Alt- und Neu-Kösen, kursächsisches Floßamt und Saline 1681 bis 1815

Nach dem 30jährigen Krieg lag das Vorwerk Kösen in Trümmern. Auch die Mühle und das Floßamt hatten durch die jahrelangen Kriegszüge erheblich gelitten. Sachsens Kurfürsten Johann Georg III. Johann August IV. und Friedrich August I. aber auch die ernestinischen Linien waren bestrebt, die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges, der gerade ihren Ländern arg mitgespielt hatte, rasch zu überwinden. Kursachsen widmete sich intensiv dem  Aus- und Aufbau von Staatsbetrieben und Manufakturen, womit bereits Kurfürst August I. in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begonnen hatte und vielen aufgeschlossenen Landesherren als Vorbild diente. 

Ein wichtiges Handelsgut für die sächsischen Staaten beider Linien war neben dem Holz, das Salz. Salz wurde aus Sole gewonnen, die als Bergschatz landesherrliches Regal war. Die Erträge aus dem Salzhandel und die davon erhobenen Zölle flossen in die herrschaftliche Kasse.

In Kursachsen gab es zu Beginn des 17. Jahrhunderts nur die kleinen  gewerkschaftliche Salinen  Teuditz, Kötzschau und Altensalz und man war auf die Einfuhr aus dem „Ausland“, aus Frankenhausen (Schwarzburg), Sulza (Sachsen-Altenburg) und den zum Erzstift Magdeburg gehörenden Salinen Groß-Salze und Staßfurth angewiesen. Hauptlieferant war die Saline zu Halle deren Pfännerschaft seit 100 Jahren von Kursachsen das Brennholz bezog und dafür Kursachsen  mit Salz belieferte. 1680 fiel das Erzbistum Magdeburg zu dem auch Halle gehörte endgültig an Brandenburg-Preußen, was zunächst auf den Salzhandel kaum Einfluß hatte. Doch 1721 ließ König Friedrich-Wilhelm I. in Halle eine  fiskalische Saline errichten, die gegenüber der Salzbrüderschaft im „Thale“ wesentlich effektiver produzierte, wobei die beiden Salinen auf das Brennholz aus der Saale- bzw. Elsterflöße angewiesen waren. 

Doch durch den Salzimport ging dem kursächsischen Regenten viel Geld verloren. Außerdem blühte der Schwarzhandel und bescherte dem Fiskus weitere Einnahmeverluste. Kurfürst  Friedrich August seit 1697 polnischer Wahlkönig, war in ständiger Geldverlegenheit und es wurden alle sich bietenden Möglichkeiten wahrgenommen, um die Kammereinkünfte Kursachsens zu erhöhen.

Dazu bemerkte der Kameralist Johann Heinrich Gottlob von Justi: „Wenn nun der Landesherr selbst Salzwerke in seinen Landen hat; so ist es allerdings billig, daß er den Debit desselben vorzüglich befördert, damit  unnöthiger Weise für Salz kein Geld außer Landes geht. Zu dem Ende ist es gar wohl befugt, nicht allein die Einfuhr alles fremden Salzes scharf zu verbieten, den Salzverkauf sich allein vorzubehalten, und zu diesem Behufe allenthalben Salzmagazine, Niederlagen und Verkaufshäuser anzulegen, sondern auch die Unterthanen anzuhalten, daß sie erweisen müssen, wie sie ihr benöthigtes Salz wirklich daselbst gekaufet haben, wann anhero sie sich bey dem Kaufe desselben eine Bescheinigung geben lassen müssen.“

Die Suche nach Solequellen und die Einrichtung effektiv produzierender Salinen waren riskant und kosteten viel Geld. Privatleute und Gewerkschaften waren damit überfordert, so dass hier nur der Fiskus als Unternehmer tätig werden konnte. Da das Vorhandensein von guten und preiswerten Brennmaterial von entscheidender Bedeutung für die Sudsalinen war, konzentrierte sich die Suche nach Salzquelle auf die Nähe von Flüssen, auf denen ausreichend  Brennholz angeflößt wereden konnte.

Ziel war es Kursachsen, vom Salzimport unabhängig zu machen, was den fiskalischen AKD-Salinen im ausgehenden 18. Jahrhundert auch gelang.

 

1681

  1. Mär. Vereinbarung zur privaten Bauholzflöße (WER Rep. D Pforta II, 1249).

Die „Flößer-Compagnie“, eine Vereinigung der oberländischen Flößer und Holzhändler, erhielt vom Schulverwalter die Genehmigung, während der Holzmessen am rechten Ufer in Höhe des Fischhauses Pfähle einzuschlagen und dort ihre Flöße anzubinden. Das Schulamt bekam jährlich 35 Gulden als Entschädigung für Schäden an den Ufern. Während der Holzmessen durfte der Pächter des Fischhauses einen Ausschank betreiben und „Gäste setzen“. Nach dem Verkauf  traten die Oberländer den Rückweg an. Die Käufer brachten die erhandelten Flöße saaleabwärts  zu ihren Bestimmungsorten. Ein Teil wurde auch auf der Unstrut stromauf getreidelt.

 

  1. Apr. „Unterthänigstes Memorial“ des Salzschreibers Jakob Abraham Christner.

Christner, der nach 18 Jahren aus der herzoglich-altenburgischen Saline zu Sulza ausgeschieden war und sich in Naumburg niedergelassen hatte, schlug dem Kurfürsten Johann Georg III. die  Niederbringung eines Solschachtes in Kösen vor.  Seine Annahme, gerade hier auf Sole zu treffen, begründete er mit dem  für beide Orte typischen Landschaftsformen, der Flussaue mit dem Muschelkalkgebirge. Möglicherweise wußte er auch um das Salzwerk, dass der Floßschreiber Maul in seinem Diarium erwähnte und das in den Wirren des 30jährigen Krieges  eingegangen war. Vorteilhaft sei auch, dass aus der Saaleflöße genügend Holz zur Verfügung stand. Zur näheren Erkundung  erbat er sich „Bergkverständige und Ruthengänger“ und 800 bis 1000 Gulden.

(Quelle „Untherthänigstes Memorial wegen anbauung Eines edlen Saltzwergs Im Churfürstenthumb Sachßen“ in der Akte „Saltz Quellen in Schulambt Pfordta unweit Kösen gelegen“ - Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden Loc 31860. Quellen zur kursächsischen Saline: Loc 1337, 1338, 5293, 5294, 36345 sowie  10036 Finanzarchiv, 10026 Geheimes Kabinett, 10025 Geheimes Konsilium).

 

  1. Juni Zweites Memorial Christners.

Christner drängte erneut, einen „solchen Baw anfangen zu lassen“ und den Schulverwalter und den Oberförster anzuweisen: „Zwölff Eichen  zu solchen Bau bedürfftig (.) zur rechten Zeit gehauen, von den Pferdten in der Schul-Pforta angeführet“ und im übrigen „alle behülflichen Mittel und Wege zur Befördern willigst seyn möge“.  Zuerst müsse „stracks eine sogenannte Koy oder Gehäuse über den Schacht gebauet werden(.) damit die Arbeiter bey unbestimmten Wetter im trocknen sey und die Arbeit desto fleißiger fortsetzen können (.) anhero dem Churfürstl. Floßschreiber  zu Kösen Befehl zu  ertheilen damit Er das darzu nötige Bauholz abgeben …bemühet seyn möchte.“

 

  1. Juni Schreiben Christners an den Kammer-Direktor Chr. D. Bosen.

„Kann dann anhero mit  Grund der Wahrheit sagen, daß im Churfürstl. Schulenambt Pforta  unweit Kösen 8 bis 12 Löthige Salzquelle zu finden“. . 

 

  1. Aug. Schreiben des Freiberger Berghauptmann Schönberg an das Kammerkollegium.

Schönburg bekam den Befehl, der von Christner vorgetragenen Sache nachzugehen: „Nachdem dem  Durchl. des Heiligen Römischen Reiches, Erz-Marschallen und Churfürsten zu Sachßen (.) fürbracht worden, ob sollten in Dero Schulambt Pfortdten unweith Kösen, unterschiedliche Saltzquellen zu finden seyn, die wohl zu gebrauchen und ein guter Nuz daraus zu machen wäre, und Höchstgedachter S. Churfürstl. Dl. gründliche Nachricht davon zu haben verlangen, mit gndstn. Begehren an mich befehlende ich wolte einen Ruthegänger dahin abfertigen, sich bei dem Herrn in Naumburg  anmelden, die Gegend wo solche Quelle seyn  sollen, von ihm zeigen, sie wohl in Augenschein nehmen und mit der Ruthe ausgehen, auch selbe nebenst deren Situation und eigentlich Bewandniß in ein Verzeichniß bringen lassen. Alß habe ich  solches alles in`s Werk zu richten, den Churf. Sächs. Berg-Meister Herrn Melchior Mähdern nebenst Hanns Ludewigen, Steigern und Ruthegängern allhier mit genugsamer Instruction abgefertigt und ersuche dannehero den Herrn rigose Rescripti, gegen Aufstellung dessen, ihnen hierunter allenthalben nötige Anweisung, Nachricht, Hülfe und Vorschub zu thun...“ 

 

  1. Sep. Plan des Naumburger Markscheiders Johann Schmieder (DD Loc 11337)

Der Anordnung folgend waren der Bergmeister Mäder und der Rutengänger Ludewig angereist und besichtigten mit Christner die Örtlichkeiten. Die von Ludewig mit der Wünschelrute ermittelten Linien übertrug Schmieder in einen Plan. Dieser zeigte erstmals, wenn auch stark verzerrt und vereinfacht die Brücken über die Stromsaale und über die kleine Saale, das Gehöft des Floßschreibers (heute Konditorei Schoppe) und zwei  Schafställe (L.-Renn-Heim, Ostflügel „Mutigen Ritter“). Zu einem Anbau am Westgiebel des Schafstalles merkte Schmieder an: „Dies ist ein altes Gemäuer, so ietzo wieder bebaut wird“, womit der  1680 begonnene Schulengasthof gemeint ist, der auf den Mauern des im 30jährigen Krieg völlig zerstörten Schulenvorwerks erbaut wurde.

Der Kreuzungspunkt der „Erdlinien“ lag im Gehöft der Floßschreiberei, wo man eigentlich hätte einschlagen müssen. Doch Christner ließ unmittelbar vor dem Schafstall einschlagen, nachdem das Schulamt angewiesen wurde, Christner freie Hand zu lassen. Einmal war die Stelle sicher vor Hochwasser und hier bestand die Möglichkeit, durch das Abschlagen eines Kunsgerinnes von der kleinen Saale ein Kunstrad anzulegen, dass über ein Kunstgestänge in direkter Linie die Schachtpumpen antrieb.

 

1682

  1. Mai Kurfürstlich-Sächsisches „Accis Mandat“ (MER C 48 Ic Nr. 1686).

Die Landstände bewilligten die Binnensteuer von allen auf dem Landweg eingeführten Waren.  „Was das Salz betrifft, ist solches eine ausländische Ware und wird nur gering ohne Unterschied und soviel auch eingeführt wird, jeder Scheffel Dresdner Maß mit 6 Pfg. an den Stellen, wo das Salz eingeführt wird, erhoben“.   

 

  1. Juni Befehl an den Bergvogt des Thüringer Kreises Nikolaus Voigtel.

„Lieber getreuer, demnach Wir auf der Schul Pfordten Grund und Boden unweit der Kösener Brücken nach Salzsohle einschlagen laßen, und die darbey erfordernde Aufsicht  Dir anzutragen entschlossen (.) mit dem abteuffen verfahren laßen, auch sonst diese Gebäude aufs best- und möglichste  anstellen, wann Sohl getroffen, selbige mit Fleiß probiren“ und „ausführlichen Bericht in Unsere Bergkanzley zu Dreßden unterth. hinschicken.“ Der Bergvogt zu  Eisleben hatte nun die technische Oberaufsicht und gleichzeitig wurde der Schulverwalter angewiesen, die Löhne und das Material aus den vom Amt eingenommenen Hufengeldern gegen Vorlage der Belege und mit entsprechender Quittung zu begleichen. (Das Hufengeld war eine Abgabe der Amtsuntertanen anstelle der  Spanndienste).

 

  1. Juli Schreiben des Bergvogtes an die kurfürstliche Kammer.

Voigtel beklagte die schleppende Bereitstellung des Geldes durch den Schulbeamten, zumal man hier in zwei Schichten bei einer sechsstündigen Nachtruhe arbeiteten. Wenn der versprochene Lohn von 18 Groschen pro Woche weiter ausbleibt, würden sich die Arbeiter anderswo oder bei der Ernte verdingen.

 

1683

       Mai  Der Solschacht ist auf 18 Lachter abgeteuft. 

Ohne die bereits im Oktober 1682 fertiggestellte Wasserkunst, wäre es nicht möglich gewesen, die Teufe (36 Meter) zu erreichen, denn durch das umgebende Lockergestein strömte das Wildwasser in den Schacht und war trotz sorgfältiger Verzimmerung kaum zu bewältigen.  Das Wasser wurde bis zur Hängebank gehoben, und lief über eine Rösche zur kleinen Saale ab.  Fiel die Radkunst aus, soff der Schacht ab, denn die Handpumpen reichten nicht.  Deshalb wurde in zwei Schichten mit einer nächtlichen sechsstündigen Ruhepause gearbeitet, um den Schacht möglichst im Sommer  und bei niedrigen Stand der Saale abzuteufen.

 

  1. Juli Schreiben Christners an den Kurfürsten.

Wegen ausstehender Löhne, drohten die Arbeiter, sich anderswo zu verdingen. Schuld daran waren die Schulbeamten, die mit allerlei fadenscheinigen Begründungen die von der Kammer angewiesene Zahlung aus der Schulkasse verzögerten. Christners Vorstellungen  waren erfolglos, da sich die Beamten jegliche Einmischung in ihre Obliegenheiten verbaten. Daher wandte sich  Christner an den Dresdener Hof.  

 

  1. Aug. Schreiben an den Schulverwalter Hieronymus Gläser.

Die Dresdener Kammer befahl den Schulbeamten: „Du wolltest aller und jeder Verrichtung bei gedachtem Salzwercke, dich hinführo enthalten, dagegen aber die hierzu  benöthigten  Geldkosten Voigteln  gegen Quittung  von Woche zu Woche, von denen Hufengeldern, reichen und abfolgen  laßen“.

 

  1. Okt. Schreiben Voigtels an die Bergkanzlei.

Der beschwerte sich, weil er immer noch kein Geld von der Landesschule erhalten hatte. Hinsichtlich der Arbeiten am Schacht bemerkte Voigtel, es sei „hiernechst auch höchstnothwendig, daß mit ehesten eine Radestube über das Kunst-Rad  gebauet werde, damit  wann etwa jehlings  Kälte einfallen möchte, keine Verhinderung von der Kunst halber an der Arbeith vorgehen müssen.“

 

  1. Okt. Befehl des Kammerkollegiums an das Schulamt.

„Alß befehlen Wir hiermit ernstlich, Du wollest (.) die fällig gewesenen Hufengelder (.) ohne einigen fernern Zeit-Verlust eintreiben und davon die Bedürfnis dem Berg-Voigte  zu Befriedigung  derer Arbeiter (.) ohne weitere Verzögerung (.) anbefohlenermaßen bezahlen (.) und daß, da hierdurch (.) dem Salz Wergke  einiger Schaden  oder Nachtheil  zuwachsen sollte, Wir Uns  deswegen bey Dir wieder erholen wissen würden.“ Kurz darauf erfolgte die Ablösung Gläsers und der neue Verwalter Gleichmann beeilte sich die Gelder abzuliefern

 

      „Inventarium Über den neuen Gasthoff zu Cösen, zum muthigen ritter genandt“ (WER D 34).

Demzufolge nannte sich der Gasthof seit seiner Errichtung so und nicht erst nach dem Brand von 1710. Der Gasthof hatte eine Schankgerechtigkeit, durfte „Gästesetzen“ und Beherbergen. Doch die wichtigsten Gerechtigkeiten, wie das Brau-und Brennrecht, fehlten zunächst. Die Getränke und Lebensmittel mussten aus der Landesschule bezogen werden. Außerdem fehlten Stallungen für das eigene Vieh, den Vorspann oder die Tiere der Reisenden. Es gab keine  Schmiede und kein Backhaus, ebenso fehlten Acker, Wiese und Weideland, wie es bei den Gasthöfen in der Dörfern der damaligen Zeit üblich war. Als Ausgleich wurde dem Gasthof ein  „jus prohibendi“ verliehen, ein Verbietungsrecht, dass es dem Pächter erlaubte, gegen jedermann vorzugehen, der im Umkreis einen weiteren Gasthof einrichten wollte.

 

1684

              Einstellung der Arbeiten am Solschacht.

Zunächst hatte das Frühjahrshochwasser die Wasserkunst beschädigt, dann  folgte eine Hitzewelle und der Wasserspiegel der Saale fiel, der Schacht, inzwischen auf 25 Lachter  gebracht, soff ab.  Daneben machte der Pachtschäfer Schadensersatz geltend, weil er sich von den Arbeiten am Schacht in seinem Erwerb beeinträchtig sah. Daraufhin stellten die Schulbeamten die Auszahlung der Hufengelder ein und Christner stellte die Arbeiten ein.

 

1685   

              Klage gegen den Gastwirt zu Kösen (WER D 34/ 2 /Nr. 767)

Christoph Kolbe wurde wegen Unregelmäßigkeiten bei der „Fleischsteuer“ belangt. Demnach war er der erste Pächter des Schulgasthofs. Seine Pacht endete 1686 und ihm folgte Eberhardt Lingen, der aber 1695 in einem weiteren Verfahren bereits als „vormaliger Pächter“ bezeichnet wurde.

 

1686

  1. Apr. Befehl der kurfürstlichen Kanzlei an den Berghauptmann Abraham von Schönberg.

„Demnach die Salzsohlabgänge zu Kösen unweit der Schul-Pfordten dem angeben nach, des von euch a.o. 1681 abgefertigten Ruthengängers beym Nachschlagen nicht zu treffen seyn wollen und dahero dieser Ruthengänger noch einsten dahin verlangt wird, Als begehren wir hiermit als befehlende, ihr wollet verfügen, daß derselbige den 5. bevorstehenden Monats May in Leipzig sich unfehlbar einfinden, bey unseren auf solche Zeit allda anwesende Cammer- und Berg-Räthen in der Rentherey sich anmelden und gewissen Bescheides gewarten solle.“ Am 28. April erhielt Ludewig  dann den Befehl, sich nach Leipzig zu begeben.

 

  1. Okt. Befahrung des Schachtes durch den Freiberger Einfahrers Johann Bergner.

Bergner notierte, er habe „den Saltzbrunnen zu Cösen befahren und festgestellt, daß die Arbeiten vom Rasen nieder behülf eines  an der Saale erbauten Kunstgezeuges  und Streckengestänges  an die 100 Ellen (56,6 Meter) uf einen Salzigen Stehenden und Spathengang niedergesunken. Wie wohl nun zwar im tieffsten etwas Sohle vorhanden, auch zu hoffen, daß wenn uf diesen Gängen tiefer niedergesunken werden solle, der Edle Quell stärker werden möchte, so hat sich doch befunden das ezliche 30 Ellen von tage nieder viel wilde Wasser zu tage  erschroten werden, welche den Bau sehr kostbar gemachet und aufgehalten.“ Dennoch schlug er vor, den Bau nicht aufzugeben „sondern vor allen Dingen dahin zu trachten, wie die wilden Wasser zu tage ausgedämmt werden möchten“. Dafür veranschlagte er rund 300 Gulden.

 

1687

  1. Feb. Bericht des Schulverwalters Johann Christoph Gleichmann.

Gleichmann, der den Schacht persönlich besichtigte, erklärte,  dass es „vor dismahl unmöglich,  indem der Schacht über 100 Ellen  tief  voll wilder Wasser, und solche mehr nicht alß etwa 9 ½ Ellen (rd. 5,5 Meter) von tage stehe“. Doch auch er meinte, es gäbe „zu erlangung des Edlen Quells gute Hoffnung, indem unten im Schacht  alles wohl gesalzen  schmeckete.“

 

  1. Mär. Schreiben der Kanzlers Ludwig Gebhard Freiherr v. Jagow.

Unter Bezugnahme auf die den Bericht Gleichmanns „daß die wilden Wasser in dem nach der Sohle abgesunkenen Schachte bey Kösen sehr hoch aufgegangen“ wies von Jagow den Berghauptmann an „über den Stand der Sache zu berichten, auch ob Sohle allda zu spüren, wenn deren vorhanden ob die wilden Wasser ohne große Kosten davon zu trennen und ob selbige Sohle so bewand, daß ein nützliches Werk allda  zu hoffen, vielmehr solcher Bau abzustellen und liegen zu lassen sey“.

 

  1. Mär. Antwortschreiben des Berghauptmanns.

In seinem dem Befahrungsbericht Bergners beigefügten Schreiben, meinte er: „Ob nun wohl damals der Salzschreiber Jakob Abraham Christner angegeben, daß bereits edle Sohle erschroten, mir auch davon eine Probe zum Versuch gezeigt, die sehr salzreich befunden, so habe doch die vom Einfahrer Johann Bergner aus dem tiefsten geschöpfte Sohle gegen die von dem Salzschreiber damit beschönen wolle, daß er früh morgens seine Sohle geschöpft, inzwischen aber wilde Wasser sich gesammelt hätten. Weil nun die Ruthe so wol über tags als im Schacht uf Salzquellen anzeigen, daß Wasser im tieffsten auch einen geringen Salzgeschmack giebt, so möchte wol durch weiteres abteufen stärckere und reichere Sohle zu erschroten sein , wie tief aber der Schacht noch darauf abzusinken, auch ob so dann die erschrotene Sohle von solcher Güte und Beschaffenheit seyn wird, daß dergl. Wercke anzustellen sey fraglich, von einer noch unvorhandenen und blos künftige Erfahrung bestehenden Sache kann E. Chfl. Durchl. ich mit nichts gewisse Vertröstung geben, sondern es beruhet auf Hassard.“

 

  1. Juni Befehl an den Schulverwalter (in Loc DD 1337).

40 Monate hatte es gedauert und der Staatkasse 5.000 Gulden gekostet, nun war die an dem Salzwerke zu Kösen getriebene Arbeit einzustellen“. Allerdings meinte Kurfürst  Johann Georg III. an: „Sollten aber sich andre finden, so uff ihre Kosten dieses Werck weiter forttreiben wollten, wovon wir gemeinet, hierzu gehörige Concession zu ertheilen.“

 

  1. Aug. Antrag einer privaten Gewerkschaft (in Loc DD 1337).

Der Naumburger Ratsherr und Kaufmann J. W. Leyser,  J. Chr. Gleichmann, der Kurfürstl. Schulamtsverweser zu Pforte, J. Chr. Schlichtegroll, der Fürstl. Sächs. Amtsverwalter von Naumburg, Schönburg und Saaleck, Chr. C. Gerstenberg, der Domprobsteiverwalter, G. Crügelstein, Chr. Preißer, G. Fr. Laune  und der  Kösener Floßschreiber G. W. Zschackwitz beantragten die Konzession zur weiteren Abteufung des Solschachts und der Salzgewinnung .

„Weil Ihro Churfl. Durchl. zu Sachßen Hochverordnete Cammer-Präsident und Räthe das angefangene Salzwerk bei Kösen an der Saal zu verlassen entschlossen, als wird gehorsamst gebeten, sich heraus zu lassen 1.) ob Churfl. Durchl. diejenigen Kosten so bishero daraufgegangen, wollen fallen lassen, und wen es fündig würde, den Zehenden davon zu genießen, 2.) Wie theuer die Claffter Holz die Gewercken solten annehmen, 3.) daß das Werck durch die Müller mit dem Wasser nicht gehindert würde, 4.) daß die Gewercken freye Hand haben, das Salz nach Abstattung des Zehenden zu verkaufen, 5.) eine Versicherung, daß wenn es Gott segnete, daß die Ufnehmer gerichtlich darby geschüzet würden und über angeführtes weiter nicht begehret würde. So hoffen, so viel Gewercke als zu einem solchen von nöthen, zusammen zu bringen und nach Bergart zu bauen.“

 

  1. Aug. Schreiben des Berghauptmanns v. Schönberg.

Auf Anfrage der Kanzlei meinte v. Schönberg. „So ferne E. Chfl. Dl. berührtes Werck weiter vor sich zu bauen nicht gemeynet, daß denen Suplicanten solches auf ihre Kosten  fortzutreiben und die hoffende Nuzung davon (.) und unbeschadet Dero hohen Regalis zu gestatten, ich nicht bedenkliches finde. 1.) solle jedoch so lange angestanden werden, bis man über des bey Wittenberg aufsuchenden Salzquells Halt und gute Gewißheit habe, 2.) die Entrichtung eines höheren als des Zehenden zu bestimmen (maßen die Grafen von Schwarzburg von der Gewerckschaft des Franckenhausenschen Salzbrunnens das sechste Theil nehmen), 3.) sie an eine gewisse Salzordnung binden, 4.) darauf gewiesen würden, daß sie das Salz tüchtig weis und trocken sieden, an die Salz-Cassen und andere mit dem freyen Salz-Schanck privilegierten Oerter im Lande, nothwendigen Vorrath jedes mahl abfolgen lassen und auf einen erträglichen und  billigen Preiß richten sollen. Vornehmlich müsse darauf gesehen werden, daß das Salz gegen frembdes bessern kauffs sey, damit E. Churfl. Dhl. hiervon an Dero im künfigsten vom Salzzoll guten Zuwachs und der arme Landmann einigen Vortheil haben möchte.“

 

  1. Sep. Mitteilung an die Leysersche Gewerkschaft.

Eine Konzession könnte erst dann erstellt werden, wenn sich die bei Düben gemutete Salzquelle als ungeeignet erweist. Znächst sollte die Gewerkschaft eine für die private Ausbeutung von Bergschätzen übliche Verfassung bei der Bergbehörde zur Prüfung und dann dem Kammerkollegium bzw. dem Kurfürsten zur Konfirmation vorgelegt werden.

 

1688

  1. Apr. Konzession für die Leysersche Gewerkschaft.

Die Gewerkschaft verpflichtete sich, den Solschacht und das Salzwerk auf eigene Kosten herzustellen, sowie alle damit verbundenen Kosten wie die Pacht und die Entlohnung der Arbeiter. Nach Inbetriebnahme sollte neben der üblichen Salzsteuer der 10. Teil dem Kurfürsten überlassen werden. Das nötige Brennholz sollte aus den kursächsischen Kontingent der Communflöße zu den üblichen Marktpreisen erkauft werden, wobei die Gewerkschaft sich verpflichtete, die diesbezüglichen Verträge zu beachten und die Brennholzflöße nicht zu behindern. Im Übrigen hatte man den Anweisungen des Bergvogts des Thüringer Kreises Folge zu leisten.

 

  1. Mai Wältigung des Solschachtes.

Dazu wurde die Radkunst wieder gebraucht, allerdings musste die Gewerkschaft für die Nutzung des Aufschlagwassers eine Gebühr von 2 Gulden pro Quartal zahlen und die Entnahmemenge  so  regulieren, dass den Mühlen in Pforte und Altenburg ausreichend Wasser bleibt. Die Arbeiten sollten zügig und möglichst schnell zum Erfolg führen.

 

  1. Juli Genehmigung der „Ordnung für Verwaltung und   Betrieb des Salzwerkes“.

In Anlehnung an die üblichen Bergordnungen wurden die Anteile der Gewerkschafter, die sog.  Kuxe, die Salzabgaben und den Salzzoll verbindlich festgesetzt und die Nachfolgeregelung für den Fall, dass einer der Teilhaber verstirbt, festgelegt. Die Satzung wurde im Eislebener Bergbuch eingetragen. 

 

1689

             Gesuch des Steigers Hans Reuse und des Bergmanns A. Kirrbach (Gericke 1966).

18 Monate nach der Einstellung der Arbeiten unter Christner, baten die beiden beim Kurfürsten um den noch ausstehenden Lohn: „E. Churfürtsl. Durchl. hierdurch unterthänigst anzugehen, hat uns die höchste Noth getrieben. Indeme wir arme Arbeiter unsern rückständigen Lohn, den wir mit blutsaurer Arbeit an den mit Gott angefangenen Salzwergsbau zu Kösen, in die Fünff Quartal lang so Tags als Nachts verdient und auf 319 Rth. 15 Gr. sich belaufft, noch nicht bekommen haben.“ Sie hätten nun erhebliche Schulden beim Pächter des  Gasthofes, der sie bislang gestundet hätte aber deswegen mit der Pacht in Rückstand gekommen war.    

 

  1. Dez. Anweisung zum Kösener Stapel (WER D 34 VIII Nr. 6).

Der Floßschreiber Georg Wilhelm Zschackwitz wurde vom Oberfloßaufseher Jost Christoph Römer von Rauenstein angewiesen, auf dem Stapel nicht mehr als zehn Klafter Böttcherholz, fünfzig Klafter für die Schule und 20 Klafter üblichen Deputat zu belassen und alles Übrige nach Halle abzuflößen. Bei einer Kontrolle wurde festgestellt, dass 12 Klafter über die festgesetzte Menge hier verblieben waren. Zschackwitz begründete das damit, dass diese Menge aus der Altenburger Privatflöße herrührt, die bei Hochwasser durch den Unterneusulzaer Rechen gegangen war und hier ausgezogen wurde. Der Kammerherr Christoph Heinrich v. Schleinitz befahl Zschackwitz und weitere Zeugen ins Schulamt, um sich von der Richtigkeit der Angaben zu überzeugen.

 

1690

            Blüte des Salzwerks Neu-Sulza (Eisenach: Chron. Sulza)

1672 waren das Amt Roßla mit der Stadt Sulza und dem Dorf Großheringen durch Erbteilung an Sachsen-Weimar gekommen, ebenso in diesem Jahr die Stadt Jena, womit Sachsen-Weimar nicht nur die Floßregale sondern auch wieder einige Gebiete direkt an der Saale besaß, allerdings ohne nennenswerte Waldungen. Die Saline Neu-Sulza blieb bei der gotha-altenburgischen Linie. 1690 wurden 2.640 Stück Salz, die höchste Jahresmenge zwischen 1683 und 1700 produziert. Dennoch war der Nutzen gering und die herzogl. Kammer musste Geld zuschießen. Daher wurde die Saline an den Berghauptmann von Uitterott verpachtet, der trotz günstiger Pachtbedingungen den Vertrag 1704 wieder kündigte.

 

              Verfahren vor dem Reichskammergericht zu Wetzlar (Stangenberger, Gedenkbuch…)

Weil es keine schriftlichen Unterlagen mehr gab, hatten die Freirodaer Einwohner die Abgaben und Frondienste dem Rittergutsbesitzer auf Kreipitzsch verweigert. Sie beriefen sich auf eine seit jeher bestehende Reichsunmittelbarkeit. Der Rittergutsbesitzer führte seinen Anspruch auf das Jahr 1254 zurück. Dabei sollte die Gemahlin des Königs Rudolph, die hier einen Prinzen entband, dem Hofkavalier von Kreutz das Dorf aus Dankbarkeit geschenkt haben. Danach erst hätte der König die Rudelsburg bauen lassen, der somit auch der Namensgeber wäre. Wegen dem hohen Unterhalt habe er die Burg den „Advocati terrae Variscorum fuerent“ überlassen. Allerdings wären alle diesbezüglichen Unterlagen im 30jährigen Krieg abhanden gekommen. Ihm wurde die Geschichte geglaubt und Freiroda den Gerichten des Ritterguts zugewiesen.

 

1692

  1. Jan. Bestellung des Floßschreibers Christoph Gottfried Wenzel (in MER C48Ic 1686).

Er trat die Nachfolge von Zschackwitz an. In seiner Bestallungsurkunde hieß es: „Nechstdem soll Unser Floß-Schreiber das Waßer-Gleithe zu Koesen mit allem Fleiße beobachten, daß allda auf der Saale herein kommendte  und durchfließendte Bauholtz, an runden Wald- und Plöck-Holtze, Röhren. Hangelbäumen, Pfosten Bottigs-Riemen, Bretern, Latten und Schwellen, zehlen und den zwanzigsten Stamm oder Stücke was Gattung es sey, derzeitherigen Observanz gemeß abnehmen.“ Dazu legten die Flöße unterhalb des Wehrdammes an und mußten von allen Holzwaren den 20. Teil in natura abgeben. Das war recht umständlich, denn der Floßschreiber war angewiesen die „besten“ Stücke zu nehmen, die nicht nur an den Seiten angehängt waren und die Flöße aufgebunden wurden. Das Zollholz wurde vom Floßbeamten auf dem Holzmarkt ebenfalls verkauft, der Erlös der Floßkasse zugeführt und nach Bestreitung aller Unkosten der Überschuss der Rentkammer überlassen. Flößer, die einen Freibrief hatten, waren vom Zoll befreit, mussten aber dennoch zu Kontrolle anlegen. Sie wie die übrigen Flößer hatte außerdem das Saalecker Geleit und das Rechengeld zu entrichten.

Vor der Leipziger Teilung waren Jena und Weißenfels die fiskalischen Floßzollgrenzen an der Saale. Die Verlegung des kursächsischen Zolls an den Wehrdamm erfolgte 1485, spätestens nach dem Schmalkaldischen Krieg. Das in Saaleck erhobene Geleit war 1344 von den Schenken zusammen mit Schloß und Stadt dem Bischof von Naumburg-Zeitz verkaufte. Der verpachtete die Geleiteinnahme in der Folgezeit. Nach dem Ende des Bistum im Jahr 1564 wurde das Saalecker Geleit von der unter kursächsischer Administration stehenden Stiftsverwaltung  weiterhin  verpachtet und später mit dem Kösener Zoll vereinigt.

Als Wenzel zum Floßschreiber bestellt wurde, war  Kilian Becker Floßmeister der Saalenflöße. Dessen Vorgänger wiederum war der Naumburger Advokat Johann Georg Maul (Notabilia). Wegen des Aufschwungs der Lang- und Kurzholzflöße wurden neben dem Oberaufseher der Saale-und  Elsterflöße weitere Beamte bestellt, zumal sich der Floßmeister oftmals außerhalb aufhielt, um Holzlieferverträge abzuschließen und Einwurfplätze zu kontrollieren, mußte der kursächsische Floßschreiber beim Durchgang der Lang- und Kurzholzflöße  ständig präsent sein. Zur Scheitholzflöße kam ein herzoglicher Gegenschreiber dazu. Wohn- und Arbeitsstätte für alle war das Floßamt an der kleinen Saale über der Brücke.  

Die Flößerei vererbte sich in den Familien von Generation zu Generation. Es gab ganze Dörfer deren Einwohner die Flößerei betrieben wie Zeutsch oder Uhlstädt. Da die eigentliche Flöße nur  wenige  Tage dauerte (von Harra bis Kösen brauchte man bei gutem Wasser rund 10 Tage) wurde  die Flößerei im Nebenerwerb oder zusammen mit dem Holzeinschlag betrieben.

Wenn widrige Umstände die Langholzflöße verzögerten und zu Palmarum der Wehrdamm nicht passiert war, wurde der Rechen für die Commun-Flöße geschlossen. Dann blieben die Flöße oberhalb Saaleck liegen und mussten dort verhandelt werden.

 

  1. Dez. Befehl Kurfürst Johann Georg IV. an die Forstbeamten (Hohl, Beiträge…).

„…alldieweile sich das Holtz allenthalben sehr seltzam und dünne machet, Wir gleichwohl Unsere Flöße ohne Verminderung fortgesetzt wissen wollen, so ist Unser nochmahliges ernstes Begehren hierdurch, ihr wollet bey den euch gnädig anvertrauten Revieren keinen Stamm, der zur Flöße gebrauchen ist und an die Bäche gebracht werden kann, weder vor die Hammerwercke noch anderswohin anweisen…“. Demnach war die  Erfüllung der Brennholzverträge mit der Pfännerschaft vorrangig, zumal die fürstl. weimarischen Teilhaber weil sie keine eigenen Waldungen entlang der Saale hatte, mit ihren Kontingenten in Rückstand gerieten.

 

1693    

  1. Mai Eheschließung des Floßschreibers (Archiv LS Pforte)

Wenzel heiratete die Tochter des Oberförsters der Schule Eckart. Am 27. Dezember gebar sie einen Sohn, Wolff Christoph.

 

  1. Nov. Auflösung der Leyserschen Gesellschaft.

Nach dem Ausscheiden von Zschackwitz hatte und sich dessen Nachfolger Wenzel bereit erklärte, der Mutungs-Gesellschaft beizutreten, löste sich die Gesellschaft wieder auf, ohne überhaupt mit der Wältigung des Schachtes angefangen zu haben.

 

1694

  1. Mär. Reskript des Kurfürsten zur Amtseinführung des Schulverwalter Moßdorf.

Darin hieß es „Du wirst nach Deiner angetretenen Schulen-Ambts-Administration erfahren haben, wie das zu Kösen angefangene Salzwerck die Gewercken, welche es von Uns in guten Stande und Kostbahren Inventario überkommen, bißher wüste liegen, und geschehen laßen, daß das daran vorhandene Eisen- und Holzwerck bey nächtlicher Weile, weg gestohlen und vollends ruiniret worden.“ Demzufolge sollten alle noch vorhandenen Einrichtungsgegenstände und Materialien, die vom Fiskus erworben wurden und noch nicht abhanden gekommen waren, sichergestellt und inventarisiert werden.

 

  1. Mär. Herzoglich-Weimarische Landesverordnung (WEI Floßsachen 12161)

Herzog Wilhelm-Ernst und Johann-Ernst III. befahlen ihren Amtsleuten, Bürgermeistern, Richtern und Räten die bevorstehende Scheitholzflöße vor „Deuben und Entwendung“ zu schützen und den altenburgischen Floßbeamten alle Hilfe beim geringsten Verdacht auf Unredlichkeiten zu gewähren, Übeltäter schnellsten vor Gericht zu stellen und ihrer verdienten Strafe zuzuführen. 

 

  1. Mai 4. Commun-Floßholzkontrakt (WEI. Floßwesen B 12161, MER C 63, Anh. I Nr. 63).

Kursachsen, Sachsen-Gotha-Altenburg und Sachsen-Weimar-Eisenach vereinbarten in Leipzig die   jährliche Flöße bis nach Kösen auf neun Jahre. Jeder Teilhaber brachte 10.000 Klafter zur Eingabe, womit insgesamt 270.000 Klafter abgeflößt werden sollten.  Da der Kösener Rechen immer noch fehlte, wurde vereinbart, die erste Flöße bis Halle durchzuflößen. Neuerdings hatte  sich Kursachsen bereit erklärt, ein Drittel der Kosten für den Neubau und die Unterhaltung des Rechens und der für die Flöße erforderlichen Kunstgerinne (Kleine Saale bis zum Einfall des Scheitbachs und der Scheitbach) beizusteuern. Für die herzogl. Privatflöße auf der oberen Saale wurde vereinbart, dass diese erst beginnen darf, wenn in Kösen 15 bis 20.000 Klafter eingetroffen waren. Damit wollte man der Unsitte begegnen, dass die herzogl. Stapel sich zuerst bedienten und dabei auch die besten Stücke auswarfen.

 

1695

  1. Mai Vertrag der Herzöge Wilhelm Ernst und Johann Georg (WEI. Floßwesen B 12161).

Herzog Johann-Georg von Sachsen-Eisenach überließ seinen Erbteil (1/6) an der Commun-Flöße auf Wiederkauf seinem Vetter dem Herzog Wilhelm-Ernst zu Sachsen-Weimar für die vereinbarten 9 Jahre. Dafür erhielt er 6000 Gulden. Sachsen-Weimar übernahm die mit den Schwarzburger Grafen und den Herren auf Burgk abgeschlossenen Liefer- und Durchleitverträge, zumal Weimar  keine eigenen Waldungen an der Saale besaß und ihr Kontingent zur Commun-Flöße als auch für Privatflöße nach Jena und Dornburg komplett kaufen mußte. Außerdem wurde vereinbart, dass in Jena jährlich nicht mehr als 4.000 Klafter ausgesetzt werden, davon 250 Klafter für die Hofhaltung und als Deputat für die herzoglich-weimarischen Hofstaat und die herzoglichen Bediensteten.

 

  1. Juli Floßholzkontrakt mit Halle (DD Loc 7412, Das Salzwesen 1648 bis 1696).

Kursachsen vereinbarte mit der Pfännerschaft die Anflöße von 200.000 Klaftern in den kommenden 10 Jahren. Als Preis wurden 70 Groschen pro Klafter vereinbart, unter der Maßgabe, dass „der bisherige Preis des Salzes weder direkt noch indirekt von dem Rate und Pfännerschaft erhöht werde.“

 

           Acta Eberhardt Lingen - Gastwirt zu Kösen (WER D 34 V 9, Nr. 2) .

 

1696   

           Randnotiz zur Unterhaltung des Wehrdammes (Archiv LS Pforte).

Wenn Langholzflöße am Wehrdamm hängen blieben und der Müller mit seinem Zugvieh die Flöße über den Damm brachte, durfte dieser ein bis zwei Stämme fordern.  Die Reste von kaputtgeschlagenen Flößen wurden als „Strandgut“ gesammelt und zu Gunsten der Schule verkauft. Aus dem Erlös wurden dann die Reparaturen am Damm finanziert.

 

1697

            Verkauf der Salzquellen im Hochstift Merseburg (Andonov, Der Elsterfloßgraben).

Erwerber  der  vor dem 30jährigen Krieg aufgelassenen Quellen von Teuditz und Kötzschau war der Obrist von Pfuehl, der dann die Rechte einem Konsortium Leipziger Kaufleute überließ. Dieses erhielt am 22. Januar 1702 das  kurfürstliche Privileg und führte die Dornengradierung ein. Dennoch wurden für die Versiedung erhebliche Mengen an Brennholz gebraucht, die über den Elsterfloßgraben angeflößt wurden. Die Jahresproduktion stieg bis 1741 auf 17.000 Stück (21.760 Zentner).

 

1698

  1. Juni Hochwasser von Saale, Unstrut und Wethau (Wolff, Notabilia) .

 

1700

            Beginn des Nordischen Krieges ( Allg. Geschichte).

Kurfürst Friedrich August stellte sich als König von Polen auf die Seite des Zaren gegen den  Schwedenkönig Karl XII. und zog damit den Krieg auch nach Kursachsen.

 

  1. Okt. Befehl zur Erhöhung der Scheitholzmengen (MER C 63 Anh, I Nr, 66)

Die kursächsischen Floßbeamten wurden angewiesen, Mittel und Wege zu finden, um mehr Scheitholz nach Kursachsen zu bringen, denn die Communflöße bediente ausschließlich  die mit der Pfännerschaft ausgehandelten Verträge und nur was darüber angeflößt wurde, konnte auf die Stapel der kursächsischen Ämter, Stifte und Städte an der Saale gebracht werden. Deswegen bemühte sich Kursachsen, möglichst viel Holz aus den kursächsischen Ämtern Ziegenrück und Arnshaugk abzuflößen. Auch ein Erwerb des eisenachschen Erbteils an der Saaleflöße wurde erwogen, was dann am Widerstand der herzogl. Teilhaber scheiterte. 

 

1701

      Jan. Bericht des Floßoberaufsehers  (MER. C48 IIIb, 5523)

Zur Neujahrsmesse zu Leipzig trafen sich die Beamten  der „Commun-Flöße“ zur Abrechnung der vorjährige Flöße. Außerdem wurden die Investitionen und Reparaturen am Rechen und der Stapel und deren Finanzierung besprochen, darunter die Erneuerung des Schützes am Einfall zur kleinen Saale. Wegen der anstehenden  Verdoppelung der jährlich Eingabe, musste der Kösener Stapel erweitert und von  der Landschule weitere Flächen gepachtet werden. Gleichzeitig sollte das der  Landesschule bisher bewilligte Holzdeputat auf 50 Klafter reduziert werden, was die Verhandlungen nicht sonderlich beförderte. Erstmals war hier der „Director und Ober-Inspector deren gesamten Flößen des Churfürstenthumes Sachsen“ der Hofjägermeister Carl Gottlob von Leubnitz anwesend. 

 

  1. Apr. Anweisung der Dresdener Kammer an den Floßoberaufseher (MER. C48 IIIb, 5523).

Der hatte die Landesschule aufgefordert, den Schütz am Einfall des Scheitbaches zu reparieren. Daraufhin beschwerte sich der Schulverwalter beim Kammerkollegium und verwies auf den Schaden für die Mühlen in Pforte und Altenburg, durch das fehlende Wasser, dass nun ständig über den Scheitbach abfloss und die Mühlen stillstanden. Daraufhin ordnete Friedrich August an, dass die Reparatur von der kursächsischen Floßkasse vorzuschießen ist. 

 

  1. Juli Vereinbarung zur Erweiterung der Stapelplätze (MER. C48 IIIb, 5523)

Die Verhandlung mit dem Amtmann Moßdorf zur Anpachtung einer Wiese oberhalb des Rechens, drohte wegen der gerade angekündigten Reduzierung des Brennholzdeputats für die Landesschule zu scheitern. Daraufhin hatte die Dresdener Kammer angewiesen, mit den fürstl. Teilhabern über die Erhöhung zu verhandeln, und bis auf Weiteres das bisherige Deputat von 80 Klaftern der Landesschule zu überlassen. Allerdings weigerten sich die fürstl. Teilhaber hartnäckig, ihren Teil  beizutragen. Dagegen erklärten sie sich für die Übernahme der anteiligen Kosten für die Reparatur des Einfalls an der kleinen Saale, bereit, verlangten aber den Nachweis, dass die Anlage der „Commun“.-Flöße gehört. Amtmann Moßdorf merkte dazu an, daß „S. Majestät  die Macht habe, den benötigten Holz-Platz wohl ohne Abtrag wegzunehmen“

 

1702

  1. Sept. Antrag des Floßmeisters Wenzel (WER Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

Wenzel, inzwischen zum Nachfolger Kilian Beckers zum Floßmeister ernannt, hatte erkannt, dass man bei einer Verdoppelung der Holzmengen aus der „Commun-Flöße“ mit der bisherigen Organisation nicht mehr weiterkommen würde. Wurden zunächst auf der oberen Saale zunächst nur von den beiden fürstl. Linien in Commune geflößt, so beteiligte sich Kursachsen seit 1646 mit einem Drittel daran, ebenso an den Kosten für den Rechen, die Stapel und die Gerinne. Besorgten früher fürstl. Untertanen das Ausschleppen und Aufsetzen, so endete deren Flöße nun am Rechen und das Ausschleppen und auf Stapel setzen besorgten kursächsische Untertanen, die sich freiwillig verdingten oder in den Dörfern rekrutiert wurden. Das erwies sich als schwierig, da diese bei der Amtsfron fehlten bzw. zur Aussaat und Ernte gar nicht zur Verfügung standen.  Dann fehlten die Männer und die Dörfer schickten Frauen und Kinder. Die Lohnarbeiter wurden nach Gedinge bezahlt, kam es zu Unterbrechungen, verdingten die sich anderswo, was durch die  dauerhafte Ansiedlung von Arbeitern geändert werden könnte.

Wenzel erklärte, wenn er einige Bauplätze vom Schulamt in Erbpacht mit der Gerichtsbarkeit bekäme, würde er diese auf eigene Kosten bebauen und an Leute verpachten, die für den Stapel gebraucht werden.

Daneben forderte er den Neubau eines Floßamtes anstelle der im dreißigjährigen Krieg erheblich beschädigten Hebestelle unterhalb des Wehrdammes, wo die Flöße zur Zollentrichtung anlegten.

Sein derzeitiges Domizil sollte dem Floßschreiber allein überlassen werden, da es direkt gegenüber vom Stapel lag für dessen Betrieb er zuständig war.

Für das neue Floßamt hatte Wenzel bereits das Baumaterial angeschafft, obwohl das Kammerkollegium dem Vorhaben bislang keine Genehmigung erteilt hatte. Daher bot sich Wenzel an, den Bau auf eigene Kosten vorzunehmen, bot 100 Gulden für den Bauplatz, 1 Gulden Erbpachtzins und 200 Gulden für das Material. Neben den Erbgerichten verlangte er einen eigenen Brunnen und für seine  Kühe die  Triften und die Weidenutzung des Stapels bei der Mühlwiese, solange sich dort kein Holz befand und versprach im Floßamt „Logiamenter“ einzurichten und reisende Floßbeamte kostenlos zu beherbergen.

 

  1. Okt. Anweisung des Kammerkollegiums (dto).

Auf Wenzels Schreiben hin befahl das Kammerkollegium dem Schulverwalter und dem Oberfloßkommisssar: „Ihr wollet euch deßen alsofort genau erkundigen, ob und wie weit Supplicanten Suchen statt zu geben, auch wo dargegen ein daselbst unumgänglich nöthiger Floßschreiber seine Wohnung, ohne Zuwachsung eines neuen Oneris haben könne, die angefügten Puncte nach welchen Supplicant die Vererbung verlanget, wohl u. reiflich erwegen u. nebst euren pflichtmäßigen Gutachten von allen ausführlichen Bericht gehorsamst einsenden.

 

  1. Okt. Verfügung zum Bau des Floßamtes (dto).

Das Kammerkollegium bestand darauf, das Floßamt aus der Floßkasse zu finanzieren, hatte aber immer noch keine Genehmigung des Landesherrn.

 

  1. Dez. Kaufvertrag über einen Weinberg (WER D 34/ 2/1270)
  2. G. Wenzel erwarb den Weinberg des Bauern Hans Judersleben aus Flemmingen „unten von der Jacke an, bis oben hinaus an den Scheide-Graben“, zwischen den Bergen der Erben Hanns Kochs aus Flemmingen und des Magisters Hartmann aus Pforte. Judersleben ließ das Lehen vor dem Amtmann J. Chr. Gleichmann auf und bekam 110 Gulden. Zeugen waren der Floßschreiber Georg Hartig und Hanns Meißner. 

Die „Jacke“ ist der heutige Jochenberg, die Weinberge lagen am Südhang des Nikolausberges Bei Verkauf oder Vererbung musste die Landesschule zustimmen. Wenzel pachtete dann die übrigen Weinberge am Nikolausholz, darunter auch den seines Amtsvorgängers Kilian Becker.

 

  1. Dez. Stellungnahme des Schulamtes zur Ansiedlung (WER Altes Magdeburger).

Schulverwalter Moßdorf und Oberfloßkommissars v. Osterhausen unterstützten die Offerte Wenzels, dass ihm der Platz der verkauft werden sollte und er auf seine Kosten das Amtsgebäude  erbaut. Dann wären Floßzoll- und Landakzise-Einnahme mit der Wohnung des Floßmeisters vereint an einem Ort, was der Handhabung der Zollerhebung zu Gute käme. Die bisherige Amtswohnung könnte dem Floßschreiber zur alleinigen Nutzung überlassen werden. Auch der Bau von Fronhäusern zur dauerhaften Ansiedlung von Arbeitern sei von Vorteil für die  Flöße, da man dann von der Zwangsrekrutierung in den Amtsdörfern absehen könnte und auch bei Gefahr kurzfristig Personal zur Verfügung hätte. Die Überlassung der Erb-Gerichte wäre sinnvoll, damit die Ansiedler auch gehörig zur Arbeit „stringirt“ würden und auch das Schulamt hätte Nutzen durch die Erbpacht, die Obergerichte sowie die Kirchen und Schulaufsicht.

 

1703

  1. Feb. Anordnung des Kammer-Kollegiums (WER Rep D Pforta V 12 Nr. 2).

Die „zur Land Schulen verordneten Inspectoribus“ sollten sich mit Wenzel einigen „wohin sowohl das Flöß-Haus als auch der Platz, auf welchen berührte Fröhn-Häuserlein“ gebaut werden sollen, wovon der Schule kein Schaden entstehen dürfe. Abschließend hieß es: „Ihr wollet (.) solches bewerckstelligen (.) und wie weit es endlich kommen zu unserer ferneren, allergnädigsten Entschließung allerunterthänigsten Bericht pflichtgemäß erstatten.“ Demnach durfte Wenzel das Floßamt auf eigene Kosten erbauen und was der Floßkasse rund 1600 Gulden ersparte. Bedingung war, dass Wenzel das Anwesen nach dem eingereichten Riss baut und die Rechnungen aufhebt, da man zu gegebener Zeit einen Erwerb seitens der Floßkasse nicht ausschloss.

 

  1. Sep. Anordnung des Kammerkollegiums (WER Altes Magdeburger).

Da die Sache nicht voran kam, wurde nun der Oberfloßaufseher von Osterhausen von Wilhelm Ernst Bernhard, Vizthum von Eckstädt angewiesen „ daß wir (.) der Nothdurft erachten, daß ihr euch mit denen zur Landschule Pforte verordneten Inspectoribus, als wohin sowohl das Floß-Hauß als auch der Plaz auf welche berührte Floß-Häußerlein gebauet werden sollen (.) vernehmen und mit Demonstration vorstellen, daß hierdurch der Schule nichts abgehen werden, zumal keine dergleichen Leute bis anhero daselbst gewesen über welche sie die Gerichte hätte exerciren können, auch außer dem iezigen Vorschlage in Zukunft keine dahin kommen, vielmehr der Schulen Gerichtsbarkeit ratione der Obergerichte erweitert, auch deren Einkünfte durch den offerirten Erbzinß der iährlichen 6 Gr. von iedweden Frohn-Häußerlein vermehret würde.“ 

 

1704

  1. Apr. Bestätigung der Bezahlung des Weinbergs (WER D 34/2).

Hans Judersleben quittierte den Erhalt von 90 Gulden Anzahlung von Wenzel. Der Rest sollte bei Eintragung der Lehnsauflassung im Amtserbbuch folgen. Außerdem bekam Judersleben 10 Gulden vom Schulamt für die von ihm während der Pacht erfolgten Meliorationen. Darüber hinaus hatte das Schulamt 6 Eimer Wein bekommen.

 

1705

  1. Juli Prozess wegen einer Lehnsschuld (RUD 5-97-1400/F36).

Wegen aufgelaufener Schulden beim Herzog Moritz-Wilhelm von Sachsen-Zeitz hatte der Rittergutsbesitzer Wolf von Stein auf Lausnitz angeboten, diese durch die Lieferung von 11.000 Klafter Holz aus seinen Wäldern an Saale und Orla abzutragen. Das Angebot nahm der Herzog an und befahl dem Floßmeister Wenzel mit der Organisation einer Privatflöße. Der brauchte für den Einschlag und die Abflöße Arbeiter, weshalb ihm der Herzog die Anwerbung von Arbeitern in seinem Amtsbereich gestattete. Zur Unterbringung errichtete Wenzel eine Siedlung unweit des Dorfes Lausnitz an der Orla (zwischen Pößneck und Neustadt).

Wenzel selbst hatte offenbar den Rittergutsbesitzer kreditiert, worauf ein Verfahren aus späteren Jahren hinweist (Liquidierte Forderung des Johann Adam Dennhart bei des verstorbenen  Floßmeisters zu Kösen Chr. G. Wenzels Kreditwesen und deren gesuchte Befriedigung aus des Majors Wolf Christoph von Steins zu Lausnitz - vorm. Amt Arnshaugk - anhängigen Konkurs (WER D 34/1/5195).

 

  1. Dez. Befehl zum Abschluss der Erbpacht (in WER Rep D, Pforta V12/2).

Wenzel hatte beim Kammerkollegium interveniert, weil die Verpachtung immer noch nicht erfolgt war, worauf das Kammerkollegium die Beschleunigung der Sache anordnete.

 

  1. Dez. Erklärung der Landeschule (in WER Rep D, Pforta V 12/2).

Die gewünschten Bauplätze sollten zusammen mit Wenzel abgemarkt, dann die Pachtbriefe ausgestellt und zur Genehmigung eingereicht werden.

 

1706

  1. Jan. Bürgschaftsurkunde für die Kaution des Floßschreibers (WER D 34  II, Nr.3)

Für die Bestellung zum Floßschreiber sollte  Georg Hartig eine Kaution von 1000 Gulden bei der Dresdener Rentkammer hinterlegen. Weil seine Barschaft dafür nicht reichte, stellte er Bürgen. Der Gernstedter Dorfschulze und Vizelandrichter Johann Schlegel aus Rehehausen bürgte für 200 Gulden, Hans Fachmann, Barthel Pfeiffer und Christoph Knobloch aus Hassenhausen mit jeweils 200 bzw. 300 Gulden. Alle unterwarfen sich mit ihrem Eigentum der Vollstreckung. Der Amtmann Moßdorff beurkundete nach Prüfung des Werthaltigkeit des Pfandes den Vertrag.

Im gleichen Jahr erwarb Hartig die Schankgerechtigkeit für den Gasthof Neu-Flemmingen (WER D 34/2/767). Die Bewirtschaftung des Anwesen direkt an der Handelsstraße nach Jena, überließ er seiner Ehefrau. 

 

  1. Jan. Kaufurkunde über einen Weinberg am Mordtal (WER Rep D 34 II Nr. 3)

Andreas Meißner aus Lißdorf verkaufte seinen väterliches Erbteil an einem Drittelweinberg seinem  Bruder Simon in Flemmingen. Der gab dafür 27 Gulden, die bei der Auflassung des Lehens in bar gezahlt wurde.

 

  1. Feb. Befehl zum Abschluss des Erbpachtvertrages (WER Rep. D Pforta V12 Nr.2)

Anton Albrecht Freiherr von Imhof befahl dem Oberfloßmeister v. Osterhausen und dem Amtmann Moßdorf: „Ihr wollet des fördersamste, einen Vererbungs-Brieff, nach Wenzels ehemaliger Erklärung, darüber veranlaßen, darbey aber auch noch ferner alles, was zu oberwehnter Schulen und Unserer Saalen-Flöße Interesse gereichen kann zugleich mit beobachten, und solchen zu Unserer fernern Entschließung, auch nach Befinden, allergnädigster Confirmation (.) anhero gehorsamst einsenden.“

 

  1. Feb. Wenzel erwirbt den Weinberg am Käppel (WER Rep. D 34, II Nr. 3).

Das war der erste von den Zisterziensern angelegten Berg, den der Hans Judersleben aus Flemmingen gepachtet hatte und nun für 110 Gulden verkaufte. Wenzel baute hier einen Kelter, dessen Gewölbe  noch heute zu sehen ist.

 

  1. Mär. Reskript zum Brennholzdeputat für die Landesschule (MER.C48 IIIb 5523).

Da sich die  herzoglichen Teilhaber weigerten, ihren Teil zur Erhöhung des Deputats beizutragen, ordnete die Dresdener Kammer an, dass es bei den 50 Klaftern bleibt und diese auch nur in den Jahren abgegeben werden, wenn auch wirklich in „Commune“ geflößt wird. 

 

  1. Apr. Protokoll zur Abmarkung der Siedlungsparzellen (WER D 34 V12 Nr. 2)

Der Amtmann von Freyburg Oberfloßaufseher Johann Ernst v. Osterhausen und der Schulverwalter Christoph Moßdorf waren waren persönlich dabei, als die von Wenzel vorgesehenene 32 Bauplätze abgemarkt wurden. Dazu gehörten:

1.) 2 Plätze je 15 Ellen lang - 15 Ellen breit (8 x 8 m) „zwischen dem Floßhauße und dem Gasthoffe, nahe an dem vormahligen Kunstgraben aus dem Salz-Schacht, welcher nicht verbauet, auch am Waßer der kleinen Saale Plaz zum Wege nach dem Lachsfang und Floß-Rechen frey gelaßen werden soll (heute steht hier der Saal vom „Mutigen Ritter“).

2.) 2 Plätze „vom Ende des Gastwirths-Zauns biß zu Ende des  Eiß-Wehrs, wo der Mühlgraben oder kleine Saale einfällt, in der Länge und vom Waßer bis an das Schäffers Kraut-Land Zaun hinan in der Breite“ (heute befindet sich hier der Vorgarten vom Heimatmuseum).

3.) 2 Plätze „..von der großen Weyde bis an die Erle (.) unter dem Berge, so am Waßer stehen 10 Ellen zum Wege gleichfalls frey bleiben soll (Loreleypromenade 3, 3a).   

4.) 1 Platz „..vor den Rechenwärter am Floß-Rechen unter dem Felsen.“(Loreleypromenade 6).

5.) 20 Plätze „über der Mühlwiese, so vom wilden Graben, der übern Kösener Berge hereinkömmt meistens mit Steinen und Schutt überschwemmet“ und von „des Gastwirths Wiese an, in die Länge bis über die Quelle hinaus (.) dann in der Breite von dem aus der Quelle unter den Tannen ausgehenden Wäßerungs-Grabens, so über die Mühlwiese herunter (.) zugehet (.) bis hinauff an den Kösener Bergk, wo vor diesen der Lengefelder Fahrweg quer vorüber  gegangen“ 

6.) 4 Plätze „ unter des Floßmeisters Garten gleich an der Straße (.) und über des Scheitgrabens Einfall.“(Naumburger Str. 2-4)

7.) 1 Platz „zum Backhauße an der großen Brücke lincker Hand, wenn man hinüber gehet.“(An der Brücke 2).

Im Protokoll wurde schließlich noch vermerkt „Als der Floßmeister weitere Plätze erbat, wurde er dahin beschieden, dass er die ihm jetzt zugewiesenen zunächst bebauen solle, dann könne er erneut vorstellig werden“.

 

  1. Apr. „Interims-Anweisung“ zur Wenzelschen-Erbpacht (WER, D 34 V 12 Nr. 2, Altes MD).

„In Nahmen Gottes“ durfte der „Königl.-Pohln.-u. Churfürstl. Sächs. Floßmeister u. Accis-Inspector im Thüringer Creyse“ ein neues Floßhaus und die „Frohnhäußerlein“ errichten. Allerdings wurden statt der 32 Bauplätze  30 angegeben. Der Lengefelder Fahrweg  „über der Mühlenwiese“ durfte auf einer Länge von 310 Ellen (ca. 175 Meter) bebaut werden: Die   einzelnen Parzellen waren ca. 12,5 Meter breit und damit ergaben sich 14 Bauplätze rechts des Fahrweges (Borlachstr. 4 bis 32) die bis an den Fuß der „Jacke“ reichten. Auf der anderen Seite waren es zunächst 6 Parzellen (Borlachstr. 29 bis 37). Mit den Bauplätzen  bekam Wenzel sowie „seine Erben und künfftigen Besitzern, an wen solche  Häuser und Flecken er oder dieselben abtreten oder kauffweise überlaßen werden, mit allen Rechten und Gerechtigkeiten, Erb- und Untergerichten verkaufft, zugeschlagen, eingeräumt und auf ewig vererbet“. Die  Fronhäuser wurden von „Steuer-Schocken, Quatembern, Kopff-Steuern, Accisen, Einquartierungen oder andere oneribus“ befreit, auch wenn diese erst zukünftig erhoben würden. Weiterhin erhielt Wenzel die Option auf weitere Bauplätze, wobei nochmals ausdrücklich vereinbart wurde, die Plätze nur denjenigen zu verpachten, die für den Stapel gebraucht wurden.

Da die Stelle des Schulverwalters zu dieser Zeit nicht besetzt war, und nur dieser die Eintragung der Wenzelschen Privilegien in das Amtserbbuch vornehmen konnte, blieb der Vorgang einfach liegen. Auch für den Bau des Floßamtes, fehlte noch die „allergnädigster Ratification und Confirmation“, doch die ließ auf sich warten, denn der Dresdener Hof hatte andere Dinge zu tun, da die Schweden unter Karl XII. in Kursachsen eingefallen waren.

 

  1. Sept. Gefecht am Nikolausberg (Hinsche 1930).

Nach der vernichtenden Niederlage der Sachsen  bei Fraustadt besetzten die Truppen Karl XII.  das ganze Land, ohne  auf nennenswerten Widerstand  zu stoßen. Bei einem Scharmützel zwischen sächsischen Kürassieren und der sie verfolgenden schwedischen Kavallerie fiel der in schwedischen Diensten stehende Obrist Jan Ventul. Daran erinnert der „Schwedenstein“ in der Lindenstraße. Er trug die Inschrift: Hic est sepultus Iuon Wentull sub serenissimo rege Sweciae Carolo XII Wallachorium militantium colonellus quie die XIIX. September. MDCCVI mortuus est. (Dr. Berger Bau und Kunstdenkmäler …1905).

Am 24. September verzichtete August der Starke im Friedensvertrag von Altranstädt (heute OT von Markranstädt) auf die polnische Königskrone und verpflichtete sich zur Zahlung hoher Kriegskontributionen.

 

  1. Sep. Karl XII. übernachtet im „Mutigen Ritter“ (Hinsche 1930, Pahnke 1954).

Die Landesschule mußte dem Schwedenkönig 3000 Gulden als Kontribution abliefern, im Weigerungsfall wurde mit Zwangseintreibung gedroht.

 

1707

             Erbteilung von Sachsen-Eisenberg (Allg. Gesch.)

Dabei fiel das Amt Camburg an die Linie Gotha-Altenburg und wurde in den Floßholzhandel auf der oberen Saale einbezogen.

 

            Beschwerde über die Bauholzflöße (WER D 48 II c Nr. 6).

Bei den letzten Holzmärkten war die Zahl der oberländische Flößer stark zurückgegangen. Die verkauften ihre Stämme bereits in Kahla an Zwischenhändler, die sie dann auf den Markt bei Pforta zu deutlich höheren Preisen verkauften, worüber sich die kursächsischen Aufkäufer beschwerten. Daraufhin verlangte das Kammerkollegium vom Schulamt einen ausführlichen Bericht über die Umstände, die dazu geführt hatten. 

 

  1. Okt. Schreiben des Oberfloßkommissars (Altes Madeburger LIX c Nr. 172).
  2. Osterhausen teilte Moßdorf mit, dass „weile nunmehr die Schwedischen Troupen wieder außer Landes u. daher nöthig, daß mit Erbauung der angewiesenen Häußer vor die Floß-Arbeiter in Kösen fortgefahren werde“. Demzufolge wurde mit dem Bau der ersten Häuser erst nach dem Abzug der Schweden begonnen.

 

1708

  1. Mär. Bericht Wenzels an August d. Starken (WER Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Demnach hatte Wenzel die ersten sieben Häuser und das Floßhaus erbaut. Allerdings fehlte immmer noch die „allerhöchste Confirmation“ des Pachtbriefes und somit der Eintrag in das Erbbuch. Doch das könnte erst nach Bestellung eines neuen Schulinspektors erfolgen. Daraufhin wandte sich Wenzel direkt an das Kammerkollegium mit der Bitte, dem Schulamt zu befehlen, den Erbpachtvertrag umgehend nach Dresden zu schicken. 

 

  1. Mär. Genehmigung zum Bau eines Brau- und Malzhauses (WER D 34 V 12 Nr. 2).

Neben Brot war Bier das wichtigtste Nahrungsmittel. Während die Pächter der Mühle und der Schäferei sowie die Floßbeamten (Floßmeister, Floßschreiber, Rechenwärter) sich selbst versorgten und das was fehlte von der Ökonomie der Landesschule bezogen, mußte die Lebensmittelversorgung der Ansiedlung Neu-Kösen anders organisiert werden, denn es fehlte hier die landwirtschaftlich nutzbare Flur. Ohne dies war es schwierig Ansiedlungswillige zu finden, zumal auch die Bauplätze auf ödem Grund und Boden lagen und kaum Platz für einen  Kraut- und Rübengarten boten.

Da auch der Gasthof keine eigene Brauerei hatte und seine Getränkebedarf vom Brauhaus der Landesschule bezog und deren Kapazität ohnehin beschränkt war, hatte Wenzel das Braurecht beantragt, um seine  Leute  „mit nöthigen Geträncke an Bier und Kofend (Malzkaffee) zu versorgen“. Nachdem der Tranksteuer-Revisor Kühne erklärte, dass „solches Unsern Steuer-Interesse verträglich sei“ erhielt Wenzel die Konzession, mit der Auflage, nichts an  Fremde zu „verschenken“ und die  Tranksteuer gewissenhaft beim  Kreis-Amt abzuführen. Für das Brauhaus nutzte er die beiden Bauplätze „..von der großen Weyde bis an die Erle (.) unter dem Berge, so am Waßer stehen (Loreleypromenade 3, 3a)

 

  1. Mär. Wenzel bewirbt sich um die Gasthofpacht (WER D 34 Anh. 2  Nr. 765).

Die Zeitpacht für den Gasthof  endete zwar erst 1710 aber Wenzel sah hier seine Chance, die ihm erteilte Braugerechtigkeit mit der zum Gasthof gehörenden Schank- und Gastgerechtigkeit zu vereinen, zumal absehbar, dass es mit den jeweiligen Gasthofpächtern immer zu Differenzen kommen würde. (s.a. WER D 34/1/2325).

 

  1. Mär. Anweisung des Kammerkollegiums (WER Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Der Kreishauptmann und Oberfloßkommissar v. Osterhausen und der Amtmann Moßdorf erhielten den Befehl, Wenzel umgehend eine Ausfertigung des Pachtbriefs auszuhändigen und eine zweite zur Genehmigung einzureichen..

 

1709

  1. Mär. Erbbauvertrag mit Christian Thieme (WER Altes Merseburger LIX c Nr. 172).

Der Zimmermann Thieme war der erste, der vom Floßmeister einen Bauplatz pachtete und diesen auf eigene Kosten bebaute, obwohl sich Wenzel verpflichtete hatte, die Plätze selbst zu bebauen  und nur denjenigen zu verpachten, die auf dem Stapel arbeiteten. Dort wurde nach Gedingelohn gezahlt und auch nur in den wenigen Monaten wenn geflößt wurde und es keine anderen Nahrungsquellen gab, blieben Ansiedlungswillige aus. Dagegen waren es dann Handwerker, die die Aussicht auf einen guten Verdienst an dem frequentierten Handelsweg und die Befreiung von Steuern und anderen Lasten anlockte. Die konnten die Pacht zahlen oder auch auf eigene Kosten  bauen, wobei darauf Bedacht genommen wurde, Stuben an die Arbeiter zu vermieten.  Das wurde zur gängigen Praxis, wie aus den  ersten Einwohnerverzeichnissen Neu-Kösens hervorgeht. Zwar verdingten sich einige von ihnen am Stapel, doch für diese Arbeiten warb Wenzel weiterhin Handarbeiter aus den umliegenden Dörfern, insbesondere im nahegelegenen Lengefeld an. Allerdings wurden keine Amtsfröhner mehr  zwangrekrutiert und von daher nahmen die Schulbeamten, soweit auch die Pachtzahlungen erfolgten, davon zunächst keine Notiz.

 

  1. Apr. Besichtigung der Bauplätze (WER Altes Magdeburger LIX c).

Nach einem Jahr kam das Schulamt der Anweisung des Kammer-Kollegiums nach. Eine Kommission mit dem neuen Schulinspektor v. Troys, dem Amtmann Moßdorf und dem Kornschreiber  Joh. Dietrich markten zusammen mit dem Floßmeisters nochmals die 1706 angewiesenen  Bauplätze ab. Danach wurde dem Floßmeister aufgegeben, die Ränder des „wilden Grabens, so oben vom Kösener Berg herein, und beym sogenannten Jackenberg in die Saale fällt (.) mit Zäunen und Steinkörben (zu) besetzen und einbauen, auch sonst vor aller Gefahr u. fernern Waßerschaden soweit möglich verbauen“. Außerdem wurde Wenzel versichert „wenn er zu Anbauung dergleichen Häußer noch mehr Platz brauchen möchte, er sich des ohnedies unbrauchbaren und an der Straße durchgehenden Platzes von der Kösener Brücke an, bis an das Nicolausholz und dann von der Kösener Straße bis an den Fränkenauer Weg anmaßen“ könne.

Neben P. Müller als Protokollant unterschrieben der Floßgegenschreiber Joh. Schröter als Zeuge und „Außmesser“sowie der Ortsrichter Michael Otto und der Schöppe Christoph Leppe, ein Zeichen, dass sich bereits etliche Einwohner hier befanden, die die Ernennung von Amtspersonen wie den Richter und den Schöppen erforderlich machten.

 

              Gutachten zum Zustand bei der Bauholzflöße (WER D 48 II c, Nr. 6).

Weil der Bericht des Schulamtes nicht befriedigte, beauftragte das Kammerkollegium einen unabhängigen Gutachter.

Der stellte fest, dass der von Kursachsen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts eingerichtete Zoll am Wehrdamm erheblichen Ärger bei den Flößern hervorgerufen habe und nun ein  weiterer Zoll an der Ilm bei Darnstädt eingerichtet wurde, wo der Fluß auf wenigen 100 Metern  unter kursächsisches Hoheit stand (Anm. der Ort selber war weimarisch). Inzwischen hatte der Amtmann Moßdorff am Kösener Wehr einen „nichtsnutzigen Lachsfang“ angelegt und den Damm  mit einem hölzernen Aufsatz versehen, den die Flöße bei niedrigen Wasser nicht passieren konnten. Erst durch das Zusetzen des Mühlengerinnes und mit Hilfe des Müllers käme man noch über den Wehrdamm,  was sich der Pachtmüller Tobias Beyer ansehnlich vergüten ließ. Auch der  Rechenwärter H. Schröter hielt den Rechen geschlossen, auch wenn gar keine Scheite davor lagen und verlangte für das Öffnen ein Trinkgeld. Wer nicht zahlte, blieb oberhalb des Wehrdammes liegen. Daher verlangte der Rittergutsbesitzer zu Kreipitzsch, der seine Fischereigerechtsame beeinträchtigt sah, nun ebenfalls eine Entschädigung, die Landesschule wollte höhere Anbindegelder zur Holzmesse und der Floßmeister Wenzel und Moßdorf verlangten  von jedem Floß einen Stamm als Geschenk, um im Allerheiligenberg ein „Lust- oder Schmaus-Haus“ zu errichten.

Daher weigerten sich die oberländischen Flößer das von den Herrschaften kreditierte Floßholz bis Kursachsen zu flößen. Dafür kauften jetzt Diener des Floßmeisters, der mit dem Amtmann unter einer Decke steckte, das Floßholz in Kahla auf und verkauften es auf dem Holzmarkt bei Pforta zu überhöhten Preisen zum Nachteil des „Königlichen Interesses und Dero Unterthanen“ . Diesem Zustand müsse unbedingt Einhalt geboten werden, erklärte der Gutachter.

      

             Antrag des Pachtmüllers Tobias Beyer zum Bau einer Ölmühle (WER D 48 II k Nr. 13)

 

1710

  1. Mai Brand des Schulengasthofs (Hoppe 1930).

Dabei wurden der Gasthof völlig zerstört. Die Kosten des Wiederaufbaus schätzten die  Schulbeamten auf  3.000 Gulden..

 

  1. Juni Pachtantrag Chr. G. Wenzel (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765).

Nach dem Brand durch die „Verwahrlosung“ des Pächters, schlug der  Floßmeister dem Schulamt vor, den Gasthof für 2.500 Gulden wieder aufzubauen, wenn ihm die Pacht, samt dem jure prohibendi und die Gerichte überlassen würden. Den entsprechenden Pachtvertragsentwurf hatte er der Einfachheit halber gleich beigefügt. Neben den ersparten 500 Gulden Baukosten, bot er 200 Gulden Erbpachtzins und verlangte, dass den Pächtern der Saalhäuser und des Fischhauses der Ausschank in ihren „Winkelschenken“ und dem Wirt in Altenburg das Ausspannen und Beherbergen verboten werden. Um den Gasthof ordentlich zu bewirtschaften, müßten neben ausreichenden Wirtschaftsgebäuden auch Acker- und Weideflächen für das Gasthofvieh und der Reit- und Zugtiere der hier Einkehrenden mit verpachtet werden. Wenzel erbot sich, bis zur Wiederherstellung des Gasthofes im Floßamt   Fremde zu beherbergen, wenn ihm hier der Bau von Stallungen genehmigt und die Beherbergung auch nach dem Wiederaufbau des Gasthofes gestattet würde, wohl wissend dass die Lage direkt am Fahrweg von erheblichen Vorteil gegenüber dem Salinengasthof war.

 

  1. Aug. Schreiben des Kammerkollegiums an das Schulamt (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765)

Der Schulverwalter befürwortete den Pachtantrag von Wenzel, insbesondere im Hinblick auf die geringeren Baukosten. Wenzel bezifferte die Kosten für den Wiederaufbau auf 2.000 Gulden, wenn ihm das Schulamt Bauholz, Ziegel, Kalk und Fronarbeiter stellen würde. Außerdem bot er 30 Gulden Hufschlaggeld für 12 Einstellpferde, 40 Gulden Pacht für zusätzliche Ackerflächen und 20 Gulden für die Genehmigung eines Ausschanks am „Beywege zu Frenckel“. Alles dies war vergeblich, die Landesschule wurde angewiesen, den Wiederaufbau des Gasthofs umgehend selbst zu übernehmen und dann einen geeigneten Pächter suchen..

 

  1. Okt. Schreiben des Schulverwalters an das Kammerkollegium (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765)

Demnach würde der Gasthof in Kürze gerichtet und die Arbeiter hätten die Hälfte des Lohnes erhalten. Hinsichtlich des Pachtantrages von Wenzel bat er um Anweisung, wobei er die Mitverpachtung von Acker- und Weideflächen am Jackenberg und der Ilske als sinnvoll ansah, zumal mit dem im Gasthof reichlich anfallenden Mist die dortigen kargen Böden verbessern werden können.

 

  1. Dez. Erweiterung des oberen Stapels (MER C 48 IIIb Nr. 5523)

Floßmeister Wenzel und sein fürstl. Amtskollege boten der Landesschule die Hälfte des Deputats als Hartholz für die zeitweise Überlassung eines Stücks der Mühlenwiese an.

 

1711 

  1. Jan. Nebenrezess zur Scheitholzflöße (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Trotz der Differenzen zwischen den Teilhabern die den Abschluss eines neuene Vertrages verzögerten, wurde vereinbart, dass entsprechend des Vertrages von 1694 von allen drei Teilhabern bis auf Weiteres jeweils 10.000 Klafter exkl. der Waldeingabe zu den bisher geltenden Preisen zur Abflöße gebracht werden sollen.

 

  1. Jan. Erneuter Antrag Wenzels zur Gasthofpacht (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765).

Nachdem sein Begehren abgelehnt wurde, bewarb er sich um eine Zeitpacht von 30 Jahren, die er für die Refinanzierung der erforderlichen Aufwendungen für die Einrichtung des Gasthofes für  angemessen hielt.

 

  1. Feb. Befehl zur Verpachtung des Gasthofes (WER D 34 Anh. 2 Nr. 765).

Das Schulamt wurde angewiesen, dem Floßmeister den Gasthof auf 10 Jahre für eine  Jahrespacht von 300 Gulden und einer angemessenen Kaution  zu überlassen.

 

  1. Mär. Bereitschaftserklärung Wenzels (WERD 34 Anh. 2 Nr. 765 ).

Wenzel akzeptierte und durfte ab Ostern bis zur Fertigstellung des Gasthofes Fremde im Floßamt beherbergen. Weiterhin wurde ihm der Betrieb einer „Beyschencke zu Fränckel“ gestattet und   „etliche Stücke Feld über der Saale“ verpachtet. Da sich die Beurkundung und Bestätigung verzögerte, erhielt Wenzel einen vorläufigen Pachtbrief. Als Sicherheit verpfändete Wenzel seinen Weinberg an der Windlücke, einen Obstgarten, einen „Hopfberg“, einen Kalkbruch mit Kalkofen und ein Winzerhaus auf dem Keppelberg, im Gesamtwert von 2000 Talern.

Wie lange Wenzel die Pacht inne hatte, geht aus den Archiven nicht hervor. Als er 1717 vom  Dienst suspendiert und sein Eigentum beschlagnahmt wurde, findet sich kein Hinweis auf den Gasthof allerdings blieb er bis zu seinem Tod im Besitz des Brauhauses. 

 

  1. Nov. Pachtvertrag über die Mühl- und Angerwiese (MER C48Ic Nr.1686).

Die „Commun-Flöße“ pachtete 7 Acker für 50 Gulden, 15 Groschen, 6 Pfennige auf drei Jahre und verpflichtete sich zu einer „accuraten Ausmaßung“.

 

  1. Dez Schreiben der Kammerräte an August d. Starken (WEI Floßwesen B 12161).

Das Herzogtum Weimar hatte Kursachsen  den ihm verpfändeten Anteil des Herzogtums Sachsen- Gotha an der Saaleflöße zum Kauf angeboten. Das Angebot war akzeptabel, denn der Erlös überstieg den Kaufpreis. Doch es gab einen Haken. Kurfürst Friedrich August hatte dem tief in Schulden steckenden Herzog von Sachsen-Weißenfels Geld vorgeschossen, dass er sich beim Herzog von Weimar geborgt hatte. Zur Sicherheit hatte der ihm das Amt Eckartsberga verpfändet. Die Kanzlei Weimar schlug nun vor, mit dem Kaufpreis die auf dem Amt Eckartsberga liegende Verpfändung abzulösen, um sich dann mit dem Weißenfelser Herzog zu einigen, denn der stand   auch beim Herzog von Weimar in der Kreide. Die Kammerräte rieten von einer Vermischung der beiden Angelegenheiten ab und für den gesonderten Erwerb der gothaischen Floß-Anteile.   

 

1712       

  1. Mär. Beschwerde des Amtmannes Chr. A. Kette (WER D 34 V12, Nr.2).

Auslöser war ein von Wenzel neben dem Floßamt errichteter Schuppen, wo Reittiere und Gefährt untergestellt wurden. Wenzel konnte sich zwar auf den entsprechenden Passus seiner Gasthofpacht berufen, die ihm die Beherbergung von Reisenden im Floßamt während des Wiederaufbaues des Schulgasthofes gestattete, doch die eigentliche Bauanzeige hatte er wohl versäumt. Nun verlangte der Amtsnachfolger Moßdorfs den Abriss des Gebäudes. Daraufhin verklagte Wenzel Kette vor dem Oberhofgericht in Leipzig. Der wiederum wandte sich an die  Dresdener Kammer und beschwerte sich über die nach seiner Auffassung ungenehmigten Aktivitäten des Floßmeisters bei der Anbauung von Neu-Kösen.

 

  1. Mai Schreiben Herzog Johann Wilhelms v. Sachsen-Weimar (WEI B 12167).

Der herzogl. Oberfloßmeister J. G. Hochhausen sollte einen geeigneten Nachfolger für den  verstorbenen herzogl. Floßgegenschreiber Hoppe für den Kösener Stapel benennen.

 

  1. Sep. Berufung einer Untersuchungs-Kommission (WER D 34 V12 Nr. 2).

Friedrich-August befahl dem Kammer- und Bergrat von Plötz und dem Oberamtmann des Thüringer Kreises E. Fr. Meurer aus Tennstedt: „besagten Wentzels sämtliche, von der Land-Schulen Pforta, nach und nach an sich gezogene Grundstücke zu untersuchen, und ihren ausführlichen Bericht zu erstatten.“ Dem Floßmeister wurde Strafe angedroht, falls er gegen das Schulamt weitere gerichtliche Schritte unternehmen sollte. In einem zweiten Schreiben wurde auch dem Amtmann untersagt, sich auf einem Prozess einzulassen. Die Kommissare reichten einen Vorbericht ein und beantragten bei der Rentkammer einen Reisekostenzuschuss, um die Sache vor Ort zu untersuchen. Dieser wurde ihnen nicht gewährt und als kurz danach der  Wiederkaufsvertrag über das Amt Pforta mit dem Herzog von Weimar zustande kam, blieb die Angelegenheit liegen.

 

  1. Sep. Untersuchungsbericht zum kursächsischen Salzwesen (DD Loc 4512).
  2. G. Wenzel und J. A. Dennhart: „Untersuchung derer im Churfürstenthumb Sachßen und incorporirten Landen befindlichen Salz-Wercke und Salz-Quellen auch Saalen- und Unstruth-Flöße und darzu benöthigter Floßhölzer.“ Eine der ersten Konsequenzen war, dass sich August der Starke im Wiederkaufsvertrag die Floßregale und die Nutzungsrechte an möglichen Solequellen sicherte.

 

  1. Okt. Wiederkaufsvertrag (WEI. Ausw. Angel. DS 2109 u. WER H 82 Nr. 675).

Zur Verschaffung der benötigten Gelder für die Hofhaltung August des Starken wurde das Schulamt Pforte samt Zubehör dem Herzog Wilhelm-Ernst von Sachsen-Weimar auf 12 Jahre ab Michaelis 1713 verpfändet. Danach sollte über eine Verlängerung oder einen Rückerwerb entschieden werden.

Mit der Überlassung kamen alle Einwohner unter die herzoglich-weimarischen Ober- und Unter-Gerichten, ausgenommen die Floßbeamten, für die weiterhin die kursächsischen Gerichtsbarkeit galt, ebenso wie das zu den Wenzelschen Gerichten gehörende Neu-Kösen. Insgesamt 21 Paragrafen regelten die Rechts-, Besitz- und Nutzungsverhältnisse für das verpfändete Amt.

  • 2 des „Wiederkaufscontractes“ betraf die beim Kurfürsten verbleibenden Gerechtigkeiten: „Davon sind ausgenommen, die Landes Fürstl. Hoheit Wald- und Forstnutzungen (jedoch, daß die Bedürfniß am Holz zur Schule und Amtserhaltung ohne Entgeld abgezogen werde). Weiter die Wald-Zinsen, Salz-Quellen samt allen andern Bergwerken, wie auch denen der Flößer mit denen dazu gehörigen Floßarbeitern zu Kösen samt der Jurisdiktion über die Floß-Beamten, Diener und Arbeiter soweit es die Floßarbeit anlangt, nicht weniger die zu solcher Flöße benötigte Holz-Aussatz-Plätze gegen den bisherigen Abtrag und Deputat und Geleite“.

Außerdem behielt sich Friedrich-August vor, im Bedarfsfall weitere „Manufactur Häußer“ anzulegen, was er zwei Jahre später der „Kösener Societät“ gestattete.

Der Jahresertrag des Amtes wurde mit 17.000 Gulden beziffert, dazu kamen  noch 1.000 Gulden aus der Floßkasse. Der Herzog verpflichtete sich, den Unterhalt der Schule der jährlich 12.000 Gulden betrug  aus den Erträgen des Amtes abzugelten. Dazu kam der Anteil an der Geleitseinnahme des Herzogs von Sachsen-Zeitz in Höhe von 1.000 Gulden. Damit blieb ihm ein Überschuss von 5.000 Gulden, ein Zinssatz von 5%. Die Rückkaufsumme wurde auf  100.000 Gulden festgesetzt.

 

  1. Nov. Inventarliste zur Übergabe des Amtes an das Herzogtum (WEI D II 2101).

382 Seiten umfasste das „Inventarium über die bey der Churfürstl. Sächs. Land Schul zu Pforta und denen zugehörigen Forwergen als zu Kößen, Cuculau, Frenkenau, Gernstedt, Memleben, Hechendorf, Saalhauße befindlichen und zu gelobe angeschlagenen Inventarien, wie solche Sr. Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen Weimar übergeben werden“.

Die Urkunde besiegelten J. G. Wichmanshausen, Kgl. Poln. u. Kurf. Sächs. Kammer-kommissionsrat, Chr. A. Kette, Kgl. Poln. und Kurf. Sächs. Amtmann von Pforta und Schriftsasse für die kursächsischen Ämter Eckartsberga, Freyburg und Weißenfels und der Schulverwalter J. G. Otto vor einem Notar und vier Zeugen.

Akribisch aufgelistet wurde jedes Stück Vieh und dessen Wert, jedes Gebäude, dessen Zustand und Wert. Zum Vorwerk Kösen samt Schäferei zählten 15 Kühe im Wert von 111 Talern und 518 Schafe im Wert von 909 Talern. Pferde, Schweine und Federvieh wurden hier nicht gehalten. In Kukulau gab es 5 Pferde, 9 Kühe, 19 Schweine und 148 Schafe.

Ausführlich wurde das Wohnhaus des Schäfers beschrieben. Vor dem Hauseingang, der mit „steinern Thür Gewände“ versehen war, befand sich ein Backhaus mit reparaturbedürftigen Schindeldach, umgeben von „Kraut- und Rübenland“. Im Erdgeschoß lagen Speisekammer, Käsekammer, Küche, Mägdekammer, Stube und Schlafkammer des Schäfers. Der Boden diente als Futter- und Strohlager. Ein Kellergewölbe, Kuhstall, Kälberstall, Schafstall und Scheune vervollständigten das Anwesen.

Über den Schulen-Gasthof hieß es, dass er zweigeschossig war und die uralten Kellergewölbe als  Speisekammern dienten. Im Erdgeschoß befand sich die Gaststube samt Küche, im Obergeschoß der Schlafraum für die Gäste und die Kammern des Pächters und seines Gesindes. Auch an das „Secret“ war gedacht, das mit „einer gedoppelten mit Brettern verschlagenen Brille“ versehen war. Das Dach diente als Lagerboden. Auf dem Hof befanden sich mehrere Ställe und die Gasthofschmiede, wo auch noch einiges „an alten Eisen aus dem Saltz-Schacht“ lag.

Zum Inventar der Mühle gehörten 3 Mühlgerinne, eine  Fischereianlage mit „hölzerner Treppe von 3 Stufen nebst der Unterlage zum Lachsfang“ und ein Backhaus. Auch die Kettenbrücke wurde erwähnt, die auf beiden Seiten steinerne Wände hatte, die oben mit Werkstücken belegt waren.    

 

  1. Dez. Memorial der herzoglichen Kammer zu Weimar (WEI DS 2110).

Der Pächter der Schäferei H. G. Götte bat zum Ende seiner seit 1698 dauernden Pachtzeit um die Freigabe seiner Kaution von 500 Talern, für die sich u.a. der Floßmeister Wenzel verbürgt hatte. .

 

1713

  1. Mai Schreiben des kursächsischen Oberfloßmeisters (WEI Floßsachen B 12167)
  2. E. v. Osterhausen teilte seinen herzogl. Amtskollegen J. G. Hochhausen mit, dass auf Anweisung der Dresdener Kammer, die auf dem Kösener Stapel liegenden 16.000 Klafter Scheitholz nach Halle abgegangen waren. Aus dem in Kösen aufgesetzten Schreiben geht weiterhin hervor, dass es im laufenden Jahr keinen Commun-Floß-Contract gab, man aber davon ausgehe, dass 1714 wieder ein neuer Vertrag zustande kommt. Daher sollten die herzoglichen Beamten schon den Holzeinschlag vorbereiten.

 

  1. Mai Bericht des Pachtschäfers an den Weimarer Hof (WEI Auswärt. Angel. DS 2110).

Die „Hammelung-und Wollenschur-Tabella“ erfasste die Bestände, Abgänge und Erträge der Pachtschäferei und musste  jährlich der Weimarer Kammer vorgelegt werden. Die Herde zählte zum Stichtag 429 Schafe, 310 Hammel, 171 Jährlinge und 187 Lämmer, also 1197 Tiere. Als „Dienstvieh“ standen dem Oberknecht 55 Tiere zu (er hatte jedoch 82), dem Hammelknecht 50 (62), dem Lämmerknecht 50 (52) und dem Hausknecht 45 (49). Auch der Amtmann hatte 63 Stück Dienstvieh in der Herde. Bis zur Wollschur waren dem neuen Pächter G. Becher 25 Tiere verendet. An Wolle verzeichnete die Tabelle 84 Bund Langwolle und 1 ½  Sack Lammwolle. Die Tiere des Amtmannes brachten 3 Bund Wolle.

 

  1. Aug. Schreiben der Dresdener Kammer an die herzogl. Kammer zu Eisenach (WEI B 12167)

Darin wurde mitgeteilt, dass man auch im laufenden Jahr die bisher mit der Pfännerschaft vereinbarte Gesamtmenge abflößen wird, auch ohne Commun-Contract. Dazu wurden die herzoglichen Beamten zur bevorstehenden Leipziger Michaelismesse eingeladen, um über die Rahmenbedingungen zur  Fortführung der Commun -Flöße zu verhandeln.

Nach dem Bericht von Zedtwitz (MER C 63 Anh. I Nr. 66) fehlt zwar der Vertrag in den Akten, doch wurde weitere 9 Jahre auf der Basis des Vertrages von 1694 geflößt.   

 

  1. Sep. Dekret August des Starken zur „Cösener Sozietät“ (DD Loc 10412/23-25-27).

Die Gesellschaft hatte sich an den „Hochgeehrten Herrn Statthalter“ Kursachsens Reichsfürst Anton Egon von Fürstenberg-Heiligenberg (geb. 1656) gewandt, der das Gesuch der Gesellschaft dem Kammerkollegium und August dem Starken vortrug.

Der König erklärte sein allergnädigstes Interesse, zumal die  Vorschläge zur Vermehrung der Staatseinnahmen beitrugen und befahl die Sache weiter zu verfolgen.

 

  1. Okt. Bittschreiben der Halbweinbergsbesitzer an den Weimarer Hof (WEI DS 2134).

Für die von der Landesschule verpachteten Weinberge wurde als Pacht die Hälfte des Ertrages an Wein sowie Hopfen, Äpfeln und Nüssen erhoben. Als der Schulverwalter auch die Hälfte von  Pflaumen, Kirschen und andere Obstarten verlangte, wandten sich die Pächter an den Herzog und baten um Rücknahme dieser Anordnung.

 

              Der Schulverwalter Georg Phillipp Pfersdorf verstirbt (WER D 34/1/377).

 

1714

  1. Mär. Vertrag mit der „Kösener Societät“ (Stadtarchiv Naumburg, Urk. 282, DD 10412/26).

Zu den „Principalen“ gehörten Johann Justus v. Klenau, der Bergverwalter Johann Christoph Henning und der  Floßmeister Christoph Gottfried Wenzel. Die verpflichteten sich, bei Gewährung der von ihnen gewünschten Privilegien nach der Ratifikation des Vertrages 50.000 Gulden bei der Rentkammer zu hinterlegen. Weitere 150.000 Gulden sollten bis Ostern 1715 folgen und danach jährlich weitere 50.000 Gulden aus den Überschüssen der von ihnen betriebenen Unternehmen wie der Salzgewinnnung und dem Floßholzhandel zuzüglich der üblichen Steuern und Abgaben, wobei der vereinbarte Vorschuss von 200.000 Gulden binnen 10 Jahren verrechnet werden sollte und bis dahin mit 6% verzinst wurde. August der Starke willigte  mit der Einschränkung ein, dass seinen Untertanen dabei kein Schaden zugefügt würde. Doch die Pläne mit denen die Sozietät die hohen Erträge zu erreichen gedachte, waren sehr spekulativ. So erklärten sie, im Besitz eines als „Arcanum“ bezeichneten Wundermittels zu sein, das bei der Versiedung geringer Sole eine rasche Auskristallisierung bringe, wobei nur die Hälfte der sonst üblichen Brennstoffmenge benötigt würde und somit der Gewinn erhöht wird.

Dafür erhielt die Sozietät die Gewinnungsrechte für Sole im Amt Artern, die Erlaubnis, das dort niederliegende Salzwerk wieder aufzubauen und die Konzession zum Abbau von Erdkohle. Für den Ausbau der Unstrut und der Gera mit Schleusen und Dämmen, wurde ihnen das alleinige  Floßrecht zugestanden und die Erlaubnis bei Holzmangel in Artern, Scheite aus der Saaleflöße über die Unstrut dorthin zu bringen. 

Weitere Mutungsrechte auf Sole und Kohle erhielten sie für Poserna und Burg-Liebenau  sowie die Zollfreiheit für jährlich rund 1.500 Klafter auf  der Saale abzuflößendes Stammholz.

Als ihren Hauptsitz  hatten sie „Cösen“ gewählt. Hier wollten sie ein  „Chymisch Laboratorium“ und ein „studio in metallicis et minerabilus“ einrichten, wo das geheimnisvolle Arkanum hergestellt werden sollte, mit dem man Kupfer und Salz in Schießpulver umwandeln könnte. In Kösen wurden ihnen und ihren Erben die Anlage weiterer Manufakturen und die Überlassung von 100 Bauplätzen samt den Erbgerichten versprochen. Das  Schulamt sollte jährlich 6 Groschen für die Kirchenaufsicht und 6 Groschen für die Überlassung der Gerichte von jedem errichteten Gebäude erhalten. Des Weiteren wurde der Gesellschaft die Schankgerechtigkeit, die Abhaltung eines Viehmarktes pro Jahr, zweier Wochenmärkte, der Bau einer Sägemühle, die Konzession zum   Ziegel- und Kalkbrennen und sowie die Anlage eines Steinbruchs erlaubt. Außerdem wurde ihnen die  Verpachtung der Mühle und des Gasthofs in Aussicht gestellt.

Alle bebauten und bewohnten Plätze sollten sechs Jahre von Steuern, Einquartierungen und allen übrigen Belastungen befreit werden. Danach wollte die Sozietät jährlich 24 Groschen je Wohnstätte zur Steuer und General-Akzise, sowie 60 Gulden für die Brau- und Fleischsteuer  an die kurfürstliche Rentkammer abführen.

Weiterhin wurde der Sozietät zur Befolgung der „evangelischen Religion“ die Stiftung einer  Kirche und einer Schule erlaubt, wenn sie die Diener angemessen entlohnen würden und diese Personen vom Leipziger Konsistorium bestätigt seien. Als Bauplatz für eine Kirche mit einem  Glockenturm wurde im  Vertrag  die „wüste Kirche hinter dem Gasthofe zu Kösen, worin die Schule zeithero ihr Getreyde gelagert“ genannt, das im 30jährigen Krieg  zerstört Vorwerk hinter dem Gasthof.         

Die Urkunde wurde in vier Exemplaren ausgefertigt von denen eines beim König verblieb, das zweite beim Statthalter bzw. dem Geheimen Konzil, das dritte beim Kammerkollegium und das Vierte bei der Sozietät. Die Kontrolle der Einhaltung des Vertrages oblag dem Statthalter und dem „Geheime Concil“.

Trotz des Wiederkaufvertrages mit dem Herzog von Sachsen-Weimar konnte August diesen Vertrag mit der Sozietät abschließen, da sich Kursachsen die Rechte auf die Flöße, auf Bergwerke und Salzquellen, auch wenn sie noch gar nicht erschlossen waren, vorbehalten hatte. Das empfanden die Schulbeamten als erhebliche  Eingriffe in die Amtsgerichtsbarkeit,  zumal auch die nicht im Amtserbbuch eingetragenen Wenzelschen Gerichte ausdrücklich bestätigt wurden.

 

  1. Okt. Intervention des Naumburger Rates (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Die der „Cösener Societät“ erteilten Privilegien, insbesondere das Marktrecht und die Befreiung der dort verhandelten „Victualien“ von  der „General-Consumtions-Accise“ auf sechs Jahre ließ das Ausbleiben der Bauern und Händler der südlich und südwestlich liegenden Ortschaften vom Naumburger Wochenmarkt befürchten. Das wäre zum Schaden der Stadt meinte die Bürgerschaft und beschwerte sich beim Administrator.

Da diese Privilegien einer Gesellschaft erteilt wurden, die sich einen Ort im Schulamt auserkoren hatte, dass dem Herzog von Sachsen-Weimar wiederkäuflich überlassen war, lief der Protest beim Administrator des Domstiftes dem Herzog von Sachsen-Zeitz Moritz-Wilhelm ins Leere.

 

              Beschwerde über den Floßschreiber G. Hartig (WER D 34 Anh. 2 Nr. 1262).

 

1715

  1. Sep. Mandat zur Salzeinfuhr (DD Loc 7411 Der Salzschank…).

Das Mandat „wider die Einführung des fremden Saltzes in Dero Lande“ bekräftigte, dass wie bisher „kein anderes als Hallisches Salz“ in Kursachsen eingeführt werden soll.

 

  1. Okt. Vereinbarung zur Interimsflöße (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Da sich die fürstl. Teilhaber dem Ansinnen Kursachsens auf ungehinderte Flöße von Privathölzern auf der Orla aus dem Amt Arnshaugk widersetzten und Kursachsen auf der Trennung der herzogl. Privatzflöße von der Communflöße bestand, kam erneut kein  Communfloßvertrag zustande. Dennoch einigten sich die Beamten auch in Ansehung der Vorteile für die Kammereinkünfte und der Verträge mit der halleschen Pfännerschaft auf eine weitere Interimsflöße auf der Basis des Vertrages von 1694.

 

  1. Okt. Untersuchung über den Zustand der Weinberge (WEI Auswärt. Angel. DS 2134).

Die Beschwerde der Pächter veranlaßte die herzogl. Kammer, sich mit den Pachtweinbergen zu befassen. Ein Kommission traf ein und begutachtetet die 48 Halbpacht- und 4 eigenen Weinberge des Schulamtes. 6 weniger als im Amtserbbuch von 1551. Die Berge waren in schlechten Zustand was: „theils auf den lieben Gott, theils auf Grund und Boden, theils von denen Administration der Schulen, theils auch und meistens von der Wintzer Faulheit und Eigennützigkeit“ zurückzuführen sei. Außerdem wären die Reben mit „rothen Loh“ befallen und durch Winderosion der Boden fortgetragen. Die Nachzucht in der amtseigenen „Knoot- Schule“ war wegen der Kosten eingestellt worden. Die Pächter ließen die Rebstöcke verkommen und bauten lieber Hopfen, Buschwerk zur Brennholzgewinnung  und Gras an. Außerdem wurde trotz eifriger Kontrolle der Oberwinzer die Düngung vernachlässigt. Die Kommission schlug eine neue für alle verbindliche Winzer-Ordnung vor. Außerdem sollte zur Melioration des Allerheiligenberges Teichschlamm aus der Schule und jährlich 168 Fuder Mist aus den Vorwerken Fränkenau, Kukulau sowie den Viehhaltungen des Schäfers und des Müllers für die Berge der Halbpächter angefahren werden. Die schuleigenen Berge (Sanktorum, Steinmeister, Voigtsberg, Saaleberg) brauchten jährlich 120 Fuder. Für die Nachzucht sollten jährlich 20.000 Fechser in der Knoot-Schule gezogen und  nach drei Jahren ausgepflanzt, nachlässige Pachtwinzer bestraft und unbelehrbaren die Pacht aufgekündigt werden.

Endlich machte die Kommission den Vorschlag, die Halbberge gänzlich in Erbpacht zu geben, da der Ertrag der 4 schuleigenen Bergen bei sorgfältiger Pflege für den Eigenbedarf ausreichte.

 

1716         

  1. Mär. Schreiben des Floßmeisters Wenzel (WER D 34 V12 Nr. 2).

Nach der Überlassung des Schulamtes an den Herzog von Weimar, verschärften sich die Diskrepanzen zwischen den Beamten und Wenzel, zumal die „Confirmation“ des Pachtvertrages ausstand und somit auch keine Eintragung seiner Privilegien im Amtserbbuch der Schule erfolgt war. Somit sahen die Beamten alle Aktivitäten Wenzels als Eingriff in ihre nunmehr herzogliche Amtsgerichtsbarkeit an und standen damit auch auf der rechtlich sicheren Seite.  Wenzel blieb nichts weiter übrig, um die ausstehende Genehmigung des Vertrages doch noch zu erlangen, beim Kammerkollegium in Dresden vorzusprechen. Er wurde aber dahin beschieden, sein Anliegen schriftlich vorzutragen, dem er umgehend nachkam und die ihm 1706 überlassenen Schriftstücke beifügte. Da ihm diese Privilegien auch im Vertrag mit der „Sozietät“ ausdrücklich bestätigt wurden, hätte er im guten Glauben bereits 13 Plätze bebaut.

 

  1. Juli Beschwerde des Kunstbaumeisters Georg Stahl (Gericke 1966).

Stahl war von der Societät Anfang 1715 verpflichtet worden, das Kunstrad und  das  Gestänge zur Wältigung des alten Solschachtes instand zu setzen. Außerdem mußte er sich verpflichten,  keine  anderen Arbeiten anzunehmen. Aber bisher wurde weder mit den  Arbeiten begonnen noch habe er die vereinbarte Bezahlung erhalten, sein Anliegen wurde natürlich abgewiesen.

 

  1. Sep. Schreiben des Kösener Schäfers an den Weimarer Hof (WEI. DS 2110).
  2. P. Braun, der die Schäferei erst Michaelis 1715 gepachtet hatte, gab wegen zahlreicher Ausfälle auf. Neuer Pächter war Hans Veit Schulze, seine Kaution betrug 400 Taler.

 

  1. Nov. Landesordnung zur Zollerhebung (MER. C 48Ic Nr. 1686).

Befohlen wurde „daß die Bauholzflößer sich allemahl bei ihrer Ankunft mit Flößen (in Koesen) mit Gelde gefaßt halten, den Zoll allsofort baar zu erlegen.“ Einschränkend dazu war es den Flößern gestattet, den Zoll nach dem Verkauf auf dem Rückweg vom Holzmarkt zu entrichten Damit trug man den Umstand Rechnung, dass die meisten Flößer erst nach dem Markt über bares Geld verfügten.

 

               Zusammenbruch der „Kößener Societät“ (WER D 34 V 12 Nr. 2).

Wie im Vertrag vereinbart, hatte die „Societät“ die 1. Rate in Höhe  50.000 Gulden geleistet. Dann wurden 15.000 Gulden  in  das Salzwerk Artern und 20.000 Gulden in die Verbesserung der Unstrut-Flöße investiert, ohne daraus einen Gewinn zu ziehen. Außerdem war ihr Gönner der Statthalter verstorben und Kursachsen gab dem Einspruch der Schwarzburger Grafen statt, die sich der geplanten Erhebung einer Solequelle bei Artern widersetzten, da sich Kursachsen beim Verkauf der Arterner Saline verpflichtet hatte, im Umkreis von 3 sächsischen Postmeilen zukünftig keine eigenen Solequellen zu erschließen. Damit waren die Mittel der Gesellschaft erschöpft. Klenau war verstorben, Henniger hatte den Ort verlassen, übrig blieb der  Floßmeister Wenzel.

 

1717

  1. Feb. „Schweine Abrechnung“ des Vorwerks Kukulau (WEI. DS 2131).

Ebenso wie der Pachtschäfer mußte auch der Pächter der von Kukulau der herzogl.-weimar. Kammer Bericht über den Bestand und den Zustand der Tiere erstatten. Seit 1714 war Andreas BratfischPächter, seit 1720 Glorius Judersleben.

 

  1. Aug. Modifizierung des Floßzolles (DD Loc. 5332 u. MER. C48Ic Nr.1686).

Die Erhebung des Floßzolles in bar war offenbar schwierig und da etliche Flößer und Holzhändler drohten, den Holzmarkt nicht mehr zu belegen sondern ihr Holz noch vor der kursächsischen Zollgrenze zu verkaufen, wurde verfügt: „daß es bei der vorhergehenden Verfassung, daß nehmlich das von denen Flößern anstatt in natura  zu erlegenden 20ten und besten Stück von nach Koesen gebrachten Holzwaaren, bey der vormahligen ihnen zugestandenen Frist bis zur Rückkunft und der ihnen vormals eingeräumten Wahl, ob sie nehmlich das Holtz in natura, oder das dafür geforderte Geld erlegen wollen, bewenden solle.“

 

  1. Juli „Suspension des Floßmeisters Wenzel“ (WER D 34 1/1020).

Auf Befehl des Kurfürsten und mit Duldung der herzogl. weimar. Kammer beschlagnahmte der Amtmann Kette sämtlichen Unterlagen und Wenzels gesamtes bewegliches und unbewegliches Habe. Dazu fertigte er ein umfassendes Inventaium. Allein den Wert der Häuser, Weinberge und Äcker in Kösen und Naumburg, das Rittergut Lausnitz bei Neustadt/Orla, die Anteile an einem Blaufarbenwerk in Saalfeld und verliehene Gelder summierte sich nach Wenzels Angaben auf 34.000 Gulden.  Zum beweglichen Habe gehörten etliche Stücke Großvieh, Kutschen und Wagen sowie ein umfangreicher Bestand an Büchern. In seinen Kellern fanden sich 93 Eimer Landwein (1 Eimer ca. 450 l). Der Floßschreiber Hartig wurde zum kommissarischen Floßmeister ernannt und dies den übrigen Beamten bei der Saaleflöße und den ortsansässigen Einschlägern bekannt gegeben.

Über den Anlass dieser Amtsenthebung kann nur gemutmaßt werden. Doch da auf Veranlassung der  kurfürstlichen Kammer die herzogliche Amtsgerichtsbarkeit aktiv wurde, lag das für die damalige Zeit außergewöhnliche Vorgehen im Interesse beider Häuser, insbesondere auch wegen der selbstherrlichen Art des Floßmeisters und dessen Eingriffe in die Saale und Ilm-Flöße, worüber sich die herzogl. Holzhändler beschwert hatten. Obwohl Wenzel als Floßmeister während der Untersuchung vom Dienst suspendiert war, blieben seine übrigen Unternehmungen davon ausgenommen, und somit auch die Gerichte in Neu-Kösen, was die Schulbeamten veranlasste, dies mit allen Mitteln zu unterbinden.

 

  1. Aug. Holzliefervertrag mit den Grafen von Schwarzburg (WEI Floßwesen B 12161).

Kursachsen und Sachsen-Weimar-Eisenach kauften jeweils 30.000 Klafter, die in den kommenden 6 Jahren der Commun-Flöße beigeworfen werden sollten. Den Vertrag unterzeichneten von kursächsischer Seite der Oberfloßaufseher von Osterhausen und G. Hartig, von herzogl. Seite der  Floßoberaufseher J. G. Hochhausen. Der Klafter hatte „drey Zwickauische Ellen, vier Zoll hoch und weit und sieben-viertel Ellen lang“, rund 3 Festmeter. Der Preis betrug  24 Groschen für den Klafter weiches Holz.

 

  1. Sep. Verkauf der Saline Neu-Sulza (Eisenach, Das Thal..).

1683 nach dem Weggang Christners wurden in der Saline nur 534 Stück Salz gesotten. Zwar stieg  bis 1690 die Produktion wieder auf 2.640 Stück doch die Saline blieb ein Zuschussgeschäft und auch der neue Pächter, der Berghauptmann von Uitterott, kündigte den Vertrag 1704. Dann verpachtete die altenburg. Kammer die Saline einem Konsortium, zu dem der Kommissionrat Reiher aus Roßla (bei Apolda), der Floßmeister Wenzel und der Floßschreiber G. Hartig gehörten. Sie verpflichteten sich zur Abgabe des Salzzehnts und erhielten ihr Brennholz für billigen Preis aus der altenburgischen Privatflöße. Anstelle der Strohleckwerke wurde die Dornengradierung eingeführt (Emons). Damit sanken die Produktionskosten, doch es gab immer wieder Probleme mit den Solequellen und der Ertrag aus der Saline blieb unter den Erwartungen. 1731 kündigte das Konsortium den Vertrag.

 

  1. Okt. Antrag des Leipziger Universitätsprofessor J. Chr. Lehmann. (Mager, Aufsätze)

Dem gehörte seit dem 31. 8. 1717 das „Privilegium über mehrere Freyheiten bey allen Saltzwerken in Sachsen, namentlich bey den noch im Freien liegenden...“ und er beantragte nun die erneut aufgelassene Salzquelle in Kösen.

 

  1. Nov. Tod des Herzogs Moritz-Wilhelm (Dr. Berger Bau- und Kunstdenkmäler 1905).

Bereits im Jahr zuvor hatte der Herzog die Administration des hochverschuldeten Stifts Naumburg-Zeitz gegen eine  lebenslange Pension von 35.000 Gulden dem Kurfürsten  überlassen nun fiel die erste Sekundogenitur an das Kurhaus zurück.

 

              Klage der Erben des Floßmeisters G. W. Zschackwitz (WER D 34 Anh. 1 Nr 1080).

 

1718

  1. Dez. Bericht der Floßverwaltung über das Scheitholzdeputat (MER. C48Ic Nr.1686).

Die Oberfloßbeamten der „Communflöße“ bestätigten, dass seitens der Kösener Floßbeamten  der Landesschule die vertraglich vereinbarte Menge übergeben wurde.

 

1719

  1. Juli Abschluss eines Holzliefervertrages (WEI Floßwesen B 12161).

Kursachsen, die Herzogtümer Sachsen-Weimar, Sachsen-Eisenach und Sachsen-Gotha-Altenburg vereinbarten in Naumburg mit dem gräflich-hatzfeldischen Forstamt zu Blankenhayn die Lieferung von jeweils 9.000 Klafter Holz aus deren Waldungen bei Harra in den kommenden 3 Jahren von 1720 bis 1722.  Der Vertrag regelte neben der Qualität und der Abmessung, die Vorkehrungen und Bestrafungen bei Diebstahl und Unterschlagung sowie die Bezahlung und die Zahlungsweise. Danach sollten von den vereinbarten 19 Groschen pro Klafter 4 Groschen als Hauerlohn von Lichtmeß bis Bartholomäustag, 4 Groschen für Anfuhr, Aufsetzen und Einwerfen von Martini bis Ostern und die restlichen 11 Groschen bei An- und Abflöße in Kösen jeweils zu Michaelis und Neujahr auf Quittung gezahlt werden. Als Vertreter Kursachsens unterzeichnete  Georg  Hartig. Am 20. März 1720 genehmigte der Reichsgraf zu Gleichen und Hatzfeld, Franz Edler Herr  zu Wildenberg diesen  Vertrag.

 

  1. Juli Schreiben des suspendierten Floßmeisters (in WER, Rep. D Pforta V 12 Nr. 2).

Wenzel verbat sich jegliche Einmischung eines herzoglich-weimarischen Schulbeamten in seine von kursächsischer Seite verliehene Gerichtsbarkeit im Dorf Kösen. Dr. Mack, der Nachfolger von Kette beschwerte sich daraufhin beim herzogliche Kollegium.

 

  1. Juli Beschwerde des Herzogs von Sachsen-Weimar (WER, Rep. D Pforta, V12 Nr.2).

Auf die Beschwerde Macks beschwerte sich nun der Herzog Wilhelm Ernst beim Kurfürsten und bat  darum, ein für allemal die  „unternommenen Eingriffe in die Pfortaische Amts-Gerechtsame“ durch den Floßmeister Wenzel zu unterbinden, die er sich unter Berufung auf die ihm und der Sozietät erteilten Rechte und Gerechtigkeiten anmaßte. Anlass war die Entfernung eines Floßarbeiters aus dem zur weimarischen Gerichtsbarkeit gehörenden Gasthof.  Außerdem hätte Wenzel in Neu-Kösen Grundstücke eingezäunt, womit die Trifftrechte der Schule beeinträchtigte wären und außerdem Baumaterial für den Bau eines Gasthofs in Neu-Kösen eingelagert.  

 

  1. Aug. Schreiben August d. Starken an den Herzog von Sachsen-Weimar (WER, D V12 Nr.2).

Der König  versicherte dem Herzog, dass er derartige Eingriffe in die Amtsgerechtigkeiten der herzoglichen Beamten missbillige und einen Gasthof in Neu-Kösen nicht zulassen werde. Außerdem wäre die Sozietät eingegangen, so dass die ihnen gewährten Privilegien bei Aufhebung des Vertrages gegenstandslos wären.

 

  1. Aug. Vertrag für den Pachtschäfer (WEI. DS 2110).

Chr. Reuter aus Punschrau, der herzogl-weimar. Pachtschäfer hinterlegte eine Kaution in Höhe der Jahrespacht  und verpflichtete sich zur Ableistung von 16 Tagen Spanndienst im Jahr.

 

  1. Sep. Schreiben des Floßmeisters (WER. D 34 V 12 Nr. 2).

Wenzel wurde in das Schulamt befohlen, und hier von einem vom weimar. Kammer-Gemach verordneten Beamten zu den ihm  zur Last gelegten Eingriff in die Amtsgerichtsbarkeit vernommen. Gleich darauf wandte er sich erneut an die kurfürstliche Kammer und legte erneut alle ihm zur Verfügung stehenden Urkunden bei. Dabei berief er sich auf den  Pachtbrief  aus dem Jahr 1706 und stellte die daraus für die Flöße und die Kammereinkünfte erwachsenen Vorteile heraus. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe wären dem Neid und der Missgunst der herzogl.-weimarischen  Schulbeamten geschuldet, die sein Wirken von Beginn an mit Mißtrauen begleiteten.

Jetzt würde ihm die Entfernung eines Floßarbeiter aus dem Gasthof zur Last gelegt, der bei „Hindansetzung derer ihm anbefohlenen Vorrichtungen, dem Sauffen und Spielen nachgegangen“ sei. Das entspräche jedoch dem § 2 des Wiederkaufsvertrags wonach die Floßarbeiter der kurfürstlichen Gerichtsbarkeit unterliegen. Außerdem habe er die Arretierung auf Anordnung des  Steuerrevisors Hesse vorgenommen, weil der Floßarbeiter mit unzulässigen Karten gespielt habe. Die von ihm veranlasste Einzäunung beträfe das ihm mit dem Pachtbrief überlassene Ödland, wo er die „Stein-Rücken, Dornen und alten hoolen Wegen“ mühevoll eingeebnet, 1708 mit einem Zaun versehen und als Garten genutzt habe. Diesen Zaun habe er lediglich erneuert. Der Vorwurf, einen  Gasthof in Neu-Kösen zu erbauen, wies er ebenfalls von sich. Lediglich ein Haus für einen Fleischhauer sei vorgesehen, zumal er die Versorgung der Floßarbeiter zu gewährleisten habe und jährlich 50 Gulden Tranksteuer und 50 Gulden Fleischsteuer an den  Kreis-Steuereinnehmer zahlt. Alles was die Flößersiedlung beträfe, wäre im  Wiederkaufkontrakt  ausgenommen und würde daher nicht unter die herzogl.-weimarischen Jurisdiktion fallen. 

Hinsichtlich der „Sozietät“ sagte Wenzel, dass „sämmliche Consorten und Mittles-Personen allbereit 50000 Fl. in Ihro Königl. Maj. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachßen Chatoulle durch den Hochverehrl. verstorbenen Herrn Statthalters Hochfürstl. Durchl. baar bezahlen laßen, wovon die Hohen Collegia vielleicht noch keine Nachricht haben werden“. Das Geld hatte der „Hochfürstl. Durchlaucht und Statthalter“ Reichsfürst Anton Egon von Fürstenberg-Heiligenberg entgegengenommen, der kurz danach verstarb. Das geld war verschwunden, weshalb das Kammerkollegium Nachforschungen zum Verbleib anstellte.  

 

  1. Okt. Untersuchungsbericht zum Fall Wenzel (WER D 34 V12 Nr. 2).

Der kursächsische Kommissar Christian August …(?) bestätigte anhand der übergebenen  Unterlagen Wenzels Angaben und dennoch würde im Amtserbbuch kein „jota“ stehen. Der Grund dafür war banal. Zwar hatte Wenzel 1706 eine „Interims-Anweisung“ erhalten und im guten Glauben mit der Bebauung begonnen. Während des Nordischen Krieges war die „Confirmirung“ des Pachtbriefs in Vergessenheit geraten und daher auch keine Eintragung im Amtserbbuch erfolgt. Erst als sich die Schulbeamten über das Wenzelsche Tun in Neu-Kösen beschwerten und dieser selbst in Dresden vorstellig wurde, hatte das Kammerkollegium 1712 den Kammerrat Plötz und der Kreisamtmann Meurer 1712 mit der Untersuchung des Falles betraut. Ihr Antrag auf Reisekosten, um sich vor Ort zu begeben wurde abschlägig beschieden „Woher die dießfalß erfordernde Unkosten zu nehmen?“.

Dann kam der Wiederkaufvertrag mit dem Herzog von Sachsen-Weimar zustande, der eine nachträgliche Änderung des Amtserbbuches ohnehin ausschloß. Allerdings verblieben „denen Flößen mit denen darzu gehörigen Floß-Arbeitern zu Kösen sambt der Jurisdiction über die Floßbeamten, Dienern und Arbeitern“ unter den kursächsischen Gerichten, also auch die Wenzelschen Gerichte in Neu-Kösen, was dann auch im Vertrag mit der Sozietät bestätigt wurde. Doch im Amtserbbuch stand nichts dergleichen und so nutzten die Schulbeamten jedes Vorkommnis auch wenn es noch so „fürwitzo“ war, um den Floßmeister zu „denunciren“wie der Kommissar abschließend bemerkte.

 

  1. Dez. Aufhebung des Steuerprivilegs der „Sozietät“ (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Der Steuerinspektor Moßdorf erhielt den Befehl:„Ihr wollet die Befreiung von der Generalaccise ohne Anstand aufheben und die Dorfhandlungsaccise gewöhnlichermaßen wieder einführen“.

 

  1. Dez. Vereinbarung über das Scheitholzdeputat für das Rittergut (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Im Kösener Floßamt wurde nach vorhergegangenen vielfachen Diskussionen ein neuer Rezeß abgeschlossen und unterm 29. April 1720 bestätigt, nach welchem 50 Klft gegeben werden, wenn das Holz in Kösen ausgesetzt wird und 25 Klft. wenn eine Durchflöße erfolgt.

 

1720

  1. Feb. Schreiben des Floßmeisters an August d. Starken (WER D 34 V 12. Nr.2).

Wenzel versuchte nochmals die „Confirmation“ der ihm versprochenen Privilegien und damit deren Eintrag in das Amtserbbuch zu erreichen. Dabei verwies er auf die Vorteile durch  die Ansiedlung zugunsten der kurfürstlichen „Chatoulle“ und die dem Schulamt zufließenden Einnahmen durch die Pachtgelder, die Kirchenaufsicht und die Obergerichte. Bezüglich der „Societät“ verwies er darauf, dass durch diese weder Kursachsen noch Sachsen-Weimar ein Schaden entstanden sei, sondern die Gesellschaft viel Geld für das Salzwerk in Artern und die Verbesserung der Flößerei aufgewandt habe und bat darum, ihm die Mutungsrechte in  Artern und die Flößerei auf der Unstrut und der Gera zu belassen. Aber die Kammer lehnte ab, zumal  man die Verhandlungen zwischen Kursachsen und dem Herzogtum zur Verlängerung des Wiederkaufs nicht durch diese Angelegenheit erschweren wollte.   

 

  1. Nov. Memorandum der herzoglichen-weimarischen Kammer (WEI DS 2109).

Die sprach sich für die Verlängerung des Wiederkaufsvertrages aus, wenn einige   Beschränkungen entfallen würden.

 

            Gerichtssachen (WER D 34)

Der Christian Reuther stritt sich mit dem Pachtschäfer von Fränkenau und Gernstedt Andreas Bratfisch

 

1721

  1. Nov. Gutachten der kursächsischen Floßbeamten (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Zur Kosteneinsparung sollte die Flöße künftig aller zwei Jahre mit der doppelten Menge erfolgen. Kursachsen sollte sich von den beiden herzoglichen Teilhabern das Recht verschaffen auf der Saale eigenes Holz aus den Waldungen des kursächsischen Amtes Ziegenrück  sowie Holz aus dem Amt Arnshaugk auf der altenburgischen Orla zur Saale abzuflößen

Die Beiflöße von herzogl. Küchenholz sollte auf höchstens 2 bis 4000 Klafter beschränkt werden und die übrigen Mengen erst nach der Communflöße folgen. Außerdem sollte die Waldeingabe angepasst werden.

 

            Fürstengut-Konvention (in DD Loc 1337)

Kursachsen genehmigte Preußen die zollfreie Durchfuhr magdeburgischen (Staßfurter) und halleschen Salzes in die brandenburgischen Gebiet Frankens. 

 

            Wiederinbetriebnahme der Saline in Altensalz im Vogtland (in DD 1337, Emons).

Eine vom Leipziger Professor J. Chr. Lehmannn (1675-1739) gegründete Gewerkschaft (Treuer Sachßen Bau und Pflicht), an der auch der Fiskus beteiligt war,  nahm die heute von der Talsperre Pöhl überflutete Saline wieder in Betrieb. Lehmann wollte hier die Salzsiederei verbessern, die er in einer im gleichen Jahr in Leipzig erschienenen salinenkundlichen Schrift („Sachßen kann alle armen Saltz-Quellen… mit Nutzen und Ausbeute bauen…“) beschrieb. Dabei ging sein   gesamtes Vermögen und einen stattlichen Vorschuss der Kammer verloren. 50 Jahre später erklärte  das  Kammerkollegium, daß: „besonders zwei unruhige Arcanisten, Dr. Lehmann aus Leipzig (.) und ein gewisser Happe (.) das Cammer- und Berg Gemach ganz vergeblich und weil solches immer Protection fanden, auf die unangenehmste Art“ beschäftigt hätten. Die Saline Altensalz  wurde 1728 eingestellt.

 

1722

            Verhandlungen zum Wiederkaufvertrag mit dem Herzog von Weimar (WEI. DS 2109).

Die von herzoglicher Seite gewünschten Änderungen bei der Flöße und den Salzquellen wurden abgewiesen. Einzig die Aufhebung der Wenzelschen Gerichte wurde bestätigt.

 

              Klage des Pachtschäfers Christian Reuther (WER D34/1/3956).

Zusammen mit den Pächtern von Fränkenau und Gernstedt klagte er gegen A. Frenzel und H. Eschenbach aus Hassenhausen, weil sie die Triften in der Flur der Wüstungen Hohendorf und  Döben  zwischen Hassenhausen und Saaleck überackert hatten.

 

1723

  1. Apr. Aufhebung der Wenzelschen Gerichtsbarkeit (WER Altes Magdeburger LIXc Nr. 172).

Das Schulamt erhielt vom Kammerkollegium den Befehl „die Alimentation derer von ihm (dem Floßmeister) an sich gezogenen und der Schulpforte zugehörigen Grundstücke, behörig zu inhibiren, wie nicht weniger deßen sämtliches Vermögen  beweg- und unbewegliches  mit Arrest zu beschlagen“.

 

      Apr. Holzkaufvertrag mit den Grafen von Schwarzburg (WEI Floßwesen B 21161).

Die Teilhaber der Communflöße orderten 80.000 Klafter in dem kommenden 12 Jahren, dazu  die Nachlieferung der noch offenen Menge aus dem Vertrag von 1717. Im Preis inbegriffen war die Anflöße auf der Schwarza bis zur Mündung in die Saale. Von da an übernahm die „Commun-Flöße“ die Aufsicht und den Nachtrieb bis zum Kösener Rechen. Die Partner vereinbarten 1041 Taler für 1000 Klafter, wobei die  sog. Holzeingabe (10%), die dem Ausgleich von Transportverlusten diente, abgegolten war. Die Bezahlung erfolgte in Raten, 250 Gulden beim Holzeinschlag jeweils zu Lichtmeß, Ostern und Pfingsten, 200 Gulden zwischen Martini und Weihnachten nach der Anfuhr zu den Einwurfstellen und  50 Gulden im Folgejahr beim Einwurf. Der Rest war fällig, wenn das Gros der Scheite Rudolstadt passiert hatte. Mit dem Einwurf  durfte erst begonnen werden, wenn die Floßboten die Nachricht brachten, dass der Kösener Rechen gezogen war. Der Vertrag wurde in 10 Ausfertigungen erstellt. Für die „Commun-Flöße“ unterzeichneten die Beamten J. E. v. Osterhaußen, J. H. v. Schönfeldt, G. Hartig, Fr. W. Roth, J. G.  Hochhaußen und für Schwarzburg J. J. Örtel.

Außerdem orderte das Herzogtum Sachsen-Weimar 15.000 Klafter für ihre Privatflöße nach Jena. 

 

  1. Apr. 5. Communfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 63)

Trotz aller Differenzen (Privatflöße, Versagen der Mitflöße auf der Orla) vereinbarten Kursachsen und die fürstl.-sächsischen Teilhaber in Leipzig erstmals seit 1694 wieder einen  Vertrag. Seit 1711 wurden Interimsflößen nach dem Vertrag von 1694 auf jeweils ein Jahr gehalten. Der 5. Vertrag war auf acht Jahre und acht Flößen ausgelegt.  Jeder Teilhaber durfte 6.000 Klafter einwerfen (davon 2.200 Klafter aus dem Vertrag der Schwarzburger, der Rest aus kam aus den Bayreuthischen sowie den eigenen Waldungen). Die erste Flöße mit 18.000 Klaftern ging durchweg bis Halle. Die Privatflöße der fürstl. Teilhaber zur Belegung der Stapel von Jena, Camburg und Sulza durfte erst beginnen, wenn 10 bis 12.000 Klafter in Kösen angekommen waren. Kursachsen blieb die Privatflöße aus den Ämtern Arnshaugk und Ziegenrück durch herzogl. Gebiet versagt. Als Preis wurden 45 meißn. Groschen für den Klafter Weichholz vereinbart. 

 

  1. Juni Anordnung August d. Starken zur Suche nach Salzquellen (DD Loc. 1337).

Zwar hatte sich Kursachsen dazu verpflichtet, den Salzbedarf des Landes aus Halle und anderen brandenburgischen Salinen (Groß-Salze, Staßfurth) zu decken, doch gerade der Transport elbaufwärts nach Meißen und Dresden verteuerte das Salz und führte  zum vermehrten „Einschleppen“ fremden Salzes. Inländisches Salz stand nur in geringen Mengen zur Verfügung und die bisherige Suche nach Salzquellen, die man Spekulanten, Wünschelrutengängern und anderen unsicheren Kantonisten überlassen hatte, war gescheitert. Daher wurde 1720 eine Kommission eingesetzt, „welche die Ausfindigmachung der Mittel, darauf Sachsen von Preußischen Cocturen weniger abhängig werden könnte, zu ihrem eigentlichen Gegenstand hatte..“ Zu dieser Kommission gehörte der Ingenieur Johann Gottfried Borlach (geb. 1687 in Dresden), der den Befehl erhielt „in Unsern Churfürstenthumb und Landen Salz-Wercke zu entblößen“ und damit „vernüftige  und gründliche Vorschläge über leerer Speculation  endlich die Oberhand gewänne“. Er erhielt 2.000 Gulden aus den Einkünften des Amtes Borna, die ihm bei Vorlage der entsprechenden Quittungen ausgezahlt werden sollten, außerdem einen kostenlosen Vorspann. Die Amtspersonen wurden  angewiesen, ihm behilflich zu sein und seine Erkundungen nicht zu behindern. Borlach verfügte über ein umfassendes bergbautechnisches und geologisches Wissen, dass er bei zahlreichen Reisen durch die mitteleuropäischen Berg- und Salzwerke erworben hatte. Seine Theorie, dass wenn sich die Salzgebirge ähneln auch Sole zu finden sei,  führten den „Vater der sächsischen Salinen“ nach Artern, Kösen und später Dürrenberg.

 

  1. Juli Antrag der Saalbergswinzer (WEI DS 2134).

Die Pächter aus Naumburg, Flemmingen und Almrich beantragten die Genehmigung zur Anschaffung eines eigenen Kahnes, um beim Übersetzen nicht mehr auf die Gnade des  Fischhauspächters angewiesen zu sein.

 

  1. Okt. Konzessions zum Bau eines Salzwerks in Artern (RUD Kammer 865).

Im Namen einer Gewerkschaft, zu der auch der Kösener Floßmeister G. Hartig gehörte, bat  der Arterner Stadtschreiber Johann Georg Könnicke beim Dresdener Kammer-Gemach um eine  Konzession. Allerdings nicht für das im schwarzburgischen Besitz befindliche und inzwischen zerfallene alte Werk in der Stadt sondern für eine Salzquelle außerhalb der Stadtmauern bei „Kastädt“ . Dass man hier Erfolg haben würde, ging aus einem Gutachten des Vizebergvogts von Eisleben Ernst Friedrich Koch hervor, das dem Antrag beigefügt war.

 

1724

  1. Mai Bericht des Rutengängers Johann Christoph Tiepner (RUD Kammer 865).

Der vom Floßmeister Hartig hierher beorderte Rutengänger hatte zusammen mit dem Floßschreiber Martini das Ufer untersucht und befand, dass Sole zwar vorhanden sei, aber wenig edel und nur mit hohen Aufwand zu erschließen. Die Suche nach Kohle blieb ebenfalls erfolglos. Anschließend beorderte Hartig den Wünschelrutengänger nach Artern, um die dort gemuteten Solequellen genau zu lokalisieren. Weil er zeitlich verhindert war, stellte er ihm den Brückenbauschreiber Johann Sigismund Schildknecht  als Registrator zur Seite. Inzwischen war aus Dresden ein Befehl an den Bergvogt von Thüringen, Jacob Hachenberg ergangen, das Vorhaben der Gewerkschaft bei Artern im Rahmen des geltenden Bergrechts zu befördern. Schildknecht und Tiepner entledigten sich mit Eifer und  Sorgfalt ihrer Aufgabe und erstatteten noch am gleichen Tag bericht. Insbesondere Tiepners Einlassung „wenn unser allergnädigster Herr aus hoher landesväterlicher Liebe und Vorsorge die wenigen Kosten auf 3 Schächte zur Abtriftung außer der Ringmauer des Salzwerkes zu erschürfen  und mit Schächten zu entblößen gnädigst anwenden und sich dazu allergnädigst resolviren wollten, auch der allerhöchste Gott um seinen reichen Bergsegen angerufen werden würde, so soll der Mensch keinen Zweifel haben…“ waren der Anlass , dass  J. G. Borlach sich zunächst nach Artern wandte.

 

  1. Aug. Verzeichnis der Einwohner von Neu-Kösen (WER Altes Magdeburger LIX C Nr. 172)

Nach der Aufhebung der Wenzelschen Erbgerichte visitierten Schulinspektor H. E. Trützschler und Amtmann Chr. A. Kette die Siedlung und stellten fest, dass es 19 Häuser (im März 1716 waren es noch 13), davon  12 auf der rechten Seite des nach Lengefeld führenden Fahrweges und auch schon länger bewohnt, gab. Auf fünf weiteren Plätzen wurde gerade gebaut. Doch die Pachtverträge waren nach dem Entzug der Wenzelschen Gerichte vom Gerichtsherrn List abgeschlossen und bis zu 4 Parzellen einem Interessenten verpachtet worden. Die hatten sich zwar verpflichtet, nur ein Haus darauf zu bauen und das übrige Grundstück als Garten zu nutzen, doch das widersprach der von Wenzel eingegangenen Verpflichtung, jeweils eine Parzelle mit einem Haus zu bebauen. Die 12 Häuser auf der rechten Seite des Lengefelder Fahrweges waren bewohnt von fünf Tagelöhnern, einem Hopfenhändler, einem Schlosser, einem Leineweber, einem  Schneider und dem Kinderlehrer D. Euerling. Lediglich zwei Pächter waren „ausgewiesene“ Floßarbeiter, was der Verpflichtung widersprach, dass die Häuser an Leute verpachtet werden können, die auf dem Stapel arbeiteten. Die konnten sich aber die Pacht nicht leisten, so daß die Plätze anderweitig verpachtet wurden und für den Stapel Tagelöhner vorzugsweise aus Lengefeld angeworben wurden.

In den Häusern auf der anderen Seite wohnten der Schulze Michael Otto, der Floßgegenschreiber J. Schröter, der Strumpfwirker Chr. Leppe, der Bäcker Chr. Pufendorf, der Zimmermann Chr. Thieme, die Schankwirtin Katharina Müller und der Bergverwalter Henning. 

1706 wurden 20 Bauplätze am Lengefelder Fahrweg abgemarkt, nun waren es 24, davon 19 bebaut und 5 im Bau.. Daher befahl der Schulverwalter den Pächtern J. S. Schildknecht, Chr. Reichmeister, L. Triebel, Chr. Tostleben und Michael Otto ihre angefangenen Häuser wieder abzureißen.

 

  1. Aug. Bericht des Schulamts an das Kammmerkollegium (dto.)

Der Schulverwalter schilderte die Zustände in Neu-Kösen und begründete den befohlenen Abriss, weil die Parzellen nach der Aufhebung der Wenzelschen Gerichte erfolgte und somit unrechtmässig sei. Außerdem würden die Einwohner die Viehtriften, Weiden und Waldungen am Jackenberg und der Ilske beschädigen, so dass man sich darüber hinaus entschlossen habe, auch den übrigen Einwohnern den Abriss ihrer Häuser und die Wiederherstellung des vorgefundenen Zustandes zu befehlen. 

 

  1. Aug. Schreiben des Oberfloßmeisters an das Kammer-Kollegium (dto.)

Die Anordnung des Schulamtes sorgte unter den Einwohnern für erhebliche Unruhe. Ihre Klagen stießen bei den Floßbeamten auf Verständnis und der Oberfloßaufseher H. E. v. Osterhausen wandte sich persönlich an das Kammerkollegium. Er verwies dabei auf den Vorteil der Ansiedlung für die kurfürstlichen Flöße, obwohl die Mehrzahl der Einwohner einem Gewerbe oder Handwerk nachging. Dafür sei die Zwangsrekrutierung der Amtsfröner entfallen und das  Schulamt würde durch die Erbpacht, Schul- und Kirchenaufsicht sowie die Ausübung der Obergerichtsbarkeit Einnahmen erzielen, die ohne die Ansiedlung nicht möglich wären. Osterhausen bat, die Rücknahme dieser unsinnigen Anordnung zu befehlen. 

 

  1. Sep. Beschwerde des Artener Stadtschreibers über Borlach (RUD Kammer 865)

Könnicke, der durch Borlachs Anwesenheit seine eignen Pläne gefährdet sah, ersuchte das Kammer-Kollegium die ihm zugesagte Konzession von August d. Starken bestätigen zu lassen. Seinem Partner Hartig teilte er mit, dass auch Borlach Probleme habe und vorzugsweise auf der Suche nach Steinsalzlagern sei, so dass im Fall eines Mißerfolges doch noch die angestrebte  Erschließung der Solequellen bei Kastädt möglich wäre.   

 

  1. Sep. Anordnung des Kammerkollegiums (WER Altes Magdeburger LIX C Nr. 172).

Dem Oberaufseher v. Osterhausen, dem Vize-Floßmeister Hartig und den Schulbeamten wurde befohlen, gemeinsam die angebauten Plätze zu besichtigen und eine einvernehmliche Lösung für deren Fortbestand auszuhandeln. Außerdem sollten alle auffindbaren Unterlagen bezüglich der  Erbgerichten standen nach Dresden geschickt werden.

 

  1. Dez. Verhandlung der Floß- und Schulbeamten (dto.)

Im Floßamt erklärte Amtmann Chr. A. Kette, dass sich in den Amtserbbüchern keinerlei Vermerk über die Wenzelsche Ansiedlung findet, demzufolge die gesamte Ansiedlung unrechtmäßig errichtet sei und entfernt werden müsse. Außerdem wären mehr Parzellen bebaut und die meisten  nicht an Floßarbeiter verpachtet. Dazu käme die unrechtmäßige Benutzung der der Schule gehörenden Felder, Triften und Gehölze und die unliebsame Konkurrenz für den Schulengasthof durch das Wenzelsche Brauhaus und die Schankonzession in Neu-Kösen

Allerdings fehlten im Schulamt die 1706 und 1709 geschlossenen Vereinbarungen und so wurde dem Schwager des erkrankten und daher nicht anwesenden Floßmeisters Wenzel befohlen, alle in dessen besitz befindlichen Unterlagen dem Schulamt zu übergeben.  Nur einen Tag später übergab Leppner dem Schulinspektor Trützschler neben den Protokollen der Abmarkung den  gesamten Schriftverkehr mit dem Schulamt und dem Kammerkollegium aus den Jahren 1702 bis 1705. Zusammen mit dem Protokoll wurden die Akten dem Kammerkollegium zugesandt und um weitere Anweisungen gebeten.

 

             Ausbesserung der Straße von Eckartsberga nach Kösen (WER D 34 Anh. 1 Nr.1120).

Alle Amtsfröner wurden zu  Hand- und Spanndienste aufgeboten.

 

              Hans  Georg Seidler beantragt eine Hausbaustelle (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2658).

Seinem Wunsch, dass diese möglichst  in der Nähe des Gasthofes oder der Schäferei liegen solle, konnte nicht nachgekommen werden, da diese Flächen zur Pachtschäferei gehörten.

 

            Jagdirrungen zwischen Schulpforta und  Gutsbesitzer auf Kreipitzsch (WER D 34/1/227).

Bei der Jagd in den Wäldern zwischen der Berg Kater und der Rudelsburg kam es immer wieder zu Differenzen wenn die Leute des Rittergutsbesitzers bewußt oder unbewußt die hier verlaufende Grenze überschritten.

 

1725                

  1. Mai Beurkundung eines Kaufvertrages in Neu-Kösen (WER. Rep. D 34 Anh. 1).

August Nebbe verkaufte dem Schneidermeister Christian  Plaul und dessen Weib Elisabeth aus Obergreißlau (Langendorf bei Weißenfels) sein Wohnhaus für 50 Gulden, unter Beibehaltung eines lebenslangen unentgeltlichen Wohnrechts. Für seinen Ehefrau unterschrieb als „curatore“ Christoph Türpisch den Vertrag, den der Advokat List beurkundete. Das Anwesen am Lengefelder Fahrweg (Borlachstr. 24) lag zwischen den Häusern von Georg Weise und Hans Reiche.

 

      Aug. Entdeckung des Mühlbrunnens (Johann Gregor Gerhard).

Bei Reparaturarbeiten am Wehrdamm trat im trockengelegten Flußbett eine klare perlende Quelle zu Tage. Bei reichlichen Genuss , konnten „etliche die Hosen nicht mehr aufbinden“ schrieb der Pfortaer Schulenarzt Dr. J. G. Gerhard, der hinzugerufen das Wasser untersuchte. Er kannte die Wirkung mineralischer Gesundbrunnen und veranlaßte die „Hohe Landes-Obrigkeit“ davon, die Quelle zu fassen. Zunächst suchte man mit der Wünschelrute am Fuß des Nikolausberges, wurde aber dann auf dem Grundstück der Pachtmühle unmittelbar am Saaleufer fündig, wo im Auftrag des Schulamtes eine Brunnenfassung angelegt wurde. Der Brunnen wurde im häuslichen Gebrauch getrunken und zum Baden verwendet, allerdings gibt es keine Nachrichten wie und in welchen Umfang das in den nächsten Jahren erfolgte.

 

  1. Sep. Bericht Borlachs über die geologische Erkundung Kursachsens.

Nach seinen Beobachtungen würde neben der Gegend um Artern, die Saale von der Landesgrenze über Naumburg, Weißenfels bis Merseburg die besten geologischen Voraussetzungen für ergiebige Kochsalzquellen bieten. Durch die offenliegenden und durchlässigen Muschelkalkschichten sickerte Niederschlagswasser ein, dass das Salz der Meeresablagerungen in den tieferen Schichten löste, sich im Anhydrit sammelte und an manchen Orten sogar offen zu Tage trat, wie die gerade erst entdeckten Quelle im Bett der Saale. 

 

  1. Okt. Anweisung an die kursächsischen Floßbeamten (WEI B 12161).

Oberfloßaufseher Osterhausen und der Vize-Floßmeister G. Hartig wurden angewiesen, dem Herzog von Sachsen-Saalfeld 600 Klafter aus der kursächsischen Eingabe anzuflößen.

 

  1. Okt. Zeugenbefragung im Floßhaus zu Kösen (WEI. B 12161).

Der Jenaer Floßbote Hans Starke hatte die Floßarbeiter Ende aus Zeutsch und Leppe von der Leuchtenburg wegen übler Beschimpfung und der Androhung von Schlägen angezeigt. Starke hatte die beiden am Sonntagvormittag vor dem Kirchgang in Camburg zum Einwerfen der Scheite befohlen. Das wurde verweigert, die beiden gingen ins dortigen Branntweinhaus wo sie sich besoffen, ihr Arbeitsgerät zerschlugen und in die Saale warfen. 

Die Anzeige erfolgte im Kösener Floßamt beim Floßmeister Hartig. Daraufhin wurde der  Advokat Johann Friedrich List mit der Untersuchung beauftragt. Der vernahm als Zeugen den  Floßarbeiter Philipp Zimmermann, 65 Jahre alt, aus Maua und Hans Wimbach, 75 Jahre alt aus Camsdorf. Das zeigt, dass die kursächsischen Floßbeamten das Recht hatten, bei Verstößen gegen die Commun-Flöße die Untersuchungen zu führen. Die Verurteilung oblag dann den jeweiligen Gerichten. Daher wurde der Untersuchungsbericht nach Altenburg bzw. Weimar zur weiteren Veranlassung geschickt, zusammen mit der Quittung des Advokaten über 2 Gulden, 15 Groschen die die Commun-Floß-Kasse beglich.

 

     Nov. Untertaneneid der Einwohner Neu-Kösens (WER Rep. D Pforta , II Nr. 9)

Nachdem die Wenzelschen Gerichte vom kursächsischen Kammerkollegiums aufgehoben waren, und man sich auf den Fortbestand der Ansiedlung geeinigt hatte, wurden die Einwohner herzogl. Weimarische Untertanen und unterlagen der Gerichtsbarkeit des Schulamtes. Alle vor den Wenzelschen Gerichten zwischen 1706 und 1722 geschlossenen  Pacht- und Kaufverträge wurden in das Amtserbbuch übernommen, diejenigen die danach geschlossen wurden, mußten vor dem Schulamt neu beurkundet werden. Das betraf auch die im Bau befindlichen Häuser am Lengefelder Fahrweg, ausgenommen das Anwesen des Brückenbauschreibers Schildknecht. Das stand außerhalb der Gebäudeflucht und engte den Lengefelder Fahrweg ein, weshalb ihm der Abbruch befohlen wurde. Schildknecht verkaufte daraufhin den Platz dem Floßmeister Hartig.

 

  1. Nov. Anweisung zur Fassung des Gesundbrunnens (WER D 34 Anh. 1/3706).

Die Entdeckung der Mineralquelle sorgte für Aufsehen, so daß sich der Schulverwalter Georg Philipp Pfersdorf vor Ort begab und die Entdeckung dem Kammerkollegium meldete. Dort erging der Befehl, die Quelle zum „Nutzen der Menschen“ zu fassen und den Brunnen jedermann zugänglich zu machen. Daraufhin ordnete das Schulamt an, dass die Arbeiten und Transporte von den Amtsdörfern im Rahmen der Amtsfron auszuführen sind. Diese weigerten sich, da die Anlage von Gesundbrunnen nicht zur Amtsfron sondern zu den Regalen der Landesherrschaft gehörte. Daraufhin ordnete das Schulamt an, die Arbeiten gegen Lohn ausführen zu lassen. Das kostete 13  Gulden deren Rückerstattung man von der Oberpflege verlangte.  

 

  1. Dez. Schreiben der Oberpflege des Schulamtes (WER dto).

Die Oberpflege Lißdorf weigerte sich zu zahlen und begründete die Verweigerung damit, dass der Brunnen  weder zur Schul-Pforte noch zu einem der Vorwerke gehöre noch zum Gebrauch und Nutzen der Schulpforte erbaut würde, sondern dieser Brunnen ein „gantz apartes Werck… so ein Stück von Bergwercken“ sei. Außerdem würde nach  „allergnädigsten königlichen Befehl (…) das mineralische Waßer dießes Brunnens denen Menschen zur Gesundheit dienen.“ 

 

1726                 

  1. Jan. Tod des Floßmeisters Chr. G. Wenzel (WER D 34, Anh. 1 /4254).

Der Floßschreiber Georg Hartig der seit Wenzels Suspendierung, dessen Amt als Vize-Floßmeister übernahm, wurde zum Floßmeister ernannt. Darauf weist auch eine Tafel hin, die im Erdgeschoss des Hauses Borlachstr. 1 1923 entdeckte wurde und die die  Inschrift „Georg Hartig, Floß. Mstr.  Anno 1726“ aufweist. Die Parzelle selbst kaufte Hartwig allerdings erst im folgenden Jahr vom Brückenbauschreiber und baute hier die Kellerei.  

Wegen der vielfältigen Aufgaben wurde neben dem Floßschreiber Martini, Georg Heinrich Schrey  zum Zoll- und Landakzise-Einnehmer bestellt. Dieses Amt bekleidete er bis 1756 (WER D34/1/1011).

 

  1. Jan. „Kurtze jedoch gründliche Nachricht von dem zu Kösen an der Saale entdeckten Mine-

              ralischen Gesund-Brunnen“. (St.-A)

Dr. Johann Gregor Gerhard, „Medico & Physico Portensi“,  widmete diese Veröffentlichung dem „Königl. Kurfürstl. Wirklichen und Geheimen Rat, Ober- Consistorial- und Appelationsgerichts Präsidenten Gottlob Hieronimus von Leipziger“.

Es ist ein Versuch, anhand wissenschaftlicher Begründungen mit dem weit verbreiteten Aberglauben über die wundertätigen Bestandteile von Gesundbrunnen aufzuräumen und statt dessen  die heilsame Wirkung auf die enthaltenen mineralischen Bestandteile und deren Konzentration zurück zuführen, die aber mit den Mitteln der damaligen Zeit nur unzureichend zu bestimmen waren. Wegen zahlreicher Überstimmungen stellte Gerhard den Kösener Gesundbrunnen in die Reihe der Brunnen in Pyrmont und Eger. Die Hauptbestandteile waren  „Vitriolischer elastischer Spiritus, Sal alcali und Ocha Martialis“, also flüchtige Eisenverbindungen, und  alkalische Salze. Zutreffend war seine Schilderung der mit Sole zu heilenden Krankheiten wie Magen- und Darmbeschwerden, Gicht und Podarga, Lähmungen der Glieder, Schwindsucht und Lungenkrankheiten sowie Krätze, also alles moderne Indikationen. Für die Entschlackung des Körpers empfahl er eine Kombination von  Trinken, Schwitzen und Bewegung im Freien, sowie ein Zeitregime und die allmähliche Steigerung der Menge in der Kombination von Trinken und lauwarmen Brunnenbädern sollte den Erfolg der Kur sichern.  Dazu sollte ein Ort gewählt werden, der fern von  „Haus und Amtsvorrichtungen“ liegt, um die Seele zu entspannen, und ausreichend zu schlafen. Enthalten sollte man sich des Branntweins und des „Venus-Spiels“, scharfe Gewürze, Hülsenfrüchte und Räucherfleisch meiden,  sich von Geflügel und Kalb zu  ernähren und Wein oder leichte Biere trinken.

Seine Schilderung der Heilung der unterschiedlichsten Leiden bei 24 Patienten aus verschiedenen Orten der Umgebung, war allerdings stark übertrieben und brachte ihm im 19. Jahrhundert den Ruf eines Scharlatans ein. Dennoch sollte Gregor  Gerhard, der ja  100 Jahre vor Hufeland die Heilwirkung des Gesundbrunnens beschrieb und somit ein Wegbereiter des Kurbetriebes war, angemessen gewürdigt werden.    

 

  1. Mai Schreiben der herzogl.-weimar.-Kammer (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3706)

Die sich die Oberpflege weigerte, das verauslagte Geld für die Fassung des Gesundbrunnens abzuliefern, ersuchte das Schulamt die herzogl. Kammer zu Weimar, der Oberpflege die Bezahlung zu befehlen. Das passte den herzoglichen.  Beamten überhaupt nicht und sie ordneten an, dass die Angelegenheit gegen Gebühren in Weimar vorgetragen werden könnte. Diese Anordnung wurde der Oberpflege im Schulamt verlesen.

 

  1. Mai Beschwerde der Oberpflege beim Dresdener Hof (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3706)

In der Begründung hieß es, dass ein Gesund-Brunnen zu den Salz-Brunnen zählt, demzufolge ein landesherrliches Regal sei und nach den geltenden Regelungen dafür weder eine Amtsfron noch eine finanzielle Beteiligung verlangt werden könnte. Beispiel wäre der Kösener Salz-Brunnen für dessen Abteufung in den Jahren 1682 bis 1685 keinerlei Fron von der Oberpflege verlangt hätte.  Daher baten die Oberpflegen Lißdorf und Hassenhausen um die Niederschlagung der Forderung des Schulamts.

 

  1. Juli Pachtvertrag über den Gasthof Hassenhausen (WER Rep. D Pforta II Nr. 9).

Vor dem Amtmann Dr. J. A. Mack bekundeten  27 Bauern aus  Hassenhausen mit ihrer Unterschrift die Verpachtung des Dorfgasthofes samt Zubehör  an  Johann Wilhelm Schilling auf drei Jahre  für eine Pachtsumme von 400 Gulden. In 25 Paragrafen wurden die Pflichten und Rechte des Pächters festgeschrieben. Ein anschauliches Beispiel für die Pachtbedingungen  derartiger  Objekte im frühen 18. Jahrhundert.

 

  1. Aug. Anordnung bezüglich des „Gesundbrunnens“ (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3706)

Das Schulamt wurde angewiesen, sowohl die Klage der Oberpflege abzuweisen als auch keine Amtsfrohn für den Brunnenbau  zu verlangen.

 

1727

  1. Jan. Verzicht der Wenzelschen Erben (WER D 34).

Nach dessen Tod machten verschiedene Gläubiger ihre Forderungen gegenüber den Erben geltend. Doch da die Verbindlichkeiten den Wert des Nachlasses überstiegen, verzichteten die Erben. Am 8. Juli vereidigte das Schulamt einen Nachlaßverwalter (Curatore Litis), der den Nachlaß versteigern und davon die Gläubiger befriedigen sollte.

 

  1. Feb. Kaufvertrag über den Schildknechtschen Bauplatz (WER. D Pforta II,Nr. 9).

Der Brückenschreiber Johann Siegmund Schildknecht der sein angefangenes Haus am Lengefelder Fahrweg wieder abzureißen sollte, bot das Anwesen beim Schulamt zum Kauf an. Käufer war der Floßmeister Georg Hartig, der 62 Gulden und  1 Gulden Erbpacht bezahlte. Den Vertrag beurkundeten der Amtmann Dr. J. A. Mack und der Notar J. A. Braun.  Auf dem gleich mehrere Bauplätz umfassenden Grundstück baute Hartig sein Wohnhaus und die „Kellerei“ nachdem er 1728 ebenfalls aus dem Wenzelschen Nachlass den Weinhang am Nikolausberg erworben hatte. 1734 verkaufte Hartig das Anwesen dem Ingenieur Johann Gottfried Borlach.

 

  1. Feb. Beurkundung des Nebbeschen Kaufvertrages (WER. Rep. D 34)

Da auch dieser Vertrag nach Aufhebung der Wenzelschen Gerichte von Joh. Fr. List beurkundet  wurde, war eine nochmalige kostenpflichtige Beglaubigung durch das Schulamt erforderlich.

 

  1. Apr. Gutachten des Vizebergvogtes von Thüringen (DD Loc 1338).

Nach der Entdeckung des Mühlbrunnens wurde der Bergmann Samuel Friedrich Otto beim Bauverwalter des Schulamtes Johann Ludwig Hoffmann vorstellig und hatte auf den aufgelassenen Schacht vor dem Gasthof aufmerksam gemacht. Hoffmann wandte sich daraufhin an den Geheimrat von Seebach. Der beauftragte den Vizebergvogt von Eisleben Ernst Friedrich Koch mit einem Gutachten. Die Ortsbesichtigung ergab, dass die Stelle wo Christner einschlagen ließ, vernünftig sei, zumal „die Kunst hat commode nach dem Kunst-Schacht schieben können.“  Die Befragung des Bergmannes Weise ergab, dass der Schacht 175 Ellen bzw. 50 Lachter tief sei  und man hier im „rothen Gesteine“ eine 3 ½ löthige Schwitzsole gefunden habe. Koch war der Ansicht, dass man wie in Artern die Sole erst im hangenden Muschelkalk treffen würde, also wesentlich tiefer.  Allerdings sollte bevor der alte Schacht bevor gewältigt würde, etliche Meter weiter nördlich, neben der Floßschreiberei, einige Probebohrungen niedergebracht werden  „um zu observiren, was allda vor Gestein wäre“.

 

  1. Mai Denkschrift des Geheimen Rates (DD Loc 1338).

Daraufhin schlug der Geheime Rat dem Kurfürsten vor: „...zuförderst ein Kunst-Gezeug mit zugehörigen Feld-Gestänge und Rade-Stube welches zusammen, den Überschlage nach ungefehr an die 700 Thaler betragen möchte…“ zu bewilligen.

 

  1. Mai Verfügung des Staatsministers Graf v. Flemming (dto.).

Angeordnet wurde, „daß der alte Saltz-Schacht bey Kösen  wieder von den wilden Waßern gewältiget und weiter abgeteufet werden soll“ und der Mechanikus Borlach zur Begutachtung hinzugezogen werden soll, sobald er aus Polen zurück sei. 

 

  1. Mai Anordnung des kursächsischen Kammerkollegiums (dto.).

Der Floßmeister G. Hartig und der Bauverwalter J. L. Hoffmann erhielten den Befehl zur  „Wieder Erhebung des Saltzwercks zu Kösen“. Dazu wurde dem Bergmann Otto die Leitung der Arbeiten und dem Vize-Bergvogt Koch aus Eisleben die Oberaufsicht übertragen. Die bewilligten Mittel von 700 Taler wurden der Floßkasse entnommen und der Floßschreiber Martini mit der Auszahlung und Quittierung beauftragt. Angeordnet wurde, dass mit der Wältigung des angefangenen Schachtes umgehend begonnen und regelmäßiger Bericht erstattet wird. Am 9. Juni  waren Wasserkunst und Kunstgestänge soweit wieder hergestellt, daß im Schacht das  Wildwasser abgepumpt werden konnte.

 

  1. Juni J. G. Borlach besichtigt den Solschacht (Gericke 1966)

Der Schachtausbau erforderte erheblichen Aufwand bei der Wältigung des Wildwassers, dennoch empfahl Borlach die Verzimmerung zu erneuern und den Schacht dann weiter abzuteufen, denn nach seiner Theorie, daß „nicht nur das Salz sondern auch die Gebirge, in welchen es steht, einander gleichen und die Sole ist  ein Wasser, welches durch Salzgebirge gegangen ist, sich hier gesalzen hat und mit dem Salz hervorkommt“ erwartete er die Sole in tieferen Schichten. 

 

  1. Aug. Memorandum des „Physikus“ Dr. J. G. Gerhardt (WEI D 2176).

Weil es im gesamten Schulamt keine einzige „Kind-Frau“ gab, wandte er sich an den Herzog von Weimar und bat im Interesse der Erhaltung einer zahlreiche Nachkommenschaft, sämtliche Schulzen der Amtsdörfer vorzuladen und diesen zu befehlen, geeignete Frauen als  Hebammen in ihren Orten  einzusetzen.

 

  1. Nov. Befehl zum Aufbau des Arterner Salzwerkes (Mager).

Die Saline die von den Schwarzburger Grafen 1585 gekauft und dann aufgelassen wurde, lag  mitten in der Stadt. Die schied aus denn Kursachsen hatte sich beim Verkauf verpflichtet, keinen Solebrunnen oder eine Saline innerhalb der Stadtmauern einzurichten. Borlach hatte daher außerhalb der Stadt auf dem Gelände des heutigen Friedhofes einen Schacht angelegt und auch  wenn er hier nicht auf Steinsalz stieß ließ die Quelle die er erschlossen hatte die Errichtung einer Saline zu. Obwohl es an ausreichend Brennstoff mangelte, genehmigte das Finanzkollegium die Mittel für eine Coctur direkt an der Unstrut, wo man das Wasser zum Antrieb der Gradierpumpen nutzte, die die über den Solgraben zulaufende Sole auf die Dornengradierhäuser hob. Vergeblich protestierten die Schwarzburger gegen diese unliebsame Konkurrenz für ihre Saline in Frankenhausen

 

  1. Dez. Registrierung des Wenzelschen Nachlasses (WER D 34 Anh. 1/4971).

Demnach hatte Wenzel gemeinsam mit einem Kompagnon die Vorwerke Fränkenau und Gernstedt  1707 in Zeitpacht bekommen, war aber mit der Pacht im Rückstand geraten.

 

1728

  1. Jan. Bitte der Wenzelschen Erben (WER D 34 Anh. 1/ 4971)

Die Witwe des Floßmeisters, inzwischen durch Wiederverheiratung Bürgerin der Stadt Naumburg,  wandte sich an den Naumburger Rat, weil sie trotz Verzicht auf das Erbe befürchtete, für die Schulden des Floßmeisters zu haften und bat um die Beschleunigung des Verkaufs der Wenzelschen Immobilien, um weiteren Wertverlust zu verhindern. Der Rat leitete die Bitte dem Kammerkollegium in Dresden zu.

 

  1. Feb. Anordnung zur Versteigerung des Wenzelschen Nachlasses (WEI DS 2195).

Das Kammerkollegium genehmigte dem Schulamt die Versteigerung des beschlagnahmten Wenzelschen Vermögens, insbesondere der Immobilien, soweit diese der Gerichtsbarkeit des herzogl. weimar. Schulamtes unterlagen. Dabei machte die Dresdener Rentkammer offene Forderungen in Höhe von 1500 Gulden gegenüber der Sozietät geltend, weil Wenzel einer der Bürgen gewesen war. In ihrer Antwort erklärte das Schulamt, dass man diese  Forderung nur berücksichtigen könne, wenn die Berechtigung nachgewiesen ist und es der Erlös der Subhastation  auch zulasse. Daraufhin wurde der Kammer-Prokurator Hoffmann vor Ort gesandt, um die Versteigerung „in besonderer Obacht zu nehmen sei“  (WER D 34  Anh. 1/4254).

 

  1. Apr. Bewertung der Wenzelschen Immobilien (WER D 34 1/4971)

Auf Anordnung des Amtmannes Dr. H. A. Mack taxierte eine Kommission, bestehend aus dem Amtsrichter Hempel, den Gerichts-Schöppen G. Darnstedt aus Altenburg und Chr. Judersleben aus Pomnitz sowie der Amtsaktuar J. Adam Braun die im Schulamt zur Versteigerung stehenden Wenzelschen Grundstücke und Immobilien. Dazu gehörten ein großes Gehöft an der kleinen Saale neben dem Gasthof, ein Weinberg mit Kelter und Sommerhaus an der Windlücke, ein Weinberg am Kösener Berg, mehrere Äcker am Jochenberg, am Äbtischen Holz und an der Schweinsbrücke, ein Brauhaus und ein Garten mit 3 Fischteichen am Ende des Lengefelder Weges, im Gesamtwert von  2.390 Gulden. Am 14. April wurde die Taxation amtlich bestätigt und ein Verkauf möglichst im Paket vorgegeben. Daraufhin erfolgte die öffentliche Ankündigung. 

 

  1. Apr. Der Solschacht erreicht eine Teufe von 50 Lachter (Gericke 1966).

Damit war man in der Tiefe, bei der Christner die Arbeiten einstellen mußte. Entsprechend den Borlachschen Vorgaben wurde nun weiter abgeteuft.

Die Abschachtung und die Verzimmerung erfolgten abschnittsweise, wobei die Abschnittshöhe vom anstehenden Gebirge und den Wildwasserzuflüssen abhing. Zunächst wurde der lichte Querschnitt  mit Hacke und Spaten abgeschachtet, im festen Gestein kam auch Schwarzpulver zum Einsatz. Der Aushub wurde über einen Handhaspel zu Tage gebracht. Dann wurde die aufgehende Verzimmerung sorgfältig unterfahren, die zugerichteten Balken eingelegt, gegenseitig verkeilt und abgedichtet. Danach wurde der nächste Abschnitt ausgeschachtet. In den druckwasserführenden Erdschichten kam eine wasserdichte Schachtverzimmerung zur Ausführung, in den Gebirgsschichten Vollschrotverzimmerung. In regelmäßigen Abständen wurden Arbeitsbühnen eingezogen, die sowohl als Queraussteifung als auch für die Aufnahme der Fahrten dienten.

Für die Wasserhaltung und später die Soleförderung kamen Kolbensaugpumpen zur Anwendung. Die Saughöhe war auf 9 Meter begrenzt, dann mußte das Wasser in offene Behälter auslaufen, wo die nächste Pumpe ansetzte. Die Kolben in den Pumpenröhren hingen an der vertikalen Zugstange, die am horizontalen Arm des Kunstkreuzes befestigt war. Hier wurde der horizontale Schub vom Wasserrad in den vertikalen Zug umgelenkt. Durch die Exzenter am Wasserad wurde aus der Drehbewegung der Schub, der sich aus der doppelten Länge des Exzenters ergab. Reichte die Wasserkraft nicht aus und der Schacht drohte abzusaufen, mußte die Wasserhaltung mit manuellen Druckpumpen bewerkstelligt werden.

Erreichte man den soleführenden Horizont, erkennbar am Anhydrit, wurde auf der Sohle des Schachtes eine Bohrung niedergebracht. Traf man auf die Sole, so konnte man das Bohrloch abspunden, den Schacht fertig stellen und alle notwendigen Vorkehrungen treffen, um eine reguläre Förderung zu gewährleisten.

Über die Arbeitsbedingungen, die technischen Rahmenbedingungen, Fördermittel, Werkzeuge, Geleuchte etc. im Bergbau s. a. Agricola „De re metallica“. 

 

  1. Juni Subhastation des Wenzelschen Nachlasses (WER D 34 Anh.1/4254).

Nach einem achtwöchigen Anschlag in den Amtsgerichten Pforta, Naumburg und Leipzig, sowie einer Anzeige in der Leipziger  Zeitung mußten die Interessenten bis 12 Uhr ihr Angebot abgeben. Höchstbietende waren der Floßmeister Hartig und Advokat List mit einem gemeinsamen Gebot von 2.500 Gulden.

 

  1. Juli Aufteilung des Wenzelschen Nachlasses (WER D 34 Anl. 1/4971)

Nach der Zuschlagserteilung für die Bietergemeinschaft  wurde die Aufteilung beurkundet. Hartig übernahm das Brauhaus, die Weinberge am Kösener Berg und den Teichgarten, List die Weinberge samt Kelter an der Windlücke und das Anwesen neben dem Gasthof an der kleinen Saale. Die Äcker wurden geteilt, ebenso die noch ausstehenden Getreide-, Obst- und Weinernte. Wertmäßig betrug Hartigs Anteil 921 Gulden, der von List 1579 Gulden. Beide räumten sich ein gegenseitiges Vorkaufsrecht beim Weiterverkauf ein. Da beide  Wenzel kreditiert hatten, wurde ein Teil des Kaufpreises mit ihren Forderungen verrechnet. Es blieben nach Abzug der Kosten des Verfahrens  nur noch 300 Gulden übrig, die an die kursächsische Rentkammer gingen. Der  vom Kammer-Kurator Hofmann mit der Aufsicht über das Verfahren betraute Notar Maurer bestätigte am 13. Juli die Ordnungsmäßigkeit des Verfahrens.

 

1729

  1. Feb. Bericht über die Arterner Saline (RUD 5-12-1060/844)

Die erfolgreiche Abteufung und der Aufbau der Saline hatten im benachbarten Frankenhausen für Unruhe gesorgt. Die Schwarzburger Kammer befahl, den Arterner Betrieb zu beobachten und Bericht zu erstatten. Besonders erwähnenswert fand der Beobachter, dass die Sole durch eine Wasserkunst auf ein Gradierhaus gehoben wurde, hier zweimal umlief und sich dabei von 4 auf 11 Lot anreicherte.

 

  1. Feb. Beurkundung eines Hausverkaufs in Neu- Kösen (WER D Pforta II Nr. 9).

Die Witwe Georg Weises, vom Amtsrichter J. Chr. Hempel als Vormund vertreten, überließ ihr Haus (heute Borlachstr. 22) zwischen Chr. Türpisch und Christian Plaul gelegen, ihrem Schwiegersohn Michael Jäger. Anstelle des Kaufpreises von 50 Gulden wurde ihr ein lebenslanges Wohnrecht, freie Kost und Kleidung eingeräumt sowie eine kleine Rente. Außerdem verpflichtete sich der Erwerber,  für eine angemessene Beerdigung zu sorgen. Beide versicherten, dass sie dem  Floßmeister Wenzel den im Erbbrief vereinbarten Preis gezahlt hätten.      

 

  1. Apr. Beurkundung eines Hauskaufvertrages in Neu- Kösen (WER D Pforta II Nr. 9).

Georg Zimmer verkaufte sein Haus, Hof und Garten in Neu-Kösen (heute Borlachstr. 14), zwischen Nicolaus Rose und David Euerling, seiner jüngsten noch unverheirateten Tochter Eva für 20 Gulden. Statt des Kaufpreises wurde dem Verkäufer lebenslange freies Wohnrecht und Beköstigung sowie eine ordentliche Beerdigung versprochen. Zudem sollte die Käuferin ihren älteren,  verheirateten Schwestern Marion Tostleben und Anna Huth jeweils 5 Gulden zahlen. Als Zeuge wurde der Dorfrichter Christoph Leppe aufgeführt.

 

  1. Mai Befahrung des Solschachtes durch J. G. Borlach (Gericke 1966).

Trotz erheblicher Bedenken des Bergvogtes  und eines Gegengutachtens des namhaften Salinisten Joachim Friedrich Freiherr von Beust, Oberbergrat im Dienst des Herzogs von Sachsen-Weimar, erhielt  Borlach die nötigen Mittel für die weitere Abteufung des Schachtes. 

 

  1. Juli Memorial der Pächter der Halbweinberge ( WEI. DS 2134).

Die Pächter baten den Herzog von Weimar um Genehmigung, dass ihnen die Weinberge vom Schulamt in Geld- und Erbpacht gegeben werden.

 

  1. Juli Aktennotiz zum Wenzelschen Nachlass (WER D 34 1/4254).

Dr. Mack bestätigte, dass der Licentiat List für die von ihm im Vorjahr aus der Konkursmasse erstandenen Grundstücke 316 Gulden bezahlt habe. Die restlichen 1.263 Gulden  hätten der Floßmeister Hartig und der Merseburger Floßvorsteher bekommen, womit ihre Forderungen gegen dem Wenzelschen Nachlass verrechnet wurden. Hartig selbst hatte für seinen Anteil 161 Gulden gezahlt, den Rest gegen seine Forderungen aufgerechnet. Insgesamt blieben  nur 477 Gulden für die Amtskasse.

 

              Bau eines Gewölbekellers am Lengefelder Fahrweg  (Höhlenforscher Kat. 4836/42-c).

Der Gewölbekeller befindet sich heute unter dem Grundstück Borlachstraße 5. Der Gewölbeschlußstein trägte die Inschrift GH 1729, womit der Keller eindeutig auf den Floßmeister Georg Hartig zurückgeht. Zum einen wurde hier der Wein von den Weinbergen am Nikolausholz  zum anderen das Bier aus dem Brauhaus, dass in Neu-Kösen zum Ausschank kam, eingelagert. Sowohl die Weinberge als auch das Brauhaus waren nun im Besitz Hartigs. Wegen der Arbeiten am Schacht hatten sich in Neu-Kösen Bergleute eingemietet, die ebenfalls versorgt wurden, wofür der Keller am Brauhaus nicht mehr reichte. Den Ausschank besorgte die Schankwirtin Katarina Müller in ihrem Anwesen (heute Borlachstr. 25).

Zwischen dem Keller und dem Kelter baute Hartig ein Wohnhaus, wo sich 1731 J. G. Borlach  mit seinem Hausstand und Begleitern einmietete (Vorgängerbau der Borlachtsr. 3).     

 

  1. Nov. Gutachten zur Saline Artern (DD, Salzamtl. Akten)

Der Herzogl.- Eisenachische Oberbergrat J. Friedrich Freiherr v. Beust (1697-1771), Onkel des späteren Salinendirektors C. Leopold v. Beust zollte dem 30 Jahre älteren Borlach seine Anerkennung für den Aufbau des Salzwerkes. Doch Artern hatte ein Brennstoffproblem. In der unmittelbaren Umgebung gab es kein gutes Brennholz, der Transport aus dem Harz war teuer und die Unstrut zur Scheitholzflöße nicht sonderlich geeignet. Er schlug vor, eine 50 km lange Röhrenleitung bis zur Mündung der Unstrut zu verlegen, um die in Artern gradierte Sole mit dem Holz aus der Saaleflöße zu verkochen.   

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Tischler August Kuniger klagte vor dem Schulamt wegen „debiti“.

 

1730

  1. Feb. Gesuch der Gemeinde für einen eigenen Gottesacker (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Im Namen der Gemeinde wandte sich der Dorfrichter Christian Leppe an die Schulbeamten und den geistlichen Inspektor und bat, beim Dorf Neu-Kösen einen eigenen Gottesacker einzurichten. Bislang mußten die Verstorbenen nach Pforta gebracht werden, was umständich und kostspielig war. Außerdem war der dortige Platz beschränkt und reichte für die wachsende Zahl der  Einwohner ohnehin nicht mehr. 

 

  1. Mai Reskript zur Abteufung des Solschachtes (Mager, Aufsätze).

Borlach hatte den König und das Kammerkollegium überzeugt und bekam weitere 5.000 Gulden  aus dem Überschuss des Arterner Salzwerkes. Weitere 8.000 Gulden wurden in Aussicht gestellt, wenn man eine siedewürdige Sole finden würde.

 

  1. Juni Zeitpacht über die Mühlenwiese (MER. C48 IIIb Nr. 5523).

Die Commun-Flöße pachtete einen Acker oberhalb des Rechens für 26 Gulden.

 

  1. Juli Bericht des Floßmeisters Hartig über die Solquelle (Mager, Aufsätze).

„Acto früh um 7 Uhr wird von den in hiesigen Saltz-Schacht arbeithenden Bergleuten berichtet, daß … als ein guther Theil Berge gesprenget…sie wieder einfahren….eine ziemliche Quantität Saltz Waßer angetroffen worden.“ In 150 Metern Teufe zeigte sich die erhoffte Sole, in einer derart großen Menge, dass sie binnen kürzester Zeit bis nahe an die Oberfläche stieg und mit den vorhandenen Pumpen nicht zu wältigen war. 

 

  1. Juli J. G. Borlach untersucht die Solequelle (Gericke 1966).

Die Proben ergaben, dass die Konzentration  unverändert bei  4,18% lag und die Schüttung konstant blieb.

 

  1. Juli Probesiedung (Mager).

Im Protokoll für das Kammerkollegium schrieb Borlach, „es saltzet unser Saltz besonders das Kösische die Prisen kräfftiger als das Hällische“ und weiter „In der Crystallisation gehet das Kösische dem Hällischen und Artherischen weit vor, giebt schönere, weißere und dichtere Crystallen.“ Zwei Tage später ordnete König Friedrich August an, dass „…der Bau bei Kösen weiter fortgetrieben und extendiret…“ werden solle.   

 

  1. Juli Tagebucheintrag des Floßmeisters Hartig (Mager, Aufsätze).

„Es seynd biß dato die Saltz-Waßer alltägl. pobiret und ...daß solche noch beständig des ersten Gehalts sind... es stehen solche 200 Ellen (114 m) hoch im Schacht....die einfache Kunst aber ist nicht vermögend mehr alles was quället heraus zu bringen....es wird mit aller Macht an der doppelten Kunst gearbeitet.....diese Saltz-Waßer gehen so schön und lauter heraus, als fast an keinem andern Orthe zu finden....es ist wegen solchen großen Saltz-Segen von Fremden und Einheimischen vieles jubiliren.“

 

  1. Aug. Anordnung des Kabinettministers v. Wackerbarth (Mager).

Der beorderte ein Miliz-Kommando aus Naumburg zum Schacht „wegen zu starcken Zulauf der Fremden ... zumalen etliche die Probe der Soole mit hinweg zu nehmen begehret hatten“.

 

  1. Aug. Reskript König Friedrich August (Mager, Aufsätze).

Für den Aufbau des Kösener Werks wurde angeordnet, dass die „…zum Arternschen Wercke destinirten jährl. 5000 Thaler auch zum Kösener Wercke mit gebrauchet, dieser Fonds da es nöthig, noch auf 4 Jahre darzu verwendet, …“ Am 04. September wurde Borlach von seinen Aufgaben in Polen entbunden und ihm befohlen, in Kösen „alle Sorgfalt bey diesen Wercke vorgekehret werden solle.“

 

  1. Sep. „Grund-Riß von Kösen wegen erbauung der Salz-Coctur“ (DD Loc 1337).

Borlachs plante zunächst ein Gradierhaus und ein Siedekot mit zwei Pfannen, was für die aus dem Schacht geförderte Sole ausreichte. Für den Fall, dass eine weitere Quelle erschlossen würde, sollte ein zweites Gradierhaus und weiteres Kot hinzukommen. Die Siedkote lagen am Fahrweg nach Schulpforte, gegenüber der kleinen Saale, wohin das zur Versiedung erforderliche Scheitholz geflößt wurde. Der Solschacht maß 52 Fuß im Quadrat (15x15m), 52 Fuß (15 m) bis zur Traufe und 84 Fuß(24 m) bis zum First. Die Höhe war erforderlich, damit die Sole aus dem letzten Überlaufbehälter über eine kommunizierende Röhre auf das Deck des Gradierhauses steigen konnte. Der Kunstturm schützte nicht nur den Solschacht und die Maschinerie vor Witterungsunbilden, hier befanden sich auch das „Local“ des Salinendirektors und die Wohnung des Kunstmeisters. Das Gradierhaus war 550 Fuß (155 m) lang, 13,5 Fuß (4 m) breit, 18 Fuß (5 m) hoch, stand auf Sockeln und hatte ein Dach. Kennzeichnend für die Borlachsche Konstruktion waren die weit nach außen gestellten Streben, die bis unter die Traufe reichten und somit für die erforderliche Stabilität sorgten.  Das Gradierwerk hatte vier Abschnitte, die Repetierfälle. Hier wurde der Umlauf mit Handdruckpumpen besorgt. Nach dem letzten Fall lief die Sole über Röhrenfahrten direkt zum Siedehaus. Dieses war 294 Fuß lang und 41 Fuß breit (82 x 11,5 m) und hatte jeweils eine Haupt- und eine Nebenpfanne mit Herd, Rauchfang und Brodemabzug. Neben dem Rauchabzug, der noch genügend Wärme abgab, befanden sich die Trockenräume. Auf dem Dachboden wurde das getrocknete Salz eingelagert.

Soleförderung und Salzproduktion gehörten zum Bergwesen. Zahlreiche technische Anlage insbesondere zum Antrieb und der Kraftübertragung kamen von dort. Wind- oder Wasserkünste, Feldgestänge sowie die Pumpenanlagen wurden entsprechend den örtlichen Gegebenheiten und den Kenntnissen der Kunst-, Siede- und Maschinenmeister eingerichtet. Während die frühen „Cocturen“ verpachtet und gewerkschaftlich betrieben wurden, setzte  August der Starke auf fiskalische Salinen, zumal die Investitionskosten für derartige Werke die privaten Mittel zumeist überstiegen. Für die Leitung wurden Hofbeamte bestallt, die neben geologischen, chemischen und physikalischen Kenntnissen auch in ökonomischen, mathematischen, baufachlichen und juristischen Dingen beschlagen waren. Die Salinenarbeiter bildeten Knappschaften und waren damit auf Lebenszeit an das Werk gebunden. Wie im Bergwesen üblich mußten bereits die Kinder in den Siedehütten helfen. Die Entlohnung erfolgte im Gedinge nach der Menge des ausgewirkten Salzes, nur die Beamten bekamen ein festes Jahresgehalt. Ruhte der Siedebetrieb, herrschte bittere Not bei den Salinenarbeitern, die sich und ihre Familien dann durch das Binden von Schwarzdornfaschinen oder dem Flechten von  Salzkörben kümmerlich ernährten.

 

1731                  

  1. Feb. Abmarkung der „Sieben Häuser“ in Neu-Kösen (Altes Magdeburger).

Die Nachfragen von Niederlassungwilligen wegen des Aufbaus des Salzwerkes veranlaßten das Schulamt, einen mit Geröll und  Dornengestrüpp und somit für die Landwirtschaft nicht nutzbare Streifen Land am Fuß des Nikolausberges für Bauplätze zu verpachten. Die Abmarkung nahmen der Schul-Inspektor v. Trützschler,  der Schulverwalter v. Pfersdorf  und der Amtmann Joh. A. Mack vor.

 

  1. Mär. Kostenanschlag für das Salzwerk (DD Loc 1337)).

Borlach veranschlagte für den Bau des Gradierhauses 4.454 Taler und für das  Siedehaus 1.633 Taler. Gleichzeitig empfahl er die Abteufung eines zweiten Schachtes zur Erhöhung der  Fördermenge. Außerdem verbrauchte man zur Wältigung der Wildwasserzuflüsse einen erheblichen Teil der Wasserkraft und die Nähe zum Gasthof war für einen ungehinderten Betrieb denbkbar ungünstig.

 

  1. März Abteufung des oberen Solschachts (DD Loc 1337).

Innerhalb weniger Tage traf die Genehmigung ein und 213 Meter südlich vom  ersten Schacht  wurde ein zweiter Schacht eingeschlagen. Der war größer und auf die Verzimmerung wurde mehr Wert gelegt, damit war das Wildwasser abgedämmt und eine separate Wasserhaltung  erübrigte sich (Senff jr. 1816).

 

               Einrichtung des ersten Gradierhauses (Gericke).

Diese erstreckte sich von den Siedekoten am Fahrweg nach Schulpforte in Nord-Süd Richtung und wandte die Längsseite zur Hauptwindrichtung. Zum Schutz vor Regen hatte die Anlage ein Dach. Wie bereits in Artern wurden  zwei Schwarzdornfaschinen nebeneinander eingelegt. Die Solekästen befanden sich über den Dornenfaschinen, so dass nicht nur an den Außenwänden, sondern auch nach innen gradiert werden konnte, was angewandt wurde, wenn durch Wind ein höherer Soleverlust drohte. Zur Bestimmung der Windrichtung ließ Borlach auf dem Nikolausberg eine Wetterfahne errichten. Der erste Fall am Südgiebel des Gradierhauses war so eingerichtet, dass die Sole aus dem obersten Zwischenbehälter im Turm des Solschachtes über eine kommunizierende Röhrenfahrt unter natürlichen Druck auf das Oberdeck stieg, wo sie über Auslaßhähne und die Tröpfelrinnen fein verteilt auf die Dornenwand gelassen wurde. Beim Fallen verdunstete ein Teil des Wassers, gleichzeitig kristallisierten Kalkstein (CaCO3) und Gips (CaSO4) aus und bildeten den Dornstein. Um die Sole für einen 2. Fall wieder auf das Oberdeck zu heben, wurden Druckpumpen eingesetzt, die von Pumpknechten bedient wurden. Dieser Umlauf wurde zunächst drei- später viermal wiederholt, immer auf einen  anderen Abschnitt des Gradierhauses. Nach dem letzten den sog. Gutfall kam die Sole in die Siedepfanne und wurde verkocht.

 

  1. Aug. Gesuch des Bauverwalters J. L. Hoffmann (DD Loc 1338)

Hoffmann, der bei der Abteufung des Solschachtes zur Saline abgeordnet worden war, bat um die Rückversetzung zur Schule. Am 10. Januar 1732 bewilligte Graf Brühl die Wiedereinstellung als Schulbaumeister mit dem  bisherigen Gehalt.

 

  1. Sep. Spezifikation der Einwohner und Kinder (WER D 34 Pforta Anh. 2/2642, 2182)

Im Auftrag aller Einwohner von Alt- und Neu-Kösen hatte der Floßmeister Georg Hartig beim Schulamt um Genehmigung für eine eigene Kirche samt Gottesacker und einem Schulhaus nachgesucht. In Alt-Kösen, das bis vor wenigen Jahren nur aus dem Rechenhaus, der Floßschreiberei, der Pachtmühle, der Pachtschäferei und dem Schulengasthof bestand, waren das Floßamt, eine Schmiede, ein Brauhaus und 5 Privathäuser hinzu gekommen. In Neu-Kösen standen inzwischen 25  Wohnhäuser am  „Lengefelder Fahrweg“.

Insgesamt wohnte hier 233 Einwohner ohne die „jetzt allda befindlichen fremden Werk-Leuten und Arbeiter beim Salzwercks-Bau“. Weiter hieß es „daß unter denen specifizirten 233 Personen 33 Kinder befindlich, so zur Schule zu halten, davon aber bis dato über 6 Kinder nicht dahin geschickt worden sind, sondern in freien Muthwillen und ärgerlichen Leben gelassen und erzogen werden.“  Der Kinderlehrer David Euerling hatte zwar ein eigenes Haus, wo er unterrichtete, seinen Lebensunterhalt vom Schulgeld der wenigen Kinder zu bestreiten, war aber schwerlich.

Hartig listete alle Hauswirte und deren Mitbewohner auf. Im  Haus Nr. 8 am Lengefelder Fahrweg, hatte sich der Ingenieur Borlach mit dem Salinenbaumeister (Kondukteur), dem  Bauschreiber, einem  Hilfsschreiber, seiner  Köchin und seinen Kutscher samt dessen Weib und Kind, insgesamt 8 Personen eingemietet.

 

  1. Nov. Inbetriebnahme des ersten Siedekots (Gericke).

Die Siedepfannen aus Eisenblech hatten eine Fläche von ca. 25 m² und fassten über 800 l Siedesole. Zur Befeuerung wurde  ausschließlich Scheitholz aus der Saaleflöße verwendet.

Zum Siedevorgang gehörten das Anwallen, das  Stören und das Soggen, was rund 21 Stunden dauerte. Beim Kochen wurde Ochsenblut dazu gegeben, das die organischen Verunreinigungen band und abgeschöpft wurde. Beim „Stören“ setzten sich die gelösten Karbonate als Pfannenstein am Boden ab. Zeigten sich am Pfannenrand die ersten Salzkristalle, wurde das Feuer gedrosselt. Durch Zugabe von Bier sollte die Bildung der Kristalle verbessert werden. Das noch nasse Salz wurde aus den Pfannen gezogen und kam in Weidenkörbe die über den Siedepfannen standen, um die nassen Bestandteile wieder in der Siedepfannen aufzufangen. Nach dem Abtropfen wurden die Körbe (rd. 60 kg) zum Trocknen auf die Dachböden der Siedehäuser gebarcht, wo man die Wärme der Abzugsröhren nutzte.  

Nach drei Werken, also 63 Stunden, wurde aus der Mutterlauge in  einer Nebenpfanne ein  minderwertiges gelbes Salz gewonnen, das als Viehsalz in den Handel kam. Die dann noch übrige Mutterlauge und der Salzschlamm in dem sich Magnesium, Kalium und Calzium und Sulfat-Ionen angereichert hatten, wurden weggeworfen. Erst später erkannte man deren Wert als Ausgangspunkt für die Glauber- und Bittersalzproduktion. Nach  9 Werken wurde das Feuer gelöscht (Kaltlager), der Pfannenstein  entfernt und die Pfannen repariert. Der Pfannenstein wurde gemahlen, mit  Holzasche und Dornstein gemischt als Dünger verkauft.

Ein Kaltlager dauerte vom Samstagabend bis zum Montagmorgen, wo man den Siedern einen Tag Ruhe gönnte (Senff jr. 1816).

 

  1. Nov. Anweisung von Bauplätzen an der Heerstraße (WER D 34 Anh. 1/4123).

Im Vergleich zu den Bauplätzen der Floßarbeiter waren die sieben Bauplätze mit 17 x 34 Metern etwas großzügiger bemessen als die am Lengefelder Fahrweg, mit nur 12 Metern  Straßenfront und boten auch Raum für Gewerbe und Mietwohnungen sowie ein „Kraut- und Rüben-Gärtlein“ unverzichtbar  zur Eigenversorgung in einem Dorf ohne Feldflur und Viktualien-Markt.

Im Amtserbbuch von 1752 wurden die „Sieben Häuser“ unter den Nummern 7 bis 13 geführt, heute sind dies die Lindenstraße 14, 16, 18, 20, 21, 22 und 24. 

Die ersten Pächter waren der Bäcker Hollstein (Lindenstr. 14), der Strumpfwirker Peter Nicolai (Nr. 16), der Sattler Mathesius (Nr. 18), der Advokat Heinrich List (Nr. 20), der Schneider Lorenz Starcke (Nr. 21), Christoph Graf, Hofmeister zu Fränkenau (Nr. 22) und Georg Friedrich Rausch (Nr.  23). Etwas später pachtete der Kinderlehrer Ernst Hucke sen. (Nr. 24) den letzten Bauplatz. Der  Hofmeister von Fränkenau hatte seinen Bauüplatz zurück gegeben, der nun dem Tagelöhner Christoph Gause verpachtet wurde. Für die Plätze „von der Brücke und Floßhause nach den Kösener Berg zu, rechter Hand“, wurde 1 Gulden Erbzins vereinbart, erstmals zahlbar zu Michaelis 1733.

 

  1. Nov. Antrag des Floßmeisters Hartig (WER D 34 Anh. 1/4123)

Er wollte einen neuen Keller in der Nähe seines Brauhauses (Loreleyprom. 3)bauen, denn der bestehende Keller war durch das darüber hinweg gehende Kunstgestänge nur noch eingeschränkt nutzbar. Schließlich erwarb er einen Platz neben dem Rechenhaus, wo er einen Keller anlegte (Loreleyprom. 8).

Außerdem bat er um einen Bauplatz an der Brücke gegenüber vom Floßamt und die Konzession für ein Brauhaus in Neu-Kösen

 

  1. Dez. Verkauf des ersten Siedesalzes (Gericke 1966)

Insgesamt waren es 150 Stück, das Stück zu ca. 60 kg. Borlach rechnete dann mit einer Jahresproduktion vo 10.000 Stück, wenn man im oberen Schacht fündig würde.

           

               Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Das Schulamt verklagte Hans Georg Seidler wegen rückständiger Pachtgelder und der Gasthofpächter Moses den Strumpfwirker Nikolaus Rose  wegen Beleidigung (Nr. 4711).

 

1732

  1. Jan. 6. Communfloßcontract (WER C 66 Anh. I Nr. 63)

In Vorbereitung des Contracts verlangten die kursächsischen Floßbeamten, dass die in Unterneusulza ausgesetzten Scheite nur für den Bedarf der Saline bestimmt und nicht an kursächsische Untertanen verkauft wird. Der Contract wurde über 6 Flößen von 1733 bis 1738 mit jeweils 6.000 Klaftern vereinbart. Die übrigen Klauseln entspachen dem letzten Vertrag. 

 

  1. Jan. Bekanntmachung zur Rücknahme des Schulamtes (WEI DS 2188).

Das kurfürstliche Kammerkollegium hatte nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Kösener Saline von einer nochmaligen Verlängerung der Verpfändung des Schulamtes abgeraten, zumal man die Rückkaufsumme aus den Überschüssen der Salzwerke Artern und Kösen aufbringen konnte.

Zur Leistung des Untertaneneides auf den Kurfürsten sollten sich zum gegebenen Zeitpunkt alle erwachsenen Einwohner im Schulamt einfinden. Diejenigen, die den Termin fernblieben, wurde Strafe angedroht und sie mußten die Eidesformel am herzoglichen Hof in Weimar leisten. 

 

  1. Jan. Befehl zur Rückgabe des Schulamtes (WEI DS 2189).

Die herzoglichen Kammerräte v. Volgstädt, v. Hirschfeld, Voigt und Eylenstein taxierten Wiederkaufskontrakts aufgeführten Bestände an Vieh, Gebäuden, Vorräten und Zubehör.

 

  1. Mär. Spende für den Bau einer Kirche in Neu Kösen (WER D 34 Anh. 1 Nr. 2891)

Um den Kirchenbau zu befördern, versprach Floßmeister Hartig 1.000 Gulden und führte an, daß sein Sohn aus erster Ehe mit der 1731 verstorbenen Anna Elisabeth geb. Koch als Student in Wittenberg stets in Geldnöten und zahlreiche Händel verstrickt, das Erbe verprassen würde.

Daher würde er das Geld lieber für eine Kirche im Dorf hergeben, die dorthin kommen sollte,  wo  das „alte, wüst gelegenen Catholische Kirchengebäude“, das ehemalige Klostervorwerk unmittelbar neben dem Gasthof stand.

Die Spende beurkundete der Schulamtmann Dr. Mack, sein Schwiegervater, denn Hartig hatte im gleichen Jahr dessen Tocher geehlicht.

 

  1. Juni Bericht Borlachs über den Betrieb des Salzwerkes (DD Loc 1337, Gericke).

Demnach wurden in den beiden Pfannen bis zum 14. Juni  4.221 Stück Kochsalz gesotten und in den Handel gebracht. Allein im Juni wurden 300 Stück produziert. Die Kosten beliefen sich auf  10.344 Gulden, die Einnahmen aus dem Verkauf von 11.209 Stücken weißen und 28 Stück gelben Salzes brachte 11.616 Gulden, 1.272 Gulden Gewinn.

Neben dem Salzverkauf in unmittelbarer Nähe wurden von hier aus die Salzniederlagen im neustädtischen und  vogtländischen Kreis belegt.  Da sich die Abteufung des oberen Schachtes schwierig gestalteten, schlug Borlach vor, den unteren Schacht weiter abzuteufen.

 

  1. Juli Reskript des Kurfürsten zum weiteren Ausbau der Saline (DD Loc 1337).

„Also begehren Wir gnädigst ihr wollet so wohl……als auch Borlachs Vorschlägen gemäß mit tieferer Absenkung des Soolen-Schachtes zu Kösen immer fortfahren und so dann nach Befinden das Salzwerk so weit es nur immer möglich, erweitern…“ Friedrich August wies das Kammerkollegium an die Mittel, für den Bau eines zweiten Gradierhauses und eines zweiten Siedekots zu bewilligen. Die Erweiterung zeigt ein Plan von 1733 (Kupferstichkabinett Dresden).

 

  1. Nov. Anordnung des Weimarer Hofes wegen des Schulbeamten (WEI DS 2181).

Nach einer Anzeige wegen Vorteilsnahme wurde die Festsetzung des Amtmannes Dr. Mack angeordnet. Mack bat um die Aussetzung des Vollzugs und nach Hinterlegung einer Kaution von 2.000 Talern verzichtete der Herzog auf die Inhaftierung.

 

  1. Nov. Reskript zum Einsatz der Amtsfröner (WER Pforta II Nr. 941).

Die Schulbeamten wurden nochmals darauf hingewiesen, dass deren Einsatz zweckdienlich sein, die Arbeitskräfte nicht überbeansprucht und insbesondere nicht zur Saat oder Ernte angeordnet werden sollten.

 

  1. Dez. Protokoll zur Anzeige gegen den Schulenamtmann (WEI DS 2183).

Im Weimarer Schloss Wilhelmsburg erklärte der Dornburger Amtmann Carl Friedrich von Tümpling vor drei herzoglichen Kammerräten, dass er dem Amtmann, Wechsel über 1000 Gulden und eine goldene Uhr im Wert von 120 Taler ausgehändigt habe. Außerdem seien Schweigegelder bei Grundstücksgeschäften gezahlt worden, wofür es keine schriftlichen Belege gäbe. Daraufhin wurde Dr. Mack aufgefordert, alle in seinem Besitz befindlichen Wechsel, Schuldscheine und Pfandverschreibungen  Tümplings zur Prüfung bei der herzoglichen  Kammer  einzureichen.

 

             Beschwerde der herzogl.-weimarischen Kammer (WER  D 34/ 2/ 1261)

Nach der Inbetriebnahme der oberen Radkunst fiel der Wasserspiegel der kleinen Saale und wenn  dann noch der Schütz am Scheitbach für den Einwurf der Scheithölzer gezogen wurde, standen  die Pfortaer und die Altenburger Mühle still. Die Pachtmüller in Pforte und Altenburg beschwerten sich  beim Schulamt, das den Vorgang an die herzogl. Kammer in Weimar weiter gab. Diese wiederum wurde bei der Salinenverwaltung vorstellig und machte Schadenssersatz geltend. Doch das erübrigte sich als das Amt zurückgegeben wurde und Kursachsen nun wieder diese Dinge in eigener Landeshoheit regeln konnte.

 

1733    

  1. Feb. Die herzoglich-weimarischen Kammer mahnt Dr. Mack (WEI. DS 2183).

In Anbetracht der bevorstehende Rückgabe des Schulamtes und der damit verbundenen Aufhebung der herzogl. Gerichte, zögerte Dr. Mack die Herausgabe der Unterlagen hinaus.

 

      Juli Der obere Schacht ist auf 100 m abgeteuft  (Gericke) 

Bis zur Teufe von 70 Ellen (47 m) wurde eine druckwasserdichte Verzimmerung eingebaut, danach kam eine Vollschrotverzimmerung zur Ausführung.

 

  1. Aug. Beschwerde des Kukulauer Pächters (WEI DS 2190).

Der beklagte die von seinem Vorgänger Carl Liebmann Danne aus Hassenhausen hinterlassene Unordnung der Domäne.

 

  1. Aug. Vererbpachtung der Halbweinberge (WER, Rep D Pforta, II, Nr. 2582).

Die herzogl. Kammer zu Weimar hatte dem Wunsch der Halbpächter entsprochen und die Weinberge  im April 1722 in Vollpacht gegeben, allerdings nur für die Zeit bis zum Rückfall des Amtes an Kursachsen. Doch nun empfahl Kammerkollegium zu Dresden, dass es bei der Erbpacht bleiben sollte. Dabei würde das Schulamtes von den Verpflichtungen zur Unterhaltung der Weinberge entbunden, wozu die Anlieferung von Stallmist gehörte, die den Domänenpächtern von Fränkenau und Kukulau auferlegt war, zumal die eine höhere Pacht anboten, wenn ihnen die Anfuhr erlassen würde und sie den Mist auf ihre Äcker bringen könnten.

 

  1. Okt. Rückgabe des Schulamts an Kursachsen (WEI DS 2189/2191).

Am 21. September wurde die Rückgabe des Schulamtes befohlen, die dingliche Übergabe erfolgte  zwischen dem 4. und 11. Oktober. Dabei wurden Inventar- und Bewertungslisten geprüft und die  Wertsteigerung des Inventars in Pforte, Kösen, Kukulau, Fränkenau, Gernstedt, Memleben, Hechendorf und den Saalhäusern mit 2.195 Gulden festgestellt, die Kursachsen der herzogl.-Rentkammer zusammen mit dem erhaltenen Vorschuß und den vereinbarten Zinsen zahlte.   

 

  1. Dez. Zeitpachtvertrag über die Mühlenwiese (MER C 48 IIIb, Nr. 5519).

Die „ Königl.-Churfürstl.- Hochfürstl. Sächs. Commun Saalen Floß Beamten“ und die „Königl. Churfürstl. Amts Rentherey Pforte“ vereinbarten eine Zeitpacht von drei Jahren für jährlich 26 Meißner Gulden. Außerdem verlangte das Schulamt die Bestrafung all derjenigen, die nicht den vom Dorf zum Holzplatz führende Weg nutzten, sondern über die Wiesen liefen. Den Vertrag  unterschrieben der Oberfloßaufseher von Schönfeld, der Floßmeister G. Hartig, der herzogl. altenburg. Oberfloßaufseher Chr. Hochhausen und dessen Floßmeister J. G. Tietz und  von seitens der „Amts-Rentherey“ J. V. Stephel, H. E. Trutzschler, G. Ph. Pfersdorf und C. V. Franke.

 

            Klage des Gasthofpächters Chr. Mose gegen Christoph Brücker (WER D 34/ 2/1300).

Der Fischhauspächter hatte Bier ausgeschenkt und Gäste „gesetzt“ und somit gegen das dem Gasthof verliehene Schankmonopol verstoßen. Im Gegenzug verklagte Brücker Mose wegen  Verleumdung (Nr. 4669), der wiederum nun Brücker wegen Beleidigung verklagte (Nr. 5105). Außerdem verklagte der Bäcker Johann Christoph Hollstein den Dorfschulzen Michael Otto wegen Beleidigung (Nr. 3873).

 

1734

  1. Mär. Bitte der Einwohner (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182)

31 Hausbesitzer baten den König, den Schulbeamten zu befehlen, ihnen den Bau einer Kirche und die Einrichtung eines Gottesackers zu genehmigen und versprachen die finanzielle Beteiligung der Gemeinde an den Kosten für den Bau und den Unterhalt der Pfarrei. Als Grund wurde der beschwerliche Weg nach Pforte und der beschränkte Platz auf dem  dortigen Friedhof angeführt, zumal sich die Zahl der Einwohner durch den Aufbau der Saline weiter vergrößern wird.

 

  1. Apr. Kaufvertrag zwischen Borlach und Hartig (WER D 34 1/4254).

Borlach erwarb vom Floßmeister „ein zu Neu-Kösen über Christian Reichmeister“ gelegenes Haus mit 3 Küchen, einer Weinpresse mit zwei „großen Thösen“, dazu Hof, Scheune, Stallung und Garten, dazu den Weinberg „der Nicolausberg genannt, von Mauern umgeben und mit einer gewölbten Weinbergs-Hütte versehen“ sowie 4 Acker Feld am Jochenberg und am Äbtischen Holz. Letzteres hatte der Floßmeister Hartig 1728 aus dem Wenzelschen Konkurs erworben. Borlach zahlte 1.500 Gulden und ließ am 12. Mai den Vertrag vom Amtmann Schindler beglaubigen.

 

  1. Mai.Schreiben des Konsistoriums an das Schulamt (WER D 34 Anh. 1 Nr. 2182).

Der Bittbrief der Gemeinde kam zum Konsistorium in Leipzig, das nun ihrerseits vom geistlichen Inspektor eine Stellungnahme wegen der „Auspfarre“ verlangte. 

 

  1. Mai Huldigungseid für Kurfürst Friedrich August II. (Sächs. Hofkalender 1735).

Die Eidesformel die der Geheime Rat v. Bünau den Amtsuntertanen verlas, lautete:

„Ihr sollt geloben und schwören, daß ihr dem Durchl. Fürsten und Herrn, Herrn Friedrich Augusto, Kgl. Printz in Pohlen und Lithauen, Hertzogen zu Sachsen, Jülich, Cleve, Berg, Engern und Westphalen, des H. Römischen Reichs Ertz-Marschall u. Churfürsten, Landgrafen von Thüringen, Markgrafen zu Meißen, auch Ober-und Niederlausitz, Burggrafen von Magdeburg, gefürsteten Herrn zu Henneberg, Grafen zu der Marck Ravensberg und Barby, Herrn zu Ravenstein, Unserm gnädigste Herrn und S. Königl. Hoheit männlicher Leibes-Lehns-Erben  und nach dieser Linie Absterben (so GOtt in Gnaden verhüte) Dero Herren Vettern Fürstlicher Durchlauchtigkeiten, Churfürstlichen Stammes, anietzo Weißenfelsischer und Merseburgischer  Linien, und Deroselben Leibes-Lehns-Erben und nach Abgang dieser Chur-und Fürstenlinien  männlichen Stammes Dero andern Herren Vettern, Ernestinischer Linien und Ihrer Fürstlichen Durchlauchtigkeiten und Gnaden männlichen Leibes-Lehns-Erben nach Inhalt der Röm.- Kayserl. Belehnung, und im Fall  der ganze männliche Stamm der Chur- und Fürsten zu Sachsen Todes abgegangen und verstorben wäre (welches Gotte gnädiglich verhüten und abwenden will) alsdenn dem Landgrafen zu Hessen und Ihrer Fürstlichen Durchlauchtigkeit und Fürstl. Gnaden männlichen Leibes-Lehns-Erben alles mit Unterschied, hergebrachter Gewohnheit und vermöge Ihrer Königl. Hoheit, Fürstl. Durchlauchtigkeiten und Fürstl. Gnaden allerseits respective Erb-Verbrüderung, Erb-Theilung und obangeregter Kayserl. Belehnung, wollet getreu, hold und gehorsam seyn, auch nicht in dem Rathe, vielweniger bey der That seyn, die wider Ihro Königl. Hoheit und Fürstl. Durchl. auch Fürstl. Gnaden gehandelt oder gerathschlaget würden. Ihrer Königl. Hoheit, auch Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden und Deroselben Erben, Frommen, Ehre und Nutz fördern, Schaden  warnen und wenden, nach euren besten Vermögen. Insonderheit da ihr erfahret, daß etwas Ihrer Königl. Hoheit und Ihren Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden an Leibe, Ehre, Würde und Stande zugegen und Nachtheil, oder Ihren Chur- und Fürstenthümern fürgenommen werden, solches Ihrer Königl. Hoheit, auch Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden offenbahren und daß auch euch oder die eurigen treulich verhüten, auch vor eine eigene Person wissentlich nichts vornehmen, daß Ihrer Königl. Hoheit, auch Ihren Fürstl. Durchl. und Fürstl. Gnaden zu Schaden oder Nachtheil kommen möchte und Ihrer Königl. Hoheit, auch Fürstl. Durchl. schuldige Dienste, Pflicht und Gehorsam leisten, auch sonsten alles andere tun, halten und lassen, was getreue Unterthanen gegen Dero Landes-Fürsten von GOttes auch von Gewohnheit und Rechts wegen zu thun und zu lassen schuldig seyn, gantz treulich und ohne Gefahr.

 

  1. Juli Anordnung des Kammerkollegiums (WER, Rep. D 34 Pforta II).

Das Schulamt wurde angewiesen, die Weinberge in Voll- bzw. Dauerpacht zu geben. Dazu sollte der Bauverwalter Hoffmann eine ordentliche Vermessung vornehmen  und die Erträge taxieren, um die Höhe der Erbpacht zu berechnen, die der Schule einen angemessenen und dauerhaften  Ersatz für die bisher erhobenen Naturalabgaben gewährte.

 

  1. Aug. Schreiben des Kammerkollegiums an den geistlichen Inspektor (WER D 34 2/2642)

Der geistliche Inspektor fragte in Dresden an,  ob der Amtmann Spindler „die von denen weimarisch erbaute Emporkirche mit den seinigen“ noch betreten dürfe. Demnach bestand im Dorf Kösen während der herzogl. weimarischen Periode eine Filialkirche. Nun wurde angefragt inwieweit nach der Rücknahme des Amtes durch Kursachsen zu verfahren sei. Die Antwort der Kammer „So können wir doch geschehen lassen, daß er außer den Fall, wenn einige Räthe, Commissarien oder der adliche Inspector gegenwärtig, derselben zu Abhaltung des Gottesdienstes mit denen Seinigen sich bedienen möge“ womit es der Einwohnerschaft gestattet war,  die  „Emporkirche“   weiter zu nutzen.

 

  1. Dez. Bericht zum Antrag auf „Auspfarrung“ (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182)

Auf Anforderung des Konsistoriums erklärte Spindler, dass man die  „alte Capelle zu Alt-Kösen“ nicht als Kirche nutzen könne, weil sie mit 16 Ellen (9,2 m) im Lichten und 7 Ellen (3,7 m) in der Höhe, zu klein sei, keine Fenster habe und außerdem als Scheune genutzt wird. Den Durchbruch von Fensteröffnungen und eine Erhöhung der Wände würden die Grundmauern nicht aushalten, außerdem müßte dann eine neue Scheune gebaut werden, wobei niemand wissen könne, ob dieses Gemäuer dem weiteren Ausbau des Salzwerks weichen müsse. Besser wäre es, die Kirche nahe beim Dorf Neu-Kösen zu bauen, da wo der schwedische Obrist Wentull 1706 den Tod fand. Allerdings wäre die Gemeinde in Anbetracht der geringen Verdienstmöglichkeiten nicht in der Lage, die versprochenen Gelder für den Bau und den Unterhalt der Filialkirche aufzubringen.

 

               Im oberen Schacht stößt man auf eine siedefähige Sole (Senff  jr. 1816).

In einer Tiefe von  81 Lachtern (ca. 162 m) stieß man dann auf die Quelle, deren Konzentration und Ergiebigkeit höher als die des unteren Schachtes war. Damit bewies Borlach erneut seine Genialität bei der Mutung von Solevorkommen durch die konsequente Anwendung  geologischer  Erkenntnisse.

 

               Plan zur Erweiterung des Salzwerks (Kupferstichkabinett Dresden)

Die täglichen Fördermenge aus dem unteren Schachtes betrug 730 Kubikellen (130 m³) und aus dem oberen Schacht 1.440 Kubikellen (260 m³). Damit war die von Borlach 1733 vorgeschlagene Verdoppelung der Gradierflächen und der Siedepfannen realistisch. Parallel zum ersten Gradierhaus wurde ein zweites gebaut. Nach E. Fr. Senff  war das 648,5 Ellen lang (434,5 m), 13,5 Ellen hoch (9 m) und die  nutzbare Dornenwand auf beiden Seiten betrug 7.920 m².  Dazu kamen noch zwei Siedehäuser mit jeweils einer Haupt- und einer Nebenpfanne, in der die Sole vorgewärmt wurde.

 

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2)

Christine Thieme verklagte Rosine Leppe wegen Beleidigung (Nr. 4055). Dorothea Hilprecht  und Michael Schulze wurden wegen „Hurerei“ verklagt (Nr. 4041), Dorothea und Christian Beyer, Christian Richter und Maria Elisabeth Weißgerber wegen übler Nachrede (Nr. 5283, 4974).  Außerdem verklagte  der Schlosser Johann Peter Vetter  Sophia Wagner wegen Beleidigung (Nr. 5280) und Christina Vetter verklagte Katharina Beyer wegen Diebstahls (Nr. 4054), der  Salzsiedemeister Moritz Wagner wurde wegen übler Nachrede (Nr. 5126) und Christoph Reiße verklagte den Fischhauspächter wegen „ungebührlichen Spielens“(Nr. 4977).

 

1735

               „Kgl. Pohln.- Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN. digit.).

Darin wurden alle bei Hof oder im Staatsdienst stehenden Personen vom Kammerherrn bis zur Scheuerfrau im Hofstaat der Kurfürstin aufgeführt. Die Beamten der Saale-Flöße waren der Ober-Aufseher Johann Heinrich von Schönfeld, der Floßmeister Georg Hartig, der Floßschreiber und Floß-Zoll-Holzeinnehmer Martini und der Floß-Gegenschreiber Johann Schröter. Der „Mechanici“ J. G. Borlach findet sich unter den  „Architecti, Ingenieurs und Künstlern“.

 

  1. Mär. Floßmeister Hartig verkauft den Teichgarten seiner Ehefrau (WER D 34 Anh. 2/2301)

Seine zweite Ehefrau Sophie Juliane war die Tochter des bisherigen herzogl. weimarischen Schulamtmannes Dr. Mack. Das Grundstück auf dem eine Quelle entssprang, lag am Ende des Lengefelder Fahrweges, wo sich die Fränkenauer Trift  und der „wilde Graben“ von der Mausa kreuzten  (heute Borlachstr. 42, 43).  Dank dieser Verbindung durften hier Fischteiche angelegt werden, die von der Quelle gespeist wurden.

 

  1. Apr. Anordnung des Kammer-Kollegiums (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182)

Da das Gutachten zur Auspfarre und die Einrichtung einer eigenen Kirche für Kösen noch ausstand, wurde dies angemahnt, die Mahnung wurde dem Schulamt weitergegeben und zugleich sollte das Schulamt bei der Gemeinde für die ordnungsgemäße und pünktliche Bezahlung des  Kinderlehrers sorgen.

 

  1. Mai Beschwerde des Amtmannes Berlepsch (WER D 34 Pforta Anh.2/2292).

Der Nachfolger von Dr. Mack beklagte sich über den Ungehorsam und die Widerspenstigkeit der Kösener Einwohner, weil diese seiner Anordnung zur Gerichtsfolge bei der Bewachung von in Pforta einsitzenden Verbrechern nicht nachgekommen waren. Am 09. Juni erhielt Berlepsch aus Dresden die Anweisung, die Einwohner ernstlich an ihre Pflichten zu erinnern und die Unbelehrbaren  gehörig anzuzeigen.

 

  1. Juli „Specification derjenigen Kinder in Kösen…“(WER D 34 Pforta Anh.2/2642).

Weil sich der Kinderlehrer Machenoch wegen des ausstehenden Schulgeldes beschwert hatte, verlangte der geistl. Inspektor eine Aufstellung der unterrichtspflichtigen Kinder, der ausstehenden Gelder und die Namen der Eltern die das Schulgeld verweigerten, um diese zur Zahlung anzuhalten. Insgesamt waren 44 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren unterrichtspflichtig. Dazu erklärte der Kinderlehrer: „Dieses Quartal von Petri Pauli biß Michael 1735 haben kaum 12 bis 15 Kinder, darbey seynd über die Helffte kleine, so noch nicht 6 Jahre alt, von welchen ich für die Woche 3 Stunden bekomme, und beläuft sich das Schulgeld wöchentlich nicht höher als etwan 5 oder 6 Groschen zur Besoldung und Alimentation. Wenn nun diejenigen, so ihre Kinder im Hauße behalten, nicht das Quartiergeld geben wollen, wie sie sich denn deßen weigern, so fällt diesen wenigen schwer, die Schule länger zu erhalten, auch kann kein Lehrmeister dabei subsistiren und muß die Schule wieder zu Grunde gehen, woferne kein Hohes Einsehen geschieht und die halsstarrigen dazu angehalten werden.“

 

  1. Juli Beschwerde der Einwohner (WER D 34 Pforta II Nr. 2292).

Der Grund war die Anordnung des Schulamts, bei einem am rechten Ufer der Saale „ersoffenen Menschen“ Wache zu halten. Das betraf den „Licentiat juris“ Johann Friedrich List, den Floßschreiber Emanuel Martini, der wegen seiner Dienststellung ohnehin von derartigen Diensten freigestellt war, und noch zwei Einwohner. Dagegen protestierte die Einwohnerschaft und berief sich ihre „possessione libertatis“, darunter die Befreiung von  Einquartierungen, Steuern und Gerichtsfolge, die ihnen bei der Ansiedlung zugesichert wurden.  Sollte das Schulamt darauf bestehehn, würde man vor dem Oberhofgericht in Leipzig dagegen klagen. Zu den Unterzeichnern gehörten der Ortsrichter Peter Nicolai und weitere 19 Hausbesitzer darunter J. S. Hämmerling, J. Chr. Mathesius, Chr.  Schröter, G. W. Bürger, J. Chr. Hollstein und die Witwen Christa Jäger und Maria Theuring.

 

      Aug. Schreiben des Kinderlehrers an das Schulamt (WER D 34 Pforta 2/2642).

Nachdem das Schulamt den Familien der Schulkinder wegen des nicht gezahlten Schulgeldes mit Strafe drohte, erklärten die, dass sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken würden, weil der Lehrer sich dem Alkohol hingibt. Daraufhin verlangte das Schulamt eine Erklärung des Kinderlehrers „Herrn Magnificenz, Hoch- und Ehrwürden…. Daß mich einige in Kösen beschuldigt, als wenn ich dem Branntwein sehr liebe, besteht zwar nicht die Wahrheit, iedoch leugne ich auch nicht, daß ich welchen, aber nicht im Überfluß, trinke. Ursach, weilen ich die ganze Woche nichts warmes zu essen habe, sondern mit Waßer, Brot, Saltz oder ein wenig Käse mich behelfen muß, und zwar deshalben, weilen die Besoldung schwach, denn das Schulgeld dieses Jahr sich nicht höher als 22 Taler 8 Groschen in allen belauffen hat……, von Wäscher-Lohn davon abziehe, habe 20 Taler zu meiner jährlichen Verpflegung, dieselben in 365 Tagen eingeteilt, so habe täglich nicht wohl 8 Pfennige zu verzehren, welche, wie schon gemeldet in trockenen Brote aufgehen.“

Demnach wohnte Machenoch zur Miete und war nicht nur auf das Schulgeld sondern auch auf das „Quartiergeld“ angewiesen. Wenn auch sein Vorgänger Euerling ein eigenes „Häußgen“ besaß, war auch dessen Einkommen in Anbetracht der wenigen Kindern aus zumeist armen Familien unter dem Existenzminimum. Machenoch bat den geistlichen Inspeltor , ihm doch den notwendigen Lebensunterhalt zu sichern, fand aber kein gehör, weil dies eine Angelegenheit der gemeinde war. Machenoch verließ den Ort und 1736 wurde Johann Ernst Hucke sen. als Kinderlehrer von der Gemeinde angestellt (Hinsche, Heimatbuch).

 

  1. Aug. Indemnisationsurkunde (WER Rep. F 23, VII Nr. 1b).

Damit wurde der von Borlach mit dem Schulamt ausgehandelte Pachtvertrag vom Kammerkollegium genehmigt. Das Salzwerk übernahm 9 Acker (d.s rd. 5 ha) und zahlte dem Schulamt eine einmalige Entschädigung von 200 Gulden. Ab 1736 betrug die Jahrespacht 70 Gulden, wurde in der  Salinenkasse verbucht und vom Schulverwalter  Georg  Philipp Pfersdorff ordnungsgemäß quittiert. Die Pacht wurde bis zur Einstellung des Salzwerkes festgeschrieben. Außerdem wurde vereinbart, dass die Schule ihren Salzbedarf direkt von der Saline abholen könne, d.h. das Salz nicht besteuert wurde, aber bar bezahlt werden mußte. 

Das Salzwerk war ein eigenständiger Polizeibezirk und der jeweilige Salinendirektor hatte die niedere Gerichtsbarkeit nicht nur über die Unterbematen und  Arbeiter sondern auch über alle diejenigen, die sich auf dem Salinengelände aufhielten.

 

  1. Aug. Erklärung der Dorfgemeinde (WER Pforta Anh. 2/2292).

Wegen der Verweigerung der Gerichtsfolge wurde damit begründet,  dass der Verdienst bei den   fiskalischen Unternehmen (Flöße, Salzwerk) die einzige noch dazu äußerst karge Nahrungsgrundlage sei, wären sie seit jeher von Steuern, Frondiensten, Einquartierungen und der Gerichtsfolge befreit. Weil aber das Schulamt darauf bestand, hatte die Gemeinde das Oberhofgericht in Leipzig angerufen.

 

  1. Nov. Steuerbefreiung der Weinberge (WER, D 34 Anh. 2, Nr. 2582).

Nachdem der Obersteuereinnehmer bestätigt hatte, dass die Weinberge von alters her steuerfrei waren, wurde das den Erbpächtern auch in Zukunft gewährt.

 

  1. Dez. Memorial der Floßbeamten zum Kirchenbau (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Diesmal wandten sich Hartig und Martini an das Kammerkollegium und erklärten, dass sie den  vom Schulamt angebotenen Platz für eine Kirche rechterhand der Brücke hinter dem Floßhaus ablehnten, weil die „Sieben Häuser“ die Sicht verstellen und den Klang der Glocken vermindern würden. Auch der Platz für den Gottesacker unmittelbar an der Landstraße wäre ungeeignet, weil sich die Reisenden in der Nacht ängstigten. Sie bestanden auf den Platz der „Catholischen Capelle“ neben dem Gasthof. Hier könnte man die Grundmauern verwenden, was die Baukosten vermindern würde un d außerdem würde das Gotteshaus gut zu sehen und die Glocke weit zu hören sein. Von Vorteil wäre die Nähe der „segensreichen Salzquelle“, als ein Zeichen Gottes. Bei einer Erweiterung der Saline wäre es ohnehin besser, die Schäferei und den Gasthof abzureißen und an anderer Stelle wieder zu errichten.

 

              Kupferstich von J. W. Stör: „Abbildung der großen steinernen Brucken zu  Kößen“

Dieser Stich erschien im „Historischen Schauplatz in welchem die merckwürdigsten Brücken aus allen vier Theilen der Welt…vorgestellt und beschrieben werden“ (Bd. 2), herausgegeben von Carl Chr. Schramm und gedruckt in Leipzig bei Bernhard Christian Breitkopf. Obwohl die  Örtlichkeiten nur sehr verzerrt wiedergegeben sind, ist die recht ungewöhnliche Konstruktion der Brücke gut getroffen. Sie hatte drei Rundbögen am rechten und einen Rundbogen am linken Ufer während die vier mittleren Bögen als Spitzbogen ausgebildet sind. Weshalb man beim Bau zwei unterschiedliche Bogenformen wählte, ist nicht bekannt. Möglicherweise gab es hier zwei zeitlich weit auseinderliegende Bauabschnitte. Zu Beginn des 15. jahrhunderts wurden wurden an beiden Ufern die Rundbögen errichtet (n. d. Naumburger Annalen 1405). Wegen der  Hussitengefahr und der sächsische Bruderkrieg (1451 Frieden von Naumburg) kam es zu einer Unterbrechung, möglicherweise wurde der noch fehlende Teil zunächst durch eine hölzerne Konstruktion überbrückt, bevor die steinernen Pfeiler in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet wurden.

Die Brücke selbst war recht schmal, nicht breiter als die Brücke über die kleine Saale vor der Floßschreiberei, deren Breite mit 8 sächsischen Ellen, d.s. 4,5 Meter, angegeben wird. Das bereitete zunehmend Probleme für den sich rasch entwickelnden Verkehr auf dieser wichtigen Handelsroute.

Der Stich zeigt auch die „ohnfern gelegenen Gebäude, das Floßamt, die Floßschreiberei, den Gasthof und die Mühle mit dem 1725 entdeckten Gesundbrunnen, das  Muttergotteshäuschen, den Schwedenstein, das Eiswehr, die Reichs-Heerstraße, den Mühl- und den Gemeindeweg, die beiden Radstuben und die Rösche zwischen der Floßschreiberei und dem Gasthof. Völlig vergessen hatte der Kupferstecher den Wehrdamm. 

 

  1. G. Borlach beantragt die Übernahme des Gasthofs (WER D 34 Anh. 1/3597)

Nicht nur die etwas abseitige Lage auf einer kleinen Anhöhe war nachteilig für die Frequenz, nun versperrte auch noch das untere Schachtgebäude, das darauf hin schiebende Kunstgestänge und die zum Gradierhaus führende Röhrenfahrt die Zufahrt. Das führte dazu, dass der Pächter vom Schulamt Schadensersatz verlangte und mit der Einstellung der Pachtzahlungen drohte. Das wiederum nahmen die Schulbeamten zum Anlaß, sich bei der Salinendirektion zu beschweren. Daher war der Kauf des Gasthofs für die Saline das kleinere Übel, da man dann das Pachtverhältnis dem Interesse der Saline anpassen könnte.

 

           Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2)

Wegen „ungebührlicher Reden“ wurden der Salzsieder  Andreas Stein (Nr. 4959) und der Pachtmüller (4215) verklagt, gleichermaßen Lorenz Thieme und  Christian Lange wegen „Real- und Verbalinjurien“. Verantworten mußte sich der Zimmermeister Andreas Thieme wegen Bierschanks und Gästesetzens in seinem Anwesen in Neu-Kösen (Nr. 4223).  Michael Jäger bemühte das Gericht wegen des Erbes seines Vaters in Neu-Kösen und der Bergmann Hans Georg Fischer wurde wegen Begünstigung verklagt.

 

1736     

  1. Jan. Schreiben der kursächsischen Rentkammer (WEI Floßsachen B 12173)

Demnach hatten die kursächsischen Floß- und Rentbeamten den Befehl, die im Commun-Vertrag von 1732 vereinbarten 500 Gulden Vorschuss zum Holzeinschlag zu zahlen.

 

  1. Jan. Beschwerde über den Ortsrichters Peter Nicolai (WER D 34 Anh. 2 /2292).

Nicolai war dem Befehl des Schulamts, durchziehenden Militäreinheiten ortskundige Führer bis zur Amtsgrenze zu stellen, nicht nachgekommen und sich dabei auf die Befreiung der Einwohner von derartigen Diensten berufen. Daraufhin beschwerten sich die Kommandeure  beim Schulamt .

 

  1. Mär. Memorial zum Kirchenbau (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Hartig, Martini und der Advokat List erklärten gegenüber dem geistlichen Inspektor und dem Schulbeamten, dass man vom Bau einer eigenen Kirche zunächst Abstand nehmen müsse, denn die zumeist armen Familienväter hatten sowohl eine finanzielle Beteiligung beim Bau als auch für den Unterhalt eines Geistlichen verweigert. Man bat abschließend um eine Unterredung vor Ort, um dennoch bestimmte Erleichterungen für die Gemeinde zu erreichen.

 

  1. Apr. Reskript der kurfürstlichen Kammer (WER D 34 1/4254).

19 Jahre nach Wenzels Suspendierung und 9 Jahre nach dessen Ableben wurde dem Schulamt  befohlen, sich zur „Bewandniß mit dem Wenzelschen Creditwesen“ zu äußern. Anlass war eine Prüfung der Floßkasse ab dem Jahr 1717 durch den Hofrat  Dr. Heinrich Christoph Schüßler. Der stellte fest, dass seither ein  „Floß-Administrations-Rest“ von beträchtlicher Höhe in den Büchern geführt wurde. Daraufhin wurden die Jahre 1700 bis 1717 geprüft und festgestellt, dass  sich die fehlenden 34.000 Gulden durch Versäumnisse und Nachlässigkeiten des Floßmeisters ergeben hatten, der bzw. dessen Erben demzufolge auch dafür haften müssten.

Schüßler überzeugte den Landesherrn davon, dass der Fiskus seine Ansprüche gegenüber den Nachkommen und denjenigen, die den Nachlass ersteigert hatten, durchsetzen müsse. Das Schulamt wurde daraufhin angewiesen die Sache zu untersuchen, zumal die Versteigerung und die entssprechenden Verträge vor dem zu dieser Zeit herzoglich-weimarischen Schulamtes vollzogen wurden und daher im kursächsischen Kammerarchiv keine Unterlagen vorhanden waren.

 

  1. Mai Anschreiben an die „Wenzelschen Creditoren“ (WER D 34 1/4254 )

Zu denjenigen, die als Erben und Erwerber des Wenzelschen Nachlasses ermittelt wurden gehörten der Hochwürdige Wohlbestallte Syndicus des Dom-Capitels zu Naumburg Georg Friedrich Beyer, der Floßmeister Georg Hartig, der Licentiat J. Fr. List, für sich und in Vollmacht für den Floßvorsteher von Merseburg, der Steuer-Prokurator Bernhard Christian Lepner ebenfalls für sich und in Vollmacht für Wolff Christoph Wenzel, Maria Dorothea Lepner und Magdalena Sophia Kanneberg. Maria Dorothea war die  Witwe des Floßmeister Wenzel, die inzwischen mit dem Steuer-Prokurator verheiratet war, Wolff Christoph ihr Sohn aus der Ehe mit dem Floßmeister und die Kannebergern die verwitwete Schwester des ehemaligen Floßmeisters,  allesamt inzwischen in Naumburg ansässig.

Alle sollten je nach Anteil ihres Erbes oder des Wertes des erworbenen Nachlasses zur Rückerstattung der von Wenzel veruntreuten Floßadministrationsgelder herangezogen werden.

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  1. Juni Antrag Borlachs auf Übernahme der Schäferei (WER D34 Anh. 1/2611).

Auch mit dem Pachtschäfer gab es Differenzen, denn dessen Schafe würden die Sole die in offenen Röschen zum Salzwerk bzw. zur kleinen Saale lief, saufen und daran zu Grunde gehen. Borlach war der Ansicht, dass es besser sei, anstelle der ohnehin desolaten Stallungen, eine neue Schäferei  zwischen dem Salzwerk und der  „Kettenbrücke“ zu errichten.   Daraufhin verlangte das Kammerkollegium vom Schulamt ein Gutachten zum Bau einer neuen Schäferei.

 

  1. Juni Schreiben des Floßmeisters Hartig an das Kammerkollegium (WER D 34 1/4254).

Als einer der ersten lehnte der Floßmeister das Ansinnen zur Rückgabe bzw. der Erlegung des Kaufpreises des von ihm erworbenen Wenzelschen Nachlasses ab: „so kann ich doch in aller Unterthänigkeit nicht verhalten, daß diese Wenzelische Concurs-Sache verlängstens und rechtkräftig Urtheil ausgemachet, die Creditores lociret und die völlige Concurs-Maße, soweit solche gereicht, distributiret worden.“ Der vom Kammerkollegium dazu abgeordnete „Curatore litis“ habe zudem beschworen: „..daß er alles dasjenige  was zum besten des Concurses gereichet, treulich beobachten, die ausstehenden Schulden so viel möglich eintreiben, das Creditwesen auf alle Art und Weise besorgen, mithin all dasjenige thun wolle, was einem Curatore Litis bey dergleichen Fällen zu verrichten obliegt und gebühret.“ Außerdem habe er im guten Glauben an die Rechtmäßigkeit in den vergangenen acht Jahren erhebliche Mittel in die doch recht vernachlässigten Immobilien gesteckt. Unerwähnt blieb allerdings, dass er inzwischen außer dem Brau- und dem Backhaus alles Übrige gewinnbringend weiterverkauft hatte. 

 

  1. Juni Kammerreskript bezügl. der Floß-Administrationsgelder (WER D 34 1/4254).

Auch die Rechtskraft des amtlichen Subhastationsverfahrens konnte Dr. Schüßler nicht von seinem Vorhaben abbringen, denn er hatte herausgefunden, dass die nach sächsischer Prozeß-Ordnung vorgeschriebenen Aushangfristen nicht eingehalten wurden. Außerdem war er der Ansicht, dass das gemeinsame Gebot des Floßmeisters Hartig und des Advokaten List eine „Collusion“, eine dem Konkurs schädliche Preisabsprache war. Erneut wies die Kammer das Schulamt an, die „Creditoren“ Wenzels, wegen der „gesuchten Restitution in integrum“ vorzuladen und anzuhören.

 

  1. Juli Anfrage des Kammerkollegiums zum Kirchenbau (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2182).

Weil bislang das Konsistorium nicht reagiert hatte, fragte man man an, ob die Gemeinde immer noch dazu stehen würde, sich am Kirchenbau zu beteiligen und den Unterhalt des Pfarrers zu gewährleisten.

 

  1. Juli Erklärung des Floßmeisters Hartig zum Wenzelschen Nachlass (WER D 34 1/4254).

Hartig erklärte, dass er Forderungen in Höhe von 1.916 Gulden und zwei Wechsel gegenüber dem Wenzelschen Nachlaß geltend gemacht habe. Das habe man mit dem von ihm und List abgegebenen Gebot verrechnet, was vom herzoglich-weimarische Schulamtmann Dr. Mack 1728 beurkundet wurde, ebenso die folgende Aufteilung zwischen ihm und List, was 1729 der Kammer-Konsulent Hofmann zusammen mit dem Liquidationsurteil bestätigt hatte. Die Anspielung, dass das Verwandschaftsverhältnis von Hartig und Mack die Beurkundung begünstigt hätte, wies der Floßmeister entschieden von sich. Er habe die Tochter des Hochfürstl-weimarischen Rat- und Amtmannes Mack, Sophia Juliane, erst am 24. Juli 1732 geheiratet. Seine erste Frau Anna Elisabeth geb. Koch war im Jahr 1731 verstorben.

 

  1. Juli Plan für die neue Schäferei (WER D 34 Anh. 1/2611).

Der erste Entwurf des Schulbaubeamten Hoffmann sah einen Vierseitenhof vor, der „auf der Straßen-Seite gegen Mittag“, hinter der Saline, wo die Landstraße nach Naumburg die Richtung auf den Galgenberg nahm, hinkommen sollte. Um den Hof reihten sich der eingeschossige  Schafstall, ein Lämmerstall und ein Rinderstall, die Dachböden als Schütt- und Futterboden gedacht, ein Holz- und ein Pferdestall sowie eine zweigeschossige  Wohnung für den Schäfer und dessen Gesinde. Im Erdgeschoß gab es eine Stube mit Ofen, eine Schlafkammer für den Schäfer und seine Familie, eine Küche mit Herd, eine Milch- und Speisekammer und das „Privat“. Vor dem Küchenfenster lag der Brunnen. Hoffmann veranschlagte dafür 9.000 Gulden. Daraufhin wurde dieser Entwurf abgelehnt

Im zweiten Entwurf war die Wohnung des Schäfers eingeschossig. Neben der beheizbaren Stube, gab es eine Schlaf- und eine Kinderkammer, in der Küche  stand der Herd mit dem Kessel in der Mitte, daneben an der Außenwand der  Ausguß.  Neben der Küche befand sich in einem Gewölbe der Backofen, daneben lagen die Milchkammer und die Gesindekammer. Von hier aus führten Treppen zum Keller und zum Bodenraum. Der Futterkasten für das Federvieh war so angeordnet, dass man aus dem Fenster füttern konnte, ebenso konnte das Wasser direkt vom Küchenfenster aus dem Brunnen geschöpft werden. Ein geräumiger Flur ermöglichte den direkten Zugang zu den 6 Schweinekoben am linken Giebel, wo sich auch die Abtritte befanden und zu den Viehställen am rechten Giebel. Hoffmanns Plan sah 30 Plätze für Milchkühe und 4 für Pferde  vor sowie einen Wagenschuppen. Gegenüber auf der anderen Seite des Hofes (36 x 23 Meter) lagen die Tennen und auf der dem Wohnhaus gegenüber liegenden Seite lag der der Schafstall (56 x 10 Meter).

 

  1. Aug. Gutachten Borlachs zum Entwurf des Bauverwalters (WER D 34 Anh. 2/2611).

Borlach war der Ansicht dass der Entwurf Hoffmanns zu eng gegriffen und zu teuer sei und in keinem Verhältnis zu einer möglichen Pacht stand. Er schlug den Ausbau zum Vorwerk vor. Die Anzahl der Schafe von derzeit 500 bis 600 Mutterschafen und Jährlingen, sollte verdoppelt werden, die Kosten für die Unterbringung der Hammel die beim Ablammen nach Pforte gebracht wurden, könnte damit entfallen. Die Verdoppelung der Tiere bedingte auch die Verdoppelung der Lagerflächen für Futter und Stroh. Borlach schlug außerdem vor, auch die Anzahl der Rinder von derzeit 30 auf 50 Stück zu erhöhen. Zur Deckung des Futterbedarfs sollten dem Vorwerk die in der Saaleaue gelegenen Felder und Weiden, die bislang den Vorwerken Kukulau und Fränkenau verpachtet waren, zugeschlagen werden. Er legte einen eigenen Plan vor, ebenfalls einen Vierseitenhof an der Kettenbrücke, mit einem Wohnhaus, dem Viehstall mit Schüttboden, der Scheune, einem großen Schafstall und einem Holzschuppen. Um den Hof zu erreichen, sollte der Mordgraben eine Brücke bekommen.Nach seiner Aufstellung kostete das ganze 7808 Gulden. Das Vorwerk könnte für 1.000 Gulden verpachtet werden, deutlich mehr als die 400 Gulden für die derzeitige Schäferei.

Borlach bat, unabhängig von seinem Vorschlag, das man das Schulamt „so viel ersuchen wolle…, daß gebaut werden soll, es sei nun auf die eine oder andere Art…“ 

Doch sein Vorschlag wurde vom Schulverwalter Georg Philipp Pfersdorf abgelehnt „Ein großes Vorwerk aus dieser Schäferei zu machen … ist kein Vorteil vor die Schule abzusehen, zumal das wenig Gräserey zu Kösen vorhanden und also eine starke Viehzucht daselbst nicht gehalten werden kann.“

 

  1. Sep. Anhörung der Wenzelschen „Creditoren“ (WER D 34 1/4254).

Nachdem die Kammer die Beschleunigung der Angelegenheit angeordnet hatte, wurde der Termin bestimmt und die ehemaligen Gläubiger vorgeladen, dann jedoch wegen mehr oder weniger begründeter Absagen auf den 22. Oktober verschoben. 

 

  1. Okt. Stellungnahme J. G. Borlachs (WER D 34 Anh.1/4254).

Inzwischen hatte der Hofrat Schüßler das Restitutionsbegehren auch auf die Nacherwerber des Wenzelschen Nachlasses erweitert. Darunter Borlach, der von Hartig den Weinberg und die Äcker am Äbtischen Holz erworben hatte. Borlach verwahrte sich unter Vorlage des amtlich beurkundeten Kaufvertrages aus dem Jahr 1734 gegen die Vorladung. 

 

  1. Okt. Klagebegründung des Hofrates Schüßler (WER D 34 Anh. 1 Nr. 4254).

Die „vermeintlichen Käuffern und dermahligen Besitzern deren Wenzelischen Grundstücke“ wären wegen Verfahrensfehler und unzulässigen Absprachen unrechtmäßig in den Besitz gekommen und demzufolge auch der Weiterverkauf unzulässig.  Allerdings hatte sich der Kreis der „Imploranten“ geändert. Neben Hartig und List sollten nun auch Hartigs jetztige Ehefrau und J. G. Borlach herangezogen werden, wogegen der Syndikus des Domkapitels, Wenzels Witwe, seine Schwester und sein Sohn nicht mehr als „Creditores“ erwähnt wurden.

Der Advokat List widersprach Schüßlers Klage und verlangte die Erstattung der ihm und seinen Mandanten entstandenen Gerichtskosten.

 

  1. Okt. Anschreiben des Schulamtes an den Weimarer Hof (WEI DS 2195).

Weil der Listsche Widerspruch zur Schüßlerschen Behauptung mit den im Schulamt und im Kammerarchiv vorhandenen Akten nicht entkräftet werden konnte, bat man in Weimar um die Akten der von der herzogl. Flöße dem Floßmeister Wenzel überlassenen Administrationsrechte.

 

     Okt. Abschluss der Ausbauarbeiten am oberen Schacht (Gericke 1966)

Danach wurde mit dem Bau des Verbindungsstollens zwischen dem unteren und oberen Schacht begonnen. (Senff 1816). Dieser lag in  514 Fuß Tiefe (161 m) und hatte eine Länge von insgesamt 774 Fuß (243 m), eine Breite von 1,1 m und eine Höhe von 2,1 m und wurde ohne weiteren Ausbau durch das Festgestein getrieben, wobei weitere Solezuflüsse angeschnitten wurden. Der Vortrieb erfolgte von beiden Schächten aus, die allein von den Pumpenkünsten zu Sumpfe gehalten wurden.

Aus dem Stollen wurden 400 m³ Festgestein gehauen, für die Bauzeit von zwei Jahren wurden demnach täglich ca. 20 cm vorgetrieben und 0,6 m³ Festgestein gefördert. Da die hier auftretenden Quellen von unterschiedlicher Konzentration waren, wurde die Strecke mit einem Sattel versehen, so dass die höher konzentrierten Zuflüsse zum oberen Schacht, die geringeren zum unteren Schacht abliefen.

 

  1. Dez. Anhörung der Wenzelschen Kreditoren (WER D 34 1/4254).

Auch dieser Termin fiel aus, weil die Vorgeladenen nicht erschienen, einen Vertreter schickten, sich entschuldigten und auf die schriftlichen Erklärungen verwiesen. Borlach ließ sich vom Naumburger Advokaten Dr. Johann Elisa Dreßden vertreten. 

 

  1. G. Borlach besichtigt im Auftrag des Kurfürsten die Saline Altensalz (Emons: Salz…).

Dabei stellte er fest, dass der von J. Chr. Lehmann eingerichteten Salinenbetrieb völlig unproduktiv war. Die prognostizierte Jahresmenge von 300 Stück Salz (ca. 7 t) war im Zeitraum von 1727 bis 1734 nie erreicht worden. Im Vergleich zur Saline Kösen  (20 Zentner Sole zur Herstellung von 1 Stück Salz) benötigte man hier 148 Zentner. Borlachs Feststellungen widersprach  Lehmann aufs Entschiedenste. Doch als Lehman im Jahr 1738 starb, wurde die Saline umgehend stillgelegt.

 

               Erweiterung des  Kellergewölbes (Höhlenforscher Katast. 4836/42-c).

Die Erweiterung des 1729 vom Floßmeister Hartig angelegten Kellers geht auf Johann Hermann Borlach zurück, denn im Schlußstein des Gewölbes sind seine Initialen  J.H.B. und die Jahreszahl 1736 eingemeißelt.

Für die steigende Zahl an Einwohnern in Neu-Kösen mußte die Lagerkapazität erweitert werden, daher gestattete der Floßmeister, dem ja auch das Brauhaus und das Schankrecht in Neu-Kösen zustanden, der Salinendirektion, die Erweiterung des Kellers auf ihre Kosten vorzunehmen.

 

  1. Dez. Anzeige des Gastwirts Christoph Mose (WER D 34 Anh. 1/2  Nr. 4848, 4168).

Andreas Beyer  wurde wegen Holzdiebstahls und „furtii“verklagt.

 

1737     

           Königl. Saltz-Werck zu Kösen bey Naumbourg in Thuringen (MD Rep. F 38, Risse 380).

Der Plan vom „Conducteur“ Johann Daniel Therkorn ergänzte den Borlachschen Plan mit der Beschreibung der Betriebsanlagen und der umliegenden Örtlichkeiten.  Demnach reichte der Wehrdamm bis an die untere Radstube und erst beim Bau des Kunstgerinnes für die obere Wasserkunst wurde dazwischen die Dammkrone durch eine Mauer ersetzt und die im Unterwasser befindlichen Sandbänke aufgefüllt. Damit verbesserte sich das für den Kunsträder erforderliche Aufschlagwasser sowie die Bewässerung der kleinen Saale und des Scheitbaches.

Daneben sind die alte und die neue Floßmeisterei, die Wohnungen  des Floßschreibers und des Rechenmeisters, ein „Fischerhaus“ neben dem oberen Solschacht, der Gasthof und der Schafstall, das Brauhaus und die „von den Cistercienser Patres aufgebaute Catholische Capelle“ verzeichnet. Neben dem Hauptrechen, der „daß Holtz welches von 5 Fürsten jährlich 3 mahl aus dem Thüringer Wald angeflößt wird, aufhält“ gab hatte das Mühlengerinne  und der  Einfall der kleinen Saale einen Rechen, die die Anlagen vor Treibholz schützte.

 

  1. Feb. Profil der Sol-Schächte zu Kösen“ (SKS Museum Dresden).

Nach der Beschreibung Borlachs war der alte Schacht „entstanden 1681 und biß 1687 30 Lachter tief gegraben, 40 Jahr lang liegen blieben, biß 1727 da sie wieder aufgesucht noch 24 Lachter tieffer gesuncken und 1730 Sole darinnen gefunden worden... Der Thurm….in welchen  die Sole hinauf gehoben wird, daß sie von selber auf die Gradir-Häuser lauffen kann“. Der „andre neue Schacht, ist angefangen 1731 und in den 81. Lachter Sole erschroten worden. Die Saltz Wasser werden just so tieff aus denselben herausgehoben, als der Schloß-Thurm zu Dresden zweymal so tieff ist“. Das Kunstgestänge ruhte zu dieser Zeit noch auf Holzpfeilern. Zu sehen ist auch der Querstollen, woran  noch „von beyden Seiten gearbeitet wird“. Bezüglich der Fördermengen gibt Borlach an „Aus den älteren Schacht  werden täglich 720 (130 m³) und aus den neuen tägl. 1440 Cubische Ellen (260 m³) Sole herausgehoben. Nach Gericke beliefen sich die Kosten für den Aufbau des Salzwerkes auf 60.751 Taler. Doch die waren gut angelegt, denn der Kameralist Heinrich August Fischer meinte: „Nachdem aber nunmehro die Güte Gottes die Chur-Sächß. Lande nicht allein mit Teuditz- und Kötzschauer- sondern auch in neuern Zeiten mit denen noch mächtigeren Arterischen und Kößnischen Saltz-Wercken gesegnet, und es an Ansehen gewinnt, es könne sich künfftig das ganzte Land mit eigenthümlichen Saltze genugsam versorgen…so ist kein Zweiffel, es werde nun das gelobte Sachßen disfalls zu seiner vormaligen Herrlichkeit wiederum gelangen“.

Da zeigt auch die Auswertung des letzten Jahres. Gesotten wurden 19 856 Stück. Salz (a 60 kg = 60.000 Zentner). Die Einnahmen aus dem Salzverkauf betrugen 25.029 Gulden, die Ausgaben für Löhne, Material, Fremdleistungen, Reparaturen etc. 13.156 Gulden, es verblieb ein Reingewinn von 11.873 Gulden.

 

  1. Feb. Salomon Hämmerling kauft das Listsche Anwesen (WER D 34 Anh. 2/2301).

Hämmerling war der dritte Bäcker in Neu-Kösen neben Hollstein und Pufendorff und pachtete  das Wenzelsche Backhaus „nach der Brücke rechterhand“ und richtete hier eine  „Verkaufsbude“ ein. Später kaufte sein Sohn die Hollsteinsche Bäckerei (Lindenstraße 14).

 

  1. Mär. Ernennung Johann Hermann Borlachs zum Salzinspektor (KAZ 1938).
  2. Gottfried Borlach war in die polnischen Salzwerke befohlen worden, sollte jedoch „auf denen hiesigen Wercken solche Anstalten treffen, damit unter der Zeit nichts dabey versäumet werde“. Daraufhin empfahl er seinen Bruder mit der Aufsicht zu betrauen, da dieser „von anfang mit bey der Erhebung deren Wercke geweßen und dem alles bekannt ist“. Nur einen Tag später verfügte Friedrich August „J. Hermann Borlachen die Aufsicht bey denen beyden Saltz-Wercken zu Artern und Kösen unter dem Praedicat eines Saltz- Inspectores, jedoch unter ständiger Direction des ersteren (J. Gottfried) anzuvertrauen“.
  3. Gottfried reiste zunächst nach Polen, wurde 1743 zum Generaladministrator der Salinen von Wieliczka und Bochnia bei Krakau ernannt und arbeitete bis 1750 zeitweise im Warschauer Bauamt. Seit 1743 leitete er die Abteufung eines Solschachtes am „Dürren Berge“ beim Gut  Keuschberg im Stift Merseburg, die, bedingt durch zahlreiche Schwierigkeiten und den Kriegswirren der Schlesischen Kriege, erst nach 20 Jahren (1763) vom Erfolg gekrönt wurde.

 

            Jahresbericht  der Scheitholzflöße (WEI. B 12173).

Die Scheitholzflöße sicherte die Brennholzversorgung der Ämter und Stifte am Mittellauf der Saale und der Salinen von Unterneusulza, Kösen und Halle. Die oberhalb des Kösener Wehrdammes gelegenen herzogl. Holzplätze Kahla, Jena, Dornburg, Camburg und Unterneusulza wurden von der herzogl. Privatflöße belegt. Die Communflöße zu der Kursachsen seit 1646, Altenburg und Weimar von Beginn an jeweils 6.000 Klafter eingaben, wurde auf gemeinsame Kosten bis Kösen gebracht. Hier wurden alle Scheite ausgeschleppt, auf Stapel gesetzt und vom kursächsischen Floßbeamten gemeinsam mit einen altenburgischen Floßbeamten abgenommen. Der Einwurf und die Weiterflöße bis Halle übernahm Kursachsen auf eigenes Risiko.

Die Commun-Verträge wurden  zumeist auf mehrere Jahre abgeschlossen und danach den jeweils aktuellen Gegebenheiten angepasst. Die Hölzer der Commun-Flöße sowie die herzoglichen  Beiflößen wurden auf Kosten der altenburgischen Flöße auf der Stromsaale bis zum Kösener Rechen gebracht, wobei die für die herzogl. altenburg. und weimar. Stapel bestimmten Scheite zwischendurch ausgezogen wurden. In Unterneusulza wurde dazu ebenfalls ein Rechen für die altenburgische Saline betrieben. Alles am Kösener Rechen ankommende Holz wurde ausgezogen, vermessen, von Kursachsen übernommen und saaleabwärts bis zum Rechen in Halle gebracht.

Das Holz kam aus den altenburgischen und kursächsischen Kammerwäldern oder wurde von den dortigen Untertanen gekauft. Allein das Herzogtum Weimar besaß keine eigene Waldungen an der Saale oder deren Nebenflüssen und mußte das Holz für die Commun-Flöße und den Bedarf der weimarischen Ämter Jena und Dornburg dazu kaufen, vorzugsweise von den Schwarzburger Grafen. Dazu wurden gesonderte Verträge geschlossen, wobei die Einkaufspreise und die ungehinderte Diurchflöße durch das jeweilige Hoheitsgebiet vereinbart wurden.

Der Einschlag erfolgte immer ein Jahr vor der Abflöße. Die auf Länge gebrachten Scheite wurden zu den vereinbarten Einwurfstellen an den Gebirgsbächen und Floßgerinnen transportiert, hier auf genormte Stapel gesetzt und von vereidigten Floßbeamten abgenommen. Dann verblieb das Holz unter den wachsamen Augen der jeweiligen Amtmänner einen Sommer lang zum Trocknen liegen. Sobald im darauffolgenden Frühjahr die Schneeschmelze einsetzte und die Gerinne eisfrei waren, wurden die Scheite eingeworfen.

Damit sie sich nicht in den schmalen Bächen und Kunstgerinnen unnötig aufstauten, wurden die Einwohner ganzer Ortschaften,  aufgeboten, die für die ungehinderte Abflöße sorgten. Eine derartige Flöße gestaltete sich folgendermaßen:

Am 03. März begann der Einwurf der Scheite in die Loquitz, die im Frankenwald im Bayreuthischen entspringt. In der ersten Woche wurden die Einwohner von Timmenhoff, Neuhüttendorf, Lauenstein, (Probst)-Zella,  Ludwigstadt und weiterer Dörfer, insgesamt 160 Männer, Frauen und Kinder, Tagelöhner, Dorfschulzen und Kantor aufgeboten, die mit Stangen dafür sorgten, dass die Scheite in der Strömung blieben und nicht liegen blieben. Als Lohnausgabe  verzeichnete die Commun-Floßkasse  69 Gulden, 10 Groschen und 6 Pfennigen.  In der zweiten  Woche wurden die Einwohner von Ebersdorf, Unter- und Oberloquitz sowie Arnsbach aufgeboten.  Dann lagen die Scheite vor dem Rechen bei Eichicht und blieben hier liegen, bis die weiter saaleaufwärts aus den Waldungen der Reußer Grafen von Schleiz-Lobenstein sowie aus dem Amt Ziegenrück eingeworfenen Mengen eintrafen. Der Nachtrieb auf der Saale für den 20 herzogliche Untertanen sorgte, begann am 11. März oberhalb von Ziegenrück, passierte am 30. März Fischersdorf und erreichte am 30. April  die Mündung der Schwarza. Hier gab es eine mehrwöchige Unterbrechung, bis die von den Schwarzburgern erkauften Kontingente an der Mündung der Schwarza lagen. Am 2. Juni erreichte der Nachtrieb  Rudolstadt. Hier  wurden 1.804 Klafter Küchenholz für die Hofhaltung der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt ausgeschleppt. Am 15. Juni wurde Unterhasel erreicht.  Von da an ging es über Orlamünde (22. Juni), zum Raasener Wehr bei Jena (29. Juni),  Dornburg (6. Juli) und Neusulza (13. Juli), wobei in Camburg 1.228 Klafter und in Unterneusulza 1.484 Klafter ausgezogen wurden. Am 15. Juli erreichte der Nachtrieb den Kösener Rechen,

Der Kösener Stapel wurde am 4. März besetzt. Zunächst wurden der Rechen und die übrigen Auffangkonstruktionen hergerichtet, der Scheitbach gereinigt,  Sinkholz geborgen, die Uferwege befestigt und die Stapelplätze geebnet. Nach dem Durchgang der Langholzflöße wurde der Rechen „verzogen“ und die Meldung zur Freigabe der Scheitholzdrift auf der Stromsaale per Boten zur Mündung der Schwarza gebracht. Als die ersten Scheite hier ankamen, wurde das Personal  auf 20 Mann aufgestockt. Jede Kolonne erhielt einen bestimmten Bereich zugeteilt. Soweit die ankommende Menge überschaubar war, wurden die Scheite nach und nach mittels Stangen am rechten Ufer entlang in die kleinen Saale geleitet. Hier wurden sie ausgeschleppt und auf Stapel gesetzt. Waren die ankommenden Mengen größer, dass sie sich vor dem Rechen stauten, wurden sie auch am linken Ufer ausgezogen, um die Gefahr eines Bruchs des Rechens zu vermeiden.

Das Holz wurde nach harten und weichen Sorten getrennt, Böttcherholz, Klöppel, Faul- und Stückholz auf separate Stapel gesetzt. Die Erfassung der Mengen, für die genormte Maßstäbe verwendet wurden, oblag dem Floßschreiber, und dem Gegenschreiber. Den sehr sorgfältig geführten Berichten kann man entnehmen, welche Mengen aufgesetzt und wieder  eingeworfen wurden. Am 9. April waren es 1.466 Klafter, am 10. Mai 5.807, am 31. Mai 5.420, am 2. Juli 3.217, am 22. August 3.628 und am 25 September nochmals 131 Klafter, insgesamt also über 19.000 Klafter Holz, die in den Scheitbach eingeworfen wurden. Die entsprechenden Quittungen unterzeichneten von kursächsischer Seite der Ober-Aufseher bei der Saale-Flöße Johann Heinrich von Schönfeld und der Floßmeister G. Hartig und von herzoglicher Seite Chr. v. Hochhausen und J. V. Stophel.

In Kösen verblieb Holz für die Saline und das Brauhaus. Das Deputat für die Landesschule kam auf der kleinen Saale direkt an den Bestimmungsort. Am 14. September wurden die Arbeiten auf dem   Stapel beendet und alle  Arbeiter entlassen. Anhand der insgesamt 26 Wochenzettel fertigte der Floßschreiber den Jahresbericht und einige Kopien, die den Teilhabern zur Abrechnung dienten.

 

  1. Juni Schreiben des Gasthofpächters (WER D 34 Anh. 1/ 3118).

Chr. Mose bat um die Verlängerung seiner Pacht auf weitere sechs Jahre unter Beibehaltung der bisherigen Pachtsumme von jährlich 380 Talern. Im Hinblick auf den möglichen Verkauf des Gasthofs an die Saline wurde das Schulamt angewiesen, den Pachtvertrag zunächst für ein Jahr zu bewilligen. Würde der Verkauf zu Stande kommen, hätte dann die Saline freie Hand für eine   Neuverpachtung.

 

  1. Juni Festlegung zum Umbau der Schäferei (Schmitt NTB 2012).

Anstelle eines allzu kostspieligen Neubaus am Mordgraben sollten die vorhandenen Gebäude erneuert und erweitert werden, wobei man sich auf die Pläne vom Bauverwalter Hofmann und  Borlach bezog. Auf den Mauerresten des Klostervorwerks wurde der neue Schafstall errichtet (Romanisches Haus). An der Nordseite entstanden Ställe für die Milchkühe, Pferde und Schweine. An der Ostseite am Kukulauer Weg wurde eine neue Wohnung für den Schäfer gebaut (ehem. Stadtbibliothek).  Der älteste Schafstall wurde dem Gasthof zugeschlagen, allerdings unter der bedingung, dass  die Amtsfröner zur Saat- und Erntezeit ihre Gerätschaften und Wagen einstellen können. Den Dachboden nutzten Schulamt und Pächter gemeinsam zur Einlagerung von Stroh und Getreide.  Der zweite Schafstall (auf dem  Gelände des L. Renn Heim) blieb erhalten. Die    Scheune mit ihrem markanten Treppengiebel wurde erst um 1770 errichtet, denn auf der  Flurkarte von 1765 fehlt das Gebäude.

 

  1. Dez. Befehl des Dresdener Kammerkollegiums (WER Pforta II Nr. 2292).

Das Schulamt konnte die Einwohner von Alt- und Neu-Kösen zur Gerichtsfolge zwingen, u. a. zur  Bewachung von Straftätern die im Schulengefängnis einsaßen, was manchmal über Monate dauerte. Da die Gerichtsfolge auch die im Dorf wohnenden Salinearbeiter einschloß, beschwerte sich Borlach beim Kammerkollegium und erreichte, daß die Gerichtsfolge in den nächsten Jahrzehnten nicht gefordert wurde. 

 

  1. Dez. Gebührenerhebung im Wenzelschen Nachlaßverfahren (WER D 34 1/4254).

Vor einem Gerichtsverfahren mußten die Beteiligten eine Gebühr entrichten. Da dies von den Betroffenen verweigert und Einspruch erhoben wurde, mußte der anberaumte Termin verschoben werden.

 

             Reparatur der Naumburger Chaussee (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2619).

Während die Dörfer der Ämter Eckartsberga und Schulpforta zur Straßenfrohn mit Hand-und Spanndiensten verpflichtet waren, waren die Einwohner von Neu-Kösen, die Pächter der Landesschule und die Beamten der fiskalischen Betriebe davon befreit.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1)

Verklagt wurde Maria Becker wegen übler Nachrede (Nr. 4216), J. Fr. Thon und der Schneidermeister Niklas Rose wegen Schlägerei (nr. 5954) und der Maurermeister Chr. Reichmeister wegen leichtfertigen Umgangs mit Feuer.

 

1738 

 

  1. Mär. Vorladung der Wenzelschen Gläubiger (WER D 34 1/4254).

Das betraf den Floßmeister G. Hartig samt Ehefrau, die Witwe des ehemaligen Holzvorstehers von Merseburg, die Witwe des Floßmeisters Wenzel, der Licentiat J. Fr. List und  der Commissarius J. G. Borlach. Doch jeder hatte gute Gründe, für die Nichtteilnahme, so daß der Termin verschoben wurde, zunächst auf den 13. Mai, dann auf den 05. Juni, den  27. Juni und letztlich auf den 14. August 1738. Dann blieb die Angelegenheit bis zum Jahr 1762 liegen.

 

  1. Mär. Stellungnahme Borlachs zum Schulgasthof (WER D 34 Anh.1/3118).

Nachdem die kurfürstl. Kammer prinzipiell den Kauf des Gasthofes billigte, erklärte Borlach bezüglich der Verpachtung, dass er den Vertrag mit dem derzeitigen Pächter Mose nicht verlängern werde, die Pachtkonditionen aber beibehalten könne. Daraufhin wurde das Schulamt am 29. März angewiesen, die Pacht öffentlich auszuschreiben. 

 

  1. Apr. Beschwerde des Schulamtes (WER Rep. D, Pforta II 2582).

Weil die Vermessung und die Bewertung der  Weinberge auf sich warten ließ, beschwerten sich die Pächter beim Kammerkollegium. Das Schulamt lastete die Verzögerung dem Bauverwalter Hofmann an. Dieser habe den Pächtern die Vermessung  überlassen, was die zu ihren Gunsten ausnutzten. Außerdem wäre eine Taxierung schwierig, so dass man den durchschnittlichen Ertrag der letzten sechs Jahren ermitteln mußte, was sehr zeitaufwändig war.

 

  1. Mai Befehl des Kurfürsten an Borlach (WER D 34 Anh. 1/3118).

Borlach sollte sich eine „tüchtige Person, welche den Gasthof nach den bisherigen Locarium  für das kommende Jahr pachten soll“ suchen.

 

  1. Juni Erklärung der kursächsischen Floßbeamten (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Auf die Frage der Kammer, wie man dem Brennholzmangel in den unteren Saalegegenden abhelfen könnte, wurde empfohlen „alle Mittel und Wege zu unternehmen, um auf der oberen  Saale ebenso wie die herzogl. Teilhaber eine Privatflöße neben der Commun-Flöße einzurichten“.

 

  1. Juli Schlägerei im Gasthof zwischen Chr. Reuter und Salzsiedern (WER D 34 I Nr. 4833)

 

      Okt. Jahresbericht der Saline (Gericke 1966)

Gesotten wurden insgesamt 19.856 Stück (23.800 Zentner). Mit dem Vorjahresbestand waren es 25.843 Stück, wovon bisher 23.661 Stück verkauft wurden. Die Einnahmen betrugen 25.029 Gulden, die Ausgaben 13.156 Gulden und somit der Gewinn 11.873 Gulden.

 

  1. Nov. Genehmigung der gräfl. schwarzburgischen Kammer (WEI B 12174).

Diese genehmigte die ungehinderte Durchflöße der von den herzogl. Floßbeamten in dem reußischen Rauschengeseeß erworbenen Scheite, die auf der Sormitz zur Loquitz und dann zur Saale gebracht wurden.

 

             Einwohnerregister  (WER D 34 Pforta 2/2642).

Die „Specification derer in Kösen allhier befindlichen Inwohner und Haußgenossen samt Ehegatten, Kindern und anderen Zugehörigen“ hatte der Präceptor Hucke verfaßt.  Zu den  39 Hausbesitzer gehörten der „Commissarius“ J. G. Borlach, der Floßmeister J. G. Hartig, der Floßschreiber Martini, der  Floßgegenschreiber J. G. Cunis, der Advokat J. Fr. List, der Salz-Factor Forzheim und der Bau-Schreiber Mangolt. Die meisten der privaten Hausbesitzer waren  Handwerker, wie die Bäcker Hollstein, Puffendorff, Theuerling und Hämmerling, die Maurer Schröter und Reichstein, der Schlosser A. Thieme und die Meister N. Rose, A. Kunze, Chr. Plaul und L. Triebel. Von den 35 Hausgenossen waren die meisten Handarbeiter und Tagelöhner, die sich für kargen Lohn bei der Flöße und dem Salzwerk verdingten. Im Dorf gab es 122 Kinder, wobei der Maurermeister Schröter 7, der Bäcker Hämmerling 6 und Meister Scheuffler 5 hatten. In den anderen Familien waren es zwei bis vier Kinder. Zum Hausstand des Mühlenpächters J. A. Gürthler gehörten 9 Personen,  zu dem des Gastwirts Christoph Mose 10, zu dem des Pachtschäfers J. G. Zeugner 7 und zu dem des Schmiedemeisteres Fuhrmann 6. Die Zahl der Einwohner belief sich auf 361, 128 mehr als im Jahr 1731. Da sich in den letzten 10 Jahren die zahl der Bauplätze nur wenig vergrößert hatte, war inzwischen die Vermietung eine willkommene Nebeneinnahme für die Hausbesitzer, die ihre Anwesen aufstockten und anbauten. Daneben wurden einige größere Parzellen am Fahrweg nach Lengefeld geteilt und an Bauwillige verkauft, so dass auch hier eine geschlossene Bebauung entstand.

 

             Gerichtsverfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Hans Niklas Gürtler stand wegen ungenehmigten Schlachtens (4165) vor Gericht, Marie Elisabeth Kühne, weil sie ein fremdes Kind angenommen hatte (1/730) und der Pächter von Fränkenau Chr. Reuter hatte Elisabeth Pufendorf wegen Obstdiebstahl an der Fränkenauer Trift angezeigt (Nr. 4068).

 

  1. Dez. 7. Commun-Saalefloß-Contract (MER C 66 Anh. I Nr. 63)

In Leipzig wurde eine Flöße auf vier Jahre von 1739 bis 1742 vereinbart, wobei die übrigen Klauseln des vorherigen Vertrages unverändert blieben. Kursachsen durfte nun, wenn einer der  Teilhaber sein Kontingent nicht aufbrachte, die dadurch entstandenen Fehlmengen zum gleichen Preis von den brandenburgisch-bayreutischen und schwarzburgischen Herrschaften erwerben und abflößen.

 

1739

20.Jan. Stellungnahme zur Verpachtung der Mühle.(WER Rep. D Pforte II)

In Anbetracht des Auslaufens der bisherigen Pachtzeit sollte die Mühle öffentlich ausgeschrieben und meistbietend auf weitere 6 Jahren verpachtet werden. 

 

  1. Feb. Inbetriebnahme des Kösener Stapels (WEI B 12174).

Zunächst wurde der Platz beräumt, das Sinkholz geborgen und die Floßanlagen repariert. Nachdem die Langholzflöße zu Palmarum den Wehrdamm passiert hatten, wurde der Rechen verzogen, wo die ersten Scheite am 2. Mai aufgefangen wurden.

 

  1. Mär. Scheitholznachtrieb (WEI B 12174).

Den Lohnlisten zufolge wurde am 15. März Ziegenrück, am 01. April die Hopfenmühle, am 5. April die Mündung der Loquitz, am 12. April Oberitz und am 19. April Schwarza erreicht. Dann stockte der Nachtrieb wegen Hochwassers, wobei zahlreiche Scheite über den Rudolstädter Rechen gingen und auf den Wiesen bei Etzelbach liegen blieben. Nachdem diese eingesammlt waren, erreichte der Nachtrieb am 26. Mai Rudolstadt und am 4. Juni Unterhasel, räumte dort die Aue vom ausgefluteten  Holz und erreichte erst  am 7. Juli Uhlstädt,   am 14. Juli Schöps und am 21. Juli die Raasener Mühle bei Jena.

 

  1. Mär. Vererbpachtung der Weinberge (WER Rep. D Pforta II 2582).

Die Erfassung der Flächen und die Ermittlung der  Erträge ergaben einen ansehnlichen Erlös und eine angemessene Erbpacht. Für die schlechteren Lagen auf den Platten und im Mordtal wurde ¼ weniger verlangt. Den Pächtern wurde Steuerfreiheit zugebilligt, sie durften die Berge frei verkaufen oder vererben, waren  aber verpflichtet,  ausschließlich Wein anzubauen.

Außerdem entfielen für die Schule die Anfuhr von Mist aus den Vorwerken. Im März erteilte die  Kammer ihr Einverständnis und  am 18. Juli berichtete das Schulamt, dass bisher 34 Vererbungsbriefe abgeschlossen und von der Kammer in Dresden genehmigt wurden. Die Pächter der Weinberge  bei Roßbach, im Mordtal, den Platten und den Saalbergen waren Bauern aus Flemmingen (u. a. Judersleben, Meißner) und Roßbach (u. a. Deckerth). Aber auch der ehemalige Amtmann von Pforte, Moßdorff, der inzwischen zum  Georgenamt gewechselt war,  gehörte dazu.

 

  1. Apr. Zeitpachtvertrag über die Mühle (WER Rep. D Pforta, Verz. II Nr. 867).

Der bisherige Pächter, J. A. Gürtler war mit einem Gebot von 459 Taler und einer Kaution von 350 Talern mit 5% Zinsen der Meistbietende. Der 6-Jahresvertrag hatte 32 Paragrafen, die  Rechte und Pflichten des Pächters detailliert regelten. Wichtig für die Wirtschaftlichkeit der Pachtmühle war der „Mahlzwang“. Die Bauern der Amtsdörfer Hassenhausen, Spielberg, Pomnitz, Ober- und Niedermöllern mußten hier ihr Getreide mahlen lassen, ansonsten drohten empfindliche Strafen. Dagegen war der Müller angehalten, die Bauern nicht zu übervorteilen. Neben dem Mahllohn, durfte er Mahlreste, wie Mehlstaub, Schrot, Kleie und den Ölkuchen behalten und mußte dafür er einige „Speck“-Schweine für den Bedarf der Schule mästen.

Die Pächter der Vorwerke Kukulau und Fränkenau sowie der Pachtschäfer unterlagen nicht dem Mahlzwang. Die Amtsdörfer Benndorf, Lißdorf, Gernstedt, Benndorf, Zäckwar, Poppel, Taugwitz und Rehehausen unterlagen dem Mahlzwang der Emsenmühle. Punschrau und Hohndorf  hatten eine eigene (Wind)-Mühle und die zu den Gerichten von Kreipitzsch gehörenden Dörfer unterlagen dem Mahlzwang der Mühle an der Rudelsburg.

 

  1. Mai Legitimationsurkunde der Kreutzschen Gerichte zu Kreipitzsch (St.-A. Nr. 588).

Der Gerichtsdirektor Hieronymus Gottlieb Hayn bestätigte dem Lengefelder Einwohner Johann Gottfied Härtel, dass er am 25. April 1725 getauft wurde. Seine Eltern Peter Härtel aus Lengefeld und Marie geb. Schroedter aus Hassenhausen wurden am 6. Nov. 1708 in Hassenhausen getraut.   

 

  1. Mai Erbpachtvertrag über den Schulengasthof (WER Rep. A 23, I Nr. 1, Bd. 4).

Am April hatte das Kammerkollegium den Verkauf an die Saline genehmigt und den Abschluss eines Vertrages befohlen. Der Kaufpreis betrug 6.600 Taler, die Erbpacht 5 %. Somit kam der  Gasthof samt Zubehör und Inventar, der  Hufschmiede, einem Garten an der kleinen Saale, 2 Acker am „Jackenberg über Kösen gelegen“, 6 Acker  hinter dem Floßhaus, 7 Acker am „Niclas-Berg“ sowie weitere  Feld- und Wiesenstücke zwischen Mühle und Heerstraße an den Salinenfiskus. Das „jus prohibendi“, das Verbietungsrecht, mit dem man im Geltungsbereich die Bewirtung, den Ausschank, das Gästesetzen, das Beherbergen und Ausspannen untersagen konnte, blieb beim Gasthof. Das Schulamt verpflichtete sich, im Amtsbereich weder einen weiteren Gasthof noch eine Schmiede zuzulassen  und auch keine weiteren Schank- und Beherbergungs-Konzessionen zu erteilen. Der Gasthof gehörte nun zum Polizeibezirk der Saline, der Pächter, sein Gesinde und die hier Einkehrendem unterlagen der Jurisdiktion des Salinendirektors. Den Vertrag unterzeichneten E. V. von Berlepsch, M. Fr. G. Freytag, J. G. Borlach und G. Ph. Pfersdorf.

 

  1. Aug. Abschluss der Scheitholzflöße (WEI B 12174)

Laut den Abrechnungszetteln wurden 27.000 Klafter ausgezogen und auf Stapel gesetzt. Das Gros waren gute harte und weiche 7/4 ellige Scheite, dazu Faulholz, Klöppel und Stücken, die von den kursächsischen Beamten J. H. v. Schönfeld und G. Hartig gegenüber den herzogl. Floßbeamten Chr. Hochhausen, J. G. Tietz und J. V. Stophel quittiert und übernommen wurden.

 

              Errichtung eines zweiten Gewölbekellers am Lengefelder Fahrweg.

Unter dem Kelter, den J. G. Borlach 1734 vom Floßmeister Hartig erworben hatte, ließ er ein geräumiges Kellergewölbe anlegen, dessen Schlußstein diese Jahreszahl ziert.

Gegenüber baute Borlach dann das „Neue Haus“ einen Dreiseithof mit Wohnhaus, Stall und Scheune. Futter für seine Kutschpferde und das übrige Viehzeug war auf den ebenfalls von Hartig erworbenen Äckern am Äbtischen Holz und am Jochenberg reichlich vorhanden. Mit dem anfallenden Mist wurden die Rebstöcke am Nikolausholz gedüngt und so der Ertrag verbessert. Daher machte auch die Vergrößerung der Lagerkapazität Sinn und das bereits vorhandene Kellergewölbe blieb für den Bedarf der übrigen Einwohnerschaft des Dorfes Neu-Kösen.

Die von dern Borlachschen Ökonomie, dem späteren „Stadtgut“ produzierten Überschüsse wurden an die Bewohner verkauft, was zur Verbesserung der kümmerlichen Ernährungsbasis der Einwohnerschaft beitrug und einer Abwanderung entgegenwirkte. 

 

1740   

 

  1. Apr. Einrichtung des Stapels (WEI B 12174/12175)

Der Nachtrieb der Commun-Flöße begann am 25. April am Saalburger Wehr, erreichte am 30. April Walsburg, bevor es über die Mündung des Posewitzer Bachs nach Fischersdorf ging. Dort wurden die Verhaue an der Loquitz gezogen und die davor liegenden Scheit in die Stromsaale gelassen. Über Schwarza ging es bis zu den Rudolstädter  Katzenlöchern, wo es zu eine fünfwöchige Unterbrechung wegen Niedrigwassers kam. Erst am 28. August wurde Catharinenau erreicht, am 2. August Weißen, am 6. August Naschhausen, am 13. August Maua, am 20. August Dornburg,  am 27. August Heringen und am 31. August Kösen. 

 

  1. Mai Antrag der Sophia Juliana Hartig (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898)

Diese bat beim Schulamt um einige Quadratruten Land, um ihren Teichgarten am Lengefelder Fahrweg mit einer Mauer zu umgeben.  Zur Begründung gab sie an, dass sich wegen der Nähe der Saale, Fischotter bis an ihre Fischteiche wagten und die Fische „biß auf die letzte Grete gebißen und gefreßen“ hätten. Nach Besichtigung der Örtlichkeit stimmten die Schulbeamten einer Verpachtung zu, weil es sich hier um einen sumpfigen und daher nutzlosen Flecken  handelte. Daher verlangte die Floßmeisterin eine Pachtermäßigung. Das Schulamt fragte daraufhin beim Kammerkollegium an und am 21. September lehnte Johann Georg von Wichmannshausen eine ermäßigung ab..

 

  1. Aug. J. Gottlieb Borlach wird zum Bergrat ernannt (DD Spezialreskripte).

Die Ernennung zum Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Bergrat durch Friedrich August III. erfolgte nach seiner Rückkehr von einer Studienreise nach Holland und England. In England hatte Borlach die Feuerungsanlagen für Steinkohle studiert. Gerade die Brennstoffsituation der Saline  Artern war proböematisch. Brennholz ewa rwegen des weiten Landtransports teuer, die Unstrut war kein Floßgewässer und die Verwendung von Voigtstedter Erdkohle in den für Holz eingerichteten Siedeherden bereitete erhebliche Schwierigkeiten. In Kösen sah die Brennstoffsituation dank der Saaleflöße günstiger aus, bekannt waren auch schon die Kohlenlager von Mertendorf, aber um diese zu benutzen, müßte man die Herde völlig umbauen, so daß man es hier bei der Holzfeuerung beließ. Erst 40 Jahre später stellte v. Hardenberg die  AKD Salinen auf Kohlefeuerung um. 

 

  1. Okt. Abschluss der Scheitholzflöße (WEI. B 12175)

Nach der Jahreszusammenstellung wurden insgesamt 31.000 Klafter am Kösener Stapel ausgeschleppt. Davon blieben 2.339 Klafter hier, alles andere wurde wieder eingeworfen und saaleabwärts geflößt.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2)

Der Mühlknappe Johann Andreas Berger stand wegen Diebstahls vor Gericht, Christian Pufendorff, Vorarbeiter beim  Stapel wegen „Verwahrlosung mit Feuer“(Nr. 4075).

 

1741

 

  1. Jan. Schreiben Borlachs an das Schulamt (WER Pforta II Nr. 941).

Borlach verlangte Aufklärung über die Rechtsverhältnisse am Wehrdamm. Grund dafür war der ständige Streit mit dem Mühlenpächter, dem Floßamt und der Schule. Das betraf einmal die Kosten für die Aufsätze, die auch bei Niedrigwasser für den Weiterbetrieb der Kunsträder der Saline als auch der Mühlen gebraucht wurden und die Unterhaltskosten des Dammes. Die Landesschule erklärte, daß die Schäden von der Flöße verursacht würden und die Saline als Hauptnutznießer sich an den Kosten beteiligen sollte.

 

  1. Mär Besetzung des Stapels (WEI B 12176).

Im März und im April kamen erst 850 Klafter an, denn nach einem langen Winter mit starken Eisgang fiel das Wasser rapide. Daher begann der Nachtrieb auch erst am 04. Juni und erreichte am 10. Juli Burgk. Für die Strecke von Ziegenrück über Wilhelmsdorf,  Fischersdorf und Remschütz bis zur Mündung der Schwarza brauchte man zwar nur eine Woche, doch dann folgte wieder eine längere Unterbrechung. Erst am 11. September ging es weiter und am 28. Oktober erreichte der Nachtrieb Kösen.

 

  1. Dez. Einstellung des Kösener Stapels (WEI B 12176).

Am 21. Dezember wurde die letzte Spezifikation erstellt. Demzufolge verblieben am Kösener Stapel 2.535 Klafter als Reserve für das kommende Jahr, weitere 242 Klafter waren zum Verkauf vor Ort bestimmt, das Salzwerk erhielt 3.514 Klafter, die Schule 472. Bei Roßbach wurden 518 Klafter ausgeschleppt, in Weißenfels 1.155, in Burgwerben 172, in Merseburg 1.220 und am rechen in Halle wurden dann noch  6.505 Klafter regietriert.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Verhandelt wurden Differenzen zwischen dem Hans Peter Otto, Neu-Kösen und der Familie von Kreutz zu Kreipitzsch.  

 

1742     

              „Charta der an der Saale und Unstrut unter Chur-sächsischer Hoheit gelegenen Ämter“ .

Borlach bereiste im Auftrag des Kammerkollegiums die Ämter Weißensee, Sachsenburg, Artern, Allstädt, Freyburg, Eckartsberga, Schulpforta, Naumburg, Weißenfels, Lauchstädt, Merseburg, Lützen und Schkeuditz. Die Wahrscheinlichkeit Sole bzw. Steinsalz zu finden, war nach seinen vergleichenden Betrachtungen in der Gegend um das Rittergut Keuschberg im Stift Merseburg, unweit der Salinen von Teuditz bzw. Keuschberg direkt an der Saale, am wahrscheinlichsten. Das Kammerkollegium bewilligte die Mittel für die Abteufung eines Schachtes, den Borlach ein Jahr später am „Dürren Berge“ begann. Allerdings sollte es 20 Jahre dauern, bis er auf die erhoffte  Solequelle stieß.  

 

  1. Apr. S. J. Hartig kauft das Nachbargrundstückvom Teichgarten (WER D/II/2301)

Verkäufer waren die Erben Peter Ottos (heute Borlachstr. 42)

 

  1. Juni Friedrich Anton v. Heynitz wird Praktikant auf der Kösener Saline (Vita Heynitz).

Heynitz, geb. am 14. Mai 1725 auf Gut Dröschkau bei Torgau war der Sohn eines  kursächsischen Hofrats und Inspektors der Landesschule Meißen. Seine Mutter war eine geborene von Hardenberg, Schwester des späteren Direktors der kursächsischen Staatsalinen H. U. E. v. Hardenberg  und somit die Tante  von Novalis. Heynitz besuchte die Landesschule Pforte. Sein halbjähriges Praktikum diente der Vorbereitung seines Studiums des Berg-, Hütten- und Salinenwesens. 

 

  1. Aug. Schreiben der Floßmeisterin an den Kurfürsten (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898)

Erneut verlangte sie eine Pachtminderung zumal auch die Landesschule durch ihre Fischteiche  eine Vorteil habe, denn dadurch würde der Grasertrag der Mühlenwiese höher ausfallen.  Außerdem hätte ihr Ehemann erhebliche Einbußen erlitten, weil das Gestänge der oberen Radkunst über den Keller beim Brauhaus geht und dessen Nutzung einschränkt. Dem Schreiben fügte sie einen Grund-Riß des Teichgartens bei, den der Geometer Joh. Fr. Müllendorf gezeichnet hatte. Am 14. November kam dann doch noch ein Erbpachtvertrag mit der Floßmeisterin zustande. Sie zahlte 16 Groschen Erbzins, 136 Taler Kaufpreis und 3 Taler Entschädigung für den Pachtmüller, der die Fläche hergeben mußte. Allerdings sollte versucht werden, doch noch etwas mehr herauszuschlagen, doch die Pächterin weigerte sich beharrlich, der Vertrag wurde im Juli 1743 genehmigt und im Amtserbbuch eingetragen.

 

  1. Sep. Abschluss der Scheitholzflöße (WEI B 12179).

Den Abrechnungen zufolge wurden aus der Commun-Flöße die Stapel in Saalfeld mit 445 Klaftern, der gräfl. schwarzburgische in Rudolstadt mit 3.998, Camburg mit 1.204 und Unterneusulza mit 262 Klaftern belegt. Abgepostet und saaleabwärts gebracht wurden insgesamt 28.000 Klafter.

 

              Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Andreas Hilpert wurde von der Seifensiederinnung zu Naumburg wegen Pfusch verklagt.  Johann Christoph Jünger, Mahlmüller, stand wegen Diebstahls und Johann Melchior Seyfert wegen Verleumdung vor Gericht.

 

1743

  1. Jan. Beschreibung der „Sieben Häuser“ (WER D 34 Anh. 1/4123, Altes Magdeburg L IX c)

„Zu Kösen auf dem sogenannten Niclasberge, an der Straße befinden sich sieben Baustellen, davon sind deren sechs mit Wohnhäusern bebaut.“ die dem Richter und Bäckermeister Hollstein (Lindenstr. 14), dem  Salzsiedemeister Wagner (Nr. 16), dem Sattlermeister Mathesius (Nr. 18),  dem Bäckermeister Hämmerling (Nr. 20), dem Salzwerks-Holzknecht Broller (Nr. 21) und dem  Taglöhner Gauße (Nr. 22) in Pacht gegeben waren. Den siebenten Bauplatz pachtete der Kinderlehrer Johann Hucke sen. der hier auch die kinder unterrichtete (Lindenstraße 24).

Die Bauplätze waren 30 Dresdner Ellen breit und 60 Ellen tief (17,1 x 34,2 m). Dass „dieses richtig und in der Messung also befunden wurde“ bescheinigten „allhier, Kösen, den 22. Jan. 1743 J.  G. Borlach, J. Ottomar Mangold, Christoph Reichmeister.“

 

  1. Mär. Achter Commun-Floß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten 5 Flößen für die Jahre 1743 bis 1747 zu denen jeder Teilhaber 6.000 Klafter beisteuerte.

 

  1. Juni Sophia Juliana Hartig pachtet ein weiteren Garten (WER Verz. 2/2301).

Damit gehörten ihr alle Parzellen am Ende des Lengefelder Fahrweges (Borlachstr. 40-43).

 

  1. Juli „Patent wegen der Floß-Holtz-Deuben bey der Saalen-Flöße“ (WER D 34 Anh. 1/715).

Dieben drohten empfindliche Strafen, wenn sie gefaßt wurden. Diejenigen, die ihre Strafe nicht in Geld leisten konnten, drohten je nach Schwere der Tat mit Festungsbau, Gefängnis, Pranger, Halseisen, Staupenschlägen oder Ausweisung. Damit die  Diebe eifrig verfolgt wurden, erhielten  die Gerichtsherren neben den üblichen Gebühren auch die Hälfte der den Missetätern auferlegten Geldstrafe. Die andere Hälfte kam in die Floßkasse. 

 

  1. Okt. Ende der Scheitholzflöße (WEI B 12179).

24 Wochen war der Stapel in Betrieb und es wurden 29.000 Klafter umgeschlagen. 

 

  1. Nov. Versteigerung des Braunschen Weinberges (WER, Rep. D II Nr. 2582).

Für den an der Windlücke gelegenen verwahrlosten Weinberg hatte der Advokat Johann Friedrich List als Mindestgebot 100 Gulden und eine Erbpacht von 1 Gulden, 6 Groschen veranschlagt. Zur Licitation bot der Floßschreiber Emanuel Martini 101 Gulden und erhielt den Zuschlag.

 

               Haustrauung des Advokaten Dr. Johann Friedrich List (WER D 34/2/2799).

Der frühere Wenzelsche Gerichtsherr ehelichte in zweiter Ehe Christiana Magdalena Müller. Sein Sohn aus erster Ehe, Johann Samuel, ebenfalls Advokat, war ab 1755 für das Schulamt  tätig.  

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh, 1/2).

Christoph Kotsch wurde wegen Diebstahls angeklagt (Nr. 4871) und Melchior Seyfert wegen Beleidigung (Nr. 4869).

 

1744

      Mär.  Abrechnung von Lieferungen für den Scheitholzstapel  (WEI. B 12180).

Martin Knorr, der Pächter des Salinengasthof hatte Getränke für die Arbeiter des Nachtriebes geliefert und diese der „Commun-Floßkasse in Rechnung gestellt.

 

  1. Juni Anweisung an die Amtsdörfer (WER II Nr.864).

Ein Hochwasser hatte den Weg zur Mühle beschädigt, worauf Amtmann Gutbier  den Amtsdörfern befahl, für die Instandsetzung 8 Karren samt Handführer zu stellen. Den Befehl quittierten alle 13 Dorfrichter, waren dem aber nicht gefolgt. Während die dem Mahlzwang unterworfenen Dörfer sich generell verweigerten, erklärten die Ortsrichter von Nieder- und Obermöllern sowie Pomnitz, dass sie den Weg nach Fränkenau instand gesetzt hätten und damit ihre Straßenfron  erfüllt hätten. Als der Amtmann den Befehl wiederholte, beschwerten sich die Dorfrichter beim   Kammerkollegium.

 

  1. Juli Bericht des Joh. L. Hofmann (Altes Magdeburger LXI c Nr. 172)

Der ehemalige Bauverwalter der Schule erklärte, dass er vor längerer Zeit auf Anweisung der Schulbeamten zwei Bauplätze links der Saale neben der Brücke für die Bäckermeister Chr. Hollstein und Joh. G. Theuerling ausgemessen habe und zwar so, dass diese Häuser weder den Zugang zum Floßhaus und die vorbeiführende Landstraße noch den Fahrweg zur Mühle einengen oder versperren würden. Zwischen beiden würde genügend Platz bleiben, so dass bei starken Niederschlägen das Wasser vom Fränkenauer Hohlweg ungehindert zur Saale abfließen könne. Während Theuerling seinen Bauplatz pachtete (An der Brücke 2) erhielt der Floßmeister Hartig den anderen Platz, nachdem er ein höheres Gebot als Hollstein abgegeben hatte. Hier, direkt an der Landstraße, wollte Hartig sein neues Brauhaus errichten.

 

  1. Aug. Pachtbrief für Joh. G. Teuerling (WER D 34 Anh. 1/4123)

Da Hartig keine Konzession für das Brauhaus erhielt, nahm er Abstand von der Anpachtung.   Nun pachtete Theuerling auch diesen Platz „zur Erbauung eines Wohnhauses und zu einem Flecken Hof 14 Ellen in die Breite und 38 Ellen in die Länge… daß dadurch … weder der ordentlichen Fahr- u. Land-Straße noch dem zur Mühle gehenden Fahrwege an der vorhandene Breite etwas entzogen werde“ Das Anwesen wurde 1845 von der Thüringer Eisenbahn AG für den Bau der Bahntrasse erworben und abgerissen

 

  1. Sep. Antrag Borlachs beim Kammerkollegium (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2521)

Um die für die Saline  benötigten Arbeiter und Handwerkern anzusiedeln, wären weitere bauplätz erforderlich. Geeignet wäre das Feld zwischen dem Floßamt und den „Sieben Häusern“. Da es  zur Gasthofpacht gehörte, sollte die Landesschule dem Gatshofpächter andere Flächen im Tausch überlassen. Daraufhin wurde der Schulinspektor vom Kammerkollegium angewiesen, zu prüfen, ob die Bauplätze  „an den Mann gebracht und angebauet“ und dem Gasthof Ersatzflächen zur Verfügung gestellt werden können. Das Schulamt lehnte ab und der Amtsaktuar Georg Heinrich Rausch überbrachte Borlach persönlich die Antwort des Kammerkollegiums. Demnach könnte er dem Gasthofpächter Flächen innerhalb des Salinengeländes, die nicht gebraucht würden, verpachten und die dafür eingetauschten Flächen dem Schulamt zur Verpachtung für Anbauwillige überlassen. Allerdings waren innerhalb der Saline keine freien Flächen verfügbar, so daß dieser Plan nicht zur Ausführung kam.

 

  1. Dez. Jahresbericht über die Scheitholzflöße (WEI B 12180).

Dies ist der ausführlichste Bericht über ein derartiges Unternehmen. 

Das kurfürstliche  Kammerkollegium hatte am 15. Januar der herzogl. Kammer zu Weimar mitgeteilt, dass der Floßgegenschreiber Wilhelm Albert Cunis 3.000 Gulden Vorschuss  für den Holzeinschlag erhalten habe und der herzogliche Oberfloßaufseher der Saalenflöße, Holzhausen hatte den Einschlag angeordnet. Sachsen-Weimar hatte insgesamt 10.773 Klafter geordert, 6.500 Klft. für die Communflöße, der Rest für die Stapel Jena und Dornburg.

Am 23. Dez. 1743 wurden aus Zella 880 Klafter zum Einwurf gemeldet, je zur Hälfte für Sachsen-Weimar und Sachsen-Altenburg. Der Klafter kostete 23 Groschen, 10 Groschen zahlbar beim Einschlag, 7 Groschen nach der Anfuhr an die Sammelstelle und 6 Groschen beim Einwerfen. Weitere 300 Klafter lagen in Dörflas, 500 in Weitersdorf und 440 in Rauschengeseeß.

Bereits im Oktober 1743 begannen 16 Helfer die Floßgerinne und Bäche in den gräfl. bayreuthischen Einschlaggebieten zu beräumen, im März mit einsetzenden Tauwetter waren es  20 Helfer. Am 16. März kamen die ersten Scheite in die Loquitz, die am 18 April an der Saale bei Eichicht vor dem Rechen lagen. Nach den Wochenzetteln wurden in der 1. Woche 109 Helfer aus Ludwigstadt, Ottendorf, Lauenstein, Zella und Steinbach eingesetzt, denen 47 Taler, 23 Groschen, 8 Pfennige gezahlt wurden. Der Tagelohn betrug demnach 4 Groschen pro Helfer unabhängig vom Alter und Geschlecht. In der  2. Woche waren es 331 Helfer, die 113 Taler kosteten, in der 3. Woche 462 Helfer aus  Neuhüttendorf und Ebersdorf und in der vierten Woche 144 Einwohner aus Ober-und Unterloquitz, Arnsbach, Schaderthal und Eichicht.

Die Abgeltung der Schäden an Uferwiesen und die Ausfälle der Besitzer der Mühlen und Hämmer entlang der Loquitz kostete der „Commun Flöße“ 132 Taler.

Als 20. April Hochwasser einsetzte, wurden die Scheite ausgeschleppt, was natürlich erhebliche Kosten verursachte.  Erst am 9. Juni begann der reguläre Nachtrieb der Commun-Flöße, der am 13. Juni Fischersdorf, 20. Juni Roschwitz, 27. Juni das Göritzer Wehr, 01. Juli Schwarza, 01. Aug. die Rudolstädter Brücke, 08. Aug. die Uhlstädter Brücke, 15. Aug. Schöps, 22. Aug. Jena, 29. Aug. das Wehr bei Kunitz, 5. Sept. die Dornburger Papiermühle, 12. Sept. Kaatschen, 16. Sept. Großheringen erreichte.

Am Kösener Stapel begannen die Vorbereitungen mit dem Ausbessern und Verziehen des Rechens und der Beräumung des Scheitbaches am 23. März. Am 31. März trafen die  ersten Scheite ein und wurden am oberen Holzplatz ausgeschleppt.  Ab dem 13. April wurden die Kolonnen Schacke, Hahnemann, A. Beyer, Puffendorf, Gräfe, Büchner, Filtz, Sträuber, Glocke, Francke, Graul, Weineck und M. Schmidt aufgeboten. Die Aufsicht am Rechen und am Scheitbach hatten die Kolonnen von Sachse und Schäufler.

Die herzogl. Privatflöße belegte die Stapel Saalfeld mit 322 Klafter, Jena mit 170, Camburg mit 265 und Unterneusulza mit 1.108 Klaftern. Der Kösener Stapel meldete am 17. Juni 3.790, am 3 Juli 4.489, am 4. Sept. 3.584, am 17. Dez. 2.008 und am 18. Dez. 8.325 Klafter zur Weiterflöße. 259 Klafter wurden nach Pforte und 1.799 Klafter zur Saline gebracht. Insgesamt waren es  über 24.000 Klafter.       

 

           Trauung des Floßschreibers J. Levin Ulrich mit Johanna Rosenhayn (WER D 34/1/2180).

Sein Domizil lag am Fahrweg zwischen der großen und der kleinen Brücke, direkt gegenüber dem Stapel an der kleinen Saale. Nach seiner Pensionierung zog hier sein Nachfolger Emanuel Martini mit seiner Familie ein. Das alte Floßamt (Naumburger Str. 1) gehörte inzwischen dem Advokat und Einnehmer Johann Friedrich List.        

 

1745

  1. Jan. Anweisung an das Schulamt (WER Rep D Pforta II Nr. 864).

Die Beschwerde der Dorfrichter wegen des Frondienstes am Mühlenweg hatte Erfolg und der   Amtmann wurde darauf hingewiesen, dass es hierfür keine Rechtsgrundlage gibt.

 

  1. Juli Schankgenehmigung für die Saalhäuser (WER Rep. A 23 I, Nr. 11 Bd.1).

Der Besitzer der Saalhäuser, der der Naumburger Gerichtsbarkeit unterlag, erhielt die Konzession, selbst angebauten Wein auszuschenken. Außerdem durfte er, wie der Pächter des Fischhauses, während der Holzmesse, die Flößer und Holzhändler bewirten und beherbergen. Doch beide Pächter dehnten den ihnen zugebilligten Zeitraum über Gebühr aus und schenkten fremdes „eingeschlepptes“ Bier aus. Dagegen erhob der Gasthofpächter Einspruch und verlangte von der Salinendirektion, das ihm verliehene Verbietungsrecht durchzusetzen. Doch die Bemühungen gegenüber den Schulbeamten erwiesen sich als wenig wirkungsvoll, denn diese duldeten in Anbetracht der Pacht die Verstöße und schoben die Durchsetzung des „jus prohibendi“ auf die lange Bank.

 

              Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Floßschreiber Johann Levin Ulrich wurde von der Tuchmacherinnung zu Naumburg wegen verboteten Tuchhandels angeklagt (1/834). Außerdem klagte der Schmied Johann Ernst Schneider wegen ausstehender Entlohnung. Susanna Maria Herbst verklagte den Gasthofpächter Knorr wegen Beleidigung (Nr. 4189)

 

1746

  1. Mär. Beginn der Scheitholzflöße (WEI Floßsachen B 12181).

Dieses Jahr war ein verlustreiches Jahr für die „Commun-Flöße“. Zwar begann der Nachtrieb auf der Loquitz planmäßig am 30. März.  Doch dann trat die Saale über die Ufer. Nach dem Ablaufen des Wassers begannen am 2. Mai zahlreiche Helfer mit dem Aufsammeln der ausgefluteten Scheite. Nach bevor die Weiterflöße erfolgen konnte, fiel das Wasser und eine Abflöße war unmöglich. Am 13. Juni erklärte der Floßgegenschreiber Cunis, dass eine einigermaßen geordnete Flöße nicht möglich sei. Bis zum 1. Juli kamen in Kösen nur 4.881 Klafter an und erst im September trafen mit ansteigendem Wasser wieder Scheite ein. Am 21. September schlug der Floßschreiber in Anbetracht der vorgerückten Jahreszeit vor, das ankommende Holz ohne es auszusetzen durchzuflößen und dann die auf den saaleabwärts gelegenen Stapeln ausgesetzten Mengen zu vermessen. Der Commun-Nachtrieb begann am 20. September und erreichte Kösen am 10. Dezember. Die Holzverteilung war völlig durcheinander geraten. In Schwarza bei Blankenburg lagen noch fast 3.000 Klafter aus den schwarzburgischen Verträgen die für Kösen bestimmt waren. In Rudolstadt waren es 1.840 Klafter, in Jena 1.850, in Camburg 1.200 und in Unterneusulza 1.400 Klafter, überall mehr als im Verteilerschlüssel vorgesehen. Die Überbestände versuchte man vor Ort zu verkaufen. Im  Januar 1747 kamen 2.570 Klafter zur Weiterflöße nach Halle, darunter 38 Klafter, die durch das Frühjahrshochwasser vom Stapel mitgerissen wurden und die man auf den Uferwiesen zwischen den Saalhäusern und Merseburg zusammengesucht hatte. Lediglich der Bedarf der Saline und das Deputat von Pforte konnten im vollen Umfang  gesichert werden.

Für die Arbeiter am Stapel bedeutete das einen erheblichen Verdienstausfall und aus Mangel an anderen Verdienstmöglichkeiten, litten die Familien bittere Not, was sich auch auf die übrige Einwohnerschaft übertrug.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1 Nr. 5122).

Johann Gottfried Triebel stand wegen Ehebruch vor Gericht.

 

1747

  1. Mär. Memorandum des Floßmeisters G. Hartig (WEI Floßwesen B 12181).

Wegen der noch aus der Vorjahresflöße offenen Mengen sollte eine Durchflöße erfolgen, d. h. auf dem Kösener Stapel wurden außer den hier verbleibenden Mengen keine Scheite ausgezogen. Alles Übrige ging über den Wehrdamm. Die mengen wurden dann von den Floßbeamten auf saaleabwärts liegenden Stapeln erfaßt.

 

  1. Apr. Beginn des Nachtriebes (WEI. B 12182).

Preußische Truppenbewegungen (1. Schlesischer Krieg) und Hochwasser verzögerten die Flöße, so dass der Nachtrieb erst am 12. Oktober am Kösener Stapel eintraf.

 

  1. Dez. Treffen der Floßbeamten (WEI Floßsachen).

Wegen der verlustreichen Flöße in den letzten beiden Jahren vereinbarten sie die Erhöhung der Beiträge zur „Commun“- Floßkasse. Vorbehaltlich der Zustimmung der Regenten sollte Kursachsen 3.580 Gulden und die Herzogtümern jeweils 1.500 Gulden zahlen.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Andreas Thieme stand wegen ungebührlicher Reden (Nr. 5125) und Dorthea Rebel wegen Ehebruchs (Nr. 4956) vor Gericht.

 

1748

  1. Mär. Klage des Advokaten J. Fr. List gegen S. Juliana Hartig (WER D 34 Anh. 1 Nr. 5023)

Die Floßmeisterin wollte ihren Teichgarten dem Floßschreiber Martini verkaufen. Dagegen erhob  List Widerspruch, weil ihm, entgegen der 1728 getroffenen Vereinbarung mit dem Floßmeister   nicht das Vorkaufsrecht eingeräumt wurde. Schon der Verkauf des Gartens an dessen Ehefrau  war unzulässig, zumal der Kaufpreis von 150 Gulden weit unter Wert lag. 

 

  1. Mär. Bittschreiben des Floßgegenschreibers W. A. Cunis (WEI. Floßwesen 12183).

Wegen des kalten Winters bat er den Floßmeister um einen Vorschuss zum Kauf von Feuerholz.

 

  1. Apr. Beginn der Brennholzflöße an der Loquitz (WEI B 12183).

Am 11. Mai erreichten die Scheite die Stromsaale. Der Nachtrieb der in Saalburg begann, erreichte am 25. Mai Kaulsdorf, am 1. Juni Oberitz, am 8. Juni Saalfeld, am 15. Juni Schwarza und am 22. Juni Rudolstadt. Dann folgte eine Zwangspause wegen Hochwassers. Weitere vier Wochen brauchte man für das Einsammeln der auf die Wiesen geschwemmten Scheite. Dann ging es bis Porstendorf, wo es wegen Hochwassers wieder eine Unterbrechung gab. Erneut geriet die Holzverteilung durcheinander. In Saalfeld blieben 786 Klafter liegen, in Rudolstadt  6.264, in Camburg 2.317, und in Unterneusulza 1.520 Klafter, was nicht mehr abgeflößt werden konnte.  Der Kösener Stapel war vom 1. April bis 21. Dezember besetzt. Am 27. Juni kamen 5.727 Klafter zu Abflöße nach Halle, am 19. Juli 1.890, am 3. August 4.433, am 2. Oktober 5.357 und am 31. Oktober 579 Klafter. 

 

  1. Aug. Neunter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 66 Anh. 1 Nr. 63)

Zur Leipziger Neujahrsmesse einigten sich die Floßbeamten auf die Konditionen für einen neuen Vertrag auf vier Flößen bis 1751, dem die Kammer-Kollegien einvernehmlich zustimmten.

 

  1. Aug. Zwischenbericht des Floßschreibers (WEI Floßwesen Nr. 12183).

Cunis meldete das Eintreffen großer Mengen an Scheitholz, die sich vor dem Rechen stauten.  Er rechnete mit drei Wochen Arbeit bis das Holz aufgestapelt und abgenommen werden kann. Für die Entlohnung der Arbeiter beantragte er einen Vorgriff aus der Verlagskasse.

 

  1. Sep. Die Saline erwirbt das Brauhaus (WER D 34 Anh. 1/2886).

Floßmeister Hartig verkaufte dem Salinenfiskus das Brauhaus am Wehrdamm für 500 Gulden und somit konnte die Schankkonzession im Dorf Neu-Kösen auf den Gasthof übertragen werden.

Damit wurden die Differenzen, die sich aus den verschiedenen Schenkgerechtigkeiten ergaben, beendet. Um den unerlaubten Ausschank in den „Winkelschenken“ im Dorf  zu unterbinden, wurde dem Gasthofpächter erlaubt, „Afterschankpachten“ zu vergeben. Pächter waren zunächst die Bäcker, die sich verpflichteten, ihr Bier nur aus dem Gasthof zu beziehen und kein fremdes Bier „einzuschleppen und zu verschenken“. Der Gasthofpächter hatte dadurch einen zusätzlichen Ertrag, war aber angehalten, ein gutes und bezahlbares Bier zu brauen und den  Braumeister nur mit Genehmigung der Salinendirektion einzustellen oder zu entlassen.

Um den  Gasthof in „bessere Aufnahme“ zu bringen, errichtete J. G. Borlach neben dem Brauhaus eine Malzdarre, wie er sie 1738 auf seiner Englandreise kennengelernt hatte. Die  Kapazität des Brauhauses wurde erweitert, womit sich der Bezug der Getränke aus dem Brauhaus der Landesschule erübrigte. Zur Lagerung der Getränke für das Dorf nutzt man den Gwölbekeller, den J. H. Borlach unter dem Lengefelder Fahrweg angelegt hatte (Borlachstr. 5), der Gasthof nutzte die Gewölbe des Klostervorwerks. 

 

  1. Sep. Anordnung der Kammer zum Rechtsstreit um den Teichgarten (WER D 34 1/5023).

Auf Anfrage des Schulamtes, wie man sich verhalten solle, wurde angeordnet, dass List`s Klage abzuweisen sei. Der Verkauf kam dann doch nicht zustande, denn 1752 war das Grundstück nachweislich noch im Besitz der Floßmeisterin.

 

  1. Dez. Anordnung zum Holzdeputat für Pforte (MER. C48IIIb, 5523).

Anstelle eines Klafters guten, weichen Holzes, sollten zwei Klafter und Faul- und Stückholz abgegeben werden.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Eleonora Reuter musste sich  wegen „stupri“- Unzucht (Nr. 5304) verantworten und Christian Hugo verklagte Hans Dahne wegen Beleidigung.

 

1749

  1. Feb. Bericht des Floßschreibers Martini (MER, C48Ic, Nr.1686)

Der widersprach der vom Kammer-Kollegium beabsichtigten Aufhebung des Naturalzolles und   verwies auf den bereits 1716 unternommenen Versuch, der nach massiven Einsprüchen der Betroffenen ein Jahr später modifiziert wurde, und den Flößern freistellte, den Zoll in natura oder bar zu entrichten., was auch bislang praktiziert wurde.

 

  1. Mai Verfügung der Dresdener Kammer zur Langholzflöße (MER C 50 Naumburg Nr. 75)

Wegen der Behinderungen bei der Scheitholzflöße und der Gefahr für die Rechenbauwerke durch losgehende Langholzflößen wurde das Anbinden und Ausschleppen oberhalb des Unterneusulzaer und des Kösener Rechens bei Strafe verboten und am 7. Oktober in Leipzig nochmals bestätigt. 

 

               Beschwerde der Floßbeamten über den Gasthofpächter (WER D 34/1/930).

Oberaufseher v. Wuthenau und Oberfloßkommissar Brand beschwerten sich über Johann Martin Knorr, weil dieser die vom Floßamt am Saaleufer gepflanzen Pappeln geköpft hatte.

 

              Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Die Ehefrau des Bäckers Christian Friedrich Theuerling war der Hehlerei angeklagt (Nr. 3180).

 

1750

  1. Jan. Hämmerling pachtet das Backhaus (WER Pforta D Anh. 2/ 2301).

Das Backhaus, einst vom Floßmeister Wenzel direkt gegenüber dem Floßamt an der Landstraße gelegen, kam auf „allergnädigsten Befehl“ für einen Erbzins von 21 Groschen an den Bäcker, der daneben einen Verkaufsstand einrichtete.

 

  1. Mär. Anordnung des Kammerkollegiums (in MER C 48 Ic, Nr. 1686).

Den Flößern blieb es weiterhin überlassen, den Zoll beim Passieren des Wehrdammes bar oder in natura zu leisten, obwohl es für die Zolleinnehmer recht aufwändig war, denn sie mußten das  einbehaltene  Holz auch wieder „versilbern“.

 

  1. Juni Abschluss der Zeitpacht des Salinengasthof (WER Rep. 23 I, Nr.11,)

Martin Knorr zahlte 650 Gulden Pacht, das Doppelte von dem was die Landesschule forderte. Das war aber dem Umstand geschuldet, dass das Brauhaus und die Malzdarre dem Gasthof zugeschlagen waren.

 

1751

  1. Feb. Schreiben des Schulamtes an die Dresdner Kammer (WER D 34 Anh. 1/2886).

Das Salinendirektorat hatte nach dem Kauf des Brauhauses versäumt, die Erbpacht von 21 Groschen zu zahlen und wurde vom Kammerkollegium angewiesen, diese aus der Salinenkasse zu zahlen.

 

  1. Feb. Antrag des Schulamtes auf Zollbefreiung für Bauholz (WER D 34 Anh.1/2886).

Das betraf 50 Spundbretter, 20 Schwarten, 12 Bohlen, 60 Latten und 20 Stämme die für Reparaturen an den Schulgebäuden benötigt wurden.

 

  1. Mai Memorandum zum Abschluss des neuen „Commun-Floß-Contracts“ (WEI B 12919a).

Kursachsen verlangte von Sachsen-Weimar die noch ausstehenden 4.958 Klafter aus dem Jahre 1748  anzuflößen. Außerdem sollte die Kontrolle der auf den herzoglichen Stapel ausgeschleppten Hölzer verstärkt werden, damit hier nicht nur die „die besten Stücke“ ausgeschleppt wurden. Weil die Wald-Eingabe den „Natural-Verlust“ nicht mehr ausglich, sollten die Floßbeamten für den höheren verlust haften. Außerdem sollten sich die herzoglichen Teilhaber finanziell an der  Erneuerung des Rechenwärterhauses vbeteiligen.. Erwähnt wurde auch, dass Kursachsen auf der  altenburgischen Roda  Holz aus dem Amt Arnshaugk zur Communflöße bringt. 

 

  1. Juni Schreiben der herzoglich-weimarischen Kammer (WEI Floßsachen B 12191a).

Eine Verdoppelung der Holzmenge, wie von Kursachsen vorgeschlagen, lehnte die weimarische Kammer ab, da man keine eigenen Waldungen an der Saale besaß und die finanziellen Möglichkeiten zum Ankauf erschöpft waren. Man schlug daher für 1752 eine „Interimsflöße“ zu den bisherigen Bedingungen vor, andernfalls sollte man die Flöße ganz aussetzen, was wiederum in Kursachsen zu einem erheblichen Holzmangel geführt hätte.

Im Gegensatz zu der kurfürstlichen Auffassung, dass der hohe Verlust auf Diebstahl im herzoglichen Teil zurückzuführen sei, waren die herzoglichen Beamten der Ansicht, dass zuviel Holz unter dem Kösener Rechen durchging und daher nicht erfasst wurde.

 

  1. Aug. Pachtantrag des J. G. Neufänger (Altes Magdeburger L IX c Nr. 172).

Er bat um einen Bauplatz neben dem Anwesen des Bäckers Holstein (heute Lindenstr. 12).

 

  1. Nov. Neubesetzung der Stelle des „Commun-Floß-Gegenschreibers“ (WEI Floßsachen).

Nach dem Ableben von Cunis erhielt der Sohn des Floßschreibers von Kahla, Friedrich August Stophel diese Stelle. 

 

1752

  1. Mai Verkauf der Sulzaer Saline (Eisenach, Das Thal.., Denkschrift 150 Jahre Salinensozietät).

1731 verkaufte die Gewerkschaft (Reiher-Wenzel-Hartig) die Saline dem Hofrat Prof. Burkhardt Gotthelf Struve aus Jena. Nach dessen Tod 1739 verkauften seine Erben die Saline einem Konsortium mit dem sachsen-eisenachschen, dänischen und kurpfälzischen Geheimrat Joachim Friedrich Freiherrn von Beust, seinem Bruder Karl Leopold Graf von Beust (1701-1778) und seinem Vetter Gottlieb Heinrich v.  Planitz. J. Fr. v. Beust einer der namhafteste Salinisten seiner Zeit hatte maßgeblich Anteil bei der Verbesserung der Salinen Creutzburg und Salzungen (Sachsen-Eisenach), Aigle (Schweiz), Münster am Stein und Kreuznach (Kftm. Pfalz), Rodenberg (Lgrf. Hessen-Kassel), Valloe (Norwegen), Bruchsal (Bist. Speyer), Sulz a. Neckar (Hzgt. Württ.), Wimpfen (Baden), Salzuflen (Grf. Lippe), Orb und Wisselsheim (Erzbst. Mainz).

Er ließ an der Ilm einen neuen Schacht (Segen-Gottes) abteufen, erneuerte den Kunstgraben und  baute 1753 das Gradierhaus „Friedrich“ zwischen Ilm und Emsenbach. 1754 folgte das  Gradierhaus „Luise“. Später kam das Gradierhaus „Charlotte“ auf dem Lachenberg hinzu, 1778  zwei neue Siedekote in Oberneusulza und 1791 wurden die Kote in Unterneusulza durch Neubauten ersetzt.  Die Salzproduktion stieg auf rund 40.000 Stück (rd. 25.000 Zentner).

 

  1. Juni Erbpacht mit dem Fleischer J. Chr. Heydrich (Altes Magdeburge L IX c Nr. 172).

Heydrich pachtete einen Bauplatz neben dem Anwesen der Witwe des Bäckers Teuerling  „gleich am Mühlenweg…und weile auf dießen abgemeßenen Platze des Bäckers Salomon Hämmerlings Bude, darinnen er Bäckerwaren feil hat, stehet, so hat sich dieser Bäcker Hämmerling… erkläret, daß er seine Bude an diesem Plaze weg und weiter hinauf nach des Bergrat Borlachs Hauße zu… wolle setzen laßen“. Die Anweisung des Bauplatzes nahmen der Schulen-Inspektor B. S. Könnewitz, der Amtmann Dr. C. Chr. Gutbier, der Schulverwalter C. V. Francke und der Amtsschreiber Chr. E. Hofmann vor. Das Protokoll verfaßte der Actuar Chr. Geb. Heuckenwaldt.

 

  1. Juli Neufassung der Amtserbbücher (WER  34 Anh. 2 Nr. 2301).

Die 1550 angelegten Bücher hatten im 30jährigen Krieg gelittenen und waren in den folgenden Jahrzehnten völlig unübersichtlich geworden. Insbesondere betraf das die Pachtverhältnisse in Neu-Kösen, wo die Schulbeamten wegen der zahlreicher Besitzwechsel in den letzten 30 Jahren  die Übersicht verloren hatten. Daher ordnete das Kammerkollegium die Neufassung an. 

Alle Erbpächtern oder „Censiten“ mußten persönlich im Schulamt erscheinen und ihren Besitz und die von ihnen zu leistenden „Zinßen und praestandis“ mit eigenhändiger Unterschrift bestätigen. Erbpächterinnen ob Jungfrau, Ehefrau oder Witwe mußten sich von einem Vormund „Curatibus“ vertreten lassen. Die leistung der Unterschriftenm erfolgte vor den „Commissarii Causee“ Dr. Caspar Christian Gutbier, Carl Valerian Francke und Christian Ernst Hofmann.

Während der Bergrat J. G. Borlach,  der Advokat Dr. J. Fr. List, der  Floßmeister G. Hartig, dessen Ehefrau Sophia Juliana, die Erben des Floßschreibers E. Martini sowie die in Naumburg wohnende Dorothea Sophia Beßer angeschrieben wurden, wurden die übrigen Grundstücks- und Weinbergsbesitzer am 9. und 10. Juli vom Amtsdiener aufgesucht und mußten den Termin mit ihrer Unterschrift quittieren.

 

  1. Juli Verpachtung der „Hintermühlwiese“ an die Commun-Flöße (WER D 34/1/913).

Weil der Rechen wegen der vielen ankommenden Scheite zu zerbrechen drohte und die bisher gepachtet Wiese nicht ausreichte, wurde ein Wiesenstück von der Mündung der Quelle bis an die Krümme angepachtet.

Wegen der Uferschäden in diesem Bereich, verlangte der Rittergutsbesitzer von Kreipitzsch Schadensersatz geltend (s. a. WER, Rep. D Pforta V, Nr. 1 Bd. 1 u.2).

 

  1. Aug. Vollmacht der Sophia Juliana Hartig (WER D 34 Anh. 2, Nr.2301).

Zur Bestätigung im Amtserbbuch bevollmächtigte die Floßmeisterin den „Cammer-Commissaire und Licentiaten“ David Jacob Spindler aus Naumburg als „Curatibus“

Der Floßmeisterin gehörten das Rechenhaus mit dem Bergkeller (Loreleypromenade 7/8), der Teichgarten  und weitere zwei Parzellen am Lengefelder Weg (Borlachstraße 41 bis 43). Sie selbst wohnte in Neu-Flemmingen, wo sie den Gasthof mit Ausspanne betrieb.

  

  1. Aug. Unterzeichnung der Erbzinsbücher (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2301).

Alle Einwohner, soweit sie sich nicht vertreten ließen, bestätigten mit ihrer Unterschrift ihren Besitz und die Erbpacht. Das betraf die 24 Weinbergspächter der zum Kösener Distrikt gehörenden Fluren (Vorder- und Hinterberge, Saalberge, Platten Mordtal), zumeist Bauern aus Flemmingen, Hassenhausen und Lißdorf.

Sechs der insgesamt 43 Wohnhäusern lagen am rechten Saaleufer. Dazu gehörten das Rechenwärterhaus der Floßmeisterin, die Floßschreiberei Martinis an der kleinen Saale, das Gehöft des Advokaten Joh. Fr. List (heute Konditorei Schoppe) sowie die Häuser des Bäckers  Joh. Melchior Seyffarth (Naumb.-Str. 2), des Floßgegenschreibers Joh. L. Uhlrich (Naumb. Str. 4) und des Holzhändlers Fr. Seydler (R. Breitscheid Str. 14).

Die Pachtschäferei, die Pachtmühle, die Saline mit dem Gasthof und dem Brauhaus und das  Floßamt wurden im Erbbuch nicht  erfaßt, da sie allesamt in Zeitpacht gegeben bzw. dem Fiskus zustanden

In Neu-Kösen gab es 37 Privatgrundstücke, davon lagen 28 am Lengefelder Fahrweg, die „Sieben Häuser“ am Fuß des Nikolausberges und das Theuerlingsche und das Hämmerlingsche Anwesen am Mühlenweg. Dem Bergrat Johann Gottfried Borlach gehörten gleich mehrere Plätze am Lengefelder Fahrweg (Borlachstr. 1-3), gegenüber das Stadtgut und  die Weinberge am Nikolausholz.

Die Nummerierung aus dem Amtserbbuch wurde 1765 in eine Katasterkarte übernommen, so dass sich die Lage der Grundstücke eindeutig nachweisen läßt.

 

      Aug. Zehnter Commun-Saalenfloßcontract (MER C 66 Anh. I Nr. 63)

Die Teilhaber vereinbarten 4 aufeinander folgende Flößen in den Jahren 1753 bis 1756.

 

  1. Aug. Schreiben des Schulen-Aktuars (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

Das Salinendirektorat wurde ersucht, dem Fleischer Chr. Heydrich einen Bauplatz hinter der „Lehde des Bäckers Hämmerling“ zu überlassen, da dies zur Pacht des Salinengasthofs gehörte. Die Saline verlangte von der Landesschule eine Ersatzfläche und die Landesschule lehnte ab.

 

  1. Aug. Rechnung für die Anfertigung des Amtserbbuches (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2301).

 

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Erneut stand J. L. Ulrich vor Gericht, diesmal klagte die Seilerinnung zu Naumburg wegen verbotenen Handels mit Öl- und  Seilerwaren (1/836). Ebenfalls klagte der Pächter von Fränkenau, Johann Pommer.

 

1753

  1. Jan. Anlage des Eiswehres (MER. C48 IIIb Nr. 5523, C 50 Nbg. A Nr. 75).

Der Schulverwalter Franke verlangte vom Oberfloßkommissar P. A. Brand, die Pfähle für das Eiswehr, einer Schutzvorrichtung bei Eisgang,  am Einlauf der kleinen Saale einzuschlagen. Daraufhin erklärte Brand “daß der Schule das Einstoßen und Ausziehen der Eispfähle zu übernehmen obliegt, teils dem Herkommen gemäß, teils weil der daraus erwachsende Vorteil nicht im Interesse der Flöße, sondern der Schule liege”.

 

  1. Juni Anzeige der Floßbeamten (WER D 34 Anh. 1 Nr. 987).

Adam Ludwig von Wuthenau und Peter Albrecht Brand beschuldigten den Gasthofpächter J. M. Knorr und den Pächter der Saalhäuser Chr. Sieber, Holz aus den Waldungen des Schulamtes und des Domstifts in Scheite zu bringen und zu verkaufen. Da auf dem hiesigen Stapel nur Ausschuss und Sinkholz verkauft wurden und die beiden ihr Holz zum gleichen Preis anboten, ging der Verkaufserlös des Floßamtes merklich zurück. Darin sahen die Floßbeamten einen Eingriff in das herrschaftliche Holzregal und eine Schmälerung der „Commun Flöße“ und verlangten das Verbot des privaten Brennholzhandels. 

 

  1. Juli Anordnung der kurfürstlichen Kammer (MER C48 Ic, Nr. 1686).

Dem Floßmeister Brand und Geleitseinnehmer wurden befohlen „daß jeder, welcher bis Koesen oder daran vorbei Holz flöße, außer dem bestehenden Floß-Zolle von 5 Procent des Holzwerths auch noch die Land-Akzise (so nach dem Akzise-Mandat, Dresden den 9ten May 1682) von 3 Pfennigen vom Thaler Holzwerth zu entrichten verbunden bleibe, daß jedoch zur Erleichterung des Verkehrs den Zollenden gestattet sein solle, statt dieser Land-Akzise eine vorauszuzahlende Fix-Akzise von vier Thalern jährlich zu entrichten“. Einer der ersten, die das Fixum entrichteten, war der Altenburger (Almricher) Holzhändler Krippendorf.

 

  1. Apr. Anweisung der kurfürstl. Kammer bezüglich des Floßamtes (in MER C48Ic Nr. 1686).

Den Floßbeamten v. Wuthenau, Brand und dem Haupt-Salz-Lizenznehmer für Thüringen Lindemann wurde befohlen, die am 6. Mai 1749 und 17. März 1750 angeordnete Erhebung und den Weiterverkauf des als Natural-Zoll einbehaltenen Floßholzes besser zu kontrollieren und die willkürlichen  Verstöße des Kösener Floßschreibers und Zolleinnehmers Schwäger zu ahnden.

 

  1. Aug. Stellungnahme Christoph Siebers zum Brennholzhandel (WER D 34 Anh. 1/987).

Der Pächter des Fischhauses, der in Altenburg wohnte, erklärte, dass die Amts-Försterei den Einschlag genehmigt und er das Holz bar bezahlt habe. Den größten Teil würde er für seinen Weinberg bzw. in seiner eigenen Wirtschaft brauchen. Den Rest hätte er auf dem Altenburger Anger aufgestapelt, um das Holz nach und nach abzutransportieren. An Dritte hätte er nur  geringe Mengen verkauft. 

 

  1. Dez. Anordnung des Kammer-Kollegiums zum Brennholzhandel (WER D 34 Anh. 1/987)

Der Schulinspektor sollte den Pächtern des Salinengasthofes und der Fischhäuser den privaten Brennholzhandel verbieten, wurde dem Oberaufseher Kammerherr v. Wuthenau und den Oberforstmeister Tützschler mitgeteilt.  

 

1755

  1. Jan. Pachtbegehren des Oberfloß-Kommissars (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172).

Eine Kommission des Schulamtes hatte für P. A. Brand einen Bauplatz neben dem Anwesen des Bäckers Hollstein abgemarkt. Doch als es um die Höhe des Erbzines ging, erklärte Brand, dass der Fleischer Heydrich für  ein größeres Grundstück weniger zahlt, müsse er sich die Sache noch einmal überlegen.

 

  1. Nov. Erneuerung des Rechenbauwerkes (Foto)

Darauf verwies eine Inschrift im Keller der Krügerschen Villa, die heute nicht mehr sichtbar ist. Zu erkennen sind die Wappen der Häuser Kursachsen, Weimar und Altenburg sowie die Namenskürzel ALvW (Abraham Ludwig v. Wuthenau, JHASt (Johann Heinrich Albrecht Stophel), GH (Georg Hartig), PAB (Peter Albrecht Brand)  und JCT (Johann Christian Tostlöwe.), die für die Commun-Flöße zuständigen Beamten. Demnach wurde vereinbarungsgemäß die Wiederherstellung des Rechens aus der Commun-Floßkasse finanziert.

 

               Klage des Gasthofpächters gegen H. G. Seidler (WER D 34/1/3125)

Johann Martin Knorr verklagte den Holzhändler beim Schulamt wegen Beherbergung und Ausschank  an Holzhändler und Flößer während der Holzmesse. Seidler, der selbst im Bauholzhandel tätig war, beherbergte befreundete Händler in seinem Wohnhaus oberhalb des Wehrdammes. Der Gasthofpächter verlangte von den Schulbeamten, das ihm verliehene „jus prohibendi“ durchzusetzen.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Michael Reinhold kam wegen Scheitholzdiebstahl vor Gericht (Nr. 4890).

 

1756 bis 1763

              Der Siebenjährige Krieg

Bereits im zweiten Schlesischen Krieg 1744-45 hatte Kursachsen  zwei empfindliche Niederlage gegen die Preußen (Hohenfriedberg und Kesselsdorf) erlitten. Nun kapitulierte gleich zu Beginn des 3. Schlesischen Krieges das sächsische Heer bei Pirna. Kursachsen wurde von den Preußen besetzt. 1759, nach der Schlacht bei Kunnersdorf räumten die preußischen Truppen Sachsen,  konnten aber 1760 nach der Schlacht bei Torgau große Teile zurückgewinnen. Beim   Friedensschluss  von Hubertusburg behauptete Kursachsen zwar seinen Vorkriegsbesitz, war aber infolge der Kriegslasten wirtschaftlich und finanziell schwer angeschlagen.

 

1756

  1. Feb. Antrag des Oberfloßmeisters wegen des Bauplatzes (WER D 34 Anl. 1/4123).

Wegen einer geringeren Pacht für den Bauplatz, hatte sich Brandt an den Kurfürsten gewandt und  erreicht, dass ihm diese von Friedrich August bewilligte wurde. In einem weiteren Antrag verlangte er eine Korrektur der Grundstücksgrenzen (Altes Magdeburger LIXc Nr. 172). Denn durch den vorbeiführenden Weg zur Fränkenauer Hohle hatte das Grundstück die Form eines Dreiecks, Brand verlangte ein quadratisches Grundstück wie die übrigen „Sieben Häuser“. Weil dies die Verlegung des Triftweges bedeutet hätte, baten die  Schulbeamten das Kammerkollegium um die Genehmigung.  Doch am 02. September teilte Brand dem Schulamt mit, dass er wegen  „der  (.) plötzlich eingefallenen Unruhe“ den Bauplatz nicht pachten werde und wegen der „fortwährenden Kriegs-Läuffte und großen Lande-Noth auch ferne kein Interesse“ habe.

 

  1. Mär. Tagebuch des Johann Georg Judersleben (Locicommunes)

Judersleben wurde  am 3. November 1735 geboren, erhielt 1748 das erste Abendmahl,  wurde 1754 als Holzknecht und Scheitführer bei der Saline eingestellt und kam am 01. Mai 1756 auf das Gradierhaus. Er hatte drei Geschwister Johann Christian, der ebenfalls im Salzwerk arbeitete, Hanna Rosine und Dorothee Elisabeth.

Sein Vater Johann Georg (Jg. 1711) stammte aus Flemmingen, lernte den Beruf des Leinewebers, übernahm dann die Weinberge seines Vaters und heiratete die aus Saubach stammende Witwe Anna Maria Sieler. Er folgte seinem Vater als Oberwinzer und war 20 Jahre lang im Amt bevor er es im Alter von 64  Jahren abgab.

Der Großvater Hans Judersleben stammte ebenfalls aus Flemmingen, war mit Anna Meister verheiratet und hatte neben J. Georg einen zweiten Sohn, Johann Elias, der  als Salzmeister bei der Saline beschäftigt war. Hans Judersleben selbst war Bauer und Oberwinzer in Pforte.

In den „Locicommunes“ hielt er die für ihn wichtigen  Ereignisse fest. Daneben finden sich Rezepturen für Wein und Arznei bei Hals- und Menstruationsbeschwerden, Rechnungen,  Ratenzahlungen für geliehenes Geld und eine Schilderung der Ungarnschlacht 933, die er offenbar für interessant und aufzeichnenswert hielt. Das Tagebuch endete um 1800.

 

  1. Okt. Auflösung der Listschen Erbengemeinschadft (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3126)

Johann Friedrich List, Advokat und vormals Gerichtsherr des Floßmeisters Wenzel war verstorben. Er hinterließ eine Tochter, Johanna Christiane Sophia, die mit dem Einnehmer Döring verheiratet war, und die Söhne Friedrich August und Christian Bernhard. Letzterer war noch minderjährig und stand unter der Vormundschaft des Floßschreibers Georg Heinrich Schrey. Zur Auflösung der Erbengemeinschaft sollten die Immobilien verkauft werden. Dazu gehörten die ehemalige Floßschreiberei  (Konditorei Schoppe), ein Weinberg an der Windlücke mit Weinbergshaus und Kelter sowie  Äcker  am Äbtischen Holz im Gesamwert von 2.032 Gulden. Am 20. Dezember fand die öffentliche Subhastation statt. Den gesamten Besitz erwarb die Tochter, die sich verpflichtete ihre beiden Brüder auszuzahlen.

Weil ihr Ehemann die Zolleinnahme gepachtet hatte (Landakzise, Brückenzoll) wurde das Gehöft als „Einnehmerhaus“ bezeichnet. 1789 wurde die Witwe als Eigentümerin aufgeführt.     

 

              Umbau der Mühlenräder (Pachtvertrag 1811)

Das sog. Staberzeug wurde durch Panzerzeug, d. s. eiserne Radspeichen ersetzt.

 

              Neubesetzung der Stelle des Floßschreibers (WER  D 34/1/3811)

Nach dem Tod von G. H. Schrey, seit 1726 als Floßschreiber und Floßholz-, Zoll- und Landaccise-Einnehmer tätig war, folgte Johann Christian Tostlöwe..

 

              Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Georg Seidler kam wegen „injuriarum verbalium et realium“ vor Gericht.

 

 

1757

  1. Jan. Meldung des geistl Inspektors zu einer Geburt (WER D 34 Anh. 1 Nr. 4964).

Die Witwe Dorothea Elisabeth Zedel (32) hatte ihr Kind zur Taufe gebracht und als Vater den Mühlknappen Christian Wiesenvoigt angegeben. Nun war die Geburt eines unehelichen Kindes an sich schon anrüchig, aber der Pastor hatte bereits vorher in Erfahrung gebracht, dass der aus Modelwitz stammende Vater verheiratet war und vier eheliche Kinder hatte, weshalb er die Witwe vor dem Umgang gewarnt habe. Doch sie hatte die Warnung in den Wind geschlagen, weshalb der  Vorfall dem Amtmann angezeigt wurde. Am 29. März wurde die Mutter vorgeladen und zur Sache befragt. Sie gab an, dass sie nicht  gewußt habe, dass der Mühlknappe, den sie in Großheringen kennengelernt hatte,  bereits verheiratet war. Darufhin wurde beim Kammergericht angefragt, ob ein reguläres Verfahren wegen Hurerei gegen die Zedel und wegen Ehebruchs gegen den Wiesenvoigt eröffnet werden soll. Die Kammer genehmigte das Verfahren gegen die Witwe, sah aber bei Wiesenvoigt davon ab, da dieser aus der preußischen Armee desertiert war, und der dortigen Militärjustiz überlassen werden sollte.  Am 17. Juni fand ein „Inquisitorischer Prozess“ statt. Der Zedeln wurden 52 Fragen zur wahrheitsgemäßen Beantwortung vorgelegt. Sie blieb dabei, dass sie von der Ehe des Kindsvaters nichts gewußt habe, was sie dann vor einem  Geistlichen bei Androhung einer hohen Strafe bei einem Meineid beschwören mußte. Daraufhin wurde sie wegen Hurerei zu 14 Tagen Gefängnis und zur Zahlung der Gerichtsgebühren verurteilt. Im August bestätigte der Leipziger Schöppenstuhl das Urteil, dass ihr im September zugestellt wurde. Die Kosten von 20 Talern stotterte sie dann innerhalb eines Jahres ab.

 

  1. Mai Ortsbesichtigung wegen dem Bau eines Kalkofens (St.-A. Nr. 60, WER D 34 2-2301).

Der Gasthofpächter Knorr wollte neben dem Seydlerschen Haus (Breitscheidstr. 20) einen Kalkofen errichten. Zum Ortstermin erschienen der Schulinspektor v. Konneritz, der Amtmann Dr. Gutbier und als Gutachter  der Zimmermeister A. Thieme und der Maurermeister J. G. Schröter. Die verlangten, dass der Abstand des Kalkofens zum Seydlerschen Wohnhaus wegen des Funkenfluges deutlich größer sein müßte. Daraufhin bot Seydler eine höhere Pacht für den Platz und errichtete dann ein Wohnhaus (R.-Breitscheidstr. 18).

 

  1. Sep. Preußische Truppen besetzen die Windlücke (in WEI B 12161)

Friedrich der Große beobachtete von dort aus die bei Kösen biwakierenden  Reichstruppen.

 

  1. Okt. 20.000 Franzosen besetzen die Kösener Brücke (in WEI B 12161, Judersleben)

13 Bataillone und 8 Grenadierkompanien sowie Reiterei unter dem Prinzen von Baden-Durlach sollten den preußischen Truppen den Saaleübergang verwehren. Zunächst wurden die Soldaten in den Häusern einquartiert, wobei 40 bis 60 Mann auf einen Hauswirt kamen. Die wurden dann in Zelten auf den Saalewiesen untergebracht und die Offiziere mit ihren Dienern bezogen die Wohnungen. Die Verpflegung der Truppen war außerordentlich schlecht, es fehlte Brot und die Soldaten kochten „gantze Kessel voll Kraut, Rüben und Möhren  und nur ein wenig Salz, und aßen es vor den Hunger  ohne Brodt“. Alle Vorräte, die man in den Häusern fand, wurden requiriert, die Felder, Weinberge und Gärten auf der Suche nach etwas Essbaren geplündert.  Während des 14-tägigen Lagers wurde ein Großteil des hier ausgeschleppten Scheitholzes an den rund  500 Lagerfeuern  verbrannt.

 

  1. Nov. Zerstörung des Rechenbauwerkes (dto.)

Die Regimentszimmerleute machen den Rechen unbrauchbar, damit er nicht als Flußübergang benutzt werden kann.

 

  1. Nov. Schlacht bei Roßbach (Allg. Gesch., Judersleben)

Nach dem unerwarteten und glanzvollen Sieg verfolgten die Preußen die geschlagenen Reichstruppen über die Unstrut in Richtung Eckartsberga. Indessen hatten die hier lagernden Franzosen die letzten 30 Klafter Scheitholz und alles Reisig und Stroh was sie fanden, auf der Brücke angezündet, um den vorstoßenden Preußen den Übergang zu verwehren. Doch offenbar richtete das Feuer keinen großen Schaden an. Das Amt Pforte meldete 30.000 Taler Schaden.

Nach  Stangenberger (Gedenkbuch der Rudelsburg) lagerte der Oberbefehlshaber der Reichsarmee der Prinz von Soubise oberhalb des Kohlmannschen Weinbergs. Zum Andenken wurde hier eine Eiche gepflanzt.

 

  1. Nov. Bericht des Floßaufsehers Hochhausen (WEI B 12161).

Der herzogl.-altenburgische Beamte schilderte die Schäden auf den Stapeln von  Dornburg, Camburg, Neu-Sulza und Kösen infolge der Truppendurchzüge. Von den 9.461 Klaftern der für Halle bestimmten Scheite waren nur noch  3.863 Klafter vorhanden. Daraufhin wurden die kursächsischen Floßbeamten v. Wuthenau und Brand angewiesen, alles noch auffindbare Holz einschließlich des  Sinkholzes zusammenzusuchen und abzuflößen. Die Fehlmenge ging zu Lasten der kursächsischen Kammer.  

 

            Gerichtsachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2)

Meister Johann Christian Matthesius (Nr. 5132) stand wegen ungebührlicher Reden und  Friedrich August List wegen Diebstahls vor Gericht.

 

1759

  1. Nov. Hinterlegung der Kaution für die Mühle (WER D 34 Anh. 2, Nr. 859)

Kammerherr Graf von Brühl bestätigte den Erhalt der 350 Gulden, die mit 4 Prozent verzinst wurden.

 

  1. Nov. Zeitpachtvertrag mit dem Müller Andreas Friedrich (WER dto. Nr. 861).

Nachdem der Kammerherr Graf von Brühl den Eingang der 350 Gulden Kaution bestätigte, wurde der 32 Paragrafen umfassende Vertrag mit dem Nachfolger Christoph Seilers genehmigt. Demnach gehörten zur Pacht neben der eigentlichen Mühle ein Wohnhaus, Stallungen, Scheuer, ein Obstgarten und das Heu der Mühlenwiese. Die Mühle selbst hatte drei unterschlächtige Mahlgänge und einen Ölmühlengang. Neben dem Zwangsmahlrecht erhielt der  Müller das Malzgeld und durfte Malzgetreide, Staubmehl, Kleie und den Ölkuchen behalten. Dafür mußte er mehrere „Speck-Schweine“für den Bedarf der Schule mästen. Außerdem durfte er 4 Milchkühe und ein Kalb halten. Der Lohn für das Gesinde, Mühlknappen, Handwerker und Arbeiter sowie die Tranksteuer für das in der Mühle ausgeschenkte Bier zahlte der Pächter. Der mußte sich außerdem verpflichten, dass die hinterlegte Kaution weder verpfändet noch veräußert werden darf.

 

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Die Gemeinde verklagte den Fleichhauer Andreas Hilpert wegen Verweigerung der Dorfwache (Nr. 3607). Dorothea Sophia Weise (Nr. 5336) und Maria Christina Deckert wurden wegen Ehebruchs angeklagt (Nr. 4948).

 

1760

  1. Juli Bericht des Schulbeamten Francke (WER D 34 Anh. 1 Nr. 898).

Demnach hatte sich der Mühlenpächter beschwert, das durch die Vernachlässigung des Bachlaufs vom Hartingschen Teichgarten das ihm verpachtete Gras auf der Mühlenwiese nicht genügend bewässert würde.

 

  1. Nov. Reichstruppen gehen über die Brücke (Die Kriege Friedrich d. Großen. Bd. 13).

Zum Korp des Feldmarschall-Leutnants Luszynski gehörten 6 Bataillone, 7 Grenadierkompanien, 1 Jägerkompanie und 11 Eskadronen insgesamt 6300 Mann Reichstruppen, Österreicher und Kroaten. Von Weimar kommend besetzten sie Naumburg, um den preußischen Truppen die in  Kursachsen standen  in die Flanke zu fallen.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Testamentseröffnung des Pachtschäfers Gottfried Otto. Außerdem war Johann Georg Eisentraut ertrunken, seine Leiche wurde in der kleinen Saale geborgen (1/727).          

 

1761

  1. Mär. Verpachtung des Brandschen Bauplatzes (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

Der Advokat Johann Christian Gottfried Hübsch bewarb sich um den Bauplatz von dem  Oberfloß-Kommissar Brand wegen der Kriegswirren Abstand genommen hatte.

 

  1. Apr. Anweisung der Kammmer zu den „Administrationsgeldern“ (WER D 34 1/4254).

Nach über 20 Jahren wurde das Schulamt angewiesen, die fehlenden „Administrationsgelder“ aus den Jahren 1700 bis 1717 gegenüber den Erben und Gläubigern des verstorbenen Floßmeisters Wenzel geltend zu machen. 

 

  1. Mai Schreiben des Schulamtes an J. G. Borlach (WER Rep. F 23, VII Nr. 1b).

Bei einer Vermessung hatte der Bauverwalter Hoffmann festgestellt, dass der Salzkontrolleur Mangold für seinen Gemüsegarten einen Streifen des zur Schule gehörenden Geländes  nutzte. Borlach sollte dies dem Mangold untersagen.

 

  1. Juli Befehl des Amtmannes Gutbier an die Amtsdörfer. (WER Rep. D Verz. II Nr.863).

Das dem Pachtmüller vertraglich zustehende sog. „Schirrholz“ , drei Buchen-, zwei Eichen- und ein Erlenstamm sollte auf Kosten der 13 Amtsdörfer eingeschlagen und angefahren werden. Als diese dem Befehl nicht nachkamen, drohte das Schulamt mit Bestrafung, falls das Holz nicht binnen drei Wochen angefahren wird. Daraufhin baten die Dorfrichter um Reduzierung und eine längere Frist.

 

  1. Nov. Anweisung der Rentkammer an das Schulamt (WER Rep. D Pforta II 2301).

Zehn Jahr nach Anlegung der Amtserbbücher wurde die Abrechnung des Amtsschreibers zur Zahlung angewiesen. Doch der war inzwischen verstorben, und das Geld erhielten seine Erben.  Außerdem wurde das Amt ermahnt, den Verkauf unbebauter, den Besitzerwechsel bebauter und die Teilung von Grundstücken exakt und zeitnah zu erfassen.

 

1762

  1. Feb. Anweisung des Dresdener Kammerkollegiums (in MER. C48Ic, Nr.1686).

Hinsichtlich der Verzollung wurde nun angeordnet: „Gleichwie nun unserer Floßzoll-Holz-Einnahme zu Kösen freisteht, von allerhand  desfalls an- und durchzuflößenden Holz-Waaren das zwanzigste und beste Stück aus denen zollbaaren Flößen in natura zum Zolle zu nehmen, in dessen Entstehung aber die Zoll-Stücke nach dem jedesmahligen Preiße zu taxieren, und nach  solcher Taxe den schuldigen Zoll von denen Holzwaaren mit Gelde zur Einnahme vergnügen zu laßen, also hat es auch hierbei ferner sein Verbleiben..“ Außerdem hatte sich das Anbindeverbot von 1749 als nicht sonderlich wirkungsvoll erwiesen, denn es bestimmte nicht genau, wie weit flussaufwärts sich dieses Verbot erstreckte, daher wurde angeordnet „daß die Flöße, wenn sie einmal das Saalecker Revier passieren, alsdann unaufhaltend die Bauholz-Waren nach Kösen bis unterhalb des dasigen Mühlendammes abflößen, nach der Anlegung daselbst aber sich sofort bei Production derer Saalecker Geleite-Zettel bei der Zoll-Einnahme zu Kösen behörigend melden und die führenden Holzwaren verzollen.“

Wer den Wehrübergang nicht schaffte, musste sein Holz zwischen dem Unterneusulzaer Rechen und Stendorf verkaufen oder es wieder ins weimarische oder altenburgische Gebiet  bringen.

 

            Entdeckung von Braunkohlenvorkommen bei Mertendorf.

Major Carl Friedrich von Eberstein beantragte das „jure prohibendi“ für die von ihm entdeckte Kohlelager bei Mertendorf und Rathewitz.

Im Gegensatz dazu meinte J. Gericke (Auf den Spuren J. G. Borlachs LDZ 1982), dass schon Borlach das Vorkommen entdeckt und zur Befeuerung der Siedepfannen verwendet habe, doch das bezog sich auf Artern, wo Kohle aus Kachstedt und Voigtstedt verbrannt wurde, weil die Verfügbarkeit von Brennholz beschränkt und der Antransport zu teuer war.

Auch wenn sich Borlach bei seinem Aufenthalt in England mit der Verwendung von Steinkohle bei der Erzschmelze bekannt gemacht hatte, spielte das bei den Salinen Kösen und dann Dürrenberg keine rolle, da immer noch genügend Holz aus der Saale-Flöße zur Verfügung stand. Außerdem waren die Siedeherd für Holz ausgelegt, ein Umbau auf Kohle hätte einen erheblichen Kostenaufwand verursacht.

1772 kam die Salinen-Reorganisationskommission (v. Heynitz, v. Beust, J. H. Borlach) zu dem Shluß, dass bei der  Kohlenfeuerung „wohl kein ernster Nutzen zu hoffen sein dürfte, bis man nicht ein eigens darauf eingerichtetes Kot dazu erbaue.“

Nach Friedrich v. Hardenberg (Novalis), wurde die Erdkohlenfeuerung in Kösen mit Kohle aus  Mertendorf und in Dürrenberg mit Kohle aus Pretzsch erst unter dem Direktorat seines Vaters H. U. E. v. Hardenberg eingeführt. Bis dahin wurde das Abbaufeld in Mertendorf und Rathewitz planlos ausgebeutet und durch nicht sachgerechten Grubenverbau kam es immer wieder zu heftigen Wasser- und Schwemmsandeinbrüchen (Fr. v. Hardenberg an Anton  Gottlob  Werner 1800).

 

  1. Nov. Anhörungstermin bezüglich der „Floß-Administrationsgelder“ (WER D 34 1/4254).

36 Jahr nach dem Tod Wenzels wurde die Tochter Hartigs, Wilhelmine Dorothea, aus dessen  zweiter Ehe mit der Tochter des herzogl.-weimarischen Amtmannes Mack vorgeladen. Daraufhin erklärte ihre Mutter, die Witwe Hartigs, dem Gericht, dass ihre Tochter mit dieser Angelegenheit überhaupt nichts zu tun hätte.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D34).

Testamentseröffnung von Andreas Thieme.

 

1763        

  1. Feb. Verpachtung eines Bauplatzes (Altes Magdeburger LIX c Nr. 172)

Chr. Scheuffler, Kunstwärter der Saline bat um einen Platz „an der kleinen Saale, unweit der kleinen Brücke, nach dem Steinkasten (Wehrdamm) vor dem Kunst-Rade zu gehen, den Uferplatz, wo das kleine wilde Gerinnigt ausschlagen und die Fahr-Straße nach der großen Brücke zu vorbeigeht“, die kleine Radinsel. Zwar genehmigte das Schulamt das Gesuch, während der Salinenbaumeister Mangold auf die Gefahr von Überschwemmungen hinwies. Schließlich wurden seitens der Salinendirektion für die Kunst- und Gradiermeister Dienstwohnungen im und neben dem oberen Schacht eingerichtet (R.-Breitscheidstr. 17, 17a) . 

 

  1. Apr. Polizeiverordnung zur Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Das Floßamt wurde angewiesen, das Anbinden von Langholzflöße streng zu kontrollieren und den Rittergutsbesitzer von Kreipitzsch anzuhalten, das Anbinden im Saalecker und Stendorfer Revier zu unterbinden.

 

               Borlachs Gutachten zur  Trinkwasserversorgung von Naumburg (LDZ v. 25.02.1983).

Nach seiner Auffassung sollte der Rat die bestehenden Brunnen säubern und instand setzen, außerdem das Stollensystem vom Buchholz zur Stadt erweitertn und dort Speicherteiche anlegen.

 

  1. Aug. Abschlußbericht der „Restaurationskommission“ (Mager).

Kursachsens Schulden beliefen sich in der Regierungszeit August III. und seines Staatsministers im Gefolge des Siebenjährigen Krieges auf rund 40 Millionen Taler. Vom Prinzregenten Xaver,  Administrator für den minderjährigen Kurfrürsten Friedrich Christian, wurde einer fünfköpfigen Kommission unter dem Freiherrn Thomas v. Fritsch aufgetragen, Vorschläge zur Vermehrung der  Staatsfinanzen auszuarbeiten, wobei auf die Verbesserung der fiskalischen Unternehmen besonderes Augenmerk zu legen war.

 

  1. Aug. Elfter Commun-Saalefloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber einigten sich auf zwei Flößen in den Jahren 1763 und 1764.

Bezüglich der Preise hieß es im § 5: Sind festgesetzt für den Klft. 7/4-elliges hartes Holz 5 Gulden 23 Groschen, weiches Holz 5 Gulden, Ausschuß und  Faulholz 2 Gulden 26 Groschen, Stücke 1 Gulden 13 Groschen, halb in alten richtigen Louisdor und halb in guten Silbermünzen zu bezahlen. Altenburg  erhielt für jeden Klafter, der 1764 über das kontraktmäßige Quantum geliefert würde 12 Groschen mehr.

 

  1. Sep. Protokoll zum Saalecker Geleit (in MER C48 Ic, 1686).

Der Saalecker Geleitseinnehmer Kriependorf verlangte vom Floßzoll-Einnehmer Tostlöwe,  von denjenigen Flößern, die der Entrichtung des Geleits in Saaleck nicht nachgekommen waren, bei der Zollerhebung in Kösen auch das Geleit zu erheben. Demzufolge gab es in Saaleck die bereits 1344 erwähnte Hebestelle immer noch, die aber 1767 beim Pachtende der Hebestelle mit dem Kösener Zoll vereinigt wurde.

 

1764

  1. Jan. Urteil des Schöppenstuhls zu den Floß-Administrationsgeldern (WER D 34 1/4254).

In Abwägung der rechtlichen Gegebenheiten und des fiskalischen Interesses wurde das Schüßlersche Urteil aufgehoben. Es seien zwar Verfahrensfehler gemacht worden, doch die Rentkammer habe es versäumt, ihre Forderungen aus dem „Floß-Administrations-Rest“ rechtzeitig zur Licitation des Wenzelschen Nachlasses anzumelden. Die Rechtmäßigkeit des Licitationsverfahrens sei daher nicht zu beanstanden, die Erwerber und Nacherwerber demzufolge nicht haftbar zu machen.  Dieses Urteil wurde vom Amtmann Gutbier, der Witwe des Floßmeisters  Hartig, dem Bergrat J. G. Borlach, den Erben des Licentiaten J. Fr. List, die Brüder Fr. A. und Chr. B. List, sowie ihrer Schwester Johanna Christiane Döring, dem Sohn des Floßmeisters Wenzel Georg Gottfried und Maria Dorothea Lapner verwitwete Wenzel sowie dem Gerichtsvogt Johann Bernhardt Färber in Mandantschaft von Johann Adam Dennhardt bekannt gegeben.   

Daraufhin verlangten die Verklagten die Erstattung der ihnen bisher entstandenen  Gerichtsgebühren und Unkosten vom Schulamt. Das wandte sich an die Dresdener Kammer weil diese auf Betreiben des Hofrates Schüßler diesen langjährigen und kostspieligen aber letzten Endes erfolglosen Prozess zur Restitution der Subhastation des Wenzelschen Vermögens angeordnet habe. Die Kammer war der Auffassung, dass letztendlich der Hofrat für den Mißerfolg verantwortlich sei, und dafür haften müsse. Allerdings war der inzwischen verstorben und konnte nicht belangt werden, was den Verfahrensbeteiligten mitgeteilt wurde.

 

  1. Apr. Bittbrief der Sophia Rebekka Friedrich (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Der Mühlenpächter A. Friedrich war plötzlich verstorben. Seine Witwe, Mutter von sieben minderjährigen Kindern, bat darum, ihr die Mühle zum Unterhalt ihrer unmündigen Kinder zumindest bis zum Ende des Zeitpachtvertrages zu belassen (Michaelis 1765). Dabei verwies sie auf zahlreiche Verbesserungen die ihr verstorbener Mann an den Anlagen und Gebäuden vorgenommen hatte.  Dies wurde zunächst stillschweigend geduldet. Doch inzwischen hatte das Kammerkollegium angewiesen, dass die Mühle künftig nicht mehr in Zeit- sondern in Erbpacht gegeben werden soll und dies öffentlich anzuschlagen sei.

 

  1. Aug. Kaufantrag des Naumburger Müllers Gottfried Barthold (WER D 34 2/861)

Dieser bot 3.000 Taler für die Kösener Mühle.

 

  1. Okt. Genehmigung zum Neubau eines Schweinestalles für die Mühle (dto).

Der Administrator Xaver genehmigte auf der Grundlage eines Gutachtens des Landbaumeisters Exner 190 Taler und das erforderliche Holz aus dem Schulenforst für die Errichtung des Stalles, da hier die Schweine für den Schulbedarf gemästet wurden. Dazu kam noch die Instandsetzung des Übergangs über die Schütze vor den Wasserrädern,  für deren Erhalt ebenfalls das Schulamt zuständig war.

 

  1. Okt. Bitte der Gemeinde (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2730).

30 Jahren nach dem ersten Antrag, eine eigene Kirche und einen Gottesacker in Neu-Kösen zu bekommen, wandte sich die Gemeinde nun an den Prinzregenten Xaver, nachdem der neue geistliche Inspektor seine Bereitschaft signalisiert hatte, für eine entsprechende Entschädigung die „Auspfarre“ zu befürworten. Die Notwendigkeit dafür wurde mit der Entfernung und dem schlechten Weg begründet. Außerdem fehlte es an Stühlen, was viele ältere Einwohner abschreckte. Der Bauplan würde vom Bergrat Borlach entworfen und als Platz würde ein Stück  des Gasthoffeldes unterhalb der Fränkenauer Hohle in Frage kommen. Der Gemeindevorstand versprach außerdem, dass die Einwohner zur finanzillen Beteiligung eine Anleihe zeichnen würden, was dann noch fehlt, könnte durch eine Kollekte aufgebracht werden, zumal „die Arbeiter bey den Salz-Wercken zum Nutzen des ganzen Landes arbeiten und dienen.“  

 

  1. Nov. Verpflichtung von Erdmann Friedrich Senff (DD Loc. 1337 Vol. IV).

Senff (sen.) geb. 1741, hatte sich nach seinem Schulbesuch in Leipzig bei der Saline als „Mechanicus“  beworben  und war von Borlach dem  Kammerkollegium empfohlen worden.

 

  1. Dez. Gutachten des Schulamtes zur Auspfarre (WER D 34 Anh. 2 Nr 2731)

Die vorgebrachten Gründe wären unbedeutuend und dienten nur der eigenen Bequemlichkeit. Außerdem dürfte in diesem Fall „niemanden etwas entzogen werden“ und der geistliche Inspektor listete alle bisher der Pfortaer Kirche zustehenden Einnahmen bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen auf, die die Gemeinde zusätzlich zu den Kosten für das Gotteshaus und einen eigenen Pfarrer aufbringen müßte.

 

  1. Dez. J. G. Borlach beantragt den Kauf der Mühle (WER D 34 Anh. 2/ 861).

Mit einem Erwerb würden die Streitigkeiten mit den Mühlenpächtern wegen des Aufschlagwassers enden. Denn als Verpächter hätte man selbst das Regiment über die Wasserverteilung für den Betrieb der Wasserkünste. Das Schreiben beglaubigten der  Kassenschreiber Johann Gottfried Bornschein und der Salzsieder Heinrich Böhme.

 

  1. Dez. Kaufantrag der Witwe des Pachmüllers Friedrich (dto.).

Die energische, selbstbewusste  und offenbar auch begüterte Müllerswitwe bot 4.000 Gulden  und eine jährliche Erbpacht von 350 Gulden. Voraussetzung war aber, dass ihr alle bisherigen Rechte und Gerechtigkeiten insbesondere das  Zwangsmahlrecht belassen würden.

 

             Testament des Oberfloßkommissars Peter Albrecht Brand (WER D 34/1/3840).

 

1765

  1. Feb. Zwölfter Commun-Saalen-Floßcontract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Diesmal einigten sich die Floßbeamten nur auf eine Flöße im laufenden Jahr.

 

  1. Feb. Memorial der Salinenarbeiter wegen der Kirche (Judersleben).

Als Reaktion auf die Ablehnung des Schulamtes hatten der „Controlleur“ die Salinenarbeiter 200 Gulden für den Bau des Gotteshauses gezeichnet und ebenfalls um die Genehmigung einer „Collecte“ nachgesucht. Zwar wurde diese Sammlung abgelehnt, der Gemeinde dagegen der Bauplatz versprochen, wenn die Gemeinde die Mittel dafür aufbringen kann.

 

  1. Mär. In Dürrenberg wird die erste Probe Salz gesotten (Judersleben).

Zwei Jahre zuvor war es Borlach nach 20 Jahren geglückt, eine verwendbare Solequelle am „Dürren Berg“ zu erschließen. Daraufhin erwarb der Fiskus das Rittergut Keuschberg und Borlach begann mit dem Aufbau der Saline. Dazu wurden der Kösener Siedemeister Döhne und der Pumper Leberecht Zedel dorthin beordert.

 

  1. Mai Johann Christian Schröter bewirbt sich bei der Saline (DD Loc. 1337).

Borlach unterstützte die Bewerbung, obwohl Schröter keine besondere Schule besucht hatte, dafür aber sehr viel praktischen Verstand besaß, denn „das übrige was den  innern Zustand der Salzwercke betrifft, wird er vielleicht, wenn ihm das kleine Glück, welches er zu erhalten sich sehr freuet, nicht verdirbt, auch lernen…“werde. Daraufhin wird mitgeteilt, dass Schröter „zum gebrauch by deren Salzwercken  angenommen und sich zur nächstkommenden Michaelis-Meße zu Leipzig bey der sodann daselbst anwesenden Churfürstlichen Cammer zur Verpflichtung behörig zu befinden hat.“

 

  1. Mai Prinzregent Xaver bewilligt die Anstellung Senffs als Eleven (DD Loc. 1337).

„…auf beschehenes unterthänigsten Ansuchen, Erdmann Friedrich Senff, dem Berg-Rathe Borlach, um von demselben in denen zum Bau und Umtrieb derer Churfürstl. Salzwercke gehörigen Wissenschaften unterrichtet und angewiesen zu werden, gnädigts beygegeben haben.“

 

      Juli Maßstabsgerechte Flur-Karte (DD,  XXVI, F 95 Nr. 2b).

Die handkolorierte „Fluhr-Charte von dem District Pforta, District Koesen, den Saalhäusern, Schul-Vorwercken Cuculau und Franckenau nebst der Wüstung Franckenau“ wurde vom kursächsischen Vermessungsoffizier Leutnant Backstroh angefertigt und diente zusammen mit dem Amtserbbuch der steuerlichen Erfassung privater Erbpachtgrundstücke. Zur Unterscheidung der ausschließlich zu Wohnzwecken genutzten Anwesen, die anders besteuert wurden als die  Gehöfte mit landwirtschaftlichen Nutzung, wurden unterschiedliche Schraffierungen angelegt.  Zu den Letzteren zählten die Nr. 3 (heute Naumburger Straße 1) das einstige Floßamt, jetzt im Besitz des Einnehmers Döring und die Nr. 16 (heute Lindenstr. 15, 17, 19, 19a, Borlachstr. 1, 1a, 3,) sowie die Nr. 4 (Borlachstraße 2/2a) beides im Besitz des Bergrates Borlach.

Am Ende des Lengefelder Fahrweges (heute Borlachstraße 40/41/42/43) lag der „Schneckengarten“ der Floßmeisterin Sophia Rebekka Hartig, wo die Quelle entsprang, die dann   quer über die Mühlenwiese zur Saale floß. Vorher zweigte noch ein Graben ab, der zur „Wässerung“ der Mühlwiese diente und unterhalb des Wehrdammes in die Saale mündete. Oberhalb des Rechens bis zur Krümme  sowie von der Brücke entlang der kleinen Saale und dem Scheitbach befanden sich die Scheit-Plätze.

Die übrigen Wohnhäuser in Neu-Kösen waren mit den Nummern aus dem Erbzinsbuch von 1752 versehen. Einige Bauplätze am Lengefelder Fahrweg waren geteilt und verkauft, hinzugekommen waren das Anwesen des Obersteuereinnehmers Hübsch (Lindestr. 12) und das Haus  des Kinderlehrers Hucke (Lindenstr. 24).     

Die Pachtobjekte der Landesschule und die Gebäude der fiskalischen Unternehmen, die nicht im Amtserbbuch erfasst waren, wurden ebenfalls andersfarbig gekennzeichnet. Dazu zählten die  beiden Gradierhäusern (a), die Siedehäusern (b), die Wohnung des Siedemeisters (c), das Brauhaus (d), die Radstuben (e), die Solschächte (f), die Salinenschmiede (g), die Wohnungen der Kunst- und Gradiermeister (h), die Schäferei (i), der Gasthof (k), die Mühle (l), das Floßamt (m) und der Rechen. 

Ebenfalls der Steuer unterlagen die Weinberge am Nikolausberg, an der Ilske und den Vorderbergen, die durchgehend nummeriert waren. Einige Flurnamen verweisen auf die Lage nicht mehr bestehender Siedlungen, wie die Wüstung des „unteren“ Dorfes Fränkenau zwischen dem Äbtischen Holz und dem Nikolausberg und die „Mühlstatt“ an der Mündung des Scheitbaches, wo auf einer  „wüsten Insul“ die Lochwitzer  Wassermühle stand.    

Die Genauigkeit der katastermäßige Aufnahme mit den Mitteln der damaligen Zeit zeigt sich, wenn man aktuelle Katasterpläne zum Vergleich heranzieht und feststellt, dass die Abweichungen soweit erkennbar,  zu vernachlässigen sind.  

 

  1. Aug. Schreiben des Prinzregenten Xaver zum Kirchenbau (WER D34 Anh. 2/2731)

Trotz der ablehnenden Haltung des Schulamts war man an höchster Stelle nicht abgeneigt, die  Auspfarre zu genehmigen. Daher wurde den Schulbeamten befohlen, der Gemeinde den Platz für die Kirche und den Gottesacker anzuweisen und abzumarken und die Gemeinde aufgefordert, die Pläne und Kostenanschläge vorzulegen und eine verbindliche Erklärung abzugeben, dass man die Baukosten sowie die Hand-und Spanndienste und die Entschädigungszahlungen für die Schulgeistlichen zu leisten bereit ist.

Doch die Erklärung kam nicht zustande, denn die armen Gemeindemitglieder lehnten in Anbetracht ihrer kärglichen Einkommen eine finanzielle Beteiligung ab.

 

  1. Sep. Bericht des Schulamtes zum Stand der Mühlenverpachtung (WER D 34 Anh. 2, 861).

Im Juli hatte der Müller Barthold sein Angebot auf 4.000 Gulden Kaufpreis und 400 Gulden Erbpacht erhöht, weshalb die Schulbeamten ihm den Vorzug gaben und die Witwe Friedrich als ungeeignet ablehnten. Doch die wandte sich direkt an den Prinzregenten und erhöhte das Pachtgebot  auf 525 Taler.

Nach dem Bietertermin entschied der Prinzregent am 19. November,  zunächst von einer Neuverpachtung abzusehen und die derzeitige Zeitpacht der Witwe bis zum vertraglichen Ende 1771 fortzusetzen und dann erst über eine Weiterverpachtung zu befinden.

 

             Johann  Ernst Hucke jr. Folgt seinen Vater als Kinderlehrer  (KÖZ. 1902).

Unterrichtet wurde im Huckeschen Anwesen. Doch es waren inzwischen so viel Kinder, so dass der Unterricht sehr zu wünschen übrig ließ. Über dessen Wert heißt es in einem Schreiben des Steuerprokurators Hübsch und des Feldschers Döring an den geistlichen Inspektor „daß der seit 1736 allhier gestandene Kinderlehrer J. E. Hucke sen., von dessen Lehre eben die jetzigen eingeborenen Kösener, als von ihm gelehrte Männer herrühren, weder die Katechismen verstanden noch eine Zeile Deutsch richtig zu schreiben gewußt. Aus dieser unverantwortlichen Unwissenheit der bisherigen unnützen Kinderlehrer zu Kösen, welche vielleicht einen besseren Beruf  und Fähigkeiten zum Dreschen gehabt haben werden, stammt nun auch zugleich die hiesigen Orts gar sehr zu Schwange gehende Verachtung des göttlichen Worts, Schändung der Gott geweihten Tage, Widersetzlichkeit gegen die Obrigkeit  und alle andern herrührenden Sünden und Vergebungen, und man kann kühnlich behaupten, daß der Ort Kösen, so volkreich solcher auch sein mag, hierinnen schwerlich wohl seinesgleichen haben dürfte.

 

1766

  1. Feb. Stellungnahme des kurfürstlichen Oberkonsistoriums (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861)

Freiherr von Hohenthal empfahl dem Kammerkollegium nach Prüfung aller äußeren Umstände und des Lebenswandels, einen Erbpachtvertrag über die Mühle mit Rebekka Friedrich abzuschließen.

 

  1. Feb. Dreizehnter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Auch diesmal einigte man sich nur auf die Flöße im laufenden Jahr und vereinbarte, dass wegen mangelnden Absatz und großer Vorräte auf den kursächsischen Ablagen, bedingt durch die der vorjährigen Commun-Flöße folgende Privatflöße die Commun-Saalenflöße  in den Jahren 1767, 1768, 1769 und 1770 auszusetzen.

 

  1. Apr. Inbetriebnahme des 3. Dürrenberger Siedekoths (Judersleben).

In dieses Siedekot  wurde Johann Christian Judersleben, der Bruder von Johann Gottlieb, als „jüngster Pursch“ eingestellt.

 

  1. Juni Johann Gerlach Scheufler pachtet den Salinengasthof. (WER Rep. 23I, Nr.11 Bd.1).

Die Pacht betrug 450 Gulden, die Kaution 500 Gulden. Damit endete nach 24 Jahren die Pacht von  Johann Martin Knorr, der bereits vorher das Vorwerk Kukulau gepachtet hatte.  

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Andreas Hilpert regulierte seine Erbangelegenheiten.

 

1767

  1. Dez. „Erläuterungsmandat“ zum Floßzoll (MER C 48 Ic, 1686)

Der Erlass regelte die Rechte und Pflichten des Floßschreibers und „Floß-Zoll-Holz-Einnehmers“, sowie den Betrieb des Stapels und die Erhebung des Floßzolls. Der Schreiber sollte sein besonderes Augenmerk auf den Erhalt des Rechens legen, damit bei Eisgang kein größerer Schaden entstand. Er sollte  die landesherrlichen Regale bei den Langholzflößen ohne Ansehen der Person durchsetzen und Verstöße dem Geheimen Finanz-Kollegium oder dem Oberaufseher umgehend melden. Bei der „Commun-Flöße“ musste er für die Kontrolle und den Umschlag der Scheite sorgen, die Wochenzettel gewissenhaft  führen und den Lohn pünktlich zahlen. Dazu kam die Überwachung des  rechten Stapelmaßes, die monatliche Abrechnung in dreifacher Ausführung, sowie die Verhinderung von Diebstahl, Unterschlagung und die Übergabe ertappter Missetäter an die zuständigen Gerichtsherren.

Von den Langholzflößen war das Saalecker Geleit und und der 20. Teil des Wertes der Stämme und Holzwaren entweder in barer Münze oder in „natura“ einzunehmen. Das  einbehaltene Holz sollte er angemessen „versilbern“. Außerdem mußte er die Freibriefe gewissenhaft kontrollieren.

All dies sollte sowohl ohne Schmälerung des Zoll-Regal und als auch ohne Beeinträchtigung von Handel und Wandel geschehen. Alle Betrügereien mussten dem  Amtsoberbefehlshaber oder den Gerichten gemeldet werden. Aus dem eingehenden Strafgeld erhielt der Floßschreiber die Hälfte, was natürlich den Eifer anspornte.

Alle Vorgänge mussten täglich, wöchentlich, monatlich und jährlich dokumentiert und mit einer eidesstattlicher Versicherung versehen, vier Wochen nach Jahresende dem Rentamt übergeben werden. Die vereinnahmten Gelder waren laufend abzuführen und vierteljährlich mussten die am Stapel und beim Floßamt lagernden Stämme, Scheite und Holzwaren gemeldet werden. Dieser Erlass beruhte auf einer   Anordnung vom 17. März 1750. 

 

1768

  1. Jan. Anweisung des Kammerkollegiums zur Mühlenpacht (WER. D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Weil das Schulamt den Abschluß der Erbpacht hinaus zögerte, hatte sich die Müllerin beschwert. Im März 1767 erstattete das Schulamt Bericht warum es bislang nicht zum Abschluß des Vertrages gekommen war. Daraufhin wurde ein Kommissar vom Kammerkollegium vor Ort delegiert, um die vom Schulamt vorgebrachten Bedenken zu prüfen. Der erklärte, dass diese  allesamt unerheblich wären und es keinerlei Hinderungsgrund gäbe, weshalb das Schulamt angewiesen wurde, umgehend den Pachtvertrag abzuschließen. Gleichzeitig wurde der Müllerin die Anlage einer Schneidemühle genehmigt.

 

  1. Apr. Versteigerung von zwei Halbweinbergen (WER Rep. D Pforta II 2301).

Die ehemals Koch und Füllsack gehörenden Weinberge auf den „Platten“ dienten 1725 beim Umbau des Wehrdammes als Steinbruch und blieben dann liegen. Nun versuchte das Schulamt die wüsten Lagen wieder an den Mann zu bringen.

 

  1. Juni Anordnung des Prinzregenten zum Rechenhaus (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3813).

Nach dem Tod des Floßmeisters Hartig und seiner Ehefrau, erbte ihre Tochter Amalie Dorothea verh. Mack das Anwesen und wollte es nun verkaufen. Dabei stellte es sich heraus, dass von den 6 Mietparteien der Rechenwärter Sachse mietfrei wohnt. Er erklärte, dass den Rechenwärtern als Bedienstete des Floßamtes seit jeher eine mietfrei Wohnung zugestanden habe, es dafür aber keine schriftliche Abmachung gab. Daher wandte sich die Erbin an das Kammerkollegium. Das  wiederum befahl dem Oberaufseher der Saalen-Flöße Senff v. Pilsach, dem  Amtmann Gutbier und dem Floßmeister Stöter, den Nachfolger Hartigs, die näheren Umstände zu untersuchen und Bericht zu erstatten.

 

  1. Juli J. G. Borlach verstirbt (Acta das Ableben des Borlach und dessen Beerdigung betr.)

Am Abend des 7. Juli wurde der bergrat auf dem Friedhof in Schulpforta beigesetzt, wobei das  Konsortium den geistlichen Inspektor befohlen hatte, auf eine Kanzel-Abkündigung zu verzichten.

Nach Judersleben wurde Borlach in einem Grabgewölbe beigesetzt, das mit dem Psalm 16.6 „Das Loos ist mir gefallen aufs Liebliche!“ versehen war.

Am 12. Juli schrieben  Carl Ferdinand v. Lindemann, Friedrich Gottlob v. Berlepsch und Friedrich Anton von Heynitz „Ew. Königl. Hoheit geruhen gnädigst, sich …vortragen zu laßen, was  maaßen nach einem vom Amtmann Gutbier zu Pforte unterm 5ten Julie a.c. erstatteten Bericht, der Berg-Rath, Johann Gottfried Borlach, welchem man die Erfindung, Einrichtung und den nutzbaren Umtrieb derer Churfürstl. Salzwercke zu Artern, Kösen und Dürrenberg lediglich verdanken hat, am 4ten July a.c. in einem Alter von 81 Jahren verstorben ist.“

Seinen ansehnlichen Besitz in Neu-Kösen, darunter das „Neue Haus“ samt Inventar, den Kelter  und die Weinberge am Nikolausberg erbte sein Bruder Johann Hermann. 

 

  1. Aug. Johann Hermann Borlach wird zum Salinendirektor ernannt (DD Loc 1337).

Am 9. Juli erfolgte die Bewerbung und auf Empfehlung des sächsischen Generalbergkommissars von Heynitz wurde der sachkundige Johann Hermann Borlach anstelle des Kammerrats Johann Friedrich von Posern zum Direktor berufen. In der Bestätigung hieß es , dass er „bey Erhebung und Direction  dieser Saltzwerke die Ideen und Anstalten des verstorbenen Bergraths Borlach, größtentheils mit executiret, und dabei sehr viele Kenntnisse und Erfahrung erworben“ habe.“ Dem Special-Rescript seiner Ernennung war „das Praedicat eines Churfürstlichen Berg Raths beygelegt“.              

 

  1. Sep. Dienstantritt des neuen Salz-Inspektors und Vizedirektors (Judersleben).

Carl Leopold (II) v. Beust, (1740-1827) kursächsischer Kammerherr und Bergrat, gehörte der jüngeren Linie des sächsischen Linie an. Sein Onkel war der Herzogl.-Eisenachsche Oberberg- und Legationsrat, auch Dänischer und Kurpfälz. Geheimrat Joachim Friedrich Freiherr v. Beust (1697-1771, Inhaber der Sulzaer Saline. Sein Enkel Kammerherr Friedrich Carl Leopold Freiherr v. Beust (1779-1845) war von 1805-1807 Access bei der königl. - kurfürstl. Salinendirektion und sein Urenkel Friedrich Constantin Freiherr v. Beust (1806-1891) von 1844-1867 Kgl.-sächsischer Oberberghauptmann.

Am 16. Sep. wurden die Salinenarbeiter (bis auf die Wächter an den Pfannen) zur Leistung des Treueeides ins Werksgelände befohlen.

 

1769         

  1. Jan. Verfügung zum Anbinden der Langholzflöße (MER C 50 Naumburg Nr. 75)

Weil die Commun-Flöße ausgesetzt war, wurde das Anbindeverbot gelockert und die Flöße legten wieder in der Lengefelder und Saalecker Flur an. 

 

  1. Jan. Dankschreiben der Müllerin (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Sophia R. Friedrich bedankte sich für die Erbpacht, bat aber, nicht wie vereinbart 2/3 der Kaufsumme zu zahlen, sondern zunächst ein Drittel.

Kurz danach beschwerten sich die  Dorfrichter der Zwangsmahldörfer über verschiedene  Mißstände und bezichtigten die Müllerin der Untreue und Nötigung und beantragten im namen der Dorfgemeinschaft die Anpachtung der Mühle. Dahinter steckten die Schulbeamten, denen  die Müllerin ein Dorn im Auge war. Das kammerkollegium wies nun das Schulamt an, den Antrag der Zwangsmahldörfer und deren finanzielle Möglichkeiten zu begutachten. Als sich dann die Zwangsmahldörfer nicht einigen konnten, wurde am 15. November angewiesen, den Erbpachtvertrag mit Sofia Rebekka Friedrich zu siegeln, was am 31. Okt. 1770 durch den   Advokaten  Johann Samuel List als Vormund der Müllerin vollzogen wurde.

 

  1. Feb. Bericht über die Besitzverhältnisse beim Rechenhaus (WER D 34 Anh. 1 Nr. 3813)

Auf Nachfrage erklärte der Floßmeister August Ludwig Stöter, dass der Rechen selbst der   „Commun-Flöße“ gehörte, aber nach den ihm bekannten Verträgen nicht das Rechenhaus.

Nach Sichtung der im Schulamt vorhandenen Unterlagen (Zins- und Grundbücher) stellte sich dann heraus, dass zwar der Platz für den Neubau des Rechenhauses der „Commun-Flöße“ im Jahr 1727 von der Schule  zugewiesen wurde, weil sich die Teilhaber nicht über die Baukosten einig wurden, hatte Hartig auf eigene Kosten den Platz bebaut. Dabei hatte er das Anwesen so groß gebaut, dass sechs Wohnungen entstanden, die er auf eigene Rechnung vermietete, ausgenommen die Wohnung für den Rechenwärter, der freie Unterkunft hatte. Bei der Neufassung der Amtsbücher im Jahr 1751 hatte er dem Amtsschreiber Schacher erklärt, dass das Rechenhaus zum Floßamt gehört und demzufolge nicht besteuert werden könnte. Dem wurde geglaubt und das Anwesen nicht im Amtserbbuch erfasst worden. Er jetzt stellte sich der wahre sachvewrhalt heraus, als die Erbin im guten Glauben den Nachlass ihrer Eltern verkaufen wollte.

Zunächst wurde kam der Vorschlag, das Rechenhaus auf Rechnung der „Commun-Flöße“ zu erwerben und neben den Rechenwärter die Floßboten und Offizianten unterzubringen. Da sich die beiden herzogl. Teilhaber weigerten, erlaubte man der Erbin den Verkauf mit der Auflage, dass der Erwerber weiterhin dem Rechenwärter die aus einer Stube, einer Kammer, einer  Küche  und zwei Bodenkammern bestehende Wohnung kostenfrei überläßt und dem Schulamt einen Erbpachtzins für den Grund und Boden bezahlt. 

 

  1. Apr. Gesuch beim Kammer-Kollegium (DD Loc 31875, Rep XXXVIII)
  2. H. Borlach und der Vizedirektor v. Beust schlugen vor, die Handpumpen für die Repetiertfälle am unteren Gradierdurch durch „Maschinenpumpen“ abzulösen, die über eine Verlängerung des Doppelfeldgestänges im unteren Solschacht von der Wasserkunst betrieben werden könnten.

 

  1. Apr. Anstellung des Salinen-Conducteurs Carl-August Therkorn (DD Loc.1337).

Carl-August war der Sohn oder Bruder des 1737 auf der Kösener Saline tätigen Johann Daniel Therkorn.

 

  1. Juni Anweisung des Kammerkollegiums (in DD Loc 1337).

Die versuchsweise Anbindung der Gradierpumpen an das Gestänge des unteren Radhauses bereitete erhebliche technische Probleme. Zunächst ging viel Kraft verloren, weil das Gestänge  im unteren Schacht „abbog“ um zum 1. und 2. Fall des ersten Gradierwerks zu schieben. Dazwischen lag der alte Schafstall, durch den das Gestänge geführt werden musste, was den Pachtschäfer und das Schulamt auf den Plan rief. Auch die Weiterführung zum zweiten Gradierhaus, für den 3. und 4. Fall erwies sich als undurchführbar. Insgesamt reichte die Kraft der unteren Radkunst nicht aus, zumal ein wesentlicher Teil für die Wildwasserwältigung gebraucht wurde.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Johann Michael Ludwig der Fleischsteuerpächter zu Kösen verklagte Hassenhausener Bauern wegen des von auswärts geholten unversteuerten Fleisches (Nr. 704). Christina Elisabeth Schneider kam wegen Ehebruch vor Gericht Nr. 5096). 

 

1770        

  1. Mai Verordnung zur Erhebung des Floßzolles (MER C 48Ic, Nr. 1686).

Befohlen wurde „daß der Einnehmer zu Koesen bei Erhebung des dasigen Floßzolles sich nach der bisherigen Observanz bei der Taxation der Zollstücke nach dem jedes mahl bestehenden Preise der Waaren  richten, die Zollstücken aber nicht in natura annehmen solle“. Damit war der  Zolleinnehmer Tostlöwe angehalten, die geltenden Preise einzuholen, um den Wert der Holzwaren angemessen zu taxieren.

 

  1. Okt. Anweisung zur Langholzflößerei (MER C 48Ic, Nr.1686).

Weil Böttcherwaren, die auf den Flößen ankamen nicht dem Floßzoll sondern der Landakzise unterlagen, wurde die Mitnahme untersagt und den Floßbeamten befohlen, dies zu unterbinden.

 

            Abbruch der Vorburg der Rudelsburg (Gedenkbuch der Rudelsburg, Spangenberg 1853)

Die äußere Verkleidung aus Hausteinen verbauten die Besitzer im Rittergut zu Kreipitzsch. Übrig blieben die inneren Teile der die Zugbrücke über den Graben der Vorburg flankierenden Türme. Dieses Gemisch aus kleinen Steinen und Mörtel überdauerte dann die Zeiten.

 

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Der Salzsieder Gottfried Richter hinterlegte im Amt sein Testament.

 

1771

  1. Jan. Bestätigung der Mühlenpacht (WER D 34 Anh. 2 Nr. 861).

Zum bevorstehenden Ende der Zeitpacht bestätigte der Amtmann Gutbier der Müllerin, dass sie die bisherigen Pachtzahlungen ordnungsgemäß geleistet und somit keine offenen Forderungen ihr gegenüber bestehen.

 

  1. Mär. Vierzehnter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Nach vierjährigen Pause vereinbarten die Teilhaber eine gemeinsame Flöße im laufenden Jahr.

 

      Apr. Bruch des Solschachtes (DD Loc. 1337)

Dabei handelte es sich offenbar um den unteren Solschacht, bei dem die ohnehin anfällige Schachtverzimmerung dem Druck des Schichtenwassers nachgab. Auch dies dürfte Anlaß gewesen sein die Soleförderung auf den oberen Schacht zu konzentrieren und den unteren Schacht nur bei Bedarf zu nutzen und ansonsten das Wildwasser zu wältigen, damit die Sole nicht verdünnt und über den Stollen auch in den oberen Schacht gelangt.

 

  1. Mai In Sulza verstirbt Joachim Friedrich Freiherr v. Beust (Der Anschnitt 3/1990).

Seinen Anteil an der Saline Unterneusulza erbte sein Sohn Friedrich August Karl Freiherr v. Beust (1736-1807), kursächsischer Kammerherr seit 1775 (s.a. Chursächsischer Hof- und Staatscalender). Sieben Jahre später starb sein Bruder Carl Leopold Graf (I) v. Beust. Dessen  Anteil erbte sein gleichnamiger Sohn Carl Leopold (1740-1827). 1902 beging die Familie Beust das 150jährige Besitzjubiläum der Saline, 1926 wurden die Anteile in die Neusulzaer Salinen-Sozietäts-Treuhand GmbH übernommen. 1948 wurde der Betrieb verstaatlicht und 1967 die Siedesalzproduktion eingestellt.

 

  1. Mai Schreiben zum Antrag von Beust auf Beförderung (in DD Loc 1337).

Carl Leopold Graf (II) von Beust hatte bereits 1764 um die Ernennung zum Amtshauptmann nachgesucht, nun wurde vorgeschlagen,  ihm diesen Rang oder den eines  Bergrates  4. Klasse zu verleihen.

 

  1. Juni Befehl zur Reorganisation des Salinenwesens in Kursachsen (Mager).

Das Kammerkollegium erhielt den Auftrag, geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, um die  inländischen Salzwerke so auszubauen, dass man auf die Salzeinfuhr aus den brandenburg-preußischen Salinen Halle, Staßfurth, Groß-Salze  bzw. Schönebeck völlig verzichten konnte.

 

  1. Nov. Bericht der Salinen-Reorganisationskommission (DD Loc 1337- Abschrift).

„Die Untersuchung derer in Churfürstentumb Sachsen und incorporirten Landen befindlichen Salz Wercke und Salz Quellen, auch Saalen und Unstruth Flöße und der benöthigten Floßhölzer..“

Kurfürst Friedrich August III. wollte erreichen „…diesen wichtigen Teil unserer Finanzien…zu unserer Rent-Cammer fließenden  Einkünfte ohne Nachtheil Unserer Unterthanen, zum Vortheil Unserer Casen zu erhöhen“. Geheimrat Friedrich Anton v. Heynitz, Kammerherr Bergrat Carl Leopold (II) v. Beust und Johann Polycarp von Leyser (ein Nachfahre des 1689 in Kösen erwähnten J. W. Leyser?) legten ein umfangreiches Gutachten vor. Einleitend ging man auf die Geschichte der Salzwerke Sachsens und der mit dem Ausland bestehenden Verträge bezüglich der  Salzeinfuhr und des Salzdebits ein. Dann folgten die  Vorschläge  zur Erhöhung der Salzproduktion und der Verbilligung der Produktion  auf den kursächsischen Salinen. Zur Verbesserung der Gradierung und der Siedetechnik wurden umfangreiche Investitionen auf den beiden älteren Salinen  Kösen und Artern empfohlen. Die hiesige Saline sollte ein neues Gradierwerk erhalten, da die beiden Gradierhäuser am Salzwerk viel zu dicht beieinander standen, was den Gradiereffekt stark beeinträchtigte. Außerdem kam die Umstellung der handbetriebenen  Umlaufpumpen auf den Antrieb durch die  „Wassermaschinen“ wieder auf den Tisch, was die Verbesserung der Effizienz der Wasserkünste erforderte. Die freiwerdenden Pumpknechte sollten zu Gradierern umgeschult werden, zumal man bei Einführung der Nachtgradierung mehr Personal benötigte. Mit dem Bau großer Sammelbecken wollte man eine Reserve an Siedesole vorhalten, die auch bei eingeschränkter Förderung und Gradierung einen kontinuierlichen Siedebetrieb ermöglichte. Außerdem sollten die Pfannen und die Herde so eingerichtet werden, dass man Brennmaterial und damit Kosten sparen könnte. Dazu wurde auf die Erschließung von Kohlenvorkommen verwiesen und geraten sich  auf den „ausländischen“ Salinen umzusehen, um sich mit den dortigen Verfahren vertraut zu machen. Damit hoffte man, die rückläufige Produktion von ehemals 28.000 Stück Salz im Jahr 1742 die auf 20. 000 Stück im Durchschnitt der letzten 6 Jahre zurückgegangen war, wieder zu egalisieren und möglichst auf über 30.000 Stück zu steigern (das Stück zu 60 kg). Die an den Fiskus abgeführten „Revenuen“ betrugen 1754 12.208 Gulden, 1771 nur noch 8.199 Gulden.

 

  1. Dez. Beschwerde der Pachtmüllerin (WER D 34 Anh. 2 Nr. 859 sowie 861-862).

Die Mühle verfügte seit alters her über das Brennrecht für die dem Mühlenpächter zustehenden Getreideabfälle. Auf Anordnung des Kurfürsten, der dem übermäßigen Branntweingenuss seiner Landeskinder entgegenwirken wollte, hatte der Amtmann das Brennen untersagt und die Brennerei versiegelt.

 

1772    

  1. Feb. Bericht des Kammerkollegiums (DD Loc 1337).

Unter dem Titel „Unterthänigster Bericht des Cammer-Collegii. Die zur Erwegung derer Mittel zu Verbesserung derer Churfürst. Salz-Einkünffte und Verhütung derer dabey zu besorgenden Unterschleife, angeordnete Commission und deren eingerichtete Vorschläge betr.“, legte das Kollegium dem Prinzregenten Xaver die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen und die  möglichen Verbesserungen vor. Das betraf die Einhaltung und Kontrolle des Salzregals und der Lizenzen, neue Salzniederlagen und die Verdoppelung der Fabrikation in Dürrenberg..

 

  1. Mär. Bericht des Kabinettsministers Ferber (DD Loc. 1337).

Unter Bezugnahme auf die Vorschläge des Kammerkollegiums und die Einberufung einer Kommission  bemerkte er: „So ist kein Zweifel, daß die Salz-Revenuen, wie zeithero also ferner von Jahren zu Jahren steigen und am Ende die Saltz Versorgung (…) ganz in Chur Fürstl. Hände kommen wird.“

 

  1. Mär. Reorganisation des Salinenwesens (DD Loc 1337).

Ein Direktorat sollte die Maßnahmen in den drei fiskalischen Salinen koordinieren und überwachen. An der Spitze stand der am 10. Dez. 1763 vom Prinzregenten Xaver zum Generalbergkommissar berufene Friedrich Anton v. Heynitz, der 1765 zusammen mit Fr. W. v. Oppeln die Bergakademie Freiberg begründete. 

Sein Vertreter war der Kammerherr Leopold von Beust. Bezüglich des Salinendirektors J. H. Borlach wurde angemerkt,  ihm „bei seinem hohen Alter eine bequeme und honorable Retraite zu gönnen und zu den Salzwerken einen Mann aus der Waitz`schen Schule zu holen.“

Die Kommission begab sich unverzüglich zu den Salinen, um die vorgesehenen Verbesserungen   umgehend in Angriff  zu nehmen.

 

  1. Juni Salinenrecherche (DD Loc. 1337).

Bei der Besichtigung des Kösener Werkes vereidigte v. Heynitz  den „Controlleur“, den „Cassierer“ und den „Condukteur“ auf die zu treffenden Maßregeln:

1.) dass  die Lokalbeamten zweimal jährlich jeweils zu Ostern und Michaelis eine gemeinsame Sitzung abzuhalten haben, worüber ein „Haushaltprotokoll“ anzufertigen ist, von denen jeder Beamte eine Abschrift erhält.

2.) eine Registratur einzurichten, wo alle Schreiben, Protokolle, Anordnungen etc. aufzubewahren sind. Alle im privaten Besitz Borlachs und der übrigen Beamten befindlichen Betriebsakten sind zu archivieren.  

3.) wurde dem Kondukteur Schröter befohlen, für die Feuerungsanlagen mehrere Züge einzubauen, wie sie die Kommission in Neu-Sulza gesehen hatte. Damit könnte ein besseres Salz mit weniger Brennholz erzeugt werden. Außerdem sollte sich Schröter auf der Saline Allendorf über die Vorteile  der dortigen  Waitz`schen Gradiertechnik informieren.

4.) dass die bisher von Hand betriebenen Repetierpumpen an die „Wassermaschinen“ anzuschließen sind und  die Pumpknechte zum Gradieren eingesetzt werden sollen.

5.) Die Einführung der Nachtgradierung.

6.) Außerdem war der aus Eisenach stammende Törpsch als Kassierer vorgesehen, der aber zum Nachweis seiner Brauchbarkeit zunächst die Arbeiten der  Siedemeister analysieren und mit den  Sulzaer vergleichen sollte.

Zum Ende wurde die Vereinheitlichung der Salzwaagen durch die Einführung der von Borlach benutzten Proportionalspindel, die eine 100 Striche umfassende Einteilung hatte auf allen kursächsischen Salinen angeordnet und den Siedemeistern Prämien versprochen, wenn sie in ihrem Kot Feuerholz einsparen würden.     

 

  1. Juni Festlegung zum Neubau eines Gradierhauses (DD Loc 1337)

„…ausgemacht sey, daß die Kösener Coctur mit ihren jetzigen Gradier-Wercke auf keine Weise…. reich genug gradierte Sole fourniere… Es bleibe daher die Vermehrung und Verbeßerung  der dasigen Gradirung allemahl das wichtigste Haußhalt-Object  bey dem Kösener Wercke. In dieser Absicht hat der Conducteur Schroeter Riß und Anschlag zu fertigen…daß a.) ohne die jetzigen Revenuen …. zu alteriren in 2 bis 3 Jahren fertig werden könne, b.) daß das Gradir-Hauß zugleich auch ein Soole-Reservoir eingerichtet werde…d.) daß dem Conducteur Schroeter  die Absteckung des neuen  Gradir-Haußes  auf der in loco mündlich verabredeten  Linie aufgetragen  werde und damit man wegen des Ankaufs des Platzes erforderlichen data beysammen, so wollen  die Hr. Berg-Räthe  alles  darzu  ex ante Actis praepariren, sich auch vorläufig  mit dem Schul-Amte vernehmen.“

 

  1. Juni Bericht des Geheimrates von Heynitz (DD Loc. 1337).

Dieser fasste nochmals die Ergebnisse der drei Lokalbesichtigungen (Artern am 6. Juni, Dürrenberg vom 11. bis 13. Juni) zusammen. Dürrenberg war demnach am ausbaufähigsten hinsichtlich der Qualität und Quantität. Die Vorbereitung und Überwachung der umfangreichen Bauten wurde dem Baumeister Schröter übertragen.  J. H. Borlach verzichtete mit Rücksicht auf sein Alter auf die Bereisung der Salinen Artern und Dürrenberg.

 

  1. Aug. Schreiben des Steuerprokurators J. Chr. G. Hübsch (KAZ 1941).

Der Kinderlehrer Ernst Hucke jr. hatte beim Kurfürsten seine Versetzung beantragt, nachdem eine  Einigung mit der Gemeinde zur Aufbesserung seiner Einkünfte nicht zustande gekommen war. Etliche der meist armen Familien hielten ihre Kinder vom Schulbesuch ab, um dem Schulgeld und der  „Reihenspeisung“ des Lehrers zu entgehen. Um dem nächsten Kinderlehrer ein besseres Auskommen zu sichern, sollte neben dem Schulgeld von allen Hausbesitzer vierteljährlich 15 Pfennige beigesteuert werden, unabhängig ob sie schulpflichtige Kinder haben oder nicht, um den ärmeren Eltern ein höheres Schulgeld zu ersparen (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2893). 

Bei der Neubesetzung der Stelle des Kinderlehrers kam es zum Streit zwischen dem geistlichen Inspektor und der Gemeinde. Die Gemeinde hatte sich für den in Wilsdorf amtierenden Kinderlehrer Adolf Heinrich Näbe entschieden, den der Holzhändler Fr. Seidler vorgeschlagen hatte. Dagegen hatten Hübsch und der geistliche Inspektor den Theologiestudenten  Johann Georg Rau(h)e, vorgeschlagen. Der aus Naumburg stammende Raue (geb. am 18. 04. 1739), verlegte sofort seine Wohnung nach Kösen. Doch die Gemeinde lehnte Rauhe ab, weil er keinen amtlich beglaubigten Abschluss nachweisen konnte. Nach einem halbstündigen „Testamen“ vor dem geistlichen Inspektor Hauck bestätigte ihm dieser, dass er zum Kinderlehrer befähigt sei.

Das erkannt jedoch die Gemeinde nicht an. In dem sich anschließenden Gerichtsverfahren erklärte die Salinenverwaltung, dass alle von der Gemeinde  bisher angestellten Kinderlehrer der Einwohnerschaft nichts beigebracht hätten, weil „unter allen eingebornen Kösener Einwohnern nicht ein einziges tüchtiges Subjektum zum erledigten Richteramte“ zu finden wäre, man statt dessen unter  Auswärtigen auswählen müsse, wie den Bader Holstein aus dem Brandenburgischen, den Schneider Weber aus dem Hessischen oder  dem Tischler Böhme  aus dem Erfurtischen“ und keiner hier in der Lage sei, der „einen höchsten landesherrlichen Befehl oder eine obrigkeitliche Verordnung in der Gemeinde öffentlich ablesen oder vielmehr zusammenbuchstabieren“ könne.

Zum Schriftverkehr gehörte eine Aufstellung der 53 Unterbeamten und Arbeiter der Saline. Dazu gehörten  der Pfannenschmied H. Fiedler, der Gradiermeister Chr. A. Heckenberg, 6 Koth-Meister (Chr. Henicke, G. Koch, H. Koch, Fr. Rauschner, Chr. Wünsch, J. Zedel), 12 Burschen (M. Büchner, Chr. Judersleben, M. Plaul, Chr. Ziege, M. Zimmermann, Fr. Butter, H. Wagner, G. Wagner, Chr. Streuber, G. Zedel, G. Judersleben, Fr. Scheufler), 5 Kunstwärter (Chr. Wolf, S. Blaubach, G. Thieme, Chr. Scheufler, G. Kühne), 16 Pumper (Chr. Eisentraut, A. Zahn, A. Kreutzmann, Fr. Nietzold, Fr. Zedel, G. Grenzdörfer, Chr. Bornschein, Chr. Wolff, Chr. Lange, G. Hanisch, G. Ziege, K. Seidler, Chr. Büchner, G. Büchner, Chr. Eisenschmidt, D. Gröschner), 4 Scheitführer (G. Dielitz, G. Schultze, G. Meyer, Chr. Otto), 4 Salzwächter (Chr. Koch, Chr. Arndt, Chr. Götze, Chr. Büchner), 2 Salzlader (G. Zimmermann, J. Tolle), der Pächter des Salinengasthofs Johann Gerlach Scheuffler, der Hufschmied Johann Georg Schläger und der  Tagelöhner Krüger.

 

  1. Nov. Erklärung des Kinderlehrers Hucke jr. (NKB 1904, Kös. Z. 1902).

Hucke, nunmehr Präceptor in Pfuhlsborn, bestätigte dem geistl. Inspektor, dass er Kösen verlassen habe, weil er hier nicht mehr als 30 Gulden Schulgeld eingenommen habe, und dass er davon seinen Lebensunterhalt nicht  bestreiten konnte.

 

  1. Chr. Charius beantragt die Konzession als Schumacher (WER D 34 1/1323).

 

              Johann Samuel List wird Accise-Einnehmer zu Flemmingen (WER D 34).

Der Enkel des Licentiaten Dr.  J. Fr. List vertrat als „Actore nomini“ von 1780 bis 1790 die 12 Filialkirchen in den  Pfortaischen Amtsdörfern gegenüber den jeweiligen Gemeindemitgliedern, die den Kirchezehnt und bestimmte Dienstpflichten schuldig blieben.

 

              Gerichtsverfahren (WER D 34)

Ulrich Bauer, Pachtschäfer zu Kösen klagt auf Schadensersatz.

 

1773

  1. Aug. Ausschreibung der Zeitpacht für das Vorwerk Kukulau (WER D 34 Anh 2 Nr. 858).

Die kurfürstliche Kammer zu Dresden verpachtete das Anwesen samt Zubehör für die Dauer von weiteren sechs Jahren an Johann Martin Knorr. 

 

  1. Okt. Visite des Salzwerks durch den Kurfürsten und die Kurfürstin (Judersleben).

Aus diesem Anlass hatten die zur Begrüßung angetretenen Salzbeamten und Arbeiter neue Uniformen bekommen. Nach der Besichtigung wurde angeordnet: „Demnach Ihro Churfürstl. Durchl. zu Sachßen, Unser gnädigster Herr, bey dermahligen starcken Anwachßung der Saltz-Vorräthe bey der innländischen Saltz-Coctur zu Kösen zu Beförderung des Abzugs deßselben die Saltz-Fuhrleute aus hiesigen Landen angewiesen, die Abfuhr zu beschleunigen“. Verfasser waren Carl Leopold Weise, Johann August Gerstäcker, Carl Ferdinand Lindemann und Johann Christian Dancke  (n. google book). 

Bei dieser Gelegenheit überreichte der Holzhändler J. Fr. Seidler im Namen der Gemeinde ein  Bittschreiben, in dem man die Untätigkeit des geistlichen Inspektors Magister Hauck bei der Besetzung der Kinderlehrerstelle und der obligatorischen Visitation beklagte. Neben Scheufler unterzeichneten der seit diesem Jahr zum Dorfrichter berufene Johann Christian Böhme, der Schöppe P. Hanisch sowie  alle übrigen Hausbesitzer(-innen), darunter Hämmerling, Hilpert, Schleicher, Seboth, Seyffarth, Streuber, Thieme und Zwingenberg.

 

1774

  1. Jan. Rebekka Friedrich übernimmt die Mühle (WER, D 34 Anh. 2 Nr. 858).

Nachdem der gesamte Kaufpreis geleistet war, wurde die Erbpacht mit Sophia Rebekka Friedrich und deren ältesten Sohn besiegelt.

Die Erbpacht betrug 450 Taler. Dazu kamen weitere 8 Taler als Beitrag zur  Unterhaltung des Wehres und  einige Naturalabgaben. Zur Pacht gehörten neben dem Mühlengebäude mit den 3 unterschlächtigen Mühlgängen, eine Ölmühle, Wohn- und Nebengebäude, die Mühlenwiese, ein Obstgarten und die Fischerei am Wehrdamm, mit Ausnahme des Lachsfangs. Zu den der Mühle überlassenen  Gerechtigkeiten gehörten der Mahlzwang und das Malzrecht über Ober- und Niedermöllern, Pomnitz, Hassenhausen und Spielberg sowie die Erlaubnis das Malzgetreide, sowie  Staubmehl und Kleie zu behalten. Dafür verpflichtete sich die Müllerin, ihr  Zwangsrecht nicht zu missbrauchen, aber auch alle ihr zu Ohren kommenden ungesetzlichen Vorgänge in den ihr zugewiesenen Dörfern umgehend dem Amt zu melden. Die Schweinemast für den Bedarf der Schule entfiel, die Haltung für den eigenen Bedarf war erlaubt, dazu kamen die Haltung von 4 Kühen und einem Kalb. Für die Viehhaltung lieferte das Schulamt das Stroh, dafür hatte die Pächterin jährlich 30 zweispännige Fuder Mist auf die Schulweinberge zu bringen. Den Vertrag unterzeichneten der Steuerprokurator J. Chr. G. Hübsch als Kurator der Müllerin, sowie die Schulbeamten G. Fr. v. Berlepsch, Dr. C. Chr. Gutbier, C. V. Franke und G Chr. Beyer. Am 26. April wurde der Vertrag genehmigt.

Entscheidend für den wirtschaftlichen Betrieb der Mühle war ein ständig guter Wasserstand. Allerdings mußten die Mühlengerinne geschlossen werden, wenn die Wasserstandmarke am Fachbaum unterschritten wurde. Damit wurde der Betrieb der  Wasserkünste der Saline sicher gestellt, allerdings zum Nachteil der Mühle.

Erschwerdend war, dass etliche Bauern der Zwangsmahldörfer in anderen Mühlen mahlen ließen. Daher verklagte die Müllerin 1771 G.Tänzer aus Spielberg (WER D 34 Anh. 1/2 Nr. 617), 1772  Chr. Nötzold aus Hassenhausen (Nr. 603), 1773 Rosina Roth aus Pomnitz (Nr. 604) Chr. Voigt; H. Wollweber, Chr. Hilpert und Fr. Schmidt aus Hassenhausen (Nr. 1624/1617/1627/1628) G. Ehrentraut aus Niedermöllern (Nr. 1623), 1774 A. Meißner aus Spielberg (Nr. 1629) wegen „Fremdmahlens“.

 

      Apr. 15. Commun-Saalenflöß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Floßbeamten hatten sich in Leipzig auf drei Flößen in den Jahren 1774, 1776 und 1778 geeinigt. Allerdings  gab es zahlreiche Einwände seitens der Kammern, so daß eine Genehmigung nicht erteilt, die Flöße aber dennoch zu den vorgesehenen Konditionen abgehalten wurde.

Die Commun-Flöße fand von nun an nur noch aller zwei Jahre statt. In den anderen  Jahren belegte die altenburgische Privatflöße auf eigenes Risiko die kursächsischen Stapel sowie den der Pfännerschaft in Halle. Da diese Flößen durchgingen, entfiel aber auch der bisherigen Umschlag und somit auch eine der wichtigsten Verdienstmöglichkeiten für die Einwohnerschaft.     

Weil das Holz aus der altenburgischen Privatflöße, das für den örtlichen Bedarf ausgeschleppt werden sollte, nicht auf den Stapel der Commun-Flöße gebracht werden durfte, verhandelte Floßmeister Stöter mit der Landesschule über die Anpachtung eines Holzplatzes an der „Mühlenstatt neben dem Scheitbach“. (WER D 34 Anh. 1 Nr. 913). 

 

  1. Mai Entscheidung des Kammerkollegiums zum Kinderlehrer (WER D 34 2/2504).

Die Kandidaten Rauhe und Näbe wurden abgelehnt und die Wahl eines anderen Kinderlehrers angeordnet. Schließlich einigten sich die Gemeinde und das Schulamt auf den Kinderlehrer Friedrich Hesse aus Obermöllern.

Der Theologiestudent Rauhe übernahm in Naumburg eine Stelle als Kinderlehrer beim 1. Bataillon des Infanterie-Regiments Prinz Xaver“. Kurz darauf veröffentlichte er eine Broschüre mit dem vielsagenden Titel „Die Schwachheit oder die Stärke - oder gründliche Nachricht von den 1432 vor Naumburg sich gelagerten Heere der Hussiten unter ihrem Heerführer Prokop und den daher entstandenen Naumburgischen Schul- und Kirschenfest, alles aus sehr raren und seltenen Urkunden zusammengetragen“.  Diese, weit von der Wirklichkeit entfernte Schrift, stieß beim  Publikum auf großes Interesse und verhalf dem im Niedergang begriffenen Kirschfest zu neuer und dauerhafter Blüte. Allerdings kam Rauhe in den Ruf eines „dreisten Geschichtsfälschers“, weil er auf die „Umständliche Chronicon Numburgense“ des Mönchs Benedikt Taube aus dem Jahr 1546 zurückgriff. Rauhe starb 1791 in Naumburg. 

 

  1. Aug. Schreiben der Gemeinde an das kurfürstl. Kammerkollegium (WER D 34 2/2504).

Bei einer Ortsbesichtigung waren sich der Gemeindevorstand und der Schulbeamte über die Anpachtung eines Platzes am Lengefelder Fahrweg „37 Ellen breit und 64 Ellen lang nach dem (Äbtischen)-Holze zu gelegen“ für das Schulhaus einig geworden.  Doch als es um die Kosten ging, lehnten die meisten Gemeindemitglieder ab, weshalb sich der Gemeindevorstand erneut an das Kammerkollegium wandte.

 

       Sep. Einführung des Kinderlehrers und Armenkassen-Einnehmers (KÖZ 1899, 1902)

Damit sollte die unterrichtslose Zeit und die drohende Verwahrlosung der Jugend enden. Hesse bekam 6 Pfennige pro Woche für jedes die Schule besuchende Kind, für den Leichengesang erhielt er 4 Groschen, für das Leichenbitten ebenfalls 4 Groschen und bei Kindtaufen 2 Groschen. Dazu sollte ihm freie Wohnung gewährt und die Erteilung privaten Unterrichts in Latein, Musik und anderen Wissenschaften gestattet sein.

Außerdem durfte er bei Hochzeiten, Kindstaufen oder Begräbnissen die obligatorischen Almosen für die Armen-Kasse einsammeln. Üblicherweise erfolgte dies bei der kirchlichen Zeremonie, durfte aber wegen dem Fehlen eines Gotteshauses im Dorf ausnahmsweise bei  den betroffenen Familien eingesammelt werden. Auch bei Grundstücksverkäufe, Testamenten, Tauschgeschäften und Schenkungen waren jeweils 8 Groschen an die  Armenkasse  abzuführen. Aus der  Armenkasse wurden zu dieser Zeit drei  unvermögende Einwohner mit wöchentlich  2 bis 3 Groschen unterstützt.

Doch für ihn gab es weder ein Wohnung noch eine Schulstube für die rund 60 Schulkinder.  Hucke hatte im eigenen Haus unterrichtet, dass nach seinem Weggang nicht mehr zur Verfügung  stand und der Plan für ein neues Schulhaus musste wegen fehlender Mittel erneut zurück gestellt werden.

 

    Okt.   J. H. Borlach wird in die Reorganisationskommission berufen (Mager)

Am 4. Oktober hatte v. Heynitz sein Abschiedsgesuch eingereicht und empfohlen, Borlach, trotz seines hohen Alters,  die Reorganisation  des kursächsischen Salinenwesens zu übertragen.

Über die Gründe für den Heynitzschen Abschied kann nur gemutmaßt werden. Neben  Differenzen mit dem Kammerherrn Freiherrn v. Beust, dürfte aber auch die Doppelbelastung als Direktor des gesamten kursächsischen Berg- und Hüttenwesen dazu beigetragen haben. 1777 trat v. Heynitz in preußische  Dienste und wurde von König Friedrich II. zum Etats-, Kriegs- und dirigierenden Minister und Oberberghauptmann ernannt. Daneben leitete er das dortige Salzdepartement und brachte das schlesische Hütten- und Bergwesen wieder zur Blüte.

 

             Heimfall von  Kreipitzsch und der Rudelsburg (Lepsius, DVD Aquilitas).

Friedrich Adolf von Kreutz hatte keinen männlichen Erben. Seine Tochter Sophie Amalia, verheiratet mit Christian Ferdinand von Schönburg war nicht erbberechtigt und musste Kreipitzsch verlassen.

Gerichtsherr von Rudelsburg-Kreipitzsch und Stendorf-Saaleck war Johann August Lepsius (1745-1797), der Vater von Carl Peter Lepsius.

 

1775   

             „Churfürstlich - Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit).

Darin wurden sämtliche Hof- und Staatsbediensteten vom Kammerherrn bis zum Stubenheizer, vom Hofmarschall bis zur Silberputzerin aufgeführt. Zu den Beamten der Landesschule zählten   Georg Friedrich von Berlepsch zu Hennigsleben, Domherr zu Naumburg (Inspektor), Dr. Caspar Christian Gutbier (Amtmann), Carl Valerian Francke (Schulverwalter), Georg Christian Beyer (Amtsverwalter), Johann  Andreas Echtermayer (Kornschreiber), Johann Gottlieb Böhnle (Accis-Inspektor) und Johann Christian Fritzsche (Postmeister).

Floßbeamte waren der Oberaufseher der Saale-und Elster-Flöße Adam Friedrich Senfft zu Pilsach, Floßmeister August Ludwig Stöter,  Floßschreiber und Zolleinnehmer Johann Christian Tostlöwe und Floßschreiber Tobias Graf, außerdem kursächsische Floßaufseher in Ziegenrück und Halle, einen Floßstrafbefehlshaber und in Leipzig den Verwalter der Floßkasse.  Beamte der kurfürstl. Salinen wurden hier noch nicht aufgeführt, wohl aber die Titular-Bergräte J. H. Borlach und der Kammerherr Leopold von Beust.

 

  1. Jan. Gutachten J. H. Borlachs (WER, D 34 II Nr.858).

Dieser beklagte sich über eine von der Mühle ausgehende Brandgefahr in Anbetracht der dort  lagernden Ölerzeugnisse und dem unsachgemäßen Umgang mit Feuer. Bei einem Brand und ungünstigen Wind wären der obere Schacht und die Radkunst gefährdet.

 

  1. Mai Gesuch der Gemeinde wegen des Schulhauses (WER D 34 Anh. 2/1844)

Da es unmöglich schien, von den Gemeindemitgliedern einen ausreichenden Beitrag zu erlangen, wurde der Hohe Kirchenrat um finanzielle Hilfe beim Bau der Schule auf dem vom Schulamt zur Bebauung angewiesenen Platz „gleich der Straße weg, 37 Ellen breit und 64 Ellen lang nach dem (Äbtischen)-Holze zu gelegen“ gebeten.  Inzwischen verlangte das Kammerkollegium vom Schulamt eine Bericht, wie es mit der Dorfschule steht.

 

  1. Mai Verlesung der Gemeindematrikel (WER D 34, Anh. 2/2532).

Auf Anweisung des Kammerkollegiums sollte der in der Kirche zu Schulpforte eingepfarrten  Gemeinde die  Gebühren für die Inanspruchnahme geistlicher Dienste wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen bekanntgeben werden und die Gemeinde dies mit ihrer Unterschrift bestätigen. Der jahrelange Streit zwischen der Einwohnerschaft und dem geistlichen Inspektor über die  Gebühren bei Hochzeiten, Taufen und Begräbnissen, bei dem sich die Gemeinde immer wieder auf fehlende oder nicht für sie geltende Regelungen berufen hatte, sollte damit beendet werden. Dazu hatten sich alle mündigen Einwohner im Schulamt einfinden. Einige ließen sich arbeits- bzw. krankheitsbedingt entschuldigen darunter  J. H. Borlach, Andreas Weise,  Samuel Blaubach, der zum Dürrenberger Salzwerk abgeordnet war und Johann Levin Ulrich. Nach der Bekanntgabe und der Annahme durch alle Gemeindemitglieder, bestätigte am 16. Juni das Ober-Konsistorium die Matrikel.

 

  1. Aug. J. H. Borlach tritt in den Ruhestand (Mager).

Seine  Pension betrug 500 Taler, die Hälfte des bisherigen Jahresgehaltes. Sein Alterssitz war das „Neue Haus“, dass ihm sein Bruder hinterlassen hatte. Seinen Haushalt führte der Salzsieder Törpsch.

Nachfolger wurde der Kammerherr und Bergrat  Freiherrn v. Beust. Unter seinem Direktorat  stiegen die Einkünfte aus den Salinen bis 1780 von 50.000 Taler auf 168.000 Taler und die Fabrikation von 64.000 auf 155.000 Stück Salz, wobei der größte Teil aus der Dürrenberger Saline kam. Diesen Erfolg reklamierte von Beust für sich allein, was von den übrigen Salinenbeamten und dem Kammerkollegium mit  Missfallen registriert wurde.  

 

  1. Aug. Befehl des Kurfürsten zum Brauen des „Pfingstbieres“ (WER Rep. A 23 Nr. 11/2).

Bisher wurde für die Salinenarbeiter zu Pfingsten ein Feiertagsbier gebraut und ihnen als Deputat überlassen. Dieses Extragebräu unterlag offensichtlich nicht der Tranksteuer weshalb das Verbot von höchster Stelle  angeordnet wurde.

 

  1. Sep. Stellungnahme des geistlichen Inspektors Mag. Hauck (WER D 34 Anh. 2/1844)

Dieser mußte sich der Vorwürfe der Gemeinde erwehren, er hätte die Schulvisitation vernachlässigt.  Dies hätte ausschließlich objektive Gründe, einmal der weite und schlechte Weg, fehlende Fahrtmöglichkeiten die er zudem noch aus der eigenen Tasche bezahlen müsse und außerdem wäre ja auch lange Zeit gar kein Kinderlehrer da gewesen, den er hätte visitieren können.

 

  1. Sep. Friedrich Wilhelm Heun wird zum Vize-Salz-Direktor ernannt (Judersleben).

Nach der Huldigung durch die Arbeiter im alten Schacht, spendierte der später zum Bergrat ernannte Heun Freibier. Zum Direktor dem Freiherrn von Beust bestand ein distanziertes Verhältnis, dagegen gab es mit dem Kunstmeister Schröter und den für die Gradierung zuständigen Senff sen. eine fruchtbare Zusammenarbeit. Anläßlich dieser Feierlichkeit erhielten die Bediensteten der AKD-Salinen neue Uniformen (WER Gen V A Nr. 56)

 

  1. Dez. Reskript des Kammerkollegiums zum Schulbau (WER D 34 2/2504).

Der von der Landesschule veranschlagte Erbpachtzins von  1 Gulden für den Bauplatz wurde genehmigt, und angeordnet, daß die zunächst der Bauplan einzureichen ist, verbunden mit der Erklärung der gemeinde die Pacht und die Baukosten zu tragen, das Schulhaus ausschließlich als Schulstube und Lehrerwohnung zu nutzen und den „Nexus“ zum geistlichen Inspektor nicht zu  beeinträchtigten.

Doch erneut lehnte die Gemeinde eine finanzielle Beteiligung zusätzlich zum Schulgeld ab.

 

1776

              „Churfürstlich - Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit.).

Bei den Beamten der Schule, der Saaleflöße und der Saline gab es keine personellen Veränderungen.

 

  1. Juni Manöver kursächsischer Truppen (Judersleben).

Zwischen Freyburg und Wilsdorf lagerten drei Regimenter Infanterie unter dem Kommando der Prinzen Xaver und Clemens. Der Kurfürst besucht mehrmals das Lager, einmal in Begleitung seiner Gattin. Die Kriegsübungen dauerten bis zum 18. Juni, wobei „viel Pulver verschossen wurde“.  

 

  1. Sep. Anordnung der Kammer an den Oberfloßaufseher (MER. C48 IIIb, Nr. 5519).

In den Jahren der Communflöße wurden 80 Klafter in den anderen Jahren, wenn keine Flöße oder die altenburgische Privatflöße erfolgte, 40 Klafter als Entschädigung für Schäden an den Ufern und den Wasserbauwerken der Landesschule als „Schadholz“ überlassen. Diese Regelung galt rückwirkend ab dem 1773 und wurde  bis 1816 beibehalten.

 

         Georg Christoph Hilpert wird Richter. (WER  D 34 II Nr. 1248).

Er war der Sohn des Fleischhauers Andreas Hilpert und wohnte in der  Nr.  21 am Lengefelder Fahrweg (Borlachstraße 29), dass die Familie von der Schankwirtin Katharina Müller erworben hatte und weiterhin diese „Winkelschenke“ betrieb.

 

  1. Nov. Verweigerung der Dorfwache (WER D 34 II Nr. 618)

1772 verschärfte das Kammerkollwgium die Dorfwachornung, um das Bettler- und Vagabundenunwesen auf dem flachen Land einzudämmen. Nunm wurden sämtliche Dorfbewohner   reihum zum Wachdienst bei Tag und Nacht herangezogen. Nachdem der Sattlermeister Joh. Chr. Mattesius und die Salzsieder  Joh. Heinr. Wagner und  Joh. Gottlob Zedel die ihnen zugeteilte Wache nicht antraten, beschwerten sich die übrigen Einwohner. Als es auch dem Ortsrichter G. Chr. Hilpert und dem Gerichts-Schöppen J. E. Hämmerling nicht gelang, die Säumigen zur Dorfwache anzuhalten, wandte sich J. Chr. G. Hübsch an das Kammerkollegium. Das wiederum befahl den Schulbeamten, die Betreffenden vorzuladen, zu verhören und zur Zahlung von 12 Silbergroschen pro Quartal zu verurteilen.

 

1777

              „Churfürstlich – Sächsischer Hof-und Staatscalender (MÜN digit).

Bei den Beamten vom  Schul- und Floßamt gab es keine Veränderungen.

Unter den Hof-Bediensteten fanden sich der Kammerherr und Titular-Bergrat Leopold v. Beust, die Kammerherren Friedrich August Carl Freiherr v. Beust, Gustav Leopold v. Beust, der Titular Geheimrat Carl Friedrich v. Beust, der Kammerjunker  Carl Casimir v. Beust  und der „Capitular“ des Domstifts zu Naumburg Friedrich Wilhelm v. Beust.

 

  1. Jan. Der Streit ums Borlachsche Erbe (WER D 34 Anh. 1/3910).

Der schlechte Zustand J. H. Borlachs ließ sein baldiges Ableben befürchten und da er keine leiblichen Erben hatte, würde der ansehnliche Besitz an den Staat fallen, falls er keine verbindlichen Bestimmungen über seinen Nachlaß treffen würde. Daher wandte sich der Baumeister Carl August Therkorn an den Salzsieder Törpsch, der den Haushalt des Bergrates führte, und forderte ihn auf, den Bergrat zur Abfassung und Beglaubigung seines letzten Willens und die Einsetzung eines Erben zu bewegen. Wörtlich schrieb er: „Sie müssen also sehen, ihm vors erste zum Testament mehren zu bringen, das andre wird sich hernach von selbst ergeben.“  Therkorn rechnete mit dem Erbe und versprach Törpsch: „Sie sollen von mir  gewiß besser als alle belohnt werden, wenn ich glücklich sein sollte und damit ich einen Anfang mache, so sollen Sie sobald das Testament auf Ihr Bewenden gemacht worden und durch Sie mir die gerichtlich vidimirte Kopie dessen zugeschickt worden, 100 Taler gleich bar erhalten…“ 

 

  1. Feb. Testament J. Herrmann Borlach (WER D 34 Anh. 1/4262)

Auf Drängen von Törpsch bestimmte Borlach den Conducteur der Arterner Saline Carl August Therkorn und falls dieser noch vor ihm sterben sollte, dessen Kinder zu seinen Universalerben. Daher verzichtete er auch auf eine  Spezifikation des Erbes. Das vom Advokat Kayser aus Naumburg beglaubigte Testament wurde beim Schulamt hinterlegt.

 

      Feb. Salztransporte nach Dürrenberg (Judersleben).

Der  Salzdebit, die Verteilung auf die Niederlagen und die Besteuerung waren recht umständlich. Reichte die laufende Jahresproduktion einer Saline nicht aus, um die ihr zugeordneten Niederlagen zu beliefern oder deren Bedarf war größer als geplant, wurden die Fehlmengen aus anderen Salinen bezogen. Diese durfte aber nicht direkt die Niederlagen beliefern, sondern das Salz wurde erst zu der Saline transportiert, die für die Belieferung bestimmt war. Dies verteuert natürlich das Salz. In diesem Fall lieferte die Kösener Saline 2000 Scheffel Salz nach Dürrenberg, wofür Judersleben, der selbst die Fuhrwerke begleitete, 4 Groschen Fuhrlohn für den Scheffel erhielt.

 

  1. Apr. Schreiben der herzogl. Kanzlei in Weimar an das Gericht Döbritschen (KAZ 1941).

Grund war eine Beschwerde, die der Kösener Holzhändlers J. Fr. Seidler im Namen des Floßkonsortiums gegen den Pächter der Mühle vorbrachte. Die Kanzlei wies  das Gericht an, der Beschwerde nachzugehen. Seidler war „Saaleflößer der Ämter  Leuchtenburg und Orlamünde“, durfte als kursächsischer Untertan auf den herzoglichen Teil der Saale flößen und die herzogl, Gerichtsbarkeit anrufen.

 

  1. Mai Urteil zur Dorfwache (WER D 34 Anh. 1 Nr. 618)

Nach einigen Hin und Her hatte sich der Salzsieder Zedel mit der Gemeinde geeinigt. Dagegen wurden der Sattler Mathesius und der Salzsieder Joh. Fr. Wagner zur Zahlung von 12 Groschen für jedes Quartel in den zurückliegenden 4 Jahren wegen nicht angetretener Dorfwache verurteilt. Als Mathesius auch dies verweigerte, wurde er von der Gemeinde  verklagt (WER D 34 Anh. 1/2, Nr. 618)

 

  1. Juni „Contract“ zwischen A. Therkorn und  J. Chr. Schröter (WER D 34 Anh. 1/3910)

Nachdem Borlach sein Testament abgefaßt und bekannt war, wer Universalerbe sei, kam es zu einer Vereinbarung zwischen den Salinenbaumeistern Schröter und Therkorn. Therkorn befürchtete offenbar, dass der Bergrat doch noch einmal sein Testament ändern könnte und Schröter berief sich auf einige von Borlach mündlich zugesagte Schenkungen, im Fall seines Todes. Um allen Eventualitäten zu begegnen, verzichtete Schröter auf die ihm von Borlach in Aussicht gestellten Schenkungen und versprach, das beim Schulamt hinterlegte Testament in allen Punkten anzuerkennen.

Dafür verprach ihm Therkorn, sofort nach Borlachs Ableben, das „Neue Haus“ samt Garten, Ställen  und Schuppen zu überlassen, dazu von der hinterlassenen Barschaft den Teil der 8.000 Taler übersteigt, die Hälfte des Wertes des „Fischereigezeugs“, des Gewehrs und der Wanduhr,  die im Haus befindlichen  Kunstmodelle, den vierten Teil der Wäsche und des Geschirrs und einen Teil der Weinberge am Nikolausholz.

 

  1. Juli Johann Hermann Borlach verstirbt (Schröcker, Geschichte der Saline Artern…).

Zwei Tage zuvor war Therkorn aus Artern gekommen und hatte den „Herrn Bergrath Borlach außerordentlich schlaff und krank und sich seiner ganz unbewußt und verstandlos“ im „Neuen Haus“ vorgefunden (WER D 34 Pforta Anh. 1/4123).

Als Törpsch den Tod des Bergrates meldete, ließ sich Therkorn den Hausschlüssel  aushändigen  und suchte zusammen mit Schröter nach der Barschaft, während der Leichnam des Bergrates noch in der Stube lag. Es fanden sich 10.400 Taler, von denen Therkorn 8.000 Taler behielt und Schröter  vereinbarungsgemäß den darüber liegenden Betrag von 2.400 Talern bekam.

Am 29. Juli wurde J. H. Borlach an der Seite seines Bruders auf dem Gottesacker von Schulpforta beigesetzt.

 

  1. Juli Antrag des Holzhändlers Johann Friedrich Seidler (WER Rep. A 23 I, Nr. 11 Bd.1).

Dieser bewarb sich um die Gasthofpacht, da der Vertrag mit J. G. Scheuffler, der 1772  abgeschlossen und  daher Johannis 1778 auslief.

 

  1. Aug. Rechtsstreit zum Lachsfang auf dem Wehrdamm (WER Pforta II Nr.943).

Der Holzhändler J. Fr. Seidler hatte vom Rittergutsbesitzer die seit alters her zu Kreipitzsch gehörende Fischerei auf der Saale von der Saalecker Judenfurt bis zum Wehrdamm gepachtet. Unterhalb des Dammes begann das Fischereirecht des Schulamtes. Der Müller durfte die Lattenfischerei unterhalb des Dammes betreiben, wobei die Lachse in der Schule abzuliefern waren. Weiter saaleabwärts bis Roßbach gehörte der Fischfang zur Pacht des Fischhauses. Nun hatte Seidler direkt auf dem Damm eine Lachsfanganlage errichtet. Obwohl dies rechtlich im Niemandsland lag, sah sich das Schulamt beeinträchtigt und erhob  Klage. 

 

  1. Aug. Schreiben Therkorns an den Pfortaer Amtmann (WER D 34 1/4262)

Am 31. Juli wurde das Borlachsche Testament eröffnet und Therkorn der amtliche Erbschein als Universalerben ausgestellt. Doch Thherkorn verlangte eine Änderung diese Scheins, weil ihn  Borlach kurz vor seinem Tod noch angewiesen habe, dass „der bey den Churfürstlichen Saltzwercken bestellte Conducteur Johann Christian Schröter nach seinem (.) Absterben, 500 Taler an Geld und sein dem Wohnhauße schräg gegenüberliegendes neues Hauß, nebst Zubehör an Hoff, Stallung, Schuppen und Garten, alß sein Vermächtniß haben und bekommen soll.“ 

Da das Testament rechtskräftig war, wurde der Erbschein nicht geändert. Therkorn hielt sich aber an die mit Schröter geschlossene Vereinbarung, überließ ihm das „Neue Haus“, einen der  Weinberge, ein Viertel der Wäsche sowie vom  Kupfer-, Zinn- und Messinghausrat. Den Kelter mit dem Weinkeller (Lindenstr. 1), die meisten Weinberge, das „Alte Haus“ (Lindestr. 3) , die Äcker am Äbtischen Holz und am Jackenberg sowie das Silberzeug, Degen, Schnupftabakdose, Messer, Löffel, das Porzellan, das gesamte Tischler-, Schlosser-, Uhrmacher-, Schmiede- und Drechslerwerkzeug, eine „Feuer-Maschine“, eine „Camera obscura“ und eine „Copier-Maschine“ bleiben bei Therkorn.

Obwohl Therkorn dem Vertrag in allen Punkten erfüllt hatte, wurde er von Schröter beim  Schulamtes wegen „hereditatis petitiones“ verklagt. Einleitend zu einer 125 Punkte umfassenden Klagebegründung heißt es „War und hat vorrubrizirter Herr Kläger aus einem untern 16. Juni 1777 in betreff den von dem Kurfürstl. Sächs. Bergrat J. H. Borlach zu Kösen nachgelassenen Vermögens, errichteten Contracts auf dessen Erfüllung, so weit es noch nicht geschehen, und  Herausgabe eines deshalb nötigen zu recht beständigen Inventariums oder eydlicher Specification über das gesamte Borlachsche Vermögen usw. in Beziehung auf das Vermächtnis vom 21. Febr. 1777 entgegen obbenannten Herrn Beklagten….“

Als Zeugen wurden der Advokat Kayser, der das Borlachsche Testaments beglaubigte und der Salzsieder Törpsch benannt. Damit begann ein jahrelanger Rechtsstreit.

 

  1. Aug. Schreiben Therkorns an das Schulamt (WER D 34 1/4262)

Therkorn beantragte das Erblehen für die ihm vererbten Anwesen sowie die Äcker am Jackenberg und den Weinberg am Nikolausberg.

 

  1. Okt. Schreiben des Kammerkollegiums an das Schulamt (WER D 34 2/2269).

Das Kammerkollegium befahl dem Schulamt, die Gemeinde mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zur Erfüllung ihrer Pflichten bezüglich des Schulunterrichts anzuhalten.

 

  1. Okt. J. G. Judersleben wird zum Siedemeister befördert (Judersleben)

Durch seine Ehe mit Maria Dorothee Koch, der Tochter eines Salzsieders wurde er „cooptiret“ und 1761 als Sieder im 6. Kot eingestellt.

 

1778

  1. Jan. Fünfzehnter Commun-Saalefloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Wegen zahlreicher Differenzen wurde der Vertrag erst im letzten Jahr der der drei abgehaltenen  Flößen genehmigt.

 

  1. Jan. Schreiben des Freiherrn v. Beust (WER Rep A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Dieser schilderte dem Kammerkollegium die Verhältnisse beim Salinengasthof und fügte seinem  Schreiben den Antrag  Scheufflers auf Verlängerung seines  Pachtvertrages bei. Dieser wollte die  Pacht  unter Verweis auf die schlechten Zeiten  von 450 Talern  auf 400 Taler mindern. Daraufhin ordnete das Kammerkollegium die öffentliche Ausschreibung der Pacht an.

 

  1. Jan. Schreiben der Gemeinde an das kurfürstl. Kammerkollegium (WER D 34 2/2504).

Ortsrichter Hilpert und der Schöppe Hämmerling erklärten, dass man wegen der Armut der hiesigen Bevölkerung die Baukosten nicht aufbringen könne und daher auf „mildtätige Gaben“ angewiesen sei. Auch die vom Schulamt geforderte Pacht wäre unzulässig, weil Schulhäuser üblicherweise nicht mit Abgaben beschwert werden sollten und „die Überweisung dieses zu Erbauung eines Schulhauses von uns erbethenen Platzes, der doch gleichwohl, da es ein dürrer steiniger Hügel ist, worauf nicht das geringste Gräßgen wächset“ für das Schulamt völlig wertlos sei.

 

  1. Feb. Bauplan und Kostenanschlag für das Schulhaus (WER D 34 1/2504).

Auf Druck des Schulamtes hastte die Gemeinde vom Maurermeister Johann Gottfried Schröter einen Plan anfertigen lassen. Für das zweigeschossige Anwesen veranschlagte er 509 Talern, was der Gemeinde zuviel war.

 

  1. Apr. Ende der Bieterfrist für den Gasthof (WER Rep A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Der eigens für den Termin hierher beorderte Beamte notierte, dass bis 12 Uhr die Gebote des Holzhändlers Seidler (500 Taler) und kurz nach 12 Uhr das Gebot des derzeitigen  Pächters Scheuffler (475 Taler) eingegangen wären. Am 13. April teilten v. Beust und sein Vize Heun der Kammer das Ergebnis des Bietertermins mit und baten in dieser Angelegenheit um weitere Anweisungen. Dass sie in dieser Sache nicht selbst entscheiden wollten, lag an ihren  privaten  Befindlichkeiten.  Heun berichtete später, dass der Freiherr v. Beust dem Holzhändler Seidler bevorzugt hätte, weil er in den ersten drei Jahre nach  seinem Dienstantritt in der Saline bei Seidler gewohnt habe und daher eine enge persönliche Beziehung bestand.

 

  1. Apr. Vereinbarung zwischen der Saline und dem Pachtmüller (Wehrrezess 1811).

Gegen die Zahlung einer Entschädigung gestattete der Pachtmüller der Saline den provisorischen Verschluss des Freigerinnes, auch wenn die Wasserstandsmarke am Fachbaum noch nicht erreicht war.

 

  1. Juni Prolongierung des Gasthofpachtvertrages (WER, Rep. A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Nachdem Scheuffler sein Angebot auf 505 Taler erhöht hatte und unter  Berücksichtigung der bisherigen Pacht, empfahl  der Kabinettsrat J. G. Schubarth dem Kurfürsten, den Pachtvertrag mit Scheuffler um weitere 6 Jahre zu verlängern.

Dieser Vertrag ist vollständig erhalten und man kann davon ausgehen, dass sich die Pachtbedingungen gegenüber den letzten Verträgen, außer bei der Pacht selbst, kaum geändert hatten.  

Der Vertrag hat 16 Paragrafen. Von außerordentlicher Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit des Gasthofes war das Verbietungsrecht, das „iure prohibendi“. Dieses Recht galt für  Alt- und Neu-Kösen, Pforte sowie die  Saal- und die Fischhäuser. Hier durfte kein zweiter Gasthof oder eine ähnliche Einrichtung betrieben werden. Ausnahmen waren die jährlichen Holzmessen, wo die Pächter der Saalhäuser und des Fischhauses Flößer und Holzhändler sowie deren Bedienstete befristet bewirten durften. Für das Verbot des Ausspannens  im Gasthof von Hassenhausen zahlte Scheuffler 40 Taler jährlich. Die Pachtsumme war wie bisher in vier Raten fällig. Die hinterlegte Kaution wurde mit 3 Prozent verzinst.

Neu war, dass der Pächter verpflichtet wurde, mit seinen Gespannen und auf seine Kosten die (nicht unerheblichen Mengen) Abfälle aus den  Salzkoten abzutransportieren. Beibehalten wurde die Verpflichtung, Musikanten zur Unterhaltung der Gäste nur aufspielen zu lassen, wenn diese kursächsische Untertanen waren.

Zur Gasthofpacht gehörten weiterhin das Brauhaus am Wehrdamm und die Schmiede, wobei das Inventar, wie der Amboss, dem Salzwerk gehörte. Hier wurden alle im Ort anfallenden Schmiedearbeiten ausgeführt, ausgenommen waren die Siedepfannen, die in einer speziellen  Pfannenschmiede in der Saline angefertigt und repariert wurden. Der Braumeister blieb dem Salinendirektorat unterstellt, die Entlohnung oblag dem Gasthofpächter. Beide waren angehalten, ein ordentliches Getränk herzustellen, um die Nachfrage von Fremden und Einwohnern zu befördern. Da der Gasthof mit der Schankgerechtigkeit in Alt- und Neu-Kösen zu bestimmten Zeiten überfordert war, durfte er für Neu-Kösen  Afterschankrechte verpachten, allerdings unter der Maßgabe, dass das Bier nur aus seinem Brauhaus bezogen wird. Die Kontrolle war aber schwierig und die Afterpächter nutzten jede Gelegenheit um preisgünstiges oder besseres  Bier „einzuschleppen und  auszuschenken“.

 

  1. Juni Schreiben des Kammerkollegiums an das Schulamt (WER D 34 2/2504).

Der  Bauplatz für das Schulhaus sollte ohne Pacht und Erbzins der Gemeinde zu überlassen werden.

 

             Trauung von Johann Gottfried Lippold mit Marie Elisabeth Schäfer (WER D 34/2/2886)

           

              Lehnswechsel des Rittergutes Kreipitzsch und der Rudelsburg (Aquilitas)

Das  stift-naumburgische Mannlehen kam an den Kammerdirektor des Hochstifts Merseburg August Ferdinand Graf von Zech. 

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Die Erben der verstorbenen Müllerin Rebekka Friedrich beantragen einen Erbschein (Nr. 879). Die Mühle hatte sie bereits im Vorjahr ihrem Sohn  Johann Gottfried Friedrich übertragen. Auch der klagte nun gegen die Bauern der Zwangsmahldörfer, wie Chr. Werffel und Chr. Töllen aus Hassenhausen (Nr. 880, 878) sowie die Gemeinde Roßbach (Nr. 2567). 

Johann Christian Gotthelf Hübsch, wurde in seiner Eigenschaft als „Steuergroßkurator“ in der Erbschaftsangelegenheit der Anna Magdalena Hahnisch bemüht und der Erbpachtmüller Johann Gottlieb Friedrich wegen „Einsackens“ verklagt.

 

1779                 

  1. Jan. Änderungen der kursächsischen Salzordnung (Judersleben).

Neben den Änderungen bei den Steuern und den Fuhrlöhnen wurde auch der Salzdebit innerhalb der kursächsischen Ämter neu geordnet. Nun kam Salz aus Artern und aus dem „Ausland“, wie der brandenburgischen Saline Halle über die Kösener Saline zu den von ihr zu beliefernden Niederlagen.

 

  1. Jan. Der Salinenbauverwalter ertrinkt in der kleinen Saale (Judersleben).

 

  1. Mär. Grundstückserwerb für das obere Gradierwerk (WER Rep. A 23I, Nr.11, Bd.1).

Der Baumeister J. Chr. Schröter hatte zuvor im kurfürstlichen Auftrag die Gradierhäuser in Elmen und Allendorf besichtigte, und sich über deren Vor- und Nachteile informiert.

Er behielt die kubische Gradierung bei und versah die Anlage mit einem Dach. Wegen der exponierten Lage und der damit verbundenen Gefahren bei Sturm hatte er eine statisch ausgereifte Holzkonstruktion gewählt, die die kostspieligen Sturmstreben überflüssig machte.

Im oberen Schacht wurden drei Pumpen über Tage installiert, die die Sole auf 25 Meter hoben. Vom letzten Solekasten lief die Soel über eine kommunizierende Röhrenfaht in das unter dem Gradierhaus befindliche reservoir. Vomn hier aus wurdde sie mit einer weiteren Pumpenanlage auf das Oberdeck gehoben. Um diese Pumpen, die den ersten Fall speisten an die „Wassermaschine“ anzuschließen, wurde das im  oberen Schacht endende Doppelfeldgestänge durch ein Einfeldgestänge bis zum Gradierhaus geführt. Für die Beeinträchtigung des Kukulauer Fahrwegs sowie des Schäfereifeldes, bekam das Schulamt drei Stück Krücksalz.

Um die größere Belastung durch die hinzugekommenen Pumpen zu gewährleisten, wurde der Fachbaum am Wehrdamm, der anzeigte, wann der Müller seinen Betrieb einzustellen hatte, 7 Zoll (10,5 cm) höher eingerichtet. Das verschärfte die Kontroverse mit dem Mühlenpächter und dem Schulamt wegen der Wasserentnahme (s. a WER D 34 Anh. 2 Nr. 941).

 

  1. Mai Glockengeläut anlässlich des Friedens von Teschen (Judersleben).

Damit endete der bayerische Erbfolgekrieg, auch als „Kartoffelkrieg“ bezeichnet, den Brandenburg-Preußen und Sachsen gemeinsam gegen die Habsburger  führten. Der Name „Kartoffelkrieg“ verweist auf die unzureichende Lebensmittelversorgung, was dazu führte, dass die Eroberung von Feldfrüchten zum wesentlichen Kriegsziel wurde. Da halfen auch die Lebensmittelfuhren in das Kriegslager an der böhmischen Grenze nicht viel, für die jeweils 30 Einwohner einen Knecht und ein Pferd stellen mussten, was  z. B. dem Dorf Flemmingen 1.500 Taler kostete. 

 

  1. Mai Ernte der ersten Erdbeeren (Judersleben).

Dem milden Winter, der einen fast durchgängigen Siedebetrieb zuließ, folgte ein sommerlicher Frühling und bereits  im Mai blühte  der Holunder.

 

  1. Juni Gutachten zu den Rechtsverhältnissen der Saalefischerei (WER Pforta II Nr. 943).

Der Zech`sche Gerichtsherr Johan August Lepsius erklärte, dass seit jeher die Fischerei des Rittergutes bis zur Krone des Dammes reichte und die des Schulamtes im Unterwasser beginnen. Demzufolge wäre der Einspruch gegen die Verpachtung unzulässig.

 

  1. Juni Verabschiedung des Schulinspektors (Judersleben).

Bevor der Magister Hauck in Begleitung von 14 Knaben und dem Postillion zu seiner neuen Wirkungsstätte nach Eckartsberga aufbrach, wo er Superintendent wurde, verabschiedete er sich in einem Siedekot von seinen Kösener „Beicht-Kindern“ persönlich.

 

  1. Juli Sechzehnter Commun-Saalenfloß Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten drei in den Jahren 1781, 1783 und 1785 zu haltende Commun-Flößen.

 

  1. Juli Antrag des Gasthofpächters (WER Rep. A 23 I, Nr. 11 Bd. 1).

Scheuffler beantragte die Reduzierung der Jahrespacht um 100 Taler. Als Grund führte er kriegerische Umstände (Bayrischer Erbfolgekrieg) und die  Neuordnung des Salzdebits in Kursachen an. Dabei wurden die Fuhrlöhne für die Salztransporte gekürzt, was der Gasthof beim beim Umsatz zu spüren bekam.

 

  1. Aug. Bericht des Floßschreibers Stöter (WER D 34 2/3805).

Dieser teilte mit, dass er die seit 1717 in den Kassenbüchern geführten Administrationsgelder ausgebucht habe, weil sie nach so langer Zeit ohnehin verfallen waren und das kurfürstliche Appellationsgericht festgestellt habe, dass die Einsprüche gegen das Urteil des Schöppengerichtes berechtigt sind.   

 

  1. Aug. Unterbrechung des Siedebetriebes (Judersleben).

Wegen der schlechten Gradierwitterung musste mitten im Sommer 5 Tage lang in allen 6 Koten der Betrieb eingestellt werden.

 

  1. Okt. Verordnung für die Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Verboten wurde nun auch das Anbinden zwischen dem Rechen und dem Wehrdamm zum Schutz der Mühlengerinne.

 

             Wechsel des Schulbeamten (WER D 48 IIi Nr. 36).

Dr. Caspar Christian Gutbier, seit 1742 im Amt, übergab es seinem Sohn Sigismund Polycarp.

 

             Klage des Erbpachtmüllers Johann Gottlob Friedrich (WER D 34/1/904).

Verklagt wurde der Holzhändler  Fr. Seydlerwegen Anbinden von Flößen an der Mühlenwiese.

 

1780    

             „Churfürstlich- Sächsischer Hof- und Staatkalender“ (MÜN digit).

Zu den Lokalbeamten zählten der Salzniederlagenverwalter Johann Levin Ulrich, der Controlleur Johann Carl Herisch, der Conducteur Johann Christian Schröter und der Salzschreiber Johann Balthasar Dorschel,  Bergrat Fr. W. Heun zu Mölkau und Kammerherrn  Leopold v. Beust zu Naumburg zum Direktorat der AKD Salinen. Unter den Floßbeamten gehörte inzwischen der Jagd- und Forstaktuarius Johann August Puttrich.

Neben dem Kammerherrn Leopold v. Beust zählten die Kammerherren  Fr. A. C. Freiherr v. Beust, Gustav Leopold v. Beust und Carl v. Beust, der Kammerjunker Carl Casimir von Beust sowie  der  Titular Geheimrat Carl Friedrich v. Beust zu den Hofbediensteten.

 

  1. Jan. Vorschlag der General-Haupt-Kasse (DD Loc 1337)

Da absehbar war, dass zukünftig und vorzugsweise die Sole des oberen Schachtes gefördert würde, würde die  Pumpenanlage im unteren Schacht erheblich entlasten, so dass die Kraft der unteren Wasserkunst zum Betrieb der Repetierpumpen an den unteren Gradierhäusern reichen würde. Zur Anlage eines vom unteren Schacht weiterführenden Kunstgestänges sollte die Lokalverwaltung mit der Landesschule über Nutzung des Schäfereifeldes eine Entschädigung aushandeln

 

  1. Jan. Vertragsgenehmigung (MER C 48 IIIb, Nr. 5519).

Das Schulamt genehmigte die Unterverpachtung eines Teils der Mühlenwiese an die Commun-Flöße und die Pacht von einem Reichstaler.

 

  1. Feb. Abdeckung der Röhrenfahrten (WER Rep. A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Um die Ausfälle beim Sieden im Vorjahr aufzuholen, wurde auch im Winter gradiert und die Röhrenfahrten vom oberen zu den unteren Gradierwerken bzw. in die Siedehütten mit Mist abgedeckt, um ein Einfrieren zu verhindern. Den  Mist lieferte vertragsgemäß der Gasthofpächter, der ihn im Frühjahr wieder abholte und auf seine Äcker brachte.

 

  1. Feb. Verordnung über die Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Die Flößer sollten bis zum 23. April den Wehrdamm überfahren, danach wurde der Rechen verzogen und die sich verspäteten, blieben oberhalb des Unterneusulzaer Rechens liegen.

 

  1. Apr. Gutachten zum Eiswehr an der kleinen Saale (DD Loc 1337 Vol. 3)

Heun und v. Beust erklärten, dass die Reparatur unumgänglich sei, wollte man die Wasserkünste vor treibeis schützen. Weil der Nutzen für die Pachtmühlen an der kleinen Saale unbedeutend sei, müsste die Salinenkasse den Hauptteil der Kosten tragen.

 

  1. Mai Beschwerde des Amtsverwalters (WER Pforta II Nr. 2292).

Ortsrichter Hilpert hatte sich erneut geweigert, der Gerichtsfolge bei der Bewachung eines Verbrechers in der Landesschule nachzukommen und sich dabei darauf berufen, dass die Gerichtsfolge in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gefordert wurde.

 

  1. Juli Reskript zur Kostenübernahme am Wehrdamm (WER Pforta II, Nr. 941).

Das Kammerkollegium legte fest, die Kosten für die Reparatur des Wehrdammes trägt das Schulamt, für die Unterhaltung des Eiswehres trägt die Salinenkasse zur Hälfte bei.

 

  1. Aug. Hochzeit der Tochter von Judersleben (Judersleben).

Eleonora Christiana Sophia wurde mit Johann Jacob Leberecht Schröter „copuliret“, dem Sohn des „Conducteurs“ J. Chr. Schröter.  Die 34 geladenen Gäste feierten zwei Tage lang.

 

            Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh. 1/2).

Dorothea Tänzer und der Mühlknappe J. G. Schönherr wurden wegen Ehebruchs angeklagt (Nr. 3913).

 

1781     

  1. Juni Verhandlung zum Borlachschen Erbe (WER D 34 Anh. 1/3910)

Nach zwei Jahren in denen sich die Parteien mit Klage- und Gegenklageschriften befassten, wies das Dom-Sozietäts-Gericht zu Naumburg die Klage Schröters ab. Es bestätigte die Rechtskraft der zwischen den beiden getroffenen privaten Vereinbarung zur Überlassung eines Teils des Erbes, die Therkorn in allen Punkten erfüllt hatte. Schröter gab sich damit nicht zufrieden und zog vor die nächst höhere Gerichtsinstanz, den Leipziger „Schöppenstuhl“.

          

             Inbetriebnahme des Gradierhauses auf dem Rechenberg (Judersleben).

22 Bund, rund 100 Meter, bildeten den ersten Fall, auf dem die Sole des oberen Schachtes mittels der neuen Maschinenpumpen gehoben wurde. Weil das  Gradierhaus seitlich versetzt zur Schubrichtung des Gestänges stand, sorgte eine im Schacht installierte Wendedocke die Richtungsänderung. Dabei ging zwar Kraft verloren, reichte aber zum Antrieb der 22 Schacht-, 3 Tage- und 3 Repetierpumpen. Die einmal gefallene Sole kam über eine Röhrenfahrt zum Südgiebel des unteren Gradierhaus, wo sie dank des Höhenunterschiedes von selbst in die Solekästen über dem 2. Fall stieg.

Dieser war, wie auch die übrigen beide Fälle im Zuge der Generalsanierung des vorderen der  der beiden unteren Gradierhäuser neu eingeteilt worden. Das hintere Gradierhaus, das im Windschatten lag, wurde nur noch gelegentlich benutzt und verfiel.

 

             Abschluss der Sanierung des Wehrdammes. (WER Pforta II 939 ff).

Dem Schulamt kostete die Instandsetzung 3.211 Gulden. Die Rentkammer  bewilligte dafür einen Zuschuss von 1.500 Talern und stellte 280 Eichen aus den Amtswäldern zur Verfügung. Die Salinenverwaltung erneuerte die Gerinne der beiden Wasserräder und errichtete auf der dazwischen liegende Dammkrone eine Mauer. Damit verbesserte sich das Aufschlagwasser der Radkünste, nebenbei auch der Durchfluß der kleinen Saale bis in die Landesschule. Die Sandbänke zwischen den Radkünsten wurden aufgefüllt und befestigt.

 

      Okt. Beginn der Weinlese (Judersleben).

Trotz eines Frosteinbruchs zu Himmelfahrt war man mit dem Ertrag zufrieden, dem Höchsten seit 1727. Judersleben erntete 10 Eimer, die er für 3 Gulden 12 Groschen pro Eimer verkaufte.

 

  1. Okt. Das Salzwerk erhält eine Militärwache (Judersleben).

Judersleben nennt keine Gründe, obwohl es sich um eine ständige Wachmannschaft handelte, die erst 1796 wieder abgezogen wurde.

 

1782

  1. Feb. Schiedsspruch im Borlachschen Erbstreit (WER D 34 Anh. 1/3910).

Das kurfürstliche Schöppen-Gericht zu Leipzig schloß sich dem Urteil das Naumburger Gerichtes an, dass Therkorn gegenüber Schröter zu nichts weiter verpflichtet war, als zu dem, was in dem Vertrag vereinbart wurde. Schröters konnte nicht beweisen, dass Therkorn ihn über die tatsächliche vom Bergrat hinterlassene Barschaft getäuscht habe. Den streitenden Parteien wurde aufgegeben, zur formalen Beendigung der Erbschaftauseinandersetzung vor dem Schulamt einen Abschwörungseid zu leisten und darüber hinaus den Parteien und  deren Rechtsbeistände unter Androhung von Strafen auferlegt, sich in Zukunft jeglicher „Weitläufigkeiten“ in dieser Angelegenheit zu enthalten.

 

  1. Apr. Abbruch des ersten Siedekots (Judersleben).

Die  1730 eingerichteten Herde wurden durch zeitgemäße Anlagen ersetzt, die eine wesentlich bessere Ausnutzung der heißen Rauchgase ermöglichten, wobei immer noch das Holz als Brennmaterial beibehalten wurde.

 

  1. Apr. Carl Judersleben wird in der Naumburger Domschule aufgenommen (Judersleben).

Carl August wurde am 24. Nov. 1769 geboren und am 27. Dezember getauft. Seine Taufzeugen waren Bürger aus Naumburg, J. G. Wolff, Schuhmacher, J. Chr. Sachse „Bosemendirer“ und die Ehefrau des Weißbäckers Hauschildt. Mit fünf Jahren wurde er eingeschult und kam nun auf die Domschule. Dies kostete seinem Vater 20 Gulden für Quartier und  Mittagessen.  

 

  1. Aug. Anordnung des Kammerkollegiums zum Lachsfang (WER Pforta II Nr. 943).

Trotz rechtlicher Bedenken wurde dem Rittersgutbesitzer von Kreipitzsch befohlen, die Lachsfanganlage auf dem Wehr zu entfernen.

 

  1. Aug. Testament von Carl August Therkorn (WER D 34 Pforte 1/3910)

Kurz vor seinem Ableben legte er im Krankenbett seinen letzten Willen nieder. Zum Alleinerben seines Vermögens bestimmte er seinen einzigen Sohn Christian August. Da der erst drei Jahre alt und somit unmündig war, setzte er seine Ehefrau Johanna Christiane Emilie geb. Becker als  Vormund ein und sicherte ihr bis zur Volljährigkeit des gemeinsamen Sohnes die alleinige Verfügung über das Erbe zu. Im  Fall, dass sie wieder heiraten würde, sollte sie den  4. Teil des Erbes behalten und für den Sohn ein amtlicher Vormund bestellt werden. Von der Vereidigung seiner Ehefrau auf ein anzufertigendes Verzeichnis des Erbes sah er ab, da er „von derer guten christlichen und gewissenhaften Gesinnung sehr wohl überzeugt“ war. 

 

  1. Nov. Judersleben verkauft seinen Weinmost (Judersleben).

Der „Herr Conducteur“ Schröter, der Schwiegervater seiner Tochter, kaufte ihm 9 Eimer weißen und 7 Eimer roten Most für jeweils 1 Gulden 18 Groschen ab, die er  ratenweise bezahlte.

 

              Der Floßschreiber G. D. Moritz wird Küchenschreiber in Pforte (WER D 34/1/557)

 

              Gerichtsverfahren (WER D 34 Anh. ½ Nr. 877)

Der Erbpachtmüller J. G. Friedrich verklagte seine Nachbarin Christiane Theuring, weil sie ihre  Enten auf der Mühlwiese getrieben hatte.

 

1783     

  1. Jan. Gutachten zur Verbesserung der Forstwirtschaft (WER Rep. D Pforta II, 1252).

 

  1. Feb. Befehl zur Langholzflößerei (WER Rep. D. Pforta II 1253).

Dem kurfürstl. sächs. Kanzler des Stiftes Naumburg  und Schul-Inspektor H. F. von Zedtwitz wurde befohlen, alle Verträge zwischen dem Schulamt und der privaten „Flößer Compagnie“ zu sichten und ein Gutachten zu erstellen.

 

      Mär.  Bau eines Wildwasserschachts (WER Rep. A 23 I, Nr. 11, Bd. 1).

Der Schacht wurde ca. 30 Meter unterhalb des oberen Solschachtes direkt unter dem  Doppelfeldgestänge abgeteuft. Der Schacht war 30 Meter tief,  zimmerermäßig ausgebaut und mit 5 Pumpensätzen bestückt, die an das Kunstgestänge gekoppelt waren. Offenbar befürchtete man, dass Wildwasser in den Solschacht eindringen könnte und wollte dem mit einer offenen Wasserhaltung begegnen.  Der Bau kostete 2.397 Taler, 12 Silbergroschen und 9 3/8 Pfennig  (Senff jr. 1816).

Das geförderte Wildwasser kam über eine Rösche zum Gasthof. Zwar hatte sich die Salinenverwaltung (Heun, Schröter) mit dem Schulverwalter Herbst abgesprochen, allerdings ohne schriftliche Vereinbarung, was beim Verkauf des Gasthofes zu Differenzen  führte

 

  1. Mai Fertigstellung des neuen Siedekots (Judersleben).

Judersleben war Siedemeister und damit Unterbeamter, dem eine Dienstwohnung zustand, die er nun im Siedekot bezog und seine alte Wohnung an Gottlob Koettnitz für 8 Gulden  vermietete.

 

  1. Mai Anzeige des Schulamtes wegen des Lachsfanges (WER Pforta II Nr . 943).

Das Amt teilte dem Kammerkollegium mit, das der Fischpächter weiterhin Lachse auf der Wehrkrone fängt, obwohl dies untersagt wurde, daraufhin erklärte der Rittergutsbesitzer  Graf Zech, keinen derartigen Befehl erhalten zu haben.

 

  1. Aug. Schreiben des Schulamtes an die Witwe Therkorn (WER D 34 Pforta Anh. 1/3910).

Dem Schulamt war die Entscheidung des Schöppengerichts bezüglich der Eidesleistung im Streit um das Borlachsche Erbe zugegangen. Da Therkorn inzwischen verstorben war, sollte sein Sohn und Erbe den Abschwörungseid leisten. Da er noch minderjährig war, wurde seine Mutter als Vormund aufgefordert den „Beschwörungs-Eid“ innerhalb von 8 Tagen im Schulamt zu leisten.

Das lehnte die Witwe in einem Schreiben vom 2. Oktober rundweg ab. Zum einen verwies sie darauf, dass dies eine Angelegenheit ihres verstorbenen Ehemannes war, mit der sie sich nie beschäftigt habe, zum anderen wäre sie zwar testamentarisch zum Vormund des gemeinsamen Kindes bestimmt worden, doch die  amtliche Bestätigung der Vormundschaft würde noch nicht vorliegen und sie selbst wäre noch unentschlossen, ob sie überhaupt in die Vormundschaft einwilligen würde. Letztendlich sollte man warten, bis der Erbe volljährig sei, dann könne er selber den Eid leisten. Diese Begründung, die ihr Rechtsbeistand, der Notar Johann Christian Gotthelf Hübsch aufgesetzt hatte, wirkte und das Verfahren wurde ausgesetzt.

Bezüglich des Borlachschen Erbes führte sie an, dass Schröter die mit Therkorn vereinbarten Sachen erhalten habe und somit keinerlei Anspruch auf das übrige Erbe wie „Silberwerk-Pretiosen, ausstehende Schulden, Bibliothek, Porzellan, Mineralien-Kabinett, Risse- Zeichnungen, Kupfer-Stiche und Schildereygen, Maschinen, Modelle, Uhrmacher-, Drechsler-, Schlosser und Schmiede-Werkzeug, Equipage, Pferde, Vieh, Schiff und Geschirr, vorrätige Wein- und Weingefäße, Kelter-Zeug, vorrätiges Getreide, Holz, Materialien und Kleidungsstücke“ habe.  

 

  1. Nov. Verlängerung der Zeitpacht des Gasthofs (WER Rep A23I,Nr.11,Bd.1).

Scheuffler übertraf mit seinem Gebot von 560 Gulden den Holzhändler Seidler.  Allerdings wiesen Bergrat v. Beust und Schulverwalter Gutbier das Kammer-Kollegium darauf hin, dass sich die Klagen über Vertragsverstöße und wegen einer Verschlechterung des Gasthofes häuften. (s.a. DD Loc 1337 Vol 4 S. 131 -139).

 

  1. Nov. Carl Judersleben erhält eine „Famulator-Stelle“ in Pforte (Judersleben).

Da Kost und Quartier das Familienbudget überstiegen,  bemühte sich Judersleben um eine Freistelle, die der Schulinspektor befürwortete. Auf „Allergnädigsten Befehl“ kam Judersleben als Kostgängerzu einer Lehrerfamilie. Dafür wurden 9 Gulden „Reventionskosten“ erhoben, sich Judersleben von seinem Bruder borgte und in  zwei Raten abzahlte. 

1789 beendete Carl die Schule und studierte von 1790 bis 1796 in Leipzig Theologie. Hier war er bei verschiedenen Kaufmannsfamilien in Kost und Logis. Zur Bestreitung der Studien lieh sich sein Vater mehrfach Geld von der Invaliden-Kasse der Knappschaft.

 

  1. Dez. Erhöhung des Anbindegeldes (WER Rep 34 II, 1249).

Nach Sichtung der bestehende Verträge wurde das Anbindegeld an den der Landesschule gehörenden Ufern auf 100 Gulden festgesetzt. Dagegen protestierten die herzogl.-altenburgische und die kursächsisch-weißenfelsische Flößer-Compagnie. Nach Rücksprache mit dem  Kammerkollegium reduzierte das Schulamt die Gebühr auf 40 Gulden (s.a. WER D 34/1/3597).

 

1784       

              „Churfürstlich - Sächsischer - Hof - und Staatscalender (MÜN digit).

Zur Saale- und Elsterflöße zählten der Kammerherr Christian Heinrich August v. Uffel als Oberaufseher, Stöter (Floßmeister), Tostlöwe (Floßschreiber und Zolleinnehmer) und Chr. Ludwig Hofmann (Adjunktus). Das Salinendirektorat war unverändert. Zur hiesigen Lokalverwaltung (Ulrich, Herisch, Schröter und Dorschel) kam der Adjunktus Ehrenfried Otto.

 

  1. Jan. Entrichtung der Fleischsteuer (Judersleben).

Judersleben hatte  vom Fleischer Hegewald zwei Schweine schlachten lassen und musste dafür  beim Ortsrichter 16 Groschen zur Fleischsteuer entrichten.

 

  1. Mär. Frostaufbruch nach 5 Monaten (Judersleben).

Der lange Winter hatte große Not gebracht. Mehrere Einwohner waren verstorben und Viehzeug verhundert. Nun taute der Schnee, der mancherorts 7 bis 8 Ellen hoch (ca. 2 Meter) war ließ  Saale und Unstrut über die Ufer treten. Die Überflutung wäre die die höchste seit 200 Jahren gewesen. Das Salzwerk erlitt keine größeren Schäden, allerdings ruhte 12 Wochen lang die  Salzproduktion. 

 

  1. Mai Schreiben der „ausländischen“ Flößer (WER D 34/2/1253).

Die herzogl.-sächsischen Flößer lehnten auch die vorgeschlagenen 40 Gulden Anbindegeld ab und beharrten auf die Beibehaltung der 1681 vereinbarten 35 Gulden. Außerdem protestierten sie gegen das Anlegeverbot in Saaleck und Lengefeld. Falls das Schulamt auf die Erhöhung des Anbindegeldes beharren würde, drohte man damit, den Holzmarkt für die oberländische Floß-Compagnie in Camburg abzuhalten.

Diese Messe war eine wichtige Einnahmequelle der kursächsischen Rentkammer, daher mußte man das angedrohte Fernbleiben der Flößer-Sozietät oder Langholz-Floß-Compagnie bzw. „Floßgemeinde an der oberen Saale“ mit Sitz in Kahla auch ernst nehmen. Dennoch versuchte der Kanzler v. Zedtwitz, die Erhöhung des Anbindegeldes auf 100 Gulden als für die Landesschule unabdingbar zu begründen.

 

  1. Juni Verurteilung des Gasthofpächters (WER Rep. D 34 /1).

Nach einer anonymen Anzeige hatte das Schulamt die Überprüfung zweier Fremder, die im Gasthof übernachteten, durch die Miliz veranlasst. Die beiden stellten sich zwar als harmlose Reisende heraus. Da der Gastwirt es aber versäumte, ihre Ausweise zu prüfen, mußte er 10 Gulden Strafe zahlen.

 

  1. Aug. Abänderung des Anbindegeldes (WER D 34/ 2/1253).

Zedtwitz erklärte, dass man mit 50 Gulden auskommen würde, wenn die Anbindezeit auf 3 Wochen vor und spätestens drei Wochen nach dem Ende des Holzmarktes beschränkt würde. Wer bis dahin sein Holz noch nicht verkauft hatte, sollte der Schulkasse eine Entschädigung zahlen. Mit der Kontrolle der Einhaltung des Anbinderegulativs sollte der Fischhauspächter betraut werden.

 

  1. Sep. Gutachten zum Lachsfang am Wehrdamm (WER Pforta II 943).

August Ferdinand Graf v. Zech berief sich in seiner umfangreichen Schrift auf die dem Rittergut mit einer Urkunde im Jahr 1590  überlassenen Fischereirechte auf der Saale oberhalb des Dammes. Er fand es erstaunlich, dass das Schulamt erst 1775, nachdem er das Gut erworben hatte, die Fangrechte in Frage stellte. Seine Beweisführung war so nachvollziehbar, dass am 06. Okt. dem Schulamt befohlen wurde, den Lachsfang auf dem Wehr zu gestatten. In seinem Schreiben erwähnte v. Zech, dass das Wehr im Jahr 1471 errichtet worden sei, was sich wohl eher auf eine Instandsetzung bezog.

 

  1. Sep. Freiherr von Beust wird als Salinendirektor abberufen (Judersleben).

 

  1. Dez. Bewerbung Freiherr v. Hardenbergs (www.bautz.de/bblk).

Heinrich Ulrich Erasmus (1738-1814), Vetter des bedeutendsten sächsischen Bergbeamten  und Gründers der Freiberger Bergakademie Friedrich Anton v. Heynitz, Großneffe des späteren Staatsministers und Mitinitiators der preußischen Verwaltungsreform, Karl-August Freiherr v. Hardenberg, hatte nach dem Schulbesuch in Pforte (1752-1755) u.a. Bergbau in Göttingen studiert. Nach mehreren Stationen übernahm er am 8. Januar 1783 das Direktorat der Saline in Artern und bewarb sich um die Nachfolge von v. Beust der an den Dresdener Hof berufen wurde.  Hardenberg hatte mit seiner 2. Ehefrau 11 Kinder von denen der älteste Sohn, Georg Philipp Friedrich  unter dem Namen  Novalis (1772-1801) bekannt wurde. 

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 Anh 1 Nr. 905).

Der Papiermüller von Pforta J. G. Heinel verklagte den Gasthofpächter  J. G. Scheuffler auf Schadensersatz, wegen „eingelegten Bauholzes“ in der kleinen Saale, was seiner Mühle das  Aufschlagwasser entzog.  

 

1785

  1. Jan. Ernennung v. Hardenbergs zum Salinendirektor (bautz.de)

Er erhielt den Rang eines Kreishauptmann verbunden mit einem Jahresgehalt von 650 Gulden  und einem Holzdeputat von 24 Klaftern. 1786 erwarb er  in der  zentral gelegenen ehemaligen  Residenz Weißenfels ein „amtssäßiges“ Wohnhaus in der „Closter Gaße“ mit dem Recht hier auch Landwein sowie fremden Wein und Bier für den eigenen Bedarf einzulagern. Daneben wurden hier die Amtsräume des kursächsische Salinendirektorats eingerichtet. Heute befindet sich darin  die Novalis-Gedenkstätte.  Die Vereidigung der Belegschaft des Salzwerkes erfolgte durch den Kammerherrn von Schulenburg am 3. Februar in der großen Gasthofstube. Zum Direktorium gehörten nun als Vizedirektor  der Bergrat F. W. Heun und der Inspektor E. Fr. Senff sen. Hardenberg wurde 1789 zum Mansfelder Berghauptmann ernannt und war damit dem   preußischen Berghauptmann  Freiherr Carl Christian v. Veltheim gleich gestellt.

 

  1. Jan. Annahme des neuen Anbinde-Regulativs (WER D 34/2/1253).

Während die Bevollmächtigten der kursächsischen Holzhändler die Unterschrift leisteten, weigerten sich die oberländischen Vertreter und beharrten auf der Beibehaltung des bisherigen Satzes.

 

  1. Mai Beschwerde der Dorfgemeinde beim Schulamt (WER Pforta II, Nr.2292).

Anlass war die erneute Anordnung zur Gerichtsfolge bei der Bewachung eines Verbrechers, den man in Pforte festgesetzt hatte. Dabei berief sich das Schulamt auf den im Jahr 1737 vom Kammerkollegium erlassenen Befehl zur Gerichtsfolge. Der Ortsrichter G. Chr. Hilpert, lehnte  ab und verwies darauf, dass der Bergrat Borlach höchstpersönlich gegen eine derartige Anweisung Einspruch erhoben habe und in der Folge keine Gerichtsfolge mehr verlangt wurde, weder als man vor wenigen Jahren eine Bande von  Kirchenräubern dingfest gemacht hatte oder der Deliquent  Burrmann hingerichtet wurde. Hilpert beharrte auf die Sonderstellung der Einwohner, die auf Grund ihrer Erwerbsverhältnisse weder als dörfliche noch als städtische Untertanenen galten. Daher wären sie seit alters her von allen Fron-, Hilfs- und sonstigen Diensten, Steuern, Abgaben, Einquartierungen u. dgl. befreit und brauchten nur die Erbpacht für ihre Häuser beim Schulamt zu entrichten. Er verwies auf die kümmerliche Lebensbasis der Bevölkerung, die außer den Floß- und Salzwerksbeamten, nur aus besitzlosen Dienern, aus Salzsiedern, Salzladern, Pfannenschmieden, Gradierern, Bergleuten, Kunst- und Maschinenwärtern, Floß- und Salzwerksboten, Rechenwärtern, Bauholzlieferanten und einigen wenigen Handwerksleuten bestehe. Diese wohnten auf landwirtschaftlich unbrauchbaren Grund und Boden, ohne Möglichkeiten für den Feld- und Gemüsebau sowie die  Viehzucht, da es an Landbesitz fehlte. Von Brau- und Schankgerechtigkeiten seien die Bewohner auch ausgeschlossen. Sie seien Häußler und wenn sie aus dem Haus treten, ständen sie auf fremdem Land, weil bei 1,5 Ellen d.s. 1 m das traufrecht endete. Selbst der Ertrag der Pflaumenbäume, die sie als Schattenspender angepflanzt hatten, mussten bezahlt werden. Dieses Schreiben J. E. Hämmerling, J. Fr. Seyffarth, J. M. Ludewig, J. Chr. Theuring, J. G.  und Chr. Scheuffler, J. G. Judersleben und J. G. Zedel, J. Chr. Eißentraut, J. G. Heisenberg, A. Weiße und S. Fr. List im Namen der übrigen Einwohner.

 

  1. Okt. Klage des Floßamtes (WER D 34/2/1250).

Der Gastwirt J. G. Scheufler und der Pachtschäfer Ulrich Bauer einerseits sowie das Floßamt andererseits verklagten sich gegenseitig wegen Triftminderung auf den Stapeln. Den Pächtern war es bislang erlaubt, ihr Vieh weiden zulassen, wenn diese nicht belegt waren. Das wurde ihnen untersagt, weshalb sie das Floßamt verklagten. Das wiederum verklagte die beiden wegen Behinderung der Flöße.

 

               Bau eines Weinkelters (Judersleben).

1783 hatte Judersleben dafür beim Schulamt um die Genehmigung nachgesucht. Dafür sollte er  eine Erbpacht bezahlen, obwohl es sein Anwesen war, worauf er sich beim Landrichter beschwerte und nun die Genehmigung erhielt. Der Kelter kostete ihm 81 Gulden für Handwerker und Fuhrlohn. Das Holz bezog er von Seidler, die Bruchsteine von Härtel und die Bretter vom Meister Friedrich. Für die Bauabnahme stellte der Landrichter 1 Gulden,  6 Groschen und 6 Pfennige in Rechnung.

 

               Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 1/2).

Die Kramerinnung aus Naumburg verklagte den Gasthofpächter J. G. Schäufler wegen ungenehmigten Flachshandels (Nr. 854)

 

1786     

               „Churfürstlich - Sächsischer Hof und Staatscalender (MÜN digit).

Nun gehörte H. U. E.  von Hardenberg und sein sein Vize Fr. W. Heun zu den Hofbediensteten. Bei den übrigen Beamten (Lokaldirektion, Floßamt) gab es keine personellen Veränderungen.

 

  1. Mai Beschluss der Gemeinde zum Bau der Schule (WER D 34 2/2504)

Nachdem ein neuer Bauplan angefertigt und sich die Kosten von 509 auf 358 Taler verringerten, erklärten sich die Mehrzahl der Hausbesitzer bereit, den auf sie entfallenden Anteil beizusteuern. 

 

  1. Nov. Einweihung des Gottesackers an der Fränkenauer Hohle (Lepsius 1826, A.C. Ende 1844)

Auf die drängende Vorstellung der Gemeinde aber auch der Salinen- und Floßbeamten genehmigte das Konsistorium die Anlage eines Friedhofes. Die Schulabeamten wurden angewiesen, nahe beim Dorf Neu-Kösen eine geeigntes Stück Land  herzugeben. Das war eine „öde Lehde“ hinter den „Sieben Häusern“ zum Fränkenauer Hohlweg, die mit einer mauer umgeben und geweiht wurde. Bestattete wurden nichjt nur die Verstorbenen aus Alt- und Neu-Kösen, sondern auch die der Vorwerke Kukulau und Fränkenau sowie der Pachtschäferei und der Pachtmühle. Das letzte Begräbnis eines Kösener Einwohners in Pforte fand am 18. November statt.

Den Mehraufwand für den Weg, der dem geistlichen Inspektor zustand, wurde durch den Wegfall der Kosten für den Transport des Verstorbenen nach Pforta aufgerhoben. Der Platz war eine öde Lehde hinter den „Sieben Häusern“ zum Fränkenauer Hohlweg. Hierher kamen nun die Verstorbenen aus Alt- und Neu-Kösen, der Vorwerke Kukulau und Fränkenau sowie der Pachtschäferei und der Pachtmühle. Das letzte Begräbnis eines Kösener Einwohners in Pforte fand am 18. November statt. Zwar entfiel der  aufwändige Transport der Verstorbenen  dafür stiegen die Kosten für den Schulgeistlichen der sich hierher begeben mußte.

 

            Die Salinenverwaltung verpachtet die Gasthofschmiede.

Die gehörte nominell zum Gasthof, den Schmied suchte sich die Salinenverwaltung aber selber aus, ähnlich wie den Brauer. Die Schmiede deckte in erster Linie  den Bedarf des Gasthofes und der Saline, ausgenommen die Reparatur und die Anfertigung der Siedepfannen sowie der Pumpenstiefel.

 

           Breitkopf  veröffentlicht die „Malerische Reise durch Sachsen“

Illustriert ist dieser Reisebericht von Carl Benjamin Schwarz (1757-1813) darunter „Die Brücke beim Salzwerk zu Kösen an der Saale“, „Das Bergschloß Rudolpfburg bey Kösen“ und zwei Ansichten von Pforte.

 

1787      

  1. Jan. Erste Beisetzungen auf dem neuen Friedhof (Judersleben, Hinsche, 1930).

Die Friedrich Zimmermanns Eheweib war die erste Erwachsene, die hier bestattet wurde, vor ihr waren es  drei Kinder.

 

  1. Mai Schreiben des Schulamtes an das Kammerkollegium (WER D 34/2/ 941).

Heinrich Ferdinand von Zedtwitz, Sigismund Polycarp Gutbier und Ernst Constantin Herbst beklagten den Wassermangel der Pachtmühlen. Durch den Ausbau der Gerinne der Wasserkünste kam immer weniger Wasser über die kleine Saale nach Pforta. Die dortige Mühle und besonders die in Altenburg fielen immer öfter aus und die Pächter verlangten eine Entschädigung oder kürzten die Pacht. Den Schaden für das Schulamt sollte die Saline als Verursacher erstatten. Daraufhin wurde dem Schulinspektor, dem Salinendirektor, dem Rentmeister und den Amtsmännern von Weißenfels und Pforte befohlen, ein Gutachten über den Zustand und den Betrieb der betroffenen Mühlen abzugeben.

 

  1. Mai Vereinbarung zum Bau des Schulhauses (WER D 34 2/2504).

Die Gemeinde legte dem Schulamt den Riß des Schulhauses vor und bat um die Genehmigung   des mit den Gewerken vereinbarten „Akkords“.

 

  1. Juli Reskript zur Langholzflößerei (WER D 34/2/125, MER C 50 Naumburg A 75).

Den Flößern wurde befohlen, non Fastnacht bis zur Karwoche über den Wehrdamm zu gehen. Das Anbinden der Flöße oberhalb des Rechens war verboten. Als Strafe waren 5 Taler je Floß fällig, die nachweislich am 20. April 1789 von 6 Flößen und am 28. Oktober 1791 von 9 Flößen erhoben wurde. Ebenfalls 5 Taler Strafe zahlten Flößer deren  Flöße bei Hochwasser fortgerissen und vor dem Rechen getrieben wurden.

 

              Beschwerde des Pfarrers der Moritzkirche zu Naumburg (WER A 29a I Nr. 203).

Dieser wandte sich gegen die Einpfarrung des Fischhauses in die Schulkirche von Pforta.

 

1788       

              „Churfürstlich - Sächsischer  Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit.).

Zum Salinendirektorat gehörten  H. U. E. v. Hardenberg und der Vizedirektor Bergrat F. W. Heun, zur Kösener Lokaldirektion Carl Heinrich Weichert (Salzniederlagenverwalter), Johann Christian Schröter (Baumeister), Johann Balthasar Dorschel (Salzschreiber), und Johann Ehrenfried Otto (Adjunctus).  Oberaufseher der Saale-Flöße war der Kammerjunker  Chr. H. A. v. Uffel. Floßmeister zu Kösen der Geh. Finanzsekretär Johann August Puttrich, Floßschreiber und Floßzolleinnehmer Johann Christian Tostlöwe und zweiter Floßschreiber Gottlieb Heinrich Burschel. Inspektor der Land-Schule Pforta  war Heinrich Ferdinand v. Zedtwitz zu Auerstädt, Stift-Naumburgischer Kanzler zu Zeitz, Schulverwalter der Rentmeister Ernst Constantin Herbst.

 

             Erdbeschreibung der Churfürstlich u. Herzoglich Sächsischen Lande Bd. 1 (MÜN. dig.)

Der Verfasser war Friedrich Gottlob Leonhardi

„Alt-Kösen, ein Vorwerk an der Saale, eine Stunde von Naumburg mit einer zu Schulpforta gehörigen Schäferey und einer seit Markgraf Heinrich vorhandenen Brücke, wo ein Brückenzoll gegeben wird.

Hier ist ein gutes Salzwerk, wo jährlich gegen 40 bis 50000 Scheffel Salz gesotten werden, wozu man ohne Kohlen beynahe 3000 Klaftern Holz braucht und die Sohlbrunnen haben 82 Lachter 20 Zoll oder 575 Fuß 8 Zoll Tiefe und die Sohl ist ursprünglich vierlöthig. Dieses Salzwerk ward schon im 17ten Jahrhundert entdeckt, aber 1730 erst durch den ums sächs. Salzwesen höchst verdienten Bergrath Borlach in einen gangbaren Zustand versetzet, daß man seit 1732 ununterbrochen hat Salz sieden können. Zur Feuerung bedient man sich gegenwärtig fast ausschließlich der Braunkohlen von Mertendorf und erspart jährlich über die Hälfte des vorigen Holzbedürfnisses.

Das Salz wird in der hiesigen Salzniederlage aufbewahrt in welcher vornehmlich die thüringischen, voigtländischen und neustädtischen Ämter ihr Salz holen. Auch befindet sich hier ein Floßmeister und Floßzolleinnehmer von der Saaleflöße (.) den Zoll haben Friedrich der Streitbare und sein Bruder Wilhelm II. 1410 angelegt, von jedem Floß 1 Rheinländ. Gulden bis Jena und 2 bis Weißenfels.

 

  1. Mai Bericht des Ortsrichters zum Schulhaus (WER D 34 2/2504).

Das Schulamt hatte der Gemeinde einen Platz am Lengefelder Weg zugewiesen, der einst dem  Floßmeister Wenzel als Bauplatz verpachtet aber nicht bebaut worden war. Die Gemeinde hatte sich auch über die Umlage der veranschlagten Kosten von 358 Taler geeinigt. Demnach kamen auf jeden  der 48 Hauswirte 4 Taler und auf jeden der 63 Hausgenossen 2 Taler. J. Fr. Seidler und J. N. Robisch wurden bevollmächtigt „zur Besorgung der Baumaterialien und diese mit Quittung vor der Gemeinde zu belegen“.

 

  1. Juni Anweisung an den Besitzer des Rittergutes Stendorf (St.-A. Nr. 60)

Weil sich die Gemeinde Saaleck wegen bestimmter Eingriffe in ihre Gerechtsame beschwerte,  wurde dem Kammerjunker Christian Gottlob v. Tümpling auferlegt, dies zu unterlassen,  andernfalls wurde ihm eine Strafe von 20 Talern angedroht.

 

  1. Sep. Der Salz-Kontrolleur Herisch verstirbt (Judersleben).

Er war 48 Jahr alt und hinterließ 8 Kinder. Am gleichen Tag verunglückte der Salzschreiber Dorschel auf einer Reise bei Themar.

 

  1. Sep. Beschwerde des Floßmeisters über den Pachtschäfer (WER Rep. D Pforta II).

 

  1. Okt. Chr. Fr. G. Seffner wird in der Saline als Kontrolleur angestellt (H. Seffner 1884).

Seffner (*1732) der Vater des späteren Oberbürgermeisters von Merseburg war erst Salzschreiber in Dürrenberg und kam für den verunglückten Dorschel.

 

  1. Nov. Novellierung des kursächsischen „Land-Accise Mandats.“

Für die auf den Flößen mitgeführten Holzwaren wurden 10 Pfennige von jedem Gulden Warenwert  erhoben.

 

  1. Okt. Spezifikation der eingenommenen Gelder für den Schulneubau (WER D 34 2/2504)

Ortsrichter  Hilpert listete die in den Monaten Mai, Juni, Juli und August ratenweise gezahlten Umlagen auf.

 

  1. Okt. Schreiben des Direktoriums wegen der Gasthofspacht (WER Rep.A 23I, Nr.11 Bd.1)

1790 lief der Zeitpachtvertrag aus und Scheuffler hatte  sich um die Verlängerung seiner bereits 23 Jahre währenden Pacht beworben, allerdings nur auf drei Jahre und wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage infolge der Neuregelung des Salzhandels und der Verpachtung der Schmiede bot er 500 Taler, 60 weniger als bisher. Hardenberg und Heun hatten aber Bedenken, die Scheufflerschen Pacht zu verlängern, denn der war inzwischen hochbetagt und verwitwet. Sie rieten zu einer Neuverpachtung. Dazu sollte der Gasthof zur Verbesserung der Frequenz erweitert werden. Außerdem bat Hardenberg darum, ihn von der „Jurisdiction in vorfallenden Civil und Criminal Sachen“ zu entbinden und diese dem Schulenbeamten zu überlassen.

 

             Übertragung einer Handelskonzession (WER D 34/1/2394)

Johanna Elisabeth Ulrich, die Witwe des Floßschreibers J. L. Ulrich überließ diese ihrer Tochter Eleonore Wilhelmine Hörisch.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Gottlieb Heckenberg mußte sich wegen verweigerter Dorfwache verantworten.

 

1789

  1. Jan. Schreiben der Gemeinde wegen der Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89)

Nach allerhöchster Anordnung mußten nun auch die Einwohner von Kösen die Dorfwache leisten. Betroffen waren sämtliche Hauswirte und Hausgenossen, ausgenommen die  Gerichtspersonen (Ortsrichter und Schöppe), die „Offizianten“ der Saline und der Flöße, soweit sie Diensträume bewohnten, der Gasthofpächter, der Pachtschäfer, der Pachtmüller. Witwen von Hausgenossen  und unverheiratete Frauen wurde jede zweite Wache erlassen. Nach der Vorgabe wurden täglich 6 Personen, 2 bei Tag und 4 bei Nacht zum Wachdienst eingeteilt, was für die 48 Hauseigentümer und 58 Hausgenossen einen 14-tägigen Turnus ergab. Einige Hauswirte, die nicht im eigenen Haus wohnten, hatten nun die Hausgenossen zum Wachdienst verpflichtet und diese waren der Ansicht, dass dies die eigene Wache ersetzt, was dazu führte dass sich der Wachturnus auf 12 Tage verkürzte. Das erzeugte Unmut und so wandten sich die Gerichtspersonen an den Amtmann, damit dieser die Säumigen zur Einhaltung der „Landeshoheitlichen Wachordnung“ anhalten sollte, damit die „vielen nachtheiligen Folgen  von Diebereien sowohl bey der Churfürstl. Flöße und bey denen Salinen, nicht weniger in Privat-Häußern, auch Feuers-Gefahr, Mord und Todtschlag auch Einschleichung Diebes und Räuberbanden an einen so offenen an der Straße gelegenen Orthe“ verhindert werden.  

Im Vergleich mit den im Amtserbbuch erfaßten steuerpflichtigen Wohnhäusern blieb deren Anzahl  in Alt-Kösen gleich geblieben. In Neu-Kösen waren es vier mehr. Eines davon gehörte dem Steuer-Prokurator Hübsch (heute Lindenstraße 12). Die übrigen drei Häuser standen am Lengefelder Fahrweg, wo drei Bauplätze geteilt waren. Auf jeden Hauswirt kam mindestens ein Hausgenosse. Die Vermietung war eine willkommene Nebeneinnahme und die neuen Häuser waren gleich für mehrere Mietparteien eingerichtet während im Bestand erweitert oder aufgestockt wurde.

 

  1. Juli Siebzehnter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten 3 in den Jahren 1789, 1791 und 1793 zu haltende Flößen.

 

              Gerichtsverfahren und Klagen (WER D 34 Anh. 1/2)

Die Gemeinde verklagte J. G. Heckenberg wegen verweigerter Dorfwache (Nr. 5269)

 

1790

  1. Mai J. Fr. Seidler meldet die Fertigstellung der Schule (WER D 34 2/2504).

Die Schlussrechnung belief sich auf 402 Taler, 18 Groschen, davon 3 Taler, 14 Gr. für die Einweihung durch die Geistlichkeit. Damit erhöhte sich die Umlage und Richter Hilpert bat den Amtmann, sämtliche Hausbesitzer und Hausgenossen  anzuweisen, den ihm zukommenden Anteil in seiner Amtsstube schriftlich zu bestätigen und denjenigen,  die sich entziehen würden, mit  Strafe zu drohen. Dem Schreiben waren das Verzeichnis der betroffenen 48 Hausbesitzer und 63 Hausgenossen beigefügt.

 

              Erweiterung des Gradierwerkes auf dem Rechenberg  (Judersleben/Hardenberg).

Gen Süden  wurden weitere 20 Bund errichtet, mithin eine Verdoppelung der Gradierfläche. Damit endete die kubische Gradierung und nur noch die äußeren Dornenwände wurden bespeist. An günstigen Sommertagen, wenn die aus dem oberen Schacht geförderte Menge nicht mehr reichte, wurde auch die Sole des unteren Schachts zur Gradierung gefördert. Die kam dann auf den 2. fall des unteren Gradierhauses (s. a. WER D 34 Anh. 3 Nr. 64, Senff jr. 1816).

 

            Umstellung auf Erdkohle  in Kösen und Dürrenberg (Fr. v. Hardenberg, HKA Bd. 3).

Unmittelbar nach dem Amtsantritt Hardenbergs begann die konsequente Umstellung auf Formkohle. Dazu waren erhebliche Änderungen des Verbrennungsanlagen erforderlich. Die von   E. F. Senff sen. konstruierten Strahlenherde hatten eine eiserne Tür für das Feuerloch und einen Rost der den Verbrennungsraum vom Aschefang trennte. Die heiße Luft wurde strahlenförmig unter die Siedepfannen geleitet, um eine möglichste effektive Wärmeverteilung zu erreichen. Für ausreichend Verbrennungsluft sorgten vergrößerte Zuluftöffnungen in den Koten und höhere  Essen.

Problematisch war die Ablagerung der Asche, für die eigene Plätze angepachtet wurde. Mit eisernen Schiebekarren wurde die noch glühende Asche dorthin gebracht, in Gruben gekippt, die mit Erde abgedeckt wurden, um den Funkenflug zu verhindern. Der erste Ascheplatz lag an der  Kettenbrücke. Später wurde der „Aschedamm“ an der kleinen Saale eingerichtet, die mit  zwei kleinen Stegen überbrückt wurde.

Durch die Salinenverwaltung wurden in und um Mertendorf einige Grundstücke für die Kohlenstreicherei erworben sowie die dem Naumburger Bürgermeister Sonnekalb gehörende Kalk- und Ziegelbrennerei in Punkewitz, die  ebenfalls die Kohle aus der Mertendorfer Grube bezog.

 

  1. Apr. Anweisung an die General-Hauptkasse (WER Rep. A 23I, Nr. 11, Bd. 1)

Beim öffentlichen Bietertermin für die Gasthofpacht, gab der Strumpfwirker Christian Gotthilf Wilhelm Hennicke aus Apolda mit 700 Gulden das höchste Gebot ab und bekam den Zuschlag.

Die Salinenverwaltung erwarb den alten Schafstall an der Ostseite des Gasthofs und errichtete hier Ställe für das Großvieh und den Vorspann des Gastwirts sowie zum Einstellen von Zugtieren und Wagen von Fuhrleuten und Reisenden. Die beim Abbruch des Schafstalles aufgefundenen  Gewölbe wurden verfüllt. Dabei soll es sich nach Angabe des Gasthofpächters um eine Krypta gehandelt haben, in der die Zisterzienser bis zum bezug des Klosters Pforta ihre kirchlichen Dienste verrichteten. Auch im Vertrag mit der „Cösener Sozietät“ von 1714 und im Zuge der Beantragung eine eigene Kirche, wurde dieser Platz stets als „alte“ oder „catholische“ Kirche bezeichnet.

Daraus schlussfolgerten einige Historiker im 19. Jahrhundert, dass die Zisterzienser das Kloster zuerst in Kösen an der „ porta cusana“ gründeten, von daher auch der Name abzuleiten sei und erst dann das Kloster an den heutigen Platz verlegten. 

 

  1. Juni Pachtvertrag mit Chr. G. W. Hennicke (WER Rep.A23, Nr.11, Bd 1).

Neu bei diesem Vertrag war, dass der Pächter als Äquivalent für die kostenlose Anfuhr von Mist aus seinen Stallungen für die Abdeckung der Röhrenfahrten, alle anfallenden Bau- und Holztransporte für die Saline gegen das übliche Entgelt übernehmen durfte. Vertraglich fixiert wurde nun auch die Vergabe der „Afterschankpacht“ an einzelne Einwohner des Dorfes, mit der Auflage, dass diese nur das Bier aus dem hiesigen Brauhaus ausschenken durften. Die Einlagerung und der Ausschank „fremden Bieres“ war untersagt, bei Zuwiderhandlungen wurde die Afterschank entzogen. Hennicke wurde ermahnt, damit sorgsam umzugehen, damit die „Winkelschenken“ nicht überhand nahmen, denn dort würden die Arbeiter nur  zur Liederlichkeit verführt. Dennoch kam es immer wieder zum „Einschleppen und Verschank fremden Bieres“,  Den Vertrag unterzeichneten  v. Hardenberg und Heun sowie  S. P. Gutbier für das Schulamt und am 5. Juli genehmigte das Kammerkollegium den Kontrakt.

 

  1. Juni Bestallung des neuen Floßschreibers (MER C48 Ic, Nr. 1686)

Julius Heinrich Gnappert  wurde zum Nachfolger des verstorbenen  Tostlöwe ernannt und leistete auf die Dienstordnung von 1767, die seinen Aufgabenbereich regelte, den Amtseid. Sein Gehalt wurde auf 87,5 Taler jährlich, zuzüglich 12 Taler für den Hauszins und 8 Taler für Schreibmaterial und Büroaufwand festgesetzt. Dazu kamen 5 Klafter „weiches“ Deputatholz und für die Dauer der „Commun-Flöße“ 2 Gulden täglich als Aufwandsentschädigung. Außerdem oblag ihm die Einnahme der Landakzise für die als Auflast mitgeführten Holzwaren. Dafür erhielt er jeden 10. Pfennig als Tantieme. Von dem hereinkommenden und durchgehenden Holze aller Art sollte er „den 20ten Stamme oder das 20te Stück nehmen und aufs thunlichste versilbern“.  Das zeigt, dass die Zollerhebung in barer Münze, wie sie 1770 verordnet wurde, nicht zur Anwendung kam und nach wie vor der Zoll  in „natura“ erhoben. Am 13. August leistete Gnappert den Amtseid und hinterlegte 1.000 Gulden Kaution, die mit  4% verzinst wurden.

 

  1. Juli Anzeige des Gasthofpächters (WER Rep A 23 I, Nr. II, Bd. 1)

Bereits kurz nach Pachtantritt beschwerte sich Hennicke über  Verstöße gegen sein  Monopol. Er wandte sich zunächst an das Salzwerk als Verpächter und forderte die Durchsetzung des „jus prohibendi“. Die Direktion sah sich jedoch dazu außerstande, da diejenigen, die es betraf  der Gerichtsbarkeit des Schulamtes unterlagen und leitete die Beschwerde an das Schulamt weiter, das den betreffenden Einwohnern von Neu-Kösen 5 Taler Strafe für den Wiederholungsfall  androhte.

 

  1. Aug. Anordnung des Kammerkollegiums (WER Rep A 23 I, Nr.11 Bd.1).

Das Salinendirektorat wurde aufgefordert, den Kaufvertrag mit der Landesschule über den Gasthof vom Jahr 1739 vorzulegen. Der fand sich aber nicht, lediglich die Erbpacht und der Erbzins waren bekannt. Unter Verweis auf die bisherigen Irritationen und deren Beilegung, empfahl der Kabinettsrat Chr. Günther, die Durchsetzung des Verbietungsrechtes der Jurisdiktion der Saline zu überlassen, womit sich die Inanspruchnahme des Schulamt erübrigen würde. 

Allerdings stieß das auf beidseitige Ablehnung und der Gasthofpächter klagte am 21. Oktober beim Schulamt auf Durchsetzung des Verbietungsrechtes gegenüber dem Fischhauspächter Bilcke und dem Almricher Schankwirt. Doch das Schulamt schob die Sache auf die lange Bank.

 

1791         

  1. Apr. Beschwerde des Gasthofpächters (WER Rep A 23 I, Nr.11 Bd.1).

Im Hinblick auf den bevorstehenden Holzmarkt forderte er von der Salinenverwaltung, das ihm vertraglich zugesicherte „jure prohibendi“ gegenüber dem  Holzhändler Seidler, seinem Vorgänger Scheuffler, dem Dorffleischer und dem Bäcker durchzusetzen. Die würden unberechtigt „Gästesetzen und Herbergen“ und damit dem Gasthof  schaden. Da die Betroffenen der Gerichtsbarkeit des Schulamtes unterlagen, verlangte das Direktorat den dortigen Beamten, sich der Sache anzunehmen. Die reagierten prompt und verlangte vom Gasthofpächter als Kläger einen Gerichtskostenvorschuss, wenn man sich der Sache  annehmen soll.Doch das lehnte Hennicke unter Verweis auf sein verbrieftes Recht ab.

 

  1. Mai Beschwerde beim Finanzkollegium in Dresden.(WER, Rep A 23I, Nr.11 Bd.1).

Erwartungsgemäß kam es auch beim diesjährigen Holzmarkt zu erheblichen Verstößen gegen das Monopol des Gasthofes und weil weder das Salinendirektorat noch die Schulbeamten etwas unternahmen, beschwerte sich Hennicke beim Kammerkollegium.

Beim Pachtantritt habe er damit gerechnet, dass er 60 bis 70 Gebräue im Jahr absetzen könnte. Durch den Ausschank von „fremden Bier“ und Branntweins in den Fischhäusern und in den „Winkelschenken“ von Neu-Kösen, hätte er nur 40 Gebräue verkauft. Nicht nur dies hätt ihn in „arge Nöthe“ gebracht, sondern die Trank- und Fleischsteuer sowie die  „Consumtions-Accise“, die von allen Waren erhoben wurde, die er auf dem Naumburger Markt kaufen mußte. Auch die Hassenhausener Bauern schädigten sein Geschäft, denn sie „fingen“ die  vorbeikommenden Fuhrleute ab, beherbergten und beköstigten sie in ihren Häusern. Das Schulamt würde trotz eindringlicher Aufforderung das „jus prohibendi“ durchzusetzen, die Verstöße ihrer Untertanen stillschweigend dulden. Hennicke bat darum, dass man von höherer Stelle die  örtlichen Behörden anweisen sollte, die ihm zustehenden Rechte durchzusetzen. Seinen bisherigen Verlust bezifferte er auf 1.400 Taler und verlangte die Rückzahlung der Hälfte der bereits geleisteten Pacht. Für den Weigerungsfall kündigte er die Zahlungsaussetzung der laufenden  Pacht an. 

Nach Prüfung des Kaufvertrages aus dem Jahr 1739 bestätigte das kammerkollegium dem  Pächter die Rechtskraft des „jus prohibeni“  sowie das Recht zur Vergabe der  Afterschankpacht. Darauf bezog sich das salinendirektorat, das am 19. August den Amtmann Gutbier ernstlich ermahnte, das „jus prohibendi“ des Gasthofes gegenüber den Amtsuntertanen durchzusetzen, da man Einbußen bei der Gasthofpacht befürchtete. Doch die Beamten schoben die Sache erneut vor sich her.

 

      Okt.  Erdmann Friedrich Senff sen. wird  zum Salinen-Inspektor  ernannt (Judersleben).

Senff der für den verstorbenen Herisch als „Controlleur“ kam, war 1789 maßgeblich an der Reorganisation der Saline der halleschen Pfännerschaft beteiligt und hatte hier nach dem Vorbild der Dürrenberger Siedehäuser das erste gemeinschaftliche Siedekot erbaut, das 1790 in Betrieb ging und die  Siedehütten im Tal ablöste.

 

  1. Okt. Erlass des Finanzkollegiums (WER Rep A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Weil sich die Durchsetzung des Verbietungsrechtes hinzog, wurde dem Salinendirektorat erlaubt mit dem Gasthofpächter über eine Reduzierung der Gasthofpacht zu verhandeln.

 

  1. Nov. Schneefall und starkes Frostwetter (Judersleben)

Der zeitige Wintereinbruch beeinträchtigte die noch laufende Weinlese. Judersleben erntete 17 Butten aus denen jeweils 6 Eimer roten und weißer Wein gekeltert wurden, die er für 3 bis 4 Gulden verkaufte.

 

               Ansicht des Dorfes Kösen (Kupferstich-Kabinett Dreden,  B 1844,1).          

Der Kupferstecher Friedrich Johann Christian Reinhold schuf die Bilderserie „Chursächsische Truppen und Uniformen, ganz genaue und richtige Darstellung aller Uniformen der Churfuerstlich-Saechsischen Armee 1791“. Das Blatt mit dem 6. Feld- Infanterie-Regiment Prinz Clemenz zeigt eine Ansicht von Alt-Kösen.             

 

               Pachtvertrag des Vorwerks Kukulau (WER 34/2/2224).

Pächterin war Susanne Regine Knorr, die Witwe des ehemaligen Gasthofpächters J. Martin Knorr und somit neben der Floßmeisterin Hartig und der Pachtmüllerin Friedrich eine der   ersten Unternehmerinnen im Schulamt.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34 1/2).

Der Pachtschäfer Johann Christian Rötscher stand wegen  mehrfachen Diebstahls vor Gericht (Nr. 5100).

 

1792

  1. Mär. Anordnung des Schulamtes (WER Rep A23 I, Nr.11).

Wegen der Querelen um den Gasthof, verlangte das Schulamt vom Salinendirektorium, ihren  Beschäftigten das Einstellen und Füttern der Zugtiere der Salzfuhrleute in ihren privaten Anwesen zu verbieten. Demzufolge sah auch die Lokalverwaltung bei Verstößen gegen das Gasthofmonopol hinweg soweit es die eigenen Leute betraf.

 

      Apr.  Geschichte der Rudelsburg (Journal für Sachsen)

Anfang, Fortgang und Ende der Rudolphsburg, zusammengetragen und mit sonderbarem Fleiße aus denen Archiven herausgezogen von Frater Benedicto Taubio, als letztem Ueberbleibsel derer Fratrum Sancti Georgii“. Demnach wurde die Burg 972 von einem Rudolph von Münchhausen begonnen und 1046 von seinem Sohn Dedo vollendet,  der die Burg nach seinem Vater nannte. Auf dem anderen Ufer der Saale stand die Krainburg mit dessen Besitzer sich die Münchhausens in ständiger Fehde befanden. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die Fehde durch eine eheliche Verbindung beendet, die Landgraf Ludwig III. bestätigte. Die Nachkommen aus dieser Verbindung taten sich als Raubritter hervor und 1290 soll König Rudolph dem ein Ende gemacht  und die Rudels- wie auch  die Krainburg zerstört haben. Die „Lügengeschichte“ des Lehrers Rauhe wurde 1821 in Fr. Gottschalks Broschüre „Ritterburgen u. Burgschlösser“ erneut veröffentlicht.  

 

  1. Juni Anordnung des Kammerkollegiums (WER Rep A 23I, Nr. 11 Bd. 1).

Genehmigt wurde mit dem Gasthofpächter ausgehandelte Pacht von 350 Gulden und vom Schulamt nochmals eine Stellungnahme zur Übernahme der Gerichtsbarkeit des Gasthofes angemahnt.

 

       Juni  Durchzug preußischer Truppen ( Judersleben).

Während des Koalitionskrieges gegen die französische Revolutionsarmee passierten Infanterie,  Artillerie, Munitionswagen und der Tross mit Schiffsbrücken,  Feldbäckereien und Feldschmieden die Brücke, denen am 11. Juli der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. folgte.

 

1793    

  1. Mär. Verfügung des Schulamtes zur Flößerei (WER Rep. D Pforta II, 1248).

Das Schulamt verlängert die  Anbindezeit der Bauholzflöße von drei auf vier Wochen vor und  nach dem Ostermarkt.

 

      Apr. Erdmann Friedrich Senff jun. wird Salineneleve (Vita Senff).

Der Sohn des Salineninspektors E. Fr. Senff  sen. und der Maria Eleonore Hennig aus Wallhausen wurde 1772 geboren.

 

  1. Sept. Bekanntmachung zum Schank- und Gastungsrecht (WER Rep.A23I, Nr.1, Bd.1)

Nach der im Juni 1791 erlassenen General-Richtlinie, mit der die Durchsetzung des  „jure prohibendi“ seitens der Amtsgerichtsbarkeit nachdrücklich gefordert wurde,  reagierte das  Schulamt nun doch und drohte mit Geldstrafen, wenn weiterhin gegen die dem Gasthof zustehenden Rechte verstoßen wird.  

 

  1. Dez. Auflösung der Gasthofpacht (WER Rep.A23I, Nr.1, Bd.1 ).

Trotz Reduzierung der Pacht und der Durchsetzung des Verbietungsrechts bat Hennicke um vorzeitige Auflösung seiner Zeitpacht zu Johannis 1794. Das Kammerkollegium stimmte zu und befahl dem Salinendirektorat den Gasthof erneut auszuschreiben.

 

              Inbetriebnahme des Siedesolereservoirs (Lepsius, Ortskunde 1826).

Der hölzerne Behälter wurde zwischen dem  1. Siedekot und dem 4. Fall des unteren Gradierwerk eingerichtet und hatte mehrere Abteilungen, war 103 Meter lang und 13 Meter breit und fasste 3.600 m³. Der Salzgehalt der Siedesole lag bei 18,5 %, d.h. es waren 442 Lasten Salz, etwa 1.768.000 Pfund darin gelöst. Die  aufgradierte Sole vom 4. fall wurde über das Verdeck des Behälters geleitet, womit eine zusätzliche Verdunstung erreicht wurde. Mittels einer Pumpe, die ebenfalls vom Gestänge der unteren Radkunst betrieben wurde, kam die Sole in die Siedepfannen.

Nach der Umstellung auf Formkohle war das ein weiterer Schritt, die Effizienz der Saline zu erhöhen. Auch die  Salztrocknung wurde verbessert. Bisher kamen die  140 Pfund wiegenden Körbe mit dem Salz auf die Trockenböden über den Pfannen. Die neu eingerichteten Trockenkammern lagen hinter den Siedepfannen, das Salz wurde auf Gestellen, den Horden, verteilt und die  Rauchgase der Siedeherde in gemauerten Kanälen durch diese Kammern geleitet.

 

             Hanna Sophia Hänel beantragt die Konzession zur Krämerei (WER D 34/1/1699)

 

1794

  1. Apr. Pachtvertrag über den Salinengasthof (WER, Rep. A 23I, Nr.1 Bd.1).

Der Holzhändler J. Fr. Seidler und sein Sohn J. G. Seidler; die sich bereits 1778 bewarben, gaben nun das höchste Gebot ab. Da Seidler sen. schon in im höheren Lebensalter stand, wurde der Vertrag so gestaltet, dass im Falle seines Todes der Sohn den Gasthof weiter betreibt. Da der Vertrag mit Hennicke vorzeitig aufgelöst wurde,, wurden nun acht Jahre vereinbart. Die Pacht betrug 600 Taler, alle übrigen Vereinbarungen blieben unverändert. Neben v. Hardenberg und Heun  unterzeichnete der Freyburger Amtmann C. W. Slevogt den Vertrag.  

 

  1. Aug. Regulativ zur Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89)

Angeordnet wurde, dass derjenige der sich der Dorfwache entzieht oder aus wichtigem Grund nicht antreten kann, jährlich 2 Taler an die Gemeinde zahlen muß. Außerdem wurden die Ausnahmeregelungen konkretisiert und die Hauswirte angewiesen, dass sie ihre Mieter zur Ableistung der Wache anzuhalten haben. Befreit waren die „Honoratioren“ der Flöße und der Saline, soweit sie im Dorf wohnten.  Um allen Ausflüchten vorzubeugen, sollten alle Einwohner das Regulativ unterzeichnen.

 

  1. Sep. Schreiben des Kammerkollegiums (WER, Rep. A 23I, Nr.1 Bd.1)

Den Vorschlag der Salinendirektion, den Kaufvertrag von 1739 aufzuheben und den Gasthof dem Schulamt zurück zu geben, lehnten die Schulbeamten ab. Eine Rückgabe wäre erst bei Einstellung der Saline möglich.

 

  1. Sep. Verlesung der Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89).

Der Ortsrichter Hilpert hatte durch die Wächter Andreas Creutzmann und Gottlieb Köthe die Einwohnerschaft nach dem Gottesdienst in seine Amtsstube bestellt. 46 Hausbesitzer und Hausgenossen kamen. Nach der Bekanntgabe machten Joh. C. Törpsch und Joh. Georg Judersleben im Namen von 30 Einwohnern die Einwände der Gemeinde geltend. Auch der Kinderlehrer Joh. Samuel Hänel widersetzte sich der Einteilung zur Dorfwache.

 

  1. Nov. Stellungnahme der Floßbeamten zur Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89)

Die Weigerung der Floßarbeiter sich an der Dorfwache zu beteiligen, hatte dazu geführt, daß  ihnen die Hauswirte mit Kündigung drohten. In Anbetracht des Mangels an Wohnungen und der Nachfrage von Arbeitern, die auf der inzwischen eingerichteten Kohlenstreicherei gebraucht wurden, wandten sich der Oberfloßaufseher Chr. Heinrich August v. Uffel und der Floßmeister Joh. August Puttrich an das Kammerkollegium. Wegen der Dorfwache und der Ersatzzahlung würden Floßarbeiter  den ort verlassen und dem Stapel die Arbeitskräfte fehlen. Daher sollte sie auch von der Dorfwache ausgenommen werden. Dabei wurden die bisher gewährten Ausnahmen aufgeführt, wie die Witwen der Hausgenossen, die Gerichtspersonen, der Kinderlehrer sowie „Personen, welche sich wegen ihrer Gesundheit allhier aufhalten, von Zeit zu Zeit“. Demzufolge kamen bereits vor der Jahrhundertwende auswärtige Gäste zu Badezwecken in das Dorf, wenn gleich darüber keine weiteren Nachrichten vorliegen. 

 

  1. Nov. Schreiben der Gerichtspersonen zur Dorfwachordnung (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89)

Dorfrichter Hilpert und der Gerichts-Schöppe Joh. Gottlob Zedel erklärten, dass von den 48 Hausbesitzern  und 61 Hausgenossen nicht nur die Floß- und Salinenarbeiter sondern weitere sechs Einwohner die Dorfwache und das Wachgeld verweigerten. Das Schulamt wurde gebeten, einzuschreiten und die Verweigerer anzuhalten, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

             

             Knappschaftsregulativ (WER F 38 VII Nr. 11).

 

1795       

  1. Feb. Achtzehnter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten drei Commun-Flößen 1795, 1797 und 1799 zu den im Juli 1789 vereinbarten Konditionen.

 

  1. Mär. Georg Philipp Friedrich von Hardenberg besichtigt die Saline (HKA Bd. 4)

Er begleitete seinen Vater, den Salinendirektor H. U. E. von Hardenberg, wie er in einem Brief an seinen Bruder Erasmus schreibt. Friedrich von Hardenberg wurde 1772 auf Schloß Oberwiederstedt geboren, hatte in Jena Jura studiert, wo er Goethe und Herder begegnete und  sich mit Thieck, Schelling und den Brüdern Schlegel anfreundete, die ihn zur Lyrik führten. Seit 1794 war er Aktuarius beim Kreishauptmann Coelestin August Just in Tennstedt und hatte sich am 15. März auf Schloß Grüningen mit der 15jährigen Sophie von Kühn verlobt.

 

             Abschluss der Umstellung der Salinen auf Kohlenfeuerung (Lepsius, Ortskunde 1826).

Die Salinen Kösen und Dürrenberg verfügten über eine eigene Kohlegrube. Zusätzlich bezog die Dürrenberger Saline ebenso wie Artern die Kohle von  privaten Grubenbesitzern.

Ein ausführlicher Bericht über den Kohlenbergbau in Mertendorf und die Kohlenstreicherei verfasste  Friedrich. v. Hardenberg im Jahr 1800.

Weil die Formkohle, die zunächst auf einem Streichplatz in der Nähe der Mertendorfer Grube fabriziert wurde und beim Transport auf der holprigen Kohlenstraße vom Wethautal über Neidschütz/Boblas, dem Buchholz und Alt-Flemmingen erheblichen Bruch aufwies, wurde eine Kohlenstreicherei neben der Saline eingerichtet..

Die Rohkohle wurde in Erdgruben eingesumpft und mit nackten Füßen durchgeknetet. Wenn die Masse die richtige Konsistenz hatte, kamen die fahrbaren Streichtische zum Einsatz. Die Streicher, zumeist noch Kinder, füllten die konischen Holzformen  mit dem feuchten Kohlenbrei, drückten ihn fest und strichen die Oberfläche mit der Hand glatt. Dann wurde die Form zum Trockenplatz gebracht, umgestülpt und der Preßling blieb bis zu drei Tage lang im Freien, bevor er in die Trockenkammer kam. Die Tagesmenge von zwei „Tretern“, zwei „Streichern“ und einem „Zuträger“ betrug  6 bis 8000 einfache Formkohlen (23 x 13 x 7 cm).  Die Entlohnung erfolgte im Gedingelohn, die Kolonne bekam für je 1000 Steine, die in die Trockenschuppen kamen, 12 Groschen. Formkohlen, die noch im Freien lagerten und bei Platzregen oder Gewittergüssen zerfielen, wurden nicht berechnet. Dennoch musste man diese Spezialisten ausreichend entlohnen, damit sie nicht abwanderten.

 

  1. Aug. Anordnung der Dresdener Kammer (WER D 34 Anh.1 Nr. 89).

Die Beamten der Saline und der Flöße wurden von der Dorfwache befreit. Die Einteilung der Arbeiter erfolgte in Abstimmung mit den Dienstplänen und während des Kaltlagers bzw. wenn der Stapel eingestellt war.

Im Herbst wandte sich der Gemeindevorstand erneut an das Schulamt, um diejenigen, die sich der Dorfwache entzogen, zu bestrafen. Doch das sei Sache der Gemeinde.

 

             „Minna von Rudelsburg“ in Papiere aus …der Vorzeit (digit. Staatsbibliothek-Berlin)

Herausgegeben bei Fr. Severs Leipzig/Weißenfels und verfaßt von Carl Gottlieb Seidel war dies wohl eine der ersten Erzählungen, mit der romatische Burgenschwärmerei des 19. Jahrhunderts eingeleitet wurde

 

             Verkauf von Kreipitzsch und der Rudelsburg (Aquilitas)

August Ferdinand v. Zech verkaufte das verschuldete und völlig verwahrloste Rittergut an Heinrich Ludwig Graf von Brühl.

 

1796

  1. Juni Bekanntgabe des „Generalregulativs“ für die Kohlefuhrleute (HKA Bd. 4)

Nach den Notizen Friedrich v. Hardenbergs betraf das eine Beschwerde der Mertendorfer Kohlenfuhrleute über die Sulzaer Salzfuhrleute, weil diese ebenfalls die Kohlenstraße für die Fuhren nach Altenburg nutzten und so die herzogl. weimarischen Geleitsabgaben umgingen, die zu entrichten waren, wenn man den Weg  über die Camburger Brücke genommen hätte.

 

  1. Juli Abzug der Soldatenwache (Judersleben).

Die Grenadiere des Regiments des Kronprinzen Xaver wurden wegen des Koalitionskrieges abgezogen.

 

  1. Okt. Strafandrohung des Schulamtes (WER Rep.A23I, Nr.1 Bd.1).

Nach der Übernahme des Gasthofes bemühten sich die Seidlers um die Durchsetzung des verbietungsrechts und im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Hennicke, wurde nun die Amtsgerichtsbarkeit aktiv. Amtmann Gutbier drohte auf Grundlage der 1793 erlassenen „Generali“ wegen wiederholten Ausschanks und Gästesetzens dem Fischhauspächter Bilcke, dem Fleischer Hilpert und der Witwe Ernestina Traugott mit 20 Gulden Strafe und dem Entzug des Afterschankrechts. Wegen Ausschank, Gästesetzen und Beherbergung während der Ostermesse sollten auch die Bäcker  J. Chr. S. Hämmerling und Fr. Seyffarth  5 Taler Strafe zahlen, allerdings wurde ihnen die Afterschank belassen. Als die Seidlers dann noch Schadensersatz verlangten, wurden sie vom Schulamt darauf hingewiesen, ihre Ansprüche auf zivilrechtlichen Weg gegenüber  Bilcke, Hämmerling und „Consorten“ einzuklagen.   

 

1797       

  1. Mär. Verfügung des Amtmannes Gutbier (WER Rep. D Pforta II 1249).

Verboten wurde das Reiten und Fahren sowie das Einschlagen von Pflöcken zum Festmachen der Flöße am Saaledamm zwischen dem Scheitbach und Roßbach. Mit der Überwachung wurde der Pächter des Fischhauses betraut.

 

  1. Juni Brief von Fr. v. Hardenberg an Friedrich Schlegel (Hardenberg 1797).

Hardenberg war seit 1796 Akzessist bei der Salinendirektion in Weißenfels. Nach dem plötzlichen Tod seiner Verlobten  Sophie  teilte er dem Freund mit, dass er „diesen Sommer doch größtenteils in der Einsamkeit der Salinen zuzubringen“ wolle und „von Kösen aus komm ich sobald als möglich, auf einige Tage nach Jena.“ 

 

  1. Juli Eintrag in Hardenbergs Tagebuch (Hardenberg 1797)

„Ich will nach Kösen, um allein zu seyn …“.

 

  1. Sep. Brief von Fr. v. Hardenberg an Friedrich Schlegel (HKA Bd. 4).

Der Aufenthalt hatte ihn beruhigt, denn er notierte „ „Vor 14 Tagen ging ich hierher, in köstlicher Gegend lebe ich ganz frey ….Mein Geist ist jetzt fruchtbarer, vielleicht glücklicher, als je“

Neben dem Besuch des August Wilhelm Schlegels, traf er den Philosophen Fichte und danach begann er sein Studium an der Bergakademie in Freiberg.

 

  1. Sep. Schreiben des Kammergerichts Dresden (WER Rep.A 23I, Nr.1,Bd.1).

Die wegen Verstoß gegen das „jure prohibendi“ mit einem Strafgeld belegten Einwohner hatten sich beim Kammergericht beschwert und der Freiherr von Gärtner wies den Amtmann Gutbier an, die Angelegenheit bei Androhung einer Geldstrafe im Wiederholungsfall bewenden zu lassen und der Witwe Traugott den Afterschank nicht zu entziehen. 

 

  1. Nov. Testament Johann Christian Schröters (WER D 34 Pforta Anh. 1/4123)

Johann Christian Gotthelf Hübsch, Notar. publ. caes. jur. in Sax. elect. legitim. war von Schröter ans Krankenbett in sein „zu Anfang des Dorfes Kösen gelegene Haus“ gerufen worden, um seinen letzten Willen zu beurkunden. Als Zeugen waren zugegen: der Salineneleve Erdmann Friedrich Senff (jun.), der  erste Gradiermeister Johann Carl Törpsch, der Seilermeister Johann Christian Hofmann, der Zimmergeselle Johann Gottfried Schönburg, der Kunstwärter Johann Martin Wolf und der Salzsieder Johann Gottlob Biertümpel. Vor dem Notar und den Zeugen bestimmte Schröter seinen Bruder den Maurermeister Johann Gottlob Schröter zum Universalerben. Der sollte dann das „Neue Haus“ mit Nebengelaß, Acker und Feld dem Maurermeister Johann Gottlob Werner und dessen Ehefrau Rosina Maria, der Tochter seines älteren Bruders dem Maurermeister Johann Gottfried Schröter überlassen und diese ihm im Gegenzug das väterliche Anwesen in der Dorfstraße 20 (heute Borlachstr. 13/15/17). Nebenher gehörten zum Erbe auch offene Forderungen in Höhe von 140 Talern und auch das anhängige Abschwörungsverfahren mit den Therkornschen Erben.

 

Das „Neue Haus“ (Borlachstraße 2/2a) hatte J. G. Borlach gebaut, 1768 erbte es sein Bruder Johann Hermann, der es 1777 dem Baumeister Therkorn vererbte. Durch die Erbteilung kam es in den Besitz des Baumeisters Schröter von dem es auf den Maurermeister Werner überging. 1856 war das Stadtgut immer noch im Besitz der Familie, wie aus Wibels  „Grundriß von Kösen“ hervorgeht. Zum Stadtgut gehörten einige Äcker und Felder am Äbtischen Holz und am Jochenberg gehörten

Außerdem erbte das Paar seine offenen Forderungen aus Vorschüssen für in Höhe von 140 Talern. Natürlich erbte Johann Gottlob Schröter auch das anhängige Abschwörungsverfahren.

 

             Verkauf von Kreipitzsch und der Rudelsburg (Corrsen, Aquilitas).

Nach nur zwei Jahren im Besitz des Grafen von Brühl kaufte der Königl. Sächs. Amtshauptmann Ferdinand Ludwig Christian von Schönberg, der in Freiroda begütert war, das Rittergut. Er war der  Sohn von Chr.  F. v.  Schönberg und  von Sophie Amalie einer geborenen v. Kreutz, womit Kreipitzsch mit der Rudelsburg auf diesem Umweg doch wieder an die weibliche Linie derer von Kreutz kam.

Nachfolger als Gerichtsherr für den verstorbenen J. A. Lepsius wurde dessen Sohn Carl Peter  (geb. 1775). 1800 wurde der Schönbergsche Gerichtsbezirk auf Freiroda, Crölpa, Löbnschütz, Kaatschen, Leislau und Heiligenkreuz erweitert. 

 

              „Die Rudelsburg und ihre Bewohner“ (digital. Staatsbibliothek Berlin).

Die Geschichte von Christian Friedrich Kuehne erschien in den „Biographischen Bruchstücken oder treue Gemälde der Vorzeit für gebildete Romanleser“ und beruhte auf der „Taubenschen Lügenchronik“ des Lehrers Rauhe

Die Geschichten traf den Geschmack des Publikums und verbreiteten sich rasch (s. a. Kaspar Friedrich Gottschalk: Ritterburgen und Bergschlösser Deutschlands Bd. 5; 1821 Bayr. Staatsbibl.), weckte das Interesse an den Ruinen des Hochmittelalters und beförderte die  wissenschaftliche Erforschung und nicht zuletzt deren Erhaltung.  

 

1798

  1. Feb. Therkorns und Schröters Abschwörungseid (WER D 34 Anh. 1/4123)

Der inzwischen volljährige Christian August Therkorn und Johann Gottlob Schröter leisteten nun  die vorgeschriebene Eidesformel. Therkorn beschwor„ Daß ich nicht anderes weiß oder glaube und dafür halte, als daß mein verstorbener Vater und Erblasser, der Herr Conducteur Carl August Therkorn bei dem die Rechtssachen seiner beklagtens an einem entgegen dem Herrn Baumeister Johann Christian Schröter Klägern an andern Teil, geführten Beweise, sich der Eides Deklaration zu seiner wahren Notdurft bedienens und Hern Klägers Gewissen gefährlicherweise gerührt haben.“ Schröters Eidesformel war wesentlich umfangreicher, letztlich schwor er allen von seinem Bruder vorgebrachten Klagegründen ab. Somit endete die Auseinandersetzung um das Borlachsche Erbe nach 20 Jahren.

Völlig in Vergessenheit geriet nun  der Erblasser J. H. Borlach. Sein Grab und das seines Bruders auf dem Friedhof zu Pforte verfielen. Kein Kösener kam mehr hierher, seit das Dorf einen eigenen Gottesacker hatte und für die Schulbeamten bestand kein triftiger Grund das Borlachsche Grab  zu bewahren.

 

             Inbetriebnahme der „chemischen Fabrik“ in der Saline (Fabian 1805)

Verarbeitet wurden Siedeabfälle wie Pfannenstein, Mutterlauge und Salzschlamm, die bislang einfach entsorgt wurden. Aus den in den Siederesten angereicherten Kalium-, Magnesium-, Natrium und Sulfat-Ionen konnten Glaubersalz, Magnesia, kohlensaures Kali und andere Bittersalze hergestellt werden, die als Abführmittel reißenden Absatz fanden. Aufbereitete Asche wurde der Glasindustrie als Flußmittel verkauft. Aus Calzium- und Magnesiumkarbonat wurde Dünger hergestellt. Die Investition von 1.250 Taler lohnte sich, lag doch 1805 der Reingewinn bei 23.000 Talern.

 

               Verbesserung der Schule (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2576)

 

1799

              „Kurfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (MÜN digit).

Die Direktion der kursächsischen Staatssalinen war personell unverändert. Zur Kösener  Salzniederlage gehörten Carl Heinrich Weickert, Christian Friedrich Gabriel Seffner und Christian Sigismund Wahl. Die Stelle des Baumeisters war nach dem Ableben Schröters noch nicht wieder besetzt. Die Oberaufseher  der Saaleflöße war der  Amtshauptmann Adolph Samson v. Burkersroda, Floßmeister J. A. Puttrich,  Heinrich Julius Gnappert war Floßzolleinnehmer  und Burschel der Floßschreiber.

Zu den Kammerherren zählten Friedrich August Carl Feiherr von Beust, Traugott Graf v. Beust und Leopold Graf v. Beust, der ehemalige Direktor der AKD Salinen, der ebenfalls in den Grafenstand erhoben wurde.

 

  1. Juni „Oeconomieplan für die Saline Kösen“ (HKA Bd. 3).

Friedrich von Hardenberg/Novalis nahm als Protokollant an der Inspektion der kursächsischen Salinen  durch den Finanzrat  J. W. von Oppel teil. Seine insgesamt 14 Protokolle wurden zu einem Bericht an den  Dresdener Hof zusammengefasst. Im „Bericht über die Erdkohlenfeuerung“, bemerkte er: „Die Aussichten  für die Saline Kösen beschränken sich ….lediglich auf den Umfang des Erdkohlenlagers zu Mertendorf und des benachbarten zu Radewitz…“.  

Der „Oekonomieplan“ der Saline sah die Herstellung von 42.000 Stck. Salz (a 128 Pfd. = 53 760 Zentner) vor. Dafür benötigte man  4,8 Mio. Formkohlen. Die Kapazität der Kohlenstreicherei in Kösen betrug 2,5 Mio. Stück, die an 5 Tischen hergestellt wurden. Die andere Hälfte kam aus Mertendorf.   Insgesamt rechnete man mit einem jährlichen  Bedarf an Rohkohle für die Saline und die Ziegelbrennerei von  138 000 Scheffeln (14.000 m³). Das Mertendorfer Kohlevorkommen schätzte man auf  1,4 Mio. Scheffel. Damit würde man 10 Jahre reichen und falls die im Aufbau befindliche  Sonnensalzproduktion die prognostizierten Mengen hergab, sogar noch länger.

Das größte Problem blieb der umständliche Transport auf einem „eigenthümlichen Weg“, den man „ohne große Kostenverschwendung thun zu lassen, in Stand“ gesetzt hatte. Hier verwies Hardenberg auf den geplanten Bau der Frankfurt/Leipziger Chaussee, die  zukünftig für den Kohlentransport genutzt werden sollte.

Der Salzdebit von 27.751 Stück kam auf die Niederlagen der Privilegierte Concessions Kammer. Einen  Teil erheilten die umliegenden Rittergüter und die Landschule Pforte. 4.000 Stück wurden in das Amalgamationswerk nach Freiberg gebracht und  2.000 Stück auf die Salzniederlage in Teuditz, 8.249 verblieben für die „Schönburgischen Recessherrschaften“ oder durften an Ausländer verkauft werden.

 

  1. Juli Modifizierung der Gemeindematrikel (WER D 34 Anh. 2 Nr. 2761)

Festgelegt wurde, dass die Taufe neugeborener Kösener im Winter nicht mehr in der Kirche zu Pforte  sondern in der beheizten Sakristei bzw. einer Schulstube erfolgen könne. Auch Haustaufen wurden zugelassen, wenn dem Geistlichen der Aufwand für den Weg von und nach Kösen erstattet würde

 

  1. Aug. Kabinettsanweisung zu den Hutungsrechten (WER Rep.A23I,Nr.11 Bd.1).

Die Salinendirektion hatte Schadensersatz vom Schulamt verlangt, weil dem Pächter des Gasthofes die vertraglich vereinbarten  Mitbenutzung auf den der Schäferei verpachteten Wiesen  und Triften untersagt wurde. Das Finanzkabinett empfahl, einen Vergleich herbeizuführen.

 

  1. Aug. „Geschäftsverteilung unter die Glieder der Localdirection“ (HKA Bd. 3).

Friedrich von Hardenberg widersprach einer Dezentralisierung des Lokaldirektoriums und schlug für die Neubesetzung der freiwerdenden Stelle des „Factors“ nach dem altersbedingten Ausscheiden Seffners Johann Andreas Bischof vor, der gleichzeitig die Stellung des „Conducteur“ übernehmen könnte.   

 

  1. Sep. Vertrag zur Neuordnung der Hutungsrechte (WER Rep.A23I, Nr.11, Bd.1).

Die Saline verzichtete auf die im Erbpachtvertrag des Gasthofs eingeräumten Hutungsrechte. Als  Ausgleich zahlte das Schulamt 5 Taler, die der Pächter bekommen sollte und verzichtete auf das 1779 vereinbarte Krücksalz. Beim Abschluß eines neuen Zeitpachtvertrag sollte das Hutungsrecht entfallen, vereinbarten die Schulbeamten Herbst und Gutbier und die Salinenbeamten v.  Hardenberg, Heun und Senff.

 

  1. Fr. Senff sen. wird zum Bergrat ernannt (DD Loc. 1337 Vol I ff).

Senff war 1794 nach Lüneburg abgeordnet worden. Ihn begleitete sein Sohn (Erdmann Friedrich jun.), wo sie am 01. Juli  1799  das unter ihrer Anleitung gebaute Siedehaus in Betrieb nahmen. (OBA Clausthal-Zellerfeld, Neue Saline Fach 25).

Unter Senffs Leitung begann die Entdachung der erste drei Gradierfälle und die Abdeckung der unteren Soleschiffe. Das sparte Geld für die Unterhaltung und verbesserte die Gradierung, da die Dächer doch erheblichen Schatten warfen. Abdeckung der Unterschiffe wurde wie beim Siedesolereservoir zur Tafelgradierung genutzt.

 

  1. Dez. Friedrich v. Hardenberg wird zum Salinen-Assessor ernannt (HKA Bd. 3)
  2. Fitzgerald schrieb dazu: „Fritzens Aufgabe bestand darin, während der Sitzungen des Salinendirektorats, Protokolle zu führen und schweigend zu lernen, so viel möglich war.“

In einem Schreiben an den Geh. Finanzrat v. Oppel, berichtete er über seine geologischen Erkundungen von Gebirgen und Flözen bei Artern. Hardenberg plädierte hier für die Übernahme der Kohlengruben durch den Fiskus, da  diese in den „Händen der Privatleute unverantwortlich  bewirthschaftet“ würden. Er wandte sich dabei gegen ein 1743 erlassenes „Churfürstliches Mandat“ wo Friedrich August auf das Bergregal bei Erd- d.h. Braunkohle verzichtete. Privatleute, wie der Grubenbesitzer Laue und die Herren von Pfuhl nutzten dieses Privileg bei den Kohlelieferverträgen mit den Salinen zu ihren Gunsten aus.  

Am 14. Juli 1800 wurde ihm die „Instruction für den Assessor bei der Local-Salinen-Direction“ ausgefertigt, womit er nun dem Direktorium, das  unter der Leitung seines Vaters stand, angehörte. Zu seinem Aufgabengebiet gehörten die „Entdeckung und Aquirierung neuer Erdkohlenlager“, der Abschluss neuer „Erdkohlen-Liefer-Contracte“ und die Aufsicht über die zu den Salinen gehörenden Kohlenwerke. Außerdem wurde ihm die Leitung der Düngesalz- und chemischen Fabriken in den Salinen übertragen und wegen seiner Kenntnisse der praktischen Bergbaukunde  auch die Aufsicht über  die Schächte, die Kunstgezeuge und die Steinbrüche sowie die zur Kösener Saline gehörende Kalk- und Ziegelhütte in Punkewitz. Dafür erhielt er ein Jahresgehalt von 400 Talern aus der Coctur-Casse zu Dürrenberg“.

 

  1. Dez. Richtfest am neuen Schulhaus in Pforte (Judersleben)

Die 60 Maurer, Zimmerleute und Tagelöhner erhielten Festessen, Suppe, Kälberbraten und Kohlrabigemüse, dazu eine halbe Flasche Wein für jeden und Bier, soviel er trinken wollte.

 

1800

             „Churfürstlich- Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit).

Das Salinendirektorat war mit  H. E. U. v. Hardenberg, Heun und Senff sen. unverändert.  Conducteur der Kösener Saline war Christian Ehrenfried Francke.

 

  1. Jan. Schreiben von Novalis (HKA Bd. 4).

Darin lud er seine Freunde August Wilhelm Schlegel (1767-1845), dessen Bruder Friedrich Schlegel (1772-1829) und Ludwig Tieck (1773-1853) zu sich nach Kösen ein, um ihnen das Manuskript des „Heinrich von Ofterdingen“ vorzustellen.

 

             Erprobung der Sonnensalzproduktion (Lepsius, Ortskunde 1826).

Seit 1797 wurde bereits in Artern damit experimentiert. Trotz der Bedenken der übrigen  Direktionsmitglieder bekam Bergrat Senff sen. die Genehmigung auch hier eine derartige Anlage einzurichten. Die bestand aus 294 flachen Holzkästen mit einer Gesamtfläche von 23.807 Quadratfuß (1.900 m²) (Senff jr. 1816). Da die Intensität und die Dauer der Sonneneinstrahlung beschränkt waren, blieb das Ergebnis weit hinter den Erwartungen zurück. Außerdem war das Salz wegen der langen Auskristallisationszeit grobkörnig und musste gebrochen werden. Dabei wurde es unansehnlich und fand nur wenige Käufer.

Auch Fr. v. Hardenberg stand den Experimenten des Bergrates kritisch gegenüber, was in seinen „Bemerkungen“  zu einem Aufsatz Senffs bezüglich des am 20. August 1799 erlassenen Regulativs deutlich zum Ausdruck kam (HKA Bd. 3). Auch im Roman von Penelope Fitzgerald „Die blaue Blume“ wurden die mit v. Hardenberg bestehenden Differenzen bei der Sonnensalzproduktion und Verbesserungsvorschläge bei der Fördertechnik erwähnt. Die Sonnensalzproduktion wurde nach Senffs Ableben 1813 sofort eingestellt. 

 

  1. Apr. Beförderungsantrag Fr. v. Hardenbergs (HKA Bd. 4)

Gerade erst zum Assessor ernannt, bewarb er sich um die Stelle des Amtshauptmannes, die der Geheime Finanzrat v. Witzleben neben seiner Tätigkeit im Salinendirektorat inne hatte, jedoch mittels  „Special Auftrag“ zum Bau der Frankfurt-Leipziger Chaussee abgeordnet worden war. Hardenberg begründete seinen Antrag, dass er das im Bau befindliche „Tractum“ der Frankfurt-Leipziger Chaussee und deren „weitere Fortsetzung“ befördern könne, damit diese „…der Saline Kösen durch Gewinnung einer immer gangbaren  und bequemen Kohlenstraße sehr wichtig werden“ könne. 

 

  1. Apr. Bericht zur Kohleförderung und Feuerung auf den Salinen (HKA Bd. 6)

Friedrich von Hardenberg hatte die in den kursächsischen Ämtern an Saale, Unstrut, Weißer Elster und Pleiße  bekannten und teilweise ausgebeuteten Kohlegruben bereist. Ausführlich schilderte er sein Eindrücke und Beobachtungen beim Abbau und der Kohlenstreicherei sowie der Arbeitsbedingungen der Bergleute und Kohlenarbeiter. Erwähnt wurde, dass die Grube Teudnitz, die Dürrenberg mit Kohle versorgte, dem Bergrat Heun gehörte und die Grube  Neukirchen dem bergrat Senff, der auch an der Kohlengrube von  Knapendorf (bei Merseburg) beteiligt war.

 

  1. Juli Sitzung der Salinendirektorats (Saale-Unstrut-Jahrbuch 9.Jg.).

Anwesend waren von Hardenberg sen. und jun.  sowie die Bergräte Heun und Senff. Im Protokoll hieß es „Da der Müller Friedrich in seiner dem Erbpachtscontract schnurstracks entgegenlaufenden  Weigerung sein Mahlgerinne  bey jetzigen niedrigen Wasserstande zum Behuf  des nöthigen Umtriebs des Kunstgezeuges zum Theil (.) zuzusetzen, trotz aller  Verordnungen des Schulamts Pforta beharrt (.) so soll nun bey  der Wichtigkeit des Gegenstandes sofort Bericht (.) erstattet werden.“ Gerügt wurde das „sonderbare  und verdächtige Benehmen  des Schulamts“ wegen „nicht ertheilter Nachricht“.

Nach Besichtigung des desolaten Wehrdammes durch den Salinendirektor,  den Landbaumeister und dem Rentmeister wurde ein Tausch der Mühlenpacht mit dem Gasthof erörtert, wobei aber die Rechte der Schule als „Dominus directus“ nicht geschmälert werden durften.

Der Bergrat Heun wurde beauftragt, Kostenanschläge für die Umstellung von Stubenöfen auf Erdkohle  von in „herrschaftlichen Häusern wohnenden Personen“ anzufertigen. Dann legte Heun noch den Entwurf einer neuen Düngesalzfabrik vor. Genehmigt wurde die Dacheindeckung mit haltbaren Lehmschindeln, eine Lohnerhöhung der Düngesalzarbeiter vertagt. Zuletzt wurden die Siedemeister und der Salzschreiber zur Einhaltung der vorgegebenen Maße beim Verkauf von Salz an „Ausländer“ ermahnt.

 

  1. Aug. Anordnung zum Anbindeverbot der Flöße (MER C 50 Nbg. A 75)

 

  1. Sep. Bestallung für den neuen Floßschreiber (MER C48Ic, Nr. 1686).

Johann Samuel Junghans, bisher Finanzsekretär beim Floßamt ersetzte den verstorbenen Gnapper. Zu seiner Besoldung wurde angemerkt „Auch ist Junghans in den Genuß der übrigen, zu gedachten Dienst geordneten Emulumente, jedoch in Ansehung des Rechengeldes ohne Gewähr auch wegen der Zählgelder, ebenfalls ohne Gewähr, und also zu versetzen; daß er sich mit dem begnüge, was ihm von denjenigen, welche Hölzer  auf Freipässe abbringen, freiwillig gegeben wird.“ Erwähnt wurde die Erhebung des „Rechengeldes“ (2 Silbergroschen von jedem Floß) die als Tantieme dem Floßschreiber zustand, allerdings ohne Gewähr.

 

  1. Dez. Brand im ersten Siedekot (WER Rep. F 23VIII Nr.12).

Dabei starb der Siedemeister J. G.  Judersleben, der Verfasser der „Locicommunes“  an einer Rauchgasvergiftung. Dass der Brand nicht auf die übrigen Siedehäuser und das untere Gradierwerk übergriff, war dem schnellen Eingreifen von Helfern aus Almrich und  Pforte sowie einer aus Naumburg herbeigerufenen Militäreinheit zu danken. Die Schule stellte die Feuerspritze, da das Salzwerk selbst keine besaß und sich die Helfer bis zu deren Eintreffen mit Eimern behelfen mussten.

Nach der ersten Übersicht zu der sich  v. Hardenberg persönlich vor Ort begeben hatte, betrug der Gesamtschaden rund 2.000 Taler.  2.000 Stück Salz mußten aufgelöst und wieder versotten werden, 10.000 Stück blieben unversehrt, so dass der  planmäßige Salzdebit nicht gefährdet war. Den Bericht unterzeichneten Hardenberg, Friedrich Wilhelm Heun und Erdmann Friedrich Senff. 

Eine vom Kammerkollegium angeordnete Untersuchung durch den Amtmann aus Freyburg kam zu dem Ergebnis, dass das Feuer nicht durch Unachtsamkeit des Siedeknechts Lutter entstanden war.

 

      Dez. Desaster der altenburgischen Privatflöße (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

“Diese Flöße war in neuerer Zeit eine der unglücklichsten und wurde  gar nicht benutzt, denn die Saale war am 13. Dezember, wo sich der Nachtrieb noch in der Gegend von Kahla befand, oberhalb des Kösener Floßrechens seit längerer Zeit täglich mit Eis  belegt, weshalb selbiges  aufgebrochen und das Holz mühsam aus dem Eise  ausgesucht werden mußte; auch waren oberhalb  Kösen bedeutende Eisstücke mit Floßholz vermengt, weshalb der Verzug des Kösener Rechens  wegen der bestehenden großen Gefahr weggenommen werden mußte, und somit das ganze noch auf dem Strom ankommende Holz preisgegeben war. Am 31. Dezember, wo bei anhaltenden Wasser mehrere Floßscheithölzer durch den offenen Rechen in Kösen bereits gegangen  waren, wurde derselbe wieder mit einzelnen Rechenbäumen verzogen, um das Holz womöglich zu sichern, jedoch der Befehl erteilt,  bei eintretender Gefahr für den Rechen, selbige zu zerhauen. Dieser Fall trat zwar nicht ein, allein das ankommende Eis ging mit dem darunter befindlichen vielen Holz unter diesen leichten Verzug weg, und war größtenteils verloren, da auch die Hallischen Rechen geöffnet waren.

 

 

            Lageplan der Scheitholzplätze der „Commun-Flöße“ (Stadtarchiv Naumburg)

Der Floßgegenschreiber Georg Wilhelm Grau hatte die Stapel zwischen der Mühlenwiese und der Krümme sowie entlang der kleinen Saale und am Scheitbach genau vermessen, insgesamt  210.000 Quadrat-Ellen (ca. 67.000 m²). Der Plan selbst zeigt nur das Floßamt am linken Saaleufer und die beiden Häuser am Mühlenweg ( An der Brücke 2). 

 

1801

  1. Jan. Erklärung des Knappschaftsvereins (WER Rep. F 23 VII Nr. 4 Bd.1)

Die Salinenarbeiter und die Mertendorfer Bergleute verpflichteten sich, einen bestimmten Teil ihres Lohnes in die Knappschaftskasse einzuzahlen. Die Salinenverwaltung steuerte einen Betrag in gleicher Höhe bei. Die Kasse verwaltete ein gewählter Vorstand, die Aufsicht oblag dem Direktorat. Die Einlagen konnten bei ausreichenden Sicherheiten gegen Zinsen verliehen werden. Die Zinsen wurden für die Unterstützungen von kranken und invaliden Knappschaftsmitgliedern verwendet.

 

  1. Jan. Abschlußbericht des Salinendirektorats zum Brand (WER Rep. F 23, VIII Nr. 12).

Die Ursache war ein eisernes Rauchrohr, dass die im Trockenraum stehenden Horden entzündet hatte. Der Gesamtschaden betrug 1.981 Taler. Außerdem fielen an Nebenkosten an: 82 Taler für Getränke und Lebensmittel für die Helfer, 13 Taler für den Chirurgen Häßner und eine Belohnung nicht unter 5 Taler für die 10 couragiertesten Helfer, um ihnen die Schäden an ihrer Bekleidung und ihren Schuhen zu ersetzen.

 

  1. Juni Neunzehnter Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten drei in den Jahren 1801, 1803 und 1805 zu haltende Communflößen.

 

  1. Juli Anordnung zur Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

5 Taler Strafe waren fällig, für jedes Floß, dass losgerissen und vor den Rechen getrieben wurde.

 

  1. Aug. Antrag Seidlers auf Verlängerung der Gasthofpacht (WER Rep. A 23 Nr. 11 Bd. 2).

Neben Seidler, der die Prolongation des 1802 auslaufenden Vertrages für weitere 9 Jahre beantragte, bewarb sich auch der Fleischhauer J. C. G. Hilpert um die Pacht, worauf das Finanzkabinett die Stellungnahme der Lokaldirektion anforderte.

 

              Bauantrag von Christian August Therkorn (WER D 34/2/2291).

Dieser hatte vom Chirurgen Fr. W. Heßner einen „Gartenfleck“ erworben und bat beim Schulamt um die Genehmigung hier ein Wohnhaus zu errichten..

 

1802

  1. Jan. Erlass des preußischen Königs an das Schönebecker Salzamt (WER Rep. F 43).

Friedrich Wilhelm befahl den Salinenbeamten, die von Dr. Tolberg bereits erfolgreich erprobte  Pockenimpfung  der Kinder der Salinenarbeiter zu regulieren. Damit wurden auf den  preußischen Salinen erstmals regelmäßige Schutzimpfung durchgeführt. 1808 unter napoleonischer  Administration wurde die „Instruction  für die besonderen Ausschüssen der Kuhpocken-Verbreitung, Canton-Ärzte und Maire des Elb-Departements“ erlassen und damit die Impfpflicht eingeführt und Dr. Tolberg mit der Oberaufsicht betraut.

 

  1. Jan. Bericht der Salinendirektion (WER Rep. A 23 Nr. 11 Bd. 2).

Das Direktorat (v. Hardenberg, Heun und Senff sen. Finanzrat v. Witzleben) gab unter Bezugnahme auf den Antrag Seidlers zur Verlängerung des Pachtvertrages eine umfassendes Gutachten über die derzeitigen Pachtverhältnissen und  den Pachtinteressenten ab.

Bei Abschluß des neuen Vertrages sollte die Interessen der Saline besser gewahrt werden. Der  Vertrag sollte wegen eines möglichen Tauschs mit der Mühle nur noch auf ein Jahr mit einer halbjährigen Kündigungsfrist und ohne Entschädigung abgeschlossen werden. Entfallen sollten die Entschädigungen für das von der Saline für die Sonnensalzfabrikation genutzte Gasthoffeld, für den Wegfall der Hutungrechte auf dem Salinengelände und das Verbot der Pfingstbierbrauerei. Die Pacht sollte dennoch mindestens dem Gebot des Fleischers Hilpert von 610 Talern entsprechen.

Neben Seidler und dem Fleischer Hilpert hatte sich auch der Müller Friedrich beworben. Der bot der Saline seine  Mühle im Tausch gegen den Gasthof an. Damit würden die ständigen Streitigkeiten wegen der Wasserentnahme mit der Saline ein Ende haben. Das Direktorat empfahl, dass der Floßoberaufseher von Burkersroda in dieser Beziehung ein Gutachten erstellen sollte. Bis dahin sollte der bestehende Vertrag mit Seidler noch einmal verlängert werden.

In diesem Zusammenhang teilte das Direktorat mit, dass ein Teil des für die Sonnensalzanlage übernommenen Feldes den Unterbeamten und Salinenarbeitern verpachtet worden war, da „es an diesem Orte gar sehr an Gelegenheiten mangelt, die in Jedes Haushaltung unentbehrlichen Erdbirnen und Gemüße zu bauen“. Die einkommende Pacht sollte der  Gasthofpächter erhalten, dem man recht positiv bei der Führungen  des Gasthofes beurteilte.

Am 22. Februar erging der Befehl des Finanzkollegiums, mit Seidler über einen neuen Vertrag und die vorgeschlagenen Änderungen zu verhandeln.

 

  1. Apr. Regulativ zum Anlegeverbot für die Bauholzflöße (MER C48Ic, Nr. 1686).

Während die Floßbeamten Tostlöwe und Gnappert zahlreiche Ausnahmen erlauben, versuchte der neue Floßschreiber Junghanns das Verbot konsequent  durchzusetzen.

 

  1. Apr. Bericht des Salinendirektorats (WER Rep. A 23 I Nr. 11/2).

Seidler hatte sich bereit erklärt, den Pachtvertrag trotz der für ihn wesentlich ungünstigeren Konditionen anzunehmen, wenn die Saline einige bauliche Verbesserungen veranlassen würde. Das betraf die Erweiterung des Pferdestalles, die alleinige Nutzung des Heubodens über dem „Frönerstall“, die Überdeckung der offenen Fäkaliengerinne im Hof, die Erneuerung des Schweinestalles, der Bau einer Waschküche, die Umstellung der Öfen in der Gast- und Wohnstube  auf „Erd-Kohlen-Befeuerung“, was dem Salinenfiskus 569 Taler kostete. Die Pacht wurde auf 610 Taler festgesetzt, die Pachtzeit wie vorher auf 6 Jahre allerdings mit der Sonderkündigung zum jeweiligen Jahresende. Raufhin erhöhte Hilpert sein Gebot auf 750 Taler, wurde aber vom Direktorat unter Hinweis auf seine Jugend, abgewiesen.  

Am 23. September wurde der  Pachtvertrag mit J. G. Seiler genehmigt.

 

  1. Okt. Stellungnahme der Landesschule zum Eiswehr (WER Pforta II 941).

Die Saline verlangte vom Schulamt die Instandsetzung des Eiswehres. Das lehnte ab, mit dem Verweis auf eine Klausel aus dem Vertrag von 1611, nach dem  das Floßamt das Eiswehr zum Schutz der Stapelplätze  angelegt hatte und demzufolge auch für den Unterhalt zuständig war.

 

  1. Dez. Beschwerde der Gemeinde wegen der Dorfwache (WER D 34 Anh. 1 Nr. 89).

Nachdem auch die Floßboten Joh. Chr. Beyer, Joh. Carl Beyer und Joh. Gottlob Müller von der  Dorfwache befreit waren, verlangte die Gemeinde vom Schulamt, dafür zu sorgen, dass die Witwen der Floßboten, sofern sie im Dorf wohnten, nicht wie die anderen Witwen vom Wachdienst befreit werden, sondern das Wachgeld zu zahlen hätten, da sie aus der Witwen- und Waisenkasse des Floßamtes eine finanzielle Unterstützung erhielten. Die Gemeinde wäre auf das Geld angewiesen, um die Trinkwasserbrunnen zu unterhalten oder Gerätschaften zum Feuerlöschen anzuschaffen. Das Schreiben unterzeichneten 39 Hausbesitzer.

 

1804

  1. Feb. Memorandum des Schulamtes (WER Pforta II Nr. 941).

Wegen der vom Salinendirektorat geforderten Instandsetzung des Wehrdammes, verlangte das Schulamt, dass sich die Saline und das Floßamt als Hauptnutzer an den Kosten beteiligen sollten. Dabei berief man sich auch auf Vereinbarungen die 1741 mit dem Floßmeister Hartig  und dem Salinendirektor Borlach getroffen wurden, die aber in den diversen Archiven  nicht auffindbar waren. 

 

  1. Juni Beschwerde des Gasthofpächters (Lepsius /Heimatbuch 1930).

Dabei ging es um die in der Lengefelder Flur liegende „Feldschänke“. Der aus Kösen stammende Pächter würde Flößer und Holzhändler zum Nachteil des Gasthofs bewirten. Die Beschwerde wurde abgewiesen, denn Lengefeld gehörte zum Rittergut Kreipitzsch, unterlag  damit nicht den Gerichten des  Schulamtes bzw. dem Geltungsbereich des Verbietungsrechts für den Salinengasthof. Die „Feldschänke“ die „Katze“ gab es demzufolge bereits um 1800.              

 

  1. Juli Tagebuch des Leipziger Studenten H. Reinhardt (KAZ 1941).

Demnach produzierte die Saline jährlich 4.000 Zentner Sonnensalz und 40.000 Stück Pfannensalz (das Stück zu 128 Pfund, d.s. 51.200 Zentner), am Wehrdamm wurden 300 Lachse gefangen.

 

             Vergleich über das Eigentum an der Burg Saaleck (Stein-Saaleck).

1801 hatte die Enkelin des Rittergutsbesitzers von Kreipitzsch den Freiherrn von Feilitzsch geheiratet und als Mitgift das Stendorfer Gut eingebracht. In der Folge überließen die Saalecker den von Feilitzschs den unwirtlichen Burgberg zur Beweidung und erhielten dafür jährlich eine „Tonne“ Bier.

 

             Bau der Chaussee von Kösen nach Pforte (Lepsius, Ortskunde 1826).

Chausseemäßiger Ausbau bedeutete eine befestigte Fahrbahn bestimmter Breite, die ein reibungsloses  Aneinandervorbeifahren ermöglichte, die Anlage auf Dämmen, soweit es im Überschwemmungsbereichen erforderlich war, die Anlage von Straßengräben, die Einhaltung bestimmter Steigungsverhältnisse durch Bergeinschnitte und die Überbrückung aller Gerinne  sowie die Bepflanzung mit schattenspendenden Bäumen. Zur Refinanzierung wurde von den  Benutzern eine Gebühr erhoben. Die Einnahmestelle konnte gegen Hinterlegung von Sicherheiten gepachtet werden. Die „Chausseegeld-Einnahme“ pachtete der Besitzer der ehemaligen Floßschreiberei, Döring (Naumburger Straße 1).

 

  1. Dez. Memorial des Freiherrn v. Beust (Mager).

Der 1. Direktor H. U. E. v. Hardenberg und sein „Adjuncto“ der Geheime Finanzrat G. H. v. Witzleben wohnten in Weißenfels, der Bergrat Heun der „Condirector“ in Teudnitz und Bergrat Senff sen.  in Dürrenberg. 

 

1805    

               „Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatskalender (MÜN digit).

Neben dem Direktorat der AKD Salinen mit H. U. E. v. Hardenberg, Geh. Finanzrat G. H. v. Witzleben (Adjunctus), Bergrat Fr. W. Heun (Con-Director), Bergrat E. Fr. Senff sen. (Salineninspector), und Chr. H. Schweingel (Copist) gehörten Carl Heinrich Weickert (Salz-Niederlagenverwalter), Chr. Fr. Gab. Seffner (Controlleur), Chr. S. Wahl (Salzschreiber) zu den Lokalbeamten. Die Stelle des Conducteurs war immer noch nicht besetzt.

Oberaufseher der Saaleflöße war Adolph Samson v. Burkersroda,  J. A. Puttrich (Floßmeister), J. S. Junghannß (Floßschreiber und Floßzolleinnehmer) und G. H. Burschel (Floßschreiber).

 

  1. Mär. Bericht des Floßmeisters J. A. Puttrich. (WER Pforta II 1251).

Anfang des Monats hatten sich bei Hochwasser mehrere Bauholzflöße an der Brücke festgekeilt und die Durchfahrt versperrt. Notgedrungen mussten die nachfolgenden Flöße  oberhalb des Wehres  festmachen, obwohl dies streng untersagt war. Trotz aller Bemühungen gelang es nicht, die Durchfahrt rechtzeitig vor dem Eintreffen der Scheitholzflöße freizubekommen. In der Nacht vom 9. März wurde der Rechen geschlossen und über 200 Flöße  blieben oberhalb des Rechens liegen.

 

  1. Apr. Beschreibung der Kösener Saline (Geh. St.-A. Preuß. Kulturbesitz, MER, Rep. 121).

Die Bergbeamten Senff sen. und Fabian bereisten zwischen dem 6. April und dem 28. Juni die Salinen Staßfurt, Halle, Dürrenberg, Kösen, Artern Frankenhausen und Wilhelmsglücksbrunn.  Ihren Bericht zufolge gehörten zu hiesigen Werk zwei (betriebene) Gradierwerke, zwei Radkünste, zwei Solschächte, einen Wildwasserschacht, diverse Feldgestänge, eine Anlage zur  Sonnensalzproduktion, ein Siedesolereservoir, drei Siedehäuser, eine Pfannenschmiede, mehrere Salz- und Kohleschuppen, Ascheplätze und eine Kohlenstreicherei.

Das untere Wasserad hatte einen Durchmesser von 27 Fuß,  die Schaufelbreite betrug 18 Zoll. Die Krummzapfen ermöglichten einen Hub von 3 Fuß und 4 Zoll. Die Umdrehungszahl lag bei 6/min, bei hohem Wasser bei 8 bis 9 Umdrehungen. Das obere Rad war gleichgroß, hatte aber gekröpfte Schaufeln und ein schmaleres Gerinne und war auch bei Niedrigwasser noch betriebsfähig. Im unteren Schacht gab es 23 Pumpensätze mit einer Förderhöhe von  644 Fuß,  im oberen Schacht 24 Sätze mit  672 Fuß.

Das obere Gradierwerk bestand aus  64 Bund, war 960 Fuß lang,  29 Fuß hoch und war als 1. Fall eingerichtet. Das untere Gradierwerk mit drei Fällen war 1.315 Fuß lang und 28 Fuß hoch. Das Reservoir 31 Fuß breit, 345 Fuß lang, 12 Fuß tief  und fasste 97.408 Kubikfuß.

In den drei Siedehäusern standen 9 große Pfannen, 19 Fuß lang, 14 Fuß breit und 15 Zoll tief, dazu 4 Beipfannen. Die Siedeprozeß bei gewöhnlichen Salzgehalt der gradierten Sole dauerte 21 Stunden (9 Stunden Stören, 12 Stunden Soggen) wobei man 20 Stück weißes Salz a 128 Pfund und einen Teil gelbes Salz aus den Beipfannen erhielt. Für einen Siedevorgang verbrauchte man früher 2 Klafter Holz a 92 Kubikfuß, was aber durch Formkohlen ersetzt wurde.

Im Jahr 1803 wurden 36.770 Stück weißes Salz a 128 Pfund und 1.045 Stück gelbes Salz a 150 Pfund gesotten. Dazu wurden 4.000.000 Formkohlen und 680 Klafter Anzündholz verbrannt. Das jährliche Fabrikationssoll,  das dem tatsächlichen Verkauf entsprach, lag bei 43.000 Stück oder 1.677 Berliner Lasten.

Kritisch wurde die Senffsche Sonnensalzproduktion erwähnt. Man sparte zwar Brennmaterial doch dagegen standen die hohen Kosten bei der Herstellung und Betreuung sowie der schleppende Absatz des Sonnensalzes.

Zum Stammpersonal gehörten 1 Kunstmeister, 4 Kunstwärter, 1 Gradiermeister und 5 Gradierer, 3 Siedemeister und 18 Sieder. Ihre Entlohnung erfolgte nach Leistung auf der Basis der gesottenen Stück Salz. Ein kleiner Zuverdienst erschloss sich den Arbeitern durch die Herstellung der Weidenkörbe für die Salztrocknung, die aber mit der Einführung der wesentlich effektiveren Hordentrocknung  nicht mehr benötigt wurden.

 

  1. Juni 50 Jahre Sulzaer Saline im Besitz der Familie von Beust (Eisenach)

Im Vorjahr wurde eine Bohrung niedergebracht zbd eine 10%ige Sole erschlossen.

 

  1. Juni Beschwerde der „Flößer Compagnie“ (WER II 1251).

Den oberhalb des Wehrdammes liegengebliebenen Flößern hatte der Steuereinnehmer eine Konventionalstrafe von 1000 Talern auferlegt und die Weiterfahrt erst bei Bezahlung gestattet. Dagegen protestierte die Compagnie der Flößer und Holzhändler weil es nicht ihr Verschulden war. Sie wären rechtzeitig eingetroffen, hätten aber wegen der versperrten Passage nicht weitergekonnt. Floßmeister Puttrich bestätigte, dass wegen der versperrten Passage und der Kürze der Zeit, eine ordnungsgemäße Verzollung der Flöße nicht möglich war, und diese notgedrungen oberhalb des Wehrdammes liegen blieben.

 

  1. Juni Bericht des Schulverwalters (WER Rep. D Pforta II 2521).

Weil die Fuhrwerke der Landesschule auch das Chausseegeld zahlen sollten, beschwerten sich die Schulbeamten beim Landsteuereinnehmer und verlanmgte die Befreiung nicht nur für die eigenen Wirtschaftsfuhren sondern auch für die privaten Transporte ihrer Beamten,  Diener und Fröner. Zur Begründung wurde auf die althergebrachte und verbriefte Immunität gegen Steuern, Geleiten, Akzisen und anderen Abgaben innerhalb des Wirtschaftsbereiches der Schule verwiesen. Der Beschwerde wurde dem Kammerkollegium übergeben, dass am 24. August entschied, dass das Chausseegeld nicht zu den Stiftungsrechten gehörte. Diese bezogen sich nur auf die bei der Gründung der Schule erhobenen Steuern und Abgaben und nicht auf später hinzu gekommene. Jeder habe diese Abgabe zu leisten, der die Chaussee benutzt, unabhängig davon, wo er sie betritt oder verlässt.

 

  1. Nov. Geburt von Heinrich Seffner (Lebensskizzen).

Er war der Sohn des Salzschreibers Christoph Friedrich Gabriel Seffner (1732-1807) und dessen zweiter Ehefrau Johanna Christine, Tochter des Kunstwärters J. G. Thieme. Nach dem Besuch der Landesschule Pforta bewarb er sich als Salineneleve, studierte dann aber nach der Ableistung des Militärdienstes Rechtswissenschaften an der Universität Halle, wurde am Oberlandesgericht Naumburg aufgenommen und später zum Bürgermeister von Merseburg ernannt. Bei seiner Pensionierung 1875 wurde er dort Ehrenbürger und veröffentlichte 1882  seine „Lebensskizzen“ wo er seine Kindheit und Jugend in Kösen schildert.

 

1806

  1. Feb. Bericht der Schulverwaltung (WER Rep. D 34 Anh. 2 Nr. 1248).

Das neu eingeführte „Handwerker- und Hausgenossengeld“ mußten nun auch die Unterbeamten und die Arbeiter der Saline und des Floßamtes zahlen. Die protestieren und das Schulamt sollte ein Gutachten erstellen.

 

  1. Mai Gerichtsverhandlung zum Strafgeld der Holzhändler (WER Rep. D Pforta II 1251).

Im Streit um die Geldstrafe wegen des Anlegens der Flöße oberhalb des Wehrdammes, verlangte nun auch der Kreipitzscher Gerichtsherr Carl Peter Lepsius eine Entschädigung, da das Ufer zu Kreipitzsch gehörte.

 

  1. Mai Regulierung des Chausseegeld (WER Rep. D Pforta II, 2521).

Das Geheime Finanzkollegium bewilligte dem Schulamt die Zahlung eines pauschalen Chausseegeldes von 25 Talern jährlich, womit alle  nachweislich der Versorgung der Schule bzw. für die Ausübung der Amtsgeschäfte erforderlichen Fuhren abgegolten waren.

 

  1. Juni Erklärung der Holzhändler und Flößer (WER Rep. D Pforta II, Nr. 1251).

14 Holzhändler der Compagnie versuchten unter Berufung auf alte Rechte und mit vereidigten  Zeugen die ihnen auferlegte Konventionalstrafe aus dem Vorjahr abzuwenden. Sie verwiesen auf die Überschneidung der Langholz- und Brennholzflöße und drohten erneut, den Holzmarkt zukünftig in Camburg abzuhalten. Das würde dem kursächsischen Fiskus erhebliche Einbußen bescheren, da der Floßzoll höher war als die Land-Akzise, die bei der Einfuhr auf dem Landweg erhoben wurde. Außerdem würde der Bevölkerung eine wichtige Nahrungsquelle entzogen und letztlich des Bauholz wegen des aufwändigen Landtransports teurer werden.  

 

  1. Okt. Vorabend der Schacht bei Auerstädt.

Die Franzosen folgten nachdem sie Saalfeld genommen hatten, den sich zurückziehenden Preußen und deren sächsischen Verbündeten saaleabwärts. Das Gros der französischen Armee ging bei Jena auf den westlich der Saale gelegenen Höhen über Vierzehnheiligen und Dornburg in Richtung Auerstädt vor. Der andere Teil unter Davout verblieb auf dem Ostufer zog von Jena über die Höhen nach Naumburg und biwakierte in der Saaleaue bei Pforte völlig unbemerkt von den auf der Kösener Höhe zwischen Hassenhausen und Eckartsberga stehenden preußischen  Truppen.

 

  1. Okt. Doppelschlacht von Jena und Auerstedt (Allg. Gesch.).

Während die Franzosen bei Jena-Vierzehnheiligen das preußisch-sächsische Armeecorps unter dem Fürsten von Hohenlohe entscheidend schlug, stand die preußische Hauptarmee unter dem Herzog von Braunschweig in Erwartung des Feindes zwischen Hassenhausen und Gernstedt.  Inzwischen überschritt das Korps Davout die Brücke, marschierte auf den Kösener Berg und stand überraschend im Rücken der Hauptarmee. Obwohl zahlenmäßig unterlegen, gelang es, die überrumpelten Preußen zu schlagen. Der Herzog von Braunschweig wurde schwer verwundet und erlag später seinen Verletzungen. Das nun führerlose Heer flüchtete.

Kursachsen, die sächsischen Herzogtümer und die thüringischen Grafschaften traten dem  Rheinbund bei. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war am Ende, nachdem Kaiser Franz II. im August die Reichsinsignien niederlegte. Kursachsen wurde zum Königreich erhoben.

Neben den Truppen mussten vor allem die zahlreichen Verwundeten versorgt werden was mit Einquartierungen (allein in der Mühle lagen 500 Franzosen), Requirierung und Plünderung verbunden war und zu erheblichen Schäden im Amtsbezirk führte.

Nach der Schlacht übernachteten die Generäle Davout und Augereau in Pforte. Letzterer nahm beim Rentmeister Herbst das Frühstück ein und  stellte eine Sicherheitswache für die Schule.

 

  1. Okt. Bitte der Einwohnerschaft (Haubold, Heimatbuch 1930).

Im Namen der Einwohner baten der Gastwirt Seidler und der Bäcker Hämmerling den französischen Stadtkommandanten in Naumburg wegen der zahlreichen Marodeure und Plünderer um militärischen Schutz.

 

  1. Nov. Bilanz der Schäden der Landesschule (Haubold Heimatbuch 1930).

Die Kosten der Einquartierung und der Verpflegung beliefen sich auf über 25.000 Taler,  Zug- und Zuchtvieh und Getreide waren requiriert. Erhebliche Schäden zeigten auch der Pachtschäfer und der Pachtmüller an, die zeitweilig bis zu 500 Franzosen einquartieren mussten. Allerdings erhielten die Betroffenen auf Nachweis einen finanziellen Ausgleich aus der Staatskasse.

 

               Klage des Floßamtes gegen den Ortsrichter Hilpert (WER D 34/1/160).

Hilpert hatte wie auch bei den übrigen Hauswirten die Einquartierung im Amtsgebäude angeordnet. Weil hier der Floßmeister seine Wohnung hatte und sein privates Eigentum betroffen war, klagte dieser  auf Schadenersatz.

 

1807 

  1. Jan. Zwanzigster Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber vereinbarten 3 in den Jahren 1807, 1809 und 1811 zu haltende Commun-Flößen.

 

              „Königl.-Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (MÜN digit)

Zum Direktorat der AKD Salinen gehörte nunmehr der Kammerherr Friedrich Karl Leopold  Freiherr v. Beust,   als „Acceß“. Zur Lokaldirektion gehörten Fr. L. Fladner (Salz-Niederlagenverwalter), Chr. Fr. Gab. Seffner (Controlleur), E. Fr. Senff jun. (Factor), J. Chr. H. Oesterreich (Conducteur gleichzeitig auch in Artern) und der Salzschreiber und Controlleur Chr. S. Wahl. Zu den Floßbeamten  gehörte  J. Chr. Gotth. Hübsch als Floß-Strafbefehlshaber. 

 

      Okt. Beschreibung der Kösener Saline (Salinenpraktikant Knorr priv.)

Demnach produzierte die Saline jährlich 42.000 Dresdener Scheffel  zu 120 Pfund (50.400 Zentner), sowie 1500 Scheffel gelbes, 5000 Scheffel Dünge- und 400 Zentner Glaubersalz. Der alte Schacht brachte 7.000 und den neue 16.000 Kubikzoll Sole  pro Minute  (134 m³ und 306 m³ pro Tag. Die Temperatur betrug  14° Reaumur. Um eine 22 %ige Siedesole zu erreichen wurde die 5 %ige Schachtsole beim 1. Fall auf 8 % beim 2. Fall auf 12 % und beim 3. Fall auf 17% gradiert. Die Gradierung besorgten  2 Meister und 5 Gradierwärter. Damit betreute jeder  Wärter  128 m Gradierwand.

Der Siedeprozeß begann mit einem dreistündigen Anwallen, 6 Stunden dauerte das Stören und 15 Stunden  das Soggen, das ganze Werk 24 Stunden wobei 25 Stück Salz zu 175 Pfund ausgewirkt werden mußten. Das nasse Salz blieb 36  Stunden auf dem Verdeck über den Pfannen und kam dann auf die Horden. Verkaufsfähiges Salz war feinkörnig und bildete einen Block.

Als Brennmaterial kam vorzugsweise Braunkohle zum Einsatz. Das war etwas teurer als Holz, doch es waren  „staatsforstwirtschaftliche Gründe“ die den bisherigen Raubbau Einhalt geboten. Pro Jahr wurden 4 Mio. Stück Formkohlen  und 100 Klafter Holz gebraucht.

Das Glaubersalz wurde im Winter hergestellt. Dazu wurde der im Laufe des Jahres anfallende Pfannenstein, der zu gleichen Teilen aus Kochsalz und Gips bestand, in speziellen Holzkästen dem Frost ausgesetzt. Dabei kam es wegen der durch Kälte ausgelöste „Affinität“  der Schwefelsäure (H2SO4) und des Gipses (CaSO4) zum Natrium des Kochsalzes (NaCl) zur Umwandlung in kohlensaures Natron (Glaubersalz NaSO4) und salzsaure Kalkerde. Die Herstellung eines Zentners  Glaubersalz kostete 1 Taler, verkauft wurde es für 4 Taler. Dagegen rentierte sich die Magnesiaherstellung nicht.    

 

  1. Okt. Gutachten des Salinenbaumeisters G. Fr. Brendel (WER, Rep. F4, XIII Nr. 1).

Im Auftrag des Finanzrates v. Witzleben untersuchte Brendel den wirtschaftlichen Effekt beim Austausch der zehnzölligen Pumpen (26 cm)  gegen vierzehnzöllige (36 cm) im oberen  Schacht. Des Weiteren nahm er Stellung zu dem in Vorschlag gebrachten Bau eines neuen und höheren Schachtgebäudes am oberen Solschacht. Dabei lehnte er den Vorschlag Hardenbergs ab, das neue Gebäude um das Bestehende herum zu errichten. 

 

  1. Dez. Erbvergleich der Seidlerschen Erben (WER Rep. A 23 I, Nr. 11/3).

Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes durfte seine Witwe den Gasthof bis zum Ende der  derzeitigen Zeitpacht weiterführen. Die beim Salzwerk hinterlegte Kaution von 500 Talern wurde vom Freyburger Amtmann auf sie überschrieben und ihre noch unmündigen Kinder aus dem übrigen Nachlass bedacht.

 

              Verwendung glühender Asche zum Verdampfen der Sole (Lepsius, Ortskunde 1826).

Unter Johann Andreas Bischof (1764-1832), dem späteren Direktor die Dürrenberger Saline (ab 1816) und Verfasser der Borlachbiografie, erprobte man diese Technologie, um den Restheizwert der glühenden Kohlenasche zu nutzen. Durch das allmähliche Abdampfen entstand  ein grobkörniges Kochsalz. Jährlich konnten auf diese Weise 92 Lasten (5,5 t)  hergestellt werden. Die Ersparnis betrug 220 Klafter Holz bzw. die äquivalente Menge an Formkohle.

 

               Hämmerling beantragt die Konzession zum Branntweinbrennen (WER D 34/1/821)

Der erste Versuch, das Monopol des Gasthofes  zu brechen, wurde vom Schulamt abgelehnt.  

 

1808

             „Königlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender“ (MÜN digit).

Zur Lokaldirektion der Kösener Saline gehörten Fr. O. Ullrich (Salzniederlagenverwalter), Chr. Fr. Ockhardt (Controlleur), J. Chr. H. Oesterreich (Conducteur), und J. H. Chr. Köllner (Salzschreiber).

Die Oberaufsicht über die Saalen-Flöße hatte nach wie vor der Amthauptmann Adolph  Samson von Burkersroda, zum Floßamt gehörten  Johann Samuel Junghans, Puttrich und Burschel. 

 

  1. Feb. Befehl zur Neuverpachtung des Gasthofes (WER Rep. A 23I Nr. 11/3).

Inzwischen hatte Seidlers Witwe Charlotte Henriette Justine den aus Freyburg stammenden Johann Samuel Weber geheiratet. Beide beantragten nun die gemeinsame Pacht, ab Johannis. Mit deren ausdrücklicher Befürwortung des Salinendirektorats wurde der Antrag nach Dresden geschickt und von  König Friedrich August genehmigt.

 

  1. Mär. Reskript zu den Wasserrechten am Wehrdamm (Wehrrezess).

Der Baumeister Brendel und  der Roßlebener Müller J. Fr. C. Schirlitz, die als Gutachter hinzu gezogen wurden, inspizierten am 01. Juli die Örtlichkeiten und konferierten mit dem Mühlenpächter, der Salinenverwaltung und den Floßbeamten.

 

  1. Mai Pachtvertrag über den Salinengasthof (WER Rep A 23I,Nr.11 Bd.3).

Das Ehepaar Weber trat zu gleichen Teilen in den Vertrag mit der Saline ein. Die Jahrespacht blieb unverändert bei 610 Taler. Die Wohnung des Brauers, die Schmiede, das Gelände der Sonnensalzfabrik gehörten nicht mehr zur Pacht, ebenso die Hutungsrechte im Salinengelände. Weitere 40 Taler bezahlten die Pächter für das Ausspannverbot für den Gasthof in Hassenhausen. Vertragsbestandteil blieb das „jus prohibendi“ für Alt- und Neu- Kösen samt der Schäferei, der Mühle, der Vorwerke Fränkenau und Kukulau, wobei den Pächtern der Saal- und der Fischhäuser während der Holzmessen den Ausschank und das Gästesetzen gestattet blieb, während die Vergabe von Afterschankpachten untersagt wurde. Der Prozeß gegen den Almricher Gastwirt den Seidler noch angestrengt hatte, wurde niedergeschlagen, Almrich blieb vom Verbietungsrecht ausgenommen. Beibehalten wurde die Klausel, dass eine  vorzeitige Beendigung der Pacht beim Tausch mit der Mühle möglich sei. Außerdem sollte der Pächter den Transport der verbrauchten Bedornung von den Gradierhäusern in die Düngesalzfabrik mit seinen Gespannen gegen Bezahlung übernehmen. Dazu kam die Kohlenanfuhr von Mertendorf, wofür der Pächter zwei Pferde zu stellen hatte. Die Abfuhr des Salinenabfalls dagegen wurde nicht abgegolten. Den Vertrag unterzeichneten H. U. E. v. Hardenberg, G.  H. v. Witzleben, Fr. W. Heun und der Freyburger Amtmann  C. W. Slevogt. Am 26. Dezember wurde der Vertrag vom Kammerkollegium genehmigt.

 

  1. Mai Christian Gottlob Roßner übernimmt die Mühle (Roßner 1932).

Mit Zustimmung des Schulamtes übertrug die Witwe  Johann Gottlieb Roßners die Mühle ihrem Sohn. Die Erbpacht betrug 450 Taler jährlich, dazu kamen zwei Tonnen Öl und acht Schock Ölkuchen. Außerdem blieb die Verpflichtung, bei geringem Wasserstand der kleinen Saale das von der Schule benötigte Getreide umsonst zu mahlen und 8 Taler zur Unterhaltung des Wehres an die Schule zu zahlen.

 

  1. Juni Amtliche Verfügung zur Afterschankpacht (WER, Rep.A 23I, Nr.1 Bd.1).

Das Schulamt teilte den Dorfbäckern Samuel Hämmerling und  Christian Friedrich  Seyfarth mit, dass bei der Neuverpachtung des Gasthofes ab Johannis das  Afterschankrecht untersagt wird. Bei  Nichtbefolgung wurde ihnen ein Strafgeld von 20 Talern angedroht.

 

       Juni Hochwasser (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Bei dem Ende Juni einsetzenden Hochwassers „was seit Menschengedenken zur Sommerzeit eine ähnliche Höhe nicht erreicht hatte“, gingen erhebliche Mengen Scheitholz durch den  Unterneusulzaer Rechen über die großheringische Amtswiese fort. Ein Teil konnte am Kösener Rechen aufgehalten werden, insgesamt 39.340 Klafter.

 

  1. Juli Kostenumlage für die Entschlammung der kleinen Saale (MER C48IIIb, Nr. 5523).

Die Landesschule verlangte von der Saline 2/5, von den Müllern in Pforte und Altenburg sowie der Flöße je 1/5 der Kosten für die Beräumung vom Einfall der kleinen Saale bis zum Scheitbach. Erst ein Jahr später wurde von höchster Stelle entschieden, dass der Anteil der Flöße auf die drei Teilhaber der „Commun“-Flöße umgelegt wird, was auch 1815 und 1820 so gehandhabt wurde.

 

  1. Dez. Anweisung an den Amtmann Gutbier (WER Rep A 23I,Nr.11 Bd.3).

Die vom Verbot der Afterschankpacht Betroffenen und das Pächterehepaar hatten sich  beim Kammerkollegium beschwert. Daraufhin erhielt Gutbier den befehl, die Beschwerden nicht nur abzuweisen, sondern auf das „Gästesetzen“ zu erweitern. Dem Bäcker Seyfart wurde jedoch die Abgabe von Selbstgebrannten und eigenen  Wein gestattet.

 

             Abschluss der Entdachung der Gradierhäuser ( Senff jr. 1816).

Nur der letzte  Fall, der Gutfall am unteren Gradierhaus behielt die Dachkonstruktion.

 

1809

              „Königl. Sächsischer Hof und Staatskalender“ (MÜN digit).

Beim Salinendirektorat und dem Floßamt gab es keine personellen Veränderungen. Zur Lokaldirektion der Saline gehörten G. E. Eschke (Salz-Niederlagenverwalter) E. Fr. Senff sen. (Factor) Karl Anton Henschel (Conducteur) und Chr. C. Herich (Eleve).

 

     Jan.   Eisgang zerstört das Rechenbauwerk (MER C48 III)

Von einer Reparatur  wurde zunächst Abstand genommen. Darüber sollte erst beim Abschluß eines neuen Commun-Floßvertrages verhandelt werden. Bei den nächsten Communflößen sollten die Scheite am Rechen in Unterneusulza aufgehalten und dann nach und nach abgeflößt werden. Die noch vorhandenen Teile reichten aus, kleiner Mengen aufzuhalten. War die für den Bedarf vor Ort vorgesehene Menge auf Stapel gesetzt, abgenommen und quittiert, wurde alles übrige  durchgelassen

 

  1. Feb. Gemeindeversammlung zur Erhebung der Fleischsteuer (St.-A. Nr.171).

Der neue Pächter des Salinengasthofes hatte sich trotz Aufforderung des „Salzwerksrichters“ Törpsch das im Gasthof geschlachtete und gekauften Fleisch nicht ordnungsgemäß angemeldet. Man bot Weber an, eine Pauschale von  40 Talern und wenn er das nicht akzeptierte, von jedem Pfund gekauften oder selbst geschlachteten Fleisch 2 Pfennige zu zahlen. Dazu sollte er sein Schlachtvieh, auch das gekaufte beim Einnehmer wiegen und versteuern lassen und möglichst sein Fleisch von der Kösener Fleischbank beziehen, wobei sich der Fleischhauer Hilpert verpflichtete, den Gastwirt nicht zu übervorteilen. Den Beschluß unterschrieben 16 Mitglieder des Gemeinderates, darunter der Ortsrichter Seeboth, der Wundarzt Heßner und Christian August Therkorn.

 

              Erweiterung des oberen Gradierwerkes (Mager, Aufsätze).

Nach vielen Versuchen und langjährigen Messungen stand nun das optimale Flächenverhältnis der einzelnen Repetierfälle zur geförderten Tagesmenge fest. Dies ergab  für den ersten Fall 45%, den 2. Fall 26%, für den 3. Fall 17% und für den 4. Fall 10% der vorhandenen Gradierfläche. Um dieses Verhältnis zu gewährleisten, musste die Fläche für den ersten Fall vergrößert werden. Technologisch machbar und betriebswirtschaftlich sinnvoll war die Verlängerung des oberen Gradierwerkes um 10 Bund. Der auf dem unteren Gradierhaus eingerichtete 1. Fall, über den ab und zu noch die Sole des unteren Schacht geleitet wurde, entfiel, die Gradierfläche und die Umlaufpumpen wurden für die übrigen drei Fälle neu eingerichtet. Vom oberen Gradierhaus kam die Sole nach dem ersten Fall über zwei Röhrenleitungen zum unteren Gradierhaus, wo sie infolge des Höhendruckes bis zum Oberdeck aufstieg, die weiteren drei Fälle durchlief, bis sie entweder in das  Siedesolereservoir oder gleich in die Pfannen kam.

Die Erweiterung des Nordflügels des oberen Gradierwerkes leitete Karl Anton Henschel (1780-1861), derzeitiger „Conducteur“ der Saline. Er wählte eine verbessertes Rahmenkonstruktion, den „Sägebock“, um die Standsicherheit auf dem fallenden Gelände zu sichern. Henschel der sich später als Maschinen- und Lokomotivenkonstrukteur einen Namen machte, errichtete um 1815 auf der Saline  in Sooden-Allendorf  eine ähnliche Konstruktion. 

 

1810       

  1. Mai Bericht der Schulverwaltung zur Kopfsteuer (WER Rep. D Pforta II 1248).

Erst vier Jahre nach dem Protest gegen die Kopfpauschale hatte das Schulamt festgestellt, dass die Salinenarbeiter, die seit 1709 den Bergleuten zugerechnet wurden, aber auch die Flößer von derartigen Steuern befreit seien.

 

  1. Juni Urteilsspruch des Leipziger Schöffengerichtes (WER Rep.A23I,Nr.1, Bd.1).

Trotz des Verbots hatten Hämmerling und Seyfarth den Ausschank und das Gästesetzen weiter betrieben, was ihnen ein Strafgeld einbrachte. Dagegen klagten beide vor dem  Leipziger Landgericht. Doch die Klage wurde abgewiesen und mußten 20 Taler Strafe sowie die  Verfahrenskosten zahlen. Zwei weiteren Einwohnern, G. Kleinschmidt und G. Hädicke, wurde der Ausschank bei Androhung eines Strafgeldes untersagt.

 

  1. Aug. Verfügung zur Kopfsteuer (WER Rep D Pforta II 1248).

Die Befreiung der Beschäftigten des Salzwerkes und des Floßamtes einschl. der Beamten wurde von Finanzkolleg bestätigt. Steuerpflichtig seien dagegen deren  Witwen, Ehefrauen und Kinder, soweit sie wirtschaftlich selbständig waren und nicht in einem der Staatsbetriebe beschäftigt wurden.

 

  1. Nov. Verhandlungen zu den Wehrrechten (Wehrrezess).

Auf der Grundlage des Gutachtens und des Mühlenpachtvertrages führte der Kreisamtmann Coelestin August Just aus Tennstedt, ein enger Freund und Biograf des verstorbenen Novalis,  die ersten Verhandlungen vor Ort. Mühlenbesitzer Roßner war bereit, einer Schließung des Freigerinnes der Lattenfischerei zuzustimmen, wenn die Kosten  von der Saline übernommen und er für den Ertragsausfall   eine Entschädigung erhalten würde. 

 

  1. Dez. Ein Hochwasser zerstört den Rechen gänzlich (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

„Weil die altenburgische Privatflöße erst im Dezember begonnen hatte, lagen erhebliche Mengen Holz vor dem desolaten Rechen, der nun dem Druck nicht mehr standhielt. Dabei wurde eine bedeutende Quantität  Floßholz, nach der  Angabe  des diesseitigen Floßbeamten von wenigstens 15.000 Klft.  mit dem Rechen fortgenommen.

Während der Commun-Contractzeit wurde der Kösener Commun-Saalen-Floßrechen - deshalb so genannt, weil jeder Floßteilhaber die Baukosten zu gleichen Teilen trug - schadhaft und durch die im Winter 1808/1809 stattgefundenen Eisgänge annoch beschädigt. Nach mehreren technischen Besichtigungen wurde für ratsam  erachtet, den ganzen Floßrechen neu zu bauen und der Anschlag deshalb gefertigt, nach welchen die Kosten eines Neubaus 14.432 Gulden 17 Groschen betragen sollten, und endlich der vorhandene Kösener Rechen abgetragen, ob es gleich besser  gewesen sein  würde, denselben so lange als nur irgend möglich war, beizubehalten, da auch noch immer die wegen der Aufhaltung der Floßscheite in Ermangelung eines Rechens gefertigeten Zwingen, die viele 100 Gulden kosteten und bei ihrer Konstruktion gar keinen Halt gewährten, so wie den Zweck, weshalb sie gebaut wurden, einen festen Anhaltpunkt zu gewähren, ganz verfehlten.“Bericht des Oberfloßkommissars von Zedtwitz

 

               Fertigstellung der Chaussee bis Altenburg-Almrich.

Damit stand dem überregionalen Verkehr zwischen Eckartsberga und Naumburg ein gut ausgebauter Fahrweg zur Verfügung, der die auf der Höhe entlangführende Via regia nun endgültig erübrigte.  In Folge der Einführung des Chausseegeldes wurde den Amtsdörfern die Brückenfron erlassen, zu der sie seit den Zeiten des Klosters verpflichtet waren.

 

            Verabschiedung des Kinderlehrers Hesse (Hinsche 1930)

Sein Nachfolger war dann Amt 24 Jahre im Amt.

 

             Gerichtssachen und Verfahren (WER D 34).

Johann Karl Gottlob Hilpert verklagte Wilhelmina Levin wegen aufgekündigten Kapitals.

 

1811       

              „Königlich Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (HStA.MÜN digit).

Zum Salinendirektorat gehörten neben v. Hardenberg. v. Witzleben und Senff sen. der Kammerherr und Oberhofgerichtsrat Fr.  A. K. Freiherr v. Beust auf Zöpen.

Salz-Niederlagsverwalter  zu Kösen war Gottfried Ehrengott Eschke, Erdmann Friedrich Senff jun. Salinen-Factor. Für den pensionierten Salzschreiber Wahl war H. E. W. Mayer gekommen. Zu den Unterbeamten gehörten 2 Gradiermeister, 1 Kunstmeister, 1 Kunstwärter und 2 Siedemeister.

Erstmals wurde Ludwig Maximilian von Zedtwitz als Kgl. Sächs. Floß-, Zoll und Landaccise-Einnehmer aufgeführt, daneben Christian Gottlob Schmeißer (herzogl. Floßgegenschreiber), Floßmeister Puttrich und Floßschreiber Burschel.

 

              Friedrich Christian Gottlob Seeboth wird Ortsrichter (Röblitz, Heimatbuch 1930).

 

  1. Mär. Erklärung des Schulamtes zur Reparatur des Wehrdammes (WER Pforta II 941).

Wie bereits 1763 und 1780 hatte die Saline erneut das Schulamt aufgefordert, die Reparatur auszuführen. Daraufhin wurden beim Finanzkollegium Mittel beantragt, da wegen der Kosten für die Beseitigung der Kriegsschäden im Amtsbereich die Schulkasse leer war und das kgl. Oberforstamt angewiesen, die zur Reparatur des Wehrdammes benötigten Hölzer aus den Freyburger Amtswäldern bereitzustellen.

Gleichzeitig kam es zu einer Neuregelung der Unterhaltungskosten. Graf von Hohenthal  empfahl am 25. Juli dem Finanzkollegium, die Kosten zu gleichen Teilen dem Floßamt, dem Schulamt und der Saline aufzuerlegen. Am 31. August erging zunächst die Anordnung die Kosten zwischen der Saline und dem  Schulamt zu teilen.

 

  1. Juli Schreiben an den Amtmann Just (Wehrrezess).

Das Schulamt hatte  unter bestimmten Voraussetzungen, die  insbesondere den Lachsfang betrafen, dem Vergleichsvorschlag zugestimmt. Daraufhin wurde Just angewiesen, umgehend den Rezess  zu beurkunden und die erforderlichen baulichen Maßnahmen zu kontrollieren.

 

  1. Aug. Königlicher Befehl an das Salzwerk (WER Pforta II Nr. 941).

Salzwerk und Schulamt sollten sich über den Einsatz der Amtsfröner am Wehr verständigen.

 

  1. Aug. Hauptrezess zur Regelung der Wasserentnahme am Wehrdamm (Roßner, 1932).

Zu den Unterzeichnern dieses bedeutsamen Vertrages gehörten  der Müller Chr. G. Roßner, der Salinendirektor H. U. E. v. Hardenberg, Finanzrat G. H. v. Witzleben, Bergrat Fr. W. Heun, der Schulinspektor Ferd. Bernh. v. Watzdorf, Rentmeister E. C. Herbst, und der Amtmann S. P. Gutbier. Als Sachverständige waren auch der Kunstmeister Brendel aus Dürrenbe4rg und der Müller Schirlitz aus Roßleben zugegen.

Die 8 Paragrafen regelten die einzuhaltenden Wasserentnahmemengen, wobei natürlich die Interessen des Fiskus  bezüglich der Saline im Vordergrund standen. Für den Rückbau des „wilden Gerinnes“ zum Fischfang bekam der Müller jährlich von der Saline 40 Taler als Entschädigung. Außerdem wurde ihm erlaubt, unterhalb des Dammes eine kleine Lattenfischerei zu errichten. Die Lachse mußten wie bisher in der Schule abgeliefert werden, wofür er ein Fangegeld erhielt. Das Mühlengerinne wurde so verändert, dass die durchströmende Wassermenge effektiver ausgenutzt werden konnte. Die Fachbäume und Grießsäulen, die den Wasserstand markierten, wurden neu justiert und eine eigenmächtige Veränderung strengstens untersagt.

Am 17. Dezember wurde der Rezess von höchster Stelle genehmigt und Amtmann Just erhielt neben den regulären 35 Talern Aufwandsentschädigung, eine Gratifikation von 50 Talern, die er aus der  Kasse des Salinenfiskus zur Hälfte in bar und in Form von „ Kassenbillets“ erhielt.              

 

1812        

  1. Jan. Gemeindeerlass zur Hausschlachtung (St.-A. Nr. 171).

Jeder Einwohner, der zu Hause schlachtete sowie die beiden Fleischhauer Hilpert und Matthes mußten vor jeder Schlachtung einen „Steckzettel“  beim Fleischsteuer-Einnehmer Hämmerling abholen. Wurde das versäumt, drohte eine empfindliche Strafe. Den Erlass unterschrieben neben dem Ortsrichter Fr. Seeboth, J. A. Haun, J. S. Hänel, Fr. W. Heßner, J. Chr. G. Hübsch, G. Pechmann, G. Wagner, G. Seidler, J. Chr. Müller, J. G. Hilpert, H. Matthes, J. M. Gundermann, A. Junold, G. Sträuber, G. Fr. Platz, J. G. Hämmerling, Eva-Maria Heisenberg, Rosina Maria Förster, J. C. Törpsch, G. H. Burschel und J. Chr. Hoffmann. 

 

  1. Aug. „Etwas über den Kösener Gesundbrunnen“ (Naumburger Wochenblatt Jg. 1 Nr. 30/31).

Der Naumburger Arzt Dr. Kayser beschrieb den zu Trink- und Badezwecken genutzten Mühlbrunnen, obwohl der Brunnen inzwischen mit dem Backhaus der Roßnerschen Mühle überbaut war. Der Müller nutzte das Wasser auch zum Branntweinbrennen. Die chemische Analyse die der Apotheker Römler vornahm, ergab zwar fast identische Bestandteile mit dem  Brunnen im ehemals herzoglich-weißenfelsischen Bibra. Der Mühlbrunnen war aber ergiebiger und konnte auch zur Bereitung von Bädern verwendet werden. Dazu kam, dass die Umgebung reizvoller und im Gegensatz zu Bibra „wohl versehen mit artigen zweckmäßig eingerichteten Wohnungen“ war. Die Einwohner wären „billig in ihren Forderungen, gefällig in ihrer ganzen Behandlung, wissen wie sie die Fremden bald einheimisch zu machen und keiner der sich auf einige Wochen zu ihnen begibt, hat zu besorgen, daß durch Mangel häuslicher Bequemlichkeit, durch Langeweile bei ungünstiger Witterung oder gar durch verdrießliche Mienen seines Wirtes (.) die Heiterkeit seines Gemütes gestört und in den Wirkungen des Bades auf seine Gesundheit zurückgesetzt werden möchte“. Die Gattin von Dr. Kayser benutzte selbst den Brunnen, wie aus dem im gleichen Blatt erstmals veröffentlichten „Verzeichnis der diesjährigen Badegäste zu Kösen“ hervorgeht. Demzufolge waren es 34 Badegäste, darunter der Naumburger Stadtrichter und spätere Landrat C. P. Lepsius, der Geheime Finanzrat v. Witzleben, Mitglied des Salinendirektorats und die Ehefrau des Pfortaer Arztes Dr. Ulich. Aber nicht nur aus Naumburg und Pforte waren Gäste da, sondern auch aus Weißenfels, Dresden, Kölleda, Gotha und Wurzen, was für den Bekanntheitsgrad des Brunnens spricht.

 

            Katastration der Grundstücke zur Grundsteuererhebung (WER D34/1/713)

 

1813

             „Königlich Sächsischer Hof- und Staatskalender“ (HStA.MÜN digit).

Der Amtshauptmann Adolph Samson von Burkersroda, Floßmeister Anton Ferdinand von Zedtwitz, Floß-Zoll u. Land-Akzise Einnehmer Ludwig Maximilian von Zedtwitz, Floßschreiber Gottlob Heinrich Burschel, Floßgegenschreiber Christian Gottlob Schmeißer und Floß-Strafbefehlshaber Johann Christian Gotthelf  Hübsch waren die Beamten der Saaleflöße.

Ein weiterer Staatsbeamter war der Bai-Salz-Lizent Einnehmer Karl Friedrich Döring.

Zum Schulamt Pforta gehörten der Amtmann Siegmund Polycarp Gutbier, der Amts-Physikus Dr. Rudolph Ernst Uhlich, der Amts-Wundarzt Johann Gottfried Kettner, der Schulverwalter und Rentmeister Ernst Constantin Herbst und der Kornschreiber Ludwig Götze.

 

  1. Apr. Die ersten Kosaken passierten das Amt Pforte (Rentmeister Herbst v. 08. Mai).

Nach der preußischen Kriegserklärung gegen Napoleon und dessen Bundesgenossen streiften preußische und russische Abteilungen durch Kursachsen. Bereits am 03. April meldete das Naumburger Wochenblatt das Vorrücken fremder Truppen und ermahnte die Bevölkerung zur Vorsicht und Zurückhaltung..

 

  1. Apr. Einquartierung russischer und preußischer Vorhuten (s.a Haubold, Heimatbuch) .

 

  1. Apr. 1. Gefecht bei Kösen.

Französische und badische Vorhuten, die die Brücke überqueren wollten, wurden von den in Pforte biwakierenden Verbündeten auf Hassenhausen gedrängt, bevor sie der unter Marschall Ney anrückenden Hauptmacht weichen mußten.

 

  1. Mai Kaiser Napoleon passiert die Saalebrücke.

Bei Pforte ließ er halten und zwei Kavallerieregimenter passieren, denen er  nach Großgörschen folgte. Diese Regimenter waren  in der vorangegangenen Nacht in Kösen einquartiert, wobei auf jeden Hauswirt 50-60 Franzosen kamen (Seffner).

 

  1. Mai Einquartierung verwundeter Franzosen (Haubold, Heimatbuch 1930).

Napoleon behauptete dank zahlenmäßiger Überlegenheit das Schlachtfeld, die Preußen und Russen zogen sich zurück.

 

  1. Juli. Veröffentlichung der Kurliste (Naumburger Wochenblatt Jg. 2 Nr. 30, 32, 34).

Trotz der kriegerischen Ereignisse hielten sich hier 63 Badegäste auf, wie der Geh. Finanzrat v. Witzleben mit Gattin und Tochter, der Floßmeister v. Zedtwitz und der  Direktor der französischen Hospitäler in Naumburg Dr. Stannarius. Weitere Gäste reisten aus Leipzig, Gotha und Weißenfels an.

 

  1. Aug. Vereinbarung zur Errichtung eines Armenhauses in Neu-Kösen (St.-A. Nr. 60).

Armenhaus der Gemeinde, das 1809 außerhalb der damaligen Ortslage war völlig desolat. Da die Gemeinde aber zur Unterhaltung eines Armen- und Siechenhauses verpflichtet war, pachtete man vom Schulamt die „Lehmgrube“ zwischen der Fränkenauer Trift und dem Sträuberschen Anwesen, 22 x 16 Ellen groß, um hier ein neues Armenhaus zu errichten. Den Vertrag unterzeichneten  der Richter Seeboth und die Einwohner Joh. Chr. Haun, Joh. Samuel Hähnel und J. G. Schröter.  Später wurde hier die Berbigsche Kinderbewahranstalt errichtet (Burgstr. 16)

 

  1. Sep. Einquartierungen von Russen, Preußen und Österreichern.

Nach der Kapitulation der französischen Besatzung von Naumburg vor dem Korps des Freiherrn  von Thielemann, bezog dessen Stab sein Quartier in der Schule.

 

  1. Sep. 10.000 Mann, zumeist französische Kavallerie passieren die Brücke.

Nachhuten des bei Freyburg stehenden Thielemannschen Korps, bedrohten die Franzosen im Rücken.

 

  1. Sep. Handstreich des Korps Thielemann.

Er bemächtigte sich eines größeren Nachschubtransports und nahm mehrere hundert Mann  der Bedeckung gefangen. Wegen der nachrückenden Einheiten des Generals Le Febre Desnouettes ließ  einen Teil stehen, den die Einwohner plünderten.

 

  1. Okt. Durchzug des Kavalleriekorps Lefebre.

 

  1. Okt. Ankunft von Teilen des Augerauschen Korps.

Nach kurzer Einquartierung zogen die Franzosen am 8. Oktober über Naumburg nach  Leipzig.

 

  1. Okt. Österreichische Truppen rücken in Naumburg ein.

 

  1. Okt. Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig.

Napoleon befahl dem IV. Armeekorps unter Bertrand die Sicherung der Rückzugswege über Weißenfels, Freyburg auf Eckartsberga, insbesondere die Brücken über die Saale und die Unstrut. Gleichzeitig setzten die Verbündeten österreichische Truppen unter Generalfeldzeugmeister Graf Ignaz Gyulai in Marsch, um den Franzosen die Rückzugslinien zu  versperren. Gyulai hatte aber auch den Befehl, der Person des Kaisers Napoleon keine Hindernisse in den Weg zu legen, da er der Schwiegersohn des österreichischen Kaisers war.

 

  1. Okt. Geplänkel am Kösener Berg (F. Kretschmar: Das Gefecht bei Kösen…Sieling Verlag)

Die Franzosen unter Bertrand  hatten die Unstrutbrücke in Freyburg gesichert und rückten über Großwilsdorf auf die Kösener Höhen vor. Sie sollten zur Sicherung der linken Flanke der nach Eckarstberga gehenden Hauptmasse die Kösener Brücke zerstören und damit den Übergang der Verbündeten verhindern. Dagegen hatte Gyulai von Naumburg 4 Kompanien Infanterie, 1 Schwadron leichte Reiterei und 4 Kanonen unter dem Kommando des Majors Graf Gatterburg zur Brücke beordert. Die österreichischen Vorposten standen zwischen der Fränkenauer Hohle und  der nach Hassenhausen führenden  Chaussee.  Dabei waren auch 8.000 Kosaken unter dem Hetmann Platow, die der Oberbefehlshaber Fürst Schwarzenberg zum Schutz von Schulpforte entsandt hatte. Die Franzosen biwakierten bei Pomnitz.

 

  1. Okt. Gefecht bei Kösen (F. Kretzschmar: Das Gefecht bei Kösen… Sieling Verlag, 1926).

In der Morgendämmerung gingen die Franzosen durch das Schenkenholz und griffen die bei Fränkenau stehenden Vorposten der Verbündeten an, worauf sich diese  durch die Hohle auf  Neu-Kösen zurückzogen. Vor den Häusern und dem Floßamt, die zur Verteidigung eingerichtet waren,  stockte der Angriff der Franzosen. Inzwischen waren 12 Geschütze auf der Fränkenauer Höhe aufgefahren und nahmen die Brücke unter Beschuss und die verstärkte französische Infanterie drang nun vom Jochenberg in Neu-Kösen ein, um die Brücke zu nehmen. Als die Nachricht von den Kämpfen in Naumburg eintraf, befahl Gyulai das Vorrücken der Hauptmacht. Gegen 8 Uhr erreichten die Kavallerieschwadrone von Thielemann und Mensdorffs Alt-Kösen, die nachfolgende Gardejäger besetzten den Rechenberg und bedrohten die durch Neu-Kösen auf die Brücke vorgehenden Franzosen in der Flanke. Als die Hauptmasse der Infanterie eintraf, ging die Spitze ungeachtet der Kanonade sofort über die Brücke. Im Dorf entwickelte sich nun ein Kampf Mann gegen Mann. Den inzwischen zahlenmäßig überlegenen Verbündeten waren die Franzosen nicht gewachsen und zogen sich auf die Höhen zurück. Kritisch wurde die Situation als es frisch herangeführten französischen Kräften gelang, die Verbündeten wieder auf das Dorf zu drängen und entlang der Dorfstraße erneut auf die Brücke vorzugehen. Unter persönlicher Führung des Feldzugmeisters gingen frische Infanterieregimenter über die Brücke, denen es nun gelang, die Franzosen endgültig zu werfen und die Brücke trotz andauernder Kanonade  zu halten. Am späten Nachmittag endeten die Kämpfe. In dem Gefecht standen den 6000  Verbündeten 7000 Franzosen gegenüber. Auf Seiten der Verbündeten gab es 930 Tote, Verwundete, Vermißte und Gefangene, bei den  Franzosen und ihren Verbündeten wurden 270 Tote, 630 Verwundete und 649 Gefangene gezählt. 

Das Floßamt neben der Saalebrücke wurde durch den Beschuss weitgehend ruiniert und von den durchziehenden Preußen und Österreichern geplündert. Der Ober-Floß-Commissarius v. Zedtwitz samt Familie musste nach Naumburg übersiedeln. Auch die unmittelbar neben der Brücke stehenden Häuser, der Gasthof und das untere Schachtgebäude hatten erhebliche Schäden erlitten. Später mauerte man einige Kanonenkugeln in die Häuser an der Brücke.  Unter den Einwohnern gab es keine Opfer, die meisten hatten sich nach Flemmingen und Lengefeld geflüchtet.

Beim Zusammentreffen des Preußenkönigs Friedrich-Wilhelm III. und des Fürsten Schwarzenberg mit dem kaiserlich-russischen Generalgouverneurs für Sachsen, Fürst Repnin in Naumburg wurden der Fürstenschule zwei Schutzbriefe ausgestellt.

Nach Kretschmars Beschreibung im „ Das Gefecht bei Kösen“ zählte das Dorf rund 500 Einwohner und 50 Häuser. Alt-Kösen bestand aus der Saline, den beiden Schachtgebäuden, dem Salinengasthof  und der Pachtschäferei sowie auf der linken Saaleseite die Roßnersche Pachtmühle und dem Floßamt. Zum Dorf Neu-Kösen gehörten 8 Häuser an der Heerstraße (Lindenstr. Nr. 12, 14, 16, 18, 20, 21, 22, 24) und die gesamt bebauung entlang der nach Lengefeld führenden Fahrstraße (Borlachstraße). Hinter dem Stadtgut führte ein Fußweg zum Jochenberg, wo nur das Armenhaus stand und auf dem die Frazosen in das Dorf eingedrungen waren.

 

  1. Okt. Die Franzosen räumen die Fränkenauer Höhe.

Die Meldung über den Abzug der Franzosen, die die Domäne Fränkenau völlig ausgeplündert hatten, erreichte Fürst Schwarzenberg in Naumburg, der nun die Verfolgung der Franzosen befahl. Der Vorhut folgte bei Tagesanbruch das Gros  über die Brücke in Richtung Hassenhausen-Eckartsberga.

 

  1. Okt. Landes-Gouvernements-Verfügung Nr. 1 (Naumburger Wochenblatt).

Der Chef der Verwaltung des seit dem 12. Oktober besetzten Königreichs Sachsen, Repnin, erließ eine ganze Reihe von Verfügungen. Dazu gehörte die Unterstellung der sächsischen Armee unter das Kommando des Gen.-Ltn. Freiherrn v. Thielemann aber auch der Erlass „Die dringensten Vorkehrungen zur Abhelfung des Nothstandes im Land betreffend“. Dazu gehörten auch die Entschädigungen, für die bei den Einquartierungen erlittenen Schäden an Hab und Gut und die Isolierung der von einer Typhusepedemie betroffenen Soldaten und Zivilisten.

 

1814   

              Einquartierungsdekret (WER D 34/1/783).

Damit galten für die sächsischen Ämter die preußischen Einquartierungsvorschriften und somit auch für die hiesigen Einwohner, die bislang davon befreit waren.  

 

  1. Apr. Antrag auf Pauschalierung der Fleischsteuer (St.-A. Nr. 171).

Hilpert und Matthes sowie der Gasthofpächter Weber wollten einen jährlichen Festbetrag in die Fleischkasse einzahlen, um sich die zeitraubende Einzelerhebung zu ersparen.

 

  1. Apr. Bekanntmachung zum Floßholzhandel (Naumburger Wochenblatt Nr. 17).

Die zur Holzmesse verhandelten Bauhölzer durften nur noch gegen Barzahlung verkauft werden. Die bis dahin übliche Zahlung der Hälfte des Preises  mit Kgl. Sächsischen Kassenbillets (Wechsel) wurde untersagt.

 

  1. Mai Einundzwanzigster Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Die Teilhaber (Kgr. Sachsen, Großherzogtum Weimar, Herzogtum Altenburg) vereinbarten eine auf drei in den Jahren 1814, 1816 und 1818 zu haltende Communflöße .   

 

  1. Mai Revision des Kunstgestänges (DD Loc 1337 VII)

Finanzrat v. Witzleben und der Kunstmeister Brendel besichtigten das Kunstgestänge. Dabei wurde der desolate Zustand des Doppelfeldgestänges festgestellt, an dem insgesamt 36 Pumpen hingen, 21 Schachtpumpen mit 546 Fuß (153 m) und 3 Tagpumpen mit 74 Fuß (20,8 m) Förderhöhe, 6 Pumpen im Wildwasserschacht und 6 auf dem Gradierwerk. Senff, Judersleben und der Kunstmeister Müller wurden angewiesen, die Kosten zu veranschlagen, die dem Freiberger Kunstmeister Karl Christian Brendel vorzulegen waren. Eine zu diesem Zweck  angefertigte Zeichnung zeigt, dass das Gestänge über der kleinen Saale ohne Mittelpfeiler auskam und nur von einem technisch  ausgereiften Sprengwerk getragen wurde.

 

  1. Juni Der Gasthof wird dem Ehepaar Weber verpachtet (WER Rep. A 23I Nr. 1) .

Das Landes-Gouvernement genehmigte die  Verlängerung der Pacht zu den derzeit geltenden Bedingungen bis 1823 und Weber fand sich bereit, neben der Beseitigung der Kriegsschäden weitere bauliche  Verbesserungen sog. „Meliorationen“ auf eigene Kosten vorzunehmen.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der Badelisten (Naumburger Wochenblatt Jg. 3 Nr. 33, 34, 35).

86 Badegäste besuchten den Ort, darunter auch russische und österreichische Offiziere der Naumburger Besatzung und der Oberhofgerichtsrat  Prof. Weise mit Gattin und Tochter aus Leipzig.

Außerdem wurde der Bericht von Dr. Kayser über den „Kösener Mineralbrunnen“ fortgesetzt. Empfohlen wurde diesen vorzugsweise zum Baden zu verwenden, denn das wäre ein gleichwertiger Ersatz der Seebäder bei  den „mehrsten Krankheiten, welche unter so unzähligen Gestalten unser Zeitalter heimsuchen“. Außerdem geht daraus hervor, dass Kayser mit Sole „scrophulöse Augenentzündungen“ erfolgreich behandelt hatte. Eine weitere chemische Analyse des Mühlbrunnens  hatte inzwischen der Salinenfactor Senff vorgenommen.  

 

1815

 

  1. Jan. Vertrag über die Abtretung der sächsischen Ämter an Preußen (Allg. Gesch.)

Mir dem in Wien abgeschlossenen Friedensvertrag zwischen Sachsen und Preußen, gab  Sachsen  58 % seines Staatsgebietes mit 42 % seiner Einwohnerschaft ab, darunter  den Thüringer Kreis.

Die sächsischen Ämter wurden von Landkreisen abgelöst. Zum Landkreis Naumburg wurden das Stiftsgebiet und die Ämter Eckartsberga, Freyburg, Pforte, Tautenburg, Weißenfels, Haynsburg und Zeitz vollständig oder teilweise zusammen gefaßt. Zum Landrat wurde Carl Peter Lepsius von der kaiserlich-russischen Gouvernementsverwaltung ernannt. Der war seit 1812 Stadtrichter in Naumburg und seit 1812 Finanzprokurator des kursächsischen Thüringischen Kreises.

Da in den abgetretenen Gebieten auch die sächsischen Salinen lagen, verpflichtete sich Preußen (§19) zur Lieferung und Sachsen zur immerwährenden Annahme einer jährlichen Mindestmenge 150.000 Zentner (der Zentner zu 110 Pfund) Kochsalz, die auf 250.000 Zentner ansteigen konnte. Die Lieferung sollte vorzugsweise aus den Salinen Kösen und Dürrenberg kommen, wobei der Kösener Anteil maximal 1/3 betragen sollte. Der Vertrag selbst wurde vom preußischen Staatsminister von Hardenberg entworfen. 

 

  1. Jan. Erbpachtvertrag über die Salinenschmiede (WER Rep F23, II Nr. 21 Bd.3).

Der Nachfolger des 1814 verstorbenen v. Hardenberg,  Geh. Finanzrat G. H. von Witzleben schloss mit dem Hufschmiedemeister J. A. Deisen den Erbpachtvertrag ab. Für eine unverzinsliche Kaution von 700 Talern und einer jährlichen Pacht von 15 Talern erhielt der Schmied das Monopol für Huf- und Grobschmiedearbeiten für die  Saline und das  Dorf, mit Ausnahme der Siedepfannen, was der salineneigenen Pfannenschmiede vorbehalten blieb. Dem Vertrag wurde eine umfangreiche Inventarliste beigefügt, leider ist die dazugehörige Zeichnung nicht mehr vorhanden. Diese Schmiede auch Bergschmiede genannt befand sich auf dem Grundstück Rudolf –Breitscheid-Straße 10, der Schmied selbst wohnte in der   Nr. 14.

 

  1. Jan. Gutachten zur Instandsetzung der Gestängeanlage (WER Rep. F 23 Kap. III)

Der Kunstmeister Brendel hatte in technischer Hinsicht nur wenig anzumerken, monierte aber die Kosten. Die benötigten Eisenteile könnten die Salzfuhrleute, die Dürrenberger Salz nach Torgau brachten als Rückladung mitbringen, was die Kosten halbieren würde. Von Dürrrenberg würden sie dann mit den Glaubersalztranporten nach Kösen gebracht. Dennoch war der finanzielle Aufwand hoch und Brendel empfahl die Arbeiten auf drei Jahre zu strecken.

 

  1. Mär. Vereinbarung zum Scheitbach (MER C 48IIIb Nr. 5523).

Das herzogl.-altenburgische Saalefloßamt in Kahla genehmigte die anteilige Kostenübernahme für die Instandsetzung der Seiten-Verzimmerung des Scheitbachs auf der Grundlage des Anschlages des Kunstmeisters Müller .

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung von Kohlegruben (Naumburger Wochenblatt Jg. 4 Nr. 7).

Zum Aufruf kamen die Anteile, die der Holzhändler Gottlob Seidler an den „Braunkohlen-, Förderungs- und Streichanlagen“ in Wetterscheid und Naumburg hatte im Wert von 2.929 Talern. Seidler befand sich wegen des kriegsbedingten Einbruchs des Bauholzhandels in finanziellen Nöten.

 

                Franz von Gaudy, erster preußischer Alumnus in Pforte.

Als Schriftsteller schrieb er in seinen „Flüchtige Gedanken eines Portensers…“:-„Wer wäre wohl jemals von Leipzig nach Weimar  gefahren… und hätte nicht in dem durch seine Salzwerke, mehr aber noch durch seine Zuckerwerke, durch Kuchen nämlich, bekannten Kösen haltgemacht, um einen der letztern bei dem berühmten Herrn Hemmerling …“

 

  1. Juni Entbindung vom Untertaneneid (Naumburger Wochenblatt Jg. 4).

Am 18. Mai entließ der sächsische König Friedrich August seine Untertanen in den an Preußen gefallenen Gebieten. Die preußischen Leiter der Gouvernementsregierung (Staatsminister v. d. Beck, Generalmajor v. Gaudi) organisieren von Merseburg aus die Übernahme der preußischen Landesverwaltung, des Landrechtes, der Militär-, Polizei-, Steuer- und Finanzstrukturen in der nun als Herzogtum Sachsen bezeichneten preußischen Provinz. Diese wurde in drei Regierungsbezirke aufgeteilt, Magdeburg mit der Altmark und den Stiften Magdeburg und Halberstadt, südlich und durch das Fürstentum Anhalt fast vollständig getrennt der Reg. Bezirk  Merseburg, zu dem das  Schulamt Pforte mit Kösen und die Stifte Naumburg-Zeitz und Merseburg zusammengefasst wurden, die Landesschule selbst wurde dem preußischen Provinzialschulkollegium direkt unterstellt. Der Rest des Thüringer Kreises entlang der Unstrut und das ehemals kurmainzischen Gebiet bildete den Reg.-Bezirk Erfurt. Zugleich erfolgte die Grenzfestlegung zum Herzogtum Sachsen-Meiningen-Altenburg und zum Großherzogtum Weimar, wobei es zu einigen Grenzbereinigungen kam.

 

              Entschlammung der kleinen Saale.

Wie bisher üblich sollten die Kosten zwischen der Saline (2/5), der Landesschule bzw. deren Mühlenpächtern in Pforte und Altenburg (2/5) und dem Floßamt (1/5) aufgeteilt werden. Wegen der Neuordnung der Verwaltung kam es nun zu einem bis 1822 dauernden Streit zwischen den  preußischen Behörden über die Zahlung ihrer Anteile.

 

  1. Juli Geschäftsanzeige des Gastwirts J. S. Weber (Naumburger Wochenblatt Nr. 34).

Dieser lud die Badegesellschaft für den Sonntag zu einem „table de hote“ mit warmen und kalten Speisen, Musik und guter Bedienung ein. Die erste Badeliste in dieser Ausgabe  verzeichnete  39 Gäste, darunter auch wieder  C. P. Lepsius.  Bis 1821 wurden keine Kurlisten veröffentlicht. 

 

     Okt. Begutachtung der Klosterkirche durch die preußische Oberbaudeputation.

Unter Leitung von Karl Friedrich Schinkel erfolgte die Erfassung bedeutender Denkmale der an Preußen gekommenen sächsischen Provinzen. 

 

             „Vollständiges Staats, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen“ Bd. 5 (A. Schumann).

Die Angaben in der 1818 in Zwickau erschienenen Erstausgabe bezogen sich auf das Jahr 1810. Das Dorf Kösen hatte 370 Einwohner und 50 Wohngebäude, deren Besitzer der Landesschule erbzinspflichtig waren. Das Dorf ohne eigene Flur, war weder ein Bauerndorf aber auch keine  bürgerliche Siedlung, ihre Einwohner seit alter her von jeglichen Steuern, Einquartierungen und Gerichtsfolgen befreit. Lediglich der Erbpachtzins wurde an das Schulamt abgeführt. Für die Benutzung der Brücke, die der Verfasser in die Zeit Markgraf Heinrichs (des Erlauchten) datierte, wurde ein Brückenzoll erhoben, die Unterhaltung oblag den Amtsfrönern von Eckartsberga.

Maßgeblich für den Ort waren die fiskalischen Unternehmen Floßamt und Saline, für die Bewohner die Hauptnahrungsquellen.

Die Scheitholzflöße wechselte jährlich zwischen der herzoglich-altenburgischen Privatflöße mit 12 bis 18.000 Klafter und der fiskalischen „Commun-Flöße“ (Kgr. Sachsen, Großherzogtum Sachsen-Weimar, Herzogtum Sachsen-Altenburg) mit 20 bis 35.000 Klafter. Das Holz der Commun-Flöße wurde am Kösener Rechen ausgeschleppt, vermessen und den kursächsischen  Floßbeamten übergeben, die es saaleabwärts zu den Holzhöfen in Naumburg, Weißenfels, Dürrenberg, Merseburg und Holleben brachten. Die Pfännerdschaft zu Halle bekam 4 bis 6.000 Klafter.  Auf dem Kösener Stapel verblieben  6 bis 7.000 Klafter, für die Saline, die Schule und für die Versorgung der näheren Umgebung. Die altenburgische Privatflöße war eine Durchflöße und belegte ebenfalls die Holzplätze soweit es der örtliche Bedarf erforderte. 

Zu den Beamten gehörten der Oberaufseher der Saale-Flöße, ein Floßmeister und drei Floßschreiber, wobei bei der „Commun-Flöße“ ein herzoglich-altenburgischer „Gegenschreiber“  hinzukam. Die Floßbeamten erhoben von den im Frühjahr eintreffenden Bauholzflößen beim Übergang über das Wehr  den Einfuhrzoll, das Saalecker Geleit und die Landakzise von den mitgeführten Holzwaren (Bretter, Pflöcke, Schwarten, Böttcherholz). Zu den  Holzmessen in der Saaleaue zwischen dem Fischhaus und Altenburg wurden jährlich 500 bis 600 Flöße, mit 30 bis 50 Stämmen verkauft. Der größte Teil wurde weiter geflößt, aber auch auf der Unstrut stromauf getreidelt.

Die Saline erzeugte jährlich 42.000 Dresdener Scheffel Kochsalz, wozu früher 3.000 Klafter Holz und nun 100.000 Scheffel Erdkohlen verfeuert wurden. Außerdem wurden aus den Siederesten 800 Zentner Glaubersalz und Magnesia gewonnen. Zur Sonnensalzfabrikation gehörten 350 Kästen mit einer Fläche von 8.000 Quadrat-Ellen.

Die Tiefe der Solebrunnen wurde mit 82 Lachtern  bzw. 575 Fuß (163 m) angegeben. Die Saline belieferte aus der dazugehörenden Salzniederlage die Ämter des thüringischen, neustädtischen und vogtländischen Kreises. Das Personal der Saline wurde mit 11 angegeben, offensichtlich nur die Ober- und Unterbeamten, die der Gerichtsbarkeit des Salinenfiskus unterlagen. Alle anderen unterlagen der Amtsgerichtsbarkeit der Schule.

Das Rittergut Kreypitzsch mit der  Rudelsburg,  Lengefeld und den Gerichten in  Freiroda  gehörte zum Amt Eckartsberga. Eingepfarrt war das Gut nach Saaleck, nachdem die Lengefelder Filialkirche eingegangen war.