch betriebsfähig. Im unteren Schacht gab es 23 Pumpensätze mit einer Förderhöhe von 644 Fuß, im oberen Schacht 24 Sätze mit 672 Fuß.

Das obere Gradierwerk bestand aus 64 Bund, war 960 Fuß lang, 29 Fuß hoch und diente dem 1. Fall. Das untere mit den übrigen drei Fällen war 1 315 Fuß lang und 28 Fuß hoch. Das Reservoir, 31 Fuß breit, 345 Fuß lang, 12 Fuß tief und fasste 97 408 Kubikfuß.

In den drei Siedehäusern standen 9 große Pfannen, 19 Fuß lang, 14 Fuß breit und 15 Zoll tief, dazu 4 Beipfannen. Die Siedeprozeß bei gewöhnlichen Salzgehalt der gradierten Sole dauerte 21 Stunden (9 Stunden Stören, 12 Stunden Soggen) wobei man 20 Stück weißes Salz a 128 Pfund und einen Teil gelbes Salz aus den Beipfannen erhielt. Für einen Siedevorgang verbrauchte man früher 2 Klafter Holz a 92 Kubikfuß. Inzwischen wurde jedoch mit Formkohlen geheizt.

Im Jahr 1803 wurden 36 770 Stück weißes Salz a 128 Pfund und 1 045 Stück gelbes Salz a 150 Pfund gesotten. Dazu brauchte man 4 000.000 Formkohlen und 680 Klafter Anzündholz. Das jährliche Fabrikationssoll, das dem tatsächlichen Verkauf entsprach, lag bei 43 000 Stück oder 1 677 Berliner Lasten.

Besonderes Interesse erregt die Senffsche Sonnensalzproduktion, die trotz der Einsparung von Brennmaterial wegen der aufwändigen Holzkästen, der laufenden Kontrolle und des schlechten Absatzes nicht den erwarteten Erfolg brachte

Zum Personal gehörten 1 Kunstmeister, 4 Kunstwärter, 1 Gradiermeister und 5 Gradierer, 3 Siedemeister und 18 Sieder, die nach Leistung auf der Basis der gesottenen Stück Salz entlohnt wurden. Der bisherige Zuverdienst durch die Herstellung der Weidenkörbe für die Salztrocknung war mit  der Einführung der wesentlich effektiveren Hordentrocknung hinfällig geworden.

  1. Juni Fest zum 50. Jahrestages  der Sulzaer Saline im Besitz der Familie von Beust (Eisenach)

Im Vorjahr konnte mit einer Bohrung eine 10%ige Sole erschlossen werden.

  1. Juni Beschwerde der kursächsischen Teilhaber der „Flößer Compagnie“ (WER II 1251).

Den notgedrungen oberhalb des Wehrdammes liegen gebliebenen Flößern hatte der Steuereinnehmer eine Konventionalstrafe von 1000 Talern auferlegt und ihnen die Weiterfahrt saaleabwärts bei Nichtzahlung verweigert. Dagegen erhob die Compagnie der Flößer und Holzhändler Einspruch, weil es nicht ihr Verschulden war, da sie wegen der versperrten Passage nicht weitergekommen waren und sich auch die Zollabfertigung durch den Stau verzögert hatte.

  1. Juni Schreiben des Floßmeisters (WER Pforta II 1251)

Puttrich bestätigte, dass durch die Behinderung an der Brücke und der Kürze der Zeit, eine ordnungsgemäße Verzollung der Flöße nicht möglich war, und diese gezwungen waren, oberhalb des Wehrdammes anzulegen.

  1. Juni Bericht des Schulverwalters (WER Rep. D Pforta II 2521).

Für die Benutzung der neuen Chaussee sollte das Chausseegeld auch von den Fuhrwerken der Landesschule erhoben werden. Dagegen protestierten die Schulbeamten beim Landsteuereinnehmer. Zur Begründung verwies der Verwalter auf die althergebrachte und verbriefte Immunität gegen Steuern, Geleiten, Akzisen und anderen Abgaben innerhalb des Wirtschaftsbereiches der Schule. Darüber sollte die Kammer in Dresden entscheiden.

  1. Aug. Begründung zur Zahlungspflicht für das Chausseegeld (dto).

Von der Kammer wurde darauf hingewiesen, dass das Chausseegeld nicht zu den Stiftungsrechten gehöre. Diese bezogen sich nur auf die bei der Gründung der Schule erhobenen Steuern und Abgaben. Außerdem habe diese Abgabe jeder zu leisten, der die Chaussee benutzt, unabhängig davon, wo er sie betritt oder verlässt. Außerdem wollte das Schulamt nicht nur die Befreiung für die Wirtschaftsfuhren sondern auch für die privaten Transporte ihrer Beamten, Diener und Fröner. Das wurde generell abgelehnt.

  1. Nov. Geburt von Heinrich Seffner (Lebensskizzen).

Der Sohn des Salzschreibers Christoph Friedrich Gabriel Seffner (1732-1807) und dessen zweiter Ehefrau Johanna Christine, Tochter des Kunstwärters J. G. Thieme, besuchte die Landesschule und bewarb sich dann um die Einstellung als Salineneleve. Nach mehreren vergeblichen Anläufen, leistete er seinen Militärdienst und nahm ein Studium der Rechtswissenschaften an der Uni Halle auf. nach erfolgreichen Abschluss wurde er am Oberlandesgericht Naumburg aufgenommen und später zum Bürgermeister von Merseburg ernannt. Anlässlich seiner Pensionierung 1875 erhielt er die Ehrenbürgerwürde. 1882 veröffentlichte er seine „Lebensskizzen“ die seine Kindheit und Jugend in Kösen schildern.

  1. Nov. Schreiben des Floßmeisters (WER Pforta II 1251).

Nachdem die Flößer ihre vom Amt Weißenfels ausgestellten Unbescholtenheitsnachweise vorgelegt hatten, durften sie mit einem Teil der Flöße den Wehrdamm passieren. Ein Teil der Flöße im Gegenwert der Konventionalstrafe wurde beschlagnahmt. Puttrich bat um die Erlaubnis, die Hölzer vor dem Winter auszuziehen und zu veräußern.

  1. Dez. Befehl des Kurfürsten (dto.)

Den Holzhändlern wurde die Hälfte des Strafgeldes erlassen, ein weiterer Erlass wurde in Aussicht gestellt, wenn diese nachweisen könnten, dass das Anlegen der Flöße oberhalb des Wehrdammes nicht von ihnen selbst verschuldet war.

1806

  1. Feb. Bericht der Schulverwaltung an den Kurfürsten (WER Rep. D 34 Anh. 2 Nr. 1248).

Ebbe in der Staatskasse war der Grund für eine neue Kopfsteuer. Das „Handwerker- und Hausgenossengeld“ sollten alle diejenigen zahlen, die im Dorf zur Miete wohnten. Dagegen erhoben die Unterbeamten und die Arbeiter der Saline und des Floßamtes Widerspruch.

  1. Mär. Anforderung eines Berichtes zur Erhebung der Kopfsteuer (dto).

      7.  Mai Gerichtsverhandlung zum Strafgeld der Holzhändler (WER Rep. D Pforta II 1251).

Da das Ufer oberhalb des Wehrdammes zum Gerichtsbezirk des Rittergutes Kreipitzsch gehörte, machte der dortige Gerichtsherr Carl Peter Lepsius Ansprüche auf das den Flößern auferlegte Strafgeld geltend.

  1. Mai Einigung zum Chausseegeld (WER Rep. D Pforta II, 2521).

Das Geheime Finanzkollegium bewilligte dem Schulamt die Zahlung eines pauschalen Chausseegeldes von 25 Talern jährlich, wobei nachzuweisen war, dass es sich hierbei ausschließlich um Fuhren zur Versorgung der Schule bzw. in Ausübung der Amtsgeschäfte handelte.

  1. Juni Stellungnahme der Holzhändler und Flößer (WER Rep. D Pforta II, Nr. 1251).

Die 14 von der Konventionalstrafe betroffenen Flößer verwiesen darauf, dass bei unvermeidbaren Überschneidungen von Langholz- und Brennholzflöße es bislang immer eine pragmatische und einvernehmliche Lösung gegeben habe und derartige Strafen vermieden wurden. Wenn der Fiskus auf die Konventionalstrafe beharren würde, würde man den Kösener Holzmarkt nicht mehr belegen, sondern Camburg den Vorzug geben. Dem kursächsischen Fiskus würden dadurch erhebliche Einbußen durch den Wegfall der Einnahmen aus dem Floßzoll und die Land-Akzise entstehen. Außerdem würde der Landtransport von Camburg in die Ämter saaleabwärts das Holz erheblich verteuern.

  1. Okt. Vorabend der Schacht bei Auerstädt.

Nach dem Sieg bei Saalfeld verfolgten die Franzosen, den sich zurückziehenden Preußen und deren sächsischen Verbündeten saaleabwärts. Das Gros der französischen Armee ging bei Jena auf den westlich der Saale gelegenen Höhen über Vierzehnheiligen und Dornburg in Richtung Auerstädt vor. Der andere Teil unter Davout zog am Ostufer von Jena über die Höhen Richtung Naumburg. Am Abend wurde in der Saaleaue bei Pforte biwakiert, völlig unbemerkt von den auf der Kösener Höhe zwischen Hassenhausen und Eckartsberga mit der Front nach Süden stehenden reußischen Truppen.

  1. Okt. Doppelschlacht von Jena und Auerstedt (Allg. Gesch.).

Während die Franzosen bei Jena-Vierzehnheiligen die preußisch-sächsische Armee unter dem Fürsten von Hohenlohe entscheidend schlug, stand die preußische Hauptarmee unter dem Herzog von Braunschweig in Erwartung des Feindes zwischen Hassenhausen und Gernstedt. Im Morgengrauen ging das Korps Davout über die Brücke, erklomm den Kösener Berg und stand im Rücken der Hauptarmee. Obwohl zahlenmäßig unterlegen, gelang es, die überrumpelten Preußen zu schlagen. Der Herzog von Braunschweig wurde schwer verwundet und erlag später seinen Verletzungen. Das nun führerlose Heer flüchtete kopflos.

Infolge dieser Niederlage schlossen sich Kursachsen, die sächsischen Herzogtümer und die thüringischen Grafschaften dem im Juli gegründeten Rheinbund an. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war endgültig erloschen, nachdem Kaiser Franz II. im August die Reichskrone niedergelegt hatte. Kursachsen wurde zum Königreich und das Herzogtum Sachsen-Weimar zum Großherzogtum erhoben.

Neben den Truppen mussten vor allem die zahlreichen Verwundeten versorgt werden. Den Einquartierungen (allein in der Mühle lagen 500 Franzosen), folgten Requirierung und Plünderung. Es entstanden erhebliche Schäden im Salzwerk und im gesamten Amtsbezirk.

Nach der Schlacht übernachteten die Generäle Davout und Augereau in Pforte. Letzterer nahm beim Rentmeister Herbst das Frühstück ein und stellte  eine Sicherheitswache für die Schule.

  1. Okt. Schreiben der Einwohnerschaft (Haubold, Heimatbuch 1930).

Im Namen der Einwohner baten der Gastwirt Seidler und der Bäcker Hämmerling den französischen Stadtkommandanten in Naumburg wegen der zahlreichen Marodeure und Plünderer um militärischen Schutz.

  1. Nov. Bilanz der Schäden der Landesschule (Haubold Heimatbuch 1930).

Die Kosten der Einquartierung und der Verpflegung beliefen sich auf über 25.000 Taler, Zug- und Zuchtvieh sowie Brot- und Saatgetreide waren nicht mehr vorhanden. Erhebliche Schäden meldeten auch der Pachtschäfer und der Pachtmüller. Für die Einquartierungen erhielten die Betroffenen auf Nachweis einen gewissen finanziellen Ausgleich aus der Staatskasse.

               Klage des Floßamtes gegen den Ortsrichter Hilpert (WER D 34/1/160).

Hilpert hatte wie auch bei den übrigen Hauswirten die Einquartierung im Amtsgebäude angeordnet. Weil hier der Floßmeister seine Wohnung hatte und sein privates Eigentum betroffen war, klagte dieser auf Schadenersatz.

1807

            „Königl.-Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (MÜN digit)

Zum Direktorat der AKD Salinen gehörte der Kammerherr Friedrich Karl Leopold Freiherr v. Beust, als „Acceß“, zur Lokaldirektion Fr. L. Fladner (Salz-Niederlagenverwalter), Chr. Fr. Gab. Seffner (Controlleur), E. Fr. Senff jun. (Factor), J. Chr. H. Oesterreich (Conducteur gleichzeitig auch zuständig für  Artern) und der Salzschreiber und Controlleur Chr. S. Wahl. Bei der Saaleflöße wurde neben dem bisherigen Beamten J. Chr. Gotth. Hübsch als Floß-Strafbefehlshaber genannt.

     Okt. Beschreibung der Kösener Saline vom Salinenpraktikanten Knorr (priv)

Demnach produzierte die Saline jährlich 42000 Dresdener Scheffel zu 120 Pfund (50.400 Zentner), sowie 1500 Scheffel gelbes, 5000 Scheffel Dünge- und 400 Zentner Glaubersalz. Der alte Schacht brachte 7.000 und den neue 16.000 Kubikzoll Sole pro Minute (134 m³ und 306 m³ pro Tag). Die Temperatur betrug 14° Reaumur. Um eine 22 %ige Siedesole zu erreichen wurde die 5 %ige Schachtsole beim 1. Fall auf 8 %, beim 2. Fall auf 12 % und beim 3. Fall auf 17% gradiert. Die Gradierung besorgten 2 Meister und 5 Gradierwärter. Damit kamen auf jeden Wärter 128 m Gradierwand.

Der Siedeprozeß begann mit einem dreistündigen Anwallen, 6 Stunden dauerte das Stören und 15 Stunden das Soggen. Das Werk kam auf 24 Stunden und mußte 25 Stück Salz zu 175 Pfund bringen. Das nasse Salz blieb 36 Stunden auf dem Verdeck über den Pfannen und kam dann zur Hordentrocknung. Das Salz war feinkörnig und bildete einen Block.

Als Brennmaterial kam vorzugsweise Braunkohle zum Einsatz. Das war etwas teurer als Holz, doch gaben hier „staatsforstwirtschaftliche Gründe“den Ausschlag, um Raubbau in den Wäldern zu unterbinden und eine planmäßige Wiederaufforstung zu gewähren. Pro Jahr wurden 4 Mio. Stück Formkohlen und 100 Klafter Holz gebraucht.

Die Glaubersalzproduktion erfolgte im Winter. Der im Laufe des Jahres angefallene Pfannenstein, zu gleichen Teilen aus Kochsalz und Gips bestehend, wurde in speziellen Holzkästen dem Frost ausgesetzt. Dabei kam es wegen der durch Kälte ausgelöste „Affinität“ der Schwefelsäure (H2SO4) und des Gipses (CaSO4) zum Natrium des Kochsalzes (NaCl) zur Umwandlung in kohlensaures Natron (Glaubersalz NaSO4) und salzsaure Kalkerde. Die Herstellung eines Zentners Glaubersalz kostete 1 Taler, verkauft wurde es für 4 Taler. Dagegen wurde die Herstellung von Magnesia wegen Unrentierlichekeit nicht weiter betrieben.

  1. Okt. Gutachten des Salinenbaumeisters G. Fr. Brendel (WER, Rep. F4, XIII Nr. 1).

Im Auftrag des Finanzrates v. Witzleben untersuchte Brendel den wirtschaftlichen Effekt beim Austausch der zehnzölligen Pumpen (26 cm) gegen vierzehnzöllige (36 cm) im oberen Schacht. Des Weiteren nahm er Stellung zu dem in Vorschlag gebrachten Bau eines neuen und höheren Schachtgebäudes am oberen Solschacht. Dabei lehnte er den Vorschlag Hardenbergs ab, das neue Gebäude um das bestehende herum zu errichten.

  1. Dez. Erbvergleich der Seidlerschen Erben (WER Rep. A 23 I, Nr. 11/3).

Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes wurde seiner Witwe gestattet, den Gasthof bis zum Auslaufen der derzeitigen Pachtzeit weiterzuführen. Die beim Salzwerk hinterlegte Kaution von 500 Talern wurde vom Freyburger Amtmann auf sie überschrieben und ihre noch unmündigen Kinder aus dem übrigen Nachlass entschädigt.

                  Statistik der Holzflöße 1797-1807 (in E. Fr. Senff, Ueber die absolute Sicherung gegen Brandnoth..., Leipzig 1812)  

Demnach wurden innerbhalb von 10 Jahren am Wehrdamm registriert und verzollt: 651.206 zu Flößen gebunden Stämme, dazu 1835 Schock Bohlen, 13024 Schock Bretter, 2432 Schock Schwarten, 2795 Schock Latten (jeweils 8 Ellen lang- 5,5 m). Mit der Scheitholzflöße waren 244.245 Klafter (750.000 Fm)  über den Wehrdamm gegangen.  

             Einrichtung eines Aschekots (Lepsius, Ortskunde 1826).

Unter Johann Andreas Bischof (1764-1832), dem späteren Direktor die Dürrenberger Saline (ab 1816) und Verfasser der ersten Borlachbiografie (in Dr. C. J. B. Karsten, Archiv für Bergbau und Hüttenwesen Bd. 20 Berlin 1831), erprobte man die Weiterverwendung den glühenden Kohlenasche der normalen Siedekote in einem speziellen Aschkot zur weiteren Auskristallisierung und nutze damit noch den vorhandenen Restheizwert. Da die Versiedung recht langsam erfolgte entstand ein grobkörniges Kochsalz. Jährlich konnten auf diese Weise 92 Lasten (5,5 t) hergestellt werden. Die Ersparnis betrug 220 Klafter Holz bzw. die äquivalente Menge an Formkohle.

               Hämmerling beantragt die Konzession zum Branntweinbrennen (WER D 34/1/821)

Die Liberalisierung der Gewerbefreiheit, wie sie die Franzosen in den Rheinprovinzen eingeführt hatten, war wohl der Grund für Hämmerling, erstmals offiziell gegen das Monopol des Gasthofes in Neu-Kösen vorzugehen. Allerdings scheiterte das an der noch fehlenden Rechtsgrundlage.

1808

             „Königlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit).

Zur Lokaldirektion gehörten nun Fr. O. Ullrich (Salzniederlagenverwalter), Chr. Fr. Ockhardt (Controlleur), J. Chr. H. Oesterreich (Conducteur), und J. H. Chr. Köllner (Salzschreiber).

Die Oberaufsicht über die Saalen-Flöße hatte nach wie vor der Amthauptmann Adolph Samson von Burkersroda. Beim Floßamt waren Johann Samuel Junghans, Puttrich und Burschel beschäftigt.

  1. Feb. Befehl zur Neuverpachtung des Gasthofes (WER Rep. A 23I Nr. 11/3).

Inzwischen hatte Seidlers Witwe Charlotte Henriette Justine Johann Samuel Weber geheiratet. In Anbetracht des bevorstehenden Endes der Seidlerschen Zeitpacht, beantragte das Ehepaar die gemeinsame Pacht ab Johannis. Mit deren ausdrücklicher Befürwortung des Salinendirektorats wurde der Antrag nach Dresden geschickt, wo König Friedrich August den Abschluss des Vertrages genehmigte.

  1. Mär. Reskript zu den Wasserrechten am Wehrdamm (Wehrrezess).

Der Baumeister Brendel und der Roßlebener Müller J. Fr. C. Schirlitz wurden aufgefordert, ein Gutachten anzufertigen.

  1. Mai Pachtvertrag über den Salinengasthof (WER Rep A23I,Nr.11Bd.3).

Das Ehepaar Weber trat zu gleichen Teilen in den Vertrag mit der Saline ein. Dieser hatte, wie schon bei Seidler 22 Paragrafen. Die Jahrespacht wurde mit 610 Talern vereinbart, wobei sich der Pachtumfang verringert hatte. Die Wohnung des Brauers, die Schmiede, das Gelände der Sonnensalzfabrik und die Hutungsrechte im Salinengelände waren gestrichen. Dafür musste der Pächter 40 Taler für die Beibehaltung des Ausspannverbots in Hassenhausen zahlen. Beibehalten wurde das „jus prohibendi“ für Alt- und Neu- Kösen samt der Schäferei, der Mühle, der Vorwerke Fränkenau und Kukulau. Das galt für alle Einwohner einschl. der Salzarbeiter, ausgenommen blieben weiterhin die Pächter der Saal- und der Fischhäuser, die während der Holzmesse den Ausschank und das Gästesetzen betreiben durften. Um das Verbietungsrecht besser durchzusetzen, wurde auch die Vergabe von Afterschankpachten untersagt. Der Prozeß gegen den Almricher Gastwirt den Seidler noch angestrengt hatte, wurde niedergeschlagen, Almrich blieb vom Verbietungsrecht ausgenommen. Beibehalten wurde die Klausel, dass eine vorzeitige Beendigung der Pacht beim Tausch mit der Mühle möglich sei. Außerdem sollte der Pächter den Transport der verbrauchten Bedornung von den Gradierhäusern in die Düngesalzfabrik mit seinen Gespannen gegen Bezahlung übernehmen. Dazu kam die Kohlenanfuhr von Mertendorf, wofür der Pächter zwei Pferde zu stellen hatte. Die Abfuhr des Salinenabfalls dagegen wurde nicht abgegolten. Den Vertrag unterzeichneten H. U. E. v. Hardenberg, G. H. v. Witzleben, Fr. W. Heun und der Freyburger Amtmann C. W. Slevogt.

  1. Mai Christian Gottlob Roßner übernimmt die Mühle (Roßner 1932).

Die Witwe Johann Gottlieb Roßners vererbte ihm mit Genehmigung des Schulamtes die Mühle.  Die Erbpacht aus dem Jahr 1774 wurden beibehalten, 450 Taler jährlich sowie zwei Tonnen Öl und acht Schock Ölkuchen, sowie die Verpflichtung, bei geringem Wasserstand der kleinen Saale das von der Schule benötigte Getreide umsonst zu mahlen und 8 Taler zur Unterhaltung des Wehres an die Schule zu zahlen.

  1. Juni Amtliche Verfügung zur Afterschankpacht (WER, Rep.A23I,Nr.1Bd.1).

Das Schulamt teilte den Dorfbäckern Samuel Hämmerling und Christian Friedrich Seyfarth mit, dass bei der Neuverpachtung des Gasthofes ab Johannis die ihnen bisher überlassene Afterschank entfällt. Sollten sie sich nicht daran halten, wurde ihnen eine Strafe von 20 Talern angedroht.

  1. Juli Vororttermin zur Wasserverteilung am Wehrdamm (Wehrrezess).

Die beiden Gutachter nahmen die Verhältnisse in Augenschein und konferierten mit dem Mühlenpächter, der Salinenverwaltung und den Floßbeamten.

  1. Juli Aufforderung an das Floßamt zur Kostenbeteiligung (in MER C48IIIb, 5523).

Wegen der großen Mengen Sinkholz, das in der kleinen Saale lag, forderte das Schulamt das Floßamt auf, sich an der Beräumung von deren Einmündung bis zum Scheitbach mit 1/5 der Kosten zu beteiligen.

  1. Sep. Konfirmation des Gasthofpachtvertrags (WER Rep A 23I, Nr. 1/1).

    25.  Dez. Anweisung an den Amtmann Gutbier (dto).

Die vom Verbot der Afterschankpacht Betroffenen hatten am 24. Nov. bei der Dresdener Kanzlei dagegen interveniert. Auch das Ehepaar Weber hatte inzwischen Beschwerde eingereicht. Gutbier wurde angewiesen, die Beschwerden der Afterschankpächter abzuweisen und auf das „Gästesetzen“ auszudehnen. Dem Bäcker Seyfart wurde jedoch die Abgabe von Selbstgebrannten und eigenen Wein gestattet.

            Abschluss der Entdachung der Gradierhäuser (MD Rep. F4, XIII Nr. 1).

Damit entfielen die hohen Erstellungs- und Unterhaltkosten und verbesserten sich im Gegenzug die verdunstungswirkung der Sonne, da die obere Gradierwand nun nicht mehr beschattet wurde. Das beides wog den Nachteil auf, wenn Regenwasser in die oberen Gradierkästen kam. Dagegen brachte die Tafelgradierung durch die Abdeckung der unteren Soleschiffe einen weiteren Verdunstungseffekt. Nur noch die  84 m des 4. des Gutfalls blieben bedacht.

1809

             „Königl. Sächsischer Hof und Staatskalender“ (MÜN digit).

Beim Salinendirektorat gab es keine personellen Veränderungen. Die Lokaldirektion bestand aus G. E. Eschke (Salz-Niederlagsverwalter), E. Fr. Senff jun (Factor), Karl Anton Hentschel (Conducteur) und Chr. C. Herich (Eleve). Das Personal beim Floßamt war unverändert.

     Jan.   Durch starken Eisgang wird der Rechen völlig zerstört (MER C48 III)

Auf einen aufwändigen Neubau wurde verzichtet, da sich die Scheitholzflöße wegen der Umstellung der Salinen auf Kohlefeuerung erheblich vermindert hatte. Außerdem war ja der Rechen das Haupthindernis für die Bauholzflößerei. Von nun an wurden zum Auffangen der Holzscheite nur noch Zwingen eingesetzt. Diese wurden bisher schon eingesetzt, um vor dem Rechen die ankommenden Scheite zum Ufer zu leiten und so einen Stau zu vermeiden. Die Zwinge war ein Stamm, der von einem drehbaren Lager am Ufer in die Strömung geschwenkt wurde. Mittels eines Seiles konnte das in der Strömung befindliche Ende mit den aufgefangenen Scheiten an das  zum Ufer gelenkt werden. War die lt. Verteilerschlüssel für den Bedarf vor Ort berechnete Menge auf Stapel gesetzt, abgenommen und quittiert, wurden die Zwingen eingezogen und die nachfolgenden Scheite gingen weiter saaleabwärts. Das war natürlich auch für die Langholzflöße von Vorteil, da damit die manchmal wochenlang andauernde Sperrung der Durchfahrt entfiel.

  1. Feb. Gemeindeversammlung zur Erhebung der Fleischsteuer (St.-A. Nr.171).

Der Pächter des Salinengasthofes hatte sich trotz Aufforderung des „Salzwerksrichters“ Törpsch wegen der Entrichtung der Fleischsteuer, die von dem im Gasthof geschlachteten und verkauften Fleisch erhoben wurde, nicht bei der Erhebungsstelle gemeldet. Man bot Weber an, eine Pauschale von 40 Talern zu entrichten. Als Alternative hatte er die Möglichkeit, von jedem Pfund gekauften oder selbst geschlachteten Fleisch 2 Pfennige zu entrichten. Dazu sollte er sein Schlachtvieh eigenes und gekauftes beim Einnehmer wiegen zu lassen. Auch sollte er möglichst sein Fleisch von der Kösener Fleischbank beziehen, wobei sich der Fleischer Hilpert verpflichtete den Gastwirt möglichst zufrieden zu stellen. Den Beschluss des Gemeinde unterzeichneten 16 Einwohner, darunter der Ortsrichter Seeboth, der Wundarzt Heßner und der Schmied Christian August Therkorn.

             Erweiterung des oberen Gradierwerkes (Mager, Aufsätze).

Nach vielen Versuchen und langjährigen Messungen stand nun das optimale Flächenverhältnis der einzelnen Repetierfälle in Bezug zur geförderten Tagesmenge fest. Damit ergaben sich für den ersten Fall 45%, den 2. Fall 26%, für den 3. Fall 17% und für den 4. Fall 10% der gesamten Gradierfläche. Um dieses Verhältnis zu gewährleisten, musste die Fläche für den ersten Fall vergrößert werden. Technologisch machbar und betriebswirtschaftlich sinnvoll war die Verlängerung des oberen Gradierwerkes um 10 Bund und die Erhöhung der Gradierwand um 1/3 (s. a. MD Rep. F4 XIII Nr. 1), zumal auch die Schüttung der höher konzentrierten Sole des oberen Schachtes dies zuließ. Außerdem gab es hier weniger Probleme mit dem Wildwasser und der Antrieb arbeitete effizienter. Der auf dem unteren Gradierhaus eingerichtete 1. Fall, über den ab und zu noch die Sole des unteren Schacht geleitet wurde, entfiel, die Gradierfläche und die Umlaufpumpen wurden für die übrigen drei Fälle neu eingerichtet. Vom oberen Gradierhaus kam die Sole nach dem ersten Fall über zwei Röhrenleitungen zum unteren Gradierhaus, wo sie infolge des Höhenunterschiedes bis zum Oberdeck aufstieg, hier die weiteren drei Fälle durchlief, bis sie entweder in das Siedesolereservoir oder gleich in die Pfannen kam.

Die Erweiterung des Nordflügels des oberen Gradierwerkes leitete Karl Anton Henschel (1780-1861), derzeitiger „Conducteur“ der Saline. Er wählte eine verbessertes Rahmenkonstruktion, den „Sägebock“, um die Standsicherheit auf dem fallenden Gelände zu sichern. Henschel der sich später als Maschinen- und Lokomotivenkonstrukteur einen Namen machte, beendete den Umbau 1811 und errichtete um 1815 auf der Saline in Sooden-Allendorf eine gleichartige Konstruktion.

1810      

    07. Feb. Order zur Versetzung von Bergrat Senff sen. in den Ruhestand  (Schröcker, Die Saline Artern)

Senff der wegen der Fortsetzung der  Sonnensalzproduktion mit dem übrigen Direktorat in Streit geraten war, wurde am 7. Sept. 1807 von Dürrenberg nach Artern versetzt mit der Anweisung, sich ausschließlich der dortigen Saline zu widmen. Nun erfolgte seine Pensionierung nach 46jähriger Dienstzeit bei vollen Gehalt. Die Sonnensalzproduktion wurde nunmehr in allen drei Salinen vollständig aufgegeben. Senff nahm 1811 seinen Wohnsitz in Merseburg.

   13.  Mär. Kostenumlage zur Beräumung der kleinen Saale (MER. C48IIIb, 5523).

Festgelegt wurde nun, dass die Saline 2/5, der Pfortaer und der Altenburger Müller sowie das Floßamt je 1/5 der Kosten zu übernehmen muss.

  1. Mai Bericht der Schulverwaltung zur Kopfsteuer (WER Rep. D Pforta II 1248).

Vier Jahr hatte das Schulamt gebraucht, um festzustellen, dass die Salinenarbeiter, die seit 1709 den Bergleuten zugerechnet wurden, aber auch die Flößer von derartigen Steuern befreit waren. Nun schlug man vor, ein entsprechendes „Regularium“ zu erlassen, in dem die alten Freiheiten aufgehoben werden, um die Arbeiter der fiskalischen Unternehmen zu besteuern.

  1. Juni Urteilsspruch des Leipziger Schöffengerichtes (WER Rep.A23I,Nr.1,Bd.1).

Trotz ausdrücklichen Verbotes hatten Hämmerling und Seyffarth den Ausschank und das Gästesetzen weiter betrieben, was ein amtliches Strafgeld nach sich zog. Dagegen hatten beide vor dem Leipziger Landgericht geklagt. Doch dieses entschied auf Zahlung der 20 Taler sowie der Verfahrenskosten. Zwei weiteren Einwohnern, G. Kleinschmidt und G. Hädicke, wurde der Ausschank bei Androhung eines Strafgeldes untersagt.

  1. Aug. Verfügung zur Kopfsteuer (WER Rep D Pforta II 1248).

Die Befreiung der Beschäftigten des Salzwerkes und des Floßamtes einschl. der Beamten wurde von Finanzkolleg bestätigt. Steuerpflichtig seien dagegen deren Witwen, Ehefrauen und Kinder, soweit sie wirtschaftlich selbständig waren und nicht in einem der Staatsbetriebe beschäftigt wurden.

  1. Nov. Verhandlungen zu den Wehrrechten (Wehrrezess).

Auf der Grundlage des Gutachtens und des Mühlenpachtvertrages führte der Kreisamtmann Coelestin August Just aus Tennstedt, einst Freund und Biograf des verstorbenen Novalis, die ersten Verhandlungen vor Ort. Dabei erklärte sich Roßner bereit, einer Schließung des Freigerinnes der Lattenfischerei zuzustimmen, wenn die Kosten von der Saline übernommen und er für den Ertragsausfall   eine Entschädigung erhalten würde.

               Bau der Chaussee von Schulpforte nach Altenburg (Almrich).

Die Trasse folgte dem Wirtschaftsweg, den schon die Mönche zur Altenburger Klostermühle angelegt hatten. Der Damm und die Gräben sollten vor Hochwasser schützen. Zur Beschattung wurden wie damals üblich mit schnellwüchisgen Pappeln bepflanzt. Mit der Fertigstellung der Chaussee verloren die Höhenstraßen ihre Bedeutung. In diesem Zusammenhang wurde den Dorfbewohnern der Ämter Pforte und Eckartsberga die Brückenfron erlassen, die sie seit der Säkularisierung des Klosters leisteten. Dafür mussten nun das Brücken- und Chausseegeld gezahlt werden.

           Wechsel des Kinderlehrers (Hinsche 1930)

Der Nachfolger des Präceptors Hesse blieb bis 1834 im Amt.

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Karl Gottlob Hilpert verklagte Wilhelmina Levin wegen aufgekündigten Kapitals.

1811      

             „Königlich Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (HStA.MÜN digit).

Zum Salinendirektorat gehörten neben v. Hardenberg sen. (Direktor und v. Witzleben (Con-Director) als Externer der Kammerherr und Oberhofgerichtsrat Fr. A. K. Freiherr v. Beust auf Zöpen.

Salz-Niederlagsverwalter zu Kösen war Gottfried Ehrengott Eschke, Erdmann Friedrich Senff jun. Salinen-Factor. Für den pensionierten Salzschreiber Wahl war H. E. W. Mayer gekommen. Zu den Unterbeamten gehörten 2 Gradiermeister, 1 Kunstmeister, 1 Kunstwärter und 2 Siedemeister.

Ludwig Maximilian von Zedtwitz war nun Kgl. Sächs. Floß-, Zoll und Landaccise-Einnehmer,   Christian Gottlob Schmeißer herzogl. Floßgegenschreiber, Puttrich Floßmeister und Burschel Floßschreiber.

             Friedrich Christian Gottlob Seeboth wird Ortsrichter (Röblitz, Heimatbuch 1930).

  1. Mär. Stellungnahme des Schulamtes zur Reparatur des Wehrdammes (WER Pforta II 941).

Wie bereits 1763 und 1780 hatte die Saline das Schulamt aufgefordert, den Wehrdamm zu reparieren. Daraufhin wurden beim Finanzkollegium Mittel beantragt, weil das Schulamt wegen der Kosten für die Beseitigung der Schäden während des Kriegszuges im Jahr 1806, dafür keine Gelder hatte.

  1. Apr. Anweisung an das Oberforstamt (WER Pforta II 941).

Es wurde angewiesen, die zur Reparatur des Wehrdammes benötigten Hölzer aus den Freyburger Amtswäldern bereitzustellen.

  1. Juni Reskript des Finanzkollegiums (WER Pforta II Nr. 941).

Graf von Hohenthal empfahl dem Finanzkollegium, die Kosten zu gleichen Teilen dem Floßamt, dem Schulamt und der Saline aufzuerlegen. Dem widersetzte sich die Floßbehörde, so dass es bei einer Kostenteilung zwischen dem Schulamt und der Saline blieb.

  1. Juli   Schreiben an den Amtmann Just (Wehrrezess).

Das Schulamt hatte unter bestimmten Voraussetzungen, die insbesondere den Lachsfang betrafen, dem Vergleichsvorschlag zugestimmt. Daraufhin wurde Just angewiesen, umgehend den Rezess zu beurkunden und die erforderlichen baulichen Maßnahmen zu kontrollieren.

  1. Aug. Königlicher Befehl an das Salzwerk (WER Pforta II Nr. 941).

Salzwerk und Schulamt sollten sich über den Einsatz der Amtsfröner am Wehr verständigen.

  1. Aug. Hauptrezess zur Regelung der Wasserentnahme am Wehrdamm (Roßner, 1932).

Zu den Unterzeichnern dieses bedeutsamen Vertrages gehörten der Müller Chr. G. Roßner, der Salinendirektor H. U. E. v. Hardenberg, Finanzrat G. H. v. Witzleben, Bergrat Fr. W. Heun, der Schulinspektor Ferd. Bernh. v. Watzdorf, Rentmeister E. C. Herbst, und der Amtmann S. P. Gutbier. Als Sachverständige waren auch der Kunstmeister Brendel aus Dürrenberg und der Müller Schirlitz aus Roßleben zugegen.

Der Vertrag regelte die Wasserentnahmemenge, um allen Nutzern einen ausreichenden Wirtschaftsbetrieb zu ermöglichen, wobei natürlich die Interessen des Fiskus bezüglich der Saline im Vordergrund standen. Für die Schließung des „wilden Gerinnes“ der Lattenfischerei des Müllers, erhielt dieser jährlich von der Saline 40 Taler als Entschädigung. Außerdem wurde ihm erlaubt, unterhalb des Dammes eine kleinere Lattenfischerei zu errichten. Die Lachse mußten wie bisher in der Schule abgeliefert werden, wofür er ein Fangegeld erhielt. Das Mühlengerinne wurde so verändert, dass die durchströmende Wassermenge effektiver ausgenutzt werden konnte. Die Fachbäume und Grießsäulen, die den Wasserstand markierten, wurden neu justiert und eine eigenmächtige Veränderung strengstens untersagt.

  1. Dez. Genehmigung des Rezesse durch König Friedrich August (dto).

Der Amtmann Just wurde wegen seines erfolgreichen Vertragsabschlusses gelobt. Er erhielt neben den regulären 35 Talern Aufwandsentschädigung eine Gratifikation von 50 Talern, die er aus der Kasse des Salinenfiskus zur Hälfte in bar sowie als „ Kassenbillets“ erhielt.

1812        

  1. Jan. Anordnung zur Hausschlachtung (St.-A. Nr. 171).

Zur Erhebung der Fleischsteuer, wurden alle Einwohner, die zu Hause schlachteten sowie die beiden Fleischhauer Hilpert und Matthes verpflichtet, vor jeder Schlachtung die „Steckzettel“ beim Fleischsteuereinnehmer Hämmerling abzuholen und sich bei Nichtbefolgung der gesetzlichen Strafe zu unterwerfen. Diese Erklärung unterschrieben der Ortsrichter Fr. Seeboth, J. A. Haun, J. S. Hänel, Fr. W. Heßner, J. Chr. G. Hübsch, G. Pechmann, G. Wagner, G. Seidler, J. Chr. Müller, J. G. Hilpert, H. Matthes, J. M. Gundermann, A. Junold, G. Sträuber, g. Fr. Platz, J. G. Hämmerling, Eva-Maria Heisenberg, Rosina maria Förster, J. C. Törpsch, G. H. Burschel und J. Chr. Hoffmann.

  1. Aug. „Etwas über den Kösener Gesundbrunnen“ (Naumburger Wochenblatt Jg. 1 Nr. 30/31).

Unter diesem Titel beschrieb der Naumburger Arzt Dr. Kayser den bislang von Einheimischen und Gästen zu Trink- und Badezwecken genutzten Mühlbrunnen. Obwohl die Quelle inzwischen mit dem Backhaus der Roßnerschen Mühle überbaut war, gab der Müller, der die Sole zum Branntweinbrennen nutzte, diese auch an alle anderen UInteressenten ab. Eine chemische Analyse des Apothekers Römler hatte ergeben, dass der Brunnen die gleichen Bestandteile wie der von Bibra aufwies. Der Mühlbrunnen war aber ergiebiger, so dass man die Sole auch zu Badezwecken nutzen konnte. Zwar hätten beide orte eine angenehme Lage, jedoch wäre Kösen "mit artigen zweckmäßig eingerichteten Wohnungen“ versehen, die Einwohner wären  „billig in ihren Forderungen, gefällig in ihrer ganzen Behandlung , wissen sie die Fremden bald einheimisch zu machen und keiner der sich auf einige Wochen zu ihnen begibt, hat zu besorgen, daß durch Mangel häuslicher Bequemlichkeit, durch Langeweile bei ungünstiger Witterung oder gar durch verdrießliche Mienen seines Wirtes …. die Heiterkeit seines Gemütes gestört und in den Wirkungen des Bades auf seine Gesundheit zurückgesetzt werden möchte“.

        „Verzeichnis der diesjährigen Badegäste zu Kösen“ (Naumburger Wochenblatt)

Demnach  kamen 34 Badegäste, darunter der Naumburger Stadtrichter und spätere Landrat C. P. Lepsius, der Geheime Finanzrat v. Witzleben, Mitglied des Salinendirektorats und die Gattin des Pfortaer Arztes Dr. Ulich. Weitere Badegäste kamen aus Weißenfels, Dresden, Kölleda, Gotha und Wurzen.

16. Nov. Vergleich des Salinenfiskus mit den Altenburger Schankwirten (WER Rep. F 23, I Nr. 1 Bd. 3)

Das Verbot des Ausspannens zugunsten des Salinengasthofes wurde förmlich aufgehoben, was sich schon vor der Fertigstellung der Chaussee von Kösen über Schulpforta nach Naumburg als wirkungslos erwiesen hatte. Axt und Baer zahlten dafür jährlich 1 Taler, 10 Silbergroschen.

              Grundstückskataster zur Einführung einer neuen Grundabgabe (WER D34/1/713)

                Abschluss eines Erbpachtvertrages über die Saalhäuser (Kaufmann 2015).

Nach Ablauf des sechsjährigen Zeitpachtvertrages erhielt der aus Niedermöllern stammende Weinbauer Schumann die Saalhäuser zum Eigentum.

1813

     6. Apr. Die ersten Kosaken passierten das Amt Pforte (Aufzeichnungen des Rentmeisters Herbst).

Nach der preußischen Kriegserklärung gegen Napoleon und dessen Bundesgenossen streiften preußische und russische Abteilungen durch Kursachsen. Bereits am 03. April meldete das Naumburger Wochenblatt das Vorrücken fremder Truppen und ermahnte die Bevölkerung zur Vorsicht und Zurückhaltung..

  1. Apr. Einquartierung russischer und preußischer Vorhuten (s.a Haubold, Heimatbuch).

    16.  Apr. 1. Gefecht bei Kösen.

Französische und Badische Truppen, die die Brücke überqueren wollten, wurden durch die in Pforte lagernden Verbündeten zunächst bis Hassenhausen zurück gedrängt, bevor sie der unter Marschall Ney anrückenden Hauptmacht wichen.

  1. Mai Kaiser Napoleon passiert die Saalebrücke.

Bei Pforte ließ er halten und zwei Kavallerieregimenter passieren, denen er nach Großgörschen folgte. Diese Regimenter waren in der vorangegangenen Nacht in Kösen einquartiert worden, wobei auf jeden Hauswirt 50-60 Franzosen kamen (Seffner).

  1. Mai Einquartierung verwundeter Franzosen (Haubold, Heimatbuch 1930).

Napoleon behauptete dank seiner zahlenmäßigen Überlegenheit das Schlachtfeld, die Preußen und Russen zogen sich zurück.

  1. Juli. Veröffentlichung der Kurliste (Naumburger Wochenblatt Jg. 2 Nr. 30,32, 34).

Trotz der kriegerischen Ereignisse hielten sich hier 63 Badegäste auf, darunter erneut der Geh. Finanzrat v. Witzleben mit Gattin und Tochter, der Floßmeister v. Zedtwitz und auch der Direktor der französischen Hospitäler in Naumburg Dr. Stannarius. Weitere Gäste kamen aus Leipzig, Gotha und Weißenfels.

  1. Aug. Vereinbarung zur Errichtung eines Armenhauses in Neu-Kösen (St.-A. Nr. 60).

Seit 1809 besaß die Gemeinde ein Armenhaus, das aber nicht mehr zu benutzen war. Nun besiegelte der Schulenamtmann mit den Gemeindevertretern dem Richter Seeboth und den Schöppen Joh. Chr. Haun, Joh. Samuel Hähnel und J. G. Schröter eine Vertrag über die Anpachtung eines Platzes „an der Lehmgrube“ an der Fränkenauer Trift neben dem Sträuberschen Anwesen (Burgstraße 14)  mit einer Fläche von 22 x 16 Ellen. Das Lehen erhielt der Kunstwärter Gottfried Kühn.

  1. Sep. Durchzug und Einquartierungen von Russen, Preußen und Österreichern.

Nach der Kapitulation der französischen Besatzung von Naumburg vor dem Korps des zu den Verbündeten übergegangenen sächsischen Freiherrn von Thielemann, bezog dessen Stab sein Quartier in der Schule.

  1. Sep. 10.000 Mann, zumeist französische Kavallerie passieren die Brücke.

Nachhuten des bei Freyburg stehenden Thielemannschen Korps, bedrohten die Franzosen im Rücken.

  1. Sep. Handstreich des Generals Thielemann.

Er bemächtigte sich eines größeren Nachschubtransports und nahm mehrere hundert Mann der Bedeckung gefangen. Wegen der nachrückenden Einheiten des Generals Le Febre Desnouettes musste er einen Teil davon stehen lassen, der von den Einwohnern geplündert wurde.

  1. Okt. Durchzug des 600 Mann zählenden Kavalleriekorps Lefebre.

      5.  Okt. Ankunft von Teilen des Augerauschen Korps.

Nachdem sich General Lefebre in Kösen einquartiert hatte, legte sich das ihm folgende Augerausche Korps in Pforte ein. Nach kurzer Einquartierung zogen die Franzosen am 8. Oktober über Naumburg nach Leipzig.

  1. Okt. Österreichische Truppen rücken in Naumburg ein.

    14.  Okt. Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig.

Napoleon befahl dem IV. Armeekorps unter Bertrand die Sicherung der Rückzugswege über Weißenfels, Freyburg auf Eckartsberga, insbesondere sollten Brücken über die Saale und die Unstrut gesichert werden. Gleichzeitig setzten die Verbündeten österreichische Truppen unter Generalfeldzeugmeister Graf Ignaz Gyulai in Marsch. Offiziell sollten diese die Brücken in ihre Hand bekommen, um den Franzosen die Rückzugslinien zu versperren. Insgeheim sollte Gyulay aber einem Rückzug Napoleons, dem Schwiegersohn des österreichischen Kaisers nicht allzu große Hindernisse in den Weg legen.

  1. Okt. Geplänkel am Kösener Berg (F. Kretschmar: Das Gefecht bei Kösen)

Die Franzosen unter Bertrand hatten die Unstrutbrücke in Freyburg gesichert und rückten über Großwilsdorf auf die Kösener Höhen vor. Sie sollten zur Sicherung der linken Flanke der nach Eckarstberga gehenden Hauptmasse die Kösener Brücke zerstören und damit den Übergang der Verbündeten verhindern. Dagegen hatte Gyulai von Naumburg 4 Kompanien Infanterie, 1 Schwadron leichte Reiterei und 4 Kanonen unter dem Kommando des Majors Graf Gatterburg zur Brücke beordert. Die österreichischen Vorposten standen zwischen der Fränkenauer Hohle und der nach Hassenhausen führenden Chaussee. Dazu kamen weitere 8.000 Kosaken unter dem Hetmann Platow, die der Oberbefehlshaber Fürst Schwarzenberg zum Schutz von Schulpforte entsandt hatte. Die Franzosen biwakierten bei Pomnitz.

  1. Okt. Gefecht bei Kösen (F. Kretzschmar: Das Gefecht bei Kösen).

In der Morgendämmerung gingen die Franzosen durch das Schenkenholz und griffen die bei Fränkenau stehenden Vorposten der Verbündeten an, worauf sich diese durch die Hohle auf Neu-Kösen zurückzogen. Vor den Häusern und dem Floßamt, die zur Verteidigung eingerichtet waren, stockte der Angriff der Franzosen. Inzwischen waren 12 Geschütze auf der Fränkenauer Höhe aufgefahren und nahmen die Brücke unter Beschuss und die verstärkte französische Infanterie drang nun vom Jochenberg in Neu-Kösen ein, um die Brücke zu nehmen. Als die Nachricht von den Kämpfen in Naumburg eintraf, befahl Gyulai das Vorrücken der Truppen. Gegen 8 Uhr erreichten die Kavallerieschwadrone von Thielemann und Mensdorffs Alt-Kösen, die nachfolgende Gardejäger besetzten den Rechenberg und bedrohten die durch Neu-Kösen auf die Brücke vorgehenden Franzosen in der Flanke. Als die Hauptmasse der Infanterie eintraf, ging die Spitze ungeachtet der Kanonade sofort über die Brücke. Im Dorf entwickelte sich nun ein Kampf Mann gegen Mann. Den inzwischen zahlenmäßig überlegenen Verbündeten waren die Franzosen nicht gewachsen und zogen sich auf die Höhen zurück. Kritisch wurde die Situation als es frisch herangeführten französischen Kräften gelang, die Verbündeten wieder auf das Dorf zu drängen und entlang der Dorfstraße erneut auf die Brücke vorzugehen. Unter persönlicher Führung des Feldzugmeisters gingen frische Infanterieregimenter über die Brücke, denen es nun gelang, die Franzosen endgültig zu werfen und die Brücke trotz andauernder Kanonade zu halten. Am späten Nachmittag endeten die Kämpfe. In dem Gefecht standen sich 6.000 Verbündete und 7.000 Franzosen gegenüber. Auf Seiten der Verbündeten gab es 930 Tote, Verwundete, Vermißte und Gefangene, bei den Franzosen und ihren Verbündeten wurden 270 Tote, 630 Verwundete und 649 Gefangene gezählt.

Das Floßamt neben der Saalebrücke wurde durch den Beschuss weitgehend ruiniert und von den durchziehenden Preußen und Österreichern geplündert. Der Ober-Floß-Commissarius v. Zedtwitz samt Familie musste nach Naumburg übersiedeln. Auch die unmittelbar neben der Brücke stehenden Häuser, der Gasthof und das untere Schachtgebäude hatten erhebliche Schäden erlitten. Später mauerte man einige Kanonenkugeln in das die Häuser neben der Brücke. Unter den Einwohnern gab es keine Opfer, die meisten hatten ihre Häuser verlassen und waren nach Flemmingen und Lengefeld geflüchtet.

Beim Zusammentreffen des Preußenkönigs Friedrich-Wilhelm II. mit dem Fürsten Schwarzenberg und dem zum kaiserlich-russischen Generalgouverneur für Sachsen ernannten Fürst Repnin in Naumburg wurden der Fürstenschule zwei Schutzbriefe ausgestellt.

Nach Kretschmars Beschreibung im „ Das Gefecht bei Kösen“ zählte das Dorf zu dieser Zeit 4 bis 500 Einwohner in 50 Häusern. Zu Alt-Kösen gehörten die Saline mit den beiden markanten Schachtgebäuden, der Salinengasthof und die Pachtschäferei. Links über der Brücke und ebenfalls noch zu Alt-Kösen zählend, standen zwei Wohnhäuser (heute An der Brücke 2) und die Roßnersche Pachtmühle. Auf der anderen Seite der Chaussee, die Floßmeisterei. Das Dorf Neu-Kösen begann am Abzweig der Fränkenauer Trift von der Eckartsbergaer Landstraße. Hier standen 8 Häuser (Lindenstr. Nr. 12, 14, 16, 18, 20, 21, 22, 24). Vor dem ehemals Borlach jetzt dem Maurermeister Werner gehörenden Stadtgut zweigte der Lengefelder Fahrweg ab, der inzwischen durchweg zweiseitig bebaut war. Hinter dem Stadtgut zweigte der Fußweg zum Jochenberg ab. Hier lag nur das Armenhaus.

  1. Okt. Die Franzosen räumen die Fränkenauer Höhe.

Nach dem Abzug der Franzosen, die die Domäne Fränkenau völlig ausgeplündert hatten, befahl Fürst Schwarzenberg von Naumburg aus, die weitere Verfolgung. Noch in der Nacht brach die Vorhut auf. Bei Tagesanbruch ging die Hauptarmee über die Brücke in Richtung Hassenhausen-Eckartsberga.

  1. Okt. Landes-Gouvernements-Verfügung Nr. 1 (Naumburger Wochenblatt).

Der Chef der Verwaltung des seit dem 12. Oktober besetzten Königreichs Sachsen, Repnin, erließ eine ganze Reihe von Verfügungen. Dazu gehörte die Unterstellung der sächsischen Armee unter das Kommando des Gen.-Ltn. Freiherrn v. Thielemann aber auch der Erlass „Die dringensten Vorkehrungen zur Abhelfung des Nothstandes im Land betreffend“. Dazu gehörten auch die Entschädigungen, die die Bevölkerung für Einquartierungen und Kriegsschäden an Hab und Gut erhielt. Darunter befand sich auch die "Reklamation des Holzhändlers Bechmann und Konsorten zu Kösen an Frankreich wegen zur Befestigung der Stadt Naumburg und der angelegten Schanze bei Roßbach gelieferte Holz" (MD C20 I, Ia, Nr. 3962). Außerdem brach im Gefolge der Einquartierungen  eine Typhusepedemie aus.

1814   

       Jan. Verwaltungsreform im Gouvernement Sachsen (Allg. Gesch.)

Die Ämter des Thüringischen Kreises wurden mit der Grafschaft Mansfeld, dem Fürstentum Querfurt und dem Stift Naumburg-Zeitz zusammengelegt. In Naumburg wurde Kreissitz mit dem eigentlichen Stiftsgebiet sowie den Ämter Eckartsberga, Freyburg, Pforte, Tautenburg, Weißenfels, Haynsburg und Zeitz.

Zum Landrat wurde Carl Peter Lepsius ernannt. Der war seit 1812 Stadtrichter in Naumburg und seit 1812 Finanzprokurator des kursächsischen Thüringischen Kreises. Nach der Völkerschlacht wurde er in die kaiserliche Russische Gouvernementsverwaltung berufen.

             Einquartierungsdekret (WER D 34/1/783).

Für die unter Administration stehenden sächsischen Ämter galt nun die preußische Einquartierungsvorschrift. damit entfiel für die Kösener Einwohnerschaft die bisherige Befreiung.

  1. Apr. Antrag auf Pauschalierung der Fleischsteuer (St.-A. Nr. 171).

Hilpert und Matthes sowie der Gasthofpächter Weber wollten einen jährlichen Festbetrag in die Fleischkasse einzahlen, um sich die aufwändige Einzelerhebung zu ersparen.

  1. Apr. Bekanntmachung zum Floßholzhandel (Naumburger Wochenblatt Nr. 17).

Die zur Holzmesse verhandelten Bauhölzer durften nur noch gegen Barzahlung verkauft werden. Die bis dahin übliche Zahlung der Hälfte des Preises mit Kgl. Sächsischen Kassenbillets wurde untersagt.

  1. Mai Revision des Kunstgestänges (DD Loc 1337 VII)

Finanzrat v. Witzleben und der Kunstmeister Brendel besichtigten das Kunstgestänge. Das Einfeldgestänge war noch brauchbar, doch das Doppelfeldgestänge drohte zu zerbrechen. Hier hingen 36 Pumpen, 21 im Schacht unter Tage mit einer Förderhöhe von 546 Fuß (153 m), über Tage 3 Pumpen mit 74 Fuß (20,8 m) Förderhöhe, 6 Pumpen im Wildwasserschacht und 6 auf dem Gradierwerk.Senff, Judersleben und der Kunstmeister Müller wurden angewiesen, die erforderlichen Reparaturen zu erfassen und Brendel sollte die Anschläge begutachten. Eine Zeichnung des Doppelfeldgestänges zeigt, dass das Gestänge über der kleinen Saale ohne Mittelpfeiler auskam und nur von einem technisch ausgereiften Sprengwerk gehalten wurde.

  1. Juni Der Gasthof wird dem Ehepaar Weber verpachtet (WER Rep. A 23I Nr. 1) .

In Anbetracht der politischen Veränderungen wurde vom Lande-Gouvernement die Verlängerung der Pachtzeit bis 1823 genehmigt, zumal sich Weber inzwischen auch bereit erklärte, die erforderlichen baulichen Verbesserungen des Gasthofs sog. „Meliorationen“ auf eigene Kosten vorzunehmen.

  1. Aug. Veröffentlichung der Badelisten (Naumburger Wochenblatt Jg. 3 Nr. 33, 34, 35).

86 Badegäste besuchten den Ort, darunter auch russische und österreichische Offiziere der Naumburger Besatzung und der Oberhofgerichtsrat Prof. Weise mit Gattin und Tochter aus Leipzig.

Außerdem wurde der Bericht von Dr. Kayser über den „Kösener Mineralbrunnen“ fortgesetzt. Dabei empfahl er nochmals diesen zu Bädern zu nutzen. Es wäre ein gleichwertiger Ersatz der Seebäder bei den „mehrsten Krankheiten, welche unter so unzähligen Gestalten unser Zeitalter heimsuchen“. Außerdem geht daraus hervor, dass Kayser mit Sole „scrophulöse Augenentzündungen“ erfolgreich behandelt hatte. Eine weitere chemische Analyse des Mühlbrunnens hatte inzwischen der Salinenfactor Senff vorgenommen.  

1815

  1. Jan. Erbpachtvertrag über die Salinenschmiede (WER Rep F23, II Nr. 21 Bd.3).

Der Nachfolger des 1814 verstorbenen v. Hardenberg, Geh. Finanzrat G. H. von Witzleben schloss mit dem Hufschmiedemeister J. A. Deisen den Erbpachtvertrag ab. Für eine unverzinsliche Kaution von 700 Talern und einer jährlichen Pacht von 15 Talern erhielt der Schmied das Monopol für Huf- und Grobschmiedearbeiten für die Saline und das Dorf, mit Ausnahme der Siedepfannen, was der salineneigenen Pfannenschmiede vorbehalten blieb. Dem Vertrag wurde eine umfangreiche Inventarliste beigefügt, leider ist die dazugehörige Zeichnung nicht mehr vorhanden. Diese Schmiede befand sich auf dem Grundstück Rudolf –Breitscheid-Straße 14, unmittelbar neben der Therkornschen Bergschmiede (Nr. 10).

  1. Jan. Gutachten zur Instandsetzung der Gestängeanlage (WER Rep. F 23 Kap. III)

Der Freiberger Kunstmeister Karl Christian Brendel hatte im Auftrag des Direktors v. Witzleben die vom Baumeister Judersleben gemachten Vorschläge zur Reparatur der „Maschinerie“ begutachtet. Während er in technischer Hinsicht nur wenig anzumerken hatte, gab es bezüglich der Kostenkalkulation erheblichen Nachbesserungsbedarf. So monierte Brendel die von Judersleben angenommenen Transportkosten für die benötigten Eisenteile. Diese könnten die Salzfuhrleute, die Dürrenberger Salz nach Torgau brachten als Rückladung mitbringen, was die Kosten halbieren würde. Von Dürrrenberg würden sie dann mit den Glaubersalztranporten nach Kösen gebracht. Dennoch war der finanzielle Aufwand hoch, so dass Brendel empfahl die Arbeiten, auf drei Jahre zu strecken.

  1. Mär. Vereinbarung zur Instandsetzung des Schützes am Scheitbach.

Das herzogl. altenburgische Saalefloßamt in Kahla und das nunmehr preußische Amt vereinbarten die Kostenteilung.

  1. Mär. Zwangsversteigerung von Kohlegruben (Naumburger Wochenblatt Jg. 4 Nr. 7).

Zum Aufruf kamen die hälftigen Anteile, die der Holzhändler Gottlob Seidler an den „Braunkohlen-, Förderungs- und Streichanlagen“ in Wetterscheid und Naumburg hatte im Wert von 2929 Talern. Seidler befand sich wegen des kriegsbedingten Einbruchs des Bauholzhandels in finanziellen Nöten.

               Franz von Gaudy, erster preußischer Alumnus in Pforte.

Später ein namhafter Schriftsteller schrieb er in den „Flüchtige Gedanken eines Portensers…“:-„Wer wäre wohl jemals von Leipzig nach Weimar gefahren… und hätte nicht in dem durch seine Salzwerke, mehr aber noch durch seine Zuckerwerke, durch Kuchen nämlich, bekannten Kösen haltgemacht, um einen der letztern bei dem berühmten Herrn Hemmerling …“

  1. Mai Wiener Friedensvertrag zwischen Preußen und Sachsen (Allg. Gesch, Nbg. Wochenblatt).

Dabei verlor das Königreich Sachsen über die Hälfte seines Landes an Preußen, neben dem Kurkreis auch den Thüringer Kreis und die Stifte Naumburg-Zeitz und Merseburg, mit den dortigen Salinen. Daher verpflichtet sich Preußen, zur Belieferung der zu Rest-Sachsen gehörenden Salz-Niederlagen. Eine detaillierte Regelung erfolgte 1819.

Die Abfassung des Vertrages und die Verhandlungen leitete der preuß. Staatsminister Freiherr von Hardenberg.

  1. Mai Friedrich August ratifiziert den Friedensvertrag (Allg. Gesch).

Sachsen verzichtete für alle Zeit auf die abgetretenen Gebiete.

  1. Juni Entbindung vom Untertaneneid (Naumburger Wochenblatt Jg. 4).

Damit entließ der König seine Untertanen in dem an Preußen gefallenen Gebieten. Sachsen umfasste nun das Kerngebiet der Mark Meißen. Das bisher in Dresden residierende Gouvernementsregierung wechselte nach Merseburg und leitete von hier aus die Einführung der preußischen Landesverwaltung, des Landrechtes, der Militär-, Polizei-, Steuer- und Finanzstrukturen in der nun als Herzogtum Sachsen bezeichneten preußischen Provinz. Diese wurde in drei Regierungsbezirke aufgeteilt, Magdeburg mit der Altmark und den Stiften Magdeburg und Halberstadt, südlich und durch das Fürstentum Anhalt fast vollständig getrennt der Reg. Bezirk Merseburg, zu dem das Schulamt Pforte mit Kösen und die Stifte Naumburg-Zeitz und Merseburg zusammengefasst wurden. Der Rest des Thüringer Kreises entlang der Unstrut und das ehemals kurmainzischen Gebiet bildete den Reg.-Bezirk Erfurt. Zugleich erfolgte die Grenzfestlegung zum Herzogtum Sachsen-Meiningen-Altenburg und zum Großherzogtum Weimar.

            Entschlammung der kleinen Saale.

Wie bisher üblich sollten die Kosten zwischen der Saline (2/5), der Landesschule bzw. deren Mühlenpächtern in Pforte und Altenburg (2/5) und dem Floßamt (1/5) aufgeteilt werden. Wegen der Neuordnung der Verwaltung kam es nun zu einem bis 1822 dauernden Streit zwischen den nunmehr preußischen Behörden über die Zahlung ihrer Anteile.

  1. Juli Die Landesschule wird dem preußischen Provinzialschulkollegium unterstellt.

    10.  Juli Geschäftsanzeige des Gastwirts J. S. Weber (Naumburger Wochenblatt Nr. 34).

Dieser lud die Badegesellschaft für den Sonntag zu einem „table de hote“ mit warmen und kalten Speisen, Musik und guter Bedienung ein. Die erste Badeliste in dieser Ausgabe verzeichnete 39 Gäste aus, darunter auch wieder C. P. Lepsius. Leider wurden keine weiteren Kurlisten abgedruckt. Erst 1821 erschienen diese Kurlisten wieder im Naumburger Kreisblatt.

     Okt. Begutachtung der Klosterkirche durch die preußische Oberbaudeputation.

Unter Leitung von Karl Friedrich Schinkel erfolgte die Erfassung bedeutender Denkmale der an Preußen gekommenen sächsischen Provinzen.

            „Vollständiges Staats, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen“ (Digit. google Books).

Die Angaben in der 1818 in Zwickau erschienenen Erstausgabe von August Schumann gehen auf die Jahre um 1810 zurück. Demnach hatte das Dorf hatte 370 Einwohner und 50 Wohngebäude. Es gab keine eigene Flur, die Hausbesitzer waren der Schule erbzinspflichtig, allerdings waren sie von Frondiensten und Einquartierungen befreit. Für die Benutzung der Brücke, deren Errichtung in die Zeit Markgraf Heinrichs (des Erlauchten) datiert wurde, war ein Brückenzoll zu entrichten. Die Unterhaltung der Brücke oblag dem Amt Eckartsberga.

Die Verhältnisse bei der Flöße sind zutreffend beschrieben. Im jährlichen Wechsel brachte die herzoglich-altenburgischen Flöße 12 bis 18.000 Klafter und die „Commun-Flöße“ (Kgr. Sachsen, Großherzogtum Sachsen-Weimar, Herzogtum Sachsen-Altenburg) 20 bis 35.000 Klafter. Das Holz der Commun-Flöße wurde am Kösener Rechen aufgefangenen und auf die Stapel gebracht und an die sächsischen Floßbeamten übergeben. Die brachten es weiter saaleabwärts zu den Holzhöfen in Weißenfels, Dürrenberg, Merseburg und Holleben. Nach Halle kamen noch 4 bis 6.000 Klafter. Auf dem Kösener Stapel verblieben 6 bis 7.000 Klafter, für die Saline, die Schule und für die Versorgung von Naumburg und Umgebung. Der Klafter maß hier ca. 2,5 Festmeter.

Zum Floßamt gehörten der Oberaufseher, der Floßmeister und drei Floßschreiber. Bei der „Commun-Flöße“ kam noch ein herzoglich-altenburgischer Beamter als „Gegenschreiber“ hinzu. Von den im Frühjahr eintreffenden Bauholzflößen wurde bei Übergang über das Wehr der Einfuhrzoll, dass Saalecker Geleit und die Landakzise von den mitgeführten Holzwaren (Bretter, Pflöcke, Schwarten, Böttcherholz) erhoben. Verkauft wurde auf den Messen zu Ostern und Johannis in der Saaleaue zwischen dem Fischhaus und Altenburg. Jährlich wurden 500 bis 600 Flöße, die jeweils 30 bis 50 Stämmen hatten verkauft. Der größte Teil wurde weiter geflößt, aber auch auf der Unstrut stromauf getreidelt.

Die Saline erzeugte jährlich 42.000 Dresdener Scheffel Kochsalz, wozu früher 3.000 Klafter Holz und nun 100.000 Scheffel Erdkohlen verfeuert würden. Außerdem wurden aus den Siederesten 800 Zentner Glaubersalz und Magnesia gewonnen. Die Sonnensalzfabrikation umfasste 350 Kästen mit einer Fläche von 8.000 Quadrat-Ellen.

Die Tiefe der Solebrunnen wurde mit 82 Lachtern bzw. 575 Fuß (163 m) angegeben. Die Saline belieferte aus der dazugehörenden Salzniederlage die Ämter des thüringischen, neustädtischen und vogtländischen Kreises. Das Personal der Saline wurde mit 11 angegeben, offensichtlich nur die Ober- und Unterbeamten, die der Gerichtsbarkeit des Salinenfiskus unterlagen. Die übrige Einwohnerschaft gehörte zur Gerichtsbarkeit des Schulamtes.

Das Rittergut Kreypitzsch mit der Rudelsburg, Lengefeld und den Gerichten in Freiroda gehörte zum Amt Eckartsberga. Eingepfarrt war das Gut nach Saaleck, nachdem die Lengefelder Filialkirche eingegangen war..