Alt- und Neu-Kösen, kursächsisches Floßamt und Saline 1681 bis 1815

Nach dem 30jährigen Krieg lag das Vorwerk Kösen in Trümmern. Auch die Mühle und das Floßamt hatten durch die jahrelangen Kriegszüge erheblich gelitten. Sachsens Kurfürsten Johann Georg III. Johann August IV. und Friedrich August I. aber auch die ernestinischen Herzöge waren nun bestrebt, die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges, der gerade ihren Ländern arg mitgespielt hatte, rasch zu überwinden. Kursachsen widmete sich intensiv dem  Aus- und Aufbau von Staatsbetrieben und Manufakturen, womit bereits Kurfürst August I. in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begonnen hatte und vielen aufgeschlossenen Landesherren als Vorbild diente. 

Ein wichtiges Handelsgut für die sächsischen Staaten beider Linien war neben dem Holz, das Salz. Salz wurde aus Sole gewonnen, die als Bergschatz landesherrliches Regal war. Die Erträge aus dem Salzhandel und die davon erhobenen Zölle flossen in die herrschaftliche Kasse.

In Kursachsen gab es zu Beginn des 17. Jahrhunderts nur die kleinen gewerkschaftliche Salinen  Teuditz, Kötzschau und Altensalz und man war auf die Einfuhr aus dem „Ausland“, aus Frankenhausen (Schwarzburg), Sulza (Sachsen-Altenburg) und den zum Erzstift Magdeburg gehörenden Salinen Groß-Salze und Staßfurt angewiesen. Hauptlieferant war die Saline zu Halle deren Pfännerschaft seit 100 Jahren mit Kursachsen die Lieferung von Brennholz aus der Saale- und Elsterflöße Brennholz vereinbart hatte. 1680 nach dem Tod des bisherigen kursächsischen Administrators, fiel das Erzbistum Magdeburg samt Halle an Brandenburg-Preußen. 1721 ließ König Friedrich-Wilhelm I. hier eine  fiskalische Saline errichten, weil sich die Salzbrüderschaft im „Thale“ auf ihre althergebrachten Rechte und Gewohnheiten pochend weigerte, ihre inzwischen völllig unwirtschaftliche Salzherstellung zu modernisieren.

Weil Kursachsen das Salz zum größten Teil aus dem Ausland bezog, ging viel Geld verloren. Außerdem blühte der Schwarzhandel und bescherte dem Fiskus weitere Einnahmeverluste. Kurfürst Friedrich August, 1697 zum polnischen König gewählt, war in ständiger Geldverlegenheit und suchte ständig nach Möglichkeiten, die Kammereinkünfte zu erhöhen.

Dazu bemerkte der Kameralist Johann Heinrich Gottlob von Justi: „Wenn nun der Landesherr selbst Salzwerke in seinen Landen hat; so ist es allerdings billig, daß er den Debit desselben vorzüglich befördert, damit  unnöthiger Weise für Salz kein Geld außer Landes geht. Zu dem Ende ist es gar wohl befugt, nicht allein die Einfuhr alles fremden Salzes scharf zu verbieten, den Salzverkauf sich allein vorzubehalten, und zu diesem Behufe allenthalben Salzmagazine, Niederlagen und Verkaufshäuser anzulegen, sondern auch die Unterthanen anzuhalten, daß sie erweisen müssen, wie sie ihr benöthigtes Salz wirklich daselbst gekaufet haben, wann anhero sie sich bey dem Kaufe desselben eine Bescheinigung geben lassen müssen.“

Die Suche nach Solequellen und die Einrichtung effektiv produzierender Salinen waren riskant und kosteten viel Geld. Privatleute und Gewerkschaften waren damit überfordert, so dass hier nur der Fiskus als Unternehmer tätig werden konnte. Da das Vorhandensein von guten und preiswerten Brennmaterial von entscheidender Bedeutung für die Sudsalinen war, konzentrierte sich die Suche nach Salzquelle auf die Nähe von Flüssen, auf denen ausreichend  Brennholz angeflößt wereden konnte.

Ziel war es, Kursachsen, vom Salzimport unabhängig zu machen, was den fiskalischen AKD-Salinen im ausgehenden 18. Jahrhundert auch gelang.

 

1681

  1. Mär. Vereinbarung zur privaten Bauholzflöße (WER Rep. D Pforta II, 1249).

Die „Flößer-Compagnie“ der oberländischen Holzhändler, erhielt vom Schulverwalter die Genehmigung, während der Holzmessen am rechten Ufer in Höhe des Fischhauses Pfähle einzuschlagen und dort ihre Flöße anzubinden. Dafür wurden jährlich 35 Gulden als Entschädigung für Schäden an den Ufern gezahlt. Während der Holzmessen durfte der Pächter des Fischhauses einen Ausschank betreiben und „Gäste setzen“. Die verkauften Flöße  wurden weiter saaleabwärts gebracht, ein Teil auch auf der Unstrut stromauf getreidelt.

 

  1. Apr. „Unterthänigstes Memorial“ des Salzschreibers Jakob Abraham Christner.

Christner, der nach 18 Jahren aus der herzoglich-altenburgischen Saline zu Sulza ausgeschieden war und sich in Naumburg niedergelassen hatte, schlug dem Kurfürsten Johann Georg III. die  Niederbringung eines Solschachtes in Kösen vor.  Seine Annahme, gerade hier auf Sole zu treffen, begründete er mit den vergleichsweise typischen Landschaftsformen. Möglicherweise wußte er auch um das Salzwerk, dass der Floßschreiber Maul in seinem Diarium erwähnte und das in den Wirren des 30jährigen Krieges  eingegangen war. Vorteilhaft sei auch, dass aus der Saaleflöße genügend Holz zur Verfügung stand. Zur näheren Erkundung  erbat er sich „Bergkverständige und Ruthengänger“ und 800 bis 1000 Gulden.

(Quelle „Untherthänigstes Memorial wegen anbauung Eines edlen Saltzwergs Im Churfürstenthumb Sachßen“ in der Akte „Saltz Quellen in Schulambt Pfordta unweit Kösen gelegen“ - Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden Loc 31860. Quellen zur kursächsischen Saline: Loc 1337, 1338, 5293, 5294, 36345 sowie  10036 Finanzarchiv, 10026 Geheimes Kabinett, 10025 Geheimes Konsilium).

 

  1. Juni Zweites Memorial Christners.

Christner drängte darauf, einen „solchen Baw anfangen zu lassen“ und bat darum, den Schulverwalter und den Oberförster anzuweisen: „Zwölff Eichen  zu solchen Bau bedürfftig (.) zur rechten Zeit gehauen, von den Pferdten in der Schul-Pforta angeführet“ und im übrigen „alle behülflichen Mittel und Wege zur Befördern willigst seyn möge“, damit  „stracks eine sogenannte Koy oder Gehäuse über den Schacht gebauet werden(.) damit die Arbeiter bey unbestimmten Wetter im trocknen sey und die Arbeit desto fleißiger fortsetzen können (.) anhero dem Churfürstl. Floßschreiber zu Kösen Befehl zu ertheilen damit Er das darzu nötige Bauholz abgeben (.) bemühet seyn möchte.“

 

  1. Juni Schreiben Christners an den Kammer-Direktor Chr. D. Bosen.

„Kann dann anhero mit  Grund der Wahrheit sagen, daß im Churfürstl. Schulenambt Pforta  unweit Kösen 8 bis 12 Löthige Salzquelle zu finden“.  

 

  1. Aug. Entsendung eines Rutengängers (WER F 23 II Nr. 10)

Der Oberberghauptmann des erzgebirgischen Kreises Schönburg erklärte zum Christner`schen  Vorschlag: „Nachdem dem  S. Durchl. des Heiligen Römischen Reiches, Erz-Marschallen und Churfürsten zu Sachßen (.) fürbracht worden, ob sollten in Dero Schulambt Pfortdten unweith Kösen, unterschiedliche Saltzquellen zu finden seyn, die wohl zu gebrauchen und ein guter Nuz daraus zu machen wäre, und Höchstgedachter S. Churfürstl. Durchl. gründliche Nachricht davon zu haben verlangen, mit gndstn. Begehren an mich befehlend, ich wolte einen Ruthegänger dahin abfertigen, sich bei dem Herrn in Naumburg  anmelden, die Gegend wo solche Quelle seyn  sollen, von ihm zeigen, sie wohl in Augenschein nehmen und mit der Ruthe ausgehen, auch selbe nebenst deren Situation und eigentlich Bewandniß in ein Verzeichniß bringen lassen. Alß habe ich  solches alles in`s Werk zu richten, den Churf. Sächs. Berg-Meister Herrn Melchior Mähdern nebenst Hanns Ludewigen, Steigern und Ruthegängern allhier mit genugsamer Instruction abgefertigt und ersuche dannehero den Herrn rigose Rescripti, gegen Aufstellung dessen, ihnen hierunter allenthalben nötige Anweisung, Nachricht, Hülfe und Vorschub zu thun...“ 

 

  1. Sep. Plan des Naumburger Markscheiders Johann Schmieder (DD Loc 11337)

Befehlsgemäß besichtigten der Bergmeister Mäder und der Rutengänger Ludewig mit Christner die Örtlichkeiten. Die von Ludewig mit der Wünschelrute ermittelten Linien übertrug Schmieder in einen Plan. Dieser zeigte erstmals, wenn auch stark verzerrt und vereinfacht die Brücken über die Stromsaale und über die kleine Saale, das Gehöft des Floßschreibers (heute Konditorei Schoppe) und die beiden Schafställe, der eine da wo sich das L.-Renn-Heim befindet, der andere wo an der Stelle des Ostflügels vom „Mutigen Ritter“. „Daneben ist ein altes Gemäuer, so ietzo wieder bebaut wird“, notierte Schmieder und meinte damit den 1680 begonnenen Schulengasthof, der über den Resten des im 30jährigen Krieg völlig zerstörten Schulenvorwerks erbaut wurde.

 

1682

  1. Mai Kursächsisches „Accis Mandat“ (MER C 48 Ic Nr. 1686).

Die Landstände bewilligten die Binnensteuer auf alle auf dem Landweg eingeführten Waren und   „Was das Salz betrifft, ist solches eine ausländische Ware und wird nur gering ohne Unterschied und soviel auch eingeführt wird, jeder Scheffel Dresdner Maß mit 6 Pfg. an den Stellen, wo das Salz eingeführt wird, erhoben“.   

 

  1. Juni Befehl an den Bergvogt des Thüringer Kreises Nikolaus Voigtel.

„Lieber getreuer, demnach Wir auf der Schul Pfordten Grund und Boden unweit der Kösener Brücken nach Salzsohle einschlagen laßen, und die darbey erfordernde Aufsicht Dir anzutragen entschlossen (.) mit dem abteuffen verfahren laßen, auch sonst diese Gebäude aufs best- und möglichste  anstellen, wann Sohl getroffen, selbige mit Fleiß probiren und ausführlichen Bericht in Unsere Bergkanzley zu Dreßden unterth. hinschicken.“ Der Bergvogt zu  Eisleben hatte nun die technische Oberaufsicht und gleichzeitig wurde der Schulverwalter angewiesen, die Löhne und das Material aus den vom Amt eingenommenen Hufengeldern gegen Vorlage der Belege und mit entsprechender Quittung zu begleichen. (Das Hufengeld war eine Abgabe der Amtsuntertanen die den Spanndienst ersetzte).

 

  1. Juli Schreiben des Bergvogtes an die kurfürstliche Kammer.

Voigtel beklagte die schleppende Bereitstellung des Geldes für die Arbeiter und mahnte, wenn der Schulverwalter das Geld für den  Lohn von 18 Groschen pro Woche weiterhin zurück hält, würden sich die Arbeiter anderswo verdingen.

 

1683

       Mai  Der Solschacht ist auf 18 Lachter abgeteuft. 

Ohne die bereits seit Oktober 1682 arbeitende Wasserkunst, wäre es nicht möglich gewesen, die Teufe (36 Meter) zu erreichen, denn durch die unzureichende Verzimmerung kam es immer wieder zu Wildwassereinbrüchen. Das Wasser wurde bis zur Hängebank gehoben, und lief über eine Rösche zur kleinen Saale ab.  Fiel die Radkunst aus, soff der Schacht ab, denn die Handpumpen reichten nicht.  Deshalb wurde in zwei Schichten mit einer nächtlichen sechsstündigen Ruhepause gearbeitet, um den Schacht möglichst im Sommer und bei niedrigen Stand der Saale abzuteufen.

 

  1. Juli Schreiben Christners an den Kurfürsten.

Immer noch weigerten sich die Schulbeamten mit allerlei fadenscheinigen Begründungen die von der Kammer angewiesene Gelder auszuzahlen. Da Christners Bemühungen erfolglos blieben, weil sich die Beamten jegliche Einmischung in ihre Obliegenheiten verbaten und die Arbeiter den Ort verließen, wandte er sich direkt an den Regenten.  

 

  1. Aug. Schreiben an den Schulverwalter Hieronymus Gläser.

Die Dresdener Kammer befahl den Schulbeamten: „Du wolltest aller und jeder Verrichtung bei gedachtem Salzwercke, dich hinführo enthalten, dagegen aber die hierzu  benöthigten  Geldkosten Voigteln  gegen Quittung  von Woche zu Woche, von denen Hufengeldern, reichen und abfolgen  laßen“.

 

  1. Okt. Schreiben Voigtels an die Bergkanzlei.

Der teilte mit, dass das Geld von der Landesschule fehlte und bemerkte hinsichtlich der Arbeiten am Schacht, es sei „hiernechst auch höchstnothwendig, daß mit ehesten eine Radestube über das Kunst-Rad  gebauet werde, damit wann etwa jehlings  Kälte einfallen möchte, keine Verhinderung von der Kunst halber an der Arbeith vorgehen müssen.“

 

  1. Okt. Befehl des Kammerkollegiums an das Schulamt.

„Alß befehlen Wir hiermit ernstlich, Du wollest (.) die fällig gewesenen Hufengelder (.) ohne einigen fernern Zeit-Verlust eintreiben und davon die Bedürfnis dem Berg-Voigte  zu Befriedigung  derer Arbeiter (.) ohne weitere Verzögerung (.) anbefohlenermaßen bezahlen (.) und daß, da hierdurch (.) dem Salz Wergke  einiger Schaden  oder Nachtheil  zuwachsen sollte, Wir Uns  deswegen bey Dir wieder erholen wissen würden.“ Kurz darauf erfolgte die Ablösung Gläsers und der neue Verwalter Gleichmann beeilte sich die Gelder abzuliefern

 

      „Inventarium Über den neuen Gasthoff zu Cösen, zum muthigen ritter genandt“ (WER D 34).

Demzufolge nannte sich der Gasthof seit seiner Errichtung so und nicht erst nach dem Brand von 1710. Der Gasthof hatte eine Schankgerechtigkeit, durfte „Gästesetzen“ und Beherbergen. Doch die wichtigsten Gerechtigkeiten, wie das Brau-und Brennrecht, fehlten zunächst. Die Getränke und Lebensmittel mussten von außerhalb bezogen werden. Außerdem fehlten Stallungen für das eigene Vieh, den Vorspann oder die Tiere der Reisenden. Es gab keine  Schmiede und kein Backhaus, ebenso fehlten Acker, Wiese und Weideland, wie es bei den Dorfgasthöfen der damaligen Zeit üblich war. Als Ausgleich hatte der Gasthof ein  „jus prohibendi“, ein Verbietungsrecht, dass es dem Pächter erlaubte, gegen jedermann vorzugehen, der eine weiteren Gasthof einrichten wollte.

 

1684

  1. Apr. Befehl an den Berghauptmann Abraham von Schönberg (WER F 23 II Nr. 10).

„Demnach die Salzsohlabgänge zu Kösen unweit der Schul-Pfordten dem angeben nach, des von euch a.o. 1681 abgefertigten Ruthengängers beym Nachschlagen nicht zu treffen seyn wollen und dahero dieser Ruthengänger noch einsten dahin verlangt wird, Als begehren wir hiermit als befehlende, ihr wollet verfügen, daß derselbige den 5. bevorstehenden Monats May in Leipzig sich unfehlbar einfinden, bey unseren auf solche Zeit allda anwesende Cammer- und Berg-Räthen in der Rentherey sich anmelden und gewissen Bescheides gewarten solle.“ Am 28. April wurde  Ludewig  nach Leipzig befohlen.

 

              Einstellung der Arbeiten am Solschacht.

Zunächst hatte das Frühjahrshochwasser die Wasserkunst beschädigt, dann  folgte eine Hitzewelle und der Wasserspiegel der Saale fiel, der Schacht, inzwischen auf 25 Lachter  gebracht, soff ab.  Daneben machte der Pachtschäfer Schadensersatz geltend, weil er sich von den Arbeiten am Schacht in seinem Erwerb beeinträchtig sah. Daraufhin stellten die Schulbeamten die Auszahlung der Hufengelder und Christner die Arbeiten ein.

 

1685   

              Klage gegen den Gastwirt zu Kösen (WER D 34/ 2 /Nr. 767)

Christoph Kolbe wurde wegen Unregelmäßigkeiten bei der „Fleischsteuer“ belangt. Demnach war er der erste Pächter des Schulgasthofs. Seine Pacht endete 1686 und ihm folgte Eberhardt Lingen, der aber 1695 in einer anderen Akte bereits als „vormaliger Pächter“ bezeichnet wurde.

 

1686

  1. Okt. Befahrungsbericht des Solschachtes (WER F 23 II Nr. 10).

Der Freiberger Einfahrer Johann Bergner meldete „ Am 21 Oct. habe ich den Saltzbrunnen zu Cösen (.) befahren und festgestellt, daß die Arbeiten vom Rasen nieder behülf eines  an der Saale erbauten Kunstgezeuges  und Streckengestänges  an die 100 Ellen (56,6 Meter) uf einen Salzigen Stehenden und Spathengang niedergesunken.

Wie wohl nun zwar im tieffsten etwas Sohle vorhanden, auch zu hoffen, daß wenn uf diesen Gängen tiefer niedergesunken werden solle, der Edle Quell stärker werden möchte.

So hat sich doch befunden das ezliche 30 Ellen von Tage nieder viel wilde Wasser zu Tage  erschroten werden, welche den Bau sehr kostbar gemachet und aufgehalten, denn obzwar solche Wasser abfänglich durch ein Kunstgezeug aus dem Schacht gebracht worden, und man darauf versuchte, die wilden Wasser mit einen auf 28 Ellen hoch gesetzten Schrot zu Tage auszudämmen, so haben doch die wilden Waser mit gedoppelten Kosten gehalten werden müssen, indem am Kunstgezeug ein Satz nicht mehr als 18 bis 20 Ellen hoch hebet, da er doch nach Art der hiesigen Kunstgezeuge  40 Ellen hoch auf einmal heben sollte.

Was aber den Schacht betrifft, so haben sich die wilden Wasser dadurch höher nicht als auf 6 Ellen hoch schwellen lassen. Gestalt derselbe nicht recht verbaut und verfüttert, das Wasser daraus wieder in die Kästen gelaufen und durch das Kunstgezeug herausgehoben werden mußten.

Weil aber nun Ihro Kurfürstl. Durchlaucht (.) an diesen Bau so viel gewendet, sich auch  im Tiefsten etwas Sole  spüren läßt, und zu hoffen ist, daß beim Abtreufen sich der Quell stärker anlassen möchte, die Verhinderung des Baus aber nur von den erschrotenen wilden Wasser herrührt, so war meines  wenigen Erachtens der Bau nicht einzustellen, sondern vor allen Dingen nur dahin zu trachten, wie die wilden Wasser zu Tage ausgedämmt werden möchten und könnte  sich solches  folgendergestalt tun lassen, nemlich, es müßte unter die jetzige Fassung  1.) neue Schrämme und Baulöcher in alle 4 Stöße gehauen 2.) eichene gedoppelte Tragestempel und zwar etwas  schräg gelegt, 3.) ein Boden von eichenen Pfosten darauf gespundet und 4.) mit dem besten Ton voll verrammelt und daraus 5.) eine neue Fassung auch von dergleichen eichenen gespundeten Pfosten gehoben in eine Fase auf den Boden hier eingesetzt werden. Und müßte 6.) auch hinter den jetzigen Fassung ein Zwerchfinger frei bleiben, daß sich die wilden Wasser dahinter hinaus schwellten. Und damit die wilden Wasser die Pfosten nicht (.) auseinander drücken könnten müßten 7.) innewendig allezeit von den Tragestempeln heraus auf 5 ½ Ellen hoch Joche gelegt und Bolzen  darunter gesetzt werden. Auf welche Weise sich die wilden Wasser wohl zu Tage ausschwellen und treiben lassen sollten, daß man hernach trocken und bei geringen Kosten so weit als genug abteufen und Gottes Segen erwarten könnte

Zu solcher neuen Fassung hat man von Nöten 2 Kaftern eichene Pfosten, 4 eichene Tragestempel, 4 Fuhren Erlen-Bauholz zu Jochen und Bolzen und möchte auch dieses Material und Zimmermannsarbeit, auch zur Erhaltung des Gezeuges ungefähr dreihundert Gulden gehen, eben was das Abteufen kostet .“ Bergner, dessen Bericht vom 7. Mai 1687 datiert, schlug demzufolge den Einbau einer inneren wasserdichten Verschalung des Schachtes im Grundwasserspiegel vor, die das weitere Eindringen in den eigentlichen Schacht verhindern und das Wasser von sich aus dem Schacht drücken sollte.

 

1687

  1. Feb. Bericht des Schulverwalters Johann Christoph Gleichmann.

Gleichmann, der den Schacht persönlich besichtigte, erklärte,  dass es „vor dismahl unmöglich,  indem der Schacht über 100 Ellen  tief  voll wilder Wasser, und solche mehr nicht alß etwa 9 ½ Ellen (rd. 5,5 Meter) von Tage stehe“. Doch auch er meinte, es gäbe „zu Erlangung des Edlen Quells gute Hoffnung, indem unten im Schacht  alles wohl gesalzen  schmecket.“

 

  1. Mär. Schreiben der Kanzlers Ludwig Gebhard Freiherr v. Jagow (WER F 23 II Nr. 10)

Unter Bezugnahme auf den Bericht Gleichmanns „daß die wilden Wasser in dem nach der Sohle abgesunkenen Schachte bey Kösen sehr hoch aufgegangen“ wies von Jagow den Berghauptmann an „über den Stand der Sache zu berichten, auch ob Sohle allda zu spüren, wenn diese vorhanden, ob die wilden Wasser ohne große Kosten davon zu trennen und ob selbige Sohle so bewand, daß ein nützliches Werk allda  zu hoffen, vielmehr solcher Bau abzustellen und liegen zu lassen sey“.

 

  1. Mär. Gutachten des Oberberghauptmanns (WER F 23 II Nr. 10).

„Soviel nun damals durch den Augenschein in Erkundigung zu bringen gewesen, so sah ich, daß der Schacht über 100 Ellen tief auf  dem Kreuz eines der Ruten angeben nach Salzigen stehend und Spatgang niedergesunken, damit aber viele wilden Wasser erschroten wurden, welche den Bau sehr kostbar gemacht und aufgehalten, denn obzwar solche Wasser durch eine an die Saale erbauten Kunstgezeugs  anfänglich aus dem Schacht gebracht, und darauf versucht, die wilden Wasser mit einem auf 28 Ellen hoch geführtenm Schrot zu Tage auszuschwellen, so haben sich doch dieselben  höher nicht als auf  6 Ellen hoch schwellen lassen, weil der Schrot recht verbaut, daher die Wasser durchgedrungen wieder in die Kästen gelaufen und durch das Kunstgezeug  (das auch nicht nach Vorteil gebaut, indem ein Satz nur 20 Ellen hoch hebt, da er  doch nach der  Art des allhiesigen Kunstzeuge 40 Ellen  hoch auf einmal  heben sollte) heraus gebracht werden müßte.

Ob nun wohl damals der Salzschreiber Jakob Abraham Christner angegeben, daß bereits edle Sohle erschroten, mir auch davon eine Probe zum Versuch gezeigt, die sehr salzreich befunden, so habe doch die vom Einfahrer Johann Bergner aus dem tiefsten geschöpfte Sohle gegen die von dem Salzschreiber damit beschönen wollen, daß er früh morgens seine Sohle geschöpft, inzwischen aber wilde Wasser sich gesammelt hätten. Weil nun die Ruthe so wol über Tag als im Schacht auf Salzquellen anzeigen, daß Wasser im tieffsten auch einen geringen Salzgeschmack giebt, so möchte wol durch weiteres abteufen stärckere und reichere Sohle zu erschroten sein , wie tief aber der Schacht noch darauf abzusinken, auch ob so dann die erschrotene Sohle von solcher Güte und Beschaffenheit seyn wird, daß dergl. Wercke anzustellen sey fraglich, von einer noch unvorhandenen und blos künftigen Erfahrung bestehenden Sache kann E. Chfl. Durchl. ich mit nichts gewisse Vertröstung geben, sondern es beruhet auf Hassard.“

 

  1. Juni Befehl an den Schulverwalter (in Loc DD 1337).

Nach 40 Monaten und 5.000 Gulden Vorschuss war die an dem Salzwerke zu Kösen getriebene Arbeit einzustellen“. Allerdings meinte Kurfürst  Johann Georg III. an: „Sollten aber sich andre finden, so uff ihre Kosten dieses Werck weiter forttreiben wollten, wovon wir gemeinet, hierzu gehörige Concession zu ertheilen.“

 

  1. Aug. Antrag einer privaten Gewerkschaft (WER F 23 II Nr. 10).

Der Naumburger Ratsherr und Kaufmann J. W. Leyser,  J. Chr. Gleichmann, Kurfürstl. Schulamtsverweser zu Pforte, J. Chr. Schlichtegroll, Fürstl. Sächs. Amtsverwalter von Naumburg, Schönburg und Saaleck, Chr. C. Gerstenberg, Domprobsteiverwalter, G. Crügelstein, Chr. Preißer, G. Fr. Laune  und der  Kösener Floßschreiber G. W. Zschackwitz beantragten die Konzession zur weiteren Abteufung des Solschachts und der Salzgewinnung .

„Weil Ihro Churfl. Durchl. zu Sachßen Hochverordnete Cammer-Präsident und Räthe das angefangene Salzwerk bei Kösen an der Saale zu verlassen entschlossen, als wird gehorsamst gebeten, sich heraus zu lassen 1.) ob Churfl. Durchl. diejenigen Kosten so bishero daraufgegangen, wollen fallen lassen, und wenn es fündig würde, den Zehenden davon zu genießen, 2.) Wie theuer die Claffter Holz die Gewercken solten annehmen, 3.) daß das Werck durch die Müller mit dem Wasser nicht gehindert würde, 4.) daß die Gewercken freye Hand haben, das Salz nach Abstattung des Zehenden zu verkaufen, 5.) eine Versicherung, daß wenn es Gott segnete, daß die Ufnehmer gerichtlich dabey geschüzet würden und über angeführtes weiter nicht begehret würde. So hoffen, so viel Gewercke als zu einem solchen von nöthen, zusammen zu bringen und nach Bergart zu bauen.“

Noch am gleichen Tag wurde der Antrag dem Oberbegrhauptmann weitergeleitet mit dem Befehl „Ihr wollet  solch Ersuchen, auch ob und wie weit selbiges bei jedem Punkte  statt zugeben, nicht weniger  was Wir uns dabei Unseres hohen Regals  wegen und sonsten zu Unsern Nutzen billig zu reservieren, auch unter welch Unserer Bergamt dieses Salzwerk eigentlich zu ziehen wäre, wohl erwägen..“

 

  1. Aug. Schreiben des Òberberghauptmanns v. Schönberg (WER F 23 II Nr. 10).

„So ferne E. Chfl. Dl. berührtes Werck weiter vor sich zu bauen nicht gemeynet, daß denen Suplicanten solches auf ihre Kosten  fortzutreiben und die hoffende Nuzung davon (.) und unbeschadet Dero hohen Regalis zu gestatten, ich nicht bedenkliches finde. 1.) solle jedoch so lange angestanden werden, bis man über des bey Wittenberg aufsuchenden Salzquells Halt und gute Gewißheit habe, 2.) die Entrichtung eines höheren als des Zehenden zu bestimmen (maßen die Grafen von Schwarzburg von der Gewerckschaft des Franckenhausenschen Salzbrunnens das sechste Theil nehmen), 3.) sie an eine gewisse Salzordnung binden, 4.) darauf gewiesen würden, daß sie das Salz tüchtig weis und trocken sieden, an die Salz-Cassen und andere mit dem freyen Salz-Schanck privilegierten Oerter im Lande, nothwendigen Vorrath jedes mahl abfolgen lassen und auf einen erträglichen und  billigen Preiß richten sollen. Vornehmlich müsse darauf gesehen werden, daß das Salz gegen frembdes bessern kauffs sey, damit E. Churfl. Dhl. hiervon an Dero im künfigsten vom Salzzoll guten Zuwachs und der arme Landmann einigen Vortheil haben möchte.“

 

  1. Sep. Mitteilung an die Leysersche Gewerkschaft.

Eine Konzession könnte erst dann erstellt werden, wenn sich die bei Düben gemutete Salzquelle als ungeeignet erweist. Zunächst sollte die Gewerkschaft eine für die private Ausbeutung von Bergschätzen übliche Verfassung bei der Bergbehörde zur Prüfung und dann dem Kammerkollegium bzw. dem Kurfürsten zur Konfirmation vorgelegt werden.

 

1688

  1. Apr. Konzession für die Leysersche Gewerkschaft.

Die Gewerkschaft verpflichtete sich, den Solschacht und das Salzwerk auf eigene Kosten herzustellen, sowie alle damit verbundenen Kosten wie die Pacht und die Entlohnung der Arbeiter. Nach Inbetriebnahme sollte neben der üblichen Salzsteuer der 10. Teil dem Kurfürsten überlassen werden. Das Brennholz wollte man von der kursächsischen Saaleflöße zu den üblichen Marktpreisen erkaufen, wobei die Gewerkschaft sich verpflichtete, die diesbezüglichen Verträge zu beachten und die Brennholzflöße nicht zu behindern. Im Übrigen hatte man den Anweisungen des Bergvogts des Thüringer Kreises Folge zu leisten.

 

  1. Mai Wältigung des Solschachtes.

Dazu wurde die Radkunst erneuert, allerdings musste die Gewerkschaft für die Nutzung des Aufschlagwassers eine Gebühr von 2 Gulden pro Quartal zahlen und die Entnahmemenge  so  regulieren, dass den Mühlen in Pforte und Altenburg ausreichend Wasser blieb.

 

  1. Juli Genehmigung der „Ordnung für Verwaltung und   Betrieb des Salzwerkes“.

In Anlehnung an die üblichen Bergordnungen wurden die Anteile der Gewerkschafter, die sog.  Kuxe, die Salzabgaben und den Salzzoll verbindlich festgesetzt und die Nachfolgeregelung für den Fall, dass einer der Teilhaber verstirbt, festgelegt. Die Satzung wurde im Eislebener Bergbuch eingetragen. 

 

  1. Sept. Pachtvertrag mit der Schäferei (WER D34 Anh. 1 Nr. 511)

Georg Becker, Pächter seit 1680, wandte sich an die Schulbeamten im Zusammenhang mit seiner im nächsten Jahr endenden Zeitpacht. Die Herde seines Vorgängers Simon Kufen bestand aus 200 Hammeln, 200 Mutterschafen und 100 Jährlingen. Bei seinem Pachtantritt waren weitere 200 Schafe aus der Schule dazugekommen. Außerdem gehörten 54 Mutterkühe zur Pacht. Laut Pachtvertrag  lieferte die Schulenökonomie 320 Malter Futtergetreide, überließ dem Pächter die Anger-und Hinterwiesen an der Saale als Weidefläche für die Kühe sowie die Heuernte von 12 Ackern bei Hechendorf. Die Schafe durften nach der Ernte bis zum März die Felder und Triften der Dörder auf dem Kreis beweiden.      

Die Pacht für die Schafherde betrug 425 Gulden, die der Rinder 70 Gulden, außerdem mußte ein Teil Schlachtvieh und Wolle der Schule abgeliefert werden. Dafür bekam der Schäfer für seinen Hausstand jährlich 72 Scheffel Korn, 2 Scheffel Weizen, 2 Scheffel Erbsen und 2 Acker Brennholz, dass er sich selber einschlagen und anfahren mußte.

Becker bat um Prolongation seiner Pacht für weitere drei Jahre, allerdings wollte er die 200 Schafe die er zusätzlich übernommen hatte, wieder abgeben. Die Schulbeamten waren nicht abgeneigt, die Tiere nach Fränkenau zu geben, da die dortige Pächterin Reichmann „eine gute Wirtin und verständige Frau“ war und „auch jedesmahl bezahlt hat und mit welcher wir in der Schule besten cum consensu curatoris“ pflegen, schrieb der Schulinspektor J. Chr. Gleichmann. 

 

1689

             Gesuch des Steigers Hans Reuse und des Bergmanns A. Kirrbach (Gericke 1966).

18 Monate nach der Einstellung der Arbeiten von Christner, baten die beiden den Kurfürsten um den noch ausstehenden Lohn „E. Churfürtsl. Durchl. hierdurch unterthänigst anzugehen, hat uns die höchste Noth getrieben. Indeme wir arme Arbeiter unsern rückständigen Lohn, den wir mit blutsaurer Arbeit an den mit Gott angefangenen Salzwergsbau zu Kösen, in die Fünff Quartal lang so Tags als Nachts verdient und auf 319 Rth. 15 Gr. sich belaufft, noch nicht bekommen haben.“ Sie hätten nun erhebliche Schulden beim Pächter des  Gasthofes, der sie bislang gestundet hätte aber deswegen mit der Pacht in Rückstand gekommen war.    

 

  1. Dez. Anweisung zum Kösener Stapel (WER D 34 VIII Nr. 6).

Der Floßschreiber Georg Wilhelm Zschackwitz wurde vom Oberfloßaufseher Jost Christoph Römer von Rauenstein angewiesen, auf dem Stapel nicht mehr als zehn Klafter Böttcherholz, fünfzig Klafter für die Schule und 20 Klafter Reserve zu behalten und alles Übrige nach Halle abzuflößen. Bei einer Kontrolle wurde festgestellt, dass 12 Klafter über die festgesetzte Menge hier verblieben waren. Zschackwitz begründete das damit, dass diese Menge aus der Altenburger Privatflöße herrührt, die bei Hochwasser durch den Unterneusulzaer Rechen gegangen war und hier ausgezogen wurde. Der Kammerherr Christoph Heinrich v. Schleinitz befahl Zschackwitz und weitere Zeugen ins Schulamt, um sich von der Richtigkeit der Angaben zu überzeugen.

 

1690

            Bericht zum Salzwerk Neu-Sulza (Eisenach: Chron. Sulza)

1672 waren das Amt Roßla mit der Stadt Sulza und dem Dorf Großheringen durch Erbteilung an Sachsen-Weimar gekommen, ebenso die Stadt Jena, womit Sachsen-Weimar nicht nur die Floßregale sondern auch wieder einige Gebiete direkt an der Saale besaß, allerdings ohne nennenswerte Waldungen. Die Saline Neu-Sulza blieb bei der gotha-altenburgischen Linie. In diesem Jahr wurden 2.640 Stück Salz, die höchste Menge zwischen 1683 und 1700 produziert. Dennoch war der Nutzen gering und die herzogl. Kammer musste Geld zuschießen. Daher wurde die Saline an den Berghauptmann von Uitterott verpachtet, der trotz günstiger Pachtbedingungen den Vertrag 1704 wieder kündigte.

 

              Verfahren vor dem Reichskammergericht zu Wetzlar (Stangenberger, Gedenkbuch…)

Weil es keine schriftlichen Unterlagen mehr gab, hatten die Freirodaer Einwohner die Abgaben und Frondienste dem Rittergutsbesitzer auf Kreipitzsch verweigert. Sie beriefen sich auf eine seit jeher bestehende Reichsunmittelbarkeit. Der Rittergutsbesitzer führte seinen Anspruch auf das Jahr 1254 zurück, als die Gemahlin des Königs Rudolph bei ihrer Anwesenheit in Roda einen Prinzen entband und dem Hofkavalier von Kreutz das Dorf aus Dankbarkeit geschenkt hätte. In diesem zusammenhang wurde auch die Rudelsburg gebaut, wie ja der Name beweist. Wegen der hohen Kosten habe der König die Burg den „Advocati terrae Variscorum fuerent“ überlassen.  Ihm wurde die Geschichte geglaubt und Freiroda den Gerichten des Ritterguts zugewiesen.

 

1692

  1. Jan. Bestellung des Floßschreibers Christoph Gottfried Wenzel (in MER C48Ic 1686).

Er war Nachfolger von Zschackwitz. In seiner Bestallungsurkunde hieß es: „Nechstdem soll Unser Floß-Schreiber das Waßer-Gleithe zu Koesen mit allem Fleiße beobachten, daß allda auf der Saale herein kommendte  und durchfließendte Bauholtz, an runden Wald- und Plöck-Holtze, Röhren. Hangelbäumen, Pfosten Bottigs-Riemen, Bretern, Latten und Schwellen, zehlen und den zwanzigsten Stamm oder Stücke was Gattung es sey, derzeitherigen Observanz gemeß abnehmen.“ Dazu mußten die Flöße unterhalb des Wehrdammes anlegen und den Zoll entrichten. Das war recht umständlich, denn der Floßschreiber war angewiesen die „besten“ Stücke zu nehmen, die nicht nur an den Seiten angehängt waren, so daß im schlimmsten Fall die Flöße aufgebunden wurden. Das Zollholz wurde vom Floßbeamten auf dem Holzmarkt ebenfalls verkauft, der Erlös der Floßkasse zugeführt und nach Bestreitung aller Unkosten der Überschuss der Rentkammer angewiesen. Flößer, die einen Freibrief hatten, waren vom Zoll befreit, mussten aber dennoch zu Kontrolle anlegen. Alle waren aber verbunden das Saalecker Geleit und das Rechengeld zu entrichten.

Vor der Leipziger Teilung waren Jena und Weißenfels die fiskalischen Floßzollgrenzen an der Saale. Die Verlegung des kursächsischen Zolls an den Wehrdamm erfolgte 1485, spätestens nach dem Schmalkaldischen Krieg. Das in Saaleck erhobene Geleit hatten 1344 die Schenken zusammen mit Schloß und Stadt dem Bischof von Naumburg-Zeitz verkauft, der die  Geleiteinnahme wieder verpachtete 1564 als das Bistum endete führte die Stiftsverwaltung das Geleit weiter, dass später mit dem Kösener Zoll vereinigt wurde.

Als Wenzel zum Floßschreiber bestellt wurde, war  Kilian Becker Floßmeister der Saalenflöße. Dessen Vorgänger wiederum war der Naumburger Advokat Johann Georg Maul (Notabilia). Wegen des Aufschwungs der Lang- und Kurzholzflöße wurden neben dem Oberaufseher der Saale-und  Elsterflöße und sich der Floßmeister oftmals außerhalb aufhielt, um Holzlieferverträge abzuschließen und Einwurfplätze zu kontrollieren, kam ein Floßschreiber dazu, der während der Lang- und Kurzholzflöße  ständig präsent war. Zur Scheitholzflöße kam ein herzoglicher Gegenschreiber dazu. Wohn- und Arbeitsstätte für alle war das Floßamt an der kleinen Saale über der Brücke.  

Die Flößerei vererbte sich in den Familien von Generation zu Generation. Es gab ganze Dörfer deren Einwohner die Flößerei betrieben wie Zeutsch oder Uhlstädt. Da die eigentliche Flöße nur  wenige  Tage dauerte (von Harra bis Kösen brauchte man bei gutem Wasser rund 10 Tage) wurde  die Flößerei im Nebenerwerb oder zusammen mit dem Holzeinschlag betrieben.

Wenn widrige Umstände die Langholzflöße verzögerten und zu Palmarum der Wehrdamm nicht passiert war, wurde der Rechen für die Commun-Flöße geschlossen. Dann blieben die Flöße oberhalb Saaleck liegen und mussten dort verhandelt werden.

 

  1. Dez. Befehl Kurfürst Johann Georg IV. an die Forstbeamten (Hohl, Beiträge…).

„…alldieweile sich das Holtz allenthalben sehr seltzam und dünne machet, Wir gleichwohl Unsere Flöße ohne Verminderung fortgesetzt wissen wollen, so ist Unser nochmahliges ernstes Begehren hierdurch, ihr wollet bey den euch gnädig anvertrauten Revieren keinen Stamm, der zur Flöße gebrauchen ist und an die Bäche gebracht werden kann, weder vor die Hammerwercke noch anderswohin anweisen…“. Demnach war die  Erfüllung der Brennholzverträge mit der Pfännerschaft vorrangig, zumal die fürstl. weimarischen Teilhaber weil sie keine eigenen Waldungen entlang der Saale hatte, mit ihren Kontingenten in Rückstand gerieten.

 

1693    

  1. Mai Eheschließung des Floßschreibers (Archiv LS Pforte)

Wenzel heiratete die Tochter des Oberförsters der Schule Eckart. Am 27. Dezember gebar sie einen Sohn, Wolff Christoph.

 

  1. Nov. Auflösung der Leyserschen Gesellschaft.

Nach dem Ausscheiden von Zschackwitz hatte sich dessen Nachfolger Wenzel bereit erklärte, der Mutungs-Gesellschaft beizutreten. Doch die Gesellschaft löste sich wieder auf, ohne überhaupt mit der Wältigung des Schachtes angefangen zu haben.

 

  1. Dez. Eberhardt Lingen pachtet den Gasthof (WER D 34 V 9 Nr. 32)

Die Pachtzeit betrug 6 Jahre, die Pacht 150 Gulden.

 

1694

  1. Mär. Reskript des Kurfürsten zur Amtseinführung des Schulverwalter Moßdorf.

Darin hieß es „Du wirst nach Deiner angetretenen Schulen-Ambts-Administration erfahren haben, wie das zu Kösen angefangene Salzwerck die Gewercken, welche es von Uns in guten Stande und Kostbahren Inventario überkommen, bißher wüste liegen, und geschehen laßen, daß das daran vorhandene Eisen- und Holzwerck bey nächtlicher Weile, weg gestohlen und vollends ruiniret worden.“ Demzufolge sollten alle noch vorhandenen Einrichtungsgegenstände und Materialien, die vom Fiskus erworben wurden und noch nicht abhanden gekommen waren, sichergestellt und inventarisiert werden.

 

  1. Mär. Herzoglich-Weimarische Landesverordnung (WEI Floßsachen 12161)

Herzog Wilhelm-Ernst und Johann-Ernst III. befahlen ihren Amtsleuten, Bürgermeistern, Richtern und Räten die bevorstehende Scheitholzflöße vor „Deuben und Entwendung“ zu schützen und den altenburgischen Floßbeamten alle Hilfe beim geringsten Verdacht auf Unredlichkeiten zu gewähren, Übeltäter schnellsten vor Gericht zu stellen und ihrer verdienten Strafe zuzuführen. 

 

  1. Mai 4. Commun-Floßholzkontrakt (WEI. Floßwesen B 12161, MER C 63, Anh. I Nr. 63).

Kursachsen, Sachsen-Gotha-Altenburg und Sachsen-Weimar-Eisenach vereinbarten in Leipzig die   jährliche Flöße bis nach Kösen auf neun Jahre. Jeder Teilhaber brachte 10.000 Klafter zur Eingabe, womit insgesamt 270.000 Klafter abgeflößt werden sollten.  Da der Kösener Rechen immer noch unbrauchbar war, wurde vereinbart, die erste Flöße bis Halle durchzuflößen und Kursachsen erklärte sich bereit, ein Drittel der Kosten für den Neubau und die Unterhaltung des Rechens und der für die Flöße erforderlichen Kunstgerinne (Kleine Saale bis zum Einfall des Scheitbachs und der Scheitbach) beizusteuern. Für die herzogl. Privatflöße auf der oberen Saale wurde vereinbart, dass diese erst beginnen darf, wenn in Kösen 15 bis 20.000 Klafter auf Stapel lagen. Damit wollte man der Unsitte begegnen, dass die herzogl. Stapel sich zuerst bedienten und die besten Stücke auszogen.

 

1695

  1. Mai Vertrag der Herzöge Wilhelm Ernst und Johann Georg (WEI. Floßwesen B 12161).

Herzog Johann-Georg von Sachsen-Eisenach überließ seinen Erbteil (1/6) an der Commun-Flöße auf Wiederkauf seinem Vetter dem Herzog Wilhelm-Ernst zu Sachsen-Weimar für die vereinbarten 9 Jahre. Dafür erhielt er 6000 Gulden. Sachsen-Weimar übernahm die mit den Schwarzburger Grafen und den Herren auf Burgk abgeschlossenen Liefer- und Durchleitverträge, zumal Weimar  keine eigenen Waldungen an der Saale besaß und das Kontingent zur Commun-Flöße als auch für die Privatflöße nach Jena und Dornburg komplett kaufen mußte. Außerdem wurde vereinbart, dass in Jena jährlich nicht mehr als 4.000 Klafter ausgesetzt werden, davon 250 Klafter für die Hofhaltung und als Deputat für die herzoglich-weimarischen Hofstaat und die herzoglichen Bediensteten.

 

  1. Juli Floßholzkontrakt mit Halle (DD Loc 7412, Das Salzwesen 1648 bis 1696).

Kursachsen vereinbarte mit der Pfännerschaft die Anflöße von 200.000 Klaftern in den kommenden 10 Jahren. Als Preis wurden 70 Groschen pro Klafter vereinbart, unter der Maßgabe, dass „der bisherige Preis des Salzes weder direkt noch indirekt von dem Rate und Pfännerschaft erhöht werde.“

 

  1. Aug. Bitte des Gasthofpächters Eberhardt Lingen (WER D 34 V9 Nr. 2)

Lingen hatte zu Peter und Paul die Pacht aufgekündigt und den Gasthof verlassen. Als Gründe führte er an, dass die Gastung, der Ausspann und die Einkehr deutlich unter seinen Erwartungen geblieben waren, dass der Gläsersche Gasthof zu Altenburg, der direkt an der Landstraße von Kösen nach Naumburg lag, eine zu große Konkurrenz war und er trotz seiner Bitte, keinerlei Hilfe vom Schulinspektor v. Ponigkau oder dem Amtmann Moßdorff erhalten hätte. Er bat darum, dass ihm die anteilige Pacht für das laufende Jahr erlassen werde, was die Dresdener Kammer abschlug und das Schulamt anwies, die Gasthofpacht umgehend öffentlich anzuschlagen.

 

  1. Aug. Pachtantrag des Schäfers Georg Bbecher (WER D 34 Anh. 1Nr. 511)

 

1697

            Verkauf der Salzquellen im Hochstift Merseburg (Andonov, Der Elsterfloßgraben).

Erwerber  der  vor dem 30jährigen Krieg aufgelassenen Quellen von Teuditz und Kötzschau war der Obrist von Pfuehl, der dann die Rechte einem Konsortium Leipziger Kaufleute überließ. Dieses erhielt am 22. Januar 1702 das  kurfürstliche Privileg und führte die Dornengradierung ein. Das für die Versiedung benötigte Brennholz kam über den Elsterfloßgraben. Die Jahresproduktion stieg bis 1741 auf 17.000 Stück (21.760 Zentner).

 

1698

  1. Juni Hochwasser von Saale, Unstrut und Wethau (Wolff, Notabilia) .

 

1700

            Beginn des Nordischen Krieges ( Allg. Geschichte).

Kurfürst Friedrich August stellte sich als König von Polen auf die Seite des Zaren gegen den  Schwedenkönig Karl XII. und zog damit den Krieg auch nach Kursachsen.

 

  1. Okt. Befehl zur Erhöhung der Scheitholzmengen (MER C 63 Anh, I Nr, 66)

Die kursächsischen Floßbeamten wurden angewiesen, Mittel und Wege zu finden, um mehr Scheitholz abzuflößen, denn die Communflöße bediente ausschließlich die mit der Pfännerschaft ausgehandelten Verträge und nur was darüber angeflößt wurde, konnte auf die Stapel der kursächsischen Ämter, Stifte und Städte an der Saale gebracht werden. Deswegen bemühte sich Kursachsen, möglichst viel Holz aus den kursächsischen Ämtern Ziegenrück und Arnshaugk abzuflößen. Auch ein Erwerb des eisenachschen Erbteils an der Saaleflöße wurde erwogen, was dann am Widerstand der herzogl. Teilhaber scheiterte. 

 

1701

      Jan. Bericht des Floßoberaufsehers  (MER. C48 IIIb, 5523)

Zur Neujahrsmesse zu Leipzig trafen sich die Beamten  der „Commun-Flöße“ zur Abrechnung der vorjährige Flöße. Außerdem wurden die Investitionen und Reparaturen am Rechen und der Stapel und deren Finanzierung besprochen, darunter die Erneuerung des Schützes am Einfall zur kleinen Saale. Wegen der anstehenden  Verdoppelung der jährlich Eingabe, musste der Kösener Stapel erweitert und von  der Landschule weitere Flächen gepachtet werden. Gleichzeitig sollte das der  Landesschule bisher bewilligte Holzdeputat auf 50 Klafter reduziert werden, was die Verhandlungen nicht sonderlich beförderte. Erstmals war hier der „Director und Ober-Inspector deren gesamten Flößen des Churfürstenthumes Sachsen“ der Hofjägermeister Carl Gottlob von Leubnitz anwesend. 

 

  1. Apr. Anweisung der Dresdener Kammer an den Floßoberaufseher (MER. C48 IIIb, 5523).

Der hatte die Landesschule aufgefordert, den Schütz am Einfall des Scheitbaches zu reparieren. Daraufhin beschwerte sich der Schulverwalter beim Kammerkollegium und verwies auf den Schaden für die Mühlen in Pforte und Altenburg, durch das fehlende Wasser, dass über den Scheitbach abfloss, womit die Mühlen zum Stillstand kamen. Daraufhin befahl Friedrich August, dass die Reparatur von der kursächsischen Floßkasse vorzuschießen ist. 

 

  1. Juli Vereinbarung zur Erweiterung der Stapelplätze (MER. C48 IIIb, 5523)

Die Verhandlung mit dem Amtmann Moßdorf zur Anpachtung einer Wiese oberhalb des Rechens, drohte wegen der gerade angekündigten Reduzierung des Brennholzdeputats für die Landesschule zu scheitern. Daraufhin hatte die Dresdener Kammer angewiesen, mit den fürstl. Teilhabern über die Erhöhung zu verhandeln, und bis auf Weiteres das bisherige Deputat von 80 Klaftern der Landesschule zu überlassen. Allerdings weigerten sich die fürstl. Teilhaber hartnäckig, ihren Teil  beizutragen. Dagegen erklärten sie sich für die Übernahme der anteiligen Kosten für die Reparatur des Einfalls des Scheitbachs bereit, verlangten aber den Nachweis, dass die Anlage der „Commun“.-Flöße gehört. Amtmann Moßdorf merkte dazu an, daß „S. Majestät  die Macht habe, den benötigten Holz-Platz wohl ohne Abtrag wegzunehmen“

 

1702

  1. Sept. Antrag des Floßmeisters Wenzel (WER Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

Wenzel, inzwischen zum Nachfolger Kilian Beckers zum Floßmeister ernannt, hatte erkannt, dass man bei einer Verdoppelung der Holzmengen aus der „Commun-Flöße“ mit der bisherigen Organisation nicht mehr weiterkommen würde. Besorgten früher fürstl. Untertanen das Ausschleppen und Aufsetzen, so endete deren Flöße nun am Rechen und das Ausschleppen und auf Stapel setzen besorgten kursächsische Untertanen, die sich freiwillig verdingten oder in den Dörfern rekrutiert wurden. Das erwies sich als schwierig, da diese bei der Amtsfron fehlten bzw. zur Aussaat und Ernte gar nicht zur Verfügung standen.  Dann fehlten die Männer und die Dörfer schickten Frauen und Kinder. Die Lohnarbeiter wurden nach Gedinge bezahlt, kam es zu Unterbrechungen, verdingten die sich anderswo, was durch die  dauerhafte Ansiedlung von Arbeitern geändert werden könnte.

Wenzel erklärte, wenn er einige Bauplätze vom Schulamt in Erbpacht mit der Gerichtsbarkeit bekäme, würde er diese auf eigene Kosten bebauen und an Leute verpachten, die für den Stapel gebraucht werden.

Daneben forderte er den Neubau eines Floßamtes anstelle der im dreißigjährigen Krieg erheblich beschädigten Hebestelle unterhalb des Wehrdammes, wo die Flöße zur Zollentrichtung anlegten.

Sein derzeitiges Domizil sollte dem Floßschreiber allein überlassen werden, da es direkt gegenüber vom Stapel lag, für dessen Betrieb er zuständig war.

Für das neue Floßamt hatte Wenzel bereits das Baumaterial auf Kosten der Floßkasse angeschafft, obwohl das Kammerkollegium dem Vorhaben bislang keine Genehmigung erteilt hatte. Daher wollte Wenzel  den Bau auf eigene Kosten vornehmen, bot 100 Gulden für den Bauplatz, 1 Gulden Erbpachtzins und 200 Gulden für das Material. Neben den Erbgerichten verlangte er einen eigenen Brunnen und für seine  Kühe die  Triften und die Weidenutzung des Stapels bei der Mühlwiese, solange sich dort kein Holz befand und versprach im Floßamt „Logiamenter“ einzurichten und reisende Floßbeamte kostenlos zu beherbergen.

 

  1. Okt. Antwort des Kammerkollegiums auf Wenzels Antrag (dto).

Das Kammerkollegium befahl dem Schulverwalter und dem Oberfloßkommisssar: „Ihr wollet euch deßen alsofort genau erkundigen, ob und wie weit Supplicanten Suchen statt zu geben, auch wo dargegen ein daselbst unumgänglich nöthiger Floßschreiber seine Wohnung, ohne Zuwachsung eines neuen Oneris haben könne, die angefügten Puncte nach welchen Supplicant die Vererbung verlanget, wohl u. reiflich erwägen u. nebst euren pflichtmäßigen Gutachten von allen ausführlichen Bericht gehorsamst einsenden.“

 

  1. Dez. Kaufvertrag über einen Weinberg (WER D 34/ 2/1270)
  2. G. Wenzel erwarb den Weinberg des Bauern Hans Judersleben aus Flemmingen „unten von der Jacke an, bis oben hinaus an den Scheide-Graben“, zwischen den Bergen der Erben Hanns Kochs aus Flemmingen und des Magisters Hartmann aus Pforte. Judersleben ließ das Lehen vor dem Amtmann J. Chr. Gleichmann auf und bekam 110 Gulden, was der Floßschreiber Georg Hartig und Hanns Meißner bezeugten.  

Demnach handelte es sich um den „Nikolausberg“ oberhalb der „Jacke“, dem Jochenberg. Wenzel kaufte dann auch die restlichen Weinberg über der „Jacke“ wie den seines Amtsvorgängers Kilian Becker.

 

  1. Dez. Stellungnahme des Schulamtes zur Ansiedlung (WER Altes Magdeburger).

Schulverwalter Moßdorf und Oberfloßkommissars v. Osterhausen stellten sich hinter Wenzel. Nach ihrer Ansicht war es wesentlich besser, wenn er auf seine Kosten das neue Floßamt erbauen würde. Dann wären die Wohnung des Floßmeisters mit der Floßzoll- und Landakzise-Einnahme an einem Ort, was der Handhabung der Zollerhebung zu Gute käme. Die bisherige Amtswohnung könnte dem Floßschreiber zur alleinigen Nutzung überlassen werden. Auch der Bau von Fronhäusern zur dauerhaften Ansiedlung von Arbeitern sei von Vorteil für die  Flöße, da man dann von der Zwangsrekrutierung in den Amtsdörfern absehen könnte und auch bei Gefahr kurzfristig Personal zur Verfügung hätte. Die Überlassung der Erb-Gerichte wäre sinnvoll, damit die Ansiedler auch gehörig zur Arbeit „stringirt“ würden. Das Schulamt so finanzielle Vorteile  durch die Erbpacht, sowie Einnahmen aus den Obergerichten, der Kirchen- und Schulaufsicht.

 

1703

  1. Feb. Anordnung des Kammer-Kollegiums (WER Rep D Pforta V 12 Nr. 2).

Die „zur Land Schulen verordneten Inspectoribus“ sollten sich mit Wenzel einigen „wohin sowohl das Flöß-Haus als auch der Platz, auf welchen berührte Fröhn-Häuserlein“ gebaut werden, ohne dass der Schule ein Nachtteil entsteht. Abschließend hieß es: „Ihr wollet (.) solches bewerckstelligen (.) und wie weit es endlich kommen zu unserer ferneren, allergnädigsten Entschließung allerunterthänigsten Bericht pflichtgemäß erstatten.“ Wenzel durfte auch das Floßamt auf eigene Kosten errichten, was der Floßkasse rund 1600 Gulden ersparte. Bedingung war, dass Wenzel das Anwesen nach dem eingereichten Riss baut und die Rechnungen aufhebt, da man zu gegebener Zeit einen Erwerb seitens der Floßkasse nicht ausschloss.

 

  1. Sep. Anordnung des Kammerkollegiums (WER Altes Magdeburger).

Da die Sache nicht voran kam, wurde nun der Oberfloßaufseher von Osterhausen von Wilhelm Ernst Bernhard, Vizthum von Eckstädt angewiesen „ daß wir (.) der Nothdurft erachten, daß ihr euch mit denen zur Landschule Pforte verordneten Inspectoribus, als wohin sowohl das Floß-Hauß als auch der Plaz auf welche berührte Floß-Häußerlein gebauet werden sollen (.) vernehmen und mit Demonstration vorstellen, daß hierdurch der Schule nichts abgehen werden, zumal keine dergleichen Leute bis anhero daselbst gewesen über welche sie die Gerichte hätte exerciren können, auch außer dem iezigen Vorschlage in Zukunft keine dahin kommen, vielmehr der Schulen Gerichtsbarkeit ratione der Obergerichte erweitert, auch deren Einkünfte durch den offerirten Erbzinß der iährlichen 6 Gr. von iedweden Frohn-Häußerlein vermehret würde.“ 

 

1704

  1. Apr. Bestätigung der Bezahlung des Weinbergs (WER D 34/2).

Hans Judersleben quittierte den Erhalt von 90 Gulden Anzahlung von Wenzel. Der Rest sollte bei Eintragung der Lehnsauflassung im Amtserbbuch folgen. Außerdem bekam Judersleben 10 Gulden vom Schulamt für die von ihm während seiner Pacht vorgenommenen Verbesserungen am Berg und das Schulamt erhielt 6 Eimer Wein.

 

1705

  1. Juli Verkauf des Rittergutes Lausnitz (RUD 5-97-1400/F36, Großkochberg F 043).

Wegen hoher Schulden beim Herzog Moritz-Wilhelm von Sachsen-Zeitz hatte der Rittergutsbesitzer Wolf von Stein auf Lausnitz angeboten, diese durch die Lieferung von 11.000 Klafter Holz aus seinen Wäldern an Saale und Orla abzutragen. Das Angebot nahm der Herzog an und befahl dem Floßmeister Wenzel mit der Organisation einer Privatflöße. Der brauchte für den Einschlag und die Abflöße Arbeiter, weshalb ihm der Herzog die Anwerbung von Arbeitern in seinem Amtsbereich gestattete. Zur Unterbringung errichtete Wenzel eine Siedlung unweit des Dorfes Lausnitz an der Orla (zwischen Pößneck und Neustadt).

Außerdem verkaufte der  Rittergutsbesitzer dem Floßmeister das Gut, dass später ebenfalls im Verfahren über das Wenzelsche Kreditwesen zwangsversteigert wurde s.a. Liquidierte Forderung des Johann Adam Dennhart bei des verstorbenen  Floßmeisters zu Kösen Chr. G. Wenzels Kreditwesen und deren gesuchte Befriedigung aus des Majors Wolf Christoph von Steins zu Lausnitz - vorm. Amt Arnshaugk - anhängigen Konkurs (WER D 34/1/5195).

 

  1. Dez. Befehl zum Abschluss der Erbpacht (in WER Rep D, Pforta V12/2).

Wenzel hatte beim Kammerkollegium interveniert, weil der Pachtbrief immer noch fehlte, worauf das Kammerkollegium dem Schulamt die Beschleunigung der Sache befahl.

 

  1. Dez. Erklärung der Landeschule (in WER Rep D, Pforta V 12/2).

Zunächst sollten die Bauplätze im Beisein Wenzels abgemarkt und dann der Pachtbrief ausgestellt und zur Genehmigung eingereicht werden.

 

               Einrichtung des Gasthofs Neu-Flemmingen (WER D 34 Anh 2 Nr. 767/2648).

Unmittelbar an der Grenze zwischen Kursachsen und dem Herzogtum Sachsen Gotha-Altenburg an der Fernhandelsstraße erwarben die Kösener Floßbeamten Wenzel und Hartig ein Stück Land und errichteten hier einen Gasthof. Dank guter Beziehungen zu den jeweiligen Regenten und deren Kammern bekamen sie sämtlich für einen Gasthof erforderlichen Konzessionen.

1708 beschwerte sich die Bürgerschaft von Naumburg beim kursächsischen Hof über diese Konkurrenz unmittelbar an der Grenze der städtischen Gerichtsbarkeit stand und daher als unzulässig angesehen wurde ( DD 10025 Geh. Staatsarchiv Rep A 24a I Nr. 0461)

Nach dem Ausscheiden Wenzels überließ Hartig die Bewirtschaftung des Gasthofs seiner Ehefrau Sophie. 1786, lange nach dem Tod Hartigs, wurde die 1706 erteilte Schankkonzession kassiert.     

 

1706

  1. Jan. Bürgschaft für die Kaution des Floßschreibers (WER D 34  II, Nr.3)

Für die Bestellung zum Floßschreiber musste  Georg Hartig eine Kaution von 1000 Gulden bei der Dresdener Rentkammer hinterlegen. Dafür gewann er Bürgen, wie den Gernstedter Dorfschulzen und Vizelandrichter Johann Schlegel aus Rehehausen mit 200 Gulden, Hans Fachmann, Barthel Pfeiffer und Christoph Knobloch aus Hassenhausen mit jeweils 200 bzw. 300 Gulden. Alle unterwarfen sich mit ihrem Eigentum der Vollstreckung. Der Amtmann Moßdorff beurkundete nach Prüfung des Werthaltigkeit des Pfandes den Vertrag.

 

  1. Jan. Kaufurkunde über einen Weinberg am Mordtal (WER Rep D 34 II Nr. 3)

Andreas Meißner aus Lißdorf verkaufte seinen väterliches Erbteil an einem Drittelweinberg seinem  Bruder Simon aus Flemmingen. Der gab dafür 27 Gulden, die bei der Auflassung des Lehens in bar gezahlt wurde.

 

  1. Feb. Befehl zum Abschluss des Erbpachtvertrages (WER Rep. D Pforta V12 Nr.2)

Anton Albrecht Freiherr von Imhof befahl dem Oberfloßmeister v. Osterhausen und dem Amtmann Moßdorf: „Ihr wollet des fördersamste, einen Vererbungs-Brieff, nach Wenzels ehemaliger Erklärung, darüber veranlaßen, darbey aber auch noch ferner alles, was zu oberwehnter Schulen und Unserer Saalen-Flöße Interesse gereichen kann zugleich mit beobachten, und solchen zu Unserer fernern Entschließung, auch nach Befinden, allergnädigster Confirmation (.) anhero gehorsamst einsenden.“

 

  1. Feb. Wenzel erwirbt den Weinberg am Käppel (WER Rep. D 34, II Nr. 3).

Den einst von den Zisterziensern aufgerebten Berg verkaufte Hans Judersleben aus Flemmingen dem Floßmeister für 110 Gulden. Wenzel baute hier einen Kelter, dessen Gewölbe noch besteht.

 

  1. Mär. Reskript zum Brennholzdeputat für die Landesschule (MER.C48 IIIb 5523).

Da sich die  herzoglichen Teilhaber weigerten, ihren Teil zur Erhöhung beizutragen, ordnete die Dresdener Kammer an, dass es bei den 50 Klaftern bleibt und diese auch nur in den Jahren abgegeben werden, wenn auch wirklich in „Commune“ geflößt wird. 

 

  1. Apr. Protokoll zur Abmarkung der Siedlungsparzellen (WER D 34 V12 Nr. 2)

Der Amtmann von Freyburg Oberfloßaufseher Johann Ernst v. Osterhausen und der Schulverwalter Christoph Moßdorf  steckten zusammen mit Wenzel 32 Bauplätze ab:

1.) 2 Plätze je 15 Ellen lang - 15 Ellen breit (8 x 8 m) „zwischen dem Floßhauße und dem Gasthoffe, nahe an dem vormahligen Kunstgraben aus dem Salz-Schacht, welcher nicht verbauet, auch am Waßer der kleinen Saale Plaz zum Wege nach dem Lachsfang und Floß-Rechen frey gelaßen werden soll (Saal vom „Mutigen Ritter“).

2.) 2 Plätze „vom Ende des Gastwirths-Zauns biß zu Ende des  Eiß-Wehrs, wo der Mühlgraben oder kleine Saale einfällt, in der Länge und vom Waßer bis an das Schäffers Kraut-Land Zaun hinan in der Breite“ (heute befindet sich hier der Vorgarten vom Heimatmuseum).

3.) 2 Plätze „..von der großen Weyde bis an die Erle (.) unter dem Berge, so am Waßer stehen 10 Ellen zum Wege gleichfalls frey bleiben soll (Loreleypromenade 3, 3a).   

4.) 1 Platz „..vor den Rechenwärter am Floß-Rechen unter dem Felsen.“(Loreleypromenade 6).

5.) 20 Plätze „über der Mühlwiese, so vom wilden Graben, der übern Kösener Berge hereinkömmt meistens mit Steinen und Schutt überschwemmet“ und von „des Gastwirths Wiese an, in die Länge bis über die Quelle hinaus (.) dann in der Breite von dem aus der Quelle unter den Tannen ausgehenden Wäßerungs-Grabens, so über die Mühlwiese herunter (.) zugehet (.) bis hinauff an den Kösener Bergk, wo vor diesen der Lengefelder Fahrweg quer vorüber  gegangen“ 

6.) 4 Plätze „ unter des Floßmeisters Garten gleich an der Straße (.) und über des Scheitgrabens Einfall.“(Naumburger Str. 2-4)

7.) 1 Platz „zum Backhauße an der großen Brücke lincker Hand, wenn man hinüber gehet.“(An der Brücke 2).

Im Protokoll wurde schließlich noch vermerkt „Als der Floßmeister weitere Plätze erbat, wurde er dahin beschieden, dass er die ihm jetzt zugewiesenen zunächst bebauen solle, dann könne er erneut vorstellig werden“.

 

  1. Apr. „Interims-Anweisung“ zur Wenzelschen-Erbpacht (WER, D 34 V 12 Nr. 2, Altes MD).

„In Nahmen Gottes“ durfte der „Königl.-Pohln.-u. Churfürstl. Sächs. Floßmeister u. Accis-Inspector im Thüringer Creyse“ ein neues Floßhaus und die „Frohnhäußerlein“ errichten. Allerdings waren hier statt der 32 Bauplätze  30 angegeben. Der Lengefelder Fahrweg  „über der Mühlenwiese“ durfte auf einer Länge von 310 Ellen (ca. 175 Meter) bebaut werden: Die   einzelnen Parzellen waren ca. 12,5 Meter breit und damit ergaben sich 14 Bauplätze rechts des Fahrweges (Borlachstr. 4 bis 32) die bis an den Fuß der „Jacke“ reichten. Auf der anderen Seite waren es zunächst 6 Parzellen (Borlachstr. 29 bis 37). Mit den Bauplätzen  bekam Wenzel sowie „seine Erben und künfftigen Besitzern, an wen solche  Häuser und Flecken er oder dieselben abtreten oder kauffweise überlaßen werden, mit allen Rechten und Gerechtigkeiten, Erb- und Untergerichten verkaufft, zugeschlagen, eingeräumt und auf ewig vererbet“. Die  Fronhäuser wurden von „Steuer-Schocken, Quatembern, Kopff-Steuern, Accisen, Einquartierungen oder andere oneribus“ befreit, auch wenn diese erst später erhoben würden. Weiterhin erhielt Wenzel die Option auf weitere Bauplätze, wobei nochmals ausdrücklich vereinbart wurde, die Plätze nur denjenigen zu verpachten, die für den Stapel gebraucht wurden.

Da die Stelle des Schulverwalters zu dieser Zeit nicht besetzt war, und nur dieser die Eintragung der Wenzelschen Privilegien in das Amtserbbuch vornehmen konnte, blieb der Vorgang liegen. Auch für den Bau des Floßamtes, fehlte noch die „allergnädigster Ratification und Confirmation“, doch die ließ auf sich warten, denn der Dresdener Hof hatte andere Dinge zu tun, denn die Schweden unter Karl XII. waren Kursachsen eingefallen.

 

  1. Sept. Gefecht am Nikolausberg (Hinsche 1930).

Nach der vernichtenden Niederlage der Sachsen  bei Fraustadt besetzten die Truppen Karl XII.  das ganze Land, ohne  auf nennenswerten Widerstand  zu stoßen. Bei einem Scharmützel zwischen sächsischen Kürassieren und schwedischer Kavallerie fiel der in schwedischen Diensten stehende Obrist Jan Ventul. Daran erinnert der „Schwedenstein“ in der Lindenstraße. Er trug die Inschrift: Hic est sepultus Iuon Wentull sub serenissimo rege Sweciae Carolo XII Wallachorium militantium colonellus quie die XIIX. September. MDCCVI mortuus est. (Dr. Berger Bau und Kunstdenkmäler …1905).

Am 24. September verzichtete August der Starke im Friedensvertrag von Altranstädt (heute OT von Markranstädt) auf die polnische Königskrone und verpflichtete sich zur Zahlung hoher Kriegskontributionen.

 

  1. Sep. Karl XII. übernachtet im „Mutigen Ritter“ (Hinsche 1930, Pahnke 1954).

Die Landesschule zahlte dem Schwedenkönig 3000 Gulden als Kontribution, im Weigerungsfall wurde mit Zwangseintreibung gedroht.

 

1707

             Erbteilung von Sachsen-Eisenberg (Allg. Gesch.)

Dabei fiel das Amt Camburg an die Linie Gotha-Altenburg, die umgehend in Camburg einen Holzplatz einrichtete.

 

            Beschwerde über die Bauholzflöße (WER D 48 II c Nr. 6).

Bei den letzten Holzmärkten hatte die Zahl der oberländische Flößer merklich abgenommen. Grund war, dass die ihr Holz bereits in Kahla an Zwischenhändler verkauften und die sei dann zu deutlich höheren Preisen auf der Holzmesse verkauften. Darüber beschwerten sich die kursächsischen Holzhändler beim Kammerkollegium, dass vom Schulamt einen ausführlichen Bericht über die Umstände abforderte. 

 

  1. Apr. Befehl der Kammer an den Schulamtmann (WER D 34 Anh. 2 Nr. 1262)

„Lieber Getreuer, Uns ist aus einem am letzt verwichenen 24ten März laufenden Jahres anhero erstatteten untertänigsten Berichts (.) mit mehreren verlesen worden, wes maßen Wolff von Creutz  zu Kreipitzsch ein Anbindegeld von denen  an der Schul-Pforte Ufern der Saale angehängten Holz-Flößen zu fordern, auch darauf einige Floß-Stämme abpfänden zu lassen sich unternommen und wie Du den  darüber getroffenen Creutzschen Richter in Arrest bringen lassen, auch was Du sonst zugleich dieser wegen weitläufig vorgestellt und in unvorgreiflichen Vorschlag gebracht.

Nun wie dann das von Creutzens neuerliches strafbares Unternehmen höchst mißfällig vermerken und ihm dergleichen und andere Surbationen in unsere Schulen Gerichten keinesweges gestatten können.

Als ist hiermit Unser Befehl, Du wolltest den von Dir in Vorschlag gebrachten Revers also fort abfordern und erwerben, auch im übrigen unserer Schulpforten Jura fernerweit pflichtmäßig beobachten auch etwas vergleichen, präjudizierliches jedoch keinesweges gestatten....“

 

  1. Okt. Schreiben des Oberfloßkommissars (Altes Madeburger LIX c Nr. 172).
  2. Osterhausen teilte Moßdorf mit, dass „weile nunmehr die Schwedischen Troupen wieder außer Landes u. daher nöthig, daß mit Erbauung der angewiesenen Häußer vor die Floß-Arbeiter in Kösen fortgefahren werde“. Demzufolge wurde mit dem Bau der ersten Häuser erst nach dem Abzug der Schweden begonnen.

 

1708

  1. Mär. Bericht Wenzels an August d. Starken (WER Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Demnach hatte Wenzel die ersten sieben Häuser und das Floßhaus erbaut.  Weil immer noch kein neuer Schulinspekor bestellt war, war der Vertrag weder beurkundet und somit fehlte auch die  „allerhöchste Confirmation“, die wiederum für den Eintrag in das Erbbuch erforderlich war. Daraufhin wandte sich Wenzel an das Kammerkollegium mit der Bitte, dem Schulamt zu befehlen, den Erbpachtvertrag umgehend nach Dresden zu schicken. 

 

  1. Mär. Genehmigung zum Bau eines Brau- und Malzhauses (WER D 34 V 12 Nr. 2).

Die Pächter der Mühle und der Schäferei sowie die Floßbeamten durften Viehzeug halten, hatten Gartenland, Obstbäume und ein Backhaus und waren demnach weitgehend Selbstversorger. Doch sie durften nicht selbst brauen, so daß sie die Getränke von außerhalb beziehen mußten. Dagegen war die  Situation der Niederlassungswilligen in Neu-Kösen weitaus problematischer, denn die Siedlung hatte weder eine landwirtschaftlich nutzbare Flur, noch verfügten die Bauplätze über ausreichend Fläche für ein Kraut- und Rübengärtchen, zumal diese auch noch auf öden Grund und Boden standen.

Einzige Bezugsquelle für Lebensmittel war zunächst der Gasthof, dessen Kapazität für die ständig wachsende Einwohnerschaft von Neu-Kösen schon bald am Ende war. Zwar verfügte die Ansiedlung von Beginn an über ein Backhaus und zu den ersten Siedlern gehörten ein Bäcker (Pufendorf) und ein Fleischhauer (Hilpert), doch das Problem war die Getränkeversorgung. Zwar war es den Siedlern gestattet, fremdes Bier für den Eigenverbrauch zu beziehen, doch dafür reichte der karge Lohn nicht und darüber hinau fehlten geeignete Lagermöglichkeit für die Bierfässer.

Da auch der Gasthof keine eigene Brauerei hatte und seine Getränke von außerhalb holte, musste der Floßmeister sich um eine ausreichende Versorgung selbst kümmern, andernfalls war die Ansiedlung zum Scheitern verurteilt. Daher beantragte er das Braurecht, um seine Floßarbeiter „mit nöthigen Geträncke an Bier und Kofend (Malzkaffee) zu versorgen“. Nachdem der Tranksteuer-Revisor Kühne erklärte, dass „solches Unsern Steuer-Interesse verträglich sei“ erhielt Wenzel die Konzession, mit der Auflage, nichts an Fremde zu „verschenken“ und die  Tranksteuer gewissenhaft beim  Kreis-Amt abzuführen. Das Brauhaus errichtete er auf den beiden Bauplätze „..von der großen Weyde bis an die Erle (.) unter dem Berge, so am Waßer stehen (Loreleypromenade 3, 3a)

 

  1. Mär. Wenzel bewirbt sich um die Gasthofpacht (WER D 34 Anh. 2  Nr. 765).

Die Zeitpacht für den Gasthof  endete zwar erst 1710 aber Wenzel sah hier seine Chance, die ihm erteilte Braugerechtigkeit mit der zum Gasthof gehörenden Schank- und Gastgerechtigkeit zu vereinen, zumal absehbar war, dass es mit den jeweiligen Gasthofpächtern immer zu Differenzen kommen würde. (s.a. WER D 34/1/2325).

 

  1. Mär. Anweisung des Kammerkollegiums (WER Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Dem Kreishauptmann und Oberfloßkommissar v. Osterhausen und der Amtmann Moßdorf wurde befohlen, dem Floßmeister umgehend eine Ausfertigung des Pachtbriefs auszuhändigen und eine zweite zur Genehmigung einzureichen..

 

1709

  1. Mär. Erbbauvertrag mit Christian Thieme (WER Altes Merseburger LIX c Nr. 172).

Der Zimmermann Thieme war der erste, der vom Floßmeister einen Bauplatz pachtete, den er auf eigene Kosten bebauen wollte, obwohl sich Wenzel dazu verpflichtete hatte und diese nur denjenigen zu verpachten, die auf dem Stapel arbeiteten.

Nachdem sich aber herausgestellt hatte, dass die wenigsten Arbeiter, die sich am Stapel verdingten der Lage waren, von ihrem Lohn eine Wohnhaus übers Jahr zu pachten, ging Wenzel dazu über die Parzellen auch anderen Interessenten zu verpachten. Das waren in erster Linie Handwerker, die die Aussicht auf einen guten Verdienst an dem frequentierten Handelsweg und die ihnen zugesicherte Befreiung von Steuern und anderen Lasten anlockte. Die konnten sich die Pacht leisten und auch den bau selbst bestreiten, weil sie neben ihrem Handwerk auch auf dem Stapel halfen und daher finanziell besser gestellt waren als die Lohnarbeiter. Das wurde zur gängigen Praxis, wie aus den  ersten Einwohnerverzeichnissen Neu-Kösens hervorgeht. Für den Stapel musste Wenzel weiterhin Arbeiter in den umliegenden Dörfern anwerben, insbesondere im nahegelegenen Lengefeld. Allerdings wurden keine Amtsfröhner mehr zwangrekrutiert und von daher nahmen die Schulbeamten, soweit die Pacht regelmäßig einging, davon zunächst keine Notiz.

 

  1. Apr. Besichtigung der Bauplätze (WER Altes Magdeburger LIX c).

Nach einem Jahr kam das Schulamt der Anweisung des Kammer-Kollegiums nach. Eine Kommission mit dem neuen Schulinspektor v. Troys, dem Amtmann Moßdorf und dem Kornschreiber Joh. Dietrich nahmen zusammen mit dem Floßmeisters nochmals die 1706 angewiesenen  Bauplätze in Augenschein. Danach wurde dem Floßmeister aufgegeben, die Ränder des „wilden Grabens, so oben vom Kösener Berg herein, und beym sogenannten Jackenberg in die Saale fällt (.) mit Zäunen und Steinkörben (zu) besetzen und einbauen, auch sonst vor aller Gefahr u. fernern Waßerschaden soweit möglich verbauen“. Außerdem wurde Wenzel in Aussicht gestellt „wenn er zu Anbauung dergleichen Häußer noch mehr Platz brauchen möchte, er sich des ohnedies unbrauchbaren und an der Straße durchgehenden Platzes von der Kösener Brücke an, bis an das Nicolausholz und dann von der Kösener Straße bis an den Fränkenauer Weg anmaßen“ könne.

Neben P. Müller als Protokollant unterschrieben der Floßgegenschreiber Joh. Schröter als Zeuge und „Außmesser“sowie der Ortsrichter Michael Otto und der Schöppe Christoph Leppe. Demzufolge waren schon soviel Einwohner da, was die Ernennung von Amtspersonen wie den Richter und den Schöppen erforderlich machten.

 

              Gutachten zum Zustand bei der Bauholzflöße (WER D 48 II c, Nr. 6).

Weil der Bericht des Schulamtes nicht befriedigte, beauftragte das Kammerkollegium einen unabhängigen Gutachter.

Der stellte fest, dass der von Kursachsen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts eingerichtete Zoll am Wehrdamm erheblichen Ärger bei den Flößern hervorgerufen habe und nun ein  weiterer Zoll an der Ilm bei Darnstädt eingerichtet wurde, wo der Fluß auf wenigen 100 Metern zur den   kursächsisches Gerichten gehörte. Außerdem hätte der Amtmann Moßdorff am Kösener Wehr einen „nichtsnutzigen Lachsfang“ angelegt, den Damm mit einem hölzernen Aufsatz versehen, den die Flöße bei niedrigen Wasser nicht passieren konnten. Erst durch das Zusetzen des Mühlengerinnes und mit Hilfe des Müllers käme man noch über den Wehrdamm, was sich der Pachtmüller Tobias Beyer ansehnlich vergüten ließ. Der  Rechenwärter H. Schröter hielt den Rechen geschlossen, auch wenn gar keine Scheite davor lagen und verlangte für das Öffnen ein Trinkgeld. Wer nicht zahlte, konnte nicht passieren und blieb oberhalb des Wehrdammes liegen. Hier sah Rittergutsbesitzer zu Kreipitzsch sine Fischereigerechtsame beeinträchtigt und verlangte ebenfalls eine Entschädigung. Die Landesschule bestand auf ein höheres Anbindegeld zur Holzmesse und der Floßmeister Wenzel und Moßdorf verlangten  von jedem Floß einen Stamm als Geschenk, um im Allerheiligenberg ein „Lust- oder Schmaus-Haus“ zu errichten.

Wegen dieser Beschwerungen weigerten sich die oberländischen Flößer das von den Herrschaften kreditierte Floßholz über den Wehrdamm zu bringen. Sie verkauften bereits in Kahla das Holz an Beauftragte des Floßmeisters, der mit dem Amtmann unter einer Decke steckte, , die es dann zur Holzmesse auf den Pfortaschen Wiesen zu überhöhten Preisen und somit zum Nachteil des „Königlichen Interesses und Dero Unterthanen“ verkauften. Diesem Zustand müsse unbedingt Einhalt geboten werden, erklärte der Gutachter.

      

             Antrag des Pachtmüllers Tobias Beyer zum Bau einer Ölmühle (WER D 48 II k Nr. 13)

 

1710

  1. Mai Brand des Schulengasthofs (Hoppe 1930).

Dabei wurden der Gasthof völlig zerstört. Die Kosten des Wiederaufbaus schätzten die  Schulbeamten auf  3.000 Gulden..

 

  1. Juni Pachtantrag Chr. G. Wenzel (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765).

Nach dem Brand infolge der „Verwahrlosung“ des Pächters, schlug der Floßmeister dem Schulamt vor, den Gasthof für 2.500 Gulden wieder aufzubauen, wenn ihm die Pacht, samt dem jure prohibendi und die Gerichte überlassen würden. Den entsprechenden Pachtvertragsentwurf hatte er der Einfachheit halber gleich beigefügt. Das würde der Schule 500 Gulden ersparen, zu denen er 200 Gulden Erbpachtzins versprach, wenn das Schulamt den Pächtern der Saalhäuser und des Fischhauses den Ausschank in ihren „Winkelschenken“ und dem Wirt in Altenburg das Ausspannen und Beherbergen verbieten würde. Weiter verlangte die genehmigung zur Errichtung von Ställen und Scheunen, auch Acker- und Weideflächen für das Gasthofvieh und die Reit- und Zugtiere der Fuhrleute und Reisenden. Wenzel erbot sich, bis zur Wiederherstellung des Gasthofes im Floßamt  Fremde zu beherbergen, wenn ihm hier der Bau von Stallungen genehmigt und die weitere Beherbergung nach dem Wiederaufbau des Gasthofes gestattet würde, wohl wissend dass die Lage direkt am Fahrweg von erheblichen Vorteil gegenüber dem Salinengasthof war.

 

  1. Aug. Schreiben des Kammerkollegiums an das Schulamt (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765)

Der Schulverwalter befürwortete den Pachtantrag Wenzels, insbesondere im Hinblick auf die geringeren Baukosten. Wenzel rechnete inzwischen mit 2.000 Gulden für den wiederaufbau, wenn ihm das Schulamt Bauholz, Ziegel, Kalk und Fronarbeiter stellen würde. Außerdem bot er 30 Gulden Hufschlaggeld für 12 Einstellpferde, 40 Gulden Pacht für zusätzliche Ackerflächen und 20 Gulden für die Genehmigung eines Ausschanks am „Beywege zu Frenckel“. Doch die Kammer ließ sich darauf nicht ein und befahl dem Schulbeamten den Wiederaufbau des Gasthofs umgehend selbst zu beginnen und dann an eine geeignete Person zu verpachten .

 

  1. Okt. Schreiben des Schulverwalters an das Kammerkollegium (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765)

Demnach würde der Gasthof in Kürze gerichtet und die Arbeiter hätten die Hälfte des Lohnes erhalten. Außerdem ersuchte der Schulbeamte um die Genehmigung dem zukünftigen Pächter etliche Acker- und Weideflächen am Jackenberg und der Ilske zu verpachten. Das würde nicht nur die Wirtschaftlichkeit des Gasthofs heben sondern gleichzeitig könnte man mit dem im Gasthof reichlich anfallenden Mist die dortigen kargen Böden verbessern.

 

  1. Dez. Erweiterung des oberen Stapels (MER C 48 IIIb Nr. 5523)

Floßmeister Wenzel und sein fürstl. Amtskollege boten der Landesschule die Hälfte des Deputats als Hartholz für die zeitweise Überlassung eines Stücks der Mühlenwiese an.

 

1711 

  1. Jan. Nebenrezess zur Scheitholzflöße (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Trotz der Differenzen zwischen den Teilhabern die den Abschluss eines neuen Vertrages verzögerten, wurde vereinbart, dass wie 1694 von allen drei Teilhabern bis auf Weiteres jeweils 10.000 Klafter exkl. der Waldeingabe zu den bisher geltenden Preisen zur Abflöße gebracht werden solle.

 

  1. Jan. Erneuter Antrag Wenzels zur Gasthofpacht (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765).

Wenzel bewarb sich nun um die Zeitpacht. Er sah 30 Jahre als erforderlich an, um seine  finanziellen Aufwendungen für die Einrichtung (Mobiliar, Hausrat) des Gasthofes zu refinanzieren.

 

  1. Feb. Befehl zur Verpachtung des Gasthofes (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765).

Das Schulamt wurde angewiesen, dem Floßmeister den Gasthof auf 10 Jahre für eine  Jahrespacht von 300 Gulden zu verpachten. Außerdem musste Wenzel eine angemessene Kaution   hinterlegen.

 

  1. Mär. Bereitschaftserklärung Wenzels (WERD 34 Anh. 2 Nr. 765 ).

Wenzel akzeptierte und durfte ab Ostern bis zur Fertigstellung des Gasthofes Fremde im Floßamt beherbergen. Weiterhin wurde ihm der Betrieb einer „Beyschencke zu Fränckel“ gestattet und   „etliche Stücke Feld über der Saale“ verpachtet. Da sich die Beurkundung und Bestätigung verzögerte, erhielt Wenzel einen vorläufigen Pachtbrief. Als Sicherheit verpfändete Wenzel seinen Weinberg an der Windlücke, einen Obstgarten, einen „Hopfberg“, einen Kalkbruch mit Kalkofen und ein Winzerhaus auf dem Keppelberg, deren Gesamtwert auf 2000 Gulden beziffert wurde.

Wie lange Wenzel die Pacht inne hatte, geht aus den Archiven nicht hervor. Als er 1717 vom  Dienst suspendiert und sein Eigentum beschlagnahmt wurde, findet sich kein Hinweis auf den Gasthof. 

 

  1. Nov. Pachtvertrag über die Mühl- und Angerwiese (MER C 48Ic Nr.1686).

Die „Commun-Flöße“ pachtete 7 Acker für 50 Gulden, 15 Groschen, 6 Pfennige auf drei Jahre und verpflichtete sich zu einer „accuraten Ausmaßung“.

 

  1. Dez Schreiben der Kammerräte an August d. Starken (WEI Floßwesen B 12161).

Das Herzogtum Weimar hatte Kursachsen  den ihm verpfändeten Anteil des Herzogtums Sachsen- Gotha an der Saaleflöße zum Kauf angeboten. Das Angebot war akzeptabel, denn der Erlös überstieg den Kaufpreis. Doch es gab einen Haken. Kurfürst Friedrich August hatte dem tief in Schulden steckenden Herzog von Sachsen-Weißenfels Geld vorgeschossen, dass er sich beim Herzog von Weimar geborgt hatte. Zur Sicherheit hatte der ihm das Amt Eckartsberga verpfändet. Die Kanzlei Weimar schlug nun vor, mit dem Kaufpreis die auf dem Amt Eckartsberga liegende Verpfändung abzulösen, um sich dann mit dem Weißenfelser Herzog zu einigen, denn der stand   auch beim Herzog von Weimar in der Kreide. Die Kammerräte rieten von einer Vermischung der beiden Angelegenheiten ab und für den gesonderten Erwerb der gothaischen Floß-Anteile.   

 

1712       

  1. Mär. Beschwerde des Amtmannes Chr. A. Kette (WER D 34 V12, Nr.2).

Auslöser war ein von Wenzel neben dem Floßamt errichteter Schuppen, wo Reittiere und Wagen  untergestellt wurden. Wenzel konnte sich zwar auf den entsprechenden Passus seiner Gasthofpacht berufen, die ihm die Beherbergung von Reisenden im Floßamt während des Wiederaufbaues des Schulgasthofes gestattete, doch die eigentliche Bauanzeige hatte er wohl versäumt. Nun verlangte Hette der Amtsnachfolger Moßdorfs den Abriss des Gebäudes. Daraufhin verklagte Wenzel den Schulamtmann vor dem Oberhofgericht in Leipzig. Der wiederum wandte sich an die  Dresdener Kammer und beschwerte sich über die nach seiner Auffassung ungenehmigten Aktivitäten des Floßmeisters bei der Anbauung von Neu-Kösen.

 

  1. Mai Schreiben Herzog Johann Wilhelms v. Sachsen-Weimar (WEI B 12167).

Der herzogl. Oberfloßmeister J. G. Hochhausen sollte einen geeigneten Nachfolger für den  verstorbenen herzogl. Floßgegenschreiber Hoppe für den Kösener Stapel benennen.

 

  1. Sep. Berufung einer Untersuchungs-Kommission (WER D 34 V12 Nr. 2).

Friedrich-August befahl dem Kammer- und Bergrat von Plötz und dem Oberamtmann des Thüringer Kreises E. Fr. Meurer aus Tennstedt: „besagten Wentzels sämtliche, von der Land-Schulen Pforta, nach und nach an sich gezogene Grundstücke zu untersuchen, und ihren ausführlichen Bericht zu erstatten.“ Dem Floßmeister wurde Strafe angedroht, falls er gegen das Schulamt weitere gerichtliche Schritte unternehmen sollte. In einem zweiten Schreiben wurde auch dem Amtmann untersagt, sich auf einem Prozess einzulassen. Die Kommissare reichten einen Vorbericht ein und beantragten bei der Rentkammer einen Reisekostenzuschuss, um die Sache vor Ort zu untersuchen. Dieser wurde ihnen nicht gewährt und als kurz danach der  Wiederkaufvertrag über das Amt Pforta mit dem Herzog von Weimar zustande kam, blieb die Angelegenheit liegen.

 

  1. Sep. Untersuchungsbericht zum kursächsischen Salzwesen (DD Loc 4512).
  2. G. Wenzel und J. A. Dennhart: „Untersuchung derer im Churfürstenthumb Sachßen und incorporirten Landen befindlichen Salz-Wercke und Salz-Quellen auch Saalen- und Unstruth-Flöße und darzu benöthigter Floßhölzer.“

 

  1. Okt. Wiederkaufvertrag (WEI. Ausw. Angel. DS 2109 u. WER H 82 Nr. 675).

Zur Verschaffung der benötigten Gelder für die Hofhaltung August des Starken wurde das Schulamt Pforte samt Zubehör dem Herzog Wilhelm-Ernst von Sachsen-Weimar auf 12 Jahre ab Michaelis 1713 verpfändet. Danach sollte über eine Verlängerung oder einen Rückerwerb entschieden werden.

Insgesamt 21 Paragrafen regelten die Rechts-, Besitz- und Nutzungsverhältnisse für das verpfändete Amt.

  • 2 des „Wiederkaufscontractes“ betraf die beim Kurfürsten verbleibenden Gerechtigkeiten: „Davon sind ausgenommen, die Landes Fürstl. Hoheit Wald- und Forstnutzungen (jedoch, daß die Bedürfniß am Holz zur Schule und Amtserhaltung ohne Entgeld abgezogen werde). Weiter die Wald-Zinsen, Salz-Quellen samt allen andern Bergwerken, wie auch denen der Flößer mit denen dazu gehörigen Floßarbeitern zu Kösen samt der Jurisdiktion über die Floß-Beamten, Diener und Arbeiter soweit es die Floßarbeit anlangt, nicht weniger die zu solcher Flöße benötigte Holz-Aussatz-Plätze gegen den bisherigen Abtrag und Deputat und Geleite“.

Damit unterlagen alle Einwohner der herzoglich-weimarischen Gerichtsbarkeit, ausgenommen die Floßbeamten, die bei den kursächsischen Gerichten blieben, ebenso die  Wenzelschen Gerichten zu Neu-Kösen.

Außerdem behielt sich Friedrich-August vor, im Bedarfsfall weitere „Manufactur Häußer“ anzulegen, was er zwei Jahre später der „Kösener Societät“ gestattete.

Der Jahresertrag des Amtes wurde mit 17.000 Gulden beziffert, dazu kamen  noch 1.000 Gulden aus der Floßkasse. Der Herzog verpflichtete sich, den Unterhalt der Schule der jährlich 12.000 Gulden betrug  aus den Erträgen des Amtes abzugelten. Dazu kam der Anteil an der Geleitseinnahme des Herzogs von Sachsen-Zeitz in Höhe von 1.000 Gulden. Damit blieb ihm ein Überschuss von 5.000 Gulden, ein Zinssatz von 5%. Die Rückkaufsumme wurde auf  100.000 Gulden festgesetzt.

 

  1. Nov. Bestandsaufnahme des Schulamtes (WEI D II 2101).

382 Seiten umfasste das „Inventarium über die bey der Churfürstl. Sächs. Land Schul zu Pforta und denen zugehörigen Forwergen als zu Kößen, Cuculau, Frenkenau, Gernstedt, Memleben, Hechendorf, Saalhauße befindlichen und zu gelobe angeschlagenen Inventarien, wie solche Sr. Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen Weimar übergeben werden“.

Die Urkunde besiegelten J. G. Wichmanshausen, Kgl. Poln. u. Kurf. Sächs. Kammer-kommissionsrat, Chr. A. Kette, Kgl. Poln. und Kurf. Sächs. Amtmann von Pforta und Schriftsasse für die kursächsischen Ämter Eckartsberga, Freyburg und Weißenfels und der Schulverwalter J. G. Otto vor einem Notar und vier Zeugen.

Akribisch aufgelistet wurde jedes Stück Vieh und dessen Wert, jedes Gebäude, dessen Zustand und Wert. Zum Vorwerk gehörten zählten 15 Kühe im Wert von 111 Talern, die Pachtschäferei hielt  518 Tiere, deren Wert mit 909 Talern angegeben wurde. Pferde, Schweine und Federvieh wurden hier nicht gehalten. In Kukulau gab es 5 Pferde, 9 Kühe, 19 Schweine und 148 Schafe.

Das Wohnhaus des Schäfers hatte einen Hauseingang mit „steinern Thür Gewände“, dazu ein Backhaus mit reparaturbedürftigen Schindeldach, daneben das „Kraut- und Rübenland“. Im Erdgeschoß befanden sich Speisekammer, Käsekammer, Küche, Mägdekammer, Stube und die Schlafkammer des Schäfers. Der Boden diente als Futter- und Strohlager. Ein Kellergewölbe, Kuhstall, Kälberstall, Schafstall und Scheune vervollständigten das Anwesen.

Der (neu erbaute) Schulen-Gasthof war zweigeschossig, die uralten Kellergewölbe dienten als  Speisekammern. Im Erdgeschoß befand sich die Gaststube samt Küche, im Obergeschoß der Schlafraum für die Gäste und die Kammern des Pächters und seines Gesindes. Auch an das „Secret“ war gedacht, das „eine gedoppelten mit Brettern verschlagenen Brille“ hatte. Das Dach diente als Lagerboden. Zum Hof gehörten nun Ställe und eine Schmiede, wo auch noch einiges „an alten Eisen aus dem Saltz-Schacht“ lag. Die

Die Mühle hatte 3 Gänge, eine  Fischereianlage mit „hölzerner Treppe nebst der Unterlage zum Lachsfang“ und ein Backhaus. Auch die Kettenbrücke wurde erwähnt, die auf beiden Seiten steinerne Wände hatte, die oben mit Werkstücken belegt waren.    

 

  1. Dez. Memorial der herzoglichen Kammer zu Weimar (WEI DS 2110).

Der Pächter der Schäferei H. G. Götte bat darum ihm am Ende seiner seit 1698 dauernden Pachtzeit die Kaution von 500 Talern zu erlassen, für die sich u.a. der Floßmeister Wenzel verbürgt hatte. .

 

1713

  1. Mai Schreiben des kursächsischen Oberfloßmeisters (WEI Floßsachen B 12167)
  2. E. v. Osterhausen teilte seinen herzogl. Amtskollegen J. G. Hochhausen mit, dass auf Anweisung der Dresdener Kammer, die auf dem Kösener Stapel liegenden 16.000 Klafter Scheitholz nach Halle abgegangen waren. Aus dem in Kösen aufgesetzten Schreiben geht weiterhin hervor, dass es im laufenden Jahr keinen Commun-Floß-Contract gab, man aber davon ausging, dass 1714 wieder ein neuer Vertrag zustande kommt. Daher sollten die herzoglichen Beamten schon den Holzeinschlag vorbereiten.

 

  1. Mai Bericht des Pachtschäfers an den Weimarer Hof (WEI Auswärt. Angel. DS 2110).

Die „Hammelung-und Wollenschur-Tabella“ erfasste die Bestände, Abgänge und Erträge der Pachtschäferei und musste  jährlich der Weimarer Kammer vorgelegt werden. Die Herde zählte zum Stichtag 429 Schafe, 310 Hammel, 171 Jährlinge und 187 Lämmer, also 1197 Tiere. Als „Dienstvieh“ standen dem Oberknecht 55 Tiere zu (er hatte jedoch 82), dem Hammelknecht 50 (62), dem Lämmerknecht 50 (52) und dem Hausknecht 45 (49). Auch der Amtmann hatte 63 Stück Dienstvieh in der Herde. Bis zur Wollschur waren dem neuen Pächter G. Becher 25 Tiere verendet. An Wolle verzeichnete die Tabelle 84 Bund Langwolle und 1 ½  Sack Lammwolle. Die Tiere des Amtmannes brachten 3 Bund Wolle.

 

  1. Aug. Schreiben der Dresdener an die herzogl. Kammer (WEI B 12167)

Darin wurde mitgeteilt, dass man auch im laufenden Jahr die bisher mit der Pfännerschaft vereinbarte Gesamtmenge abflößen wird, auch ohne Commun-Contract. Dazu wurden die herzoglichen Beamten zur bevorstehenden Leipziger Michaelismesse eingeladen, um über die Rahmenbedingungen zur  Fortführung der Commun -Flöße zu verhandeln.

Nach dem Bericht von Zedtwitz (MER C 63 Anh. I Nr. 66) fehlte der Vertrag in den Akten, doch wurde 9 Jahre auf der Basis des Vertrages von 1694 geflößt.   

 

  1. Sep. Dekret August des Starken zur „Cösener Sozietät“ (DD Loc 10412/23-25-27).

Die Gesellschaft hatte sich an den „Hochgeehrten Herrn Statthalter“ Kursachsens Reichsfürst Anton Egon von Fürstenberg-Heiligenberg (geb. 1656) gewandt, der das Gesuch der Gesellschaft dem Kammerkollegium und August dem Starken vortrug.

Der König signalisierte „allergnädigstes Interesse“, weil die  Vorschläge zur Vermehrung der Staatseinnahmen beitrugen und befahl der Kammer, die Sache weiter zu verfolgen.

 

  1. Okt. Bittschreiben der Halbweinbergsbesitzer an den Weimarer Hof (WEI DS 2134).

Für die von der Landesschule verpachteten Weinberge wurde als Pacht die Hälfte des Ertrages an Wein sowie Hopfen, Äpfeln und Nüssen erhoben. Als der Schulverwalter auch die Hälfte von  Pflaumen, Kirschen und andere Obstarten verlangte, wandten sich die Pächter an den Herzog und baten um Rücknahme dieser Anordnung.

 

              Der Schulverwalter Georg Phillipp Pfersdorf verstirbt (WER D 34/1/377).

 

1714

  1. Mär. Vertrag mit der „Kösener Societät“ (Stadtarchiv Naumburg, Urk. 282, DD 10412/26).

Zu den „Principalen“ gehörten Johann Justus v. Klenau, der Bergverwalter Johann Christoph Hennicke und der Floßmeister Christoph Gottfried Wenzel. Die Teilhaber verpflichteten sich, bei Gewährung der von ihnen gewünschten Privilegien nach der Ratifikation des Vertrages 50.000 Gulden bei der Rentkammer zu hinterlegen. Weitere 150.000 Gulden sollten bis Ostern 1715 folgen und danach jährlich weitere 50.000 Gulden aus den Überschüssen der von ihnen betriebenen Unternehmen wie der Salzgewinnnung und dem Floßholzhandel zuzüglich der üblichen Steuern und Abgaben, wobei der vereinbarte Vorschuss von 200.000 Gulden binnen 10 Jahren verrechnet werden sollte und bis dahin mit 6% verzinst wurde. August der Starke willigte  mit der Einschränkung ein, dass seinen Untertanen dabei kein Schaden zugefügt würde. Doch die Pläne mit denen die Sozietät die hohen Erträge zu erreichen gedachte, waren sehr spekulativ. So erklärten sie, im Besitz eines als „Arcanum“ bezeichneten Wundermittels zu sein, das bei der Versiedung geringer Sole eine rasche Auskristallisierung bringe, wobei nur die Hälfte der sonst üblichen Brennstoffmenge benötigt würde und somit der Gewinn erhöht wird.

Dafür erhielt die Sozietät die Gewinnungsrechte für Sole im Amt Artern, die Erlaubnis, das dort niederliegende Salzwerk wieder aufzubauen und die Konzession zum Abbau von Erdkohle. Für den Ausbau der Unstrut und der Gera mit Schleusen und Dämmen, wurde ihnen das alleinige  Floßrecht zugestanden und die Erlaubnis bei Holzmangel in Artern, Scheite aus der Saaleflöße über die Unstrut dorthin zu bringen. 

Weitere Mutungsrechte auf Sole und Kohle erhielten sie für Poserna und Burg-Liebenau  sowie die Zollfreiheit für jährlich rund 1.500 Klafter auf  der Saale abzuflößendes Stammholz.

Ihr Sitz war „Cösen“, wo sie ein  „Chymisch Laboratorium“ und ein „studio in metallicis et minerabilus“ einrichten und ein geheimnisvolles Arkanum herstellen wollten, mit dem man Kupfer und Salz in Schießpulver umwandeln könnte. Ihnen und ihren Erben wurde die Anlage weiterer Manufakturen und die Überlassung von 100 Bauplätzen samt den Erbgerichten gestattet. Das  Schulamt bekam jährlich 6 Groschen für die Kirchenaufsicht und 6 Groschen für die Erbgerichte von jedem Gebäude. Darüber hinaus erhielt die Sozietät die Schankgerechtigkeit, durfte  einen Viehmarktes pro Jahr und zwei Wochenmärkte abhalten, eine Sägemühle errichten, Ziegel und Kalk brennen und eine Steinbruch ausbeuten. Außerdem wurde ihnen die Pacht der Mühle und des Gasthofs in Aussicht gestellt.

Alle bebauten und bewohnten Plätze waren sechs Jahre von Steuern, Einquartierungen und allen übrigen Belastungen befreit, danach waren jährlich 24 Groschen je Wohnstätte zur Steuer und General-Akzise, sowie 60 Gulden zur Brau- und Fleischsteuer an die kurfürstliche Rentkammer abführen.

Weiterhin wurde der Sozietät zur Befolgung der „evangelischen Religion“ die Stiftung einer  Kirche und einer Schule erlaubt, wenn sie die Diener angemessen entlohnen würden und diese Personen vom Leipziger Konsistorium bestätigt seien. Als Bauplatz für eine Kirche mit einem  Glockenturm war die „wüste Kirche hinter dem Gasthofe zu Kösen, worin die Schule zeithero ihr Getreyde gelagert“ vorgesehen, das im 30jährigen Krieg  zerstört Vorwerk hinter dem Gasthof.         

Die Urkunde wurde in vier Exemplaren ausgefertigt von denen eines beim König verblieb, das zweite beim Statthalter bzw. dem Geheimen Konzil, das dritte beim Kammerkollegium und das Vierte bei der Sozietät. Die Kontrolle der Einhaltung des Vertrages oblag dem Statthalter und dem „Geheime Concil“.

Trotz des Wiederkaufvertrages mit dem Herzog von Sachsen-Weimar konnte August diesen Vertrag mit der Sozietät abschließen, da sich Kursachsen die Rechte auf die Flöße, auf Bergwerke und Salzquellen, auch wenn sie noch gar nicht erschlossen waren, vorbehalten hatte. Das empfanden die Schulbeamten als erhebliche  Eingriffe in die Amtsgerichtsbarkeit,  zumal auch die nicht im Amtserbbuch eingetragenen Wenzelschen Gerichte ausdrücklich bestätigt wurden.

 

  1. Sep. Beschwerde des Floßschreibers Hartig (WER D 34 Anh. 2 Nr. 1262)

„Wohledle, weise Rechts- und Wohlgelehrte Herren

Denenselben kann ich hierdurch nicht verhalten, was maßen die Besitzer der Güter Kreipitzsch und Steindorf, die von Creutz unter andern praejudizirlichen Dingen und Beeinträchtigungen sich auch benebst deren Untertanen zu Lengefeld anmaßen, oberhalb Kösen hinter den sogenannten Jacken-Berg an der Schulpfortischen Grenze, welche gerade über die Saale gegen das Vorwerk Kukulau auf die dortige Mönchs-Lehde weiset, in den Schulpfortischen Gerichten einzugreifen eines großen Terrains samt allen Anlagen und Weidichts vor der Saale sich zu bemächtigen und zu erweitern, maßen denn der dermals von der Schule Pforte mit großen Kosten gemachte Durchstich auf dem Kukulauer Gries das Wasser also führt, daß dieseits von der Schulen Felder  weggenommen, jenseits aber wieder angelegt wird und solches alles ist nicht auf Creutzscher Seite, sondern auf  der Schulen Pforte unstreitigen Grund und Boden und kann gedachte Pforte an Getreide und Gräserei  jährlich ein  gar ansehnlihees  Interesse daraus nicht ziehen.

Weshalb denn die Grenz-Beziehung an diesem Ort und Einziehung des der Schule zugehörenden Eigentums dieser Sache und nachteilige Beeinträchtigung ganz unmaßgeblich ein Ende machen könnte, ist von der Schule allhier mit Ernst nicht widersprochen sondern diesen Grenznachbar nachgelassen worden, für sich allein zu tun und vorzunehmen, was ihm nur beliebt und ich habe es pflichtshalber hierdurch zu erinnern nicht unterlassen und verbleiben wollen“

Hartig ging es nicht um die Wahrung der Interessen der Schule sondern um die Interessen des Floßamtes, da es an der Grenze zwischen dem Schulamt und dem Rittergut immer wieder zu Differenzen wegen des Anbindens der Flöße kam, wie aus einem zweiten Schreiben hervorgeht.

Es hat vor einigen Jahren der Herr von Creutz zu Kreipitzsch von denen auf der Saale kommenden Holzflößen, wenn selbige in seinem Fischwasser und Ufern die Flöße angebunden ein neuerliches Anbindegeld praetendirt auch solches bis nach Kösen in die kurfürstl. und schulpfortischen  Gerichte extendiren  und wenn die Flößer gedachtes Anbindegeld gütlich nicht abführen wollen, hat der von Creutz seinen Fischer auf dem Wasser herunter fahren, Stämme abpfänden und zurück in seine Verwahrnis bringen lassen. Nachdem aber damals so wohl an seiten der Flöße als bei dem Amt Pforte zu diesen ungebührlichen Unternehmen nicht stille geschwiegen werden können, so ist wegen solcher Surbation in die kgl. Hoheit und der Schulen Pforta Gerichte ao. 1707 am 24ten März der Creutzische Richter von Lengefeld Hans Schmidt, als sich derselbe bei ungebührlicher Abpfändung der Stammhölzer betreten lassen, in Arrest genommen worden und hat fast ein halbes Jahr in der Schulen Pforta sitzen müssen, bis endl. solcher gegen Kaution (so der Floßanweiser Herr Johann Schröter mit einigen unter der Schulpforte liegenden Grundstücken  gemacht) auf freien Fuß gesetzt worden. Und obwohl von derselben Zeit an bis dato in die 7 Jahre lang in ruhigen Prozess gelassen und von denen Creutzschen Besitzern zu Kreipitzsch der geringste Anspruch weiter nicht gemacht, sondern alle und jede Holzflößer wegen ihrer in diesem Revier angebundenen Hölzer ohne Entgelt passirt worden, so hat sich doch vor itzo der Creutzsche Pächter zu Kreipitzsch und Steindorf Michael Pönicke de novo unterstanden, von denen allhier zu Kösen über dem Floß-Rechen und an den Schulen Ufern angebundenen vielen Flößen, welche wegen der jetzt bevorstehenden Königl. Scheitholzflöße nicht durch den Rechen kommen, abermahls mit Gewalt die Stämme  wegzunehmen  und zwar so hat gedachter Pächter, wie ich jetzt erfahren habe, schon vor etl. Wochen hierzu einen Anfang gemacht und ist dabei selbst mit noch etl. Personen von Lengefeld  und dem Fischer nebst bei sich führenden Gewehr zugegen gewesen.

Gestern Abend aber haben die Seinigen abermals eine Partie geholt und sind dato mit dem frühesten wiederum mit dem Kahn auf dem Wasser herunter gekommen und haben an der Mühlwiese, an der Schulen Ufer und Gerichten von allen Flößen die Stämme los gemacht ins Wasser geworfen und an ihren mitgebrachten Fischer-Kahn gehängt.

Und ob ich wohl sofort mit in aller Eile allhier zusammen gebrachten Personen zu fahren und wie ehemals die Surbatores in Arrest nehmen wollte, so hat doch solches  um deswillen nicht geendet werden können, weil die Creutzschen zwei Wachen zu beiden Seiten des Saalen-Stroms, als einer auf dem Rechenberg der andere aber auf dem Jacken-Berg, beides in des Amts Pforten Gerichten stehen gehabt, welche, als sie mich in der Folge kommen sehen mit Pfeifen, Schreien und Winken Losung gegeben, worauf sie sich in den Fischer Kahn retirirt und nebst 8 Stämmen Holz davon gefahren, davon aber die Stämme wieder entschwommen und von ihnen im Stich gelassen worden. Gleichwie nun aber solche procedere und Einfall in die kurfürstl. Hoheit  und der Schulpforten Gerichte samt ungebührlichen Wegnehmens derer Bauhölzer, welches so unterschiedenen Leuten von Naumburg so allhier Holz stehen gehabt ingl. einiges zum Salzwerk zu Artern gehöriges königl. Stamm Holz mit betroffen...“

Einer der Betroffenen, der Fischhauspächter, versuchte sein Holz in Lengefeld auszulösen, wurde aber davon gejagd, weil er sich an der von Hartig veranstalteten Verfolgung beteiligt hatte. 

Das wiederum veranlasste den Floßmeister zu einem weiteren Schreiben an die herzogl. weimarischen Kammer, dem das Schulamt gehörte.

„Dieselben wollen aus beigefügter Registratur gnädigst zu ersehen belieben, was für ein Procedere die Creutzischen Bauern zu Lengefeld und der Pächter Michael Pönicke wegen des praetendirten Anbinde-Geldes und unternommener Pfändung derer Stämme in den Schulen- Gerichten bevollmächtigte Leute mit Hans Georg Seidler aus dem Fischhaus geübt haben und daß sie  gedroht, nunmehr mit stärkerer Mannschaft wieder zu kommen und noch mehrere Stämme  abzuholen.

Nun lasse ich 1.) dahin gestellt sein und bekümmere mich darum nicht, wie sich die Schule wegen solchen Einfalls und Surbation in ihren Gerichten an dem Creutzschen Pächter genugsam erholen und was der Amtmann für Anstalten dagegen machen werde. Ich halt aber doch 2.) notwendig zu erinnern, daß wegen des hiesigen Königl. Floß-Geleits und Akzise-Einnehmers welcher dadurch großen Schaden leidet, weil Ihre Königl. Maj. wegen solcher hinweg genommenen Stämme, so zum Teil schon verkauft und weggeschafft sein sollen, das gedachte Floß-Geleit entzogen wird, solchen unverantworlichen Procedere weiter nicht nachgesehen, dabei auch 3.) die armen abgebrannten Leute zu Naumburg conservirt werden mögen, als welchen Leuten meistens Holz es ist, so durch obgedachten Pächter abgepfändet und  hinweggenommen wird...“

Am 26. Okt wies die herzogl. weimar. Kammer die Schulbeamten an: „Also begehren anstatt des Durchl. Fürsten und Herrn Herr Wilhelm Ernst Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Bergk auch Engern und Westfalen Wir hiermit, Ihr wollet euch dessen erkundigen und  wenn sich die Täter in deinen Amtsgerichten blicken lassen, selbige in Arrest bringen, wohl verwahren und zu fernerer Verordnung sofort berichten...“

Pönicke wurde am 27. März 1715 als er sich besuchsweise in Flemmingen aufhielt vom  Amtsaktuar befehlsgemäß arretiert.

 

  1. Okt. Intervention des Naumburger Rates (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Die der „Cösener Societät“ erteilten Privilegien, insbesondere das Marktrecht und die Befreiung der dort verhandelten „Victualien“ von  der „General-Consumtions-Accise“ auf sechs Jahre ließ das Ausbleiben der Bauern und Händler der südlich und südwestlich liegenden Ortschaften vom Naumburger Wochenmarkt befürchten. Das wäre zum Schaden der Stadt meinte die Bürgerschaft und beschwerte sich beim Administrator.

Da diese Privilegien einer Gesellschaft erteilt wurden, die sich einen Ort im Schulamt auserkoren hatte, dass dem Herzog von Sachsen-Weimar wiederkäuflich überlassen war, lief der Protest beim Administrator des Domstiftes dem Herzog von Sachsen-Zeitz Moritz-Wilhelm ins Leere.

 

              Beschwerde über den Floßschreiber G. Hartig (WER D 34 Anh. 2 Nr. 1262).

 

1715

  1. Sep. Mandat zur Salzeinfuhr (DD Loc 7411 Der Salzschank…).

Das Mandat „wider die Einführung des fremden Saltzes in Dero Lande“ bekräftigte, dass wie bisher „kein anderes als Hallisches Salz“ in Kursachsen eingeführt werden soll.

 

  1. Okt. Vereinbarung zur Interimsflöße (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Da sich die fürstl. Teilhaber dem Ansinnen Kursachsens auf ungehinderte Flöße von Privathölzern auf der Orla aus dem Amt Arnshaugk widersetzten und Kursachsen auf der Trennung der herzogl. Privatflöße von der Communflöße bestand, kam erneut kein Vertrag zustande. Dennoch einigten sich die Beamten auch in Anbetracht der Vorteile für die Kammereinkünfte und der Verträge mit der halleschen Pfännerschaft auf eine weitere Interimsflöße auf der Basis des Vertrages von 1694.

 

  1. Okt. Gutachten über den Zustand der Weinberge (WEI Auswärt. Angel. DS 2134).

Nachdem sich die Bescherden der Pächter vermehrten, entsandte die herzogl. Kammer eine  Kommission, die 48 Pacht- und 4 eigenen Weinberge des Schulamtes begutachten sollte. Die konstatierte einen äußerst schlechten Zustand, der „theils auf den lieben Gott, theils auf Grund und Boden, theils von denen Administration der Schulen, theils auch und meistens von der Wintzer Faulheit und Eigennützigkeit“ zurückzuführen sei. Die Reben waren mit „rothen Loh“ befallen und der Boden hatte durch Winderosion gelitten und die regelmäßige Düngung war vernachlässigt worden. Die Nachzucht in der amtseigenen „Knoot- Schule“ war wegen der Kosten eingestellt worden. Daher bauten die Pächter immer weniger wein dafür Hopfen, Buschwerk zur Brennholzgewinnung  und Gras an. Die Kommission schlug eine neue für alle verbindliche Winzer-Ordnung vor. Zu Verbesserung des Bodens sollten jährlich 168 Fuder Mist aus den Vorwerken Fränkenau, Kukulau sowie der Schäferei auf die  Pachtberge gebracht werden, für die schuleigenen Berge (Sanktorum, Steinmeister, Voigtsberg, Saaleberg) rechnete man mit jährlich 120 Fuder, dazu Teichschlamm. Jährlich sollten 20.000 Fechser in der Knoot-Schule gezogen und  nach drei Jahren ausgepflanzt und nachlässige Pachtwinzer bestraft und unbelehrbaren die Pacht aufgekündigt werden.

Da dies alles einen erheblichen Aufwand für die Schule bedeutete und die Menge an Wein, der als Pacht abgegeben wurde, erklärte die Kommission, dass es besser wäre die Weinberge gänzlich in Geldpacht zu geben und den Ertrag der 4 schuleigenen Bergen durch sorgfältige Pflege soweit zu steigern, dass er den Bedarf der Schule deckte.

 

1716         

  1. Mär. Schreiben des Floßmeisters Wenzel (WER D 34 V12 Nr. 2).

Nach dem Wiederkaufvertrag, verschärften sich die Differenzen zwischen den Beamten und Wenzel. Da wegen der fehlenden  „Confirmation“ des Vertrages keine Eintragung im Erbbuch  erfolgt, sahen die Beamten alle Aktivitäten Wenzels als unberechtigte Eingriffe in ihre  herzogliche Gerichtsbarkeit an. Wenzel begab sich daraufhin persönlich nach Dresden, wurde aber vom Kammerkollegium dahin beschieden, sein Anliegen schriftlich vorzutragen. Dem kam m er umgehend nach und legte auch alle ihm zur Verfügung stehenden Schriftstücke bei und erklärte, dass er im Vertrauen auf die ihm 1706 erteilten Privilegien, die im Vertrag mit der „Sozietät“ ausdrücklich bestätigt wurden, 13 Plätze bebaut und davon auch die vereinbarte Pacht dem Schulamt bezahlt habe.

 

  1. Juli Beschwerde des Kunstmeisters Georg Stahl (Gericke 1966).

Stahl war von der Societät Anfang 1715 verpflichtet worden, das Kunstrad und  das  Gestänge zur Wältigung des alten Solschachtes instand zu setzen und hatte sich dabei verpflichtet,  keine  anderen Arbeiten anzunehmen. Bisher hätten weder die Arbeiten begonnen, noch habe er die zugesagte Bezahlung erhalten. Das Kammerkollegium erklärte sich hierfür nicht zuständig und wies den Beschwerdeführer ab.

 

  1. Sep. Schreiben des Kösener Schäfers an den Weimarer Hof (WEI. DS 2110).
  2. P. Braun, der die Schäferei erst Michaelis 1715 gepachtet hatte, bat wegen zahlreicher Ausfälle um Auflösung seiner Pacht. Neuer Pächter war Hans Veit Schulze, der eine Kaution von 400 Talern stellen mußte.

 

  1. Nov. Landesordnung zur Zollerhebung (MER. C 48Ic Nr. 1686).

Angewiesen wurde „daß die Bauholzflößer sich allemahl bei ihrer Ankunft mit Flößen (in Koesen) mit Gelde gefaßt halten, den Zoll allsofort baar zu erlegen.“ Da die meisten Flößer erst nach dem verkauf zur Holzmesse über eine entsprechende barschaft verfügten, war es ihnen gestattet, den Zoll auf dem Rückweg vom Holzmarkt zu entrichten Damit trug man den Umstand Rechnung, dass die meisten Flößer erst nach dem Markt über bares Geld verfügten.

 

               Zusammenbruch der „Kößener Societät“ (WER D 34 V 12 Nr. 2).

Zunächst hatte die „Societät“ rund 15.000 Gulden  in  das Salzwerk Artern und 20.000 Gulden in die Verbesserung der Unstrut-Flöße investiert, ohne daraus einen Gewinn zu ziehen. Damit waren die Mittel der Gesellschaft erschöpft, Klenau war überraschend verstorben und der Bergverwalter Hennicke hatte den Ort verlassen, es blieb nur noch der Floßmeister .

Außerdem war ihr Gönner der Statthalter verstorben und Kursachsen gab dem Einspruch der Schwarzburger Grafen statt, die sich der geplanten Erhebung einer Solequelle bei Artern widersetzten, da sich Kursachsen beim Verkauf der Arterner Saline verpflichtet hatte, im Umkreis von 3 sächsischen Postmeilen zukünftig keine eigenen Solequellen zu erschließen.

 

1717

  1. Feb. „Schweine Abrechnung“ des Vorwerks Kukulau (WEI. DS 2131).

Andreas Bratfisch, seit 1714 Pächter von Kukulau erstattete der herzogl.-weimar. Kammer Bericht über den Bestand und den Zustand der Tiere.  1720 war Glorius Judersleben Pächter.

 

  1. Aug. Modifizierung des Floßzolles (DD Loc. 5332 u. MER. C48Ic Nr.1686).

Gegen die Erhebung des Floßzolles in barer Münze wandten sich die oberländischen Flößer und Holzhändler. Sie drohten, den Holzmarkt nicht mehr zu belegen und ihr Holz oberhalb  der kursächsischen Zollgrenze zu verkaufen. Daher ordnete die Kammer an „daß es bei der vorhergehenden Verfassung, daß nehmlich das von denen Flößern anstatt in natura  zu erlegenden 20ten und besten Stück von nach Koesen gebrachten Holzwaaren, bey der vormahligen ihnen zugestandenen Frist bis zur Rückkunft und der ihnen vormals eingeräumten Wahl, ob sie nehmlich das Holtz in natura, oder das dafür geforderte Geld erlegen wollen, bewenden solle.“

 

  1. Juli Suspendierung des Floßmeisters Wenzel (WER D 34 1/1020).

Auf Befehl des Kurfürsten beschlagnahmte der herzogl.-weimar. Amtmann Kette sämtliche Unterlagen und Wenzels gesamtes bewegliches und unbewegliches Habe. Dabei erstellte  er ein Inventarium des Wenzelschen Besitzes. Den Wert seiner Häuser, Weinberge und Äcker in Kösen und Naumburg, das Rittergut Lausnitz bei Neustadt/Orla, die Anteile an einem Blaufarbenwerk in Saalfeld und verschiedene Kredite gab Wenzel mit 34.000 Gulden an.  Zum beweglichen Habe gehörten etliche Stücke Großvieh, Kutschen und Wagen sowie ein umfangreicher Bestand an Büchern. In seinen Kellern lagerten 93 Eimer Landwein (1 Eimer ca. 450 l). Der Floßschreiber Hartig wurde zum kommissarischen Floßmeister ernannt und dies den übrigen Beamten bei der Saaleflöße und den ortsansässigen Einschlägern bekannt gegeben.

Über den Anlass dieser Amtsenthebung kann nur gemutmaßt werden. Doch da auf Veranlassung der  kurfürstlichen Kammer die herzogliche Amtsgerichtsbarkeit aktiv wurde, lag das für die damalige Zeit außergewöhnliche Vorgehen im Interesse beider Häuser, zumal der  Floßmeister eigenmächtig in die Saale und Ilm-Flöße eingegriffen hatte, und sich den Unmut der herzogl.  Holzhändler zugezogen hatte. Obwohl Wenzel während der Untersuchung vom Dienst suspendiert war, behielt er seinen Amtstitel und konnte seine übrigen Unternehmungen weiterführen, zu denen die Gerichte in Neu-Kösen gehörten, was die Schulbeamten nun mit allen Mitteln unterbinden wollten.

 

  1. Aug. Holzliefervertrag mit den Grafen von Schwarzburg (WEI Floßwesen B 12161).

Kursachsen und Sachsen-Weimar-Eisenach kauften jeweils 30.000 Klafter, die in den kommenden 6 Jahren der Commun-Flöße beigeworfen werden sollten. Den Vertrag unterzeichneten von kursächsischer Seite der Oberfloßaufseher von Osterhausen und G. Hartig, von herzogl. Seite der  Floßoberaufseher J. G. Hochhausen. Der Klafter hatte „drey Zwickauische Ellen, vier Zoll hoch und weit und sieben-viertel Ellen lang“, rund 3 Festmeter. Der Preis betrug  24 Groschen für den Klafter weiches Holz.

 

  1. Sep. Verkauf der Saline Neu-Sulza (Eisenach, Das Thal..).

1683 nach dem Weggang Christners wurden in der Saline nur 534 Stück Salz gesotten. Zwar stieg  bis 1690 die Produktion wieder auf 2.640 Stück doch die Saline blieb ein Zuschussgeschäft und auch der neue Pächter, der Berghauptmann von Uitterott, kündigte den Vertrag 1704. Dann verpachtete die altenburg. Kammer die Saline einem Konsortium, zu dem der Kommissionrat Reiher aus Roßla (bei Apolda), der Floßmeister Wenzel und der Floßschreiber G. Hartig gehörten. Sie verpflichteten sich zur Abgabe des Salzzehnts und erhielten ihr Brennholz für billigen Preis aus der altenburgischen Privatflöße. Anstelle der Strohleckwerke wurde die Dornengradierung eingeführt (Emons). Damit sanken die Produktionskosten, doch es gab immer wieder Probleme mit den Solequellen und der Ertrag aus der Saline blieb unter den Erwartungen. 1731 kündigte das Konsortium den Vertrag.

 

  1. Okt. Antrag des Leipziger Universitätsprofessor J. Chr. Lehmann. (Mager, Aufsätze)

Der hatte am 31. 8. 1717 ein „Privilegium über mehrere Freyheiten bey allen Saltzwerken in Sachsen, namentlich bey den noch im Freien liegenden...“ erhalten und beantragte die Überlassung der aufgelassene Salzquelle in Kösen.

 

  1. Nov. Tod des Herzogs Moritz-Wilhelm (Dr. Berger Bau- und Kunstdenkmäler 1905).

Bereits im Jahr zuvor hatte der Herzog die Administration des hochverschuldeten Stifts Naumburg-Zeitz gegen eine  lebenslange Pension von 35.000 Gulden dem Kurfürsten  überlassen nun fiel die erste Sekundogenitur an das Kurhaus zurück.

              

1718

  1. Dez. Bericht der Floßverwaltung über das Scheitholzdeputat (MER. C48Ic Nr.1686).

Die Oberfloßbeamten der „Communflöße“ bestätigten, dass seitens der Kösener Floßbeamten  der Landesschule die vertraglich vereinbarte Menge übergeben wurde.

 

1719

  1. Juli Holzliefervertrag (WEI Floßwesen B 12161).

Kursachsen, die Herzogtümer Sachsen-Weimar, Sachsen-Eisenach und Sachsen-Gotha-Altenburg vereinbarten in Naumburg mit dem gräflich-hatzfeldischen Forstamt zu Blankenhayn die Lieferung von jeweils 9.000 Klafter Holz aus deren Waldungen bei Harra in den kommenden 3 Jahren von 1720 bis 1722. Der Vertrag regelte neben der Qualität und der Abmessung, die Vorkehrungen und Bestrafungen bei Diebstahl und Unterschlagung sowie die Bezahlung und die Zahlweise. Danach sollten von den vereinbarten 19 Groschen pro Klafter 4 Groschen als Hauerlohn von Lichtmeß bis zum Bartholomäustag, 4 Groschen für Anfuhr, Aufsetzen und Einwerfen von Martini bis Ostern und die restlichen 11 Groschen bei An- und Abflöße in Kösen jeweils zu Michaelis und Neujahr auf Quittung gezahlt werden. Als Vertreter Kursachsens unterzeichnete  Georg  Hartig. Am 20. März 1720 genehmigte der Reichsgraf zu Gleichen und Hatzfeld, Franz Edler Herr  zu Wildenberg diesen  Vertrag.

 

  1. Juli Schreiben des suspendierten Floßmeisters (in WER, Rep. D Pforta V 12 Nr. 2).

Wenzel verbat sich jegliche Einmischung eines herzoglich-weimarischen Schulbeamten in seine von kursächsischer Seite verliehene Gerichtsbarkeit im Dorf Kösen. Dr. Mack, der Nachfolger von Kette beschwerte sich daraufhin beim herzogliche Kollegium.

 

  1. Juli Beschwerde des Herzogs von Sachsen-Weimar (WER, Rep. D Pforta, V12 Nr.2).

Nach dem Bericht des Schulinspektors Mack wandte sich nun Herzog Wilhelm Ernst an August d. Starken und verlangte, ein für allemal die  „unternommenen Eingriffe in die Pfortaische Amts-Gerechtsame“ durch den Floßmeister Wenzel zu unterbinden, die er sich unter Berufung auf die ihm und der Sozietät erteilten Rechte und Gerechtigkeiten anmaßte. Anlass war die Entfernung eines Floßarbeiters aus dem zur weimarischen Gerichtsbarkeit gehörenden Gasthof.  Außerdem hätte Wenzel in Neu-Kösen Grundstücke eingezäunt, womit die Trifftrechte der Schule beeinträchtigte wurden und außerdem Baumaterial für den Bau eines Gasthofs in Neu-Kösen eingelagert.  

 

  1. Aug. Schreiben August d. Starken an den Herzog von Sachsen-Weimar (WER, D V12 Nr.2).

Der König  versicherte dem Herzog, dass er derartige Eingriffe in die Amtsgerechtigkeiten der herzoglichen Beamten missbillige und einen weiteren Gasthof in Neu-Kösen nicht zulassen werde. Außerdem wäre die Sozietät eingegangen und die ihnen gewährten Privilegien damit  erloschen.

 

  1. Aug. Vertrag für den Pachtschäfer (WEI. DS 2110).

Chr. Reuter aus Punschrau, herzogl-weimar. Pachtschäfer hinterlegte eine Kaution in Höhe der Jahrespacht  und verpflichtete sich zur Ableistung von 16 Tagen Spanndienst im Jahr.

 

  1. Sep. Schreiben des Floßmeisters (WER. D 34 V 12 Nr. 2).

Wenzel wurde in das Schulamt befohlen, und hier von einem herzogl. weimar. Kammerherrn Beamten zu den ihm zur Last gelegten Eingriffen vernommen. Gleich darauf wandte er sich erneut an die kurfürstliche Kammer und legte erneut alle ihm zur Verfügung stehenden Urkunden vor. Dabei berief er sich auf den  Pachtbrief  aus dem Jahr 1706 und stellte die daraus für die Flöße und die Kammereinkünfte erwachsenen Vorteile heraus. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe wären dem Neid und der Missgunst der herzogl.-weimarischen  Schulbeamten geschuldet, die sein Wirken von Beginn an mit Mißtrauen begleitet hätten.

Jetzt würde ihm die Entfernung eines Floßarbeiter aus dem Gasthof zur Last gelegt, der bei „Hindansetzung derer ihm anbefohlenen Vorrichtungen, dem Sauffen und Spielen nachgegangen“ sei und nach dem § 2 des Wiederkaufsvertrags würden die Floßarbeiter der kurfürstlichen Gerichtsbarkeit unterliegen. Außerdem habe er die Arretierung auf Anordnung des  Steuerrevisors Hesse vorgenommen, weil der Floßarbeiter mit unzulässigen Karten gespielt habe. Die ihm vorgeworfene eigenmächtige Einzäunung beträfe die ihm 1706 überlassenen Parzellen. Zunächst hätte er die „Stein-Rücken, Dornen und alten hoolen Wegen“ mühevoll eingeebnet und 1708 einen Zaun errichtet, der nun lediglich erneuert wurde. Der Vorwurf, einen  Gasthof in Neu-Kösen zu erbauen, wies er ebenfalls von sich. Lediglich ein Haus für einen Fleischhauer sei vorgesehen, zumal er die Versorgung der Floßarbeiter zu gewährleisten habe und jährlich 50 Gulden Tranksteuer und 50 Gulden Fleischsteuer an die  Kreis-Steuereinnahme zahlt. Die Gerichte über die Floßarbeiter und deren Wohnungen wären im  Wiederkaufkontrakt  ausdrücklich von der herzogl.-weimarischen Jurisdiktion ausgenommen worden. 

Hinsichtlich der „Sozietät“ erklärte Wenzel, dass „sämmliche Consorten und Mittles-Personen allbereit 50000 Fl. in Ihro Königl. Maj. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachßen Chatoulle durch den Hochverehrl. verstorbenen Herrn Statthalters Hochfürstl. Durchl. baar bezahlen laßen, wovon die Hohen Collegia vielleicht noch keine Nachricht haben werden“. Weil die „Hochfürstl. Durchlaucht und Statthalter“ Reichsfürst Anton Egon von Fürstenberg-Heiligenberg inzwischen verstorben war, stellte das Kammerkollegium Nachforschungen zum Verbleib an.  

 

  1. Okt. Untersuchungsbericht zum Fall Wenzel (WER D 34 V12 Nr. 2).

Der kursächsische Kommissar bestätigte anhand der übergebenen  Unterlagen Wenzels Angaben. Allerdings würde im Amtserbbuch darüber kein „jota“ stehen. Der Grund war banal. Wenzel  hatte 1706 eine „Interims-Anweisung“ erhalten und im guten Glauben mit der Bebauung begonnen. In den Wirren des Nordischen Krieges wurde die „Confirmirung“ des Pachtbriefs in vergessen, weshalb auch keine Eintragung im Amtserbbuch erfolgte. Nachdem sich aber die  Schulbeamten über das Wenzelsche Treiben in Neu-Kösen beschwerten und dieser 1712 selbst in Dresden vorstellig wurde, hatte das kursächsische Kammerkollegium den Kammerrat Plötz und der Kreisamtmann Meurer mit der Untersuchung des Falles betraut. Weil ihnen aber die  Reisekosten mit der Bemerkung „Woher die dießfalß erfordernde Unkosten zu nehmen?“ abgelehnt wurden, kam es nicht zu einer Untersuchung.

Dann kam das Schulamt mit dem Wiederkauf an den Herzog von Sachsen-Weimar, was eine nachträgliche Eintragung der Wenzelschen Privilegien im Erbbuches völlig ausschloß, wobei  hier ausdrücklich das  die „Flöße mit denen darzu gehörigen Floß-Arbeitern zu Kösen sambt der Jurisdiction über die Floßbeamten, Dienern und Arbeitern“ bei den kursächsischen Gerichten verblieb. Darauf berief sich der Floßmeister, wie auch auf die entsprechende Passage im Vertrag mit der Sozietät von 1714.

Nunmehr nahmen die Schulbeamten jedes Vorkommnis auch wenn es noch so „fürwitzo“ war, zum Anlass, um den Floßmeister zu „denunciren“wie der Kommissar abschließend bemerkte.

 

  1. Dez. Aufhebung des Steuerprivilegs der „Sozietät“ (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Der Steuerinspektor Moßdorf wurde angewiesen:„Ihr wollet die Befreiung von der Generalaccise ohne Anstand aufheben und die Dorfhandlungsaccise gewöhnlichermaßen wieder einführen“.

 

  1. Dez. Vereinbarung über das Scheitholzdeputat für das Rittergut (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Im Kösener Floßamt wurde nach vorhergegangenen vielfachen Diskussionen ein neuer Rezeß abgeschlossen und unterm 29. April 1720 bestätigt. Kreipitzsch erhielt 50 Klafter, wenn das Holz in Kösen ausgesetzt wird und 25 Klft. wenn eine Durchflöße erfolgt.

 

1720

  1. Feb. Schreiben des Floßmeisters an August d. Starken (WER D 34 V 12. Nr.2).

Wenzel versuchte nochmals die „Confirmation“ der ihm zustehenden Privilegien und damit deren Eintrag in das Amtserbbuch zu erreichen. Dabei verwies er auf die Vorteile, die durch die Ansiedlung in Neu Kösen der Flöße, der kurfürstlichen „Chatoulle“ und dem Schulamt entsstanden waren. Bezüglich der „Societät“ verwies er darauf, dass diese weder Kursachsen noch Sachsen-Weimar geschadet habe, sondern viel Geld für das Salzwerk in Artern und die Verbesserung der Flößerei aufgewandt habe. Abschließend bat er um die Überlassung der Mutungsrechte in  Artern und die Flöße auf der Unstrut und der Gera. Aber die Kammer lehnte ab, zumal  man die Verhandlungen zwischen Kursachsen und dem Herzogtum zur Verlängerung des Wiederkaufs nicht durch diese Angelegenheit erschweren wollte.   

 

  1. Nov. Memorandum der herzoglichen-weimarischen Kammer (WEI DS 2109).

Die sprach sich für die Verlängerung des Wiederkaufsvertrages aus, wenn einige   Beschränkungen entfallen würden.

 

            Gerichtssachen (WER D 34)

Der Christian Reuther stritt sich mit dem Pachtschäfer von Fränkenau und Gernstedt Andreas Bratfisch

 

1721

  1. Nov. Gutachten der kursächsischen Floßbeamten (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Zur Kosteneinsparung sollte die Flöße künftig aller zwei Jahre mit der doppelten Menge erfolgen. Kursachsen bemühte sich intensiv um die Zustimmung der herzoglichen Teilhaber eigenes Holz aus den Gehölzen des kursächsischen Amtes Ziegenrück  sowie Holz aus dem Amt Arnshaugk auf der altenburgischen Orla zur Saale abzuflößen

Die Beiflöße von herzogl. Küchenholz wurde auf höchstens 2 bis 4000 Klafter beschränkt und die von der herzogl. altenburgischen Privatflöße sollte erst nach der Communflöße erfolgen. Wegen der vielen Verluste sollte die Waldeingabe von derzeit 10 Prozent  erhöht werden.

 

            Fürstengut-Konvention (in DD Loc 1337)

Kursachsen genehmigte Preußen die zollfreie Durchfuhr magdeburgischen (Staßfurter) und halleschen Salzes in die brandenburgischen Gebiet Frankens. 

 

            Wiederinbetriebnahme der Saline in Altensalz im Vogtland (in DD 1337, Emons).

Eine vom Leipziger Professor J. Chr. Lehmannn (1675-1739) gegründete Gewerkschaft (Treuer Sachßen Bau und Pflicht), an der auch der Fiskus beteiligt war,  nahm die heute von der Talsperre Pöhl überflutete Saline wieder in Betrieb. Lehmann wollte hier die Salzsiederei verbessern, die er in einer im gleichen Jahr in Leipzig erschienenen salinenkundlichen Schrift („Sachßen kann alle armen Saltz-Quellen… mit Nutzen und Ausbeute bauen…“) beschrieb. Dabei ging sein gesamtes Vermögen und einen stattlichen Vorschuss der Kammer verloren. 50 Jahre später erklärte  das  Kammerkollegium, daß: „besonders zwei unruhige Arcanisten, Dr. Lehmann aus Leipzig (.) und ein gewisser Happe (.) das Cammer- und Berg Gemach ganz vergeblich und weil solches immer Protection fanden, auf die unangenehmste Art“ beschäftigt hätten. Die Saline Altensalz wurde 1728 eingestellt.

 

1722

  1. Sept. Anordnung des Herzogs von Gotha-Altenburg (J. Chr. Lehmann, Sachsen kann...)

Lehmann war mit seinen Vorschlägen zur Verbesserung der Salzproduktion beim Herzog auf offenen Ohren gestoßen. Dieser gestattete ihm in der Saline zu Neu-Sulza diese Experimente durchzuführen. Das stieß auf wenig Gegenliebe der dortigen Gewerkschaft, zu der die Kösener Floßbeamten Wenzel und Hartig gehörten, die zu den von Lehmann anberaumten Terminen sich mit fadenscheinigen Ausflüchten zu entschuldigen suchten. Hartig verwies dabei darauf, dass Wenzel seit längerer Zeit krank sei und nicht reisen könne und er selbst wäre durch seine Dienstobliegenheiten verhindert. Das brachte den Professor in Rage und führte zu massiven Beschwerden beim gothaischen Hof.

 

            Verhandlungen zum Wiederkaufvertrag mit dem Herzog von Weimar (WEI. DS 2109).

Die von herzoglicher Seite gewünschten Änderungen bei der Flöße und den Salzquellen wurden abgewiesen. Einzig die Aufhebung der Wenzelschen Gerichte wurde bestätigt.

 

              Klage des Pachtschäfers Christian Reuther (WER D34/1/3956).

Zusammen mit den Pächtern von Fränkenau und Gernstedt klagte er gegen A. Frenzel und H. Eschenbach aus Hassenhausen, weil sie die Triften in der Flur der Wüstungen Hohendorf und  Döben  zwischen Hassenhausen und Saaleck überackert hatten.

 

1723

  1. Apr. Aufhebung der Wenzelschen Gerichtsbarkeit (WER Altes Magdeburger LIXc Nr. 172).

Das Schulamt erhielt vom Kammerkollegium den Befehl „die Alimentation derer von ihm (dem Floßmeister) an sich gezogenen und der Schulpforte zugehörigen Grundstücke, behörig zu inhibiren, wie nicht weniger deßen sämtliches Vermögen  beweg- und unbewegliches  mit Arrest zu beschlagen“.

 

      Apr. Kaufvertrag mit den Grafen von Schwarzburg (WEI Floßwesen B 21161).

Die Teilhaber der Communflöße orderten 80.000 Klafter in dem kommenden 12 Jahren, wobei zunächst noch die offenen Menge aus dem Vertrag von 1717 anzuflößen waren. Schwarzburg brachte die Scheite auf der Schwarza bis zum Rechen an der Mündung in die Saale. Von da an übernahm die „Commun-Flöße“ die Aufsicht und den Nachtrieb bis Kösen. Die Partner vereinbarten 1041 Taler für 1000 Klafter. Die Holzeingabe (10%), die dem Ausgleich von Transportverlusten diente, wurde nicht bezahlt. Gezahlt wurde in Raten, 250 Gulden beim Holzeinschlag jeweils zu Lichtmeß, Ostern und Pfingsten, 200 Gulden zwischen Martini und Weihnachten nach der Anfuhr zu den Einwurfstellen und  50 Gulden im Folgejahr beim Einwurf. Der Rest war fällig, wenn das Gros der Scheite Rudolstadt passiert hatte. Mit dem Einwurf  durfte erst begonnen werden, wenn die Floßboten die Nachricht brachten, dass der Kösener Rechen gezogen war. Der Vertrag wurde in 10 Ausfertigungen erstellt. Für die „Commun-Flöße“ unterzeichneten die Beamten J. E. v. Osterhaußen, J. H. v. Schönfeldt, G. Hartig, Fr. W. Roth, J. G.  Hochhaußen und für Schwarzburg J. J. Örtel.

Außerdem orderte das Herzogtum Sachsen-Weimar 15.000 Klafter für ihre Privatflöße nach Jena. 

 

  1. Apr. 5. Communfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 63)

Trotz aller Differenzen (Privatflöße, Versagen der Mitflöße auf der Orla) vereinbarten Kursachsen und die fürstl.-sächsischen Teilhaber in Leipzig erstmals seit 1694 wieder einen  Vertrag. Seit 1711 wurden Interimsflößen nach dem Vertrag von 1694 auf jeweils ein Jahr gehalten. Der 5. Vertrag war auf acht Jahre und acht Flößen ausgelegt.  Jeder Teilhaber durfte 6.000 Klafter einwerfen (davon 2.200 Klafter aus dem Vertrag der Schwarzburger, der Rest kam aus den Bayreuthischen sowie den eigenen Waldungen). Die erste Flöße mit 18.000 Klaftern ging durchweg bis Halle. Die Privatflöße der fürstl. Teilhaber zur Belegung der Stapel von Jena, Camburg und Sulza durfte erst beginnen, wenn 10 bis 12.000 Klafter in Kösen angekommen waren. Kursachsen blieb die Privatflöße aus den Ämtern Arnshaugk und Ziegenrück durch herzogl. Gebiet versagt. Als Preis wurden 45 meißn. Groschen für den Klafter Weichholz vereinbart. 

 

  1. Juni Anordnung August d. Starken zur Suche nach Salzquellen (DD Loc. 1337).

Zwar hatte sich Kursachsen dazu verpflichtet, den Salzbedarf des Landes aus Halle und anderen brandenburgischen Salinen (Groß-Salze, Staßfurth) zu decken, doch gerade der Transport elbaufwärts nach Meißen und Dresden verteuerte das Salz und führte zum vermehrten „Einschleppen“ fremden Salzes. Inländisches Salz stand nur in geringen Mengen zur Verfügung und die bisherige Suche nach Salzquellen, die man Spekulanten, Wünschelrutengängern und anderen unsicheren Kantonisten überlassen hatte, war gescheitert. Daher wurde 1720 eine Kommission eingesetzt, „welche die Ausfindigmachung der Mittel, darauf Sachsen von Preußischen Cocturen weniger abhängig werden könnte, zu ihrem eigentlichen Gegenstand hatte..“ Zu dieser Kommission gehörte der Ingenieur Johann Gottfried Borlach (geb. 1687 in Dresden), der den Befehl erhielt „in Unsern Churfürstenthumb und Landen Salz-Wercke zu entblößen“ und damit „vernüftige  und gründliche Vorschläge über leerer Speculation  endlich die Oberhand gewänne“. Er erhielt 2.000 Gulden aus den Einkünften des Amtes Borna, die ihm bei Vorlage der entsprechenden Quittungen ausgezahlt wurden und kostenlosen Vorspann. Die Amtspersonen wurden angewiesen, ihm behilflich zu sein und seine Erkundungen nicht zu behindern.

Borlach verfügte über ein umfassendes bergbautechnisches und geologisches Wissen, dass er bei zahlreichen Reisen durch die mitteleuropäischen Berg- und Salzwerke erworben hatte. Durch seine erfolgreiche Tätigkeit bei der Wiedererhebung der polnischen Steinsalzbergwerke in Wieliczka und Bochnia, kam er zu der Erkenntnis, „daß nicht nur das Salz sondern auch die Gebirge, in welchen es steht, einander gleichen und die Sole ein Wasser, welches durch Salzgebirge gegangen ist, sich hier gesalzen hat und mit dem Salz hervorkommt (.) wenn sich die Salzgebirge ähneln, musste auch Sole zu finden sein“. Dank dieser Theorie gelang ihm die erfolgreiche Abteufung von Soleschächten  in Artern, Kösen und Dürrenberg und wurde so zum „Vater der kursächsischen Salinen“.

 

  1. Juli Antrag der Saalbergswinzer (WEI DS 2134).

Die Pächter aus Naumburg, Flemmingen und Almrich beantragten die Genehmigung zur Anschaffung eines eigenen Kahns, um beim Übersetzen nicht mehr auf die Gnade des  Fischhauspächters angewiesen zu sein.

 

  1. Okt. Konzessions zum Bau eines Salzwerks in Artern (RUD Kammer 865).

Im Namen einer Gewerkschaft, zu der auch der Kösener Floßmeister G. Hartig gehörte, bat  der Arterner Stadtschreiber Johann Georg Könnicke beim Dresdener Kammer-Gemach um eine  Konzession. Allerdings nicht für das im schwarzburgischen Besitz befindliche und inzwischen zerfallene alte Werk in der Stadt, sondern für eine Salzquelle außerhalb der Stadtmauern bei „Kastädt“. Dass man hier Erfolg haben würde, ging aus einem Gutachten des Vizebergvogts von Eisleben Ernst Friedrich Koch hervor, das dem Antrag beigefügt war.

 

1724

  1. Mai Bericht des Rutengängers Johann Christoph Tiepner (RUD Kammer 865).

Floßmeister Hartig, der dank seiner Verbindungen bestens über die neuerlichen Aktivitäten zur Erschließung von Salzlagern informiert war, beauftragte eine Rutengänger, in Kösen nach Sole zu schlagen. Zusammen mit dem Floßschreiber Martini untersuchte er das Saaleufer und erklärte, dass Sole zwar vorhanden sei, aber wenig edel und nur mit hohen Aufwand zu erschließen. Die Suche nach Kohle blieb ebenfalls erfolglos. Daraufhin schickte Hartig den Wünschelrutengänger nach Artern, um die dort gemuteten Solequellen genau zu lokalisieren. Weil er zeitlich verhindert war, stellte er ihm den Brückenbauschreiber Johann Sigismund Schildknecht als Registrator zur Seite. Inzwischen war aus Dresden ein Befehl an den Bergvogt von Thüringen, Jacob Hachenberg ergangen, das Vorhaben der Gewerkschaft bei Artern nach geltenden Bergrechts zu befördern. Schildknecht und Tiepner entledigten sich mit Eifer und  Sorgfalt ihrer Aufgabe und erstatteten noch am gleichen Tag Bericht. Insbesondere Tiepners Einlassung „wenn unser allergnädigster Herr aus hoher landesväterlicher Liebe und Vorsorge die wenigen Kosten auf 3 Schächte zur Abtriftung außer der Ringmauer des Salzwerkes zu erschürfen  und mit Schächten zu entblößen gnädigst anwenden und sich dazu allergnädigst resolviren wollten, auch der allerhöchste Gott um seinen reichen Bergsegen angerufen werden würde, so soll der Mensch keinen Zweifel haben…“ Dieser bericht veranlaßte J. G. Borlach sich zunächst mit  Artern zu befassen.

 

  1. Aug. Verzeichnis der Einwohner von Neu-Kösen (WER Altes Magdeburger LIX C Nr. 172)

Nach der Aufhebung der Wenzelschen Gerichte visitierten Schulinspektor H. E. Trützschler und Amtmann Chr. A. Kette das Dorf. Hier waren inzwischen 19 Plätze bebaut (im März 1716 waren es 13). 12 Häuser standen links am Lengefelder Fahrweg, verpachtet an zwei Floßarbeiter, drei Tagelöhner, einen Hopfenhändler, einen Schlosser, einen Leineweber, einen Schneider und der Kinderlehrer D. Euerling. Die 7 Häuser auf der gegenüberliegenden Seite gehörten dem Schulzen Michael Otto, dem Floßgegenschreiber J. Schröter, dem Strumpfwirker Chr. Leppe, dem Bäcker Chr. Pufendorf, dem Zimmermann Chr. Thieme, der Schankwirtin Katharina Müller und dem Bergverwalter Hennicke. Fünf weitere Häuser wurden gerade gebaut (Brückenbauschreiber J. S. Schildknecht, Maurermeister Chr. Reichmeister, Schneider L. Triebel, Floßgegenschreiber Chr. Tostlöwe, Fleischer Michael Otto).

Zunächste stellten die Beamten fest, dass die Verträge über die im Bau befindlichen Häuser nach Aufhebung der Wenzelschen Gerichte geschlossen wurden, was allein schon einen eklatanten Eingriff in die Amtsgerichtsbarkeit darstellte. Darüber hinaus hatte der für Wenzel tätige Advokat List diesen Pächtern bis zu vier Parzellen verpachtet, obwohl vereinbart war, dass jedem Interessenten nur eine Parzelle als Bauplatz verpachtet werden darf. Zwar hatten diese sich verpflichtet, nur ein Haus zu bauen und den Rest als Garten zu nutzen, was aber nicht akzeptiert wurde und von den Beamten der sofortige Abriss dieser angefangenen Häuser angeordnet wurde.

Dann waren Wenzel bei der damaligen Abmarkung lediglich 20 Bauplätze am Lengefelder Fahrweg zugewiesen worden, jetzt hatte er insgesamt 24 Bauplätze verpachtet. Und lediglich zwei der Pächter waren Floßarbeiter, obwohl sich Wenzel verpflichtet hatte, die Bauplätze nur Leute  zu verpachten, die er bei der Flöße brauchte.

 

  1. Aug. Bericht des Schulamts an das Kammmerkollegium (dto.)

Der Schulverwalter begründete den von ihm befohlenen Abriss der im Bau befindlichen Häusern damit, dass die Plätze nach der Aufhebung der Wenzelschen Gerichte verpachtet wurden und demzufolge der bau unzulässig sei. Außerdem würden die Einwohner des Dorfes die Triften, Weiden und Waldungen am Jackenberg und der Ilske beschädigen, so dass man sich darüber hinaus entschlossen habe, auch den übrigen Einwohnern den Abriss ihrer Häuser und die Wiederherstellung des vorgefundenen Zustandes zu befehlen. 

 

  1. Aug. Schreiben des Oberfloßmeisters an das Kammer-Kollegium (dto.)

Der Befehl des Schulamtes sorgte unter den Einwohnern für erhebliche Unruhe. Sie wandten sich an den Floßschreiber Hartig, der wiederum an den Oberfloßaufseher H. E. v. Osterhausen, der die Angelegenheit persönlich dem Kammerkollegium vortrug. Er verwies dabei auf die Vorteile für die kurfürstlichen Flöße, denn obwohl die Mehrzahl der Einwohner einem Gewerbe oder Handwerk nachging, würden die  Amtsfröner nicht mehr gebraucht und das  Schulamt würde durch die Pacht, die Schul- und Kirchenaufsicht sowie die Gerichte erhebliche Einnahmen erzielen, die ohne die Ansiedlung nicht möglich wären. Osterhausen bat um die Rücknahme dieser unsinnigen Anordnung. 

 

  1. Sep. Beschwerde des Arterner Stadtschreibers über Borlach (RUD Kammer 865)

Könnicke, der durch Borlachs Anwesenheit seine eignen Pläne gefährdet sah, ersuchte das Kammer-Kollegium die ihm zugesagte Konzession von August d. Starken bestätigen zu lassen. Seinem Partner Hartig teilte er mit, dass auch Borlach Probleme habe und vorzugsweise auf der Suche nach Steinsalzlagern sei, so dass im Fall eines Mißerfolges doch noch die angestrebte  Erschließung der Solequellen bei Kastädt möglich wäre.   

 

  1. Sep. Anordnung des Kammerkollegiums (WER Altes Magdeburger LIX C Nr. 172).

Dem Oberaufseher v. Osterhausen, dem Vize-Floßmeister Hartig und den Schulbeamten wurde befohlen, eine einvernehmliche Lösung für deren Fortbestand des Dorfes Neu-Kösen auszuhandeln. Außerdem sollten alle Unterlagen bezüglich der Wenzelschen Erbgerichte nach Dresden geschickt werden.

 

  1. Dez. Verhandlung der Floß- und Schulbeamten (dto.)

Im Floßamt erklärte Amtmann Chr. A. Kette, dass sich in den Amtserbbüchern keinerlei Vermerk über die Wenzelsche Ansiedlung findet, demzufolge die gesamte Ansiedlung unrechtmäßig errichtet sei und entfernt werden müsse. Außerdem wären mehr Parzellen bebaut und die meisten  nicht an Floßarbeiter verpachtet. Dazu käme die unrechtmäßige Benutzung der der Schule gehörenden Felder, Triften und Gehölze und die unliebsame Konkurrenz für den Schulengasthof durch das Wenzelsche Brauhaus und die Schankkonzession in Neu-Kösen

Allerdings fehlten im Schulamt die 1706 und 1709 geschlossenen Vereinbarungen und so wurde dem Schwager des erkrankten und daher nicht anwesenden Floßmeisters Wenzel befohlen, alle in dessen Besitz befindlichen Unterlagen dem Schulamt zu übergeben.  Nur einen Tag später übergab Leppner dem Schulinspektor Trützschler neben den Protokollen der Abmarkung den  gesamten Schriftverkehr mit dem Schulamt und dem Kammerkollegium aus den Jahren 1702 bis 1705. Zusammen mit dem Protokoll wurden die Akten dem Kammerkollegium zugesandt und um weitere Anweisungen gebeten.

 

             Ausbesserung der Straße von Eckartsberga nach Kösen (WER D 34 Anh. 1 Nr.1120).

Dazu wurden die zu Hand- und Spanndiensten verpflichteten Schuldörfer aufgeboten.

 

              Hans  Georg Seidler beantragt eine Hausbaustelle (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2658).

Seinem Wunsch, dass diese möglichst  in der Nähe des Gasthofes oder der Schäferei liegen solle, konnte nicht nachgekommen werden, da diese Flächen zur Pachtschäferei gehörten.

 

            Jagdirrungen zwischen Schulpforta und  Gutsbesitzer auf Kreipitzsch (WER D 34/1/227).

Bei der Jagd in den Wäldern zwischen der Berg Kater und der Rudelsburg kam es immer wieder zu Differenzen wenn die Leute des Rittergutsbesitzers bewußt oder unbewußt die hier verlaufende Grenze überschritten.

 

1725                

  1. Mai Beurkundung eines Kaufvertrages in Neu-Kösen (WER. Rep. D 34 Anh. 1).

August Nebbe verkaufte dem Schneidermeister Christian  Plaul und dessen Weib Elisabeth aus Obergreißlau (Langendorf bei Weißenfels) sein Wohnhaus am Lengefelder Fahrweg für 50 Gulden, unter Beibehaltung eines lebenslangen unentgeltlichen Wohnrechts. Für seine Ehefrau unterschrieb als „curatore“ Christoph Türpisch, den Vertrag beurkundete der Advokat List. Das Anwesen (Borlachstr. 24) lag zwischen den Häusern von Georg Weise und Hans Reiche.

 

      Aug. Entdeckung des Mühlbrunnens (Johann Gregor Gerhard).

Bei Reparaturarbeiten am Wehrdamm trat im trockengelegten Flußbett eine klare Quelle zu Tage, die bitter und salzig schmeckte. Bei reichlichen Genuss, konnten „etliche die Hosen nicht mehr aufbinden“ schrieb der Pfortaer Schulenarzt Dr. J. G. Gerhard, der das Wasser untersuchte und bei der „Hohen Landes-Obrigkeit“ die Fassung des Brunnens anregte.

 

  1. Sep. Bericht Borlachs über die geologische Erkundung Kursachsens.

Nach seinen Beobachtungen hätte neben der Gegend um Artern, das Gebiet der Saale von der Landesgrenze über Naumburg, Weißenfels bis Merseburg die besten geologischen Voraussetzungen für ergiebige Salzvorkommen, wobei Borlach entsprechend seinen Erfahrungen aus den polnischen Salzwerken zunächst Steinsalzlager vermutete.

Aber auch das Auftreffen auf eine Sole war möglich, da klüftiger Muschelkalk und Buntsandstein genügend Oberflächenwasser in die tieferen Schichten ließen, wo das kristalline Salz gelöst und  im Anhydrit einen Quellhorizont bilden könnte, der unter gewissen Umständen an manchen Orten sogar offen zu Tage trat, wie die gerade erst entdeckten Quelle im Bett der Saale. 

 

  1. Okt. Anweisung an die kursächsischen Floßbeamten (WEI B 12161).

Oberfloßaufseher Osterhausen und der Vize-Floßmeister G. Hartig wurden angewiesen, dem Herzog von Sachsen-Saalfeld 600 Klafter aus der kursächsischen Eingabe anzuflößen.

 

  1. Okt. Zeugenbefragung im Floßhaus zu Kösen (WEI. B 12161).

Der Jenaer Floßbote Hans Starke hatte die Floßarbeiter Ende aus Zeutsch und Leppe von der Leuchtenburg wegen übler Beschimpfung und der Androhung von Schlägen angezeigt. Starke hatte die beiden am Sonntagvormittag vor dem Kirchgang in Camburg zum Einwerfen der Scheite befohlen. Statt dessen gingne die beiden ins dortigen Branntweinhaus, besoffen sich, zerschlugen ihr Arbeitsgerät zerschlugen und warfen es in die Saale. 

Die Anzeige erfolgte im Kösener Floßamt beim Floßmeister Hartig. Daraufhin wurde der  Advokat Johann Friedrich List mit der Untersuchung beauftragt. Der vernahm als Zeugen den  Floßarbeiter Philipp Zimmermann, 65 Jahre alt, aus Maua und Hans Wimbach, 75 Jahre alt aus Camsdorf. Demnach durften kursächsische Floßbeamten bei Verstößen gegen die Commun-Flöße die Untersuchungen führen auch wenn es sich um herzogliche Untertanen handelte. Die Verurteilung oblag dann deren Gerichten. Daher wurde der Untersuchungsbericht nach Altenburg bzw. Weimar zur weiteren Veranlassung geschickt, zusammen mit der Quittung des Advokaten über 2 Gulden, 15 Groschen die die Commun-Floß-Kasse beglich.

 

     Nov. Untertaneneid der Einwohner Neu-Kösens (WER Rep. D Pforta , II Nr. 9)

Nachdem die Wenzelschen Gerichte vom kursächsischen Kammerkollegiums aufgehoben waren, und man sich auf den Fortbestand der Ansiedlung geeinigt hatte, wurden die Einwohner  der herzogl.-weimarische Gerichtsbarkeit des Schulamtes zugewiesen. Alle vor den Wenzelschen Gerichten zwischen 1706 und 1722 geschlossenen Pacht- und Kaufverträge wurden in das Amtserbbuch übernommen, diejenigen, die danach geschlossen wurden, mußten vor dem Schulamt neu beurkundet werden. Das betraf auch die Pachtverträge für die im Bau befindlichen Häuser am Lengefelder Fahrweg. Nur das Anwesen des Brückenbauschreibers Schildknecht mußte abgebrochen werden, weil es außerhalb der Gebäudeflucht stand und den Lengefelder Fahrweg einengte. Schildknecht verkaufte daraufhin den Platz dem Floßmeister Hartig (Borlachstraße 1,3).

 

  1. Nov. Anweisung zur Fassung des Gesundbrunnens (WER D 34 Anh. 1/3706).

Die Entdeckung der Mineralquelle sorgte für Aufsehen, so daß sich der Schulverwalter Georg Philipp Pfersdorf vor Ort begab und die Entdeckung dem Kammerkollegium meldete. Dort erging der Befehl, die Quelle zum „Nutzen der Menschen“ zu fassen und den Brunnen jedermann zugänglich zu machen. Zunächst suchte man mit der Wünschelrute am Fuß des Nikolausberges, wurde aber dann auf dem Grundstück der Pachtmühle unmittelbar am Saaleufer fündig.

Daraufhin ordnete das Schulamt an, dass die Arbeiten und Transporte von den Amtsdörfern im Rahmen der Amtsfron auszuführen sind. Diese weigerten sich, da die Anlage von Gesundbrunnen nicht zur Amtsfron sondern zu den Regalen der Landesherrschaft gehörte. Daraufhin ordnete das Schulamt an, die Arbeiten gegen Lohn ausführen zu lassen. Das kostete 13  Gulden deren Rückerstattung man von der Oberpflege verlangte. 

Der Brunnen wurde zunächst nur getrunken, dann aber auch zum Baden verwendet, allerdings fehlen darüber jegliche Nachrichten wie und in welchen Umfang das erfolgte.

 

  1. Dez. Schreiben der Oberpflege des Schulamtes (WER dto).

Die Oberpflege Lißdorf weigerte sich zu zahlen und begründete die Verweigerung damit, dass der Brunnen  weder zur Schul-Pforte noch zu einem der Vorwerke gehöre noch zum Gebrauch und Nutzen der Schulpforte erbaut würde, sondern dieser Brunnen ein „gantz apartes Werck… so ein Stück von Bergwercken“ sei. Außerdem würde nach  „allergnädigsten königlichen Befehl (…) das mineralische Waßer dießes Brunnens denen Menschen zur Gesundheit dienen.“ 

 

1726                 

  1. Jan. Tod des Floßmeisters Chr. G. Wenzel (WER D 34, Anh. 1 /4254).

Der Floßschreiber Georg Hartig der seit Wenzels Suspendierung, dessen Amt als Vize-Floßmeister inne hatte, wurde zum Floßmeister ernannt. Darauf weist auch eine Tafel hin, die im Erdgeschoss des Hauses Borlachstr. 1 im Jahr 1923 entdeckte wurde und die die  Inschrift „Georg Hartig, Floß. Mstr.  Anno 1726“ aufweist.

Wegen der vielfältigen Aufgaben wurde neben dem Floßschreiber Martini, Georg Heinrich Schrey  zum Zoll- und Landakzise-Einnehmer bestellt. Dieses Amt bekleidete er bis 1756 (WER D34/1/1011).

 

  1. Jan. „Kurtze jedoch gründliche Nachricht von dem zu Kösen an der Saale entdeckten Mine-

              ralischen Gesund-Brunnen“. (St.-A)

Dr. Johann Gregor Gerhard, „Medico & Physico Portensi“,  widmete diese Veröffentlichung dem „Königl. Kurfürstl. Wirklichen und Geheimen Rat, Ober- Consistorial- und Appelationsgerichts Präsidenten Gottlob Hieronimus von Leipziger“.

Es ist ein Versuch, anhand wissenschaftlicher Begründungen mit dem weit verbreiteten Aberglauben über die wundertätigen Bestandteile von Gesundbrunnen aufzuräumen und statt dessen  die heilsame Wirkung auf die enthaltenen mineralischen Bestandteile und deren Konzentration zurück zuführen, die aber mit den Mitteln der damaligen Zeit nur unzureichend zu bestimmen waren. Wegen zahlreicher Überstimmungen stellte Gerhard den Kösener Gesundbrunnen in die Reihe der Brunnen in Pyrmont und Eger. Die Hauptbestandteile waren  „Vitriolischer elastischer Spiritus, Sal alcali und Ocha Martialis“, also flüchtige Eisenverbindungen, und  alkalische Salze. Zutreffend war seine Schilderung der mit Sole zu heilenden Krankheiten wie Magen- und Darmbeschwerden, Gicht und Podarga, Lähmungen der Glieder, Schwindsucht und Lungenkrankheiten sowie Krätze, also alles moderne Indikationen. Für die Entschlackung des Körpers empfahl er eine Kombination von  Trinken, Schwitzen und Bewegung im Freien, sowie ein Zeitregime und die allmähliche Steigerung der Menge in der Kombination von Trinken und lauwarmen Brunnenbädern sollte den Erfolg der Kur sichern.  Dazu sollte ein Ort gewählt werden, der fern von  „Haus und Amtsvorrichtungen“ liegt, um die Seele zu entspannen, und ausreichend zu schlafen. Enthalten sollte man sich des Branntweins und des „Venus-Spiels“, scharfe Gewürze, Hülsenfrüchte und Räucherfleisch meiden,  sich von Geflügel und Kalb zu  ernähren und Wein oder leichte Biere trinken.

Seine Schilderung der Heilung der unterschiedlichsten Leiden bei 24 Patienten aus verschiedenen Orten der Umgebung, war allerdings stark übertrieben und brachte ihm im 19. Jahrhundert den Ruf eines Scharlatans ein. Dennoch sollte Gregor  Gerhard, der ja  100 Jahre vor Hufeland die Heilwirkung des Gesundbrunnens beschrieb und somit ein Wegbereiter des Kurbetriebes war, angemessen gewürdigt werden.    

 

  1. Mai Schreiben der herzogl.-weimar.-Kammer (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3706)

Die sich die Oberpflege weigerte, das verauslagte Geld für die Fassung des Gesundbrunnens abzuliefern, ersuchte das Schulamt die herzogl. Kammer zu Weimar, der Oberpflege die Bezahlung zu befehlen. Das passte den herzoglichen.  Beamten überhaupt nicht und sie ordneten an, dass die Angelegenheit gegen Gebühren in Weimar vorgetragen werden könnte. Diese Anordnung wurde der Oberpflege im Schulamt verlesen.

 

  1. Mai Beschwerde der Oberpflege beim Dresdener Hof (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3706)

In der Begründung hieß es, dass ein Gesund-Brunnen zu den Salz-Brunnen zählt, demzufolge ein landesherrliches Regal sei und nach den geltenden Regelungen dafür weder eine Amtsfron noch eine finanzielle Beteiligung verlangt werden könnte. Beispiel wäre der Kösener Salz-Brunnen für dessen Abteufung in den Jahren 1682 bis 1685 keinerlei Fron von der Oberpflege verlangt wurde.  Daher baten die Oberpflegen Lißdorf und Hassenhausen um die Niederschlagung der Forderung des Schulamts.

 

  1. Juli Pachtvertrag über den Gasthof Hassenhausen (WER Rep. D Pforta II Nr. 9).

Vor dem Amtmann Dr. J. A. Mack bekundeten 27 Bauern aus  Hassenhausen mit ihrer Unterschrift die Verpachtung des Dorfgasthofes samt Zubehör  an  Johann Wilhelm Schilling auf drei Jahre  für eine Pachtsumme von 400 Gulden. In 25 Paragrafen wurden die Pflichten und Rechte des Pächters festgeschrieben. Ein anschauliches Beispiel für die Pachtbedingungen  derartiger  Objekte im frühen 18. Jahrhundert.

 

  1. Aug. Anordnung zum „Kösener Gesundbrunnen“ (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3706)

Das Schulamt wurde angewiesen, sowohl die Klage der Oberpflege abzuweisen und keine Amtsfrohn für den Brunnenbau  zu verlangen.

 

1727

  1. Jan. Verzicht der Wenzelschen Erben (WER D 34).

Nach dessen Tod machten verschiedene Gläubiger ihre Forderungen gegenüber den Erben geltend. Doch da die Verbindlichkeiten den Wert des Nachlasses überstiegen, verzichteten die Erben. Am 8. Juli vereidigte das Schulamt einen Nachlaßverwalter (Curatore Litis), der den Nachlaß versteigern und davon die Gläubiger befriedigen sollte.

 

  1. Feb. Kauf der Schildknechtschen Bauplätze (WER. D Pforta II,Nr. 9).

Der Brückenschreiber Johann Siegmund Schildknecht der sein angefangenes Haus am Lengefelder Fahrweg wieder abzureißen sollte, bot das Anwesen beim Schulamt zum Kauf an. Käufer war der Floßmeister Georg Hartig, der 62 Gulden und  1 Gulden Erbpacht bezahlte. Den Vertrag beurkundeten der Amtmann Dr. J. A. Mack und der Notar J. A. Braun.  Auf dem gleich mehrere Bauplätz umfassenden Grundstück baute Hartig sein Wohnhaus und die „Kellerei“ nachdem er 1728 ebenfalls aus dem Wenzelschen Nachlass den Weinhang am Nikolausberg erworben hatte. 1734 verkaufte Hartig das Anwesen dem Ingenieur Johann Gottfried Borlach.

 

  1. Feb. Beurkundung des Nebbeschen Kaufvertrages (WER. Rep. D 34)

Da auch dieser Vertrag nach Aufhebung der Wenzelschen Gerichte von Joh. Fr. List beurkundet  wurde, war eine nochmalige kostenpflichtige Beglaubigung durch das Schulamt erforderlich.

 

  1. Apr. Gutachten des Vizebergvogts von Thüringen (DD Loc 1338).

Nach der Entdeckung des Mühlbrunnens wurde der Bergmann Samuel Friedrich Otto beim Bauverwalter des Schulamtes Johann Ludwig Hoffmann vorstellig und hatte auf den aufgelassenen Schacht vor dem Gasthof aufmerksam gemacht. Hoffmann wandte sich daraufhin an den Geheimrat von Seebach. Der beauftragte den Vizebergvogt von Eisleben Ernst Friedrich Koch mit einem Gutachten. Die Ortsbesichtigung ergab, dass die Stelle wo Christner einschlagen ließ, vernünftig sei, zumal „die Kunst hat commode nach dem Kunst-Schacht schieben können.“  Die Befragung des Bergmannes Weise ergab, dass der Schacht 175 Ellen tief sei  und man hier im „rothen Gesteine“ eine 3 ½ löthige Schwitzsole gefunden habe. Koch war der Ansicht, dass man wie in Artern die Sole erst im hangenden Muschelkalk treffen würde, also wesentlich tiefer.  Allerdings sollte bevor der alte Schacht bevor gewältigt würde, etliche Meter weiter nördlich, neben der Floßschreiberei, einige Probebohrungen niedergebracht werden  „um zu observiren, was allda vor Gestein wäre“.

 

  1. Mai Denkschrift des Geheimen Rates (DD Loc 1338).

Daraufhin schlug der Geheime Rat dem Kurfürsten vor: „...zuförderst ein Kunst-Gezeug mit zugehörigen Feld-Gestänge und Rade-Stube welches zusammen, den Überschlage nach ungefehr an die 700 Thaler betragen möchte…“ zu bewilligen.Staatsminister Graf von Flemming erließ daraufhin die Verfügung „daß der alte Saltz-Schacht bey Kösen  wieder von den wilden Waßern gewältiget und weiter abgeteufet werden soll“. Außerdem hätte sich der Mechanikus Borlach zur Begutachtung dorthin zu begeben, sobald er aus Polen zurück sei. 

 

  1. Mai Anordnung des kursächsischen Kammerkollegiums (dto.).

Der Floßmeister G. Hartig und der Bauverwalter J. L. Hoffmann erhielten den Befehl zur  „Wieder Erhebung des Saltzwercks zu Kösen“. Dazu wurde dem Bergmann Otto die Leitung der Arbeiten und dem Vize-Bergvogt Koch aus Eisleben die Oberaufsicht übertragen. Die bewilligten Mittel von 700 Taler wurden der Floßkasse entnommen und der Floßschreiber Martini mit der Auszahlung und Abrechnung beauftragt. Die Wältigung sollte umgehend begonnen und regelmäßiger Bericht erstattet werden. Am 9. Juni  waren Wasserkunst und Kunstgestänge soweit wieder hergestellt, daß das  Wildwasser abgepumpt werden konnte.

 

  1. Juni J. G. Borlach besichtigt den Solschacht (Gericke 1966)

Der unzureichende Schachtausbau erforderte erheblichen Aufwand bei der Wältigung des Wildwassers, daher ließ Borlach zunächst die Verzimmerung verbessern, um dann weiter abzuteufen, denn die salzführenden Schichten erwartete er in größerer Tiefe.

 

  1. Aug. Memorandum des „Physikus“ Dr. J. G. Gerhardt (WEI D 2176).

Weil es im gesamten Schulamt keine einzige „Kind-Frau“ gab, wandte er sich an den Herzog von Weimar und bat im Interesse der Erhaltung einer zahlreiche Nachkommenschaft, sämtliche Schulzen der Amtsdörfer vorzuladen und diesen zu befehlen, geeignete Frauen als  Hebammen in ihren Orten  einzusetzen.

 

  1. Nov. Befehl zum Aufbau des Arterner Salzwerkes (Mager).

Die Saline die Kurfürst August I. 1585 den Schwarzburger Grafen verkaufte und die dann aufgelassen wurde, lag  mitten in der Stadt und Kursachsen hatte sich beim Verkauf verpflichtet, weder einen Solebrunnen noch eine Saline innerhalb der Stadtmauern einzurichten. Deshalb ließ Borlach vor der Stadmauer auf dem Gelände des heutigen Friedhofes einen Schacht anlegen und auch wenn er hier nicht auf Steinsalz stieß, ermöglichte die hier austretende Quelle die Errichtung einer Saline. Obwohl es an Brennstoff mangelte, genehmigte das Finanzkollegium die Mittel für das Werk., dass an der Unstrut angelegt wurde, um mittels einer Wasserkunst die über den Solgraben zulaufende Sole auf die Dornengradierhäuser zu pumpen.

 

  1. Dez. Registrierung des Wenzelschen Nachlasses (WER D 34 Anh. 1/4971).

Demnach hatte Wenzel gemeinsam mit einem Kompagnon die Vorwerke Fränkenau und Gernstedt  1707 in Zeitpacht bekommen, war aber mit der Pacht im Rückstand geraten.

 

1728

  1. Jan. Bitte der Wenzelschen Erben (WER D 34 Anh. 1/ 4971)

Die Witwe des Floßmeisters, die inzwischen durch Wiederverheiratung Naumburger Bürgerin war, wandte sich an den Rat, weil sie trotz Verzicht auf das Erbe befürchtete, für die Schulden des Floßmeisters zu haften. Daher bat um die Beschleunigung des Verkaufs der Wenzelschen Immobilien, um weiteren Wertverlust zu verhindern und die Gläubiger zu befriedigen. Der Rat leitete die Bitte dem Kammerkollegium in Dresden zu.

 

  1. Feb. Anordnung zur Versteigerung des Wenzelschen Nachlasses (WEI DS 2195).

Das Kammerkollegium genehmigte dem Schulamt die Versteigerung des beschlagnahmten Wenzelschen Vermögens, insbesondere der Immobilien, soweit diese der Gerichtsbarkeit des herzogl. weimar. Schulamtes unterlagen. Außerdem machte die Dresdener Rentkammer offene Forderungen in Höhe von 1.500 Gulden gegenüber Wenzel geltend, für die ewr als gesellschafter der Sozietät gebürgt hatte. Diesbezüglich erklärte das Schulamt, dass man diese  Forderung nur berücksichtigen könne, wenn die Berechtigung nachgewiesen ist und es der Erlös der Subhastation  auch zulasse. Daraufhin wurde der Kammer-Prokurator Hoffmann vor Ort gesandt, um die Versteigerung „in besonderer Obacht zu nehmen sei“  (WER D 34  Anh. 1/4254).

 

  1. Apr. Bewertung der Wenzelschen Immobilien (WER D 34 1/4971)

Auf Anordnung des Amtmannes Dr. H. A. Mack taxierte eine Kommission, bestehend aus dem Amtsrichter Hempel, den Gerichts-Schöppen G. Darnstedt aus Altenburg und Chr. Judersleben aus Pomnitz sowie der Amtsaktuar J. Adam Braun die zur Versteigerung vorgesehenen  Grundstücke und Immobilien. Dazu gehörten ein großes Gehöft an der kleinen Saale neben dem Gasthof (Naumburger Str. 1), ein Weinberg mit Kelter und Sommerhaus an der Windlücke, ein Weinberg am Kösener Berg, mehrere Äcker am Jochenberg, am Äbtischen Holz und an der Schweinsbrücke, ein Brauhaus und ein Garten mit 3 Fischteichen am Ende des Lengefelder Weges, im Gesamtwert von  2.390 Gulden. Am 14. April wurde die Taxation amtlich bestätigt und ein Verkauf möglichst im Paket vorgegeben. Daraufhin erfolgte die öffentliche Bekanntgabe. 

 

  1. Apr. Der Solschacht ist auf 50 Lachter abgeteuft (Gericke 1966).

Die Abschachtung und die Verzimmerung erfolgten abschnittsweise, wobei die Abschnittshöhe vom anstehenden Gebirge und den Wildwasserzuflüssen abhing. Zunächst wurde der lichte Querschnitt  mit Hacke und Spaten abgeschachtet, im festen Gestein kam auch Schwarzpulver zum Einsatz. Der Aushub wurde über einen Handhaspel zu Tage gebracht. Dann wurde die aufgehende Verzimmerung sorgfältig unterfahren, die zugerichteten Balken eingelegt, gegenseitig verkeilt und abgedichtet. Dann folgte der nächste Abschnitt. In den druckwasserführenden Erdschichten kam eine wasserdichte Schachtverzimmerung zur Ausführung, in den Gebirgsschichten Vollschrotverzimmerung. In regelmäßigen Abständen wurden Arbeitsbühnen eingezogen, die sowohl als Queraussteifung als auch für die Aufnahme der Fahrten dienten.

Für die Wasserhaltung und später die Soleförderung kamen Kolbensaugpumpen zur Anwendung.  Die Kolben in den Pumpenröhren hingen an der vertikalen Zugstange, die am horizontalen Arm des Kunstkreuzes befestigt war. Reichte die Wasserkraft nicht aus, wurden das Wildwasser mit  manuellen Druckpumpen gehoben.

Erreichte man den soleführenden Horizont, erkennbar am Anhydrit, wurde auf der Sohle des Schachtes eine Bohrung niedergebracht. Traf man die Solequelle, so konnte man das Bohrloch abspunden und den Schachtausbau vollenden.

Über die Arbeitsbedingungen, die technischen Rahmenbedingungen, Fördermittel, Werkzeuge, Geleuchte etc. im Bergbau s. a. Agricola „De re metallica“. 

 

  1. Juni Subhastation des Wenzelschen Nachlasses (WER D 34 Anh.1/4254).

Nach einem achtwöchigen Anschlag in den Amtsgerichten Pforta, Naumburg und Leipzig, sowie einer Anzeige in der Leipziger  Zeitung mußten die Interessenten bis 12 Uhr ihr Angebot abgeben. Höchstbietende waren der Floßmeister Hartig und Advokat List mit einem gemeinsamen Gebot von 2.500 Gulden.

 

  1. Juli Aufteilung des Wenzelschen Nachlasses (WER D 34 Anl. 1/4971)

Nach der Zuschlagserteilung für die Bietergemeinschaft  wurde die Aufteilung beurkundet. Hartig übernahm das Brauhaus, die Weinberge am Kösener Berg und den Teichgarten, List die Weinberge samt Kelter an der Windlücke und das Anwesen neben dem Gasthof an der kleinen Saale. Die Äcker wurden geteilt, ebenso die noch ausstehenden Getreide-, Obst- und Weinernte. Wertmäßig betrug Hartigs Anteil 921 Gulden, der von List 1579 Gulden. Beide räumten sich ein gegenseitiges Vorkaufsrecht beim Weiterverkauf ein. Da beide  Wenzel kreditiert hatten, wurde ein Teil des Kaufpreises mit ihren Forderungen verrechnet. Es blieben nach Abzug der Kosten des Verfahrens  nur noch 300 Gulden übrig, die die kursächsische Rentkammer erhielt. Der  vom Kammer-Kurator Hofmann mit der Aufsicht über das Verfahren betraute Notar Maurer bestätigte am 13. Juli die Ordnungsmäßigkeit des Verfahrens.

 

1729

  1. Feb. Bericht über die Arterner Saline (RUD 5-12-1060/844)

Die erfolgreiche Abteufung und der Aufbau der Saline hatten im benachbarten Frankenhausen für Unruhe gesorgt. Die Schwarzburger Kammer befahl, den Arterner Betrieb zu beobachten und Bericht zu erstatten. Besonders erwähnenswert fand der Beobachter, dass die Sole durch eine Wasserkunst auf ein Gradierhaus gehoben wurde, hier zweimal umlief und sich dabei von 4 auf 11 Lot anreicherte.

 

  1. Feb. Beurkundung eines Hausverkaufs in Neu- Kösen (WER D Pforta II Nr. 9).

Die Witwe Georg Weises, vom Amtsrichter J. Chr. Hempel als Vormund vertreten, überließ ihr Haus (heute Borlachstr. 22) zwischen Chr. Türpisch und Christian Plaul gelegen, ihrem Schwiegersohn Michael Jäger. Anstelle des Kaufpreises von 50 Gulden wurde ihr ein lebenslanges Wohnrecht, freie Kost und Kleidung eingeräumt sowie eine kleine Rente. Außerdem verpflichtete sich der Erwerber,  für eine angemessene Beerdigung zu sorgen. Beide versicherten, dass sie dem  Floßmeister Wenzel den im Erbbrief vereinbarten Preis gezahlt hätten.      

 

  1. Apr. Beurkundung eines Hauskaufvertrages in Neu- Kösen (WER D Pforta II Nr. 9).

Georg Zimmer verkaufte sein Haus, Hof und Garten in Neu-Kösen (heute Borlachstr. 14), zwischen Nicolaus Rose und David Euerling, seiner jüngsten noch unverheirateten Tochter Eva für 20 Gulden. Statt des Kaufpreises wurde dem Verkäufer lebenslange freies Wohnrecht und Beköstigung sowie eine ordentliche Beerdigung versprochen. Außerdem sollte die Käuferin ihren älteren,  verheirateten Schwestern Marion Tostleben und Anna Huth jeweils 5 Gulden zahlen. Als Zeuge war der Dorfrichter Christoph Leppe zugegen.

 

  1. Mai Befahrung des Solschachtes durch J. G. Borlach (Gericke 1966).

Trotz erheblicher Bedenken des Bergvogtes  und eines Gutachtens des namhaften Salinisten Joachim Friedrich Freiherr von Beust, Oberbergrat im Dienst des Herzogs von Sachsen-Weimar, wegen der heftigen Wildwassereinbrüche, die von der Pumpenkunst kaum bewältigt wurden, gingen die Arbeiten weiter. 

 

  1. Apr. Andreas Gürtler pachtet die Mühle (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1619)

Die Pacht betrug 525 Gulden, die Kaution 350 Gulden mit 5 % Zinsen, die Pachtzeit 6 Jahre

Zu den besonderen Rechten gehörte der „Mahlzwang“ gegenüber den Bauern der Dörfer auf dem Kreis. Wer anderswo mahlen ließ, dem drohten empfindliche Strafen. Dafür erhielt der Müller  einen Mahllohn und durfte die Mahlreste, wie Mehlstaub, Schrot, Kleie und den Ölkuchen behalten. Außerdem musste der Müller einige „Speck“-Schweine für den Bedarf der Schule mästen und war angehalten, die Bauern nicht zu übervorteilen.

Gernstedt und Rehehausen waren der Emsenmühle zugeteilt, die Pächter der Vorwerke Kukulau und Fränkenau sowie der Pachtschäfer konnten frei wählen, die Stiftsförfer Punschrau und Hohndorf hatten eine eigene Mühle und die zu den Gerichten von Kreipitzsch gehörenden Dörfer waren an die Mühle an der Rudelsburg gebunden.

 

  1. Juli Memorial der Pächter der Halbweinberge ( WEI. DS 2134).

Die Pächter baten den Herzog von Weimar um Genehmigung, dass ihnen die Weinberge vom Schulamt in Geld- und Erbpacht gegeben werden.

 

  1. Juli Aktennotiz zum Wenzelschen Nachlass (WER D 34 1/4254).

Dr. Mack bestätigte, dass der Licentiat List für die von ihm im Vorjahr aus der Konkursmasse erstandenen Grundstücke 316 Gulden bezahlt habe. Die restlichen 1.263 Gulden  hätten der Floßmeister Hartig und der Merseburger Floßvorsteher bekommen, womit ihre Gläubigerforderungen gegenüber Wenzel verrechnet wurden. Hartig selbst hatte für seinen Anteil 161 Gulden gezahlt, den Rest gegen seine Forderungen aufgerechnet. Insgesamt blieben  nur 477 Gulden für die Amtskasse.

 

              Bau eines Kellergewölbes am Lengefelder Fahrweg  (Höhlenforscher Kat. 4836/42-c).

Der Gewölbekeller liegt unter dem Grundstück Borlachstraße 5. Der Gewölbeschlußstein trägt die Inschrift GH 1729, womit der Keller eindeutig auf den Floßmeister Georg Hartig zurückgeht. Bislang reichte wohl der Bergkeller des Wenzelschen Brauhhauses um den Bedarf der Einwohner von Neu-Kösen einzulagern. Nachdem die Arbeiten am Solschacht wieder aufgenommen wurden waren deutlich mehr Leute zu versorgen, was eine Erweiterung der Lagermöglichkeiten erforderte, praktischerweise nahe am Ort des Verbrauchs. Den Ausschank besorgte die Schankwirtin Katarina Müller in ihrem Anwesen (heute Borlachstr. 25).

Oberhalb des Kellers errichtete Hartig auf den ehemals Schildknechtschen Bauplatzes ein Wohnhaus, wo sich 1731 J. G. Borlach  mit seinem Hausstand und Begleitern einmietete (Vorgängerbau der Borlachtsr. 3).     

 

  1. Nov. Gutachten zur Saline Artern (DD, Salzamtl. Akten)

Der herzogl.- eisenachische Oberbergrat J. Friedrich Freiherr v. Beust (1697-1771), Onkel des späteren Salinendirektors C. Leopold v. Beust zollte dem 30 Jahre älteren Borlach seine Anerkennung für den Aufbau des Salzwerkes, machte aber gleichzeitg auf die kritische Brennstoffsituation aufmerksam. In der unmittelbaren Umgebung gab es nur wenig geeignetes Brennholz, der Transport aus dem Harz war teuer und die Unstrut zur Scheitholzflöße nicht sonderlich geeignet. Er schlug vor, eine 50 km lange Röhrenleitung bis zur Mündung der Unstrut zu verlegen, um die in Artern gradierte Sole mit dem Holz aus der Saaleflöße zu verkochen.   

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Tischler August Kuniger klagte vor dem Schulamt wegen „debiti“.

 

1730

  1. Feb. Gesuch der Gemeinde für einen eigenen Gottesacker (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Im Namen der Gemeinde wandte sich der Dorfrichter Christian Leppe an die Schulbeamten und den geistlichen Inspektor und bat darum, nahe beim Dorf Neu-Kösen einen Gottesacker einzurichten. Bislang mußten die Verstorbenen nach Pforta gebracht werden, was umständich und kostspielig war. Außerdem war der dortige Platz beschränkt und reichte für die wachsende Zahl der  Einwohner ohnehin nicht mehr. 

 

  1. Apr. Bericht des preußischen Bergmeisters Decker zum Salzbrunnen (WER F 14 Nr. 2/1)

„In dem letztern Naumburger Holzmarkt habe bei meiner Anwesenheit den unweit der Kösener Brücke vor ein paar Jahren angefangenen neuen Salz-Brunnen in Augenschein zu nehmen Gelegenheit gehabt. Dieser Brunnen ist im Lichten sehr weit gefaßt und 72 Lachter (144 m) tief, liegt etwa 50 Lachter (100 m) von der Saale und befindet sich jetzt mehr Saale- als Salzwasser in demselben. In der Mitte des Brunnens soll etwas geringe Sole aus den Gesteinen ausschwitzen. Das Gestein darinnen ist teils Sand- teils Kalkstein, in welchen letztern noch mit Abteufen continuiret wird, wozu S. Kgl. Maj. in Polen bei Dero letztern hohen Anwesenheit, als sie den Brunnen besehen, das Wasser gekostet und noch 2000 Gulden zu wenden, nachher aber, wenn keine besser Sole gefunden würde, das Wasser liegen zu lassen, befohlen hatten. Es schiebt eine Wasserkunst, welche von der Saale  aus dem Floßgraben getrieben wird mit einen Feldgestänge dahin und hebt  aus diesen neuen Salz-Brunnen die süßen Wasser  in großer Menge.“

Der Bericht ging an die zur preußische Kriegs- und Domänenkammer gehörende Deputation für Berg- und Salzwesen in Magdeburg und wurde umgehend dem preußischen König Friedrich-Wilhelm bzw. dem Kabinett zugefertigt. Von dort kam der Befehl, die Vorgänge um die kursächsischen Salzwerk genau zu beobachten und regelmäßig und ausführlich zu berichten.

Das außerordentliche Interesse Brandenburg-Preußens ergab sich aus dem Umstand, dass erst wenige Jahre zuvor, 1721, der preußische Fiskus in Halle ein Salzwerk errichtet hatte, weil die Gewerkschafter der unwirtschaftlich arbeitenden „Saline im Thale“ Neuerungen ablehnten  und auf ihre herhömmlichen Methoden und verbrieften Privilegien beharrten. Da ein ansehnlicher Teil des hallischen Salzes nach Kursachsen geliefert wurde, befürchete man nicht zu Unrecht einen erheblichen Nachteil für das eigene Salzwerk sowie die Konkurrenz in den umliegenden Ländern. Ein Aufkündigung der Scheitholzverträge weil die Saline Kösen erhebliche Mengen benötigte, war für den preußische Salinenfiskus weniger problematisch, weil man schon frühzeitig auf  Braunkohle aus der Grube Langenbogen setzt, hätte aber für die Pfännerschaft einschneidende Folgen gehabt. 

 

  1. Juni Zeitpacht über die Mühlenwiese (MER. C48 IIIb Nr. 5523).

Die Commun-Flöße pachtete einen Acker oberhalb des Rechens für 26 Gulden.

 

  1. Juli Bericht des Floßmeisters Hartig über die Solquelle (Mager, Aufsätze).

„Acto früh um 7 Uhr wird von den in hiesigen Saltz-Schacht arbeithenden Bergleuten berichtet, daß (.) als ein guther Theil Berge gesprenget (.) sie wieder einfahren (.) eine ziemliche Quantität Saltz-Waßer angetroffen worden.“ Proben ergaben eine konstante Konzentration von 4,18% bei ausreichender Schüttung.

 

  1. Juli Probesiedung (Mager).

Im Bericht an das Kammerkollegium schrieb Borlach, „es saltzet unser Saltz besonders das Kösische die Prisen kräfftiger als das Hällische“ und weiter „In der Crystallisation gehet das Kösische dem Hällischen und Artherischen weit vor, giebt schönere, weißere und dichtere Crystalle.“ Zwei Tage später ordnete König Friedrich August an, dass „…der Bau bei Kösen weiter fortgetrieben und extendiret…“ werden solle.   

 

  1. Juli Tagebucheintrag des Floßmeisters Hartig (Mager, Aufsätze).

„Es seynd biß dato die Saltz-Waßer alltägl. pobiret und (.) daß solche noch beständig des ersten Gehalts sind... es stehen solche 200 Ellen (114 m) hoch im Schacht (.) die einfache Kunst aber ist nicht vermögend mehr alles was quellet heraus zu bringen (.) es wird mit aller Macht an der doppelten Kunst gearbeitet (.) diese Saltz-Waßer gehen so schön und lauter heraus, als fast an keinem andern Orthe zu finden (.) es ist wegen solchen großen Saltz-Segen von Fremden und Einheimischen vieles jubiliren.“

 

  1. Aug. Anordnung des Kabinettministers v. Wackerbarth (Mager).

Zum Schutz vor allzu Neugierigen wurde ein Unteroffizier und 6 Mann aus Naumburg zum Schacht beordert. Sie wachten Tag und Nacht „wegen zu starcken Zulauf der Fremden (.) zumalen etliche die Probe der Soole mit hinweg zu nehmen begehret hatten“.

 

  1. Aug. Reskript König Friedrich August (Mager, Aufsätze).

Für den Aufbau des Kösener Werks wurde angeordnet, dass die „zum Arternschen Wercke destinirten jährl. 5000 Thaler auch zum Kösener Wercke mit gebrauchet, dieser Fonds da es nöthig, noch auf 4 Jahre darzu verwendet ..“ wird. Am 04. September wurde Borlach von seinen Aufgaben in Polen entbunden, damit „alle Sorgfalt bey diesen Wercke vorgekehret werden solle.“

 

  1. Aug. Bericht an den preußischen Fiskus über den Salzbrunnen (WER F 14 Nr. 2/1)

„Der Herr Kriegs- und Domänenrat von Krug referiert dem Collegio, welchergestalt ihm der Bergverwalter  Röder hinterbracht, daß, als er neulich für das Rothenberger Bergwerk oberhalb Naumburg Holz eingekauft, habe er auf seiner Reise observirt und erfahren, wie man in dem Salz-Brunnen bei Kösen nunmehr 6-lötige Solle gefunden, wenn nämlich die Pumpen bis unten auf  den Grund, wie wirklich geschehen, gesetzt und bleiben würden, oben aber wäre sie wegen des vielen wilden Wassers nicht mehr als 3-lötig. Hätte ihm auch zugleich eine Probe von dem daselbst  bereits gesottenen Salz mitgebracht und zugestellt, die Sole stünde 30 Lachter hoch.“

Beigefügt war die Meldung eines „vertrauten Freundes, der zugleich Königl. Bedienter zu Dresden war (.) daß zu Kösen bei Naumburg ein so reiches Salzwerk sich entblößt, so daß wir durch dieses und den andern Hilfe unser Land und auch einige Nachbarn damit versorgen können, daher und weil es an der Saale liegt, man auch das Holz selbst künftig wird gebrauchen und das Hallische Salz nicht mehr brauchen würde“

Der Bericht alarmierte die preußischen Behörden. Auf Befehl des Königs wurden der Domänenrat Schmid und der Bergmeister Decker nach Kösen und Artern entsandt, um die Beschaffenheit der Sole, die Versiedung und geplante Salzwerk näher zu untersuchen 

 

  1. Aug. Schreiben des Floßmeisters Hartig an den Bergmeister Decker (WER F 14 Nr. 1/2)

Bereits bevor die Kommission sich nach Kösen aufmachte, hatte der Bergmeister den ihm bekannten Floßmeister Hartig um eine Probe der Sole gebeten, die dieser ihm auch bereitwillig zusandte „Überbringer dieses hat eine Probe des allhier ersottenen Salzes für E. Hochwohlgeb. abholen sollen, ich übersende also diese an zweierlei Sorten, wie es nach Dresden eingeschickt wurde. Die Salzquelle hat sich in einer Teufe von 762 Ellen gefunden und zwar ist selbige von unten herauf im Zentrum des Schachtes mächtig durchgebrochen und in wenigen Tagen 200 Ellen bis in die oberen abgefaßten süßen Wasser aufgegangen und wird mit selbigen, mittels der Kunst herausgehoben und zum Saalenstrom geleitet.

Der Gehalt ist den 5ten Teil reicher als zu Artern, man ist jetzt beschäftigt, eine zweifache Kunst einzurichten und die Sole zu wältigen, mithin den Schacht, welcher zeither zur Menagirung der Kosten und weil fast niemand hat glauben wollen, daß Salz-Wasser erlangt werden würde, gar flüchtig gebaut worden, besser verwahren. Der Herr Ingenieur Borlach aber, welcher jetzt auf den polnischen Salz-Werk ist, vermeint, man werde schwerlich gänzlich niederkommen können.

Ein festes Kalkgebirge hat ganze 10 Lachter mächtig vorgelegen, und als sich solches geändert und schwarz-graues Gestein ½ Lachter durchsunken gewesen, so ist die Quelle über sich durchgebrochen.“ 

 

  1. Sep. Bericht des preußischen Domänenrats Schmid zum Salzbrunnen (WER F 14 2/1)

„Als ich mich nebst dem Bergmeister Decker inkognito hierher begeben von dem neu  anzulegenden Salzwerk Erkundungen einzuziehen, so haben wir zuvörderst bei dem Floßmeister daselbst Hr. Hartig Gelegenheit genommen anzusprechen, und als wir demselben  auf eine Discours der Salz- und Bergwerke gebracht haben, so erzählte derselbe, in Bezug der Steinkohlen-Bergwerke, es habe ein Herr von Marchal nebst anderen Gewerken 2 Meilen von hier im Weimarischen belegen,  ein Steinkohlen-Bergwerk aufnehmen  wollen, auch damit bereits  den Anfang gemacht und wirklich Steinkohlen, ungefähr eine Spanne hoch, und zwar solche Steinkohlen gefunden, welche bei einer gemachten Probe von denen Schmieden sehr wohl gebrauchet  werden könne. Wie dieses der Herzog von Weimar in Erfahrung  gebracht, habe er das Steinkohlen-Bergwerk unter die Regalia ziehen und den von Marchal die Continuation disputiren wollen. Der Herzog von Weimar hatte dieserwegen wirklich einen Prozess mit dem v. Marchal, weil ihn aber die Zeit zu lange währte, ehe der Prozess zu Ende komme, so hätte der Herzog ad interim ferner an 2 Orten eingeschlagen und ließe jetzt mit aller Force an 2 Orten 2 bis 3 Meilen von hier arbeiten.

An dem einen Ort  nun fänden sich derzeit keine Steinkohlen an dem andern Orte hingegen wäre  eine Spanne hoch Kohlen, von der Güte wie oben gedacht. Man wäre in größter Hoffnung  mit denen Steinkohlen zu reussiren, wozu der Herzog von Weimar einen Mann aus Osnabrück namens Märker unter den Titel eines Mineralien-Baumeisters der bei Salz- und Steinkohlen-Bergwerken hergekommen und dergleichen sehr wohl verstünde, mit 100 Taler Besoldung angenommen.

Anlangend den Salz-Brunnen hierselbst, solcher sei vor 40 Jahren bereits von eines Gewerkschaft aufgenommen, es hätten aber dermalen wegen Mangel einer Kunst, die wilden Wasser nicht sattsam können getilgt werden, und also wäre das Werk, nachdem allbereits an die 50.000 Taler daran gewandt dermalen liegen geblieben. Seit 3 Jahren hätten S. Kgl. Maj. von Polen diesen Brunnen auf dero Kosten anfangen lassen weiter abzuteufen, da dann endlich am 1. Juli a.c. sich auf einmal eine gute Salz-Quelle gezeigt und hervor gesprungen, welche in wenigen Stunden über 50 Lachter (100 m) gestiegen. Von dieser Sole habe er sogleich welche in ein Glas getan, welches er uns vorgezeigt. Die Sole riecht modrig und faul ist sehr salzig  und hat sich das Salz weil die Sole seit 6 Wochen gestanden, wie Spießglas an das Glas gesetzt. Auf die Frage wie hoch S. Königl. Maj. hier ein Klafter Holz im Preis zu stehen komme, referierte  der Floßmeister, daß  bis 18.000 Klafter Holz jährlich hierher kämen, davon hätte der König von Polen 2/3  mit denen fürstl. und gräfl. in Commune, ein Drittel  hingegen für sich alleine. Das Commun-Holz kostet hier zu Kösen mit allen Unkosten 1 Taler 21 Groschen den Klafter,  das Holz hingegen, so dem König von Polen allein  gehöre, komme bis ans Wasser 1 Taler 1 Groschen,  also hier in loco nicht über 1 Taler 4 Groschen.

Der Floßmeister referierte übrigens, daß der Herr Commissarius Borlach der die Direction  über das hiesige und das Arternsche, inglichen über die polnischen Salzwerke hätte und welche der Herr Bergmeister Decker sehr wohl kenne, jetzt hier wäre, von dem wir nähere Particularia vielleicht vernehmen könnten.

Wir haben uns ferner gleich bei dem neu angelegten Salz-Brunnen verfügt, daselbst  haben wir den Commissarius Borlach persönlich  angetroffen. Dieser ist eben im Begriff ein großes Stück Feld, so zur Schul-Pforta eigentümlich gehört und hart hinter dem Brunnen liegt, abzumessen und aufzunehmen.

Der Hr. Bergmeister Decker hat erwähnten Hr. Borlach wegen der mit demselben bisher gehabten  vertraulichen Bekanntschaft, mit mir anzureden Gelegenheit genommen, da dann dieser Hr. Borlach referierte, wie er eben den Platz aufnehme, worauf die Gradierhäuser, Kote und andere notwendige, zum Salzwesen gehörige Gebäude gesetzt und in guten Stand  gebracht, auch damit ohne  Anstand im Frühjahr der Anfang gemacht und alles auf mögliche Art forcirt werden sollte. Auf Ersuchen führte uns der Comm. Borlach zu dem Salz-Brunnen. Dieser liegt von dem Floßgraben 70 Schritt, von der Kösener Brücke 100 Schritt, der Brunnen selber ist 75 Lachter (150 m) tief abgesunken. Sie hätten seit anno 1727 darinnen gearbeitet und als sie vor einigen Monaten unter einen Gipsstein durch  gearbeitet, wäre auf einmal eine starke Salzquelle hervor gesprungen, welche in wenigen Stunden über 50 Lachter  gestiegen.

Der Brunnen ist von oben herunter mit lauter Bauholz verschalt und ausgelegt und zwar dergestalt  dauerhaft, daß nicht ein Tropfen wildes Wasser bis etwa 40 Lachter tief, woselbst der  bloße Fels keiner Verschalung bedarf, außer einigen Orten, wo der Stein  gebrechlich wäre, und daselbst wird wirklich mit der Verzimmerungs-Arbeit jetzt continuirt, auch vor Winters noch  fertig zu werden. In dem Brunnen selbst schieben 2 Feldgestänge,  mit dem einen werden die wilden Wasser mit der andern aber die pure Sole herauf getrieben und ist die andere noch nicht ganz fertig. Im ganzen Brunnen hätten 11 Sätze gehangen,  jetzt aber gingen zur Hebung des wilden Wassers  nur 4 Sätze. Die Sätze und die Kunst werden vermittelst eines unterschlächtigen  Rades in dem Floßgraben angetrieben in dessen Rolle zwei Krummzapfen und an denselben 2 Feldgestänge  gehängt, so über Tage bis auf den Brunnen schieben.

Der Hr. Commiss. Borlach referierte dabei, daß die seit drei Jahren verwandten Kosten an die 6000 Gulden  gingen. Die Sole, wovon er uns die Probe aus dem Brunnen herauf bringen lassen und die den Geruch und Geschmack wie oben gedacht hat, auch sehr klar ist, sei 5-lötig. Sie wollten diesen Herbst das benötigte Holz anschaffen und gleich im Frühjahr mit 2 Gradier-Häusern und einer großen Pfanne, dergleichen sie zu Artern 3 angeschafft und in jeder deren sie jährlich an die 7 bis 10.000 Stück a 1 Dresdener Scheffel (55 l) siedeten., den Anfang machen.

Würde nun die Sole, wie es jetzt angeschienen, stärker folgen, so wollte er hiernächst noch 2 oder 4 Gradierhäuser wie auch Pfannen dem Befinden nach bauen. Das Holz sollte ihm bei weitem der Klafter nicht auf 1 Gulden zu stehen kommen. Die Pfänner in Halle nehmen kein anderes Holz, als gerades und  gleiches Holz und wäre also eine große Quantität dergleichen, jedoch krummes Holz im Walde, hierfür bezahle er nichts als den Hauerlohn und Anfuhr, ingleichen Flößerlohn, welches ihm den Klafter über 16 Groschen kosten würde. Mit solchen wohlfeilen Holz wollte er  über 10 Jahre sieden, wie denn auch der König von Polen jederzeit das Holz um sehr wohlfeilen Preis geben könnte. Das Salz geben sie zwar jetzt in Artern um 20 ½ Taler das Stück und siedeten nunmehr daselbst bis  20.000 Stück, wären zwar Willens gewesen, das Werk zu verstärken  und noch einige Pfannen und Gradierhäuser dort anzulegen. Weil sich  aber hier der Segen stärker wie dort zeigte,  indem die Sole hier über 5-lötig, dort zu Artern  aber nur 3 bis 4-lötig sei, so müßte der Fortbau des Arternschen Werks, außer nur dasjenige, so daselbst noch wirklich in der Arbeit sei, verfertigt würde, Abstand haben, dieses aber desto  stärker  getrieben werden, wie sie denn auch das Salz weit unter dem Hallischen und Arternschen Preis hier herzugeben dächten. Das Gradieren mache zwar zu Artern einige Kosten allein sie menagirten dagegen, dort dergestalt an die Feuerung, daß die Sole durch das Gradieren fast 16 lötig wurde, und mit einer solchen Feuerung, womit in Halle 10 Stück gesotten, würden in Artern 15 Stück gesotten werden könnten. Die Zeit würde lehren, daß hier in loco der Profit noch weit stärker  werden müßte.

Als wir zuletzt eine Flasche voll Sole benebst einer Probe Salz mitzunehmen verlangten, ist uns zwar zweierlei Salz-Proben, als grobes und  kleines, so aus der gefundenen Sole gesiedet ist, gegeben worden. Die Sole aber hat der Hr. Borlach zwar in unserm Beisein aus dem Brunnen heraus heben, uns aber solche nicht mitnehmen lassen wollen, unter der Beteuerung, daß ihm solches nicht erlaubt, auch der vorgezeigte Unter-Offizier und 6 Mann Wache, die sowohl zu Tages als Nachts abwechseln, bestellt waren, Acht zu haben, daß niemand ohne sein, des Hr. Comm. Beisein sich zu dem Brunnen begeben, von der Sole aber niemand etwas wegnehmen sollte, sobald aber der Hr. Bergmeister wieder dieses Ortes käme, würde er alles in bessern und vollkommneren Stande als jetzt finden und gedachten sie, innerhalb von 2 Jahren höchstens das ganze Werk zur Vollkommenheit zu bringen. Weiter ist von diesmal wie hier gemeldet  nichts in Erfahrung zu bringen gewesen, weshalb wir uns  von hier nach Artern begeben“.

Auch dieser Bericht zusammen mit dem über Artern wurde den königlichen Behörden in Berlin weitergegeben.

 

  1. Sep. „Grund-Riß von Kösen wegen Erbauung der Salz-Coctur“ (DD Loc 1337).

Der Kunstturm über dem Solschacht maß 52 Fuß im Quadrat (15x15m), 52 Fuß (15 m) bis zur Traufe und 84 Fuß (24 m) bis zum First. Hierauf wurde die Sole gehoben, damit sie dann über eine kommunizierende Röhre von selbst auf das Gradierhaus stieg. Im Kunstturm, der den Solschacht und die Maschinerie vor Witterungsunbilden schützte,  befanden sich auch das „Local“ des Salinendirektors und die Wohnung des Kunstmeisters. Das Gradierhaus war 550 Fuß (155 m) lang, 13,5 Fuß (4 m) breit, 18 Fuß (5 m) hoch, stand auf Steisockeln und hatte ein Dach. Kennzeichnend für die Borlachsche Konstruktion waren die weit nach außen gestellten Streben, die bis unter die Traufe reichten und so die Stabilität gewährten.  Die Dornenwand war in vier Abschnitte eingeteilt, die Repetierfälle. Nach dem letzten Fall lief die Sole über Röhrenfahrten direkt zum Siedehaus. Dieses war 294 Fuß lang und 41 Fuß breit (82 x 11,5 m) und hatte jeweils eine Haupt- und eine Nebenpfanne mit Herd, Rauchfang und Brodemabzug. Neben dem Rauchabzug befanden sich die Trockenräume, wo die Restwärme genutzt wurde. Auf dem Dachboden wurde das getrocknete Salz eingelagert.

Soleförderung und Salzproduktion gehörten zum Bergwesen. Zahlreiche technische Anlage insbesondere zum Antrieb und der Kraftübertragung kamen von dort. Wind- oder Wasserkünste, Feldgestänge sowie die Pumpenanlagen wurden entsprechend den örtlichen Gegebenheiten und den Kenntnissen der Kunst-, Siede- und Maschinenmeister eingerichtet. Während die frühen „Cocturen“ verpachtet und gewerkschaftlich betrieben wurden, setzte  August der Starke auf fiskalische Salinen, zumal die Investitionskosten für derartige Werke die privaten Mittel zumeist überstiegen. Für die Leitung wurden Hofbeamte bestallt, die neben geologischen, chemischen und physikalischen Kenntnissen auch in ökonomischen, mathematischen, baufachlichen und juristischen Dingen beschlagen waren. Die Salinenarbeiter bildeten Knappschaften und waren damit auf Lebenszeit an das Werk gebunden. Wie im Bergwesen üblich mußten bereits die Kinder in den Siedehütten helfen. Die Entlohnung erfolgte im Gedinge nach der Menge des ausgewirkten Salzes, nur die Beamten bekamen ein festes Jahresgehalt. Ruhte der Siedebetrieb, herrschte bittere Not bei den Salinenarbeitern, die sich und ihre Familien dann durch das Binden von Schwarzdornfaschinen oder dem Flechten von  Salzkörben kümmerlich ernährten.

 

  1. Okt. Aufgebot der Amtsdörfer zur Beräumung des Rechens (WER D 34 Anh. 1 Nr. 927)

Der Oberaufseher der Saaleflöße v. Osterhausen und der Floßmeister Hartig hatten gemeldet, dass der Rechen wegen der in großen Mengen ankommenden Scheite zu zerbrechen drohte und es an Arbeitern zum Ausziehen mangelt. Da es im Interesse der Commun-Flöße lag, die Hölzer noch vor den Herbsthochwasser zu bergen und den Rechen zu erhalten, wurden in derartigen Fällen neben den von den Floßbeamten auf dem Stapel beschäftigten Arbeiter, die fronpflichtigen Untertanen der umliegenden Ämter aufgeboten, das betraf  üblicherweise Camburg (Altenburg-Gotha), Dornburg (Eisenach-Weimar) und das Schulamt Pforte Kursachsen) das Schulamt Pforta. Das gehörte derzeit zu Sachsen-Weimar und die kursächsischen Behörden wandten sich an die dortige Kammer, die dem Schulverwalter befahl, umgehend 40 Amtsuntertanen an den Kösener Rechen zu entsenden.

Am 13. Oktober erhielten die Schulzen der 18 Amtsdörfer den Befehl, jeweils 1 bis 4 Mann am 16. Oktober zum Kösener Rechen zu schicken. Am 17. Oktober meldete der Floßmeister Hartig, dass die Arbeiter zwar erschienen, dann aber wieder gegangen waren, weil keine konkrete Aufschlüsselung der von jedem Dorf auszuziehenden Mengen vorlag und die Arbeiter sich weigerten, ohne Spezifikation die Scheite auszuziehen. Außerdem fehlten die Einwohner vom Pfortenhof zu Naumburg sowie aus Neu-Kösen. Hierzu bemerkte Hartig „Entbrechen sich die Einwohner zu Neu-Kösen, als welche doch der Flöße halber den Anbau und einige beneficia erlangt haben, der jetzigen Floßarbeit beizutreten und die Pfortaischen Untertanen wissen sich darauf zu beziehen und bestehen darauf, daß dieselben ebenmäßig dazu genommen und nicht ausgeschlossen werden möchten, solches auch der Billigkeit gemäß, also wird um diesfallsige Verfügung und Amts-Anschlag bei namhafter Strafe hiermit ebenmäßig gebeten.“ 

Am 18. Oktober lag der Verteilerschlüssel der 2000 Klafter vor, die die Pfortischen Amtsdörfer auszuziehen hatten und der Schulverwalter befahl auch die Einwohner des Pfortenhofes in Naumburg und von Neu-Kösen zum Rechen.

Als die Arbeiter die gleiche Entlohnung verlangten, die ihnen vor 30 Jahren gezahlt worden war und der Floßmeister das verweigerte, verließen sie wieder den Stapel. Nach erneuter Vorstellung beim Schulverwalter begannen einige Dorfschaften doch noch, das ihnen zugeteilte Kontingent auszuziehen.  Am 3. November meldeten die Floßbeamten Hartig, Martini und Zange, dass bislang die Hälfte ausgezogen war, wobei die Roßbacher „nach vielerlei injuriösen Reden“ den Stapel wieder verlassen hätte. Daraufhin wurden den säumigen Dorfschulzen 10 Gulden Strafe angedroht, wenn die vorgegebenen Mengen nicht ausgesetzt würden.

 

  1. Nov. Bericht des Bergmeisters Decker (WER F 14 Nr. 2/1)

„Ich habe vorige Woche zu Mansfeld  von einem Hessen-Casselschen Berginspektor namens Döring, als ich mit selbigen von denen hessischen und sächsischen Salz-Werken zu sprechen kam, discursive mir erzählen lassen, daß ein auswärtiger Entreprenneur welcher das Salz-, Siede- und Gradier-Wesen ex fundamento verstünde, in Sachsen ein Projekt gemacht und übergeben hätte, welchergestalt er die Arternsche Sole, welche aus dem alten, innerhalb des Mauerwerks  befindlichen Brunnen in großer Quantität aber geringer Qualität quillt und als ein starker Bach in die Unstrut fließt, in Röhren längs diesen Flusses bis an den Ort, wo sie in den Saalestrom fällt, leiten und daselbst wegen des wohlfeilen Feuerwerks versieden wollte. Diese arme Sole sollte sich von Artern während dem Lauf  bis in den Saalstrom selbst auf 14 bis 15 Lot gradieren, zu welchen Ende bei jeden Damme oder Wehr große Gradierhäuser gebaut werden sollten, auf welche die Sole  durch  ein unterschlächtiges  Rad zum Fall gleichwie es zu Artern schon geschieht, in die Höhe gehoben werden könnte. Den Namen dieses Entreprenneurs habe noch nicht erfahren können, hat sich  aber eine zeitlang in Naumburg aufgehalten und jährlich auf diese Art  mit Zuziehung des neuen Kösener Brunnens  zweimal 100.000 Stücke Salz  a 2 Scheffel haltend, zu sieden versprochen, welches in und außerhalb Sachsen debitirt werden sollte. Wie weit nun dieser Relation  Glauben beizumessen  sollte, stehe dahin....“

Damit erlangten auch die preußischen Bergbehörden Kennntis über die Pläne, die der Freiherr Joachim von Beust im Vorjahr dem sächsischen Kabinett vorgestellt hatte. 

 

1731                  

  1. Mär. Genehmigung der Mittel für das Salzwerk (DD Loc 1337)).

Die Kammer genehmigte die von Borlach veranschlagten 4.454 Gulden für das Gradierhaus und  1.633 Gulden für die Siedekote. Unmittelbar danach wurden auch die Mittel für die Abteufung eines zweiten Solschachtes bewilligt.

 

  1. Juli Bericht der preuß. Domänenkammer über die Kösener Saline (WER F 14 2/1)

A S. Majestè le Roy de Prusse 

„Auf das allhiesige neu angelegte Salz-Werk ist schon zu Kurfürst Augusts Zeiten Reflexion gemacht, vor ungefähr 30 Jahren aber erst von einigen Partikulirern  näher untersucht und zu bebauen angefangen worden. Weil es aber diesen Leuten zuletzt an Mitteln  und Vorschuß  gefehlt, ist es liegen blieben, bis vor ungefähr 5 Jahren ein anderer, seiner Profession ein Fischer de novo das Werk vor der Hand genommen, welcher aber wegen seiner Unerfahrenheit und schlechten Zuschuß ebenfalls von dem Anbau abtrahiren mußte, so daß das Werk zum 2ten Mal liegen bleiben. Endlich haben S. jetzige Königl. Maj. von Polen den Anbau absolut fortgesetzt wissen wollen, da dann vor zwei Jahren auf Dero Kosten derselbe wiederum ist angefangen worden. Anfangs gar mit sehr schlechten Success, so daß man zum 3ten Mal denselben hat wollen liegen lassen, es hat sich aber der Königl. Prinz sowohl als der ehemalige Geheimrat von Seebach dagegen opponirt  und den Anbau zu poussiren angeraten bis man endlich nach vielen Kosten  und Arbeit die jetzige noch vorhandene Sole, nachdem man an die 600 Ellen tief eingedrungen, aufgefunden. Der Entreprenneur dieses Werks ist nicht Lehmann welcher aber im Vogtland  eine Salz-Coctur zu bauen angefangen, weil aber die Sole nur 1 Lot gehalten, es vor weniger Zeit  aufgeben müssen.

Es ist auch der Happe hierbei nicht mit interessirt, sondern wie vorgedacht, haben S. Königl. Maj.  von Polen den Bau auf Dero Kosten entreprenniren lassen, zu dem Ende haben dieselben anfangs eine Kommission verordnet, bei welcher ein vogtländischer von Adel ein von Beust gewesen, so in Bergwerks-und Salz-Sachen besonders erfahren sei, wie er dann im Eisenachschen vor Kurzem ein Salz-Werk angelegt, daß ungeachtet der nur 3 Lot haltenden Sole, 8000 Taler abwerfen soll, welche Sache wohl einer näheren  Untersuchung bedarf. Nachgehendes haben gedachte S. Kgl. Maj. v. Polen einen mit Namen Borlach unter dem Titel eines Kgl. Commissarius die Direktion dieses Werkes anvertraut, welcher auch schon die Kgl. Salzwerke in Polen und zu Artern im Mansfeldischen unter  Händen hat. Dieser Mann  bemüht sich, noch dieses Jahr in diesem neuen Werk  zu sieden und wäre im Stande, alle Jahre 20.000 Stücke gleich wie in Artern 30.000 Stücke zu liefern.  Die Sole habe nach der bei mir gehabten Salzwaage kaum 4-lötig befunden, sie sagen aber dort alle, sie sei 5-lötig und mag wohl anfangs dieselbe so stark gewesen sein, es ist aber nachher viel Wildwasser dazugekommen, daher auch der Borlach noch an einen andern Ort  einschlagen und noch einen Brunnen anlegen will, dadurch entweder die wilden Wasser besser zwingen und abscheiden zu können, oder gar eine bessere reichhaltende  Sole aufzufinden und diesen Brunnen wenn er ferner sich verschließen sollte in reservo zu haben.

Die Schwäche der Sole gedenkt man durch weitläufig angelegte Gradier-Häuser, welche 953 Ellen lang sind (.) und Kote, die 25 Ruten halten, mit denen mehr als ordinaire weiten Salz-Pfannen abzuhelfen, als dadurch sie in erstern auf einmal mehr gradieren und in letztern auch mehr gradierte Sole schlagen und sieden,  jedoch wird  mit aller Macht daran gearbeitet und war man schon mit der Arbeit einige Fuß über der Erde  heraus gekommen wie dann selbige sehr kostbar und alle massiv angelegt waren.

Der Brunnen ist 600 Ellen tief  und wird das wilde Wasser sowohl als die Sole  durch ein Stangen-Werk und Kunst, welche die nahe daran vorbei fließende Saale treibt, heraus gebracht. Jetzt ist nur ein  schlechtes kleines Haus über den Brunnen gebaut und mit einer Schildwache der Eingang besetzt, zu einem andern größeren Haus und Turm aber die Anlage mit der untersten Etage  bereits gemacht worden, der Turm soll drei Etagen hoch und darin ein anderes Kunstwerk angelegt werden und solcher gestalt und ohne Kosten die Sole auf die Gradier-Häuser zu bringen.

Der Ort an sich, welcher vor diesen Alt-Kösen geheißen hat, hatte vor diesen nur aus einem Wirtshaus, des Floßmeister-Wohnung, einer Schäferei, einer Mühle und einigen andere kleinen Häusern bestanden, jetzt aber wird der Ort stark angebaut und sind außer denen zu dem Salz-Werk benötigten Gebäuden gleich daneben an die 20 Häuser neu angebaut und bewohnt, welches zum Unterschied des ersten, Neu-Kösen genannt wird und ist an dem, daß dieser Ort zur Anlegung eines solchen Werkes gar bequem ist, denn es liegt derselbe an Fuß des Saale-Stroms  daher die so tiefliegende Sole und die wilden Wasser alle durch Kunstwerke ohne Menschenhilfe so heraus können gebracht werden, welches zu Halle mit Menschen und also mit viel mehr Kosten geschehen muß, dann so kann auch das zur Coctur erfordende Holz, welches gedachtermaßen  aus dem Vogtlande auf die Flöße herunter gebracht wird, nahe an denen Salzkoten gesetzt und gleichsam aus dem Wasser sofort unter die Siede-Pfannen gesteckt, welcher Vorteil bei andern Salzwerken wiederum cessirt als wohin erst mit Pferden und Wagen nicht ohne große Kosten muß transportiert werden.

Da auch über dieses die Sole in großer Menge vorhanden, so daß in einer Minute 30 Maß und darüber herausgezogen werden, so flattirt  man sich eben nicht ganz vergeblich, daß dieser und obangeführten Unständen wegen man das Salz dem Hallischen werde gleich ob wohl nicht in der Quantität dennoch dem Preis nach geben könnte.“

Dem Bericht beigefügt war ein maßstabsgerechter „Plan des an der Kösener Brücke von Chur-Sachsen angefangenen und  angelegten neuen Saltzwerckes“ des Stechers Grützmann.    

Demnach bestand das Werk aus 3 Koten (Pfannen) zwischen dem Gehöft des Floßschreibers und der Kettenbrücke, günstig für die Anflöße des Brennholzes auf der kleinen Saale und die Abfuhr des Salzes auf der Naumburger Landstraße. 

In Nord-Süd-Richtung erstreckte sich das erste Gradierhaus, das in mehrere Fälle eingeteilt und mit einem Dach versehen war Die Gradierwand bestand wie in Artern aus zwei nebeneinander liegenden Schwarzdornfaschinen über denen die Solerinnen lagen. Beim Abtröpfeln verdunstete ein Teil des Wassers, Kohlendioxyd wurde freigesetzt und gleichzeitig kristallisierten Kalkstein (CaCO3) und Gips (CaSO4) aus und bildeten den Dornstein. Um die Sole für die nachfolgenden Fälle wieder auf das Oberdeck zu heben, wurden Druckpumpen eingesetzt, die von Pumpknechten bedient wurden. Nach mehreren Umläufen kam die Sole in die Siedepfanne und wurde verkocht.

Die Siedepfannen aus Eisenblech hatten eine Fläche von ca. 25 m² und fassten über 800 l Siedesole. Zur Befeuerung wurde  ausschließlich Scheitholz aus der Saaleflöße verwendet.

Das Tagewerk bestand aus dem Anwallen, dem  Stören und dem Soggen. Beim Erhitzen wurde Ochsenblut dazu gegeben, das die organischen Verunreinigungen band und abgeschöpft wurde. Beim „Stören“ setzten sich die gelösten Karbonate als Pfannenstein am Boden ab. Zeigten sich am Pfannenrand die ersten Salzkristalle, wurde das Feuer gedrosselt. Durch Zugabe von Bier sollte die Bildung der Kristalle verbessert werden. Das noch nasse Salz wurde aus den Pfannen gezogen und kam in Weidenkörbe die über den Siedepfannen standen, um die nassen Bestandteile wieder in der Siedepfannen aufzufangen. Nach dem Abtropfen wurden die Körbe (rd. 60 kg) in die Trockenkammern hinter den Herden gebracht. Hier befanden sich eiserne Röhren, durch die der Rauch der Herde geleitet wurde, und so der Trocknung diente.

Nach drei Werken wurde aus der Mutterlauge in  einer Nebenpfanne ein  minderwertiges gelbes Salz gewonnen, das als Viehsalz in den Handel kam. Die restliche Mutterlauge und der Salzschlamm in dem sich Magnesium, Kalium und Calzium und Sulfat-Ionen angereichert hatten, wurden weggeworfen. Erst später erkannte man deren Wert für die Glauber- und Bittersalzproduktion. Nach 9 Werken wurde das Feuer gelöscht (Kaltlager), der Pfannenstein  entfernt und die Pfannen repariert. Der Pfannenstein wurde gemahlen, mit  Holzasche und Dornstein gemischt als Dünger verkauft.

Ein Kaltlager dauerte vom Samstagabend bis zum Montagmorgen, wo man den Siedern einen Tag Ruhe gönnte (Senff jr. 1816).

 

  1. Aug. Gesuch des Bauverwalters J. L. Hoffmann (DD Loc 1338)

Hoffmann, der als Aufsicht bei der Abteufung des Solschachtes abgeordnet worden war, bat um die Rückversetzung zur Schule. Am 10. Januar 1732 bewilligte Graf Brühl die Wiedereinstellung als Schulbaumeister mit dem  bisherigen Gehalt.

 

  1. Sep. Bericht der Salz- und Bergwerks-Deputation (WER F 14 Nr. 2/1)

„E. Kgl. Majest. alleruntertänigst eingelaufene Order von dem an der Kösener Brücke unweit Naumburg, Artern und übrigen in Sächsischen neu angelegten Salzwerken gründliche Erkundigungen einzuziehen, hat der Kriegs- und Domänenrat Schmidt über sich genommen nach Kösen zu reisen, die Beschaffenheit dieses Werkes zu untersuchen..“

„Nachdem mir (.) anderweit committirt worden, mich des fordersamsten ins Sächsische nach Kösen  bei Naumburg  zu verfügen und dort Erkundigungen  einzuziehen, wie  die Arbeit  an dem daselbst neu aufgenommenen Salzwerk avanciren und wie dieses Werk mit der Zeit vonstatten  gehen möchte, so habe bei dessen Erforschung  an Ort und Stelle gefunden, daß solches noch immer  nach dem Stande  der Registratur vom 6ten Sept. (.) doch nicht mit solcher force als wie es damals der darüber verordnete Commissarius Borlach vorhabend gewesen, poussirt wird.

Dennoch ist dieses Werk soweit avancirt, daß 1.) über den Salz-Brunnen ein sehr hohes von starken Holze verbundenes Gebäude errichtet ist. In diesen Gebäude soll 2.) die Sole vermittelst des unterschlächtigen Rades, so an den Floßgraben angelegt ist und welches beide Gestänge als das eine so die wilden Wasser, das andere aber so die Sole heraus treibt, in die Höhe gebracht, sodann wieder einen Fall bekommen und auf die Weise wieder in die Höhe auf die Gradierhäuser steigt, als welches alles keine weiteren Kosten als Unterhaltung der Kunst an dem Floßgraben so dem Anschein nach wenig austragen muß, erfordert. 3.) den Gradierhäusern ist zur Zeit erstlich eines soweit zum Stande, daß es innerhalb 4 Wochen völlig zum Gradieren gebracht werden kann, wie denn auch  die dazu benötigten  Dornen bereits  alle da herum bereit liegen.

Das Gradierhaus ist an die 800 Ellen lang (456 m) und in vier  Abteilungen, wovon eine Abteilung immer höher als die andere, gebaut. Wenn nun die Sole  auf die erste Abteilung in die Höhe getrieben und von dort herunter gradiert ist, so soll solche wiederum auf die zweite und die dritte Abteilung  von dieser wiederum auf die vierte Abteilung und weil man glaubt, daß die Sole  alsdann sehr reichhaltig sein wird, in die Kote so etwa 50 Schritte von dem Gradierhaus zu stehen, gepumpt werden, zu welchen Pumpen bei jedem Gradierhaus 4 Mann wenn gradiert wird nötig sind. Sonsten sollen zu den jetzigen Brunnen künftiges Jahr noch zwei Gradierhäuser und zwar eines von 600 Ellen, das zweite 300 Ellen  lang erbaut werden und vermeint man, daß der jetzige Brunnen ein mehreres nicht an Sole fourniren könne, als zu Betreibung gedachter 3 Gradierhauser  und zu drei Siedepfannen erfordern wird.

4.) Etwa 50 Schritt von dem jetzt aufgeführten Gradierhaus werden 3 Kote und welche sehr geräumig auch recht  massiv von Stein  gebaut und gemauert sind auch soweit fertig, daß die Balken, worauf  das Dach zu stehen kommt, darauf gelegt sind und zum Richten alle Anstalt gemacht wird. In jedem Kot kommt  eine große blechern Pfanne 10 Ellen lang, 9 Ellen breit und ½ Elle hoch, ungefähr von der Größe als die beim Arternschen Werke zu stehen. 5.) Unter die Pfannen sollen große  dicke und lange eiserne Roststäbe gelegt werden und sind diese sowohl als einige 100 Salzkörbe schon parat. Eine Pfanne ist bereits mehrenteils fertig. Es hat an selbiger  zu Anfang  ein Blech-Schmied, der vormals in Aschersleben gewohnt, gearbeitet, es ist aber derselbe nebst einen Salzsieder aus Aschersleben, wovon ich den Namen nicht erfahren können, nach Polen geschickt, die Arternsche Siedeart dort auch einzuführen, weshalb jetzt ein Blechschmied aus Artern mit Verfertigung der Pfannen continuirt. 6.) An Brennholz sind höchsten bis 500 Klafter von der Güte wie das bisherige Pfännerholz nicht weit von den Salzkoten angefahren und ausgesetzt.

Die Meinung geht dahin, daß innerhalb 4 Wochen das Gestänge  in dem Brunnen-Haus  wodurch die Sole in die Höhe gehoben wird, ingleichen das eine Gradierhaus von 800 Ellen lang und  das eine Salzkot  völlig  fertig sind, und innerhalb sechs Wochen mit dem Sieden, die Probe gemacht  werden solle.  

Die Ursache, warum dieses Salzwerk bisher nicht weiter fertig  worden ist, ist wohl hauptsächlich  der Geldmangel  Die Dresdener Cammer ist vor Jahres-Frist wegen der dazu  benötigten vielen Kosten und Verlags, willens  gewesen, das ganze Werk liegen zu lassen. Es hat aber der  darüber gesetzt Commissarius Borlach bei Königl. Maj. darwider Vorstellungen getan und versichert, daß wenn das Werk fortgesetzt und die Kosten zur völligen Perfektionirung dieses Salzwerks hergestellt würden, es sodann mit der Zeit 50.000 Gulden Überschuß abwerfen solle. Hat sich auch allenfalls dabei offerirt, daß wenn solche  Kosten nicht verwilligt werden, er sodann das Werk für sich allein fortzubauen, auch die bisher darauf verwandten Kosten zu restituiren erbötig sei. Worauf dann zu Dresden resolvirt wurde, den Überschuß des Arternschen Werkes wie auch was vor der Hand von dem einen Kot hierselbst, womit sobald als möglich der Anfang zum Sieden gemacht werden wird, zu der Continuirung des Baues empoyiret und damit immer weiter  fortgebaut werden sollte.....

Die Sole in dem jetzigen Brunnen soll wie man mir berichtet 5 bis 6-lötig sein. Eine Probe von Sole habe ich aller angewandten Mühe ungeachtet, nicht kriegen können. Es hat mir aber ein Bergmann namens Hans Jürgen Fischer versichert, daß wenn ich wieder hinkäme oder zu ihm schickte, er mir sodann schon mit guter Manier, jedoch insgeheim eine Flasche von der rechten Sole gebe könnte, als welche für jetzt, wegen eines zerbrochenen Gestänges in den Brunnen nicht möglich wäre. Ich habe also vor diesmal  hiervon abstrahiren müssen. Dieser Bergmann mußte jedoch in den Brunnen der in der Teufe 75 Lachter, 3½ Ellen (152 m) hat, oben  8 Ellen breit 8 Ellen lang (4,5x4,5 m) unten in der Teufe hingegen 4 ½ Ellen lang und 3 Ellen breit (2,5x1,7m) ist in meiner Gegenwart hinab fahren, wobei ich eigentlich wahrnehmen können, daß der Brunnen von oben bis unten mit tüchtigen Bauholz verzimmert worden. Hinter der Zimmerung ist alles mit Ton verrammelt und weil dennoch nichts desto weniger  die wilden Wasser sehr zudringen, so sind etwa 12 Lachter (24 m) tief rund herum Tröge und etwas weiter hinunter abermals dergleichen Tröge angeklammert worinnen das wilde Wasser aufgefangen und durch das  eine Gestänge  die wilden Wasser und mit dem andern die gute Sole  vermittelst eines Waserrades herauf getrieben wird.

Auch hat oberwähnter Bergmann mit berichtet, daß zwar dem Ansehen nach dieser Brunnen ein mehreres an Sole nicht fourniren dürfte, als zu Betreibung  der projektirten drei Gradierhäuser  und drei Kote nötig wäre. Es ginge aber die Intention dahin, daß Werk noch zu erweitern, zu welchen Ende nicht nur auf der Nähe hierselbst ein neuer Brunnen abgeteuft würde, sondern desgleichen noch mehrers aufgenommen würde.

Jetzt gemeldter Brunnen liegt ungefähr 60 Schritt von demjenigen der schon verfertigt worden, ist oben 6 Ellen breit (3,4 m),bereits 40 Lachter (80 m) tief, hat blaues Gestein und wird mit Macht  getrieben, zeigt auch wegen des Gesteins gute Hoffnung und damit die wilden Wasser die Arbeiten nicht beschweren so ist 19 Ellen (11 m) tief  eine Rösche gemacht, wodurch das Wasser in die Saale geleitet wird. Es soll auch bei diesen  Brunnen  eben dergleichen Kunst, wie bei dem ersten Brunnen zum Heraustreiben der Sole und wilden Wasser mit einem Rade in der Saale  angebracht und wenn der Comm. Borlach hierselbst reussirt dieses Brunnens halber, ebenfalls auch einige Gradierhäuser und Kote erbaut werden...“

 

  1. Sep. Spezifikation der Einwohner und Kinder (WER D 34 Pforta Anh. 2/2642, 2182)

Im Namen der Einwohner von Neu-Kösen hatte der Floßmeister Georg Hartig das Schulamt um Genehmigung für eine Filialkirche samt Gottesacker und einem Schulhaus ersucht für die inzwischen 233 Köpfe zählende Einwohnerschaft, ohne die „jetzt allda befindlichen fremden Werk-Leuten und Arbeiter beim Salzwercks-Bau“. Weiter hieß es „daß unter denen specifizirten 233 Personen 33 Kinder befindlich, so zur Schule zu halten, davon aber bis dato über 6 Kinder nicht dahin geschickt worden sind, sondern in freien Muthwillen und ärgerlichen Leben gelassen und erzogen werden.“ Der Kinderlehrer David Euerling unterrichtete in der eigenen Wohnung, doch für seinen Lebensunterhalt reichte das Schulgeld wegen der verweigerten Zahlung nicht aus.

Hartig listete sämtliche zinspflichtigen Hausbesitzer und Hausgenossen (Mieter) und die Größe der Familien auf. Unter der Nr. 8 führte er sein Wohnhaus am Lengefelder Fahrweg an, dass er dem Ingenieur Borlach vermeitet hatte, der es zusammen mit dem Salinenbaumeister (Kondukteur), dem  Bauschreiber, einem  Hilfsschreiber, der Köchin und dem Kutscher samt dessen Weib und Kind, insgesamt 8 Personen bewohnte.

 

  1. Nov. Anweisung von Bauplätzen an der Heerstraße (WER D 34 Anh. 1/4123 u. 860)

Durch den Aufbau der Saline stieg die Nachfrage nach Bauplätzen, dem die Schulbeamten auf Druck von oben nun nachkamen: „Wurden von den hiesigen Herrn Schul-Inspektor Zeischler beliebet, die Bau-Stätten in Neu-Kösen in Augenschein zu nehmen  und solche den Leuten anzuweisen, daher ich mich mit ihnen dahin begeben, die Baustätten in Augenschein genommen und solche abgemessen. Es sind solche im Beisein des Herrn Schulverwalters Pfersdorff folgende Personen angewiesen worden: 1.) eine Stelle von der Brücke und Floßhause nach dem Kösener Berge zu rechter Hand, nebst eines Fleckens zum  Garten, der Bader Hollstein, 2.) eine Stelle dem Strumpfwirker Peter Nikolai, 3.) eine Stelle dem Sattler Mathesius, 4.) eine Stelle Heinrich List, 5.) eine Stelle Lorenz Starcke dem Schneider, 6.) Christoph Gauße, Hofmeister in Fränkenau eine Stelle und 7.) Georg Friedrich Rausch  eine Stelle. Es hat jeder dieser sich dahin erklärt (.) ein Haus zu bauen und dasselbe mit Stroh zu decken, allein es ist ihnen ausgedrückt worden, daß solches mit Ziegeln gedeckt werden müßte“ Der Erbzins betrug 1 Gulden, erstmals zahlbar Michaelis 1733.

Im Vergleich zu den Bauplätzen der Floßarbeiter waren die sieben Bauplätze mit 17 x 34 Metern  großzügiger bemessen als die am Lengefelder Fahrweg und ließen Platz für ein „Kraut- und Rüben-Gärtlein“ unverzichtbar zur Eigenversorgung in einem Dorf ohne Feldflur und Viktualien-Markt.

Wegen der Auflage die Hütten mit den wesentlich teuren Ziegeln zu decken traten einige Bauwillige davon zurück, die Bauplätze wurden neu vergeben u. a. pachteten der Bäcker Hämmerling die Nr. 4 und der Kinderlehrer Ernst Hucke sen. die Nr. 7.

Im Amtserbbuch von 1752 wurden die „Sieben Häuser“ unter den Nummern 7 bis 13 geführt, heute sind dies die Lindenstraße 14, 16, 18, 20, 21, 22 und 24. 

 

  1. Nov. Antrag des Floßmeisters Hartig (WER D 34 Anh. 1/4123 u. 860)

„Bei der am 6. Nov. gefassten Anweisung der Baustellen zu Neu-Kösen, meldete sich auch der Königl. Floßmeister Herr Hartig zu Kösen und bat, daß man ihm einen Platz zu Bau an der Brücke gleich wo das Floßhaus aufhört oder wo sich dasselbe vom Kösener Berg abhebt, gegenüber anweisen möge, haben nach genauer Überlegung und nach  Befinden dem Herrn Floßmeister Hartig einen Platz gleich gegenüber, wo das Floßhaus vom Kösener Berg her sich erhebt und wo das kleine Waschhäuslein und  Gärtchen steht, für 40 Ellen lang nach der Wiese und Fahrweg zu der Mühle und zu 24 Ellen breit gegen 1 Gulden Erbzins jährlich, jedoch dabei reklamiert, daß durch solchen Bau weder die öffentliche Landstraße noch der Weg zur Mühle  nicht verengt werden dürfte, welches alles der Herr Floßmeister akzeptiert und solches  nachzukommen angelobt hat“ Heute steht hier das Grundstück An der Brücke 2.

Außerdem bat er um einen Platz für einen Keller in der Nähe seines Brauhauses (Loreleyprom. 3) weil der dazugehörende Keller durch das Gestänge vom oberen Rad zum neuen Schacht nur noch eingeschränkt nutzbar. Angewiesen wurde ihm der Platz neben dem Rechenhaus (Loreleyprom. 8).

 

               Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Das Schulamt verklagte Hans Georg Seidler wegen rückständiger Pachtgelder und der Gasthofpächter Moses den Strumpfwirker Nikolaus Rose  wegen Beleidigung (Nr. 4711).

 

1732

  1. Jan. 6. Commun-Floßcontract (WER C 66 Anh. I Nr. 63)

In Vorbereitung des Vertrages verlangten die kursächsischen Floßbeamten, dass die in Unterneusulza ausgesetzten Scheite ausschließlich in die Saline kommen und nicht an kursächsische Untertanen verkauft werden. Der Kontract wurde über 6 Flößen von 1733 bis 1738 mit jeweils 6.000 Klaftern vereinbart, alles übrige entsprach dem letzten Vertrag. 

 

  1. Jan. Gutachten zum Rückkauf des Schulamtes (WEI DS 2188).

Das kurfürstliche Kammerkollegium hatte nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Kösener Saline von einer nochmaligen Verlängerung der Verpfändung des Schulamtes abgeraten, zumal man die Rückkaufsumme aus den Überschüssen der Salzwerke Artern und Kösen aufbringen konnte.

Zur Leistung des Untertaneneides auf den Kurfürsten sollten sich zum gegebenen Zeitpunkt alle erwachsenen Einwohner im Schulamt einfinden. Denjenigen, die den Termin fernblieben, drohteb Strafe und zur Leistung der Eidesformel hatte sie sich am herzoglichen Hof in Weimar einzufinden. 

 

  1. Jan. Befehl zur Rückgabe des Schulamtes (WEI DS 2189).

Die herzoglichen Kammerräte v. Volgstädt, v. Hirschfeld, Voigt und Eylenstein taxierten die im Wiederkaufskontrakts aufgeführten Bestände an Vieh, Gebäuden, Vorräten und Zubehör.

 

  1. Mär. Spende für den Bau einer Kirche in Neu Kösen (WER D 34 Anh. 1 Nr. 2891)

Um den Kirchenbau zu befördern, versprach Floßmeister Hartig 1.000 Gulden und führte an, daß sein Sohn aus erster Ehe mit der 1731 verstorbenen Anna Elisabeth geb. Koch, als Student in Wittenberg stets in Geldnöten und zahlreiche Händel verstrickt wäre, das Erbe verprassen würde.

Daher würde er das Geld lieber für eine Kirche im Dorf hergeben, die dort wo  das „alte, wüst gelegenen Catholische Kirchengebäude“, dem ehemaligen Klostervorwerk neben dem Gasthof errichtet werden sollte.

Die Spende beurkundete der Schulamtmann Dr. Mack, dessen Tochter Hartig im gleichen Jahr geheiratet hatte.

 

  1. Apr. Versteigerung des Zschackwitzschen Weinberges (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3540)

Nach dem Tod des ehemaligen Floßmeisters im Jahr 1722 baten seine Kinder aus erster und zweiter Ehe den Schulamtmann, den ererbten Weinberg, genannt das „Eulengeschrei“ in den Vorderbergen die zur Flur des Dorfes Neu-Kösen gehörten, meistbietend und von Amts wegen zu versteigern. Am 29. April wurde dem Dorfschulzen Michael Otto der Versteigerungstermin zum Aushang zugefertigt. Bieter waren der Floßmeister G. Hartig, der Floßschreiber E. Martini und Dorothea Sophia Zschackwitz. Nach einem Bietergefecht erhielt die Zschackwitzen mit 710 Gulden den Zuschlag.

Erst danach wurde bekannt, dass der verstorbene Georg Wilhelm Zschackwitz den Weinberg  dem Dresdener Hauptmann Christian Kühn verpfändet hatte und da die Schuld nicht vollständig getilgt war, wandte sich seine Witwe unter Vorlage der Schuldverschreibung an die Dresdener Kammer. Die wies das Schulamt im Februar 1734 an, die Forderungen der Witwe „ohne Weitläufigkeiten“ gegenüber den Erben und der Erwerberin durchzusetzen. Doch diese weigerten sich dem nachzukommen.

 

  1. Apr. Bericht des Domänenrates Schmidt über das Kösener Salzwerk (WER F 14 Nr. 2/1)

„Nachdem ich der mir aufgetragenen Commission zufolge anderweit nach Kösen gereist, von dem Fortgang des dort neu angelegten Salzwerks  Erkundigungen einzuziehen, so habe ich gefunden, daß inhalts meines  abgestatteten Berichts vom 4. Sept. v. J. 4 Wochen vor Weihnachten in einer Pfanne zu Sieden der Anfang gemacht, bis hierher mit Sieden in besagter Pfanne dergestalt continuirt, daß allbereits 1.500 Stück Salz a 1 Dresdner oder 2 Berliner Scheffel   darin  verfertigt wurden. Seit 14 Tagen ist auch die 2. Pfanne aptirt und zu Setzung  der dritten Pfanne und Erbauung des 2. Gradierhauses so etwas länger als das bereits  fertige sein soll, wird die Anstalt gemacht und geht die Intention dahin, hiermit noch diesen Sommer zu stande zu kommen und aus dem jetzigen Salzbrunnen sodann beständig die drei Pfannen jahraus und jahrein zu betreiben, auch den Sommer durch so viel Sole zu gradieren, daß im Winter davon kein Mangel entstehen könne. Man vermutet auch, daß in dem jetzigen Brunnen sich in der Tiefe die Sole noch verbessern und vermehren dürfte und um deswillen wird daran gearbeitet, den Brunnen noch einige Lachter abzuteufen. Die Sole so aus dem Brunnen kommt wird für 4 bis 5-lötig, nachdem sie aber gradiert ist und nach Unterschied der Jahreszeit vor 13, 14, 16 bis 18-lötig ausgegeben. Von beiden Sorten der Sole sowohl wie Sole aus dem Brunnen kommt, als auch von der gradierten Sole  übergebe hiermit 2 Flaschen und kann sich beim Probieren zeigen, wie viel Lot  jede Sorte hält.

Das Gebäude worin die Siedepfannen stehen, ist in drei Kote abgeteilt auch so hell und reinlich als in einem Zimmer. Dermalen ist gar keine Hitze oder Wärme in den Koten und dennoch ist das Salz sehr trocken, wenn es nur 2 oder 3 Stunden aus der Pfanne geschlagen, geht auch so frisch und weiß weg, wie es fertig, ist jetzt auch kein Vorrat vorhanden. Es sollen aber doch wegen der Winterszeit und damit das Salz allezeit geschwind getrocknet werde, trockene Röhren in allen 3 Koten angelegt werden. Das Salz ist nicht von gleicher Güte und dasjenige, so man zuerst aus der Pfanne macht, ist ziemlich weiß, was hernach aus der Pfanne kommt etwas gelblich und was zuletzt gesotten wird sehr grau, wie diess beikommende drei Proben des mehreren zeigen (.) Die Fuhrleute die Waren nach Naumburg bringen, laden zur Rückfracht Kösener Salz, bekommen wenn sie obigen Preis (1 Gulden) bezahlt, einen Freizettel von allen Salzauflagen in ganz Sachsen und verfahren sodann das Salz wie man mit berichtete im Sächsischen, Weimarischen und Eisenachischen. Es ist auch proabel, daß dieses Salz an  besagten Orten debitirt wird, weil die altenburgische unweit Camburg belegene Salz-Coctur sonst allezeit das Salz im Weimarischen  und Sächsischen los geworden, jetzt aber, da das Kösenr Werk sich anfängt aufzunehmen, dahin nicht  viel mehr los  wird, um deswillen dann, und um das sächs. Salzwerk zu  conserviren vor 14 Tagen auch ein Mandat im ganzen Altenburgischen erlassen worden, kein anderes Salz als das Sulzaer in das Altenburgische zu bringen und zu consumiren.

In jeder  Pfanne  wird, nachdem das Wetter und die Sole gut gradiert ist, Tag und Nacht ein Werk von 18 bis 28 Stunden und also eines dem andern zum Besten auf eine Pfanne 6.600 mithin  in drei Pfannen ungefähr im ganzen Jahr  20.000 Stück  gesotten. Für jedes wird 2 Groschen Wirkerlohn gezahlt und sind drei Mann bei der Pfanne. Auf ein Werk rechnen die Wirker eine dem andern zum besten 4 Klafter Knüppelholz so zu Kösen höchstens nicht über 1 Taler Wert ist. In den jetzigen Salzbrunnen werden  3 Aufseher gehalten, deren jeder wöchentlich  30 Groschen bekommt und zu einem Gradierhaus  sind 9 Pumper wöchentl. jeder 21 Groschen besoldet.

Nach solchen Ausgaben und Anstalten würde zu Kösen etwa  die Salz-Coctur  solange nur der eine  Brunnen vorhanden und die Sole von jetziger Güte  bleibt, auch  der 2te Brunnen wovon  jetzt wieder zu arbeiten angefangen worden, nicht zu Stand kommt, ungefähr jährlich abwerfen 15.013 Taler Gulden....“.               

 

  1. Juni Bericht Borlachs über das Salzwerk (DD Loc 1337).

Demnach wurden in den beiden Pfannen bis zum 14. Juni  4.221 Stücke gesotten. Allein im Juni waren es 300 Stück. Die Kosten beliefen sich auf  10.344 Gulden, die Einnahmen aus dem Verkauf von 11.209 Stücken weißen und 28 Stück gelben Salzes brachte 11.616 Gulden, 1.272 Gulden Gewinn.

 

  1. Juli Reskript des Kurfürsten zum weiteren Ausbau der Saline (DD Loc 1337).

„Also begehren Wir gnädigst ihr wollet so wohl……als auch Borlachs Vorschlägen gemäß mit tieferer Absenkung des Soolen-Schachtes zu Kösen immer fortfahren und so dann nach Befinden das Salzwerk so weit es nur immer möglich, erweitern…“ Friedrich August wies das Kammerkollegium an die Mittel, für den Bau eines zweiten Gradierhauses und eines zweiten Siedekots zu bewilligen.

 

  1. Nov. Anordnung des Weimarer Hofes wegen des Schulbeamten (WEI DS 2181).

Nach einer Anzeige wegen Vorteilsnahme sollte der Amtmann Dr. Mack arretiert werden. Mack bat um die Aussetzung des Vollzugs und nach Hinterlegung einer Kaution von 2.000 Talern verzichtete der Herzog auf die Inhaftierung.

 

  1. Nov. Reskript zum Einsatz der Amtsfröner (WER Pforta II Nr. 941).

Die Schulbeamten wurden nochmals darauf hingewiesen, dass deren Einsatz zweckdienlich sein, die Arbeitskräfte nicht überbeansprucht und insbesondere nicht zur Saat oder Ernte abgeordnet werden sollen.

 

  1. Dez. Protokoll zur Anzeige gegen den Schulenamtmann (WEI DS 2183).

Im Weimarer Schloss Wilhelmsburg erklärte der Dornburger Amtmann Carl Friedrich von Tümpling vor drei herzoglichen Kammerräten, dass er dem Amtmann, Wechsel über 1000 Gulden und eine goldene Uhr im Wert von 120 Taler ausgehändigt habe. Außerdem seien Schweigegelder bei Grundstücksgeschäften gezahlt worden, wofür es aber keine schriftlichen Belege gäbe. Daraufhin wurde Dr. Mack aufgefordert, alle in seinem Besitz befindlichen Wechsel, Schuldscheine und Pfandverschreibungen  Tümplings zur Prüfung bei der herzoglichen  Kammer  einzureichen.

 

             Beschwerde der herzogl.-weimarischen Kammer (WER  D 34/ 2/ 1261)

Nach der Inbetriebnahme der oberen Radkunst fiel der Wasserspiegel der kleinen Saale merklich. Wurde dann noch der Schütz am Scheitbach gezogen, um die Scheithölzer einzuwerfen, standen  die Pfortaer und die Altenburger Mühle still. Die Pachtmüller beschwerten sich  beim Schulamt, das den Vorgang an die herzogl. Kammer in Weimar weiter gab. Diese wiederum wurde bei der Salinenverwaltung vorstellig und machte Schadenssersatz geltend. Doch das erübrigte sich als das Amt an Kursachsen zurückfiel.

 

1733    

  1. Feb. Die herzoglich-weimarischen Kammer mahnt Dr. Mack (WEI. DS 2183).

In Anbetracht der bevorstehende Rückgabe des Schulamtes und der damit verbundenen Aufhebung der herzogl. Gerichte, zögerte Dr. Mack die Herausgabe der Unterlagen hinaus.

 

  1. Feb. Bericht an die Pfännerschaft über das Kösener Salzerk (WER F 14 Nr. 2/1)

„Eodem kam ich allda an und bemühte mich wegen der Rund- und Dockenbäume, weshalb ich von E. Löbl. Pfännerschaft  dahin geschickt worden, bei welcher Gelegenheit zugleich allen Fleiß  anwandte, das dasige Salzwerk  mit in  Augenschein zu nehmen, bekam auch die dazu benötigte  Adresse und besah zuvorderst die Hauptquelle, da der Schacht dem Vorgeben nach 245  Ellen tief  sein sollte, wobei wahrgenommen, daß in der Tiefe gearbeitet wurde, und zwar an dem steinigen Gebirge, weil der Brunnen durchaus verschalt werden sollte, wie sie denn auch schon von oben  ab, nach der Teufe auf 32 Ellen damit gekommen und geht das Vernehmen dahin, ehe nicht aufzuhören, sie wären denn auf dem Grund damit, wobei zu bewenden, daß die Sole nicht seitwärts ihre Ursache, sondern von unten her, mitten in des Schachtes Tiefe entspringt und zwar als  ein Arm stark. Nach diesem begab ich mich auf das Gradierhaus in welchen 4 Fälle gefahren werden und wurde die Sole durch den ersten Fall auf 12 Lot hoch gebracht, da sie aber durch alle 4 Fälle  gegangen so sollte sie auf 20 Lot gebracht sein, von welchen letzten Fall beikommende Probe solches dartut, welche aus dem 4. Fall selber eingelassen. Oben, wo die Fälle anzutreffen waren, sah man von einem Fall nach dem andern zu Krippen (Solekästen) liegen, jede Krippe hatte 50 Hähne  dieselben waren zweifach, eine Seite abend- und die andere Seite morgenwärts, woher also der Wind kam, da wurden alle Hähne auf einmal aufgemacht, so daß also die Gradierung beständig ihren Fortgang  haben kann, ausgenommen in großer Kälte.

Von da nun sind Röhren gelegt, so daß in jedes Kot von deren dreien so in Form eines Hauses  gebaut und  also dreimal  unterschieden ihre Sole  so viel als nötig  hat nehmen  kann und findet man in Nr. 1 in der Mitte eine Pfanne, etwas niedriger gesetzt als in Halle noch einmal so groß  aber, worinnen sie bisher in 24 Stunden 34 bis 35 Stück gesotten und (.) in  solche Salzkörbe  wie in Halle gebracht (.) und steht das Salz über dem Korb kaum ½ Elle  hoch heraus, soll also so ein Stück ein Dresdener  Scheffel halten (54 l).

Zu dieser Versiedung bekommt ein Kot auf 24 Stunden 2 Klafter Holz nach dem Waldmaß und sichert man also die Sole in der Pfanne vor Kochen, aber man wird nicht gewahr des Feuers indem zu demselben 6 Stufen hinunter gehen, gleich als in einen Keller, linker Hand unweit der Pfanne, da findet man das von hinten zu derselben ihr Feuer bekommen und zwar ist ein Rost von 10 Stangen zu sehen, jede eine Handbreit voneinander ½ Elle  von der Pfanne, unter dem Rost ist ein weites Loch da die Asche hervor getan wird, da dann von der Hitze der Holzkohle so dadurch fällt und vorgebracht werde. Daneben sind die beiden Kammern, wo das gemachte Salz in Körben  rechter und linker Hand zur Trocknung gebracht wird. Der Fußboden in den 2 Kammern ist mit Brettern belegt, aber nicht dicht aneinander, so daß die Hitze aufsteigen kann. Der Brodemfang  aber, so über der Pfanne steht, besteht in 16 Balken auf jeder Seite acht mit Kreuzsparren bis oben unter das Dach.

Bisher nun ist die Art Salzgehalt, wie die erste Probe so sattsam weiset, da aber die alldasige  Salzwirker etwas mehr Lohn auf das Stück Salz bekommen würden, sie auch feineres Salz liefern wollten, so ist der Anfang vor einigen Tagen dazu gemacht worden, so daß sie anstatt der 34 und 35 Stück so sie bisher in 24 Stunden gemacht, nur 30 Stück verfertigen können. Und ist also ein ziemlicher Unterschied darinnen zu finden, wie die andern Proben solches dartun, welche ich von einem ganzen aufgeschlagenen Stück selber herunter genommen. Wird also in loco mit allen Unkosten  das Stück  a 1 Scheffel bezahlt und zwar an Golde wenn sie kein (ver-)steuerbares Geld haben...“

 

  1. Aug. Beschwerde des Kukulauer Pächters (WEI DS 2190).

Der beklagte die von seinem Vorgänger Carl Liebmann Danne aus Hassenhausen hinterlassene Unordnung der Domäne.

 

  1. Aug. Vererbpachtung der Halbweinberge (WER, Rep D Pforta, II, Nr. 2582).

Die herzogl. Kammer zu Weimar hatte dem Wunsch der Halbpächter entsprochen und die Weinberge  im April 1722 in Vollpacht gegeben, allerdings nur für die Zeit bis zum Rückfall des Amtes an Kursachsen. Doch dabei blieb es, denn das Schulamtes war von den Verpflichtungen zur Unterhaltung der Weinberge entbunden, wozu die Anlieferung von Stallmist aus den  Domänen  Fränkenau und Kukulau sowie den Vorwerken gehörte. Der Mist wäre wesentlich vorteilhafter auf deren Äcker zu bringen.

 

  1. Okt. Rückgabe des Schulamts an Kursachsen (WEI DS 2189/2191).

Am 21. September wurde die Rückgabe des Schulamtes befohlen, die dingliche Übergabe erfolgte  zwischen dem 4. und 11. Oktober. Dabei wurden Inventar- und Bewertungslisten geprüft und die  Wertsteigerung des Inventars in Pforte, Kösen, Kukulau, Fränkenau, Gernstedt, Memleben, Hechendorf und den Saalhäusern mit 2.195 Gulden festgestellt, die Kursachsen der herzogl.-Rentkammer zusammen mit dem erhaltenen Vorschuß und den vereinbarten Zinsen zahlte.   

 

  1. Okt. Bericht des Domänenrates Schmidt (WER F 14 Anh. 1/2)

„Das Kösener Salzwerk betreffend, so ist selbiges zwar seit 2 Jahren mit 2 Stück Pfannen und zwei Gradier-Häusern vermehrt und bisher im Frühjahr, Sommer und Herbst mit 3 Pfannen so der Größe nach denen der Arternschen Pfannen gleich sind, gesotten allein das Salz daselbst ist noch immer von solcher schlechten Güte, daß die Fuhrleute aus dem Weimarischen und Eisenachschen, die es sonst häufig abgeholt, nunmehr sehr zurück bleiben und beschweren sich  beständig, daß ihnen das Salz  unterwegs zerschmelze und weil hierzu noch das Verbot, wie zu Artern, wegen der schlechten Münzsorten geschehen und hier noch strenger als dort darüber gehalten wird, so ist der Abgang  des Salzes zu Kösen so schlecht, daß auch jetzt an die 500 Stück Salz vorrätig sind. Die Sole ist hier auch noch immer im vorigen Stand, der 2te Brunnen wird noch immer, jedoch noch zur Zeit ohne Anzeige einer bessern Sole abgeteuft und weil die Dresdner Kammer von Tag zu Tag schwieriger wird, die Gelder zu denen so schweren  erforderlichen Bau-Kosten ferner herzuschießen und dazu noch kommt, das der Vorrat von Salz so stark anwächst und verdirbt, so will verlauten, daß das Kösener Salz-Werk entweder an Privatpersonen verkauft werden, oder wenn sich dazu kein Entreprenneur  finden wollen, gar wieder liegen bleiben sollte, wovon sich dann binnen kurzer Zeit die Gewißheit zeigen wird....“ 

 

  1. Nov. Memorial des Floßmeisters (WER D 34 Anh. 1 Nr. 927)

Wie vor drei Jahre wurden die Amtsfröner von Dornburg, Camburg und Pforta in Anbetracht des bevorstehenden Winters zum Ausziehen der Scheite angefordert. Auf das Schulamt kamen 2000 Klafter, die auf die den Pfortenhof und Neu-Kösen sowie die 18 Amtsdörfern (Altenburg, Benndorf, Darnstedt, Emsenmühle, Gernstedt, Hassenhausen, Lißdorf, Mertendorf, Pomnitz, Poppel, Punkewitz, Rehehausen, Roßbach, Nieder-und Obermöllern,  Taugwitz, Wethau, Zäckwar), nach der Zahl der zinspflichtigen Hof- und Hausstätten aufgeteilt wurden. Auf Neu-Kösen entfielen 76 Klafter. Weil sich die Dörfer Altenburg und Roßbach weigerten, wurde jedem Einwohner der nicht erschien, vom Schulamt eine Strafe von 1 Gulden angedroht.

 

  1. Dez. Zeitpachtvertrag über die Mühlenwiese (MER C 48 IIIb, Nr. 5519).

Die „ Königl.-Churfürstl.- Hochfürstl. Sächs. Commun Saalen Floß Beamten“ und die „Königl. Churfürstl. Amts Rentherey Pforte“ vereinbarten eine Zeitpacht von drei Jahren für jährlich 26 Meißner Gulden. Außerdem verlangte das Schulamt die Bestrafung all derjenigen, die nicht den vom Dorf zum Holzplatz führende Weg nutzten, sondern über die Wiesen liefen. Den Vertrag  unterschrieben der Oberfloßaufseher von Schönfeld, der Floßmeister G. Hartig, der herzogl. altenburg. Oberfloßaufseher Chr. Hochhausen und dessen Floßmeister J. G. Tietz und  von seitens der „Amts-Rentherey“ J. V. Stephel, H. E. Trutzschler, G. Ph. Pfersdorf und C. V. Franke.

 

            Klage des Gasthofpächters Chr. Mose gegen Christoph Brücker (WER D 34/ 2/1300).

Der Fischhauspächter hatte Bier ausgeschenkt und Gäste „gesetzt“ und somit gegen das dem Gasthof verliehene Schankmonopol verstoßen. Im Gegenzug verklagte Brücker Mose wegen  Verleumdung (Nr. 4669), der wiederum nun Brücker wegen Beleidigung verklagte (Nr. 5105). Außerdem verklagte der Bader Johann Christoph Hollstein den Dorfschulzen Michael Otto wegen Beleidigung (Nr. 3873).

 

1734

  1. Mär. Bitte der Einwohner (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182)

31 Hausbesitzer wandten sich an den König mit der Bitte ihnen den Bau einer Kirche und die Einrichtung eines Gottesackers zu genehmigen und erklärten ihre Bereitschaft, sich an den Kosten für den Bau und den Unterhalt des Pfarrers zu beteiligen und  begründeten die Bitte mit dem beschwerlichen Weg nach Pforte und dem beschränkten Platz auf dem  dortigen Friedhof in Anbetracht der stetig wachsende Einwohnerschaft.

 

  1. Apr. Kaufvertrag zwischen Borlach und Hartig (WER D 34 1/4254).

Borlach erwarb vom Floßmeister „ein zu Neu-Kösen über Christian Reichmeister“ gelegenes Haus mit 3 Küchen, eine Weinpresse mit zwei „großen Thösen“, dazu Hof, Scheune, Stallung und Garten, einen Weinberg „der Nicolausberg genannt, von Mauern umgeben und mit einer gewölbten Weinbergs-Hütte versehen“ sowie 4 Acker Feld am Jochenberg und am Äbtischen Holz, die der Floßmeister Hartig 1728 aus dem Wenzelschen Konkurs erworben hatte. Borlach zahlte 1.500 Gulden und ließ am 12. Mai den Vertrag vom Amtmann Schindler beglaubigen.

 

  1. Apr. Erbpachtanträge (WER D 34 Anh. 1 Nr. 860)

Von den Parzellen der „Sieben Häusern“ waren drei (G. Fr. Rausch, J. Fr. List, Lorenz Starke) bislang nicht bebaut worden, List war verstorben, Rausch und Gause fehlte das Geld. Es gab drei neue Interessenten (Teusch, Urhardt, Wehner), die beauflagt wurden, sofort mit dem Bau zu beginnen.

 

  1. Apr. Kammer-Reskript zum Bierbezug (WER D 34 Anh. 3 Nr. 64)

Den Salzarbeitern wurde ausdrücklich bestätigt, dass sie das Bier für den Eigenbedarf von auswärts beziehen könnten. Sollte jedoch der Schulen-Gasthof an die Saline kommen, müsste das Bier dann von dort bezogen werden.

 

  1. Mai.Schreiben des Konsistoriums an das Schulamt (WER D 34 Anh. 1 Nr. 2182).

Der Bittbrief der Gemeinde wurde dem Konsistorium in Leipzig zugefertigt, das nun vom geistlichen Inspektor eine Stellungnahme wegen der „Auspfarre“ verlangte. 

 

  1. Mai Huldigungseid für Kurfürst Friedrich August II. (Sächs. Hofkalender 1735).

Die Eidesformel die der Geheime Rat v. Bünau den Amtsuntertanen verlas, lautete:

„Ihr sollt geloben und schwören, daß ihr dem Durchl. Fürsten und Herrn, Herrn Friedrich Augusto, Kgl. Printz in Pohlen und Lithauen, Hertzogen zu Sachsen, Jülich, Cleve, Berg, Engern und Westphalen, des H. Römischen Reichs Ertz-Marschall u. Churfürsten, Landgrafen von Thüringen, Markgrafen zu Meißen, auch Ober-und Niederlausitz, Burggrafen von Magdeburg, gefürsteten Herrn zu Henneberg, Grafen zu der Marck Ravensberg und Barby, Herrn zu Ravenstein, Unserm gnädigste Herrn und S. Königl. Hoheit männlicher Leibes-Lehns-Erben  und nach dieser Linie Absterben (so GOtt in Gnaden verhüte) Dero Herren Vettern Fürstlicher Durchlauchtigkeiten, Churfürstlichen Stammes, anietzo Weißenfelsischer und Merseburgischer  Linien, und Deroselben Leibes-Lehns-Erben und nach Abgang dieser Chur-und Fürstenlinien  männlichen Stammes Dero andern Herren Vettern, Ernestinischer Linien und Ihrer Fürstlichen Durchlauchtigkeiten und Gnaden männlichen Leibes-Lehns-Erben nach Inhalt der Röm.- Kayserl. Belehnung, und im Fall  der ganze männliche Stamm der Chur- und Fürsten zu Sachsen Todes abgegangen und verstorben wäre (welches Gotte gnädiglich verhüten und abwenden will) alsdenn dem Landgrafen zu Hessen und Ihrer Fürstlichen Durchlauchtigkeit und Fürstl. Gnaden männlichen Leibes-Lehns-Erben alles mit Unterschied, hergebrachter Gewohnheit und vermöge Ihrer Königl. Hoheit, Fürstl. Durchlauchtigkeiten und Fürstl. Gnaden allerseits respective Erb-Verbrüderung, Erb-Theilung und obangeregter Kayserl. Belehnung, wollet getreu, hold und gehorsam seyn, auch nicht in dem Rathe, vielweniger bey der That seyn, die wider Ihro Königl. Hoheit und Fürstl. Durchl. auch Fürstl. Gnaden gehandelt oder gerathschlaget würden. Ihrer Königl. Hoheit, auch Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden und Deroselben Erben, Frommen, Ehre und Nutz fördern, Schaden  warnen und wenden, nach euren besten Vermögen. Insonderheit da ihr erfahret, daß etwas Ihrer Königl. Hoheit und Ihren Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden an Leibe, Ehre, Würde und Stande zugegen und Nachtheil, oder Ihren Chur- und Fürstenthümern fürgenommen werden, solches Ihrer Königl. Hoheit, auch Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden offenbahren und daß auch euch oder die eurigen treulich verhüten, auch vor eine eigene Person wissentlich nichts vornehmen, daß Ihrer Königl. Hoheit, auch Ihren Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden zu Schaden oder Nachtheil kommen möchte und Ihrer Königl. Hoheit, auch Fürstl. Durchl. schuldige Dienste, Pflicht und Gehorsam leisten, auch sonsten alles andere tun, halten und lassen, was getreue Unterthanen gegen Dero Landes-Fürsten von GOttes auch von Gewohnheit und Rechts wegen zu thun und zu lassen schuldig seyn, gantz treulich und ohne Gefahr.“

 

  1. Juli Anordnung des Kammerkollegiums (WER, Rep. D 34 Pforta II).

Das Schulamt wurde angewiesen, die Weinberge in Erbpacht zu geben. Dazu sollte der Bauverwalter Hoffmann eine ordentliche Vermessung vornehmen  und die Erträge taxieren, um die Höhe der Pacht zu berechnen, die der Schule einen angemessenen und dauerhaften  Ersatz für die bisherigen Naturalabgaben gewährte.

 

  1. Aug. Schreiben des Kammerkollegiums an den geistlichen Inspektor (WER D 34 2/2642)

Der geistliche Inspektor fragte in Dresden an,  ob der Amtmann Spindler „die von denen weimarisch erbaute Emporkirche mit den Seinigen“ noch betreten dürfe. Demnach bestand im Dorf Kösen während der herzogl. weimarischen Gerichte eine Filialkirche. Die Antwort der Kammer „So können wir doch geschehen lassen, daß er außer den Fall, wenn einige Räthe, Commissarien oder der adliche Inspector gegenwärtig, derselben zu Abhaltung des Gottesdienstes mit denen Seinigen sich bedienen möge“.

 

  1. Dez. Antrag auf „Auspfarre“ (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182)

Spindler erklärte, dass man die  „alte Capelle zu Alt-Kösen“ als Kirche ungeeignet sei, weil sie mit 16 Ellen (9,2 m) Länge und 7 Ellen (3,7 m) Breite viel zu klein sei, keine Fenster habe und außerdem als Scheune genutzt wird. Den Durchbruch von Fensteröffnungen und eine Erhöhung der Wände würden die Grundmauern nicht aushalten, außerdem müßte dann eine neue Scheune gebaut werden und möglicherweise müsste dieses Gemäuer dem weiteren Ausbau des Salzwerks weichen. Besser wäre es, die Kirche nahe beim Dorf Neu-Kösen zu bauen, da wo der schwedische Obrist Wentull 1706 den Tod fand. Allerdings wäre die Gemeinde in Anbetracht des geringen Verdienstes nicht in der Lage, Geld für den Bau und den Unterhalt der Filialkirche aufzubringen.

 

  1. Sep. Bericht des Bergmeisters Decker (WER F 14 Nr. 2/1)
  2. Hochwohlgeb. habe ich unterm 18. April 1731 eine Registratur und Abriß überreicht, wie das neue Salzwerk zu Kösen angelegt werden solle. Nachdem mir nun anbefohlen, hiervon Erkundigungen einzuziehen, so berichte, daß vor drei Jahren ein Bergmann, so in dem anno 1731 neu angefangenen Salzbrunnen arbeitet, dahin vermacht, daß er mir alle Jahre, wenn ich zum Holzkauf gereiset, die Beschaffenheit dieses Brunnens und wie die Anstalten daselbst von Jahr zu Jahr gemacht werden sollten, hinterbringen müsse. Weil ich aber dieses Jahr nicht nach Kösen gereiset und Erkundigungen einziehen können, so läßt mir gestern der erwähnte Bergmann durch einen Boten wissen, daß der neue Salzbrunnen nunmehr 82 Lachter (164 m) gehörig weiter abgeteuft, die völlige Sole getroffen und nunmehr alles so vorgerichtet worden, daß vermitttelst der Wasser-Kunst künftiges Frühjahr noch ein Gradierhaus angelegt werden könnte Von der Qualität und Quantität der Sole aber hat er mir nichts wissend gemacht...“

 

               Plan zur Erweiterung des Salzwerks (Kupferstichkabinett Dresden)

Die tägliche Fördermenge aus dem alten Schacht betrug 730 Kubikellen (130 m³), der neue Schacht brachte zunächst 1.440 Kubikellen (260 m³). Damit war die von Borlach 1733 vorgeschlagene Verdoppelung der Gradierflächen und der Siedepfannen realistisch. Parallel zum ersten Gradierhaus wurde ein zweites gebaut. Nach E. Fr. Senff  war das 648,5 Ellen lang (434,5 m), 13,5 Ellen hoch (9 m) und die  nutzbare Dornenwand auf beiden Seiten betrug 7.920 m².  Dazu kamen noch zwei Siedehäuser mit jeweils einer Haupt- und einer Nebenpfanne.

 

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2)

Christine Thieme verklagte Rosine Leppe wegen Beleidigung (Nr. 4055). Dorothea Hilprecht  und Michael Schulze wurden wegen „Hurerei“ verklagt (Nr. 4041), Dorothea und Christian Beyer, Christian Richter und Maria Elisabeth Weißgerber wegen übler Nachrede (Nr. 5283, 4974).  Außerdem verklagte  der Schlosser Johann Peter Vetter  Sophia Wagner wegen Beleidigung (Nr. 5280) und Christina Vetter verklagte Katharina Beyer wegen Diebstahls (Nr. 4054), der  Salzsiedemeister Moritz Wagner wurde wegen übler Nachrede (Nr. 5126) und Christoph Reiße verklagte den Fischhauspächter wegen „ungebührlichen Spielens“(Nr. 4977).

 

1735

               „Kgl. Pohln.- Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN. digit.).

Darin wurden alle bei Hof oder im Staatsdienst stehenden Personen vom Kammerherrn bis zur Scheuerfrau der Kurfürstin aufgeführt. Zu den Floßbeamten gehörten der Ober-Aufseher Johann Heinrich von Schönfeld, der Floßmeister Georg Hartig, der Floßschreiber und Floß-Zoll-Holzeinnehmer Martini und der Floß-Gegenschreiber Johann Schröter. Der „Mechanici“ J. G. Borlach findet sich unter den  „Architecti, Ingenieurs und Künstlern“.

 

  1. Jan. Anordnung der preuß Domänenkammer wegen des Salzbrunnens (WER F 14 Nr. 2/1)

„Nachdem wo zu deren Sächs. Salzwerken ein allerweitiges allergnäd. Reskript allhier eingelaufen, so wurde derjenige Mann, welcher bereits vor einiger Zeit  dahin geschickt  gewesen, vorgefordert und ihm bedeutet, daß er sich abermals dahin zu reisen, wir darum präpariren sollten, wobei er Insonderheit dreierlei zu observiren, und zwar müßte er erstlich sowohl zu Artern, als auch zu Kösen und Kötschau  nach der Größe und den Gehalt derer Salzstücke jedes Orts sich erkundigen, hiernächst auch unter der Hand nachforschen, ob das neuerliche Gerücht  gegründet, daß nämlich bei Abteufung eines Brunnens zu Kösen eine Ader wilden Wassers getroffen sei, so sich mit der  guten Sole vermenget und weil der  gemeinen Sage nach das Salz zu Kötschau sehr gelb, müßte er solches in Erfahrung bringen....

 

  1. Mär. Floßmeister Hartig verkauft den Teichgarten seiner Ehefrau (WER D 34 Anh. 2/2301)

Sophie Juliane war die Tochter des entlassenen Schulamtmannes Dr. Mack. Das Grundstück auf dem eine Quelle entsprang, lag am Ende des Lengefelder Fahrweges, wo sich die Fränkenauer Trift  und der „wilde Graben“ von der Mausa kreuzten  (heute Borlachstr. 42, 43).  Im „Teichgarten  ließ sie Fischteiche anlegen, die von der Quelle gespeist wurden.

 

  1. Apr. Zeitpachtvertrag über die Mühle (WER Rep. D Pforta, Verz. II Nr. 867).
  2. A. Gürtler wurde der Zeitpachtvertrag verlängert. Die Pacht betrug nun 459 Taler alle übrigen Paragrafen des Vertrages blieben unverändert.

 

  1. Apr. Bericht des Bergmeisters Decker (WER F 14 Nr. 2/1)

„Nachdem ich mich mit Einkaufung des Bergwerksholzmaterialien expediret hatte, so habe sofort mich bemüht, die Beschaffenheit und den gegenwärtigen Zustand des Werkes zu erfahren und zwar 1.) Was die Brunnen-Arbeit anlangt, erfahren, daß selbige 89 Lachter (178 m) abgeteuft und jetzt so tief sind, in  82 Lachtern wäre ein starke Quelle 5-lötiger Sole getroffen, welche bis  in 88 Lachter durch die Klüfte zutrete, und beständig continuire, nachdem aber in 89 Lachtern das Gestein gar zu fest geworden, hatten sie mit Bohren niederwärts sondirt und nach abgebohrten 4 Lachtern einen sehr starken 6-lötigen Quell erbohrt, welcher aus dem Bohrloch so stark zugetreten, daß die jetzige Wasserkunst selbige zu Sumpfe zu halten nicht vermögent gewesen, daher das Bohrloch wieder zu gemacht und resolvirt worden, ein ganz neues Kunstgezeug mit gedoppelten krummen Zapfen und Feldgestänge  zu bauen und anzulegen, wovon das Wasserrad 16 Ellen hoch (9 m) und 6 Ellen auf der Stirn breit (3,4 m) sein soll, dergleichen breites und hohes unterschlächtiges Wasserrad ist noch nicht geschehen, die Welle dazu war auch schon angeschafft. Sobald  nun diese Wassermaschine zum Gange gebracht und eingerichtet sein würde, so sollte das Abteufen der vier durch festes Gestein gebohrten Lachter bis auf 6-lötige starke Salzquelle wieder vorgenommen und soviel als möglich die obersten von dem Saal-Strom  zutretenden süßen Wasser abgeschroten werden, weil nun

2.) dieser neue Brunnen ungefähr 8 bis 10 Lachter höher als der alte worüber der Turm gebaut, liegt, soll von letztern eine Rösche bis zur erstern getrieben und durch selbige eine Röhrenfahrt gelegt, vermittelst welcher die Sole so in neuen Brunnen mit der Kunst gehoben unter dem Turm des alten Brunnens geleitet  und daselbst mit der andern Sole  melirt und auf den Turm getrieben wird, von welchem sie dem Gradierhaus zu steigt und daselbst durch dreimaligen Fall die Schwere von 16 bis 18 Lot  erreicht und zum Versieden genugsam  angereichert ist, die übrige Sole aber welche durch die jetzigen 3 gangbaren Pfannen dann jede auf ein Werk a 24 Stunden 30 Stücke macht, nicht ad usum gebracht werden kann, läuft in großer Quanität  wieder in den Saal-Strom, was nun

3.) die Erweiterung dieses Salzwerkes anlangt, so ist zwar seit meinem letzteren Bericht nichts weiter angebaut, es ist aber leicht zu schließen, daß man die große Wasser-Maschine in den Brunnen geleitet, als dann das Abteufen der durchbohrten 4 Lachter bis auf den verstopften 6-lötigen Quell wieder aufgenommen werden möchte und wie ich vernommen, so würde bei dieser bevorstehenden Leipziger Oster-Messe die Anbauung eines Gradierhauses  und Kotes resolvirt werden, zu welchen Ende auch in diesem Holzmark schon viele hundert Stämme Bauholz abgekauft wurden. Aus dem mit dem Entreprenneur und Commissarius Borlach geführten Diskursen habe aber auch abnehmen können, daß selbiger mehr vor das Arternsche als dieses Kösensche Salzwerk portiret sein müsse, weil er der Anbauung eines neuen Gradierhauses und Kots entgegen zu sein scheine. Dieses ist was ich von den gegenwärtigen Zustande des Kösenschen Salzwerks  in Erfahrung bringen können...“. 

 

  1. Apr. Anordnung des Kammer-Kollegiums (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182)

Dem Konsortorium wurde befohlen das Gutachten zur Auspfarre und der Einrichtung einer eigenen Kirche in Neu-Kösen einzuschicken und für die ordnungsgemäße und pünktliche Bezahlung des  Kinderlehrers seitens der Gemeinde sorgen.

 

  1. Mai Beschwerde des Amtmannes Berlepsch (WER D 34 Pforta Anh.2/2292).

Der Nachfolger von Dr. Mack beklagte sich über den Ungehorsam und die Widerspenstigkeit der Kösener Einwohner, weil diese seiner Anordnung zur Gerichtsfolge bei der Bewachung eines im  Pfortaischen Gefängnis arretierten Verbrecher nicht nachgekommen waren. Am 09. Juni erhielt Berlepsch aus Dresden die Anweisung, die Einwohner ernstlich an ihre Pflichten zu erinnern und die Unbelehrbaren  gehörig anzuzeigen.

 

  1. Juni Bericht der Kriegs- und Domänenkammer (WER F 14 Nr. 2/1)

Einleitend wurde auf Sommerhochwasser eingegangen „Dieses Salz-Werk ist gleichfalls noch in dem vorigen Stande und folglich hat das große Wasser weder denen Brunnen, weil sie hoch liegen noch auch denen Gradierhäusern, weil sie den Grund etwas hoch aufgeführt und überdem sich in denselben Durchlässe befinden noch den Koten Schaden zugefügt.“ Weiter hieß es „Den neuen Brunnen betreffend, so ist er längst fertig und haben auch allbereits seit Ostern  aus demselbigen gesotten. Weil sie nun viel Sole haben, so sind sie umso mehr beschäftigt mit Aufbauung dreier Kote, wovon zu einem schon der Grund gelegt, zu den andern beiden aber nur der Grund-Riß ist abgesteckt worden. Wie auch sollen noch mehrere Gradier-Häuser aufgebaut werden. Endlich haben sie daselbst gar keinen Vorrat an Salz, ob sie gleich  Sonn- und Werktags sieden, so gar, daß die Fuhrleute sobald die Stücke nur gemacht sind, aufladen...“

 

  1. Juli „Specification derjenigen Kinder in Kösen…“(WER D 34 Pforta Anh.2/2642).

Weil sich der Kinderlehrer Machenoch wegen des ausstehenden Schulgeldes beschwert hatte, verlangte der geistl. Inspektor von ihm eine Auflistung der unterrichtspflichtigen Kinder, der ausstehenden Gelder und die Namen der Eltern, die das Schulgeld verweigerten, um diese zur Zahlung anzuhalten. Insgesamt waren 44 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren unterrichtspflichtig, doch „Dieses Quartal von Petri Pauli biß Michael 1735 haben kaum 12 bis 15 Kinder, darbey seynd über die Helffte kleine, so noch nicht 6 Jahre alt, von welchen ich für die Woche 3 Stunden bekomme, und beläuft sich das Schulgeld wöchentlich nicht höher als etwan 5 oder 6 Groschen zur Besoldung und Alimentation. Wenn nun diejenigen, so ihre Kinder im Hauße behalten, nicht das Quartiergeld geben wollen, wie sie sich denn deßen weigern, so fällt diesen wenigen schwer, die Schule länger zu erhalten, auch kann kein Lehrmeister dabei subsistiren und muß die Schule wieder zu Grunde gehen, woferne kein Hohes Einsehen geschieht und die halsstarrigen dazu angehalten werden.“ erklärte der Kinderlehrer.

 

  1. Juli Beschwerde der Einwohner (WER D 34 Pforta II Nr. 2292).

Der Grund war der Befehl des Schulamts, bei einem am rechten Ufer der Saale „ersoffenen Menschen“ Wache zu halten, der an den „Licentiat juris“ Johann Friedrich List, den Floßschreiber Emanuel Martini und zwei weiteren Einwohnern ergangen war. Dagegen protestierte die Einwohnerschaft und berief sich ihre „possessione libertatis“, darunter die Befreiung von  Einquartierungen, Steuern und Gerichtsfolge, die ihnen bei der Ansiedlung zugesichert wurden.  Sollte das Schulamt darauf bestehen, würde man vor dem Oberhofgericht in Leipzig dagegen klagen. Unterzeichnet hatten der Ortsrichter Peter Nicolai und weitere 19 Hausbesitzer darunter J. S. Hämmerling, J. Chr. Mathesius, Chr.  Schröter, G. W. Bürger, J. Chr. Hollstein und die Witwen Christa Jäger und Maria Theuring.

 

      Aug. Schreiben des Kinderlehrers an das Schulamt (WER D 34 Pforta 2/2642).

Nachdem das Schulamt den Familien der Schulkinder wegen des nicht gezahlten Schulgeldes mit Strafe drohte, erklärten die, dass sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken würden, weil der Lehrer sich dem Alkohol hingibt. Daraufhin verlangte das Schulamt vom Lehrer eine Erklärung  „Herrn Magnificenz, Hoch- und Ehrwürden…. Daß mich einige in Kösen beschuldigt, als wenn ich dem Branntwein sehr liebe, besteht zwar nicht die Wahrheit, iedoch leugne ich auch nicht, daß ich welchen, aber nicht im Überfluß, trinke. Ursach, weilen ich die ganze Woche nichts warmes zu essen habe, sondern mit Waßer, Brot, Saltz oder ein wenig Käse mich behelfen muß, und zwar deshalben, weilen die Besoldung schwach, denn das Schulgeld dieses Jahr sich nicht höher als 22 Taler 8 Groschen in allen belauffen hat (.) von Wäscher-Lohn davon abziehe, habe 20 Taler zu meiner jährlichen Verpflegung, dieselben in 365 Tagen eingeteilt, so habe täglich nicht wohl 8 Pfennige zu verzehren, welche, wie schon gemeldet in trockenen Brote aufgehen.“

Machenoch wohnte zur Miete und unterrichtete in seiner Stube, war somit nicht nur auf das Schulgeld sondern auch auf das „Quartiergeld“ angewiesen. Wenn auch sein Vorgänger Euerling ein eigenes „Häußgen“ besaß, lag auch dessen Einkommen in Anbetracht der wenigen Kindern aus zumeist armen Familien unter dem Existenzminimum, weshalb er den Ort verlasen hatte. Machenoch bat den geistlichen Inspeltor, ihm doch den notwendigen Lebensunterhalt zu sichern, fand aber kein Gehör, weil die Bezahlung Angelegenheit der Gemeinde war. Nun verließ auch Machenoch den Ort und 1736 stellte die Gemeinde Johann Ernst Hucke sen. als Kinderlehrer an (Hinsche, Heimatbuch).

 

  1. Aug. Indemnisationsurkunde (WER Rep. F 23, VII Nr. 1b).

Den von Borlach mit dem Schulamt ausgehandelten Pachtvertrag genehmigte das Kammerkollegium. Das Salzwerk pachtete für die Zeit solange das Salzwerk bestand, 9 Acker (d.s rd. 5 ha). Das Schulamt bekam eine einmalige Entschädigung von 200 Gulden und ab 1736 waren  70 Gulden jährlich vereinbart, die  von der Salinenkasse verausgabt und vom Schulverwalter  Georg  Philipp Pfersdorff ordnungsgemäß quittiert wurden. Außerdem wurde vereinbart, dass die Schule ihren Salzbedarf direkt von der Saline abholen könne, dies nicht besteuert wurde, aber bar bezahlt werden mußte. 

Das Salzwerk war somit ein eigenständiger Polizeibezirk und der jeweilige Salinendirektor hatte die niedere Gerichtsbarkeit nicht nur über die Unterbeamten und  Arbeiter sondern auch über alle diejenigen, die sich auf dem Salinengelände aufhielten.

 

  1. Aug. Erklärung der Dorfgemeinde (WER Pforta Anh. 2/2292).

Weil das Schulamt auf die Gerichtsfolge bestand, rief die Gemeinde das Oberhofgericht zu Leipzig an und begründete die Verweigerung damit, dass der Verdienst bei den fiskalischen Unternehmen (Flöße, Salzwerk) die einzige noch dazu äußerst karge Nahrungsgrundlage sei, und daher die Einwohner seit jeher von Steuern, Frondiensten, Einquartierungen und der Gerichtsfolge befreit wären. W

 

  1. Nov. Steuerbefreiung der Weinberge (WER, D 34 Anh. 2, Nr. 2582).

Nachdem der Obersteuereinnehmer bestätigt hatte, dass die Weinberge von alters her steuerfrei waren, wurde das den Erbpächtern auch in Zukunft gewährt.

 

  1. Dez. Memorial der Floßbeamten zum Kirchenbau (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Diesmal wandten sich Hartig und Martini an das Kammerkollegium und erklärten, dass sie den  vom Schulamt angebotenen Platz für eine Kirche rechterhand der Brücke hinter dem Floßhaus ablehnten, weil die „Sieben Häuser“ die Sicht verstellen und den Klang der Glocken vermindern würden. Auch der Platz für den Gottesacker unmittelbar an der Landstraße wäre ungeeignet, weil sich die Reisenden in der Nacht ängstigten. Sie bestanden auf den Platz der „Catholischen Capelle“ neben dem Gasthof. Hier könnte man die Grundmauern verwenden, was die Baukosten vermindern würde und außerdem würde das Gotteshaus gut zu sehen und die Glocke weit zu hören sein. Von Vorteil wäre auch die Nähe der „segensreichen Salzquelle“, als ein Zeichen Gottes. Bei einer Erweiterung der Saline wäre es ohnehin besser, die Schäferei und den Gasthof abzureißen und an anderer Stelle wieder zu errichten.

 

              Kupferstich von J. W. Stör: „Abbildung der großen steinernen Brucken zu  Kößen“

Dieser Stich erschien in Band 2 „Historischen Schauplatz in welchem die merckwürdigsten Brücken aus allen vier Theilen der Welt (.) vorgestellt und beschrieben werden“, herausgegeben von Carl Chr. Schramm und gedruckt in Leipzig bei Bernhard Christian Breitkopf. Obwohl die  Örtlichkeiten sehr verzerrt sind, ist die recht ungewöhnliche Konstruktion der Brücke gut erkennbar. Sie hatte drei Rundbögen am rechten und einen Rundbogen am linken Ufer, die vier mittleren Bögen sind Spitzbögen. Weshalb man beim Bau zwei unterschiedliche Bogenformen wählte, ist nicht bekannt. Möglicherweise gab es hier zwei verschiedene Bauabschnitte. Zunächst  wurden von beiden Ufern aus Rundbögen errichtet (n. d. Naumburger Annalen 1405). Dann gab es möglicherweise eine längere Pause (Hussitengefahr, sächsischer Bruderkrieg), und der noch fehlende Teil wurde mit einer hölzerne Konstruktion (eine Art Hausbrücke) überbrückt. Die restlichen steinernen Pfeiler wurden dann erst nach 1454 errichtet.

Die Brücke selbst war recht schmal, nicht breiter als die Brücke über die kleine Saale vor der Floßschreiberei, deren Breite mit 8 sächsischen Ellen, d.s. 4,5 Meter, angegeben wurde. Eine ähnliche Brücke besteht heute noch bei Vacha/ Werra.

Der Stich zeigt auch die „ohnfern gelegenen Gebäude, das Floßamt, die Floßschreiberei, den Gasthof und die Mühle mit dem 1725 entdeckten Gesundbrunnen, das  Muttergotteshäuschen, den Schwedenstein, das Eiswehr, die Reichs-Heerstraße, den Mühl- und den Gemeindeweg, die beiden Radstuben und die Rösche zwischen der Floßschreiberei und dem Gasthof. Völlig vergessen hatte der Kupferstecher den Wehrdamm. 

 

  1. G. Borlach beantragt die Übernahme des Gasthofs (WER D 34 Anh. 1/3597)

Nicht nur die etwas abseitige Lage auf einer kleinen Anhöhe war nachteilig für die Frequenz, nun behinderten auch noch das untere Schachtgebäude mit dem darauf hin schiebenden Kunstgestänge und die zum Gradierhaus führende Röhrenfahrt die bequeme Zufahrt. Das führte dazu, dass der Pächter vom Schulamt Schadensersatz verlangte und mit der Einstellung der Pachtzahlungen drohte. Das wiederum nahmen die Schulbeamten zum Anlaß, sich bei der Salinendirektion zu beschweren. Nach Vortrag bei der Kammer befahl diese dem Schulamt, den Gasthof der Saline zu verkaufen.

 

           Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2)

Wegen „ungebührlicher Reden“ wurden der Salzsieder  Andreas Stein (Nr. 4959) und der Pachtmüller (4215) verklagt, gleichermaßen Lorenz Thieme und  Christian Lange wegen „Real- und Verbalinjurien“. Verantworten mußte sich der Zimmermeister Andreas Thieme wegen Bierschanks und Gästesetzens in seinem Anwesen in Neu-Kösen (Nr. 4223).  Michael Jäger bemühte das Gericht wegen des Erbes seines Vaters in Neu-Kösen und der Bergmann Hans Georg Fischer wurde wegen Begünstigung verklagt.

 

1736     

  1. Jan. Schreiben der kursächsischen Rentkammer (WEI Floßsachen B 12173)

Demnach hatten die kursächsischen Floß- und Rentbeamten den Befehl, die im Commun-Vertrag von 1732 vereinbarten 500 Gulden Vorschuss zum Holzeinschlag zu zahlen.

 

  1. Jan. Zweite Subhastation des Zschackwitzschen Weinberges (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3540)

Die Zackwitzschen Erben hatten sich geweigert, den Schuldbrief ihres Vaters abzulösen, weil bei der amtlichen Versteigerung diese auf dem Weinberg lastende Schuld nicht bekannt gemacht wurde. Nachdem sich die Inhaberin des Schuldbriefes erneut bei der Dresdener Kammer beschwerte, wurde von Amts wegen die erste Versteigerung aufgehoben und ein zweite angeordnet, in der die Briefschuld angegeben war, was es dem Amt ermöglichte, aus dem Versteigerungserlös vorrangig die Gläubigerforderung zu befriedigen. Allerdings zogen die Zackwitzschen Erben daraufhin ihren  Antrag auf Subhastation zurück und die Sache blieb liegen.

 

  1. Jan. Beschwerde über den Ortsrichters Peter Nicolai (WER D 34 Anh. 2 /2292).

Nicolai war dem Befehl des Schulamts, durchziehenden Militäreinheiten ortskundige Führer bis zur Amtsgrenze zu stellen, nicht nachgekommen und sich dabei auf die Befreiung der Einwohner von derartigen Diensten berufen. Daraufhin beschwerten sich die Kommandeure  beim Schulamt .

 

  1. Mär. Memorial zum Kirchenbau (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Hartig, Martini und der Advokat List erklärten dem geistlichen Inspektor und dem Schulbeamten, dass man vom Bau einer eigenen Kirche zunächst Abstand nehmen müsse, denn die zumeist armen Familienväter hatten sowohl eine finanzielle Beteiligung beim Bau als auch den Unterhalt eines Geistlichen verweigert. Man bat abschließend um eine Unterredung, um gewisse  Erleichterungen beim Kirchenbesuch und Begräbnissen für die Gemeinde zu erreichen.

 

  1. Apr. Bericht des Bergmeisters Decker über das Salzwerk (WER F 14 Nr. 2/1)

„Bei meiner Anwesenheit auf dem diesjährigen Naumburger Holzmarkt habe ich außer dem, was  ich allbereits unterm 24. Juni wegen des kursächs. Salz-Werks zu Kösen an E. Hochwohlgeb. berichtet, annoch in Erfahrung  gebracht. 1.) daß mit dem Querschlag aus dem neuen nach dem alten Brunnen zu noch eine sehr starke Salzquelle, welche einen Arm stark hervor quellen sollte, überfahren worden. 2.) Sobald dieser Querschlag durchschlägig gemacht, wären die Brunnen  fertig und in guten Stande auch wenn 3.) das neu aufgerichtete, aus fünf Häusern bestehende  Gradierhaus fertig, so wollen sie mit denen sechs Koten jährl. 39 bis 40.000 Stücke Salz machen und obwohl 4.) zu Artern auch jährlich 24 bis 25.000 Stücke  gesotten würden, so könnten sie doch das Land damit nicht verlegen weil die ausländischen Kärrner so viel abfahren, daß sie 5.) zu keinen Salz-Vorrat kommen könnten und öfters nicht auf 100 Stücke Salz  vorrätig waren 6.) ist auf diesem Holzmarkt zu Erweiterung des Salzwerks annoch zu 2000 Stämme  Bauholz  angekauft, was aber davon  gebaut werden soll, habe ich nicht  in Erfahrung  bringen können, oberwähnte Punkte aber  ganz gehorsamst berichten wollen..“.    

Demnach stand der Verbindungsstollen zwischen dem unteren und oberen Schacht vor dem Abschluß. Nach Senff lag der bei 514 Fuß Teufe (161 m), hatte eine Länge von insgesamt 774 Fuß (243 m), eine Breite von 1,1 m und eine Höhe von 2,1 m und wurde ohne weiteren Ausbau durch das Festgestein getrieben. Der Vortrieb erfolgte von beiden Schächten aus, die allein von den Pumpenkünsten zu Sumpfe gehalten wurden.

Binnen zwei Jahre wurden aus dem Stollen 400 m³ Festgestein gehauen, der tägliche Vortrieb betrug ca. 20 cm, bei 0,6 m³ Festgestein.  Da die hier auftretenden Quellen von unterschiedlicher Konzentration waren, wurde die Strecke mit einem Sattel versehen, so dass die höher konzentrierten Zuflüsse zum oberen Schacht, die geringeren zum unteren Schacht abliefen.

 

  1. Apr. Anzeige der Zschackwitzschen Erben beim Schulamt (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1080)

Gottlob Wilhelm und Dorothea Sophia Zschackwitz, die Kinder des verstorbenen früheren Floßschreibers Georg Wilhelm Zschachwitz beschwerten sich über die Flößer die an ihrem Weinberg „genannt das Eulengeschrei an der Saale unweit Kösen“ der bis an das Ufer reichte, anlegten. Die weigerten sich, wie bisher 8 Groschen als Ersatz für Schäden am Ufer zu zahlen. Daraufhin hatten die Zschakwitzschen Erben 3 Floßstämme gepfändet und dem Dorfrichter Peter Nicolai zur Aufbewahrung übergeben. Damit hatten sie einen und verlangten vom Schulamt, den  Flößer zu befehlen,  das Anbindegeld zu zahlen, dann würden die Stämme zurück gegeben. 

Zum Beweis ihres Anspruches fügten sie die Erklärung des Floßmeisters Georg Hartig an. Der erklärte, dass er seit 40 Jahren in kurfürstl. Floßdiensten stehe, nahe der Brücke und  unweit des Weinbergs wohne und  daher weiß, dass bisher den Zschakwitzschen Erben das Anbindegeld gezahlt wurde. Das bestätigten auch der Floßschreibers Schröter und des Floßgegenschreiber E. Martini.   

Daraufhin erklärte der Schulinspektor, dass das Saaleufer der Schulamt zustünde und die Flößer „dem hiesigen Amts Rent-Amt 40 Gulden Anbindegeld zu liefern schuldig, die Zschackwitzschen Erben auf ihren angegebenen Schaden an ihren Weinberg nicht decidirt, so sind (.) die Flößer mit doppelten Geldern zu belegen es allerdings bedenklich auch unbillig zu sein scheint, dieselben von der angebrachten Beschwerde zu absolieren“. Damit war die Angelegenheit fürs erste erledigt

 

  1. Apr. Reskript der kurfürstlichen Kammer (WER D 34 1/4254).

19 Jahre nach Wenzels Suspendierung und 9 Jahre nach dessen Ableben wurde dem Schulamt  befohlen, sich zur „Bewandniß mit dem Wenzelschen Creditwesen“ zu äußern. Anlass war eine Prüfung der Floßkasse ab dem Jahr 1717 durch den Hofrat Dr. Heinrich Christoph Schüßler. Der stellte fest, dass seit 1717 ein „Floß-Administrations-Rest“ von beträchtlicher Höhe in den Büchern von Jahr zu Jahr übertragen wurde. Daraufhin prüfte er die Floßkasse der Jahre 1700 bis 1717 und stellte fest, dass sich in dieser Zeit 34.000 Gulden durch Versäumnisse und Nachlässigkeiten des Floßmeisters angesammelt hatten.

Schüßler überzeugte die Kammer, dass der Fiskus seine Ansprüche gegenüber den Wenzelschen Erben und denjenigen, die den Nachlass ersteigert hatten, durchsetzen müsse. Das Schulamt wurde daraufhin angewiesen die Sache zu untersuchen. Da die Versteigerung in der Zeit des Wiederkaufsvertrages erfolgte, fehlten alle diesbezüglichen Unterlagen im kursächsischen Kammerarchiv. 

 

  1. Mai Anschreiben an die „Wenzelschen Creditoren“ (WER D 34 1/4254 )

Nachdem das Schulamt die erforderlichen Verträge beigebracht hatte, wurden die Erben und Nacherben des Wenzelschen Nachlasses ermittelt, so der Hochwürdige Wohlbestallte Syndicus des Dom-Capitels zu Naumburg Georg Friedrich Beyer, der Floßmeister Georg Hartig, der Licentiat J. Fr. List, für sich und in Vollmacht für den Floßvorsteher von Merseburg, der Steuer-Prokurator Bernhard Christian Lepner ebenfalls für sich und in Vollmacht für Wolff Christoph Wenzel, den Sohn des Floßmeisters, Maria Dorothea Lepner, die Witwe des Floßmeisters inzwischen mit dem Steuer-Prokurator verheiratet und Magdalena Sophia Kanneberg, die verwitwete Schwester des Floßmeisters. Je nach Höhe des Erbanteils bzw. nach dem Wert der zur Zwangsversteigerung gekommenen Immobilien sollten sie zur Rückerstattung der von Wenzel veruntreuten Floßadministrationsgelder herangezogen werden. 

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  1. Juni Antrag Borlachs auf Übernahme der Schäferei (WER D34 Anh. 1/2611).

Auch mit dem Pachtschäfer gab es Differenzen, denn dessen Schafe würden die Sole die in offener Rösche zum Salzwerk bzw. zur kleinen Saale lief, saufen und daran zu Grunde gehen. Borlach war der Ansicht, dass es besser sei, anstelle der ohnehin desolaten Stallungen, eine neue Schäferei  zwischen dem Salzwerk und der  „Kettenbrücke“ zu errichten.   Daraufhin verlangte das Kammerkollegium vom Schulamt ein Gutachten zum Bau einer neuen Schäferei.

 

  1. Juni Schreiben des Floßmeisters Hartig an das Kammerkollegium (WER D 34 1/4254).

Als einer der ersten lehnte der Floßmeister das Ansinnen zur Rückgabe bzw. der Erlegung des Kaufpreises des von ihm erworbenen Wenzelschen Nachlasses ab: „so kann ich doch in aller Unterthänigkeit nicht verhalten, daß diese Wenzelische Concurs-Sache verlängstens und rechtkräftig Urtheil ausgemachet, die Creditores lociret und die völlige Concurs-Maße, soweit solche gereicht, distributiret worden.“ Der vom Kammerkollegium dazu abgeordnete „Curatore litis“ habe zudem beschworen: „daß er alles dasjenige  was zum besten des Concurses gereichet, treulich beobachten, die ausstehenden Schulden so viel möglich eintreiben, das Creditwesen auf alle Art und Weise besorgen, mithin all dasjenige thun wolle, was einem Curatore Litis bey dergleichen Fällen zu verrichten obliegt und gebühret.“ Außerdem habe er im guten Glauben an die Rechtmäßigkeit in den vergangenen acht Jahren erhebliche Mittel in die doch recht vernachlässigten Immobilien gesteckt. Unerwähnt blieb allerdings, dass er inzwischen außer dem Brau- und dem Backhaus alles Übrige gewinnbringend weiterverkauft hatte. 

 

  1. Juni Kammerreskript zu den Floß-Administrationsgeldern (WER D 34 1/4254).

Auch die Rechtskraft des amtlichen Subhastationsverfahrens konnte Dr. Schüßler nicht von seinem Vorhaben abbringen, denn er hatte herausgefunden, dass die nach sächsischer Prozeß-Ordnung vorgeschriebenen Aushangfristen nicht eingehalten wurden. Außerdem war er der Ansicht, dass das gemeinsame Gebot des Floßmeisters Hartig und des Advokaten List eine „Collusion“, eine dem Konkurs schädliche Preisabsprache war. Erneut wies die Kammer das Schulamt an, die „Creditoren“ Wenzels, wegen der „gesuchten Restitution in integrum“ vorzuladen und anzuhören.

 

  1. Juli Anfrage des Kammerkollegiums zum Kirchenbau (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Weil bislang das Konsistorium nicht reagiert hatte, fragte man man an, ob die Gemeinde immer noch dazu stehen würde, sich am Kirchenbau und am Unterhalt des Pfarrers zu beteiligen, was wegen der inzwischen erfolgten Erklärung der Floßbeamten gegenstandslos geworden war.

 

  1. Juli Erklärung des Floßmeisters Hartig (WER D 34 1/4254).

Hartig erklärte, dass er Forderungen in Höhe von 1.916 Gulden und zwei Wechsel gegenüber dem Wenzelschen Nachlaß geltend gemacht habe. Das habe man mit dem von ihm und List abgegebenen Gebot verrechnet, was vom herzoglich-weimarische Schulamtmann Dr. Mack 1728 beurkundet wurde, ebenso die Aufteilung zwischen ihm und List. Das hatte 1729 der Kammer-Konsulent Hofmann zusammen mit dem Liquidationsurteil bestätigt. Die Anspielung, dass das Verwandschaftsverhältnis von Hartig und Mack die Beurkundung begünstigt hätte, wies der Floßmeister entschieden von sich. Er habe die Tochter des hochfürstl-weimarischen Rat- und Amtmannes  erst am 24. Juli 1732 geheiratet, nachdem seine erste Frau Anna Elisabeth geb. Koch im Jahr 1731 verstorben war.

 

  1. Juli Bauplan der neuen Schäferei (WER D 34 Anh. 1/2611).

Der erste Entwurf des Schulbaubeamten Hoffmann sah einen Vierseitenhof vor, der „auf der Straßen-Seite gegen Mittag“, hinter der Saline, wo die Landstraße nach Naumburg die Richtung auf den Galgenberg nahm, hinkommen sollte. Um den Hof lagen der eingeschossige  Schafstall, ein Lämmerstall und ein Rinderstall, deren Dachböden als Schütt- und Futterboden dienten, ein Holz- und ein Pferdestall. Dazu kam ein zweigeschossiges  Wohnung für den Schäfer und dessen Gesinde. Im Erdgeschoß gab es eine Stube mit Ofen, eine Schlafkammer für den Schäfer und seine Familie, eine Küche mit Herd, eine Milch- und Speisekammer und das „Privat“. Vor dem Küchenfenster lag der Brunnen. Hoffmann veranschlagte dafür 9.000 Gulden, das war der kammer zuviel, der Plan wurde abgelehnt

Im zweiten Entwurf war die Wohnung des Schäfers eingeschossig. Neben der beheizbaren Stube, gab es eine Schlaf- und eine Kinderkammer, der Küchenherd mit Kessel stand in der Mitte, daneben an der Außenwand der  Ausguß.  Neben der Küche befand sich in einem Gewölbe der Backofen, daneben die Milchkammer und die Gesindekammer. Von hier aus führten Treppen zum Keller und zum Dachboden. Der Futterkasten für das Federvieh war so angeordnet, dass man aus dem Fenster füttern konnte, auch das Wasser konnte vom Küchenfenster aus dem Brunnen geschöpft werden. Ein geräumiger Flur ermöglichte den direkten Zugang zu den 6 Schweinekoben am linken Giebel, wo sich auch die Abtritte befanden und zu den Viehställen am rechten Giebel. Hier sollten 30 Milchkühe und 4 für Pferde unterkommen, sowie ein Wagenschuppen. Gegenüber auf der anderen Seite des Hofes der 36 x 23 Meter maß, befanden sich die Tennen und auf der dem Wohnhaus gegenüber liegenden Seite der Schafstall (56 x 10 Meter).

 

  1. Aug. Gutachten Borlachs zum Entwurf des Bauverwalters (WER D 34 Anh. 2/2611).

Borlach war der Ansicht dass der Entwurf Hoffmanns zu eng und zu teuer sei und in keinem Verhältnis zu einer möglichen Pacht stand. Er schlug den Ausbau zum Vorwerk vor. Die Anzahl der Schafe von derzeit 600 Mutterschafen und Jährlingen, sollte verdoppelt werden, die Kosten für die Unterbringung der Hammel die beim Ablammen nach Pforte gebracht wurden, könnte damit entfallen. Die Verdoppelung der Tiere bedingte auch die Verdoppelung der Lagerflächen für Futter und Stroh. Borlach schlug außerdem vor, auch die Rinder von 30 auf 50 Stück zu erhöhen. Zur Deckung des Futterbedarfs sollten dem Vorwerk die in der Saaleaue gelegenen Felder und Weiden, die bislang den Vorwerken Kukulau und Fränkenau verpachtet waren, zugeschlagen werden. Er legte einen eigenen Plan vor, ebenfalls einen Vierseitenhof an der Kettenbrücke, mit einem Wohnhaus, dem Viehstall mit Schüttboden, der Scheune, einem großen Schafstall und einem Holzschuppen. Um den Hof zu erreichen, sollte der Mordgraben eine Brücke bekommen.Nach seiner Aufstellung kostete das ganze 7808 Gulden. Das Vorwerk könnte für 1.000 Gulden verpachtet werden, deutlich mehr als die 400 Gulden für die derzeitige Schäferei.

Borlach bat, unabhängig von seinem Vorschlag, das man das Schulamt „so viel ersuchen wolle (.), daß gebaut werden soll, es sei nun auf die eine oder andere Art…“ 

Doch sein Vorschlag wurde vom Schulverwalter Georg Philipp Pfersdorf abgelehnt „Ein großes Vorwerk aus dieser Schäferei zu machen (.) ist kein Vorteil vor die Schule abzusehen, zumal daß wenig Gräserey zu Kösen vorhanden und also eine starke Viehzucht daselbst nicht gehalten werden kann.“

 

  1. Sep. Anhörung der Wenzelschen „Creditoren“ (WER D 34 1/4254).

Nachdem die Kammer die Beschleunigung der Angelegenheit angeordnet hatte, wurden die Beteiligten vorgeladen, dann jedoch wegen mehr oder weniger begründeter Absagen der Termin  auf den 22. Oktober verschoben. 

 

  1. Okt. Stellungnahme J. G. Borlachs (WER D 34 Anh.1/4254).

Inzwischen hatte der Hofrat Schüßler das Restitutionsbegehren auch auf die Nacherwerber des Wenzelschen Nachlasses erweitert. Dazu gehörte nun auch der Ingenieur Borlach, der von Hartig den Weinberg und die Äcker am Äbtischen Holz aus dem Wenzelschen Nachlass erworben hatte. Borlach verwahrte sich unter Vorlage des amtlich beurkundeten Kaufvertrages aus dem Jahr 1734 dagegen. 

 

  1. Okt. Klagebegründung des Hofrates Schüßler (WER D 34 Anh. 1 Nr. 4254).

Die „vermeintlichen Käuffern und dermahligen Besitzern deren Wenzelischen Grundstücke“ wären wegen Verfahrensfehler und unzulässigen Absprachen unrechtmäßig in den Besitz gekommen und demzufolge wäre auch der Weiterverkauf unzulässig.  Allerdings hatte sich der Kreis der „Imploranten“ geändert. Neben Hartig und List sollte nun auch Hartigs Ehefrau  herangezogen werden. Dagegen entfielen der Syndikus des Domkapitels, Wenzels Witwe, seine Schwester und sein Sohn.

Der Advokat List widersprach Schüßlers Klage und verlangte die Erstattung der ihm und seinen Mandanten entstandenen Gerichtskosten.

 

  1. Okt. Anschreiben des Schulamtes an den Weimarer Hof (WEI DS 2195).

Weil der Listsche Widerspruch nach Aktenlage nicht entkräftet werden konnte, ersuchte man die weimarische Kammer, um die Akteneinsicht in die von der herzogl. Flöße dem Floßmeister Wenzel zugestandenen Administrationsrechte.

 

  1. Dez. Anhörung der Wenzelschen Kreditoren (WER D 34 1/4254).

Auch dieser Termin fiel aus, weil die Vorgeladenen nicht erschienen, einen Vertreter schickten, sich entschuldigten und auf die schriftlichen Erklärungen verwiesen. Borlach ließ sich vom Naumburger Advokaten Dr. Johann Elisa Dreßden vertreten. 

 

  1. G. Borlach besichtigt im Auftrag des Kurfürsten die Saline Altensalz (Emons: Salz…).

Dabei stellte er fest, dass der von J. Chr. Lehmann eingerichtete Salinenbetrieb völlig unproduktiv war. Die prognostizierte Jahresmenge von 300 Stück Salz (ca. 7 t) war im Zeitraum von 1727 bis 1734 nie erreicht worden. Im Vergleich zur Saline Kösen  (20 Zentner Sole zur Herstellung von 1 Stück Salz) benötigte man hier 148 Zentner. Borlachs Feststellungen widersprach  Lehmann aufs Entschiedenste. Doch als Lehman im Jahr 1738 starb, wurde die Saline umgehend stillgelegt.

 

               Erweiterung des  Kellergewölbes (Höhlenforscher Katast. 4836/42-c).

Die Erweiterung des 1729 vom Floßmeister Hartig angelegten Kellers geht auf Johann Hermann Borlach zurück, dessen Initialen J.H.B. und die Jahreszahl 1736 im Schlußstein des Gewölbes eingemeißelt sind.

Grund für die Erweiterung war die steigende Einwohnerzahl insbesondere durch die Saline und damit der Bedarf an Bier und anderen Getränken, für die man die Lagermöglichkeiten erweitern mußte. Daher geht diese Erweiterung auf das Salinendirektorat zurück, zu dem nun auch der zweite der Borlachbrüder gehörte.

 

  1. Dez. Anzeige des Gastwirts Christoph Mose (WER D 34 Anh. 1/2  Nr. 4848, 4168).

Der verklagte Andreas Beyer  wegen Holzdiebstahls und „furtii“.

 

1737     

           Königl. Saltz-Werck zu Kösen bey Naumbourg in Thuringen (MD Rep. F 38, Risse 380).

Der „Conducteur“ Johann Daniel Therkorn, war als Baumeister maßgeblich an der Einrichtung der Kösener Saline beteiligt. Auf seinem Plan fällt auf, dass der Wehrdamm bis an die untere Radstube reichte und demnach erst beim Bau des Kunstgerinnes für die obere Wasserkunst durch eine Mauer ersetzt und die im Unterwasser befindlichen Sandbänke aufgefüllt wurden. Damit verbesserte sich das für die Kunsträder erforderliche Aufschlagwasser sowie die Bewässerung der kleinen Saale und des Scheitbaches.

Auch die zu Alt-Kösen gehörenden Anwesen sind erfasst, wie die alte und die neue Floßmeisterei, die Wohnungen des Floßschreibers und des Rechenmeisters, ein „Fischerhaus“ neben dem oberen Solschacht, der Gasthof und der Schafstall, das Brauhaus und die „von den Cistercienser Patres aufgebaute Catholische Capelle“. Um das „Holtz welches von 5 Fürsten jährlich 3 mahl aus dem Thüringer Wald angeflößt wird“ aufzuhalten ebenso zum Schutz des Mühlen- und der Kunstgerinne der Saline war der Saalestrom mit Rechenanlagen versehen.

 

  1. Feb. Profil der Sol-Schächte zu Kösen“ (SKS Museum Dresden).

Dazu merkte Borlach an, der alte Schacht „entstanden 1681 und biß 1687 30 Lachter tief gegraben, 40 Jahr lang liegen blieben, biß 1727 da sie wieder aufgesucht noch 24 Lachter tieffer gesuncken und 1730 Sole darinnen gefunden worden (.) Der Thurm (.) in welchen  die Sole hinauf gehoben wird, daß sie von selber auf die Gradir-Häuser lauffen kann (.) Der andre neue Schacht, ist angefangen 1731 und in den 81. Lachter Sole erschroten worden. Die Saltz Wasser werden just so tieff aus denselben herausgehoben, als der Schloß-Thurm zu Dresden zweymal so tieff ist“. Am  Querstollen wurde noch „von beyden Seiten gearbeitet“. Als Fördermenge gibt Borlach an „Aus den älteren Schacht  werden täglich 720 Kubikellen (130 m³) und aus den neuen tägl. 1440 Kubikellen Ellen (260 m³) Sole gehoben.

Die Gesamtkosten für den Aufbau des Salzwerkes waren bedeutend aber gut angelegt und der Kameralist Heinrich August Fischer meinte: „Nachdem aber nunmehro die Güte Gottes die Chur-Sächß. Lande nicht allein mit Teuditz- und Kötzschauer- sondern auch in neuern Zeiten mit denen noch mächtigeren Arterischen und Kößnischen Saltz-Wercken gesegnet, und es an Ansehen gewinnt, es könne sich künfftig das ganzte Land mit eigenthümlichen Saltze genugsam versorgen (.) so ist kein Zweiffel, es werde nun das gelobte Sachßen disfalls zu seiner vormaligen Herrlichkeit wiederum gelangen“.

Nach seinen Angaben wurden im letzten Jahr 19 856 Stück. Salz (a 60 kg = 60.000 Zentner) gesotten. Die Einnahmen aus dem Salzverkauf betrugen 25.029 Gulden, die Ausgaben für Löhne, Material, Fremdleistungen, Reparaturen etc. 13.156 Gulden, es verblieb ein Reingewinn von 11.873 Gulden.

 

  1. Feb. Salomon Hämmerling erwirbt den Listschen Bauplatz (WER D 34 Anh. 2/2301).

Der Advokat List, dem die alte Floßschreiberei gehörte, verkaufte dem Bäcker die Parzelle (Lindenstr. 20), wo der zunächst seine Bäckerei einrichtete.  Erst später verlegte er sein Gewerbe in das Anwesen des Baders Holstein (Lindenstr. 14). Hier übernahm er auch die Brennerei und betrieb an „frequenter Lage“ eine „Winkelschenke“, was ihn immer wieder mit dem Gasthofpächter in Konflikt brachte.

 

  1. Mär. Ernennung Johann Hermann Borlachs zum Salzinspektor (KAZ 1938).
  2. Gottfried Borlach wurde in die polnischen Salzwerke befohlen, sollte jedoch „auf denen hiesigen Wercken solche Anstalten treffen, damit unter der Zeit nichts dabey versäumet werde“. Er empfahl, seinen Bruder mit der Aufsicht zu betrauen, da dieser „von anfang mit bey der Erhebung deren Wercke geweßen und dem alles bekannt ist“. Nur einen Tag später verfügte der König Friedrich August „J. Hermann Borlachen die Aufsicht bey denen beyden Saltz-Wercken zu Artern und Kösen unter dem Praedicat eines Saltz- Inspectores, jedoch unter ständiger Direction des ersteren (J. Gottfried) anzuvertrauen“.
  3. Gottfried reiste zunächst nach Polen, wurde 1743 zum Generaladministrator der Salinen von Wieliczka und Bochnia bei Krakau ernannt und arbeitete bis 1750 zeitweise im Warschauer Bauamt. Seit 1743 leitete er die Abteufung eines Solschachtes am „Dürren Berge“ beim Gut  Keuschberg im Stift Merseburg, die, bedingt durch zahlreiche Schwierigkeiten und den Kriegswirren der Schlesischen Kriege, erst nach 20 Jahren (1763) vom Erfolg gekrönt wurde.

 

  1. Apr. Bericht des Bergrates Decker (WER F 14 Nr 2/1)

Decker inzwischen zum Bergrat ernannt, und von der  preußischen Kriegs- und Domänenkammer mit der Beobachtung des Kösener Salzwerks betraut, berichtete pflichtgemäß „Diesernach so habe  mich den 22. März  zuerst nach Kösen verfügt und beim Holzeinkauf Gelegenheit gefunden, mit dem dasigen Bau- und Salzschreiber Mangold mich bekannt  zu machen und  die demselben in Abwesenheit des Commissarius Borlach, welcher jetzt in Dresden und von da nach Krakau zu denen dasigen Steinsalzwerken reisen wird, wegen der Beschaffenheit des Kösenschen Salzwerkes angelegentlich mich erkundigt. Was ich nun von demselben in Erfahrung bringen können, wird das mit mehreren punktweise besagen. Hiernächst so habe eine mir bekannter Bergmann welcher daselbst in Arbeit steht, die jetzige Beschaffenheit derer 2 Salzbrunnen zu erforschen und was insonderheit  die Treibung der Örter aus beiden Brunnen gegeneinander vor eine Absicht habe.

Es wird zwar von den meisten vorgegeben und geglaubt, daß wenn in einen oder dem andern Brunnen etwas repariert werden müßte, die Sole dem andern Brunnen zugeleitet und daselbst heraus gehoben werden könnte. Allein es ist daher nicht zu glauben, weil die jetzigen 2 Wasserkünste an welchen zusammen 57 12 Zoll weite Sätze hängen, die Sole kaum zu Sumpfe halten können, sondern vielmehr wahrscheinlicher, die Sole in Qualität und Quantität dadurch  weiter aufzusuchen und in der Mitte der Strecke ein Gesenk abzuteufen, welches der ungefähren Abriß, der oben erwähnte und zu meinen Vorhaben adhibirte Bergmann schien auch der Meinung zu sein und sagte: er wären die Absichten des Borlachs, zu penetriren nicht geschickt, indem derselbe seine Vorhaben sehr geheim hielte und nichts eher offenbarte bis es geschehen sollte, erinnert sich doch daß die beiden Brüder Borlach einmal von Abteufung eines Gesenks vor seinem Ort miteinander gesprochen hätten.

Vielleicht ist auch  der Anbau  noch eines Gradierhauses und dreier Kote dieserwegen noch ein Jahr ausgesetzt und bis auf künftiges Jahr verschoben worden.

Beikommende große Flasche, welche mit gradierter Sole  angefüllt, habe ich durch den bekannten Bergmann des Nachts, so wie sie  aus dem sogenannten Gut-Solenkasten in die Pfanne gelassen wird, einzapfen lassen, welche nach meiner Solwaage 17-lötig ist. In der kleinen Flasche  aber ist Sole wie sie aus der Quelle des neuen Brunnen kommt.

Man geht auch jetzt damit um, dieses Kösensche Salz nach Dresden zu bringen, zu welchen Ende  einige in Vorschlag gebracht haben, dasselbe bis Torgau an die Elbe zu fahren und alsdann von da zu Wasser weiter zu schaffen, die meisten aber wären der Meinung, selbiges von Kösen bis Dresden zur Achse zu schaffen.

Von dem Floßmeister Hartig zu Kösen habe auch vernommen, daß nicht  nur in der Gegend  um Artern herum nach Steinkohlen sondern auch im Gothaischen, Weimarischen und Eisenachschen nach Salzquellen und Steinkohlen  geschürft würde. Von den Steinkohlen habe ein Stück an den Geheimen Rat  Krug  gegeben und werden im Gothaischen gewonnen. Die kursächsische Kammer soll auch ein Prämium  denjenigen zu geben versprochen haben, welcher im Kurfürstentum an mehr Orten Salzquellen anzeigen könnte  und sollte das Prämium nach Lötigkeit der Sole und Situation des Orts 4 bis 10.000 Gulden gesetzt sein.

Es hätten sich auch noch einige gefunden, welche dergleichen Quellen anzeigen und aufsuchen wollen, der Borlach aber wäre denen Entreprenneuren entgegen und könnte nach seinen angeborenen Eigensinn niemanden neben sich leiden, welche Salzquellen aufsuchen oder in Salzsachsen eine Verbesserung angeben wollen....

Punktweise  Angaben zum Salzwerk

1.) Beschaffenheit der Brunnen

Der alte Brunnen ist bis auf den Grund 85 Lachter tief und daselbsten 3 Lachter niedergebohrt, allwo der  letzte starke Quell getroffen welcher ¾ Lachter über das Bohrloch in die Höhge über sich springen soll. In 75 Lachter dieses Brunnen ist die erste starke  Quelle getroffen, welche von der Seite her zuschießt. In 82 Lachter ist ein Ort angesetzt welches nach dem 2. oder neuen Brunnen angefangenen Gegenort durchschlägig zu werden, mit diesem Ort ist 13 Lachter aufgefahren.

Der neue Brunnen liegt 100 Lachter vom alten und 6 Lachter höher, ist bis aufs Gegenort 86 und bis auf den Grund 89 und mit dem Bohrloch, welches auch 3 Lachter tief, in allen 94 Lachter tief  das Gegenort aus demselben ist 31 Lachter fortgetrieben.

Die Sole ist in diesem neuen Brunnen so stark getroffen, als in den alten Brunnen und wenig unterschieden. Beide Brunnen sind gut verschroten. Die obersten wilden Wasser werden in beiden Brunnen mit 9 12-zölligen Sätzen, die Sole aber mit dergleichen 48 Sätzen durch zwei Wasser-Künste gehoben und laufen die wilden Wasser mit der übrigen Sole durch eine Rösche in die Saale.

2.) Was mit der Durchörterung beabsichtigt wird

Man mutmaßt, wenn der Durchschlag geschehen, so dürfte in der Mitte des Orts ein Gesenk abgetrennt werden, um die Sole in denen Brunnen nicht zu verderben und trübe zu machen, wenn ein Brunnen nach dem andern noch tiefer gemacht werden sollte, inmaßen der Comm. Borlachs Intentionen dahin gingen, in mehrerer Teufe noch reichere und die Muttersoole zu treffen, damit, wenn selbige infolge künftig die Gradier-Häuser ganz abgeschafft werden könnten, sollte aber der intendirte Zweck mit Abteufung des Gesenks wieder vermuten nicht erreicht werden, so sollten die Örter verstürzt und verschroten werden, welches,  wenn die Brunnen abgeteuft würden, nicht geschehen könnte.

3.) Welches Gestein in den Brunnen und Örtern vorhanden.

Anfangs haben sie Kalkgestein zuletzt aber bläuliches Sandgestein gehabt und in diesem sandigen Solegestein ist die Sole getroffen und werden die Örter getrieben.

4.) Wieviel Lot hält die Sole.

Sie ist 5- lötig nach meiner Waage berechnet

5.) Wie hoch sie gradiert und zum Versieden angereichert

Dies dependirt von der Witterung, bei Winter und bei feuchten Tagen wird sie nach 4-maligen Fall bis 12 Lot, bei warmen  und Sommertagen nach Beschaffenheit des Windes von 16 bis 20 Lot und wohl höher gradiert, daß zuweilen das Salz wie Eisszapfen an denen Dornenwänden zu sehen wäre.

6.) Ob noch mehr Gradier-Häuser  und Kote gebaut werden.

In diesem 1737 Jahr wird nichts weiter gebaut, in künftigen Jahre aber soll noch ein Gradierhaus und drei Kote oder Pfannen dazu angelegt werden. Gegenwärtig wird mit 2 Häusern gradiert und auf drei Pfannen gesotten mit denen  3 neuen Pfannen aber wollen sie  noch vor Ostern zu sieden den Anfang machen.

7.) Wieviel Stück Salz in diesem Jahr gesotten werden

Es ist der Plan in diesem Jahr auf 30.000, künftiges Jahr aber auf 46 bis 48000 Stück gemacht,

8.) Wieviele Stücke aus einen Werk gesotten werden

Je nachdem die Sole hoch oder gering gradiert auch die Tage kalt  oder warm sind, liegt ein Werk 30 als auch wohl 40 Stunden und aus einem Werk werden 36 bis 40 auch wohl mehr Stücke Salz gesotten

9.) Wieviel Holz auf ein Werk verbraucht wird

Im Winter mehr als im Sommer, je nachdem die Sole gradiert, nach dem Durchschnitt der Jahresrechnung aber kommt aufs Werk 2 Klafter

10.) Wie der Klafter Holz bezahlt wird

Das Holz wird vor die Kote geflößt und daselbst der Klafter jetzt mit 2 Taler 4 Gr. bezahlt.

11.) Wie das Salz bezahlt wird und was ein Stück Salz an Maß hält.

Ist im vorigen Jahr pro 1 Taler 2 Groschen. 6 Pfennig verkauft, nachdem aber die Fuhrleute zurück gegblieben, so ist ein Groschen abgenommen und wird jetzt das Stck 1 Rhein. Gulden 1 Groschen 6 Pfennig  verkauft.  Aber berechnete 6 Pfg. kriegen die Bedienten davon. Jedes Stück Salz muß einen Dresdener Scheffel halten, soll aber wohl bis 2 Metzen größer sein.

12.) Wie das Salz beschaffen und wie viel Vorräte

Das Salz wird jetzt gelobt, ist schön weiß und hart körnig und weil das Geld  devaloirt auch die nicht Wege schön gewesen, ist der Vorrat angewachsen und stehen jetzt 1800 Stück Salz in denen drei Koten vorrätig.

13.) Wo das Salz debitirt wird

Es wird ohne Unterschied wo es verlangt verkauft, insonderheit soll zeither viel in Sachsen,  Gothaischen und Weimarischen abgeholt werden.

14.) Was für Geld fürs Salz genommen wird.

Sonst Batzen und Kopfstücken, jetzt aber lauter ediktmäßige Sorten.

15.)Wie viel Salzstücke in Kursachsen konsumiert werden.

Das ganze Kurfürstentum erfordert 300.000 Stücke Salz nach einem mir gezeigten General-Salz-Steuer-Extract ao 1735

16.) Wie viel Stücke Salz  überall auf den Sächsischen Salzcocturen gesotten werden

Kösen 30.000, Artern 48.000, Kötschau 10.000, Teuditz 10.000 Summa 98.000 Stück.

17.) Wieviel das Stück Salz inkl. aller Unkosten zu stehen kommt und was das Werk überschießt.

Nach dem Salz- und Bauschreiber Mangold seiner Rechnung kommt wie er mir referirt ein Stück Salz nach dem Durchschnitt seiner Jahresrechnung auf 9 Groschen, wäre also bei jedem Stück 16 Groschen Freigeld, welches in Kösen von 30.00 Stücken  20.000 Rheinl. Gulden betrüge

18.) Was das ganze Werk mit Brunnen, Gradier- und Angebäuden in allem gekostet.

Es soll bis Schluß 1735 40.000 Rheinl. Gulden bis jetzt aber 50.000 gekostet haben, dieses Kapital aber hätte sich im schon absorbirt und eine ansehnliche  Ausbeute gegeben. Die kurfürstl. Kammer hat aber dazu nicht mehr als 19.880 Rheinl. Gulden vorgeschossen.“

Auch dieser detaillierte Bericht ging direkt an den preußischen König.

 

  1. Apr. Anzeige der Zschackwitzschen Erben (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1080)

Weil die Flößer erneut das Anbindegeld verweigerten habe man die gepfändeten Stämme diesmal im Gehöft des Advokaten List eingelagert, die man sofort herausgeben würde, wenn das Anbindegeld gezahlt würde. Das Ansinnen lehnten die betroffenen Flößer aus Zeutsch, Jägerndorf und Altenbeuten ab und beschwerten sich ihrerseits beim Schulamt.

 

            Jahresbericht  der Scheitholzflöße (WEI. B 12173).

Die Scheitholzflöße sicherte die Brennholzversorgung der Ämter und Stifte am Mittellauf der Saale und der Salinen von Unterneusulza, Kösen und Halle. Die oberhalb des Kösener Wehrdammes gelegenen herzogl. Holzplätze Kahla, Jena, Dornburg, Camburg und Unterneusulza wurden von der herzogl. Privatflöße belegt. Die Communflöße zu der Kursachsen seit 1646, Altenburg und Weimar von Beginn an jeweils 6.000 Klafter eingaben.

Das Holz kam aus den altenburgischen und kursächsischen Kammerwäldern, ein Teil von den jeweiligen waldbesitzenden Untertanen und das Übrige vorzugsweise von den Grafen von Schwarzburg. Allein das Herzogtum Weimar besaß keine eigene Waldungen an der Saale oder deren Nebenflüssen und erwarb das Holz für die Commun-Flöße und den Bedarf der weimarischen Ämter Jena und Dornburg ausschließlich von den Schwarzburger Grafen. Dazu wurden gesonderte Verträge geschlossen, wobei die Einkaufspreise und die ungehinderte Durchflöße durch das jeweilige Hoheitsgebiet vereinbart wurden.

Der Einschlag erfolgte immer ein Jahr vor der Abflöße. Die auf Länge gebrachten Scheite wurden zu den vereinbarten Einwurfstellen an den Gebirgsbächen und Floßgerinnen transportiert, hier auf genormte Stapel gesetzt und von vereidigten Floßbeamten abgenommen. Dann verblieb das Holz unter den wachsamen Augen der jeweiligen Amtmänner einen Sommer lang zum Trocknen liegen. Sobald im darauffolgenden Frühjahr die Schneeschmelze einsetzte und die Gerinne eisfrei waren, wurden die Scheite eingeworfen.

Damit sie sich nicht in den schmalen Bächen und Kunstgerinnen unnötig aufstauten, wurden die Einwohner ganzer Ortschaften,  aufgeboten, die für die ungehinderte Abflöße sorgten. Eine derartige Flöße gestaltete sich folgendermaßen:

Am 03. März begann der Einwurf der Scheite in die Loquitz, die im Frankenwald im Bayreuthischen entspringt. In der ersten Woche wurden die Einwohner von Timmenhoff, Neuhüttendorf, Lauenstein, (Probst)-Zella,  Ludwigstadt und weiterer Dörfer, insgesamt 160 Männer, Frauen und Kinder, Tagelöhner, Dorfschulzen und Kantor aufgeboten, die mit Stangen dafür sorgten, dass die Scheite in der Strömung blieben und nicht liegen blieben. Als Lohnausgabe  verzeichnete die Commun-Floßkasse  69 Gulden, 10 Groschen und 6 Pfennigen.  In der zweiten  Woche wurden die Einwohner von Ebersdorf, Unter- und Oberloquitz sowie Arnsbach aufgeboten.  Dann lagen die Scheite vor dem Rechen bei Eichicht und blieben hier liegen, bis die weiter saaleaufwärts aus den Waldungen der Reußer Grafen von Schleiz-Lobenstein sowie aus dem Amt Ziegenrück eingeworfenen Mengen eintrafen. Der Nachtrieb auf der Saale für den 20 herzogliche Untertanen sorgte, begann am 11. März oberhalb von Ziegenrück, passierte am 30. März Fischersdorf und erreichte am 30. April  die Mündung der Schwarza. Hier gab es eine mehrwöchige Unterbrechung, bis die von den Schwarzburgern erkauften Kontingente an der Mündung der Schwarza lagen. Am 2. Juni erreichte der Nachtrieb  Rudolstadt. Hier  wurden 1.804 Klafter Küchenholz für die Hofhaltung der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt ausgeschleppt. Am 15. Juni wurde Unterhasel erreicht.  Von da an ging es über Orlamünde (22. Juni), zum Raasener Wehr bei Jena (29. Juni),  Dornburg (6. Juli) und Neusulza (13. Juli), wobei in Camburg 1.228 Klafter und in Unterneusulza 1.484 Klafter ausgezogen wurden. Am 15. Juli erreichte der Nachtrieb den Kösener Rechen,

Der Kösener Stapel wurde am 4. März besetzt. Zunächst wurden der Rechen und die übrigen Auffangkonstruktionen hergerichtet, der Scheitbach gereinigt,  Sinkholz geborgen, die Uferwege befestigt und die Stapelplätze geebnet. Nach dem Durchgang der Langholzflöße wurde der Rechen „verzogen“ und die Meldung zur Freigabe der Scheitholzdrift auf der Stromsaale per Boten zur Mündung der Schwarza gebracht. Als die ersten Scheite eintrafen, wurde das Personal  auf 20 Mann aufgestockt. Jede Kolonne erhielt einen bestimmten Bereich zugeteilt. Soweit die ankommende Menge überschaubar war, wurden die Scheite am rechten Ufer entlang in die kleinen Saale geleitet. Hier wurden sie ausgeschleppt und auf Stapel gesetzt. Waren die ankommenden Mengen größer, dass sie sich vor dem Rechen stauten, wurden sie auch am linken Ufer ausgezogen, um den Bruch des Rechens zu vermeiden.

Das Holz wurde nach harten und weichen Sorten getrennt, Böttcherholz, Klöppel, Faul- und Stückholz auf separate Stapel gesetzt. Die Erfassung der Mengen, für die genormte Maßstäbe verwendet wurden, oblag dem Floßschreiber, und dem Gegenschreiber. Den sehr sorgfältig geführten Berichten kann man entnehmen, welche Mengen aufgesetzt und wieder  eingeworfen wurden. Am 9. April waren es 1.466 Klafter, am 10. Mai 5.807, am 31. Mai 5.420, am 2. Juli 3.217, am 22. August 3.628 und am 25 September nochmals 131 Klafter, insgesamt also über 19.000 Klafter Holz, die in den Scheitbach eingeworfen wurden. Die entsprechenden Quittungen unterzeichneten von kursächsischer Seite der Ober-Aufseher bei der Saale-Flöße Johann Heinrich von Schönfeld und der Floßmeister G. Hartig und von herzoglicher Seite Chr. v. Hochhausen und J. V. Stophel.

In Kösen verblieb Holz für die Saline und das Brauhaus. Das Deputat für die Landesschule kam auf der kleinen Saale direkt an den Bestimmungsort. Am 14. September wurden die Arbeiten auf dem   Stapel beendet und alle  Arbeiter entlassen. Anhand der insgesamt 26 Wochenzettel fertigte der Floßschreiber den Jahresbericht und einige Kopien, die den Teilhabern zur Abrechnung dienten.

 

  1. Juni Antrag des Gasthofpächters (WER D 34 Anh. 1/ 3118).

In Anbetracht des Endes der Zeitpacht bat Chr. Mose um die Prolongation für weitere sechs Jahre und Beibehaltung der bisherigen Pacht von jährlich 380 Talern. Dabei beklagte er den Schaden, den ihm die „vielen Bier- und Branntweinschenken im Dorf Kösen“ zufügten, und das Amt die Durchsetzung des ihm verliehenen „jure prohibendi“ auf die langen Bank schob.

Gegenüber der Kammer erklärten die Schulbeamten, dass wegen des ständigen Streits der Salinendirektor den Erwerb oder die Anpachtung des Gasthofes erwog. Daraufhin wurde dem Schulbeamten befohlen, den Vertrag unter den derzeitigen Bedingungen um ein Jahr zu verlängern.

 

  1. Juni Befehl zum Umbau der Schäferei (Schmitt NTB 2012).

Anstelle eines allzu kostspieligen Neubaus gegenüber der Kettenbrücke wurde die alte Schäferei und das Vorwerk zusammengelegt und einige Gebäude neu errichtet, wobei die Pläne vom Bauverwalter Hofmann und  Borlach zu Grunde lagen. Auf der Nordseite des Gehöfts lagen die die Stallungen für Kühe, Pferde und Schweine, auf der Ostseite am Kukulauer Weg wurde eine Wohnung für den Schäfer gebaut (ehem. Stadtbibliothek) und an der Westseite wurde auf den Greundmauern des Vorwerks der neue Schafstall errichtet (Heimatmuseum). Während der nördlich gelegene Schafstall weiterhin bei der schäferei verblieb, wurde der andere dem Gasthof zugeschlagen, allerdings unter der Bedingung, dass  die Amtsfröner zur Saat- und Erntezeit ihre Gerätschaften und Wagen einstellen können. Auch den Dachboden teilten sich die Amtsfröner  und Gasthofpächter.  Die Scheune am Kukulauer Weg mit dem markanten Giebel wurde erst um 1770 errichtet, denn auf der  Flurkarte von 1765 fehlt das Gebäude.

 

  1. Dez. Befehl des Dresdener Kammerkollegiums (WER Pforta II Nr. 2292).

Das Schulamt wurde ermächtigt, die Einwohner von Alt- und Neu-Kösen zur Gerichtsfolge heranzuziehen, u. a. zur  Bewachung von Verbrechern die im Schulengefängnis einsaßen, was manchmal über Monate dauerte. Da die Gerichtsfolge auch die im Dorf wohnenden Salinearbeiter betraf, beschwerte sich Borlach beim Kammerkollegium und erreichte, dass die Gerichtsfolge in den nächsten Jahrzehnten nicht gefordert wurde. 

 

  1. Dez. Gebührenerhebung im Wenzelschen Nachlaßverfahren (WER D 34 1/4254).

Vor einem Gerichtsverfahren mußten die Beteiligten eine Gebühr entrichten. Da dies von den Betroffenen verweigert und Einspruch erhoben wurde, mußte der anberaumte Termin verschoben werden.

 

             Reparatur der Naumburger Chaussee (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2619).

Dies oblag den Ämtern Eckartsberga und Schulpforta, die dazu die Fröner  ihrer Dorfschaften aufboten. Ausgenommen von derartigen Hand-und Spanndiensten waren die Pächter der Landesschule (Mühle, Schäferei, Gasthof, Vorwerke)  und die Beamten der fiskalischen Betriebe (Salzwerk, Floßamt) aber auch nach alter Gewohnhewit sämtliche Einwohner von Neu-Kösen.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1)

Verklagt wurde Maria Becker wegen übler Nachrede (Nr. 4216), J. Fr. Thon und der Schneidermeister Niklas Rose wegen Schlägerei (Nr. 5954) und der Maurermeister Chr. Reichmeister wegen leichtfertigen Umgangs mit Feuer.

 

1738 

  1. Feb. Bericht des Bergrats Decker über das Salzwerk (WER F 14 Nr. 2/2)

„Acto habe ich mich soviel als möglich gewesen, nach der Beschaffenheit und ferner Erweiterung  des hiesigen kursächs. Salzwerks erkundigt und in Erfahrung gebracht, daß

1.) diejenigen 2 Örter welche ich in meinen untertänigsten letzten Bericht de dato  April a.p. und beigefügten Punkten durchschlagen worden und sollte aus dem einen Brunnen die Verwahrung oder Verschrotung  herausgerissen, eine neue hierin gesetzt und mithin die noch zudringenden süßen Wasser gänzlich abgefangen und zurück gehalten, nach diesen aber die Brunnen noch reichere Sole, wenn vorher gebohrt worden, abgeteuft werden. Es beruhte dieses Unternehmen aber alles auf des Salz-Direktors Borlachs retoure aus Polen, allwo er beinahe ein Jahr gewesen, kürzlich aber in Dresden angelangt und alle Tage seine Ankunft vermutet wurde

2.) Das Gestein in welchen die Communications-Örter getrieben worden, wäre ein graues sandiges und zuweilen poröses Salz-Gestein gewesen, aus welchen viel Sole a 5-lötig gequollen, daß sie dieser Anzeige nach gewiß und nicht ohne Fundament glaubten, es müsse in der Teufe auch bessere Sole zu finden sein.

3.) Von Erweiterung und Anbau mehrerer Kote und Gradier-Häuser hörte man jetzt nichts, weil der Borlach nicht zu Hause, gegenwärtig stehen 6 Kote in welchen gesotten wird und könnte mit diesen Pfannen  alle Sole, welche  in diesen Winter- und feuchten Tagen auf 12 Lot  gradiert wird, gesotten werden.

4.) Im abgewichenen Jahr waren 46.000 Stück Salz gesotten, welches aber im letzten Quartal vorigen Jahres nicht so stark wie sonst abgegangen, daß über 8000 Stück auf die Trockenböden geschüttet werden mußte, wozu der böse Weg viel contributirt, nachdem sich aber selbiger geändert und das Stück Salz 1 Groschen herunter gesetzt und vor 1 Rheinl. Gulden 6 Pfennig inkl. 6 Pfennig so ins Kot kommt, verkauft  wurde,  habe sich der Debit  wieder gefunden, so daß jetzt gar kein Vorrat  ist, und wird, wie es von denen Stockbäumen genommen wird, den Fuhrleuten auf  Wagen und Karren geladen. Das meiste von diesem Salz würde in die Gothaischen, Weimarischen  und Eisenachschen Lande verfahren. Vor einigen Wochen wäre auch eine Probe in Tonnen nach Leipzig geschickt worden, der Transport aber nebst Tonnen und andern Unkosten wäre zu hoch gekommen.

  1. ) Das Salz wird Ein- und Ausländern im gleichen Preis als pro 1 Rheinl. Gulden verkauft über dies kriegt der Bauschreiber und der Salzwürker ein jeder 3 Pfennige, ein mehreres an Unkosten wird nicht gegeben, auch allerhand Münze dafür zwar angenommen, es muß aber auf die delairten Sorten Disagio gegeben werden.

6.) Um die Anschaffung eines beständigen  Feuerwerks zu diesen Salzwerk ist man allhier soviel, als selbiges um einen wohlfeilen Preis zu erlangen besorgt, zumal da man voraus sieht, daß das Holz im Oberland von Zeit zu Zeit teurer wird. Zu dem Ende sollen Steinkohlen aufgesucht werden, wozu sich auch zwei Gelegenheiten gefunden, die eine ist bei  Mertendorf 2 Stunden von Kösen im Amt Schulpforta gelegen, allwo Borlach auf Kosten des Königs  schürft, die andere ist in einem weißenfeldischen Städtchen, allwo ein alter verfallener Stollen aufgeräumt wird, unter andern die Herzöge von Weißenfels und Weimar selbst 50 Kuxe mit halten, würde auch jetzt in letztern Herzogtum nach Sole geschürft und gebohrt. Sonst habe schließlich bei gehaltenen Nachforschungen erfahren, daß

7.) ein Wettiner Bergmann, Vogel genannt sich bei denen Arternschen Salzbedienten vor 8 Tagen  angegeben und versprochen, ihnen zum Salzsieden eine Stunde von Artern Steinkohlen zu verschaffen, weil aber Borlach nicht zu Hause, so wäre er noch mit keiner Resolution versehen, da nun der Wettinsche Bergmann Vogel nicht weg gewesen, so vermutet, daß es der gewesene Steiger Vogel  zu Weißendorf oder dessen Söhne einer sein müßte.

Kösen, den 3. Februar

Ob ich mich zwar vorgenommen, heute meinen Rückweg nach Halle über Mertendorf allwo Kohle geschürft wird und Kötschau zu nehmen, da mir aber der mitgenommene Fuhrmann nicht nur krank sondern auch die Wege zu passiren jetzt nicht möglich, so habe meine  Resolution ändern müssen, inzwischen aber von einem zu Mertendorf arbeitenden Bergmann vernommen, daß in  selbiger Gegend eine braune Kohle, wovon er mir ein Stück zustellte, zu Tage anstünde und 5 Ellen mächtig befunden worden. Unter und über der Kohle wäre weißer Letten, das übrige Gebirge aber über und unter dem Bett wäre Sand, jetzt würde ein Schacht, so ins Fallende  abgeteuft, derselbe müßte bis auf  die Kohlen 10 Lachter abgesunken werden. 9 Lachter wären sie damit durch bunten Sand nieder, Wasser wäre auch nicht dabei...“

 

  1. Mär. Vorladung der Wenzelschen Gläubiger (WER D 34 1/4254).

Das waren der Floßmeister G. Harti, dessen Ehefrau, die Witwe des ehemaligen Holzvorstehers von Merseburg, die Witwe des Floßmeisters Wenzel, der Licentiat J. Fr. List und der Commissarius J. G. Borlach. Doch jeder brachte gute Gründe  für die Nichtteilnahme vor, so daß der Termin verschoben wurde, zunächst auf den 13. Mai, dann auf den 05. Juni, den  27. Juni und letztlich auf den 14. August 1738. Dann blieb die Angelegenheit bis zum Jahr 1762 liegen.

 

  1. Mär. Gutachten Borlachs zur Verpachtung des Gasthofs (WER D 34 Anh.1/3118).

„E. Kgl. Maj. haben am 18ten verwichenen Monats allergnädigst befohlen, ich sollte überlegen, wie die Sache wegen fernerweiter Verpachtung und Nutzung des Gasthofs zu Kösen, welchen denselben zum Behuf der Salz-Coctur, daselbst kaufen zu lassen, resolviert sind, einzurichten sein möchte und darüber alleruntertänigsten Bericht zu erstatten. Solchen allergnädigsten Befehl nach finde ich als erstes am Nötigsten, daß er nur an eine andere Person verpachtet werde, es wird sich, wenn es bei Zeiten bekannt gemacht wird und alles bei dem Gasthof bleibt, was der dermalige Pächter gehabt hat, wohl jemand finden, der aber so viel Pacht gibt, als dieser getan hat und daher werde ich nachher sehen was zur Verbesserung desselben vorzunehmen steht und worinnen er künftig mehr tragen kann. Ob und wie dieses geschehen  soll, beruht auf E. Kgl. Maj. Allergnäd. Befehl..“

 

  1. Mär. Mitteilung des Kriegs und Domänenrates Freiherr von Schomberg (WER F 12 Nr. 2/1)

Bei seinem Aufenthalt in Kösen schrieb er. „Es hat sich auf dem Salzwerk zu Sulza 2 Stunden von Kösen ein Künstler namens Schwarze  eingefunden, welcher aus geringer Sole reiche Sole und aus wenigen viel Salz machen will, vermeint einen Niederschlag zu haben und das wilde Wasser von der Sole zu scheiden. Man will dabei großen Zweifel haben und ich für mich glaube es am allerwenigsten, denn ich bin vorher  an verschiedenen Orten bei solchen Proben mit gewesen und habe es gesehen, auch für mich selbst mit Schaden etwas erfahren und bin bald müde davon weiter etwas zu hören, ich nehme mir auch nicht einmal die Mühe nach Sulza zu gehen und es mir anzusehen, ungeachtet ich dazu invitirt worden. Der Inventor machst alles auf seine eigenen Kosten. Es ist nach seiner Veranstaltung soviel abzusehen, daß es auf Prof. Lehmanns Invention hinaus läuft. Unterdessen bitte mir vertraute Nachricht zu geben, was denn der gedachte Schwarte, welcher sich von Halle oder selbiger Gegend herschreibt, für ein Wundertier sei, ich vermeine, wenn er eine solche  Kunst besessen, er wäre nach Sulza nicht gekommen.

Die hiesigen Salzwerks-Bedienten meinen, die Borlachs wollen 1½ Stunde von hier zu Mertendorf  Steinkohlen graben, haben Schächte und Stollen angefangen, haben aber zur Zeit  nichts als eine schwarze  Kohlenerde etwa 1 Lachter mächtig, welche Schwefel aber kein Pech hat und ich bin der Meinung, daß sie schwerlich gute Kohle  finden möchten. Ich habe endlich soviel erfahren, daß ich weiß, wie das Gebirge beschaffen sein muß, wo man Steinkohle suchen will. Unterdessen ist es schade um das schöne Geld so darauf verwendet wird...“

 

  1. Apr. Anzeige der Zschackwitzschen Erben (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1080)

Die hatten auch in diesem Jahr 5 Stämme gepfändet, weshalb sich die Flößer bei der Kammer zu Dresden beschwerten. Die forderte vom Kreishauptmann und Schulinspektor Berlepsch, vom Oberaufseher der Saaleflöße v. Schönberg und vom Floßmeister Hartig eine Stellungnahme. Die Beamten erklärten, dass eine weitere Belastung der Flößer nicht hinnehmbar sei, auch wenn diese bislang den Zschackwitzschen Erben ein Anbindegeld gegeben hätten. Bereits 1717 während des Wiederkaufvertrages war es  beim Anbindegeld, dass mit dem Schulenamt vereinbart war, zu Streitigkeiten gekommen, und die Flößer hätten mit der Verlegung des Holzmarktes nach Camburg gedroht. Der Schaden für die Staatskasse wäre in Anbetracht der geflößten Hölzer beträchtlich gewesen. Nach Martinis Angaben wurden 1735 656 Flöße, 654 im Jahr 1736 und 682 im laufenden Jahr gezählt, die 5% des Warenwertes als Zoll in bar oder natura entrichteten. Dazu kamen das Saalecker Geleit, das Rechengeld und 40 Gulden Anbindegeld für das Schulamt. Daraufhin wurde dem Schulamt am 12. Dezember befohlen „Die Zackwitzschen Erben sind abzuweisen, die Flößer jedoch anzuhalten, nur noch an den Schulengrundstücken anzulegen.“

Den Erben wurde die Abweisung mitgeteilt, verbunden mit der Aufstellung der vom Schulamt erhobenen Bearbeitungs- und Portokosten von 10 Gulden. Deren Beitreibung erwies sich als schwierig, weil sich die Erben vor allem die Tochter Dorothea Sophia, inzwischen in Naumburg verheiratete Beßler, standhaft weigerten. 

 

  1. Apr. Beschwerde des Schulamtes (WER Rep. D, Pforta II 2582).

Weil die Vermessung und die Bewertung der  Weinberge auf sich warten ließ, beschwerten sich die Pächter beim Kammerkollegium. Das Schulamt lastete die Verzögerung dem Bauverwalter Hofmann an. Dieser habe den Pächtern die Vermessung  überlassen, was die zu ihren Gunsten ausnutzten. Außerdem wäre eine Taxierung schwierig, so dass man den durchschnittlichen Ertrag der letzten sechs Jahren ermitteln mußte, was sehr zeitaufwändig war.

 

  1. Mai Befehl des Kurfürsten an Borlach (WER D 34 Anh. 1/3118).

Das Schulamt hatte den Befehl, die Gasthofpacht öffentlich anzuschlagen und Borlach sollte sich unter den Pachtinteressenten eine „tüchtige Person, welche den Gasthof nach den bisherigen Locarium  für das kommende Jahr pachten soll“ auswählen.

 

  1. Juni Erklärung der kursächsischen Floßbeamten (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Auf die Frage der Kammer, wie man dem Brennholzmangel in den unteren Saalegegenden abhelfen könnte, wurde empfohlen „alle Mittel und Wege zu unternehmen, um auf der oberen  Saale ebenso wie die herzogl. Teilhaber eine Privatflöße neben der Commun-Flöße einzurichten“.

 

  1. Juli Schlägerei im Gasthof zwischen Chr. Reuter und Salzsiedern (WER D 34 I Nr. 4833)

 

  1. Juli Reglement zur Einlagerung von Bier (WER D 34 Anh. 3 Nr. 64)

„..und sollte gleich wie denen Einwohnern zu Kösen, wohl auch denen Arbeitern in den Salzkoten, auch außer(halb) dem Schulen-Gasthof gebrautes Bier zu eigener Notdurft und ad usum domesticum (häuslichen Gebrauch) einzulegen, jedoch nur bis auf weitere Verordnung unbenommen bleiben. Also ist denenselben das Verzapfen und Verschenken kannenweise nur (.) bei erhöhter auch bei Gefängnis-Strafe nochmals  zu untersagen..“

Demnach durfte die Einwohernschaft Bier für den Eigenverbrauch von außerhalb beziehen, eine Abgabe an Dritte stand unter Strafe, das blieb dem Gasthofpächter vorbehalten. Neben auswärtigen Bier kam der überwiegende Teil aus dem Hartungschen Brauhaus, dessen Braurecht sich auf die Einwohnerschaft von Kösen beschränkte. Allerdings nutzten die Einwohner jede sich bietende Möglichkeit, durch den Ausschank an Dritte ein Zubrot zu verdienen, was zu ständigen Differenzen mit dem Pächter und dem Schulamt einerseits und der Saline bzw. dem Floßamt anderseits führte. 

 

  1. Sep. Auflistung der Einwohnerschaft (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3121)

Beim Aufbau des Salzwerkes hatten sich zahlreiche Auswärtige im Dorf niedergelassen, deren Herkunft bei den Schulbeamten Besorgnis erweckte. Zur Abwehr von „fahrenden Volk und Gesindel“ befahl der Schulverwalter dem Landrichter Chemnitzer die Legitimationen der  Hauswirte und ihrer Hausgenossen zu kontrollieren.

„Nachdem von E. Hochedelgeborenen dem Herrn Kammer-Kommissionsrat und Amtmann zu Pforta Heinrich Jacob Spindler ich, Endes unterschriebener Amts-Landrichter gütigst befehligt worden, mich nach der Verordnung  alsofort nach Kösen zu verfügen, und allda weil bei dem Amt verschiedene Nachrichten eingelaufen, welchergestalt in oberwähnten Amts-Dorf Kösen verschiedene verdächtige Leute sich eingeschlichen und aufzuhalten pflegen mit Zuziehung der dasigen Gerichte und des Amts-Frohns sämtliche Häuser allda zu examinieren, was ein jeder von den Hausgenossen sind, wie sie heißen, wo sie her und was Profession sie  sind, wie lange sie sich  in Kösen aufgehalten, wovon sie sich ernähren, ob sie vom Amte richtige  Einzugsscheine erhalten  oder ob sie sonst von jemand andern zum Einziehen Vergünstigung  haben, genau zu untersuchen, pflichtgemäß aufzuzeichnen und davon zum Amt glaubhafte Nachricht zu melden. Als habe mich dahin begeben und mit Zuziehung  der dasigen Gerichte und des Amts-Frohns hoher Anordnung zufolge die Examination derer in dem Amts-Dorf Kösen befindlichen  Häuser laut beigeschlossenen Spezifikation darinnen sowohl die eigentümlichen Besitzer derer Wohnhäuser, als auch die Hausgenossen angemerkt, folgendergestalt bewerkstelligt

1.)  Johann Christian Holstein, Richter, brennt Branntwein und macht eigentlich Schänke.

  1. ) Moritz Wagner, ein Salzsieder, darinnen der Hr. Floßgegenschreiber Cunis allein wohnt

3.) Johann Christian Matthesius, der Sattler nährt sich von seinem Handwerk. Hausgenossen L. Starcke, ein Schneider, wohnt 4 Wochen in Kösen, ernährt sich von seinem Handwerk.

4.) Johann Salomon Hämmerling, ein Bäcker ernährt sich von seinem Handwerk.

5.) Hans Adam Broller, ein Tagelöhner bei dem Salzwerk- Hausgenossen Katharina Hegelin des pförtnischen Müllers Adam Hegels Eheweib, nebst ihrer Tochter. Johann Arnold Götze nebst seinem Eheweib, beide von Roßleben, allbereits 2 Jahre in Kösen, ernährt sich bei dem Salzwerk. Einen Einzugsschein von hiesigen Amt hat er nicht und sagt, er habe bei seinem Einzug  den Hr. Commissarius  Borlach gefragt, der ihm zur Antwort gegeben, weil er auf  dem Salzwerk arbeitet, hätte es nicht nötig, sich im Amte zu melden.

6.)Christian Gause, ein Tagelöhner, keine Hausgenossen.“

Das waren die  Häuser an der Heerstraße, heute Lindenstraße 14, 16, 18, 20, 21, 22).

7.) Christoph Reichmeister, Maurer nährt sich von seinem Handwerk. Hausgenossen: Rosina Knöche, eines Bergmanns Witwe, bei Gera gebürtig hat 7 Jahre in Kösen gewohnt, ernährt sich  vom Scheitausziehen, Waschen und Spinnen. Ihren Mann habe der Herr Commissarius Borlach  angenommen. Sie hätte sich damals darum nicht gekümmert, ihr Mann wäre gestorben und sie wisse von keinem Einzugsschein. In des Maurers Reichmeisters Haus halten sich etliche Maurer-Gesellen auf, die jetzt an der Kunst arbeiten und als ich Reichmeister hierüber befragte, erhielt ich zur Antwort, diese Mauergesellen könnten als Hausgenossen nicht angesehen werden, er stünde vor ihnen.

8.) Hans Georg Feistkorn, ein Pumper auf dem Salzwerk, keine Hausgenossen

9.) Lorenz Triebel ein Fleischer, davon er sich ernährt, keine Hausgenossen

10.) Christian Schröter, ein Maurer und brennt Branntwein. Hausgenossen Hans Michael Schaugans, vor dieser Zeit in Niedermöllern wohnhaft hat  vin anno 1725 an in Kösen gewohnt ist ein Pumper bei dem Salzwerk und nährt sich davon, zeigt einen Einzugsschein mit der Sign. Kösen, den 24 Juni 1725, die Wenzelschen Gerichte daselbst, Johann Friedrich List, daselbst. Hans Heinrich Seboth, ein Schuster, gebürtig aus Kloster Walkenriedt am Harz, wohnt 2 Jahre in Kösen, nährt sich von seinem Handwerk und präsentiert einen von hiesigen Ate richtigen Einzugs-Schein

11.) Andreas Hilpert, ein Bergmann arbeitet jetzt nicht auf dem Werk sondern brennt Branntwein und macht eigentlich Schänke.  Hausgenossen Hans Michael Stein ein Schuster von Staßfurth, wohnt ein halbes Jahr in Kösen, nährt sich von  seinem Handwerk und kann  einen Einzugs-Schein nicht präsentieren sondern gibt an, es habe der Hr. Commissarius Borlach ihm heißen einziehen. Er wollte schon selbst mit dem Herrn Kammer-Kommissions-Rat und Amtmann seinetwegen sprechen. Gabriel Geißig, ein bergmnann von Ilmenau hat solange das Werk steht  in Kösen gewohnt, nährt sich vom Salzwerk und hat keinen Einzugssschein. Melchior Seyffarths  pförtischen Bäckers Eheweib, zeigt einen von hiesigen Amt erhaltenen Einzugs-Schein dato den 25. Juni 1737, Christian Hagel, ein Schlosser von Roßlau gebürtig, ist noch nicht eingezogen, der Hauswirt Hilpert hat indessen erhaltenen Einzugs-Schein vom 24. Sept. 1738 vorgezeigt.

12.) Meister Andreas Thieme, eine Zimmermann nährt sich von seinem Handwerk und brennt Branntwein, keine Hausgenossen.

13.) Christian Puffendorf, ein Bäcker nährt sich von seinem Handwerk und Scheit aussetzen. Hausgenossen Hans Michel Becker aus Dorndorf gebürtig, sonsten bei dem Hr. Commissarius Borlach Kutscher, ein Pumper auf dem Salzwerk, hat von Anfang des Werkes in Kösen gewohnt und kann keinen Einzugs-Scheinvom Amt präsentieren. Christoph Lange ein Tagelöhner, seit  sechs Jahren in Kösen, keinen Einzugssschein. Johann Friedrich Ebling von Freckstädt gebürtig, ein Bergmann nährt sich von  Salzwerk und hat von Amts keinen Einzugs-Schein, gibt an, als er hierher gezogen habe er einen Schein vom Hr. Comm. Borlach bekommen.

14.) Rosina Nicolai nährt sich von Strumpfstricken, dazu sie sich einen Gesellen Friedrich Wolcke aus Lißdorf hält, keine Hausgenossen.

15.) Johann Schröter wohnt in Lengefeld, Hausgenossen: Michel Wehner, gebürtig aus Naumburg  ein Böttcher, 5 Jahre in Kösen, nährt sich von seinem Handwerk und einen Einzugs-Schein von hiesigen Amt habe er nicht, indem er dieserhalben niemals befragt worden, habe auch vor drei Jahren eine Baustätte angenommen, die er zu bauen angefangen, daher er keinen Einzugs-Schein nötig. Christian Weiße in Kösen geboren, ein Tagelöhner bei dem Salzwerk hat keinen Einzugs-Schein weil er ein Kösener Kind sei.

16.) Hans Peter Otto, ein Tagelöhner, keine Hausgenossen

Auf der linken Seite des Lengfelder Fahrweges folgte noch das Anwesen der Floßmeisterin, dass aber ebenso wie das Borlachsche Anwesen nicht geprüft wurde. 

17.) Christoph Reise, ein Tagelöhner bei dem Salzwerk. Hausgenossen: Jacob Schneider sonsten Hufschmied in Kösen, hat ein halbes Jahr in diesem Haus gewohnt, nährt sich, da er keine Schmiede, als Tagelöhner auf dem Salzwerk, hat keinen Einzugs-Schein.

18.)  Andreas Beyer, ein Tagelöhner, kein Hausgenosse.

19.) Johann Christoph Reise, ein Zimmergeselle bei dem Salzwerk: Hausgenossen: Andreas Weise  in Kösen geboren, ein Hopfenhändler.

20.) Johann Michel Gräfe wohnt jetzt in Darnstädt, hat jetzt seinen Sohn Christoph Gräfe in dieses Haus gesetzt, der gebürtig von Löbschütz, in Kösen 1 ½ Jahre  wohnhaft, ein Tagelöhner bei dem Salzwerk, hat keinen Einzugs-Schein.

21.) Christian Richter,  ein Schneider, ernährt sich von seinen Handwerk, kein Hausgenossen.

22.) Gottfried Wilhelm Bürger, ein Müller, darinnen er nicht selbst wohnt. Hausgenossen: August Könnicke, ein Tischler, gebürtig von Spergau bei Merseburg, 9 Jahre in Kösen, nährt sich von seinem Handwerk, einen Einzugs-Schein hab er nicht, er wäre, als er aus dem Arrest aus der Pforte gekommen, sei er wieder nach Kösen gezogen, es habe ihn niemand dieserwegen einigen Anspruch gemacht, und wenn er einen haben müßte, wollte er sich davon nicht ausschließen

23.)Michael Weißgerber, ein Kunstwärterauf dem Salzwerk: Hausgenossen Christian Wolff aus dem Brandenburgischen ein Zimmergeselle, arbeitet auf dem alten Schacht und nährt sich davon, hat keinen Einzugs-Schein.

24.) Hans Georg Kühn, ein Bergmann, der zu dem Werk den benötigten Ton gräbt, kein Hausgenosse.

25.) Christian Beyer, ein Scheitumschläger bei der Flöße, davon er sich nährt: Hausgenosse Friedrich Francke von Großgottern, ein Tagelöhner wohnt drei Jahre in Kösen, hat keinen Einzugs-Schein

26.) Nicolaus Rose, ein Schneider davon er sich nährt: Hausgenossen Hans Georg Kühn, Nicolaus Roses Schwiegersohn von Bottendorf gebürtig, ein Bergmann bei dem Salzwerk davon er sich nährt. Einen Einzugs-Schein habe er nicht, brauche auch keinen, weil er allhier gebürtig.

27.) Hans Thieme, ein Tagelöhner auf dem Salzwerk, kein Hausgenosse.

28.) Johann Adam Broller, ein Tagelöhner bei dem Salzwerk, kein Hausgenosse.

29.) Johann Samuel Blaubach, ein Zimmergeselle der auf dem Salzwerk arbeitet, kein Hausgenosse.

30.) Christoph Zedel, ein Zimmergeselle arbeitet auf dem Werk. Hausgenossen: Hans Andreas Beyer in Kösen geboren, ein Tagelöhner bei dem Salzwerk, davon er sich nährt, hat keinen Einzugs-Schein, Johann Christian Bilicke von Ober Schmon, 1 Jahr 3 Monate in Kösen wohnhaft ein Strumpfwirker davon er sich ernährt, präsentiert einen Einzugs-Schein  vom 24. April 1737.

31.) Christoph Deustleben, ein Tagelöhner auf dem Salzwerk. Einen Hausgenossen habe er nicht außer einen Maurergesellen, der an der Kunst mit arbeitet und als ein Hausgenosse nicht angesehen wäre.“

Das waren die Häuser am Lengefelder Fahrweg (Borlachstraße) allerdings ohne das Borlachssche Anwesen, dessen Hausstand nicht kontrolliert wurde, da er Amtsperson war.

Es folgten drei private Wohnhäuser in Alt-Kösen (Loreleypromenade 7, An der Brücke 2, NaumburgerStr. 2) 

32.) In des Herrn Floßmeisters Hartig über dem Rechen liegenden Häusern sind als Hausgenossen: Heinrich Mösezahl von Flemmingen gebürtig, ein Pumper bei dem Salzwerk davon er sich nährt, wohnt von Anfang des Salzwerks in Kösen, hat keinen Einzugs-Schein, Christian Rauschner aus Naumburg gebürtig ein Tagelöhner, wohnt 9 Jahre in Kösen und hat keinen Einzugsschein. Georg  Grasse aus Oppburg, Braumeister allda 6 Jahre in Kösen hat keinen Einzugsschein. Heinrich Böhme von Hassenhausen, ein Salzsieder war nicht einheimisch sondern von Hr. Floßmeister verschickt. Christoph Öhme, ein Zimmergeselle der sich seit  Ostern in diesen Häusern mit aufgehalten, ist von Gotha gebürtig hat keinen Einzugs-Schein, entgegnet, er bliebe nicht ständig in Kösen. Gottfried Dehne von Burkersroda, ein Pumper bei dem Salzwerk  1 ½  Jahre in Kösen, präsentiert einen richtigen, vom hiesigen Amt erhaltenen Einzugssschein. Heinrich Böhme, der Salzlader, gebürtig aus Mertendorf, hat lange Zeit in Kösen gewohnt, auch vormals als Floßbote gedient, kann keinen Einzugs-Schein vorweisen

33.) Hr. M. Mölckern von Goseck, hat das Backhaus, darin Johan Gottfried Theuring als Bäcker  wohnt, gebürtig von Osterfeld, hat keinen Einzugsschein und wohnt auch sonsten niemand in diesem Hause.

34.) Christian Heinel, Wagner, davon er sich nährt: Hausgenossen Christian Hennicke von Freiroda, 6 Jahre in Kösen, ein Salzsieder, hat keinen Einzugsschein. Hermann Heinrich Weber  aus dem Amte Apolda, 9 Wochen in Köse , ein Schneider zeigt einen von hiesigen Amt richtigen Einzugs-Schein. Georg Heyne von Lachstädt, 9 Wochen in Kösen, ein Pumper davon er sich nährt, hat keinen Einzugs-Schein, gibt vor,  er wäre in Kösen nicht wohnhaft und seine Frau wohne in Lachstädt, er arbeite hier und bliebe bloß über Nacht bei dem Wagner, führte aber keine Wirtschaft in Kösen.

Geschehen Kösen 1. Okt. 1738 Johann Christian Chemnitzer,  Landrichter

Auf Grund dieses Berichts wurde dem Salinendirektor vom Schulamt mitgeteilt, dass nur der im Werk aufgenommen und sich hier niederlassen könne, der ordnungsgemäße Papiere seiner bisherigen Herrschaft und einen vom Schulamt ausgestellten Einzugs-Schein vorweist, Borlach wurde aufgefordert, diese Mißsstände abzustellen und die Legitimation seiner Salzwerksarbeiter zu prüfen.

Ausgenommen von dieser Kontrolle waren die Gehöfte der Amts- und Respektspersonen sowei diese darin selbst wohnten. Dazu gehörten die Borlachbüder, der Floßmeister Hartig, der Floßschreiber Martini und der Advokat und Einnehmer List.

 

      Okt. Jahresbericht der Saline (Gericke 1966)

Gesotten wurden insgesamt 19.856 Stück (23.800 Zentner). Mit dem Vorjahresbestand waren es 25.843 Stück, wovon bisher 23.661 Stück verkauft wurden. Die Einnahmen betrugen 25.029 Gulden, die Ausgaben 13.156 Gulden und somit der Gewinn 11.873 Gulden.

 

  1. Nov. Genehmigung der gräfl. schwarzburgischen Kammer (WEI B 12174).

Diese genehmigte die ungehinderte Durchflöße der von den herzogl. Floßbeamten in dem reußischen Rauschengeseeß erworbenen Scheite, die auf der Sormitz zur Loquitz und dann zur Saale gebracht wurden.

 

             Einwohnerregister  (WER D 34 Pforta 2/2642).

Diese „Specification derer in Kösen allhier befindlichen Inwohner und Haußgenossen samt Ehegatten, Kindern und anderen Zugehörigen“ hatte der Präceptor Hucke für den geistlichen Inspektor verfaßt. In seiner Auflistung finden sich auch die Hauswirte die als Amtspersonen vom Landrichter nicht kontrolliert wurde, wie der „Commissarius“ J. G. Borlach und der Floßmeister J. G. Hartig (Neu-Kösen), der Floßschreiber Martini, der Advokat J. Fr. List (Neu-Kösen), der Salz-Factor Forzheim und der Bau-Schreiber Mangolt. Nach Hucke gab es 39 Wohnhäuser, allerdings ohne das Backhaus und das Floßamt. Dazu kamen die Mühle wo J. A. Gürtler mit 9 Personen ewohnte, der Gasthof von Christoph Mose (10), die Schäferei von J. G. Zeugner (7) und die Schmiede von Meister Fuhrmann (6). Insgesamt gab es 122 Kinder, wobei der Maurermeister Schröter 7, der Bäcker Hämmerling 6 und Meister Scheuffler 5 hatten. In den anderen Familien waren es zwei bis vier Kinder.  Die Zahl der Einwohner belief sich auf 361, 128 mehr als im Jahr 1731. Das bedeutete aber auch, dass mehr Wohnraum gebraucht wurde. Daher wurden einige Parzellen am Lengefelder Fahrweg geteilt und einige Hauswirte stockten ihr Anwesen auf bzw. bauten an, so dass eine geschlossene Häuserzeile entstand. Die Vermietung insbesondere an die Arbeiter im Salzwerk war eine willkommene Nebeneinnahme.

 

             Gerichtsverfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Andreas Gürtler stand wegen ungenehmigten Schlachtens (Nr. 4165) vor Gericht, Marie Elisabeth Kühne, weil sie ein fremdes Kind angenommen hatte (Nr. 730) und der Pächter von Fränkenau Chr. Reuter hatte Elisabeth Pufendorf wegen Obstdiebstahl an der Fränkenauer Trift angezeigt (Nr. 4068).

 

  1. Dez. 7. Commun-Saalefloß-Contract (MER C 66 Anh. I Nr. 63)

In Leipzig wurde eine Flöße auf vier Jahre von 1739 bis 1742 vereinbart, wobei die übrigen Klauseln des vorherigen Vertrages unverändert blieben. Kursachsen durfte nun, wenn einer der  Teilhaber sein Kontingent nicht aufbrachte, die dadurch entstandenen Fehlmengen zum gleichen Preis von den brandenburgisch-bayreutischen und schwarzburgischen Herrschaften erwerben und abflößen.

 

1739

  1. Feb. Inbetriebnahme des Kösener Stapels (WEI B 12174).

Zunächst wurde der Platz beräumt, das Sinkholz geborgen und die Floßanlagen repariert. Nachdem die Langholzflöße zu Palmarum den Wehrdamm passiert hatten, wurde der Rechen verzogen. Am 2. Mai trafen die ersten Scheit ein.

 

  1. Mär. Scheitholznachtrieb (WEI B 12174).

Den Lohnlisten zufolge wurde am 15. März Ziegenrück, am 01. April die Hopfenmühle, am 5. April die Mündung der Loquitz, am 12. April Oberitz und am 19. April Schwarza erreicht. Dann stockte der Nachtrieb wegen Hochwassers, wobei zahlreiche Scheite über den Rudolstädter Rechen gingen und auf den Wiesen bei Etzelbach liegen blieben. Nachdem diese eingesammlt waren, erreichte der Nachtrieb am 26. Mai Rudolstadt und am 4. Juni Unterhasel, räumte dort die Aue vom ausgefluteten  Holz und erreichte erst  am 7. Juli Uhlstädt,   am 14. Juli Schöps und am 21. Juli die Raasener Mühle bei Jena.

 

  1. Mär. Verpachtung der Weinberge (WER Rep. D Pforta II 2582).

Die Erfassung der Flächen und die Ermittlung der Erträge war nun abgeschlossen. Die sich daraus errechnete Erbpacht war ansehnlich, zumal ja nun auch die Mistanfuhr entfiel. Für die schlechteren Lagen auf den Platten und im Mordtal wurde ¼ weniger verlangt. Den Pächtern wurde Steuerfreiheit zugebilligt, sie durften die Berge frei verkaufen oder vererben, waren  aber verpflichtet,  ausschließlich Wein anzubauen.

Im März erteilte die  Kammer ihr Einverständnis und  am 18. Juli berichtete das Schulamt, dass bisher 34 Vererbungsbriefe abgeschlossen und von der Kammer in Dresden genehmigt wurden. Die meisten Pächter der Weinberge  im Mordtal, den Platten und den Saalbergen waren Bauern aus Flemmingen (u. a. Judersleben, Meißner) und Roßbach (u. a. Deckerth). Aber auch etliche Naumburger Bürger und der ehemalige Amtmann von Pforte, Moßdorff, der inzwischen zum  Georgenamt gewechselt war,  waren dabei.

 

  1. Mai Legitimation der Kreutzschen Gerichte zu Kreipitzsch (St.-A. Nr. 588).

Der Gerichtsdirektor Hieronymus Gottlieb Hayn bestätigte dem Lengefelder Einwohner Johann Gottfied Härtel, dass er am 25. April 1725 getauft wurde. Seine Eltern Peter Härtel aus Lengefeld und Marie geb. Schroedter aus Hassenhausen wurden am 6. Nov. 1708 in Hassenhausen getraut.   

 

  1. Mai Erbpachtvertrag über den Schulengasthof (WER Rep. A 23, I Nr. 1, Bd. 4).

Am April hatte das Kammerkollegium den Verkauf an die Saline genehmigt und den Abschluss eines Vertrages befohlen. Der Kaufpreis betrug 6.600 Taler, die Erbpacht 330 Taler. Somit kam der  Gasthof samt Zubehör und Inventar, der  Hufschmiede, einem Garten an der kleinen Saale, 2 Acker am „Jackenberg über Kösen gelegen“, 6 Acker  hinter dem Floßhaus, 7 Acker am „Niclas-Berg“ sowie weitere  Feld- und Wiesenstücke zwischen Mühle und Heerstraße an den Salinenfiskus. Das „jus prohibendi“, das Verbietungsrecht, mit dem man im Geltungsbereich die Bewirtung, den Ausschank, das Gästesetzen, das Beherbergen und Ausspannen untersagen konnte, blieb beim Gasthof. Das Schulamt verpflichtete sich, im Amtsbereich weder einen weiteren Gasthof noch eine Schmiede zuzulassen  und auch keine weiteren Schank- und Beherbergungs-Konzessionen zu erteilen. Der Gasthof gehörte nun zum Polizeibezirk der Saline, der Pächter, sein Gesinde und die hier Einkehrendem unterlagen der Jurisdiktion des Salinendirektors. Den Vertrag unterzeichneten E. V. von Berlepsch, M. Fr. G. Freytag, J. G. Borlach und G. Ph. Pfersdorf.

Der Gasthofpächter den Borlach persönlich ausgesucht und der im Vorjahr Moses folgte war Martin Knorr.

 

  1. Juli Bericht des Bergrates Decker über das Salzwerk (WER F 14 Nr. 2/1)

„Wegen des hiesigen kursächs. Salzwerkes habe folgende Punkte in Erfahrung gebracht:

1.) waren  die beiden Salz-Brunnen annoch in ihren vorigen Wesen und kein Mangel zu spüren. Im vorigen Jahr hatte sich das oberste Gezimmer im alten Brunnen, so weit keine Sole gestanden gesetzt, welches in 14 Tagen aber ausgewechselt und repariert worden, daher dazumal ein Ruf  entstanden, als wenn der Brunnen Schaden gelitten, es wäre aber nicht an dem. Wegen dieser Auswechslung  aber hätten sie 14 Tage nicht genugsame Sole gradieren und daher auf 2 Pfannen nicht sieden können. Die unterschlächtigen Kunst-Räder sind auch in Schaufeln und auf der Stirnen erweitert, damit sie bei niedrigen Wasser gleich wie bei hohen, Dienste tun können und damit das Feld-Gestänge nicht sobald verfaulen möge, so ist es mit  Farbe angestrichen.

2.) Bei jetziger guter Witterung wurde auf allen Häusern die Sole 20 bis 24 Lot  gradiert,  auch mit allen 6 Pfannen gesotten und aus jedem Werk 38 bis 40 Stück geschlagen, worauf 2 Klafter Holz  verbrannt wurden. Es waren

3.) nicht mehr als etwa 3.200 Scheffel Salz in allen 6 Koten vorrätig und wird durch die Fuhrleute wie es gesotten, wieder weggefahren. Nach Dresden ist in diesen Jahr noch nichts gefahren, im abgewichenen Jahr aber eine Partie in Tonnen a 6 Scheffel haltend, deren Anzahl ich nicht erfahren können, gekommen und glaubt man, daß noch in diesem Jahr Order vom Hofe kommen wird, wieder Salz dahin zu liefern. Von jedem Scheffel gepackten Salz wird bis Dresden 18 Groschen Fracht  bezahlt und soll ein Stück Salz  1 bis  1 ¼  Scheffel an Gewicht haben. 

4.) Das Feuerwerk bei dieser Coctur besteht noch aus lauter Holz, es würde aber alle Jahre, auch noch in diesem Jahr 6 Groschen erhöht und kostet ein Klafter faules Holz  1 Rheinl. Gulden 22 Groschen, Bruchholz 1 Rheinl. Gulden 16 Groschen, Böttcher-Holz 3 Gulden 6 Groschen und das harte Holz 3 Gulden 6 Groschen. Dafür geben sie sich alle Mühe, Steinkohlen aufzusuchen, haben auch eine braune Kohle 2 Stunden von hier zu Mertendorf gefunden, weil sie gar leicht zerfallen, so haben sie dieselbe ganz klein gestoßen und in  Mauerziegelform daraus streichen und an der Luft trocknen, nachher eine Probe damit sieden lassen. Auf diese Art hätten sie unter der Pfanne zwar gut gebrannt, aber die Flamme nicht hoch genug davon steigen wollen. Weil nun die hiesige Orts-Pfanne zu groß und zu hoch vom Herde stünden, daher eine starke und auch hohe Flamme erforderten, so sollte künftig eine anderwärtige Probe mit kleinern Pfannen, worauf nur 6 Stück Salz zu sieden, vorgenommen und gemacht werden. Der Versuch dieser braunen Kohlen ist schon im vorigen Jahr eingestellt, dahingegen aber bei Dölitz am Berge gleich darauf  nur zum Schein und damit man auf brandenburgischer Seite  ihre wahre Intention  Sole zu suchen  nicht verraten möge, ein Versuch gemacht worden, welche Arbeit aber gleichfalls eingestellt und vor wenigen Wochen hinter Passendorf (brandenburg-preußisch) nahe bei den Häusern, Angstdorf (Angersdorf Herzogtums Sachsen-Merseburg) genannt, ein ganz neuer Schacht angefangen  worden. Derselbe ist ungefähr 8 ½ Lachter tief, sehr lang und weit, auch schon viel Wasser in selbigen erschroten und wurden bei meiner Durchreise die Wasser mit Tonnen gezogen und 3 Pumpen hinein gerichtet. Das Gestein ist blau und gelblich, schiefert flöz- und bankweise nach denen Häusern und neiget nach Zscherben zu ein. Die Kosten bezahlt S. Königl. Maj. v. Polen, welche zu diesen Aufsuchen  und Schürfen abermals aufs neue 1500 Taler verwilligt. Der Salz-Commissarius Borlach zu Kösen ist Entreprenneur daran und dirigiert diesen Bau und Anstalten, welcher auch im vorigen Sommer nach Holland, England und Schottland geschickt worden, sich nach Raffinierung des Bay-Salzes und Aufsuchung von Stein-Kohlen zu erkundigen und darinnen belehren zu lassen, zu welcher Reise ihm 2000 Taler gezahlt. Dasselbe und wie die Kösenschen Salz-Bedienten sagen, in Sachsen kein Geld gespart wird, Salz-Quellen und Stein-Kohlen zu entdecken. 

Notandum: Ein besonderer und guter Mann hat mir allhier zu Kösen vertraut, daß das Schürfen zu Passendorf nicht die wahre Absicht hätte, Stein-oder Braun-Kohlen zu suchen, deren sie sonst, wenn es nicht zu weit wäre, schon zu Beuchlitz (Herzogtum Sachsen-Merseburg) kriegen könnten, sondern die wahre Absicht wäre dahin gerichtet, eine Ader von denen halleschen Salz-Quellen entweder mit dem Abteufen zu durchsinken oder wenn mit dem Schachte wegen Wasser nicht weiter zu kommen, mit Bohren, welches alles  dazu parat steht, zu treffen.

5.) Von Erweiterung dieser Coctur habe nichts erfahren, es stünde aber darauf, daß noch ein  großes Gradier-Haus aufgebaut werden sollte, es wird

6.) das Salz noch zum vorigen Preis a 1 Rheinl. Gulden 2 Groschen allen wer es verlangt  verkauft, und hat ein Stück Salz  2 Berlinische Scheffel und auch wohl 2 bis 3 Metzen mehr, der Borlach aber arbeitet daran, selbiges noch geringer um ca. 1 Rheinl. Gulden zu verlassen. Die Zahlung  dafür muß in lauter guten französischen Gold- oder Silber oder aber in Sächsischen Gelde bestehen.“

 

  1. Aug. Abschluss der Scheitholzflöße (WEI B 12174)

Laut den Abrechnungszetteln wurden 27.000 Klafter ausgezogen und auf Stapel gesetzt. Das Gros waren gute harte und weiche 7/4 ellige Scheite, dazu Faulholz, Klöppel und Stücken, die von den kursächsischen Beamten J. H. v. Schönfeld und G. Hartig von den herzogl. Floßbeamten Chr. Hochhausen, J. G. Tietz und J. V. Stophel übernommen wurden.

 

              Errichtung eines zweiten Gewölbekellers am Lengefelder Fahrweg.

  1. G. Borlach legte 1734 unter dem vom Floßmeister Hartig erworbenen Kelter ein geräumiges Kellergewölbe an, worauf der Schlußstein mit der Jahreszahl hinweist.

Hier lagerte er neben Bier für seinen Hausstand auch den Wein, vom Nikolausberg ein, dessen Ertrag sich dank guter Düngung wesentlich erhöhte. Den Mist lieferte das „Neue Haus“ das Borlach gegenüber seinem bisherigen Domizil errichtete. Das Gehöft bestand aus dem Wohnhaus, in das Borlach mit seinem Bruder und dem Gesinde zog, Stallung und Scheune. Das Futter für die Kutschpferde und das übrige Vieh kam von den Äckern am Äbtischen Holz und am Jochenberg, die Borlach ebenfalls vom Floßmeister Hartig erworben hatte.

 

1740   

  1. Apr. Einrichtung des Stapels (WEI B 12174/12175)

Der Nachtrieb der Commun-Flöße begann am 25. April am Saalburger Wehr, erreichte am 30. April Walsburg, bevor es über die Mündung des Posewitzer Bachs nach Fischersdorf ging. Dort wurden die Verhaue an der Loquitz gezogen und die davor liegenden Scheite in die Stromsaale gelassen. Über Schwarza ging es bis zu den Rudolstädter Katzenlöchern, wo Niedrigwasser eine fünfwöchige Unterbrechung erzwang. Erst am 28. August wurde Catharinenau erreicht, am 2. August Weißen, am 6. August Naschhausen, am 13. August Maua, am 20. August Dornburg,  am 27. August Heringen und am 31. August der Kösener Rechen. 

 

  1. Mai Antrag der Sophia Juliana Hartig (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898)

Diese bat beim Schulamt um einige Quadratruten Land, um ihren Teichgarten am Lengefelder Fahrweg mit einer Mauer zu umgeben.  Zur Begründung gab sie an, dass sich Fischotter aus der der Saale bis hierher wagten und die Fische „biß auf die letzte Grete gebißen und gefreßen“ hätten. Nach Besichtigung der Örtlichkeit stimmten die Schulbeamten einer Verpachtung zu. Weil  es sich um einen sumpfigen und daher nutzlosen Flecken  handelte, verlangte die Floßmeisterin eine Pachtermäßigung. Das Schulamt fragte daraufhin beim Kammerkollegium an und am 21. September lehnte Johann Georg von Wichmannshausen eine ermäßigung ab..

 

  1. Juli Bericht des Bergrates Decker (WER F 14 Nr. 2/2)

„E. Hochwohlgeb. Hochgelehrte haben mir unterm 21. Juni commitirt, auf den Kösener Peter-Pauls-Holz-Markt mich zugleich nach denen Umständen derer sächs. Salz-Cocturen und deren Erweiterungen zu erkundigen, nicht weniger Nachricht einzuziehen, was für neue Kohlen-Werke seit meiner letzteren Anwesenheit daselbst etwa  aufgenommen worden, wer solche baut und was für Hoffnung sich davon zu machen.

Nachdem ich nun Gelegenheit gefunden, mit einigen Floß- und Salzwerks Bediensten in Diskurs und auf diese Materie zu kommen, einen daselbst wohnenden und zu dergleichen Sachen vielmals adhibirten Bergmann auch anher geschickt, was es mit dem Schürfen nach Steinkohlen für Bewandnis habe, sich zu erkundigen, auch selbst mit ihm in aller Stille des Abend am 2ten als ein Festtag einfiel, mit ihm nach Eckartsberga gereist und den Stollen des Nachts befahren lassen, so habe dieses Mal nachfolgendes in Erfahrung gebracht und zwar:

1.) So sollen die sächs. Salz-Cocturen zu Kösen und Artern (.) nach der Angabe Borlachs  vorerst nicht weiter extendirt werden, weil das Feuerwerk an Holz gar sehr abnehme und daher zu besorgen wäre, daß wenn sie keine Stein-Kohlen-Feuerung kriegten die jetzigen gangbaren Pfannen auf beiden Cocturen zum Teil abgehen müßten. Daher wäre

2.) dem Borlach von der königl. Kammer Order aus Dresden gegeben worden, Steinkohlen oder Torf aufzusuchen, es koste auch was und wieviel es wolle, der Hof zu Dresden zahlt dazu die Gelder, soviel als  erfordern würde, willig und gerne und sei

a.) zu Mertendorf eine braune Kohle welche 1 Lachter mächtig unter der Dammerde läge aber zum Salzsieden nicht gebraucht werden könnte, daher die Arbeit verlassen und alles stehen blieben.

b.) zu Eckartsberga wird der Bau mit einem Stollen und Such-Örtern auf einen getroffenen Kohlen-Trumm, so ein auch zwei Zoll mächtig, fortgesetzt, diese Kohlen sind auch nicht zu gebrauchen, weil sie keine Force haben, sind sie auch zu niedrig und daher zu kostbar. Sie haben aber ein gutes festes Dach, das Liegende hingegen ist blaues, brüchiges Gestein, unter welchen vielleicht Hoffnung sein möchte, bessere und höhere Kohlen anzutreffen. Dieses Kohlen-Trumm schießt mit dem Berg sehr stark ein, wird aber nicht mächtiger und da nunmehr sich auch Wasser ergeben und denen Gewerken bekannt sein  muß, daß man im Liegenden kaum noch Kohlen finden und antreffen könne, so vermute, daß diese Arbeit auch bald eingestellt werden dürfte.  

c.) Mit Zwickauer Kohlen ist auch ein Versuch und Probesieden gemacht, ob nun wohl diese Kohlen gut, so wäre die damit gemachte Probe doch nicht profitabel ausgefallen, weil die jetzigen großen Herde auf keine Steinkohle  aptirt und die Transport-Kosten zu hoch kämen.

d.) So wäre etwa 3 Stunden von Kösen eine Torf-Erde gefunden, es soll aber dieselbe nur so spatenhoch stehen, den Ort aber habe wegen eines vorgekommenen besonderen Umstandes (.)  diesesmal nicht erfahren können.

e.) dergleichen Torf im Gothaischen in großer Menge sich finden auch Steinkohlen gesucht worden, man ist aber auch daselbst bemüht Sole anzutreffen nach welcher jetzt geschürft würde, selbst aber dahin zu reisen, habe ich in Ermangelung  der Order nicht vornehmen wollen. Sonst ist

f.) noch an vielen Orten um Kösen und Artern herum nach Kohlen  geschürft aber nichts weiter damit getroffen worden, diesernach so habe schon

4.) Zum abgewichenen Jahr die sämtlichen Forst- und Floß-Bedienten welche mit dieser Königl.- Kur- und Fürstl. Communion-Holz-Lieferung und Flöße eigentlich zu tun haben Commission gehabt, einen Überschlag zu machen, auf wie viele Jahre man sich noch verstehen könnte, daß die 35 bis 40.000 Klafter Holz, welche jetzt noch aus denen fürstl. gothaischen, weimarischen, eisenachschen, hildburghausenschen und schwarzburgischen Waldungen zur Communion-Saalen-Flöße geliefert werden, noch continuiren möchte, da denn diese Commission nach geschehener reiflichen Überlegungen und Besichtigung der Waldungen, nicht mehr als ungefähr eine Zeit von 12 Jahren determinirt hätten, weil durch die starke Bau- und Scheitholz-Lieferung, die Berge sehr abgetrieben, ingleichen durch die große Trockenheit und Absterbung der Bäume vieles Holz  ruiniert worden. Da nun Kursachsen von der Communion-Holz-Flöße der 35 bis 40.000 Klafter  Holz (welche wegen vielen oder wenigen Wasser steigend oder fallend ist) jährlich mehr nicht als  12.000 Klafter bekommt, welche folgendergestalt repartiret werden a.) zum Kösener Salzwerk 3000 Klafter, nach Weißenfels 3000 Klafter, nach Merseburg 3000 Klafter, die hallische Pfännerschaft 3000 Klafter.

So ist von der kurfürstl. Kammer aus Dresden  an die Floßbedienten die Order ergangen, vor allen Dingen dahin zu sorgen und zu sehen, daß dem Kösenschen Salzwerk die Feuerung durch anderweitige Contracte nicht entzogen würde und sollten die hallischen Pfännerschaft, wenn ihr 3jähriger Contract zu Ende so weit dies 1740 geschehen würde, weiter kein Floß-Holz überlassen werden, weil in Dresden bekannt, daß sie lauter Stein-Kohlen-Feuerung gebrauchten, das Scheitholz aber mit Profit verkaufen, es haben aber die Floß-Bedienten dagegen vorgestellt, daß die Lieferung der 3000 Klafter noch wohl nach verflossenen Contract auf ein Jahr an die Pfännerschaft geschehen könnte.“

Dieser Bericht und die folgenden gingen nun an das Geheime Kabinett des preußischen Königs Friedrch II.

 

  1. Aug. J. Gottlieb Borlach wird zum Bergrat ernannt (DD Spezialreskripte).

Die Ernennung zum Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Bergrat durch Friedrich August III. erfolgte nach seiner Rückkehr von einer Studienreise nach Holland und England, wo  Borlach intensiv die Verwendung von Steinkohle und die dortigen Feuerungsanlagen studierte.

 

  1. Sep. Streit wegen des Mahllohns (WER D 34 Anh. 2 Nr. 1619)

Die Bauern aus Hassenhausen weigerten sich den Mahllohn zu zahlen, weil der Müller die Mühlsteine so eingerichtet hatte, dass sich weniger Mehl, dafür aber mehr Mahlreste ergaben, die er laut Vertrag behalten durfte und offensichtlich gewinnbringend verkaufte.  Daher wandten sie sich an die Dresdner Kammer mit der Bitte, dass die  „unternommener Excesse, Bevortheilungen und anderer Ungebührnisse“ des Kösener Pachtmüller Gürtler abgestellt werden und hatten den Advokaten Dr. Karl Ferdinand Zschoche als Rechtbeistand hinzu gezogen.

Da die Schulbeamten sich nur recht schwammig äußerten, befahl die Kammer dem Hofrat Dr. Heinrich Christoph Schüßler, der bereits mit der Wenzelschen Angelegenheit befasst war, die Sache zu begutachten. Der stellte fest, dass in den kursächsischen Mühlenordnungen  (Saale-1568, Schwarze Elster-1561, Unstrut-1653) keine Angaben über die Rinnen in den Mühlsteinen sowie wegen des Mahlgeldes enthalten waren. Daraufhin ordnete die Kammer an, den derzeitigen Zustand bis zum Pachtende zu belassen, bei einer neuen Zeitpacht zu berücksichtigen und den Müller und die Bauern zu einem Vergleich zu bewegen. Gürtler jedoch beharrte auf die Zahlung des Mahllohn in der bisher vereinbarten Höhe.

 

  1. Okt. Abschluss der Scheitholzflöße (WEI. B 12175)

Nach der Jahreszusammenstellung wurden insgesamt 31.000 Klafter ausgeschleppt. 2.339 Klafter verblieben auf dem Stapel, alles andere wurde wieder eingeworfen.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2)

Der Mühlknappe Johann Andreas Berger stand wegen Diebstahls vor Gericht, Christian Pufendorff, Vorarbeiter beim  Stapel wegen „Verwahrlosung mit Feuer“(Nr. 4075).

 

1741

  1. Jan. Pachtantrag des Müllers Johann Christoph Jünger (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1619)

Erneut hatten sich die Hassenhausener Bauern bei der Kammer über Gürtler beschwert und gleichzeitig den Schulbeamten vorgeworfen, sie würden dem Müller Vorteile gewähren, wie die Anfuhr von Stammholz aus  den Hechendorfer Wäldern. Über Gürtler äußerten sie „daß derjenige nur um die Veränderung seines Standes zu zeigen, fast nackend und bloß in miserabeliger Kleidung zu Fuß nach Kösen kommend, anhero aber wie ein vornehmer Mann mit den Seinigen in schicker Kleidung  und nicht mehr zu Fuß einher geht und zwei Pferde hat, die bisher kein Müller hatte und infolge der vermehrten Bevölkerung durch die Salzcoctur auch einen starken Branntweinschank betreibt...“  

Dazu erklärte der Schul- und General-Akzise-Inspektor Carl Moßdorff, dass die Kösener „Bank-Bäcker und Brenner“ 1739 576 Scheffel und 1740 577 Scheffel Weizen, Gerste und Malz zum Backen und Brennen von der Mühle bezogen hätten.

In Anbetracht der Differenzen teilte Gürtler der Kammer mit, dass er die Mühle bei Pachtende verlassen wird. Bis dahin sollten ihm das verweigerte Mahlgeld verschafft werden.

Darazufhin befahl die Kammer dem Schulamt, die Mühle meistbietend anzuschlagen. Am 1. Juli meldete der Schulinspektor Berlepsch dass Christian Heidenreich aus Mertendorf 400 Gulden, Elias Pfeifer  420 Gulden, Hans Christian Jünger aus Burgheßler 420 Gulden und die Gemeinde Hassenhausen 430 Gulden geboten hätten. Letztere habe das Gebot auf 525 Gulden erhöht. Die Kammer erklärte, dass die Mühle nur an einen Privatmann verpachtet wird, worauf Jünger 530 Gulden bot und den Pachvertag auf sechs Jahre bis 1747 bekam. Die Kaution wurde auf 400 Gulden zu 5% Zins festgelegt.

  

  1. Jan. Schreiben Borlachs an das Schulamt (WER Pforta II Nr. 941).

Borlach verlangte Aufklärung über die Rechtsverhältnisse am Wehrdamm. Grund dafür war der ständige Streit mit dem Mühlenpächter, dem Floßamt und der Schule. Das betraf einmal die Kosten für den Wehraufsatz, der bei Niedrigwasser für den Betrieb der Kunsträder der Saline und der Mühlen unbedingt erforderlich war und den Unterhalt des Dammes. Die Landesschule erklärte, daß die Schäden von der Flöße verursacht würden und die Saline als Hauptnutznießer sich an den Kosten beteiligen muss.

 

  1. Mär Besetzung des Stapels (WEI B 12176).

Im März und im April kamen erst 850 Klafter an, denn nach einem langen Winter mit starken Eisgang fiel das Wasser rapide. Der Nachtrieb begann daher erst am 04. Juni und erreichte am 10. Juli Burgk. Für die Strecke von Ziegenrück über Wilhelmsdorf, Fischersdorf und Remschütz bis zur Mündung der Schwarza brauchte man zwar nur eine Woche, doch dann gab es wieder eine längere Unterbrechung. Erst am 11. September ging es weiter und am 28. Oktober erreichte der Nachtrieb Kösen.

 

  1. Aug. Bericht des Kriegs- und Domänenrates Freiherr v. Schomberg (WER F 14 Nr. 2/2)

„Es haben mir E. Hochlöbl. Collegium bei letzt gewesener Naumburger Peter-Pauli-Messe aufgetragen, die Kösener Salz-Werke zu bereisen und davon nach eingezogener Nachricht Rapport  abzustatten.

1.) Wie denn aus gewisser Hand die völlige Nachricht eingezogen, ob man gleichwohl vermutet gewesen,  daß in diesem Jahr noch ein Kot, sowohl ein Gradier-Haus gebaut werden sollen, der Bergrat Borlach auf sich die äußerste Mühe bei dem sächsischen Hofe gegeben, solches zu erlangen, dem ungeachtet, unter dem Vorwand der jetzigen Kriegs-Troublen abgeschlagen und sich eines künftigen Jahr ferner zu melden, verwiesen worden.

2.) Ist ein Vorschlag gewesen, auch bereits mit dem Köthenschen Fürsten  correspondirt worden, daß mit dem Kösenschen Salzwerk dem Dorf vor Schortewitz (bei Zörbig) zu contrahiren und in solchen Vorschlag  gekommen, es sollten die Fuhrleute, welche das Salz allda in Fässer gepackt und nach Torgau fahren, per retour  über solches Dorf zu gehen. Da aber die hallesche Pfännerschaft zuvor einen Contract dieserwegen geschlossen, so ist solches ad interim unterblieben, unterdessen hat

3.) der Hr. Bergrat Borlach, wie bereits bekannt sein wird, seit vielen Jahren an allen Orten eingeschlagen, also auch in diesen Jahr Steinkohlen zu erschürfen verhofft, aber bis dato, wie von einem guten Freunde die genaueste Nachricht erhalten, nichts erschürften können, außer das zu Mertendorf eine Art von braunen Kohlen sich hervor getan, welche nun zwar von keiner  erforderlichen Güte sein sollen, so ist derselbe  darauf gefallen, solche zu vermischen und in Form eines Mauer-Steins zu verfertigen, wovon bereits ein Stück übergeben und nach Hofe überschickt worden, da nun gerne auch dem Modum, wie solche braune Kohle  praeparirt würde, Nachricht erhalten, so habe solches mit  großer Mühe erfahren, denn zwei besondere Leute, welche  solche praepariren, dazu verpflichtet sein, daß sehr schwer dazu zu kommen. Es werden nämlich 3 Teile solcher Mertendorfer Kohle klein und naß gemacht, mit einem Teil Leim und etwas kurz gehackten Haferstroh untereinander getreten, damit daselbe ein Gehältnis bekommt, alsdann in bereits ermeldten Form eines viereckigen Ziegels-Steines gemacht und alsdann getrocknet wovon ein besonderer Effekt gefaßt wird.

Da wir nun im hiesigen Bezirk von dergleichen  und noch bessere Arten Braun-Kohlen so wohl im Pfänner-Schießgraben, Pritzschen (?) und dergleichen sich findet, so  sollte dafür halten, ob nicht auf die Art ein Versuch getan werden könnte und damit das Stein-Kohlen-Werk  verlängert werde.

4.) haben die im vorigen Winter und Frühjahr gehabten starken Gewässer großen Schaden an etlichen Orten (.) angefangen, so das das Stangenwerk in Gefahr gewesen, woran aber täglich stark an der Reparatur gearbeitet wird. Übrigens ist

5.) bei den Koten nichts veränderliches vorgefallen und  ist bei meinem Dasein weilen der gute Winde, vieles gradiert und nicht allein der Aussage nach, sondern auch auf die Wagen sogleich  geladen und abgegangen, in allen Koten gesotten worden und wenig Salz vorrätig.

6.) Zugleich ist mir versichert  worden, daß wirklich Sole zwischen Passendorf und Zscherben gefunden, solche  aber durch das viele wilde Wasser so auf einmal zugeflossen, vertrieben worden auch nunmehr angefangen werden soll, die Schächte aufzugeben.“

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des Zschackwitzschen Weinberges (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3540)

Diesmal beantragte die Witwe des Hauptmanns Kühn die Zwangsversteigerung, um ihren Schuldbrief einzulösen. Doch inzwischen hatten sich die Zschackwitzschen Erben dahingehend geeinigt „weil der über Kösen gelegene Weinberg, als wenig nützlich und vorteilhaft, allermaßen derselbe meistenteils wüst und öde und daher starker Vorschuß zum Wiederaufbau und Urbarmnachung bedurfte ihren jeweiligen Erbanteil der Miterbin Dorothea Sophia Besser, geb, Zschackwitz für insgesamt für 530 Gulden zu verkaufen.

Über den weiteren Verlauf findet sich in den Amtsakten nichts mehr, da die Erwerberin inzwischen in Naumburg wohnte und daher das dortige Amtsgericht zuständig war.

 

  1. Dez. Einstellung des Kösener Stapels (WEI B 12176).

Nach der abschließenden Spezifikation verblieben am Kösener Stapel 2.535 Klafter als Reserve für das kommende Jahr, weitere 242 Klafter waren zum Verkauf vor Ort bestimmt, das Salzwerk erhielt 3.514 Klafter, die Schule 472. Bei Roßbach wurden 518 Klafter ausgeschleppt, in Weißenfels 1.155, in Burgwerben 172, in Merseburg 1.220 und bis Halle kamen noch  6.505 Klafter.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Verhandelt wurden Differenzen zwischen dem Hans Peter Otto, Neu-Kösen und der Familie von Kreutz zu Kreipitzsch.  

 

1742     

              „Charta der an der Saale und Unstrut unter Chur-sächsischer Hoheit gelegenen Ämter“ .

Borlach hatte im Auftrag des Kammerkollegiums die Ämter Weißensee, Sachsenburg, Artern, Allstädt, Freyburg, Eckartsberga, Schulpforta, Naumburg, Weißenfels, Lauchstädt, Merseburg, Lützen und Schkeuditz bereist und an verschiedenen Orten nach Steinkohlen und Steinsalzlagern eingeschlagen. Im Ergebnis dessen überzeugte er das Kammerkollegium, dass man in der Gegend um das Rittergut Keuschberg im Stift Merseburg, unweit der Salinen von Teuditz bzw. Keuschberg direkt an der Saale, am ehesten auf Steinsalz- bzw- Solequellen treffen könnten, worauf ihm die Mittel für die Abteufung eines Suchschachtes am „Dürren Berge“ bewilligt wurden. Allerdings sollte es 20 Jahre dauern, bis er auf die erhoffte  Solequelle stieß.  

 

  1. Apr. S. J. Hartig kauft das Nachbargrundstück vom Teichgarten (WER D/II/2301)

Verkäufer waren die Erben Peter Ottos (heute Borlachstr. 42)

 

  1. Juni Friedrich Anton v. Heynitz wird Praktikant auf der Kösener Saline (Vita Heynitz).

Heynitz, geb. am 14. Mai 1725 auf Gut Dröschkau bei Torgau war der Sohn eines  kursächsischen Hofrats und Inspektors der Landesschule Meißen. Seine Mutter war eine geborene von Hardenberg, Schwester des späteren Direktors der kursächsischen Staatsalinen H. U. E. v. Hardenberg  und somit die Tante  von Novalis. Heynitz besuchte die Landesschule Pforte. Sein halbjähriges Praktikum diente der Vorbereitung seines Studiums des Berg-, Hütten- und Salinenwesens. 

 

  1. Aug. Schreiben der Floßmeisterin an den Kurfürsten (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898)

Erneut verlangte sie eine Pachtminderung zumal auch die Landesschule durch ihre Fischteiche  eine Vorteil habe, denn dadurch würde der Grasertrag der Mühlenwiese höher ausfallen.  Außerdem hätte ihr Ehemann erhebliche Einbußen erlitten, weil das Gestänge der oberen Radkunst über den Keller beim Brauhaus geht und dessen Nutzung einschränkt. Dem Schreiben fügte sie einen Grund-Riß des Teichgartens bei, den der Geometer Joh. Fr. Müllendorf gezeichnet hatte. Am 14. November kam dann doch noch ein Erbpachtvertrag mit der Floßmeisterin zustande. Sie zahlte 16 Groschen Erbzins, 136 Taler Kaufpreis und 3 Taler Entschädigung für den Pachtmüller, der die Fläche hergeben mußte. Allerdings sollte versucht werden, doch noch etwas mehr herauszuschlagen, doch die Pächterin weigerte sich beharrlich und der Vertrag wurde im Juli 1743 genehmigt und im Amtserbbuch eingetragen.

 

  1. Aug. Memorial des Kammer-Rates Jerichow (WER F 14 Nr. 2/2)

„Zu Keuschberg beim Dürren-Berge im Merseburgischen wird ein Versuchs-Schacht nieder gebracht, mit der Hoffnung, damit Sole zu treffen, weil dieser Ort zwischen Halle und denen beiden Salz-Werken bei Teuditz und Kötschau, jedoch bei Letztern etwas näher als Erstern  gelegen ist, mit diesem Schacht eine ansehnliche Teufe zu erreichen, soll eine Wasser-Kunst angelegt werden, wozu  aber keine hinlängliches Wasser vorhanden sei, indem das Bächlein so dazu gebraucht werden soll, öfter austrocknet.

Die Kötschauer Sole ist 2-lötig, 20.000 Stücke Salz werden allhier gemacht, ein mehreres kann nicht angeschafft werden. In der Güte hat das hallesche Salz einen merklichen Vorzug. Auf der Stelle gilt das Stück einen Thaler und an Lizenz 8 Groschen.

Gegenwärtig werden in Kösen von 4-lötiger Sole 30.000 Stück Salz gesotten. Auf der Stelle kommt ein Stück inkl. Lizenz 26 Groschen zu stehen. Die jetzige Einrichtung, sowohl als auch die Feuerung wozu 3000 Klafter Holz gebraucht werden, leiden nicht, daß das angeführte Salz-Quantum vermehrt werden könnte.

Das Teuditzer und Kötschauer Werk haben Private, das Holz wird von der Elster geliefert und kommt etwas höher als das Naumburgische Holz zu stehen.

In Artern werden 40.000 Stück Salz mit Steinkohle aus dem Stollbergischen gesotten. Ein Stück wird  pro 18 Groschen inkl. Lizenz verkauft.

Nach meinen gemachten Überschlag werden überhaupt in Sachsen an 4 mal Hunderttausend Stücke Salz gebraucht, wozu das einheimische kaum den 4ten Teil hinreichig ist und daher der Überrest von denen auswärtigen Orten genommen werden muß.“

 

  1. Sep. Abschluss der Scheitholzflöße (WEI B 12179).

Nach der Jahresrechnung wurden bei der Commun-Flöße 445 Klafter auf den Stapel in Saalfeld ausgesetzt, das schwarzburgische Rudolstadt erhielt 3.998, Camburg 1.204 und Unterneusulza 262 Klaftern. Zur Weiterflöße ab Kösen kamen insgesamt 28.000 Klafter.

 

  1. Nov. Bericht der preußischen Domänenkammer (WER F 14 Nr. 2/2)

„Auf den Kösenschen  Salzwerken waren jetzt 6 Pfannen  angelegt und würden wöchentlich bei jetziger schlechter Sole auf einer Pfanne 20 Werke gemacht und also wöchentlich 600 Stücken, das Stück Salz würde auch bei diesem Werk wie das Arternsche verkauft und war Willens solches gleichfalls auf 1 Thaler 18 Groschen zu erhöhen. An Holz und Kohlen sei auch hier kein Mangel  und würde nicht geachtet,  ob sie wenig oder viel verbrennen..“

 

              Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Andreas Hilpert wurde von der Seifensiederinnung zu Naumburg wegen Pfusch verklagt.  Johann Christoph Jünger, Mahlmüller, stand wegen Diebstahls und Johann Melchior Seyfert wegen Verleumdung vor Gericht.

 

1743

  1. Jan. Bericht des Assessors L. C. D. Erpel (WER F 14 Nr. 2/2)

„Relation von dem jetzigen Zustand des kurfürstl.-sächs. Salzwerks zu Kösen.

Zu Kösen  welches eine Stunde  von Naumburg unter dem Amte Pforte liegt sind:

1.) Zwei Brunnen deren einer 88 (176 m) der andere 92 Lachter (184 m) tief ist, selbige haben durch einen Ort Communication miteinander und wird durch ein sehr großes Wasser-Rad so auf Floßgraben angelegt ist, mittels 2 Gestängen, deren eines die wilden Wasser das andere die Sole  auf einen Turm von denen sie in Röhren auf die Gradierhäuser läuft und steigt, woselbst sie  noch dreimal durch  Menschen in die Höhe gepumpt und also gradiert wird.

2.) Die Sole ist jetzt an der Quelle nach meiner Waage 3-lötig, wird im Sommer auf  16 bis 17 Lot gradiert aber auch wohl 8-lötig und noch geringer, wie diesen Herbst geschehen, versotten

3.) Die Gradierhäuser sind eigentlich zwei, eines hat 6, das andere 5 Absätze, haben sonst separirt gestanden jetzt aber ist noch dazwischen gebaut, daß sie in 2 geraden Linien der Länge nach aneinander stoßen.

4.) Kote sind 6 und in denen jeden eine Pfanne, welche 10 Ellen lang, 9 Ellen breit und ½ Elle hoch (6,6 x 5,9 x 0,33 m)

5.) Auf ein Werk werden im Sommer in 24 Stunden 30 bis 36 Stück Salz gesotten, vor Weihnachten des abgewichenen Jahres aber, da wegen Geringhaltigkeit der Sole und des Frostes  wegen zu Sieden aufgehört, sind 28 auch 30 Stunden für 20 Stück auf ein Werk gesotten worden.

6.) In dem abgewichenen Jahr sollen, wie ich von drei differenten Personen erfahren, auf 34.000 Stück Salz gesotten worden sein.

7.) Das Feuerwerk besteht hier allein in Floß-Holz, welches auf der Saale angeflößt  wird und wird ein Klafter vor denen Koten mit 2 Gulden 18 Groschen bezahlt. Vor zwei Jahren haben sie aus kleinen Steinkohlen und Leim Kuchen an der Sonne gebacken und hernach solche mit unter dem Holz verbrannt. Es ist aber damit nicht auf die Kosten zu kommen gewesen, weswegen diese Art zu Sieden nicht continuirt worden.

8.) Zu einen Werk werden 4, 5 bis 6 Klafter Holz verbrannt, wonach die Sole gut oder gering, überhaupt ist nichts gesetzt, wieviel die Meister verbrennen dürfen oder nicht, weil sie die Sole  nach der Beschaffenheit der Witterung bald hoch bald  geringhaltig versieden müssen.

9.) Auf einer Pfanne arbeiten drei Personen, ein Meister und 2 Knechte, habe aber nicht erfahren können, was ihr Lohn ist, doch hat man mir sagen wollen, daß der Sieder- und der Pumper-Lohn, so auf den Gradier-Häusern und nach einen Kot pumpen, die Woche 5 Groschen ausmacht.

10.) Ein Stück Salz hat sonst einen richtigen Dresdener Scheffel (oder 2 Berliner) gehalten, da aber der Debit im abgewichenen Jahr so stark gewesen, daß die Fuhrleute zu ganzen Wochen auf das Salz gewartet, so hätten sie die Stücken kleiner gemacht und hätten solche drei vier, fünf  Monaten knapp ¾ Dresdener Scheffel gehalten, wie denn auch die  gegenwärtig vorrätigen 300 Stück Salz ebenso klein wären.

11.) Der Preis des Salzes ist sonst ohne zu reflectiren, wohin solches geführt worden, pro Stück 1 Taler 2 Groschen gewesen, jetzt aber seit einigen Monaten dergestalt gesetzt worden, daß in Kursachsen 1 Taler 16 Groschen,  die Sachsen aus der ernestinischen Linie und die Böhmen 1 Taler 20 Groschen pro Stück bezahlen müssen.

12.) Die Zahlung vor das Salz muß in Dukaten a 2 Taler 10 Groschen und Louisdor a 5 Taler ohne Steuersorten geschehen, da sonst alles Currente-Geld, von denen Fränkischen Fuhrleuten Batzen, angenommen  werden.

13.)Vorrat war an Salz 300 Stück, welches aber nicht recht weiß aussah, daher ich auch glaube, daß solches der Ausschuß von langer Zeit war und daß die Fuhrleute solche Stücke nicht haben wollen.

14.) Drei Wochen vor Weihnachten ist aus Mangel an gradierter Sole zu sieden aufgehört worden und  noch nicht wieder zu sieden angefangen, wird auch vor Anfang des Februar nicht wieder angefangen werden, weil keine gradierte Sole vorrätig und selbige bei der jetzigen Witterung  sich nicht gradieren läßt

15.) Da die Brunnen sehr tief und an Sole kein Mangel, man auch glaubt, daß wenn die Sole hurtiger heraus gebracht und gradiert werden könnte, nicht so viel wilde Wasser darunter kommen dürfte, als hoffen die Leute, daß wenn der Bergrat Borlach aus Polen zurück kommen würde, mehrere Gradierhäuser gebaut werden dürften.“

 

  1. Jan. Beschreibung der „Sieben Häuser“ (WER D 34 Anh. 1/4123, Altes Magdeburg L IX c)

„Zu Kösen auf dem sogenannten Niclasberge, an der Straße befinden sich sieben Baustellen, davon sind deren sechs mit Wohnhäusern bebaut und ide Besitzer sind folgende: der Richter Hollstein (Lindenstr. 14), der  Salzsiedemeister Wagner (Nr. 16), der Sattlermeister Mathesius (Nr. 18),  der Bäckermeister Hämmerling (Nr. 20), der Salzwerks-Holzknecht Broller (Nr. 21), der Taglöhner Gauße (Nr. 22). Die 7. Stelle ist noch ohne Haus und gehört dem Schulmeister Hucke. Jede Stelle ist dreißig Dresdener Ellen breit und sechzig Ellen lang oder tief, Dass dieses richtig und in der Messung also befunden wurde“ bescheinigten „allhier, Kösen, den 22. Jan. 1743 J.  G. Borlach, J. Ottomar Mangold, Christoph Reichmeister.“

 

  1. Mär. Achter Commun-Floß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten 5 Flößen für die Jahre 1743 bis 1747 zu denen jeder Teilhaber 6.000 Klafter beisteuerte.

 

  1. Mär. Klage des Müllers Gürtler gegen den Amtmann Spindler (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1619)

Gürtler verklagte Spindler auf Schadensersatz, wegen dessen Untätigkeit bei der Beitreibung des ihm zustehenden Mahlgeldes, das ihm die Hassenhausener Bauern verweigert hatten. Dazu hatte der Amtmann das Heu der Mühlenwiese, dass ihm im letzten Pachtjahr noch zustand verkauft, ihm das bewegliche Inventar der Mühle bei der Übergabe vorenthalten, ja ihm sogar mit Arrest gedroht. Außerdem hatte der Beamte die Kaution zurück gehalten.

Spindler wandte sich daher an die Kammer, die ihm befahl, sich bis auf weiteres zu enthalten und übertrug dem Hofrat Dr. Schüßler die Begutachtung der Sache. Im April 1744 lag das Gutachten vor. Gürtler bekam seine Kaution abzüglich der noch offenen Halbjahrespacht von 1741 und die Bauern von Hassenhausen wurden angewiesen, ihm das ausstehende Mahlgeld zu zahlen.

 

  1. Mai Bericht des Bergrates Decker (WER F 14 Nr. 2/2)

„Nun habe ich mich, was das Kösensche Salzwerk anbelangt, bei Einkaufung deren Holz-Materialien erkundigt und

1.) von der gradierten Sole, wie sie dazumal aus dem Gutkasten des Gradierhauses in die Siedepfanne gelassen worden, wie auch von derjenigen ungradierten Sole, wie sie aus dem Brunnen kommt und auf die Gradierhäuser getrieben wird, erhalten, auch von jeder Sorte eine Flasche allbereits eingesandt, welche Erstere nach meiner Waage 14, Letztere aber 5 Lot gewogen. Bei jetziger schlechter Witterung gradiert die 5-lötige Brunnen-Sole durch 2 bis 3 mögliche Fälle nicht über 11 bis 14 Lot, im Sommer aber auf 16 bis 18 Lot, doch wird die 16-lötige zum Versieden am besten gehalten, weil sie sich nach der ersten Aufwallung besser als 18-lötige reicher vereinigen läßt, dann aber gar zu Bälde zu Salz geht, mithin verursacht die geschwinde Veränderung und Dämpfung der Force des Feuers, einer Alteration in der Pfanne und wird schleunigst und ständiges Salz, daß sich nun anreichern läßt

2.) Wegen der vielen Aufsicht und Schildwachen vor denen Koten und Gradierhäusern nichts abmessen können noch dürfen, so ist mir auch nicht möglich gewesen, einen akkuraten Riß und Zeichnung von denen Gradierhäusern zu fertigen. Ich habe aber jemand durch Versprechung eines Honeurs dahin vermocht, daß ich nicht allein einen Abriß und Modell von einem Gradierhaus, sondern auch einen Salzkot nach den verjüngten Maßstab, daß ein Zoll im kleinen Modell für eine Elle oder 2 Fuß, die Statur dieser Gebäude en gros verstellen soll, bekommen werde, inzwischen habe beigehend einen perspektivischen Prospekt-Abriß nach dem Augenmaß, wie dieses Kösensche Salzwerk situirt gehorsamst überreichen wollen. Was

3.) die Stellung der Gradierhäuser nach dem Winde  anlangt, so müssen selbige  auf die Linie von Mittag nach Mitternacht so gestellt werden, daß die Flanken oder die langen Seiten eines solchen Gradier-Hauses gegen Morgen und Abend auf einen freien Platz stehen, damit diese Winde, weil  sie das Jahr hindurch am beständigsten sind und Austrocknen bei der Tröpfelung und Abfall der Sole durch die Dornen, die wilden oder süßen Wasser verzehren, die ganz leichte Sole aber abwehen können. Die Fronten oder Giebel aber nach Mittag und nach Mitternacht weisen, daß die Sonne,  da sie nur im Mittag eine Stunde auf die Front scheint, die übrige Zeit des Tages aber  auf beiden Flanken und langen Seiten in denen Dornen wirken und benebst der Luft mit dem Wind operiren und die Gradierung befördern können.

Jetzt wird allhier mit 4 Siedepfannen gesotten, 2 dergl. aber stehen still, weil über 3000 Stücke Salz auf denen Trocken-Böden vorrätig stehen. Die Abnahme des Salzes nach Böhmen, so im vorigen Jahr confiderabel gewesen, ist gänzlich, ins Reich aber größtenteils zurück geblieben, indem jedes Stück Salz 12 Groschen erhöht und für 1 Taler 14 Groschen  verkauft  werden müßte und ob die Salzbedienten zwar am Dresdenschen Hofe dagegen vorgestellt, daß durch diesen Aufsatz und Erhöhung des Salz-Preises der auswärtige Salz-Debit in Verfall geraten würde, und das Salz 2 Groschen herunter gesetzt, so hätten sie doch diese 2 Groschen wieder aufsetzen und das Stück a 1 Taler 14 Groschen verkaufen müssen, daher klagen die Debenti über diese Erhöhung des Salzes, die Bedienten aber über den Verfall und das ihnen von denen im Vorrat stehenden 3000 Stücken  schon 1/3  zerfallen wären und glaubten nicht, daß sie in diesem Jahr so viel und zwar 24.000 Stücke wie in dem vorigen Jahr sieden würden. Die Salzfuhren von Kösen nach Torgau und von da zu  Wasser auf der Elbe nach Dresden continuirt....“ 

Dem Bericht ist der Plan der Kösener Saline beigefügt.

 

  1. Juni Sophia Juliana Hartig pachtet ein weiteren Garten (WER Verz. 2/2301).

Damit gehörten ihr alle Parzellen am Ende des Lengefelder Fahrweges (Borlachstr. 40-43).

 

  1. Juli Meldung des Schulamts wegen der Mühlenpacht (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1619)

Der Pachtmüller Jünger war plötzlich verstorben und hinterließ sieben Kindern, von denen drei unmündig waren. Die Witwe und ihr ältester Sohn baten darum, die Mühle bis zum Ender der Pacht weiterzuführen. Der Schulinspektor erklärte sein Einverständnis „ da wieder die Personen nichts auszusetzen sei“, die Pacht bisherr regelmäßig gezahlt wurde und es keine Differenzen mit den Zwangsmahldörfern gab. Nach Klärung der Vormundschaftsverhälnisse der unmündigen Kinder und der notariellen Beglaubigung der Erbansprüche im Hinblick auf die Kaution, stimmte dann die Kammer zu.  

 

  1. Juli „Patent wegen der Floß-Holtz-Deuben bey der Saalen-Flöße“ (WER D 34 Anh. 1/715).

Dieben drohten empfindliche Strafen, wenn sie gefaßt wurden. Diejenigen, die ihre Strafe nicht in Geld leisten konnten, drohten je nach Schwere der Tat Festungsbau, Gefängnis, Pranger, Halseisen, Staupenschlägen oder Ausweisung. Damit die  Diebe eifrig verfolgt wurden, erhielten  die Gerichtsherren neben den üblichen Gebühren auch die Hälfte der den Missetätern auferlegten Geldstrafe. Die andere Hälfte kam in die Floßkasse. 

 

  1. Okt. Ende der Scheitholzflöße (WEI B 12179).

In den 24 Wochen in denen der Stapel in Betrieb war, wurden 29.000 Klafter umgeschlagen. 

 

  1. Nov. Versteigerung des Braunschen Weinberges (WER, Rep. D II Nr. 2582).

Für den an der Windlücke gelegenen verwahrlosten Weinberg hatte der Advokat Johann Friedrich List als Mindestgebot 100 Gulden und eine Erbpacht von 1 Gulden, 6 Groschen veranschlagt. Zur Licitation bot der Floßschreiber Emanuel Martini 101 Gulden und erhielt den Zuschlag.

 

               Haustrauung des Advokaten Dr. Johann Friedrich List (WER D 34/2/2799).

Der frühere Wenzelsche Gerichtsherr ehelichte in zweiter Ehe Christiana Magdalena Müller. Sein Sohn aus erster Ehe, Johann Samuel, ebenfalls Advokat, war ab 1755 für das Schulamt  tätig.  

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh, 1/2).

Christoph Kotsch wurde wegen Diebstahls angeklagt (Nr. 4871) und Melchior Seyfert wegen Beleidigung (Nr. 4869).

 

1744

      Mär.  Abrechnung von Lieferungen für den Scheitholzstapel  (WEI. B 12180).

Martin Knorr, der Pächter des Salinengasthof hatte Getränke für die Arbeiter des Nachtriebes geliefert und diese der „Commun-Floßkasse in Rechnung gestellt.

 

  1. Juni Anweisung an die Amtsdörfer (WER II Nr.864).

Ein Hochwasser hatte den Weg zur Mühle beschädigt, worauf Amtmann Gutbier den Gerichtsperonen der Dörfer auf dem Kreis befahl, für die Instandsetzung 8 Karren samt Handführer zu stellen. Die 13 Dorfrichter quittierten zwar den Befehl, die dem Mahlzwang unterworfenen Dörfer verweigerten den Dienst und die Ortsrichter von Nieder- und Obermöllern sowie Pomnitz erklärten, dass sie bereits den Weg nach Fränkenau instand gesetzt und damit ihre Straßenfron erfüllt hätten. Als der Amtmann auf den Befehl bestand und Strafe androhte, beschwerten sich die Dorfrichter beim  Kammerkollegium.

 

  1. Juli Bericht des Joh. L. Hofmann (Altes Magdeburger LXI c Nr. 172, Anh. 1 Nr. 860)

Der ehemalige Bauverwalter der Schule erklärte, dass er vor längerer Zeit auf Anweisung der Schulbeamten zwei Bauplätze links der Saale neben der Brücke für die Bäckermeister Chr. Hollstein und Joh. G. Theuerling ausgemessen habe und zwar so, dass diese Häuser weder den Zugang zum Floßhaus, die vorbeiführende Landstraße und den Fahrweg zur Mühle einengen oder versperren würden. Zwischen beiden wäre genügend Platz, so dass bei starken Niederschlägen das Wasser vom Fränkenauer Hohlweg ungehindert zur Saale abfließen könne.  Während Theuerling hier sein Haus mit Backstube baute (An der Brücke 2), lehnte Hollstein ab und der Floßmeister Hartig bewrb sich um den Bauplatz, um hier ein neues Brauhaus zu errichten.

 

  1. Aug. Pachtbrief für Joh. G. Teuerling (WER D 34 Anh. 1/4123)

Als Hartig keine Konzession für das Brauhaus erhielt, pachtete Theuerling auch diesen Platz „zur Erbauung eines Wohnhauses und zu einem Flecken Hof 14 Ellen in die Breite und 38 Ellen in die Länge …) daß dadurch (.) weder der ordentlichen Fahr- u. Land-Straße noch dem zur Mühle gehenden Fahrwege an der vorhandene Breite etwas entzogen werde“ Dieses zweite Anwesen wurde 1845 von der Thüringer Eisenbahn AG für den Bau der Bahntrasse erworben und das Haus abgerissen

 

  1. Sep. Antrag Borlachs beim Kammerkollegium (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2521)

Es fehlte inzwischen an Arbeitern und Handwerker, da keine Bauplätze vorhanden waren. Borlach schlug dem Kammerkollegium vor, das Feld zwischen dem Floßamt und den „Sieben Häusern“, das zur Gasthofpacht gehörte, zu parzellieren und an Bauwillige zu verpachten. Als Ersatz sollte die Landesschule dem Gasthofpächter andere Flächen in der Nähe des Gasthofes überlassen. Daraufhin sollte der Schulinspektor  prüfen, ob die Bauplätze  „an den Mann gebracht und angebauet“ und dem Gasthof Ersatzflächen zur Verfügung gestellt werden können. Der lehnte ab und verwies darauf, dass Borlach dem Gasthofpächter den Teil des  Salinengeländes verpachten könne, der derzeit nicht gebraucht würde. Dann könnte das Schulamt das Feld parzellieren und verpachten.  Dem schloß sich das Kammerkollegium an und der Amtsaktuar Georg Heinrich Rausch überbrachte Borlach persönlich die Antwort. Borlach ging aber nicht auf den Vorschlag des Schulamtes ein, so daß es in den nächsten Jahrzehnten bei der derzeitigen Bebauung blieb.

 

  1. Dez. Jahresbericht über die Scheitholzflöße (WEI B 12180).

Das kurfürstliche  Kammerkollegium hatte am 15. Januar der herzogl. Kammer zu Weimar mitgeteilt, dass der Floßgegenschreiber Wilhelm Albert Cunis 3.000 Gulden Vorschuss  für den Holzeinschlag erhalten und der herzogliche Oberfloßaufseher der Saalenflöße, Holzhausen  den Einschlag angeordnet habe. Insgesamt betraf das 10.773 Klafter, 6.500 Klft. für die Communflöße, der Rest war als Küchenholz für Jena und Dornburg gedacht.

Am 23. Dez. 1743 wurden aus Zella 880 Klafter zum Einwurf gemeldet, je zur Hälfte für Sachsen-Weimar und Sachsen-Altenburg. Der Klafter kostete 23 Groschen, 10 Groschen zahlbar beim Einschlag, 7 Groschen nach der Anfuhr an die Sammelstelle und 6 Groschen beim Einwerfen. Weitere 300 Klafter lagen in Dörflas, 500 in Weitersdorf und 440 in Rauschengeseeß.

Bereits im Oktober 1743 begannen 16 Helfer die Floßgerinne und Bäche an den gräfl. bayreuthischen Einwurfplätzen zu beräumen, im März mit einsetzenden Tauwetter waren es 20 Helfer. Am 16. März wurdenn die ersten Scheite in die Loquitz eingeworfen, die am 18 April an der Mündung bei Eichicht eintrafen und zunächst vor dem Rechen lagen. Nach den Anrechnungsunterlagen wurden in der 1. Woche der Abtrift auf der Loquitz 109 Einwohner aus Ludwigstadt, Ottendorf, Lauenstein, Zella und Steinbach aufgeboten, denen 47 Taler, 23 Groschen, 8 Pfennige gezahlt wurden. Der Tagelohn betrug demnach 4 Groschen pro Helfer unabhängig vom Alter und Geschlecht. In der  2. Woche waren es 331 Helfer, die 113 Taler kosteten, in der 3. Woche 462 Einwohner aus  Neuhüttendorf und Ebersdorf und in der vierten Woche 144 aus Ober-und Unterloquitz, Arnsbach, Schaderthal und Eichicht.

Die Abgeltung der Schäden an Uferwiesen und die Ausfälle der Besitzer der Mühlen und Hämmer entlang der Loquitz kostete der „Commun Flöße“ 132 Taler.

Als am 20. April ein Hochwasser drohte, wurden die Scheite ausgeschleppt, was natürlich erhebliche Kosten verursachte.  Erst am 9. Juni begann der reguläre Nachtrieb der Commun-Flöße auf der Saale. Der erreichte am 13. Juni Fischersdorf, am 20. Juni Roschwitz, am 27. Juni das Göritzer Wehr, am 01. Juli Schwarza, am 01. Aug. die Rudolstädter Brücke, am 08. Aug. die Uhlstädter Brücke, am 15. Aug. Schöps, am 22. Aug. Jena, am 29. Aug. das Wehr bei Kunitz, am 5. Sept. die Dornburger Papiermühle, am 12. Sept. Kaatschen und am 16. Sept. Großheringen.

Ab 23. März wurde der Kösener Stapel vorbereitet, Ausbesserung des Rechens und die Beräumung des Scheitbaches. Am 31. März trafen die  ersten Scheite ein und wurden am oberen Holzplatz ausgeschleppt.  Ab dem 13. April waren am Stapel sämtlichen Ausschleppkolonnen tätig, alle nach dem Vorarbeiter benannt (Schacke, Hahnemann, A. Beyer, Puffendorf, Gräfe, Büchner, Filtz, Sträuber, Glocke, Francke, Graul, Weineck, M. Schmidt). Die Aufsicht am Rechen und am Scheitbach hatten die Kolonnen von Sachse und Schäufler.

Nach der Jahresrechnung verblieben auf den herzoglichen Stapeln Saalfeld 322 Klafter, Jena  170, Camburg 265 und Unterneusulza 1.108 Klaftern. Der Kösener Stapel meldete am 17. Juni 3.790, am 3 Juli 4.489, am 4. Sept. 3.584, am 17. Dez. 2.008 und am 18. Dez. 8.325 Klafter zur Weiterflöße. 259 Klafter kamen zur Landesschule und 1.799 Klafter zur Saline. Insgesamt waren es  über 24.000 Klafter.       

 

           Trauung des Floßschreibers J. Levin Ulrich mit Johanna Rosenhayn (WER D 34/1/2180).

Sein Anwesen zwischen der großen und der kleinen Brücke befand sich direkt gegenüber dem Stapelplatz an der kleinen Saale. Nach seiner Pensionierung zog hier sein Nachfolger Emanuel Martini mit seiner Familie ein. Das alte Floßamt (Naumburger Str. 1) gehörte inzwischen dem Advokat und Einnehmer Johann Friedrich List.        

 

1745

  1. Jan. Anweisung an das Schulamt (WER Rep D Pforta II Nr. 864).

Die Beschwerde der Dorfrichter wegen des Frondienstes am Mühlenweg hatte Erfolg und der   Amtmann wurde darauf hingewiesen, dass es hierfür keine Rechtsgrundlage gibt.

 

  1. Juli Schankgenehmigung für die Saalhäuser (WER Rep. A 23 I, Nr. 11 Bd.1).

Da der Besitzer der Saalhäuser zur Naumburger Gerichtsbarkeit und somit nicht zur Amtsgerichtsbarkeit der Schule gehörte, hatte er eine Konzession selbst angebauten Wein auszuschenkenund durfte, wie der Pächter des Fischhauses, während der Holzmesse Flößer und Holzhändler bewirten und beherbergen. Beide Pächter unterliefen diese Einschränkung und schenkten fremdes „eingeschlepptes“ Bier aus. Der Gasthofpächter sah sich hier in seinem Privilegien beeinträchtigt und verlangte vom Salinendirektorat das ihm zustehende Verbietungsrecht durchzusetzen. Die wandten sich an das Schulamt, als zuständigen Gerichtsherrn des Fischhauspächters, doch diese duldeten im Interesse ihres Pächters die Verstöße und schoben die Durchsetzung des „jus prohibendi“ auf die lange Bank.

 

              Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Floßschreiber Johann Levin Ulrich wurde von der Tuchmacherinnung zu Naumburg wegen verboteten Tuchhandels angeklagt (1/834). Außerdem klagte der Schmied Johann Ernst Schneider wegen ausstehender Entlohnung. Susanna Maria Herbst verklagte den Gasthofpächter Knorr wegen Beleidigung (Nr. 4189)

 

1746

  1. Mär. Beginn der Scheitholzflöße (WEI Floßsachen B 12181).

Dieses Jahr war ein verlustreiches Jahr für die „Commun-Flöße“. Zwar begann der Nachtrieb auf der Loquitz planmäßig am 30. März.  Doch dann trat die Saale über die Ufer. Nach dem Ablaufen des Wassers begannen am 2. Mai zahlreiche Helfer mit dem Aufsammeln der ausgefluteten Scheite. Nach bevor die Weiterflöße erfolgen konnte, fiel das Wasser und eine Abflöße erwies sich als undurchführbar. Bereits am 13. Juni erklärte der Floßgegenschreiber Cunis, dass eine einigermaßen geordnete Flöße nicht mehr möglich sei. Bis zum 1. Juli kamen lediglich 4.881 Klafter in Kösen an.  Am 21. September schlug der Floßschreiber in Anbetracht der Jahreszeit vor, das ankommende Holz durchzulassen und im Nachgang die auf den saaleabwärts gelegenen Stapeln ausgesetzten Mengen zu erfassen. Dem wurde zugestimmt und der Commun-Nachtrieb begann am 20. September und erreichte Kösen am 10. Dezember. Dabei war die Holzverteilung war völlig durcheinander geraten. In Schwarza bei Blankenburg lagen noch fast 3.000 Klafter aus den schwarzburgischen Verträgen die für Kösen bestimmt waren. In Rudolstadt waren es 1.840 Klafter, in Jena 1.850, in Camburg 1.200 und in Unterneusulza 1.400 Klafter, überall mehr als im Verteilerschlüssel vorgesehen. Die Überbestände versuchte man vor Ort zu verkaufen. Im  Januar 1747 kamen 2.570 Klafter zur Weiterflöße nach Halle, darunter 38 Klafter, die durch das Frühjahrshochwasser vom Stapel mitgerissen wurden und die man auf den Uferwiesen zwischen den Saalhäusern und Merseburg zusammengesucht hatte. Lediglich der Bedarf der Saline und das Deputat von Pforte konnten im vollen Umfang  gesichert werden.

Für die Arbeiter am Stapel bedeutete das einen erheblichen Verdienstausfall und aus Mangel an anderen Verdienstmöglichkeiten, litten die Familien bittere Not, wovon auch die übrige Einwohnerschaft nicht verschont wurde.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1 Nr. 5122).

Johann Gottfried Triebel stand wegen Ehebruch vor Gericht.

 

1747

  1. Mär. Memorandum des Floßmeisters G. Hartig (WEI Floßwesen B 12181).

Wegen der noch aus der Vorjahresflöße offenen Mengen sollte erneut eine Durchflöße erfolgen, und nur die auf dem Kösener Stapel verbleibenden Mengen ausgezogen werden. Alles Übrige ging über den Wehrdamm und wurde dann von den Floßbeamten auf den saaleabwärts liegenden Stapeln vermessen.

 

  1. Apr. Beginn des Nachtriebes (WEI. B 12182).

Preußische Truppenbewegungen (1. Schlesischer Krieg) und Hochwasser verzögerten die Flöße, so dass der Nachtrieb erst am 12. Oktober am Kösener Stapel eintraf.

 

  1. Juli Ende der Mühlenpacht der Jüngerschen Erben (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1619)

Nach dem öffentlichen Anschlag ging die Pacht von 1747 bis 1753 an Christoph Siele, dem Schwiegersohn der Witwe Jünger. Die Pacht betrug 566 Gulden (495 Taler) und die Kaution 400 Gulden (350 Taler). Außerdem wurde der Mahllohn für die Zwangsdörfer um 6 Pfennige für den Scheffel erhöht.

 

  1. Dez. Treffen der Floßbeamten (WEI Floßsachen).

Wegen der verlustreichen Flöße in den letzten beiden Jahren vereinbarten sie die Erhöhung der Beiträge zur „Commun“- Floßkasse. Vorbehaltlich der Zustimmung der Regenten sollte Kursachsen 3.580 Gulden und die Herzogtümern jeweils 1.500 Gulden zahlen.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Andreas Thieme stand wegen ungebührlicher Reden (Nr. 5125) und Dorthea Rebel wegen Ehebruchs (Nr. 4956) vor Gericht.

 

1748

  1. Mär. Klage des Advokaten J. Fr. List gegen S. Juliana Hartig (WER D 34 Anh. 1 Nr. 5023)

Als die Floßmeisterin ihren Teichgarten dem Floßschreiber Martini verkaufen wollte, erhob  List Widerspruch, weil ihm, entgegen der 1728 getroffenen Vereinbarung mit dem Floßmeister nicht das Vorkaufsrecht eingeräumt wurde. Schon der Verkauf des Gartens unter den Eheleuten Hartig wäre unzulässig, zumal der Kaufpreis von 150 Gulden weit unter Wert lag. 

 

  1. Mär. Bittschreiben des Floßgegenschreibers W. A. Cunis (WEI. Floßwesen 12183).

Wegen des kalten Winters bat er den Floßmeister um einen Vorschuss zum Kauf von Feuerholz.

 

  1. Apr. Beginn der Scheitholzflöße an der Loquitz (WEI B 12183).

Am 11. Mai lagen die Scheite vor den Rechen an der Mündung in die Stromsaale. Der Nachtrieb der in Saalburg begann, erreichte am 25. Mai Kaulsdorf, am 1. Juni Oberitz, am 8. Juni Saalfeld, am 15. Juni Schwarza und am 22. Juni Rudolstadt. Dann folgte eine Zwangspause wegen Hochwassers. Weitere vier Wochen brauchte man für das Einsammeln der auf die Wiesen liegengebliebenen Scheite. Dann ging es bis Porstendorf, wo es wegen Hochwassers wieder eine Unterbrechung gab. Erneut geriet die Holzverteilung durcheinander. In Saalfeld blieben 786 Klafter liegen, in Rudolstadt  6.264, in Camburg 2.317, und in Unterneusulza 1.520 Klafter, was nicht mehr abgeflößt werden konnte.  Der Kösener Stapel war vom 1. April bis 21. Dezember besetzt. Am 27. Juni kamen 5.727 Klafter zu Abflöße nach Halle, am 19. Juli 1.890, am 3. August 4.433, am 2. Oktober 5.357 und am 31. Oktober 579 Klafter. 

 

  1. Aug. Neunter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 66 Anh. 1 Nr. 63)

Zur Leipziger Neujahrsmesse einigten sich die Floßbeamten auf die Konditionen für einen neuen Vertrag auf vier Flößen bis 1751, dem die Kammer-Kollegien einvernehmlich zustimmten.

 

  1. Aug. Zwischenbericht des Floßschreibers (WEI Floßwesen Nr. 12183).

Cunis meldete das Eintreffen großer Mengen an Scheitholz, die sich vor dem Rechen stauten.  Er rechnete mit drei Wochen Arbeit bis das Holz aufgestapelt und abgenommen werden kann. Für die Entlohnung der Arbeiter beantragte er einen Vorgriff aus der Verlagskasse.

 

  1. Sep. Die Saline erwirbt das Brauhaus (WER D 34 Anh. 1/2886, Anh. 3 Nr. 64).

Floßmeister Hartig verkaufte das Brauhaus am Wehrdamm für 500 Gulden. Damit wurden die Differenzen wegen der Schankrechte im Dorf Kösen beendet und die Salinenarbeiter und die übrigen Einwohner von Alt- und Neu-Kösen sollten nun ihre getränke ausschließlich aus dem Brauhaus des Gasthofes beziehen. Um den bisher praktizierten Ausschank in den „Winkelschenken“ unter Kontrolle zu bringen, wurde dem Gasthofpächter  die Vergabe von „Afterschankpachten“ erlaubt. Die Afterpächter waren zunächst die Bäcker, die sich verpflichten mußten, kein fremdes Bier „einzuschleppen und zu verschenken“. Der Gasthofpächter hatte dadurch einen zusätzlichen Ertrag, war aber angehalten, ein gutes und bezahlbares Bier zu brauen und den  Braumeister nur mit Genehmigung der Salinendirektion einzustellen oder zu entlassen.

Um den  Gasthof in „bessere Aufnahme“ zu bringen, errichtete J. G. Borlach neben dem Brauhaus eine Malzdarre, wie er sie auf seiner Englandreise kennengelernt hatte. Die  Kapazität des Brauhauses wurde erweitert, und die Getränke für die Einwohner von Neu-Kösen in den von J.  H. Borlach unter dem Lengefelder Fahrweg angelegt Gewölbe eingelagert (Borlachstr. 5).

 

  1. Sep. Anordnung der Kammer zum Rechtsstreit um den Teichgarten (WER D 34 1/5023).

Auf Anfrage des Schulamtes, wie man sich verhalten solle, wurde angeordnet, dass List`s Klage abzuweisen sei. Der Verkauf kam dann doch nicht zustande, denn 1752 war das Grundstück nachweislich noch im Besitz der Floßmeisterin.

 

  1. Sep. Bericht des Assessors von Bosse (WER F 14 Nr. 2/2)

„Die Sole  so zum behuf dieser Coctur aus zweien tiefen Salz-Brunnen, wovon der tiefste 100 und der andere 94 Lachter  tief sind, ist nur 2 bis 2  ½ Lot schwer. Welche aber auf die  befindlichen 2 großen Gradier-Häsuer bis auf 14 und 16 Lot gradiert und unter 12 Lot nicht versotten wird. Da nun die Kunst-Räder hier nicht einfrieren (.) indem mit Feuer solches erfordert wird, auch dadurch  die Sole zur Winterszeit in der Gradierhäuser Solekästen geleitet werden kann, so ist man auf die Invention gefallen, daß bei Frost die Eisscherben so von wilden Wasser sich von der Sole so lange abstreifen, daß die gute Sole die niemals friert, allein bleibt und so gut als die gradierte Sole versotten werden kann und wird diesfalls mit denen 6 befindlichen Pfannen, das ganze Jahr  durch ausgewirkt, bei nassen  und dunstigen Wetter gesotten und ein Quantum von  24.000 Stück gesotten werden muß. Zu einem Werke um so in 12 Stück besteht und die eben soviel  Stunden  bei starker Feuerung  fertig wird, werden pro Werk 2 ¾ Klafter  Holz gerechnet, wovon  1 Klafter  3 Taler zu stehen kommt. Ein Stück dieses Salzes wird a 1 Taler 4 Groschen  gegen gute  Münzsorten verkauft.

Der Debit geht eigentlich nach Thüringen, Lausitz, Vogtland und denen übrigen nahe gelegegen  Provinzen da denn der Entlegenheit wegen noch pro Stück  1 Groschen Geleite der Fuhrmann abzutragen schuldig ist...“

 

  1. Dez. Anordnung zum Holzdeputat für Pforte (MER. C48IIIb, 5523).

Anstelle eines Klafters guten, weichen Holzes, sollten zwei Klafter und Faul- und Stückholz abgegeben werden.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Eleonora Reuter musste sich  wegen „stupri“- Unzucht (Nr. 5304) verantworten und Christian Hugo verklagte Hans Dahne wegen Beleidigung.

 

1749

  1. Feb. Bericht des Floßschreibers Martini (MER, C48Ic, Nr.1686)

Der widersprach der vom Kammer-Kollegium beabsichtigten Aufhebung des Naturalzolles und   verwies auf den bereits 1716 unternommenen Versuch, der nach massiven Einsprüchen der Flößer dahingehend abgeschwächt wurde, dass es den Flößern freigestellt wurde, den Zoll in natura beim Übergang über den Wehrdamm oder in bar nach der Holzmesse zu entrichten.

 

  1. Mai Verfügung der Dresdener Kammer zur Langholzflöße (MER C 50 Naumburg Nr. 75)

Wegen der Gefahr für die Rechenbauwerke durch losgehende Langholzflößen, die nicht rechtzeitig den Übergang über den Wehrdamm geschafft hatten und liegen bleiben mussten  wurde das Anbinden und Ausschleppen oberhalb des Unterneusulzaer und des Kösener Rechens bei Strafe verboten und am 7. Oktober in Leipzig nochmals bestätigt. 

 

  1. Sep. Nachricht von den Sächsischen Salzwerk zu Kösen (WER F 14 nr. 2/2)

Verfasser war Christian Ernst Hippius

„Als ich heute Morgen mich in Kösen befand und Erlaubnis bekam, mich auf denen Künsten, Gradier-Häusern und Salz-Koten umzusehen, habe folgende Umstände gesehen und erfahren.

1.) Die Salz-Quellen, welche in Halle Salz-Brunnen heißen, werden in Kösen Schächte genannt, welche zwei sein, der eine ist 300 Ellen der andere aber noch tiefer, wovon mir das Maß niemand sagen konnte. Diese Schächte sind nach bergmännischer Art, mit Bohlen ausgezimmert und haben alle Lachter einen teilweise überlegten Brett-Boden, wechselseitige Öffnung, wodurch auf Leitern  hinunter gestiegen werden kann. In jeden solcher Schächte finden sich zweierlei Quellen, eine Salzquelle und eine süße Wasser-Quelle, welche das wilde Wasser heißt.

Die süße Quelle ist wohl 100 Ellen höher als die weit tiefer liegenden Salz-Quellen, weshalb jede Quelle welche seitwärts im Schachte entspringt, besonders zum Auffangen in dem Schacht unterschieden und verzimmert ist. Bei jeder solcher sich auslaufenden Quelle stehen zwei Röhren nebeneinander, welche von der Tiefe in die Höhe bis auf den obersten Boden des völlige 6 Etagen haltenden Kunsthauses womit der Schacht überbaut ist, hinauf gehen und durch ein Stangen-Werk, welches doppelt bis an die Saale, wo ein unterschlächtiges Wasser-Rad dieses Stangen-Werk treibt, bis auf den Boden getrieben wird. Jedoch geht nur die Treibung der Salz-Quellen bis auf den Boden, wo solche in gleicher Tiefe wieder hinunter, bis in den Grund des Kunsthauses fallen, von da in Röhren unter der Erde bis an die weit und mehr denn 150 Schritt davon stehenden Gradierhäuser läuft und daselbst wieder so hoch, jedoch nur einmal hinauf steigt, als das Salz-Wasser in Kunsthaus so zuvor gefallen war.

So viel aber das gedachte süße oder wilde Wasser betrifft, solches wird zwar durch eine besondere 2te Röhren bis an die Mündung des Schachts aufgetrieben, fällt aber ungefähr 10 Ellen tief  wieder in den Schacht vor eine Rinne unter der Erde, die das wilde Wasser in die Saale führt  und von einem Kunst-Rad sowohl die Steigung des Salz-Wassers als auch die des süßen Wassers getrieben wird.

Das Kunstrad ist mit einem besonderen Haus überbaut und verschlossen. Neben dem Kunstrad  ist ein großer  Ofen von  roten Mauer-Steinen gemacht, welcher im Winter geheizt wird, damit das Rad kein Eis annehmen und nicht einfrieren kann. Das Stangen-Werk zieht sich über das Kreuz.

Die Röhren in den Schächten sind nunmehr mit kupfernen Ringen umbunden, weil die eisernen Ringe verrosten und öfter neuen Bau erforderlich macht. Das Kunst-Gehäuse, so über jeden Schacht steht ist hölzern und die Felder ausgeklebt oder mit Ziegelsteinen ausgemauert.

2.) In Kösen finden sich 5 Gradierhäuser, welche immediate nebeneinander gebaut sind, dergestalt, daß man auf den oberen Boden ungehindert durch und über alle 5 Gradierhäuser weggehen kann, jedoch ist jedes Gradier-Haus ½ Elle niedriger als das andere.

Es liegen wie zu Artern und in andern Gradier-Werken  gewöhnlich oben 2 breite und tiefe Rinnen, in welche beim ersten Gradier-Haus die von der Kunst aufgetriebene Sole  zum erstenmal einfällt, von beiden Seiten in kleine Bretter-Rinnen, welche mit hölzernen Hähnen versehen  einfließt, durch die hölzernen Hähnen welche ¼ Ellen breit voneinander stecken, tropfenweise  in das Reis-Holz fällt und unten im großen Kasten, so auf der Erde des Gradierhauses steht  einfällt. Aus diesen Kasten wird durch eine Pumpe oben beim Anfang des zweiten Gradierhauses die zum ersten Mal gradierte Sole wieder hinauf gepumpt, allwo es auf gleichermaßen wie beim ersten Gradier-Haus geschehen, mit dem Ablauf des Salzwassers zugeht und ebenso geschieht es im dritten, vierten und fünften Gradierhaus. Folglich steigt  hierselbst die Sole fünfmal, fällt fünfmal zum gradieren.

Die Gradierarbeiter geben an, daß gegenwärtige Dornen-Reißigholz wäre im jetzigen Jahre neu eingelegt,  nachdem das vorige 18 Jahre lang gelegen habe  und von Salz-Stein  dergestalt stark  worden, daß die Sole nicht füglich mehr durchgelaufen können, wie ich denn noch eine Partie  des weggenommenen Dornen-Reißigs  so über ½ Zoll stark Salz-Stein hatte, auffand.

Die Gradierhäuser sind mit Ziegeln gedeckt und müssen bei Sturm-Winden große Reparatur-Kosten haben

Bei meinen Hiersein wurde nur auf der einen Seite in denen oberen Rinnen durch die hölzernen Hähne die Sole zum Gradieren getröpfelt, die Arbeiter sagten, wie sie sich nach dem Winde, wo solcher herkomme, richteten und könnten auch auf beiden Seiten die Rinnen-Hähne aufschrauben.

Bei feuchten Wetter bliebe die Sole leichter als bei starken Wind und Sonnenschein. Zur Winterszeit  würde durch Frost die Solle gradiert, da das wilde Wasser zu Eis würde, die salzigen Wasser aber  zurück bleiben und müssen sie das Eis  sowohl von den Reißholz abschlagen als aus den untern  großen Kasten absuchen.

Jedoch werde durch den Frost die Sole nicht so günstig als bei starken Wind und Sonnenschen durch das Gradieren. Sie gradierten Winter wie Sommer, hörten mit Arbeiten nicht auf. In der Winter-Sole bliebe mehr wildes Wasser und erfordert mehr Feuer-Werk beim Salz-Sieden als die Sommer-Sole.

3.) Die Sole ist, wenn sie aus dem Kunst-Schacht auf das Gradier-Haus kommt 5-lötig, wenn selbige aber auf den Gradier-Hause fünfmal obbeschriebenermaßen durch das Reißig-Holz herunter im großen Kasten bei warmen Sonnenschein und starken Wind  gefallen, wird selbige  14-lötig, bei feuchten Wetter und zur Winterszeit aber kann die Sole nicht über 8-lötig gradiert werden.

4.) An Koten sind 6 Kote, welche folgende Struktur haben. Der Siederaum ist mehr denn 16 Ellen weit, in solchen steht die von sehr starken Blech gemachte Pfanne, welche 9 ½ Ellen breit, 10 Ellen lang, ¾ Ellen tief  von 90 Blechen jedes 1 Elle lang 22 Zoll breit im Boden gemacht ist.

Über der Pfanne liegen vier Bäume, wo die Salz-Körbe darauf gesetzt werden und also vier Stücke  Salz zur gleichen Zeit  ausgeschlagen  werden. Die Pfannen stehen auf beiden Seiten  1/3  Ellen breit mit Mauer-Werk untermauert, auf der vordern Seite ruht selbige nur auf einen Ziegel- Mauerstein, auf der hinteren Seite aber, wo in einer besonderen Kammer das Einheizen geschieht, ist  die Pfanne auf  ½ Elle breiter Mauer liegend.

In der Mitte der Pfanne sind in 4 Reihen 32 Haken, welche ihr Hältnis an den darüber liegenden 4 Bäumen,  worauf die Salzkörbe stehen, haben.

Der Brodem-Fang hat nach Proportion der großen Pfanne seine Breite und obenwärts in einer Linie oder auf einer Seite 6 große Fensterlöcher. Im Kote bei der Siedepfanne ist wenig Wärme zu finden. Neben der Pfanne ist auf einer Seite ein großer Raum, worauf die Tagewerk Salz-Stücke  gesetzt werden.

An dem einen Ende der Pfanne, wo der von Mauer-Steinen angefertigte Ofen steht, geht man in  eine Kammer, die Trocken-Kammer genannt, worauf 80 Stücken Salz nötigen Raum haben, in selbige geht ein kurzes Stück eiserne Röhre, durch welche aus den Öfen einige Hitze gelassen werden kann, ist aber nicht sehr warm.

Unter dieser Kammer ist eine andere Kammer, in welcher man aus dem Kot neben dem Herd 6 Stufen tief hinunter geht, darinnen ist das Ofen-Loch aus welchen die Pfanne geheizt wird.

Die Mündung des Ofen-Lochs ist 5/4 Ellen hoch und etwas schmaler. Unter den Herd liegen Rost-Stäbe, die Pfanne aber 1 ½ Ellen über denen Roststäben. Unter denen Rost-Stäben ist eine  Öffnung, mehr denn 2 Ellen hoch, in dessen Tiefe die abgebrannten Holz-Kohlen nebst Asche fallen. Zu gleicher Zeit brennen unter der Pfanne ½  Klafter Floßholz-Scheite.

Die Pfanne kostet über 50 Taler und müssen fast alle 4 Wochen neue Bleche  eingezogen werden, weil die Holz-Glut die Bleche sehr verbrennen.

Die Sole läuft durch  Röhren vom Gradier-Haus in ein jedes Kot, allwo ein Röhren-Ständer, so einen Hahn hat, aufgeschraubt, eine Rinne vorgelgt und die ganze Pfanne bis an den höchsten Rand voll gelassen wird, wie denn jeder Salz-Sieder so viel er will, Sole nehmen kann.

Über einer solchen vollgelassenen Pfanne wird von 3 Arbeitern 24, 25 oder 28 Stunden gesotten, auch darauf 23, 24 auch 25 Stücken Salz zubereitet, nachdem wie die Sole stark lötig gradiert gewesen, werde weniger Zeit  gebraucht, auch  mehr Salz gemacht. 25 Stücken Salz heißen ein Tag-Werk. Es werden in allen 6 Koten, Winter und Sommer beständig gesotten und könne man im Durchschnitt wöchentlich  6 bis 700 Stück fertig gewordenes Salz rechnen. Ein Stück Salz solle  einen Dresdener Scheffel Salz halten.

Die 25 Stücken Salz würden successive aus solchen Pfannen zum Tage-Werk gemacht und erforderten die ersteren 4 Stücken, mehr denn 8 Stunden Zeit, nachher würden 4 andere Salzkörbe  aufgesetzt, die kaum 4 Stunden Zeit erforderten und so geht es  fernerweit bis 24 oder 25 Stücken aus solchen Pfannen gemacht waren. Je mehr es zu Ende ginge, je geschwinder würden die Salz-Stücke fertig.

Bei meinen Dasein war die Pfanne noch voll Sole, die Sole stand bereits im Kochen und noch nicht zum Socken, der Salz-Wirker sagte: daß die Sole vor drei Stunden eingelassen wäre. Es fand sich aber bereits über 4 Zoll tief ein Mangel an Sole in der Pfanne, die eingekocht und verrauchet  war, rund um die Pfanne war viel Schlamm, mehr denn händehoch, als unreiner Schlamm übergekocht, welche mehr denn eine Schubkarre Unrat ausmachte. Und in der Pfanne selbst standen 10 große Blech-Kisten, jede 16 Zoll in das Quadrat und 1 ½ Zoll tief, in welche unter währenden Kochen sich ein weißgrauer Schlamm sonderte und zum öftern ausgehoben und weggeschafft wurde, und nicht anders als  ein grauer Kalk aussah.

Ich wurde auf der Pfanne gewahr, daß auf den einen Salzkorb aus dem vorigen Tage-Werk im Anfang von eingeschlagenen Salz sich befand, welches in kleinen Klümpchen bestand und beim auseinander reiben, wie ein staubiges Mus wurde, dessen Körner sehr klein waren.

Die im Kot fertig stehenden Stücken waren zwar oberwärts trocken, aber unten am Korbe, wenn ich mit den Fingern einbohrte, weich, und das viel Feuchtigkeit darinnen zu finden, daher anzunehmen. Wo das Salz trocken war, zeigten sich die Salz-Körner so dünn und klein aufeinander, daß solches nicht anders wie ein gefröstelter Dunst aussah und von seiner habenden kleinen Particule sehr zusammen gedrückt werden konnte.

Die Salzkörbe sind weit enger und spitzer als die Hallischen, aber wohl ¼ Ellen höher oder länger, der Salz-Haufen aber so auf  den Korb kommt, war weit kleiner als der Haufen so über den Korbe eines Hallischen Stückes steht und die äußerlichen Ansehen nach dürfte ein Stück  Kösener Salz weniger als ein Hallisches halten.

5.) Es wird das Kösener Salz mit Holzfeuerung gesotten, auf ein Tage-Werk 3 Klafter Holz gerechnet und wenn die Witterung bei der Siedung  feucht, auch 3 ½ bis 4 Klafter zum Tage-Werk von 25 Stücken gebraucht, wenn aber die Sole nicht bis 14 Lot gradiert, sondern noch mit viel wilden Wasser untermengt wäre, müßten wohl 5 Klafter zu einem Tagewerk verbrannt werden, welches keinen gewissen Satz hätte, sondern von jedem Salzwirker, so viel er gebrauche, verbrannt werde.,

6.) Dieses Kösener Salz wird von denen sächsischen Salzfuhrleuten abgeholt, solche bezahlen das Stück Salz 1 Taler 4 Groschen, erhalten darüber Frei-Pass und geben keinen Lizent, Salz-Zoll noch Salz-Steuer sondern waren von allen Abgaben frei. Zuweilen gelte das Stück Salz auch 1 Taler 8 Groschen, wenn viel Holz zum Sieden gebraucht und der Holz-Preis teurer worden.

7.) Von denen 1 Taler 4 Groschen, welche für ein Stück Salz bezahlt werden, müssen 2 Groschen sämtlichen Arbeitern gegeben werden, hiervon erhielten 2 Pfennig der Mann, welcher über die Gradier- und Kunsthaus-Arbeiter Aufsicht habe, 11 Pfennige bekommen die Arbeiter auf denen Kunst- und Gradierhäusern, 11 Pfennige die sämtlichen Salzdiener. Man rechnet wöchentlich die fertig gewordenen Salz-Stücken jedes zu 2 Groschen und bezahlt nach vorgedachter Einteilung  davon die Arbeiter.

Diese vorbeschriebene Nachricht habe ich sowohl auf denen Kunst- als Gradier-Häusern wie auch in denen Koten an jedem Ort besonders eingezogen und von diversen Leuten gleichlautend erfahren, dieserhalb sobald ich Abends in das Quartier gekommen, aus meinen  heutigen, mit Zahlen und Signis gemachten annotatis dieses Protokoll darüber zu entwerfen für dienlich erachtet...“

Dem Bericht beigefügt war eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, nach der die jährliche Fabrikation in den 6 Koten zu 700 Stück/Woche mit 36.400 Stück angegeben wurde. Bei einem Preis von 1 Taler 4 Groschen wurden jährlich 42.050 Taler eingenommen.

Eine Jahresproduktion von 36.400 Stück entsprach 1456 Tagewerken, das Tagewerk mit 25 Stück Salz, zu dessen Versiedung jeweils 3 ½ Klafter Holz verbrannt wurden. Der Klafter kostete frei Werk 3 Taler 4 Groschen, demzufolge das Tagewerk 11 Taler 2 Groschen bei 1456 Tagewerken  kostete das Brennmaterial allein 16137 Taler 8 Groschen

Von den 36400 Stück Salz gingen 2 Groschen an die Salzarbeiter, insgesamt 3033 Taler 8 Groschen, dazu kam das Salär des Direktors Borlach mit 1200 Talern und das der übrigen Bedienten 1000 Taler.

Die Amortisation der „kostbaren Wasserkunstgebäude, Schächte, Gradierhäuser, Salz-Kote  Schmiede-Gebäude, Wohnhäuser für die Bedienten und Arbeiter, deren Errichtung schätzungsweise 200000 Taler gekostet hätten wurden 4 Prozent  also 8000 Taler veranschlagt, dazu kamen  die jährlichen Reparaturkosten und übrige Utensilien mit 4000 Talern.

Die Kosten würden sich auf rund 33370 Taler belaufen und somit ein Gewinn von 8680 Talern erwirtschaftet werden. Allerdings rechnete der Berichterstatter zu den Kosten auch die dem kursächsischen Fiskus entgangenen Steuereinnahmen hinzu, die von den aus Halle eingeführte Salz erhoben wurden. Von jedem Stück Salz kassierte der sächsischen Fiskus 8 Groschen Lizent, 3 Groschen Landzoll und 6 Pfennig Salzsteuer insgesamt 11 Groschen 6 Pfennig bei 34600 Stück salz machte das in Summe 17066 Taler aus.

Diese nun in Wegfall geraten Einnahme hinzugerechnet, ergab das Kösener Salzwerk für den Fiskus einen Verlust von 8267 Talern.

 

               Beschwerde der Floßbeamten über den Gasthofpächter (WER D 34/1/930).

Oberaufseher v. Wuthenau und Oberfloßkommissar Brand beschwerten sich über Johann Martin Knorr, weil dieser die vom Floßamt am Saaleufer gepflanzen Pappeln geköpft hatte.

 

              Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Die Ehefrau des Bäckers Christian Friedrich Theuerling war der Hehlerei angeklagt (Nr. 3180).

 

1750

  1. Jan. Hämmerling pachtet das Backhaus (WER Pforta D Anh. 2/ 2301).

Das Backhaus, einst vom Floßmeister Wenzel gegenüber dem Floßamt an der Landstraße errichtet, pachtete der Bäcker für einen Erbzins von 21 Groschen und verlegte hierher seine Verkaufsbude.

 

  1. Mär. Anordnung des Kammerkollegiums (in MER C 48 Ic, Nr. 1686).

Auch zur diesjährigen Flöße konnte der Zoll in bar oder natura erhoben werden, obwohl es für den Zolleinnehmer recht aufwändig war, denn er mußte das einbehaltene Holz auch wieder „versilbern“.

 

  1. Juni Zeitpachtvertrag über den Salinengasthof (WER Rep. 23 I, Nr.11,)

Martin Knorr zahlte 650 Gulden Pacht, das Doppelte von dem was die Landesschule forderte. Das war aber dem Umstand geschuldet, dass das Brauhaus und die Malzdarre dem Gasthof zugeschlagen waren.

 

1751

  1. Feb. Schreiben des Schulamtes an die Dresdner Kammer (WER D 34 Anh. 1/2886).

Das Salinendirektorat hatte nach dem Kauf des Brauhauses versäumt, die Erbpacht von 21 Groschen zu zahlen und wurde vom Kammerkollegium angewiesen, diese der Salinenkasse zu entnehmen.

 

  1. Feb. Antrag des Schulamtes auf Zollbefreiung für Bauholz (WER D 34 Anh.1/2886).

Das betraf 50 Spundbretter, 20 Schwarten, 12 Bohlen, 60 Latten und 20 Stämme für Reparaturen an den Schulgebäuden.

 

  1. Mai Memorandum zum Abschluss des neuen „Commun-Floß-Contracts“ (WEI B 12919a).

Kursachsen verlangte von Sachsen-Weimar die noch ausstehenden 4.958 Klafter aus dem Jahre 1748  anzuflößen. Außerdem sollte die Kontrolle der auf den herzoglichen Stapel ausgeschleppten Hölzer verstärkt werden, weil zumeist nur die „die besten Stücke“ genommen wurden. Außerdem reichte die Wald-Eingabe nicht mehr aus, den „Natural-Verlust“ auszugleichen, weshalm man versuchte die Floßbeamten dafür haftbar zu machen. Den herzoglichen Teilhaber wurde angetragen sich auch an der  Erneuerung des Rechenwärterhauses zu beteiligen und erstmals durfte  Kursachsen auf der Roda  Holz aus dem Amt Arnshaugk zur Communflöße bringt. 

 

  1. Juni Schreiben der herzoglich-weimarischen Kammer (WEI Floßsachen B 12191a).

Eine Verdoppelung der Holzmenge, wie von Kursachsen vorgeschlagen, lehnte die weimarische Kammer ab, da man keine eigenen Waldungen an der Saale besaß und die finanziellen Möglichkeiten zum Ankauf erschöpft waren. Man schlug daher für 1752 eine „Interimsflöße“ zu den bisherigen Bedingungen vor, andernfalls sollte man die Flöße ganz aussetzen, was wiederum auf den Widerstand  Kursachsens stieß, weil ein erheblichen Holzmangel zu befürchten war.

Im Gegensatz zur kurfürstlichen Auffassung, dass der hohe Verlust auf Diebstahl im herzoglichen Teil zurückzuführen sei, waren die herzoglichen Beamten der Ansicht, dass zuviel Holz unter dem Kösener Rechen durchging und daher nicht erfasst wurde.

 

  1. Aug. Pachtantrag des J. G. Neufänger (Altes Magdeburger L IX c Nr. 172).

Er bat um einen Bauplatz neben dem Anwesen des Baders Holstein (heute Lindenstr. 12).

 

  1. Nov. Neubesetzung der Stelle des „Commun-Floß-Gegenschreibers“ (WEI Floßsachen).

Nach dem Ableben von Cunis erhielt der Sohn des Floßschreibers von Kahla, Friedrich August Stophel diese Stelle. 

 

1752

  1. Mai Verkauf der Sulzaer Saline (Eisenach, Das Thal.., Denkschrift 150 Jahre Salinensozietät).

1731 erwarb sie Hofrat Prof. Burkhardt Gotthelf Struve aus Jena. Nach dessen Tod 1739 verkauften seine Erben die Saline einem Konsortium mit dem sachsen-eisenachschen, dänischen und kurpfälzischen Geheimrat Joachim Friedrich Freiherrn von Beust, seinem Bruder Karl Leopold Graf von Beust (1701-1778) und seinem Vetter Gottlieb Heinrich v.  Planitz. J. Fr. v. Beust einer der namhafteste Salinisten seiner Zeit und war maßgeblich an der Verbesserung der Salinen Creutzburg und Salzungen (Sachsen-Eisenach), Aigle (Schweiz), Münster am Stein und Kreuznach (Kftm. Pfalz), Rodenberg (Lgrf. Hessen-Kassel), Valloe (Norwegen), Bruchsal (Bist. Speyer), Sulz a. Neckar (Hzgt. Württ.), Wimpfen (Baden), Salzuflen (Grf. Lippe), Orb und Wisselsheim (Erzbst. Mainz) beteiligt

Er ließ an der Ilm einen neuen Schacht (Segen-Gottes) abteufen, erneuerte den Kunstgraben und  baute 1753 das Gradierhaus „Friedrich“ zwischen der Ilm und dem Emsenbach. 1754 folgte das  Gradierhaus „Luise“. Später kam die „Charlotte“ auf dem Lachenberg hinzu, 1778  zwei neue Siedekote in Oberneusulza und 1791 wurden die Kote in Unterneusulza durch Neubauten ersetzt.  Die Salzproduktion stieg auf rund 40.000 Stück (rd. 25.000 Zentner).

 

  1. Juni Erbpacht mit dem Fleischer J. Chr. Heydrich (Altes Magdeburge L IX c Nr. 172).

Heydrich pachtete einen Bauplatz neben dem Anwesen der Witwe des Bäckers Teuerling  „gleich am Mühlenweg (.) und weile auf dießen abgemeßenen Platze des Bäckers Salomon Hämmerlings Bude, darinnen er Bäckerwaren feil hat, stehet, so hat sich dieser Bäcker Hämmerling (.) erkläret, daß er seine Bude an diesem Plaze weg und weiter hinauf nach des Bergrat Borlachs Hauße zu (.)        wollen setzen laßen“. Die Anweisung des Bauplatzes nahmen der Schulen-Inspektor B. S. Könnewitz, der Amtmann Dr. C. Chr. Gutbier, der Schulverwalter C. V. Francke und der Amtsschreiber Chr. E. Hofmann vor. Das Protokoll verfaßte der Actuar Chr. Geb. Heuckenwaldt.

 

  1. Juli Neufassung der Erbbücher des Schulamts (WER  34 Anh. 2 Nr. 2301).

Die 1550 angelegten und 1623 erneuerten Bücher hatten im 30jährigen Krieg gelitten und waren in den folgenden Jahrzehnten völlig unübersichtlich geworden, insbesondere hinsichtlich der  Pachtverhältnisse in Neu-Kösen, wo erst die Wenzelschen, dann die herzogl.-weimar. und nun die kursächsischen Erbgerichte galten. Hier hatten die Schulbeamten die Übersicht verloren und das Kammerkollegium befahl die Neufassung. Dazu wurde eine „Commissarii Causee“ mit Dr. Caspar Christian Gutbier, Carl Valerian Francke und Christian Ernst Hofmann gebildet und alle  Erbpächter oder „Censiten“ ins Schulamt befohlen, wo sie ihren Besitz und die von ihnen zu leistenden „Zinßen und praestandis“ mit eigenhändiger Unterschrift bestätigen sollten. Erbpächterinnen ob Jungfrau, Ehefrau oder Witwe mußten sich von einem Vormund „Curatibus“ vertreten lassen.

Während der Bergrat J. G. Borlach,  der Advokat Dr. J. Fr. List, der  Floßmeister G. Hartig, dessen Ehefrau Sophia Juliana, die Erben des Floßschreibers E. Martini sowie die in Naumburg wohnende Dorothea Sophia Beßler persönlich angeschrieben wurden, wurden die übrigen Grundstücks- und Weinbergsbesitzer am 9. und 10. Juli vom Amtsdiener zu dem Termin befohlen.

 

  1. Juli Verpachtung der „Hintermühlwiese“ an die Commun-Flöße (WER D 34/1/913).

Weil der Rechen wegen der vielen ankommenden Scheite zu zerbrechen drohte und die bisher gepachtet Wiese nicht ausreichte, wurde ein weiteres Stück von der Mündung der Quelle bis an die Krümme gepachtet.

 

  1. Aug. Vollmacht der Sophia Juliana Hartig (WER D 34 Anh. 2, Nr.2301).

Zur Unterschriftsleistung im Erbbuch bevollmächtigte die Floßmeisterin den „Cammer-Commissaire und Licentiaten“ David Jacob Spindler aus Naumburg als „Curatibus“. Sie selbst wohnte im Gasthof  zu Neu-Flemmingen.

  

  1. Aug. Unterzeichnung der Erbbücher (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2301).

Alle Einwohner, soweit sie sich nicht vertreten ließen, bestätigten mit ihrer Unterschrift ihre  Erbpacht. Das waren zunächst 24 Pächter der zum Kösener Distrikt gehörenden Weinberge an den Vorder- und Hinterbergen, den Saalbergen, den Platten und dem Mordtal, allesamt Bauern aus Flemmingen, Hassenhausen und Lißdorf.

Im Erbbucht wurden 43 pachtpflichtige Hausbesitzer aufgeführt, davon befanden sich 6 in Alt-Kösen.  Dazu gehörten das Rechenwärterhaus und der Bergkeller der Gattin des Floßmeisters (Loreleypr. 7 u. 8), das Anwesen des Floßschreibs Martini an der kleinen Saale vor der Brücke, das Gehöft des Advokaten Joh. Fr. List (heute Konditorei Schoppe) sowie die Häuser des Bäckers  Joh. Melchior Seyffarth (Naumb.-Str. 2), des Floßgegenschreibers Joh. L. Uhlrich (Naumb. Str. 4) und des Holzhändlers Fr. Seydler (R. Breitscheid Str. 14).

Die Pachtschäferei, die Pachtmühle, die Saline mit dem Gasthof und dem Brauhaus und das  Floßamt wurden im Erbbuch nicht  erfaßt, da sie allesamt in Zeitpacht gegeben bzw. dem Fiskus zustanden

In Neu-Kösen gab es 37 Privatgrundstücke, davon 28 am Lengefelder Fahrweg, die „Sieben Häuser“ am Fuß des Nikolausberges und das Theuerlingsche und das Hämmerlingsche Anwesen am Mühlenweg. In Neu-Kösen besaß der Bergrat Johann Gottfried Borlach mehrere Anwesen am Lengefelder Fahrweg (heute Lindenstraße 19, Borlachstr. 1, 2, 3) und  die Weinberge am Nikolausholz. Auch die Floßmeisterin besaß dort mehrere Parzellen.

Die Nummerierung aus dem Erbbuch wurde 1765 in eine Katasterkarte übernommen, so dass die Lage der Grundstücke eindeutig ist.

 

      Aug. Zehnter Commun-Saalenfloßcontract (MER C 66 Anh. I Nr. 63)

Die Teilhaber vereinbarten 4 aufeinander folgende Flößen in den Jahren 1753 bis 1756.

 

  1. Aug. Schreiben des Schulen-Aktuars (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

Das Salinendirektorat wurde ersucht, dem Fleischer Chr. Heydrich einen Bauplatz hinter der „Lehde des Bäckers Hämmerling“ zu überlassen, die zur Pacht des Salinengasthofs gehörte. Die Saline verlangte von der Landesschule eine Ersatzfläche und die Landesschule lehnte ab.

 

  1. Aug. Rechnung für die Anfertigung des Amtserbbuches (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2301).

 

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Erneut stand J. L. Ulrich vor Gericht, diesmal klagte die Seilerinnung zu Naumburg wegen verbotenen Handels mit Öl- und  Seilerwaren (1/836). Ebenfalls klagte der Pächter von Fränkenau, Johann Pommer.

 

1753

  1. Jan. Reparatur des Eiswehres (MER. C48 IIIb Nr. 5523, C 50 Nbg. A Nr. 75).

Der Schulverwalter Franke verlangte vom Oberfloßkommissar P. A. Brand, die Pfähle für das Eiswehr, einer Schutzvorrichtung bei Eisgang am Einfall der kleinen Saale einzuschlagen. Daraufhin erklärte Brand “daß der Schule das Einstoßen und Ausziehen der Eispfähle zu übernehmen obliegt, teils dem Herkommen gemäß, teils weil der daraus erwachsende Vorteil nicht im Interesse der Flöße, sondern der Schule liege”.

 

  1. Feb. Öffentlicher Anschlag der Mühlenpacht (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1619)

Christoph Siele wurde der Pachtvertrag bis 1759 verlängert.

 

  1. Juni Anzeige der Floßbeamten (WER D 34 Anh. 1 Nr. 987).

Adam Ludwig von Wuthenau und Peter Albrecht Brand beschuldigten den Gasthofpächter J. M. Knorr und den Pächter der Saalhäuser Chr. Sieber, Holz aus den Waldungen des Schulamtes und des Domstifts als Brennholz zu verkaufen. Da es für den gleichen Preis wie das Küchenholz vom kurfürstl. Stapel angeboten wurde aber von bessere Qualität war, machte sich das beim Umsatz des Floßamtes bemerkbar.  Das wäre ein Eingriff in das herrschaftliche Holzregal und eine Schmälerung der „Commun Flöße“ und muss umgehend verboten werden. 

 

  1. Juli Anordnung der kurfürstlichen Kammer (MER C48 Ic, Nr. 1686).

Dem Floßmeister Brand und den Geleitseinnehmer wurde befohlen „daß jeder, welcher bis Koesen oder daran vorbei Holz flöße, außer dem bestehenden Floß-Zolle von 5 Procent des Holzwerths auch noch die Land-Akzise (so nach dem Akzise-Mandat, Dresden den 9ten May 1682) von 3 Pfennigen vom Thaler Holzwerth zu entrichten verbunden bleibe, daß jedoch zur Erleichterung des Verkehrs den Zollenden gestattet sein solle, statt dieser Land-Akzise eine vorauszuzahlende Fix-Akzise von vier Thalern jährlich zu entrichten“. Einer der ersten, die das Fixum entrichteten, war der Altenburger (Almricher) Holzhändler Krippendorf.

 

  1. Apr. Anweisung der kurfürstl. Kammer bezüglich des Floßamtes (in MER C48Ic Nr. 1686).

Den Floßbeamten v. Wuthenau, Brand und dem Haupt-Salz-Lizenznehmer für Thüringen Lindemann wurde befohlen, die am 6. Mai 1749 und 17. März 1750 angeordnete Erhebung und den Weiterverkauf des Natural-Zoll besser zu kontrollieren und die willkürlichen  Verstöße des Kösener Floßschreibers und Zolleinnehmers Schwäger zu ahnden.

 

  1. Aug. Stellungnahme Christoph Siebers zum Brennholzhandel (WER D 34 Anh. 1/987).

Der Pächter des Fischhauses, der in Altenburg wohnte, erklärte, dass die Amts-Försterei den Einschlag genehmigt und er das Holz bar bezahlt habe. Den größten Teil würde er für seinen Weinberg bzw. in seiner eigenen Wirtschaft brauchen. Den Rest hätte er auf dem Altenburger Anger aufgestapelt, um das Holz nach und nach abzutransportieren. An Dritte hätte er nur  geringe Mengen verkauft. 

 

  1. Dez. Anordnung des Kammer-Kollegiums zum Brennholzhandel (WER D 34 Anh. 1/987)

Den Pächtern des Salinengasthofes und der Fischhäuser wird der private Brennholzhandel verboten, wurde dem Oberaufseher Kammerherr v. Wuthenau und den Oberforstmeister Tützschler mitgeteilt.  

 

1755

  1. Jan. Pachtantrag des Oberfloß-Kommissars Brand (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Eine Kommission des Schulamtes hatte für ihn einen Bauplatz neben dem Anwesen des Baders Hollstein abgemarkt. Doch als ihm der Erbzins mitgeteilt wurde, lehnte Brand ab und berief sich  darauf, dass man mit dem Fleischer Heydrich für ein größeres Grundstück eine geringere Pacht vereinbart hatt.

 

  1. Nov. Erneuerung des Rechenbauwerkes (priv)

Darauf verwies eine Inschrift im Keller der Krügerschen Villa, die heute nicht mehr vorhanden ist. Unter den Wappen von Kursachsen, Sachsen-Weimar und Sachsen-Altenburg stehen die Kürzel ALvW (Abraham Ludwig v. Wuthenau, JHASt (Johann Heinrich Albrecht Stophel), GH (Georg Hartig), PAB (Peter Albrecht Brand)  und JCT (Johann Christian Tostlöwe.), allesamt Beamte der Commun-Flöße. Damit wurde die Wiederherstellung des Rechens aus der Commun-Floßkasse und somit von allen Teilhabern finanziert. Bislang mussten sich Weimar und Altenburg  die Kosten teilen.

 

               Klage des Gasthofpächters gegen H. G. Seidler (WER D 34/1/3125)

Johann Martin Knorr verklagte den Holzhändler beim Schulamt wegen Beherbergung und Ausschank an Holzhändler und Flößer während der Holzmesse. Seidler, der selbst mit Holz handelte, beherbergte einige oberländische Händler in seinem Wohnhaus oberhalb des Wehrdammes. Der Gasthofpächter verlangte von den Schulbeamten, das ihm verliehene „jus prohibendi“ durchzusetzen.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Michael Reinhold kam wegen Scheitholzdiebstahl vor Gericht (Nr. 4890).

 

1756 bis 1763

              Der Siebenjährige Krieg

Bereits im zweiten Schlesischen Krieg 1744-45 hatte Kursachsen  zwei empfindliche Niederlage gegen die Preußen (Hohenfriedberg und Kesselsdorf) erlitten. Nun kapitulierte gleich zu Beginn des 3. Schlesischen Krieges das sächsische Heer bei Pirna. Kursachsen wurde von den Preußen besetzt. 1759, nach der Schlacht bei Kunnersdorf räumten die preußischen Truppen Sachsen,  gewannen aber 1760 nach der Schlacht bei Torgau große Teile zurück. Beim Frieden von Hubertusburg behauptete Kursachsen zwar seinen Vorkriegsbesitz, war aber infolge der Kriegslasten wirtschaftlich und finanziell schwer angeschlagen.

 

1756

  1. Feb. Antrag des Oberfloßmeisters (WER D 34 Anl. 1/4123, Altes Magdeburger LIXc Nr. 172).

Brandt hatte sich wegen seiner Pachthöhe an den Kurfürsten gewandt und erreicht, dass ihm diese von Friedrich August bewilligte wurde. Nun verlangte war er mit dem Zuschnitt des  Grundstücks unzufrieden, denn das hatte bedingt durch den daran vorbeiführenden Weg zur Fränkenauer Hohle die Form eines Dreiecks. Brand verlangte ein quadratisches Grundstück wie sein Nachbar Hollstein und die übrigen „Sieben Häuser“. Dies hätte aber die Verlegung des Triftweges bedeutet und so wandten sich die  Schulbeamten an das Kammerkollegium. Doch dazu kam es nicht, denn am 02. September teilte Brand dem Schulamt mit, dass er wegen  „der (.) plötzlich eingefallenen Unruhe“ den Bauplatz nicht pachten werde und wegen der „fortwährenden Kriegs-Läuffte und großen Lande-Noth auch ferne kein Interesse“ habe.

 

  1. Mär. Tagebuch des Johann Georg Judersleben (Locicommunes)

Judersleben wurde  am 3. November 1735 geboren, erhielt 1748 das erste Abendmahl, wurde 1754 als Holzknecht und Scheitführer bei der Saline eingestellt und kam am 01. Mai 1756 auf das Gradierhaus. Er hatte drei Geschwister Johann Christian, der ebenfalls im Salzwerk arbeitete, Hanna Rosine und Dorothea Elisabeth.

Sein Vater Johann Georg (Jg. 1711) stammte aus Flemmingen, lernte den Beruf des Leinewebers, erbte die Weinberge seines Vaters und heiratete die aus Saubach stammende Witwe Anna Maria Sieler. Er folgte seinem Vater als Oberwinzer und war 20 Jahre lang im Amt bevor er es im Alter von 64  Jahren abgab.

Der Großvater Hans Judersleben stammte ebenfalls aus Flemmingen, war mit Anna Meister verheiratet und hatte neben J. Georg einen zweiten Sohn, Johann Elias, der  als Salzmeister bei der Saline beschäftigt war. Hans Judersleben selbst war Bauer und Oberwinzer in Pforte.

In den „Locicommunes“ hielt er die für ihn wichtigen  Ereignisse fest. Daneben finden sich Rezepturen für Wein und Arznei bei Hals- und Menstruationsbeschwerden, Rechnungen,  Ratenzahlungen für geliehenes Geld und eine Schilderung der Ungarnschlacht 933, die er offenbar für interessant und aufzeichnenswert hielt. Das Tagebuch endete um 1800.

 

  1. Okt. Auflösung der Listschen Erbengemeinschadft (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3126)

Der Advokat Johann Friedrich List, Sohn des Wenzelschen Gerichtsherrn, war verstorben. Er hinterließ eine Tochter, Johanna Christiane Sophia, die mit dem Einnehmer Döring verheiratet war, und die Söhne Friedrich August und Christian Bernhard. Letzterer war noch minderjährig und stand unter der Vormundschaft des Floßschreibers Georg Heinrich Schrey. Zur Auflösung der Erbengemeinschaft sollten die Immobilien verkauft werden. Dazu gehörten die ehemalige Floßschreiberei  (Konditorei Schoppe), ein Weinberg an der Windlücke mit Weinbergshaus und Kelter sowie  Äcker  am Äbtischen Holz im Gesamwert von 2.032 Gulden. Am 20. Dezember fand die öffentliche Subhastation statt. Den gesamten Besitz erwarb die Tochter, die mit ihrer Familie das Gehöft  an der Naumburger Fahrstraße bezog, und wo sie auch nachdem ihr Mann verstorben war, wohnen blieb (1789).

Nach List pachtete nun Döring die Einnahmestelle wo die Landakzise und der Brückenzoll erhoben wurden, daher rührt auch die Bezeichnung „Einnehmerhaus“ für das Gehöft.    

 

  1. Dez. Gutachten zu den Hochwasserschäden an der Mühle (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1619)

Das Schulamt war laut Vertrag verpflichtet, Schäden durch höhere Gewalt am Pachtobjekt auf eigene Kosten zu ersetzen und hatte nach einem Hochwasser für 3.190 Taler die Wasserräder nicht nur erneuert, sondern als „Panzerwerk“ ausgeführt und einen  Ölmahlgang hinzu gefügt. Weil die Mühle mehrere Wochen still stand, machte der Müller 45 Taler Schadensersatz geltend, und weitere 43 Taler weil Wiese und Garten vom Schlamm bedeckt waren und dadurch die Heu- und Gemüseernte für den Hausbedarf ausfielen. Letzteres wurde abgelehnt, allerdings eine Reduzierung der Jahrespacht in Aussicht gestellt. 

 

              Neubesetzung der Stelle des Floßschreibers (WER  D 34/1/3811)

Nach dem Tod von G. H. Schrey, seit 1726 als Floßschreiber und Floßholz-, Zoll- und Landakzise-Einnehmer, folgte Johann Christian Tostlöwe..

 

              Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Georg Seidler kam wegen „injuriarum verbalium et realium“ vor Gericht.

 

1757

  1. Jan. Meldung des geistlichen Inspektors wegen einer Geburt (WER D 34 Anh. 1 Nr. 4964).

Die Witwe Dorothea Elisabeth Zedel (32) hatte ihr Kind zur Taufe gebracht und als Vater den Mühlknappen Christian Wiesenvoigt angegeben. Nun war die Geburt eines unehelichen Kindes an sich schon anrüchig, aber der Pastor hatte bereits vorher in Erfahrung gebracht, dass der aus Modelwitz stammende Vater verheiratet war und vier eheliche Kinder hatte, weshalb er die Witwe vor diesen Umgang gewarnt habe. Doch sie hatte die Warnung in den Wind geschlagen, weshalb der  Vorfall dem Amtmann angezeigt wurde. Am 29. März wurde die Mutter vorgeladen und zur Sache befragt. Sie gab an, dass sie nicht  gewußt habe, dass der Mühlknappe, den sie in Großheringen kennengelernt hatte,  bereits verheiratet war. Darufhin wurde beim Kammergericht angefragt, ob ein reguläres Verfahren wegen Hurerei gegen die Zedel und wegen Ehebruchs gegen den Wiesenvoigt eröffnet werden soll. Die Kammer genehmigte das Verfahren gegen die Witwe, sah aber bei Wiesenvoigt davon ab, da dieser aus der preußischen Armee desertiert war, und der dortigen Militärjustiz überlassen werden sollte.  Am 17. Juni fand ein „Inquisitorischer Prozess“ statt. Der Zedeln wurden 52 Fragen zur wahrheitsgemäßen Beantwortung vorgelegt. Sie blieb dabei, dass sie von der Ehe des Kindsvaters nichts gewußt habe, was sie dann vor einem  Geistlichen bei Androhung einer hohen Strafe bei Meineid beschwören mußte. Daraufhin wurde sie wegen Hurerei zu 14 Tagen Gefängnis und zur Zahlung der Gerichtsgebühren verurteilt. Im August bestätigte der Leipziger Schöppenstuhl das Urteil, dass ihr im September zugestellt wurde. Die Kosten von 20 Talern stotterte sie dann innerhalb eines Jahres ab.

 

  1. Mai Ortsbesichtigung zum Bau eines Kalkofens (St.-A. Nr. 60, WER D 34 2-2301).

Der Gasthofpächter Knorr wollte neben dem Seydlerschen Haus (R.-Breitscheidstr. 20) einen Kalkofen errichten. Zum Ortstermin erschienen der Schulinspektor v. Konneritz, der Amtmann Dr. Gutbier und als Gutachter  der Zimmermeister A. Thieme und der Maurermeister J. G. Schröter. Die verlangten, dass der Abstand des Kalkofens zum Seydlerschen Wohnhaus wegen des Funkenfluges deutlich größer sein müßte. Knorr lehnte ab und Seydler pachtete dann den Bauplatz und für ein Wohnhaus (R.-Breitscheidstr. 18).

 

  1. Sep. Preußische Truppen besetzen die Windlücke (in WEI B 12161)

Friedrich der Große beobachtete von dort aus die bei Kösen biwakierenden  Reichstruppen.

 

  1. Okt. 20.000 Franzosen besetzen die Kösener Brücke (in WEI B 12161, Judersleben)

13 Bataillone und 8 Grenadierkompanien sowie die Reiterei unter dem Prinzen von Baden-Durlach sollten den preußischen Truppen den Saaleübergang verwehren. Zunächst wurden die Soldaten in den Häusern einquartiert, wobei 40 bis 60 Mann auf einen Hauswirt kamen. Die wurden dann in Zelten auf den Saalewiesen untergebracht und die Offiziere mit ihren Dienern bezogen die Wohnungen. Die Verpflegung der Truppen war außerordentlich schlecht, es fehlte Brot und die Soldaten kochten „gantze Kessel voll Kraut, Rüben und Möhren  und nur ein wenig Salz, und aßen es vor den Hunger ohne Brodt“. Alle Vorräte, die man in den Häusern fand, wurden requiriert, die Felder, Weinberge und Gärten auf der Suche nach etwas Essbaren geplündert. Während des 14-tägigen Lagers wurde ein Großteil des hier lagernden Scheitholzes an den rund  500 Lagerfeuern  verbrannt.

 

  1. Nov. Zerstörung des Rechenbauwerkes (dto.)

Die Regimentszimmerleute machen den Rechen unbrauchbar, damit er nicht als Flußübergang benutzt werden kann.

 

  1. Nov. Schlacht bei Roßbach (Allg. Gesch., Judersleben)

Nach dem glanzvollen Sieg verfolgten die Preußen die geschlagenen Reichstruppen über die Unstrut in Richtung Eckartsberga. Indessen hatten die hier lagernden Franzosen die letzten 30 Klafter Scheitholz und alles Reisig und Stroh auf die Brücke gebarcht und angezündet, um den  Preußen den Übergang zu verwehren. Doch offenbar richtete das Feuer keinen großen Schaden an. Dagegen meldete das Amt Pforte 30.000 Taler Schaden.

Nach Stangenberger (Gedenkbuch der Rudelsburg) lagerte der Oberbefehlshaber der Reichsarmee der Prinz von Soubise oberhalb des Kohlmannschen Weinbergs. Zum Andenken wurde hier eine Eiche gepflanzt.

 

  1. Nov. Bericht des Floßaufsehers Hochhausen (WEI B 12161).

Der herzogl.-altenburgische Beamte meldete die Schäden auf den Stapeln in Dornburg, Camburg, Neu-Sulza und Kösen infolge der Truppendurchzüge. Von den 9.461 Klaftern der für Halle bestimmten Scheite waren nur noch 3.863 Klafter vorhanden. Daraufhin wurden die kursächsischen Floßbeamten v. Wuthenau und Brand angewiesen, alles noch auffindbare Holz einschließlich des  Sinkholzes abzuflößen. Die Fehlmenge ging zu Lasten der kursächsischen Kammer.  

 

  1. Dez. Schadensbilanz an der Mühle nach der Schlacht von Roßbach (WER D34 Anh. 1 1619)

Durch Einquarierungen, Fouragierung durch kaiserliche und preußische Truppen sowie dem Ausbleiben der Bauern während der Besetzung der Brücke wurde der Schaden auf 330 Taler beziffert. Die Kammer genehmigte den Erlass von 175 Talern der  Jahrespacht.

 

            Gerichtsverfahren (WER D 34 Anh. 1/2)

Meister Johann Christian Matthesius (Nr. 5132) stand wegen ungebührlicher Reden und  Friedrich August List wegen Diebstahls vor Gericht.

 

1758

  1. Dez. Pachtantrag des Müllers (WER D 34 Anh. 1Nr. 1619)

Christoph Siele bedankte sich zunächst für die Reduzierung der Jahrespacht im vergangenen Jahr. Und obwohl es ihm inzwischen verboten war, Flößer über das Wehr zu helfen und dafür ein „Hilfsgeld“ zu fordern und die Mühlräder immer öfter still standen, weil die Kunsträder der Saline das Wasser entzogen, bat er um die Prolongation seines Vertrages, um sich in den kommenden sechs Jahren von den erlittenen Verlusten zu erholen. Sein Pachtangebot betrug 565 Taler. Das Schulamt meinte, dass in Anbetracht der verbesserten Mühlräder und des Ölmahlgangs eine Pacht von über 600 Talern angemessen wäre, worauf die Kammer den öffentlichen Anschlag und die Verpachtung an den Meistbietenden anordnete.

 

1759

  1. Mai Licitationstermin der Mühle (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1619)

Das höchste Gebot mit 589 Taler kam von Johann Friedrich. Sein Beauftragter erklärte, dass Friedrich seit 1748 Pächter der Zeitzer Obermühle sei und dort 800 Taler Kaution hinterlegt habe. Zum Beweis der Bonität übergab er dem Schulamt die Hälfte der Kaution von 400 Gulden und versprach die andere Hälfte, sobald die Kaution für die Obermühle freigegeben war.

Inzwischen teilte die Zeitzer Stiftverwaltung dem Schulamt mit, dass Friedrich während der Kriegszüge 1757 ihm anvertrautes Proviantgetreide der preußischen Armee gemahlen und verkauft hatte, weswegen er sich seither in Haft befindet. Da die Veruntreuung fremdländischen Eigentums für Kursachsen nicht weiter von Belang war, ordnete die Kammer einen zweiten Bietertermin an, an dem Siele und Friedrich erschienen. Friedrich erhöhte sein Gebot auf 660 Taler, bekam den Zuschlag und Siele bat um die Freigabe seiner Kaution.  

 

  1. Nov. Hinterlegung der Kaution für die Mühle (WER D 34 Anh. 2, Nr. 859)

Kammerherr Graf von Brühl bestätigte den Erhalt der 350 Talern, die mit 4 Prozent verzinst wurden.

 

  1. Nov. Zeitpachtvertrag mit dem Müller Andreas Friedrich (WER dto. Nr. 861).

Nachdem der Kammerherr Graf von Brühl den Eingang der Kaution bestätigte, wurde der 32 Paragrafen umfassende Vertrag genehmigt. Zur Pacht gehörten neben der eigentlichen Mühle ein Wohnhaus, Stallungen, Scheuer, ein Obstgarten und das Heu der Mühlenwiese. Die Mühle selbst hatte drei unterschlächtige Mahlgänge und einen Ölmühlengang. Mitverpachtet wurde das Zangsmahlrecht, das Mahlgeld wurde um 6 Pfennige erhöht und dem Müller die Mahlreste vom Malzgetreide, das Staubmehl, die Kleie und der Ölkuchen überlassen. Davon mußte er mehrere „Speck-Schweine“für die Schule mästen. Für seinen Hausstand durfte er 4 Milchkühe und ein Kalb halten. Der Lohn für das Gesinde, Mühlknappen, Handwerker und Arbeiter sowie die Tranksteuer für das in der Mühle ausgeschenkte Bier zahlte der Pächter, der sich außerdem verpflichtete, die hinterlegte Kaution weder zu verpfänden oder zu veräußern.

 

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Die Gemeinde verklagte den Fleichhauer Andreas Hilpert wegen Verweigerung der Dorfwache (Nr. 3607). Dorothea Sophia Weise (Nr. 5336) und Maria Christina Deckert wurden wegen Ehebruchs angeklagt (Nr. 4948).

 

1760

  1. Juli Bericht des Schulbeamten Francke (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898).

Der Mühlenpächter beschwerte sich, dass durch die Vernachlässigung der Quelle im Hartingschen Teichgarten die Mühlenwiese nicht genügend bewässert würde.

 

  1. Nov. Reichstruppen gehen über die Brücke (Die Kriege Friedrich d. Großen. Bd. 13).

Das Korps des Feldmarschall-Leutnants Luszynski, 6 Bataillone, 7 Grenadierkompanien, 1 Jägerkompanie und 11 Eskadronen insgesamt 6300 Mann Reichstruppen, Österreicher und Kroaten hatte von Weimar kommend Naumburg besetzt, und bedrohten so die Flanke der in  Kursachsen stehenden preußischen Truppen.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Testamentseröffnung des Pachtschäfers Gottfried Otto. Georg Eisentraut Leiche wurde in der kleinen Saale geborgen (1/727).      

 

1761

  1. Mär. Verpachtung des Brandschen Bauplatzes (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

„E. Hoheit wollen sich  allergnädigst erinnern, dass der Oberfloß-Commissarius Brand zu Kösen anno 1756 einen gewissen abgemessenen Platz daselbst gegen Übernehmung eines jährlichen Erbzins  an 1 Thaler 18 Groschen  zu erbauen gesucht und überkommen sollen, dieser Oberfloß-Commissarius Brand aber nachher die Annehmung dieses Platzes und vorberührten Erbzinses wegen vorgefallener Kriegs-Unruhe depressirt. Nachdem sich nun zu eben diesen Platz der obgedachtermaßen ausgemessen worden, ein anderer Inhaber,  der Advokat  Johann Christian Gotthelf Hübsch  gefunden, welcher denselben zu bebauen Willens....“

 

             Bericht über die Truppenbewegungen an der Brücke (WER A 49 Nr. 945)

„Da in Kösen als einen Haupt-Passe vom 20. Nov. 1760 an bis 30. April 1761 incl. (bis auf 20 Tage vom 17. bis 30 März 1761 als in welchen Tagen keine  Truppen allda gestanden) beständig Königl. Preuß. Husaren vom Ziethenschen Regiment auf Postierung gestanden, hiernächst die hiesigen Mahl-Zwangs und die andern Pfortaischen Amtsdorfschaften vom 7. Januar bis April 1761 kostbare militärische Exekution wegen der Contribution, Pferdegelder, ingleichen Proviant  und Fourage gehabt, mithin die Mahlzwangsdorfschaften aus Furcht vor Wegnehmung derer Pferde mit ihren Geschirren nicht in die Kösener Mühle zu mahlen kommen, sondern in auswärtigen und ihnen näher gelegenen Mühlen gemahlen, auch die meisten Untertanen ihre Pferde, weil sie immer mit dem Vorspann  und Pferden zum Reiten geplaget worden, abgeschafft, so hat Pächter folgende Schäden an zurück gebliebenen Nutzungen erlitten, als 203 Taler im Vergleichung vorm Kriege (.)“

Auch der Gasthofpächter machte 819 Taler geltend, davon allein 770 Taler für die Beköstigung der Ziethenschen Husaren mit Suppe, Fleisch, Braten, Fisch, Wurst, Salz, Butter, Käse, Fett, Schwarzmus, Brot, Semmeln, Bier, Wein, Branntwein, Kaffee und Tee  sowie Schäden am Inventar, entwendete Krüge, Gläser und Besteck.

 

  1. Apr. Anweisung der Kammmer zu den „Administrationsgeldern“ (WER D 34 1/4254).

Nach über 20 Jahren wurde das Schulamt angewiesen, die veruntreuten  „Administrationsgelder“ aus den Jahren 1700 bis 1717 von den Erben und Nacherwerbern des verstorbenen Floßmeisters Wenzel zu fordern. 

 

  1. Mai Schreiben des Schulamtes an J. G. Borlach (WER Rep. F 23, VII Nr. 1b).

Bei einer Vermessung stellte der Bauverwalter Hoffmann fest, dass der Salzkontrolleur Mangold seinen Gemüsegarten teilweise auf schuleigenem Gelände angelegt hatte. Borlach wurde aufgefordert, dies dem Mangold zu untersagen.

 

  1. Juli Befehl des Amtmannes Gutbier an die Amtsdörfer. (WER Rep. D Verz. II Nr.863).

Laut Pachtvertrag erhielt der Müller ein sog. „Schirrholz“ , drei Buchen-, zwei Eichen- und ein Erlenstamm, dass die Amtsdörfer einschlagen und anfahren mussten. Als diese dem Befehl nicht nachkamen, drohte das Schulamt mit Bestrafung, falls das Holz nicht binnen drei Wochen angefahren wird.

 

  1. Nov. Anweisung der Rentkammer an das Schulamt (WER Rep. D Pforta II 2301).

Zehn Jahr nach der Neufassung der Erbbücher wurde die Abrechnung des Amtsschreibers zur Zahlung angewiesen. Doch der war inzwischen verstorben, und das Geld erhielten seine Erben.  Außerdem wurde das Amt ermahnt, den Verkauf unbebauter, den Besitzerwechsel bebauter und die Teilung von Grundstücken exakt und zeitnah zu erfassen.

 

1762

  1. Feb. Anweisung des Dresdener Kammerkollegiums (in MER. C48Ic, Nr.1686).

Hinsichtlich der Verzollung wurde nun angeordnet: „Gleichwie nun unserer Floßzoll-Holz-Einnahme zu Kösen freisteht, von allerhand  desfalls an- und durchzuflößenden Holz-Waaren das zwanzigste und beste Stück aus denen zollbaaren Flößen in natura zum Zolle zu nehmen, in dessen Entstehung aber die Zoll-Stücke nach dem jedesmahligen Preiße zu taxieren, und nach  solcher Taxe den schuldigen Zoll von denen Holzwaren mit Gelde zur Einnahme vergnügen zu laßen, also hat es auch hierbei ferner sein Verbleiben..“ Außerdem hatte sich das Anbindeverbot von 1749 als nicht sonderlich wirkungsvoll erwiesen, denn es bestimmte nicht genau, wie weit flussaufwärts sich dieses Verbot erstreckte, daher wurde angeordnet „daß die Flöße, wenn sie einmal das Saalecker Revier passieren, alsdann unaufhaltend die Bauholz-Waren nach Kösen bis unterhalb des dasigen Mühlendammes abflößen, nach der Anlegung daselbst aber sich sofort bei Production derer Saalecker Geleite-Zettel bei der Zoll-Einnahme zu Kösen behörigend melden und die führenden Holzwaren verzollen.“

Wer den Wehrübergang nicht schaffte, musste sein Holz entweder oberhalb Stendorf verkaufen oder es wieder ins weimarische oder altenburgische Gebiet  bringen.

 

  1. Feb. Auflistung der durch Preußen erlittenen Kriegs-Schäden (WER A 49 Nr. 945)

Demnach wurden 1761 als Kontribution von der Landesschule, dem Vorwerk Fränkenau, dem Fischhaus und dem Winzerhaus im Saalhaus  2276 Taler hoben.

In einer weiteren Aufstellung, waren Unkosten durch Truppenbewegungen und Enquartierungen bis Dezember 1760 erfasst. Demnach wurden in der Landesschule 33 Taler für die Verpflegung der Mannschaften und 40 Taler für die Versorgung der Pferde aufgewandt.

Das Vorwerk Fränkenau hatte Kosten für den Vorspann und 8 Taler hatten preußischen Husaren erpresst.

 

            Ausbeutung der Braunkohlevorkommen bei Mertendorf.

Major Carl Friedrich von Eberstein beantragte das „jure prohibendi“ für die Gewinnung  der von Borlach entdeckten Braunkohle bei Mertendorf und Rathewitz, nachdem man von einer Verwendung in den Siedeherden Abstand genommen hatte und auch weiterhin auf Scheitholz  zurückgriff. Noch 1772 erklärte die Salinen-Reorganisationskommission (v. Heynitz, v. Beust, J. H. Borlach), dass bei der  Kohlenfeuerung „wohl kein ernster Nutzen zu hoffen sein dürfte, bis man nicht ein eigens darauf eingerichtetes Kot dazu erbaue.“

Die Gruben in Mertendorf und Rathewitz wurden nun planlos ausgebeutet und durch nicht sachgerechten Grubenverbau kam es immer wieder zu heftigen Wasser- und Schwemmsandeinbrüchen (Fr. v. Hardenberg an Anton  Gottlob  Werner 1800).

 

  1. Nov. Anhörungstermin bezüglich der „Floß-Administrationsgelder“ (WER D 34 1/4254).

36 Jahr nach dem Tod Wenzels wurde die Tochter Hartigs, Wilhelmine Dorothea, aus dessen  zweiter Ehe mit der Tochter des herzogl.-weimarischen Amtmannes Mack vorgeladen. Daraufhin erklärte ihre Mutter, die Witwe Hartigs, dem Gericht, dass ihre Tochter mit dieser Angelegenheit überhaupt nichts zu tun hätte.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Testamentseröffnung von Andreas Thieme.

 

1763        

  1. Feb. Verpachtung eines Bauplatzes (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

Chr. Scheuffler, Kunstwärter der Saline bat um einen Platz „an der kleinen Saale, unweit der kleinen Brücke, nach dem Steinkasten (Wehrdamm) vor dem Kunst-Rade zu gehend, den Uferplatz, wo das kleine wilde Gerinne ausschlagen und die Fahr-Straße nach der großen Brücke zu vorbeigeht“. Demnach ersuchte er um einen Bauplatz auf der kleinen Radinsel. Das Schulamt genehmigte das Gesuch, doch als der Salinenbaumeister Mangold auf die Gefahr von Überschwemmungen hinwies, erhielt Scheuffler einen abschlägigen Bescheid. Schulamt und Salien einigten sich dann auf die Anpachtung von Bauplätzen für die zu den Unterbeamten gehörenden Kunst- und Gradiermeister unmittelbar am oberen Schacht (R.-Breitscheidstr. 17, 17a). 

 

  1. Apr. Anzeige zum Tod des Müllers Friedrich (WER D 34 Anh. 1 Nr. 1619)

Beim Hantieren mit einer Flinte hatte sich ein Schuß gelöst und Friedrich so verletzt, dass er am 11. März verstorben war. Er hinterließ 6 unmündige Kinder. Die Witwe bat die Schulbeamten, ihr  die Mühle bis zum Ende der derzeitigen Zeitpacht zu belassen. Sie hatte einen  erfahrenen Müllergesellen zur Hand und der älteste Sohn erlernte das Mühlengewerbe.

Die Schulbeamten wandten sich an die Dresdener Kammer und baten um Anweisungen, ob der Antrag der Witwe befürwortet werden kann, oder die Pacht neu ausgeschrieben werden soll.

 

  1. Apr. Polizeiverordnung zur Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Das Floßamt sollte das Anbinden von Langholzflöße streng kontrollieren und den Rittergutsbesitzer von Kreipitzsch anhalten, das Anbinden in seinen Gerichten zu Saaleck und Stendorf unterbinden.

 

               Borlachs Gutachten zur  Trinkwasserversorgung von Naumburg (LDZ v. 25.02.1983).

Nach seiner Auffassung sollte der Rat die bestehenden Brunnen säubern und instand setzen, außerdem das Stollensystem vom Buchholz zur Stadt erweitertn und dort Speicherteiche anlegen.

 

  1. Aug. Abschlußbericht der „Restaurationskommission“ (Mager).

Nach dem Tod Friedrich August II. und im Gefolge des Siebenjährigen Krieges hatte Kursachsne rund 40 Millionen Taler schulden. Ihm folgte sein Bruder Friedrich Christian, der grundlegende wirtschaftliche und soziale Reformen einführte. Dazu gehörte die Bildung einer fünfköpfigen Kommission unter dem Freiherrn Thomas v. Fritsch, die Vorschläge zur Vermehrung der  Staatsfinanzen ausarbeiten sollte, wobei auf die Verbesserung der fiskalischen Unternehmen besonderes Augenmerk zu legen war. Da Kurfürst Friedrich Christian noch im gleichen Jahr verstarb, folgte ihm sein noch unmündigen Sohn Friedrich August III. Für den übernahm dessen Onkel Xaver die Regentschaft, der die von seinem Bruder begonnenen Reformen weiterführte.

 

  1. Aug. Elfter Commun-Saalefloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber einigten sich auf zwei Flößen in den Jahren 1763 und 1764.

Bezüglich der Preise hieß es im § 5: Sind festgesetzt für den Klft. 7/4-elliges hartes Holz 5 Gulden 23 Groschen, weiches Holz 5 Gulden, Ausschuß und  Faulholz 2 Gulden 26 Groschen, Stücke 1 Gulden 13 Groschen, halb in alten richtigen Louisdor und halb in guten Silbermünzen zu bezahlen. Altenburg  erhielt für jeden Klafter, der 1764 über das kontraktmäßige Quantum geliefert würde 12 Groschen mehr.

 

  1. Sep. Protokoll zum Saalecker Geleit (in MER C48 Ic, 1686).

Der Saalecker Geleitseinnehmer Kriependorf verlangte vom Floßzoll-Einnehmer Tostlöwe, dass der von den Flößern, die ihre Geleitsabgabe in Saaleck nicht entrichtete hatten, diese bei der Verzollung in Kösen zu erheben und sie ihm dann zukommen zu lassen. Demzufolge gab es in Saaleck die bereits 1344 erwähnte Hebestelle immer noch, die zur Vereinfachung 1767 beim Pachtende der Hebestelle mit dem Kösener Zoll vereinigt wurde.

 

1764

  1. Jan. Urteil des Schöppenstuhls zu den Floß-Administrationsgeldern (WER D 34 1/4254).

In Abwägung der rechtlichen Gegebenheiten und des fiskalischen Interesses wurde das Schüßlersche Urteil aufgehoben. Es seien zwar Verfahrensfehler gemacht worden, doch die Rentkammer habe es versäumt, ihre Forderungen aus dem „Floß-Administrations-Rest“ rechtzeitig zur Licitation des Wenzelschen Nachlasses anzumelden. Die Rechtmäßigkeit des Licitationsverfahrens sei daher nicht zu beanstanden, die Erwerber und Nacherwerber demzufolge nicht haftbar zu machen.  Dieses Urteil wurde vom Amtmann Gutbier, der Witwe des Floßmeisters  Hartig, dem Bergrat J. G. Borlach, den Erben des Licentiaten J. Fr. List, die Brüder Fr. A. und Chr. B. List, sowie ihrer Schwester Johanna Christiane Döring, dem Sohn des Floßmeisters Wenzel Georg Gottfried und Maria Dorothea Lapner verwitwete Wenzel sowie dem Gerichtsvogt Johann Bernhardt Färber in Mandantschaft von Johann Adam Dennhardt bekannt gegeben.   

Daraufhin verlangten die Verklagten die Erstattung der ihnen bisher entstandenen  Gerichtsgebühren und Unkosten vom Schulamt. Das wiederum übergab die Forderung der  Dresdener Kammer weil diese auf Betreiben des Hofrates Schüßler diesen langjährigen und kostspieligen aber letzten Endes erfolglosen Prozess zur Restitution der Subhastation des Wenzelschen Vermögens angeordnet hatte. Die Kammer war der Auffassung, dass letztendlich der Hofrat für den Mißerfolg verantwortlich sei, und dafür haften müsse. Allerdings war der inzwischen verstorben und konnte nicht belangt werden, was den Verfahrensbeteiligten mitgeteilt wurde.

 

  1. Apr. Bittbrief der Sophia Rebekka Friedrich (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Da sich die Entscheidung der Dresdener Kammer hinzog wandte sich die Müllerin dierekt an den Dresdener Hof und bat um die Übertragung des Zeitpachtvertrages bis Michaelis 1765. Dabei verwies sie auf zahlreiche Verbesserungen die ihr verstorbener Mann an den Anlagen und Gebäuden vorgenommen hatte.  Inzwischen hatte das Kammerkollegium entschieden, dass mit Ende der Pacht die Mühle künftig nicht mehr in Zeit- sondern in Erbpacht gegeben werden soll und dies öffentlich anzuschlagen sei.

 

  1. Apr. Befehl des Administrators Prinz Xaver (WER D 34 Anh. 1 Nr. 860)

„Wir können geschehen lassen, dass Gottfried Zimmermann zu Kösen, den von demselben gesuchten von denen so genannten an der Straße befindlichen Sieben Häusern in gerader Linie hinauf gleich über und neben das Praeceptorius Huckens Haus gelegenen Platz gegen Erlegung  eines jährlichen Canons  von einem Gülden am Abend vor Michaelis, damit anzufangen inmaßen wir denn demselben zugleich zur Erbauung eines Hauses auf gedachten Platz Concession  erteilen, begehren demnach in Vormundschaft unseres Vetters des Kurfürsten hiermit gnädigst befehlend, ihr wollet euch darnach gehorsamst achten, ermeldten Zimmermann angeregten Platz zuweisen, erblich übergeben und vereinigen..“

Damit wurde das Anwesen Lindenstraße 25 ebenfalls schon im 18. Jahrhundert erbaut.

 

  1. Aug. Kaufantrag des Naumburger Müllers Gottfried Barthold (WER D 34 2/861)

Dieser bot 3.000 Taler für die Kösener Mühle.

 

  1. Okt. Genehmigung zum Neubau eines Schweinestalles für die Mühle (dto).

Der Administrator Xaver genehmigte auf der Grundlage eines Gutachtens des Landbaumeisters Exner 190 Taler und das erforderliche Holz aus dem Schulenforst für die Errichtung des Stalles, weil hier die Schweine für den Schulbedarf gemästet wurden. Dazu kam noch die Instandsetzung des Übergangs über die Schütze vor den Wasserrädern,  für deren Erhalt ebenfalls das Schulamt zuständig war.

 

  1. Okt. Bitte der Gemeinde (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2730).

30 Jahren nach dem ersten Antrag, eine eigene Kirche und einen Gottesacker in Neu-Kösen zu bekommen, wandte sich die Gemeinde nun an den Prinzregenten Xaver, nachdem der neue geistliche Inspektor seine Bereitschaft signalisiert hatte, für eine entsprechende Entschädigung die „Auspfarre“ zu befürworten. Die Notwendigkeit dafür wurde mit der Entfernung und dem schlechten Weg begründet. Außerdem fehlte es an Stühlen, was viele ältere Einwohner abschreckte. Der Bauplan würde vom Bergrat Borlach entworfen und als Platz wurde ein Stück  des Gasthoffeldes unterhalb der Fränkenauer Hohle vorgeschlagen. Die Gemeinde versprach außerdem, dass die Einwohner zur finanzillen Beteiligung eine Anleihe zeichnen würden, was dann noch fehlt, könnte durch eine Kollekte aufgebracht werden, zumal „die Arbeiter bey den Salz-Wercken zum Nutzen des ganzen Landes arbeiten und dienen.“  

 

  1. Nov. Verpflichtung von Erdmann Friedrich Senff (DD Loc. 1337 Vol. IV).

Senff (sen.) geb. 1741, hatte sich nach seinem Schulbesuch in Leipzig bei der Saline als „Mechanicus“  beworben  und war von Borlach dem  Kammerkollegium empfohlen worden.

 

  1. Dez. Gutachten des Schulamtes zur Auspfarre (WER D 34 Anh. 2 Nr 2731)

Die vorgebrachten Gründe wären unbedeutend und dienten nur der eigenen Bequemlichkeit. Außerdem dürfte in diesem Fall „niemanden etwas entzogen werden“ und der geistliche Inspektor listete alle bisher der Pfortaer Kirche zustehenden Einnahmen bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen auf, die die Gemeinde zusätzlich zu den Kosten für das Gotteshaus und einen eigenen Pfarrer aufbringen müßte.

 

  1. Dez. J. G. Borlach beantragt den Kauf der Mühle (WER D 34 Anh. 2/ 861).

Mit einem Erwerb würden die Streitigkeiten mit den Mühlenpächtern wegen des Aufschlagwassers enden. Denn als Verpächter hätte man selbst das Regiment über die Wasserverteilung für den Betrieb der Wasserkünste. Das Schreiben beglaubigten der  Kassenschreiber Johann Gottfried Bornschein und der Salzsieder Heinrich Böhme.

 

  1. Dez. Kaufantrag der Witwe des Pachmüllers Friedrich (dto.).

Die energische, selbstbewusste  und offenbar auch begüterte Müllerswitwe bot 4.000 Gulden  und eine jährliche Erbpacht von 350 Gulden und der Voraussetzung, dass ihr alle bisherigen Rechte und Gerechtigkeiten insbesondere das  Zwangsmahlrecht belassen würden.

 

             Testament des Oberfloßkommissars Peter Albrecht Brand (WER D 34/1/3840).

 

1765

  1. Feb. Zwölfter Commun-Saalen-Floßcontract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Diesmal einigten sich die Floßbeamten nur auf eine Flöße im laufenden Jahr.

 

  1. Feb. Memorial der Salinenarbeiter wegen der Kirche (Judersleben).

Als Reaktion auf die Ablehnung des Schulamtes hatten der „Controlleur“ und die Salinenarbeiter 200 Gulden für den Bau des Gotteshauses gezeichnet und um eine „Collecte“ nachgesucht. Zwar wurde die Sammlung abgelehnt, der Gemeinde der Gemeinde aber ein Bauplatz in Aussicht gestellt, wenn die Mittel vorgewiesen werden.

 

  1. Mär. In Dürrenberg wird erstmals Salz gesotten (Judersleben).

1763 hatte Borlach eine verwendbare Solequelle am „Dürren Berg“ getroffen, die den Aufbau eines Salzwerkes ermöglichte. Der Fiskus erwarb das Rittergut Keuschberg und Borlach leitete den Aufbau der Saline. Für die Inbetriebnahme der Siedepfannen und des Gradierwerks wurden  der Kösener Siedemeister Döhne und der Pumper Leberecht Zedel abgestellt.

 

  1. Mai Johann Christian Schröter bewirbt sich bei der Saline (DD Loc. 1337).

Schröters Vater war der Maurermeister Christian Schröter der seit 1731 am Lengefelder Fahrweg wohnte. Er selbst hatte keine besondere Schule besucht, dafür besaß er sehr viel praktischen Verstand meinte Borlach „das übrige was den innern Zustand der Salzwercke betrifft, wird er vielleicht, wenn ihm das kleine Glück, welches er zu erhalten sich sehr freuet, nicht verdirbt, auch lernen“. Das Kammerkollegium teilte mit, dass Schröter „zum Gebrauch by deren Salzwercken  angenommen und sich zur nächstkommenden Michaelis-Meße zu Leipzig bey der sodann daselbst anwesenden Churfürstlichen Cammer zur Verpflichtung behörig zu befinden hat.“

 

  1. Mai Prinzregent Xaver bewilligt die Anstellung Senffs als Eleven (DD Loc. 1337).

„…auf beschehenes unterthänigsten Ansuchen, Erdmann Friedrich Senff, dem Berg-Rathe Borlach, um von demselben in denen zum Bau und Umtrieb derer Churfürstl. Salzwercke gehörigen Wissenschaften unterrichtet und angewiesen zu werden, gnädigst beygegeben haben.“

 

      Juli Maßstabsgerechte Flur-Karte (DD,  XXVI, F 95 Nr. 2b).

Die handkolorierte „Fluhr-Charte von dem District Pforta, District Koesen, den Saalhäusern, Schul-Vorwercken Cuculau und Franckenau nebst der Wüstung Franckenau“ fertigte der kursächsischen Vermessungsoffizier Leutnant Backstroh an. Sie diente zusammen mit dem Amtserbbuch der steuerlichen Erfassung privater Erbpachtgrundstücke. Zur Kennzeichnung der ausschließlich zu Wohnzwecken dienenden Anwesen, die anders besteuert wurden als die  landwirtschaftlichen Anwesen sowie die fiskalischen Einrichtungen wurden unterschiedliche Schraffierungen angelegt.  Zu den Gehöften gehörten das ehemalige Floßamt, nunmehr im Besitz des Einnehmers Döring (Naumburger Straße 1) und der umfangreiche Besitz des Bergrates Borlach (heute Lindenstr. 15, 17, 19, 19a, Borlachstr. 1, 1a, 2, 2a und 3).

Am Ende des Lengefelder Fahrweges (heute Borlachstraße 40/41/42/43) lag der hier als „Schneckengarten“ bezeichnete Teichgarten der Floßmeisterin Sophia Rebekka Hartig. Hier entsprang die Quelle, die quer über die Mühlenwiese zur Saale floß. Vorher zweigte noch ein Graben ab, der zur „Wässerung“ der Mühlwiese diente und unterhalb des Wehrdammes in die Saale mündete. Oberhalb des Rechens bis zur Krümme  sowie von der Brücke entlang der kleinen Saale und dem Scheitbach befanden sich die Scheit-Plätze.

Die Wohnhäuser in Neu-Kösen trugen die Nummern aus dem Erbbuch von 1752, wobei bereits einige Parzellen am Lengefelder Fahrweg geteilt waren. Hinzu gekommen waren die Anwesen des Obersteuereinnehmers Hübsch (Lindestr. 12) und des Kinderlehrers Hucke (Lindenstr. 24).     

Zu den der Schule und dem Fiskus gehörenden teilweise bewohnten Anwesen zählten die  beiden Gradierhäuser, die Siedehäuser, die Wohnung des Siedemeisters, das Brauhaus, die Radstuben, die Solschächte, die Salinenschmiede, die Wohnungen der Kunst- und Gradiermeister, die Schäferei, der Gasthof, die Mühle, das Floßamt und der Rechen. 

Erfasst waren die Weinberge am Nikolausberg, an der Ilske und den Vorderbergen. Einige Flurnamen verweisen auf die Wüstung des „unteren“ Dorfes Fränkenau zwischen dem Äbtischen Holz und dem Nikolausberg und die „Mühlstatt“ an der Mündung des Scheitbaches, wo auf einer  „wüsten Insul“ die Lochwitzer  Wassermühle stand.    

Im Vergleich zu heutigen Katasterplänen ist die Genauigkeit der Aufnahme mit den Mitteln der damaligen Zeit erstaunlich.  

 

  1. Aug. Schreiben des Prinzregenten Xaver zum Kirchenbau (WER D34 Anh. 2/2731)

Trotz der ablehnenden Haltung des Schulamts war man an höchster Stelle nicht abgeneigt, die  Auspfarre zu genehmigen. Daher wurde den Schulbeamten befohlen, der Gemeinde den Platz für die Kirche und den Gottesacker anzuweisen und abzumarken und die Gemeinde aufgefordert, die Pläne und Kostenanschläge vorzulegen und eine verbindliche Erklärung abzugeben, dass man die Baukosten sowie die Hand-und Spanndienste und die Entschädigungszahlungen für die Schulgeistlichen zu leisten bereit und imstande ist.

Doch die Erklärung kam nicht zustande, denn die meist armen Gemeindemitglieder lehnten in Anbetracht ihrer kärglichen Einkommen eine finanzielle Beteiligung ab.

 

  1. Sep. Bericht des Schulamtes zum Stand der Mühlenverpachtung (WER D 34 Anh. 2, 861).

Im Juli hatte der Müller Barthold sein Angebot auf 4.000 Gulden Kaufpreis und 400 Gulden Erbpacht erhöht. Die Schulbeamten lehnten daraufhin die Witwe Friedrich als ungeeignet ab. Doch die wandte sich direkt an den Prinzregenten und erhöhte das Pachtgebot  auf 525 Taler.

Daraufhin entschied der Prinzregent am 19. November, zunächst von einer Neuverpachtung abzusehen und die derzeitige Zeitpacht der Witwe bis zum vertraglichen Ende 1771 fortzusetzen und dann über eine Neuverpachtung zu befinden.

 

             Johann  Ernst Hucke jr. wird Kinderlehrer  (KÖZ. 1902).

Inzwischen waren es aber soviel Kinder, dass die Stube im Huckeschen Anwesen nicht ausreichte, und trotz Aufteilung auf den Vormittag und den Nachmittag ließ der  Unterricht sehr zu wünschen übrig. Dazu hieß es in einem Schreiben des Steuerprokurators Hübsch und des Feldschers Döring an den geistlichen Inspektor „daß der seit 1736 allhier gestandene Kinderlehrer J. E. Hucke sen., von dessen Lehre eben die jetzigen eingeborenen Kösener, als von ihm gelehrte Männer herrühren, weder die Katechismen verstanden noch eine Zeile Deutsch richtig zu schreiben gewußt. Aus dieser unverantwortlichen Unwissenheit der bisherigen unnützen Kinderlehrer zu Kösen, welche vielleicht einen besseren Beruf  und Fähigkeiten zum Dreschen gehabt haben werden, stammt nun auch zugleich die hiesigen Orts gar sehr zu Schwange gehende Verachtung des göttlichen Worts, Schändung der Gott geweihten Tage, Widersetzlichkeit gegen die Obrigkeit  und alle andern herrührenden Sünden und Vergebungen, und man kann kühnlich behaupten, daß der Ort Kösen, so volkreich solcher auch sein mag, hierinnen schwerlich wohl seinesgleichen haben dürfte.“

 

1766

  1. Feb. Stellungnahme des kurfürstlichen Oberkonsistoriums (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861)

Freiherr von Hohenthal empfahl dem Kammerkollegium nach Prüfung aller äußeren Umstände und des Lebenswandels, den Erbpachtvertrag über die Mühle mit Rebekka Friedrich abzuschließen.

 

  1. Feb. Dreizehnter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Auch diesmal einigte man sich nur auf die Flöße im laufenden Jahr und vereinbarte, wegen mangelnden Absatz und großer Vorräte auf den kursächsischen Ablagen, die Commun-Saalenflöße in den kommenden vier Jahren 1767 bis 1770 auszusetzen.Der altenburgischenh Priavtflöße blieb es aber überlassen auch in diesen Jahren Holz anzuflößen.

 

  1. Apr. Inbetriebnahme des 3. Dürrenberger Siedekoths (Judersleben).

In dieses Siedekot  wurde Johann Christian Judersleben, der Bruder von Johann Gottlieb, als „jüngster Pursch“ eingestellt.

 

  1. Juni Johann Gerlach Scheufler pachtet den Salinengasthof. (WER Rep. 23I, Nr.11 Bd.1).

Die Pacht betrug 450 Gulden, die Kaution 500 Gulden. Damit endete nach 24 Jahren die Pacht von  Johann Martin Knorr, der inzwischen das Vorwerk Kukulau gepachtet hatte.  

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Andreas Hilpert regulierte seine Erbangelegenheiten.

 

1767

  1. Dez. „Erläuterungsmandat“ zum Floßzoll (MER C 48 Ic, 1686)

Der Erlass regelte die Rechte und Pflichten des Floßschreibers und „Floß-Zoll-Holz-Einnehmers“, sowie den Betrieb des Stapels und die Erhebung des Floßzolls. Der Schreiber sollte sein besonderes Augenmerk auf den Erhalt des Rechens legen, damit bei Eisgang kein größerer Schaden entstand. Er sollte  die landesherrlichen Regale bei den Langholzflößen ohne Ansehen der Person durchsetzen und Verstöße dem Geheimen Finanz-Kollegium oder dem Oberaufseher umgehend melden. Bei der „Commun-Flöße“ musste er für die Kontrolle und den Umschlag der Scheite sorgen, die Wochenzettel gewissenhaft  führen und den Lohn pünktlich zahlen. Dazu kam die Überwachung des rechten Stapelmaßes, die monatliche Abrechnung in dreifacher Ausführung, sowie die Verhinderung von Diebstahl, Unterschlagung und die Übergabe ertappter Missetäter an die zuständigen Gerichtsherren.

Von den Langholzflößen war das Saalecker Geleit und und der 20. Teil des Wertes der Stämme und Holzwaren entweder in barer Münze oder in „natura“ einzunehmen. Das  einbehaltene Holz sollte er angemessen „versilbern“. Außerdem mußte er die Freibriefe gewissenhaft kontrollieren.

All dies sollte sowohl ohne Schmälerung des Zoll-Regal und als auch ohne Beeinträchtigung von Handel und Wandel geschehen. Alle Betrügereien mussten dem  Amtsoberbefehlshaber oder den Gerichten gemeldet werden. Aus dem eingehenden Strafgeld erhielt der Floßschreiber die Hälfte, was natürlich den Eifer anspornte.

Alle Vorgänge mussten täglich, wöchentlich, monatlich und jährlich dokumentiert und mit einer eidesstattlicher Versicherung versehen, vier Wochen nach Jahresende dem Rentamt übergeben werden. Die vereinnahmten Gelder waren laufend abzuführen und vierteljährlich mussten die am Stapel und beim Floßamt lagernden Stämme, Scheite und Holzwaren gemeldet werden. Dieser Erlass erweiterte die  Anordnung vom 17. März 1750, insbesondere hinsichtlich der Zusammenlegung des Saalecker Geleits mit dem Kösenr Zoll.. 

 

1768

  1. Jan. Anweisung des Kammerkollegiums zur Mühlenpacht (WER. D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Als das Schulamt den Abschluß des Vertrages hinaus zögerte, beschwerte sich die Müllerin beim Kammerkollegium. Das verlangte vom Schulamt eine Erklärung, worauf dieses im März 1767eine recht fadenscheinige Erklärung abgegeben hatte. Daraufhin schickte das Kammerkollegium einen Kommissar vor Ort,  um die vom Schulamt vorgebrachten Bedenken zu prüfen. Der erklärte, dass die allesamt unerheblich wären und es keinerlei Hinderungsgrund gäbe, weshalb das Schulamt angewiesen wurde, umgehend den Pachtvertrag abzuschließen. Gleichzeitig wurde der Müllerin die Anlage einer Schneidemühle genehmigt.

 

  1. Apr. Versteigerung von zwei Halbweinbergen (WER Rep. D Pforta II 2301).

Die ehemals Koch und Füllsack gehörenden Weinberge auf den „Platten“ dienten 1725 beim Umbau des Wehrdammes als Steinbruch und blieben dann liegen. Nun versuchte das Schulamt die wüsten Lagen wieder an den Mann zu bringen.

 

  1. Juni Anordnung des Prinzregenten zum Rechenhaus (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3813).

Amalie Dorothea verh. Mack die Tochter des Floßmeisters Hartig hatte nach dem Tod ihrer Eltern das Anwesen geerbt und wollte es nun verkaufen. Allerdings gab ees Probleme, denn einer der 6 Mietparteien, der Rechenwärter Sachse erklärte, dass er als Bediensteter des Floßamtes seit jeher eine mietfreie Wohnung habe. Da es dafür aber keine schriftliche Abmachung gab,  wandte sich die Erbin an das Kammerkollegium. Das  wiederum befahl dem Oberaufseher der Saalen-Flöße Senff v. Pilsach, dem  Amtmann Gutbier und dem Floßmeister Stöter, den Nachfolger Hartigs, die näheren Umstände zu untersuchen und Bericht zu erstatten.

 

  1. Juli J. G. Borlach verstirbt (Acta das Ableben des Borlach und dessen Beerdigung betr.)

Am Abend des 7. Juli wurde der Bergrat auf dem Friedhof in Schulpforta beigesetzt, wobei das  Konsortium den geistlichen Inspektor befohlen hatte, auf eine Kanzel-Abkündigung zu verzichten.

Nach Judersleben wurde Borlach in einem Grabgewölbe beigesetzt, das mit dem Psalm 16.6 „Das Loos ist mir gefallen aufs Liebliche!“ versehen war.

Am 12. Juli schrieben  Carl Ferdinand v. Lindemann, Friedrich Gottlob v. Berlepsch und Friedrich Anton von Heynitz „Ew. Königl. Hoheit geruhen gnädigst, sich (.) vortragen zu laßen, was  maaßen nach einem vom Amtmann Gutbier zu Pforte unterm 5ten Julie a.c. erstatteten Bericht, der Berg-Rath, Johann Gottfried Borlach, welchem man die Erfindung, Einrichtung und den nutzbaren Umtrieb derer Churfürstl. Salzwercke zu Artern, Kösen und Dürrenberg lediglich verdanken hat, am 4ten July a.c. in einem Alter von 81 Jahren verstorben ist.“

Seinen ansehnlichen Besitz in Neu-Kösen, darunter das „Neue Haus“ samt Inventar, den Kelter  und die Weinberge am Nikolausberg erbte sein Bruder Johann Hermann. 

 

  1. Aug. Johann Hermann Borlach wird zum Salinendirektor ernannt (DD Loc 1337).

Am 9. Juli hatte er sich beworben und auf Empfehlung des sächsischen Generalbergkommissars von Heynitz wurde der sachkundige Johann Hermann Borlach anstelle des Kammerrats Johann Friedrich von Posern zum Direktor berufen. In der Bestätigung hieß es , dass er „bey Erhebung und Direction  dieser Saltzwerke die Ideen und Anstalten des verstorbenen Bergraths Borlach, größtentheils mit executiret, und dabei sehr viele Kenntnisse und Erfahrung erworben“ habe.“ Dem Special-Rescript seiner Ernennung war „das Praedicat eines Churfürstlichen Berg Raths beygelegt“.              

 

  1. Sep. Dienstantritt des Salz-Inspektors und Vizedirektors v. Beust (Judersleben).

Carl Leopold (II) v. Beust, (1740-1827) kursächsischer Kammerherr und Bergrat, gehörte der jüngeren sächsischen Linie der Beusts an. Sein Onkel war der Herzogl.-Eisenachsche Oberberg- und Legationsrat, auch Dänischer und Kurpfälz. Geheimrat Joachim Friedrich Freiherr v. Beust (1697-1771, Inhaber der Sulzaer Saline. Sein Enkel Kammerherr Friedrich Carl Leopold Freiherr v. Beust (1779-1845) war von 1805-1807 Access bei der königl. - kurfürstl. Salinendirektion und sein Urenkel Friedrich Constantin Freiherr v. Beust (1806-1891) von 1844-1867 Kgl.-sächsischer Oberberghauptmann.

Am 16. September mussten die Salinenarbeiter (bis auf die Wächter an den Pfannen) im  Werk den treueeid auf den Vize-Direktor leisten.

 

1769         

  1. Jan. Verfügung zum Anbinden der Langholzflöße (MER C 50 Naumburg Nr. 75)

Weil die Commun-Flöße ausgesetzt war, wurde das Anbindeverbot gelockert und die Flöße legten wieder in der Lengefelder und Saalecker Flur an. 

 

  1. Jan. Dankschreiben der Müllerin (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Sophia R. Friedrich bedankte sich für die Erbpacht, bat aber, nicht wie vereinbart 2/3 der Kaufsumme zu zahlen, sondern zunächst ein Drittel.

Kurz danach beschwerten sich die  Dorfrichter der Zwangsmahldörfer, bezichtigten die Müllerin der Untreue und Nötigung und beantragten im Namen der Dorfgemeinschaft die Anpachtung der Mühle. Dahinter steckten die Schulbeamten, denen  die Müllerin ein Dorn im Auge war. Das Kammerkollegium wies nun das Schulamt an, den Antrag der Zwangsmahldörfer und deren finanzielle Möglichkeiten zu begutachten. Als sich dann die Zwangsmahldörfer nicht einigen konnten, wurde am 15. November angewiesen, den Erbpachtvertrag mit Sofia Rebekka Friedrich zu siegeln, was am 31. Okt. 1770 durch den   Advokaten  Johann Samuel List als Vormund der Müllerin vollzogen wurde.

 

  1. Feb. Bericht über die Besitzverhältnisse beim Rechenhaus (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3813)

Auf Nachfrage erklärte der Floßmeister August Ludwig Stöter, dass der Rechen selbst der   „Commun-Flöße“ gehörte, aber nach den ihm bekannten Verträgen nicht das Rechenhaus.

Nach Sichtung der im Schulamt vorhandenen Unterlagen (Zins- und Grundbücher) stellte sich dann heraus, dass zwar der Platz für den Neubau des Rechenhauses der „Commun-Flöße“ im Jahr 1727 von der Schule  zugewiesen wurde, weil sich die Teilhaber nicht über die Baukosten einigen konnten, hatte Hartig auf eigene Kosten den Platz bebaut. Das Anwesen hatte nun sechs Mietwohnungen, fünf waren vermietet, ausgenommen die Wohnung für den Rechenwärter, der freie Unterkunft hatte. Bei der Neufassung der Amtsbücher im Jahr 1751 hatte er dem Amtsschreiber Schacher erklärt, dass das Rechenhaus zum Floßamt gehört und demzufolge nicht besteuert werden könnte. Der hatte es geglaubt und das Anwesen nicht im Amtserbbuch erfasst.

Um die Sache im Interesse der Erbin und des Fiskus zu bereinigen, sollte die „Commun-Flöße“ das Anwesen erwerben und neben dem Rechenwärter, Floßboten und Offizianten unterzubringen. Dem verweigerten sich die herzogl. Teilhaber, und so durfte die Erbin das Anwesen verkaufen unter der Maßgabe, dass der Erwerber weiterhin dem Rechenwärter die aus einer Stube, einer Kammer, einer  Küche  und zwei Bodenkammern bestehende Wohnung kostenfrei überläßt und dem Schulamt den gültigen Erbpachtzins zahlt. 

 

  1. Apr. Gesuch beim Kammer-Kollegium (DD Loc 31875, Rep XXXVIII)
  2. H. Borlach und der Vizedirektor v. Beust schlugen vor, die Handpumpen für die Repetiertfälle am unteren Gradierdurch durch „Maschinenpumpen“ abzulösen, die über eine Verlängerung des Doppelfeldgestänges im unteren Solschacht von der Wasserkunst betrieben werden könnten.

 

  1. Apr. Anstellung des Salinen-Conducteurs Carl-August Therkorn (DD Loc.1337).

Carl-August war der Sohn oder Bruder des 1737 auf der Kösener Saline tätigen Johann Daniel Therkorn.

 

  1. Juni Anweisung des Kammerkollegiums (in DD Loc 1337).

Die versuchsweise Anbindung der Gradierpumpen an das Gestänge des unteren Radhauses bereitete erhebliche technische Probleme. Zunächst ging viel Kraft verloren, weil das Gestänge  im unteren Schacht seitlich „abbog“ um zum 1. und 2. Fall des Gradierhauses zu schieben. Dazwischen lag auch noch der alte Schafstall, durch den das Gestänge geführt werden musste, was den Pachtschäfer und das Schulamt auf den Plan rief. Auch die Weiterführung zum zweiten Gradierhaus, für den 3. und 4. Fall erwies sich als undurchführbar. Insgesamt reichte die Kraft der unteren Radkunst nicht aus, zumal ein wesentlicher Teil für die Wildwasserwältigung gebraucht wurde.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Johann Michael Ludwig der Fleischsteuerpächter zu Kösen verklagte Hassenhausener Bauern weil die auswärtiges und somit unversteuertes Fleisch verkauft hatten (Nr. 704). Christina Elisabeth Schneider kam wegen Ehebruch vor Gericht Nr. 5096). 

 

1770        

  1. Mai Verordnung zur Erhebung des Floßzolles (MER C 48Ic, Nr. 1686).

Befohlen wurde „daß der Einnehmer zu Koesen bei Erhebung des dasigen Floßzolles sich nach der bisherigen Observanz bei der Taxation der Zollstücke nach dem jedes mahl bestehenden Preise der Waaren  richten, die Zollstücken aber nicht in natura annehmen solle“. Erneut sollte der Zolleinnehmer Tostlöwe den Zoll in bar erheben und die aktuellen Marktpreise zu Grunde legen.

 

  1. Okt. Anweisung zur Langholzflößerei (MER C 48Ic, Nr.1686).

Weil Böttcherwaren, die auf den Flößen ankamen nicht dem Floßzoll sondern der Landakzise unterlagen, wurde die Mitnahme untersagt und den Floßbeamten befohlen, dies zu unterbinden.

 

            Abbruch der Vorburg der Rudelsburg (Gedenkbuch der Rudelsburg, Spangenberg 1853)

Die äußere Verkleidung aus Hausteinen verbauten die Besitzer im Rittergut zu Kreipitzsch. Übrig blieben die inneren Teile der die Zugbrücke über den Graben der Vorburg flankierenden Türme. Dieses Gemisch aus kleinen Steinen und Mörtel überdauerte die Zeiten.

 

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Salzsieder Gottfried Richter hinterlegte im Amt sein Testament.

 

1771

  1. Jan. Bestätigung der Mühlenpacht (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Zum bevorstehenden Ende der Zeitpacht bestätigte der Amtmann Gutbier der Müllerin, dass sie die bisherigen Pachtzahlungen ordnungsgemäß geleistet und somit keine offenen Forderungen ihr gegenüber bestehen.

 

  1. Mär. Vierzehnter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Nach vierjährigen Pause vereinbarten die Teilhaber eine gemeinsame Flöße im laufenden Jahr.

 

      Apr. Bruch des Solschachtes (DD Loc. 1337)

Dabei handelte es sich offenbar um den unteren Solschacht, bei dem die ohnehin nicht sehr sorgfältige ausgeführte Schachtverzimmerung dem Druck des Schichtenwassers nachgab. Auch dies dürfte Anlaß gewesen sein, sich mit der Soleförderung auf den oberen Schacht zu konzentrieren und den unteren Schacht nur bei Bedarf zu nutzen. Ansonsten musste das Wildwasser gewätigt werden, um eine Verschlechterung der Sole des oberen Schacht zu vermeiden, die über den Verbindungsstollen jederzeit möglich war.

 

  1. Mai In Sulza verstirbt Joachim Friedrich Freiherr v. Beust (Der Anschnitt 3/1990).

Seinen Anteil an der Saline Unterneusulza erbte sein Sohn Friedrich August Karl Freiherr v. Beust (1736-1807), kursächsischer Kammerherr seit 1775 (s.a. Chursächsischer Hof- und Staatscalender). Sieben Jahre später starb sein Bruder Carl Leopold Graf (I) v. Beust. Dessen  Anteil erbte sein gleichnamiger Sohn Carl Leopold (1740-1827). 1902 beging die Familie Beust das 150jährige Besitzjubiläum der Saline, 1926 wurden die Anteile in die Neusulzaer Salinen-Sozietäts-Treuhand GmbH übernommen. 1948 wurde der Betrieb verstaatlicht und 1967 die Siedesalzproduktion eingestellt.

 

  1. Mai Schreiben zum Antrag von Beust auf Beförderung (in DD Loc 1337).

Carl Leopold Graf (II) von Beust hatte bereits 1764 um die Ernennung zum Amtshauptmann nachgesucht, nun wurde vorgeschlagen,  ihm diesen Rang oder den eines  Bergrates  4. Klasse zu verleihen.

 

  1. Juni Befehl zur Reorganisation des Salinenwesens in Kursachsen (Mager).

Das Kammerkollegium erhielt den Auftrag, geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, um die  inländischen Salzwerke so auszubauen, dass man auf die Salzeinfuhr aus den brandenburg-preußischen Salinen Halle, Staßfurth, Groß-Salze  bzw. Schönebeck völlig verzichten konnte.

 

  1. Nov. Bericht der Salinen-Reorganisationskommission (DD Loc 1337- Abschrift).

„Die Untersuchung derer in Churfürstentumb Sachsen und incorporirten Landen befindlichen Salz Wercke und Salz Quellen, auch Saalen und Unstruth Flöße und der benöthigten Floßhölzer..“

Kurfürst Friedrich August III. wollte  „diesen wichtigen Teil unserer Finanzien (.) zu unserer Rent-Cammer fließenden  Einkünfte ohne Nachtheil Unserer Unterthanen, zum Vortheil Unserer Casen zu erhöhen“. Geheimrat Friedrich Anton v. Heynitz, Kammerherr Bergrat Carl Leopold (II) v. Beust und Johann Polycarp von Leyser (ein Nachfahre des 1689 in Kösen erwähnten J. W. Leyser?) legten ein umfangreiches Gutachten vor. Einleitend ging man auf die Geschichte der Salzwerke Sachsens und der mit dem Ausland bestehenden Verträge bezüglich der  Salzeinfuhr und des Salzdebits ein. Dann folgten die  Vorschläge  zur Erhöhung der Salzproduktion und der Verbilligung der Produktion  auf den kursächsischen Salinen. Zur Verbesserung der Gradierung und der Siedetechnik wurden umfangreiche Investitionen auf den beiden älteren Salinen  Kösen und Artern empfohlen. Die hiesige Saline sollte ein neues Gradierwerk erhalten, da die beiden Gradierhäuser am Salzwerk viel zu dicht beieinander standen, was den Gradiereffekt stark beeinträchtigte. Außerdem kam die Umstellung der handbetriebenen  Umlaufpumpen auf den Antrieb durch die  „Wassermaschinen“ wieder auf den Tisch, was die Verbesserung der Effizienz der Wasserkünste erforderte. Die freiwerdenden Pumpknechte sollten zu Gradierern umgeschult werden, zumal man bei Einführung der Nachtgradierung mehr Personal benötigte. Mit dem Bau großer Sammelbecken wollte man eine Reserve an Siedesole vorhalten, die auch bei eingeschränkter Förderung und Gradierung einen kontinuierlichen Siedebetrieb ermöglichte. Außerdem sollten die Pfannen und die Herde so eingerichtet werden, dass man Brennmaterial und damit Kosten sparen könnte. Dazu wurde auf die Erschließung von Kohlenvorkommen verwiesen und geraten sich auf den „ausländischen“ Salinen umzusehen, um sich mit den dortigen Verfahren vertraut zu machen. Damit hoffte man, die rückläufige Produktion von ehemals 28.000 Stück Salz im Jahr 1742 die auf 20.000 Stück im Durchschnitt der letzten 6 Jahre zurückgegangen war, wieder zu egalisieren und möglichst auf über 30.000 Stück zu steigern (das Stück zu 60 kg). Zumal auch die an den Fiskus abgeführten „Revenuen“ seit 1754 mit 12.208 Gulden bis  1771 auf 8.199 Gulden zurück gegangen waren..

 

  1. Dez. Beschwerde der Pachtmüllerin (WER D 34 Anh. 2 Nr. 859 sowie 861-862).

Der Müller durfte sei jeher aus den ihm zustehenden Getreideresten Branntwein herstellen. Nun hatte der Kurfürst bestimmte Einschränkungen erlassen, um den übermäßigen Branntweingenuss seiner Landeskinder zu unterbinden. Befehlsgenmäß hatte daraufhin der Amtmann der Müllerin das Brennen untersagt und die Brennerei versiegelt. Die Müllerin verwies darauf, dass sie ohne die Brennerei die versprochene Pacht nicht zahlen könne, zumal durch den Betrieb der Wasserkünste der Saline immer öfter ihr Mühlgerinne zugestzt wurde.

 

1772    

  1. Feb. Bericht des Kammerkollegiums (DD Loc 1337).

Unter dem Titel „Unterthänigster Bericht des Cammer-Collegii. Die zur Erwegung derer Mittel zu Verbesserung derer Churfürst. Salz-Einkünffte und Verhütung derer dabey zu besorgenden Unterschleife, angeordnete Commission und deren eingerichtete Vorschläge betr.“, legte das Kollegium die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen und die  möglichen Verbesserungen vor. Das betraf die Einhaltung und Kontrolle des Salzregals und der Lizenzen, neue Salzniederlagen und die Verdoppelung der Fabrikation in Dürrenberg..

 

  1. Mär. Bericht des Kabinettsministers Ferber (DD Loc. 1337).

Unter Bezugnahme auf die Vorschläge des Kammerkollegiums und die Einberufung einer Kommission  bemerkte er: „So ist kein Zweifel, daß die Salz-Revenuen, wie zeithero also ferner von Jahren zu Jahren steigen und am Ende die Saltz Versorgung (…) ganz in Chur Fürstl. Hände kommen wird.“

 

  1. Mär. Reorganisation des Salinenwesens (DD Loc 1337).

Ein Direktorat sollte die Maßnahmen in den drei fiskalischen Salinen koordinieren und überwachen. An der Spitze stand der am 10. Dez. 1763 vom Prinzregenten Xaver zum Generalbergkommissar berufene Friedrich Anton v. Heynitz, der 1765 zusammen mit Fr. W. v. Oppeln die Bergakademie Freiberg begründete. 

Sein Vertreter war der Kammerherr Leopold von Beust. Bezüglich des Salinendirektors J. H. Borlach wurde angemerkt,  ihm „bei seinem hohen Alter eine bequeme und honorable Retraite zu gönnen und zu den Salzwerken einen Mann aus der Waitz`schen Schule zu holen.“

Die Kommission begab sich unverzüglich zu den Salinen, um die vorgesehenen Verbesserungen   umgehend in Angriff  zu nehmen.

 

  1. Juni Salinenrecherche (DD Loc. 1337).

Bei der Besichtigung des Kösener Werkes vereidigte v. Heynitz  den „Controlleur“, den „Cassierer“ und den „Condukteur“ auf die zu treffenden Maßregeln:

1.) dass  die Lokalbeamten zweimal jährlich jeweils zu Ostern und Michaelis eine gemeinsame Sitzung abzuhalten haben, worüber ein „Haushaltprotokoll“ anzufertigen ist, von denen jeder Beamte eine Abschrift erhält.

2.) eine Registratur einzurichten, wo alle Schreiben, Protokolle, Anordnungen etc. aufzubewahren sind. Alle im privaten Besitz Borlachs und der übrigen Beamten befindlichen Betriebsakten sind zu archivieren.  

3.) wurde dem Kondukteur Schröter befohlen, für die Feuerungsanlagen mehrere Züge einzubauen, wie sie die Kommission in Neu-Sulza gesehen hatte. Damit könnte ein besseres Salz mit weniger Brennholz erzeugt werden. Außerdem sollte sich Schröter auf der Saline Allendorf über die Vorteile  der dortigen  Waitz`schen Gradiertechnik informieren.

4.) dass die bisher von Hand betriebenen Repetierpumpen an die „Wassermaschinen“ anzuschließen sind und  die Pumpknechte zum Gradieren eingesetzt werden sollen.

5.) Die Einführung der Nachtgradierung.

6.) Außerdem war der aus Eisenach stammende Törpsch als Kassierer vorgesehen, der aber zum Nachweis seiner Brauchbarkeit zunächst die Arbeiten der  Siedemeister analysieren und mit den  Sulzaer vergleichen sollte.

Zum Ende wurde die Vereinheitlichung der Salzwaagen durch die Einführung der von Borlach benutzten Proportionalspindel, die eine 100 Striche umfassende Einteilung hatte auf allen kursächsischen Salinen angeordnet und den Siedemeistern Prämien versprochen, wenn sie in ihrem Kot Feuerholz einsparen würden.     

 

  1. Juni Festlegung zum Neubau eines Gradierhauses (DD Loc 1337)

„…ausgemacht sey, daß die Kösener Coctur mit ihren jetzigen Gradier-Wercke auf keine Weise…. reich genug gradierte Sole fourniere… Es bleibe daher die Vermehrung und Verbeßerung  der dasigen Gradirung allemahl das wichtigste Haußhalt-Object  bey dem Kösener Wercke. In dieser Absicht hat der Conducteur Schroeter Riß und Anschlag zu fertigen…daß a.) ohne die jetzigen Revenuen …. zu alteriren in 2 bis 3 Jahren fertig werden könne, b.) daß das Gradir-Hauß zugleich auch ein Soole-Reservoir eingerichtet werde…d.) daß dem Conducteur Schroeter  die Absteckung des neuen  Gradir-Haußes  auf der in loco mündlich verabredeten  Linie aufgetragen  werde und damit man wegen des Ankaufs des Platzes erforderlichen data beysammen, so wollen  die Hr. Berg-Räthe  alles  darzu  ex ante Actis praepariren, sich auch vorläufig  mit dem Schul-Amte vernehmen.“

 

  1. Juni Bericht des Geheimrates von Heynitz (DD Loc. 1337).

Dieser fasste nochmals die Ergebnisse der drei Lokalbesichtigungen (Artern am 6. Juni, Dürrenberg vom 11. bis 13. Juni) zusammen. Dürrenberg war demnach am ausbaufähigsten hinsichtlich der Qualität und Quantität. Die Vorbereitung und Überwachung der umfangreichen Bauten wurde dem Baumeister Schröter übertragen.  J. H. Borlach verzichtete mit Rücksicht auf sein Alter auf die Bereisung der Salinen Artern und Dürrenberg.

 

  1. Aug. Schreiben des Steuerprokurators J. Chr. G. Hübsch (KAZ 1941).

Der Kinderlehrer Ernst Hucke jr. hatte beim Kurfürsten seine Versetzung beantragt, nachdem eine  Einigung mit der Gemeinde zur Aufbesserung seiner Einkünfte nicht zustande gekommen war. Etliche der meist armen Familien verwehrten ihren Kindern den Schulbesuch, um sich das  Schulgeld und die  „Reihenspeisung“ des Lehrers zu ersparen. Um dem nächsten Kinderlehrer ein besseres Auskommen zu sichern, schlug Hübsch vor, dass neben dem Schulgeld alle Hausbesitzer vierteljährlich 15 Pfennige beizusteuern sollten, unabhängig ob sie schulpflichtige Kinder haben oder nicht, um die Anhebung des Schulgeld zu ersparen (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2893). 

Bei der Neubesetzung der Stelle des Kinderlehrers kam es zum Streit zwischen dem geistlichen Inspektor und der Gemeinde. Die Gemeinde hatte sich für den in Wilsdorf amtierenden Kinderlehrer Adolf Heinrich Näbe entschieden, den der Holzhändler Fr. Seidler vorgeschlagen hatte. Dagegen hatten Hübsch und der geistliche Inspektor den Theologiestudenten  Johann Georg Rau(h)e, vorgeschlagen. Der aus Naumburg stammende Raue (geb. am 18. 04. 1739), verlegte sofort seine Wohnung nach Kösen. Doch die Gemeinde lehnte Rauhe ab, weil er keinen amtlich beglaubigten Abschluss nachweisen konnte. Nach einem halbstündigen „Testamen“ vor dem geistlichen Inspektor Hauck bestätigte ihm dieser, dass er zum Kinderlehrer befähigt sei.

Das erkannt jedoch die Gemeinde nicht an. In dem sich anschließenden Gerichtsverfahren erklärte die Salinenverwaltung, dass alle von der Gemeinde  bisher angestellten Kinderlehrer der Einwohnerschaft nichts beigebracht hätten, weil „unter allen eingebornen Kösener Einwohnern nicht ein einziges tüchtiges Subjektum zum erledigten Richteramte“ zu finden wäre, man statt dessen unter  Auswärtigen auswählen müsse, wie den Bader Holstein aus dem Brandenburgischen, den Schneider Weber aus dem Hessischen oder  dem Tischler Böhme  aus dem Erfurtischen“ und keiner hier in der Lage sei, der „einen höchsten landesherrlichen Befehl oder eine obrigkeitliche Verordnung in der Gemeinde öffentlich ablesen oder vielmehr zusammenbuchstabieren“ könne.

Zum Schriftverkehr gehörte eine Aufstellung der 53 Unterbeamten und Arbeiter der Saline. Dazu gehörten  der Pfannenschmied H. Fiedler, der Gradiermeister Chr. A. Heckenberg, 6 Koth-Meister (Chr. Henicke, G. Koch, H. Koch, Fr. Rauschner, Chr. Wünsch, J. Zedel), 12 Burschen (M. Büchner, Chr. Judersleben, M. Plaul, Chr. Ziege, M. Zimmermann, Fr. Butter, H. Wagner, G. Wagner, Chr. Streuber, G. Zedel, G. Judersleben, Fr. Scheufler), 5 Kunstwärter (Chr. Wolf, S. Blaubach, G. Thieme, Chr. Scheufler, G. Kühne), 16 Pumper (Chr. Eisentraut, A. Zahn, A. Kreutzmann, Fr. Nietzold, Fr. Zedel, G. Grenzdörfer, Chr. Bornschein, Chr. Wolff, Chr. Lange, G. Hanisch, G. Ziege, K. Seidler, Chr. Büchner, G. Büchner, Chr. Eisenschmidt, D. Gröschner), 4 Scheitführer (G. Dielitz, G. Schultze, G. Meyer, Chr. Otto), 4 Salzwächter (Chr. Koch, Chr. Arndt, Chr. Götze, Chr. Büchner), 2 Salzlader (G. Zimmermann, J. Tolle), der Pächter des Salinengasthofs Johann Gerlach Scheuffler, der Hufschmied Johann Georg Schläger und der  Tagelöhner Krüger.

 

  1. Nov. Erklärung des Kinderlehrers Hucke jr. (NKB 1904, Kös. Z. 1902).

Hucke, nunmehr Präceptor in Pfuhlsborn, bestätigte dem geistl. Inspektor, dass er Kösen verlassen habe, weil er hier nicht mehr als 30 Gulden Schulgeld eingenommen habe, und dass er davon seinen Lebensunterhalt nicht  bestreiten konnte.

 

  1. Chr. Charius beantragt die Konzession als Schumacher (WER D 34 1/1323).

 

              Johann Samuel List wird Accise-Einnehmer zu Flemmingen (WER D 34).

Der Enkel des Licentiaten Dr.  J. Fr. List vertrat als „Actore nomini“ von 1780 bis 1790 die 12 Filialkirchen in den  Pfortaischen Amtsdörfern, wenn Gemeindemitgliedern den Kirchezehnt und bestimmte Dienstpflichten schuldig blieben.

 

              Gerichtsverfahren (WER D 34)

Ulrich Bauer, Pachtschäfer zu Kösen klagt auf Schadensersatz.

 

1773

  1. Aug. Ausschreibung der Zeitpacht für das Vorwerk Kukulau (WER D 34 Anh 2 Nr. 858).

Die kurfürstliche Kammer zu Dresden verpachtete das Anwesen samt Zubehör für die Dauer von weiteren sechs Jahren an Johann Martin Knorr. 

 

  1. Okt. Visite des Salzwerks durch den Kurfürsten und die Kurfürstin (Judersleben).

Aus diesem Anlass hatten die zur Begrüßung angetretenen Salzbeamten und Arbeiter neue Uniformen bekommen. Nach der Besichtigung wurde angeordnet: „Demnach Ihro Churfürstl. Durchl. zu Sachßen, Unser gnädigster Herr, bey dermahligen starcken Anwachßung der Saltz-Vorräthe bey der innländischen Saltz-Coctur zu Kösen zu Beförderung des Abzugs deßselben die Saltz-Fuhrleute aus hiesigen Landen angewiesen, die Abfuhr zu beschleunigen“. Verfasser waren Carl Leopold Weise, Johann August Gerstäcker, Carl Ferdinand Lindemann und Johann Christian Dancke  (n. google book). 

Bei dieser Gelegenheit überreichte der Holzhändler J. Fr. Seidler im Namen der Gemeinde ein  Bittschreiben, in dem man die Untätigkeit des geistlichen Inspektors Magister Hauck bei der Besetzung der Kinderlehrerstelle und der obligatorischen Visitation beklagte. Neben Scheufler unterzeichneten der seit diesem Jahr zum Dorfrichter berufene Johann Christian Böhme, der Schöppe P. Hanisch sowie  alle übrigen Hausbesitzer(-innen), darunter Hämmerling, Hilpert, Schleicher, Seboth, Seyffarth, Streuber, Thieme und Zwingenberg.

 

1774

  1. Jan. Rebekka Friedrich übernimmt die Mühle (WER, D 34 Anh. 2 Nr. 858).

Nachdem der gesamte Kaufpreis geleistet war, wurde die Erbpacht mit Sophia Rebekka Friedrich und deren ältesten Sohn besiegelt.

Die Erbpacht betrug 450 Taler. Dazu kamen weitere 8 Taler zur  Unterhaltung des Wehres und  einige Naturalabgaben. Die Mühle hatte 3 unterschlächtigen Mühlgänge und eine Ölmühle, dazu gehörten das Wohn- und Nebengebäude, die Mühlenwiese, ein Obstgarten und die Fischerei am Wehrdamm, mit Ausnahme des Lachsfangs. Es blieb auch der Mahlzwang und das Malzrecht in den Dörfern auf dem Kreis Ober- und Niedermöllern, Pomnitz, Hassenhausen und Spielberg.  Neben dem Mahllohn durfte die Müllerin wie bisher das Malzgetreide, sowie  Staubmehl und Kleie behalten. Dafür verpflichtete sie sich, das Zwangsrecht nicht zu missbrauchen, aber auch alle ihr zu Ohren kommenden ungesetzlichen Vorgänge in den ihr zugewiesenen Dörfern umgehend dem Amt zu melden. Die Schweinemast für den Bedarf der Schule entfiel, die Haltung für den eigenen Bedarf war erlaubt, dazu kamen die Haltung von 4 Kühen und einem Kalb. Für die Viehhaltung lieferte das Schulamt das Stroh, dafür hatte die Pächterin jährlich 30 zweispännige Fuder Mist auf die Schulweinberge zu bringen. Den Vertrag unterzeichneten der Steuerprokurator J. Chr. G. Hübsch als Kurator der Müllerin, sowie die Schulbeamten G. Fr. v. Berlepsch, Dr. C. Chr. Gutbier, C. V. Franke und G Chr. Beyer. Am 26. April wurde der Vertrag genehmigt.

Entscheidend für den wirtschaftlichen Betrieb der Mühle war ein ständig guter Wasserstand. Allerdings mußten die Mühlengerinne geschlossen werden, wenn die Wasserstandmarke am Fachbaum unterschritten wurde. Damit wurde der Betrieb der  Wasserkünste der Saline sicher gestellt, allerdings zum Nachteil der Mühle.

Erschwerdend war, dass etliche Bauern der Zwangsmahldörfer in anderen Mühlen mahlen ließen. Daher verklagte die Müllerin 1771 G.Tänzer aus Spielberg (WER D 34 Anh. 1/2 Nr. 617), 1772  Chr. Nötzold aus Hassenhausen (Nr. 603), 1773 Rosina Roth aus Pomnitz (Nr. 604) Chr. Voigt; H. Wollweber, Chr. Hilpert und Fr. Schmidt aus Hassenhausen (Nr. 1624/1617/1627/1628) G. Ehrentraut aus Niedermöllern (Nr. 1623), 1774 A. Meißner aus Spielberg (Nr. 1629) wegen „Fremdmahlens“.

 

      Apr. 15. Commun-Saalenflöß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Floßbeamten hatten sich in Leipzig auf drei Flößen in den Jahren 1774, 1776 und 1778 geeinigt. Allerdings  gab es zahlreiche Einwände seitens der Kammern, so daß eine Genehmigung nicht erteilt, die Flöße aber dennoch zu den vorgesehenen Konditionen abgehalten wurde.

Die Commun-Flöße fand von nun an nur noch aller zwei Jahre statt. In den anderen  Jahren belegte die altenburgische Privatflöße auf eigenes Risiko die kursächsischen Stapel sowie den der Pfännerschaft in Halle. Da diese Flößen durchgingen, entfiel aber auch der bisherigen Umschlag und somit auch eine der wichtigsten Verdienstmöglichkeiten für die Einwohnerschaft.     

Weil das Holz aus der altenburgischen Privatflöße, das für den örtlichen Bedarf ausgeschleppt werden sollte, nicht auf den Stapel der Commun-Flöße gebracht werden durfte, verhandelte Floßmeister Stöter mit der Landesschule über die Anpachtung eines Holzplatzes an der „Mühlenstatt neben dem Scheitbach“. (WER D 34 Anh. 1 Nr. 913). 

 

  1. Mai Entscheidung des Kammerkollegiums zum Kinderlehrer (WER D 34 2/2504).

Die Kandidaten Rauhe und Näbe wurden abgelehnt und die Wahl eines anderen Kinderlehrers angeordnet. Schließlich einigten sich die Gemeinde und das Schulamt auf den Kinderlehrer Friedrich Hesse aus Obermöllern.

Der Theologiestudent Rauhe ging dann nach Naumburg als Kinderlehrer beim 1. Bataillon des Infanterie-Regiments Prinz Xaver“. Kurz darauf veröffentlichte er eine Broschüre mit dem vielsagenden Titel „Die Schwachheit oder die Stärke - oder gründliche Nachricht von den 1432 vor Naumburg sich gelagerten Heere der Hussiten unter ihrem Heerführer Prokop und den daher entstandenen Naumburgischen Schul- und Kirschenfest, alles aus sehr raren und seltenen Urkunden zusammengetragen“.  Diese, weit von der Wirklichkeit entfernte Schrift, stieß beim  Publikum auf großes Interesse und verhalf dem im Niedergang begriffenen Kirschfest zu neuer und dauerhafter Blüte. Allerdings hatte Rauhe den Ruf eines „dreisten Geschichtsfälschers“, weil er auf die „Umständliche Chronicon Numburgense“ des Mönchs Benedikt Taube aus dem Jahr 1546 zurückgriff. Rauhe starb 1791 in Naumburg. 

 

  1. Aug. Schreiben der Gemeinde an das kurfürstl. Kammerkollegium (WER D 34 2/2504).

Bei einer Ortsbesichtigung waren sich der Gemeindevorstand und der Schulbeamte über die Anpachtung eines Platzes am Lengefelder Fahrweg „37 Ellen breit und 64 Ellen lang nach dem (Äbtischen)-Holze zu gelegen“ für das Schulhaus einig geworden.  Doch als es um die Kosten ging, lehnten die meisten Gemeindemitglieder ab, weshalb sich der Gemeindevorstand erneut an das Kammerkollegium wandte.

 

       Sep. Einführung des Kinderlehrers und Armenkassen-Einnehmers (KÖZ 1899, 1902)

Damit endeten „die unterrichtslose Zeit und die drohende Verwahrlosung der Jugend“. Das Schulgeld betrug 6 Pfennige pro Woche für jedes Schulkind, außerdem durfte Hesse für den Leichengesang 4 Groschen, für das Leichenbitten 4 Groschen und bei Kindtaufen 2 Groschen nehmen. Ihm wurde eine freie Wohnung gewährt und die Erteilung privaten Unterrichts in Latein, Musik und anderen Wissenschaften gestattet.

Als Armenkassen-Einnehmer musste er die bei Hochzeiten, Kindstaufen oder Begräbnissen obligatorischen Almosen einsammeln. Üblicherweise erfolgte dies bei der kirchlichen Zeremonie, durfte aber ausnahmsweise in den Wohnungen der betroffenen Familien eingesammelt werden. Auch bei Grundstücksverkäufe, Testamenten, Tauschgeschäften und Schenkungen kamen 8 Groschen in die  Armenkasse. In diesem Jahr erhielten drei Einwohner wöchentlich  2 bis 3 Groschen aus der Kasse.

Trotz dieser Verbesserungen bei den Einkünften hatte die Gemeinde weder einen Wohnstube für den Lehrer noch eine Schulstube für die rund 60 Schulkinder. Hesses Vorgänger Hucke hatte in der eigenen Wohnung unterrichtet und die stand nach seinem Weggang nicht mehr zur Verfügung  und der Bau eines gemeindeeigenen Schulhauses musste wegen fehlender Mittel erneut zurück gestellt werden.

 

    Okt.   J. H. Borlach wird in die Reorganisationskommission berufen (Mager)

Am 4. Oktober hatte v. Heynitz sein Abschiedsgesuch eingereicht und empfohlen, Borlach, trotz seines hohen Alters,  in die Reorganisation  des kursächsischen Salinenwesens einzubeziehen.

Über die Gründe für den Heynitzschen Abschied kann nur gemutmaßt werden. Neben  Differenzen mit dem Kammerherrn Freiherrn v. Beust, dürfte aber auch die Doppelbelastung als Direktor des gesamten kursächsischen Berg- und Hüttenwesen dazu beigetragen haben. 1777 trat v. Heynitz in preußische  Dienste und wurde von König Friedrich II. zum Etats-, Kriegs- und dirigierenden Minister und Oberberghauptmann ernannt. Daneben leitete er das dortige Salzdepartement und brachte das schlesische Hütten- und Bergwesen wieder zur Blüte.

 

             Heimfall von  Kreipitzsch und der Rudelsburg (Lepsius, DVD Aquilitas).

Friedrich Adolf von Kreutz hatte keinen männlichen Erben. Seine Tochter Sophie Amalia, verheiratet mit Christian Ferdinand von Schönburg war nicht erbberechtigt und musste Kreipitzsch verlassen.

Übergangsweise zuständig war der Gerichtsherr von Rudelsburg-Kreipitzsch und Stendorf-Saaleck Johann August Lepsius (1745-1797), der Vater von Carl Peter Lepsius.

 

1775   

             „Churfürstlich - Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit).

Darin wurden sämtliche Hof- und Staatsbediensteten vom Kammerherrn bis zum Stubenheizer, vom Hofmarschall bis zur Silberputzerin aufgeführt. Zur Landesschule zählten   Georg Friedrich von Berlepsch zu Hennigsleben, Domherr zu Naumburg (Inspektor), Dr. Caspar Christian Gutbier (Amtmann), Carl Valerian Francke (Schulverwalter), Georg Christian Beyer (Amtsverwalter), Johann  Andreas Echtermayer (Kornschreiber), Johann Gottlieb Böhnle (Accis-Inspektor) und Johann Christian Fritzsche (Postmeister).

Zum Floßamr gehörten der Oberaufseher der Saale-und Elster-Flöße Adam Friedrich Senfft zu Pilsach, Floßmeister August Ludwig Stöter,  Floßschreiber und Zolleinnehmer Johann Christian Tostlöwe und Floßschreiber Tobias Graf, außerdem die kursächsische Floßaufseher in Ziegenrück und Halle, der Floßstrafbefehlshaber und der Verwalter der Floßkasse.  Beamte der kurfürstl. Salinen wurden nicht gesondert aufgeführt, wohl aber die Titular-Bergräte J. H. Borlach und der Kammerherr Leopold von Beust.

 

  1. Jan. Gutachten J. H. Borlachs (WER, D 34 II Nr.858).

Dieser beklagte sich über eine von der Mühle ausgehende Brandgefahr durch die dort  lagernden Ölerzeugnisse und den unsachgemäßen Umgang mit Feuer. Ein Großbrand würde den oberen Schacht und die Radkunst gefährden.

 

  1. Mai Gesuch der Gemeinde wegen des Schulhauses (WER D 34 Anh. 2/1844)

Da es unmöglich schien, dass die Gemeindemitglieder die erforderlichen Mittel aufbringen,  wurde der Hohe Kirchenrat um finanzielle Hilfe beim Bau der Schule auf dem vom Schulamt zur Bebauung angewiesenen Platz „gleich der Straße weg, 37 Ellen breit und 64 Ellen lang nach dem (Äbtischen)-Holze zu gelegen“ gebeten.  Inzwischen verlangte das Kammerkollegium vom Schulamt eine Bericht, wie es mit der Dorfschule steht.

 

  1. Mai Verlesung der Gemeindematrikel (WER D 34, Anh. 2/2532).

Auf Anweisung des Kammerkollegiums sollte der in der Kirche zu Schulpforte eingepfarrten  Gemeinde die  Gebühren für die Inanspruchnahme geistlicher Dienste wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen bekanntgeben werden und sämtliche Gemeindemitglieder dies mit ihrer Unterschrift bestätigen. Der jahrelange Streit zwischen der Einwohnerschaft und dem geistlichen Inspektor über die Gebühren bei Hochzeiten, Taufen und Begräbnissen, bei dem sich die Gemeinde immer wieder auf fehlende oder nicht für sie geltende Regelungen berufen hatte, sollte damit beendet werden. Alle mündigen Einwohner hatte sich im Schulamt einfinden. Einige ließen sich arbeits- bzw. krankheitsbedingt entschuldigen darunter J. H. Borlach, Andreas Weise,  Samuel Blaubach, der zum Dürrenberger Salzwerk abgeordnet war und Johann Levin Ulrich. Nach der Bekanntgabe und der Annahme durch alle Gemeindemitglieder, bestätigte das Ober-Konsistorium die Matrikel.

 

  1. Aug. J. H. Borlach tritt in den Ruhestand (Mager).

Seine  Pension betrug 500 Taler, die Hälfte des Jahresgehaltes. Er bewohnte das „Neue Haus“ das sog. Stadtgut, den Haushalt führte der Salzsieder Törpsch.

Ihm folgte der Kammerherr und Bergrat  Freiherrn v. Beust. Unter seinem Direktorat  stiegen die Einkünfte der AKD-Salinen bis 1780 von 50.000 Taler auf 168.000 Taler und die Fabrikation von 64.000 auf 155.000 Stück Salz, wobei der größte Teil aus der Dürrenberger Saline kam. Diesen Erfolg reklamierte von Beust für sich allein, was von den übrigen Salinenbeamten und dem Kammerkollegium mit  Missfallen registriert wurde. 

 

  1. Aug. Befehl des Kurfürsten zum Brauen des „Pfingstbieres“ (WER Rep. A 23 Nr. 11/2).

Bisher wurde für die Salinenarbeiter zu Pfingsten ein Feiertagsbier gebraut und ihnen als Deputat überlassen. Wegen verschiedener Mißbräuche erfolgte das Verbot von höchster Stelle.

 

  1. Sep. Stellungnahme des geistlichen Inspektors Mag. Hauck (WER D 34 Anh. 2/1844)

Dieser wehrte sich gegen den Vorwurf der Gemeinde, er hätte die Schulvisitation vernachlässigt.  Dies hätte ausschließlich objektive Gründe, einmal der weite und schlechte Weg, fehlende Fahrtmöglichkeiten die er zudem noch aus der eigenen Tasche bezahlen müsse und außerdem wäre ja auch lange Zeit gar kein Kinderlehrer da gewesen, den er hätte visitieren können.

 

  1. Sep. Friedrich Wilhelm Heun wird zum Vize-Salz-Direktor ernannt (Judersleben).

Nach dem Huldigungseid der Arbeiter im alten Schacht, spendierte der später zum Bergrat ernannte Heun Freibier. Zum Direktor dem Freiherrn von Beust bestand ein distanziertes Verhältnis. Dagegen gab es mit dem Kunstmeister Schröter und den für die Gradierung zuständigen Senff sen. eine fruchtbare Zusammenarbeit. Anläßlich dieser Feierlichkeit erhielten die Bediensteten der AKD-Salinen neue Uniformen (WER Gen V A Nr. 56)

 

  1. Dez. Reskript des Kammerkollegiums zum Schulbau (WER D 34 2/2504).

Der von der Landesschule veranschlagte Erbpachtzins von  1 Gulden für den Bauplatz wurde genehmigt und angeordnet, daß die Gemeinde einen Bauplan einzureichen hat, verbunden mit der Erklärung, die Pacht und die Baukosten zu tragen, das Schulhaus ausschließlich als Schulstube und Lehrerwohnung zu nutzen und den „Nexus“ zum geistlichen Inspektor nicht zu  beeinträchtigten. Doch erneut lehnte die Gemeinde eine finanzielle Beteiligung am Bau ab.

 

1776

              „Churfürstlich - Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit.).

Bei den Beamten der Schule, der Saaleflöße und der Saline gab es keine personellen Veränderungen.

 

  1. Juni Manöver kursächsischer Truppen (Judersleben).

Zwischen Freyburg und Wilsdorf lagerten drei Regimenter Infanterie unter dem Kommando der Prinzen Xaver und Clemens. Der Kurfürst besucht mehrmals das Lager, einmal in Begleitung seiner Gattin. Die Kriegsübungen dauerten bis zum 18. Juni, wobei „viel Pulver verschossen wurde“.  

 

  1. Sep. Anordnung der Kammer an den Oberfloßaufseher (MER. C48 IIIb, Nr. 5519).

In den Jahren der Communflöße wurden 80 Klafter in den anderen Jahren, wenn die  altenburgische Privatflöße erfolgte, 40 Klafter als Entschädigung für Schäden an den Ufern und den Wasserbauwerken der Landesschule als „Schadholz“ überlassen. Diese Regelung galt rückwirkend ab dem 1773 und wurde  bis 1816 beibehalten.

 

         Georg Christoph Hilpert wird Richter. (WER  D 34 II Nr. 1248).

Er war der Sohn des Fleischhauers Andreas Hilpert und wohnte in der  Nr.  21 am Lengefelder Fahrweg (Borlachstraße 29), dass die Familie von der Schankwirtin Katharina Müller erworben hatte und die „Winkelschenke“ weiterführte.

 

  1. Nov. Verweigerung der Dorfwache (WER D 34 II Nr. 618)

1772 verschärfte das Kammerkollwgium die Dorfwachordnung, um das Bettler- und Vagabundenunwesen auf dem flachen Land einzudämmen. Sämtliche Hausbesitzer und Hausgenossen wurden reihum für den Wachdienst bei Tag und Nacht eingeteilt. Nur der  Sattlermeister Joh. Chr. Mattesius und die Salzsieder  Joh. Heinr. Wagner und  Joh. Gottlob Zedel waren dem befehl nicht nachgekommen, weshalb sich die übrigen Einwohner beschwerten. Nachdem auch alle Bemühungen des Ortsrichters G. Chr. Hilpert und des Schöppen J. E. Hämmerling scheiterten, die Verweigerer zur Dorfwache anzuhalten wandten sie sich zusammen  mit J. Chr. G. Hübsch an das Kammerkollegium. Dieses befahl den Schulbeamten, die Betreffenden vorzuladen, zu verhören und wenn sie keine triftigen Gründe vorbrachten, zu 12 Silbergroschen Strafe pro Quartal zu verurteilen.

 

1777

              „Churfürstlich – Sächsischer Hof-und Staatscalender (MÜN digit).

Bei den Beamten vom  Schul- und Floßamt gab es keine Veränderungen.

Zahlreich vertreten waren Anghörige der Familie v. Beust, der Kammerherr und Titular-Bergrat Leopold v. Beust, die Kammerherren Friedrich August Carl Freiherr v. Beust, Gustav Leopold v. Beust, der Titular Geheimrat Carl Friedrich v. Beust, der Kammerjunker  Carl Casimir v. Beust  und der „Capitular“ des Domstifts zu Naumburg Friedrich Wilhelm v. Beust.

 

  1. Jan. Der Streit ums Borlachsche Erbe (WER D 34 Anh. 1/3910).

Der Gesundheitszustand J. H. Borlachs ließ sein baldiges Ableben befürchten und da er keine leiblichen Erben hatte, würde der ansehnliche Besitz an den Staat fallen, falls er keine verbindlichen Bestimmungen über seinen Nachlaß treffen würde. Daher wandte sich der Baumeister Carl August Therkorn an den Salzsieder Törpsch, der den Haushalt des Bergrates führte, und forderte ihn auf, den Bergrat zur Abfassung und Beglaubigung seines letzten Willens und die Einsetzung eines Erben zu bewegen. Wörtlich schrieb er: „Sie müssen also sehen, ihm vors erste zum Testament mehren zu bringen, das andre wird sich hernach von selbst ergeben.“  Therkorn versprach Törpsch: „Sie sollen von mir gewiß besser als alle belohnt werden, wenn ich glücklich sein sollte und damit ich einen Anfang mache, so sollen Sie sobald das Testament auf Ihr Bewenden gemacht worden und durch Sie mir die gerichtlich vidimirte Kopie dessen zugeschickt worden, 100 Taler gleich bar erhalten…“ 

 

  1. Feb. Testament J. Herrmann Borlach (WER D 34 Anh. 1/4262)

Auf Drängen von Törpsch bestimmte Borlach den Conducteur der Arterner Saline Carl August Therkorn und falls dieser noch vor ihm sterben sollte, dessen Kinder zu seinen Universalerben. Daher verzichtete er auch auf eine  Spezifikation des Erbes. Das vom Advokat Kayser aus Naumburg beglaubigte Testament wurde beim Schulamt hinterlegt.

 

      Feb. Salztransporte nach Dürrenberg (Judersleben).

Der  Salzdebit, die Verteilung auf die Niederlagen und die Besteuerung waren recht umständlich. Reichte die laufende Jahresproduktion einer Saline nicht aus, um die ihr zugeordneten Niederlagen zu beliefern oder deren Bedarf war größer als geplant, wurden die Fehlmengen aus anderen Salinen bezogen. Diese durfte aber nicht direkt die Niederlagen beliefern, sondern das Salz wurde erst zu der Saline transportiert, die für die Belieferung bestimmt war. Dies verteuert natürlich das Salz. In diesem Fall lieferte die Kösener Saline 2000 Scheffel Salz nach Dürrenberg, wofür Judersleben, der selbst die Fuhrwerke begleitete, 4 Groschen Fuhrlohn für den Scheffel erhielt.

 

  1. Apr. Schreiben der herzogl. Kanzlei in Weimar an das Gericht Döbritschen (KAZ 1941).

Grund war eine Beschwerde des Kösener Holzhändlers J. Fr. Seidler im Namen des Floßkonsortiums gegen den Pächter der Mühle. Die Kanzlei wies das Gericht an, der Beschwerde nachzugehen. Seidler wurde als „Saaleflößer der Ämter  Leuchtenburg und Orlamünde“ bezeichnet und unterlag in diesem Fall der herzogl.-weimar. Gerichtsbarkeit.

 

  1. Mai Urteil zur Dorfwache (WER D 34 Anh. 1 Nr. 618)

Nach dem Befehl der Schulbeamten, lenkte der Salzsieder Zedel ein. Der Sattler Mathesius und der Salzsieder Joh. Fr. Wagner wurden zur Zahlung von 12 Groschen für jedes Quartel in den zurückliegenden 4 Jahren wegen nicht angetretener Dorfwache verurteilt. Als Mathesius nicht zahlte, wurde er von der Gemeinde  verklagt (WER D 34 Anh. 1/2, Nr. 618)

 

  1. Juni „Contract“ zwischen A. Therkorn und  J. Chr. Schröter (WER D 34 Anh. 1/3910)

Borlachs hatte zwar Therkorn in seinem Testament zum Universalerben bestimmt, aber so ganz traute der der Sache nicht. Er befürchtete offenbar, dass der Bergrat sein Testament ändern könnte und den Kösener „Conducteur“ Schröter zum Erben einsetzen könnte, zumal der sich auf mündliche Zusicherungen des Bergrates berief. Um allen Eventualitäten zu begegnen, verzichtete Schröter auf die ihm von Borlach in Aussicht gestellten Schenkungen und versprach, das beim Schulamt hinterlegte Testament in allen Punkten anzuerkennen.

Dafür versprach Therkorn, ihm sofort nach Borlachs Ableben, das „Neue Haus“ samt Garten, Ställen und Schuppen zu überlassen. Außerdem den Teil der Barschaft der 8.000 Taler übersteigt, die Hälfte des „Fischereigezeugs“, das Gewehr und die Wanduhr,  die  Kunstmodelle, den vierten Teil der Wäsche und des Geschirrs und einen Teil der Weinberge am Nikolausholz.

 

  1. Juli Johann Hermann Borlach verstirbt (Schröcker, Geschichte der Saline Artern…).

Zwei Tage zuvor war Therkorn aus Artern eingetroffen und hatte den „Herrn Bergrath Borlach außerordentlich schlaff und krank und sich seiner ganz unbewußt und verstandlos“ in seiner Wohnung vorgefunden (WER D 34 Pforta Anh. 1/4123).

Als ihm Törpsch den Tod des Bergrates meldete, ließ sich Therkorn den Hausschlüssel  aushändigen  und suchte zusammen mit Schröter nach der Barschaft, während der Leichnam des Bergrates noch in der Stube lag. Es fanden sich 10.400 Taler, von denen Therkorn 8.000 Taler behielt und Schröter vereinbarungsgemäß den darüber liegenden Betrag von 2.400 Talern bekam.

Am 29. Juli wurde J. H. Borlach an der Seite seines Bruders auf dem Gottesacker von Schulpforta beigesetzt.

 

  1. Juli Antrag des Holzhändlers Johann Friedrich Seidler (WER Rep. A 23 I, Nr. 11 Bd.1).

Dieser bewarb sich um die Gasthofpacht, da der Vertrag mit J. G. Scheuffler, der 1772  abgeschlossen und  daher Johannis 1778 auslief.

 

  1. Aug. Rechtsstreit zum Lachsfang auf dem Wehrdamm (WER Pforta II Nr.943).

Der Holzhändler J. Fr. Seidler hatte vom Rittergutsbesitzer die zu Kreipitzsch gehörende Fischerei auf der Saale von der Saalecker Judenfurt bis zum Wehrdamm gepachtet. Unterhalb des Dammes begann das Fischereirecht des Schulamtes. Der Müller durfte die Lattenfischerei unterhalb des Dammes betreiben, wobei die Lachse in der Schule abzuliefern waren. Weiter saaleabwärts bis Roßbach gehörte der Fischfang zur Pacht des Fischhauses. Nun hatte Seidler direkt auf dem Damm eine Lachsfanganlage errichtet. Obwohl dies rechtlich im Niemandsland lag, sah sich das Schulamt beeinträchtigt und erhob  Klage. 

 

  1. Aug. Schreiben Therkorns an den Pfortaer Amtmann (WER D 34 1/4262)

Am 31. Juli wurde das Borlachsche Testament eröffnet, das Therkorn zum Universalerben bestimmte. Doch Therkorn bat um die Änderung des amtlichen Erbscheines, weil Borlach kurz vor seinem Tod noch angewiesen habe, dass „der bey den Churfürstlichen Saltzwercken bestellte Conducteur Johann Christian Schröter nach seinem (.) Absterben, 500 Taler an Geld und sein dem Wohnhauße schräg gegenüberliegendes neues Hauß, nebst Zubehör an Hoff, Stallung, Schuppen und Garten, alß sein Vermächtniß haben und bekommen soll.“ 

Da das Testament rechtskräftig beglaubigt und versiegelt war, wurde der Erbschein nicht geändert. Therkorn hielt sich an die mit Schröter getroffene Vereinbarung und überließ ihm das „Neue Haus“, einen Weinberg, ein Viertel der Wäsche und vom  Kupfer-, Zinn- und Messinggeschirr. Den Kelter mit dem Weinkeller (Lindenstr. 1), die übrigen Weinberge, das „Alte Haus“ (Lindenstr. 3), die Äcker am Äbtischen Holz und am Jackenberg sowie das Silberzeug, Degen, Schnupftabakdose, Messer, Löffel, das Porzellan, das gesamte Tischler-, Schlosser-, Uhrmacher-, Schmiede- und Drechslerwerkzeug, eine „Feuer-Maschine“, eine „Camera obscura“ und eine „Copier-Maschine“ behielt Therkorn.

Obwohl Therkorn dem Vertrag in allen Punkten erfüllt hatte, wurde er von Schröter beim  Schulamtes wegen „hereditatis petitiones“ verklagt. Einleitend zu einer 125 Punkte umfassenden Klagebegründung heißt es „War und hat vorrubrizirter Herr Kläger aus einem untern 16. Juni 1777 in betreff den von dem Kurfürstl. Sächs. Bergrat J. H. Borlach zu Kösen nachgelassenen Vermögens, errichteten Contracts auf dessen Erfüllung, so weit es noch nicht geschehen, und  Herausgabe eines deshalb nötigen zu recht beständigen Inventariums oder eydlicher Specification über das gesamte Borlachsche Vermögen usw. in Beziehung auf das Vermächtnis vom 21. Febr. 1777 entgegen obbenannten Herrn Beklagten….“

Als Zeugen wurden der Advokat Kayser, der das Borlachsche Testaments beglaubigte und der Salzsieder Törpsch benannt. Damit begann ein jahrelanger Rechtsstreit.

 

  1. Aug. Schreiben Therkorns an das Schulamt (WER D 34 1/4262)

Therkorn beantragte das Erblehen für die ihm vererbten Anwesen sowie die Äcker am Jackenberg und den Weinberg am Nikolausberg.

 

  1. Okt. Schreiben des Kammerkollegiums an das Schulamt (WER D 34 2/2269).

Das Kammerkollegium befahl dem Schulamt, die Gemeinde mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zur Erfüllung ihrer Pflichten bezüglich des Schulunterrichts anzuhalten.

 

  1. Okt. J. G. Judersleben wird zum Siedemeister befördert (Judersleben)

Durch seine Ehe mit Maria Dorothee Koch, der Tochter eines Salzsieders wurde er „cooptiret“ und 1761 als Sieder im 6. Kot eingestellt.

 

1778

  1. Jan. Fünfzehnter Commun-Saalefloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Wegen zahlreicher Differenzen wurde der Vertrag erst im letzten Jahr der bereits drei abgehaltenen  Flößen genehmigt.

 

  1. Jan. Schreiben des Freiherrn v. Beust (WER Rep A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Dieser schilderte dem Kammerkollegium die Verhältnisse beim Salinengasthof unter Beifügung  des  Antrag  Scheufflers auf Verlängerung der Pacht. Allerdings bat der wegen der schlechten Zeiten die Pacht von 450 Talern auf 400 Taler mindern. Daraufhin ordnete das Kammerkollegium die öffentliche Ausschreibung der Pacht an.

 

  1. Jan. Schreiben der Gemeinde an das kurfürstl. Kammerkollegium (WER D 34 2/2504).

Ortsrichter Hilpert und der Schöppe Hämmerling erklärten, dass man wegen der Armut der hiesigen Bevölkerung die Baukosten für ein Schulhaus nicht aufbringen könne und daher auf „mildtätige Gaben“ angewiesen sei. Auch die vom Schulamt geforderte Pacht wäre unzulässig, weil Schulhäuser üblicherweise nicht mit Abgaben beschwert werden sollten und „die Überweisung dieses zu Erbauung eines Schulhauses von uns erbethenen Platzes, der doch gleichwohl, da es ein dürrer steiniger Hügel ist, worauf nicht das geringste Gräßgen wächset“ für das Schulamt völlig wertlos sei.

 

  1. Feb. Bauplan und Kostenanschlag für das Schulhaus (WER D 34 1/2504).

Auf Druck des Schulamtes hatte die Gemeinde vom Maurermeister Johann Gottfried Schröter einen Plan anfertigen lassen. Doch die von ihm veranschlagten 509 Taler waren der Gemeinde zuviel.

 

  1. Apr. Ende der Bieterfrist für den Gasthof (WER Rep A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Der eigens für den Termin hierher beorderte Beamte notierte, dass bis 12 Uhr die Gebote des Holzhändlers Seidler (500 Taler) und kurz nach 12 Uhr das Gebot Scheufflers (475 Taler) vorgelegen hätten. Am 13. April teilten v. Beust und sein Vize Heun der Kammer das Ergebnis des Bietertermins mit und baten in dieser Angelegenheit um weitere Anweisungen. Heun berichtete später, dass der Freiherr v. Beust dem Holzhändler Seidler bevorzugt hätte, weil er bei Dienstantritt bei Seidler gewohnt habe und daher eine enge persönliche Beziehung bestand.

 

  1. Apr. Vereinbarung zwischen der Saline und dem Pachtmüller (Wehrrezess 1811).

Gegen die Zahlung einer Entschädigung gestattete der Pachtmüller der Saline den provisorischen Verschluss des Freigerinnes, auch wenn die Wasserstandsmarke am Fachbaum noch nicht erreicht war.

 

  1. Juni Prolongierung des Gasthofpachtvertrages (WER, Rep. A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Nachdem Scheuffler sein Angebot auf 505 Taler erhöht hatte, empfahl  der Kabinettsrat J. G. Schubarth dem Kurfürsten, den Pachtvertrag mit Scheuffler um weitere 6 Jahre zu verlängern.

Dieser Vertrag ist vollständig erhalten und man kann davon ausgehen, dass sich die Pachtbedingungen gegenüber den letzten Verträgen, außer bei der Pacht selbst, kaum geändert hatten.  

Der Vertrag hat 16 Paragrafen. Von außerordentlicher Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit des Gasthofes war das Verbietungsrecht, das „iure prohibendi“. Dieses Recht galt für  Alt- und Neu-Kösen, Pforte sowie die  Saal- und die Fischhäuser. Hier durfte kein zweiter Gasthof oder eine ähnliche Einrichtung betrieben werden. Ausnahmen waren die jährlichen Holzmessen, wo die Pächter der Saalhäuser und des Fischhauses Flößer und Holzhändler sowie deren Bedienstete befristet bewirten durften. Für das Verbot des Ausspannens  im Gasthof von Hassenhausen zahlte Scheuffler 40 Taler jährlich. Die Pachtsumme war wie bisher in vier Raten fällig. Die hinterlegte Kaution wurde mit 3 Prozent verzinst.

Neu war, dass der Pächter verpflichtet wurde, mit seinen Gespannen und auf seine Kosten die (nicht unerheblichen Mengen) Abfälle aus den  Salzkoten abzutransportieren. Beibehalten wurde die Verpflichtung, Musikanten zur Unterhaltung der Gäste nur aufspielen zu lassen, wenn diese kursächsische Untertanen waren.

Zur Gasthofpacht gehörten weiterhin das Brauhaus am Wehrdamm und die Schmiede, wobei das Inventar, wie der Amboss, dem Salzwerk gehörte. Hier wurden alle im Ort anfallenden Schmiedearbeiten ausgeführt, ausgenommen waren die Siedepfannen, die in einer speziellen  Pfannenschmiede in der Saline angefertigt und repariert wurden. Der Braumeister blieb dem Salinendirektorat unterstellt, die Entlohnung oblag dem Gasthofpächter. Beide waren angehalten, ein ordentliches Getränk herzustellen, um die Nachfrage von Fremden und Einwohnern zu befördern. Da der Gasthof mit der Schankgerechtigkeit in Alt- und Neu-Kösen zu bestimmten Zeiten überfordert war, durfte er für Neu-Kösen  Afterschankrechte verpachten, allerdings unter der Maßgabe, dass das Bier nur aus seinem Brauhaus bezogen wird. Die Kontrolle war aber schwierig und die Afterpächter nutzten jede Gelegenheit um preisgünstiges oder besseres  Bier „einzuschleppen und  auszuschenken“.

 

  1. Juni Schreiben des Kammerkollegiums an das Schulamt (WER D 34 2/2504).

Der  Bauplatz für das Schulhaus sollte ohne Pacht und Erbzins der Gemeinde zu überlassen werden.

 

             Trauung von Johann Gottfried Lippold mit Marie Elisabeth Schäfer (WER D 34/2/2886)

           

              Lehnswechsel des Rittergutes Kreipitzsch und der Rudelsburg (Aquilitas)

Das  stift-naumburgische Mannlehen kam an den Kammerdirektor des Hochstifts Merseburg August Ferdinand Graf von Zech. 

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Die Erben der verstorbenen Müllerin Rebekka Friedrich beantragen einen Erbschein (Nr. 879). Die Mühle hatte sie bereits im Vorjahr ihrem Sohn  Johann Gottfried Friedrich übertragen. Auch der klagte nun gegen die Bauern der Zwangsmahldörfer, wie Chr. Werffel und Chr. Töllen aus Hassenhausen (Nr. 880, 878) sowie die Gemeinde Roßbach (Nr. 2567), die ihn wegen „Einsackens“ verklagten. 

Johann Christian Gotthelf Hübsch, wurde in seiner Eigenschaft als „Steuergroßkurator“ in der Erbschaftsangelegenheit der Anna Magdalena Hahnisch bemüht.

 

1779                 

  1. Jan. Änderungen der kursächsischen Salzordnung (Judersleben).

Neben den Änderungen bei den Steuern und den Fuhrlöhnen wurde auch der Salzdebit innerhalb der kursächsischen Ämter neu geordnet. Neben Salz aus Artern wurde auch „ausländisches“ Salz  (Halle) nach Kösen und von hier zu den Salzniederlagen des Neustädtischen Kreises  gebracht.

 

  1. Jan. Der Salinenbauverwalter ertrinkt in der kleinen Saale (Judersleben).

 

  1. Mär. Grundstückserwerb für das obere Gradierwerk (WER Rep. A 23I, Nr.11, Bd.1).

Im Zuge der Reorganisation war festgelegt worden, ein neues Gradierhaus auf dem Rechenberg zu errichten. Dazu wurde der Baumeister J. Chr. Schröter nach Elmen und Allendorf geschickz, um die Vor- und Nachteile der dortigen Gradierhäuser zu studieren.

Nach seiner Rückkehr begann er mit dem Bau der ersten Gebinde. Dabei behielt er die kubische Gradierung und die Überdachung bei. Die Konstruktion selbst war wegen der exponierten Lage und der damit verbundenen Gefahren bei Sturm statisch verbessert, die von Schröter gewählte Aussteifung der Gebinde , machte die weit abstehenden Sturmstreben überflüssig.

Er obere Schacht wurde so ertüchtigt, dass die für die Gradierung benötigte Sole ausschlielich aus dem Schacht gefördert wurde. Die Sole wurde mit drei Tagpumpen im Turm auf 25 Meter gehoben und lief vom obersten Solekasten über eine kommunizierende Röhrenfaht in ein Reservoir im Unterschiff des Gradierhauses. Von hier aus wurde sie durch Repetierpumpen auf das Oberdeck gehoben. Die Pumpen für den ersten Fall wurden an die „Wassermaschine“ angeschlossen, d. h. das im oberen Schacht bislang endende Doppelfeldgestänge wurde mittels  Einfeldgestänge bis zum Gradierhaus verlängert. Die Richtungsänderung zum Gradierhaus bewirkte eine Wendedocke.

Weil das Einfeldgestänge den Kukulauer Fahrwegs und das Schäfereifeld kreuzte, erhielt das Schulamt drei Stück Krücksalz.

Um die größere Belastung durch die hinzugekommenen Pumpen zu gewährleisten, wurde der Fachbaum am Wehrdamm, der anzeigte, wann der Müller seinen Betrieb einzustellen hatte, 7 Zoll (10,5 cm) höher eingerichtet. Das verschärfte die Streitigkeiten mit dem Mühlenpächter und dem Schulamt wegen der Wasserentnahme (s. a WER D 34 Anh. 2 Nr. 941).

 

  1. Mai Glockengeläut anlässlich des Friedens von Teschen (Judersleben).

Damit endete der bayerische Erbfolgekrieg, den Brandenburg-Preußen und Sachsen gemeinsam gegen die Habsburger  führten. Die Bezeichnung „Kartoffelkrieg“ verweist auf die unzureichende Lebensmittelversorgung, was dazu führte, dass die Eroberung von Feldfrüchten zum wesentlichen Kriegsziel wurde. Da halfen auch die Lebensmittelfuhren in das Kriegslager an der böhmischen Grenze nicht viel, für die jeweils 30 Einwohner einen Knecht und ein Pferd stellen mussten, was  z. B. dem Dorf Flemmingen 1.500 Taler kostete. 

 

  1. Mai Ernte der ersten Erdbeeren (Judersleben).

Dem milden Winter, der einen fast durchgängigen Siedebetrieb zuließ, folgte ein sommerlicher Frühling und bereits  im Mai blühte  der Holunder.

 

  1. Juni Gutachten zu den Rechtsverhältnissen der Saalefischerei (WER Pforta II Nr. 943).

Der Zech`sche Gerichtsherr Johan August Lepsius erklärte, dass seit jeher die Fischerei des Rittergutes bis zur Krone des Dammes reichte und die des Schulamtes im Unterwasser beginnt. Demzufolge wäre der Einspruch gegen die Verpachtung unzulässig.

 

  1. Juni Verabschiedung des Schulinspektors (Judersleben).

Bevor der Magister Hauck in Begleitung von 14 Knaben und dem Postillion zu seiner neuen Wirkungsstätte nach Eckartsberga aufbrach, wo er Superintendent wurde, verabschiedete er sich in einem Siedekot von seinen Kösener „Beicht-Kindern“ persönlich.

 

  1. Juli Sechzehnter Commun-Saalenfloß Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten drei in den Jahren 1781, 1783 und 1785 zu haltende Commun-Flößen.

 

  1. Juli Antrag des Gasthofpächters (WER Rep. A 23 I, Nr. 11 Bd. 1).

Scheuffler beantragte die Reduzierung der Jahrespacht um 100 Taler. Als Grund führte er die kriegerische Unruhen (Bayrischer Erbfolgekrieg) und die Neuordnung des Salzdebits in Kursachen an. Dabei wurden die Fuhrlöhne für die Salztransporte gekürzt, was der Gasthof beim beim Umsatz zu spüren bekam.

 

  1. Aug. Bericht des Floßschreibers Stöter (WER D 34 2/3805).

Dieser teilte mit, dass er die seit 1717 in den Kassenbüchern geführten Administrationsgelder ausgebucht habe, weil sie nach so langer Zeit ohnehin verfallen waren und das kurfürstliche Appellationsgericht festgestellt habe, dass die Einsprüche gegen das Urteil des Schöppengerichtes berechtigt sind.   

 

  1. Aug. Unterbrechung des Siedebetriebes (Judersleben).

Wegen der schlechten Gradierwitterung musste mitten im Sommer 5 Tage lang in allen 6 Koten der Betrieb eingestellt werden.

 

  1. Okt. Verordnung für die Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Verboten wurde nun auch das Anbinden zwischen dem Rechen und dem Wehrdamm zum Schutz der Mühlengerinne.

 

             Wechsel des Schulbeamten (WER D 48 IIi Nr. 36).

Dr. Caspar Christian Gutbier, seit 1742 im Amt, übergab es seinem Sohn Sigismund Polycarp.

 

             Klage des Erbpachtmüllers Johann Gottlob Friedrich (WER D 34/1/904).

Verklagt wurde der Holzhändler  Fr. Seydlerwegen Anbinden von Flößen an der Mühlenwiese.

 

1780    

             „Churfürstlich- Sächsischer Hof- und Staatkalender“ (MÜN digit).

Zu den Hofbeamten gehörten der Salzniederlagenverwalter Johann Levin Ulrich, der Controlleur Johann Carl Herisch, der Conducteur Johann Christian Schröter und der Salzschreiber Johann Balthasar Dorschel,  Bergrat Fr. W. Heun zu Mölkau und Kammerherrn  Leopold v. Beust zu Naumburg sowie der Jagd- und Forstaktuarius Johann August Puttrich.

Die Familie Beust war erneut zahlreich bei Hofe. Kammerherre waren Leopold v. Beust, Fr. A. C. Freiherr v. Beust, Gustav Leopold v. Beust und Carl v. Beust, Kammerjunker Carl Casimir von Beust  und der  Titular Geheimrat Carl Friedrich v. Beust.

 

  1. Jan. Anordnung der General-Haupt-Kasse (DD Loc 1337)

Da in Zukunft vorzugsweise die Sole des oberen Schachtes gefördert würde, hätte die untere Wasserkunst ausreichend Kraft zum Betrieb der Repetierpumpen für den 3. und 4. Fall am unteren Gradierhaus. Für das Gestänge von unteren Schacht brauchte man die Zustimmung der Schule, da es durch den Schafstall geführt werden mußte.

 

  1. Jan. Vertragsgenehmigung (MER C 48 IIIb, Nr. 5519).

Das Schulamt genehmigte die Unterverpachtung eines Teils der Mühlenwiese an die Commun-Flöße für einen Reichstaler.

 

  1. Feb. Abdeckung der Röhrenfahrten (WER Rep. A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Um die Ausfälle beim Sieden im Vorjahr aufzuholen, wurden die Röhrenfahrten vom oberen zum  unteren Gradierwerk bzw. in die Siedehütten mit Mist abgedeckt, um ein Einfrieren zu verhindern. Den  Mist lieferte der Gasthofpächter, der ihn im Frühjahr wieder abholte und auf seine Äcker brachte.

 

  1. Feb. Verordnung über die Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Die Flößer sollten bis zum 23. April den Wehrdamm überfahren, danach wurde der Rechen geschlossen. Wer das nicht schaffte, blieb oberhalb des Unterneusulzaer Rechens liegen und musste darauf hoffen dass bei einer Unterbrechung der Scheitholzflöße der Rechen kurzfristig geöffnet wurde.

 

  1. Apr. Gutachten zum Eiswehr an der kleinen Saale (DD Loc 1337 Vol. 3)

Heun und v. Beust erklärten, dass die Reparatur unumgänglich sei, sollten die Wasserkünste vor Treibeis geschützt werden. Weil der Nutzen für die Mühlen und die Flößere unbedeutend sei, müsste die Salinenkasse den Hauptteil der Kosten tragen.

 

  1. Mai Beschwerde des Amtsverwalters (WER Pforta II Nr. 2292).

Ortsrichter Hilpert hatte sich erneut geweigert, der Gerichtsfolge bei der Bewachung eines in der Landesschule einsitzenden Verbrechers nachzukommen und sich dabei darauf berufen, dass die Gerichtsfolge in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gefordert wurde.

 

  1. Juli Reskript zur Kostenübernahme am Wehrdamm (WER Pforta II, Nr. 941).

Das Kammerkollegium ordnete an, dass die Reparatur des Wehrdammes dem Schulamtobliegt und für die Unterhaltung des Eiswehres die Salinenkasse die Hälfte beisteuert.

 

  1. Aug. Hochzeit der Tochter von Judersleben (Judersleben).

Eleonora Christiana Sophia wurde mit Johann Jacob Leberecht Schröter „copuliret“, dem Sohn des „Conducteurs“ J. Chr. Schröter.  Die 34 geladenen Gäste feierten zwei Tage lang.

 

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Dorothea Tänzer und der Mühlknappe J. G. Schönherr wurden wegen Ehebruchs angeklagt (Nr. 3913).

 

1781     

  1. Juni Verhandlung zum Borlachschen Erbe (WER D 34 Anh. 1/3910)

Zwei Jahren lang hatten die Parteien mit Klage- und Gegenklageschriften verfasst, nun wies das Dom-Sozietäts-Gericht zu Naumburg die Klage Schröters ab. Es bestätigte die Rechtskraft der zwischen den beiden getroffenen privaten Vereinbarung zur Überlassung eines Teils des Erbes, die Therkorn in allen Punkten erfüllt hatte. Schröter gab sich damit nicht zufrieden und zog vor die nächst höhere Gerichtsinstanz, den Leipziger „Schöppenstuhl“.

          

             Inbetriebnahme des Gradierhauses auf dem Rechenberg (Judersleben).

22 Bund, rund 100 Meter, bildeten den ersten Fall, auf dem die Sole des oberen Schachtes  gehoben wurden. An der Radkunst hingen nun 22 Schacht-, 3 Tage- und 3 Repetierpumpen. Die einmal gefallene Sole kam über eine Röhrenfahrt zum Südgiebel des unteren Gradierhaus, wo sie dank des Höhenunterschiedes von selbst in die Solekästen über dem 2. Fall stieg.

Dieser war, wie auch die übrigen beide Fälle im Zuge der Generalsanierung des vorderen der  der beiden unteren Gradierhäuser neu eingeteilt worden. Das hintere Gradierhaus wurde nur noch gelegentlich benutzt und verfiel.

 

             Abschluss der Sanierung des Wehrdammes. (WER Pforta II 939 ff).

Dem Schulamt kostete die Instandsetzung 3.211 Gulden. Die Rentkammer  bewilligte dafür einen Zuschuss von 1.500 Talern und stellte 280 Eichen aus den Amtswäldern zur Verfügung. Die Salinenverwaltung erneuerte die Gerinne der beiden Wasserräder und errichtete auf der dazwischen liegende Dammkrone eine Mauer. Damit verbesserte sich das Aufschlagwasser der Radkünste, nebenbei auch der Durchfluß der kleinen Saale bis in die Landesschule. Die Sandbänke zwischen den Radkünsten wurden aufgefüllt und befestigt.

 

      Okt. Beginn der Weinlese (Judersleben).

Trotz eines Frosteinbruchs zu Himmelfahrt war man mit dem Ertrag zufrieden, dem Höchsten seit 1727. Judersleben erntete 10 Eimer, die er für 3 Gulden 12 Groschen pro Eimer verkaufte.

 

  1. Okt. Das Salzwerk erhält eine Militärwache (Judersleben).

Das Salzwerk hatte offenbar seit der Errichtung eine ständige Wache, um Unberechtigten den Zugang zu verwehren. Die Wache wurde in Kriegszeiten abgezogen und zu Friedenszeiten zurück beordert. Die derzeitge Wache wurde erst 1796 abgezogen.

 

1782

  1. Feb. Schiedsspruch im Borlachschen Erbstreit (WER D 34 Anh. 1/3910).

Das kurfürstliche Schöppen-Gericht zu Leipzig schloß sich dem Urteil das Naumburger Gerichtes an, dass Therkorn gegenüber Schröter zu nichts weiter verpflichtet war, als zu dem, was in dem Vertrag vereinbart wurde. Schröters konnte nicht beweisen, dass Therkorn ihn über die tatsächliche vom Bergrat hinterlassene Barschaft getäuscht habe. Den streitenden Parteien wurde aufgegeben, zur formalen Beendigung der Erbschaftauseinandersetzung vor dem Schulamt einen Abschwörungseid zu leisten und darüber hinaus den Parteien und  deren Rechtsbeistände unter Androhung von Strafen auferlegt, sich in Zukunft jeglicher „Weitläufigkeiten“ in dieser Angelegenheit zu enthalten.

 

  1. Feb. Königl. Befehl an Schulkanzler v. Zedtwitz wegen des Anbindens (WER D 34 1/3574)

„Da auch die Flößer-Compagnie zu Kösen ihre Flöße auf eine längere Zeit, als ihr für das bisherige Anbindegeld an 35 Talern nachgelassen ist, an die Pfortaer Schulen-Ufer zu deren großen Nachteil, ohne jedoch das Anbindegeld zu erhöhen, zeither anbinden lassen, so habt ihr dieserhalb eine Regulation zu entwerfen, hierunten nach vorgängiger Vernehmung mit  erstgenannter Compagnie, um wieviel sotanes Anbindegeld nach Verhältnis der Zeit als sie die Flöße angebunden lassen, zu erhöhen, genau zu bestimmen und solches Regulativ mittelst gehorsamsten Berichts zu unseren Approbation einzusenden...“

Befehlsgemäß wandte sich von Zedtwitz an die Flößerkompanie. Als deren Anwort ausblieb, mahnte er am 20. September:

„E. Löbl. Flößer-Compagnie ist erinnerlich, was in Ansehung des für die an den Pfortaischen Saale-Ufern angebundenen Flöße bisher entrichtete Anbindegeldes und dessen nach Verhältnis der Zeit proportionale Erhöhung, auch Entwurf eines bis auf höchste Approbation und sonst in Verfolg eines an mich ergangenen gnädigsten Rescripts  ausgefertigt worden“.

Als auch hierauf keine Antwort erfolgte, erklärte von Zedtwitz: „..gleichwohl aber die Expedition  des höchsten Befehls  nicht länger aufzuhalten sein will, so habe nicht Umgang nehmen können, wohlged. löbl. Flößer-Compagnie gebührendtser Eröffnung ihrer diesfallsigen  Deklaration  hiermit anderweit zu erheben“.

 

  1. Apr. Abbruch des ersten Siedekots (Judersleben).

Die  1730 eingerichteten Herde wurden ersetzt, wobei immer noch das Holz als Brennmaterial beibehalten wurde.

 

  1. Apr. Carl Judersleben wird in der Naumburger Domschule aufgenommen (Judersleben).

Carl August wurde am 24. Nov. 1769 geboren und am 27. Dezember getauft. Seine Taufzeugen waren Bürger aus Naumburg, J. G. Wolff, Schuhmacher, J. Chr. Sachse „Bosemendirer“ und die Ehefrau des Weißbäckers Hauschildt. Mit fünf Jahren wurde er eingeschult und kam nun auf die Domschule. Dies kostete seinem Vater 20 Gulden für Quartier und  Mittagessen.  

 

  1. Aug. Anordnung des Kammerkollegiums zum Lachsfang (WER Pforta II Nr. 943).

Trotz rechtlicher Bedenken wurde dem Rittersgutbesitzer von Kreipitzsch befohlen, die Lachsfanganlage auf dem Wehr zu entfernen.

 

  1. Aug. Testament von Carl August Therkorn (WER D 34 Pforte 1/3910)

Kurz vor seinem Ableben legte er im Krankenbett seinen letzten Willen nieder. Zum Alleinerben seines Vermögens bestimmte er seinen einzigen Sohn Christian August. Da der erst drei Jahre alt und somit unmündig war, setzte er seine Ehefrau Johanna Christiane Emilie geb. Becker als  Vormund ein und sicherte ihr bis zur Volljährigkeit des gemeinsamen Sohnes die alleinige Verfügung über das Erbe zu. Im  Fall, dass sie wieder heiraten würde, sollte sie den  4. Teil des Erbes behalten und für den Sohn ein amtlicher Vormund bestellt werden. Von der Vereidigung seiner Ehefrau auf ein anzufertigendes Verzeichnis des Erbes sah er ab, da er „von derer guten christlichen und gewissenhaften Gesinnung sehr wohl überzeugt“ war. 

 

  1. Nov. Judersleben verkauft seinen Weinmost (Judersleben).

Der „Herr Conducteur“ Schröter, der Schwiegervater seiner Tochter, kaufte ihm 9 Eimer weißen und 7 Eimer roten Most für jeweils 1 Gulden 18 Groschen ab, die er  ratenweise bezahlte.

 

              Der Floßschreiber G. D. Moritz wird Küchenschreiber in Pforte (WER D 34/1/557)

 

              Gerichtsverfahren (WER D 34 Anh. ½ Nr. 877)

Der Erbpachtmüller J. G. Friedrich verklagte seine Nachbarin Christiane Theuring, weil sie ihre  Enten auf der Mühlwiese getrieben hatte.

 

1783     

  1. Jan. Gutachten zur Verbesserung der Forstwirtschaft (WER Rep. D Pforta II, 1252).

 

  1. Feb. Befehl zur Langholzflößerei (WER Rep. D. Pforta II 1253).

Dem kurfürstl. sächs. Kanzler des Stiftes Naumburg  und Schul-Inspektor H. F. von Zedtwitz wurde befohlen, alle Verträge zwischen dem Schulamt und der privaten „Flößer Compagnie“ zu sichten und ein Gutachten zu erstellen.

 

      Mär.  Bau eines Wildwasserschachts (WER Rep. A 23 I, Nr. 11, Bd. 1).

Der Schacht wurde ca. 30 Meter unterhalb des oberen Solschachtes direkt unter dem  Doppelfeldgestänge abgeteuft, 30 Meter tief,  zimmerermäßig ausgebaut und mit 5 Pumpensätzen bestückt, die an das Kunstgestänge gekoppelt waren. Der Schacht diente dem Absenken des Grundwasserspiegels vor dem Solschacht.  Der Bau kostete 2.397 Taler, 12 Silbergroschen und 9 3/8 Pfennig  (Senff jr. 1816).

Um das Wildwasser nicht nutzlos in die Saale zu leiten, vereinbarten  die Salinenverwaltung (Heun, Schröter) und der  Schulverwalter Herbst, dass das Wasser über eine Rösche zum Gasthof und zur Schäferei geleitet wurde.

 

  1. Mai Fertigstellung des neuen Siedekots (Judersleben).

Judersleben übernahm als Siedemeister das Kot und bezog die dortige Dienstwohnung. Seine bisherige Wohnung vermietete er Gottlob Köttnitz für 8 Gulden.

 

  1. Mai Anzeige des Schulamtes wegen des Lachsfanges (WER Pforta II Nr . 943).

Das Amt teilte dem Kammerkollegium mit, das der Fischpächter von Kreipitzsch weiterhin Lachse auf der Wehrkrone fängt, obwohl dies untersagt wurde. Daraufhin erklärte der Rittergutsbesitzer  Graf Zech, keinen derartigen Befehl erhalten zu haben.

 

  1. Aug. Schreiben des Schulamtes an die Witwe Therkorn (WER D 34 Pforta Anh. 1/3910).

Dem Schulamt war die Entscheidung des Schöppengerichts bezüglich der Eidesleistung im Streit um das Borlachsche Erbe zugegangen. Da Therkorn inzwischen verstorben war, sollte sein Sohn und Erbe den Abschwörungseid leisten. Da er noch minderjährig war, wurde seine Mutter als Vormund aufgefordert den „Beschwörungs-Eid“ innerhalb von 8 Tagen im Schulamt zu leisten.

Das lehnte die Witwe in einem Schreiben vom 2. Oktober rundweg ab. Zum einen verwies sie darauf, dass sie sich mit derartigen Angelegenheiten nie beschäftigt habe, zum anderen wäre sie zwar testamentarisch zum Vormund des gemeinsamen Kindes bestimmt worden, doch die  amtliche Bestätigung der Vormundschaft würde noch nicht vorliegen und sie selbst wäre noch unentschlossen, ob sie überhaupt in die Vormundschaft einwilligen würde. Letztendlich sollte man warten, bis der Erbe volljährig sei, dann könne er selber den Eid leisten. Wegen der vorgebrachten Gründe, die ihr Rechtsbeistand, der Advokat Johann Christian Gotthelf Hübsch aufgestellt hatte, wurde das Verfahren ausgesetzt.

Bezüglich des Borlachschen Erbes führte sie an, dass Schröter die mit Therkorn vereinbarten Sachen erhalten habe und somit keinerlei Anspruch auf das übrige Erbe wie „Silberwerk-Pretiosen, ausstehende Schulden, Bibliothek, Porzellan, Mineralien-Kabinett, Risse- Zeichnungen, Kupfer-Stiche und Schildereygen, Maschinen, Modelle, Uhrmacher-, Drechsler-, Schlosser und Schmiede-Werkzeug, Equipage, Pferde, Vieh, Schiff und Geschirr, vorrätige Wein- und Weingefäße, Kelter-Zeug, vorrätiges Getreide, Holz, Materialien und Kleidungsstücke“ habe.  

 

  1. Nov. Verlängerung der Zeitpacht des Gasthofs (WER Rep A23I,Nr.11,Bd.1).

Scheuffler übertraf mit seinem Gebot von 560 Gulden den Holzhändler Seidler.  Allerdings wiesen Bergrat v. Beust und Schulverwalter Gutbier das Kammer-Kollegium darauf hin, dass sich die Klagen über Vertragsverstöße und wegen einer Verschlechterung des Gasthofes häuften. (s.a. DD Loc 1337 Vol 4 S. 131 -139).

 

  1. Nov. Carl Judersleben erhält eine „Famulator-Stelle“ in Pforte (Judersleben).

Da Kost und Quartier das Familienbudget überstiegen, hatte sich  Judersleben erfolgreich beim  Schulinspektor um eine freistelle beworben. Auf „Allergnädigsten Befehl“ kam Judersleben als Kostgängerzu einer Lehrerfamilie. Dafür wurden 9 Gulden „Reventionskosten“ erhoben, die sich Judersleben von seinem Bruder borgte und in  zwei Raten abzahlte. 

1789 beendete Carl die Schule und studierte von 1790 bis 1796 in Leipzig Theologie. Hier war er bei verschiedenen Kaufmannsfamilien in Kost und Logis. Zur Bestreitung der Studien lieh sich sein Vater mehrfach Geld von der Invaliden-Kasse der Knappschaft.

 

  1. Dez. Anpassung des Anbindegeldes (WER Rep 34 II, 1249).

Nach Sichtung der bestehende Verträge wurde das Anbindegeld für die Flöße, die zu den Holzmessen an den zur Schule gehörenden Ufern anlegten, schlug von Zedtwitz vor, dass Anbindegeld auf 100 Gulden zu erhöhen und das Anbinden sowie die Zeiten streng zu kontrollieren.

 

1784       

              „Churfürstlich - Sächsischer - Hof - und Staatscalender (MÜN digit).

Die Beamten der Saale- und Elsterflöße waren der Kammerherr Christian Heinrich August v. Uffel als Oberaufseher, Stöter (Floßmeister), Tostlöwe (Floßschreiber und Zolleinnehmer) und Chr. Ludwig Hofmann (Adjunktus). Das Salinendirektorat war unverändert. Zur hiesigen Lokalverwaltung (Ulrich, Herisch, Schröter und Dorschel) kam der Adjunktus Ehrenfried Otto.

 

  1. Jan. Entrichtung der Fleischsteuer (Judersleben).

Judersleben hatte  vom Fleischer Hegewald zwei Schweine schlachten lassen und musste dafür  beim Ortsrichter 16 Groschen zur Fleischsteuer entrichten.

 

  1. Feb. Gutachten der Schulbeamten zum Anbindegeld (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3574)

Diese begrüßten zwar die vom Stiftsverwalter entworfene Anbinderegelung, waren aber skeptisch  wegen der  Höhe des Anbindegeldes, zumal man in den   Schularchiv keine Unterlagen über die bisher geltenden Regelungen gefunden hatte.

In dem von Francke, Herbst und Kette unterzeichneten Schreiben erklärten die Beamten, dass „ad 1) eine Erhöhung nicht soweit führen sollte, dass die Holzhändler den Holzmark nicht mehr besuchen sondern in Camburg bleiben, ad2 ) das zwar die Anbindezeit auf drei Wochen begrenzt ist aber wegen verschiedener äußerer Bedingungen keine feste Zeit möglich ist ad 3) sollte man die Einwänder der Flößer berücksichtigen, die auf kurfürstliche Freipässe  die für die Kgl.- Preuß. Bergwerke benötigten Hölzer anflößen“.

Daraufhin legte die Rentkammer ein Anbindegeld von 40 Gulden fest.   

 

  1. Mär. Frostaufbruch nach 5 Monaten (Judersleben).

Der lange Winter hatte große Not gebracht. Mehrere Einwohner waren verstorben und Viehzeug verhundert. Nun taute der Schnee, der mancherorts 7 bis 8 Ellen hoch (ca. 2 Meter) war, Saale und Unstrut traten über die Ufer. Das Hocwasser wäre die die höchste seit 200 Jahren gewesen. Das Salzwerk erlitt keine größeren Schäden, allerdings ruhte 12 Wochen lang die  Salzproduktion. 

 

  1. Mai Schreiben der „ausländischen“ Flößer (WER D 34/2/1253).

Die herzogl.-sächsischen Flößer lehnten auch die 40 Gulden Anbindegeld ab und beharrten auf die Beibehaltung der 1681 vereinbarten 35 Gulden. Außerdem protestierten sie gegen das Anlegeverbot in Saaleck und Lengefeld. Falls man auf die Erhöhung des Anbindegeldes beharren würde, drohte man damit, den Holzmarkt der oberländischen Floß-Compagnie nach Camburg zu verlegen.

Das angedrohte Fernbleiben der Flößer-Sozietät oder Langholz-Floß-Compagnie bzw. „Floßgemeinde an der oberen Saale“ mit Sitz in Kahla musste man ernst nehmen. Dennoch wiederholte der Stifts-Kanzler v. Zedtwitz, die Notwendigkeit der Erhöhung auf 100 Gulden wegen der zahlreichen von Flößen verursachten Uferschäden.

 

  1. Juni Verurteilung des Gasthofpächters (WER Rep. D 34 /1).

Nach einer anonymen Anzeige hatte das Schulamt die Überprüfung zweier Fremder, die im Gasthof übernachteten, durch die Miliz veranlasst. Obwohl sich herausstellte, dass die beiden harmlose Reisende waren, musste der Gastwirt 10 Gulde Strafe zahlen, weil er es versäumte, ihre Ausweise zu prüfen.

 

  1. Aug. Abänderung des Anbindegeldes (WER D 34/ 2/1253).

Zedtwitz erklärte, dass man mit 50 Gulden auskommen würde, wenn die Anbindezeit auf 3 Wochen vor und spätestens drei Wochen nach dem Ende des Holzmarktes beschränkt würde. Wer bis dahin sein Holz noch nicht verkauft hatte, sollte der Schulkasse eine Entschädigung zahlen.  Die Kontrolle der Einhaltung des Anbinderegulativs sollte der Fischhauspächter übernehmen.

 

  1. Sep. Gutachten zum Lachsfang am Wehrdamm (WER Pforta II 943).

August Ferdinand Graf v. Zech berief sich in seiner umfangreichen Schrift auf die dem Rittergut mit einer Urkunde im Jahr 1590  überlassenen Fischereirechte auf der Saale bis zum Wehrdamm. Er fand es erstaunlich, dass das Schulamt erst 1775, nachdem er das Gut erworben hatte, die Fangrechte in Frage stellte. Seine Beweisführung war so nachvollziehbar, dass am 06. Okt. dem Schulamt befohlen wurde, den Lachsfang auf dem Wehr zu gestatten. In seinem Schreiben erwähnte v. Zech, dass das Wehr im Jahr 1471 errichtet worden sei, was sich wohl eher auf eine Instandsetzung bezog.

 

  1. Sep. Freiherr von Beust wird als Salinendirektor abberufen (Judersleben).

 

  1. Dez. Bewerbung Freiherr v. Hardenbergs (www.bautz.de/bblk).

Heinrich Ulrich Erasmus v. Hardenberg (1738-1814), Vetter des bedeutendsten sächsischen Bergbeamten  und Gründers der Freiberger Bergakademie Friedrich Anton v. Heynitz, Großneffe des späteren Staatsministers und Mitinitiators der preußischen Verwaltungsreform, Karl-August Freiherr v. Hardenberg, hatte nach dem Schulbesuch in Pforte (1752-1755) u.a. Bergbau in Göttingen studiert. Nach mehreren Stationen übernahm er am 8. Januar 1783 das Direktorat der Saline in Artern und bewarb sich um die Nachfolge von v. Beust der an den Dresdener Hof ging.  Hardenberg hatte mit seiner 2. Ehefrau 11 Kinder von denen der älteste Sohn, Georg Philipp Friedrich  unter dem Namen  Novalis (1772-1801) bekannt wurde. 

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh 1 Nr. 905).

Der Papiermüller von Pforta J. G. Heinel verklagte den Gasthofpächter  J. G. Scheuffler auf Schadensersatz, wegen „eingelegten Bauholzes“ in der kleinen Saale, wodurch seiner Mühle das  Aufschlagwasser fehlte.  

 

1785

  1. Jan. Ernennung v. Hardenbergs zum Salinendirektor (bautz.de)

Ihm wurde der Rang eines Kreishauptmann verliehen mit einem Jahresgehalt von 650 Gulden  und einem Holzdeputat von 24 Klaftern. 1786 erwarb er  in der  zentral gelegenen ehemaligen  Residenz Weißenfels ein „amtssäßiges“ Wohnhaus in der „Closter Gaße“ mit dem Recht hier auch Landwein sowie auswärtigen Wein und Bier für den eigenen Bedarf einzulagern. Hier  wurden auch die Amtsräume des kursächsische Salinendirektorats eingerichtet (Novalis-Gedenkstätte).  Die Vereidigung der Belegschaft des Salzwerkes erfolgte durch den Kammerherrn von Schulenburg am 3. Februar in der großen Gasthofstube. Zum Direktorium gehörten nun als Vizedirektor  der Bergrat F. W. Heun und der Inspektor E. Fr. Senff sen. Hardenberg wurde 1789 zum Mansfelder Berghauptmann ernannt und war damit dem preußischen Berghauptmann  Freiherr Carl Christian v. Veltheim gleich gestellt.

 

  1. Jan. Annahme des neuen Anbinde-Regulativs (WER D 34/2/1253).

Während die Bevollmächtigten der kursächsischen Holzhändler die Unterschrift leisteten, weigerten sich die oberländischen Vertreter und beharrten auf der Beibehaltung des bisherigen Satzes.

 

  1. Mai Beschwerde der Dorfgemeinde beim Schulamt (WER Pforta II, Nr.2292).

Anlass war die erneute Anordnung zur Gerichtsfolge bei der Bewachung eines Verbrechers, der im Pfortaer Gefängnis saß. Dabei berief sich das Schulamt auf den im Jahr 1737 vom Kammerkollegium erlassenen Befehl zur Gerichtsfolge. Dies lehnte der Ortsrichter G. Chr. Hilpert ab und berief sich darauf, dass der Bergrat Borlach höchstpersönlich gegen eine derartige Anweisung Einspruch erhoben habe und in der Folge keine Gerichtsfolge mehr verlangt wurde, weder als man vor wenigen Jahren eine Bande von  Kirchenräubern dingfest gemacht hatte oder die Bewachung des Deliquenten Burrmann bis zu dessen Hinrichtung. Hilpert beharrte auf die Sonderstellung der Einwohner, die weder landwirtschaftlichen noch bürgerlichen Erwerb nachgingen, sondern nur auf den Verdienst in den fiskalischen Unternehmen angewiesen waren. Daher wären sie seit alters her von allen Fron-, Hilfs- und sonstigen Diensten, Steuern, Abgaben, Einquartierungen u. dgl. befreit und entrichteten nur die Erbpacht für ihre Häuser beim Schulamt. Er verwies auf die kümmerliche Lebensbasis der Bevölkerung, die außer den Floß- und Salzwerksbeamten, nur aus besitzlosen Dienern, aus Salzsiedern, Salzladern, Pfannenschmieden, Gradierern, Bergleuten, Kunst- und Maschinenwärtern, Floß- und Salzwerksboten, Rechenwärtern, Bauholzlieferanten und einigen wenigen Handwerksleuten bestehe. Diese wohnten auf landwirtschaftlich unbrauchbaren Grund und Boden, ohne Möglichkeiten für den Feld- und Gemüsebau sowie die  Viehzucht, da es an Landbesitz fehlte. Von Brau- und Schankgerechtigkeiten seien die Bewohner auch ausgeschlossen. Sie seien Häußler und wenn sie aus dem Haus treten, ständen sie auf fremdem Land, weil bei 1,5 Ellen d.s. 1 m das Traufrecht endete. Selbst das Obst von den Bäume, die sie als Schattenspender selbst angepflanzt hatten, musste bezahlt werden. Im namen der Einwohnerschaft unterzeichneten J. E. Hämmerling, J. Fr. Seyffarth, J. M. Ludewig, J. Chr. Theuring, J. G.  und Chr. Scheuffler, J. G. Judersleben und J. G. Zedel, J. Chr. Eißentraut, J. G. Heisenberg, A. Weiße und S. Fr. List.

 

  1. Okt. Klage des Floßamtes (WER D 34/2/1250).

Der Gastwirt J. G. Scheufler und der Pachtschäfer Ulrich Bauer verklagten das Floßamt wegen Triftminderung auf den Stapelplätzen, die ihnen seit jeher zugestanden wurde, wenn hier kein Holz lag. Daraufhin verklagte das Floßamt die beiden wegen Behinderung der Flöße.

 

               Bau eines Weinkelters (Judersleben).

1783 hatte Judersleben beim Schulamt die Genehmigung beantragt und die auch erhalten. Allerdings sollte er für den Kelter Pacht bezahlen.  Daraufhin beschwerte er sich beim Landrichter, weil der Kelter auf seinem Anwesen stand, für das er bereits Pacht zahlte und bekam Recht. Der Kelter kostete 81 Gulden für Handwerker und Fuhrlohn. Das Holz bezog er von Seidler, die Bruchsteine von Härtel und die Bretter vom Meister Friedrich. Für die Bauabnahme stellte der Landrichter 1 Gulden,  6 Groschen und 6 Pfennige in Rechnung.

 

               Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 1/2).

Die Kramerinnung aus Naumburg verklagte den Gasthofpächter J. G. Scheuffler wegen ungenehmigten Flachshandels (Nr. 854)

 

1786     

               „Churfürstlich - Sächsischer Hof und Staatscalender (MÜN digit).

  1. U. E. von Hardenberg und Fr. W. Heun waren neu in der Liste der Beamten. Bei den übrigen Beamten (Lokaldirektion, Floßamt) gab es keine personellen Veränderungen.

 

            Umstellung der Siedeherde auf Erdkohle (Fr. v. Hardenberg, HKA Bd. 3).

Unmittelbar nach dem Amtsantritt Hardenbergs begann die konsequente Umstellung auf Formkohle. Zunächst wurden die von Borlach schon einmal untersuchten Kohlenlager bei Mertendorf befahren, erworben und dem Salinenfiskus unterstellt. Für die bereits erprobte Herstellung von Formkohlen wurden Streichplätze eingerichtet und die Kohlenstraße für die Transporte hergerichtet.

Um die Formkohlen überhaupt zu verbrennen, mussten die Herde umgebaut werden. Die von  E. F. Senff sen. entworfenen Strahlenherde hatten eine eiserne Tür vor dem Feuerloch und einen Rost, der den Verbrennungsraum vom Aschefang trennte. Die heiße Luft wurde strahlenförmig unter die Siedepfannen geleitet, um eine möglichste effektive Wärmeverteilung zu erreichen. Für ausreichend Verbrennungsluft sorgten vergrößerte Zuluftöffnungen in den Koten und höhere  Essen. Um die glühende Asche sicher zu lagern, kaufte die Salinenverwaltung Flächen an der kleinen Saale, dem Aschendamm. Der Transport erfolgte mit eisernen Schiebekarren, die Asche kam in Gruben  und wurde mit Erde abgedeckt um den Funkenflug zu verhindern.

Außerdem kaufte die Salinenverwaltung dem Naumburger Bürgermeister Sonnekalb die Kalk- und Ziegelbrennerei in Punkewitz ab.

 

  1. Mai Beschluss der Gemeinde zum Bau der Schule (WER D 34 2/2504)

Nachdem ein neuer Bauplan angefertigt und die Kosten anstatt 509 auf 358 Taler betrugen, die auf die Hauswirte umgelegt werden mussten, erklärten sich die Mehrzahl bereit, ihren Anteil beizusteuern. 

 

  1. Nov. Einweihung des Gottesackers an der Fränkenauer Hohle (Lepsius 1826, A.C. Ende 1844)

Nach immer drängenden Vorstellungen der Gemeinde aber auch der Salinen- und Floßbeamten genehmigte das Konsistorium die Anlage eines Friedhofes. Die Schulabeamten wurden angewiesen, nahe beim Dorf Neu-Kösen eine geeigntes Stück Land  herzugeben. Das war eine „öde Lehde“ hinter den „Sieben Häusern“ zum Fränkenauer Hohlweg, die mit einer Mauer umgeben und geweiht wurde. Bestattete wurden hier nicht nur die Toten aus Alt- und Neu-Kösen, sondern auch die der Vorwerke Kukulau und Fränkenau, der Pachtschäferei und der Pachtmühle. Das letzte Begräbnis eines Kösener Einwohners in Pforte fand am 18. November statt.

Den Mehraufwand für geistlichen Inspektor zum Begräbnis wurde durch den Wegfall der Kosten für den Transport des Verstorbenen nach Pforta egalisiert.

Der Friedhof könnte an der Stelle angelegt worden sein, wo sich der Gottesacker der Wüstung Fränkenau  befand, der noch im 16. Jahrhundert als Begräbnisstätte für die Vorwerke Fränkenau und Kukulau benutzt wurde.

 

            Die Salinenverwaltung verpachtet die Gasthofschmiede.

Die gehörte nominell zum Gasthof, den Schmied suchte sich die Salinenverwaltung aber selber aus. Die Schmiede deckte in erster Linie  den Bedarf des Gasthofes und der Saline, ausgenommen die Reparatur und die Anfertigung der Siedepfannen sowie der Pumpenstiefel.

 

           Breitkopf  veröffentlicht die „Malerische Reise durch Sachsen“

Illustriert ist dieser Reisebericht von Carl Benjamin Schwarz (1757-1813) darunter „Die Brücke beim Salzwerk zu Kösen an der Saale“, „Das Bergschloß Rudolfburg bey Kösen“ und zwei Ansichten von Pforte.

 

1787      

  1. Jan. Erste Beisetzungen auf dem neuen Friedhof (Judersleben, Hinsche, 1930).

Die Friedrich Zimmermanns Eheweib war die erste Erwachsene, die hier bestattet wurde, zuvor  waren es  drei Kinder.

 

  1. Mai Schreiben des Schulamtes an das Kammerkollegium (WER D 34/2/ 941).

Heinrich Ferdinand von Zedtwitz, Sigismund Polycarp Gutbier und Ernst Constantin Herbst beklagten den Wassermangel der Pachtmühlen. Durch den Ausbau der Gerinne der Wasserkünste kam immer weniger Wasser über die kleine Saale nach Pforta. Die dortige Mühle und besonders die in Altenburg fielen immer öfter aus und die Pächter verlangten eine Entschädigung oder kürzten die Pacht. Den Schaden für das Schulamt sollte die Saline als Verursacher erstatten. Daraufhin wurde dem Schulinspektor, dem Salinendirektor, dem Rentmeister und den Amtsmännern von Weißenfels und Pforte befohlen, ein Gutachten über den Zustand und den Betrieb der betroffenen Mühlen abzugeben.

 

  1. Mai Vereinbarung zum Bau des Schulhauses (WER D 34 2/2504).

Die Gemeinde legte dem Schulamt den Riß des Schulhauses vor und bat um die Genehmigung   des mit den Gewerken vereinbarten „Akkords“.

 

  1. Juli Reskript zur Langholzflößerei (WER D 34/2/125, MER C 50 Naumburg A 75).

Den Flößern wurde befohlen, von Fastnacht bis zur Karwoche über den Wehrdamm zu gehen. Das Anbinden der Flöße oberhalb des Rechens war verboten. Als Strafe waren 5 Taler je Floß fällig, die nachweislich am 20. April 1789 von 6 Flößen und am 28. Oktober 1791 von 9 Flößen erhoben wurde. Ebenfalls 5 Taler Strafe zahlten Flößer deren  Flöße bei Hochwasser fortgerissen und vor dem Rechen getrieben wurden.

 

              Beschwerde des Pfarrers der Moritzkirche zu Naumburg (WER A 29a I Nr. 203).

Dieser wandte sich gegen die Einpfarrung des Fischhauses in die Schulkirche von Pforta.

 

1788       

              „Churfürstlich - Sächsischer  Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit.).

Zum Salinendirektorat gehörten  H. U. E. v. Hardenberg und der Vizedirektor Bergrat F. W. Heun, zur Kösener Lokaldirektion Carl Heinrich Weichert (Salzniederlagenverwalter), Johann Christian Schröter (Baumeister), Johann Balthasar Dorschel (Salzschreiber), und Johann Ehrenfried Otto (Adjunctus). Oberaufseher der Saale-Flöße war der Kammerjunker  Chr. H. A. v. Uffel. Floßmeister zu Kösen der Geh. Finanzsekretär Johann August Puttrich, Floßschreiber und Floßzolleinnehmer Johann Christian Tostlöwe und zweiter Floßschreiber Gottlieb Heinrich Burschel. Inspektor der Land-Schule Pforta  war Heinrich Ferdinand v. Zedtwitz zu Auerstädt, Stift-Naumburgischer Kanzler zu Zeitz, Schulverwalter der Rentmeister Ernst Constantin Herbst.

 

             Erdbeschreibung der Churfürstlich u. Herzoglich Sächsischen Lande Bd. 1 (MÜN. dig.)

Der Verfasser war Friedrich Gottlob Leonhardi

„Alt-Kösen, ein Vorwerk an der Saale, eine Stunde von Naumburg mit einer zu Schulpforta gehörigen Schäferey und einer seit Markgraf Heinrich vorhandenen Brücke, wo ein Brückenzoll gegeben wird.

Hier ist ein gutes Salzwerk, wo jährlich gegen 40 bis 50000 Scheffel Salz gesotten werden, wozu man ohne Kohlen beynahe 3000 Klaftern Holz braucht und die Sohlbrunnen haben 82 Lachter 20 Zoll oder 575 Fuß 8 Zoll Tiefe und die Sohl ist ursprünglich vierlöthig. Dieses Salzwerk ward schon im 17ten Jahrhundert entdeckt, aber 1730 erst durch den ums sächsische Salzwesen höchst verdienten Bergrath Borlach in einen gangbaren Zustand versetzet, daß man seit 1732 ununterbrochen hat Salz sieden können. Zur Feuerung bedient man sich gegenwärtig fast ausschließlich der Braunkohlen von Mertendorf und erspart jährlich über die Hälfte des vorigen Holzbedürfnisses.

Das Salz wird in der hiesigen Salzniederlage aufbewahrt in welcher vornehmlich die thüringischen, voigtländischen und neustädtischen Ämter ihr Salz holen. Auch befindet sich hier ein Floßmeister und Floßzolleinnehmer von der Saaleflöße (.) den Zoll haben Friedrich der Streitbare und sein Bruder Wilhelm II. 1410 angelegt, von jedem Floß 1 Rheinländ. Gulden bis Jena und 2 bis Weißenfels.

 

  1. Mai Bericht des Ortsrichters zum Schulhaus (WER D 34 2/2504).

Das Schulamt hatte der Gemeinde einen Platz am Lengefelder Weg zugewiesen, der einst dem  Floßmeister Wenzel als Bauplatz verpachtet aber nicht bebaut worden war. Die Gemeinde hatte sich auch über die Umlage der veranschlagten Kosten von 358 Taler geeinigt. Demnach kamen auf jeden  der 48 Hauswirte 4 Taler und auf jeden der 63 Hausgenossen 2 Taler. J. Fr. Seidler und J. N. Robisch wurden bevollmächtigt „zur Besorgung der Baumaterialien und diese mit Quittung vor der Gemeinde zu belegen“.

 

  1. Juni Anweisung an den Besitzer des Rittergutes Stendorf (St.-A. Nr. 60)

Weil sich die Gemeinde Saaleck wegen bestimmter Eingriffe in ihre Gerechtsame beschwerte,  wurde dem Kammerjunker Christian Gottlob v. Tümpling auferlegt, dies zu unterlassen,  andernfalls wurde ihm eine Strafe von 20 Talern angedroht.

 

  1. Sep. Der Salz-Kontrolleur Herisch verstirbt (Judersleben).

Er war 48 Jahr alt und hinterließ 8 Kinder. Am gleichen Tag verunglückte der Salzschreiber Dorschel auf einer Reise bei Themar.

 

  1. Sep. Beschwerde des Floßmeisters über den Pachtschäfer (WER Rep. D Pforta II).

 

  1. Okt. Chr. Fr. G. Seffner wird in der Saline als Kontrolleur angestellt (H. Seffner 1884).

Seffner (*1732) der Vater des späteren Oberbürgermeisters von Merseburg war erst Salzschreiber in Dürrenberg und ersetzte den verunglückten Dorschel.

 

  1. Nov. Novellierung des kursächsischen „Land-Accise Mandats.“

Von den auf Flößen mitgeführten Holzwaren wurden 10 Pfennige von jedem Gulden Warenwert  erhoben.

 

  1. Okt. Spezifikation der eingenommenen Gelder für den Schulneubau (WER D 34 2/2504)

Ortsrichter  Hilpert listete die in den Monaten Mai, Juni, Juli und August ratenweise gezahlten Umlagen auf.

 

  1. Okt. Schreiben des Direktoriums wegen der Gasthofspacht (WER Rep.A 23I, Nr.11 Bd.1)

1790 lief der Zeitpachtvertrag aus und Scheuffler hatte  sich um die Verlängerung seiner seit 23 Jahren währenden Pacht beworben, allerdings für drei Jahre und wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage infolge der Neuregelung des Salzhandels und der Verpachtung der Schmiede für 500 Taler, 60 weniger als bisher. Hardenberg und Heun hatten aber Bedenken, die Scheufflerschen Pacht zu verlängern, denn der war inzwischen hochbetagt und verwitwet. Sie rieten zu einer Neuverpachtung und einer Erweiterung , zur Verbesserung der Frequenz. Außerdem bat Hardenberg darum, ihn von der „Jurisdiction in vorfallenden Civil und Criminal Sachen“ zu entbinden und diese wieder dem Schulenbeamten zu überlassen.

 

             Übertragung einer Handelskonzession (WER D 34/1/2394)

Johanna Elisabeth Ulrich, die Witwe des Floßschreibers J. L. Ulrich überließ diese ihrer Tochter Eleonore Wilhelmine Hörisch.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Gottlieb Heckenberg mußte sich wegen verweigerter Dorfwache verantworten.

 

1789

  1. Jan. Schreiben der Gemeinde wegen der Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89)

Nach allerhöchster Anordnung mußten nun auch die Einwohner von Kösen die Dorfwache leisten. Betroffen waren sämtliche Hauswirte und Hausgenossen, ausgenommen die  Gerichtspersonen (Ortsrichter und Schöppe), die „Offizianten“ der Saline und der Flöße, soweit sie Diensträume bewohnten, der Gasthofpächter, der Pachtschäfer, der Pachtmüller. Witwen von Hausgenossen  und unverheiratete Frauen wurde jede zweite Wache erlassen. Nach der Vorgabe wurden täglich 6 Personen, 2 bei Tag und 4 bei Nacht zum Wachdienst eingeteilt, was für die 48 Hauseigentümer und 58 Hausgenossen einen 14-tägigen Turnus ergab. Einige Hauswirte, die nicht im eigenen Haus wohnten, hatten nun die Hausgenossen zum Wachdienst verpflichtet und diese waren der Ansicht, dass dies die eigene Wache ersetzt, was dazu führte dass sich der Wachturnus auf 12 Tage verkürzte. Das erzeugte Unmut und so wandten sich die Gerichtspersonen an den Amtmann, dass die Säumigen zur Einhaltung der „Landeshoheitlichen Wachordnung“ angehalten werden, damit die „vielen nachtheiligen Folgen  von Diebereien sowohl bey der Churfürstl. Flöße und bey denen Salinen, nicht weniger in Privat-Häußern, auch Feuers-Gefahr, Mord und Todtschlag auch Einschleichung Diebes und Räuberbanden an einen so offenen an der Straße gelegenen Orthe“ verhindert werden.  

Im Vergleich mit den im Amtserbbuch erfaßten steuerpflichtigen Wohnhäusern hatte sich in Alt-Kösen nichts geändert. In Neu-Kösen waren es vier Häuser mehr. Eines davon gehörte dem Steuer-Prokurator Hübsch (heute Lindenstraße 12). Die übrigen drei Häuser standen am Lengefelder Fahrweg, wo drei Bauplätze geteilt waren. Inzwischen fielen auf jeden Hauswirt mindestens ein Hausgenosse und somit wurde die Vermietung zur willkommenen Nebeneinnahme. Neu gebaute Häuser waren gleich für mehrere Mietparteien eingerichtet und bestehende Häuser wurden aufgestockt oder erweitert.

 

  1. Juli Siebzehnter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten 3 in den Jahren 1789, 1791 und 1793 zu haltende Flößen.

 

              Gerichtsverfahren und Klagen (WER D 34 Anh. 1/2)

Die Gemeinde verklagte J. G. Heckenberg wegen verweigerter Dorfwache (Nr. 5269)

 

1790

  1. Mai J. Fr. Seidler meldet die Fertigstellung der Schule (WER D 34 2/2504).

Die Schlussrechnung belief sich auf 402 Taler, 18 Groschen, davon 3 Taler, 14 Gr. für die Einweihung durch die Geistlichkeit. Damit erhöhte sich die Umlage und Richter Hilpert bat den Amtmann, sämtliche Hausbesitzer und Hausgenossen  anzuweisen, den ihm zukommenden Anteil in seiner Amtsstube schriftlich zu bestätigen und den Verweigerern  Strafe anzudrohen. Dem Schreiben beigefügt war ein Verzeichnis der 48 Hausbesitzer und 63 Hausgenossen.

 

              Erweiterung des Gradierwerkes auf dem Rechenberg  (Judersleben/Hardenberg).

Nach Süden wurden weitere 20 Bund errichtet, mithin eine Verdoppelung der Gradierfläche. Wenn die Gradierwitterung günstig war und die  aus dem oberen Schacht geförderte Menge nicht mehr reichte, wurde auch die Sole des unteren Schachts genommen, die auf den 2. Fall des unteren Gradierhauses gebracht wurde (s. a. WER D 34 Anh. 3 Nr. 64, Senff jr. 1816).

 

  1. Apr. Anweisung an die General-Hauptkasse (WER Rep. A 23I, Nr. 11, Bd. 1)

Beim öffentlichen Bietertermin für die Gasthofpacht, bekam der Strumpfwirker Christian Gotthilf Wilhelm Hennicke aus Apolda mit einem Gebot von 700 Gulden den Zuschlag.

Inzwischen hatte die Salinenverwaltung anstelle des Schafstall an der Ostseite des Gasthofs  Stallungen für das Großvieh und den Vorspann des Gastwirts sowie zum Einstellen von Zugtieren und Wagen von Fuhrleuten und Reisenden errichtet. Beim Abbruch des Schafstalles fanden sich   Gewölbe, wobei es sich  nach Angabe des Gasthofpächters um eine Krypta gehandelt habe, die den Zisterzienser bis zum Bezug des Klosters als Kirche diente. Der Platz wurde im Vertrag mit der „Cösener Sozietät“ 1714 und bei der Suche für einen Kirchenbauplatz stets als „alte“ oder „catholische“ Kirche bezeichnet.

Daraus schlussfolgerten einige Historiker im 19. Jahrhundert, dass die Zisterzienser das Kloster zuerst in Kösen an der „porta cusana“ gründeten, die dem Kloster den Namen gab.

 

  1. Juni Pachtvertrag mit Chr. G. W. Hennicke (WER Rep.A23, Nr.11, Bd 1).

Neu war, dass der Pächter als Äquivalent für die kostenlose Anfuhr von Mist aus seinen Stallungen für die Abdeckung der Röhrenfahrten, alle anfallenden Bau- und Holztransporte für die Saline gegen das übliche Entgelt übernehmen durfte. Vertraglich fixiert wurde nun auch die Vergabe der „Afterschankpacht“ an einzelne Einwohner des Dorfes, mit der Auflage, dass diese nur das Bier aus dem Brauhaus des Gasthofs ausschenken durften. Die Einlagerung und der Ausschank „fremden Bieres“ wurde untersagt, bei Zuwiderhandlungen die Afterschank entzogen. Hennicke wurde ermahnt, damit sorgsam umzugehen, damit die „Winkelschenken“ nicht überhand nahmen, denn dort würden die Arbeiter nur  zur „Liederlichkeit“ verführt. Den Vertrag unterzeichneten  v. Hardenberg und Heun sowie  S. P. Gutbier für das Schulamt und am 5. Juli genehmigte das Kammerkollegium den Kontrakt.

 

  1. Juni Bestallung des neuen Floßschreibers (MER C48 Ic, Nr. 1686)

Julius Heinrich Gnappert  wurde zum Nachfolger des verstorbenen  Tostlöwe ernannt und leistete auf die Dienstordnung von 1767, die seinen Aufgabenbereich regelte, den Amtseid. Sein Gehalt wurde auf 875 Taler jährlich, zuzüglich 12 Taler für den Hauszins und 8 Taler für Schreibmaterial und Büroaufwand festgesetzt. Dazu kamen 5 Klafter „weiches“ Deputatholz und für die Dauer der „Commun-Flöße“ 2 Gulden täglich als Aufwandsentschädigung. Außerdem oblag ihm die Einnahme der Landakzise für die mitgeführten Holzwaren. Dafür erhielt er jeden 10. Pfennig als Tantieme. Von dem hereinkommenden und durchgehenden Holz aller Art sollte er „den 20ten Stamme oder das 20te Stück nehmen und aufs thunlichste versilbern“. Demnach wurde der Zoll nicht wie 1770 angeordnet in bar sondern wieder in „natura“ erhoben. Am 13. August leistete Gnappert den Amtseid und hinterlegte 1.000 Gulden Kaution, die mit  4% verzinst wurden.

 

  1. Juli Anzeige des Gasthofpächters (WER Rep A 23 I, Nr. II, Bd. 1)

Bereits kurz nach Pachtantritt beschwerte sich Hennicke über  Verstöße gegen sein Monopol. Er wandte sich zunächst an das Salzwerk als Verpächter und forderte die Durchsetzung des „jus prohibendi“. Die Direktion sah sich jedoch dazu außerstande, da diejenigen, die es betraf, der Gerichtsbarkeit des Schulamtes unterlagen und leitete die Beschwerde dorthin, das den betreffenden Einwohnern von Neu-Kösen 5 Taler Strafe für den Wiederholungsfall  androhte.

 

  1. Aug. Anordnung des Kammerkollegiums (WER Rep A 23 I, Nr.11 Bd.1).

Das Salinendirektorat wurde aufgefordert, den Kaufvertrag mit der Landesschule über den Gasthof vom Jahr 1739 vorzulegen. Der fand sich aber nicht, lediglich die Erbpacht und der Erbzins waren bekannt. Unter Verweis auf die bisherigen Irritationen und deren Beilegung, empfahl der Kabinettsrat Chr. Günther, die Durchsetzung des Verbietungsrechtes der Jurisdiktion der Saline zu überlassen, womit sich die Inanspruchnahme des Schulamt erübrigen würde. 

Allerdings stieß das auf beidseitige Ablehnung und der Gasthofpächter klagte am 21. Oktober beim Schulamt auf Durchsetzung des Verbietungsrechtes gegenüber dem Fischhauspächter Bilcke und dem Almricher Schankwirt. Doch das Schulamt schob die Sache auf die lange Bank.

 

1791         

  1. Apr. Beschwerde des Gasthofpächters (WER Rep A 23 I, Nr.11 Bd.1).

Im Hinblick auf den bevorstehenden Holzmarkt forderte er von der Salinenverwaltung, das ihm vertraglich zugesicherte „jure prohibendi“ gegenüber dem  Holzhändler Seidler, seinem Vorgänger Scheuffler, dem Dorffleischer und dem Bäcker durchzusetzen. Die würden  „Gäste setzen und Herbergen“ und damit dem Gasthof  schaden. Wie im Jahr zuvor verlangte das Direktorat von den Schulbeamten sich der Sache anzunehmen. Die erklärten, dass sie tätig werden, wenn der Gasthofpächter einen Kostenvorschuss leistet, was Hennicke unter Verweis auf seinen Vertrag ablehnte.

 

  1. Mai Beschwerde beim Finanzkollegium in Dresden.(WER, Rep A 23I, Nr.11 Bd.1).

Erwartungsgemäß wurde auch beim diesjährigen Holzmarkt gegen das Monopol des Gasthofes verstoßen und weil weder das Salinendirektorat noch die Schulbeamten etwas unternahmen, beschwerte sich Hennicke beim Kammerkollegium.

Beim Pachtantritt habe er damit gerechnet, dass er 60 bis 70 Gebräue im Jahr absetzen könnte. Durch den Ausschank von „fremden Bier“ und Branntweins in den Fischhäusern und in den „Winkelschenken“ von Neu-Kösen, hätte er nur 40 Gebräue verkauft. Nicht nur dies hätt ihn in „arge Nöthe“ gebracht, sondern die Trank- und Fleischsteuer sowie die  „Consumtions-Accise“, die von allen Waren erhoben wurde, die er auf dem Naumburger Markt kaufen mußte. Auch die Hassenhausener Bauern schädigten sein Geschäft, denn sie „fingen“ die  vorbeikommenden Fuhrleute ab, beherbergten und beköstigten sie in ihren Häusern. Das Schulamt würde trotz eindringlicher Aufforderung das „jus prohibendi“ durchzusetzen, die Verstöße ihrer Untertanen stillschweigend dulden. Hennicke bat darum, dass man von höherer Stelle die  örtlichen Behörden anweisen sollte, die ihm zustehenden Rechte durchzusetzen. Seinen bisherigen Verlust bezifferte er auf 1.400 Taler und verlangte die Rückzahlung der Hälfte der bereits geleisteten Pacht. Für den Weigerungsfall kündigte er die Zahlungsaussetzung der laufenden  Pacht an. 

Nach Prüfung des Kaufvertrages aus dem Jahr 1739 bestätigte das Kammerkollegium dem  Pächter die Rechtskraft des „jus prohibeni“  sowie das Recht zur Vergabe der  Afterschankpacht. Darauf bezog sich das Salinendirektorat und ermahnte am 19. August den Amtmann Gutbier ernstlich, das „jus prohibendi“ des Gasthofes gegenüber den Amtsuntertanen durchzusetzen, da man Einbußen bei der Gasthofpacht befürchtete. Doch die Beamten schoben die Sache erneut vor sich her.

 

  1. Aug. Pachtvertrag für das Gelände vom oberen Gradierhaus (WER D 34 Anh. 3 Nr. 64)

Das Finanzkollegium genehmigte den zwischen dem von Hardenberg und Gutbier augehandelten Vertrag, sowie die Inanspruchnahme des Schäferfeldes für die Röhrenfahrt vom oberen zum unteren Gradierhaus.

 

      Okt.  Erdmann Friedrich Senff sen. wird  zum Salinen-Inspektor  ernannt (Judersleben).

Senff der dem verstorbenen Herisch als „Controlleur“ folgte, war 1789 maßgeblich an der Reorganisation der Saline der halleschen Pfännerschaft beteiligt und hatte hier nach dem Vorbild der Dürrenberger Siedehäuser das erste gemeinschaftliche Siedekot erbaut, das 1790 in Betrieb ging und die  Siedehütten im Tal ablöste.

 

  1. Okt. Erlass des Finanzkollegiums (WER Rep A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Weil sich die Durchsetzung des Verbietungsrechts nicht so einfach realisiern ließ, sollte das Salinendirektorat mit dem Gasthofpächter über eine Reduzierung der Gasthofpacht verhandeln.

 

  1. Nov. Schneefall und starkes Frostwetter (Judersleben)

Ein frühzeitiger Kälteeinbruch beendete die Weinlese. Judersleben erntete 17 Butten aus denen jeweils 6 Eimer roten und weißer Wein gekeltert wurden, die er für 3 bis 4 Gulden verkaufte.

 

               Ansicht des Dorfes Kösen (Kupferstich-Kabinett Dreden,  B 1844,1).          

Der Kupferstecher Friedrich Johann Christian Reinhold schuf die Bilderserie „Chursächsische Truppen und Uniformen, ganz genaue und richtige Darstellung aller Uniformen der Churfuerstlich-Saechsischen Armee 1791“. Das Blatt mit dem 6. Feld- Infanterie-Regiment Prinz Clemenz zeigt eine Ansicht von Alt-Kösen.             

 

               Pachtvertrag des Vorwerks Kukulau (WER 34/2/2224).

Pächterin war Susanne Regine Knorr, die Witwe des früheren Gasthofpächters J. Martin Knorr.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 1/2).

Der Pachtschäfer Johann Christian Rötscher stand wegen  mehrfachen Diebstahls vor Gericht (Nr. 5100).

 

1792

  1. Mär. Anordnung des Schulamtes (WER Rep A23 I, Nr.11).

Wegen der Querelen um den Gasthof, verlangte das Schulamt vom Salinendirektorium, den    Beschäftigten das Einstellen und Füttern der Zugtiere der Salzfuhrleute in ihren Häusern zu verbieten.

 

      Apr.  Geschichte der Rudelsburg (Journal für Sachsen)

Die Geschichte „Anfang, Fortgang und Ende der Rudolphsburg, zusammengetragen und mit sonderbarem Fleiße aus denen Archiven herausgezogen von Frater Benedicto Taubio, als letztem Ueberbleibsel derer Fratrum Sancti Georgii“, hatte der frühere Kinderlehrer Rauhe niedergeschrieben. Benedikt Taube der „letzte Mönch des St. Georgenklosters“  verlegte den bau der Burg in das Jahr 972. Erbauer war ein Rudolph von Münchhausen. 1046 vollendete sein  Sohn Dedo die Burg und nannte sie nach seinen Vater. Am anderen Saaleufer stand die Krainburg mit dessen Besitzer die Münchhausens in ständiger Fehde lagen. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die Fehde durch eine eheliche Verbindung und durch Intervention des Landgrafen Ludwig III. beeendet. Die Nachkommen aus dieser Verbindung taten sich als Raubritter hervor und 1290 soll König Rudolph die Rudels- wie auch  die Krainburg zerstört haben. Die Geschichte Rauhes wurde 1821 von Fr. Gottschalk in die Broschüre „Ritterburgen u. Burgschlösser“ wörtlich übernommen und von vielfach als historische Tatsache angesehen.  

 

  1. Juni Anordnung des Kammerkollegiums (WER Rep A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Genehmigt wurde die auf 350 Gulden reduzierte Pacht für den Gasthof und vom Schulamt nochmals eine Stellungnahme zur Übernahme der Gerichtsbarkeit des Gasthofes angemahnt.

 

       Juni  Durchzug preußischer Truppen ( Judersleben).

Während des Koalitionskrieges gegen die französische Revolutionsarmee passierten Infanterie,  Artillerie, Munitionswagen und der Tross mit Schiffsbrücken,  Feldbäckereien und Feldschmieden die Brücke. Am 11. Juli passierte auch der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III.  die Brücke.

 

1793    

  1. Mär. Verfügung des Schulamtes zur Flößerei (WER Rep. D Pforta II, 1248).

Das Schulamt verlängert die  Anbindezeit der Bauholzflöße von drei auf vier Wochen vor dem Ostermarkt. Danach blieb es bei drei Wochen.

 

      Apr. Erdmann Friedrich Senff jun. wird Salineneleve (Vita Senff).

Der Sohn des Salineninspektors E. Fr. Senff  sen. und der Maria Eleonore Hennig aus Wallhausen wurde 1772 geboren.

 

  1. Sept. Bekanntmachung zum Schank- und Gastungsrecht (WER Rep.A23I, Nr.1, Bd.1)

Im Juni 1791 wurde eine General-Richtlinie erlassen, um das  „jure prohibendi“ durchzusetzen. Nun drohten empfindliche Strafen, wenn weiterhin gegen die dem Gasthof zustehenden Rechte verstießen.  

 

  1. Dez. Auflösung der Gasthofpacht (WER Rep.A23I, Nr.1, Bd.1 ).

Trotz Reduzierung der Pacht und der Durchsetzung des Verbietungsrechts bat Hennicke um vorzeitige Auflösung seiner Zeitpacht zu Johannis 1794. Das Kammerkollegium stimmte zu und befahl dem Salinendirektorat den Gasthof erneut auszuschreiben.

 

              Inbetriebnahme des Siedesolereservoirs (Lepsius, Ortskunde 1826).

Der hölzerne Behälter wurde zwischen dem  1. Siedekot und dem 4. Fall des unteren Gradierwerk eingerichtet. Der war 103 Meter lang und 13 Meter breit und fasste in mehreren Abteilungen 3.600 m³ Siedesole. Der Salzgehalt betrug 18,5 %, d.h. es waren 442 Lasten Salz, etwa 1.768.000 Pfund gelöst. Bevor die Sole von 4. Fall in das Reservoir lief, wurde sie über die hölzerne Abdeckung des Behälters geleitet, wobei ein zusätzlicher Verdunstungseffekt erreicht wurde. Mittels einer Pumpe, die das Gestänge der unteren Radkunst antrieb, wurde die Sole in die Siedepfannen gehoben.

Auch die  Salztrocknung wurde verbessert. Bisher kamen die  140 Pfund wiegenden Körbe mit dem Salz auf die Trockenböden über den Pfannen. Die neu eingerichteten Trockenkammern lagen hinter den Siedepfannen, das Salz wurde auf Gestellen, den Horden, verteilt und die  Rauchgase der Siedeherde in gemauerten Kanälen durch diese Kammern geleitet.

 

             Hanna Sophia Hänel beantragt die Konzession zur Krämerei (WER D 34/1/1699)

 

1794

  1. Jan. Anordnung der kursächs. Landesregierung (WER D 34 Anh. I Nr. 3574)

„Dem auf das von E. Churfürstl. Sächs. Geheimen Finanzkollegium unterm 30. Juli 1791  anher erlassenen Communicat, nach welchem dasselbe die Gerichtsbarkeit  über den Gasthof  zu Kösen samt Zubehörungen sowie über alle bei der Salz-Coctur daselbst befindlichen Salzsieder Bergleute und andere Personen, dem Amte Pforta, welches solche zeither vigore commissionis exerziert hat, zu entnehmen und dem benachbarten Amt Freyburg zu übertragen, gesonnen ist, vollständig äußern zu können, die E. Churfürstl. Landesregierung zuvörderst von dem Beamten zu Pforta die Einsendung des über den Verkauf des Gasthofs zu Kösen an die dasige Saline abgefaßten Kaufbriefs und sämtlichen bei Gelegenheit der diesfallsigen Jurisdictions-Irrungen ergangenen Akten und Nachrichten nebst Anzeige,  was es um das bisherige Exerzitium besagter Jurisdiction eigentlich für Bewandnis habe zu erfordern..“

 

  1. Apr. Pachtvertrag über den Salinengasthof (WER, Rep. A 23I, Nr.1 Bd.1).

Der Holzhändler J. Fr. Seidler und sein Sohn J. G. Seidler; die sich bereits 1778 beworben hatten, gaben das höchste Gebot ab. Da Seidler sen. schon in im höheren Lebensalter stand, wurde der Vertrag so gefasst, dass im Fall seines Todes der Sohn den Gasthof übernimmt. Die Pacht wurde auf 8 jahre festgesetzt, weil Hennickes Pacht nach vier Jahren endete. Die Pacht betrug 600 Taler, alle übrigen Vereinbarungen blieben unverändert. Den Vertrag schlossen v. Hardenberg und Heun mit den Seidlers vor dem Freyburger Amtmann C. W. Slevogt, dem inzwischen die Gerichtsbarkeit zustand.  

 

  1. Aug. Regulativ zur Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89)

Wer sich der Dorfwache entzieht oder aus wichtigem Grund nicht antreten kann, sollte jährlich 2 Taler an die Gemeinde zahlen. Außerdem wurden die Ausnahmeregelungen konkretisiert und die Hauswirte angewiesen, dass sie ihre Mieter zur Ableistung der Wache anzuhalten haben. Befreit waren die „Honoratioren“ der Flöße und der Saline, soweit sie im Dorf wohnten. Um allen Ausflüchten vorzubeugen, sollten alle Einwohner das Regulativ unterzeichnen.

 

  1. Aug. Bericht des Schulinspektors zu den Rechtsverhältnisse (WER D 34 Anh. 3 Nr. 64)

Demnach wurde „1.) das ganze Dorf Kösen wegen der zuerst daselbst bestandenen schulpfortischen Schäferei, und herrschaftlichen Saaleflöße, hauptsächlich von Anfang dieses Jahrhunderts an und sämtliche Salzwerksgebäude ungefähr erst von 1730 an  auf hiesigen eigentümlichen Schulgütern und in unstreitiger Pfortaer Gerichtsbarkeit nach und nach angebaut daß es exclusive der herrschaftlichen Salzwerksgebäude, des Floßhauses und der Schulen-Schäferei zusammen 48 Hausstätten hat,  ob nun schon

2.) anfänglich und bei der ersten Entstehung der Saline den Salzwerks-Offizianten vor hiesigen Amte unmittelbar Recht zugestehen müssen, so haben E. Churfürstl. Durchl. ihnen doch in Verfolg ein forum privilegium gestattet, und sie von der  unmittelbaren hiesigen Amtsgerichtsbarkeit  dergestalt extrahirt, daß seit 1734 die Jurisdiktion nur commissione über das Salinen-Personal  von dem hiesigen Amte administrirt worden ist. Selbst also nach dem Inhalte angezogener  höchsten Reskripts ist einer  Gerichtsbarkeit über die Salzwerks-Gebäude  und Grundstücke  nie Erwähnung geschehen, solche auch von der jetzigen Salinen-Direktion nie verlangt worden.

Nun wünschen wir zwar, der Salinen-Direktion ungegründete Behauptung, durch die von Zeit zu Zeit an die Saline von der Landschule ausgefertigten Aquisitions-Dokumente noch überzeugender begegnen zu können. Allein von ältern Zeiten her findet sich davon in dem hiesigen  Amtsarchiv  weiter nichts als  allergnädigtes Reskript vom 23. Aug. 1735 über die Abtretung der  9 1/10 Acker-Feld zu Errichtung der Salzwerks-Gebäude, ohne daß dabei der Gerichtsbarkeit gedacht worden und von den neuern Zeiten her die Aquisitionsurkunden vom 19. Jan. 1782 über die  Abtretung 1 ¾ Acker-Feld  zu Erweiterung des  Gradierhauses, worin  mit deutlichen Worten die Jurisdiktion und andere Gerechtigkeiten hiesiger Landschule nach wie vor reserviert und zugestanden, die Urkunde auch selber höchsten Ortes confirmirt worden...“

 

  1. Sep. Schreiben des Kammerkollegiums (WER, Rep. A 23I, Nr.1 Bd.1)

Den Vorschlag der Salinendirektion, den Kaufvertrag von 1739 aufzuheben und den Gasthof dem Schulamt zurück zu geben, lehnten die Schulbeamten ab. Eine Rückgabe wäre erst bei Einstellung der Saline möglich.

 

  1. Sep. Verlesung der Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89).

Der Ortsrichter Hilpert hatte durch die Wächter Andreas Creutzmann und Gottlieb Köthe die Einwohnerschaft nach dem Gottesdienst in seine Amtsstube bestellt. 46 Hausbesitzer und Hausgenossen kamen. Nach der Bekanntgabe machten Joh. C. Törpsch und Joh. Georg Judersleben im Namen von 30 Einwohnern die Einwände der Gemeinde geltend. Auch der Kinderlehrer Joh. Samuel Hänel widersetzte sich der Einteilung zur Dorfwache.

 

  1. Nov. Stellungnahme der Floßbeamten zur Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89)

Einige Hausgenossen, insbesondere Floß- und Salinenarbeier verweigerten die Dorfwache, und wurden daraufhin von ihren Hauswirten gekündigt. Einige hatten den Ort bereits verlassen andere hatten auf der Mertendorfer Kohlenstreicherei Arbeit gefunden und fehlten nun am Stapel. Daher wandten sich der Oberfloßaufseher Chr. Heinrich August v. Uffel und der Floßmeister Joh. August Puttrich an das Kammerkollegium und baten, die Floßarbeiten von Dorfwache zu befreien, zumal es schon etliche Ausnahmen gab. So waren die Witwen der Hausgenossen, die Gerichtspersonen, der Kinderlehrer sowie „Personen, welche sich wegen ihrer Gesundheit allhier aufhalten, von Zeit zu Zeit“ befreit. Demzufolge suchten bereits vor der Jahrhundertwende auswärtige Badegäste für längere Zeit den Ort auf, wenn gleich darüber keine weiteren Nachrichten vorliegen. 

 

  1. Nov. Schreiben der Gerichtspersonen zur Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89)

Dorfrichter Hilpert und der Gerichts-Schöppe Joh. Gottlob Zedel erklärten, dass von den 48 Hausbesitzern  und 61 Hausgenossen nicht nur die Floß- und Salinenarbeiter sondern weitere sechs Einwohner die Dorfwache und das Wachgeld verweigerten. Das Schulamt wurde gebeten, einzuschreiten und die Verweigerer anzuhalten, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

              

             Knappschaftsregulativ (WER F 38 VII Nr. 11).

 

1795       

  1. Feb. Achtzehnter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten drei Commun-Flößen 1795, 1797 und 1799 zu den im Juli 1789 vereinbarten Konditionen.

 

  1. Mär. Georg Philipp Friedrich von Hardenberg besichtigt die Saline (HKA Bd. 4)

Er begleitete seinen Vater, den Salinendirektor H. U. E. von Hardenberg, wie er in einem Brief an seinen Bruder Erasmus schrieb. Friedrich von Hardenberg wurde 1772 auf Schloß Oberwiederstedt geboren, studierte in Jena Jura, wo er Goethe und Herder begegnete und  sich mit Thieck, Schelling und den Brüdern Schlegel anfreundete, die ihn zur Lyrik führten. Seit 1794 war er Aktuarius beim Kreishauptmann Coelestin August Just in Tennstedt und hatte sich am 15. März auf Schloß Grüningen mit der 15jährigen Sophie von Kühn verlobt.

 

  1. Juli Bericht zum Bierzwangsrecht des Gasthofs (WER D 34 Anh. 3 Nr. 64)

1791 hatte das Finanz-Kollegium auf die Beschwerde des Pächters wegen des  unberechtigten Bierausschank im Dorf Kösen angefragt „ob dem Gasthof und dem damit  verbundenen Brauhaus ein Zwangsrecht zusteht, daß alle Einwohner zu Kösen für den eigenen Bedarf und ohne damit einen eigenen Schank zu betreiben, das Bier aus dem Brauhaus beziehen müssen und auch zum eigenen Gebrauch kein fremdes Bier einlegen dürfen.“

Bevor das Brauhaus von der Saline erworben und mit der Gasthofpacht zusammengelegt wurde, durfte der frühere Besitzer (Hartig) für den eigenen Bedarf brauen und die Einwohner von Neu-Kösen fremdes Bier für den eigenen Gebrauch einlagern, allerdings nicht an Dritte verschenken.  Demzufolge bezog sich das Verbietungsrecht des Gasthofs nur auf den Ausschank im Dorf, ein  Bierzwang, d. h. Der Bezug von Bier ausschließlich vom Gasthof wäre damit nicht verbunden.

 

             Abschluss der Umstellung der Salinen auf Kohlenfeuerung (Lepsius, Ortskunde 1826).

Ein ausführlicher Bericht über den Kohlenbergbau in Mertendorf und die Kohlenstreicherei verfasste  Friedrich. v. Hardenberg im Jahr 1800.

Die im Schachtbau gewonnene Rohkohle wurde in Erdgruben eingesumpft und mit nackten Füßen durchgeknetet. Wenn die Masse die richtige Konsistenz hatte, kamen die fahrbaren Streichtische zum Einsatz. Die Streicher, zumeist noch Kinder, füllten die konischen Holzformen mit dem feuchten Kohlenbrei, drückten ihn fest und strichen die Oberfläche mit der Hand glatt. Dann wurde die Form zum Trockenplatz gebracht, umgestülpt und der Preßling blieb bis zu drei Tage lang im Freien, bevor er in die Trockenkammer kam. Die Tagesmenge von zwei „Tretern“, zwei „Streichern“ und einem „Zuträger“ betrug  6 bis 8000 einfache Formkohlen (23 x 13 x 7 cm).  Die Entlohnung erfolgte im Gedingelohn, die Kolonne bekam für je 1000 Steine, die in die Trockenschuppen kamen, 12 Groschen. Formkohlen, die noch im Freien lagerten und bei Platzregen oder Gewittergüssen zerfielen, wurden nicht berechnet. Dennoch musste man diese Spezialisten ausreichend entlohnen, damit sie nicht abwanderten.

Beim Transport vom Streichplatz in Mertendorf auf der Kohlenstraße über Neidschütz/Boblas, dem Buchholz und Alt-Flemmingen kam es zu sehr viel Bruch. Daher richtete man an der Saline einen Streichpaltz an der Kettenbrücke ein, brachte die Rohkohle hierher und stellte rund die Hälfte der Jahresmenge her.

 

  1. Aug. Anordnung der Dresdener Kammer (WER D 34 Anh.1 Nr. 89).

Die Beamten der Saline und der Flöße wurden von der Dorfwache befreit. Die Einteilung der Arbeiter erfolgte in Abstimmung mit den Dienstplänen und während des Kaltlagers bzw. wenn der Stapel eingestellt war.

Im Herbst wandte sich der Gemeindevorstand erneut an das Schulamt, um diejenigen, die sich der Dorfwache entzogen, zu bestrafen. Doch die meinte das sein nun Sache der Gemeinde.

 

             „Minna von Rudelsburg“ in Papiere aus …der Vorzeit (digit. Staatsbibliothek-Berlin)

Die von Carl Gottlieb Seidel verfasste und bei Fr. Severs Leipzig/Weißenfels veröffentlichte  Erzählung leitete die romatische Burgenschwärmerei des 19. Jahrhunderts ein und machte die Rudelsburg einem breiten Publikum bekannt.

 

             Verkauf von Kreipitzsch und der Rudelsburg (Aquilitas)

August Ferdinand v. Zech verkaufte das verschuldete und völlig verwahrloste Rittergut an Heinrich Ludwig Graf von Brühl.

 

1796

  1. Juni Veröffentlichung des „Generalregulativs“ für die Kohlefuhrleute (HKA Bd. 4)

Nach Friedrich v. Hardenbergs hatten sich die Mertendorfer Kohlenfuhrleute über Salzfuhrleute die unberechtigterweise die Kohlenstraße benutzten und hier für Behinderungen sorgten.

 

  1. Juli Abzug der Soldatenwache (Judersleben).

Die Grenadiere des Regiments des Kronprinzen Xaver wurden wegen des Koalitionskrieges abgezogen.

 

  1. Okt. Strafandrohung des Schulamtes (WER Rep.A23I, Nr.1 Bd.1).

Im Gegensatz zu ihren Vorgänger konnten sich die Seidlers bei der Durchsetzung des Verbietungsrechts  auf die Amtsgerichtsbarkeit verlassen. Amtmann Gutbier drohte auf Grundlage der 1793 erlassenen „Generali“ wegen wiederholten Ausschanks und Gästesetzens dem Fischhauspächter Bilcke, dem Fleischer Hilpert und der Witwe Ernestina Traugott mit 20 Gulden Strafe und dem Entzug des Afterschankrechts. Wegen Ausschank, Gästesetzen und Beherbergung während der Ostermesse wurden die Bäcker  J. Chr. S. Hämmerling und Fr. Seyffarth  mit 5 Taler Strafe belegt. Als die Seidlers dann noch Schadensersatz verlangten, wurden sie vom Schulamt darauf hingewiesen, ihre Ansprüche auf zivilrechtlichen Weg von Bilcke, Hämmerling und „Consorten“ einzuklagen.   

 

1797       

  1. Mär. Verfügung des Amtmannes Gutbier (WER Rep. D Pforta II 1249).

Verboten wurde das Reiten und Fahren sowie das Einschlagen von Pflöcken zum Festmachen der Flöße am Saaledamm zwischen der Mündung des Scheitbachs und Roßbach. Mit der Überwachung wurde der Pächter des Fischhauses betraut.

 

  1. Juni Brief von Fr. v. Hardenberg an Friedrich Schlegel (Hardenberg 1797).

Hardenberg war seit 1796 Akzessist bei der Salinendirektion in Weißenfels. Nach dem plötzlichen Tod seiner Verlobten  Sophie  teilte er dem Freund mit, dass er „diesen Sommer doch größtenteils in der Einsamkeit der Salinen zuzubringen“ wolle und „von Kösen aus komm ich sobald als möglich, auf einige Tage nach Jena.“ 

 

  1. Juli Eintrag in Hardenbergs Tagebuch (Hardenberg 1797)

„Ich will nach Kösen, um allein zu seyn …“.

 

  1. Sep. Brief von Fr. v. Hardenberg an Friedrich Schlegel (HKA Bd. 4).

Der Aufenthalt hatte ihn beruhigt, denn er notierte „ „Vor 14 Tagen ging ich hierher, in köstlicher Gegend lebe ich ganz frey ….Mein Geist ist jetzt fruchtbarer, vielleicht glücklicher, als je“

Neben dem Besuch des August Wilhelm Schlegels, traf er den Philosophen Fichte und danach begann er sein Studium an der Bergakademie in Freiberg.

 

  1. Sep. Schreiben des Kammergerichts Dresden (WER Rep.A 23I, Nr.1,Bd.1).

Die mit einem Strafgeld belegten Einwohner hatten sich beim Kammergericht beschwert und der Freiherr von Gärtner wies den Amtmann Gutbier an, die Angelegenheit bei Androhung einer Geldstrafe im Wiederholungsfall bewenden zu lassen und der Witwe Traugott den Afterschank nicht zu entziehen. 

 

  1. Nov. Testament Johann Christian Schröters (WER D 34 Pforta Anh. 1/4123)

Johann Christian Gotthelf Hübsch, Notar. publ. caes. jur. in Sax. elect. legitim. war von Schröter ans Krankenbett in sein „zu Anfang des Dorfes Kösen gelegene Haus“ gerufen worden, um seinen letzten Willen zu beurkunden. Als Zeugen waren zugegen: der Salineneleve Erdmann Friedrich Senff (jun.), der  erste Gradiermeister Johann Carl Törpsch, der Seilermeister Johann Christian Hofmann, der Zimmergeselle Johann Gottfried Schönburg, der Kunstwärter Johann Martin Wolf und der Salzsieder Johann Gottlob Biertümpel. Vor dem Notar und den Zeugen bestimmte Schröter seinen Bruder den Maurermeister Johann Gottlob Schröter zum Universalerben. Der sollte das „Neue Haus“ mit Nebengelaß, Acker und Feld dem Maurermeister Johann Gottlob Werner und dessen Ehefrau Rosina Maria, der Tochter seines älteren Bruders dem Maurermeister Johann Gottfried Schröter überlassen und diese ihm im Gegenzug das väterliche Anwesen in der Dorfstraße 20 (heute Borlachstr. 13/15/17).

Außerdem erbte das Paar seine offenen Forderungen aus Vorschüssen für in Höhe von 140 Talern. Natürlich erbte Johann Gottlob Schröter auch das anhängige Abschwörungsverfahren.

Das „Neue Haus“ (Borlachstraße 2/2a) hatte Johann Hermann Borlach 1768 von seinem Bruder geerbt und es 1777 dem Baumeister Therkorn vererbt. Durch den Vertrag zwischen Therkorn und Schröter kam es in dessen Besitz und ging nun auf den Maurermeister Werner über. 1856 war das Gehöft noch im Besitz der Familie, wie aus Wibels  „Grundriß von Kösen“ hervorgeht. Zum Stadtgut gehörten einige Äcker und Felder am Äbtischen Holz und am Jochenberg.

 

             Verkauf von Kreipitzsch und der Rudelsburg (Corrsen, Aquilitas).

Nach nur zwei Jahren im Besitz des Grafen von Brühl kaufte der Königl. Sächs. Amtshauptmann Ferdinand Ludwig Christian von Schönberg, der in Freiroda begütert war, das Rittergut. Er war der  Sohn von Chr.  F. v.  Schönberg und  von Sophie Amalie einer geborenen v. Kreutz, womit Kreipitzsch mit der Rudelsburg auf diesem Umweg über die weibliche Linie an die von Kreutz kam.

Nachfolger als Gerichtsherr für den verstorbenen J. A. Lepsius wurde dessen Sohn Carl Peter  (geb. 1775). 1800 wurde der Schönbergsche Gerichtsbezirk auf Freiroda, Crölpa, Löbnschütz, Kaatschen, Leislau und Heiligenkreuz erweitert. 

 

              „Die Rudelsburg und ihre Bewohner“ (digital. Staatsbibliothek Berlin).

Die Geschichte von Christian Friedrich Kuehne erschien in den „Biographischen Bruchstücken oder treue Gemälde der Vorzeit für gebildete Romanleser“ und beruhte auf der „Taubenschen Lügenchronik“ des Lehrers Rauhe

Die Geschichten traf den Geschmack des Publikums und verbreiteten sich rasch (s. a. Kaspar Friedrich Gottschalk: Ritterburgen und Bergschlösser Deutschlands Bd. 5; 1821 Bayr. Staatsbibl.), weckte das Interesse an den steinernen Zeugnissen des Hochmittelalters und beförderte die  wissenschaftliche Erforschung und nicht zuletzt deren Erhaltung.  

 

1798

  1. Feb. Therkorns und Schröters Abschwörungseid (WER D 34 Anh. 1/4123)

Der inzwischen volljährige Christian August Therkorn und Johann Gottlob Schröter leisteten nun  die vorgeschriebene Eidesformel. Therkorn beschwor„ Daß ich nicht anderes weiß oder glaube und dafür halte, als daß mein verstorbener Vater und Erblasser, der Herr Conducteur Carl August Therkorn bei dem die Rechtssachen seiner Beklagten an einem entgegen dem Herrn Baumeister Johann Christian Schröter Klägern an andern Teil, geführten Beweise, sich der Eides Deklaration zu seiner wahren Notdurft bedienens und Hern Klägers Gewissen gefährlicherweise gerührt haben.“ Schröters Eidesformel war wesentlich umfangreicher, letztlich schwor er allen von seinem Bruder vorgebrachten Klagegründen ab. Somit endete die Auseinandersetzung um das Borlachsche Erbe nach 20 Jahren.

Völlig in Vergessenheit geriet nun  der Erblasser J. H. Borlach. Sein Grab und das seines Bruders auf dem Friedhof zu Pforte verfielen. Kein Kösener kam mehr hierher, seit das Dorf einen eigenen Gottesacker hatte und die Schulbeamten hatten keinerlei Interesse, das Borlachsche Grab zu bewahren.

 

             Inbetriebnahme der „chemischen Fabrik“ in der Saline (Fabian 1805)

Verarbeitet wurden Siedeabfälle wie Pfannenstein, Mutterlauge und Salzschlamm, die bislang  entsorgt wurden. Aus den in den Siederesten angereicherten Kalium-, Magnesium-, Natrium und Sulfat-Ionen konnten Glaubersalz, Magnesia, kohlensaures Kali und andere Bittersalze hergestellt werden, die als Abführmittel reißenden Absatz fanden. Aufbereitete Asche wurde der Glasindustrie als Flußmittel verkauft. Aus Calzium- und Magnesiumkarbonat wurde Dünger hergestellt. Die Investition von 1.250 Taler lohnte sich, lag doch 1805 der Reingewinn bei 23.000 Talern.

 

               Verbesserung der Schule (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2576)

 

1799

              „Kurfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (MÜN digit).

Die Direktion der kursächsischen Staatssalinen war unverändert. Die Kösener  Salzniederlage war besetzt mit Carl Heinrich Weickert, Christian Friedrich Gabriel Seffner und Christian Sigismund Wahl. Die Stelle des Baumeisters war nach dem Ableben Schröters noch nicht besetzt. Die Oberaufseher  der Saaleflöße war der  Amtshauptmann Adolph Samson v. Burkersroda, Floßmeister J. A. Puttrich,  Heinrich Julius Gnappert war Floßzolleinnehmer  und Burschel der Floßschreiber.

Die Beustsche Familie war vertreten von den Kammerherren Friedrich August Carl Feiherr von Beust, Traugott Graf v. Beust und Leopold Graf v. Beust, dem ehemaligen Direktor der AKD Salinen, der nun in den Grafenstand erhoben war.

 

  1. Juni „Oeconomieplan für die Saline Kösen“ (HKA Bd. 3).

Friedrich von Hardenberg/Novalis nahm als Protokollant an der Inspektion der kursächsischen Salinen  durch den Finanzrat  J. W. von Oppel teil. Seine insgesamt 14 Protokolle gingen als Bericht an den Dresdener Hof. Im „Bericht über die Erdkohlenfeuerung“, bemerkte er: „Die Aussichten für die Saline Kösen beschränken sich (.) lediglich auf den Umfang des Erdkohlenlagers zu Mertendorf und des benachbarten zu Radewitz…“.  

Der „Oekonomieplan“ der Saline sah die Herstellung von 42.000 Stck. Salz (a 128 Pfd. = 53 760 Zentner) vor. Dafür benötigte man  4,8 Mio. Formkohlen. Die Kapazität der Kohlenstreicherei in Kösen betrug 2,5 Mio. Stück, die an 5 Tischen hergestellt wurden. Die andere Hälfte kam aus Mertendorf.   Insgesamt rechnete man mit einem jährlichen  Bedarf an Rohkohle für die Saline und die Ziegelbrennerei von  138 000 Scheffeln (14.000 m³). Das Mertendorfer Kohlevorkommen schätzte man auf  1,4 Mio. Scheffel. Damit würde man 10 Jahre reichen und falls die im Aufbau befindliche  Sonnensalzproduktion die prognostizierten Mengen hergab, sogar noch länger.

Das größte Problem blieb der umständliche Transport auf einem „eigenthümlichen Weg“, den man „ohne große Kostenverschwendung thun zu lassen, in Stand“ gesetzt hatte. Hier verwies Hardenberg auf den geplanten Bau der Frankfurt/Leipziger Chaussee, die  zukünftig für den Kohlentransport genutzt werden sollte.

Der Salzdebit betrug 27.751 Stück für die Niederlagen der Privilegierte Concessions Kammer, die umliegenden Rittergüter und die Landschule Pforte. 4.000 Stück wurden in das Amalgamationswerk nach Freiberg gebracht und  2.000 Stück auf die Salzniederlage in Teuditz, 8.249 verblieben für die „Schönburgischen Recessherrschaften“ oder durften an Ausländer verkauft werden.

 

  1. Juli Modifizierung der Gemeindematrikel (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2761)

Festgelegt wurde, dass die Taufe neugeborener Kösener im Winter nicht mehr in der Kirche zu Pforte  sondern in der beheizten Sakristei bzw. einer Schulstube erfolgen könne. Auch Haustaufen wurden zugelassen, wenn dem Geistlichen der Aufwand für den Weg von und nach Kösen erstattet würde

 

  1. Aug. Kabinettsanweisung zu den Hutungsrechten (WER Rep.A23I,Nr.11 Bd.1).

Weil das Schulamt dem Pächter des Gasthofes die bislang gestattete Beweidung des Schäfereifeldes untersagt hatte und die Salinendirektion dafür Schadensersatz verlangte, empfahl das Finanzkabinett einen Vergleich anzustreben.

 

  1. Aug. „Geschäftsverteilung unter die Glieder der Localdirection“ (HKA Bd. 3).

Friedrich von Hardenberg widersprach einer Dezentralisierung des Lokaldirektion und schlug für die Neubesetzung der freiwerdenden Stelle des „Factors“ nach dem altersbedingten Ausscheiden Seffners Johann Andreas Bischof vor, der gleichzeitig die Stellung des „Conducteur“ übernehmen könnte.   

 

  1. Sep. Vertrag zur Neuordnung der Hutungsrechte (WER Rep.A23I, Nr.11, Bd.1).

Die Saline verzichtete auf die im Erbpachtvertrag des Gasthofs eingeräumten Hutungsrechte. Als  Ausgleich zahlte das Schulamt 5 Taler, die der Pächter bekommen sollte und verzichtete auf das 1779 vereinbarte Krücksalz. Beim Abschluß eines neuen Zeitpachtvertrag sollte das Hutungsrecht entfallen, wurde zwischen den Schulbeamten Herbst und Gutbier und den Salinenbeamten v.  Hardenberg, Heun und Senff vereinbart.

 

  1. Fr. Senff sen. wird zum Bergrat ernannt (DD Loc. 1337 Vol I ff).

Senff war 1794 nach Lüneburg abgeordnet worden. Ihn begleitete sein Sohn (Erdmann Friedrich jun.), wo sie am 01. Juli  1799  das unter ihrer Anleitung gebaute Siedehaus in Betrieb nahmen. (OBA Clausthal-Zellerfeld, Neue Saline Fach 25).

Unter Senffs Leitung begann die Entdachung der erste drei Gradierfälle und die Abdeckung der unteren Soleschiffe. Das sparte Geld für die Unterhaltung und verbesserte die Gradierung, da die Dächer doch erheblichen Schatten warfen. Abdeckung der Unterschiffe wurde wie beim Siedesolereservoir zur Tafelgradierung genutzt.

 

  1. Dez. Friedrich v. Hardenberg wird zum Salinen-Assessor ernannt (HKA Bd. 3)
  2. Fitzgerald schrieb dazu: „Fritzens Aufgabe bestand darin, während der Sitzungen des Salinendirektorats, Protokolle zu führen und schweigend zu lernen, so viel möglich war.“

In einem Schreiben an den Geh. Finanzrat v. Oppel, berichtete er über seine geologischen Erkundungen von Gebirgen und Flözen bei Artern. Hardenberg plädierte hier für die Übernahme der Kohlengruben durch den Fiskus, da  diese in den „Händen der Privatleute unverantwortlich  bewirthschaftet“ würden. Er wandte sich dabei gegen ein 1743 erlassenes „Churfürstliches Mandat“ wo Friedrich August auf das Bergregal bei Erd- d.h. Braunkohle verzichtete. Privatleute, wie der Grubenbesitzer Laue und die Herren von Pfuhl nutzten dieses Privileg bei den Kohlelieferverträgen mit den Salinen zu ihren Gunsten aus.  

Am 14. Juli 1800 wurde ihm die „Instruction für den Assessor bei der Local-Salinen-Direction“ ausgefertigt, womit er nun dem Direktorium, das  unter der Leitung seines Vaters stand, angehörte. Zu seinem Aufgabengebiet gehörten die „Entdeckung und Aquirierung neuer Erdkohlenlager“, der Abschluss neuer „Erdkohlen-Liefer-Contracte“ und die Aufsicht über die zu den Salinen gehörenden Kohlenwerke. Außerdem wurde ihm die Leitung der Düngesalz- und chemischen Fabriken in den Salinen übertragen und wegen seiner Kenntnisse der praktischen Bergbaukunde  auch die Aufsicht über  die Schächte, die Kunstgezeuge und die Steinbrüche sowie die zur Kösener Saline gehörende Kalk- und Ziegelhütte in Punkewitz. Dafür erhielt er ein Jahresgehalt von 400 Talern aus der Coctur-Casse zu Dürrenberg“.

 

  1. Dez. Richtfest am neuen Schulhaus in Pforte (Judersleben)

Die 60 Maurer, Zimmerleute und Tagelöhner erhielten Festessen, Suppe, Kälberbraten und Kohlrabigemüse, dazu eine halbe Flasche Wein für jeden und Bier, soviel er trinken wollte.

 

1800

             „Churfürstlich- Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit).

Zum Salinendirektorat gehörten H. E. U. v. Hardenberg, Heun und Senff sen. Als Conducteur der Kösener Saline wurde Christian Ehrenfried Francke angegeben.

 

  1. Jan. Schreiben von Novalis (HKA Bd. 4).

Darin lud er seine Freunde August Wilhelm Schlegel (1767-1845), dessen Bruder Friedrich Schlegel (1772-1829) und Ludwig Tieck (1773-1853) zu sich nach Kösen ein, um ihnen das Manuskript des „Heinrich von Ofterdingen“ vorzustellen.

 

             Einrichtung eine Sonnensalzanlage (Lepsius, Ortskunde 1826).

1797 hatte Senff eine derartige Anlage errichtet, deren Ergebnisse die übrigen Direktionsmitglieder nicht überzeugten. Trotz deren Bedenken durfte Senff sen. auch in Kösen die Sonnensalzproduktion einrichten. Die Anlage umfasste 294 flache Holzkästen mit einer Gesamtfläche von 23.807 Quadratfuß (1.900 m²) (Senff jr. 1816). Die Sonne sorgte für die Verdunstung des Wassers, bei Regenwetter mussten die Kästen aufwändig abgedeckt werden. Sowohl die Menge als auch die Qualität des Sonnesalzes blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Das Salz wegen der langen Auskristallisationszeit grobkörnig und musste gebrochen werden. Dabei wurde es unansehnlich und fand nur wenige Käufer.

Auch Fr. v. Hardenberg stand den Experimenten des Bergrates kritisch gegenüber, was in seinen „Bemerkungen“  zu einem Aufsatz Senffs bezüglich des am 20. August 1799 erlassenen Regulativs deutlich zum Ausdruck kam (HKA Bd. 3). Auch im Roman von Penelope Fitzgerald „Die blaue Blume“ wurden die mit v. Hardenberg bestehenden Differenzen bei der Sonnensalzproduktion und Verbesserungsvorschläge bei der Fördertechnik erwähnt. Die Sonnensalzproduktion wurde nach Senffs Ableben 1813 sofort eingestellt. 

 

  1. Apr. Antrag auf Beförderung von Fr. v. Hardenbergs (HKA Bd. 4)

Gerade erst zum Assessor ernannt, bewarb er sich um die Zuordnung zum Geheimen Finanzrat v. Witzleben, der mittels  „Special Auftrag“ zum Bau der Frankfurt-Leipziger Chaussee abgeordnet worden war. Hardenberg begründete seinen Antrag, dass er das im Bau befindliche „Tractum“ der Frankfurt-Leipziger Chaussee und deren „weitere Fortsetzung“ befördern könne, damit diese „…der Saline Kösen durch Gewinnung einer immer gangbaren  und bequemen Kohlenstraße sehr wichtig werden“ könne. 

 

  1. Apr. Bericht zur Kohleförderung und Feuerung auf den Salinen (HKA Bd. 6)

Friedrich von Hardenberg hatte die in den kursächsischen Ämtern an Saale, Unstrut, Weißer Elster und Pleiße bekannten und teilweise ausgebeuteten Kohlegruben bereist. Ausführlich schilderte er sein Eindrücke und Beobachtungen beim Abbau und der Kohlenstreicherei sowie der Arbeitsbedingungen der Bergleute und Kohlenarbeiter. Erwähnt wurde, dass die Grube Teudnitz, die Dürrenberg mit Kohle versorgte, dem Bergrat Heun gehörte und die Grube  Neukirchen dem Bergrat Senff, der auch an der Kohlengrube von  Knapendorf (bei Merseburg) beteiligt war.

 

  1. Mai Pachtantrag des Salinendirektorats (WER D 34 Anh 3 Nr. 64)

Diese brauchte für die Lagerung der Kohlenasche aus den Siedeherden zwischen dem Scheitbach und der kleinen Saale sowie für die Kohlenstreicherei zwischen dem Mausagraben und dem unteren Gradierhaus weitere Flächen. Die Schulbeamten wandten sich daraufhin an die kurfürstliche Kammer mit der Bitte: „Da jedoch S. Kurfürstl. Durchl. nicht entgehen wird, daß hiesige Landschule die Anstalten der Saline und das Einkommen derselben durch die von Zeit zu Zeit  herausgetrennten beträchtlichen Länderei-Nutzungen möglichst zu befördern, so möchte hinwiederum und seitens der Saline so gerecht als billig sein, daß es Hochdenenselben gefällig sein möchte, jenes mit denn jetzigen Zeitläuften unverhältnismäßige Pachtgeld durchgängig auf 12 Taler von jeden Acker erhöhen zu lassen...“ 

Der Antrag wurde mit Befürwortung des Konsistorium dem Finanzkollegium zugeleitet, das ein Gutachten verlangte, um die Ertragseinbuße bei Sommer- und Wintergetreide sowie dem Gras der Brache in den Jahren 1735, 1780, 1785, 1790 und 1791 anhand der aktuellen Marktpreisen zu berechnen.

Am 22. April 1803 einigten sich dann die Behörden auf eine Pacht von 12 Talern der Acker für  die kommenden 20 Jahre. 

 

  1. Juli Sitzung der Salinendirektorats (Saale-Unstrut-Jahrbuch 9.Jg.).

Im Beisein von Hardenberg sen. Und der Bergräte Heun und Senff notierte v. Hardenberg jun. „Da der Müller Friedrich in seiner dem Erbpachtscontract schnurstracks entgegenlaufenden  Weigerung sein Mahlgerinne  bey jetzigen niedrigen Wasserstande zum Behuf  des nöthigen Umtriebs des Kunstgezeuges zum Theil (.) zuzusetzen, trotz aller  Verordnungen des Schulamts Pforta beharrt (.) so soll nun bey der Wichtigkeit des Gegenstandes sofort Bericht (.) erstattet werden.“ Gerügt wurde das „sonderbare  und verdächtige Benehmen  des Schulamts“ wegen „nicht ertheilter Nachricht“.

Nach Besichtigung des desolaten Wehrdammes durch den Salinendirektor,  den Landbaumeister und dem Rentmeister wurde ein Tausch der Mühlenpacht mit dem Gasthof erwogen, wobei aber die Rechte der Schule als „Dominus directus“ nicht geschmälert werden durften.

Der Bergrat Heun wurde beauftragt, Kostenanschläge für die Umstellung von Stubenöfen auf Erdkohle von in „herrschaftlichen Häusern wohnenden Personen“ anzufertigen. Dann legte Heun noch den Entwurf einer neuen Düngesalzfabrik vor. Genehmigt wurde die Dacheindeckung mit haltbaren Lehmschindeln, eine Lohnerhöhung der Düngesalzarbeiter vertagt. Zuletzt wurden die Siedemeister und der Salzschreiber zur Einhaltung der vorgegebenen Maße beim Verkauf von Salz an „Ausländer“ ermahnt.

 

  1. Aug. Anordnung zum Anbindeverbot der Flöße (MER C 50 Nbg. A 75)

 

  1. Sep. Bestallung des neuen Floßschreibers (MER C48Ic, Nr. 1686).

Johann Samuel Junghans, bisher Finanzsekretär beim Floßamt kam  für den verstorbenen Gnapper. Zu seiner Besoldung wurde angemerkt „Auch ist Junghans in den Genuß der übrigen, zu gedachten Dienst geordneten Emulumente, jedoch in Ansehung des Rechengeldes ohne Gewähr auch wegen der Zählgelder, ebenfalls ohne Gewähr, und also zu versetzen; daß er sich mit dem begnüge, was ihm von denjenigen, welche Hölzer  auf Freipässe abbringen, freiwillig gegeben wird.“ Erwähnt wurde die Erhebung des „Rechengeldes“ (2 Silbergroschen von jedem Floß) die als Tantieme dem Floßschreiber zustand, allerdings ohne Gewähr.

 

  1. Dez. Brand im ersten Siedekot (WER Rep. F 23VIII Nr.12).

Dabei starb der Siedemeister J. G.  Judersleben, Verfasser der „Locicommunes“ an einer Rauchgasvergiftung. Dass der Brand nicht auf die übrigen Siedehäuser und das untere Gradierwerk übergriff, war dem schnellen Eingreifen von Helfern aus Almrich und  Pforte sowie einer aus Naumburg herbeigerufenen Militäreinheit zu danken. Die Schule stellte die Feuerspritze, da das Salzwerk selbst keine besaß und sich die Helfer bis zu deren Eintreffen mit Eimern behelfen mussten.

Nach der ersten Schätzung, die v. Hardenberg persönlich vor Ort vornahm, betrug der Gesamtschaden rund 2.000 Taler. 2.000 Stück Salz mußten aufgelöst und wieder versotten werden, 10.000 Stück waren unversehrt, so dass der  planmäßige Salzdebit nicht gefährdet war. Den Bericht unterzeichneten neben Hardenberg, Friedrich Wilhelm Heun und Erdmann Friedrich Senff. 

Eine vom Kammerkollegium angeordnete Untersuchung durch den Amtmann von Freyburg kam zu dem Ergebnis, dass das Feuer nicht durch Unachtsamkeit des Siedeknechts Lutter entstanden war.

 

      Dez. Desaster der altenburgischen Privatflöße (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

“Diese Flöße war in neuerer Zeit eine der unglücklichsten und wurde  gar nicht benutzt, denn die Saale war am 13. Dezember, wo sich der Nachtrieb noch in der Gegend von Kahla befand, oberhalb des Kösener Floßrechens seit längerer Zeit täglich mit Eis  belegt, weshalb selbiges  aufgebrochen und das Holz mühsam aus dem Eise  ausgesucht werden mußte; auch waren oberhalb  Kösen bedeutende Eisstücke mit Floßholz vermengt, weshalb der Verzug des Kösener Rechens wegen der bestehenden großen Gefahr vorgenommen werden mußte, und somit das ganze noch auf dem Strom ankommende Holz preisgegeben war. Am 31. Dezember, wo bei anhaltenden Wasser mehrere Floßscheithölzer durch den offenen Rechen in Kösen bereits gegangen  waren, wurde derselbe wieder mit einzelnen Rechenbäumen verzogen, um das Holz womöglich zu sichern, jedoch der Befehl erteilt,  bei eintretender Gefahr für den Rechen, selbige zu zerhauen. Dieser Fall trat zwar nicht ein, allein das ankommende Eis ging mit dem darunter befindlichen vielen Holz unter diesen leichten Verzug weg, und war größtenteils verloren, da auch die Hallischen Rechen geöffnet waren.

 

            Lageplan der Scheitholzplätze der „Commun-Flöße“ (Stadtarchiv Naumburg)

Der Floßgegenschreiber Georg Wilhelm Grau hatte die Stapel zwischen der Mühlenwiese und der Krümme sowie entlang der kleinen Saale und am Scheitbach genau vermessen, insgesamt  210.000 Quadrat-Ellen (ca. 67.000 m²). Neben den Plätzen zeigt der Plan das Floßamt und die beiden Häuser am Mühlenweg ( An der Brücke 2). 

 

1801

  1. Jan. Erklärung des Knappschaftsvereins (WER Rep. F 23 VII Nr. 4 Bd.1)

Die Salinenarbeiter und die Mertendorfer Bergleute verpflichteten sich, einen bestimmten Teil ihres Lohnes in die Knappschaftskasse einzuzahlen. Von der Salinenverwaltung wurde der gleiche  Betrag eingezahlt. Die Kasse verwaltete ein gewählter Vorstand, die Aufsicht oblag dem Direktorat. Die Einlagen konnten bei ausreichenden Sicherheiten gegen Zinsen verliehen werden, die für die Unterstützungen von kranken und invaliden Knappschaftsmitgliedern verwendet wurden.

 

  1. Jan. Abschlußbericht des Salinendirektorats zum Brand (WER Rep. F 23, VIII Nr. 12).

Die Ursache war ein eisernes Rauchrohr, dass die im Trockenraum stehenden Horden entzündet hatte. Der Gesamtschaden betrug 1.981 Taler. Außerdem fielen an Nebenkosten an: 82 Taler für Getränke und Lebensmittel für die Helfer, 13 Taler für den Chirurgen Häßner und eine Belohnung nicht unter 5 Taler für die 10 eifrigsten Helfer, um ihnen die Schäden an der Bekleidung und den Schuhen zu ersetzen.

 

  1. Juni Neunzehnter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten drei in den Jahren 1801, 1803 und 1805 zu haltende Communflößen.

 

  1. Juli Anordnung zur Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

5 Taler Strafe wurden von jedem Floß erhoben, dass vor den Rechen getrieben wurde.

 

  1. Aug. Antrag Seidlers auf Verlängerung der Gasthofpacht (WER Rep. A 23 Nr. 11 Bd. 2).

Neben Seidler, der die Prolongation des 1802 auslaufenden Vertrages für weitere 9 Jahre beantragte, bewarb sich auch der Fleischhauer J. C. G. Hilpert um die Pacht, worauf das Finanzkabinett die Stellungnahme der Lokaldirektion anforderte.

 

              Bauantrag von Christian August Therkorn (WER D 34/2/2291).

Dieser hatte vom Chirurgen Fr. W. Heßner einen „Gartenfleck“ erworben und bat das Schulamt  um die Genehmigung, hier ein Wohnhaus zu errichten..

 

1802

  1. Jan. Erlass des preußischen Königs an das Schönebecker Salzamt (WER Rep. F 43).

Friedrich Wilhelm befahl den Salinenbeamten, die von Dr. Tolberg bereits erfolgreich erprobte  Pockenimpfung bei den Kindern der Salinenarbeiter vorzunehmen. Damit wurde auf den  preußischen Salinen erstmals eine regelmäßige Schutzimpfung durchgeführt. 1808 unter napoleonischer  Administration wurde die „Instruction  für die besonderen Ausschüssen der Kuhpocken-Verbreitung, Canton-Ärzte und Maire des Elb-Departements“ erlassen und damit die Impfpflicht eingeführt und Dr. Tolberg mit der Oberaufsicht betraut.

 

  1. Jan. Bericht der Salinendirektion (WER Rep. A 23 Nr. 11 Bd. 2).

Das Direktorat (v. Hardenberg, Heun und Senff sen. Finanzrat v. Witzleben) gab unter Bezugnahme auf den Antrag Seidlers zur Verlängerung des Pachtvertrages eine umfassendes Gutachten über die derzeitigen Pachtverhältnissen und  den Pachtinteressenten ab.

Bei Abschluß des neuen Vertrages sollte die Interessen der Saline besser gewahrt und  wegen eines möglichen Tauschs mit der Mühle nur noch auf ein Jahr mit einer halbjährigen Kündigungsfrist und ohne Entschädigung abgeschlossen werden. Entfallen sollten die Entschädigungen für das von der Saline für die Sonnensalzfabrikation genutzte Gasthoffeld, für den Wegfall der Hutungrechte auf dem Salinengelände und das Verbot der Pfingstbierbrauerei. Die Pacht sollte dennoch mindestens dem Gebot des Fleischers Hilpert von 610 Talern entsprechen.

Neben Seidler und dem Fleischer Hilpert hatte sich auch der Müller Friedrich beworben. Der bot der Saline seine Mühle im Tausch gegen den Gasthof an, um die ständigen Streitigkeiten wegen der Wasserentnahme mit der Saline zu beenden. Das Direktorat empfahl, dass der Floßoberaufseher von Burkersroda dazu ein Gutachten erstellen sollte. Bis dahin sollte der bestehende Vertrag mit Seidler noch einmal verlängert werden.

In diesem Zusammenhang teilte das Direktorat mit, dass ein Teil des für die Sonnensalzanlage aus der Gasthofpacht entnommenen Feldes, den Unterbeamten und Salinenarbeitern verpachtet wurde, da „es an diesem Orte gar sehr an Gelegenheiten mangelt, die in Jedes Haushaltung unentbehrlichen Erdbirnen und Gemüße zu bauen“. Die Pacht sollte dem Gasthofpächter zukommen, dem man wegen der guten Führung des Gasthofes lobte.

Am 22. Februar erging der Befehl des Finanzkollegiums, mit Seidler über einen neuen Vertrag und die vorgeschlagenen Änderungen zu verhandeln.

 

  1. Apr. Regulativ zum Anlegeverbot für die Bauholzflöße (MER C48Ic, Nr. 1686).

Während die Floßbeamten Tostlöwe und Gnappert die Anordnung recht pragmatisch gehandthabt hatten, versuchte der neue Floßschreiber Junghanns das Verbot konsequent  durchzusetzen.

 

  1. Apr. Bericht des Salinendirektorats (WER Rep. A 23 I Nr. 11/2).

Seidler hatte sich bereit erklärt, den Pachtvertrag trotz der für ihn wesentlich ungünstigeren Konditionen anzunehmen, wenn die Saline einige bauliche Verbesserungen veranlassen würde. Das betraf die Erweiterung des Pferdestalles, die alleinige Nutzung des Heubodens über dem „Frönerstall“, die Überdeckung der offenen Fäkaliengerinne im Hof, die Erneuerung des Schweinestalles, der Bau einer Waschküche, die Umstellung der Öfen in der Gast- und Wohnstube  auf „Erd-Kohlen-Befeuerung“, für insgesamt 569 Taler, zu Lasten der Salinenkasse. Die Pacht wurde auf 610 Taler festgesetzt, die Pachtzeit wie bisher auf 6 Jahre, allerdings mit einer  Sonderkündigung zum jeweiligen Jahresende. Hilpert hatte inzwischen sein Gebot auf 750 Taler, erhöht, wurde aber vom Direktorat unter Hinweis auf seine Jugend, abgewiesen.  

Am 23. September wurde der  Pachtvertrag genehmigt.

 

  1. Okt. Stellungnahme der Landesschule zum Eiswehr (WER Pforta II 941).

Die Saline verlangte vom Schulamt die Instandsetzung des Eiswehres. Das lehnte ab, mit dem Verweis auf eine Klausel aus dem Vertrag von 1611, nach der das Floßamt das Eiswehr zum Schutz der Stapelplätze  angelegt hatte und demzufolge auch für den Unterhalt zuständig war.

 

  1. Dez. Beschwerde der Gemeinde wegen der Dorfwache (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89).

Die Floßboten Joh. Chr. Beyer, Joh. Carl Beyer und Joh. Gottlob Müller waren von der  Dorfwache befreit worden, und nun verlangte die Gemeinde vom Schulamt, dass deren Witwen, sofern sie im Dorf wohnen blieben, nicht wie die anderen Witwen vom Wachdienst befreit werden, sondern das Wachgeld zu zahlen hätten, da sie aus der Witwen- und Waisenkasse des Floßamtes eine finanzielle Unterstützung erhielten. Die Gemeinde wäre auf das Geld angewiesen, um die Trinkwasserbrunnen zu unterhalten oder Gerätschaften zum Feuerlöschen anzuschaffen. Das Schreiben unterzeichneten 39 Hausbesitzer.

 

1804

  1. Feb. Memorandum des Schulamtes (WER Pforta II Nr. 941).

Bei der bevorstehenden Instandsetzung des Wehrdammes sollten sich die Saline und das Floßamt  an den Kosten beteiligen. Das Schulamt berief sich dabei auf eine Vereinbarung die mit dem Floßmeister Hartig  und dem Salinendirektor Borlach 1741 getroffen wurde, die aber nicht mehr auffindbar war. 

 

  1. Juni Erwähnung der „Katze“ (Lepsius /Heimatbuch 1930).

Der Gasthofpächter beschwerte sich, dass der Pächter der „Feldschänke“ an der Grenze zur Lengefelder Flur Flößer und Holzhändler zum Nachteil des Gasthofs bewirten würde. Die Beschwerde wurde abgewiesen, denn Lengefeld gehörte zum Rittergut Kreipitzsch und unterlag dessen Gerichten und das  Verbietungsrecht des Salinengasthof bezog sich nur auf die Kösener Flur.          

 

  1. Juli Tagebuch des Leipziger Studenten H. Reinhardt (KAZ 1941).

Demnach produzierte die Saline jährlich 4.000 Zentner Sonnensalz und 40.000 Stück Pfannensalz (das Stück zu 128 Pfund, d.s. 51.200 Zentner), am Wehrdamm wurden 300 Lachse gefangen.

 

             Vergleich über den Besitz von Burg Saaleck (Stein-Saaleck).

1801 hatte die Enkelin des Rittergutsbesitzers von Kreipitzsch den Freiherrn von Feilitzsch geheiratet und als Mitgift das Gut Stendorf erhalten. Die Feilitzsch pachteten von der Gemeinde Saaleck den unwirtlichen Burgberg als Weide für jährlich eine „Tonne“ Bier.

 

             Ausbau der Fahrstraße von Kösen nach Pforte (Lepsius, Ortskunde 1826).

Um dem zunehmenden Verkehr gerecht zu werden aber auch aus strategischen Gründen, begann der chausseemäßige Ausbau überregional wichtiger Verbindungen. Die Kunststraße wurde ingenieurtechnisch geplant,  bestand aus Unterbau und einem gepflasterten Oberbau, was die Nutzung zu jeder Jahreszeit zuließ. Nebenher lief ein Sommerweg, der nur bei guten Wetter befahren wurde, aber den Fuhrwerken ein ungehindertes Passieren ermöglichte. Im Überschwemmungsbereich der Flüsse wurde für die Fahrbahn  ein Damm aufgeschüttet, Straßengräben zur Entwässerung angelegt, Gräben und Bäche mit steinernen Brücken versehen, Bergeinschnitte zur Einhaltung einer bestimmten Steigung geschaffen und letztendlich  schattenspendende Bäume, wie die schnellwachsende Pappel angepflanzt.

Zur Refinanzierung dieser Staatsbauten wurde von den Benutzern eine Gebühr erhoben. Dieses  Chausseegeld wurde mit dem Brückegeld zusammengelegt an der Hebestelle vor dem Anwesen des Einnehmers Döring kassiert (Naumburger Straße 1).

 

  1. Dez. Memorial des Freiherrn v. Beust (Mager).

Der 1. Direktor H. U. E. v. Hardenberg und sein „Adjuncto“ der Geheime Finanzrat G. H. v. Witzleben wohnten in Weißenfels, der Bergrat Heun der „Condirector“ in Teudnitz und Bergrat Senff sen.  in Dürrenberg. 

 

1805    

               „Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatskalender (MÜN digit).

Neben dem Direktorat der AKD Salinen mit H. U. E. v. Hardenberg, Geh. Finanzrat G. H. v. Witzleben (Adjunctus), Bergrat Fr. W. Heun (Con-Director), Bergrat E. Fr. Senff sen. (Salineninspector), und Chr. H. Schweingel (Copist) gehörten Carl Heinrich Weickert (Salz-Niederlagenverwalter), Chr. Fr. Gab. Seffner (Controlleur), Chr. S. Wahl (Salzschreiber) zu den Lokalbeamten. Die Stelle des Conducteurs war nicht besetzt.

Zu den Floßbeamten gehörten der Oberaufseher der Saaleflöße Adolph Samson v. Burkersroda,  J. A. Puttrich (Floßmeister), J. S. Junghannß (Floßschreiber und Floßzolleinnehmer) und G. H. Burschel (Floßschreiber).

 

  1. Mär. Bericht des Floßmeisters J. A. Puttrich. (WER Pforta II 1251).

Anfang des Monats hatten sich bei Hochwasser mehrere Bauholzflöße an der Brücke festgekeilt und die Durchfahrt versperrt. Notgedrungen mussten die nachfolgenden Flöße oberhalb des Wehres  festmachen, obwohl dies streng untersagt war. Weil es trotz aller Bemühungen nicht gelang, die Durchfahrt rechtzeitig vor dem Eintreffen der Scheitholzflöße freizubekommen, wurde in der Nacht vom 9. März der Rechen geschlossen und über 200 Flöße  blieben oberhalb  liegen.

 

  1. Apr. Beschreibung der Kösener Saline (Geh. St.-A. Preuß. Kulturbesitz, MER, Rep. 121).

Die Bergbeamten Senff sen. und Fabian bereisten zwischen dem 6. April und dem 28. Juni die Salinen Staßfurt, Halle, Dürrenberg, Kösen, Artern Frankenhausen und Wilhelmsglücksbrunn.  Nach ihren Bericht hatte die Kösener Saline zwei Gradierhäuser, zwei Radkünste, zwei Solschächte, einen Wildwasserschacht, diverse Feldgestänge, eine Sonnensalzproduktion, ein Siedesolereservoir, drei Siedehäuser, eine Pfannenschmiede, mehrere Salz- und Kohleschuppen, Ascheplätze und eine Kohlenstreicherei.

Das untere Wasserad hatte einen Durchmesser von 27 Fuß,  die Schaufelbreite betrug 18 Zoll. Die Krummzapfen ermöglichten einen Hub von 3 Fuß und 4 Zoll. Die Umdrehungszahl betrug 6/min, bei hohem Wasser 8 bis 9 Umdrehungen. Das obere Rad war gleichgroß, hatte aber gekröpfte Schaufeln und ein schmaleres Gerinne und war auch bei Niedrigwasser noch betriebsfähig. Im unteren Schacht gab es 23 Pumpensätze mit einer Förderhöhe von  644 Fuß,  im oberen Schacht 24 Sätze mit  672 Fuß.

Das obere Gradierwerk bestand aus  64 Bund, war 960 Fuß lang,  29 Fuß hoch und war als 1. Fall eingerichtet. Das untere Gradierwerk hatte drei Fällen war 1.315 Fuß lang und 28 Fuß hoch. Das Reservoir 31 Fuß breit, 345 Fuß lang, 12 Fuß tief  und fasste 97.408 Kubikfuß.

In den drei Siedehäusern standen 9 große Pfannen, 19 Fuß lang, 14 Fuß breit und 15 Zoll tief, dazu 4 Beipfannen. Die Siedeprozeß bei gewöhnlichen Salzgehalt der gradierten Sole dauerte 21 Stunden (9 Stunden Stören, 12 Stunden Soggen) wobei man 20 Stück weißes Salz a 128 Pfund und einen Teil gelbes Salz aus den Beipfannen erhielt. Für einen Siedevorgang verbrauchte man früher 2 Klafter Holz a 92 Kubikfuß, hatte aber inzwischen völlig auf Formkohlen umgestellt.

Im Jahr 1803 wurden 36.770 Stück weißes Salz a 128 Pfund und 1.045 Stück gelbes Salz a 150 Pfund gesotten. Dazu wurden 4.000.000 Formkohlen und 680 Klafter Anzündholz verbrannt. Das jährliche Fabrikationssoll,  das dem tatsächlichen Verkauf entsprach, lag bei 43.000 Stück oder 1.677 Berliner Lasten.

Kritisiert wurde die Senffsche Sonnensalzproduktion. Man sparte zwar Brennmaterial doch dagegen standen die hohen Kosten bei der Herstellung und Betreuung sowie der schleppende Absatz des Sonnensalzes.

Das Stammpersonal bestand aus 1 Kunstmeister, 4 Kunstwärter, 1 Gradiermeister und 5 Gradierer, 3 Siedemeister und 18 Sieder. Ihre Entlohnung erfolgte nach Leistung auf der Basis der gesottenen Stück Salz. Ein kleiner Zuverdienst erschloss sich den Arbeitern durch die Herstellung der Weidenkörbe für die Salztrocknung, die aber mit der Einführung der wesentlich effektiveren Hordentrocknung  nicht mehr benötigt wurden.

 

  1. Juni 50 Jahre Sulzaer Saline im Besitz der Familie von Beust (Eisenach)

Im Vorjahr wurde eine Bohrung niedergebracht und eine 10%ige Sole erschlossen.

 

  1. Juni Beschwerde der „Flößer Compagnie“ (WER II 1251).

Den oberhalb des Wehrdammes liegengebliebenen Flößern hatte der Steuereinnehmer eine Konventionalstrafe von 1000 Talern auferlegt und eine Weiterfahrt bis zur Bezahlung untersagt. Dagegen protestierten die oberländischen Flößer und Holzhändler, weil es nicht ihr Verschulden war. Sie wären rechtzeitig eingetroffen, hätten aber wegen der versperrten Passage nicht weitergekonnt. Floßmeister Puttrich bestätigte, dass wegen der Kürze der Zeit, eine ordnungsgemäße Durchfahrt nicht möglich war, und die Flöße notgedrungen oberhalb des Wehrdammes liegen geblieben waren.

 

  1. Juni Bericht des Schulverwalters (WER Rep. D Pforta II 2521).

Weil die Fuhrwerke der Landesschule auch das Chausseegeld zahlen sollten, beschwerten sich die Schulbeamten beim Landsteuereinnehmer und verlangten die Befreiung nicht nur für die  Wirtschaftsfuhren sondern auch für die privaten Transporte ihrer Beamten,  Diener und Fröner. Zur Begründung wurde auf die althergebrachte und verbriefte Immunität gegen Steuern, Geleiten, Akzisen und anderen Abgaben innerhalb des Wirtschaftsbereiches der Schule verwiesen. Die Beschwerde wurde dem Kammerkollegium übergeben, dass am 24. August entschied, dass das Chausseegeld nicht zu den Stiftungsrechten gehörte. Diese bezogen sich nur auf die bei der Gründung der Schule erhobenen Steuern und Abgaben und nicht auf später hinzu gekommene. Jeder habe diese Abgabe zu leisten, der die Chaussee benutzt, unabhängig davon, wo er sie betritt oder verlässt.

 

  1. Nov. Geburt von Heinrich Seffner (Lebensskizzen).

Er war der Sohn des Salzschreibers Christoph Friedrich Gabriel Seffner (1732-1807) und dessen zweiter Ehefrau Johanna Christine, Tochter des Kunstwärters J. G. Thieme. Nach dem Besuch der Landesschule Pforta bewarb er sich als Salineneleve, studierte dann aber nach der Ableistung des Militärdienstes Rechtswissenschaften an der Universität Halle, wurde am Oberlandesgericht Naumburg aufgenommen und später zum Bürgermeister von Merseburg ernannt. Bei seiner Pensionierung 1875 wurde er dort Ehrenbürger und veröffentlichte 1882  seine „Lebensskizzen“ wo er seine Kindheit und Jugend in Kösen schildert.

 

1806

  1. Feb. Erhebung einer Kopfsteuer (WER Rep. D 34 Anh. 2 Nr. 1248).

Das Schulamt wollte das „Handwerker- und Hausgenossengeld“ auch von den im Dorf zur Miete wohnenden Unterbeamten und Arbeiter der Saline und des Floßamtes erheben, worauf diese protestierten und das Schulamt vom Kammerkollegium aufgefordert wurde, ein Gutachten über die Berechtigung der Erhebung anzufertigen.

 

  1. Mai Gerichtsverhandlung zum Strafgeld der Holzhändler (WER Rep. D Pforta II 1251).

Im Streit um die Geldstrafe wegen des Anlegens der Flöße oberhalb des Wehrdammes, verlangte nun auch der Kreipitzscher Gerichtsherr Carl Peter Lepsius eine Entschädigung, da das Ufer zu Kreipitzsch gehörte.

 

  1. Mai Regulierung des Chausseegeld (WER Rep. D Pforta II, 2521).

Das Geheime Finanzkollegium bewilligte dem Schulamt die Zahlung eines pauschalen Chausseegeldes von 25 Talern jährlich, womit alle  nachweislich der Versorgung der Schule bzw. für die Ausübung der Amtsgeschäfte erforderlichen Fuhren abgegolten waren.

 

  1. Juni Erklärung der Holzhändler und Flößer (WER Rep. D Pforta II, Nr. 1251).

14 Holzhändler der Compagnie versuchten unter Berufung auf alte Rechte und mit vereidigten  Zeugen die ihnen auferlegte Konventionalstrafe aus dem Vorjahr abzuwenden. Sie verwiesen auf die Überschneidung der Langholz- und Brennholzflöße und drohten erneut, den Holzmarkt zukünftig in Camburg abzuhalten. Das würde dem kursächsischen Fiskus erhebliche Einbußen bescheren, da der Floßzoll höher war als die Land-Akzise, die bei der Einfuhr auf dem Landweg fällig war. Zudem würde der Bevölkerung eine wichtige Nahrungsquelle entzogen und letztlich des Bauholz wegen des aufwändigen Landtransports teurer werden.  

 

  1. Okt. Vorabend der Schacht bei Auerstädt.

Nach dem verlorenen Gefecht bei Saalfeld zogen sich die Preußen saaleabwärts auf die Hauptarmee zurück. Die Franzosen hielten Fühlung bis Jena, wo das Gros auf den westlich der Saale gelegenen Höhen über Vierzehnheiligen und Dornburg in Richtung Auerstädt den Preußen folgte. Ein Corps unter Davout blieb auf dem Ostufer und stieß  unbehelligte über die Höhen bis Naumburg vor. Am Abend biwakierten die Truppen in der Saaleaue bei Pforte, völlig unbemerkt von den auf der Kösener Höhe zwischen Hassenhausen und Eckartsberga stehenden preußisch-sächsischen Truppen.

 

  1. Okt. Schlacht von Jena und Auerstedt (Allg. Gesch.).

Während die Franzosen bei Jena-Vierzehnheiligen das Armeecorps unter dem Fürsten von Hohenlohe entscheidend schlug, stand die preußische Hauptarmee unter dem Herzog von Braunschweig in Erwartung des Feindes zwischen Hassenhausen und Gernstedt.  Am frühen Morgen ging das Korps Davout über die Brücke auf den Kösener Berg und stand im Rücken der ahnungslosen Hauptarmee. Obwohl zahlenmäßig unterlegen, wurden die völlig überraschten  Preußen geschlagen. Der Herzog von Braunschweig wurde schwer verwundet und erlag später seinen Verletzungen. Das führerlose Heer flüchtete.

Kursachsen, die thüringischen Herzogtümer und Grafschaften schlossen sich dem  Rheinbund an. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war am Ende, Kaiser Franz II. hatte bereits im August die Reichsinsignien niedergelegt. Kursachsen wurde zum Königreich erhoben.

Neben den Truppen mussten vor allem die zahlreichen Verwundeten versorgt werden was mit Einquartierungen (allein in der Mühle lagen 500 Franzosen), Requirierung und Plünderung verbunden war und zu erheblichen Schäden im Amtsbezirk führte.

Nach der Schlacht übernachteten die Generäle Davout und Augereau in Pforte. Letzterer nahm beim Rentmeister Herbst das Frühstück ein und  stellte eine Sicherheitswache für die Schule.

 

  1. Okt. Bitte der Einwohnerschaft (Haubold, Heimatbuch 1930).

Im Namen der Einwohner baten der Gastwirt Seidler und der Bäcker Hämmerling den französischen Stadtkommandanten von Naumburg wegen der zahlreichen Marodeure und Plünderer um militärischen Schutz.

 

  1. Nov. Bilanz der Schäden der Landesschule (Haubold Heimatbuch 1930).

Die Kosten der Einquartierung und der Verpflegung beliefen sich auf über 25.000 Taler,  Zugtiere, Schlachtvieh und Getreide waren requiriert. Erhebliche Schaden erlitten auch der Pachtschäfer und der Pachtmüller, bei denen zeitweilig bis zu 500 Franzosen einquartiert waren. Allerdings erhielten die Betroffenen auf Nachweis einen finanziellen Ausgleich aus der Staatskasse.

 

               Klage des Floßamtes gegen den Ortsrichter Hilpert (WER D 34/1/160).

Hilpert hatte auch die Einquartierung im Amtsgebäude angeordnet. Weil dabei das private Eigentum des Floßmeisters beschädigt wurde, klagte dieser  auf Schadenersatz.

 

1807 

  1. Jan. Zwanzigster Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten 3 in den Jahren 1807, 1809 und 1811 zu haltende Commun-Flößen.

 

              „Königl.-Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (MÜN digit)

Zum Direktorat der AKD Salinen gehörte der Kammerherr Friedrich Karl Leopold  Freiherr v. Beust,   als „Acceß“, zur Lokaldirektion Fr. L. Fladner (Salz-Niederlagenverwalter), Chr. Fr. Gab. Seffner (Controlleur), E. Fr. Senff jun. (Factor), J. Chr. H. Oesterreich aus Artern (Conducteur) und der Salzschreiber und Controlleur Chr. S. Wahl. J. Chr. Gotth. Hübsch war Floß-Strafbefehlshaber. 

 

      Okt. Beschreibung der Kösener Saline (Salinenpraktikant Knorr priv.)

Demnach produzierte die Saline jährlich 42.000 Dresdener Scheffel  zu 120 Pfund (50.400 Zentner), sowie 1500 Scheffel gelbes, 5000 Scheffel Dünge- und 400 Zentner Glaubersalz. Der alte Schacht brachte 7.000 und den neue 16.000 Kubikzoll Sole  pro Minute d. s. 134 m³ und 306 m³ pro Tag. Die Temperatur betrug  14° Reaumur. Um eine 22 %ige Siedesole zu erreichen wurde die 5 %ige Schachtsole beim 1. Fall auf 8 % beim 2. Fall auf 12 % und beim 3. Fall auf 17% gradiert. Die Gradierung besorgten  2 Meister und 5 Gradierwärter und somit jeder 128 m Gradierwand.

Der Siedeprozeß für ein Werk dauerte 24 Stunden, 3 Stunden das Anwallen, 6 Stunden das Stören und 15 Stunden das Soggen. Dabei wurden 25 Stück Salz zu 125 Pfund ausgewirkt. Das nasse Salz blieb 36  Stunden auf dem Verdeck über den Pfannen und kam dann auf die Horden. Verkaufsfähiges Salz war feinkörnig und bildete einen Block.

Als Brennmaterial kam vorzugsweise Braunkohle zum Einsatz. Das war etwas teurer als Holz, doch es gab inzwischen „staatsforstwirtschaftliche Gründe“ um den Holzeinschlag zu reduzieren undd dem Raubbau Einhalt zu gebieten. Pro Jahr wurden 4 Mio. Stück Formkohlen  und 100 Klafter Anbrenneholz gebraucht.

Glaubersalz wurde im Winter hergestellt. Die als Siederest verbliebene Mutterlauge wurde in Behältern dem Frost ausgesetzt. Dabei löste die Kälte die „Affinität“  der Schwefelsäure (H2SO4) und des Gipses (CaSO4) zum Natrium des Kochsalzes (NaCl) aus und es bildeten sich  kohlensaures Natron (Glaubersalz NaSO4) und salzsaure Kalkerde. Die Herstellung eines Zentners  Glaubersalz kostete 1 Taler, verkauft wurde es für 4 Taler. Dagegen rentierte sich die Magnesiaherstellung nicht.    

 

  1. Okt. Gutachten des Salinenbaumeisters G. Fr. Brendel (WER, Rep. F4, XIII Nr. 1).

Im Auftrag des Finanzrates v. Witzleben untersuchte Brendel den wirtschaftlichen Effekt beim Austausch der zehnzölligen Pumpen (26 cm) gegen vierzehnzöllige (36 cm) im oberen  Schacht. Des Weiteren begutachtete er den Vorschlag, ein neues und höheres Schachtgebäude am oberen Solschacht zu errichten und lehnte den Vorschlag Hardenbergs ab, der das neue Gebäude über dem alten Schachthaus errichten wollte.  

 

  1. Dez. Erbvergleich der Seidlerschen Erben (WER Rep. A 23 I, Nr. 11/3).

Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes durfte seine Witwe den Gasthof bis zum Ende der  derzeitigen Zeitpacht weiterführen. Die beim Salzwerk hinterlegte Kaution von 500 Talern wurde vom Freyburger Amtmann auf sie überschrieben und ihre noch unmündigen Kinder aus dem übrigen Nachlass bedacht.

 

              Verwendung glühender Asche zum Verdampfen der Sole (Lepsius, Ortskunde 1826).

Unter Johann Andreas Bischof (1764-1832), dem späteren Direktor die Dürrenberger Saline (ab 1816) und Verfasser der Borlachbiografie, erprobte man diese Technologie, um den Restheizwert der glühenden Kohlenasche zu nutzen. Durch das allmähliche Abdampfen entstand  ein grobkörniges Kochsalz. Jährlich konnten auf diese Weise 92 Lasten (5,5 t)  hergestellt werden. Die Ersparnis betrug 220 Klafter Holz bzw. die äquivalente Menge an Formkohle.

 

               Hämmerling beantragt die Konzession zum Branntweinbrennen (WER D 34/1/821)

Der erste Versuch, das Monopol des Gasthofes  zu brechen, wurde vom Schulamt abgelehnt.  

 

1808

             „Königlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit).

Zur Lokaldirektion der Kösener Saline gehörten Fr. O. Ullrich (Salzniederlagenverwalter), Chr. Fr. Ockhardt (Controlleur), J. Chr. H. Oesterreich (Conducteur), und J. H. Chr. Köllner (Salzschreiber).

Die Oberaufsicht über die Saalen-Flöße hatte nach wie vor der Amthauptmann Adolph  Samson von Burkersroda, zum Floßamt gehörten  Johann Samuel Junghans, Puttrich und Burschel. 

 

  1. Feb. Befehl zur Neuverpachtung des Gasthofes (WER Rep. A 23I Nr. 11/3).

Inzwischen hatte Seidlers Witwe Charlotte Henriette Justine den aus Freyburg stammenden Johann Samuel Weber geheiratet. Beide beantragten nun die gemeinsame Pacht, ab Johannis. Mit der ausdrücklicher Befürwortung des Salinendirektorats wurde der Antrag nach Dresden geschickt und von  König Friedrich August genehmigt.

 

  1. Mär. Reskript zu den Wasserrechten am Wehrdamm (Wehrrezess).

Der Baumeister Brendel und  der Roßlebener Müller J. Fr. C. Schirlitz, die als Gutachter hinzu gezogen wurden, inspizierten Anfang Juli die Örtlichkeiten und konferierten mit dem Mühlenpächter, der Salinenverwaltung und den Floßbeamten.

 

  1. Mai Pachtvertrag über den Salinengasthof (WER Rep A 23I,Nr.11 Bd.3).

Das Ehepaar Weber trat zu gleichen Teilen in den Vertrag mit der Saline ein. Die Jahrespacht blieb unverändert bei 610 Taler sowie 40 Taler für das Ausspannverbot für den Gasthof in Hassenhausen. Die Wohnung des Brauers, die Schmiede, das Gelände der Sonnensalzfabrik gehörten nicht mehr zur Pacht, ebenso die Hutungsrechte im Salinengelände. Vertragsbestandteil blieb das „jus prohibendi“ für Alt- und Neu- Kösen samt der Schäferei, der Mühle, der Vorwerke Fränkenau und Kukulau, wobei den Pächtern der Saal- und der Fischhäuser während der Holzmessen den Ausschank und das Gästesetzen gestattet blieb, während die Vergabe von Afterschankpachten untersagt wurde. Der Prozeß gegen den Altenburger Gastwirt den Seidler noch angestrengt hatte, wurde niedergeschlagen, Almrich blieb vom Verbietungsrecht ausgenommen. Beibehalten wurde die Klausel, dass eine  vorzeitige Beendigung der Pacht beim Tausch mit der Mühle möglich sei. Außerdem sollte der Pächter den Transport der verbrauchten Bedornung von den Gradierhäusern in die Düngesalzfabrik mit seinen Gespannen gegen Bezahlung übernehmen, ebenso wie die Kohlenanfuhr von Mertendorf, wofür der Pächter zwei Pferde zu stellen hatte. Die Abfuhr des Salinenabfalls dagegen wurde nicht abgegolten. Den Vertrag unterzeichneten H. U. E. v. Hardenberg, G.  H. v. Witzleben, Fr. W. Heun und der Freyburger Amtmann  C. W. Slevogt. Am 26. Dezember wurde der Vertrag vom Kammerkollegium genehmigt.

 

  1. Mai Christian Gottlob Roßner übernimmt die Mühle (Roßner 1932).

Mit Zustimmung des Schulamtes übertrug die Witwe  Johann Gottlieb Roßners die Mühle ihrem Sohn. Die Erbpacht betrug 450 Taler jährlich, dazu kamen zwei Tonnen Öl und acht Schock Ölkuchen. Außerdem blieb die Verpflichtung, bei geringem Wasserstand der kleinen Saale das von der Schule benötigte Getreide umsonst zu mahlen und 8 Taler zur Unterhaltung des Wehres an die Schule zu zahlen.

 

  1. Juni Amtliche Verfügung zur Afterschankpacht (WER, Rep.A 23I, Nr.1 Bd.1).

Das Schulamt teilte den Dorfbäckern Samuel Hämmerling und  Christian Friedrich  Seyfarth mit, dass mit der Neuverpachtung des Gasthofes ab Johannis der Afterschank entzogen wird. Sollten sie weiterhin ausschenken, wurde ein Strafgeld von 20 Talern angedroht.

 

       Juni Hochwasser (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Bei dem Ende Juni einsetzenden Hochwasser „was seit Menschengedenken zur Sommerzeit eine ähnliche Höhe nicht erreicht hatte“, gingen erhebliche Mengen Scheitholz durch den  Unterneusulzaer Rechen und über die großheringische Amtswiese. Ein Teil konnte am Kösener Rechen aufgehalten werden, insgesamt wurden 39.340 Klafter regeistriert.

 

  1. Juli Kostenumlage für die Entschlammung der kleinen Saale (MER C48IIIb, Nr. 5523).

Die Landesschule verlangte von der Saline 2/5, von den Müllern in Pforte und Altenburg sowie der Flöße je 1/5 der Kosten für die Beräumung vom Einfall der kleinen Saale bis zum Scheitbach. Erst ein Jahr später wurde von höchster Stelle entschieden, dass der Anteil der Flöße auf die drei Teilhaber der „Commun“-Flöße umgelegt wird, und das 1815 und 1820 so gehandhabt wurde.

 

  1. Nov. Vereinbarung zur Pacht des Salinengeländes (WER D 34 Anh. 3 Nr. 64)

Nach jahrelangen Hin und Her teilte das Geheime Consilium die Aufsichtsbehörde der Landesschule dem Finanz-Collegium mit: „Letzeres findet das Geheime Consilium kein Bedenken dabei, daß die ohnehin zu 15 Acker angeschlagenen Grundstücke, ingleichen die noch außerdem, wie sich neuerlich ausgewiesen von der Saline benutzten 5029 Quadratellen, wegen Geringfügigkeit des Letztern gegenstandes und sonst bewandten Umständen  nach von der Landesschule zu Pforta unter dem im Recommunikate vom 17. Februar 1804 bemerkten Bedingungen gegen einen von Ostern 1800 an zu erlegenden, jedoch nicht weiter zu erhöhenden  jährlichen Zins von 200 Talern der Saline überlassen werden (.) Einer näheren Erörterung über die Qualität in welcher diese sämtlichen Ländereien abgegeben werden, scheint es nicht zu bedürfen.“ 

 

  1. Dez. Anweisung an den Amtmann Gutbier (WER Rep A 23I,Nr.11 Bd.3).

Auf die Beschwerde der Afterschankpächter befahl das Kammerkollegium dem Schulamt, die Beschwerden nicht nur abzuweisen, sondern auch das „Gästesetzen“ zu verbieten. Dem Bäcker Seyfart wurde jedoch die Abgabe von Selbstgebrannten und eigenen  Wein gestattet.

 

             Abschluss der Entdachung der Gradierhäuser ( Senff jr. 1816).

Die Unterhaltung der schweren Dachkonstruktion stand in keinem Verhältnis zum Nutzen, die Sole vor Regen zu schützen. Außerdem wurde gerade in den Mittagsstunden der obere Teil der Gradierwand beschattet. Daher wurden die Dächer entfernt und dafür die unteren Soleschiffe abgedeckt. Nur der letzte  Fall, der Gutfall am unteren Gradierhaus behielt sein Dach.

 

1809

              „Königl. Sächsischer Hof und Staatskalender“ (MÜN digit).

Beim Salinendirektorat und dem Floßamt gab es keine personellen Veränderungen. Die Lokaldirektion der Saline bestand aus G. E. Eschke (Salz-Niederlagenverwalter) E. Fr. Senff sen. (Factor) Karl Anton Henschel (Conducteur) und Chr. C. Herich (Eleve).

 

     Jan.   Eisgang zerstört das Rechenbauwerk (MER C48 III)

Eine Reparatur erfolgte nicht, da man sich über die Kosten beim Abschluß eines neuen Commun-Floßvertrages verständigen wollte. Bei der bevorstehenden Communflößen sollten die Scheite am Rechen in Unterneusulza aufgehalten und dann nach und nach durchgelassen werden, weil die noch vorhandenen Teile ausreichten, um die Mengen aufzuhalten und auszuziehen, die für den hiesigen Stapel vorgesehen waren.

 

  1. Feb. Gemeindeversammlung zur Erhebung der Fleischsteuer (St.-A. Nr.171).

Der Pächter des Salinengasthofes hatte trotz Aufforderung des „Salzwerksrichters“ Törpsch das im Gasthof geschlachtete und gekauften Fleisch nicht ordnungsgemäß angemeldet. Um die Angelegenheit zu vereinfachen sollte Weber eine Pauschale von  40 Talern oder von jedem Pfund gekauften oder selbst geschlachteten Fleisch 2 Pfennige zahlen. Dazu sollte er das Schlachtvieh, eigenes und gekauftes beim Einnehmer wiegen und versteuern. Das Fleisch sollte er von der Kösener Fleischbank beziehen, wobei sich der Fleischhauer Hilpert verpflichtete, den Gastwirt nicht zu übervorteilen. Den Beschluß unterschrieben 16 Mitglieder des Gemeinderates, darunter der Ortsrichter Seeboth, der Wundarzt Heßner und Christian August Therkorn.

 

              Erweiterung des oberen Gradierwerkes (Mager, Aufsätze).

Nach vielen Versuchen und langjährigen Messungen legte man das Flächenverhältnis der einzelnen Repetierfälle fest. Auf den ersten Fall entfielen 45%, den 2. Fall 26%, den 3. Fall 17% und den 4. Fall 10% der gesamten Gradierfläche. Der 1. Fall auf dem unteren Gradierhaus auf den noch Sole des unteren Schachtes gebracht wurde,  entfiel, dafür musste das obere Gradierhaus für den ersten Fall  um 10 Bund vergrößert und die Fälle des unteren Gradierhauses neu eingeteilt werden. Vom oberen Gradierhaus kam die Sole nach dem ersten Fall über zwei Röhrenleitungen zum unteren Gradierhaus, wo sie infolge des Höhendruckes bis zum Oberdeck aufstieg, den Umlauf auf den 3. und 4. Fall besorgten nun Maschinenpumpen die von der unteren Wasserkunst getrieben wurden. Danach kam die Siedesole entweder in das  Reservoir oder gleich in die Pfannen.

Die Erweiterung am Nordflügel des oberen Gradierwerkes leitete Karl Anton Henschel (1780-1861), der als „Conducteur“ der Saline zugeiwesen wurde. Er wählte eine verbessertes Rahmenkonstruktion, den „Sägebock“, um die Standsicherheit auf dem fallenden Gelände zu sichern. Henschel der sich später als Maschinen- und Lokomotivenkonstrukteur einen Namen machte, errichtete um 1815 auf der Saline  in Sooden-Allendorf  eine ähnliche Konstruktion. 

 

1810       

  1. Mai Bericht der Schulverwaltung zur Kopfsteuer (WER Rep. D Pforta II 1248).

Vier Jahre nach dem Protest gegen die Kopfpauschale erklärte das Schulamt, dass die  Salinenarbeiter, die seit 1709 den Bergleuten zugerechnet wurden, und die Arbeiter am Stapel nicht damit belegt werden können.

 

  1. Juni Urteilsspruch des Leipziger Schöffengerichtes (WER Rep.A23I,Nr.1, Bd.1).

Weil sie trotz Verbot den Ausschank und des Gästesetzen weiterbetrieben, wurden Hämmerling und Seyfarth mit einem Strafgeld belegt. Sie klagten vor dem  Leipziger Landgericht, wurden  wurde abgewiesen und mußten 20 Taler sowie die  Verfahrenskosten zahlen. Zwei weiteren Einwohnern, G. Kleinschmidt und G. Hädicke, wurde der Ausschank bei Androhung eines Strafgeldes untersagt.

 

  1. Aug. Verfügung zur Kopfsteuer (WER Rep D Pforta II 1248).

Die Befreiung der Beschäftigten des Salzwerkes und des Floßamtes einschl. der Beamten wurde von Finanzkolleg bestätigt. Kopfsteuerpflichtig seien dagegen deren Witwen, Ehefrauen und Kinder, soweit sie wirtschaftlich selbständig waren und nicht in einem der Staatsbetriebe beschäftigt wurden.

 

  1. Nov. Verhandlungen zu den Wehrrechten (Wehrrezess).

Auf der Grundlage des Gutachtens und des Mühlenpachtvertrages führte der Kreisamtmann Coelestin August Just aus Tennstedt, einst enger Freund und Biograf des verstorbenen Novalis,  die ersten Verhandlungen vor Ort. Mühlenbesitzer Roßner war bereit, einer Schließung des Freigerinnes der Lattenfischerei zuzustimmen, wenn die Kosten  von der Saline übernommen und er für den Ertragsausfall   eine Entschädigung erhalten würde. 

 

  1. Dez. Ein Hochwasser zerstört den Rechen gänzlich (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

„Weil die altenburgische Privatflöße erst im Dezember begonnen hatte, lagen erhebliche Mengen Holz vor dem desolaten Rechen, der nun dem Druck nicht mehr standhielt. Dabei wurde eine bedeutende Quantität  Floßholz, nach der  Angabe  des diesseitigen Floßbeamten von wenigstens 15.000 Klft.  mit dem Rechen fortgenommen.

„Während der Commun-Contractzeit wurde der Kösener Commun-Saalen-Floßrechen (.) schadhaft und durch die im Winter 1808/1809 stattgefundenen Eisgänge annoch beschädigt. Nach mehreren technischen Besichtigungen wurde für ratsam  erachtet, den ganzen Floßrechen neu zu bauen und der Anschlag deshalb gefertigt, nach welchen die Kosten eines Neubaus 14.432 Gulden 17 Groschen betragen sollten, und endlich der vorhandene Kösener Rechen abgetragen, ob es gleich besser  gewesen sein  würde, denselben so lange als nur irgend möglich war, beizubehalten, da auch noch immer die wegen der Aufhaltung der Floßscheite in Ermangelung eines Rechens gefertigeten Zwingen, die viele 100 Gulden kosteten und bei ihrer Konstruktion gar keinen Halt gewährten, so wie den Zweck, weshalb sie gebaut wurden, einen festen Anhaltpunkt zu gewähren, ganz verfehlten.“ berichtete der Oberfloßkommissar von Zedtwitz

 

               Fertigstellung der Chaussee bis Altenburg-Almrich.

Damit gab es eine durchgängige Kunststraße zwischen Eckartsberga und Naumburg, die alte Via Regia geriet in Vergessenheit.  Nach einführung des Chausseegeldes entfiel die Brückenfron für die Amtsfröner von Eckartsberga und Pforte, zu der sie seit dem Bau der steinernen Brücke  verpflichtet waren.

 

            Verabschiedung des Kinderlehrers Hesse (Hinsche 1930)

Sein Nachfolger blieb  24 Jahre im Amt.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Karl Gottlob Hilpert verklagte Wilhelmina Levin wegen aufgekündigten Kapitals.

 

1811       

              „Königlich Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (HStA.MÜN digit).

Zum Salinendirektorat gehörten neben v. Hardenberg. v. Witzleben und Senff sen. der Kammerherr und Oberhofgerichtsrat Fr.  A. K. Freiherr v. Beust auf Zöpen.

Salz-Niederlagsverwalter  zu Kösen war Gottfried Ehrengott Eschke, Erdmann Friedrich Senff jun. Salinen-Factor. Für den pensionierten Salzschreiber Wahl war H. E. W. Mayer gekommen. Zu den Unterbeamten gehörten 2 Gradiermeister, 1 Kunstmeister, 1 Kunstwärter und 2 Siedemeister.

Erstmals wurde Ludwig Maximilian von Zedtwitz als Kgl. Sächs. Floß-, Zoll und Landaccise-Einnehmer aufgeführt, daneben Christian Gottlob Schmeißer (herzogl. Floßgegenschreiber), Floßmeister Puttrich und Floßschreiber Burschel.

 

              Friedrich Christian Gottlob Seeboth wird Ortsrichter (Röblitz, Heimatbuch 1930).

 

  1. Mär. Erklärung des Schulamtes zur Reparatur des Wehrdammes (WER Pforta II 941).

Wie bereits 1763 und 1780 hatte die Saline das Schulamt aufgefordert, die Reparatur auszuführen. Daraufhin wurden beim Finanzkollegium Mittel beantragt, da wegen der Kosten für die Beseitigung der Kriegsschäden im Amtsbereich die Schulkasse leer war und das kgl. Oberforstamt angewiesen, die zur Reparatur des Wehrdammes benötigten Hölzer aus den Freyburger Amtswäldern bereitzustellen.

Am 25. Juli empfahl Graf von Hohenthal dem Finanzkollegium, die Kosten zu gleichen Teilen dem Floßamt, dem Schulamt und der Saline aufzuerlegen. Am 31. August erging zunächst die Anordnung die Kosten zwischen der Saline und dem  Schulamt zu teilen.

 

  1. Juni Antrag zum Bau eines Armenhause (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3056)

„Welche drückende Verlegenheit der Umstand, daß wir bisher noch nicht dahin zu bringen vermochten, ein besonderes Armenhaus  für unsern Ort erbauen zu können, für uns zur Folge gehabt hat, wie nämlich wir deswegen in Gemäßheit eines allerhöchsten Rescripts, schon seit vielen Jahren genötigt waren den aus seiner anfänglichen Mietwohnung  exmittierten Schneider Paul allhier, welcher von uns die Verschaffung eines andern Unterkommens verlangte, nebst seinem Sohn in unsern eigenen Wohnungen in Reihe nach mit bei uns aufzunehmen, und wir nun neuerlich in Ansehnung des Schuhmachers Reichhardt und seiner zahlreichen Familie  ingleichen wegen Hanna Müller allhier von  der höchsten Behörde  das nämliche anbefohlen wurde, ist E. Wohlgeb, dem Herrn Justiz-Amtmann  nur zu bekannt.

Damit wir nun der namenlosen Not fremder verarmter Familien in unseren eigenen gemänniglich  schon für uns selbst zu engen Wohnungen mit beherbergen zu müssen, wenigstens für die Zukunft entgehen mögen, sind wir auf den Gedanken geraten, ein besonderes Wohnhaus für uns allhier zu erbauen.

Die Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens die wohl nicht leicht in irgend einem andern Orte größer sein können als in dem unsrigen, wo es außer den Häusern kein weiteres Grundeigentum gar nicht gibt und wo die einzige Nahrungsquelle der Einwohnerschaft durchgängig nur in dem kärglichen Erwerb eines Tagelöhners  oder Handwerkers besteht, werden von uns nur zu sehr gefühlt. Wir rechnen jedoch hierbei freilich insofern auf E. Hochwohlgeb. gnädige und geneigte Unterstützung als wir keine Fehltritte zu tun glauben, wenn wir unter Beifügung eines Risses und Bauanschlages hiermit untertänig und gehorsamst bitten, von der allhier befindlichen, der Landschule Pforta zugehörigen Trift uns zu diesem Bau den nötigen Platz, wozu wir den Fleck zwischen des Maurers Günzners Haus und der Landstraße als den unsres Erachtens in jeder Hinsicht schicklichsten in unmaßgeblichen Vorschlag bringen wollen, einzuräumem und anzuweisen, ohne solchen mit der Beschwerde eines Erbzinses zu belegen auch die dazu erforderliche Quantität Ziegel und Kalk aus der Ziegelscheune der Landschule gegen Schul-Taxe uns käuflich zu überlassen“ Im Namen der gemeinde Friedrich Seboth, Richter, Johann Andreas Haun Schöppe, Johann Christian Hoffmann, Schöppe.

Dem Riß zeigt ein zweigeschossiges Gebäude mit 4 Stuben. Die Baukosten wurden mit 456 Taler angegeben, davon 76 Taler Maurermaterial, 99 Taler Maurerlohn, 110 Taler Zimmerermaterial, 58 Taler Zimmererlohn, 37 Taler Fuhrlohn, 44 Taler Ziegeldecker, Schlosser und Glaserarbeiten, 30 Taler Gußeisen und Töpferarbeit. 

 

  1. Juli Schreiben an den Amtmann Just (Wehrrezess).

Das Schulamt hatte  unter bestimmten Voraussetzungen, die  den Lachsfang betrafen, dem Vergleichsvorschlag zugestimmt. Daraufhin wurde Just angewiesen, umgehend den Rezess  zu beurkunden und die erforderlichen baulichen Maßnahmen zu kontrollieren.

 

  1. Aug. Königlicher Befehl an das Salzwerk (WER Pforta II Nr. 941).

Salzwerk und Schulamt sollten sich über den Einsatz der Amtsfröner am Wehr verständigen.

 

  1. Aug. Hauptrezess zur Regelung der Wasserentnahme am Wehrdamm (Roßner, 1932).

Den Vertrag schlossen  der Müller Chr. G. Roßner, der Salinendirektor H. U. E. v. Hardenberg, Finanzrat G. H. v. Witzleben, Bergrat Fr. W. Heun, der Schulinspektor Ferd. Bernh. v. Watzdorf, Rentmeister E. C. Herbst, und der Amtmann S. P. Gutbier und als Sachverständige der Kunstmeister Brendel aus Dürrenberg und der Müller Schirlitz aus Roßleben.

Die 8 Paragrafen regelten die einzuhaltenden Wasserentnahmemengen, wobei natürlich die Interessen des Fiskus bezüglich der Saline im Vordergrund standen. Für den Rückbau des „wilden Gerinnes“ zum Fischfang bekam der Müller jährlich von der Saline 40 Taler als Entschädigung. Außerdem wurde ihm erlaubt, unterhalb des Dammes eine kleine Lattenfischerei zu errichten. Die Lachse mußten wie bisher in der Schule abgeliefert werden, wofür er ein Fangegeld erhielt. Das Mühlengerinne wurde so verändert, dass die durchströmende Wassermenge effektiver ausgenutzt werden konnte. Die Fachbäume und Grießsäulen, die den Wasserstand markierten, wurden neu justiert und eine eigenmächtige Veränderung strengstens untersagt.

Am 17. Dezember wurde der Rezess von höchster Stelle genehmigt und Amtmann Just erhielt neben seiner Aufwandsentschädigung von 35 Talern, eine Gratifikation von 50 Talern, die er aus der  Kasse des Salinenfiskus zur Hälfte in bar und in Form von „ Kassenbillets“ erhielt.             

 

1812        

  1. Jan. Gemeindeerlass zur Hausschlachtung (St.-A. Nr. 171).

Jeder Einwohner, der zu Hause schlachtete sowie die beiden Fleischhauer Hilpert und Matthes mußten vor jeder Schlachtung einen „Steckzettel“  beim Fleischsteuer-Einnehmer Hämmerling abholen. Wurde das versäumt, drohte eine empfindliche Strafe. Den Erlass unterschrieben neben dem Ortsrichter Fr. Seeboth, J. A. Haun, J. S. Hänel, Fr. W. Heßner, J. Chr. G. Hübsch, G. Pechmann, G. Wagner, G. Seidler, J. Chr. Müller, J. G. Hilpert, H. Matthes, J. M. Gundermann, A. Junold, G. Sträuber, G. Fr. Platz, J. G. Hämmerling, Eva-Maria Heisenberg, Rosina Maria Förster, J. C. Törpsch, G. H. Burschel und J. Chr. Hoffmann. 

 

  1. Mär. Befehl des Königs zum Armenhaus (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3056)

Die Landesschule wurde angewiesen, der Gemeinde eine Platz an der Fränkenauer Trift zu überlassen. Das Anwesen sollte von einem von der Gemeinde gewählten Lehnsträger zum Lehn genommen werden und wenn es nicht mehr dazu gebraucht würde, sollte 12 Groschen Erbzins jährlich zu zahlen.  Außerdem wurden der Gemeinde 700 Mauersteinen, 6000 Dachziegeln  und 15 Scheffel Kalk aus der Schule bewilligt.

 

  1. Aug. „Etwas über den Kösener Gesundbrunnen“ (Naumburger Wochenblatt Jg. 1 Nr. 30/31).

Der Naumburger Arzt Dr. Kayser beschrieb den zu Trink- und Badezwecken genutzten Mühlbrunnen, obwohl der Brunnen inzwischen mit dem Backhaus der Roßnerschen Mühle überbaut war und der Müller das Wasser auch zum Branntweinbrennen verwendete. Die chemische Analyse des Apothekers Römler, ergab zwar fast identische Bestandteile mit dem  Brunnen im ehemals herzoglich-weißenfelsischen Bibra. Der Mühlbrunnen war aber ergiebiger und reichte auch zur Bereitung von Bädern. Dazu kam, dass die Umgebung reizvoller und im Gegensatz zu Bibra der Ort „wohl versehen mit artigen zweckmäßig eingerichteten Wohnungen“ war. Die Einwohner wären „billig in ihren Forderungen, gefällig in ihrer ganzen Behandlung, wissen wie sie die Fremden bald einheimisch zu machen und keiner der sich auf einige Wochen zu ihnen begibt, hat zu besorgen, daß durch Mangel häuslicher Bequemlichkeit, durch Langeweile bei ungünstiger Witterung oder gar durch verdrießliche Mienen seines Wirtes (.) die Heiterkeit seines Gemütes gestört und in den Wirkungen des Bades auf seine Gesundheit zurückgesetzt werden möchte“. Die Gattin von Dr. Kayser benutzte selbst den Brunnen, wie aus dem im gleichen Blatt erstmals veröffentlichten „Verzeichnis der diesjährigen Badegäste zu Kösen“ hervorgeht. Demnach kamen 34 Badegäste, darunter der Naumburger Stadtrichter und spätere Landrat C. P. Lepsius, der Geheime Finanzrat v. Witzleben, Mitglied des Salinendirektorats und die Ehefrau des Pfortaer Arztes Dr. Ulich. Aber nicht nur aus Naumburg und Pforte waren Gäste da, sondern auch aus Weißenfels, Dresden, Kölleda, Gotha und Wurzen, was für den Bekanntheitsgrad des Brunnens spricht.

 

             Kataster zur Grundsteuererhebung (WER D34/1/713)

 

1813

             „Königlich Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (HStA.MÜN digit).

Der Amtshauptmann Adolph Samson von Burkersroda, Floßmeister Anton Ferdinand von Zedtwitz, Floß-Zoll u. Land-Akzise Einnehmer Ludwig Maximilian von Zedtwitz, Floßschreiber Gottlob Heinrich Burschel, Floßgegenschreiber Christian Gottlob Schmeißer und Floß-Strafbefehlshaber Johann Christian Gotthelf  Hübsch waren die Beamten der Saaleflöße.

Ein weiterer Staatsbeamter war der Bai-Salz-Lizent Einnehmer Karl Friedrich Döring.

Zum Schulamt Pforta gehörten der Amtmann Siegmund Polycarp Gutbier, der Amts-Physikus Dr. Rudolph Ernst Uhlich, der Amts-Wundarzt Johann Gottfried Kettner, der Schulverwalter und Rentmeister Ernst Constantin Herbst und der Kornschreiber Ludwig Götze.

 

  1. Apr. Kosaken streifen durch das Schulamt (Rentmeister Herbst v. 08. Mai).

Nach der preußischen Kriegserklärung gegen Napoleon und dessen Bundesgenossen standen die ersten preußischen und russischen Abteilungen in Kursachsen. Bereits am 03. April meldete das Naumburger Wochenblatt das Vorrücken fremder Truppen und ermahnte die Bevölkerung zur Vorsicht und Zurückhaltung..

 

  1. Apr. Einquartierung russischer und preußischer Vorhuten (s.a Haubold, Heimatbuch) .

 

  1. Apr. 1. Gefecht bei Kösen.

Französische und badische Vorhuten, die die Brücke überqueren wollten, wurden von den in Pforte biwakierenden Verbündeten auf Hassenhausen gedrängt, mußten aber der unter Marschall Ney anrückenden Hauptmacht weichen.

 

  1. Mai Napoleon passiert die Saalebrücke.

Bei Pforte ließ er halten und zwei Kavallerieregimenter passieren, denen er  nach Großgörschen folgte. Diese Regimenter waren  in der vorangegangenen Nacht in Kösen einquartiert, wobei auf jeden Hauswirt 50-60 Franzosen kamen (Seffner).

 

  1. Mai Einquartierung verwundeter Franzosen (Haubold, Heimatbuch 1930).

Napoleon behauptete dank zahlenmäßiger Überlegenheit das Schlachtfeld von Großgörschen, die Preußen und Russen zogen sich zurück.

 

  1. Juli. Veröffentlichung der Kurliste (Naumburger Wochenblatt Jg. 2 Nr. 30, 32, 34).

Trotz der kriegerischen Ereignisse kamen 63 Badegäste, darunter der Geh. Finanzrat v. Witzleben mit Gattin und Tochter, der Floßmeister v. Zedtwitz und der  Direktor der französischen Hospitäler in Naumburg Dr. Stannarius. Weitere Gäste kamen aus Leipzig, Gotha und Weißenfels.

 

  1. Aug. Pachtvertrag für den Bauplatz des Armenhauses (WER D 34, Anh. 1 Nr. 3056).

Ferdinand Bernhardt v. Watzdorf, Ernst Constantin Herbst und Siegmund Polycarp Gutbier erklärten, dass sie der Gemeinde den Platz 352 Quadrat-Ellen unentgeltlich zugewiesen hätten, die Gemeinde das Armenhaus einen „Lehnsträger“ zugewiesen und versprochen habe, das übliche Lehen zu entrichten. Falls das Anwesen anderweit gebraucht würde, hätte man sich auf einen Erbzins von sechs Groschen und sechs Hühnern jährlich geeinigt, dazu kämen die üblichen Steuern. Die Gemeindevertreter Richter Seboth sowie die Schöppen Haun, Hähnel und Schröter, hätten den Vertrag angenommen.

Am 21. Oktober, am Tag nach der Völkerschlacht genehmigte König Friedrich August den Vertrag, der am 2. November gesiegelt wurde.

 

  1. Sep. Einquartierungen von Russen, Preußen und Österreichern.

Nach der Kapitulation der französischen Besatzung von Naumburg vor dem Korps des Freiherrn  von Thielemann, machte dessen Stab sein Quartier in der Schule.

 

  1. Sep. 10.000 Mann, zumeist französische Kavallerie passieren die Brücke.

Nachhuten des bei Freyburg stehenden Thielemannschen Korps, bedrohten die Franzosen im Rücken.

 

  1. Sep. Handstreich des Korps Thielemann.

Er bemächtigte sich eines größeren Nachschubtransports und nahm mehrere hundert Mann  der Bedeckung gefangen. Wegen der nachrückenden Einheiten des Generals Le Febre Desnouettes blieb ein Teil stehen, den die Einwohner plünderten.

 

  1. Okt. Durchzug des Kavalleriekorps Lefebre.

 

  1. Okt. Ankunft von Teilen des Augerauschen Korps.

Nach kurzer Einquartierung zogen die Franzosen am 8. Oktober über Naumburg nach  Leipzig.

 

  1. Okt. Österreichische Truppen rücken in Naumburg ein.

 

  1. Okt. Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig.

Napoleon befahl dem IV. Armeekorps unter Bertrand die Sicherung der Rückzugswege über Weißenfels und Freyburg auf Eckartsberga. Gleichzeitig setzten die Verbündeten österreichische Truppen unter Generalfeldzeugmeister Graf Ignaz Gyulai in Marsch, um den Franzosen die Rückzugslinien zu  versperren. Gyulai hatte aber auch den Befehl, der Person des Kaisers Napoleon keine Hindernisse in den Weg zu legen, da er der Schwiegersohn des österreichischen Kaisers war.

 

  1. Okt. Geplänkel am Kösener Berg (F. Kretschmar: Das Gefecht bei Kösen…Sieling Verlag)

Die Franzosen unter Bertrand  hatten die Unstrutbrücke in Freyburg gesichert und rückten über Großwilsdorf auf die Kösener Höhen vor. Sie sollten zur Sicherung der linken Flanke der nach Eckarstberga gehenden Hauptmasse die Kösener Brücke zerstören und damit den Übergang der Verbündeten verhindern. Dagegen hatte Gyulai von Naumburg 4 Kompanien Infanterie, 1 Schwadron leichte Reiterei und 4 Kanonen unter dem Kommando des Majors Graf Gatterburg zur Brücke beordert. Die österreichischen Vorposten standen zwischen der Fränkenauer Hohle und  der nach Hassenhausen führenden  Chaussee.  Dabei waren auch 8.000 Kosaken unter dem Hetmann Platow, die der Oberbefehlshaber Fürst Schwarzenberg zum Schutz von Schulpforte entsandt hatte. Die Franzosen biwakierten bei Pomnitz.

 

  1. Okt. Gefecht bei Kösen (F. Kretzschmar: Das Gefecht bei Kösen… Sieling Verlag, 1926).

In der Morgendämmerung gingen die Franzosen durch das Schenkenholz und griffen die bei Fränkenau stehenden Vorposten der Verbündeten an, worauf sich diese auf  Neu-Kösen zurückzogen. Vor den Häusern und dem Floßamt, die zur Verteidigung eingerichtet waren,  stockte der Angriff der Franzosen. Inzwischen waren 12 Geschütze auf der Fränkenauer Höhe aufgefahren und nahmen die Brücke unter Beschuss und die verstärkte französische Infanterie drang nun vom Jochenberg in Neu-Kösen ein, um die Brücke zu nehmen. Als die Nachricht von den Kämpfen in Naumburg eintraf, befahl Gyulai das Vorrücken der Hauptmacht. Gegen 8 Uhr erreichten die Kavallerieschwadrone von Thielemann und Mensdorffs Alt-Kösen, die nachfolgende Gardejäger besetzten den Rechenberg und bedrohten die durch Neu-Kösen auf die Brücke vorgehenden Franzosen in der Flanke. Als die Hauptmasse der Infanterie eintraf, ging die Spitze ungeachtet der Kanonade sofort über die Brücke. Im Dorf entwickelte sich nun ein Kampf Mann gegen Mann. Den inzwischen zahlenmäßig überlegenen Verbündeten waren die Franzosen nicht gewachsen und zogen sich auf die Höhen zurück. Kritisch wurde die Situation als es frisch herangeführten französischen Kräften gelang, die Verbündeten wieder auf das Dorf zu drängen und entlang der Dorfstraße erneut auf die Brücke vorzugehen. Unter persönlicher Führung des Feldzugmeisters gingen frische Infanterieregimenter über die Brücke, die die Franzosen endgültig schlugen und die Brücke trotz andauernder Kanonade zu halten. Am späten Nachmittag endeten die Kämpfe.

In dem Gefecht standen den 6000  Verbündeten 7000 Franzosen gegenüber. Auf Seiten der Verbündeten gab es 930 Tote, Verwundete, Vermißte und Gefangene, bei den  Franzosen und ihren Verbündeten wurden 270 Tote, 630 Verwundete und 649 Gefangene gezählt. 

Das Floßamt neben der Saalebrücke wurde durch den Beschuss weitgehend ruiniert und von den durchziehenden Preußen und Österreichern geplündert. Der Ober-Floß-Commissarius v. Zedtwitz samt Familie musste nach Naumburg übersiedeln. Auch die unmittelbar neben der Brücke stehenden Häuser, der Gasthof und das untere Schachtgebäude hatten erhebliche Schäden erlitten. Später mauerte man einige Kanonenkugeln in die Häuser an der Brücke.  Unter den Einwohnern gab es keine Opfer, die meisten hatten sich nach Flemmingen und Lengefeld geflüchtet.

In Naumburg trafen der Preußenkönig Friedrich-Wilhelm III. und Fürst Schwarzenberg mit dem kaiserlich-russischen Generalgouverneurs für Sachsen, Fürst Repnin zusammen und stellten der Fürstenschule zwei Schutzbriefe aus.

Anläßlich des 100. Jahrestages veröffentlichte der Bürgermeister Kretschmar die Broschüre  „ Das Gefecht bei Kösen“. Nach seinen Angaben hatte Kösen um 1813 rund 500 Einwohner und 50 Häuser. Zu Alt-Kösen gehörte die Saline, die beiden Schachtgebäuden, der Salinengasthof  und die Pachtschäferei, die Roßnersche Pachtmühle und das Floßamt. Die Mehrzahl der privaten Wohnhäuser gab es in Neu-Kösen an der Heerstraße und am  Lengefelder Fahrweg . Hinter dem Stadtgut führte ein Fußweg zum Jochenberg, die Petersiliengasse. Hier stand nun das Armenhaus.

 

  1. Okt. Die Franzosen räumen die Fränkenauer Höhe.

Die Meldung über den Abzug der Franzosen, die die Domäne Fränkenau völlig ausgeplündert hatten, erreichte Fürst Schwarzenberg in Naumburg, der nun die Verfolgung der Franzosen befahl. Der Vorhut folgte bei Tagesanbruch das Gros über die Brücke in Richtung Hassenhausen-Eckartsberga.

 

  1. Okt. Landes-Gouvernements-Verfügung Nr. 1 (Naumburger Wochenblatt).

Zu den vom Chef der Verwaltung des seit dem 12. Oktober besetzten Königreichs Sachsen erlassenen Verfügungen gehörte die Unterstellung der sächsischen Armee unter das Kommando des Gen.-Ltn. Freiherrn v. Thielemann aber auch der Erlass „Die dringensten Vorkehrungen zur Abhelfung des Nothstandes im Land betreffend“. Dazu gehörten auch die Entschädigungen, für die bei den Einquartierungen erlittenen Schäden an Hab und Gut und die Isolierung der von einer Typhusepedemie betroffenen Soldaten und Zivilisten.

 

1814   

              Einquartierungsdekret (WER D 34/1/783).

Damit galten für die sächsischen Ämter die preußischen Einquartierungsvorschriften und somit auch für die hiesigen Einwohner, die bislang davon befreit waren.  

 

  1. Apr. Antrag auf Pauschalierung der Fleischsteuer (St.-A. Nr. 171).

Hilpert und Matthes sowie der Gasthofpächter Weber wollten einen jährlichen Festbetrag in die Fleischkasse einzahlen, um die zeitraubende Einzelerhebung zu ersparen.

 

  1. Apr. Bekanntmachung zum Floßholzhandel (Naumburger Wochenblatt Nr. 17).

Die zur Holzmesse verhandelten Bauhölzer durften nur noch gegen Barzahlung verkauft werden. Die bis dahin übliche Zahlung der Hälfte des Preises  mit Kgl. Sächsischen Kassenbillets (Wechsel) wurde untersagt.

 

  1. Mai Einundzwanzigster Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Floßbeamten von Sachsen, dem Großherzogtum Weimar und dem Herzogtum Altenburg vereinbarten eine auf drei in den Jahren 1814, 1816 und 1818 zu haltende Communflöße .   

 

  1. Mai Revision des Kunstgestänges (DD Loc 1337 VII)

Finanzrat v. Witzleben und der Kunstmeister Brendel prüften den Zustand des Doppelfeldgestänges, an dem insgesamt 36 Pumpen hingen (21 Schachtpumpen mit 546 Fuß (163 m) und  3 Tagpumpen mit 74 Fuß (22 m) Förderhöhe, 6 Pumpen im Wildwasserschacht, 6 am  Gradierwerk). Senff, Judersleben und der Kunstmeister Müller wurden angewiesen, die Kosten zur Begebung der zahlreichen Schäden zu ermitteln und dem Freiberger Kunstmeister Karl Christian Brendel zur begutachtung vorzulegen. Eine zu diesem Zweck angefertigte Zeichnung zeigt, dass das Gestänge über der kleinen Saale ohne Mittelpfeiler auskam und nur von einem technisch  ausgereiften Sprengwerk getragen wurde.

 

  1. Juni Die Webersche Gasthofpacht wird verlänget (WER Rep. A 23I Nr. 1) .

Das Landes-Gouvernement bewilligte die Pacht zu den derzeit geltenden Bedingungen bis 1823 und Weber erklärte sich bereit, neben der Beseitigung der Kriegsschäden weitere bauliche  Verbesserungen sog. „Meliorationen“ auf eigene Kosten vorzunehmen.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der Badelisten (Naumburger Wochenblatt Jg. 3 Nr. 33, 34, 35).

86 Badegäste besuchten den Ort, darunter auch russische und österreichische Offiziere der Naumburger Besatzung und der Oberhofgerichtsrat  Prof. Weise mit Gattin und Tochter aus Leipzig.

Dr. Kayser veröffentlichte eine weiteren Beitrag über den  „Kösener Mineralbrunnen“. Er empfahl, diesen vorzugsweise zum Baden zu verwenden, denn das wäre ein gleichwertiger Ersatz der Seebäder bei den mehrsten Krankheiten, welche unter so unzähligen Gestalten unser Zeitalter heimsuchen“. Kayser selbst behandelte „scrophulöse Augenentzündungen“ erfolgreich mit Sole. Eine weitere chemische Analyse des Mühlbrunnens  hatte inzwischen der Salinenfactor Senff vorgenommen.  

 

1815

  1. Jan. Vertrag über die Abtretung der sächsischen Ämter an Preußen (Allg. Gesch.)

Der in Wien abgeschlossenen Friedensvertrag zwischen Sachsen und Preußen, verpflichtete  Sachsen 58 % seines Staatsgebietes mit 42 % seiner Einwohnerschaft an Preußen abzutreten Kreis.

Da in den abgetretenen Gebieten auch die sächsischen Salinen lagen, verpflichtete sich Preußen (§19) zur Lieferung und Sachsen zur immerwährenden Annahme einer jährlichen Mindestmenge 150.000 Zentner (der Zentner zu 110 Pfund) Kochsalz, die auf 250.000 Zentner ansteigen konnte. Die Lieferung sollte vorzugsweise aus den Salinen Kösen und Dürrenberg kommen, wobei der Kösener Anteil maximal 1/3 betragen sollte. Der Vertrag selbst wurde vom preußischen Staatsminister von Hardenberg entworfen. 

 

  1. Jan. Erbpachtvertrag über die Salinenschmiede (WER Rep F23, II Nr. 21 Bd.3).

Der Nachfolger des im Vorjahr verstorbenen v. Hardenberg,  Geh. Finanzrat G. H. von Witzleben schloss mit dem Hufschmiedemeister J. A. Deisen den Erbpachtvertrag ab. Für eine unverzinsliche Kaution von 700 Talern und einer jährlichen Pacht von 15 Talern erhielt der Schmied das Monopol für Huf- und Grobschmiedearbeiten für die  Saline und das  Dorf, mit Ausnahme der Siedepfannen, was der salineneigenen Pfannenschmiede vorbehalten blieb. Dem Vertrag wurde eine umfangreiche Inventarliste beigefügt, leider ist die dazugehörige Zeichnung nicht mehr vorhanden. Diese Schmiede auch Bergschmiede genannt befand sich auf dem Grundstück Rudolf –Breitscheid-Straße 10, der Schmied selbst wohnte in der   Nr. 14.

 

  1. Jan. Gutachten zur Instandsetzung der Gestängeanlage (WER Rep. F 23 Kap. III)

Der Kunstmeister Brendel hatte in technischer Hinsicht nur wenig anzumerken, monierte aber die Kosten. Die benötigten Eisenteile könnten die Salzfuhrleute, die Dürrenberger Salz nach Torgau brachten als Rückladung mitbringen, was die Kosten halbieren würde. Von Dürrrenberg würden sie dann mit den Glaubersalztranporten nach Kösen gebracht. Dennoch war der finanzielle Aufwand hoch und Brendel empfahl die Arbeiten auf drei Jahre zu strecken.

 

  1. Mär. Vereinbarung zum Scheitbach (MER C 48IIIb Nr. 5523).

Das herzogl.-altenburgische Saalefloßamt in Kahla genehmigte die anteilige Kostenübernahme für die Instandsetzung der Seiten-Verzimmerung des Scheitbachs auf der Grundlage des Anschlages des Kunstmeisters Müller .

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung von Kohlegruben (Naumburger Wochenblatt Jg. 4 Nr. 7).

Zum Aufruf kamen die Anteile an den „Braunkohlen-, Förderungs- und Streichanlagen“ in Wetterscheid und Naumburg des Holzhändlers Seidler im Wert von 2.929 Talern. Seidler war  wegen des kriegsbedingten Einbruchs des Bauholzhandels in finanziellen Nöten.

 

                Franz von Gaudy, erster preußischer Alumnus in Pforte.

Als Schriftsteller schrieb er in seinen „Flüchtige Gedanken eines Portensers…“:-„Wer wäre wohl jemals von Leipzig nach Weimar  gefahren… und hätte nicht in dem durch seine Salzwerke, mehr aber noch durch seine Zuckerwerke, durch Kuchen nämlich, bekannten Kösen haltgemacht, um einen der letztern bei dem berühmten Herrn Hemmerling …“

 

  1. Juni Entbindung vom Untertaneneid (Naumburger Wochenblatt Jg. 4).

Am 18. Mai entließ der sächsische König Friedrich August seine Untertanen in den an Preußen gefallenen Gebieten. Die preußischen Leiter der Gouvernementsregierung (Staatsminister v. d. Beck, Generalmajor v. Gaudi) organisieren von Merseburg aus die Übernahme der preußischen Landesverwaltung, des Landrechtes, der Militär-, Polizei-, Steuer- und Finanzstrukturen in der nun als Herzogtum Sachsen bezeichneten preußischen Provinz. Diese wurde in drei Regierungsbezirke aufgeteilt, Magdeburg mit der Altmark und den Stiften Magdeburg und Halberstadt, südlich und durch das Fürstentum Anhalt fast vollständig getrennt der Reg. Bezirk  Merseburg. Die Landesschule selbst wurde dem preußischen Provinzialschulkollegium direkt unterstellt. Der Rest des Thüringer Kreises entlang der Unstrut und das ehemals kurmainzischen Gebiet bildete den Reg.-Bezirk Erfurt. Zugleich erfolgte die Grenzfestlegung zum Herzogtum Sachsen-Meiningen-Altenburg und zum Großherzogtum Weimar, wobei es zu einigen Grenzbereinigungen kam.

Eine der ersten Maßnahmen der preußischen Regierung war die Auflösung der sächsischen Ämter und die Einrichtung von Landkreisen. Zum Landkreis Naumburg gehörten das Stiftsgebiet, die  Ämter Eckartsberga, Freyburg, Pforte, Teile von Tautenburg, Weißenfels, Haynsburg und Zeitz Zum Landrat wurde Carl Peter Lepsius von der kaiserlich-russischen Gouvernementsverwaltung ernannt. Der war seit 1812 Stadtrichter in Naumburg und seit 1812 Finanzprokurator des kursächsischen Thüringischen Kreises.

 

              Entschlammung der kleinen Saale.

Wie bisher üblich sollten die Kosten zwischen der Saline (2/5), der Landesschule bzw. deren Mühlenpächtern in Pforte und Altenburg (2/5) und dem Floßamt (1/5) aufgeteilt werden. Wegen der Neuordnung der Verwaltung kam es nun zu einem bis 1822 dauernden Streit zwischen den  preußischen Behörden über die Zahlung ihrer Anteile.

 

  1. Juli Geschäftsanzeige des Gastwirts J. S. Weber (Naumburger Wochenblatt Nr. 34).

Dieser lud die Badegesellschaft für den Sonntag zu einem „table de hote“ mit warmen und kalten Speisen, Musik und guter Bedienung ein. Die erste Badeliste in dieser Ausgabe  verzeichnete  39 Gäste, darunter auch wieder  C. P. Lepsius.  In den nächsten Jahren bis 1821 wurden keine Kurlisten veröffentlicht. 

 

     Okt. Begutachtung der Klosterkirche durch die preußische Oberbaudeputation.

Unter Leitung von Karl Friedrich Schinkel erfolgte die Erfassung bedeutender Denkmale der an Preußen gekommenen sächsischen Provinzen. 

 

             „Vollständiges Staats, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen“ Bd. 5 (A. Schumann).

Die Angaben in der 1818 in Zwickau erschienenen Erstausgabe bezogen sich auf das Jahr 1810. Das Dorf Kösen hatte 370 Einwohner und 50 Wohngebäude, deren Besitzer der Landesschule erbzinspflichtig waren. Das Dorf ohne eigene Flur, war weder ein Bauerndorf noch eine  Bürgerstadt. Daher waren die Bewohner von jeher von Steuern, Einquartierungen und Gerichtsfolgen befreit. Lediglich den Erbpachtzins mussten sie an das Schulamt leisten. Für die Benutzung der Brücke, die der Verfasser in die Zeit Markgraf Heinrichs (des Erlauchten) datierte, wurde ein Brückenzoll erhoben, die Unterhaltung oblag den Amtsfrönern von Eckartsberga.

Hauptnahrungsquelle der Einwohner waren die fiskalischen Unternehmen Floßamt und Saline.

Die Scheitholzflöße wechselte jährlich zwischen der herzoglich-altenburgischen Privatflöße mit 12 bis 18.000 Klafter und der fiskalischen „Commun-Flöße“ (Kgr. Sachsen, Großherzogtum Sachsen-Weimar, Herzogtum Sachsen-Altenburg) mit 20 bis 35.000 Klafter. Das Holz der Commun-Flöße wurde am Kösener Rechen ausgeschleppt, vermessen und den kursächsischen  Floßbeamten übergeben, die es saaleabwärts zu den Holzhöfen in Naumburg, Weißenfels, Dürrenberg, Merseburg und Holleben brachten. Die Pfännerdschaft zu Halle bekam 4 bis 6.000 Klafter.  Auf dem Kösener Stapel verblieben  6 bis 7.000 Klafter, für die Saline, die Schule und für die Versorgung der näheren Umgebung. Die altenburgische Privatflöße war eine Durchflöße und belegte ebenfalls die Holzplätze soweit es der örtliche Bedarf erforderte. 

Zu den Beamten gehörten der Oberaufseher der Saale-Flöße, ein Floßmeister und drei Floßschreiber, wobei bei der „Commun-Flöße“ ein herzoglich-altenburgischer „Gegenschreiber“  hinzukam. Die Floßbeamten erhoben von den im Frühjahr eintreffenden Bauholzflößen beim Übergang über das Wehr  den Einfuhrzoll, das Saalecker Geleit und die Landakzise von den mitgeführten Holzwaren (Bretter, Pflöcke, Schwarten, Böttcherholz). Zu den  Holzmessen in der Saaleaue zwischen dem Fischhaus und Altenburg wurden jährlich 500 bis 600 Flöße, mit 30 bis 50 Stämmen verkauft. Der größte Teil wurde weiter geflößt, aber auch auf der Unstrut stromauf getreidelt.

Die Saline erzeugte jährlich 42.000 Dresdener Scheffel Kochsalz, wozu früher 3.000 Klafter Holz und nun 100.000 Scheffel Erdkohlen verfeuert wurden. Außerdem wurden aus den Siederesten 800 Zentner Glaubersalz und Magnesia gewonnen. Zur Sonnensalzfabrikation gehörten 350 Kästen mit einer Fläche von 8.000 Quadrat-Ellen.

Die Tiefe der Solebrunnen wurde mit 82 Lachtern  bzw. 575 Fuß (163 m) angegeben. Die Saline belieferte aus der dazugehörenden Salzniederlage die Ämter des thüringischen, neustädtischen und vogtländischen Kreises. Zum Personal der Saline gehörten 11 Mann, wohl nur die Lokaldirektion und die Unterbeamten, die der Gerichtsbarkeit des Salinenfiskus unterlagen. Alle anderen unterlagen der Amtsgerichtsbarkeit der Schule.

Das Rittergut Kreypitzsch mit der  Rudelsburg,  Lengefeld und den Gerichten in  Freiroda  gehörte zum Amt Eckartsberga. Eingepfarrt war das Gut nach Saaleck, nachdem die Lengefelder Filialkirche eingegangen war.